Unmmer 170 Dienstag, den 23. Inli 1918 11. Jahrgang. ^-: L- ___11. Zah Ueue Tageszeitrm Die ..Uene Tagrszettung hinzu tritt noch das Bestellgeld erhoben Der Vierte jfnts* pifdp Ais«? sink Eintritt verhältnismäßiger Unhe. — KchmsrRe Wrinste der Feinde. — Der amerilmnilche *HtUn Trnppentransporidampfer „Leviathan" (54282 Tonnen), früher ..Vaterland", verlenktü II Der deutsche Generalftad s==z==^^= meidet: ==j! W» T. S. Großes KeLvptsLmrtrcr, dr r 22. Inli. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Aisne und Marne dauert die Schlacht in unverminderter Heftigkeit fort. Trotz seiner schweren Niederlage am 20. Juli stieß der Feind unter Einsatz frischer Divisionen und neu he rau geführter Panzerwagen erneut zu erbitterten Angrffen gegen unsere Linien vor. Seine Angriffe sind gescheitert. Gefangene bestätigen die schweren Verluste des Feindes. Auch der gestrige Kampftag führte wieder zu einem vollen Erfolge der deutschen Waffen. Zwischen Aisne und südwestlich von Hartennes leitete stärkstes Trommelfeuer am frühen Morgen Jnfanteriean- griffe des Feindes ein. Südwestlich voiASoissons und südwestlich von Hartennes brachen sie schon vor unseren Linien zusammen. Nördlich von Villenwntoire drangen Teile des Feindes vorübergehend über die Straße Soissous-Chateau- Thierry vor. Unser Gegenangriff warf sie wieder völlig zurück. Auch Dillemontoire und Tigny waren Brennpunkte des Kampfes, den erfolgreiche Gegenstöße zu unseren Gunsten beendeten. Am Abend wurden erneute feindliche Angriffe südwestlich von Soissons schon in ihrer Bereitstellung getroffen. Wo sie noch zur Durchführung kamen, brachen sie Verlustreich zusammen. Beiderseits des O'-'rcg stieß der Feind am Vormittag mehrfach vergeblich gegen unsere Linien.vor. Nach Heranführung frischer Kräfte holte er am Nachmittag zu erneuten Angriffen aus. Nach schwerem Kampfe brachten Gegenstöße den Ansturm des Feindes beiderseits von Oulchy-le- Chateau zum Scheitern. Nördlich und nordöstlich von Chateau-Thierry erschwerten unsere im Vorgelände belassenen Abteilungen dem Gegner das Herankommen an unsere neuen Linien. Erst am Abend kam es hier zu stärkeren Angriffen, die unter schweren Verlusten für den Feind zusammenbrachen. An der Marnefront Artillerietätigkeit. Zwischen Marne und Ardre setzten Engländer und Franzosen ihre Angriffe fort. Sie wurden blutig abgewiesen. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Erfolgreicher Vorstoß m die feindlichen Linien bei Ancerviller. Der Erste Gcncralqiiarticrmcistcx: L u d e n d o r f f. Aberrddericht. Berlin, 22. Juli', abends. (WB. Amtlich.) An vielen stellen der Schlachtfront zwischen Aisne und Marne Ruhe. Oertliche Kämpfe südlich des Om cg. Der österreichische Generalstav ™ meldet: — An Wien, 22. Juli. (WB). Amtlich wird Verlautbart der italienischen Front keine besondere Ereignisse. In Albanien nahm vor drei Tagen der Feind nördlich von Berat und ini oberen Tevoli-Tale seine Angriffe wieder auf. Von örtlichen Schwankungen abgesehen, gelang es ihin nirgends, Vorteile zu erringen. Die Kämpfe dauern an. Zwischen dern Someui-Kme und dem Meere drangen unsere Erkundungsabteilungen an mehreren Stellen in die italienischen Linien ein. Der Chef des Gcncralstabes. m ... ■’ " 1 " - - - ~ Der imigarische Gr,r realst ad \. - meldet: = - _ —l! Sofia, 20. Juli. (WB. Nichtanttlich.) Generalstabsbericht. Mazedonische Front: An verschiedenen Punkten der Front war die Artillerietätigkeit zeitweise ettvas lebhafter, unsere Artillerie schoß südlich der Lumnitza feindliche Ar« tilleriedepots in Brand; man beobachtete starke Explosionen. Westlich des Wardar machten unsere Aufklärungstruppen französische Gefangene. Auf dein südlichen Ufer des Ochrida- Sees und in der Gegend von Moglena östlich des Wardar haben wir feindliche Jnfanteriegruppen. die unsere Nachtposten anzugreifen versuchten, durch Feuer verjagt. Das türkische Hauptquartier l meldet: - =— Ü Konstantinopcl, 21. Juli. (WB. Nichtamilich.) Gene- ralstabsbericht. Palästinafront: Abgesehen von vereinzelten Artillerie- kämpfen, herrschte Ruhe. Bei Bel Naan wurde eine starke Aufklärungsabteilung von uns Vertrieben. Auf den dortigen Fronten nichts von Belang. Die Wacht mjchen Aisne mrt Marne. Berlin, 21. Juli. (WB.^ Während des nutzlosen Angriffes des Feindes am 20. Juli wurden bei Ploisy zurückflutende feindliche Massen, unter denen sich besonders Ame- rikaner befanden, von unserem zusammengefaßten Vernichtungsfeuer gefaßt, das oerheerend unter dem Gegner aufräum te. Auch nordwestlich von Hartennes, wo unsere Linien restlos gehalten wurden, sandte unsere Infanterie, aufrecht stehend,^ mit Gewehren und Maschinengewehren ihr Schnellfeuer in die voller Unordnung zurückflutenden dicht geballten Sturmkolonnen. Kurz vor Mitternacht griff der Gegner unsere Linien beiderseits der Straße St. Remy- Oulchy an. Er wurde blutig abgewiefen. Im Nachstoß gewannen wir an mehreren Stellen Boden. Berlin, 21. Juli. (WB.) Bei Chateau-Thierry waren es neben den schwarzen Hilfsvölkern der Franzosen besonders die Amerikaner, die aufs schwerste bluten mußten. Bisher fochten die Amerikaner nur zusammen mit weißen Franzosen. Die Folge ihrer diesmaligen Vermischung mit den Wilden und Schwarzen war, daß die noch nicht kampfgeübten Amerikaner in unserem Feuer geradezu verheerende Verluste erlitten. An mehreren Stellen türmten sicb hohe Berge amerikanischer Leichen vor unseren Linien auf. Der vierte Schlachttag. Berlin, 22. Juli. (WB.) Der große, die Entscheidung suchende Kampf Fochs hat auch am vierten Schlachttag mit. einem Mißerfolg für den Entente-Generalissimus geendet. An der ganzen Hauptangriffsfrout von der Aisne bis zur Marne verbluteten sich aufs neue die fnschen Divisionen des Feindes, ohne irgend welche Vorteile erringen zu können. Wo der Gegner infolge rücksichtslosester Anhäufung seiner Massen auf engem Raume in unsere Linie eindringen konnte wurde er sofort wieder geworfen. So mußten die über die Straße Soissons-Ehateaw-Thierry vorgehenden feindlichen Kräfte nach unserem erfolgreichen Gegenangriff rni deutsck)en Verfolgungsfeuer wieder über die Straße zurückweichen. An den Brennpunkten deS Kampfes, wie bei Villenwntoire und Tigny waren die feindlichen Blntopfer besonders schwer. Weder der Einsatz zahlreicher Tankgeschjwader, noch die Vernebelung des Kanipffeldes, noch die Massenverwendung seiner Kräfte konnten den Feind seinem Ziele näher bringen. Während in den großen Offensiven dieses Jahres die Deutschen bei geringen Verlusten in wenigen Tagen 60 bis 80 Kilometer im Angriff durchschritten und die feindlichen Armeen oft zu überstürzter Flucht zwangen, hat General Foch kärglicher Anfangserfolge wegen viele Hunderttausende eingesetzt, ohne auch nur im entferntesten ähnliche Erfolge, geschweige denn die erstrebte Entscheidung erringen zu können. Unsere Flieger. Berlin, 22. Juli. (WB.) Am Abend des 2k. Juli süd- lrch der Aisne einheitliche angesetzte deutsche Jagd- und Schlachtflieger-Geschwader griffen die feindlichen Trilppen- bereitstellungen mit Bomben und Maschineugewehrfeuer an und fügten dem Feinde schwere Verluste zu. Des öfteren konnte fluchtartiges Auseinanderlaufen der gegnerischen An- sammlungen und Kolonnen beobachtet werden Haag, 21. Just. In alliierten Pressestiinmen wird das Vorgehen Fachs zwischen Aisne und Marne als erste praktische Probe auf die Theorie, die er früher geäußert Hat, aufgefaßt, daß nämlich jede Offensive möglichst schnell mit einer Gegenoffensive zu beantworten sei. Es finden sich auch weitergehende Urteile, die im Floß Jocizs feine Bereitschaft, eine große Bewegungsschiacht anzunehmen, erblicken. Tie ganze Stimmung auf Seiten der Entente beweist, welchen Grad das Bedürfnis, irgendwelche Taten zu vollbringen, erreicht hat. Immerhin wird ans die Riesen- reserven hingewiesen, die die Deutschen zu ihrer Verfügung haben. 12000 Tonnen versenkt. Berlin, 21. Juli. (WB. Amtlich.) Im Sperrgebiet um England wurden 12 000 Bruttoregistertonneu versenkt. Der Chef de§ Admiralstabcö.dcr Marine. 9 Ein Transporter torpediert. Genf, 22. Juli. Dem „Matin" wird aus Newyork gemeldet, daß ein amerikanischer Transportdampfer, der mit einem Waffentransport nach Frankreich unterwegs war, in der Kriegszone torpediert wurde. Haag, 22. Juli. Holländisch Nieirwsbureau meldet ans Newyork: Der gesunkene amerikanische Panzerkreuzer hieß „San Diego". Die Ursache des Untergangs ist nicht bekannt. 38 Marin der Besatzung konnten gerettet werden. Das Marineministerium teilt mit, daß-weitere 116 Mann an Bord zweier Dampfer nacb einem nicht näher angegebenen Hafen unterwegs sind. Weiterhin wird berichtet, daß. der Kreuzer wahrscheinlich auf eine Mine gelaufen ist, da verschiedene Minen in der Nähe der Unglücksstelle aufgefunden worden sind. Unterseeboote wurden nicht gesehen. 48* Mann der Besatzung scheinen umgekommen zu sein. Der „Keviathau" versenkt. Die frühere „Vaterland". — 54283 Tonnen« 22. Juli. (WB. Amtlich.) Der amerikanische Truppentransportdampfer „Leviathan" früherer Dampfer der Hamburg-Amerika-Line „Vaterland", 54 282 Brutto registertonnen groß) ist am 20. Juli an der Nordküste Irlands versenkt worden. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. Wilüßlisse auf pantiljfint, futmngsljaffn und Zimier. Karlsruhe, 20. Just. Vergangene Nacht wurden Mann- hü IN Und Ludwigshafen wiederum von feindlichen Fliegern angegriffen. Der durch Bombenabwurf angerichtete Schaden ist gering. Personen wurden nicht verletzt. Karlsruhe, 22. Juli. Die heute Nacht wieder erfolgten Fliegerangriffe auf Speyer und Ludwigshafen haben nur in Speyer geringen Sachschaden verursacht. Personen wurden nicht verletzt. Karlsruhe, 22. Juli. Heute Mittag griffen feindlich« Flieger Mannheim und Ludwigshafen an. Bisher ist über Schaden nichts gemeldet. Cnßlijche PreMinmn p Offciißlm Amsterdam, 20. Juli. (MB.)' Nach einer Meldung 'des „Nlgemeen Handelsblad" aus London schreibt „Daily Mail" anläßlich der französischen Gegenoffensive: Ludendorff habe nicht viel Zeit zu verlieren, denn seine Reserven seien durch die Verluste an der Marne und bei Soissons stark geschwächt. Er verfügte aber immer noch über 40 Divisionen. Die Besorgnis und die Unsicherheit bei den Alliierten würden nicht früher aushören, als bis auch diese in den Kampf gebracht und geschlagen seien. — Die „Times" warnt vor einer Nebertreibung der Folgen. di, der Gegenangriff haben würde, che diese Folgen nicht vollstän- dig eingetreten seien. Die Absicht Fochs fei. die Deutschen i» ihrem neuen Sektor womöglich zum Rückzug zu zwingen. A1>er es fei kein Anzeichen vorhanden, daß zu hoffen sei, sie zu überwältigen. Foch habe auf noch^ immer schwierige! Lage. Mi* schen bfr Oise und dem Meer noch keinen kräftigen Einfluß aus- Üben können. Die Armee des Kronprinzen Rupprecht fei noch vollständig intakt, und man habe noch lange nicht sein letzte» Wort vernommen. Dem Kronprinzen habe Foch zwar eine« tödlichen Schlag versetzt, aber man müsse noch immer mit der Möglichkeit rechnen, daß Rupprecht ssch in Bewegung setze, und die Engländer würden nickt gern im Norden, wo sie noch immer kräftiger Widerstand finden, Gelände verlieren. FrourZftjche llöte. Berlin, 21. Juni. In einem Artikel des „Matin*, der mehrere Zev.iurlücken vufweist, heißt es: Die Abreise des Publikums, die Beförderung der Angesiedelten, die Weg- führung zahlreicher Kunstsammlungen u. cr. mehr haben eine vollkommene Stockung im Eisenbahnverkehr hervorgerufen. Hunderte von Kisten mit Waren können nicht befördert werden. Zwischenhändler machen sich diö Notlage zunutze und verlangen bis 1200 Franken für einen Waggon. Aus verschiedenen Gegenden Frankreichs wird von aktueller Brotnot berichtet. Die Bevölkerung von Nancy ist nach dem „Malin" und anderen Blättern sehr erregt, da es an Brot gegenwärtig vollständig fehlt und gegenwärtig nur noch 90 Doppelzentner Brotgetreide in der Stadt sind. Die Schweizer Min-nn? mit Frankreich mtfrbrolfn. Dem „Verl. Tageblatt" aus Genf zufolge gibt das Genfer Telegraphenanrt durch Anschlag heute bekannt, daß bis auf weiteres alle Verbindungen mit Frankreich unter- brachen sind. -?e amerikanische Hilfe. Baftl. 20. Juli. Nach einer Washingtoner Havas- Meldung erklärte Hoower in einem Bericht an den Präsidenten Wilson, die Vereinigten Staaten hätten in dem am 30. Juni abgelanfenen Jahre für 1,4 Milliarden Dollar Lebensmittel an die Armeen und an die Zivilbevölkerung der Alliierten nach Belgien, an das Rote Kreuz und an die amerikanischen Streitkräfte nach Frankreich gesandt. Eine neue Schlacht in Tirol? Zürich. 22. Juli. Der Zürcher Tagesanzeiger" meldet ein starkes Anschwell«»« der Artrlleiietätigkeit längs der ganzen Ti. roler Front. Dem Blatte zufolge wäre mit einem größeren Angriff in nächster Zeit zu rechnen, der stch wahrscheinlich jenseits der Adria im Albanischen oder Mazedonischen, möglicherweise ober auch rn Palästina als Eirchei'shandlung der gesamten Verbündeten fortsetzen dürfte. Anzeichen reger Betatiguna der Ber« bandsftreitkräfte seien an vielen Stelle« »ahrzunehmen. Ukraine. Die Schaffung einer Armee. Kiew, 21. Juli. (WB.) Der erste Schritt zur Bildung der : ukrainischen Armee ist durch einen heute veröffentlichten Erlaß des Hetmans getan. Es wird darin besohlen auf Grund der allgemeinen Wehrpflicht zunächst 5000 Reimten für die in Kiew tn Bildung begriffene Division aus der Zahl der im Jahre 1899 geborenen auszuheben. Der Minister des Innern wird für jeden Kreis die Zahl der zu stellenden Rekruten feststellen. Freiwillige im Alter von 18 bis 2b Zähren dürfen zugelassen I werden. Die Dienstzeit der Infanterie und Artillerie beträgt : öwei Jahre, sonst drei Jahre. Die Aushebung hat am 31. Juli j zu erfolgen. j Der Tod des Exzaren. Kiew, 21. Juli. (WB.) Die meisten Zeitungen bringen ; Artikel zum Tode des Kaisers von Rußland. Die bürgerlichen , Zeitungen sprechen die Aeberzeugnng aus, daß die Hinrichtung des Zaren geeignet sei, den monarchischen Gedanken, der sich ! überall bereits rege, zu stärken und ihm zum Durchbruch zu ver- j helfen Unter Assistenz der Vikarbischöfe und einer zahlreichen Geistlichkeit hielt Metropolit Antonius gestern in der Sophien- kathedrc.le eine feierliche Seelenmesse für den verstorbenen Zaren. Die Kathedrale war überiiillt. müssen solidarisch zu wirklicher, tatsächlicher Entschädigung an das Land verurteilt werden, das sie moralisch und nrateriell ungeheuer geschädigt habem Griechenland. Ber«, 22. Juli (WB.) Laut Meldung der Agence Helle- nique aus Athen, sind durch königliches Dekret mit Rücksicht auf die herrschenden Zustände und die Volksabstimmung die grie. chischen Gemeindewahlen, die nach dem Gesetz Mitte Juli erfolgen sollten, auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Bern. 22. Juli. (WB.) Wie Agence Hellenique aus dem Haag meldet, berichten die englischen Blätter, daß ein großer Brand gewaltige Mengen Kriegsmaterial und Heeresliefe. rungen im Hofen von Piräus vernichtet habe. Der Schaden soll mehrere Millionen Pfund Sterling betragen. 5rplößon im Arieuat zu Gaffres. Bern, 22. Juli (WB.) „Brogres de Lyon" teilt mit, daß im Arsenal in Castres eine Reihe Explosionen von Bomben im Sprengstoffdepot staltoesunden haben. Nach der ersten Explosion wurde Anordnung auf Räumung der Stadt erteilt. Dank dieser Maßnahme ist die Zahl der Opfer, obwohl genau noch tckcht bekannt, gering. Der Schaden in der Stadt ist sehr groß und erstreckt sich bis auf 10 Kilometer im Umkreis. Die Explosion des Pulverlagers der Hauptladestation konnte bisher verhindert werden. Ksndnras im Kvessnißun.! m't AeuMlund. Bafel, 22. Juli. Nach einem Havasberickit ausTegucigalpa hat die Regierung von Honduras den Kriegszustand mit Deutschland erklärt. Freiheit im freien Amerika. Berlin. 20. Juli Die Mörder des deutschen Reichsangr. hörigen Robert Prager sind von dem amer'kanijch-m Geschworenengericht freigesprochen worden. Selbst die „Newyork Times" nennt das ein schweres Vergehen g-gen dre Eerechtigkiit. Schande und Skandal. Auch die „Newyork Evening Post" sagt, der ganze bedauernswerte Fall sollte jeden Amerikaner mit Scham erfüllen. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bemerkt dazu: Wir unterschreiben die Urteile dieser vereinzelten amerikanischen Zeitungen, über das fluchwürdig« Verbrechen der amerikanischen Volksmasse, an dem sich die amerikanische Justiz durch die Freisprechung der Mer der des unschuldigen Deu lschen in einer Weise mitschuldig gemacht hat, di« ihr selbst das Urteil spricht. Die Oemjßou des Kabinett Zeidler angeugnmen. Wie«. 22. Juli. (WB.> Abgeordnetenhaus. Am Schluß der Sitzung teilt« Präsident Groß mit. daß Ministerpräsident Dr. Ritter v. Seidler und die ganze Regierung ihre Entlassung gegeben habe, daß die Entlassung angenommen wurde (Beifall bei den Tschechen), und daß die Regierung mit der Fortführung der Geschäfte betraut wurde. Verschiedenes. Für diesen Preis zu teuer! Aus Würzburg wird geschrieben' Den Bierfchar lprcis wollte der Bayerische Gastwirteverband in die Höhe geschraubt wissen, und zwar 15 Pfg. für den Liter Schankgewmn Der Magrstrot ließ sich aber darauf nicht ein und lehnte die Erhöhung ob. und zwar mit der Motivierung, daß der heutige Preis für die Qualität des Bieres noch viel zu hoch sei. Eine gesprengte Scheidemann-Versammlung. Der Reichs- tag-abgeordnete Scheidemann, der am Donnerstag in seinem Wahlkreise vor einer Riesenarbeiterversammlung sprechen wollte, wurde daran durch die Unabhängigen verhindert. Infolge ihres Lörmens konnte die Versammlung nicht eröffnet werden und verfiel vor polizeilichen Auflösung. Drnikik Maihenjchaften bei dkr Z. ss. G. Wir lesen in der „Wahrheit": Kiew, 21 Juli (WV.) Der Hetman hat das Gesetz über die Errichtung des Senats in Kiew als der höchsten Gerichtsund Verwaltungsbehörde der Ukraine bestätigt. Rumänien. Dir Anklage gegen das Krümel Bratianu. Bukarest, 22. Juli. (WB.) Das Zassyer Regierungsblatt .,^^.«?gseri-orung zu machen, wozu nach der rumäl fchen B rfass a.ig veder der König noch die Regierung, fonde einzig al‘. :<.• Nation durch ihre gesetzliche Vertretung i Parlament oerecktigr war. Diese schwere Versassungsverletzui bat Rumc »ien zu der Katastrophe geführt. Die Schuldig. Daß bei dem Riesenbetriebe der Z. E. G. nicht alles mit j rechten Dingen zugeht, haben wir liier 'wiederholt gesagt. Bei dem System der „Reinhaltung", das dort aus begreiflichen Gründen herrscht, kommt selten etwas davon in die Ocsfentlichkeit. Wer menschliche Schwächen kennt, wird das verstehen und zuweilen sogar verzeihen können. Nun hat sich aber neulich da hinter den Kulissen etwas ereignet, das dann doch nicht mehr gut als „häusliche" schmutzige Wäsche gewaschen werden konnte. Dieser Erkenntnis hat sich der oberste Leiter der Z. E. G., der Herr Generaldirektor, denn auch erfreulicherweise nicht verschlossen. Er hat ganz offi- ziett die Einleitung einer Untersuchung gegen den Ver- dächttgen beantragt, und diesem Anträge ist denn auch auf Grund der vorliegenden, schwer belastenden Materials ohne weiteres Folge geleistet worden. Die Presse, trotzdem oder sagen wir besser: gerade weil sie das Sprachrohr der öffentlichen Meinung sein soll, hat davon natürlich keine Kenntnis erhalten und sich infolgedessen auch ausgeschnüegen. Da und dort ist durchgesickert, daß ein Beamter der Z. E. G. erheb- 'ich« Durchstechereien gemacht habe, inzwischen aber erwischt worden sei. Wir sehen nicht ein, warum eine Angelegenheit, die schließlich alle Welt interessiert, weil sie deutlich zeigt, was unter der Beherrschung Deutschlands durch die Kriegs- gefellschaften alles möglich ist, so im tiefsten Dunkel bleiben soll. Darum wollen wir getrost den Schleier lüften, der einen Morast erkennen läßt, wie ihn selbst der stärkste Pessimismus wohl nicht für möglich gehalten hat. Ein Be- - amter der Z. E. G. yar — oas ift unvejwertbare Tatsache — gegen Gewinnbeteiligung einem Großsihlächter erhebliche Sondervergünstigungen bei der Vergebung von Schlachtauf. trägen verschafft, so daß derselbe mehr als 100 000 Rinder schlaclsten konnte und dabei erhebliche Gewinne einheimste. Bei dem inzwischen verhafteten Beamten sind 400 000 Mark beschlagnahmt worden. Der Großschiächter sitzt ebenfalls in Untersuchungshaft. „Der Beamte", der da „gefaßt" worden ist, war so ungefähr der erste Beamte der Fleischstelle der Z. E. G.. ein Herr Lippert. Sein Gegenkontrahent war ein Viehkommissionär Henke. Diese-beiden Ehrenmänner, die seit langen Wochen in Haft sitzen, hielten ihre Zusammen- fünfte meist bei Kannenberg in der Dorotheenstraße, wo es hoch her gegangen sein soll, wenn diese beiden „einfachen Leute" dort ihre Konten verglichen und in Ordnung brachten. Die Oeffentlichkeit hat ein gegründetes Recht darauf, zu verlangen, daß in diesem Falle mit aller Strenge vorgegangen wird. Es darf auch bei der Beschlagnahme von 40(1000 Mark bei dem Lippert nicht sein Bewenden haben. Dieser Herr hat dem deutschen Vaterlande vielmehr Hunderttausende mit Herrn Henke zusammen gekostet. Er wird seinen Rauh in Sicherheit gebracht haben. Sorge man gefälligst dafür, daß ihr wirkliches Gesamtvermögen in die Kasse des Staates fließt. Das muß das mindeste sein, was gefordert werden kann. Daneben freilich muß eine empfindliche Freiheitsstrafe den Herren winken, die sich in so freventlicher Weise an Deutschland versündigt haben! Aie Iwaiitzsbfwirtllhafiung der InniiKml* Mjßtiüdjn! Erzeugnisse. In Danzig sind am 18. Juli etwa 800 Landwirte z» einer gemeinsamen Sitzung zusammengetrcten, um eine Aussprache über die jetzige Zwangsbewirtschaftung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse herbeizuführen und Vorschläge über Voränlderungen dieser Bewirtschaftung zu erörtern. Kammer- Herr v. Oldenburg -Zannschau nahm das Wort zu den jetzt di« Landwirtschaft bewegenden Fragen. Werrn er alles zusammenfassen wolle, was die Landwirtschaft jetzt unter der Zwangsbewirtschaftung zu ertragen habe, so müsse cr sagen. „Raus aus diesem Zuchthaus!" Es werde jetzt solange alles an landwirtschaftlichen Erzeugnissen ersaßt, bis nichts mehr da sei. Unsere Produktion gehe bei diesem Erfassungssystem immer mehr zurück. Die Landwirte seren zu Parias der Gesetzgebung gemacht worden, und man ziehe sie dann noch mit Verdächtigungen in den Schmutz. Ts gehe eine Erbitterung durch das Land. Besonders schwarz sehe er in der Erbitterung, die dis landwirtschaftlichen Arbeiter erfaßt habe, da sie nichts aus der Stadt zu kaufen bekommen. Viel nützen werde di« heutig« Versammlung ja nicht, denn in unserem Vaterlande herrsche die Furcht vor der Strafe Die Zerrissenheit der Stände bei uns fei herbeigeführt durch die Sozialdemokratie, die der Regierung die Zügel genommen habe und dis Zügel noch jetzt führe. ^ Es wäre das Richtigste gewesen, wenn die Bewirtschaftung der Nahrungsmittel m Deutschland durch den preußischen Landwirtschaftsminister geschähe. dann wäre die Produktion aufrecht erhalten geblieben. Redner glaube, daß wir zur Besserung der jetzigen Verhältnisse nur kommen, wenn sich die Not und der Unwille zuerst durchbreche in der städtischen Bevölkerung, die da verlange Freiheit des Handels all der Lebensmittel, die leicht der Verderblichkeit ausgesetzt seien. Es müsse ein Mann von bodenloser Rücksichtslosigkeit erstehen, der Wandel in den jetzigen unhaltbaren Zuständen schaffe, v. Batccki und v. Waldow haben dieses nicht gekonnt. Der Anfang müsse jetzt gemacht werden, damit dis Schlinge nicht fester gezogen werde und man dann ersticke. E» ntützten wieder freie Verhältnisse eingeführl und das jetzige System abgebaut werden. Die Landwirtschaft müsse sich wehren bis aufs äußerste, um sich zu verteidigen. Lebhafter Beifall folgt« den Ausführungen des Herrn v. Oldenburg. Es wurde die Absendung einer Entschließung an die Staats- regierung beschlossen. Darin wird gefordert: Abbau der Zwangswirtschaft im Sinne des Antrages Dr. Noesicke und genügende Vertretung der Landwirtschaft in maßgebendem Körperschaften, um undurchfiihrbare Verordnungen zu vermeiden. Die heutigen Preise für Vieh, besonders für Schwein-o» mußten so hoch gesctzt werden, daß die Produktion wieder ein- sctzen könne. Die Preise für landwirtschaftliche Produkte muß- ten in Einklang gebracht werden mit den gestiegenen Preise» für Produktionsmittel: Kleidung, Löhnung ufw. Eine Kontrolls der Getreidebestände durch Militär oder Vertreter anderer Berufe fei nur dann rerzunehmen, wenn sämtliche Prlvathaus- halte in der Stadl vorher einer genauen Konttolle auf ungefetz. mäßig erworbene Vorräte von Lebensmitteln, Kleidern ufw. unterzogen worden sind Das Durchsuchen des Privathaushalts gelegentlich vor Milch- und Fettkontrolle soll vermieden werde» und nur dann zulässig sein, wenn genügende Verdachtsgründs für eine fttafbare Zurückhaltung von landwirtschaftlichen Produkten vorhanden seien. In diesem Falle müßte ein besonderer Auftrag vom Gericht oder Staatsanwalt vorliegen. Gefordert wurde ausreichende Zuteilung von Kohlen und Futter für di« Pferde, damit die Produttion der landwirtschaftlichen Erzeug. Nisse nicht leide, Kraftfutter für das Rindvieh und Freigabe des Hinterkorns zur Verfütterung. Die öffentliche Bewirtschaf, tung der Eier, des Gemüses, Obstss und der Fische müsse aufgehoben werden, weil dadurch zu große Mengen dem Verderbe« crusgeseht seien. Künstlicher Dünger müsse zu entsprechenden Preisen zur Verfügung gestellt ewrden. Der Selbstverbrauch von eigenen Erzeugnissen der Landwirtschaft dürfe durch kein« Bestimmung eingeschränkt werden. Zwangspserdeaushekmngen wären aufzlchebcn. Die Pferde müßten vom Staat frei ange- kauft werden. Genügend« Kleidung wurde für dt« landwirtschaftlichen Arbeiter gefordert, m«ch die' Kartoffelttocknung gewünscht. Der dklitjche paurt fängt an, erbittert zu werden! Seit Jahr und Tag wird von den berufenen Vertretern der Landwirtschaft, in der Oeffentlichkeit und in den Parlamenten, in Besprechungen mit den Behörden ttnd in der Presse, auf die sttmmungsmäßigen Gefahren hingewiesen, die aus der Handhabung der Zwangswirtschaft gegenüber dem deutschen Bauernstand erwachsen, auf die verärgernde und verbitternde Wirkung der in der Aus- führung zur Schikane gesteigerten vielfältigen Verordnungen und Verbote, auf die Art, wie ein ganzer Berufsstand, wohl- verdient um die siegreiche Durchführung des deutschen Cziftenzkanrpfes, als außerhalb des Rechts stehend betrachtet und behandelt wird. In der letzten Nummer der „Woche" nimmt nun der bekannte Schriftsteller Rudolf Stratz das Wort, um aus seiner Kenntnis der Dinge heraus, obwohl nicht Agrarier im eigentlichen Sinne, der Oeffentlichkeit ein Bild zu entrollen dessen, was an Verwüstung der Stimmung und Arbeitsfteudigkeit, an Verbitterung und erzwungener Gleichgültigkeit im Lande vorhanden ist und ständig an Ausdehnung zuzunehmen droht. Er weist auf die Würdigung hin, die der deutsche Krieger, die der Rüstungsarbeiter in der Oeftentlichkeit und durch die Behörden erfahren und fragt: „Wie fassen wir den Dritten an, den deutschen Landwirt? Ein Jahr Gefängnis und 10 000 Mark, 1500 Mark und 6 Monate, Enteignung, Beschlagnahme, pflegliche Verwahrung, Bodenflächenerhebnng, Ernteschätzung, Vieh- zählung, Viehzwischenzählung, kleine Viehzählung, Anmeldepflicht, Ablieferungspflicht, Lebensmittelkartenentziehung, Petroleumsperre, Verwarnung — in einem endlosen Hexensabbat zieht es vor den Augen des deutschen Bauern vorbei." Man weiß, daß diese erbauliche Aufzählung sich noch erheblich erweitern ließe. Stratz ftagte nach der Wirkung und findet sie darin, daß der Bauer allmählich die Welt und Deutschland nicht mehr begreift, sich im Bewußtsein seiner im Schloeiße des Angesichst erfüllten Pflicht wie ein Verbrecher vorkommt, auf billige Anerkennung seiner Arbeit durch die Behörden alsbald wieder den Gendarm zur Haussuchung vor sich stehen, sich den Zucker entzogen, unter einem Hagel von Strafandrohungen sieht. Stratz weist richtig auf den Kernpunkt der Sache hin: „Der ganze Grundgedanke unserer halbsozialisfischen Kriegswirtschaft ist ja von Anfang an auf das Verteilen statt des Zusammenbringens, auf das Verbrauchen statt des Erzeugers, auf das Nehmen statt des Gebens gestimmt gewesen. Alle „Schlüssel" unserer G. m. b. H. find nach diesem Modell geformt. Und dementsprechend war von vornherein die Stellung und Behandlung des Landwirts als dessen, der zu liefern und zu gehorchen hatte, gegenüber den anderen Städten. Die Väter dieser Maßregel Lachten sich — in dem Jahr 1915 vielleicht nicht mit Unrecht: der Bauer hat starke Newen und eine dicke Haut und ist ein guter Kerl. Ein Weilchen hält er das schon aus und dann ist ja der Krieg zu Ende." Diesem System, das schon an seiner Dauer innerlich zu- samnrenbrechen mußte, macht Stratz den Vorwurf, daß es - seelenlos sei. Es habe den „Schlüssel" zu allem, nur nicht zu den Menschen. Es „bewirtschafte" die Kartoffeln, aber nicht die Geister. Es „erfasse" das Gemiffe, aber nicht das Herz. Diese Seelenfremdheit habe dazu geführt, zu verkennen, von welch grundlegender Bedeutung die Freiheit der Betätigung zur Erzielung der äußersten Höchstleistung sei. Frei vor allen Dingen müsse die Landwirtschaft sein von einer Behandlung, die man keinem anderen Stand Zumute. „Wohin kämen wir, wollte man unsere Krieger durch Drohung bis einem Jahr Gefängnis zum Angriff begeistern. Was wäre die Folge, wenn wir unseren Rüstungsarbeitern auch nur einen Tag derart die Polizei auf den Hals schicken, ihre Schränke aufbräche, ihnen die Verfügung über ihr Drum und Dran entziehen wollte? Von jenem erwarten wir, daß er sein Blut, von diesem, daß er seinen Schweiß freudig für das Vaterland vergießt. Warum soll der Dritte im Bund, der dritte Retter Deutschlands, der Bauer, den Ehrenplatz nicht mit ihnen teilen, sondern wird als ein Mensch betrachtet, aus dem nur durch Strenge und Strafen etwas herculszicholen ist?" Stratz geht dann auf die für die Durchführung des Betriebes aus den zahllosen Verordnungen sich ergebenden Schwierigkeiten ein, weist auf die Folgen des Mißverhältnisses der freien Preisbildung auf der einen Seite, der Höchstpreise für landwirtschaftliche Produkte auf der anderen Seite hin, zeigt die ernsten Folgen auf, die sich aus der schematischen Behandlung der Lebensmittelzuteilung in Gestalt zunehmender Landflucht der Arbeiterschaft zeigen und rieht das Fazit aus alldem: „Der deutsche Bauer fängt an verbittert zu werden, wenn, es so weiter geht. Er muß allmählich müde werden, wie jeder. Mensch, dem man einerseits die ganze Bewegungsfreiheit nimmt und andererseits die volle Verantwortung für sein Tun und Lassen aufbürdet. Er weiß die meisten Dinge seiner Welt besser als der Beamte und der Städter, denn er lebt ja mit ihnen. Er würde nie auf den Gedanken verfallen, in den Betrieb einer Munitionsfabrik Hineinreden zu wollen. Er begreift daher nicht, daß plötzlich jeder Mann in Deutschland, wo man sich doch vor dem Kriege nicht gerade übertrieben viel um die .Landwirtschaft kümmerte, darin sachlich verständig ist, ihn mit Belehrungen und Verfügungen rmd Drohungen überhäuft und ihn mehr als einen säumigen Angestellten denn als den Herrn seines Grunds und Bodens behandelt. Semem stark ausgeprägten Besitzer-. / stolz geht das wider die Natur. Er zuckt die Achseln. Er verliert die Anteilnahme an seinem eigenen Gut, wenn sich fortwährend ftemde Gestalten dazwischendrängen, er jagt, was man heutzutage nur zu oft auch schon von ge- schuhriegelten Großgrundbesitzern hört, denen ja in erster Linie die Versorgung der Städte anheimfällt: Anfangs habe ich mir alle Mühe gegeben, aber jetzt lasse ich die Karre laufen.. Auf die Folgen dieser von Stratz in ihrer Entstehungs- nrsache geschilderten seelischen Depression auf dem Lande für die Produktton sind die beteiligten Stellen oft genug lvarnend hingewiesen worden. Es scheint, als seien sich diese unter dem Druck von links her stehend, des Ernstes der Situation immer noch nicht in genügendem Maße bewußt. Usm Felde fcrr Ehre. Fr-ricbfcetg. Dem Feldpostsekretör E. Keßler wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Seine zahlreichen hiesigen Freunde ver- nehmen diese Nachricht mit Freude, zumal es schon die dritte Auszeichnung ist. die ihm verliehen wurde. Rendel. Mnsketter H e e p, Sohn des verstorbenen Landwirts Will). Heep dahier, wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch. Ans dev Heimat. Fnedbcrg. Dos Wandertheater des Generalkommandos aus Frankfurt a. M. erzielte bei seiner Vorstellung am Sonntag einen vollen Erfolg. Das Programm trug vorwiegend heiteren Charakter und-fand ein sehr dankbares Publikum. Der vollbesetzte Saal gestaltete das finanzielle Ergebnis so. daß rund 400 Mark für unsere Kriegsgefangenen als Reingewinn gebucht werden können. Der Hauptpunkt des Programms war das kleine Theaterstück „Treue um Treue". Einen allzu strengen künstlerischen Maßstab durfte man freilich nicht anlegen. Dafür war aber das kleine Stückchen seiner pädagogischen Wirkung sicher. Die handelnden Personen sind offentsichtlich typische Vertreter der deutschen Stände. Es sollte ern Bild davon gegeben werden, wie nur dadurch das deutsche Volk den ungeheuren Druck des Krieges bestehen kann, daß jeder Einzelne an seinem Platz sich nicht nur geduldet und mit den Nöten der Zeit abfindet, sondern auch leistet, was er vermag. Dos gilt dem Arbeiter wie dem Bauern, das gilt gegenüber den Ernährungsschwierigkeiten wie gegenüber den behördlichen Verordnungen. Sehr wirkungsvoll vertrat der rerwundet aus dem Felde heimkehrende Feldgraue den Standpunkt des Heeres den heimischen Streitigkeiten gegenüber. Dem moralischen Eindruck seiner Worte fügten sich rasch die übrigen Personen des Stückes bis auf den Schleichhändler und den französischen Spion die dann zur Genugtuung deS Publikums mit vereinten Kräften der vorher entzweiten Männer dein Arm. der strafenden Gerechttgkeit überliefert wurden. Friedberg. Der Dortrag von Direktor Dr. Strecker über die Frage der Frauenschule in Friedberg erfteute sich eines den Zeitverhältnissen entsprechend guten Besuches. Der Redner gab zunächst einen Ueberblick über Wege und Ziele der Mädchenerziehung in der Vergangenheit. ES trat dabei vor allem hervor, einerseits, daß die Mädchenerziehung lange ein Stiefkind der Pädagogik und des staatlicken Erziehungsinteresses gewesen ist; andererseits daß ein steter Kampf zwischen dem Ideal der Persönlichkeitsbildung und der Nützlichkeitsbildung statt hatte. Schließlich ging aus diesen Bestrebungen als naturgemäße Frucht die Mädchenschule des 19. Jahrhunderts hervor. Nachdem die französische Revolution die Vorurteile gegen die Minderwertigkeit d^s weiblichen Wesens überwinden geholfen hatte, schuf die klassische Zeit der deutschen Denker und Dichter die posittven neuen Frauenideale. Gerade die Kriegszeiten trugen dazu bei, auch die Mädchenerziehung und^Frauenbildung als wicbttg für die nationale Entwicklung erkennen zu lassen. Was 1813 und 1870 begonnen, muß nun der Weltkrieg vollenden. Die Frauenschule faßt die gesunden Grundgedanken sowohl des Persönlichkeitsideals wie des Nützlichkeitsideals zusammen. Sie will nicht in öder Gleichmacherei auf die Mädchenerziehung einfach die Methoden der Knabenschulen übertragen. Ihr gehört sicherlich die Zu- kunft. Die tüchtige Hausfrau und Mutter schwebt ihr als Hauptziel von Daneben aber soll die Entwicklung des Geisteslebens-auch bei der Frau nicht vernachlässigt werden. Grade der 'Frau schrieb der Redner eine besondere Aufgabe für eine Gesundung unsrer Hauskultur und Geselligkeit in Zukunft zu. Für Friedberg glaubte er mit Rücksicht auf die besonderen lokalen Verhältnisse eine günsttge Entwicklung einer etwa zu gründenden Frauenschule mit Sicherheit Voraussagen zu können. Herr Kreisarzt Dr. Nebel faßte den Beifall der Versammlung in recht zu Herzen gehenden warmen Worten noch einmal zusammen. Auch er äußerte sich überzeugt davon, daß man in der Frauenschule die richtige Form der kommenden Mädchenschule, die richtige Vereinigung des Idealen und Prakttschen. vor sich habe. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die ins Auge gefaßte Gründung einer solchen Schule möglichst bald erfolgen könne. Wohltätigkeitssammlrmg. Die unter amtlicher Verwaltung stehende Kolonialkcieger-Spende hat die Genehmigung erhalten, im Monat August d. Js. zwei Opfertage obzuhalten. Es gilt einen längst schuldigen Dank denen abzutragen, die in der Trvpensonne Afrikas, fern der Heimat von jeder Zufuhr abgeschnitten, Deutschlands Flagge hoch- selten, bis sich, von der Uebermacht der Feinde erdrückt, ihr bitteres Schicksal erfüllte. Was deutscher Fleiß in 30 Jahren rühriger Kolomalwirtscüaft aulaebarft hatte, ist ein Raub der Engländer, ihrer weißen und farbigen Hilfsvslker geworden; zerstört liegen blübende Pflanzungen, reiclze Farmen der Stolz unserer Landsleute, die Früchte chrer Arbeit. Und um das Unglückslos unserer schtver heimgesuchten Brüder in Uebersee vollzumachen. wurden sie vielfach in eine erbarmungswürdige Gefangenscknft fortgetrieben, die vielen von ihnen Leben und Gesundheit kostete. Ihnen zu helfen, die Wunden zu heften, die der Krieg den wackeren Vorkämpfern in Neu-Deuffchland geschlagen hat. ist eine Ehrenpflicht eines jeden Deutschen. Wir verweisen auf den im Inseratenteil der heutigen Nummer abgedruckten Aufruf. Blattläuse am Kohl. Kaum haben sich die Kohlpjlanzen von dem Schaden des Erdflohes erholt, da stellt sich auch schon in den Blattläusen ein neuer Schädling auf der Innenseite der Blätter ein. Bei der raschen Vermehrung dieser Tiere ist bald das ganze Blattwerk verlaust und die Pflanze geht im Wachstum stark zurück. Es ist deshalb unbedingt notwendig, das Ungeziefer sofort zu bekämpfen, solange die Herde noch klein sind. In diesem Falle kann man die Insekten mit dem Finger oder mit einem Lappen verreiben. Bei weiterer Ausdehnung hilft ein Begießen mit Salz- wasier. Wenn das Herz befallen ist. muß man die Herzblättchen sachte auseinanderbiegen, damit die Salzlösung die befallenen Stellen benetzt. Auch das Bestäuben mit gelöschtem Kalk tut -gute Dienste. Ueber den Stand der Ernte, soweit er bis jetzt zu übersehen ist, erfahren wir aus eingeweihton Kreisen, daß das Winter, getreide sowohl wie Weizen in jeder Weise gut ausfällt, während das Sonrmsrgetteide: Gerste und Hafer nur eine Mittel- ernte erbringen dürfte, da der Boden für desien besondere Ent. Wickelung zu trocken war. Der erste Futterschnitt war als „gut" zu bezeichnen, während das Miesenheu gleichfalls unter der Trockenheit sich schlecht entwickelte Die Obstaussichten find gegenüber der vorjährigen vollen Ernte gering. Die anhaltende Trockenheit hat auch die Entwickelung der Frühkartoffeln sehr zurückgebalten, sodaß auch deren Ernte als halb mißraten zu bezeichnen ist, wahrend auch die Haupternte an Kartoffeln nur Aussicht hat, eine „gute" zu werden, wenn möglichst bald kräf- ttger Regen einsetzt. Aus dem gleichen Gründe sind die weite» ren Aussichten für Gemüse, wie Wurzelgewächse, wie auch für Futter gering. Schasversteigerung in Sich. Die von dem Landwirtschaftskammerausschuß für die Provinz Oberhessen veranstaltete Schaf- Versteigerung war mit 81 Schafböcken. 25 Mutterschafen und 7 Mutterlämmern beschickt. Zu der Versteigerung hatten sich eine ansehnliche Zahl Käufer eingesiinden. 47 Böcke, sämtliche Schafe und Mutterlä,inner wurden abgesetzt. Der höchst erzielte Preis bei Böcken war 080 Mark, bei Schafen 320 Mark, bei Mutterlämmern 203 Mark. Durchschnittlich kosteten die Böck» 285 Mark, die Schafe 200 Mark und die Lämmer 164 Mark. Der Gcsamterlös belief sich auf 19 643 Mark. Die Böcke wur- den größtenteils von Oberhessischen Steigerern erworben, dis Schafe und Mutterlammer gingen mit wenigen Ausnahme« nach Nheinhesten und an den Sch-afzuchtverein Siegen in Westfalen. Ober Erlenbach. Vorgestern feierten Herr Theodor Franz Schmitt, Weißbindermeister, Rasier und Musikant und Frau geb. Bender das Fest der goldenen Hochzeit. Gar manches ergraute Ehepaar wird sich noch des lustigen Mlffikanten erinnern, der ihnen in jungen Jahren zum flottem Tanze aufspielte. Der Jubilar ist auch heute noch sehr bei der Hand und mancher Jüngere könnte sich ein gutes Beispiel an ihm nehmen. FC Nidda, 21. Juli. In der hier abgehaltenen Dekanaissynode wurden gewählt zum Dekan Pfarrer Wiegel-Bingenheim, zu dessen Vertreter Pfarrer Scriba- Eichelsdorf. FC. Usingen, 21. Juli. Die Ludendorff-Spende ergab im hiesigen Kreise die Summe von 13 414,61 Mark. Aus Starkcnburg. Bensheim a. d. ©„ 21. Juli. Hier brach ht der Nacht zu« Samstag in dem Aminsen des Wagnermeisters Hattig auf bi» jetzt unaufgeklärte Weise Feuer aus. Der Schaden ist ziemlich umfangreich. Wahrscheinlich liegt Selbstentzündung vor. FC. Aus dem Odenwald, 21. Juli. Die Getreideernte fällt hener in den Orten des Odenwaldes weit besser aus als in den vergangenen Kriegsjahren, die Frühkartoffelernte hat jedoch einen nicht sehr großen Ertrag. FC. Dieburg, 21. Juli. Die Wald- und Feldjagd im nahen Münster wurde auf weitere neun Jahre zum Preis» von 3500 Mark verpacktet. Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst in der Stadtkirche. Mittwoch. 24. Just, abends 8% Uhr: Kriegsandacht. Herr Pfarrer D i e h l. Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach. Mittwoch, 24. Juli, abends 9 Uhr: Kriegsandacht. Offene Stellen: 4 Knechte. 10 Tagelöhner, 1 Knechtefamilie. 1 Arbeiterfamilie. 1 Schmied. Schlosser. Dreher, Gießer, 1 Wärter, 3 Straßen- warmer, mehrere Fabrikarbeiter und -Arbeiterinnen, 1 Molkerei- gehilse. 1 Bäcker, 1 Müller, 1 Besirksbcamter (auch Kriegsbeschädigter). 16 Hausmädchen. 8 Dienstmägde. 2 Monatsmädchen. 1 Flickerin. 1 Lehrmädchen. Htlfsdienstpflichtige und Frauei- »Lee Art für besetztes Gebiet. Stellensuchen der Mehrere Melkerfamilien und ledige Melker, 1 landwirischaft. licher Verwalter. 1 Haushälterin. 1 Wirtschafterin, 1 Vürofrüulein, 1 Fräulein zu einzelner Dame oder als Ktndersräulein. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r j ch e l, Friedderg; für den Anzeigenteil: R. H e y n e r. Iriedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung A- G.. Friedbera i. H. Wm nie Htttd) Liebe Leid geschah. Roman von Courthd-Mahler. 62) ^ Nachdruck verboten Zögernd ging die Baronin selbst mit hem versiegelten Schreiben in das. Arbeitszimmer ihres Vetters, um ihm dasselbe zu überbringen. Als sie eintrat, saß er in einem Lehnstuhl am Fenster. Ihm gegenüber hatte Christa an einem kleinen Tisch Platz genommen und las chm aus der Zeitung vor. Bei in Eintritt der Baronin hob Herr von Virkenheim die Hand und Christa verstummte. „Was wünschest du, Helene," fragte er kühl. „Dies Schreiben ist soeben angekommen, lieber Vetter. Ein Bote brachte es vcn deinem Notar." Er nahm es ihr aus der Hand und betrachtete den Siegel. Es ist gut. Das ist die Abschrift meines Testamentes, das ich gestern meinem Notar diktierte, und das bei Gericht deponiert worden soll." In den Augen der Baronin blitzte es auf. „Ah — deshalb ließest du gestern den Notar kommen?" „Ja — nur aus diesem Grunde. Ich denke mir, daß du sohr gern in dies Testament Einsicht nehmen möchtest." Die Baronin hörte nicht deir leisen Hohn aus seinen Worten klingen. Sie lächelte süß. "O our wenn du es selbst wünschest, lieber Heinz. Vielleicht möchtest du darüber einiges mit mir besprechen. Da wäre es freilich angebracht " Herr von Virkenheim richtete sich jäh auf und erhob sich. .„Allerdings — ich habe mancherlei mit dir zu besprochen und wünsche, daß auch Karla dabei zugegen ist. Es ist mir lieb, wenn das sofort geschieht." Auf den Wangen der Baronin erschienen rote Flecken der Erregung. „Du weißt, daß wir für dich immer Zeit haben, lieber Vetter." Er zog die Stirn zusammen. „Gut — so laß sofort Karla herbeirufen. Ich wünsche, daß ^hr sogleich Kenntnis nehmt von dem Inhalt meines Testaments, — denn ick) möchte mit unseren eignen Augen sehen, was es für einen Eindruck auf Euch macht," sagte er kalt und eisig. Die Baronin war viel zu erregt von der Aussicht, den Inhalt des Testaments zu erfahren, als daß sie imstande gewesen wäre,^auf den Tonfall seiner Stimme zu Horen. „Ich lasse Karla sofort rufen, lieber Vetter," sagte sie und tastete mit bebender Hand nach der Klingel. nfe ® 15 beT ® imet schien, gebot sie ihm, die Baronesse zu Wenige Minuten später erschien Karla. „Du wünschest, Mamma?" D^e Baronin sah Karla mit einem bedeutungsvollen Blick an, der ihr sagte, daß sie aus der Hut sein möge. „Onkel Heinz wünscht uns bezüglich seines Testaments eine Mitteilung zu machen, liebes Kind," sagt? sie. Karla machte ein kindlich erstauntes Gesicht. ..Ach - das ist doch nicht eilig, lieber Onkel," meinte b»c Baronesse, auf deinen letzten Willen hoffen wir noch recht lange warten zu können." wi-J*** 1 ÜOn J^ r * ne 5 e{m sah die beiden Damen mit finsteren Bucken an. Doch diese Blicke verbargen die Brillengläser. $f|il!!!lllli|lifl und Gewichte, geglühter Draht, Stacheldraht . ^ Jch mochte« aber, daß Ihr jetzt davon Kenntnis nehmt." „O lieber, lieber Onkel, muß denn das sein? Dein letzter Mlle wird uns natürlich stets heilig sein. Aber ich Mag nicht daran denken, daß du eines Tages von uns gehen könntest. Da muß ich weinen." Und Karla wollte sich wie ein Kätzchen an Herrn von Birkenheim schmiegen. , Dieser jedoch trat rasch zurück. u "Bitte — nehmt Platz," sagte er, auf zwei Sessel deutend. Christa hatte währendem ruhig auf ihrem Platz gesessen. Nun legte sie die Zeitungen zusammen. Aber sie erhob sich nicht, um zu gehen. Herr von'Virkenheim nahm die Abschrift des Testaments Und löste die Siegel davon. Die Baronin sah zu Christa hinüber. „Fräulein Hellmut kann sich wohl zuruckziehen, bis diese Angelegenheit erledigt ist. lieber Detter?" sagte sie. Heinz von Birkenheims Antlitz hatte einen seltsam versteinerten Ausdruck. Hätte die Baronin hinter die blauen Brillengläser sehen können, wäre sie wohl erschrocken vor dem Blick seiner Augen. „Nein, ich wünsche, daß Fräulein Hellmut hier bleibt und dieser Eröffnung beiwohnt." _ Und sich zu Christa wendend, reichte er ihr die geöffnete Abschrift und sagte ruhig: „Bitte. Fräulein Hellmut, wollen Sie mein Testament laut und deutlich vorlesen." Christa hatte mit einem unbehaglichen Gefühl- das Schriftstück in Empfang genommen. Sie sah den alten Herrn mit bittenden Blicken an. Er sollte ihr das erlassen. Aber er schüttelte den Kopf. „Bitte, beginnen Sie unverzüglich, Fräulein Hellmut," sagte er und lehnte sich in seinen Sessel zurück, der den drei Damen gagerrüb erstand. Die Gesichter der Damen waren dem Fenster zugekehrt. Herr von Virkenheim hatte sie absichtlich so niedersitzen lassen, damit ihm kein Zug in ihren Gesichtern entgehen konnte. Es lag etwas Starres, Unerbittliches in seinem Gesicht, der Ausdruck eines Richters — eines Rächers. Seine Augen waren abwechselnd auf eine der drei Damen gerichtet. Und nun begann Christa mit ihrer weichen, klaren Stimme zu lesen. Zuerst kamen die üblichen formellen Erklärungen und die Einleitung. Dann hieß es weiter in dem Testament: „Meine Besitzung Virkenheim samt der beiden Vorwerken und allem lebenden und toten Inventar vermache ich mit allen darauf ruhenden Gerechtsamen meiner Nichte —" zuckte es freudig und erwartungsvoll in den Gesichtern von Mutter und Tochter. Aber dies Aufglühen der Freude wich schnell einer fahlen Bläffe und dem Ausdruck des Schreckens und Entsetzens als Christa fortfuhr: meiner Nichte Maria Luise Christa, Freiin von Platen, der einzigen Tochter des Freiherrn Friedrich von Platen und seiner Ehefrau, der Freifrau Anna Eva Maria von Platen. geborenen Freien von Virkenheim. Dieser gehört auch mein gesamtes Barvermögen nach unten folgender Berechnung, mit Ausnahme der unten angeführten Legate." Die Baronin Haßbach fuhr plötzlich mit fahlem Gesicht kerzengerade aus ihrem Seffel empor. „Was soll das heißen, Beiter?" Er nahm feine Brille ab und sah sie finster und höhnisch an. „Hast du nicht verstanden?" fragte er eisig. „Bitte, Fräulein Hellmut, lesen Sie diese Stelle noch einmal recht laut und deutlich." Christas (“tonte hatte allerdings geschwankt, als sie las, daß sie von Heinz vcn Virkenheim zur Universalerbin eingesetzt worden war. Das Blatt in ihrer Hand hatte gezittert und ihr Antlitz drückte viel mehr Erschrecken als Freude aus. Sie war sichtlich bestürzt. Wie bittend hob sie die Hand. Aber Herr von Virkenheim schüttelte den Kopf. „Also bitte — noch einmal recht deutlich," sagte er. Da las Christa die Worte noch einmal. Die Baronin stand noch immer da und starrte ihren Bette? an, als habe sie das Haupt der Medusa erblickt. Die Baronesse aber lag mit bleichen, schlaffen Zügen in ihrem Seffel. Als Christa den Sah noch einmal wiederholt hatte, stieß die Baronin heiser hervor: „Ich nehme an, lieber Beiter, daß du dir einen Scherz zu machen beliebst. Das kann doch unmöglich dein letzter W lle sein, du hast uns doch gesagt, daß Karla einst die Erbin von Birkenheim werden sollte." Er sah sie mit kalten, funkelnden Augen an. „So — habe ich das gesagt? Nun, so war das vielleicht scherzhaft gemeint. Aber, bitte, ehe wir weiter debatti-'ren — gestattet, daß Fräulein Hellmut weiter liest, bis zü Ende. Nachher haben wir uns wohl noch einiges zu sagen. Also bitte, Fräulein Hellmut, fahren Sie fort" ( 'rista las weiter. Es wurden nun in dem Testament zunächst einige kleine Legate angeführt für alte, treue Dieser und Beamtet Eine weitere Summe war ausgesetzt für die Errichtung eines Hospitals, für Dorfarme und Kranke. Und ganz zuletzt hieß es weiter: „Meiner Vase, der Baronin Sophie Helene von Haßbach, gcb. Freiin von Virkenheim, vermache ich eine jährliche Rente vcn fünftauseird Mark bis an ihr Lebensende. Ihrer Tochter, der Baronesse Julia Karla von Haßbach, vermache ich außer» dem eine Summe von vierzigtausend Mark als Aussteuer im Falle ihrer Vermählung. Bleibt sie unvermählt, so erhält sie nach dem Tode ihrer Mutter bis zu ihrem Lebensende eine jährliche Rente von dreitausend Mark." Hierauf las Christa noch die Schlußworte des Testaments. Als sie damit zu Ende war, sagte Herr von Virkenheim mit halblauter Stimme: >>^0, Fräulein Hellmut, nun lesen Sie auch noch dies dem Testament beigefügte Schreiben vor, das an die Frau Baronirr von Haßbach gerichtet ist." Christa nahm das Schreiben entgegen und las: „Erläuterungen zu meinem Testament zu Händen meines Vase, der Baronin Helene von Haßbach. In dieser Erläute« rung will ich meine Gründe angeben, weshalb ich meinen letzten Willen in vorliegender Weife festgelegt habe. Ehe ich da. rauf näher eingehe, will ich bemerken, daß sofort jeder Anspruch der Baronin Haßbach und ihrer Tochter auf die von mir ausge» setzte Rente erlischt, wenn dieselben versuchen sollten, Einsprachs gegen das Testament zu erheben, oder sich in irgendeiner feindlichen oder gehässigen Art gegnerisch zu meiner Nichte Christa von Platen zu stellen. Die Gründe, die mich veranlaßt habem in dieser Weise zu testieren, sind sehr schwerwiegende, und ich werde sie hier anfuhren. 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