Nummer 166 Donnerstag, den 18. Juli 1918 II. Jahrgang. Me ,5’cuc Taa-->!>-it»i,g" -rlcheint jeden W-rliar. Regelmäßiae Beilagen ri.n ...... . - ^ ^ “---- hm,,u tritt „och das BsstcNgeld^ bei den A-ent-n mon-iNch «s Mg. etnschließNch Trägeilobn ^n,e,°se„' '"runa'ieiie ^,'«""***7",° ® ei »en «oitonftattcn oieriel'ahrttch fltf 2 40 ’ l 110 Hr - ' Nk ytanffjict a T? r»,dringen gegen de» Surmrli,,.Abschnitt. - Heftige f,-»„,ös,!che «enennngeiffe „ntee Verlusten r»,.m«e»gedr.che». - Schwere Derinste Lee Italiener. - 3lO«v Tonne« ner°enü" !! Der deutsche Generalstad ^ meldet: - — der» 17 . Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Die Kcimpftätigkeit lebte erst in den Abendstunden auf ^n Erkundungsvorstößen 'lldioestlich Non S p e r n maä'ten wir Gefangene. Südwestlich von H e b u t e r n e hat der «feind seine Angriffe ohne Erfolg wiederholt. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Oertlich« Kämpfe am Savieres-Grunde und westlich von Chateau-Lhierry. Südwestlich von fZ.'r’l!?“ toir Unfere Linien bis an den ü ''"Abschnitt heran. Heftige Gegenangriffe ° starken Kräften gegen unfere Front Snt^iÄi^ifT Seine Angriffe brocken tert m I Verlusten, teilweise nach erbit- WnrA ^ ™ b0r Un ^ eren Linien zusammen. Auf dem mTm wurden die Erfolge des ersten An- gnffstages erweitert. Nach Abwehr französischer Gegen- von e r ,r ^ &e ‘ n * e 6iS auf Me Höhen nördlich Venteurl nach «nü kämpften uns durch den Rode- zal- und Konigswald hindurch. Beiderseits der Ardre °uf das Neimfer Bergland zwischen Honteurl und nördlich von Pourey zurück, .. öon Reims ist die Lage unverändert. Wir hie ten die feindlichen Liiiien unter starkem F-u«r tlnd vor- besserten an 'der Romerstraße »nd an . der Suippes unsere ^niae"b^ Nordwestlich von Massiges nahmen wir einige befestigte Hohen. Die Gefangenenzahl ist auf meh'r als 18.000 ge- feucr zeitweilig lebhafter. Westlich des Ward« fetzte unsere Artilleris ein großes feindliches Munitionslager in Brand. » Sofia, 16. Juli. (WB. Nichtamtlich./ Generalftabs- bericht. Mazedonische Front: In der Gegend von Vitolia und an mehreren Punkten im Cernabogen sowie südlich der Huma war die Feuertätigkeit beiderseits zeitweilig ziemlich heftig. Westlich des Wardar verjagten wir durch unser Feuer ein starke feindliche Jnfanterieabteilnng. Südlich der Velasitza machten unsere Erluudungsabteilungen mehrere Engländer zu Gefangenen. !L Dus türkische Hauptquartier meidet: ^ Knstantinopcl, 16. Juli. (WB. Nichtamtlich.) Gene- ralstabsbericht. Palästinafront: Im Kiistenabschnitt nahm unsere Artillerie feindliche Unterkünfte wirksam unter Feu-er. Zu beiden Seiten des Jordan trieb der Feind Aufklärungsabteilungen geg«n unsere Stellungen vor; sie wurden überall leicht abgewiesen. Von den übrigen Fronten nichts von Be- deutlmg. Die Champagne-Schlacht. stiegen. f.i HHeben gestern von neuem 36 «6flefÜ ,e ^ aäe “ 8e “ n& ^ Fesselballone n H>,i 8 o Utnani Vs°"kh off errang seinen 37. Und 38.. Leut- nant L o e w e n h a r d t seinen 37.. Oberleutnant L ° e r - 26 -' Seutmnt B°lle seinen 22. und Vizefelü- Ivebel T h.o m fernen 21. Luftsieg. Ter Erste Generalquartiermeistcr: Ludendorff. Abendbericht. Berlin. 17. Juli, abends. (WB. Amtlich.) Erneute Gegenangriffe der Franzosen auf dem Südufer der Marne wurden abgewiesen. Im übrigen ist die Lage unverändert. [| Der österreichische Geucraiftal, •* -- meldet: =-■ ^ ® l ' Amtlich wird verlautbart: Slldlich von Aslago vermochten zwei englische Kompagnien vorübergehend in unsere Gräben einzudringen. Sie wurden nach kurzem Kampfe zurückgeworfen. Im Brenta- tal brachte ein Patrouillenunternehmen 30 Gefangene und -luei Maschinengewehre ein. Die Verluste des Feindes in. den letzten Kämpfen auf dem Monte Solarolo erwiesen sich als außerordentlich fefouer. In schmalem Frontabschnitt wurden über 600 ita- lwnisck)e Leichen gezählt. In Albanien ist die Lage unverändert. Der Chef des Generalstabes. Der bulgarische Grucralstab — meidet: Sofia. 14. Juli. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Mazedonische Front: Westlich vom Ochrida-See zerstreuten wir feindliche ErtundungsabLerlungen durch unser Feuer. Im Cer- nabogen kurze Feuerüberfälle, die unsere Kavallerie erwiderte. 6re schoß zwei feindliche Munitionslager in Brand. Oestlich der Czerna und iüdlicü der Huma war das beiderseitige Geschütz- Berlin, 16. Juli. (WB.) Der deutsche Angriff in der Champagne am 15. Juli beugst von neuem, in welchem Maße die deutsche Heeresleitung ihr Hauptziel, die Zertrümmerung der feindlichen Kampfkraft und des feindlichen Kampfwillens, erreicht hat. In der Schlacht bei Noyon war der Franzose um die Hoffnung betrogen, durch Kenntnis der deutschen Angriffs- absichten und entsprechende Tiefengliederung, sowie durch sofortige starke Gegenangriffe die Niederlage zu vermindern. Am 15. Juli hat er sich in der Ueberzeuzung. dem Angriff doch nicht standhalten zu können, nach der Erkenntnis der deutschen Angriffsabsichten auf rückwärtige Stellungen zurückgezogen, ohne den eigentlichen Kampf in der vorderen Linie zu wagen, Dementsprechend drang der deutsche Angriff, nicht etwa infolge von Verlusten — diese sind durchaus normal — nicht weiter vor. Der Feind entzog sich vielmehr dem Angreifer und baute sich mit versammelter Kraft in diesen Verteidigungsstellungen mehrere Kilometer hinter der bisherigen Front auf, bevor der Angreifer auch nur die bisherigen Kampfgräben überschritten hatte. Damit hat der Franzose fast den ganzen Geländegewinn aus drei großen blutigen Schlachten preisgegeben. Was er in der Herbst- und Winterschlacht 1915 mit mehr denn 100 000 Toten und Verwundeten erkaufte und was 30 seiner besten Divisionen in der zweiten Hälfte des April 1917 mit Opfern errangen, die dem damaligen Oberbefehlshaber Nivelle den Na. men „Blutsäufer" eintrugen, das alles gab er fast kampflos an einem einzigen Tage auf. Der Kern der buntgemischten Verbandsheere räumt das Schlachtfeld vor dein Gegner. Eindringlicher kann die Erkenntnis deutscher Waffenuberlegenhert nicht An der Mariie konnte selbst zähester Widerstand den Ueber- gang der deutschen Sturmtruppen über den mächtigen Fluß nicht hindern Der breite Strom und der auf dem hohen Südufer meisterhaft eingegrabene Feind bildeten kein unüberwindliches Huldernis für den deutschen Angrisfswillen. Im ungestümen Vorwartseraiigen nahmen die Truppen der Armee v. Böhn lhrcnr Gegner allein hier mehr als 8000 Gefangene ab. j® crI * n / I7 - 8"li. (WB.) Der neue deutsche Sieg an oer Marne und in der Champagne wurde am 16. Juli er- wertert. Hefttge Gegenangriffe, die der Feind mit stärksten Kräften und unter Einsatz zahlreicher Panzerkrafttvagen unternahm, steigerten lediglich seine Blutopfer sowie seine Einbuße an Gefangenen. Ueberall brachen die feindlichen Massenangrisfe bluttg ziisanlnum. Dagegen Lonnten die Deutschen den lltest des Bois de Cond^ säubern, hierbei mehrere Geschütze erbeiiten und 5 Offiziere und 125 Mann gefangen nehmen. Um 2 Uhr nachmittags griff der Feind abernials die derttsck^e Front südlich der Marne unter Ein- satz aller Kampfmittel an. Wiederum scheiterten hier wie an der Straße von Eperrmy—Dormans sämtliche Anstürme unter außerordentlich hohen Feindverluston. Auch während der Nacht fanden hier schwere Kämpfe statt, in denen der gesamte Geländege^mnn des 15 . Juli bcharchtet und teil- weise erweitert wurde. . der Champagne, wo der deutsche Angriffsstost an einem einzigen Tage den Franzosen fast den gesamten Ge- landegewinn jahrelanger, mit blutigsten Opfern erkaufter Kampfe entriß, wurden ebenfalls drei feindliche Vorstöße abgewiesen und auch hier unsere Stellungen verbessert Gerade in der Champagne, wo Hu„derttai,sende srnn-ä- ^ Soldat-n im Winter und Herbst 1015 und im April 19 v klägliche Anfangsgewinne mit ihrem Blute bezahlen mußten, tritt di« Bedeutung des großen dentsä?eu Erfolge« ,m Vergleich mit den damaligen Massenangrisfen der drei Franzosenschlachten deutlich hervor. Bettln, 17. Juli. (WB.) Der Angriff vom 15. Juli h',1 den Franzosen das gesamte erst« Verleidigungssysicin in der Champagne, von dem Bergmassio der Keilhöhe und des Hoch« berges bi^s in die Gegend von Tahure gekostet. Die Wit-erui-, war ungunsttg. Trotzdem wurden die französischen Batterien jo vollkommen medergekämpft, dag die deutsü>e Infanterie mit geringen Verlusten die erste Stellung nahm. Der Widerstand d-r Franzosen war überall rasch gebrochen. Die französischen Stüü punkte wurden ebenfalls schnell gefaßt. So dicht folgten di Deutschen dem Feuer, daß sie die Stollenausgän-e besetzten, eh di« Franzosen horaurkcnnten. Ohne einen Widerstanddzu tu- flicken, ließen sich hundert Mann gefangen nehmen. Ver>.i s enr Mittag statten die Deutschen sich in dem gewonnenen ©oä v :i eingerichtet und sichere Verbindungen nach rückwärts durch d , Tuchterfeld geschaffen. Der Bruckcnkopf an der Marne. Berlin, 17. Juli. (WB.) Der den Franzosen trop nackigen Widerstandes abgerungene neue delitsche Blu- köpf südlich der Marne steht in einer Breite von 12 K meter und mit einem Flächeninhalt von über 70 Quadra' ttlometer festnmrissen da. Die dem Gegner so nnbeqi, bentfrfje Festsetzung an der Marne selbst hat sich hierbei durw die Eroberung der das Marnetal weithin beherrsck)endeu Hügel um rund 8 Kilometer erweitert. Gegen die West' flailke des neuen Brückenkopfes brandeten bereits ani vo- mtttag des ersten Angriffstages die Gegenstöße des Feinde mit einer Erbitteuing. die bezeugt, daß der Gegner sich über die Bedeutung der Schaffung eines deutschen Marne- Brückenkopfes schnell klar geworden ist. Infolge des trotz der hartnäckigen Gegenwehr so schnell erzwirngenen deutsck>en Marneübergangs ist der Feind zu einer Ausdehnung der Marnefront nach Osten hin gezwungen. Bisher suchte der Franzose den Schwerpunkt seiner Abwehr am Westflüg-!- dieser Kaiupflinie. Er ist fortan gezlvungen auch im Ost° flügel volle Kraft zu entfalten und bereit zu halten. * Berlin, 17. Juli. (WV.) Bei eigenem ausgiebigem Bombenabwurf auf den wichtigen französischen Bahnhof Chalons wurden ruehrere Treffer beobachtet und große Brände erkannt. Englische Dttm Dnm Gelchosie. Berlin, 17. Juli. (WV.) In den Schützengräben bei Re- veillon wurden neuerdings wieder von deutscher Infanterie Mengen englischer Dum.Dum-Geschosse gefunden, die zum Teil von dem bekannten Typ der mit gepreßtem Papier angefüllten Gcschoßspitze sind. Eine andere Art aufgefundener Geschosse zeigt eine ähnliche Spitze, an die sich ein Kanal an- schließt, der offenbar dazu dient, durch das Auftreffen die hinci,>- gepreßte Papiermasse weiter au zerfetzen. Die Grausamkeit dieser Erfirrdung zeigt deutlich, mit wieviel Ueberlegung Phantasie diese ruchlose Technik arbeitet Die Dejchietzung von Paris. Paris, 16. Juli. (WB.) Meldung der Agence Havas. Dis Beschießung der Gegend von Paris durch das weütraLc»ds Geschiitz wurd^' am Dienstag fortgesetzt. 31600 Tonnen versenkt. Berlin, 16. Juli. (WB. Amtlich.) Von unseren llnterfks» booten sind im westlichen Teil des Kairals drei Danrpser und ein Segler von zusammen über 3 1 0 0 0 V r t. vernichtet worden, darunter befand sich der ainerikanische Truppentransportdanrpfer „Cincinnati" (16 369 Brt.), der aus einem großen Transport. ' Gelcitzug unter starker Sicherung herausgeschosion wurde. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine« ^ Berlin, L6. 3ult. (WB.) In ome recht heltte rnrge geriet das von Oberleutnant v. L. geführte U-Boot vor einiger Zeit im Aegciischen Meer. Es sichtete nachmittags gegen 4 Uhr einen kleinen Segler, der einen durchaus harnllofen Eindruck machte, dennoch ging das U-Boot . »" vorsichtig mit der Absicht, ihn durch Sprengpatronen zu versenken, heran, denn einige Granaten schien der ziemlich hoch aus dem Master herausliegende Zweimastschoner nicht wert. Aus nächster Nähe forderte ein Pistolenschuß die Leute zum Verlassen des Fahrzeuges auf. Der Segler drehte daraus in Wind, und die Mannschaft mühte sich offensichtlich um das Aussetzen des Rettungsbootes. Plötzlich fiel das vermeintliche Rettungsboot in sich zusammen und erwies sich als Verkleidung eines Schncllfeuerg^chützes, das wenige Sekunden darauf den ersten Schutz abgab. Die Leute der U-Bootfalle hatten also das Aussetzer! des Boot r markiert, währenddessen aber ihr Geschütz klar gemacht. Die Rettung des U-Bootes hing von Sekunden ab. Dank dem hervorragenden Zusammenwirken des U-Bootes und der Maschrnenleitung gelang es, das U-Boot in kürzester Zeit unter Master in die schützende Tiefe zu bringen. Steuermann d. Res. Martens und Marineingenieur-Aspirant Heinze konnten beide den Erfolg des glänzend durchgeführten Manövers teilen, durch das die Rettung des Bootes aus gefährlicher Lage gelang. » Kopenhagen, 16. Juli. (WB.^ Der norwegische Dampfer „Kong Guttorru" ist nach einer Meldung des norwegischen Ministen urns des Auswärtigen im Kanal der- senkt worden. Nur zwei Heiner und zwei Matrosen wurden gerettet. ^ * *- f (F*ploSön aut k'-likNl jc£au:?J|fst frfBjfr. Haag, 17. Juli. Hollandsch Meuwsbureau meldet ans Tokio: Der französische .Kreuzer „Kawatschi" ist am 12. Juli in der Bai von Tokuyama in die Luft geflogen. Es sind über 500 Menschen tot. Der Kreuzer verdrängte 20,000 Tonnen und besaß eine Geschwindigkeit von 21 Seemeilen. Er ist 1912 vom Stapel gelaufen und hatte 1100 aMnn Besatzung. Dußlaud. Die Murrnonküste. Moskau, 15. Juli. (WB.) „Rowaia Shisn" meldet, baß das Gouvernements-Exekutivkomitee im Murmangebiet angesichts der offenen Feindseligkeiten der Verbandsttup- Pen gegen die Nätegewalt die soforttge teilweise Mobilmachung und die allgemeine Mobilmachung aller Artillerie- und Geniettuppen befohlen, die gegenrevolutionäre Agitation verboten und die Waffenabgabs angeordnet habe. Am 4. Juli sei eine Jacht mit einem englischen Vizeadmiral angekommen. »; -- . ' * * A * Aus Dollarika. Die böse» Deutsche«. Amerikanische Blätter haben sich offenbar die Tatsache gestellt, der allen W^t zu zeigen, datz ihre Erfindungsgabe mit den neuesten Errungenschaften der Technik, die man tm LiMde der Rekords besitzt, wetteifern kann. Einen unbezweifelbaren Rekord der Phantasie stellt die aus Amerika in die italienische Preste über gegangene Nachricht dar, daß Deutschland eine Bevöltermrg von 90 Millionen Menschen habe. Die deutsche Statistik habe zwar kaum 70 Millionen „Zugegeben", das fei aber in der hinterlistigen Absicht geschehen, die Welt über die Zahl deutscher Soldaten zu täuschen, die im Kriegsfall oufgeboten werden könnten. 20 Millionen seien daher unterschlagen worden. Man wird bei uns diese Enthüllung nicht ohne Intereste vernehmen. Vielleicht erfahren wir demnächst, daß auch die Oberfläche Deutschlands in Wirklichkeit derjenigen der Vereinigten Staaten gleichkommt und daß die deutsche Wistenschaft auch die Landkarten in diabolischer Weife gefälscht hat. Der amerikanische Geistliche auf der Eranaten-Kanzel. Die amerikanischen Bundesbrüder der Franzosen hoben wohl noch fcitvc Schlachten gewonnen, aber bei Festfeiern aller Art stellen sie ihren Mann. Dabei bnnme'.u die einst so hochmütigen Franzosen die Retter in allen Tonarten an, indes die Amerikaner sich auch nicht lumpen lasten und mit den groß!purigsten Redensarten freigebig um sich werfen. So berichtet die ..Jlliustra- twn" vom 15. Juni 1913 über eine solche gut arran gierte Theatervorstellung in dem kleinen Vogesenstädtchen Masmün- s er, „der vorübergehenden Hauptstadt dieses zurückgewonnenen Teiles des Elsaß, den wir aus den Klauen unserer Feinde ge. risten haben." Diese allerdings „vorübergehende" Hauptstadt von roch nicht viertausend Einwohnern liegt in dem kleinen oberelsässischen Landeszipfel, den wir im August 191! preisge- geben haben, d^.n die Franzosen seit vier Jahren nicht u.n einen Zoll breit vergrößern konnten und mit dem sie nun ihren geographieschwachen Verbündeten imponieren wollen. Der erwähnte Bericht sagt: „Nach Beendigung der Feierlichkeit (in der Kirche) bildeten die amerikanischen Truppen ein Viereck auf dem Marktplatz, und in der Stille erhob ein Mann seine Stimme. Ein Greis, groß und hager, mit energischem Gcsichts- zügen, erschien über der Menge. Dieser Redner hatte zur Tribüne einen Haufen Granaten gewählt, die ein Lastauto gerade abgeladen hatte. Es war der Bischof Anderson. Pastor einer großen Diözese, der seine Landsleute aus dem Boden ermutigte und ermahnte, auf dem sie in kurzer Zeit ihr Blut für die allgemeine Sackte vergießen würden." „Wir sind," sagte er ihnen, „ein freies und idealistisches Volll Wir hasten den Krieg, aber noch mehr die Ungerechtigkeit und das Verbrechen. Wir haben die Waffen für die Verteidigung des Rechts und der Zivilisation ergriffen, die der Feind des Menschengeschlechts bedroht. Habt Vertrauen! Dir Welt «wird von den Hunnen befreit werden, und Elsaß wird wieder französisch für ewig!" Der blutdürstige Gottesmann aus Amerika bewies eins geschmackvolle Sslbstemschätzung seines Ehristentums. als er fich einen Haufen Granaten zur Rednertribüne erwählte. Hat sich doch das „idealifttsche Volk" von Anfang cm durch einttägliche Granatonlieferungen seiner Zivilisationsmisston unterzogen. Es gibt kein widerwärtigeres Bild als dieses selbstgedacht«, gespreizte Pharisäertum, das sich auf offenen Markt mit Weihrauchwolken einhüllt und an jenen Heuchler im Evangelium erinnert, der mit lauter Stimme Gott dankte, daß er bester fei als die übrigen Menschen. Und so etwas will uns die höhere Menschlichkeit bringen! Ohne En-üluiLg Merlane Irin jfrieiif. Wien, 14. Juli. Die „Neue Freie Preste" veröffentlicht in einem Berliner Telegramm Aeutzerungen, des dortigen türkischen Botschafters Hakki Pascha, die dieser gegenüber dem in Berlin weilenden Chefredakteur der „Hilal", Mehmed Tli Tewfik Bey, machte. Hakki Pascha sagte unter anderem^. Ich bin fest überzeugt, daß wir mit Bulgarien zu einer vollständigen Uebereinkunft über olle auf der Tagesordnung stehenden Fragen kommen werden. Was das polittsche Verhältnis zwischen den Zenttvlmächten und der Türkei betrifft, so kann ich nur sagen, daß diese Beziehungen den höchsten Gipfel der Herzlichkeit erreichten, da ja diese drei Mächte geeinigt sind durch den festen Vertrag, der die Probe seiner Kraft lieferte. Ich bin überzeugt, datz diese Allianz sich nach dem Kriege nicht auflöst und von langer Dauer sein wird. Bezüglich der wirtschaftlichen Beziehungen ist zu wünschen, datz sie sich immer inniger gestalten, ich bin überzeugt, datz Deutschland und Oesterreich-Ungarn weit davon entfernt sind, das türkische Reich als Gegenstand der Ausbreitung zu betrachten, daß sie beitragen werden, die Türkei wirtschaftlich in die Höhe zu bringen. Hinsichtlich der Schlach. ten in Frankreich sagte Hakki Pascha, einer der beiden Feinde, nämlich Frankreich, kann eine vollständige und endgültige Niederlage erleiden, aber man mutz zugestchen, datz, wenn Frankreich auch außer Gefecht gesetzt wäre, England wahrscheinlich noch den Krieg fortsetzen werde. Um nun den furchtbarsten und verbissensten unserer Feinde zu besiegen, wird es notwendig fein, ihn in seinem asiatischen Reich zu treffen, wo die englische Herrschaft auf dem Prestige Englands beruht. Wenn die jetzigen großen Schlachten von vollem Erfolg gekrönt wären, so glaube ich, daß dies unsere Koalition ermöglichen würde, alle Maßregeln zu treffen, um England im Orient zu besiegen. Es wird kein allgemeiner Friede sein, solange England nicht Frieden wird machen wollen. Wenn aber diese Macht sich entschließt, den Kampf zu beendigen, so glaube ich nicht, daß die Vereinigten Staaten darauf bestehen werden, den Kamps fortzusetzen. Jcb halte somit den Abschluß eines allgemeinen Friedens für gesichert, wenn der Krieg im Orient die Niederlage Eroßbritan- niens herbei führen wird. Uetrer Englands Kulturarbeit erzählt I. v. Uerkull in einem trefflichen Auffah über „Darwin und englische Moral": Di« englische Raiskammer ist Indien mit seiner arbeits- famen und anspruchslosen Bevölkerung. Die Engländer haben in Indien den gesamten Reishande! an sich geristen und es durch geschickte Anwendung dieses Mittels (unseres Wissens Haupt, sächlich dadurch, daß sie die Steuer in natura erheben) dazu gebracht, daß in einem Jahrzehnt von 1391 bis 1900, neunzehn Millionen Inder verhungert sind. Neunzehn Millionen, das sind Zahlen, die beweisen, daß die Schrecken des Weltkrieges den Engländern bei ihren friedlichen Unternehmungen durchaus nicht fremd sind. Und diesen englischen Schrecken trägt das unglückliche Land bereits 150 Jahre. Die Erfahrungen, die außer Indien auch China, Transval, Persien, Aegypten, Griechenland und vor allem Irland mit den Engländer» gemacht haben, beweisen, daß England, um festen Boden unter seinen Füßen zu fühlen, ganz systematisch Taten begeht, deren Entfehttchteit die Bevölkerung zu Stein erstarren läßt. Auch Irland wurde durch Hunger auf die Knie gezwungen. Zn den Jahren 1847, 1843 und 1849 erwirkten die englischen Landlords richterliche Urteile, die es ihnen gestatteten, die rückständige Pacht von ihren verschuldeten Pächtern in natura ein« zutreiben. Ungeheure Mengen an (betreibe und Vieh wurden zwar-gsweise eingetrieben und nach England gebracht. Der Er. folg war Hungersnot, Hungerrevolten mit Gegenmaßnahmen. In den drei genannten Jahren der künstlich erzeugten Hungersnot starben an Hunger 1 225 000 Iren. Don Haus und Hof vertrieben wurden 3 068 000 und infolge des allgemeinen Elends wanderten 4 186 000 Iren aus. Die mütterliche Königin Viktoria hatte die Befriedigung, daß sie während ihrer fegensrei- chen Regierung Irland non der Hälfte seiner unnützen Bevölkerung befteit hatte. Das ist die „Kulturarbeit" Eirglands, die noch von manchem Deutschen be-vandert wird? Wollen sie diese nachmachen und das deutsche Gewissen m the conscience des Engländers verwandeln ?j ' 1 * ■ -, ■ WKW §gndwir1j.Ws!khs!inge in DenWnud In- Berlin find 150 türkische Landwirtschaftslehrlknge eingetroffen, die von der Deutsch-Türkischen Vereinigung auf die preußischen Provinzen Ostpreußen. Posen, Pommern Schlesien, Rheinprovinz sowie auf Mecklenburg-Schwerin, Braun schweig und Sachsen-Weimar verteilt werden. Don den 150 Jungen stammen 40 ans dem Wilajet Konia in Anatolien, einem der landwirtschaftlich zukunftsreickstten Gebiete Kleinafiens. Der Gouverneur Muamer Bey von Konia hat die Deutsch-Türkische Vereinigung gebeten, die von ihm gesandten Lehrlinge teils in Bauernwirtschaften im Hackfruchtbau ausbilden zu lassen, den Muamer Bey in größerem Umfange in seinem Wilajet einzuführen beabsichtigt, teils als Maschinenschlosser in landwirtschaftlichen Maschinenfabriken unterzubringön, damit diese Leute später aus Deutschland bezogene Maschinen in Koma reparieren können. Die größere Anzahl der Lehrlinge ist von dem türkischen Kriegsminister Enver Pascha gesandt worden. Sie stammen aus der Unteroffizierschule in Konstantinopel, einer Art Waisenhaus für Sohne von Gefallenen. Die Jungen, die in ihrer sauberen Schuluniform einen schmucken Eindruck machen, trafen unter Führung von zwei türkischen Offizieren in Berlin ein. Die französische KroUrarte. Ein Hauptmann schreibt von der Front: Bei der letztem Offensive ist mir eine französische Brotkarte für den Monat Mai in die Hände gefallen. Danach sind am Tag und Person 100 Gramm bemessen. Auf der Rücksette be findet sich eine bemerkenswerte Mitteilung in Rot gedruckt, dic auf Deutsch lautet: „Wenn mir die Härten der Ernährung er. tragen, Härten die von außen kommen, geben wir dadurch Schiffsraum für die Zufuhr von Dingen frei, die für die nationale Verteidigung unentbehrlich sind." Der Sozialismus triumphiert. Unter dieser Spitzmarke wird uns geschrieben: Aich dem beschränktesten Kopfe ist es ausgefallen, daß die sozialdemokratische Zwangswirtschaft, das Gleichmachen aller Menschen praktisch unverwirklichbar ist, daß der übertriebene Sozialismus die Menschen nicht besser, sondern schlechter macht, alle schlechten Anlagen ins geradezu Ungemessene steigert. Nichts ist mehr heilig, es lösen sich die Bande frommer Sch«u. Diese Folgen der sctziali st i scheu Kriegsmaßnahmen liegen offen zu Tage, Parteizeitungen jeder Richtung, unparteiisch und gerecht urteilende Männer aller Stände schildern sie, tun die Uninöglicbkeit, auf dem Wege eines übertriebenen Sozialismus auch nur das geringste Bessere zu erreichen als bei freier Wirtschaft, dar — bloß die Sozialdenwkratte schweigt sich merkwürdiger Weise über diese Frage aus oder unter unrichtigen Annahmen und Behauptungen sucht sie zu retten, was zu retten ist — nnb kürzlich ging ein Massenartikel durch-alle sozialdemokratischen Zeitungen, der mit den Schlagwörtern endigte: „Die sozialistische Kriegswirtschaft hat sich bewahrt, der Sozialismus hat gesiegt, er triumphiert, der Krieg hats gezeigt." Unumstößliche Tatsache aber ist folgendes: In diesem Erdrosselungskrieg war der Sozialismus über die ihm von der Natur gezogenen Grenzen hinaus notwendig. Ohne gewisse kriegssozialistische Maßnahmen konnten wir nicht auskonnnen, mochten dieselben auch hart und unnatürlich sein. Der Staat hatte eine Krankheit durchzumachen. Wenn der Körper krank ist, wendet man Arznei und Gift an, um ihn vom Tode zu retten, man schluckt viel Bitteres, mutet dem Organismus gar viel zu. Kein Mensch wird nun behaupten, weil das Gift und die Arznei Gutes während der Krankheit gewirkt haben, müsse man beide in gesundem Zustand beibehalten. Die Arznei hat triumphiert, ihr Triumph ist aber ihr Untergang. Sie war ein Gewalt- und Zwangsmittel, genau wie fetzt die sozialdemokratischen Maß- «ahmen für den Kriegszustand des Staates. Hören diese auf, so muß der Sozialismus, soweit er unnatürlich ist, fallen. Das ist sonnenklar. Wohin es kommt! Aus Arger über die Ablieferungspflicht halte der Hofbesitzer Sckmid in Fischbach bei Tattnan beschlcsien, lein Gut nicht mehr zu bebauen. Er bewirtschaftete den Hof. der an 100 Morgen groß ist. als Junzgesell mit Eutern ebenfalls unverheirateten Bruder. Die beiden stellten sich auf den SiandyrmLt, es genüge für sie, wenn sie soviel anbauten, als sie selbst brauchten. Aber die Behörde griff ein und bestimmte einen Nachbarn, der die Bestellung des Gutes zu besorgen hatte. Der Nachbar bestellte im Frühjahr die.Aussaat und besuchte öfters das Gut. um sich von dem Stande der Felder selbst zu überzeugen Halten sich die beiden Brüder schon rmr mit Mühe in di« Bestellung der Aecker gefügt, so wollten sie diese Kontrollbesuche überhaupt nicht zulasten. Als der Nachbar dieser Tage wiederum aus dem Gut erlchien. erwartete ihn Schmid mit einem geladenen Gewehr und gab ans ihn und den ihn begleitenden Knecht drei Schüste ab, die den Nachbar trafen. Der Knecht war inzwischen hinter eine Hecke geflüchtet. Der Dauer wurde von einem Eendann fesigenemmen und sieht einer schwer«» Strafe entgcgcrs Iß der Man brr IiviiiWKirtlÄB miniöM? S. v Volkmann schreibt in der „Datschen Tageszeitung": Der Staatssekretär des Kricgsernährungsamtes hat im Reichstage zwar anerkannt,, daß „das zwangsläufige Wirtschaftssystem Schwächen u»d Mängel hat", und datz „eine Reihe von Maßnahmen getroffen werden mußten (?), die von der Landwirtschaft besorchers schwer und produktionshemmend empfunden werden mußten", er hat auch zugegeben, daß „die Erhaltung unserer heimischen Produktion eine der wichtigen Fragen unserer Kriegswirtschaft ist und mit allen Mitteln, soweit dies die Kri^gsnstwendigksiten zulasten, gefördert werden mutz, ater — er hat den Abbau, der Zwangswirtschaft für unmöglich erklärt und betont, datz wir uns „zu Beginn des fünf- ten Kriegsjahres keine Experimente erlauben dürften". Können nun die von der Kriegswirtschaft Bettoffenen — und das ist schlietzlich das ganze deutsche Volk — sich hiermit zufrieden geben? Ist die ganze Zwangswirtschaft, die nach der Behauptung des Staatssekretärs „notwendigerweise immer weiter ge- zogen werden mußte, so daß sie heute alle für die Bolksernäh. rung wichtigen Lebensmittel erfaßt" — ist sie nicht auch ein „Experiment?" Die Engländer haben den richtigen Weg beschritten, fie haben auf eine Vermehrung der Erzeugung hingearbeitet und erreicht, daß sie 1917 an Weiten 850 WO Tonnen, an Kartoffeln 3 Millionen Tonnen mehr ernteten als 1916. Sie erzeugen mehr, wir — d. h. also die Kriegsämter und Krieg sgefellfchaf- ten, die uns jetzt regieren — stehen unter dem Drucke der Sozialdemokratie. deren Wünschen dieser Staatssoziaüsmus entspricht. Und der herrschenden Sozialdemokratie sind sogar die materiellen Schäden, wie die Erbitterung und Verärgerung, die dieses Eustem verursacht, recht; sie versteht es schon, ihre Schuld abzuwälzen auf die bösen Agrarier, dei denen immer schärfer erfaßt werden muß, fie kann bei der erfolgreichen Verhetzung zwischen Stadt und Land so gut im Trüben fischen. Diesem Drucke der Sozialdemokratie konnte sich offenbar auch das Kriegsernährungsamt nicht entziehen; auffallend ist, wie die Ausführungen des Staatssekretärs sich genau mit denen des ..Vorwärts" decken, der ebenfalls zugibt, dag „unsere Verteilungsorganisation erhebliche Mängel auswerst", und der sie doch für das „einzige Mittel hält, um zu verhüten, daß auch die neue Ernährungsperiode mit einem Ernährungsvokuum endet". Auch der Staatssekretär kann sich von diesem Einflusie nicht freimachen; man hatte, wie Herr von Herzberg-Lotttn im Herrenbaus zutreffend sagte, gerade von ihm erwartet, daß er an den Abbau Herangehen würde, aber „in Berlin verändert sich der Mensch so schnell". Jedoch ist auch dem Staatssekretär des Kriegsernährungs- trmtes zweifellos nicht verborgen geblieben, was die Spatzen 1 von den Dächern pfeifen, daß dieses System weder ein völliges Erfasien, noch ein auch nur annähernd gliechmäßiges Verteilen ermöglicht, daß er bloß mit Hilfe des Schleichhandels das Volk noch versorgt, daß es zahlreiche Lebensmittel dem Verderben preisgibt, zu Vergehen gegen unzählige Strafgesetze verführt, die Staatsautorität mindert, die Erzeuger verärgert und verbittert und eben schließlich die Erzeugung lähmen, unser Durch- balten unmöglich machen muß. Der Staatssekretär ist daher dankenswerterweise in der Herrenhaussitzung vom 8. d. Mts. auch schon weiter gegangen u,ld hat gesagt: „Das Zwangs- system muß allerdings produktionshemmend wirken." Wird dies aber anerkannt, dann darf die Regierung nicht auf dem Standpunkt stehen: lieber das Volk hungern lasten, als jetzt die grundsätzliche Verkehrtheit des Systems eingestehen. Wenn ein Arzt 4 Jahre lang einen Kranken behandelt hat, und es diesem immer schleäster geht, dann darf er nicht sagen: da er durch meine Behandlung immer noch am Leben geblieben ist, so darf ich nicht eine neue Art der Behandlung riskieren. Denn dann würde der Patient das Zutrauen zu mir verlieren. Der Arzt muß dann den Mut der Verantwortung haben und darf nicht sagen: „wir dürfen uns keine Experimente erlauben". Dieser Standpuntt ist um so weniger haltbar, als nicht nur von den verschiedensten Seiten, insbesondere durch den Antrag Roe- sicke, Abänderungsvorschläge gemacht sind, sondern man auch in den besetzten Gebieten in Ost und West den Versuch eines Abbaues unternommen hat U7rd dies „Experiment" gute Erfolge /ehabt hat. Zn Belgien hatte es den Erfolg, daß die Anbaufläche an Kartoffeln vermehrt wurde, und daß mtt dem Tage, an dem die fragliche Verordnung in Kraft trat, Butter um etwa 30 v. H. billiger gehandelt wurde als vorher im Schleichhandel. Und über einen Erfolg aus dem Osten berichtet der „Lokal-Anzeiger" (Nr. 328 o. 29. 6. 18). wo in einem Wirt- schaftsbezirk des Dasetzungsgebietes Schafwolle aufgebracht werden sollte: „Zunächst wurde bestimntt, daß jeder Bauer bei Androhung der Enteignung seine Wolle abzuliefern hätte, jeder sonstige Handel unter Strafe gestellt würde. Der Erfolg blieb aus. Und weder die Enteignung ließ sich durchfuhren, noch der Handel unterbinden. Darauf wurde arrgeordnet, daß von jedem großen 'Scha' 2 Pfund Wolle abzugeben seien. Wer diese Ablieferung erfüllt habe, kö^ne über den Rest der Wolle frei — auch im Wege des Handels — verfügen. Darauf kam die Wolle in großen Mengen zusammen und mar obendrein zu erschwinglichen "reisen im Handel zu erwerben." Dre Airwendung dieses Beispiels auf unser Erfassungssystem ergibt folgendes' Es muß allgemein zum System der „Umlage" Lbergeganaen werden.^ Grundsätzlich darf es nicht mehr heißen: „Bis auf eme bestimmt bemessen Menge mußt du alles abliefern, jeder ^ „ 1,1 erboten", sondern: „Du mutzt eine bestimmte Dümae (dm Umlage) abliefern, über den Rest verfügst du frei!" Also, das ..Experiment" ist nicht unmöglich, es ist hier um Z "EdenkUchsr. als es sich- nicht um ein völliges Umstürzen !L"fif' ,,6 B Tv n ^ UtC 3U mctm hudelt, sondern um einen -llmahl,.«. Vl-ban Es h°nl>«tt sich schlichlich doch um Leben , S b f bcut,f ^ n Volke-, dieses durch schlechte Ecn-Hrnnq ^.nenkrank gewordenen Patienten. Wir schlagen x-rrn von W-ld«w E. «st einmal bet Eiern, Obst und ©owüf« mtt de n avZulongen. wofür selbst die Städter (wie z V Oberbürgermeister Wttms-Pesen und Stadtdirettor Tramm von Hannover im Herrenhause) eintr-tten — und allmählich weiter men ^>-zt wird sich wundern, wie tkx Patient ansat- ein Verteiluagsinsttument, weiter nichts. Ist auch das Verteilen genug? Ist nicht die Erzeugung wichtiger? Vom Vev. teilen allein wird nicht mehr. Es führt endlich auf den toten Punkt, wo alles Verteilen nichts mehr nützt, sondern zum gefährlichen Kampf um das unzureichende Lehre wird. Denken wir auch genug an das Erzeugen? Es ist falsch und lebensgefährlich, wenn wir immer nur auf den Frieden warten, der uns Brot bringen soll. Der Frieden bringt kein Brot, sondern umgekehrt. Brot bringt uns den Frieden. Der Engländer hat auch keine besondere völkische Tugend. Sie heißt nicht Organisation, Ordnung, wie die deutsche, sondern fie heißt Tatkraft. Wenn man heute die Ansicht äußert, daß wir, bei dem riesigen uns zur Verfügung stehenden Gebiet in Getreide und Futtermitteln, in Hanf und Flachs, in Wolle nnd Oel geradezu schwimmen müßten, so begegnet man nicht nur unglaublicher Verständnislosigkeit, man läuft auch Gefahr, als verrückt angesehen zu werden. Do stnd so unendlich viele bequeme Ausreden, daß man gar nicht dazu kommt, an die erzeugende Arbeit zu denken. In der Oekonomie ist es mit dem Patriotismus nicht getan. Amalie v. Schmettan konnte sich ihr Haar auch nur einmal abschneiden und auf dem Altar des Vaterlandes opfern. Mit der Landwirtschaft ist das etwas anderes, ste muß erzeugen, um wieder opfern zu können. Will man bei ihr etwas erfassen, so muß man vorher düngen mit guter vollwertiger Valuta, sonst wächst nichts. Aus nichts ist nichts. Daß man die Erzeugung durch patriotische und soziale Ermahnung antreiben konnte, ihr Aeußerstes zu leisten ohne den richtigen Preis, das ist ein Aberglaube. fruitlifiirt M die Müesmiirg aus Kesse» In der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Frankfurt vom 9. Juli sind gegen die hesiische Landesobststelle Vorwürfe wegen schikanöser Handhabung der Bestimmungen über den Verkehr mit Obst erhoben worden. Sie sind vollkommen unberechtigt. Die Höchstpreise für Frühobst sind in diesem Jahre gemeinsam für Hessen und dem Regierungsbezirk Wiesbaden festgesetzt worden, um dem in den Vorjahren schwer empfundenen M'ßstand zu begegnen, daß Frankfurt zu hohen Preisen hessisches Obst abzog und damit eine Vcrsorginrg der hessischen Städte unmöglich machte. Die nach Vereinbarung nrit Wirkung vom j. Juni 1918 festgesetzten Höchstpreise hat die Stadt Frank- furt nicht sofort, sondern erst am 8. Juni bekannt gemacht, so. daß gerade in jenen ersten Obsttagen wieder ein großer Teil der hessischen Kirschen- und Erdbeerenernte nach Frankfurt ab- wanderte und dort zu Preisen von 2.50 Mk. und 3.— Mk. in der städtischen Markthalle und in den Laden verkauft wurde, während Hoffen sich an die crlaffenen niedrigeren Preise hielt. Erst nach Eingreifen der Königlichen Regierung in Wiesbaden erfolgte dann in Frankfurt die Bekanntgabe der vereinbarten Höchstpreise. Bei den Marktbelieferungsverirägen sind der Stadl Frankfurt keine Schwierigkeiten gemacht worden. Die Landesobst, stelle konnte der Genehmigung solcher Verträge nicht widersprechen und hot es auch nicht getan. Die einzige Bedingung, die gestellt werden mußte, wenn nicht das System der Oksstver- teilung vollkommen durchbrochen und einem unkonttollierbaren Schleichhandel Tor und Tür geöffnet werden sollte, ist ftühzettig sowohl der Reichsstelle für Gemüse und Obst als auch dem Le- bensmittelamt der Stadt Frankfurt mitgeteilt worden. Diese von der Reichsstelle genehmigte Bedingung lautete: Die Stadt Frankfurt muß bei Abschluß der Marktbelieferungsverträge Nachweisen, daß die Personen, mit denen die Verträge abgc° schloffen werden. Obsterzeuger sind, und muß sich verpflichten, darüber zu wachen, daß die Betreffenden ihr Obst selbst oder durch Sausangehörige auf dem Wochenmarkt der Stadt Frankfurt absetzen. Obwohl die Stadt Frankfurt vor der Obsternte keinen Widerspruch gegen diese Bedingung erhob und obwohl dieser Nachweis durch Bescheinigung der betreffenden Bürgermeisterei sehr leicht zu erbringen war, uiii> in einzelnen Fällen auck, erbracht wurde, find, um Verschleppungen zu vermeiden, nachträglich diese Nachweise erlaffen-und Beförderu^sscheine bedingungslos gewährt worden, ohne Rücksicht auf die Kon- trollmoglichkeit. Mehr noch: von dem wenigen Obst, das der Landesobststelle zur Verteilung zur Verfügung stand, wurde der Stadt Frankfurt anteilsweise geliefert. Daß auf Seiten der Landesobststelle illoyales Verhalten nicht rorliegt, ist da- mtt wohl bewiesene S( . £* TI -f n ' 55I i 8 011(5 ^ städtischen Kreisen den Unsinn i Verteilung Politik einzusehen beginnt, haben di- « r in“ ft bewiese". Mehrfach haben ->r in dieser Zeitung Namen städtischer Verbraucher cwlelen * 6t°nd unserer Ernahrung-fraga richtig beurteilt wehr B.rvckstchtlgung der Erzeugung verlangt haben. So fin- den wrt ge,^rn redjl beherzigenomerte Worie. Es wird die SÄ:*" SWtJÄIte *" 3taR,tti * b-'prochen und dann Ls wird riele geben und gibt längst viele nnter uns, welch« Dorlcten"" * 5 ° ien M * Deutschen gesiegt? ant-- Mit HindenLurg und der Brotkarte! ^ cr » aI,ex Reiben wir keinen Götzendienst mit unserer äugend. Ordnung ist etwas. Geist und Gewiffen in der Ord- »onp ist mehr. Die Brotkarte an sich ist nur ein Stück Papier' Ans der Heimat. Fnedberg. Am Sonntag, den 21. Juli, abends 8 Uhr, veranstaltet das Wandertheater des stellv. 18. Armeekorps im „Saalbau' ein Gastspiel zum Besten der heimkehrenden Kriegsgefangenen, welches durch feldgraue Bühnenkünstler ausgeführt wird Das Programm bietet m der ersten Hälfte einen sehr reichtha.'tigen bunten Teil mit gesanglichen und deklamatorischen Vortragen ernsten und heiteren Inhalts, im zweiten Teil kommt ern Theaterstück zur Aufführung: „Treue um Treue", ein Spiel aus der Gegenwart. Die Eintrittspreise betragen: Re- servlerter Platz Mk. 3.-, 1. Platz Mk. 2.-, 2. Platz Mk. 1.- $cr Vorverkauf findet tn der Hofbuchhandlung Vindernwrel und Scriba statt. Um das Liebeswerk für die vielen Taufenden die das traurige Los der Gefangenschaft lange ertragen mußten, auszubauen, bedarf es der Opferwilligkeit unseres Volkes. Es darf wohl in Anbettacht dieses guten Zweckes eine starke Beteiligung an dieser Veranstaltung erwartet werden. Wieder kein Zeitungskalender. Die Kriegswirtschaftsstelle für das deutsche Zeitungsgewerbe gibt schon jetzt bekannt, daß die Verfügung von Kalendern oder auch der Abdruck des Kalenders im Rahmen des Blattes wegen der Papierknappheit auch in diesem Jahre verboten und die Uebertretung dieses Verbotes unter fttenge Sttafe gestellt ist. »Wenn die Hälfte des Papiers, auf das überflüssige bürokratische Verordnungen geruckt werden, für Kalender vermeidet würden, so hätten wir solcher genug. Bad-Rauheim, 17. Juli. Lrfzt-^agner-Abend in Kur. tapelle, Donnerstag, den 18. Juli im Konzerthcus. Solist. Adele aus der Ohe, Kgl. Preuß. Hofpianistin. Leitung: Hofrat Profeffor Hans Winderstein. Die Vortragsordnung weist nur Werke der Leiden so innig verwandten Meister Liszt und Wagner auf. Von Liszt die sinfonische Dichtung „Orpheus" und fein effektvolles Klavierkonzert in Osäur, von Wagner die Ouvertüre zum „Fliegenden Holländer", das Siegfried-Idyll un.d das Vorspiel zu den „Meistersinger von Nürnberg". Ferner spielt die hierorts bestens bekanrtte berühmte Pianistin, eine der hervorragendsten Schülerinnen des Altmeisters. Franz Liszt-Nocturne, die große Konzertetüde in Oes, den Gnomenrergen und schließlich die Tarantelle über Motive aus der Over „Die Stumme von Porttci'' für Klavier allein von Liszt. Das' in- tereffante Programm dürfte voraussichtlich feine Anziehungskraft nicht verfehlen. FO. Büdingen, 16. Juli. Der unmittelbare Bezug von Obst an den Verbraucher durch den Erzeuger ist verboten. Der Er. zeuger, der Obst gegen diese Bestimmung abgibt, wird mit Gefängnis und zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft. FO. Alsfeld, 12. Juli. Auf dem letzten Viehmarkt stcndeu 528 Ferkel zum Verkauf. Das Paar kostete 90—130 Mark. Hanau, 15. Juli. Die Leiche des in der Kinzig ertrunkenen Schülers Heinrich Stein ist gestern At-end gelandet worden. Der junge Mann war beim Umkippen des Kahns unter diesen geratewund von dem sinkenden Eefähtt mit in die Ti'efe gezogen worden. Gestern wurde der Kahn gehoben und die unter chm eingezwängt gewesene Leiche an die Oberfläche gespült. FC. Vom Main, 16. Juli. Der Altmeister der Schisser- rutt Fifcherzunft in Ajchaffenburg, Franz Geiger ist im 82. Lebens- jahr gestorben. Aus Starkenburg. FC. Eroß-G-rau, 16. Juli. An einem Mast der Schuckert- Werke kletterte im Felde der achtjährige Junge des vor kurzem verstorbenen Schuhmachers "Schubert empor und wollte sich an den Drähten festhalten. Der kleine Körper verbrannte rasch und stürzte ab. FC. Aus dem Odenwald, 16. Juli. In den Hauptorlen des Odenwalds werden jetzt 2.50 und 3.— Mk. fürs Pfund Heidelbeeren verlangt und gezahlt. Aus Rhemheffeu. Mainz, 16. Juli. Ein Soldat als Raubmörder. Der Mord, welcher sich am Vormittage des 25. November 1917 in Wiesbaden im Hause Faulbrunnensttaße 12 ereignete, be- schäfttgte heute das hiesige Kriegsgericht. Des Riordes ange- klagt ist der Gefreite, ftühere Schneider, spater Gärtnerei-Hilfsarbeiter Michael Krapczak. Er wird beschuldigt, die Besitzerin eines Kaffeehauses, Frau Ehret, während die Tochter in der Kirche war, ermordet und beraubt zu haben. Ueber die Tat ist seinerzeit ausführlich berichtet worden. In der Kaffette wurde als fehlend feftgeftellt: sieben Hundertmarkscheine, fünfundzwanzig Einmarkscheine, fünfzig Mark in Zwei, und Dreimark, stücken (meist Jubiläumsmünzen), eine Zigarettentafche. eine goldene Damen-Remo77toiruhr, eine silberne Damen-Remontoir. uhr mtt 2 Kettchen, verschiedene Ringe mtt echten Steinen, ein» goldene Uhrkette usw. Nach dem Ortsbefund war anzunehmen^ daß Frau Ehret entweder, während sie im Eafe mit dem Ausraumen des Oftns beschäftigt war, in der Küche eia Geräusch gehört, sich dorthin begeben hatte und dann von dem zwischen Tür und Schrank versteckten Tater überfallen worden war, oder der Tater hatte sie überrascht, während sie sich am Ofen zu tun machte. Jedenfalls war der Mord verübt, bevor die Kassette geplündert wurde. Krapczak wurde verurteilt n. a. wegen Fahrrenflucht zu zroei Jahren Gefängnis, wegen Raub und Diebstahl zu 11 Jahren Zuchthaus, wegen vorsätzlicher, aber nicht mit Ueberlegung alwgeführter Tötung zu lebenslänglichem Zuchthaus. Ausstoßung aus dem Heere und dauerndem Ehrverlust. Er hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. IC. Mainz, iß. Juli. Im vierten Stock des Hanfes Vauerngaffe 6, fetzte sich der 7jährige Schüler Willi Schmitt auf das Treppengeländer um hinab zu rutschen, Er betank das Uebergkwicht, stürzte ab und erlitt lebensgefährlkche Verletzungen. Aus Hcsskn.Nassau. FC. Vor 50 Jahren. Am 12 Juli dieses Jahres waren es 50 Jahre, daß Köniz Wilhelm von Preußen zum zweiienmale in Bad.Ems, in der ireuen Provinz Heffen-Naffau, zum Kuraufenthalt einttaf. In ferner Begleitung befand sich u. a. der Geheime Legationsrat Abeken. Einige Tage später ttas Bis- marck ebenfalls in Ems ein. Abeken sagt in seiner Lebeno-ge- schichte über den damaligen Aufenthalt: In dieser zweiren Juliv oche des Jahres 1868 gab es wirklich viel Interessantes: Am Montag nachmittag fuhren wir nach Nassau, Graf Bismarch Keudell, Diest mtt einem angenehmen Assessor Hergenhan (später Polizeipräsident in Frankfurt a. M.) In Nassau ist das Wchnhüus des alten Herrn von Stein, mit dem von ihm zum Gedächtnis der Jahre 1813 bis 1815 angebauten Turme, in welchem sich sein Arbeitszimmer befand. In diesem stillen, bescheidenen Raume, in welchem der greise Atimster gewiß oft genue gedacht, gegrübelt. sich gegrämt, gewettert, auch wohl geflucht, öfter noch gebetet hat. um Deutschlands Zukunft, mtt Graf Bis. marck zu stehen, der mehr als irgend ein anderer Steins Werk fortgeführt, fast vollendet hat. war ein ergreifender Moment, in dem man den Gang der Geschichte zu hören und M sehen glauben konnte; zwei Geister, zwei Zetten reichten sich da die Hand, der Deutsche und der Preuße, 1813 und 1868 — beide einer des anderen würdig! Dann fttegen wir den schönen Schloßberg hinauf, auf dem unten auf einem Vorsprung M* Stein'sche, oben auf dem Gipfel d-e naffauische Durgruiss stehen! Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Ctta Hirsche!, Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyn er. Friedberg. Druck und Verlag der „Neue» Lageszejtung^ A. (3., Friedbera l L. Wem me durch Liebe Leid geschah. ^ Roman von Courths-Mahler. 58) Nachdruck verboten Aufatmenb schwie-g Christa und legte di-o Auf-oichmmgen vor sich hin. Sie nagte nicht zu sprechen. Herr von Birkenherm hatte dns Gesicht ln den Händen ver- grat-en, und die Erregung schüttelte ihn rote ein Krampf. Christa sah, m-ie er litt, und heißes Mitleid füllte ihre Seele. Sie erhob sich leise und trat zu ihm. Ihre Hand legte sich auf seinen Arm. „Herr von Birkenheim," sagte sie leise, wie beschwörend. Da hob er das qualzerriffene Gesicht zu ihr auf und faßte mit krampfhaftem Druck ihre Hände. „Kind — liebes Kind — Du bist Marias Tochter, nicht wahr? Es kann ja nicht anders sein. Hat es mich doch vom ersten Augenblick an mit geheimnisvoller Macht zu Dir gezogen. Und Deine Aehnlichkeit mit Maria — ich hielt sie für eine Laune der Natur. Sage es mir, nicht wahr, du bist Marias Tochter?" Christa sah mit ihren leuchtenden Augen, in denen Tränen funkelten. zu ihm herab. „Ja, Onkel Heinz, ich bin Christa von Platen und stehe hier, um das Vermächtnis meiner Mutter zu erfüllen." Er drückte ihre Hände an seine Augen, von denen er die Brille gestreift hatte. Und dann sah er sie an. als suchte er in ihrem Antlitz die Züge der verlorenen Geliebten ( „Christa — liebe Christa — was Du mir gebracht hast ist Himmel und Hölle zugleich. So glücklich hätte ich sein können mein ganzes Leben lang — und so unglücklich bin ich gewesen? Das Bekenntnis Deiner lieben Mutter zeigt mir, daß ich geliebt wurde von ihr, die ich über alles liebte. Und ich nicht allein habe leiden müsien. Auch sie — auch sie — der Schmerz hat sie in ein frühes Grab gettieben — und das ist noch viel härter, als daß ich selbst leiden mußte. Und alles das, weil ein ränkerolles Weib, wahrscheinlich jtui aus niedriger Berechnung, sich zwischen uns drängt. Mit falschen Worten lag sie auch mir irr den Ohren, sagte mir. daß Maria mich nicht liebe, sondern Deinen Vater, und haß sie «m unglücklich sei und von mir loskommen wolle. So wagte ich Mich nicht mit meiner Liebe hervor, verschloß sie fest in meinem Herzen und vertraute sie rrur dem verschwiegenen Papier an. Solche Briefe zerriß ich dann und warf sie in meinen Papierkorb. Hätte ich es nie getan, dann hätte dieses ehrlose Geschöpf sich nicht in den Besitz dieses zerrisienen Briefes setzen und Unheil damit anrichten können. Ich bin kein rachgieriger Mansch, aber — kannst Du verstehen, daß ich jetzt an mich halten muß, um nicht hinüber zu eilen und diese Frau niederzuschlagen wie einen tollen, schädlichen Hund?" Die letzten Worte brachen wie ein Schrei aus seiner Brust und keuchend sank er in sich zusammen. Christa legte erschütternd die Arme um seine Schultern. „Onkel Heinz — armer Onkel Heinz — so unglücklich war auch meine Mutter, als sie erfuhr, daß euch die Niedertracht eines Menschen ins Unglück gehetzt hat." Er sah zu ihr auf mit einem kummervollen Blick, und sah Tränen in ihren Augen schimmern. „Meine Christa — meine liebe Christa, ja — Du empfindest was ich leide. Die Seele Deiner Mutter spricht aus Dir. Sie war so gut — konnte keinen Menschen leiden sehen, wie Du es auch nicht kannst. Ach, mein liebes Kind, tausend Bitterkeiten werden heute in mir lebendig. Wie hat das Schicksal so etwas Unerhörtes geschehen lasten können? Mein Leben ist brach gelegt worden, ist armselig und zwecklos geblieben. Einsam war ich — nur umgeben von dieser ränkevollen Frau und ihrer Tochter, die mich wohl mit gierigen Augen belauern. Deine Mutter hat sich in eine liebelose Ehe geflüchtet. Wenn ihr auch Dein Vater das Leben so leicht als möglich machte, so fand sie doch kein volles Glück an seiner Seite. Und das alles tat uns dieses Weib an, dem 'ch all die Jahre so schrankenlos vertraute, an deren Sanftmut und Heuchelei ich glaubte. Warum — warum nur hat sie dies falsche Spiel mit uns gettieben?" Christa zögerte. Aber dann richtete sie sich en Ischlosten auf. Nein, sie wollte diese Frau nicht schonen, die sich so schwer versündigt hatte. „Ich kann Dir vielleicht einen Fingerzeig geben, Onkel Heinz, warum sie das alles getan hot," sagte sie und erzählte' chm von dem Ansinnen der Baronin bezüglich des Testaments. Er stöhnte auf. „Also nichts als elende, niedrige Berechnung? Dachte ich es doch? Deshalb wollte sie sich erst an Marias Stelle dräng», und als ihr da nicht gelang, und als sie erkannte, daß ihr Gatte nicht der reiche Freier war, für den sie ihn hielt, da kam sie wieder als Erbschleicherin in mein Haus und umspann mich wie eine Spinne, die ihr Opfer sicher haben will. Wenn es mtr nicht so kleinlich erschiene, in all meinem Jammer, dann könnte ich vielleicht Befriedigung empfinden darüber, daß sie nun doch um den Preis ihrer Schandtat betrogen wird. Aber fort mit diesen Gedanken? Du stehst vor mtt, meine liebe Christa, und wie ein süßer Trost geht es von Dir aus. An Dich will ich mich halten — nicht wahr. Du wirst tun, was Deine liebe Mutter für Dich versprochen hat? Du wirst bei mir bleiben, wirst mir ein liebes Kind sein und mtr ein wenig Sonne in mein verbittertes Dasein bringen. Müßte ich Dich von mir lasten. — es wäre mtt ein neuer schmerzlicher Verlust. Ich brauche Dich so notwendig! Du hast Dir mein Herz schon als Christa Hell, mul gewonnen, als Maria von Platens Tochter wird es Dir noch mehr gehören. Sag — wirst Du bei mir bleiben?" Christa lächelte ihn an, wie ihn einst Maria angelächstt hatte. „Ich bleibe gern, sehr gern bei Dir. Onkel Heinz. Mich zieht nichts in die Welt hinaus. Ich stehe ganz allein im Leben. wenn ich auch liebe Freunde habe, bei denen ich eine freundliche Aufnahme fand. Aber eine recht« Heimat habe ich nicht mehr seit meiner Mutter Tode." „Co sollst Du bei mir eine Heimat finden, meine Christa." sagte er warm. „Und was wird die Baronin Haßbach dazu sagen?" fragte sie leise. Er erhob sich, und sein edles Gesicht bekam einen harten, kalten Ausdruck. „Sie hat in diesem Hause nichts mehr zu sagen." „Was wirst Du tun. Onkel Heinz?" Fortsetzung folgt. Betr.: Die Flei choersorgung für die Bevölkerung der Stadt Friedberg. Bekcnnimachmig Ich brmge hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verkauf von Nind- und Kalbfleisch sowie Wurst für diese Woche am Freitag. den 19. Juli 1918, nachmittags von 1—6 Uhr. in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden stattfindet. Schweinefleisch gelangt nicht zur Ausgabe. Die Verkaufszeit ist genau einzuhallen. Friedberg. den 17. Juli 1918. Der Bürgermeister. 2. V.: Damm. Bekanntmachung Durch Bundesratsverordnung über den Verkehr mit Oelfrüchten unddaraus gewonnenen Produkten vom 2t Juli 1917 Reichs-Eefbl. Seite 136 ist bestimmt worden, daß die Besitzer von Oelsaaten ihre Bestände am Beginn jeden Kalenderviertefiahres, und zwar bis zum 5. des 1. Vierteljahres zur Anmeldung zu bringen haben. Die geerntete Menge ist danach erstmals bis zunk 22. ds. Mts. auf Zimmer Nr. 4 des Stadthauses zur Anmeldung zu bringen. Friedberg. den 17. Ju li 1918 Der Vürqermeister ___ 2. V.: Damm. Betr.: Schweine-Impfung. Bekanntmachung Die Besitzer von Schweinen, die noch mir der Impfung dieser im Rückstand sind, fordere ich hiermit auf, der Anmeldung derselben zum Zwecke der Impfung in Zimmer Nr. 12 des Stadt- hauies alsbald zu entsprechen. Friedberg, den 17. Juli 1918. Der Bürgermeister. I. 33.: Damm. Güte junge gutgefahrene trächtige Kuh zu verkaufen bei Markus Hessenberger. Landwirt, Staden. 70— 80 Zentner Tragkraft, zu verkaufen lieh. Simon Klos, Maurermeister, Ober-Erlenbach. H°be einen sprungsähigen schwarz-bunten -.Bullen HÜverkaufen. L. Brückmann, Neuhok. Post Leihgestern. Bekanntmachung. Betr.: AusdrnschvonFrüchtenansderErnte1918. Auf Grund des § 3 der Ausführungsverordnung zur Reichs- aetreideorvnung für die Ernte 1918 vom 10 . Juni 1918 lOberheisi- scher Anzeiger Nr. 112) und der Bekanntmachung des Großh. Kreisamts Friedberg vom 25. v. Mts. bringe ich hierdurch für den Bezirk der Stadt Friedberg folgendes zur äffen.lichen Kenntnis: § 1. Wer Früchte, die nach § 1 der Reichs?etreideordnung für das Erntejahr 1918 zu Gunsten des Kommunalverbandes be chlag- nahmt sind, ausdreschen oder ausdre chen lasten will, hat bei mir vor Begiua des Dreschens sich einen Dreschschein zu lösen und dabei anzugeben: 1. den "Namen des Besitzers der Früchte, 2 . die Mengen und die Att der auszuoreschenden Früchte, 3. Zeit und Ott des Ausdreschens. § 2. Die ausgedroschenen Früchte sind auf dem Dreschplatz auf einer vorschriftsmäßig geeichten Wage zu verwiegen. Das Wiegen darf nur durch den dazu verpflichteten Wiegemeister oder dessen Stellvertreter erfolgen. Als Wiegemeister wurden verpflichtet: 1. C. H. Rausch, Stadtverordneter, 2. Karl Rupp, Kaufmann. 3. Georg Heimburg, Fleischbeschauer, 4 . Georg Zöll, Lokomotivführer i. P. 5. Julius Winter, Eastwitt. § 3. Dem Wiegemeister liegt auch die polizeiliche Kontrolle des Ausdrusches ob. Das Dre chen und Verwiegen darf nur unter seiner Aufsicht erfolgen. Ohne seine Zustimmung und vor erfolgtem vorfchliftsmäßigem Verwiegen dürfen keine ausgedrojchenen Früchte vom Dreschplatz entfernt werden. § 4» Der Besitzer der Früchte hat sofort nach dem Verwiegen unter Vorlage des Drefchscheines bei mir anzuzeigen: 1. Menge uno Art der zum Ausdrusch gebrachten Früchte, 2. Das Gewicht der ausgedro chenen Früchte, L. Die Größe der abgeernteten Flächen, nach Fruchtartcn gettennt, auf die sich die ausgedroschene "Menge bezieht. 8 5. Zuwiderhandlungen werden nach § 8u der Reichsgetreideordnung mit Gefängnis bis zu einem Jahre und mtt Geldstrafe bis zu 50 600 Mark oder mit einer d«e>er Strafen bestra t. ofern nicht die schwerere Strafe nach § 81 der Reichsgeneideordnung verwirkt ist. Friedberg, den 17. Juli 1918. Der Bürgermeister. _______ 2. V.: Damm. _ Achtung! LanMirte! Wir liefern ab Lager Nidda: ein- und zweifpännig. Gelrcidemiihmaschiiren, alle Arten Pflüge, Kultivatoren, Glaltnmffen, Cambridge- Waffen, Drillmaschinen, Waschmaschinen, Centrifugen, Destmalwagen, Jauchepumpen, Fruchtpressen und Fruchtbrsset sowie jämtliche Maschinen und Geräte für die Landwirtschaft. Ferner liefern wir: Alle Ersatzteile für sämtliche Maschinen. Eigene Reparatur-Werkstätte. Schäfer & Fischer, Vahnhosstratze 38 Fernsprecher 65 Irillksachen aller Art in sauberster Ausführung liefert schnell und billig R»k iitjttjfitiitifl, IMmI i. iittlng M. Friedberg i. H, - Saalbau. Sonnlai, den 91. Juli 1918, abends 8 Ulirs Gastspiel des Wandertheaters des Stellv. General- Kommandos des XVIII. fl.-K. zum Besten der heimkehrrnden Kriegsgefangenen. „Treue um Treue!" Ein Spiel aus der Gegenwart Vorher: Bunter Teil. Eintrittspreise 3.—, 2.—, 1.— Mk. Vorverkauf in den Buchband- _ lungen Bindernagel u . Scriba. Bekanntmachung. 2n Abänderung unserer Bekanntmachung vom 29. Mai 1918 werden d.e darin festgesetzten Erzeuger-, Groß- und Kleinhandelspreise für Himbeeren. Brombeeren, Preßhimbeeren und Pretzbrom- beeren. Heidelbeeren. Reineclauden.Mirabellen. Pfirsiche, Aprikosen, Früh-Aepfel und -Birnen. Pstaumen und Fallobst aufgehoben und mit Genehmigung der Reichsftelle für Gemüse und Obst wie folgt neu festgesetzt: Obstsorte ErzeugerGroßhandelsKleinhandelspreis preis preis Himbeeren.1.20 1.50 1.73 Brombeeren.1.20 1.50 1.73 Heidelbeeren.0.50 0.75 0.85 Reineclauden.0.50 0.65 0.77 Mirabellen, auch Spillinge 0.55 0.75 0.87 Pfirsiche u. Aprilosen l. Wahl 1.20 1.50 1.73 dto. 11. . 0.60 Früh-Aepfel und -Birnen, 0.80 0.95 und Pflaumen I. Wahl 0.40 0.50 0.60 Pflaumen ll. Wahl . . 0.29 0.25 0.30 Fallobst bis 30. 8.1918 . 0.10 0.12 0.15 Vorstehende Preise beziehen sich auf das Pfund wertige Ware erster Güte. und auf markt- Ueberschreitungen vorstehender Höchstpreise werden nach dem Reichsgesetz vom 4. August 1914 in der Fassung der Bekanntmachung vom 17. Dezember 1917 (R. G. Bl. Seite 516) mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 10000 Mk. bestraft. Eine Ueberschreitung der Höchstpreise kann auch in unzutreffender Sortierung des Obstes erblickt werden. Darmstadt und Wiesbaden, den 13. Juli 1918. FauLksobststkllk für das Grotzherzoglam Hrffen. Dr. Wagner, Ministerialrat. Kksirksstkllr f. Ckinösr u. Vbst fir dm Reg.-Dt;. Wiesbaden. Dro ege. Geheimer Regierungsrat Holz - Versteigerung. Montag, den 22. 2uli, werden in den Forstotten Ditzenberg und Thronerschlag versteigert: 11532 Eichen- und Virkenwellen und 900 Eichen-Ausjätungswellen (Vackholz). Zusammenkunft vormittags 9 Uhr an dem Schnittpunkt der Dunkelschneise und langen Schneise. Friedberg, den 16. Juli 1918. Freiherr!. Obersörsterei Ockstadt. 2. V.: Augst, Großh. Forstmeister. 1 gebrauchten leichten Landauer 1 fahrbares Hühnerhaus billig abzugeben Ludwig Haustein, Wagellbauer s* ■■ Friedberg. Verkauf! Die Gemeinde Bruchenbrücken beabsichtigt Montag. den 22. Juli, mit avs 12 Uhr. in der Wirtschafc von Iah. Heinr Michel einen zur Zucht zu schwer gewordenen Eber meistbietend gegen Barzahlung zu verweigern. Eroßherzogl. Bürgermeisterei Bruchenbrücken _ 2. B. Best. Ankauf! Die Gemeinde Bruchenbrücken beabsichtigt zwei Switifr ZiegeiibScke, einen älteren von 1 Jahr und einen jüngeren von */a Jahr anzuschaffen. Besitzer solcher Tiere wollen dies bei Gioßherzogl. Bürgermeisterei melden. Bruchenbrücken, d.17.Iuli 1918. Eroßherzogl. Bürgermeisterei Bruchenbrücken. _ 2. Bi Be it, f starlies Badilan zu verkaufen. Johannes Jung vi., Kirchgöa». Den Freunden dieses Blatt, empfehle ich mein Lager in Optik, Brillen u. Kneifer nach jed. Rezept. Lieferungf.Kaffen. Selleingericht. Krpar -Mrrk- llattk vi.Mafch.^etr.f.Vptik, Uhren,tboldwu. Feinmechanik Willi. liohrey, Uhrmacher i-Nieder-Florfladt., ßopncticrfWtt, Eteiahager, Vanille, Merminzil. 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