Mrmmer 172 Donnerstag, den 25. Juli 1918 11. Jahrgang Tageszeit^ Die .,1'ene Tages;eitnng" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen o. ”® tv H"uer aus Helsen". „Die Spinnstrrbe". Oemgspreis: Bei den PostansLalten oierteliübrlick Mk 2 40 tntt n0d) Bestellgeld: bei den Ahnten monatlich 85 Psg. einschließlich Trägeriohn. A»?eigen: Grundzeile 25 Pfg., lokale 20 Big.. Anzeigen von auswärts werden durch Bostnachnahme erhoben. Enullungsort ^riedberg. ^chr,ftle»tuny und Verlag yriedberg (Hessen), Hanaueräraße 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Lsnto 'JU. 4859, Amt Frankfurt a. M. »kinittnntk Schlicht i» Wkjlk«. Alle Angriffe der Franzosen und ihrer weihen und farbigen DilfsvolKer abgeschlagen. Der folgende Tag verhältnismässig ruhig. — Dene II Kovterfolge: 61000 Tonnen versenkt. Freiherr o. HnsiareK österreichischer Miniskerprästdent. Der deutsche Generalstab r=== meidet: ~ y M» T» K» Großes Karrplquartiev, -err 24. ^«Si. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Lebhafte Artillerietätigkeit nördlich der Lys, bei Ar- ras und bei A l b e r t Auf dem Westufer der Avre stieß der Franzose bei örtlichem Angriff bei und südlich von M a i l l y vorübergehend bis an die Avre vor. Unser Gegenstoß stellte die Lage wieder her und schlug am Abend aus Mailly und nördlich davon vorbrechende Teilangriffe des Gegners zurück. Zwischen A i s n e und Marne setzte der Feind gestern früh nach Heranführung neuer Divisionen seine Massen- angrifse fort. Die Armee des Generalobersten von B o e h n brachte den mehrfach wiederholten Ansturm des Feindes völlig zum Scheitern. Franzosen und Amerikaner erlitten wiederum schwerste Verluste. ^ Zwischen N o yon und Hartennes stürnite der Feind fünfmal vergeblich an. Beiderseits von Villemon- toire gewann er vorübergehend etwas Boden. Unser Gegenangriff warf ihn über sejne Ausgangslinien hinaus zurück. Villcmontoire wurde dem in dichten Mengen von unserer Artillerie beschossenen zurückslutenden Feinde wieder entrissen. Nördlich des Ourcq zerschlug unser Vernichtungsfeuer feindliche Angriffe in ihrer Bereitstellung und bei ihrem ersten Ansturm. Panzerwagen, die unsere Linien durchstießen, wurden zusammengeschossen: Infanterie, die ihnen folgte, wurde im Gegeustoß zurückgeworfen. Auch die zwischen Ourcq und Marne kämpfenden Truppen wehrten starke feindliche Angriffe, meist schon vor ihren Linien ab. Von der Höhe nordöstlich von Nocourt und aus dem Walde von Chatelet warfen wir den Feind im Gegenstoß wieder zurück. Am Nachmittage fanden nur noch Teilkämpfe statt; der Gegner wurde abgewiesen. Südwestlich von Reims dauerten schwere Kampfe tagsüber an. Zwischen Marne und Ardre stieß der Feind mehrfach vergeblich zu heftigen Teilangiifsen vor. Nördlich der Ardre warf der Franzose neben weißen und schwarzen Truppen auch Italiener und Engländer in den Kampf. Der Angriff der in der Bereitstellung wirksam getroffenen Italiener kam nur schwach zur Entwicklung und wurde schnell zusannnengeschossen. Auch Franzosen und Engländer vurden nach vielfach erbittertem Kamps und teilweise durch Gegenstöße zurückgeschlagen. Der Erste Gcneralquartiermeister: Lndendorff. Abendbericht. Berlin, 24. Juli, abends. (WB. Amtlich.) Ans dem Schlachtfelde zwischen Caissons v.-.O Reims im gan- zen ruhiger Tag. Teilkämpfe südlich des Ourcq Und südwestlich von Reim s. ! Der österreichische Generalstak — = meldet: =^=r=^= 3 Wien, 24. Juli. (WB.) Amtlich wird verlautbart: An der italienischen Front keine nennenswerten Kampfhandlungen. Aus dem albanischen Kriegsschauplatz haben unsere braven Truppen die. gewaltigen Anstrengungen des Feindes, unsere Linie im Devoliabschnitt zu durchbrechen, durch zähen Widerstand vereitelt. Das türkische Hauptquartier ===== meldet: Kinstantinopcl. 23. Juli. (WB.) Palästinafront: Aus verschiedenen Teilen der Front lebte das Artilleriefeuer zeitweise auf. Unsere schwere Artillerie nahm die feindlichen Bahn. Hofsanlagen bei Lito und Jaffa und feindliche Lager und Bewegungen im Jordan-Brückenkopf unter wirksames Feuer. Auf dem Ost-Jordanufer wurde eine feindliche Aufklärungsabteilung abgewiesen. Auf den übrigen Fronten ist die Lage unverändert Konstantinopel, 21. Juli. (WB.) Das Kriegsprestequar- tier meldet: Am 14. Juki früh unternahmen wir mit türkischen und deutschen Truppen einen Angrisfsversuch, »m den Feind im Audscha-Tale zu beunruhigen und uns zuverlässig über die Verteilung seiner Streitkräfte zu unterrichten. Am 13. Juki nachmittags und abends brachte unsere Artillerie durch Feuerangriffe feindliche Lager am Audscha in Verwirrung. An den felgenden Tagen machten unsere Truppen einen Angriff auf die feindlichen Stellungen westlich des Jordans, während im Osten des Flusses unsere Truppen Scheinangriffe machten. Westlich des Jordan wurde der Feind vollständig überrascht. Die ersten Linien wurden über den Haufen geworfen und die englischen Truppen zogen sich in Auflösung auf die im Audscha-Tale gelegenen Lager und sogar über den Fluß zurück. Drei Geschütze und eine große Anzahl Maschinengewehre wurden erbeutet. Infolge des vom Feind angesetzten Gegenangriffs mußten später unsere vorgeschobenen Truppen zurückgenommen werden. Der Gegenangriff verursachte für die Engländer gleichwohl sehr hohe Verluste. Unsere Truppen östlich vom Jordan hatten inzwischen eine Schlacht begonnen. Der von dem Oberst v Schierstädt befehligten Reiterei gelang es, einen feindlichen Brückenkopf am Jordan im Sturm zu nehmen und mit Hilfe deutscher Infanterie das westliche Flußufor zu gewinnen. Die Engländer fetzten gegen unsere Truppen mehrere Kavalleriebrigaden an, welche wir herankommen ließen, um dann ein außergewöhnlich mörderisches Feuer auf sie zu richten. Die feindlichen Regimenter wurden vollständig vernichtet. Nur einige Trümmer konnten sich retten. So krönte ein voller Erfolg unsere militärischen Unternehmungen und erwies zugleich aufs neue den ausgezeichneten Angriffsgeist, der unsere Truppen beseelt. In der folgenden Nacht wurden unsere Stoßtrupps plangemäß in ihre alten Stellungen zurückgenommen. Vie Schlacht im Westen. Die Meldung der 7. Armee. Von der Armee des Generalobersten von Bahn ging trn Größen Hauptquartier am Nackmittag des 23. Juli folgende Meldung über die erfolgreiche Abwehr des feindlichen Großangriffes am Vormittage ein: Nach etwa einstiindiger Feuervorbereitung in höchster Kampfstärke ging der Feind auf der ganzen Westfront der Armee zu neuem einheitlichen Angriff über. Von starker, zum Teil neu gruppierter Artillerie unterstützt, griffen Franzosen, Schwarze und Amerikaner, von zahlreichen Kampfeinheiten begleitet, an. Auf der ganzen Front wurden die mehrfach wiederholten Stürme des Feindes, teils vor. teils in den Stellungen. zum Teil in Gegenangriffen abgewiesen. Der einheitliche Großangriff des Vormittags ist zu Ungunsten des. Feindes entschieden. Teilangriffe sind noch im Gange. Im Einzelnen. Den gegen den Abschnitt — General von Watter — anstürmenden weißen und schwarzen Massen gelang es beim ersten Ansturm unter Begleitung von bis zu vierzig gezählten Tanks zwischen Buzanev und Tigny zunächst Boden zu gewinnen. Bald hinter ihrer vordersten Linie fingen die Divisionen den Angriff auf und schlugen den Feind im Gegenangriff zurück. Villemontoire wurde dem in dichten Mengen von unserer Artillerie beschossenen, zurückflutenden Feinde wieder entrissen. Vis zu vier Malen holte der Feind zu neuen Angriffen vergeblich aus. Das Korps hat mehr als'seine alte Linie wieder gevonnen. Ein erneuter Feindangriff ist zurzeit nördlich Tigny wieder im Gange. Zahlreiche zerstörte Tanks liegen hinter der Front. Mit sichtbar gutliegendem Vernichtungsfeuer nahm Abschnitt — General von Etzel — gegen sechs Uhr vormittags den gleichfalls von zahlreichen Tanks begleiteten Feindangriff an. Er wurde im Nahkampf und in Gegenstößen abgewiesen. Gegen ackü Uhr vormittags drangen neue Infanterie- und Tank-Wellen vor. Ihr Hauptdruck richtete sich gegen die Linie beiderseits Le Plessier—Huleu. Der Feind wurde abgcwiesen. Tanks, die über die große Chaussee hinter der Front durchgebrochen waren, wurden zusammengeschossen. Auch rm Abschnitt — General von Winckler — entwickelten sich schwere Kämpfe. Seine Divisionen schlugen alle Angriffe ab. Höhe 141 ging vorübergehend verloren und wurde durch Gegenangriff wieder genommen. Im Dorf Armen- tiöres an der Straße Soissons—Chateau Thierry gelang es dem Feinde, Fuß zu fassen. Gegenangriffe sind i.n Gange. Die Divisionen der Abschnitte — General von Schoeler und General von Kathen — schlugen den gleifolls in große Stärke mit Tanks angreifenden Feind ab. Nur im Nori teil des Chate^Waldes, in den der Feind eindrang, fiiO Gegenkämpfe stoch im Gange. Sonst hat die Kampftäti. keit hier nachgelassen. Jagd- und Schlachtflieger wurden mit Erfolg in den Kämpfen eingesetzt. Die Truppenzugehörigkeit zahlreicher Gefangener wird in der Abendmeldung gemeldet, Der Kampf gege« die Sturmwagen. Berlin, 24. Juli. ( WB.) Die Sturmwagen sollten es machen. Ungeachtet des Zusammenbruches der englischen Sturm- wagenwaffe im März und April an der Somme, wo englische Panzerwagen zu Hunderten von den Deutschen zusammengeschossen und erbeutet wurden, setzten auch die Franzosen ihre hauptsächliche Hoffnung für den geplanten Durchbruch zwischen Aisne und Marne auf den Masteueinsatz von Panzerwagen. Die Fran- zosen brachten eine neue Art, einen neuen schnellaufenden und besonders wendigen Sturmwagen heraus. Am Morgen des 18. Juli brachen auf der ganzen Front große Sturmwagengeschwa- der unnrittelbar gegen die deutschen Linien vor. Zwischen je zwei Wagen ging eine Gruppe von Leuten mit Flaggen als Sturmwagenführer. Sie erzielten zwar am ersten Angriffstag einen Einbruch in die deutschen Linien, jedoch blieb trotzdem bei diesem ersten Angriff eine große Anzahl von Sturmwagen auf dem Schlachtfelde liegen. Die Verluste häuften sich am folgenden Tage. Einen großen Teil von ihnen erledigten bereits die Sturmwagenabwehrgeschütze. Eine weitere nicht unerhebliche Zahl setzte die Infanterie mit ihren eigenen Hilfswaffen außer Gefecht. Aber auch dort, wo den Sturmwagen der Einbruch in die deutschen Linien gelang, verlor die deutsch* Infanterie nicht den Kopf, weder die alten erfahrenen Sturmwagenkämpfer aus der Schlacht bck Cambrai. noch der inzwischen eingestellte Ersatz, der zum ersten Male diesen feuerspeienden Ungetümen geaenüberstand. Die Infanterie wich den an- rollenden Panzerwagen geschickt aus und ließ sie gegen die In. fantcriestellungen anlausen, wo sie dann einer nach dem an>"ra erledigt wurden. Auch die Schlachtflieger zeichneten sich im Kampfe mit den Cturmwagen aus und warfen, auf zw.- ' 's dreißig Meter herablloßend, wohlgezielte Bomben, die rrn.,: ; einen Wagen außer Gefecht setzten Von Soisions bis hinu. . nach Chateau-Thierry liegen Dutzende verbrannter Sturm* wagen, zwischen ihnen in dunklen Masten schwarze und weiße Franzosen und an einzelnen Stellen weiße und auch schwarze Amerikaner, wie sie das deutsche Maschinengewehrfeuer reihenweise umlegte. 6! 000 Tonnen versenkt. Die Tat eines TI-Krc»;ers. Berlin, 23. Juli (MB Amtlich.) Einer unserer U-Kreu- ?er, Kommandant Korvettenkapitän von Rostiz und Jänkendorff hat 15 Dampfer und 12 Segler mit zusammen rund 61 000 Brt. versenkt. Unter den versenkten Dampfern befand sich der bewaffnete englische Truppentranspcrtdampfer „Drvinst" von 8173 Bruttoregistertonnen. Der Chef de9 Admiralstabk- der Marin* Den 100. Kttststeg errungen. Berlin, 24. Juli. (WTB. Amtlich.) Unsere in Flandern unter dem Befehl von dem Leutnant zur See Sachfen- berg stehenden Marineflieger haben in den letzten Wochen 24 feindliche Flugzeuge abgeschossen »wd damit seit Bestehen dieses Flicgerverbandes (31. 4. 1917) ihren 100. Lnftsieg errungen. Leutnant zur See Sachsenberg schoß seinen 16. und 17. und Leutnant Osterkampf seinen 16. Gegner ab. Hervorragend sind an den Erfolgen noch beteiligt Dizeflugmeister Heinrich und Flngmaat Zenjes. Der Chef des AdmiralüabeH der Marine. Rußland. Die Engländer im Norden Moskau, 21. Juli. (WB.) Die Engländer Haben in Archangelsk gewaltsam ihre Mission gelandet. Mit der Ueborsiedelung der Entente-Botschafter auS Wologda nach Archangelsk muß gerechnet werden. Die Engländer räumen beschleunigt das Gesandtschaftsarchiv in Wologda. Die Engländer erschossen in Kem das Präsidium des Kriegsexekutiv-Komitees. Kampfe gegen Tschechvslowaken und Kosaken. Moskau, 21. Juli. (WB.) Die hiesige Presse meldet: Der Nordzipfel des Tongebiets ist von den Kadettenbanden befreit. Die Station Oij Nodwogskoi soll genommen worden sein. Die Wladikawkas-Bahn ist von den Kadetten geräumt. Am 17. Juli begann die allgemeine Mobilisierung der Arbeiter. Die Angeworbenen werden auf vier Tage ent- lassen, dann den Truppenteilen zugewiesen. Aus Baku wird mitgeteilt, daß die Sowjettruppen im Kaukasus Vorgehen: die Station Awlach ist genom- men. Generalleutnant Birjukow wurde wegen Organisierung der Kosaken in Astrachan gegen den Sowjet zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Auf der östlichen tschecho-slowakischen Front geht der Gegner auf beiden Bahnlinien vor. An der Bahn Jekaterinburg—Tscheljabinsk sind die Sowjettruppen auf die Station Mramerskaja zuruckgegangen. An der West-Ural- front stehen die Sowjettruppen bei Aroslanowo. Die Bahnlinie ist vielfach unterbrochen. In der Richtung Poporinsk stehen die Sowjettruppen arrf der Linie Station Lukows- kuja—Olichowskoi—Golewskoi. Bonisch-Brujewitsck. vom Zentral-Exekutiv-Komitee, ist zum Chef der Organisationen zum Schutz gD^n die Gegenrevolution und Spionage ernannt worden. Kiew, 22. Juli. (WB.) Die Zeitungen melden, daß die Freiwilligen-Armee nach dem Sieg bei Tichoretzkaja weiter vorgedrungen ist und 30 Werst östlich von J^ate- ringdar steht. Nördlich Tichoretzkaja sei der Knotenpunkt Sossyka besetzt worden und dadurch die Rückzugslinie der Bolschewili bedroht. s Moskau, 21. Juli. (WB.) Me Züge der Nikolai- Bahn außer vier Zügen erhalten Güterzugsgeschwindigkeit. Am 18. Juli wurden in Petersburg 328 Cholerafälle festgestellt. Am 19. Juli waren in Petersburg 109 Cholerafälle zu verzeichnen. Nach der Erschiesmug Nikolaus II. Moskau, 21. Juli. (WB.) „Bjednota" stellt mit Ge- nugtuung fest, daß durch die Hinrichtung des Zaren „der muskulöse Arm der Arbeiter endgültig die Ketten des Zarismus gesprengt habe." Ein Arbeiter habe das Urteil unterschrieben, ein Arbeiter habe den Kaiser bewacht, ein Arbeiter habe den Zaren von Tobolsk nach Jekaterinburg gebracht. Bieloborodow, Awdejew und Jakowiew, das seien die drei Arbeiter, in deren Hände die Geschichte die geheiligte Person des gottgesalbten Nikolaus des Letzten cursge- liefert habe. Die frühere Zarin ist aus Jekaterinburg fortgeschafft Worden. Die Großfürsten Jgar Konstantinowitsch, Konstantin Konstantinowitsch, Iwan Konstantinowitsch und Sergius Michailowitsch, die in Alapajewsk gefangen gehalten wurden, sind laut amtlicher Nachricht vom 18. Juli befreit worden. Sie sind verschwunden. Ein Erlaß über die Einziehung sämtlichen Eigentums der Zarenfamilie ist veröffentlicht worden. Ijnffimk öifrmWichkr MiiißkrprWknt. Wien. 24. Juli. (WB.) Wiener Korr.-Bur. Wie wir erfahren, wurde der Geheime Rat Dr. Max Freiherr Hussa» rek v. Heinlein zum Ministerpräsidenten ernannt. Japanische Mstnngsräftel. Der Rat der japanischen Feld marsch alle hat einer Regierungsvorlage zngestrrnmt, die die Verdoppelung der Friedensheeresstärke und eine sehr starke Vergrößerung der Flotte for. dert. Bei dem hohen Ansehen, das der „Rat der großen Alten", der verdienten japanischen Schlachtensieger im Lande genießt, imb bei der Bereitwilligkeit oller Parlamentsparteien, dre militärische Kraft des Reiches zu stärken, ist nicht daran zu zweifeln, daß die Vorlage endgültig Gesetz und sehr bald ausgesührr werden wird. Japan will für alle Möglichkeiten der Zukunft bereit sein. Daß man sich in Europa den Kopf darüber zerbricht, was für Möglichkeiten das sein könnten. und daß man zu sehr gewagten, sehr törichten Ergebnissen kommt, würde für die politische Einsicht der weißen Rasse nicht gerade schmeichelhaft sein, wenn nicht heiße Wünsche und Hoffnungen verwirrend mitsprächen und den Japanern das unterlegen, was man selber inbrünstig vcn ihnen erwartet. Auch die besondere Kriegslage hilft dazu, einige Unklarheit über Japans Absichten bei denen zu erwecken, die die Gepflogenheit ostasiatifcher Staatsmänner, „in Jahrzehnten zu denken", übersehen. Das Lcurd der aufgehenden Sonne steht mit dem Lande, dessen Senne allmählich untergeht, mit Großbritannien, im Bundesverhältnisse. Beim Kriegsausbruch beugte Nippon diese Abmachung, um sich Kiautschous zu versichern. Japan hat es immer verstanden, die Gelegenheit frisch beim Schopf zu ergreifen, und da es seit Schimonoseki mit 'Deutschland noch ein Hühnchen zu pflücken hat, schmeckte ihm die Beute doppelt süß Seit der Gwtewmg o*m Sftogfcm hat 3* pan aber keinen Fintzer mehr für die Entente gerührt. Das Märchen, es habe bet der mit zerschmetternder Uebermacht erfolgten Vernichtung des tapferen Spee'fchen Geschwaders mit- gewtrtt, ist von Tokio aus längst entschl^>en Lügen gestraft worden. Die Japaner stehen Gewehr bei Fuß. nehmen alle wirtschaftlichen Vorteile wahr, dte der Krieg ihnen in üppige« Matze bietet, bereichern sich gewaltig und schärfe« unablässig ihre Waffen. Tausendmal sind, besonders aus Parts, bewegliche Hilfeschreie zu ihnen gedrungen, Frankreich war durchaus entschlossen, etwaige japanische Hilfe in Europa mit seinem indochinesischen Kolonialbesitz zu bczahlen. Japan jedoch hat auch dieser Versuchung widerstanden. Es mischt sich in den Weltkrieg auf dte Weise, die man in Frankreich erwartet und in England ach so gern sähe, ganz und gar nicht ein Nur seine Interessen, nicht diejenigen der fremden Mächte, wird es wahrnehmen. In Tokio würde es wah'scheinlick als beste Lösung der gegenwärtigen weltpolitischen Schwierigkeiten begrüßt werden, wenn weder die Entente, noch Deutschland und seine Verbündeten als Sieger aus dem Kampf hcrvorgingen. Geradezu peinlich empfinden die klugen gelben Herren aber einen Sieg des Angelsachsentums. Bliebe Englands Macht unangetastet, oder gewönne noch durch den Krieg, dann wäre für Japan die Stunde der Demütigung nicht fern. Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Nordamerika würden seinem Vordringen sofort Schranken setzen, und jede Rücksicht, die sie jetzt noch nehmen müssen, fallen lassen, sobald sie den heimlich tief verachteten Mongolen nicht mehr nötig hätten. In Nordame. rika ist ieder Mensch davon überzeugt, — wenigstens zweifelte bis vor dem Krieg keiner daran — daß eine bewaffnete Auseinandersetzung mit Japan unvermeidlich sei Und wenn Wilson jetzt die Stimmung im Lande ausnutzt, und sich ein Millionenheer schafft, so denken die Pankees sicherlich, dcß es vielleicht für die Front rn Flandern und Frankreich zu spät kommt, für die Wacht am Stillen Meer cber nicht. Japans Rüstungen sind möglicherweise eine Antwort auf Nordamerikas militärische Anstrengungen. Möglicherweise haben sie auch den Zweck, jeden Versuch, ihm bei etwaigen ostasiatischen Unternehmungen in den Arm zu fallen, von vornherein als gefährlich erscheinen zu lassen. Die eigentlichen Pläne Nippons kennt niemand, dagegen kann sich jeder ein Bild davon machen, welches Gewicht die neue Heeresvermehrung in die Wagschale zu werfen vermag. Und solche Gedanken ju erwecken, beabsichtigt Japan vielleicht. Die englische öffentliche Meinung, deren politische Witterung immer hoch anzuschlagen war, zieht ein saures Gesicht. Es fehlt nicht an den üblichen tröstenden Redensarten, und man fckleicht um den heißen Brei herum, ohne feine geheimen Sorten zu verraten, aber besonders wohl ist anscheinend keinem Politiker zu Mute. Wir Deutsche können den kommenden Ereignissen um jo ruhiger entgegensetzen. Der ostasiatische Knochen, den die drei mächtigsten Entewte-Mitglieder einander mißgönnen. ist sehr wohl geeignet, ohnehin recht kühle Freundschaften in die Brüche gehen zu lassen. Der Verwundete Franwke. Beredtes Zeugnis, wie deutsche Aerzte und Sauitätsmann- fchaften verwundete Feinde zu behandeln pflegen, leisten die im März 1913 bis zur Einlieferung ins deutsche Gefangenenlager gemachten Tagebuchaufzeichnungen eines bei Royon in Gefangenschaft geratenen französischen Infanteristen. Es heißt darin: 26. 3. 18. . . Tie Deutschen machen nur an Ort und Stelle einen ersten Verband. Sie sind tapfere Soldaten, unerschrocken im Kampfe. Dabei baden sie ein gutes Herz und die Verwundeten werden gut gepflegt. . . . Mon tut alles Mögliche. um uns zu pflegen: man bringt uns so gut wie möglich unter." 27. 3. 18. ,.Die deutschen Krairkenwärter sind tüchtiger als die unsrigen. Sie sind zartfühlender. . . ." 30. 3. 18. „Mir geht es vollkommen gut, während viele meiner Kameraden leiden. Die Aerzte tun, was sie können, um ihnen Erleichterung zu verschaffen. Wir werden genau so gut verpflegt, wie die deutschen Verwundeten, sind Mt untergeöracht und haben jÄrer zwei Decken " 31. 3. 18. „Wir liegen noch in St. S. . . , und bekommen den ganzen Tag sehr gutes Essen." Hier spricht wieder einmal einer der vielen in unsere Hände geratenen Franzosen, wie es ihm ums Herz ist. Unbeeinflußt von hetzerischen Vorgesetzten, die ihren Untergebenen vorschriftsmäßig weißmachen, daß sie ron den Deutschen gemartert und gequält würden! Der Verwundete bestätigt gleichzeitig in gerechter Entrüstung die perfide Gepflogenheit unserer Feinde, unsere Verbandsplätze und Lazarette hinter der Front, jedem Menschlich- keitsgefühl und Völkerrecht zuwider, durch militärisch nutzlose Fliegerangriffe heimzusuchen. Er schreibt am 1. April 18: „Wir sind viele Verwundete. Ein Sanitätszug fährt ab. Am meisten ärgert mich, daß während der Nacht Verwundete durch französische und englische Flieger getötet worden sind. Es ist eine Gemeinheit, Bomben zu werfen, denn unsere Flieger kennen sehr genau die Verbandftätten ... Ich denke, die Deutschen werden es ihnen schon heimzcchlen!" Verschiedene Nachrichten. Ein Raubanfall auf einen Güterzug. In der Nacht zum 23. Juli wurde ein auf der Fahrt von Duisburg nach Oberhausen befindlicher Güterzug von bewaffneten Räubern überfallen, die mit vorgehaltenem Revolver das Dahn- personal zwangen, die Ausräubung ihrer Wagen zuzulasten. Eine von der Station Oberhausen abgegangene Hilfsmaschine, die mit Bahnbeamten besetzt war. gelangte am Orte der Tat an, als die Räuber noch nrit der Fortschaffung der Säcke beschäftigt waren. Es gelang den Bahnbeamten, von den gestohle» nen Säcken neun zurückzuhalten. Die Bande konnte bisher nicht ermittelt werden. Türkischer Tabak für Deutschland. Der Dampfer „Path. mos" Mit 10000 Ballen Zab*t für Ätsche Rechnung ging am 18. Juli von Konstautinopel nach Bratla ra See. Es ist dies die größte Tabakfenduug fett Kriegsausbruch. Der Taöal stammt hauptsächlich aus den Provinzen Samsun und Smyrna. Der gemütvolle Roofcvelt. Einer Reutermeldung aus Nero» York zufolge sagte Roosevelt in einer öffentlichen Rede ia Newyork. wo er, wie bekannt, von Republikanern als Kandidat für die Gouverneurwahlen aufgestellt werden sollte. Da» sicherste Mittel gegen die deutsche Spionagegesahr sei. jeden Spion zu erschießen, wo immer man ihn finde. Diese Worte des republikanischen Führers wurden, wie Reuter meldet, mit unpebeurem Beifall ausgenommen. Es liegt auf der Hand, daß der amerikanische Mob sie als Aufforderung zum Lynchen und zur Ermordung der Deutschen auffaßt. Lichtlose Nächte. Der „Matin" berichtet aus Newyork. daß die R^ierung für eine unbestimmte Zeitdauer vom 25. Jult ab für die Staaten Rew-England. New°Ie y, Newyork. Penn» sylvanien, Delaware und Maryland sowie für den Distrikt Co. lumbia vier lichtlose Nackte und für die übrigen Staaten zwei lichtlose Nächte in der Woche angeordnet habe. Wo wird in Mimst das fcrntiilif ßorn waiWi? Die strenge Rationierung, unter der wir seit dem Herbst 1914 stehen, hat das deutsche Volk gern und willig auf sich ge> ncmmen. weil es der Meinung war, daß es so sein müste. Wir waren ja abhängig von der Broteinfuhr und der Feind sperrte uns ab in der Hoffnung, uns damit zugrunde zu richten, da hieß es eben Einteilen, Rationieren Aber je länger wir de« Zustand der Absperrurrg aushalten, um io klarer wird, daß nicht nur der Feind, sondern sogar wir selbst unsere Abhängigkeit von draußen ganz bedeutend überschätzt hatten. Uns liegt eine Statistik aus dem Jahre 1914 vor über den Ertrag an Brot- getreide in jeder preußischen Provinz und jedem deutsche« Staate. Diese Tabelle ergibt, daß Preußen, obwohl es die hockindustriellen und dichlbsvölkerten Provinzen Rheinland, Sachsen, Schlesien hat, doch in hohem Grade ein Getreideüber- schußland ist. Norddeutschland, nämlich Preußen einschließlich der beide« Mecklenburg, Vraunschweig und Anhalt ergab einen Ueberschuß von 1 331590 Tonnen Brotgetreide: demgegenüber war gan- Süddeutschland. obwohl es nicht in so hohem Grade industrialisiert ist wie große Gebiete des Nordens, doch durchaus Getreide» einfuhrland und hatte mit Anschluß von Thüringen und Sachsen einen Getreidebedarf von 1 209 541 Tonnen. Aber, wird man einwerfen, wir waren doch Getreideeinfuhrland im ganzen. Ganz recht, aber nur darum, weil wir vom Brotgetreide verfütterten. Diese Tabelle ist ausgestellt zu eine» Zeit, wo das Verfütterungsverbot schon ergangen war. Norddeutschland hat also sowohl die größten Verbrauchergegenden, Städtebezirke, als auch zugleich die stärtsteu Erzeugerländer. Ost- elbien für sich betrachtet ist ein Getreideausfuhrland von der Bedeutung Rumäniens (1,3 Millionen Tonnen.) Erstaunlich ist auch zu sehen, was für eine gewaltige getreideproduzierende Kraft Deutschland hat» wenn man sich vor Augen stellt, daß Deutschland eine Körnerernte einschließlich Safer und Gerste (im Jahre 1913) hatte von 570 Millione« Zentner, während der gesamte auf dem Weltmarkt sichtbar werdende Ueberschuß der Eetreideausfuhrländer der ganzen Welt nur 270 Millionen Zentner beträgt. Affo wurde der gesamt» EtreideÜberschuß der Welt nur eben ausreichen, den halben Getreidebedarf der ganzen deutschen Bevölkerung zu decken. Aber noch eine andere Rechnung kann man aus dieser Zahl ziehen, nämlkch die jetzt zum deutsch-europäischen Wirtschafte block gehörenden reichen Getreideländer Europas, Rumänien, Ukraine, Polen, Livland, Kurland, Litauen hatten in Friedens, zetten einen Ueberschuß von zusammen 170 Millionen Zentner In Zukunft kann und soll der Ueberschuß dieser Länder Deutschland zufließen. Was brauchen wir da noch Uebersee? Was kann uns da noch die englische Blockade anhaben? Wird nicht allmählich dieser ganze englische Aushungerungsplan zum hohlen Bluff? Es kommt freilich darauf an, daß wir es verstehen, die hl unsere Hände gefallenen Existenzmöglichkeitcn auch richtig zu werten und zu nützen und die Produktion in diesen Ländern gleich wie im eigenen Heimatland zu solcher Macht und Leistung anzufeuern, daß uns in Zukunft die übrige Erde, was Brotversorgung anbetrifft, gleichgültig sein kann. Können wir das schon jetzt verwirklichen, so ist der Friede da. Welche Verstär- kung unserer strategischen Pfänder, wenn wir auf diese Weise die ökonomischen Pfänder in der Hand des Feindes zu entwer- ten vermögen. Wie sich, mit dem Auge eines Neutralen ange» sehen, diese Dinge ausnehmen, möchten wir belegen mit einer Aeußerung eine: schwedischen Zeitung, des „Aftenbladet": „Die Ostseeprovinzen sind, wenn man von der Stadt Riga abpeht, zum überwiegenden Teil landwirtschaftliches Gebiet, dessen Haupterzeugnis Roggen ist. Vor dem Kriege führten die Deutschen selbst Roggen aus und führten Weizen von Amerika und den Donauhäfen ein. Wenn einigermaßen nor. male Zustände wiederkchren, kann man in Schweden mit einer bedeutenden Rosgeneinfuhr aus diesen Gebieten rechnen. Es ist nicht unmöglich, daß Livland von neuem eine Kornkammer für Schweden werden kann. Es ist wahrscheinlich, daß sich unsere Handelsverbindungen in diesen Gebieten viSl lebhafter gestalten, als zur Zeit, da die Rusien hier herrschten; aber der Weg dorthin geht nicht übe: London, sondern über Berlin. Mit der Ukraine, Rumänien, Polen, der Ostsee- Provinzen und Litauen hat Deutschland so große Möglichkeit ten. sich mit Brotgetreide zu versehen, daß etwas auch für di» Nachbarn übrig bleiben wird. Man muß blind sein, wenn man nicht sieht, daß sich mächtige und reiche Gebiete, sowohl politisch wie wirtschaftlich, immer mehr an Deutschland an« schließen." ^ --- . - Selbstjustiz in Berlin. In holdem Verein berichten „Vorwärts' und die offiziöse „Norddeutsche Allgenieine Zeitung" über einen Vor, M den der „V orwärts' unter de r. Ueb erschrrtt: .Di« Urtti schuld vom Lande" bringt mto die „Norddeutsche Allgemeine Zeittrng" als: „Die Rache der Hausfrauen" bezeichnet. Wir geben den Bericht nach dem „Vorwärts". Der Bericht in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" hat eine etwas andere, wenn auch keineswegs angenehmere Fassung. Der „Vorwärts" berichtet also: Die Unschuld vom Lande. Kurzen Prozeß machten. wie die Charlottenburger ..Neue Zeit" berichtet. Charlottenburger Hausfrauen mit zwei naiven Spreewälderinnen. die mit großen Kiepen und Eimern von ausivärts kämmen und gerade in einem Hause in der Kantstraße vec- schwinden wollten, um die darin befindliche Hamsterware zu verschieben. Eine Schar Hausfrauen, die den Vorgang beobachtet hatte, stürmte im Nu die Körbe und Eimer. Die verschobene Ware, Blaubeeren und Weichkäse, wurde auf allgemeinen Beschluß an die' Umstehenden verkauft. Eine Schlächters frau gab ihre Wage her, so daß keiner im Gewicht zu kurz kam. Die beiden Spreewälderinnen standen beschämt dabei und sahen zu, wie ihre schöne Ware zu angemessenen Preisen verkauft wurde. Vielleicht macht sich die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung"' von dsm „Vorwärts" filmt man es wohl nicht verlangen, — einmal klar, welche Konsequenzen dieser klebe", fall auf die Spreewälderinnen haben konnte. Wären diese Spreewaldsrinnen nicht so „verdutzt" gewesen, so hätte'sich die eine auf die Seite machen muffen, zum nächsten Polizei- revier gehen und die Schlächtersfrau zur Anzeige bringen muffen. Denn soweit sind wir doch hoffentlich in Deutschland noch nicht gekommen daß man einfach jemandem die Ware, die er transportiert, entreißt und sie dann zu „angemessenen" Preisen verkauft. Wenn solche Wegelagei-er in Berlin gang und gäbe werden sollte, so braucht man kein Zetermordio über die Unsicherheit in den Straßen mehr an- zustimmen. Die ganze Erzählung erscheint uns aber erdichtet zu sein. Es ist nur bemerkenswert wie gerade die offiziöse „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" offenbar mit besonderem Behagen ihrem wahrscheinlich verständnisinnig schmunzeln- den Leserkreise diese schöne Nachricht vorsetzt und damit wohl ermuntern will, bei geeigneter Gelegenheit genau so zu verfahren. Daß man solcherart die von den verschiedenen amtlichen Stellen doch immer noch gewünschte Verständigung zwischen Stadt und Land jedoch nicht fördert, sollte selbst in der neuen Redaktion der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" erkannt werden. Es sei denn, daß man dort infolge des Nebels sozialistischer Zwangswirtschaft nicht mehr klar die Grundsätze der alten bürgerlichen Wirtschaft zu erkennen vermag. Dir UkMölinii hx SMte und ihrer Ksrerie mt Ilafirnnartmitlfln und srennügssen. Von Oekonomierat Lucke in Sonnender«. Die fef>r schmale Versorgung der städtischen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Brennstoffen hat zur Folge gehabt, daß sich die breite Oeffentlichleit unaufhörlich damit beschäftigt, wie dem Mangel wchl abzuhelfen sein inächte. Vorschläge man- eher Art sind dabei in die allgemeine Besprechung hineingeworfen worden. Ich glaube, mit meinen praktffchen Erfahrungen auch vor die Oeffentlichkeit treten zu sollen, um gewissermaßen einen Appell zu richten an diejenigen Stellen, die dazu .berufen sind, für die Versorgung der Bevölkerung in dieser schweren Krieqszeit die Verantwortung zu tragen. Die Ernte steht vor der Tür, und nach den allgemeinen Mitteilungen ist zu erhoffen, daß ste wesentlich bester aussallen wird als die vor- hevgegangenen. Zudem besteht die Erwartung, daß von den Gegenden, die nunmehr in den Bereich der verbündeten Mittelmächte gelangt sind, eine bessere Versorgung mit Nahrungsmitteln möglich sein wird. Aber was wird eine solche vermehrte Belieferung nützen, wenn nicht die Verteilung fürsorglich und den augenblicklichen Verhältnissen entsprechend bewerkstelligt wird? Da möchte ich doch zuerst die Vreunstoffrage herausgreifen. die gerade, bei uns hier in den Vororten zu besonderer Sorge für die spätere Zeit Veranlastung gibt. Besonders die Vororte befinden sich darüber in großer Erregung, weil ihnen eine bedeutende Kürzung der Kohlen- bezw. der Koksmengen auferlegt worden ist und wie es scheint auch weiter zugemutet werden soll. Das nimmt um so mehr Wunder, als dem Ver- nehmen nach in der benachbarten Residenzstadt Wiesbaden selbst die mit Zentralheizung versehenen Gebäude zurzeit schon für den Winter rnrsorgt werden. Nun ist doch jedem einigermaßen mit den Verhältnissen Vertrauten klar, daß gerade in der Zeit, bevor die Versendung der Ernteerzeugnisse an die VerkeHrseinrichtungen herantreten, die Winteroersorgung derjenigen Vevölkerungskreise, die in der Lage sind, den Einkauf für den Winter bewerkstelligen zu können, jetzt schon unbedingt ermöglicht werden muß. Es wird mitgeteilt, daß die Stadt Wiesbaden, die in früheren Jahren Gaskoks in die Vororte geliefert hat, in diesem Jahre den Gaskoks für sich behält. Für Sonnenberg z. B. entsteht damit ein Ausfall von 2000 Zentnern Brennstoffen, der natürlich bitter von der Bevölkerung empsum den wird. Hier tritt in die Erscheinung wie überall, daß partikulare Neigungen rücksichtslos zum Durchbruch kommen nach dem alten Grundsatz: jeder sorge zuerst für sich und Gott für uns alle. Das Schlimmste aber scheint mir, daß in den Kriegs- gesellschaftcn und sonstigen Versorgungkorganisationeu in unserer schweren KriegsM man niemals in der Lage sich befindet, schnell und durchgreifend zu handeln und sich meistens dahinter versteckt, daß die Fragen gründlich erwogen werden müssen, bevor sie ausreifern Darüber geht viel kostbare Zeit verloren und damit die Gelegenheit, dasjenige zu tun, was nach den Umständen sofort zu geschehen hätte. In Anbetracht unserer Vorräte on Kohlen, seien es Steinkohlen, feien es Braunkohlen, sei es bit ttifiliif) versorgungsfähige Industrie der Brikettsfabrikation, sollte man doch meinen, daß die Belieferung der Bevölkerung mit Brennstoff, wie vor dem Kriege auch jetzt, möglich sein «üßbe. zumal wir doch mich in Frankreich und Belgien große Kohlenbergwerke in der Hand haben. Man sollte meinen, daß es doch nicht angängig sei. daß wir die Neutralen reichlich mit Brennstoff versorgen, während ste es vorziehen, ihre Produktion an Nahrungsmitteln (Holland sowohl wie Dänemark, die Butter und Käle in großen Mengen für die Ausfuhr erzeugen) nach England, affo an unsere Feinde liefern, während wir, bis setzt wenigstens, nicht das Mindeste zu spüren bekamen. Da steht man wieder, wie unsere Diplomaten gegenüber der raschen Entschlußkraft ihrer Gegner sich im Rückstände befinden. Es muß gehen, wenn man sich nur richttg dahinter setzt und die Kriegswirtschaften in Berlin sich von dem dort eingeristenen Büro» kratismus befreien. Der Handel, der vor dem Kriege in reichlicher Weife die Bedürfniste der Bevölkerung durch hunderte und tausende von Kanälen erfüllte, ist in einer Weise ausge- schallet, die wahrlich nicht nötig gewesen wäre, wenn man es verstanden hätte, die soliden Elemente des Handels rechtzeitig herauszuziehen. Es ist doch wirklich leicht zu erfasten, daß die so rücksichtslos verschütteten Kanäle des Handels, die von einer Zentralstelle mit ungeeigneten Elementen besetzt, sich nach keiner Richtung hin so offnen lasten, daß sie richttg und den Bedürfnisten des Volkes entsprechend funktionieren. Da helfen alle Verordnungen nichts. Sie verbittern nur und schädigen dir Produktion. Nur ein Beispiel in Bezug auf die Höchstpreise. Obst und Gemüse sind mit Höchstpreise bedacht. Aber wo bleibt das Gemüse und. das Obst? Es verschwindet vom Markt und verfällt dem Schleichhandel und zwar nicht in lautere, sondern leider sehr unlautere Hände. Jetzt kommt die Zeit der Früh. Kartoffeln! Die Kommunalverwaltungen der Städte haben doch wirklich böse Erfahrungen mit der Rationierung der Frühkartoffeln gemacht. Ich erinnere nur on die verdorbenen hunderte von Wagen, die in den letzten Jahren zugrunde gegangen find, weil die Frühkartoffeln einen längeren Eisenb-hnttansport und andererseits eine Aufbewahrung für längere Zeit nicht ver- ttagen. Sie ist noch nicht fest in der Schale, sie wird schwarzfleckig und verdirbt in wenigen Tagen. Wie war es nun vor dem Kriege? In der Amgegend der großen Städte war der Anbau der Frühkartoffeln ungemein ausgebreitet und die Bauern brachten per Axe direkt vom Felde weg die Kartoffeln in den Städten zum Verkauf. Da sind keine verdorben? Jede erfahrene Hausfrau wußte, daß sie sich die Frühkartoffeln nur in den Mengen anfchaffen durrte, wie es von Hand zu Mund notwendig ist, und die Dersorgurrg war damals vor dem Krieg so stark, wie ich aus eigener Erfahrung bestimmt versichern kann, daß im halben August in Frankfurt der Doppelzentner Frühkartoffeln bereits mtt 3 Mark von dem Händler gekauft wurde und in der Markthalle für einen mäßigen Preis erworben werden konnte. Die Aussicht, bei den Frühkartoffeln in der ersten Zeit (Mitte Juli) hohe Preise zu erreichen, kann einen sehr bedeutenden Anreiz für den Anbau von Frühkartoffeln in der Nähe der großen Städte geben, und die Ursache, warum sie dann im halben August so im Preise sanken, war eben die Notwendigkeit, die den Landwirt zwang, nunmehr die Frühkartoffeln schleunigst abzustoßen. um, sie vor dem Verderben im Acker selbst zu schützen. Die Stadtverwaltungen sollten also, wenn irgend angängig, von der Rationierung der Frühwrtoffeln absehen und es den Hausfrauen überlasten, sich mit Frühkartoffeln selbst zu versorgen, direkt von den Erzeugern, wie es vor dem Kriege üblich gewesen ist. Ich faste mich dahin zusammen: Möglichst freie Bahn dem Handel für alle Nahrungsmittel, die leicht dem Verderben ausgefetzt sind, also Gemüse, Obst und Frühkartoffeln! Für die Brennstoffversorgung energischste Tä. tizteit, auch seitens der Eisenbahnvermaltungen, bezüglich der Wintereindeckung durch diejenigen Bevölkerunaskreise, die sich schon im Sommer versorgen können damit für den Winter die geringer Bemittelten, die auch ihre Brennstoffe nur für kurze Versorgungsperioden sich anzuschaffen vermögen, ausreichend beliefert werden können. Pidjtia für Angehörige non -enlichen Kriegsgeinnnenen in AHM. Postverkehr mit deutschen Kriegsgefangenen und Zivilverschicktrn in Rußland durch Vermittlung eines zwischen der Deutschen Hauptkommission und den Unterkommissionen bestehenden Kurierdienstes. Um eine Nachrichtenübermittlung zwischen Kriegsgefangenen und Zivilverschickten einerseits und der Heimat andererseits zu fördern, hat das Deutsche Fiirsorgckemitee rn Moskau eine ZenttalpoMelle fiir die deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen und ihre Angehörigen eingerichtet. Jedem Kriegs- und Zivil- gefangenen ist es gestattet, zweimal monatlich eine Postkarte nach der Heimat zu senden. Die Postkarte wird durch Kurier- gelegenheit seitens der in den einzelnen Bezirken tättgen Fürsorgekommissionen der deutschen Hauptkommifsion in Moskau zugesandt. und diese ihrerseits sendet die Post an die Postüber» wachungsstelle Berlin O 17, von wo aus die unmittelbare Zu- stellung durch die Post an die Angehörigen erfolgen wird. In gleicher Weife soll durch die Vermittlung der Rotekreuz. Vereine und Hilfen für Kriegsgefangene Deutsche eine Nachrichtenübermittlung von der Heimat an die Gefangenen in die Wege geleitet werden. Jedem Gefangenen darf zweimal monatlich eine Postkarte von seinen Angehörigen geschrieben werden. Diese Postkarte ist bei dem zuständigen Hilfsverein einzuliefern und die Rote-Kreuz- und Hilfsvereine haben ihrerseits die Kontrolle darüber zu führen, daß die zuständige Zahl von zwei Postkarten im Monat nicht überschritten wird. Die Post, karte muß außer der genauen Adresse des Gefangenen deutlich die Bezeichnung des Gouvernements tragen, damit die Verteilung auf die deutschen Fürsorgekommisstonen ohne Schwierig, keilen vor sich gehen kann. Bttefe jeglicher Art. sowie Pakete sind von dieser Beförderung ausgeschlossen. Ist der Adressat der Postkarte nicht aufzufinden, so wird die Postkarte seitens der betreffenden Fürsorgekommission vernichtet werden, weil eine unnötige Belastung der Kuriere vermieden werden muß. Es sollte deshalb vorck dieser Einrichtung erst Gebrauch gemacht werden, nachdem zuverlässige Mitteilungen über den Aufenthalt der betreffende« Kriegsgefangenen oder Zivilverschickten vor« liegen» Diese Nachrichtenvermittlung ist lediglich als Ergänzung zn der allgemeinen Gefangenenpost gedacht, welche noch Eröffnung des allgemeinen Postverkehrs zwischen Deutschland und Rußland wieder ausgenommen ist. Sie bezweckt von den unzuver« lässigen russischen Verkchrsverhältnisien unabhängig zu sein Geeignete Vordrucke können entgegengenommen werden bei dem Zweigverein vom Roten Kreuz. Friedberg (Hessen). Be» zirksausschuß für vermißte und kriegsgefangene Deutsche der Kreise Friedberg-Büdingen, wo im übrigen auch die ausgeschrie» denen Postkarten abzuliefern sind. Dom Felde der Ehre. Södel. Dem Unteroffizier, Lehrer Hans Buß, bei einem Artillerieregiment, wurde die Hessische Tap'erkeittmedarlle vec» liehen. — Fahrer August B e r u t h e u s e l. bei einer Maschi- nengowehrkompagnie. wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet und zum Gefreiten befördert. — Kanonier Adolf Reeb. bei einem Artillerieregiment, wurde für sein tapferes Verhalten vor dem Feind mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille und dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet. Wir gratulieren? Aus dev Heimat. Friedberg. Vorgestern, am 23. Juli, feierte bas Ehepaar Adolf D i e h l und seine Ehefrau Käthchen geb. Stein» h ä u ß e r das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Die Glückwünsche und Ehrenbezeugungen, die dem allbeliebten Ehepaar von allen Seiten zugingen, waren sehr zahlreich. Auch wir fügen uns, wenn auch nachträglich, der Reihe der Glückwünschenden an und wünschen dem Ehepaar Diehl alles Glück bis zur goldenen Hochzeit? Oberwöllstadt. Wir stehen hier mitten in der Kornernte, das bereits zum größten Teil schon geschnitten und heimgelahren und gedroschen wird. Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. Sowohl im Korn als im Stroh können wir fast auf das doppelte Erträgnis des Vorjahres rechnen. Dortelweil. Während wir mit der Ernte der Wintergerste und des Roggens zufrieden sind, die Frucht im Korn und wie im Strohertrag ein besseres Ergebnis als das Jahr 1917 ergeben haben, sind die Kartoffelaussichten nicht gut. Die Frühkartoffeln sind geradezu schlecht ausgefallen, aber auch die Spätkartoffeln seben nicht sonderlich aus. Ein durchweichender Regen könnte ihnen helfen, aber auch dann kriegen wir mcht die Ernte wie im vorigen Jahre. Köppern ?. T^ 22. Juli. Einen schrecklichn Tod erlitt die Ehefrau des Karusselbesitzers Wilhelm Ernst aus Airspach, der zurzeit mit seinem Karussel hier weilt. Die Frau hatte am Samstag Abend noch spät bei einer Pettoleumlampe gearbeitet vnd war dabei vom Schlaf übermannt worden. Auf unaufgeklärte Weise fiel die Lampe um, sodaß innerhalb kurzer Zeit der garrze Körper der Frau in Flammen stand. Heibeigeeilte Hilfe erstickte zwar das Feuer, doch waren die Brandwunde« der Frau Ernst derart schwer, daß sie gegen Morgen im Hom- burger Krankenhaus, wohin sie in der Nacht verbracht wurde, unter unsäglichen Schmerzen verstarb. Kriftel et. T. Zwei Arbeiter aus Höchst schnitten sich in de« Drahtzaun des Obstzüchters Leicher 3., eure bequeme Durchschlupföffnung, um in dem Garten Pfirsiche zu stehlen. Plötzlich tauchte vor den beiden Dieben der hiesige Felbhiiter Reuter auf, vor welchem sie die Flucht ergriffen. Der Feldhüter schwang sich eilig auf sein Rad und nahm den I. Ruppert fest, der andere entkam. sr. Klciu-Steinheim, 22 Juli. Beim Baben im Main ist der Fabrikarbeiter Karl A m r h e i n von hier ertrunken. so. Hanan, 22. Juli. Auch im Re^nrngsjahr 1918 sind zwei Gemeinden unseres Landkreises, nämlich Marköbel und Eichen, in der angenehmen Lage, auf die Erhebung von Ge» meindesteuern Verzicht leisten zu können. FC. Vom Main, 23. Juli. In den letzten Wochen war i» Groß-Ostheim häufig ein schweres Last-Auto zu sehen, das an verschiedenen Hofraiten Halt machte. Die Einwohner glaubte«, es sei ein Auto des Kommunalverbandes, oder ein Militärauto, da es die Zeichen M. K. trug. Vorgestern kam dieses geheimnisvolle Auto am hellen Tage an und verschwand im Hofe einer Brauerei fiir einige Stunden und trat dann den Rückweg wieder an. Hier aber wurde es von der Gendarmerie angehalte« und nach dem Rathaus gebeten, wo es einer Revision unterzogen wurde. Voraefunden wurden ein frtfch geschlachtetes Rind, zahlreiche Hühner, Hähne und Gänse in geschlachtetem Zustande, Korn und Kartoffeln, die nicht für einen Kommunaloerband, sondern für einen Frankfurter Herrn bcsttmmt waren. Alles wurde beschlagnahmt. FC. Wetzlar, 23. Juli. In Wißmar wurde der 61jährige Landwirt Georg Mühlig und dessen seit längerer Zeit geistes- gestörten Frau auf dem Speicher ihres Hauses erhängt aufge. funden Mühlig hatte einen Brief hinterlasien, in dem er mitteilte. daß er die Sorgen und Lasten des Lebens nicht mehr weiter tragen könne, er und seine Frau hätten daher beschlossen, aus dem Leben zu scheiden. Das Ehepaar hinterläßt zwölf Kinder. Eingesandt. Die Beteiligung an dem Trägerkursus war erstaunend sehr mäßig. Man nimmt an, daß das momentane Landen des Flie-' gers dazu die Ablenkung gegeben Hai. Hoffentlich ist heuts Abend die Beteiligung stärker, handelt es sich doch um vorüber^ gehende Liebesdienste für unsere verwundeten Soldaten. ^Ein Teilnehmer. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Ott« Hirfchel. Friedberg: für den Anzeigenteil: N. Heyner^ Fnedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung*,! y J&iJfn .S.tieb&entjL .£J ¥ VV * iUcm me durch Liede Leid geschah. / Roman von CourthS-Mahler. Ü4) Nachdruck verboten Die Baronesse warf einen Blick tödlichen Haffes auf Christa, die bleich, mit zuckenden Lippen, im Zimmer stand, neben Onkel Heinz. Dann verlieh sie mit ihrer Mutter das Zimmer. Christa sagte sich wohl, daß die Baronin verdient hatte, was ihr jetzt geschehen war, aber es war ihr selbst zugleich peinlich, daß sie nun die Erbin ihres Onkels sein sollte. Als sie mit diesem allein war, eilte sie auf ihn zu und umfaßte ihn. „Mit Karla warst du zu streng, Onkel Heinz. Wenn sich ihre Mutier auch schwer an dir versündigt hat. so hat Karla doch wohl nichts getan, als das, wozu sie von ihrer Mutter erzogen und veranlaßt wurde." Ec strich ihr liebevoll über ihr Haar. „Ja — du bist Marias Tochter, du bist gut und edel, wie sie es war." „Es ist nicht mein Verdienst. Onkel Heinz, so wenig es Karlas Schuld ist, daß sie ihrer Mutter ähnlich wurde." Er atmete tief auf und sah ernst vor sich hin. „Ich kann mich nicht zu deiner Ansicht bekehren, Christa. Möglich, daß ich zu Karla zu streng war. Aber ich konnte nicht anders. Mein ganzes zerstörtes, verfehltes Leben stand als Ankläger gegen Karlas Mutter auf, und ich kann die Tochter nicht von ihrer Mutter trennen." „Du wirst mit der Zeit milder denken lernen, Onkel Heinz, und ich will nicht müde werden, dich darum zu bitten. Du sollst gewiß die beiden Damen nicht wieder in deinen! Hause aufnehmen, daß du das nicht kannst, verstehe ich. Aber du wirst dein Testament doch vielleicht noch einmal abändern und Karla günstiger bedenken. Laß es genug Strafe für sie sein, daß sie jetzt glauben muß, daß es bestehen bleibt." „Es bleibt auch bestehen, Christa. Die einzige Genua- tuung. die ich mir und deiner toten Mutter schaffen kann, ist. daß ich dich zu meiner Erbin mache, dir Birkenheim hinterlaffe. Vielleicht — wenn du mich bittest, erhöhe ich die Summe, die ich Karla zukommen laffen will. Aber das ist auch alles, wozu ich mich verstehen kenn und will. Und nun laß uns von anderen Dingen sprechen." '* Die Baronin und ihre Tochter batten, als sie in ihren Am, wern anlangten, eine sehr erregte Szene miteinander. Es ging dabei nicht ohne Jetzen und Scherben ab. Sie machten sich erst gegenseitig Vorwürfe und vereinigten sich dann zu Mutaus- fallen auf Christa von Pl aten. Daß diese eine raffinierte Erb- Betr.: Die Versorgung der Bevölkerung der StadtJried- berg mit Fleisch. Kelrantttmachnng Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verlaus von Rind- und Kalbfleisch sowie Wurst sür diese Woche am Freitag. den 26. Juli 1918, nachmit- tais von 1—8Uhr, in den sämtlichen hwsigen Metzgerläden ftatt- findet. Die Verkaufszeit ist genau ein- zuhalten. Schweinefleisch gelangt nicht zur Atis abe. Lrledberg. den 24. Juli 1918. Der Bürgermeister. ^_ 2. V.: D a m m. ZemM. .Junger Verwalter, der demnächst vom Militär abgeht, eine 2Vs jährige Praxis har. selbst Hand wir anlegr und beste Zeugnisse besitzt sucht per h August 1918, eventl. auch später, Stelle Zuchrnen erdeten an Franz Anion Ohlig, Frankfurt a. M., Ftlcherfe dilraße 1 . fchleicherin war, staud Bet ihne« ses^ und sie stießen schlimme Verwünschungen gegen sie aus. Don beiden Damen war die sonst so stark betonte Sanftmut und Liebenswürdigkeit vollständig abhaitden gekommen. -Es half ihnen aber alles nichts, und dM sichen sie auch endlich ein. Seufzend und wehklagend machten sie sich daran, chre Sachen zu packen. „Wenn du wenigstens die Braut von Herrn von Frankenau geworden wärst, dann könnte man dieses unsinnige Testament verschmerzen!" seufzte die Baronin. Die Baroneffe hielt mit ihrer Arbeit inne und sah nachdenklich vor sich hin. Nach einer Weile richtete sie sich erschlossen auf. „Ich will dir etwas sagen, Mamma. Wir fahren jetzt nach Frankenau hinüber, um uns zu verabschieden. Irgend einen plausiblen Grund werden wir finden, um unser Fortgehen von Dirkenheim zu erklären. Onkel Heinz wird nichts über die wahre Deranlaffung sagen, denn er wird eine Birkenheim nicht an den Pranger stellen wollen. Ich will dann versuchen, noch ein Alleinsein mit Hans Ullrich herbeizufilhren. Du wirft mich darin unterstützen. Ich werde dann einen letzten Versuch machen. ihn zu einer Werbung zu veranlassen. Auf keinen Fall dürfen wir in Frankenau verraten, daß Fräulein Hellmut eine Freiin von Platen und Onkels Erbin ist, sonst wird sich Hans Ullrich natürlich hüten, um mich anzuhalten." Die Baronin seufzte. „Meinst du, daß es Zweck hat?" Karla zuckte ärgerlich die Achseln. „Ich kann natürlich nicht wissen, ob es Zweck hat. Es ist ein letzter Versuch, und ich denke, man darf nachts unversucht lassen, denn mit der mageren Rente, die uns Onkel ausgesetzt hat, werden wir ein recht ärmliches Leben führen im Vergleich zu hier." So wurde befchloffen, daß die beiden nach Frankenau fahren. Die Baronin schickte zur Vorsicht eine Karte an ihren Vetter. Sie lautete: „Lieber Vetter! Du gestattest uns wohl, daß wir in Frankenau einen Abschiedsbesuch machen und stellst uns dazu etnen Wagen zur Verfügung. Ich werde als Grund für unser Fortgehen angeben, daß ich für Karla einen Aufenthalt in einer großen Stadt, wo sie Geselligkoit haben kann, für nötig halte, und werde nicht sagen, daß wir für immer gehen. Ich bitte Dich, uns zu schonen, Karlas wegen, und den gleichen Grund anzugeben. Heute ist es für unsere Abreise dann zu spat, wir werden morgen Birkenheim verlaffen, wie Du es wünschest. Vor Deine Augen werden wir nicht mehr kommen. Ich wage nicht, Dich um Verzeihung zu bitten, will Dir nur sagen, daß ich das. was ich getan, nicht aus niedrigen, berech. sind und bleiben für jeden LesckästLmann die vorteilhafteste Reklame. Sie können jedock nur dann ikcen Zweck wirklick erfüllen, wenn sie ein gefälliges Nusfeken Koben. Seken Sie deskalb in erster Linie auf einwandfreie Ausführung der von Zknen zum Druck gegebenen Kusträge. Mir empfehlen uns zur Dnfsctigung aller Dcuckfacken für Geschäfte, Seköcden, Vereine sowie für den persönlichen und familiären Leöarf. Neue Tageszeitung «ecnl pntbccfllc.ss L ffi. ftenSen Diottven tat, wie Du meinst, sondern nur, weil ich Dich geliebt habe und eine andere an Deiner Seite nicht sehen konnte. Diese Erklärung meiner Handlungsweise wird Dir mein Vergehen in einem milderen Licht erscheinen laffen, und vielleicht wirst Du es doch eitres Tages über Dich gewinnen, mir zu verzeihen. Jedenfalls danken wir Dir für alles, was Du uns getan hast. Wir verlaffen Dein Haus im tiefsten Schmerz und wünschen Dir für die Zukunft alles Glück. Bitte, laß Karla nicht entgelten, was ich Dir getan. Du strafst mich hart in mei^ nem Kinde. Deine unglückliche Base Helene." Damit wollte die Baronin sich einen Lefferen Abgang ver- schaffen. Herr von Birkenheim durchschaute sie aber. Er hatte allen Glauben an sie verloren. Er zweifelte durchaus nicht, daß sie einst die Absicht gehabt hatte, an Marias Stelle seine Frau zu werden,' aber sicher hatte sie nicht die Liebe dazu gettieben. Auch ihren Gatten hatte sie nur aus Berechnung geheiratet, und als es sich herausstellte, daß er verschuldet und arm war, merkte sie erst, daß ihre Rech- Mlng falsch war. Jedenfalls wollte sie ihn jetzt nur milder stimmen-durch die Fabel, daß sie ihn geliebt habe. Aber dieser Frau glaubte er niemals. Er blieb ungerührt und ließ ihr sagen, der Wagen nach Frankenau stehe ihnen zur Verfügung und mit ihrer Abreise am nächsten Tag sei er einverstanden. Natürlich tuschelte die Dienerschaft eifrig darüber, daß der Hausherr mit den beiden Damen nur noch indirekt verkehrte, und daß diese abreisen wollten. Dienstboten haben eine feine Witterung für derartige Krisen im Leben ihrer Herrschaft. Und in den nächsten Tagen sollte sich noch mancherlei ereignen, was in den Dienstbo-tenzimmern nach allen Seiten besprechen wurde. Die Baronin und ihre Tochter fuhren also nach Frankenau. Karla hatte eine sehr verführerische Toilette gemacht und sah infolge der inneren Erregung so schön aus. alz es ihr möglich war. In Frankenau wurden die Domen, wie immer, sehr freundlich empfangen. Sie gaben ihre Erklärung bezüglich ihrer be- vorstehenden Abreise und darüber waren die Frankenauer natürlich sehr erstaunt. Die Baronin sagte erklärend: „Ich hätte ja meine Tochter schon längst in Gesellschaft bringen muffen. Sie hat ihre schönsten Jahre in der Einsamkeit von Dirkenheim verbringen müffen und ist viel zu. wenig mit jungen Leuten zusammengekommen. Ich bin es ihr schuldig. sie au szu führen. Und da mein Detter jetzt Fräulein Hell- mrlt hat, sind wir ja entbehrlich." Fortsetzung folgt. IßpflCöeifMIf, SWiMjjer, Einritte, Mmiriiiz ii. firne in halben Fla.chen empfiehlt Friedrich Michel SErfchhcrft. _ Extra große Thüringer Neiseröesen alle Sorten Bürsten, Besen Striegel, Toilette-Artikel prima Rasier- u. Toilette seife, prima Linoleum- uni Parkettwachs alles in großer Auswahl. Theobald Steine! Bürstenfabrik. Friedbera, Kaiierstraße 117. Frie dberg in Hessen. Ein gebrauchte^ haltener noch guter- jnit_ '1 alentachsen steht zu verkaufen bei Jakob Schweitzer Holzhausen. Oberhessen. Einen gebrauchten erhaiienen noch gut- Wagen hat zu verkaufen Hch. Wilhelm Scherer, Nleder-Flocstadt. Kelranntmachnng. In den Ko*o lialwarengeschäften von E. Mörschel, F. Damm Nachf. und K. Brand bringen wir von Samstag, den 27. ds. Mts. ab Gemüsekonserven für dl- Nummer-, 1-658 d-s Bezirk,II zum Verkauf, oorzulegende Lebensimtielkarte wird 1 Dose jun-'e Erbsen zu Mk. 1.68 oder Suppenerbsen „ „ 1.55 oder Schnittspargel, stark, „ „ 2.20 abgegeben. Friedberg, den 24. Juli 1918 Auf jede Krkanntmachnng. Samstag, den 27. Juli d. Js. Seifenkartenansgabe. Der Bürgermeister. 2. V.: Damm. Ein e kräftige Fahrkuh »nter zwei die Wahl, eine mit IZalb, die andere hochtragend, Lar zu verkaufen Loh. Moll, Weüesheim. Ketranntmachttna. 2n den Kolonialwarengeschäften von . Fr. Michel. Fr. Wagner und A. Schmidt bringen wir 1 kondensierte Vollmilch von Samstag, den 27. ds. Mts. ab. zum Verkauf. Es werden an iede auf der Lebensmittelkarte verzeichnete Per on des Bezirks I 50 Gramm zum Preise von 50 Pfennig abgegeben. Gefäße sind beim Abholen mitzubringen. Die Lebensmittelkarte ist als Ausweis oorzulegen. Lriedberg, den 24. Juli 1918. Der Bürgermeister. 2. V.: Damm. Bezirk I Altes Po'tgebäude l Stock. (Zimmer 8) Ar. 1—150 von 8—9 Uhr, » 151—300 _ 9—10 .. „ 301—450 _ 10-11 . * 451—600 11—12 .. » 601 «.hoher „ 12-1 „ Nr. Bezirk III. Schule in Fauerbach. 1—160 von 8—9 Uhr. 151 u. höher.. 9—10 .. Bezirk II. Museumsqebäuve Haagstr. 18. 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