Uummer 165 Mittwoch, den 17. Juli 1918 11. Jahrgang/ £i-nel,äl,r,tch fflit. 2.4» __ »Hoden. (£ rninimggort ^ried berg. t*W«Ut*. 8 °nd tr.-dd-m -.-7-n' Ä iÄr^TSu Iie Marneiiberjchritteu. — 13000 Gefangene. — Ilalienerangvilfe an der tirolerFrouLGniig abgeW^^l--a Gin türkischer Erfolg am Jordan. — U 000 Tonnen versenkt. --== == Der deutsche Generatstak •== meidet: = ====_ - M. T. K. Großes Aattzstinarrier. dsu 16. JulL. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In einzelnen Abschnitten lebte die Kampftätigkeit auf. Oestlich von A y e t t e wurde ein nächtlicher Vorstoß, östlich von Hebutern-a ein stärkerer Angriff des Feindes abge- toiesen. Hier haben sich während der Nacht neue örtliche Kämpfe entwickelt. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Wien, 16. Juli. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Im Raume des SLilfser Jochs, nördlich bes Tonalepasses in den Jndicarien und ans der Hochfläche von Asiago steigerte sich der Artilleriekampf zu besonderer Heftigkeit. Im Raunie des Monte Pertica und des Monte Solarolo unternahm der Italiener nach heftiger, überfallartiger Artillerievorbereitung vier gewaltige Sturmangriffe. Sie wurden von den braven Truppen der 55. Division teils durch Feuer, teils im Nahkampf abgeschlagen. Die Blutopfer bes Feindes sind außerordentlich groß. An der albanischen Front nichts von Belang. Zwischen A i s n e und M a r n e und östlich von C h a - teau-Thierry lebhafter Artilleriekampf. In kleineren Unternehrnungen und im Vorstoß über die Marne süd- westlich von Jaulgonne brack)en wir in die feindlichen Linien ein und brachten Gefangene zurück. Südwestlich und östlich von Reims sind wir gestern früh in Teile der französischen Stellungen eingedrungen. An den Vorbereitungen für die artilleristische Kmnpffüh- rung hatten Vermessungstruppen besonderen Anteil. Artillerie, Minenwerfer und Gaswerfer öffneten durch ihre vernichtende Wirkung im Verein mit Panzerwagen und Flammenwerfern der Infanterie den Weg in den Feind. Die Armee des Generalobersten v. Boehn hat zwischen Jaulgonne und östlich von Dormanis die Marne überschritten. Pioniere setzten im Morgengrauen die Sturmtruppen über den Fluß und schufen damit die Grundlage für den Erfolg des Tages. Infanterie erstürmte die steilen Hänge auf dem Südufer der Marne. Unter ihrem Schutz vollzog sich der Brückenschlag. In stetem Kampf durchstießen wir das zäh verteidigte Waldgelände der ersten feindlichen Stellung und warfen den Feind auf seine rückwärtigen Linien bei Coude-La Chapeell—Comblizy-Mareuil zurück. Auch nördlich der Marne entrisien wir Franzosen und Italienern ihre erste Stellung zwischen Ardre und Marne. Wir standen am Abend im Kampf östlich der Linie Chatillon—Cuchery—Chaumizy. Die Armeen der Generale v. M u d r a und v. Einem griffen den Feind in der Champagne von Prunay (östlich von Reims) bis Tahure an und nahmen im Kampf mit dem sich unserem Angriff entziehenden Feinde die erste französische Stellung. Südlich von Na'rroy-Moronvillers stießen wir über die Höhenkette Cornr ^ochberg-Keilberg-Oelberg durch das Trichterfeld der vorjährigen Frühjahrsschlacht bis an die Römerstraße nordwestlich von Prosnes und in das Waldgelände südlich des Fichtelberges vor. Oestlich der Suippes entrissen wir dem Feinde das Kampffeld der Cham- pagnescblachten zwischen Anb6rive und südöstlich von Tahure. Auf unserer Angriffsfront östlich von Reims hält der Feind seine zweite Stellung nördlich von Prosnes-Souain-Perthes. t Trotz tiefer Wolken und böigen Windes waren die Luft- streitkräfte tätig. In niedrigen Höhen griffen Flieger mit Bomben und Maschinengewehren in den Kampf auf der Erde ein. Sie schossen gestern über dem Schlachtfelde 31 feindliche Flugzeuge und 4 Fesselballone ab. Die Leutnants Loewenhardt und Menkhoff errangen ihren 36., Leutnant Bolle seinen 21. Luftsieg. Die Zahl der bisher eingebrachten Gefangenen beträgt mehr als 13 000. Heeresgruppe Herzog Albrecht. In kleinen Unternehmungen in Lothringen, in den Dogeftn und im Sundgau machten wir Gefangene. Der Erste Gencralquartiermcistcr: L u d e n d o r f f. Abendbericht. B e r l i n, 16. Juli, abends. (WB. Amtlich.) An der Mar- «efrout heftige Gegenangriffe des Feindes. Oertliche Erfolge südwestlich von Reims. Oestlich Reims ist bk Lage unverändert. < ■ \ Der Chef des Generalstabes. Das türkische Hauptquartier — = meldet: Konftrmtinopel. 15. Juli. (WB.) Amtlicher Heeresbericht. Paläfttnaftont: Im Küsbenabschnitt beschoß unsere schwere Artillerie erfolgreich den Bahnhof Rentje und nahm ein feindliches Trnvnenlager zwischen Küste und Bahn unter wirksames Feuer. Westlich des Jordans entrissen wir dem Feind in der Nacht vom 13. zum 14. Juli Teile seiner Stellungen und hielten sie gegen äußerst heftige Gegenangriffe. Der Feind erlitt hierbei schwere Verluste. Ein gleichzeitiger Angriff von unseren Kräften östlich des Jordans löste beim Feinde eine hefttge Gegenwirkung aus. Eine feindliche Kavallerie-Diviston, unter- stützt durch Panzerkrastwaoen. warf sich unseren Tvupven entgegen. Sie wurde beinahe völlig aufgerieben. R"r Trümmer der feindlichen Division konnten entkommen. Von den übrigen Fronten nichts von Bedeutung zju melden Dkl OTf intjir Angriff. Der von unseren Feinden erwartete oder vielmehr befürchtete deutsche Angriff hat. wie der gestrige Tagesbericht meldet, an den blutgetränkten Ufern der Marne und in der Champagne stattgefunden. Ob er die wirkliche große Offensive bedeutet, oder ob er einen größeren kommenden Angriff n-ur gewissermaßen markieren soll, wird die Zeit lehren. Trotzdem unsere Feinde dieses Mal den Angriff nicht unvorbereitet haben sehen können, hat die kronprinzliche Armee abermals neue Lorbeeren ihrem alten Ruhmeskranze beigefügt. Schon die große Zahl von 13 000 Gefangenen spricht für den Erfolg, die Marne wurde ln kühnem Anlauf überschritten und wenn gegnerischerseits gemeldet wird, die Amerikaner hätten unsere Truppen wieder über die Marne znrückgeworfen, so behaupten wir wohl nicht zu viel, wenn wir sagen, daß diese Behauptung in das Gebiet des Humbugs gehört. Selbst der englische Minister muß zu. geben, daß wir auf einer Brette von 36 Kilometer stellenweise bis 5 Kilometer tief tn die feindliche Front vorgestoßen find. Oestlich Reims scheint der Feind hartnäckig Stand zu halten. Zum ersten Mal werden im Tagesbericht die italienischen Truppen auf der Westftont erwähnt, es zeigt, daß das ganze feindliche Conglomerat an der dortigen Front versammelt ist. Wir sehen dem Ausgang des blutigen Ringens voll Zuversicht entgegen, der erste Tag hat schon viel verheißende Erfolge gebracht. Gleichzeitig mit der Offensive hat am Montag mittag das Bombardement von Paris mit schweren Ferngeschützen wieder begonnen. Bonar Law über die Offensive. Haag, 16. Juli. „Hollandfch Nieuwsbureäu" meldet aus London: Am Ende der heutigen Unterhaussitzung hat Bonar Law mitgeteilt, daß Lloyd George mit dem Hauptquartier telephonisch gesprochen habe, und daß dort der Beucht emgegangen sei, daß General Foch mit dem Resultat der heutigen Kämpfe vollkommen zufrieden sei. Folgendes Communiqu6 eingetroffen: Der Feind hat heute früh auf einer Front von 70 Kilo- metern östlich und westlich von Reims angegriffen. Die Stadt Reinrs selbst wurde nicht angegriffen. Westlich von Reims sind die Deutschen über ein Gebiet von 36 Kilometer Länge fei die französische Lhne gedrungen inaner D«rK- schnittstiefe von vier bis fünf Kilometer. Südlich der Marne haben die amerikanischen Truppen durch einen glänzenden Gegenangriff den Feind zurückgetrieben und ihm 1000 Gefangene abgenommen. Oestlich von Reims wurde der Feind kräftig zurückgeschlagen, was ihm ernste Verluste beigebraclsi: hat und für ihn eine vollständige Niederlage bedeutet. Reuters Sonderberichterstatter meldet noch: Zwischen Bouival und Cambläzy haben die Amerikaner Gebiet ver- loren und zwar zwischen Fozzoy und dem Fluß Sumelin, aber mittags haben sie durch einen Gegenangriff ihre Stellung wieder erobert und behalten. Die Franzosen haben verschiedene Gegenangriffe eingesetzt. « Rotterdam, 16. Juli. Die „Morning Post" meldet aus Paris: Der Kanonendonner ist in der französischen Hauptstadt deutlich hörbar. In den hoher gelegenen Stadtteilen kann man am Horizont deutlich den Feuerschein beobachten. Es herrscht in der Stadt eine musterhafte Ordnung, obwohl die Bahnhöfe und die anderen Verkehrsmittel stark bedrängt seien. Die Fern beschieß« n q tum Paris. Haag, 16. Juli. „Hollandfch Nieuwsbureäu" meldet: Reuter meldet aus Paris, daß am M o n t a g mittag das Bombardement von Paris mit schweren Ferngeschützen wieder begonnen habe. Die Auswanderung aus Paris. Zürich, 16. Juli. Der „Corriere della Sera" meldet aus Paris: Im Gemeinderat wurde am Sonntag mitgeteilt, daß die Zahl der Abwanderungen ans Paris bis zum 1. Juli 387 000 Personen beträgt. Nach den Versicherungen Fochs am 1. Juli an den Gemeinderat, er bürge für die Sicherheit und Unversehrtheit der Hauptstadt, ist die Abwanderung bis auf 26 Prozent der Abwanderung in den Monaten April und Mai zurückgegangen. Die Geheimarchive der französischen Republik sollen, wie verschiedene Blätter melden, bereits nach London und B o u r g e s übergeführt worden sein. Der Seinepräfekt soll angeordnet haben, daß Zufluchtsschützengräben im Umkreise von Paris angelegt werden. Ein Teil größe« rer Handelsunternehmungen und Fabrikationsbetriebe in Paris habe sich entschlossen, ihre Betriebe nach Mittelfrank- reich oder noch weiter südlich zu verlegen. Auch die Pariser Banken hätten schon Anstalten zur Abbeförderung ihrer- Werteinlagen getroffen. 17000 Tannen versenkt. Berlin, 16. Juli. (WTB. Amtlich.) Im Sperrgebiet des Mittelmeeres wurden durch die Tätigkeit unserer U- - Boote 4 Dampfer und ein Segler von insgesamt 17,000 Bruttoregistertonnen versenkt. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. Vor einigen Wochen schoß „U. . im Mittelmeer von drei beladenen Dampfen eines Geleitzuges zwei heraus. Der Kapitän des einen wurde gefangengenommen. Er war nur 27 Jahre alt und hatte mit seinem versenkten Dmnpfer eine volle Laungd Flugzeuge von Malta nach Milos an Bord. Der andere Dampfer war mit 4000 Tonnen Kohle und 200 Tonnen Vorräte ftir denselben Platz be- timmt. Wie der Kapitän berichtete, fielen Sonntag vorher vor Malta drei beladene Dampfer den Torpedos unserer U-Boote zum Opfer. Wenn man sich den Wert eines einzigen modernen Flugzeuges klar macht, wird man ermessen können, welche kostbare und wertvolle Ladung mit dem verengen Flugzeugdampfer unseren Feinden entzogen wurde. Inseren türkischen Bundesgenossen wird es angenehm ge-, lvesen sein, zu hören, daß sowohl ein beträchtlicher Kohlen* transport für die feindlichen Flotten wie auch ein großer Flugzeugpark durch ein deutsches U-Boot an der Verwendung verhindert wurden. Man sieht auch aus dieser Mitteilung die Entlastung der Landkriegsührung durch den Bootkrtzg. pi ,, Fliegerangriff auf Offenburg. ^ Karlsruhe, 16. IuN. Amtläch wird berichtet: Offen- borg wurde gestern nachmittag gegen 3 Uhr erneut von feindlichen Fliegern angegriffen. Durch die abgeworfenen Bomben wurden bedauerlicherweise eins Person getötet und eine schwer verletzt. Mehrere Bomben fielen auf das städtische Krankenhaus. Auch wurde sonst einiger Schaden angerichtet. Unsere Knfterfolge im Juni. Berlin, 16.. Juli. (WB.) Im Juni erzielten unser? Luftstreitkräfte im Kampf gegen einen Gegner der mit allen Mitteln di« eigene Aufklärung erzwingen und die unsere unterbinden wollte, Erfolge von besonderer Größe. Arbeitsund Erkundungsflugzeuge lösten trotz stärkster feindlicher Gegenwehr alle Aufgaben zu vollständiger Zufriedenheit von Truppe und Führung. Unsere Jagdflieger bewährten ihren Angriffsgeist ohne Niicksicht auf die Zahl der Gegner. Unsere Bombengeschwader setzten ihren Zerftörungskrieg gegen militärische Anlagen hinter der feindlichen Front fort. Besonders wirkungsvoll waren ihre Angriffe gegen die Bahnhöfe Meaux, Verberis und Staples, wo Brände und Explosionen entstanden und gegen die Flughäfen von Naray, Ochey, Viefvillers und Ycmtonville. Trotz stärkster feind- licher Gegenwirkung blieben unsere Ballonbcobachter die nie versagenden Helfer der kämpfenden Erdtruppen. Den Kampfmitteln des Heimatluftfchutzes gelang es auch in diesem Monat, die Bevölkerung des westlichen Heimat- gebietes vor schweren Verlusten durch feindliche Bomben- angriffe zu bewahren. Die Leistungen der Luftstreitkräfte finden ihren sichtbaren Ausdruck in den Abfckuß-.ab^n, die alles Bisherige weit übertrefsen 437 feindlick^ ' i]5 eu ge wurden vernichtet, davon bl'- • i 274 in unsere , >md, 250 wurden auf feindlicher Seite Absturz gebraft und völlig zerstört, 21 wurden zur Landung gezwungen. Unsere Flugabwehrgeschütze erzielten mit 92 abgeschossenen und 14 jen- serts schwer beschädigten, zur Landung gezwungenen Flug, zeugen ein.Ergebnis, das die bisherige Höchstleistung vom Monat Mai um fast die Hälfte übertrifft. Wir büßten 153 Flugzeug«, davon auf feindlicher Seite 86, und 61 Fesselballone ein. Wahrend fcn* JekcrterdMeg SerüeM, vSrfuHktzein LrlW Banditen, uns Gewalt anzutun. Alexander ist schwer krank und noch nicht wiederhergestellt. Nur durch die Geistesgegenwart des Kommissars Jakoviow und durch die Hand der Vorsehung sind wir am Leben geblieben. Der Ort, von wo aus der Brief geschrieben ist, wird geheimgehalten. Nach Berichten aus anderer Quelle beabsichtigt die Exzarin, als Nonne in ein Kloster zu gehen. Ein dkin'Ich-rillßiches Wildnis? Kopenhagen, 15. Juli. Aus Helsingfors kommen Ä^el» düngen aus Petersburg, wonach die russischen Zeitungen ernstlich die Notwendigkeit einer Durchsicht der Verträge mit den Verbandsmächten fordern und offen den Wunsch aussprechen, mit Deutschland einen Bündnisvertrag zu schließen. Tonrnd von Mendorfs Rücktritt. Wien. 18. JE (WB.) Der Kaiser hat folgender Hand, schreiben erlassen: Lieber Feldmarschall Freiherr v. Conrad! Schwer nur komrte ich mich entschließe^. Ihrer erneuten Bitte um Enthebung Folge zu gebne; klingt doch seit Jahrzehnten in met. ner Wehrmacht ruhmvoll Ihr Name. Sie habe« al» erster bahnbrechend der technischen Ausbildung moderne Wege ge- wiesen. Sie heben im Frieden als Chef de, Generalstabes unter schwierigen Verhältaissca Weitblicken- eine zeitgemäße Ausgestaltung der Armee angebahnt. Die Schaffung dieser Grundlage ermöglicht es uns. den Kampf gegen eine Welt von Feinden ehrenvoll zu bestehen. Ihre Tätigkeit wahrend des Krieges auf dem verantwortungsvollen Posten — speziell als Chef des Generalftabes — stchert Ihnen für alle Zeit ei- nen Ehrenplatz in der Geschichte. Ihre Taten voller Wert wird später erst Gemeingut aller werden. Für Ihre, durch ein Menschenaller erfolgreich und aufopferungsvoll geleistete Arbeit gebührt Ihnen für immer mein und meiner Wehrmacht und des Vaterlandes Dank Ich ernenne Sie zum Oberst aller Leibgarden und erhebe Sie in den erblichen Grafenstand Eckartsau, 16. Iulr. Karl m. p. Gleichzeitig wurden ernannt Generaloberst Erzherzog Josef xum HeeresgruppenkomMandanten und General der Küvallerie. Fürst Alois zu Schönburg-Hartenstein zum Kommandanten einer Armee Zum Gefandtenmsrb in Moskau. Don den Regisseuren der Tragödie. Berlin, 9. Juli Der von der Wolffagentur verbreitete Bericht über die Moskauer Bluttat nennt unter den Männern, die darin eine besondere Rolle spielen, in erster Linie den Na-' men Cawinkow. Dieser Sawinkow ist der Mörder des russischen Ministers Plehwes (1911). Rach dieser Mordtat wurde er verhaftet. Es gelang ihm aber, nach Paris zu entkommen, während seine Mitschuldigen, die er im Stiche liefe, - >. ..richtet wurden. Sawinkow hat dann die Geschichte dies- ;.ates in seinem Roman „Das lahme Pferd" dargestellt. C bt kaum eine Gewalttat der russischen Terroristen, an der Sawinkow nicht irgendwie organisatorisch beteiligt gewesen wäre. Sofort nach Ausbruch der russischen Revolution im März 1917 kehrte er nach Petersburg zurück und gewann dort großen Einfluß auf Kerenski. Seiner Einwirkung dürfte es zuzuschreiben sein, daß Kerenski ganz in das Lager der Entente abschwenkte. Der wei. ter genannte Kamkow ist der Führer des linken Flügels der Sozialrevolutionäre. Er war der Redner, der in der Versammlung der streikenden Eisenbahner am 1. Juli die D^ung gegen deutschen Gesandten ausstieß: Hinaus mit dem Grafen vlrrbach und der Volschewisten-Vande. Drrgebl! ' s r m u. Amstrrdam, 15. Juli. (WB.) Reuter. Die englischen Blätter vergleichen die Reden Hertlings und Georges und sagen etwa: Die allgemeine Richtung der Politik Hert- ttngs ist klar. Er erlangte gerne die Freiheit des Handels rm Osten, um seine Macht im Westen auszunützen. Er vergißt dabei, daß der Präsident Wilson und die britischen Arbeiter diesen Plan schon längst durchschaut und rundweg erklärt haben, daß dies ganz unzulässig sei. Sie lehnen es gaitz und gar ab, Belgien oder die besetzten Gebiete Frank» reichs als Pfänder anzusehen. George und Wilson haben der Welt ganz klar mitgeteilt, was wir wollen. Die letzten Reden in Berlin zeigen nur, woran Deutschland sich gern klammert, oder was es als Rückhalt feschalten will. Der Krieg wird aber nicht früher aufhören, als bis der deutsche Kanzler sagt, daß Deutschland bereit ist, für Belgien Schadenvergütung und Sühne zu leisten. Rotterdam, 15. Juli. (WB.) Laut dem „Nieuwen Notterdamschen Courant" nimmt der „Manchester Guar- dian" in Erwartung des vollständigen Wortlautes der Rede Hertlings an, daß er sich endgültig und unwiderruflich zur Rückgabe Belgiens verpflichtet habe, allerdings nicht bedingungslos. Aber der Reichskanzler biete wenigstens als Teil der allgemeinen Regelung die vollständige und unzweideutige Befreiung an. Bemerkenswert sei an der Erklärung ferner, daß sie keine Ansprüche auf dem Gebiete der Kriegsentschädigungen erhebt. DaS Wichtigste ist, daß Deutschlands Ziele in Ausdrücken dargelegt werden, die mit der Reichstagsentschließung vom letzten Jahre übereinftimm- ten. Die Veränderung des Tones seit dem Februar d. Js. liegt klar zu Tage. Sie mache den Eindruck, daß der große Angriff im Westen die Lage nicht wesentlich verändert habe. Dies sei umso bemerkenswerter nach einer politischen Krisis. die die Alldeutschen ans Ruder gebracht zu haben schien. Die Rede deute eine endgültige und wichtige Aenderung in der Haltung der deutschen Regierung an. Die beiden letzten Reden Georges hätten mehr verneinende als tatsächliche Worte über Englands Kriegsziele gebracht. Der „Manchester Guardian" meint, daß trotz aller auf eine Verände- rung hinweisenden Anzeichen die Zeit für die Diplomatie noch nicht gekommen sei, wohl aber die für eine übervölkische Arbeiterzusammenkunst. Ein Brief des Zaren. Amsterdam, 13. Juli. Die „Daily Expreß" erfährt aus Stockholm vom 11. Juli: Das Blatt „Nowoje Wjedomsti" in Petersburg veröffentlicht einen Brief des Zaren, durch den die ^ferüchte über seine Ermrdung hinereichend widerlegt werden. Es fei zwar ein Versuch gemacht worden, die Romanows zu ermorden, aber die ganze Familie hätte dem Morden entgehen können. Der Exzar schreibt: Wir haben Mangel an Büchern, die Post empfangen wir nur unter strenger Zensur. Nur di- russische Sprache ist erlaubt. Der spanische Gibraltartiinnel. Aus Madrid kommt die Nachricht, die bestätigt, daß eine königliche Verordnung den Ingenieur Mariano Nubio mit der Vorbereitung des Baues eines Tunnels unter der Straße von Gibraltar hindurch beauftragt. Der Tunnel soll an der engsten Stelle der Gibraltarstraße ausgeführt werden, bei der Tarifa beginnen und auf dem gegenüberliegenden spanisch-marokkanischen Gebiet zwischen Ceuta und Langer münden. Die Bedeutung dieses Baues liegt nicht so sehr auf wirtschaftlichem Gebiet. Obwohl Spanien wie jetzt wieder die Bemühungen des Ministers der öffentlichen Arbeiten Cambo um den marokkanischen Baumwollanbau beweisen — sehr stark auf die wirtschaftliche Nutzbarmachung Marokkos rechnet. Viel gewichtiger aber ist gerade im gegenwärtigen Augenblick die politisch Seite des Unternehmens. Der Gibraltartunnel bedeutet die end» gültige Abkehr von den Anschauungen des Grafen Romanones und der Linken, die auf einen Verzicht auf Spanisch-Marokko nach englischem Vorschläge hinauslaufen, und ist eine Festlegung auf das Programm Mau ras, dep Dkuljch-frilnMckrr Miin"kNkNlNlgliilijih. Die ersten Transporte. Berlin, 16 Juli Der deutsch-frnnzösische Gegangenenaus- taufch Hot nunmehr seinen Anfang genommen. Am 20. Juli treffen die ersten Mannschaften in Konstanz, am 27. Juli der erste Zivilgefangenentransport in Singen ein. Rach den Ab. machungen sollen monatlich 10 900 Unteroffiziere und Mannschaften und 3000 Zivilgefangen-e nach Deutschland abtransportiert werden. Danaben sollen noch 100 Offiziere in der Schweiz zurllckbehalten werden. Die Unteroffiziere und Momisthaften ! keimen durchweg nach Deutschland, während die Offiziere in Schweiz zurnlkbehalben werden, mit Ausnahme der kranken Offiziere, die ebenfalls nach Deutschland gebracht werden. Die heimkehrenden Mannschaften werden nach achttägigem Auient. ! halt in Konstanz ihrem Ersatztruppenteil überwiesen, dann er- ! halten sie unter Weiterbewilligung der vollen Löhnung einen vierwöchigen Erholungsurlaub. Rach Ablauf dieses Urlaubes werden sie. da sie an der Front nicht mehr verwendet werden dürfen, an Stelle der entlasienen französischen Kriegsgefangenen d-er heimischen Kriegswirtschaft zugeführt werden. Änv starke aktive Marokkopolitik will. Angesichts der una§» lässigen Bemühungen Frankreichs, während des Krieges noch zu d-m übrigen Marokko auch Langer widerrechtlich an sich zu reißen, und angesichts der sehr verdächtigen amerikanische, Ausdehnungsgelüste, die über die Azoren bereits nach d«, nordwestafrikanischen Küste hinübergreifend bekundet Spanien mit dem Bau des Gibraltartunnels die feste Absicht, sich seine alten geschichtlichen Rechte in Marokko nicA nehmen zu lassen. Die Verstärkung der spanischen Wehr- luacht war bereits die bedeutsame Einleitung dieser Politik. Vom deutschen Standpunkt aus ist jeder Entschluß Spanienseinen Einfluß in der ihm unterstehenden marokkanischen Zone auszubauen und zu stärken, durchaus zu begrüßen. Die spanischen Marokkointeressen stehen den deutschen nicht entgegen, und Spanien hat außerdem während des Krieges bewiesen, daß es die französisch Deutschenhetze in Marokko nicht mitmachen will. Es hat trotz aller Ententewühlereien die in seiner Zone ansässigen deutschen Kaufleute durchaus loyal behandelt und ihrer geschäftigen Betätigung keinerlei Hindernisse in den Weg gelegt. Wie franhrridj die kleinen WsvWer hehandett. Man schreibt uns von per Westfront: Kürzlich wurden aus der Schar der farbigen Bundesgenossen unserer Gegner wieder eine Anzahl Anamiten gefangen. Der Aelteste, ein intelligenter, sympathischer Mann, der ganz leidlich französisch sprach, schilderte die seelischen Leiden, die er und seine Stammesgenossen ertragen müßten. — Tag und Nacht sehnten sie sich nach ihrer Heimat Anmn, die „so sehr weit entfernt" sei. Sie sehnten sich nach ihren Angehörigen, sehnten sich nach Eltern, Franen und Kindern. Sie alle seien fried- lich gesinnte Menschen und liebten Frankreich nicht. Im Gegenteil — sie haßten Frankreich! Sie wüßten nicht, wofür sie kämpften, die Sache der Entente sei ihnen gleichgültiger als irgend etwas, aber trotzdem würden seit Kriegsbeginn die Männer in Anam rücksichtslos ausgehoben. In seinem Dorf ständen etwa dreiviertel aller jungen Leut* unter den Fahnen. Und Frankreich zwinge diese Kinder eines kleinen Landes, die gegen ihren Willen zum Heeresdienst gepreßt würden, ein Papier zu unterschreiben, de- Jnhalts, daß der Unterzeichnete „freiwillig" in ftanzösische Dienste trete! Im Mittelmeer seien viele seiner Kameraden den Tauchbooten zum Opfer gefallen und ein Fraß der Fische geworden. Wer schließlich den Boden Frankreichs betrete, werde sehr hart und unwürdig behandelt. Diele unter ihnen seien Buddhisten, aber kein Franzose kümmere sich je um 0 ihr religiöses Leben. Das alles müßten sie erleiden, und trotzdem seien sie für die Franzosen nur Menschen zweiten NangeS, man verachte sie und heiße sie spöttisch „Wilde", „sauvages". Zum Schluß sagte der Jndochinese: Ihr heißer Wunsch sei, ihr Heimatland von diesem verhaßte« eitlen Volke der Franzosen befreien zu können! — Der Mann, der da für sich und seine Kameraden sprach, ist 38 Jahre alt und steht nun seit 14 Jahren in frar^ösischen Diensten. Um so schwerer wiegt seine Anklage. Er hat r» langen Jahren die ftanzösische Auffassung von de« „Menschenrechten" kennen gelernt und erfahren, wie Frank- reich auftritt, wo es die Macht besitzt. Frankreich, das tag» lich vor aller Welt beteuert, es kämpfe und opfere sich für die Freiheit der kleinen Völker!" Mn weißer Duke. In Frankreich ist ein Buch von Maurice Wallens erschienen» das die Erinnerungen des Verfassers an Jahre deutscher Kriegsgefangenschaft enthält Die Widmung dieser Schrift lautet: Meinem Bruder, dem württembergtschen Soldaten, dessen Namen ich nicht kenne, der am 30- Dezember 1914 im Borde la Euerio, indem er voll Edelmut von seinem tödlichen Beginnen abließ, mir das Leben rettete; dem Freunde Leonhartz Helm, der im Kriegsgefangenenlager Darmstadt mich rvie ei» guter Vater pflegte, und den Kameraden Erhardt, Albert Riefer und Karl Vussinger, die mit mir wie Menschen spra. chen, ungerechnet die manchen anderen, deren Namen ich nicht kenne: ihnen widme ich in Herzlichkeit diese Zeilen. Es ist erfreulich, daß es auch in Frankreich ehrliche und aufrichtige Menschen gibt, die in den Deutschen keine Bestien, sondern ihre Brüder sehen und es ist Hoffnung vorhanden, daß auch die Hochflut des Hasses nach dem Kriege wieder weichen wird. Aber noch sind wir nicht so weit und Maurice Wallens ist heute noch ein weißer Rabe in Frankreich. Amerikanische Kulturträger. Amsterdam, 13. Juli, Zur gleichen Zeit, in der dis amerikanischen Zeitungen angefüllt sind von ungeheuren Schauergeschichten, so daß man glauben könnte, die Deutschen hätten an der Front nichts weiter zu tun. als amerikanische Hospitäler zu bombardieren, amerikanische Verwundete zu erschießen, gefangene Amerikaner zu kreuzigen und wohlgezielte Fliegerbomben auf Säuglinge zu werfen, läßt sich die New Yorker „World" vom 3. Juni kommentarlos folgende Geschichte aus Huntsville (Texas) melden: Der Neger Cabineß wurde vor einigen Tagen erschossen, als er Offizieren Widerstand leistete, die ihn verhaften wollten» weil er ein Dienstverweigerer war und einen gewissen A. P. W. Allen mit einem Gewehr bedroht hatte. Einer der Söhne des Negers wurde darauf in der Nähe von AllenS Hause, wo er sich in der folgenden Nacht mit einem Gewehr herumftieb, angesessen und schwer verwundet. Seine Der«, wandten schleppten ihn nach seinem HauS. Kurz nach Tagesanbruch umzingelte am nächsten Morgen ern^Hauft Bürger das Haus der Cabineß, von wo sie mit Salven aus Gewehren begrüßt wurden. Di- Bürger schoss-n aus daN HauS. bis es in Brand geriet. AIS die Flcnnmen zum HauM. HlnauKschlugerr, begann die Mutter ihre vier getöteten SÄH'nS in den Hof zu schleppen, wo sie dann gleichfalls LiLer den Kaufen geschossen wurde. Die Neger feuerten fast 200 Schuß ober trotzdem wurde keiner der Weißen verwundet. Getreideansdrujch 1918. Das Kriegswirtschaftsamt Frankfutt a. M. gibt bekannt: Im Nachgang zu dem Ruirdschreiben vom 16. Mat 1618 Tgb. Nr. 3538 betreffend GetreidsausdrAsch — Frühdrusch — wird noch folgendes mitgctilt: Treibriemen. Während der diesjährigen Dvufch- periode wird beim Kriegswittschaftsamt eine mäßige Riemenreserve bereit Fehalten, auf bet vorkommondem Bedarf in dringenden Fällen zurir- werden karrn. Die Abgabe der Riemen bei der diesseitigen Stelle erfolgt gegen Barzah. lung und gegen Vorlage einer von der Kriegswirtschaftsstelle ansgestellten Dringlichkeitsbescheinigung. Druschkolonnen. Die auf Grund des eingangs erwähnten Rundschreibens angeforderten Druschkolonnen sind be- veitgestellt. Der Abruf der Mannschaften hat durch die Kriegs- * wirtschastsstellen beim Kriegswirtschaftsamt mindestens 48 Stunden vor Beginn der Arbeit unter Angabe des Beginns und Orts der Tätigkeit, unter Abgabe einer Erklärung darüber zu erfolgen, daß die Verpflegung für die Mannschaften sichergestellt ist. Dabei wird besonders daraus hingewiesen, daß Anforderungen über die Zahl des seinerzeit gemeldeten Bedarfs nicht entsprochen werden kann. Die Kommandos werden erstmals bis zum 1L 3. 18 gestellt und muffen, wenn inzwischen nicht eine andere Vereinbarung getroffen wird, zu diesem Zeitpunkt zu ihrem Truppenteil zurückkehren. Jedes Kommando erhalt euren Führer, dem von der Ortsbehörde Ankunft und ! Abmarsch des Kommandos zu bescheinigen ist. Verpflegung und Entlohnung der Kolonnen hat nach den Grundsätzen vom 10. 8 17 zu erfolgen, wonach jedem Kommandierten neben freier Unterkunft und Verpflegung, eine geldlich« Entschädigung — auch Sonntags — von Mk. 1.— zu gewähren ist. Zur Hebung der Arbeitsfroudigkert der Kommandos wird empfohlen den Kommandierten unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Ver- dienftmöglichkeiten für jeden Arbeitstag eine Zulage von M. 3 »nd an Sonntagen eine solche von Mk. 1.— zu bewilligen. Me Im vergangenen Jahr können bei Mangel an Derpflegungs- mittel solche gegen Bezahlung bei den zuständigen militärischen Lebensmittelämtern durch die Gemeindebehörde angefordett werden. Für die einzelnen Kreise sind zuständig: Lebensmittelamt Hanau: Frankfurt o. M., Hanau-Stadt, Offenbach a. M. Lebensmittelamt Mesbaden: Reg. Wiesbaden mit Aus. nähme Frankfrrrt a. M. Lebensmittelamt Darmstadt: Provinz Starkenburg mit Ausnahme OfferGach a. 2JL Lebensmittelamt Mainz: Rheinheffea Reg. Eoblenz. Lebensmittelamt Bad Orb: Oberhessen. Schlüchtern, Geln. Hausen, Görsfeld, Hanau-Land. Drufchhilfe durch Gefangene. Infolge des «ißeror deutlichen Mangels an Arbeitskräften im Allgemeinen, müssen die Kriegsgefangenen in verstärktem Matze zur Drusch. Hilfe herangezogen werden, am zweckmäßigsten wohl tn der Weise, datz wechselweise von den einzelnen Landwirten Ge- fangen« zu einer bildenden Druschkolonne zusammengestellt wer- den. Im übrig'M wird auf das Rundschreiben der Inspektion der Kriegsgefangenenlager rom 1. Juli d. I. verwiesen. Pferde. Der gemeldete Bedarf an Gespanntieren steht bereit. Der Abruf durch die Kriegswirtschaftsstellen hat so zeitig beim Kriegswtttschaftsamt zu erfolgen» daß ordnungsmäßig rechtzeitige Erstellung durch die Truppenteile veranlaßt werden kann. Für die Benutzung der Pferde gelten ebenfalls die Bestimmungen vom 10. 9. 17. Lastkraftwagen. Die angeforderten und etwa noch benötigten Lastkraftwagen sind bei dem Hauptmann der Kraft, fahrttnppen, Mainzerlandstraße 47. unmittelbar abzurufen. Da über die zur Verfügung stehenden Wagen schon auf Tage oft auf Wochen im Voraus verfügt ist. muh der Abruf mindestens 1 Woche vor Beginn der Tätigkeit erfolgen. Ein Abdruck der allgemeinen Bedingungen für die Gestellung von Lastkraftwagen ist beigefügt. Haftpflicht der Beschäftigung von Mann- schalten und Pferden. Gemäß kriegsmimsterieller Verfügung vom 10. S. 17 und 15. 6. 18 liegt den Zioiloerwaltungs- r^^^ ^erpflrchtun« ob, bei Beschädigungen der Mann- schafteir, dre durch Verschulden des Arbeitgebers herbeigeführt Erstellung * u übernehmen, ^mindestens der Im vcm 31. Mai 1901 bczw. der im '^^^vterbliebenengesetz vom 17. Mai 1907 vorgesehe- fntFpn v 4t StrTlei ^ben nach den vorbe^ich- bl€ Zioilverwaltungsbehörden die Haft- ^ m dkerde gemäß § 833 B. E. B. sowie die Kosten Ent^'b^^oder Beschädigung von Pferden zu tragen, falls der Entlecher ein Verschulden vorsätzlich oder fahrlässig herbeige- ^nach den Zivilverwaltuugs- ^ nehmen. « s 5rriegswirt chaftsamt berslt, eine Kollektivversicher ui«r für den gan-^n Geschäftsbereich abzuschließen und di- Kosten an! teilrg auf alle Kriegswirtschaftsstellon umznlegen Hessen mit rund 173# Milk. Mark. Darmstadt mtt 61 Millio. näven und 1211 Millionen Mark Vermögen steht cm der Spitze, es folgt Mainz mit 55 und 100 MM. Mark. Die Zahlen bewifen wieder einmal, daß sich das Großkapt- tat im Kriege recht wohl und munter fühlt. Auf der eine« Seite Blut, Jammer und Elend und auf der anderen Seite Wachstum und Milliorrengewi nne k V»m Felde der Ehre. Ein brdenklichrs Zeichen. s Das ungeheure Wachsen der Vermöge« zeigt am Klarsten nach den Mitteilungen der Landesstatistik di« Festsiellung. daß die Zahl der M llürnäre im Großherzogtum Hessen von 265 Ww 668# Mill. Mark von 1914 auf 309 mit über 783# Mill. Mark veranlagtes Steu-erkcrpital gewachsen ist. Die meisten Mrütonare hat die Provinz Starkenburg mit 162 SteuerpfUch. "Seu, di« nahezu 372 Mill. Mark versteuern, es folgt Rhein- Bingenheim. Musketier Otto Bauer, Sohn des Landwirts Iohs. Wilh. Bauer, erhielt wogen tapferen Verhaltens vor dem Feinde die Hessische Tapferkeilsmedaille und das Eiserne Kreuz zweiter Klaffe. Herzlichen Glückwunsch! Ans der Heimat. Friedberg. 17. Juli. Die Gold- und Silberankaufsstelle. Schützenrain 5, ist am Freitag, den 19. Juli von 3—5 Uhr geöffnet. Friedberg. Das Aehrenlesen. D^s Kreisamt gibt bekannt, daß mit dem Aehrenlesen nicht eher begonnen werden darf, bis das Grundstück völlig abgoerntet, d. h. bis der Besitzer das geerntete Getreide, sowie das Rechsel wegg bracht hat. Das aus dem Aehrenlesen gewonnene Getreide ist zu guvsien des Kommunalverbandes beschlagnahmt, da f also nicht in der eigenen Wirtschoft verwendet werden, es ist vielmehr an den beauftragten Händler gegen Bezahlung abzn- liefern. Zuwiderhandlungen sollen unnach sichtlich gestraft werden. Festsetzung und Auszahlung der Preise für Brotgetreide, (Äerste und Hafer. Der Abg. Fenchel hatte beantragt, daß mtt Rücksicht auf die in vielen Gemeinden erst nach dem 1. März L I. vorgenommene Nachschau für sämtliches Ge- treibe, welches nach dem 1. März 1918 noch abgeliefert wurde, entgegen der Verfügung der Reichsgetreidestelle der vor dem 1. März gültige Höchstpreis bezahlt werden möge. Tie Großh. Regierung erklärte, diesen Antrag der Reichsgetreidestelle gegenüber nicht vertreten zu können, da die ein« schlägige Verfügung der letzteren zur Ueberwindung der drohenden Ernährungsschwierigkeiten dringend notwendig und daher durchaus berechtigt war. Dagegen kann zugegeben werden, daß in den Fällen, welche Abg. Fenchel bei Stellung seines Antrags im Auge hatte, die nach dem 1. März eingetteten« Preissenkung eine Härte bedeutet. Abg. Fenchel änderte hierauf seinen Anttag ab wie folgt: „Hohe Kammer wolle beschließen, daß in d«n Kommunal- verbänden, in denen die Nachschau nicht bereits im Februar d. $ß. abgeschlossen war, für sämtliches Getreide, das nach dem 1. März 1918 noch abgeliefert wurde, der vor dem 1. März 1918 gültige Höchstpreis nachbezahlt wird." Der Ausschuß beantragt einstimmig: Annahme dieses Antrags. Dilbel, 15. Juli. Vor der Straftammer in Gießen hatte sich am Freitag der Rechtsanwalt Otto Hepl von Vilbel weg«« Untreue zu verantworten. Er ist beschuldigt, eine Summe von 875 Mark, die er für die Gemeinde Niedererlenbach in Verwaltung hatte, unterschlagen und für sich verwendet z« haben. Im Vorverfahren hat der Angeklagte seine Schuld bestritten, er gab an, die Summe in seinem Schreibtisch« aufbewabtt zu habe«, das Geld sei ihm aber entwendet worden. H. war zum Heere eingezogen: als nun die Gemeinde die Herausgabe des Geldes forderte — es handelte sich um Armengelder — machte er aller- Hand Ausflüchte, um die Sache hinauszuziehen. Nachdem ihm der Vorsitzende das Unwahrscheinliche seiner früheren Angabe vorgehalten und eindringlich ermahnt halte, doch der Wahrheit die Ehre zu geben, bequömte er sich zu dem Geständnis, daß er das Geld für sich verbraucht, also veruntteut habe. Angesichts d«s Geständnisses lieh das Gericht Milde walten und erkannte nach dem Anträge des Staatsanwaltes auf 6 Wochen Eefäng. ni». AuS Starkenburg. Darmstadt. 15. Juli. Die etwa 22 Jahre alte Elisabeth Leißler von hier, die Tochter braver Eltern, fand von der elterlichen Wohnung aus Gefallen an einem Franzosen, der in ei- nem gegenüberliegenden Bettieb arbeitete. Sie brachte es mit Weiberfchlauheit fertig sich mit ihm zu verständigen, verschaffte ihm Zivilkleider und machte eine mehrtägige Vergnügungsreise mit ihm, auch in der Absicht, ihm die Flucht zu erleichtern. Da sie bisher einen guten Ruf genoß, wird sie vom Schöffengericht unter Zubilligung mildernder Umstände zu 5 Wochen Gefängnis verurteilt. Der Vertteter der Anklage hatte sieben Monate beantragt. Zwei Freundinnen, welch- bas Treiben der L. unter- stützten, erhielten Geldstrafen von 50 und 00 Mark. Darmstadt, 15. Juli Bedeutende Unterschlagungen zum Nachteil der Firma Gebrüder Rocder, Herdsabrik und Eisengießerei, hat sich der schon ein« Reihe von Jahren, zuletzt als Lohnbuchhalter dasselbst tätige K. Scheidt dahier, zu schulde« kommen laffen und wurde daher heute früh festgenommen und t« das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Nachdem es ihm in der letzten Zeit in Anbetracht der Höhe der Unterschreite nicht mehr möglich war, die Fälschungen und Betrügereien zu verdecken, blieb er ans dem Geschäft weg und zeigte sich selbst bei der Staatsanwaltschaft an. Er gibt zu. daß er ungefähr 45 000 Mark unterschlagen und zum grüßten Teil für sich verwendet hat. Einen Teil, etnnr 12 000 Mk.. soll die Frau als. bald bei der Firma gedeckt haben. Angeblich hat er den groß ten Teil der Unterschlagungen an Kriegsspckulationen veilore«. Er lebte dabei aber recht flott, bewohnte ein hübsches Anwesen in der Eberslädtcr Villenkolonie. — 30 Jahr« ohne Mietsteßie- rung wrhgt nunmehr der Schneider K. Dörne bei Herrn Metzgermeister M. L. Zimmer. Gr Ochsengaffe dahier. In Anbe- Iraclit der heutigen Verhältnisse ein ehrenvolles Zeichen für beide Teile. Aus dem Nodgaa. 15. Juli. Ein charakteristisches Bild der Verwahrlosung unserer männlichen Jugend in ihrem Verhalte« f bem »'^eren schlecht fort di« heutige Strajkainmerverhand. dun« gegen -im- Ai^hl junger, kaum 1« Jahr« alter Burlch-» cnu, Tppertshimjsn. hm-lejen. Sie haben im Frühjahr au, am Wege nach Münster zwei harmlose junge Mädchen, die fried. ttch ihres AZeges gingen, in rohester unld gemeinster W-is, /in« Stunde lang drangsaliert und gepeinigt, ihnen da. bei die Kleider »errlhen, Schmucksachen abgerissen und unter Anwendung aller mdglichen Gewaltmittel ihrem WMen geneig, zu machen versucht, erreichten aber chr« Absicht nicht. Dr>rch Hingukammen von Bewohnern konnten die gepeinigten Mädche, ans ch^r Not befreit weiden. Bor dem Schöffengericht hotte- die.Nohlinge mir gering« Eeldstrofen erhalten, die Staatsan. wallsch-ft hatte aber Berufung versolgt und wurden heute vei. N t und Ad. Heilmann »u je vier Monaten. V. Schneider. V. Müller. F. Becker. Peter Euler und Ad. Mül. J* ™ C L™°1i! ten . ®' fänflni5 Swffentlid) wird ihnen da. mit ihre Wohllust für einige Zeit gekühlt weiden. Aus Rheinheffen. Mainz, 11. Juli. (Unterschlagung städtischer Ge l d er.) Der ber der Hafen- uird Lagerhausverwvltung attge Haftnemnehmer Hugo Kirchheim wurde wegen Unterschlagung größerer Summen städtischer Gelder in Haft genommen. Die Unterschlagungen belaufe« sich nach , der „Mainzer Volksztg." auf 28 000 Mark. Bei Kirächeim, > der sich in Untersuchungshaft befindet, wurden für 20 000 i Mark Kriegsanleihe und außerdem 2000 Mark in bar beschlagnahmt, so daß der Stadt nur ein Schaden von 6000 Mark entstehen dürfte. Kirckcheim ist 43 Jahre alt und bezog 6m Gehalt von über 4000 Mark. Maipz, 14. Juli. Das vor einigen Jahren mit Auf- wand von vielen Millionen erbaute von Waldthausensche Schloß auf dem Lenneberg bei Mainz steht mit den um- liegenden Waldungen zum freiwilligen Verkauf. Das Schloß ist unbewohnt. Die Erbauung, die mit der Entziehung großer seither der Allgemeinheit zugänglicher Waldstrecken, den einzigen in der Nähe von Mainz, verbunden war, hat seinerzeit in der Mainzer Bevölkerung großen Unwillen hervorgerufen. Es wird nun vorgeschlagen. Schloß und Wald für ein Soldatenheim nutzbar zu machen. l" 0. Worms, 11, Juli. Vergangene Nacht wurde aus einem verfchloffenen Stall ei« Schwein gestohlen und an Ort und Stelle abgeschlachte-t. Don den Tätern ist noch nichts bekannt. CF. Worms, 14. Juli. Ein Gänsesegen wird sich demnächst über die Orte der nahen Pfalz ergieße«. So wird der Kom. munQlverband in Pirmasens im Juli und August 3000 Mager- gänfe erhalten. Das Stück stellt sich im Juli auf 21 Mark, im August amf 23 Mark Die Tiere tteffen in Waggonladungen ein, — In einem Garten bet Altenglan wurde die Leiche eines Knaben gefunden, die gänzlich ohne Kleider war. Verschiedene Verletzungen deuten auf einen gewaltsamen Tod hin. Sie wurde als die des 12jahrigen Knaben Korb aus Rammelsbachs der kdiottfch veranlagt war, feftgestellt. FC. Erbenhei», n IM Ei« 43jähriger vermögender Landwirt wurde hier dabei erwischt, als er an Kindern un- züchtige Handlungen oornahm. Er kam in Untersuchungshaft, woselbst er sich nun erhängt hat. TO. Aus Rheiuhes,.^ UL >tL Als ein« Nachprüfung der Geflüff«,bestand« stattfind«, sollt«, oerstcckt« «in Landwirt in Gau-Algeshelm acht Hüforer tn einrn Sack, d«n er dann in ein« Kiste einfchloh. Als di« Kontrolle vorüber war. holt« er de» Sack hervor, dt« Hühner waven inzwischen erstickt. A»S Heffev-Nassau. FC. Hattenheim, 14. Juli. Gestern waren 50 Jahre ver- stoffen, seitdem der Vorarbeiter Andreas Berg dahier ün land- wirtschaftlichen Bettieb« des Langwerth von Simmernfchen Ver» waltung steht. kamberg. Die hiesige Gemeinde hat für ihre Einwohner 200 Stück junge Gänse eingekaust. die vorläufig noch in der Obhut der Stadt gehalten und von ihr ge- rnttert werden. Bei Sonntagsspaziergängen gehen die Burger nach dem Gänsepferch und freuen sich über die zu- nehmende Entwicklung der Tiere, die bereits recht stattlich herangewachsen sind. Damit aber die Freude auf einen leckeren Marfinsvogel nicht etwa durch Spitzbuben zu Wasser wird, ist man auf die schlaue Idee gekommen, die Ganse während der Nacht in eine Einfriedigung zu tteiben, deren Drahtzaun von dem Elekttizitätswerk aus mit Starkstrom geladen wird. FC. Camberg, 11. Juli. Ruchlose Hände haben i« dem Garten eines hiesigen Einwohners 150 Krautpstanzen, Dohne« und Gurken ausgettffen. Von dem Täter fehlt bis jetzt jede Spur. FC. Kiedrich, 14. Juki. Wegen Schleichhandel ins Gefän^ nis. Der Arbeiter Jakob Röhrig von hier war unlängst im llntertaumkskreis von der Gendarmerie bettoffen worden, als er einen Schinken, einen Butterweck und Eier, die er im Unter- taunns aufgekauft hatte, aus dem Kreis ausführen wollte. Das Schöffengericht Lavgenfchrvalbach verurteilte den Angeklagten wegen gewerbsmäßigen Schleichhandels zu einer Gefängnisstrafe von drei Tagen und 15 Mark Geldstrafe. FC. Weilborg. 14. Juli. Gymnasiallehrer cl D. Rückel beging seinen 80. Geburtstag. FC. Limburg, iv. Avst. Im September v. I. wurden bei der Station Willmenrod infolge eines Eisenbahnunglückes mehrere Personen gelötet und verletzt. Wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung hatten sich vor d-r hiesigen Straftammer der Lokcmotivfuhrer Horn, der Zugführer Isak, beide von Al- tenkirri>en, ber Hilfsschaffner Müller von Gieleroth und der Werkführer Born von Altenkirchen zu verantworten. Horn erhielt drei Monate, Isak «un Monade, Müller mib Born je 6 Monate Gefängnis. FC. Bo» der Vah», 11 . Iulll Die Mäuseplage macht sich' in bedrohlichem Umfange bemerkbar, vor allem werden die Ge. miisepslanzeu. sowie die Kartoffel» von de» Schädlinge« be. fallen. Wm me krdi Liebe Leid geschah. • Roman von Courths-Mahker. 5 -) Nachdruck verböte» Ich komrte mir das alles nicht erklären. Aber ich wagte auch nicht, zu fragen und zu forschen, warum Du Dich nicht mit Helene verheiratet hattest. Es kam ein seltsames Gefühl über mich, eine Angst, ich könnte Helene zu viel geglaubt haben. Über dann holte ich den Brief hervor, den Helene mir gegeben hatte, — und der sagte mir, daß ich recht getan Der Verdacht, Helene könnte ein frevles Spiel mit mir getrieben haben, kam mir nicht. Aber es keimte doch ein unbestimmtes leises Mißtrauen in mir. Dann starb mein Mann — er starb sehr fung, nach wenigen Jahren. Ich betrauerte ihn herzlich, war er doch der Vater meines Kindes und mein bester, treuester Freund. Als ich die Trauer verwunden hatte, kamen mir wieder die zweifelnden Fragen, warum Du Helene nicht geheiratet hattest, nachdem ich Dir den Weg zu ihr freigemacht hatte. Und schließlich konnte ich nicht anders — ich schrieb an Dich — fragte Dich, warum Du unoermählt geblieben warst und ob Du mir noch zürntest wegen meiner vermeintlichen Untreue. Der Brief kam uneröffnet zurück, ebenso mehrere andere, die ich im Lauf der letzten Jahre schrieb. Aber endlich« war doch einer in Deine Hände gelangt — der letzte, den ich schrieb. Als ich auch darauf keine Antwort, kein Wort des Berzeihens erhielt, gab ich es auf. Ich nahm an, daß Du mir unversöhnlich grolltest, und fügte mich herein. Aber diese Deichte schrieb ich nun nieder für Dich, in der Hoffnung, daß Du sie lesen würdest, wenn ich nicht mehr am Leben bin. » So gingen die Jahre hin. Meine Tochter wuchs heran, und eines Tages erzählte ich ihr die Geschichte meines verlorenen Glückes. Cie war es, die das leise, unruhige Mißtrauen in meiner Seele zu starkem Verdacht anfachte. „Weißt du denn, ob deine Kusine Helene, die dich doch sicher haßte, nicht ein falsches Spiel mit dir trieb?" fragte sie mich. Ich zeigte ihr Deinen Brief an Helene. Sie paßte die Stücke zusammen und las. Und als sie zu Ende war, fragte sie mich: „Wer beweist dir denn, daß dieser Brief an Helene geschrie- ben war — und wer sagt dir, in welcher Zeit er geschrieben wurde? Er trägt ja kern Datum." Ich sah sie erschrocken an. „Helene sagte es mir doch selbst, daß Heinz ihr diesen Brief gegeben hat. Und daß er nach unserer Verlobung erst geschrieben wurde, beweist der Hinweis auf den Verlobungsving." Meine Tochter schüttelte den Kopf. „Gut — das Datum könnte festgestellt werden durch diesen Hinweis: aber nichts beweist, daß der Brief an Helene gerichtet war. Wenn nun dieser Brief nicht an dich gerichtet gewesen wäre? — Wenn er durch einen Zufall in Helenens Hände kam? Hast du ihn daraufhin einmal durchgelesen?" Ich tastete nach dem Brief und las ihn unter diesem veränderten Gesichtspunkt durch. Es rüttelte an mir wie ein Sturm — aber ich wies diese Möglichkeit in dumpfer Angst von mir. Das konnte ja nicht fein. Aber meine Tochter drang weiter in mich. „Bedenke doch, wenn dein Detter Helene geliebt hätte, dann hätte er sie doch sicher geheiratet, nachdem du Ihn doch freigegeben hattest." siw» watb tum Uttae Xodfitt gab »de s» bedenke». -k> es »icht möglich gewefe» fei» Vaste, daß Helene sich den Brief auf ander« Art verschalt hatte, »m ihn b enu tz en , «n Dich «ad mich zu entzweie». ^ Ich war wie im Fieber. „Darm mag mir Gott Hölsen, de«» dann hätte ich durch meine Leichtgläubigkeit mich selbst and Heinz unglücklich gemacht," sagte ich voll Unruhe. Ich wurde krank vor Erregung mrd meine Tochter suchte mich zu beruhigen. Aber die Zweifel saßen nun fest in meiner Seele. Ich las den durchge-risienen Brief wieder und wieder, und wenn ich mich nicht so elend und krank gefühlt hätte, wäre ich nach Deutschland gereist, wäre nach Birkenheim gekommen, um mir Gewißheit zu schaffen, ob ich in der qualvollen Zerrissenhat meiner Seele damals Dein und mein Gluck selbst vernichtet hatte. Eine ruhige Stunde hatte ich seitdem nicht mehr. Ich fürchte auch, ich werde nie eine Antwort auf diese Frage bttommeir. Und nur einen brennenden Wunsch habe ich noch — daß du diese meine Auszeichnungen nach meinem Tod erhalten mögest. Ich weiß noch nicht, wie ich sie in Deine Hände gelangen lasten soll. Erhältst Du sie aber eines Tages, fallen Deine Augen auf diese Zeilen, dann wirst Du wenigstens wissen, wie es kam, daß ich von Dir ging und wirst mir verzeihen, um meiner Schmer, zen willen, wenn ich wirklich in meiner Leichtgläubigkeit Dein und mein Glück zerstört haben sollte. Wer löst mir diese quälende Frage?" — Christa machte eine Pause. Sie sah auf HeitH von Birken- heim, der wie zu Stein erstarrt dasaß, die Stirn in die Hand gestützt. Nach einer Weile sagte sie leise: „Nun kommt noch ein kurzer Nachtrag zu diesen Worten ,den Maria von Platen zwei Tage vor ihrem Tod goschrieben hat. Er lautet: „Mein geliebter Heinz! Nun weiß ich es — wir waren die armen Opfer eines verbrecherischen, ränkevollen Weibes. Meine Unruhe war so groß geworden, daß ich Tag und Nacht keinen Frieden fand. Und da hörte ich von Bekannten, daß Graf Rudolf Steinau sich in Stockholm aufhielt. Ich wußte, er war einst Dem tteuester Freund, und ich schrieb ihm, bat ihn, zu mir zu kommen. Er kam, und ich konnte ihn fragen nach Deinem Ergehen. Er sagte mir, daß er noch in bester Verbindung mlt Dir sei. Und von ihm vernahm ich alles, was ich wisten wollte. Er erzählte mir auf meine Bitte, daß meine Unttoue — meine Untreue? Vater im Himmel? — Dir das Leben verbittert, Dich zu einem freudlosen Mann gemacht hatte. Und daß Du mich -mich allein geliebt hast, so geliebt, daß Du keine andere Frau an Deiner Seite dulden konntest. Weißt Du, mein Heinz, wie es da in meiner Seele aussah? Von Graf Steinau erfuhr ich auch, daß Helene Dir damals genau so in den Ohren lag wie mir. Sie hat Dir gesagt, ich liebe Platen urrd hätte Deine Händ nur angenommen, weil Du der reichste Besitzer von, Dir- kenheim warst. Ich zeigte Graf Steinau den Brief, den Helene mir als Beweis gegeben hatte. Er versicherte mir. Du habest ganz sicher niemals solch einen Brief an Helene geschrieben, dieser Brief lönnte nur an mich gerichtet gewesen sein, denn «ie hättest Du eine andere Frau geliebt, als mich. Das wisse er als Dein verttautester Freund aus Deinem eigenen Mund. Heinz — lieber Heinz — weißt Du noch, wie grausam man sich an uns versündigt hat? Ich könnte blutige Tränen weinen. BÄhvead ich qualvolle Schmerzen litt unter dem Bewußtsein, daß Du Helene liebtest, quältest Du Dich mit dem Gedanken, daß ich «icht Dich, sondern Fritz von Platen liebte. So entfremdeten wir uns und verzweifelten aneinander — und hatte« uns doch fo lieb, daß wir freudig für einander gestorben wären. Graf Steinau behauptete auch. Du habest nie einen Brief von mir in die Hände bekommen, sonst hättest Du ihn nicht zu- rückgehen lassen. Du seiest weit davon entfernt, mir unversöhnlich zu grollen, wenn Dir auch meine vermeintliche Untreue all« Lebensfreude zerstört hatte. Was er mir noch gesagt hat von seinen Vermutungen, wes. halb Helene wohl so schlecht an uns gehandelt hat. das will ich nicht weiter berühren. Ich stehe am Rand des Grabes und will meine Seele nicht noch mtt Haß und Verachtung füllen. Gott möge ihr verzeihen, was sie an uns gesündigt hat. Ich will es auch tun, wen es mir auch schwer, sehr schwer fällt. Ich habe nun wenigstens die Eewißhett, daß Du diese Aufzeichnungen erhalten wirst. Mit der Post will ich sie Dir nicht senden, sonst könnten sie doch wieder in falsche Hände kommen. Ich will sie Dir in die Hände legen lassen von meiner Tochter, die mir geschworen hat, daß sie Dtt diese Blätter selbst überbringen wird nach meinem Tod. Graf Steinau erzählte mir von Deinem Augenleiden. Es ist wohl schuld, daß meine Briefe nicht zu Dir drangen. Cie kamen sicher in die Hände, die einst unser Glück zerstörten. Graf Steinau war erschüttert und fassungslos, als ich ihm alles gebeichtet hatte, und er hat mir sein Wort gegeben, daß er dafür Sorge tragen wird, daß meine Botschaft Dich erreicht, daß meine Tochter vor Dein Angesicht kommen wird. Das macht mir das Sterben leicht, mein lieber Heinz. Ich weiß nun, daß der Tag kommen wird, der alles forträumt, was zwischen uns stand, And wenn ich dann auch nicht mehr am Leben bin, so wird mir doch die Erde leicht fein. Ich weiß nun, daß Du meiner ohne Groll in stiller Wehmut gedenken wirst. Und wenn ein letzter Wunsch von mir den Weg zu Deinem Herzen findet, so nimm meine Tochter freundlich bei Dir aus. Gestatte ihr, Dir das Leben etwas leichter und schöner zu gestalten. Sie weiß, was Du mir warst, weiß, was ich Dir in meiner Leichtgläubigkeit angetan habe und wird versuchen, an Dir gutzumachen, soviel in ihren Kräften steht, da sie es für mich in meinem Namen tut. Graf Steinau wird einen Weg finden, der sie, trotz der scharfen, wachsamen Augen, die Dich umgeben, zu Dir gelangen läßt. Mein Segen wird bei meiner Tochter sein, und meine Wünsche werden sie begleiten, bis sie vor Dir steht. Leb' wohl, mein Heinz — Gott schenke Dtt einen friedlichen Lebensabend. Er mag ave Bitterkeit aus Deiner Seele lösen. Ich las wieder und wieder den Brief, den mir Helene gab. Jetzt glaube ich fest daran, daß er für mich geschrieben war, weil Du nur nicht sagen konntest, was in Deiner Seele für mich lebte. Und bie Worte dieses Briefes klingen in meiner Seele aus wie eine fuße Melodie. Am liebsten nähme ich ihn mtt ins Grab. Aber er muß diese Beichte begleiten als Beweis für meine Worte. Leb wohl, Heinz? Gin letztes Mal rufe ich Dtt diese Worte zu — ich fühle, daß mein Ende nahe ist. Lebe wobl — Gott schenke Dtt Frieden. Deine bis zum Tod getreue Maria." Fortsetzung folgt. Betr.: Die Vettilgung der Sperlinge. Bekanntmachung Die Landwirte führen berechtigte Klagen darüber, daß die Sperlinge sich im Laufe ds. Is. ganz außerordentlich vermehrt und in größeren Schwärmen an Fluchtäckern, namentlich in der Nähe der bewohnten Teile der Stadt und des Stadtteils Fauerbach. großen Schaden anrichten. Ich ersuche hiermit diejenigen Einwohner der Stadt, die bereits zum Ab chießen der Sperlinge eine Schießerlaubnis in Händen haben, von dem Abschietzen der Schädlinge ausgiebigen Gebrauch zu machen. Die Stadtverwaltung hat für die Ablieferung eines geröteten Sperlings, die in Zimmer Nr. 12 des Stadthauses während der üblichen Geschäftsstunden erfolgen kann, eine Belohnung von 19 Pfennige ausgesetzt. Beim Einsangen oder Abschießen der Sperlinge dürfen na ürltch das Feldgetreide und die sonstigen Feldgewächse in keiner Weise beschädigt werden. TiepolizeilicheErlaubniszum Abschießen der Sperlinge wird nur an Zuverlässige, mit einer Schießwaffe durchaus vertraute Leute erteilt. Falls das Schießen nach Sperlingen auf nicht eingefriedig- len Grunds!ücken sich ausdehnen soll, dann ist auch noch die schriftliche Genehmigung des betr. Jagd- Pächters erforderlich. Frieöberg, den 17. Juli 1918. Der Bürgermeister. m __ 2. V.: Damm. Ferkel sowie Napsschalen -u Futlerzwecken hat abzugeben E. Witt in er, Dotteufrlderhof btt Vilbel. Kelraniitmachung. Nächsten Donnerstag, den 18. d. Mts., verkaufen wir in der alten Post, Eingang von der alten Bahnhofsttaße aus, durch die hiesigen Eemü ehändler frische grüne Erbsen ohne Bezugsschein, das Pfund zu 47 Pfennig. vormittags von 8—10 Uhr für die Bezirke I und IRR. nachmittags von 2—4 Uhr für Bezirk II. Friedberg, den 17. Juli 1919. Der Bürgermeister (städt. Lebensmiiiel-Ausschuß) I. V.: Damm. Holz - Versteigerung. Montag, den 22. Juli, werden in den Forstorlen Ditzenberg und Thronerschlag versteigert: 11532 Eichen- und Virkenwellen und 900 Eichen-Ausjätungswellen (Backholz). Zusammenkunft vormittags 9 Uhr an dem Schnittpunkt der Dunkelschneise und langen Schneise. Friedberg, den 16. Juli 1918. Freiherr!. Oberförsterei Ockstadt. I. V.: Augst, Eroßh. Forstmeister. Mille Landwirte i Mort al s. um a. 9. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Kronprinzenstratze 4L (Kronprinzenbau.) — Fernruf Römer 420tf 4 Bürostunden^ Momag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, nachmittags oon 2—4 Uhr. — Eefchäftsanzeigen in diesem Raum mrr für mrserr Mitglieder; dieselben sind kostenlos, jedoch muß bei Aufgabe der Anzeige auf die Mitgliedschaft hingewiesen werden. ppiiü kfagtaal* uti Biiläslä|J , schnell, bil'ij.&QymVnri sicher gehelldj i'&ftug durch Tltrarzfe. Prospekle grs«r<ßrcfft 70—80 Zentner Tragkraft, zu verkaufen Mch.Siinon Silos, Maurermeister, Ober-Erlenbach. Milenkarten "SÄ" NnuTogesM»,- Druckerei r.KnlH.-L. Dr.Plate. Brügge iw. Wte-Wm-Kmin Mberg. Frettag. den IS. Juli, abends 8 Uhr. in der Turnhalle der Augustinerschule: Vortrag mit anschließender freier Aussprache, von Dr. R. Strecker, Direktor der Schillerschule. Privatdozent der Pädagogik an der Universität Gießen, über: Ausgaben «.Aussichten einer „Frauenschule* in Friebberg. Eintritt frei. Jeder willkommen, der sich für die Fragen einer zeitgemäßen Mädchenerziehung interessiert. VE" Putzl "HW Modistin, die flott garnieren kann, zum baldigen Eintritt gesucht. Angebote unter Nr. 1345 an die Geschäftsstelle der „Neue« Tageszeitung." Nein teilt ist vier feinet! Schlafzimmer, S KÜChen stehen 2 G. M. ReuO Kaiserstrasse 6 peisezimmer, :um Verkaut , Friedberg, 7, alte Post. in verschiedenen Ausführungen hält vorrätig Heinrich Hilter, Schreinermeister, SchQUenraiii 11 Fl*iGCllb 6 P{J i« H* Schützenrata 11 Bekanntmachung Die hiesigen Landwirte, die für das kommende Erntejahr da» Recht der Brotgetreide- Selbstversorgung in Anspruch nehmen wollen, werden aufgefordert, dies bis zum 20. ds. Mts. auf Zimmer Nr. 4 des Stadthauses unter Angabe der Zahl der zu versorgenden Personen zu melden. Friedberg, den 15. Juli 1918. Der Bürgermeister I. B.: Damm. Friedberg, Schützenrain 5, ist am Freitag, den 19. Juki, von 3 bis 5 Uhr geöffnet. Bitte ausschneiden und aulheben I Sefrf rtdilia I Eine Senkung Hosenträger- Ersatzteile aus I^eder,Ia.Quali* tat, eingetroffen. Ausserdem eine ilauenscndung Schnürriemen, die auch in grösseren Quantitäten abgegeben werden. Frledbtro Io Hessen, Kaiserstrasse 51, gegenüb. d. Engelapotheke. 1 starkes Bolamm zu verkaufen. I-hanurs Inas Vl, SirchzS«-.' Heringe jtt v ^Ueüen Tagesreitnng ---——B limmucv 165 t 21 _ ■ * , „ den 17, IM 1918 ff Geben Sie Freiheit, Herr Staatssekretä Mit diesen Worten schloß Abgeordneter Dr. Roes icke, ^offitzorr-der des Bundes der Landwirte. feine in der Reichstags- fitzung am 6. Juli gehaltene Rede^ die eine einzige wuchtige Anklage war gegen das bis zur Unerträglichleit gesteigerte Zwangsverfahren in unserer Produkttonswirtschaft. Es mußte einmal frei und offen vor allem Volke gesagt werden, daß das herrschende System mehr und mehr zu einer Generalprobe für den sozialdemokratischen Zukunftsstaat ausgeartet ist, und daß es so unmöglich weitergehen kann. Hierzu bot die Ernährnngsdebatte im Reichstage günstige Gelegenheit, und Dr. Roeficke hat sie trefflich auszunützen gewußt. Mit gebotener Schärfe trat er dabei der von landwirtschaftsfeindlicher Seite geflissentlich verbreiteten Lesart entgegen, die 'Rechte sei schuld an den verhaßten Zwaügseinrichtungen, und stellt zweifelsfrei fest, daß niemand anders als die Sozialdemokratie diese Bernunftswtdrkgkeiten auf dem Kerbholz habe. Es ist bekanntlich im lieben deutschen Vatcrkande eine Unsitte geworden, hie Sozialdemokratie als Blitzableiter für jeglichen Acrger zu benutzen. Wenn dem Handwerker alle möglichen sozialen Verordnungen das Leben sauer machen, dann gibt er seinem Aergernis dadurch Ausdruck, daß er fc^iatdemokratisch wählte der Landmann, dem der Kriegssozialismus bis an den 'Hals steht, und der nicht mehr Herr seiner Arbeit und seines Eigentums ist, sagt weiter nur, Euch werd ich's zeigen, das nächste Mal wähle ich sozialdemokratisch! Sie vergessen, daß sie danrit das thorichste tun, was sie machen können, denn der Sozialdemokratie verdanken sie doch gerade ihr Ungemach. Mit Recht sagte Abg. Dr. Roesicke in seiner Rede, daß diese Leute mit Kälbern zu vergleichen seien, die ihre eigenen Metzger wählen. Es ist eine unumstößliche Tatsache, daß wir mitten im .Sozialismus stehen und die geplagte Menschheit hat mm einmal Gelegeicheit, den Segen de« Zukunftsstaates an eigenem Leibe zu verspüren. Das Ergebnis ist für die Weltverbesserer kein gutes, denn alle Welt, ob arm, ob reich, ob Arbeiter oder Beamter, ob Bauer oder Städter stöhnt unter der Zwangswirtschaft und schnt sich nach dem Tage, da man wieder frei schallen und walten kann. Ecne Ausnahme bilden höchstens dis jKrregsgrd. Aus Westpreußen bekomme ich gleiche Klagen, dort sind es militärische Kommandos, die in einer Weife vergehen, wie es unter keinen Umständen gebilligt werden kann, wie es geradezu Aergernis Hervorrufen muß. Die Vergleiche, die hier gezogen werden, will ich nicht aussprechen. Sie entspringen natürlich aus der mcnmcntanen Verärgerung. Aber ich würde dringend bitten, daß man dies unterläßt und daß solche militärischen Requisitionen mcht stattfinden. Auch mache ich hier auf die Folgeerscheinungen aufmerksam. Es ist eine Verärgerung, die nicht dazu bettragen kann, die Produktion zu fördern. Der fortgesetzte Zwang, der überall zur Geltung kommt, tritt ja in der neuen Getreideordnung noch verstärkt hervor, da die Zwangsbewiltschastung auf Lupinen und Mais ausgedehnt wirb. Dann soll aber vor allen Dingen, den Selbstversorgern kräftig zu.Leibe gegangen werden. (Hört, hört! rechts.) Es soll den Selbstversorgern aufcrlegt werden können, daß sie sämtliches Getreide abgeben und daß sie dafür nur Mehl in der Menge zurückbekommen, wie sie es beanspruchen können. Ich weiß aus dem Königreich Sachsen, daß dort damit schon begonnen ist. Was tritt dadurch ein? Der Betreffende gibt fein Getreide weg, er ist nicht mehr Herr über nur ein Korn, was er selbst geerntet hat. Er bekommt auch keine Kleie. Die Klein- mühten leiden aber darunter, weil sie nicht mehr zur Arbeit für die Selbstversorger herangezogen werden. Ich halte alle diese Zwangsmaßnahmen für im hohen Maße bedenklich, und daher der Antrag, den ich gestellt hatte, der ja heute genügend erwähnt geworden lst. Ich fteue mich, daß ich hierbei in Übereinstimmung mit Verttetern anderer Parteien bin. Auch ich betrachte ben Schleichhandel als einen außerordentlichen Krebsschaden, als einen Fehler. Wie aber wollen wir an ihn herankommen? Mit dem jetzigen System können wir es nicht machen. Daß die Verhältnisse heute nicht gesund find, sehen Sie aus folgendem. Früher suchte die Landwirtschaft aus eigenem Interesse alles daranzusetzen, um möglichst viel an den Markt zu bringen, heute furchtet man, daß dieses. Interesse sie dazu treiben muß. möglichst wenig abzuliefern, damit sie etwas für sich behält Die Produktton ist ihr zur Last geworden; die Verärgerung ist an der Tagesordnung und das gegenseittge Mißtrauen besteht von Land zu Stadt und von Stadt zu Land. — das ist dos Bedauerliche. Der Schleichhandel blüht in ausgedehntem Maße. Ich kann demgegenüber nur sagen: gehen wir zurück vcm sozialdemokratischen Wirtschaftsstaat und gehen wir wieder über zu einer freien Wirtschaftsgestaltung, die allein der Prcduktton die Möglichttit und die Grundlage gibt, sich zu betätigen und zwar mit Freuden zu betättgen. Freilich ist her. rvogehoben worden, daß ich selbst im Anfang des Krieges dafür st-ewesen bin. daß wir das Getreide organisieren, daß wir dafür Höchstpreise festsetzen, daß wir das Brot rationieren. Gewiß, ich halte das auch für richttg, und ich gehe auch mit meinen Vorschlägen über diesen Rahmen nicht hinaus. Aber ich bin nie dafür gewesen, einen lähmenden Schematismus herbeizuführen. der nicht abzuändern ist, sondern ich verlange, daß wir mit dem lebertt»igen Leben gehen und die Sache gestalten, den Ver. bältnissen anpassen, wie sie gestaltet werden muß, um die Freude uud Lust an der Produktion nicht zu nehmen Der Antrag Roesicke. Ich will mir erlauben, mit einigen Worten meinen Antrag hier zu erläutern Der Herr Staatssekretär hat sich gegen ihn gewandt und hält ihn für unausführbar, weil nicht genug Vorräte da seien. Er meinte auch, es ließe sich der Vorschlag nicht sofort durchfuhren. Das ist richttg. Eine solche Umänderung des Systems laßt sich mcht von heute auf morgen durchführen. Das habe ich auch nie angenommen. Aber vorbereiten läßt sie sich. Ich möchte den Ausführungen des Herrn Staatssekretärs gegenüber eines hervorheben: es soll nicht genug da sein. Ja, meine Herren, wie hoben wir es denn dann bisher mit der Rationierung und dem Schleichhandel betteiben können? Beide waren doch da. Also es muß doch genug Ware dagewesen sein. Es handelt sich nur darum: wie bekommen wir die Sache, wie machen wir das eine, den Schleichhandel, gesund und legitim und lassen das andere, die Rationierung, bestehen? Das ist die Frage, und da mochte ich vorschlagen: gehen wir gegen den Vollzwang, wtt wollen nicht die Rattonierung plus Schleichhandel, sondern wir wollen die Rationierung plus Freihandel. (Sehr richtig' rechts.) Ja, meine Herren, dann ist die Sache gelost. Denn die Rationierung bleibt ebenso, wie sie ist. Run sagen Sie mtt nur: wenn man durch sie gesichert ist wie bisher, wo ist dann die Gefahr, wenn der Rest nunmehr fteigegeben Dird? Dann kann ein großer und kleiner Schleichhandel'nicht mehr bestehen, denn « ist ja keiner d«. der ihn zu treiben braucht Die Dunkelkammer des Schleichhandels ist erleuchtet, die ganze Zusatzversorgung vollzieht stch dann in der Form des erlaubten Handels vor der Oeftentlichkeit, und vor der Oeffent- lichkeit hat sie auch die Preiskontrolle zu bestehen. Die Preise könnten ja vielleicht im Augenblick anziehen. Nachher gehen sie zweifellos herunter, denn der Slcheichhandels- preis besttmmt sich ja nicht nur nach dem realen Marktpreis, sondern nach dem realen Marktpreis zuzüglich des Risikos im Schleichhandel und zuzüglich der Strafen, denen die Leute ausgesetzt sind. Und nun frage ich. was tteien weiter für Vorteile ein? Einmal: ein natürlicher Preisstand für dieses Vorräteplus. Das bedeutet einen wesentlichen Anreiz zur Steigerung der Produktton. Zweitens wird die unberechtigte Verfütterung verhindert. Denn bei einem natürlichen Preisstand für das, was ich übrig habe, werde ich sehr wohl berechnen, ob dieser Preis mir mehr Anreiz gibt, die Waren zu verkaufen oder zu verfüttern. Gibt er mir Anlaß zu verkaufen, d. h. ist der Preis gut, dann ist das der Fall, weil Bedarf da ist. Sintt der Preis so. daß es besser ist. zu verfüttern, dann ist das ein Beweis da. für. daß der Bedarf gedeckt ist. Dann kann ich das übrige verfüttern und bringe dadurch der Allgemeinheit wieder Fleisch und Fett. Meine Herren' Wenn Sie das etwas durchdenken, dann werden Sie der Logik dieser Schlußfolgerung Ihr Einverständnis nicht versagen können. Außerdem wird durch diese Preisgestaltung von den Ueberfchüssen herausgeholt, was nur herauszuholen ist. es wird also eine bessere Lage erzielt, und zwar zu geringeren Preisen, als sie heute der Schleichhandel bietet. Man muß sich zunächst über das Prinzip klar fein und fta- gen. ob man dieses Prinzip anwenden, den Weg beschreiten will. Man kann nicht sagen, man wolle das Prinzip zurückstellen und erst wissen, wie es mit den Ausführungsdetails sei. Mit den Fragen nach den Details und mit den Erörterungen über diese kann ich jedes Prinzip toffchlagen. (Sehr richtig? rechts.) Was yrrn die Frage der Getreideversorqung betrttft, so haben meine politischen Freunde den Antrag gest llt, den die Kommission befürwortet hat, daß das Hinterkorn ftei- gelasien werden soll. Es ist doch ergentlich schon ein Unrecht erster Klasse, wenn man denkt, daß wir heute die Kleie im Mehl belassen, statt sie he rauszunehmen, wievielmehr, daß wtt nicht die Teile aus dem Getreide herausnehmen, das Hinterkorn, die niemals Mehl, nur die Kleie geben können. Solange die Welt existiert, hat der menschliche Magen das Mehl gut verdaut nnd der tierische Magen die Kleie, und nun will man jetzt durchaus den menschlichen Magen dazu zwingen, daß er auch die Kleie verdaut. Ich halte das für einen Fehler und für ein falsches Vorgehen. Wir verlieren dadurch sehr viel Nahrungsmittel. Deshalb sollten wir vor allem das Hinterkorn für die tierische Nahrung freigeben. Dabei will ich übrigens erwähnen, daß ein Ingenieur Meyer ein Verfahren erfunden bat. durch das die Kleie so behandelt werden kann, daß sie besser verdaulich wird als bisher. Die Reichsgetreidestelle hat ihm bisher die Möglichkeit versagt, weitere Versuche damtt zu machen. Ich bttle dringend, daß vom Kriegsernährunqsamt auf die Reichsge- tteidestelle einqewirtt wird, damtt diesem Manne die Möglichkett gegeben wird, die Versuche durchzuführen. Es ist das nicht nur im Kriege für die menschliche Ernährung von Wert, son. dern arlch im Frieden für die tterische Ernährung. Meine Herren, wenn ich meinen Vorschlag nun daraufhin untersuche, wie er bei den anderen Produkten, z. B. bei den Kartoffeln durchgeführt werden kann, so meine ich: wir müssen doch aus den Erfahrungen lernen. Und da muß ich auf diejenige Zeit Hinweisen, wo wrr geglaubt haben, wir würden einen Kattoffclmange-l haben, und das Schlimmste befürchteten, und wo wir dann doch nicht verhungert sind, weil infolge eines rich- ttgen Systems schließlich reichlich Kartoffeln da waren. Es wurde eine Reichsstelle errichtet, die feststellte, was die Ctädt- an Kattoffeln brauchten, und darauf durch Lieferungsvcrträge diesen Bedarf zu decken suchte. Die Lieserungsverträge verpflichteten die Landwirte, die abgeschlossene Menge Kartoffeln zu einem festgelegten, entsprechend steigenden Preis jederzeit zum Abrui f 'c. it zu ballen Der Preis begann nach meiner Erinnerung mit 1.50 Mk. und stieg alle 14 Tage um 50 Pfg. pro Zentner bis 8 Mk. Dadurch hatten die verpflichteten Produzenten ein außerordentlich großes Interesse, die Kartoffeln pfleglich zu behandeln, und sie prompt zu liefern, da sie entsprechend der Lieferungszeit angemessene, gute Preise dafür bekamen. Der freie Handel blieb daneben bestehen. Das Reich hatte Reserven und die Städte hatten sichere Aussicht, rechtzeitig Kartoffeln zu bekommen. Die Preise wurden im freien Handel nun billiger, und die Städte deckten sich zu Viesen Preisen ein, während das Reich neuerdings zu den höheren Preisen die Kartoffeln beziehen mußte. Damals hat das Reich freilich 50 Millionen Mark dabei zugesetzt. Aber ganz Deutschland hatte ge. nügend und billige Kartoffeln und fühlte sich sehr wohl dabei. Im nächsten Jahre machte man es anders. Da gab man, statt sich durch solche Verträge die Lieferung von Kattoffeln zu sichern, eine höhere Fleischportion. und zwar an die Minderbemittelten zu ermäßigten Preisen auf Kosten des Reichs. Diese höhere Fleischportion hat zunächst in unsere Viehbestände außerordentlich tief ein^erissen, zum Nachteil der Viehbestände. Unser Nindviehbestand ist im ganzen um mehr als 10 Prozent zurück- gegangen; mehr darf er nicht zurückgehen. Der Herr Kollege Fegter möchte den Rindviehbestand noch weiter heruntersetzen. Das halte ich für außerordentlich bedenklich. Was die Schweine betrifft, so sind wir schon bereits auf einem solchen Tiefstand daß ich mir schon zu sagen erlaube: die Eebutt eines jeden einzelnen Ferkels erregt große Freude. Da darf man nicht weit er gehen. Was nun die Kartoffeln betrifft, so hatte man im Jahve 1917 also den Weg des Frühjahrs 1916 für die Kartoffelbewirt- fchaftung nicht bcfchritten, man gab dafür, wie gesagt, zu verbilligtem Preise Fleisch in größerer Menge her, und da hat das Reich das Zehnfache dafür kmsgeben müssen, als im Jahre vorher (hört? hott? rechts)', und doch haben sich die Leute nicht so wohl dabei befunden, weil sie nicht genügend Kartoffeln hatten. Lernen wir daraus: sagen wir: wir wollen mit einer bestimmten Menge Kartoffeln die erforderlichen Reserven be- jchaffen: eine Reichsstelle soll sie auf Grund derartiger Liefe- rungsverträge kaufen, dann werden wir sie in der Hand haben und jederzeit darüber verfügen können. Die große Gefahr hier, bei ist, daß fortgesetzt von links der Ruf kockmt' keine höheren Preise? Wann haben wir je ausgesprochen: beileibe keine, höheren Preise für die Arbeiter? Im Gegenteil, wenn die Löhne für die Arbeiter höher geworden sind, haben wir das als eine notwendige Folge anerkannt, aber von links hat es immer der Landwirtschaft gegenüber gelautet: beileibe keine höheren Preise. Lieber nimmt man die Knappheit hin, die dadurch erzeugt wird. Die Bevölkerung müßte sich dagegen aufbäumen und sagen: das ist nicht das Pttnzip, bei dem wir zu unserem Rechte kommen. Wenn wir im ganzen Wirtschaftsleben den Anreiz zur Produktion und Lieferung dadurch j^ben, daß wir entsprechende Preise für die Produkte, für die Arbeit gestatten, so muß man das auch gegenüber der Landwirtschaft tun. weil man sonst deren Produktion hemmt. Es ist ganz gleichgültig, ob der Landwirt dabei verdient oder nicht; was er mehr dabei verdient, wird ihm im Wege der Steuer schon wieder abgenommen. Es handelt sich darum, daß er taffächlich zur Produktion herangezogen wird, anders kann es nicht gemacht werden. Mit dem nackten Zwange kommen wir nicht dazu, daß der Landwirt sein Feld so bestellt, wie er es bei der richtigen Freude an seiner Tätigkeit ausübt, indem er sich sagt: ich kann über ein Maß meiner Erträgnisse verfügen. Das ist das Furchtbare, daß er weiß: was ich durch meine Hände Arbeit schaffe, steht mir selbst nicht zur Verfügung. (Sehr wahr? rechts.) Dann kommen die anderen Produkte, über die ich mich sehr kurz aussprechen kann. Zunächst ist es notwendig, daß die Milchprodukte entsprechende Preise haben. Es ist auf die Dauer nicht zu verlangen, daß, wie hierzu von technischer Seil« von der Landwittschaftskammer in Brandenburg nachgewiesen ist. die Milchpreise heute um annähernd 50 Prozent unter dem eigentlichen Produktionspreise stehen. Auf die Dauer wird das nicht gehen. Denn es handelt sich um die Biehproduktion. In meinen Vorschlägen gehe ich nicht so weit, alles aufheben zu wollen. Die Organisation der Viehhandelsverbände werden wir vorläufig behalten müssen, weil wir unseren Viehstand sehr pfleglich behandeln müssen. Ich will nicht an allem rütteln, das mag zunächst bleiben; wenn wir nur erst die anderen Wege beschritten haben, wird sich bald auch hier eine freiere Gestal- tung ermöglichen lassen. Und dann Gemüse und Obst? Wie soll man bei derattig leicht verderblichen Dingen eine Zwangsbewirtschaftung durchführen? Jeder Erzeuger und Verbraucher wird doch froh sein, wenn sie einmal freigegeben werden und er wieder sagen kann: Gott sei Dank, es sind nun keine Höchstpreise, infolgedessen kann ich etwas bekommen. Errdlich die Eier? Eine Verteilung bei so geringer Pro. duktton, daß für die Person auf drei Wochen womöglich nur ein Ei bleibt, ist zwecklos. Wieviel dabei noch verloren geht, ist bekannt. Daß so viele Eier verloren geangen sind, dazu hat bte Zwangswirtschaft das Ihre beigetragen. Deshalb ist auch hier mein Vorschlag: man soll die Tierbewtrtschaftung aufheben. Endlich führe man für die Landwirtschaft'' eine höhere Beschwerde instanz ein. damit die Landwirte in der Loge sind, sich ihr Recht zu suchen, eine Beschwerdeinstanz gegeiv alle unberechtigten Maßnahmen, so namentlich gegen llebergttffe bei den Durchsuchungen. damit sie sich wohin wenden können, um einheitliche Entscheidungen zu erhalten. Jetzt ^ann sich der Landwirt nur an den Regierungspräsidenten wenden; der entscheidet endgültig. Das widerstreitet unserer Auffassung vom Rechtsschutz. Ich schlage hierfür vor, daß beim Oberverwaltungsgettcht ein Schiedsgericht eingefuhrt wird, das über diese Dinge zu ent- scheiden hat als weitere Beschwerdeinstanz. Der liebe Gott hat uns ja rechtzeitig noch Regen geschickt, die Fluren stehen gut. Ich hoffe, wir werden die schwere Zeit überwinden und bald besiere Zeiten haben. Aber eins möchte ich für diese besseren Zeiten wünschen. Sie werden uns nicht die Votteile bttngen, die wir erhoffen müssen, wenn uns nicht mehr wirtschaftliche Freiheit gegeben wird. Deshalb richte ich an den Herrn Staatssekretär die Bitte: geben Sie Freiheit! Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg; für den Anzeigenteil: R ßepner, Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung*, A- G.. Friedberg i H Guts-Verpachtung. . ^5? E>Ä?ut Hasselheck, gelegen in Gemarkung Hasselbeck und Ober-Morlen, im Kreise Friedberg in Oberhessen, 2 Kilometer von der Eisenbahnstation Bad-Rauheim, in Große von IS« ha 31,58 a soll Mittwoch, den 24. Juli 1918, vorm. 10 Uhr In Nüdesheim a. Nh., im Saalbau Rölz, Oberstr. 16 für die Zeit vom 22. Februar 1920 bis dahin 1938 öffent- lrch merstbietend verpachtet werden. Die Bietungsregeln und Pacht-Bedingungen können gegen Einsendung von Mk. 2.00 von der Unterzeichneten Stelle bezogen worden. Rüdesheim, den 18. Juni 1918. Die Eüteroerwaltung der Freiherren von Ritter zu Eruensteyn.