Dummer 171 Mittwoch, Len !^4. Juli 1818 11. Jahrgang. Neue TageszeituNS Die ..Neu- Tagesr-itung" erscheint jeden Werttag. Regelmäßige Beilagen ..Aor Kau-- ans Hessen". ..Die Spirmssrrbe". HeMgsprsis: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2.4b hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Agenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 25 Pfg., lokale 20Pfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahm- erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Zchriftleitnun und Qcvlax Friedberg (öefjen), yanauerftraße 12. Fernsprecher 48. Poslscheck-Tonto Nr. 4859, Amt Frankfurt a. SN. Die Zulli zieule 531000 Tomren. Zwischen Koissons und Perms starke feindliche Angriffe ge ich eitert. — Die UorgiLnge in RuMand. 200 Koziairevolntionäre erschossen. — Fliegerangriffe ans offene deutsche Städte. Der deutsche Oeneraistak == meldet: —-r.----— W. T. #♦ Grotzes Aarrpt.^rartier'» de;r 23. I«ii. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.. Englische Abteilungen stießen an vielen Stellen der Front gegen unsere Linien rer. Sie wurden abgewlesen. Die Artillerietätigkeit lebte am Abend wieder auf. H e e r e § g r u p p e'D e u t s ch e r Kronprinz. An den Kampffronten trat zeitweilig Ruhe ein. Südlich der Aisne hat der Feind infolge schwerer Verluste seine Angriffe gestern nicht erneuert. Auch der Artilleriekampf hat hier an Stärke nachgelassen. Bei-, derseits des Ourca und zwischen Ourcq und Marne führte der Feind fast in allen Abschnitten heftige Teilangriffe. Sie wurden abgewiesen, südlich des Ourcg brachte sie unser Gegenstoß zum Scheitern. Feindliche Abteilungen, die beiderseits von Iaulgonne in unsere Vorxosteustcllungen an der Marne eln- drangen, wurden im Gegenangriff an den Fluß zuruckgeworfen. Oertllche Kämpfe südwestlich und östlich von Reims. Gestern wurden 52 feindliche Flugzeuge und i Fesselballone abaeschossen. Leutnant Löwenhardt errang feinen '42 und 42., Leutnant Dillik seinen 26., Leutnant Volle seinen 25. und Leutnant Pir- card seinen 20. und 21. Luftsteg. Der Erste Gcnkralguarticrmcistcr: Ludendorfs. Abettdbericht. Berlin, 23. Füll, abends. (WB. Amtlich.^ Oertliche Kämpfe auf dem Westufer der 9Tbre. Zwischen Soissons und Reims hat die Heeresgruppe Deutscher Kronprinz e r - neute einheitliche Angriffe starker feind* licher Waffen zum Scheitern gebracht. Der österreichische Generalstak - „leidet. -——J Wien, 23. Juli. WB.) Amtlich wird verlantbart: A'uf dem italienischen Kriegsschauplatz Artilleriekämpfe wechselnder Stärke. Linien borgetrieben. Sie mußten den Einsatz mit einigen zehntausend Toten, Negern wie Amerikanern, bezahlen. In teilweise 16 Wellen Tiefe griffen sie an. Eine Welle nach der andern brach in dem deutschen Artillerie- und Maschinen- gewehrfeuer zusammen. Auch an dem folgenden Tage erneuerten sie bis zu sieben Mal immer wieder ihre Angriffe. Ihre Kraft erlahmte immer mehr. Am dritten Tag der Offensive begann die amerikanische Infanterie bereits beim ersten Ansturm zu stocken und sich hinzuwerfen, sobald nur das deutsche Arkilleriefeuer einsetzte. Dauerte das Feuer länger, so ging sie eiligst zurück, sadoß der Angriff sich stellenweise in eiliges Zurückfluten berwandelte. Vielfach stand die deutsche Infanterie aus ihren Gräben auf und empfing die Amerikaner mit einem stehend freihändig abgegebenen Schnellfeuer. Bei dem Angriff am 21. Just gerieten amerikanische Bataillone der 2. Division, die in der Schlucht bon Visigneur heranrückten, in das Feuer deutscher Maschinegewehre, die bon der Zuckerfabrik bon Noyant aus die Schlucht bestrichen. Sie machten sofort kehrt und fluteten eiligst zurück. Besonders ernste Verluste erlitten die Amerikaner in den schweren Känrpfen des 19. und 20. Nach Aussagen bon Gefangenen sind einzelne Regimenter auf- gerieben. Vo? allem die Offiziersberluste sind furchtbar. In dem Bestreben der Obersten Heeresleitung der Entente, Erfolge der Amferikaner herauszustreichen oder zu erdichten liegt eine durchsichtige. Tendenz. Wenn das amerikanische Volk Kenntnis erhält, wie seine Söhne auf fremder Erde für fremde Menschen verbluten müssen, würde die künstlich angefachte und auf unwahren Behauptungen gegründete Kriegsbegeisterung bald zunichte werden. Berlin, 23. Juli. "(WB.)' Ein Brennpunkt des Kampfes am 22. Just bildete Epieds, das nach wechselvollen Känrpfen in unserem Besitz blieb. Dort fechtende amerikanische Teile erlitten besonders hohe blutige Verluste, sodaß nur 138 Mann, darunter 8 Offiziere unverwundet in deutsche Hand fielen; außerdem wurden hier 12 Maschinengewehre erbeutet. Nördlich des Ehatelet-Waldes verbesserten wir nach Abweisung eines starken Teilangriffes durch Gegenstoß unsere Linie. n. Die Fortsetzung der Schlacht. Rotterdam, 23. Juli. „Daily Mail" meldet: An der ganzen Westfront steigern sich die Angriffe von allen Seiten. Es ist noch zu früh, um die kommenden Dinge klar zu sehen. Der Feind trifft die größten Vorbereitungen für die Fortsetzung der Schlacht. Zum Stillstand gekommen. An der albanischen Front setzte der Feind seine Angriffsversuche beiderseits des oberen Tevoli fort. Sie wurden alle abgeschlagen. Der Chef des Generalstabcs. [| Der vnlgarilche^nerälffäk"s! ”== Meldet: , Sofia, 21. Juni. (WB. Nichtamtlich.) GeneralstabZ- bericht. Mazedonische Front: Auf beiden Seiten die gewöhn- liehe Artillerietätigkeit. Westlich des Ochridasees drangen unsere Erkundungstruppen in feindliche Gräben und brachten verschiedenes Kriegsgerät zurück. In der Moglena-Gegend wurde eine feindliche Patrouille durch Feuer Vertrieben. - Westlich des Wardar setzte unsere Artillerie feindliche Munirionolager in Brand. Südlich der Ljuninitza wurden im Struma-Tale starke Erplosionen beobachtet. Südlich von Serres für uns günstig verlaufenen Patrouillengefechte. Die Schlacht nn der Marne. Die Amerikaner im Feuer. .. *«*»' ^ 5"li. (WB.) Außer Senegalesen haben ole Franzosen bei Fortsetzung ihrer Angriffe zwischen Aisne Und Marne zum ersten Male Amerikaner in verhältnismäßig größerer Menge auf die Franzosen verteilt als Kanonen- ffrtter eingesetzt. Die Sckiwarzen wie die amerikanischen Hilfstruppen wurden in dichten Massen gegen die deutschen Genf, 22. Juli. Die Havasnote vom 21. Juli erklärt, daß zwischen Aisne und Marne durch die Ankunft neuer deutscher Reserven die Schlacht erbitterter geworden sei, woraus man vermuten könne, daß der französische Angriff zum Stillstand gekommen sei. Nach den Ausbrüchen der Begeisterung fehlt es in der Sonntagspresse nicht an Stimmen, die zur Vorsicht mahnen. Man weiß darauf hin, daß infolge des Eintreffens der deutschen Reserven die erbitterfften Kämpfe für die nächsten Tage zu erwarten seien. Einige Militärkritiker rechnen sogar mit einem deutschen Angriff auf einem anderen Frontabschnitt. Von linkssozialistischer Seite wünscht man fortgesetzt die diplomatische Aktion. Der Pa- riser „Populaire" schreibt: Die Begeisterung, die die Nachricht von der französischen Gegenoffensive hervorgerufen hat, scheint abznflauen, und schon bemerkt man einige Vorbehalte in den Kommentaren der Presse. Wir fahren fort, zu erklären, daß man Unrecht hat, nicht die diplomatische, Lösung zu suchen. Man mag uns weiter sagen, daß wir nichts von nationalen Interessen verstehen. Wir sind vom Gegenteil überzeugt, wie wir auch überzeugt sind, daß unsere Verleumder eine verkehrte Auffassung von der Verteidigung des Landes haben. Die vom „Populaire" erwähnten Vorbehalte werden am besten ans dem Kommentar des Militärkritikers der „Humanite" klar. Er schreibt: Sind wir in der Lage, ohne schwere Gefahr zu laufen, diese Schlacht weiter zu ent- wickeln, und haben wir ein Interesse, es zu tun? Wir haben nicht das Recht, unsere Soldaten bis ins Unmögliche zu opfern. 19000 Tannen versenkt. Berlin, 23. Juli. (WV. Amtlich.) Durch unsere im gebiet des Mittelmeeres operierenden U-Boote wurden drei wertvolle Dampfer und ein Segler von rund 19000. Bruttoregistertonnen versenkt. Der Chef deS AdmiralstabeS der Marine. Berlin. 23. Juli. (WB.) Von unterrichteter Seite werde« wir auf die beachtenswerte Tatsache hingewieseu, daß die Seeflieger des Marinekorps in den letzten Wochen sechs englisch- Eurtis-Großflugboote in der südlichen Nordsee und vor der Themsemündung vernichtet hoben. Dieser Erfolg wird vielleicht nicht überall hoch genug eingeschätzt. Er bedeutet fraglos mehr als den Abschuß irgend eines anderen Flugzeuges. Dis Engländer hatten gehofft, m diesen Flugbooten ein wichtiges Mittel zur Unterbindung des U-Vootkrieges in ihren Küstengewässern gefunden zu haben. Unsere Flieger an der flandrischen Küste haben gezeigt, daß sie auch mit diesem nicht zu verachtenden Gegner, der in vieler Hinsicht eine neue Entwicklungsstufe der Luftwaffe darsicllt, fertig zu werden wißen Das Eurtis-Voot ist ausgerüstet mit zwei starken Motoren zu je 30© Pferdestärken, hat für 10 Stunden Betriebsstoff und eine Geschwindigkeit von 155 Km. in der Stunde. Seine Besatzung besteht aus einem Kommandanten und vier Mann. Als Angriffs, waffe gegen unsere U-Doote führt cs vier schwere Wasserbomben mit sich: außerdem hat es eine Bewaffnung von vier Maschinen gowehren. Berlin, 22. Juli. (WB.)' Die englische Presie hat am 12. Juli die Angabe eines Marimzahlmeifters Collingwood Hughes verbreitet, daß die Mannschaft eines genommenen deutschen U- Bootes vier englische, von ihr gefangene Seeleute bei der Versenkung des U-Bootes habe ertrinken laßen. Jetzt sieht sich l,er Sekretär der englischen Admiralität gezwungen, öffentlich bekannt zu machen, daß diese Angabe durch keine Nachricht inr Besitz der Admiralität bestätigt wird und gänzlich unbevollmächtigt gemacht wurde. („Times" vom 13. Juli.) Der Leser englischer Zeitungen wunderte sich schon längst, woher die englisch- Marine die zahlreichen genauen Schilderungen von dem angeb. lichen Schicksal untergegangener deutscher U-Boo'e beziehe. Das gegenwärtige Dementi, zu dem sich die Admiralität nicht ohne Grund entschloßen haben wird, beleuchtet einmal die Gewissenlosigkeit. mit der sogar englische Marineoffiziere an der Verbreitung dieser Gerüchte sich beteiligen. Die li-SM-Keult m Juni. 521000 Tantter*. Berlin. 28. Juli. (WB. Amtlich.) Im Monat Juni sind insgesamt 521000 Vntttoregist ertön nen des für unsere Feinde nutzbringenden Handeleschiffsraumes versenkt worden. Der ihnen zur Verfügung stehende Welthandelsschiffsraum ist somit allein durch kriegerische Maßnahmen seit Kriegsbeginn um rund 18 251000 Vrt verringert worden. Hiervon sind rund 11175 000 Vrt. allein Verluste der englischen Handelsflotte. Nach den inzwischen gemachten Feststellungen sind im Mo* nat Mai außer den seiner Zeit bekannt gegebenen Verluste der feindlichen oder im Dienste unserer Gegner fahrenden Handelsschiffe noch weitere Schiffe von rund 48 000 Brt. durch kriegerische Maßnahmen schwer beschädigt in feindlüche Häfen eingebracht worden. Der Chef dc§ Admiralstabes der Marine. Ein dlutjcheg TaMM bei Mon. Haag» 23. Juli. Reuter nieldet aus Newyork: Ein Unterseeboot beschoß am Sonntag in der Bucht von Eap Cod (bei Boston) einen Schlepper mit drei Barken. Ein Wasserflugzeug beschoß das Unterseeboot. Verluste waren nicht zu verzeichne«. FlitgmlWiffe ans Offtnlinrg nnd iMtai!» Karlsruhe, 23. Juli. Gestern Nachmittag griff eine größere Anzahl feindlicher Flugzeuge abermals Offenburg an. Durch die abgeworfenen Bomben wurden vier Personen leicht verletzt. Ein Mann wird vermißt. Mehrere Gebäude wurde« beschädigt, davon eines erheblich. Karlsruhe, 23. Juli. Heute vormittag griffen feindlich« Flieger die Stadt N o t t w e i l mit Bomben an. Sie verur» ächten nur geringen Sach, und Häuserschaden. Personen wurden nicht verletzt Rußland. Die Erschießung des Exzaren. Moskau. 23. Jul: (WB.) Wie Flüchtlinge ans dem Ural erzählen, sind die Tschecho-Slowaken für die Erschießung de» Zaren indirekt verantwortlich Agenten von ihnen ließen die Sowjetregierung in Ickat-erinburg im Aufträge der Entente- Organisation in Sibirien wissen, der Zar solle befreit werden, um cm die Spitze der Bewegung gegen die Bolschewiki tu Sibi- ren gestellt zu werden. Der Sowjet in Jekaterinburg lieh sich bedauerlicherweise in diese Falle locken und beschloß die Erschießung des Zaren, da er fürchtete, ihn nicht mehr nach einem Orte bringen zu können, der von den Tfchecho-Slowaken nicht gefährdet war. Der Entente bleibt dadurch das Kopfzerbrechen darüber erspart, was sie mit der Person des ihr früher verbündeten Herrschers beginnen sollte, dessen Existenz ihre jetzigen Pläne in Rußland nur hätte stören können. Moska». 23 Juli. (WB.) Die heutige Nummer der „Prawda" feiert die Erschießung des Zaren. Die Gebete der Priester, die für seine Gesundheit beteten, könnten ihn nicht mehr auferwecken. Nikolaus II. sei eine klägliche Figur gewe. sen, der Träger einer fürchterlichen Reaktion und auch Schuld am Kriege. Von zwei Seiten sei er mit dem Imperialismus der Räuberstaaten Europas verbunden gewesen. Dort werde man über ihn weinen. Weder 200 Llnksfonalrevolntkorrare erlchossen. Berlin, 23. Juli. (WB.) Nach einer Mitteilung Tfchit- fcherius an den kaiserlichen Geschäftsträger sind bis zum 19. Juli mehr als 260 Linksfozialrevolutionäre, die an der Ermordung des Grafen Mirbach und an dem Aufstand gegen die Sowjetregierung beteiligt waren, erschossen worden. Hierunter befinden sich Alexandrowitsch, ehemaliger Gehilfe des Präsidenten der außerordentlichen Kommission^ welche die Verschwörung gegen den Grasen Mirbach leitete, der Kommandant Iuroff, sein Gehilfe M. Jaserine und die Kommissionsmitglir- der Fillanoff, Kabanoff, Kostinek, Losine, Vnnkrine, Pouchma- noff. Koulakoff. Lopouthine, Fiemizef und Finiegnine. Mehr als 109 Beschuldigte wurden verhaftet, darunter auch der Bevollmächtigte des Zentralkomitees im Stabe der Abteilung Po- pofls, Orephkin, und das Mitglied dieses Stabes Sabline. » Das Vorgehen der Entente. — Ein Aufruf Trohkis. Moskau, 20. Juli. (WB.) Nach einer Meldung der „Jswestija" soll der französische Generalkonsul dem Volkskommissar für die Auswärtigen Angelegenheiten erklärt haben, daß das Mitglied der französischen Mission Cuinot seine Vollmachten überschritten habe, als er den Tschechen für die Eroberung Sibiriens namens der Derbandsmächte dankte. Das Blatt weist dagegen auf englische und französische Pressestimmen hin, welche die Tschechen als Befreier Rußlands feiern und in der Besetzung der sibirischen Bahn durch die Tschechen den Zeitpunkt für das aktive Eingreifen Japans verkünden, um sich die ihnen in der Weltpolitik Zukommende Stellung zu sichern. Trotzki veröffentlicht einen Aufruf, daS Wolgacgchiet, den Ural und Sibirien vom Feinde zu säubern und die das Brot absperrende sibirische Schlange zu erwürgen. Er verbietet allen Militärinstitutionen und Militärbeamten, den englischen und französischen Offizieren irgendwelche Hilfe zu leisten. Diese Offiziere seien strenge zu überwachen und ihre Reisen zu verhindern. Die Engländer haben heute die russische Abteilung Auer zu einem außerordentlichen Schutz der Murman-Vahn und zum Eintritt in das Verbandsheer überredet und auch Meldungen aus der russischen Zivilbevölkerung zum Eintritt organisiert. Die Werbung ging erfolgreich an, jetzt ist ober wegen der Bedrückung ein scharfer Umschwung eingetreten. Die Rätegewalt in Archangelsk verfügte die Räumung des Kriegshafens, die Anlage von Befestigungen die Mobilisierung der Genie- und Artillerie-Truppen sowie die allgemeine Mobilisierung der jüngsten fünf Jahrgänge. Laut „Murmansk; Westnik" haben die Truppen der Zentralregierung Soroki verlassen. Am 7. Juli ist dort ein englischer Kreuzer eingetroffen. Tie gesprengten Brücken werden wiederhergestellt- Moskau, 28. Juli. (WB.) Die hiesige Presse meldet: General Gurko wurde zum Kommandierenden der verbündeten Truppen in Murman ernannt. Die Zeitung „Nowaja Shisn" ist geschlossen worden. Ter Chef der Gendarmerie in Jaroslaw, Generalmajor Motscholow wurde wegen gegenrevolutionärer Umtriebe verhaftet. Unter dem Protektorat der Entente soll eine Wolog- öaer-Repubük geründet werden, die den Murman und Teile von Nordrußland bis zum Ural umfaßt. Der Aufstand der Weißgardisten am Murman ist unterdrückt. In Moskau wurde zum zweiten Male das Erscheinen oller nichtbolschewistischen Zeitungen und Zeitschriften vertaten. Der Stab Murajews im Bestände von 24 Mann wurde auf der Station Rusajewka der Murmanöahn verhaftet. Der Stab der freiwilligen Armee am Don gibt bekannt, daß alle freiwilligen Formationen ihr unterstehen. Der Chef des Stabes ist General Alerejew, Kommandierender General Denikln. Stockholm, 23. Juli. (WB.) Nach einer Meldung aus Helsingsors sind die Engländer im Vorrücken von Archangelsk gegen Murman begriffen. Letztere Stadt ist bereits ernstlich bedroht. Mitglieder des Arbeiter- und Soldaten- rates in . Kem wurden gefangen genommen und hingerichtet. Die Truppen der Alliierten besetzten die Linie Kandalaks—Kem. Der Khedive in Derlin. Berlin, 28. Juli. (WB.) Der Khedive von Aegypten kst heute früh 9 Uhr tv Berlin eigetroffen. Kostchafter Dr. Kelfferich. Berlin, 23. Juli (WB. Amtlich.) Der frühere Ctellver- treier des Reichskanzlers, Staatsminister Dr. Helfferich, sst zum diplomatischen Vertreter des Deutschen Reiches in M o s- kau ernannt worden. Dcr Gkkaullknkv-ANllNiIch mit Frankreich. Konstanz, 23. Juli. (WB.) Gestern abend 8 Uhr 20 Min. trafen aus Frankreich 370 deutsche Sanitätssoldaten, darunter zwei Sanität sofft ziere und zwei Aerzto, hier ein. Am Bahnhof war der Eroßherzog von Baden mit Gefolge erschienen. Die Angrkommenen marschierten nach dem Stadtgarten, wo der Großherzog eine Begrüßungsansprache hielt. Von einer Anzahl deutscher Dundesfürsten und den deutschen Städten waren wieder Vegrüßungctelegrarnine eingeaangen. Namens der Ausgetauschten dankte ein Oberarzt für den Empfang. Hierauf zogen die Ankömmlinge im Zuge durch die Stadt, von der Vevöl- kerrnrg herzlich begrüßt. Der Großherzog ist heute vormittag 8 Uhr 52 Min. wieder nach Karlsruhe abgereist und wird am 30. Juli zur Fortsetzung des Austausches hier wieder eintreffen. Dcr „föfflf’ßm“ dcs PriMntkn Witis«. Der „Speciator" (London) beschäftigt sich damit, seinen Lesern den etwas komplizierten Begriff des „Idealisten" Wilson auseinanderzusetzen. Zunächst wird der von Wilson vertretene Grundsatz „Keine Annexionen" in folgender großzügiger Weise erläutert: „Eroberungen wie die Schleswig-Holsteins und El. saß-Lothringens waren Eroberungen der schlimmsten Art. Solange dieser Typus der Eroberung gestattet ist. kann niemals ein dauernder Friede sein. Wenn wir aber zum Beispiel die Oesterreicher zwingen könnten, Triest und das Trentino aufzugeben, was doch die wahrsten Friedensfreunde inbrünstig hoffen, dann würden die Oesterreicher dieses Ergebnis zwar „Eroberung" nennen, wir würden es jedoch sehr paffend als „Wiederherstellung" bezeichnen. Ebenso werden die Deutschen schwören, daß wir der Eroberung schuldig sind, wenn wir uns wei- gern, ihnen die Kolonien zuiückguoeben, die sie zur Hölle auf Erden machten. Doch kann man sich schwer ein größeres Unrecht denken, als Deutfch-Südrvest-Afrika, Deutsch-Ostafrikr oder irgend eine andere deutsche Kolonie deutscher Herrschaft zurück- xugeben. Wiederum hat Großbritannien theoretisch Palästina „erobert", aber wie können wir den Zynismus beschreiben, dessen wir schuldig sein würden, wenn wir gestatteten, daß die verschiedenen Völker Polästinas an die Türkei zurückgegeben wür. den? Jeder dieser Fäll« muß betrachtet werden, wie er es verdient. Gibt es irgend einen Beweis dafür, daß der Idealismus des Präsidenten Wilson, der wie ein erfrischender Hauch über die Zusammenkünfte des Verbandes weht, bedeutet, daß ein Unbestimmtes Prinzip über den inneren Wert eines Falles wirklich die Oberhand gewinnen soll? Wir sind gewiß, daß gerade das Gegenteil wahr ist." Nach dieser halsbrecherischen Definition der Begriffe „Annexion" und ..Wiederherstellung" heißt es weiterhin über die Art. wie Wissen die Wohltaten seines Idealismus dem dafür leider unempfänglichen deusschen Volke mit Gewalt aufzwingen würde: Wir stellen uns vor. daß Wilson folgendermaßen zu den Deutschen reden würde: „Ich, der Präsident der Vereinigten Staaten, wünsche, daß ihr begreift, daß dieser Krieg für euch kein Ende haben wird, was auch zu Lande geschehen mag. Weiter zu kämpfen, Jahr für Jahr, wenn der Krieg nach allen Regeln ..beendet" ist. würde für euch ermüdend sein und auch für Amerika. Nichtsdestoweniger soll der Krieg in irgend einer Weise unbarmherzig weitergehen. Das muß so sein, da wir unseren Idealen treu sind. Es würde unerträglich in der Welt werden, wenn sich unsere Ideale nicht bewahrheiteten. Laßt das deutsche Volk verstehen, daß selbst, wenn der Landkrieg aushörte, der Seekrieg nicht aushören würde. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien würden ihn weiterführen. Der Krieg würde weitergehen, bis ihr jedes Wort, womit das amerikanische Volk euch anredct, ausaegeffen und verdauet hättet. Sagt euren Reeheroibesitzern in Hamburg, daß ihre Stadt ein Platz der Toten bleiben wird, bis sie zur Vernunft kommen. Sagt euren Fabrikanten, daß sie keine Baumwolle, keinen ' Gummi, keine Jute erhalten werden, bis sie ihre Art und Weise geändert haben. Sagt euren Vaumwclsspinnern, daß sie bis zum Tage der Wiedergeburt weiter Nesteln gebrauchen müssen. Sagt euren Tuchmachern, daß sie keine englische Wolle haben sollen, bis der Militarismus auf den Meeresgrund versenkt ist. Und selbst wenn der Krieg durch eure Ergebung in unsere Ideale beendet ist (?), selbst dann werdet ihr noch nicht die volle Strafe bezahlt haben. Denn für diese vielen Hunderte von zertrümmerten Schiffen, die im Bett des Ozeans liegen, müßt ihr befahlen, ehe ihr den vcllen Anteil an Material in der neuerbauten Mell genießen könnt." Der „Speciator" schließt diese ausschlußreichen Betrachtungen über den „Idealisten" Wissen mit der Versicherung» seine An. sichten zwar nicht buchstäblich, aber dem Sinne nach richtig wiedergegeben zu haben. Wenn das zutrifft, mutz man gestehen, daß der amerikanische Präsident den von dem unpraktischen Deutschland einst geschaffenen Begriff des Idealismus einer gründlichen Neubearbeitung „im neuzeitlichen Sinne" unterzogen hat. Es mag schon richtig sein, daß sich die Deutschen in der Tat nicht so leicht — wie es der „Speciator" so schön formuliert — in die amerikanischen Ideale ergeben werden!" Aber immerhin gewiffe deutsche und österreichische Staatsmänner glauben auch heute noch ein Wunderwerk von Diplomatentat zu vollbringen, wenn sie Wissons „Grundsätze" airschwärmen. Doppelte Moral. Man entsinnt sich noch des EntrüstungSrummeltz, der in der linksstehenden Presse losbrach, als die „Deutsche Zeitung" ihre bekannten Anklagen gegen das persönliche Verhalten des Herrn v. Kühlmann in Bukarest erhob. Wir haben, obwohl daS Vorgehen der „Deutschen Zeitung" schon aus praktischen Gründen nickck billigend, damals davon Abstand genommen, der Heuchelei der linksstehenden Presse, die in diesem Etrüstungsschrei lag, entgegenzutreten. Sie hat es nun selber übernommen, ihr schönes Innere zu ethüllen und sich, im Vertrauen auf das kurze Gedächtnis ihres Leserkreises, öffentlich zu einer doppelten Moral zu bekennen, die an Zynismus streift. Ein als Dreckschleuder bekanntes, neuerdings sich auch politisch gebärdendes W'mkelorgan veröffentlicht seit einiger Zeit eine Artikelserie, in der es eine Reihe politischer Persönlichkeiten durchhechelt. Als Herr Erzberger an der Reihe war: Schweigen im Blätterwalde der Linken; als aus Herrn Paasches Leben allerlei Interna ausgekrcmt wurden, desgleichen. Die rechtsstehende Presse nahm selbstverständlich von diesen Dingen keine Notiz. Jetzt beschäftigt sich das edle Organ mit dem Abgeordneten Fuhrmann, kramt weit zurückliegende Dinge, aus persönlicher Gegnerschaft entsprungene Aeußernng des ehemaligen Reichstagsabgeordneten und Bankdirektors Weber aus, die sich auf Differenzen aus einem früheren Anstellungsverhältnis des Abgeordneten Fuhrmann beziehen und alles andere als öffentliches Interesse haben, um daraus ein Skandälchen zusammenznbrauen. Auf den sachlichen Inhalt einzugehen, ist in diesem Zusammenhang nicht nötig, auch nicht unseres Amtes. Hier handelt es sich um etwas anderes: „Berliner Tageblatt" und das Organ seines Hinterhauses, selbstverständlich sekundiert vom „Vorwärts", stürzen sich mit Wonne auf diese Gelegenheit, einen verhaßten politischen Gegner vor der Oeffentlichkeit zu diskreditieren. Was der „Deuffchen Zeitung", obwohl sic nationale Jnteresien dabei vertreten wollte, zum schwersten Verbrechen angerechnet wurde, das begeht man jetzt selbst lächelnd und mit Grazie. Um sich bei nächster Gelegenheit wieder in die Toga des politischen Tugendwächters zu hüllen. Die Linke hat noch nie auf die allerpersönlichste Kampfes- j weise verzichtet, wenn sie sich Erfolge gegen einen politischen Gegner davon versprechen konnte. Wir sehen für heute davon ab. diese ihre Hebung an Beispielen zu beleuchten. Es genügt, die Seelenreinheit dieser Presse aus diesem akute» Anlaß öffentlich festzunageln. Die Freigave der Kucheckeruernke. Die landwirtschaftliche Zeitung schreibt: .Zu Berlin scheint man Vernunft anzunehmen und da» Lesen von Eckern zum Oesschlagen für Jedermann freigeben zu wollen. Der Ansturm gegen die ftaatssozialistische Bewirtschaftung auch dieser Naturgabe von allen Seiten mit Ausnahme der Sozialdemokraten und KathLdersozialisten war denn doch zu groß, die Gründe für die freie Wirtschaft und ihre lleber- legenheit sogar bei dem Lesen und Schlagen der Bucheckern find doch zu handgreiflich. Jeder Klarsehende ist durch die Praxis zu der Ueberzeuguny gekommen, daß bei der letzten Bucheckern ernte infolge der Beschlagnahme und des Abgabezwanges der Sammeleifer fehlte, das Pcivatintcreffe mangelte, daß deshalb das köstliche Raturgeschenk nutzlos im Walde liegen blieb. Die großen Banken und ihre Helfershelfer von der anderen Seite die sozialdemokratischen Führer aller Art mit ihrem nur den Eingeweihten kenntlichen Einfluß sind die Hintermänner, die eigentlichen Triebkräfte aller Zwangsgesellschaften. Die ersteren laden, die letzteren schießen. Das Ziel ist der Produzent. das kleine soll verschwinden, das freie Gewerbe zentralisiert, sozialisiert werden. Die Banken geben Geld zu dem Zwecke Lester Verzinsung und die Genossen sind Meister im „Erfassen" dessen, was andere produzieren. Von Produziere« hört man bei den Sozialdemokraten lein Wort, aber rm An- schlägemachsn, „Erfaßen" all dessen, was die anderen gespart haben, im Teilen und Kleinmachen desselben, sind sie Meister und die Regierung im Innern hat ja das Regieren dem Reichstag übertragen, übertragen müssew Das sagt genug. Wegen der Freigabe der Bucheckern (die Vuchbäume hängen steff voll) sind auch Forstbehörden befragt worden. Wie bei dem gesunden Verstand des deutschen Forstmannes nicht anders zu erwarten war, haben sich alle im Jnrereffe der Bevölkerung und ihrer Fettno! aber auch im Interesse des deutschen Walde» und seiner Aufforstung für das Sammeln und Lesen der Eckern durch Private, Jung und Alt, Stadt und Land zum eigenen Bedarf ausgesprochen. Die Erfahrung hrts gelehrt, daß überall da, wo die Leute mit Rechen das Buchenlaub zusammenrechten, wo der Boden verwundet wurde, wie der forsttechnische Ausdruck lautet, wo recht viele daraus herumgetappt sind, der liegen gebliebene Same keimt, der Wald sich von selbst verjüngt, daß da, wo man Eckern und Laub unberührt läßt, die Eckern schimmeln und faulen. Sieben Pfund Eckern geben drei halbe Schoppen Oel — so sagen einem die allen Schlagmüller und wenn die modernen Herren Oelfabrikanten mehr herausschlagen, so mögen sie's tun. Die alten Schlagmühlen, ihre Arbeit und. ihren Verkehr mit der Kundschaft lasse man aber in Ruhe, störe sie nicht, schikaniere sie nicht, drohe ihnen nicht, weil sie angeblich weniger wirtschaftlich arbeiten — aber nebenbei bemerkt gesünder für's Ganze — mft der Schließung. „Uns kleine Oelmüller", meinte neulich ein Mann. aus der Gegend von Marburg, „kontrolliert man, ich möchte nur einmal wissen, wer den Geschäftsgang und Verdienst der Ausschüsse kontrolliert?" Wenn im Rapskuchen 1 Prozent Oöl zurückblcibt. de; Bauer dieses Prozent nicht erhält, so braucht sich darüber der Oelausschuß kein Kopfzerbrechen zu machen. Sein« Sorge für den Dauer mutet einen so seltsam an. Auf der einen Seit» bolt man alle» bis zur äußerste« Grenze bot dem Landwirt, heraus, und hier ist man wegen 1 Prozent Fett, das er ans den Schlagmühlen alten Systems aus den 60 Pfund Samen, die -ihm Ausleben, weniger erhält, so besorgt. Das eine Prozent bleibt doch tm Kuchen, das Vieh frißt den Kuchen, gibt seiner« seits mehr Fett und Milch und dem Städter kommt'« zu gut. Wer aber glaubt, daß die Berliner durch all diese stichhaltigen Gründe nun andern Sinnes würden, der irrt sich. Wer die Macht hat, hat Recht und offen spricht es die Sozialdemokratie aus. sie habe die Macht noch nicht ganz. Mit dem Augenblick. wo das geschehen sei, würde sie andere Saiten aufziehen. Gott sei Dnck. sind aber noch die Elemente, die auf Eigentum, Besitz, private Arbeit und Ordnung im Staatswesen halten. in der Mehrheit, sie sollen mehr als seither ihre Stimmen erschallen lassen und sich energisch dagegen wehren, daß man an ihnen, den Grundpfeiler des Staates, sozialistische Experimente aller Art macht, wozu auch die kommunistische Bewirtjchaftui^ der Bucheckern gehört. Die LMS'Muüßrn und Wohmgsdllrch- liujlMifini auf Ural Lande. Eine Anfrage des Abgeordneten De. Roesicke. Die in Parlament und Presse wiederholt und nachdrücklich gerügten unerträglichen Mißstände. die bei dem Vorgehen der behördlichen Unlersuchungskcmmissionen auf dem Lande zutage getreten sind und zu einer Häufung grober Willkürlichkeiten und schwerster Mißgriffe geführt haben, bilden den Gegenstand einer Anfrage, die der Abgeordnete Dr. Roesicke in Gemeinschaft mit Neichstagsabgeordnetcn der Konservativen, der Nationalliberalen und des Zentrums im Reichstage eingebracht hat. Sie bat folgenden Wortlaut: „Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß auf dem Lande heute in rücksichtslosester und schroffster Weise Haussuchungen und Durchsuchungen von Wohnungen teils durch Organe der Behörden, teils durch Militärpersonen, teils durch besonders von Behörden beauftragte Kommissionen erfolgen, deren Vorgehen im Widerspruch zu der gesetzlich festgaleglen Unverletzlichkeit der Wohnung und Sicherung der persönlichen Freiheit steht? Ist der Herr Reichskanzler bereit, die weitere Vornahme derartiger Haussuchungen und Durchsuchungen zu verhindern, bis eine gesetzliche Grundlage geschaffen'ist, durch welche Sicherheiten gewährleistet werden, die mindestens den Bestimmungen der Strafprozeßordnung gleichkommen? Wir begnügen uns nnr einer schriftlichen Antwort." Der zweite Absatz der Anfrage entspricht der Forderung, die durch den Abgeordn-eten Dr. Roesicke bereits im Plenum des Reichstages erhoben wurde, und die den jetzigen Zustand ungesetzlicher Willkür beseitigt wissen will durch die Schaffung eines sicheren Rechtebodens, dergestalt, daß die Landbevölkerung nicht langer als ein Volksteil minderen Rechts erscheint, bar der selbstverständlichen Sicherheiten, die jedem Verbrecher gewährleistet sind. Ein Vorschlag. Jeder Tag, den Gott werden läßt, bringttelne ganze Reihe wn Verfügungen irgend einer Landesstelle, Kom^-- .verband u?w., daß wieder dieses und jenes bei Vermerk .. - tmet Gefängnisstrafe bis zu einem Jahre oder einer Gettstrcffe bis zu 10 000 M. verboten ist. Es ist einem Juristen vom Fach nachgerade unmöglich geworden, die Fülle der Verbote im Kopf zu behalten, wie sollte dies bei einem gewöhnlichen Sterblichen der Fall sein. Es wäre doch viel einfacher, wenn man einmal veröffentlichen wollte, was eigenttich im deutschen Reich zu Beginn des fünften Kriegsjahres noch erlaubt ist. Viel wird es nicht fein und darum ist es leichter zu behalten. Für wen Kämpfen und bluten wir? Wir verzeichnen es jedesmal mit Genugtuung, wenn wir in der Frankfurter „Voltsstimme" Gedanken finden, mit denen wir übereinstimmen können. Das ist auch mit folgenden Auslassungen der Fall: Ein Feldgrauer schreibt von der Westfront der „M. Post": In unserem Graben zirkuliert ein Zeitungsausschnitt, der folgende Inserate tiefer hangt: „Frankfurter Zeitung": „Akad. geb. Kaufmann, Cohn eines Mafchinenfabrikan- ten. 26 I. vermögend, kerngesund und lebenslustig, nröchte bald ein ebenfalls vermögendes, interessantes, luftiges Mädel heiraten., um ein geschmackvolles Eheleben schon in der Jugend zu erleben und einen psychischen Ausgleich zu haben . . ." Anzeige in einem anderen deutschen Blatt: „Liebes Mädel, groß, blond. 21 Jahre, wünscht Bekanntschaft mit besserem Herrn, zwecks Heirat. Ausländer bevorzugt. Off. mtt Bild unter . . . Ullst.-Filiale, Schönhauser Allee 100." Kein Wunder, daß hier einer den anderen fragt: Für wen kämpfen und bluten wir? Und weiter fragen sich die Kameraden, warum der vermögende, kerngesunde Fabrikantenfohn nicht an der Front steht. Männer, die schwere Sorgen drücken, um ihre Familie und Existenz liegen seit Jahren in schweren Kämpfen mit dem Feind. Viele, viele sind gefallen. Witwen und Waisen trauern. Junge Springer dagegen ftönen in der Heimat ihrer Lebenslust und heiraten nur, „um ein geschmackvolles Eheleben schon in der Jugend zu erleben und einen psy. chijchen Ausgleich zu haben" — in dieser „schweren Zeit." Glocken und Orgelpfeifen, „ Trotz aller vaterländischen Opferwilligkeit hat es be- teits im vorigen Jahre weite Kreise unseres Volkes schmerzlich berührt, daß Glocken und Orgelpfeifen einge- fäMolzen wurden, während doch so manche Braukessel entbehrlicher gewesen wäre. Dieser Gedanke wurde auch am Mittwoch den 17. Juli d. I. auf der Evangelisch-lutherischen Konferenz ht GkDGerg geäußert und angeregt, bei weite« rem Heeresbedarf an Kupfer und Zinn möge die Kirchen- hehörde cm der zuständigen Stelle beantragen, daß man zuerst andere Metallgegenstände einschmelze, ehe man auf's neue nach Kirchengeräten greife. Der Fall ist nun akut geworden. Im Verordnungsblatt Nr. 9 vom 16. Juli, das am 22. Juli in die Hände der Pfarrämter kam, steht eine Verfügung vom 8. d. Mts. betr. Bronzeglocken und Orgelpfeifen an die Kirchenvorstände: „Wir machen Sie auf die demnächst in den Kreisblättern erscheinende Bekanntmachung nebst Preßnottz aufmerksam." Am gleichen Tag, wo dieses Blatt in die Hände der Pfarrer kam, brachte das Amtsverklindigungsblatt die in Aussicht gestellte Bekanntmachung nebst der Preßnotiz im Wortlaut. Es ist also nunmehr den Kirchenvorftänden, oder, wo Glocken und Orgelpfeifen der bürgerlichen Gemeinde gehören, den Ortsvorständen Gelegenheit geboten, beim Großherzoglichen Kreis- mnl im Sinne der Grünberger Konferenz vorstellig zu werden. Zur bclgftchen Frage., Entschließung. Die Reichsle-itung bat aus parlamentarisches Drangen Erklärungen über die belgische Frage abgegeben. Die Deutsche Vaterlandspartei lehnt es ab. sich an Versuchen zu beteiligen, aus diesen Erklärungen diesen oder jenen Sinn herauszulesen. Für sie äst Belgien nicht nur ein Faustpfand Für Sicherung eines dauerhaften Friedens muß wirkliche deutsche Macht in Belgien die Wirtschaft des Landes vor anglo-mneri- kanischer Ausbeutung, die Flamen vor Französierung, deutsches Laird und deutschen Gewerbefleiß vor den Verwüstungen eines zukünftigen Krieges und nicht zuletzt di? Meere vor englischer Tyrannei bewahren. Wir wollen keine Annexion? Wir wollen ein fteies Flandern und eine wirkliche Sicherstellung der Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes. Die Deutsche Va- tcrlandsparlei wird mit verdoppelter Kraft für diese Ziele ein- treten. Gießen, den 22 Juli 1918. Deutsche Baterlandspartei. Landesverein Oberhessen Ortsgruppe Gießen. Ans der Heimat. Ernteaussichten im Rhe'm-Main-Gebiet. Die Ernieaus- sichten im Rhem-Main-Wirtschaftsgebiete können, nach Mitteilungen von sachverständiger Seite, durchgängig als günstig bezeichnet werden. Der Roggen, der jetzt im Schnitt ist, liefert eine in Korn und Stroh gleich vorzügliche Ernte, die dadurch noch wesenttich gewinnt, daß durch das Ausbleiben verheerender Unwetter oder andauernder Negegnüffe gar keine Lagerungen hervorgerufen wurden. Ausgezeichnet fällt arlch die Weizenernte aus; die Aehren bergen schwere dicke Körner. Die Gerste ist infolge der Dürre un-d der kalten Junitage im Halm zuriick, dürfte aber sonst zufriedenstellende Ergebnisse bringen. Auch der Hafer ist stellenweise im Stroh klein geblieben, dagegen ist fein Fruchtansatz durchaus gut und fest, vielfach sogar ausgezeichnet. Die Frühkartoffeln, die empfindlich unter der Kälte währerch der Pflanz- und Entwicklungszeit litten, bringen recht mäßige Erträge; die Spätkartoffeln aber lassen nach der bisherigen Entwicklung eine in jeder Beziehung reiche Ernte erwarten. Ueber den Stand der Zuckerrüben läßt sich bestimmtes noch nicht sagen: der Ausfall ist abhängig von der Menge der künftigen Niederschläge und von dem zur Zuckerbildung erforderlichen Sonnenschein. Im übrigen machten sich im Wirtschaftsgebiet eine starke Vermehrung des Rübenbaues zum Nachteil des Noggenanbaues bemerkbar, da sich ersterer jetzt mehr lohnt. Die Aussichten für die Obsternte, d. h. für Kern- und Steinobst sind sehr gering. Nach der Rekordernte 1917 konnte man kein besonders gutes Ergebnis erhoffen; zudem wirkte das Ungeziefer verheerend an den Blüten und jungen Früchten. Die Ernte an Beerenobst war reich. Was den neuerdings in zunehmendem Maße feld- mäßig betriebenen Gemüsebau betrifft, so haben die Früchte vielfach unter Ungeziefer, Dürre und Kälte gelitten. Namentlich gilt dies für Bohnen und Gurken. Dad-Nauheim. Viertes S'mfoniekonzert der Kurkapelle, Donnerstag, den 26. Juli im Konzerthaus. Die Vortragsordnung des vierten Sinfoniekon-erts bringt als Hauptwerk die F6ur-Sinfonie (Nr. 3) des großen deutschen Meisters Johannes Brahms; ferner Coldnlark's Konzertouvertiire „Im Frühling", sowie die beliebte Tondichtung „Moldau" von Smetana. So- listtfch betätigt sich am Konzert der erste Gell ist des Orchesters, Herr Cutia Easini Der junge Künstler wird eine Fantasie von Davidoff mit Orchester, und „Elegie" von Faure, und Spinn- lied von Popper — letztere beiden Stücke mtt Klavierbegleitung des Herrn Marguch — zum Vortrag bringen. Die Leitung des Abends liegt wie immer in den Händen von Hofrat Professor Hans Minderstein. Offeubach a. M. Der Arbeiter und Händler Martin Hartrnann, der in Sachen Aulbach und Genossen wegen Hehlerei gestohlener Treibriemen veriwmmen werden sollte, ist in einem unbewachten Augenblick aus dem Fenster eines Dienstzimmers im Polizeipräsidium in einen Garten gesprungen, wo er anscheinend verletzt liegen blieb. Er wurde -durch die Rettungswache dem Städtischen Krankenhaus zu geführt. Gießen. Den beiden verbreHerischen Ueberfällen vor einer Woche bei Bonbaden ist bereits ein dritter Raubanfall aus ein junges Mädchen in der Nähe von Gießen gefolgt. Das Mädchen hatte in einem Dorfe bei Gießen Lebensmittel gekauft. Auf dem Heimweg wurde es von einem zerlumpten Menschen überfallen und unter Bedrohung mtt Todstechen seiner Habseligkeiten beraubt. Aus Schlitz wird geschrieben: Eine ausgezeichnete Ernte aller Fruchtarten ist dieses Jahr im Schlitzerland zu er- warten, sowohl was den Körnerertrag als auch die Menge des Strohs cmlangt. Frankfurt a. M. Die gerichtsärztliche Untersuchung der von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Leiche eines ^jährigen Knaben hat ergeben, daß das Kind an Mißhandlungen gestorben ist. Als Täterin komckrt die Mutter, die 23jährige Schneiderfrau Spielmann, Gr. Hirschgraben 16, in Betracht. Das entmenschte Weib wurde verhaftet. > Vom Main, lieber das große Fischsterben im Main berichtet die „Volkssttmme", daß die toten Tiere zentnerweise den Fluß hinabgetrieben sind. Von der Bevölkerung aufmerksam gemacht, haben sich Regierungsvertreter persönlich von der Taffache überzeugt und Abhilfe versprochen. Aus Starkcnburg. Darmstadt. Zu den unberechttgten Marmelads- Schiebereien aus den Beständen des hiesigen Lebensmittelamtes teilt die hiesige Ortsgruppe deuffcher Feinkosthändler mit, daß einige der Mitglieder auf Drängen ihrer Kund- ichaft an auswärttge Verwandte Marmelade abgegeben haben. Auch hat ein Mitglied einen größeren Posten Marmelade von auswärts bezogen und wieder verschickt. Diese letztere Behauptung scheint etwas eigentümlich, da die Marmelade bekanntlich beschlagnahmt und meist nur in ganz geringen Mengen, dann aber zu ungeheuren Preisen im freien Handel ist. Man ist gespannt, was sich bei der Untersuchung des Lebensmittelamtes hercmsstellt. — Bei dem am letzten Samstag über die Stadt gezogenen schweren Gewitter, traf ein kalter Schlag unter ungeheurem Krachen in das Anwesen Rheinstraße 12, Ecke der Grasenstraße, beschädigte aber nur etwas das Dachwerk, sodaß die herbei- geerlte Feuerwehr bald wieder abrücken konnte. Aus Rheinhessen. Mainz, 19. Juli. In einem Zigarrenladen trt der Heidelberger Straße dahier kauften zwei junge 17jährige Burschen Zigarretten. Als die gekauften Waren ihnen ein- gepackt wurden, überfielen die Burschen die Frau, stopften ihr ein Tuch in den Mund und plünderten die Ladenkasse der sie 120 Mark entnahmen. Von den Dieben fehlt bis jetzt jede Spur. FC. Mainz, 21. Juli. Ein hier wohnhafter Metzger wurde in Hast genommen, da er dringend verdächtig ist in Hechtsheim eine Geheimschlachtung vorgenommen zu haben. In einem Korbe, den er mit sich führte fand der Gendarm 58 Pfund Fleisch und Metzgergeräte. Nierstein, 21. Juli. Vorgestern abend machten sich verschiedene Jungen im Garten des Rheinhoteis an den Birnbäumen zu schaffen, warfen Steine und kletterten zuguterletzt hinauf, imt die Birnen zu holen, doch das hinzukommende Küchenmädchen des Hotels verjagte die Jungen bald mit einem Stock. Die sich in der Nähe aufhaltenden Elter? des einen erschienen bald auf der Bildfläche. Während Mi Frau sckninpfte und sich der gemeinsten Ausdrücke bediente, fiel der Mann über das Mädchen her, mißhandelte es dercm selbst durch Fußtritte, daß es aus verschiedenen Wunden blutete und sich in ärztliche Behandlung begeben mußte Die Angelegenheit wird ein gerichtliches Nachspiel haben. FC. Worms, 21. Juli. In einer Fabrik wurde gestern Nacht ein Ledertreibriemen im Werte von über 2000 Mark gestohlen. — Die Ernte in Frühpfirsichen und Aprikosen fällt in der nahen Pfalz quantitativ sehr gering aus. — Auf dem Wochenmarkt zu Landau wurden die Bohnen zu 45 Pfennig das Pfund und Birnen zu 60 Pfennig das Pfund angeboten. Ans Hcsskv.Nassau. Bischofsheim. Auf hiesiger Statton wären Einige Zeit die Güterwagen erbrochen und daraus eine Menge Lebensmittel und andere Gegenstände gestohlen worden, bis es endlich der Aufmerksamkeit des Bahnpersonals gelang, den Dieb in der Person des Phil. Hirsch VI. ans Büttelborn fesl^unehmen. Er suchte zu leugnen, wurde aber zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. FC. Aus Nassau, LI. Juli. In den Waldungen des Taunus und Westerwald zeigen die Haselnutzsträucher reichlichen Fruchtbehang, sodaß auf eine recht günstige Ernte zu hoffen ist. Im letzten Jahr war der Erttag wenig günstig. FC. Bicrstadt, 21. Juli. In der letzten Zeit kamen zahlreiche Felddiebstähle vor. Vor allem wurden Frühkartoffeln und Zwiebeln gestohlen. - In einer der letzten Nächte legten sich zwei Schwestern aus ihrem Grundstück auf die Lauer und faßten den Dieb ab, der gerade dabei war gelbe Rüben zu „ernten". Als das eine Mädchen ihn zur Rede stellte drohte er mit erschießen. Es handelt sich um einen Feldgrauen in Wiesbaden der längere Zeit in den: hiesigen Teillazarett gelegen chat. Aus Kurhessen. sr. Gelnhausen, 20. Juli. Durch einen Sturz vom Fahrrad fand aus der Straße Gelnhausen—Höchst der 49 Jahre alte Fürstlich Nftnburgische Unterförster Johann Ferdinand Desch Vater von 11 Kindern, seinen Tod. sr. Schlüchtern, 21. Juli. Auf dem von Stuimn-von Kühlmannschen Gute zu Vollmerz brannte gestern in der Mittagsstunde die mit neuer Gerste gefüllte Scheune nieder. Wohnhaus und Nebengebäude konnten durch die herbeigeeilten Feuerwehren gerettet werden. Mit Schreichhölzern spielende Kinder haben das Feuer verursacht. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg; ftir den Anzeigenteil: R. Heyner« Fiiedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tagäzertting^. A. <3L Fciedbern L £> Wm me isiirdi Liede Leid geschah. Roman von Courthß-Mahler. 63) Nachdruck verboten Meine Vase, die Baronin Helene von Hoßbach, hat sich mir gegenüber eines schweren Vergehens schuldig gemacht. Eie hat es auf dem Gewissen, daß mein Lebensglück zerstört, der Friede meines Daseins* vernichtet wurde. Es ist nicht nötig, daß ich naher auf die Einzelheiten ergehe. Die Ba-ronin Hatzbach wird selbst genau wissen, wie schwer sie sich an meiner einstigen Verlobten und mir versündigt hat und wird sich sagen können, daß ich berechtigt war, sie noch viel härter zu bestrafen, als es geschehen ist. Wenn ich das nicht tat, geschah es nur, weil sie eine B-lkenhnm ist, und weil ich nicht will, daß sie mit ihrer Tochter als Bettlerin von Btrkenheim geht. Hätte ich sie nach Verdienst behandeln wollen, so hätte ich meine Hand ganz von ihr ab- ziehen müssen. ■ , Gegeben am 29. Juli 1914. Heinz von Birkenheim. Christa ließ das Blatt sinken und legte es vor sich hin. Eine lange Pause entstand. Mutter und Tochter saßen wie gelähmt, mit blaffen Gesichtern und sahen starr vor sich hin. Die Baronin schien eine Verkörperung des schlechten Gewissens zu 6k isnagfe nicht aufzusehen und rang nach Faffung. Nach einer langen Weile ergriff Herr von Dirkenheim, der si? nicht aus den Augen ließ, das Wort. „Ihr kennt nun meinen letzten Willen- wie ihr es euch schon lange gewünscht habt, und es steht euch frei, euch darüber auszufprechen." sagte er kalt und schneidend. Die Baronin erhob sich mühsam. „Lieber Vetter, ich kann nicht faffen, nicht begreifen, was ich soeben hören mußte. Man scheint mich bei dir verleumdet zu haben. Wie kannst du glauben, ich hätte mich an dir versündigt?" So stieß sie heiser hervor und suchte zu retten, was zu retten war. Er sah sie scharf an. c „Meinst du wirklich, daß man dich verleumdet hat?" Sie raffte sich auf. Nur nichts zugeben, dann ist noch nicht alles verloren, dachte sie. Sie überlegte schnell, daß es nur eine Person gab, die sie mit Bestimmtheit anklcvgen konnte. Und diese Person war Maria von Platen. Doch sie war tot — und Tote reden nicht. Wer wollte ihr beweisen, in welcher Weise sie damals in das Geschick von Heinz und Maria eingegriffen haltet Nur nichts eingoficheiK faste fie stch nochmals rote ein haick- . gesottener Sünder. „Ich kann nur beklagen, daß du mich so verkennst. Do find denn die Beweise dafür, daß ich das alles getan habe, wessen ich beschuldigt bin?" Mit einem verächtlichen Blick nahm Herr von Birkenheim von seinem Schreibtisch den durchgeriffeneu Brief, den Helene Maria gegeben hatte. „Da ist der Beweis. Diesen zorriffenen Brief suchtest du in böswilliger Absicht aus meinem Papierkorb und gabst ihn Maria mit der Behauptung, daß ich ihn dir gegeben, daß er an dich gerichtet sei. An diesen Brief glaubte Maria und ahnte nicht, daß er an sie gerichtet war. In ihrer Herzensreinheit hielt sie es nicht für möglich, daß du sie schamlos betrogst." Ein Beben flog über die Gestalt der Baronin. Sie starrte Mf den Brief herab. „Wie — wie kommst du — zu diesem Brief ?" stammelte sie. Er richtete sich hoch auf. „Das hattest du nicht erwartet, nicht wahr'? Du hattest ja eine undurchdringliche Mauer um mich aufgebaut. Marias Briefe an mich ließest du zuruckgehen mit dem Vermerk: Adressat verweigert die Annahme. Und einen letzten Brief Marias, den sie vorsichtigerweise von ihrer Tochter adressieren ließ, den unterschlugst du einfach. Dein Leugnen hilft dir nichts. Ich durchschaue dich jetzt — leider zu spät." Die Baronin versuchte vergebens, sich Haltung zu geben. Auch ihre Tochter schien fassungslos. Karlas sonst so sanftes, liebliches Gesicht war schlaff und verzerrt. „Mer hat dir das alles über mich gesagt?" stieß die Baronin hervor. Da trat Herr von Birkenheim plötzlich an Christas Seite. Mutter und Tochter hatten deren Anwesenheit in der Aufregung fast vergeffen. Nun faßte Herr von Birkenheim Ehristas Hand. „Marias Tochter hat mir selbst Kunde von ihrer Mutter gebracht. Graf Steinau machte ihr den Weg zu mir frei, den ihr verschlosien hieltet. Er brachte mir Marias Tochter in's Hans. Hier steht sie vor euch. Christa Hellmut ist in Wirklichkeit Christa von Platen, meine liebe Nichte, Marias Tochter wird meine Erbin. Die beiden Damen fuhren mit blaffen, gehässigen Gesichtern nach Christa herum. „Ah — da ist sie ja — das ist infam — das sieht mir doch sehr nach Erbschleicherei aus," stieß die Baroneffe wütend hervor. Christa wollte auffahren, aber der alte Herr hob beruhigend die Hand. „Laß, mein Kind — das trifft dich nicht," sagte er zu ihr. Zu den beiden anderen Damen gewandt, fuhr er fort' „Kein Wort mehr gegen Christa, sonst entziehe ich euch noch die Rente, die ich euch ausgesetzt habe. Christa steht hoch über euch und kam nur zu mir, um ein Vermächtnis ihrer Mutter zu erfüllen. Wollt ihr jemand den Vorwuri der Erbschleicherei machen, ihr, die ihr Christa selbst bestimmt habt, mich zu be. wegen, ein Testament zu machen? Aber ich bin es müde, weiter mit euch zu rechten. Ihr könnt euch wohl denken, daß es mir in Zukunft unmöglich fein wird, euch in meiner Nähe zu dulden. Und deshalb muß ich euch ersuchen, sofort eure Sachen zu packen und Birkenheim für immer zu verlassen. Ich will euch jetzt gleich eine Summe von zehntausend Mark zur Verfügung stellen. Dafür richtet euch ein. wie und wo es euch beliebt. Die Rente, die ich euch in meinem Testament bestimmt habe, zahle ich euch schon von jetzt ab unter der Bedingung, daß ihr nie mehr in meine Nähe kommt. Ich denke, daß wir uns nach dieser Aussprache nichts mehr zu sagen haben werden. Das Veste ist. wir ersparen uns jede weitere Begegnung. Sobald ihr abzureisen wünscht, laßt euch den Wagen anspannen. Die Anweisung über zehntausend Mark an die Deutsche Bank schicke ich euch hinüber. Dort könnt ihr auch die Rente erheben. And nun verlaßt mich — ich ertrage euren Anblick nicht länger. Er mahnt mich an mein verlorenes, um das Beste betrogene Leben" Die Baronin wollte noch etwas sagen. Sie starrte Christa mit einem unbeschreiblichen Blick ins Gesicht. Aber als'sis sprechen wollte, winkte Herr von Birkenheim gebieterisch ab. „Geh — ich will allein sein — ich möchie mich nicht vergessen!" rief er hart. Da mochte die Baronin wohl fühlen, daß sie verspielt hatte und ihre Lage nur noch verschlimmern konnte. Sie wandte sich zum Gehen. „Leb wohl, Vetter, und möge es Dich nie gereuen, uns von dir gestoßen zu haben," sagte sie, um sich einen leidlichen Abgang zu schaffen. Karla wankte auf den alten Herrn zu. „Onkel Heinz, was habe ich dir denn getan, daß du mich so bitter büßen läßt?" schluchzte sie Er wehrte ab. ' „Geh mit deiner Mutter — erspare mir alles weitere. Ich kann auch dir nie mehr vertrauen." Fortsetzung folgt. Bekanntmachung Durch das freie Herumlaufen der Gänse, Enten und Hühner außerhalb eingefriedigter Grund» stücke ohne gehörige Aussicht sind in letzter Zeit wiederholt größere Feldbeschädigungen namentlich an Grundstücken, die an der Ufa an- grenzen, vorgelommen. Die Besitzer solcher Haustiere fordere ich hiermit auf. ihre Tiere, j insoweit sie nicht in Herden aus- getrieben werden, gehörig beaufsichtigen zu lassen und dafür zu sorgen, daß Feldbeschädigungen für die Folge vermieden werden. Diese Aufforderung gilt auch ganz besonders für die Feldschäden, die seither an den Be- grasungen der Ufa und der an diese im Stadtteil Fauerbach angrenzenden Pflanzslücke von Enten verur acht worden sind. Dns Polizei- und Feldschutzpersonal habe ich angewiesen, fernere Uebertretnngen nach Art. 36 des Feldftrafgesetzes unnach- sichtlich zur Anzeige zu bringen. Friedbera, den 23. Juli 1618. Der Bürgermeister 2. V.: Dam m. Feldw., 40er, ohne Familie, möchte Lvöcheulk. Erholungsurlaub auf dem Lande jgj verbringen in landwirt- schastl. Betrieb (Gutshof oder dergl.) und wäre für Aufnahme dankbar. Briefe mit Angabe des Preises unter Nr. 1428 an d. Geichäftsikelle d. „Neuen Tageszeitung" erbeten. VmMtt'. Junger Verwalter, der demnächst vom Militär abgeht, eine 2'/z jährige Praxis har. selbst Hand mir anlegt und beste Zeugnisse besitzt, sucht per 1. August 1618, eventl. auch später, Stelle. Zuschriften erbeten an Franz Anton Ohlig» Frankfurt a. Dt., Fischerfeldstraße l. Zu sofortigem Einlitt wird für größeren Betrieb ein tüchtiges ..,■ für die Spülküche gesucht. Angebote an das ErnstLudwig-Heirn, Bad - Salzhaujen, Oberhessen. j-tj-ZiiWer-Wosjinulß mit allem Zubehör in JI. Etage zu vermieten. Hugo Engel, Friedberg, Kaiserstr. 28, gegenüb.d. Rathause. daß die von Ihnen im geschäftlichen oder privaten Verkehr verbrauchten Drucksachen stets ein sauberes und geschmackvolles Aussehen haben, denn es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß solche Drucksachen ein iir sind, wie sie auch von dem Absender einer familiären Mitteilung den günstigsten Eindruck hinterlassen. Wir empfehlen unsere gut eingerichtete Druckerei bei eintretendem Bedarf und sichern einwandfreie Ausführung und rasche Lieferung zu § rtiiUMajW. Friedberg i. H. - 1 ■ § ■| -5g I 4 l i I 4 4 II i I Müs Landwirte i Mit ti i. WWi, e. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Kronprinzenstratze 4L (Kronprinzenbau.) — Fernruf Römer 4208. Bürostunden: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, nachmittags aon 2—4 Uhr. — Eeschäftsanzeigen in diesem Raum mu* für unsere Mitglieder; dieselben sind kostenlos, jedoch muß bei Aufgabe der Anzeige auf die Mitgliedschaft hingewiesen werden. um- t uuuifll WMWs GeransM mit Descäriiilsr mmi GegT. 1864. Reichsbank-Giro-Conto. Te!.-No. 15. Entgegennahme von Spar-Einlagen. zu den höchsten Zinssätzen. SK Provisionsfreier Checkverkehr. 32 Conto-Corrent-Gredit- Gewährung. SE Diskontierung von Wechseln. SK Verwahrung ». Verwaltung von Wertpapieren, Beleihung von Wertpapieren. SK An- und Verkauf von Wertpapieren. SK Einlösung von Coupons etc. SK Vermittelungallsr in das Bankfach einschlagenden Geschäfte zu den mässigst. Bedingungen. Feuer- und diebessichere Stahlkammer, in der eiserne Schrankfächer (Safes) in verschied. Grössen vermietet werden. Zeichnungen auf alle an den deutschen Börsen zur Auflage kommenden neuen Anleihen jeder Art werden von uns zn den Ausgabe-Bedingungen angenommen, ohne daß dies in den einzelnen Fällen heMonders bekannt gemacht wird. r Tod allen Fliegen! Zur Vertilgung von In ekten. wie Bremsen, Schwaben, Fliegen, Mücken, Moskitos, verwendet man zweckmäßig nur den Ori^inal-Fliegcnfötcr Derselbe besteht aus einer einfachen Pappfcheibe in Form eines Bierunterfetzers, welcher einen Stoff enthält, der die Insekten anlockt und ihren Tod binnen wenigen Minuten herbeiführt, sodaß die Insekten massenhaft weggekehrt und verbrannt werden können. Einfach und sauber im Gebrauch. Wirkung verblüffend. Nur Befeuchtung nötig, sofort verwendbar und billig im Preis. Trocken ausbewahrt jahrelang haltbar. Rechtzeitige Bestellung ist anzuralen! Preis: 50 Stück 7.50, 100 Stück 14.—. 200 Stück 27.— Mt. Porto extra. — Postscheckkonto Leipzig Nr. 32663. Ernst Funke, Halle a. S., Georgstr. 15, Abt. I. Jigd- M 1 r«»n empfiehlt W. pan Wimmch, Friedberg. Ginkochapparats Ginkochgliffer, Dörrapparate. Dörrhorden. Kochkisten und Nassternrafchimm empfiehlt PH. Dan. iiimiiiii Friedberg. Ein Posten Gerstenspreu u. RapsschoLLen abzugeben. von llefniolt, Fauerbacher Hof bei Friedberg. Ein gebrauchter, noch guterhaltener Pntjlhenimgeil mit Patentachsen steht zu verkaufen bei Jakob Schweitzer» Holzhausen. Oberhessen. Ein e kräftige Fahrkuli unter zwei die Wahl, eine mit Kalb, die andere hochtragend, hat zu verkaufen Joh. Moll, Weckesheim- Durch Ankauf von Prioatwäb- dern liefert fortwährend und billig G. See, Maffenheim. Telefon 23fti Amt Vilbel.,