Numme r 161 K t ^FrettaMdEN 12. Mt 1918 _ __11. Ja hrgang. Die „Reue Tageoxeilurrg" erscheint jeden Werktag. Negelmätzige Beilagen „Dev Sauer aus Hessen", „Die Spinnftubs". Kerugspreia: Bei den PostanstalLen vierteljährlich Alk. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld,' bei den Agenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 26 Pfg., lokale 20Pfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben. Erfüllungsort Fttedberg. Schriftleituug und Verla« Friedberg (Hessen), Hanauerstrahe 12. Fernsprecher 48. Postscherk-Lonto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M. Der Kurs bleibt der alte. — Feuertittigkeit und Teilangriffe im Westen. — Fünf amerikanische Flugzeuge erbeutet. — 16500 Tonnen versenkt. U Der deutsche Geueralstab meldet: —. M. T. K. Großes garrptquartkev- -err 11. Juli. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. 'Heeresgruppe Kronprinz R u p p r e ch t. Tagsüber mäßige Gefechtstätigkeit, die am Abend vielfach ruflebte. Nächtliche Erkundungskämpfe. Ein stärker-'- Vorstoß ! pes Feindes nordöstlich von Bethune wurde abgewiesen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Lebhafte Feuertätigkeit zwischen Aisne und Marne. Erbeute Teilangriffe, die der Feind aus dem Walde von Villers- Cotterets heraus führte, drückten unsere Posten an den Savie- res-Ermrd zurück. Von einem Geschwader von sechs amerikanischen Flugzeugen, die Coblenz angreifen wollten, fielen fünf in unsere Land. Die Besatzungen wurden gefangen genommen. Der Erste Gencralqrmrttermeistcr: L u d e n d o r f f. Abendliericht. ^ Berlin, IT. Füll, abends. '(WTB. NmUM Don Len Mampffronten nichts Neues. Der österreichische Generalstak —- meldet: —-- r= Wien, 11. Juli. Amtlich wird verlautbart: Auf dem Italienischen Kriegsschauplatz keine nennenswerte Ereignisse. In Albanien haben sich unsere Truppen in einer neuen Widerstandslinie eingerichtet. Eine am Divoli-Tale vorfühlende französische Kompagnie wurde ab gewiesen. Der Chef des Gencralstabes. Der bulgarische Generalstab meldet: Cofta. 8 . Juli. (WB. Nichtamtlich.)' Ceneralstabsbericht. Mazedonische Front: Im Skumbital zerstreuten wir durch unser Neuer eine französische Erlundungsabteilung. Im Tschernabogen war die Kampftätigkeit auf beiden Seiten zeitweise heftiger. Unsere Angriffsaöteilungen drangen in feindliche Gräben bei dem Dorfe Makowo ein und brachten verschiedene Trophäen zurück. Oestlich des Dobropolje verjagten wir feindliche Angriffs- ableilungen, die sich unseren vorgeschobenen Posten zu nähern Versuchten. Südlich von Huma war das Artilleriefener auf bei. den Seiten mäßig. An der Strumamündung war die Artillerietätigkeit lebhafter. L Sofia, 9. Juli. "(WB .Nichtamtlich.) Generalstabs- bericht. An der mazedonischen Front drangen unsere Angriffs- truppen in feindliche Gräben nördlich von Bitolia und kehrten mit französischen Gefangenen zurück. JmCerna- bogen und westlich von Dobropolje war die Feuertättgkeit auf beiden Seiten zeitweise heftiger. In der Moglena- gegend zerstreuten wir durch Feuer eine feindliche Erkundungsabteilung. Im Vorgelände westlich von Serres beiderseitige lebhafte Erkundungstätigkeit. 16500 Touueu versenkt. Berlin, 10. Juli. (WB. Amtlich )' Durch die Tätigkeit unserer Unterseeboote wurden im nördlichen Sperrgebiet um Eng. land neuerdings 16 500 Brt. feindlichen Handelsschiffsraumes vernichtet. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Haag, '10. Juli. (WD.) Das Korrespondenzbüro erfährt, ^aß heute vormittag in Scheoeningen die Besatzung des holländischen Seglers „Frederika", der sich auf der Reise nach Le Havre befand und am 21. Juni von einem deutschen Unterseeboot in Drand geschossen worden war, gelandet wurde. Die Kämpfe an der Westfront. Berlin, 11. Juli. Die Erkundungstätigkeit war auf Seiten des Verbandes am 10. Juli besonders in Flandern und beiderseits der Somme lebhaft. Ueberall wurden seine Abteilungen abgewiesen. Südlich Dixmuiden nahmen die Deutschen einige Belgier gefangen. Ein früh im Nebel nach kurzem Feuerüberfall versuchter Vorstoß der Franzosen bei Nanteuil scheiterte. Im Elsaß brachte ein erfolgreiches Patrouillenunternehnien südwestlich Diedolshausen den Deutschen Gefangene ein. Das Fernfeuer ihrer schweren Geschütze lag mit erkanntem Erfolg wiederum auf dem wichtigen Compiögne und auf den Bergwerksanlagen von Noeux. Fliegerangriff auf Gffeukurg. Karlsruhe, 11. Juli. Amtlich wird gemeldet: Ein heute erfolgter Angriff mehrerer feindlicher Flieger auf Offenburg, bei dem eine beschränkte Anzahl Bomben abgeworfen worden ist, hat einigen Sach- und Gebäudeschaden verursacht. Personen find nicht verletzt. Der Puftchverjuch in Moskau. Die Mörder Mirbachs. Moskau, 9. Juli. Nach einer amtlichen Meldung der Petersburger Tel.-Agentur sprach der russische Sowjetkongreß mit einer Mehrheit von über zwei Dritteln die Zufriedenheit mit der ausländischen Politik der Sowjets der Volkskomnnssare aus, wodurch zugleich der Protest gegen eine Erneuerung des Krieges mit Deutschland zum Ausdruck gelangte. Der Putschversuch stützte sich auf 1000 aus Noworossijsk in Moskau eingetroffene Matrosen. Die Mörder Dttrbachs sind die Mitglieder der linken sozialrevo- lutionären Partei Anarejew und Blumkin. Die Aufständischen hatten eine Zeitlang die Post und den Telegraphen von Moskau besetzt und versuchten, auf telegraphischen: Wege einen Anfstand in Petersburg und Tula hervorzurufen, indem sie wunderlich Gerüchte über die Beziehungen der Sowjetregierung -zu den Deutschen verbreiteten. Der Aufstand wurde vollkonunen unterdriickt, und einige Hundert der noch am Leben gebliebenen Aufständischen wurden verhaftet. Die Meldung schließt: Auf dem Kongreß der Sowjets war die Aufstau ^Partei in der Minderzahl vertreten. Jedoch wäre die Sowjetregierung zweifellos gestürzt worden, falls es- möglich gewesen wäre, einen Erfolg zu erzielen. „Dieder mit Mirbach!" Wie die „Voss. Ztg." aus Stockholm meldet, veröffentlicht Brantings „Sozialdemokraten" eine Drahtung aus Petersburg über die Sitzung des Moskauer Sowjetkyngres- ses zwei Tage vor der Ermordung des Grafen Mirbach. Die Stimmung war schon damals so erregt, daß man tatsächlich das Schlimmste erwarten rnußte. Als der russische Abgeordnete für die Verhandlungen mit der Ukraine Alerandrow den Grafen Mirbach als Leiter der deutschen Imperialisten bezeichnete, antwortete stürmischer Beifall von den Bänken der Sozialrevolutionäre. Nach Schluß der Rede Alexandrows erschollen minutenlang Rufe „Nieder mit Mirbach", „Nieder mit Brest". Nur mit großer Mühe konnte die Ordnung wieder einigermaßen hergestellt werden. Zit weiteren stürmischen Szenen kam es, als die So- zialrevoluttonäre die sofortige Abschaffung der Todesstrafe verlangten. Als die Redner der Bolschewik! dagegen sprachen, kamen abermalige Rufe von sozialdenwratischer Seite „Henker", „Mirbachs Lakaien". Noch schlimmer ging es zu, als der Führer der linken Sozialrevoluttonäre Kamkow bei seinen Ausführungen über die Vorgänge in der Ukraine von der „unwürdigen Kanaille, die unsere ukrainischen Brüder abschoß" sprach. Legattonsrat Riezler saß während dieser Reden als Zuhörer in der Diplomatenloge. Die sozialrevolutionären Abgeordneten sprangen auf und mi- mitenlang brüllte es durch den Saal „Nieder mit diesen Mördem", „Nieder- mit Mirbach!" Dn österreichische Gesandte in Moskau. Zn der Absicht der österreichisch-ungarischen Regierung, den Gesandtenposten in Moskau in allernächster Zeit 31 t besetzen, verlautet, daß der k. u. k. Botschafter Gras For- gach für diesen Posten in Aussicht genommen ist. Die Sinufeiuer-Kemeguttst. Rotterdam, 10. Juli. Wie die „Morning Post" aus Jrland meldet, hat die Sinnfeiner-Bewegung in den letzten acht Tagen eine gefahrvolle Ausdehnung erfahren. Trotz aller Massenverhaftungen ist die Zahl der Festgenommenen inzwischen auf Tausende gestiegen und die Zahl der Ortsgruppen der Sinnfeiner vom 1. April bis 1. Juli von 602 auf 896 angewachsen. Die Angriffe auf englische Soldaten, besonders auf dem Lande, mehren sich. Iie ErklmniM des RkiHslMzlm. Berlin. 11. Juli. Im Hauptausschuß des Reichstages stand der Entwurf betreffend den 15 Milliarden-Kredit zur Beratung. Einleitend erklärte Vizekanzler von Payer, der Reichskanzler werde seine Ausführungen zum Teil vertraulich geben. Dn Reichskanzler Graf H e r t l i n g nahm dazu das Mort: Meine Herren! Der Wechsel im Staatssekretariat bedeutet keinen Wechsel des polittschen Kurses. Die Politik des Deutschen Reiches führt allein verantwortlich der Reichskanzler. Der Staatssekretär des Auswärtigen hat die auswärttge Politik im Aufträge, im Einvernehmen und unter der Verantwortlichkeit des Reichskanzlers zu führen, ist von Anfang an Grundsatz des Deutschen Reiches gewesen. Dieser Grundsatz steht auch heute lest. Meine Herren! An meinem politischen Standpuntt. wie ich ihn in meiner Rede am 28. November v. I. vor dem Plenum festgelegt habe, an diesen meinem Standpunkt sowohl bezüglich der inneren wie auch bezüglich der äußeren Polttik halte ich meinerseits vollkommen fest. Daran wird sich, solange ich an dieser Stelle stehe, nichts ändern. Meine Herren! Bezüglich der inneren Politik habe ich die damals gegebenen Zusagen, soweit cs an meinem Willen lag. vollkommen eingelöst und werde dafiir eintreten, daß auch die weitere Ausführung der von mir gemachten Zusagen erfolgt und etwaige Hindernisse mit Energie überwunden werden. Darauf können die Herren sich verlassen. Was die auswärtige Politik betrifft, so habe ich meinen Standpunkt gleichfalls damals am 29. November v. I demarkiert. Ich habe den Herren gesagt: Ich stehe auf dem Standpunkt der kaiserlichen Antwort auf die Friedensnote des Papstes vom 1. August v. I. Die friederrsbereite Gesinnung, die diese Antwort beseelt hat, beseelt mich, aber ich habe hinzugefUgt. meine Herren, daß die friedensbereite Gesinnung nicht den Feinden einen Freibrief geben darf für unabsehbare Fortsetzung des Krieges. Meine Herren! Was haben wir nun aber erlebt? Während an unserer Bereitschaft, zu einem ehrenvollen Frieden die Hand zu reichen, seit einem Jahre gar nicht gezweiselt werden kann, haben wir bis in die letzten Tage hinein die aufreizenden Reden der feindlichen Staatsmänner gehört. Meine Herren, Herr Wilson will den Krieg bis zur Vernichtung und was Herr Bal- four gesagt hat, muß jedem Deutschen wirklich die Zornesröte ins Gesicht tteiben. Wir haben doch ein Gefühl für die Ehre unseres Vaterlandes. Wir können uns nicht öffentlich unausgesetzt auf diese Weise beschimpfen lassen und zwar steht hinter der Beschimpfung der Vernichtungswille. Solange dieser Vernichtungswille besteht, nreine Herren, müssen wir mit unserem treuen Volke ausharren. Ich bin auch überzeugt, ich weiß es. daß in den weitesten Kreisen unseres Volkes überall der ernste Wille besteht: Solange der Vermchtungswille der Feinde besteht, müssen wir durchhalten mrd wir werden durchhalten iml Vertrauen auf unsere Truppen, im Vcrttauen auf unsere Heerführer und im Vettrauen cntf unser herrliches Volk, das diese schwere Zeit mit ihren großen Entbehrungen und fortgesetzter^ Opfern so wunderbar erträgt. Der Reichskanzler betonte sodann, wenn sich trotz der seiiM- seligen Aeußevungen der feindlichen Staatsmänner irgendwO ernsthafte Neigungen für die Anbahnung des Friedens zeigen würden, da ml würde sich Deutschland ganz gewiß nicht ablehnend verhalten. Aber dkd Staatsmänner, die bisher geredet» hätten vor derartigen MögliOeiten öfters gewarnt. Dieser Standpunkt werde auch in der Obersten Heeresleitung seteM. El«ch W«fe führe den Ätfeg nicht tm des Krieges willen» stnv« dern habe ihm versichert, sobald sich auf der anderen Seit» et» ernsthafter Friedenswille bemerkbar mache, müsse man der Sache nachgehen. Der Reichskanzler kam dann auf die Lage im Oste« zu sprechen. Nach wie vor stände die Regierung auf dem Bode» des Friedens von Brest-Lttowsk. Sie glaube an die Loyalität des russischen Vertreters in Berlin, allein es sei fraglich, ob die jetzioe russische Regierung die notige Macht hinter sich habe. Es sei unausbleiblich, daß fortwährend in den Grenzgebieten Reibungen entstünden. Alles stände unter dem Eindruck des furchtbaren Verbrechens in Moskau. Alle Spuren deuteten da. rauf hin. daß die fluchwürdige Tat auf Anregung der Entente geschehen sei. Die russische Regierung wolle den Frieden, und Deutschland auch. Aber wir müßten Augen und Ohren offen halten. Der Reichskanzler fuhr fort: Wir sind stumm, aber wir sind nicht taub. Wir lasten uns mit gar keinen politische« Gegenströmungen ein. aber wir horchen aufmerksam, wobin die Richtung in Rußland geht. Das ist der Standpunkt, den ich einnehme, das ist der Standpunkt, über den"auch bei den Besprechungen am 2. Juli im Großen Hauptquartier die vollste Klarheit und das vollste Einverständnis zwischen allen Beteiligten erzielt worden ist. Im Anschluß daran ging der Reichskanzler auf die Beurteilung der politischen Lage im Westen ein und machte Darriber vertrauliche Mitteilungen. Sodann sprach er von den Gründen, die zu dem Rücktritt des Staatssekretärs v. K.'ihlmann geführt haben. Er wies darauf hin, daß es keine sachlichen, sondern persönliche Gründe waren, die Herrn von Kühlmann veranlaßt haben, um Enthebung von seinen! Amte zu bitten. Der Reichskanzler sprach in warmen Worten von den Eigenschaften des Staatssekretärs, dessen politische Erfahrung, tteffendes Urteil, unermüdliche Aus- dauer und dessen Geschicklichkeit und Gewandhert im Ver- handeln er voll anerkenne. Er habe sich von ihm ttennen müssen, weil das notwendige Vertrauensverhältnis zwischen ihm und anderen Faktoren nicht bestanden habe, ein Vor- tranensverhältnis, das für eine reibungslose Führung der Geschäfte nicht entbehrt werden könne. Der Reichskanzler fuhr dann fort: Der Name des in Aussicht genommen Nachfolgers des Herrn von Kühlmann ist Ihnen bekannt -L-wr von Hintze ist ein sehr genauer Kenner russischer Verhältnisse. Er ist vor dem Krieg bei der Botschaft in Petersburg beschäftigt gewesen. Er hat in dieser seiner Eigenschaft große Reisen durch Rußland gemacht. Er ist mit den Verhältnissen und Personen in Rußland sehr eingehend vertraut, was für die jetzige Lage von großer Wichttgkeit ist. Aber, meine Herren es versteht sich von selbst, daß ich meine Konttasigniernng vder Unterschrift zu der Ernennung des Herrn von Hintze nur dann geben kann, wenn Herr von Hintze meine Polittk macht und nicht seine eigene. Dafür habe ich aber bereits in der Zusage des Herrn von Hintze — die Ernennung ist noch nicht erfolgt — meinerseits die feste Bürgschaft. Ich mache die Polittk, der verantwortliche Reichskanzler macht die Politik. Der Staatssekretär des Auswärttgen Amtes hat lediglich meine Politik zu führen. Davon ist der in Aussicht genomniene. aber noch nicht ernannte Staatssekretär vollkommen durchdrungen. Meine Herren! Ich glaube also ern Grund zur Be- Nnruhigung ist nicht vorhanden. Der Kurs mit dem sich die yroße Mehrheit des Reichstages im November des vergangenen Jahres einverstanden erklärt hat, wird weiter- geführt werden Im Reichstag wurde die Beratung der Umsatzsteuer fortgesetzt, mit der die Luxnssteuer verknüpft ist. Sie findet im wesentlichen nach den Beschlüßen der Kommissionen Annahme. Sodann kommt das Vranntwe in- Monopol zur Beratung. Die Sozialdemokraten erklären z. Zt. nicht dafür sttmmen zu können, da es ein Schutz für konservative Interesten darstelle. Von verschiedenen Seiten wird angenommen, daß ein großer Konsumrückgang eintreten würde. Zum Rücktritt Mjstm-rnns. In den Kcmmentaren der meisten Berliner Blätter zum Rücktritt des Staatssekretärs v. Kühlmann wird festgestelll, daß mit dem Ausscheiden des Staatssekretärs keine Aendsrung in der Reichspolitik zu erwarten ist. daß der Reichskanzler, der im Amte bleibt, zur Fortsetzung seiner biherigen Politik entschlossen ist. Die „Kreuz-Zeitung" schreibt: „Seine politische Neigung galt England, die Sympathie für englisches Leben ließ ihn kein unbefangenes Urteil über unseren Hauptfeind gewinnen. Der ehemalige Botschaftsrat Lichnowskys glaubte bis zuletzt an die Möglichkeit einer Verständigung mit den Briten, an der er schon vor dem Kriege gearbeitet hatte. Selbst das starke Geschehen des Weltkrieges lreß ihn noch immer nicht die Unmöglichkeit dieser Politik erkennen. Und in seiner ihm anscheinend verhängnisvoll gewordenen Reichstagsrede gab er noch immer Rußland die Schuld am Kriege, hier die Veranlassung und die Ursache des Kriegsausbruches verwechselnd. Er war eine zu schwache Natur, um das, was man hpfft und wünscht. trennen von dem, was die hittere Erfahrung vorfchreibl. So ist die Kühlmannsche Politik, besä, gen in diesen r^ergeblichen Hoffnungen, stets derjenigen der Entente-Staatsmänner unterlegen gervesen. Sie mar rein defensiv, auch äußerlich im Austreten im Reichstag oder sonst in der Oeffentli'chkeit. So wirkte sein Handeln auch innerpolitisch ungünstig. Wenn in manchen Kreisen ein gewisser Pessimismus Geltung gewann, so hat Herr v. Kühlmann jedenfalls nicht dazu bei getragen, ihn zu beseitigen. Sein kleinlautes, manchmal such nonchalantes Auftreten, feine oft gewundenen Auseinandersetzungen» tote g. & fiel fet Behandlung der Papstnot«, waren nicht geeignet, chm tm Zn- und Ausland« besondere Achtung zu verschaffen." In den „Berliner Reue st en Nachrichten" Hecht es: „Der Wechsel in der Besetzung des Postens dürfte insofern keine Uebervaschung bringen, als das Verbleiben des Reichskanzlers in seinem Amte beweist, daß der bisherige Kurs der Reichspolitik unbedingt beibehalten wird. Von Herrn v. Hintze weiß man. daß er al; Diplomat Tüchtiges geleistet hat." Die „Deutsche Zeitung" schreibt: „Herrn von Kühlmanns Rücktritt stand seit einiger Zett fest. Damit ist der gefährlichste Träger der Bethmann-Hollweg- scheu Polittk endgültig erledigt und wir stehen nicht an, zu er. klären, daß sein Sturz im deutschen Volke so ziemlich ungeteilte Befriedigung avslösen wird. Aber es handelt sich bei unserem Kampf gegen den bisherigen Staatssekretär nicht um die Person, sondern um das System. Ob das auch gestürzt ist, misten wir nicht, denn wir sind nicht geneigt, Vorschußlorbeeren seinem mutmaßlichen Nachfolger zu pflücken, wir warten seine Taten ab. Eine ei-'gehende Stellungnahme zu diesem Ereignis behalten wir uns vor." In der „Täglichen Rundschau" lesen wir: Es handelte sich und kann sich nur handeln um die Herstellung und Sicherstellung einer einheitlichen Willensrichtung innerhalb der Negierung, die nur möglich mtd denkbar ist in voller Uebereinstimmung mit dem, was Heer und Heeresführung uns zurzeit draußen an der Front an Weltgeschichte Vorleben. Kein Systemwechsel, sondern eine Systemsicherung. Der Mann Kühlmann hat sich politisch unmöglich gemacht: den Mann Kühlmann allein gilt es zu ersetzen durch jemanden, der nicht, wie er, jedes politischen Kredites bar ist. Weil dem so ist, knüpfen wir an Kühlmanns Ausscheiden keinerlei besondere" Erwartungen, sei es freudiger oder unfceudiger Art. „Der Kurs bleibt der alte." Die „Süddeutsche Zeitung" schreibt: „Roch nie und nichts ist so Gemeingut des gesamten deutschen Volkes geworden als die klare Erkenntnis, daß auf England die ganze furchtbare Schwere der Kriegsverantwortuna. der Verantwortung für das weitere Fließen des Blutes und das weitere, immer schwerer werdende Darben der Heimat ruht. Und wenn ein leitender Staatsmann sich zu dieser Erkenntnis nicht aufzufchwingen vermag, wenn er dazu noch dem leidenden, aber doch hoffenden Volke den Glauben an den Sieg nimmt, der hat eben sein staatsmännksches Dasein verwirkt, auch wenn er in manchem sonst die Befähigung für höheres Können und Misten, das wir Herrn von Kühlmcmn gar nicht absprechen wollen und nie abgesprochen haben, erbracht hat. Nichts fort iwro deutschen Volke nötiger, da es den Frieden leider Gottes nun doch einmal nicht erhalten kann, als daß ihm der Siegesglaube und die Siegeszuversicht gestärkt wird, und dagegen hat der Leiter unserer auswärtigen Polittk in einer Weise gesün» digt, die wir schon in der ersten Stunde nach Bekanntwerden seiner Reichstagsrede als unverantwortlich gekennzeichnet haben." Die Frühkartoffclprrtle. Berlin, 11. Julr. (WB.) Auf mehrfache Anfragen teilt das Kriegsernährungsamt mit, daß eine Erhöhung der Preise für Frühkartoffeln über die in der Verordnung vom 9. März 1918 vorgesehene Höchstgrenze von 10 Mark hinaus nicht beabsichtigt ist, zumal in wenigen Tagen mit einer reichlicheren Anfuhr vollausgereifter Frühkartoffeln gerechnet werden kann. DöUölndiHnöni bci den Snnern. Die eindrucksvollen und vorzüglichen Ausführungen, die der Neichstagsabgeordnete von Graefe - Eoldebee am 12. Juni zu diesem Kapitel gemacht hat, möchten wir nachträglich noch m. ihrem Wortlaut wiedergeben. Herr von Eraefe ging von den Klagen der Linken aus, daß deutsche Soldaten dazu gebraucht worden seien, in der Ukraine die Durchführung der uns im Friedensvertrage zugefagten Getreidelieferungen zu erzwingen, und schloß dciran folgende Bemerkungen: „Ich habe von seiten der Linken noch nicht gehört, daß der Vorwurf erhoben worden wäre, daß unsere Soldaten geg-'N unsere eigene Landbevölkerung in einer Weise zu Po- lrzeidiensten verwendet worden sind, welche die bedenklichsten Folgen für unsere Gesamtheit haben können und müsten. (Sehr richttg? rechts.) Wir wollen keine Vorzugsbehandlung der Landwirtschaft in der Richtung haben, aber, meine Herren, wir wollen auch nicht, daß die Rücksichtnahme, die unsere Landwirte bei der schweren Erfüllung ihrer Pflicht der Volks- . ernahrung verlangen können, in einer bureaukratifch-theore- tischen geradezu unerhörten Weise außer acht gelassen wird. Ich erinnere daran, daß ich schon am 7. Mai 1917 hier im hohen Hause darauf hingewiesen habe, daß der Landwirt zur strengen Befolgung aller der Bestimmungen und Pflichten, die iljm auferlegt worden sind, gar nicht in der Lage gewesen ist, daß. wenn er diese Bestimmungen alle erfüllt hätte, das deutsche Volk schon längst den Laden hätte zumachen müsten, daß wir längst verhungert wären. (Sehr gut! rechts.) Ich darf an einen Satz erinnern, den ich damals ausgesprochen habe: Gewiß, es ist manches verfüttert worden. Dafür aber suche ich die Schuld an anderer Stelle. Dafür suche ich sie bei der Negierung. Wenn die Regierung eine Vorschrift erläßt, daß Pferde mit vier Pfund Hafer den Tag gefüttert werden sollen (Zuruf rechts) — gewiß, es ist jetzt ja noch weniger zu- gebilligt —, so glaube ich, gibt es in der ganzen Regierung nicht einen einzigen, selbst nicht einen solchen, der nie in seinen« ^eben aus der Stadt herausgekommen ist, der nicht wüsste, daß es unmöglich ist, einen Acker zn bestellen, ein Pscrd 10—12 Stunden den Tag schwer arbeiten zu lasten und ihm dabei vier Pfund Hafer in den Leib zu stopfen. Das wisten die Herren, die solche Anordnungen treffen, sehr wohl." Rach einem Hinweise darauf, daß der vorige Reichsvanzl« Michaelis m seiner ersten Reichstagsrede am IS. Juli 1917 selber zugegeben hat, daß die viel zu niedrige Futterration et« Fehler war, der notwendig Gesetzesübertretungen zur Folge hatte, fuhr Herr von Graefe fort: „Ja. wenn das der Fall ist. wenn das von der oberste» verantwortlicher Stelle der Reichsregierung zugegeben wird, daß das ein Fehler war, der notwendige Gesetzesübertretungen (Hört, hört! rechts) zur Folge haben mußte, dann sollte man auch jetzt, bei der Art und Weise, wie man die Kontrolle aus- übt, darauf Rücksicht nehmen daß die Schuldigen für gewisse Uebertretungen zum großen Teil bei der Regierung zu suchen waren, und man sollte nicht unsere Landwirte zu einer Verzweiflung treiben, di« verhängnisvoll werden muß. nicht für di« Landwirtschaft allein, sondern für unser ganzes deutsche« Volk. sSehr richtig! rechts.) Ich kann hierauf nicht ernst gegug Hinweisen, denn wir Haben Fälle erlebt, es liegen mir von verschiedenen Gegenden Klagen vor und ich weiß sie zum Teil auch aus Erfahrung in meiner eigenen Nachbarschaft, wo in einer brutalen Weise vorgkgangen ist, di« geradezu erschütternd war. Der Landwirt war draußen im Felde, und die Frau hatte sich geplagt und geschunden, und dann kommen diese Leute, die zur Kontrolle angesetzt waren, reißen ihre Betten auf und stoßen ihre Holzmieten um und treiben eine Wirtschaft auf dem Hofe, wie sie nicht schlimmer in Rußland durch die Bolschewiki getrieben werden kann, und das durch deutsche Soldaten, geführt von Leuten, die zum Teil verkrachte Landwirte waren. Existenzen, die durchaus kein Vertrauen und Ansehen in der Gegend besaßen. Ich möchte den Herrn Kriegsminister bitten, daß er den deutschen Soldaten davor bewahrt, daß er zu solchem Schergendienst herangezogen wird. (Bravo' rechts.) Das ist ein Zustand, der unwürdig ist und der von der deutschen Landwirtschaft nicht ertragen werden kann, und der, wie gesagt. Folgen hat, von denen ich nicht weiß, wie wir im nächsten Jahre noch den Landwirt zu der Freudigkeit und Fähigkeit bringen sollen, den Acker zu bestellen und das zu liefern, was unser deutsches Volk braucht. (Sehr richtig! rechts.) .... Den rumänischen Bauern billigt man zu, daß man durch Preise, die Sie bei uns wahrscheinlich für Wucherpreise erklären würden, die Erzeugungs- freudigkeit heben muß. Unseren Bauern aber rückt man auf die Bude, reißt ihnen die Betten auseinander und behandelt sie, als ob sie Verbrecher sondergleichen waren. Ich wünsche, daß nur da, wo der begründete Verdacht vorliegt, daß Wirtschaften nicht rn einem Verhältnis, das ihrem Erttagsver- mögcn entspricht, obgeliefert haben, zur Verantwortung gezogen werden, die sich durch Zurückhaltung von 'olchen Waren am Vaterland vergehen. Aber die Art und Weise, wie es vielerorts mehr oder minder allgemein gemacht worden ist, schlägt unseren Bauernstand einfach tot." Wir möchten diese Darlegungen des Reichstagsabgeordneten von Graefe nachdrücklich unterstreichen und den amtlichen Stellen ihre Beachtung nochmals dringend an das Herz legen. Hessischer Landtag. Darmftadt, 10. Juli. Heute früh *410 Uhr eröffnete President Köhler die Sitzung. Haus und Tribünen sind schwach besetzt. In der Sitzung sind wiederum die drei Minister und eine Reihe von Regierungsvertretern anwesend. Für die Zentrumspartei spricht Abg. Uebel zu der Vov- läge, bJt seine Fraktion zufttmmt. Besonders sympathisch berührt die Tatsache, daß die Pensionierten und Hinterbliebenen rn die Teuerungszulage einbezogen werden. Die Zulage vev- ursacht eine erhebliche Belastung und fordert eine große Verantwortung von Regierung und Landtag. Dafür haben gewiß die Beamten volles Verstärcknls. Für die Zukunft müsten wir uns jedoch freie Hand Vorbehalten. Der Redner verbreitet sich, im Einzelnen über den Antrag Bach, den er bekämpft. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen bittet der Redner dis Regierung, alsbald nach Beendigung des Krieges die Verhandlungen zur Vereinfachung der Staatsverwaltung mit mehr Energie aufzunehmen und zu Gunsten der Beamten und Bediensteten der Landgemeinden, die ebenfalls unter der Teuerung zu leiden haben, die Kreisdirektoren zu veranlassen, mit allem Nachdruck für die Landgemeinde-Beamten einzutreten. Rach weiteren Bemerkungen des Abg. Osann spricht Abg. Bach als Mitglied der Beamtenorganisation. Er begründet den von ihm eingebrachten Antrag mit seinen Verbesterungsvorschlägen. Eingehend wendet sich der Redner gegen die Ausführungen des Abg. Uebel. Besonders erfreulich «ei es gewesen, daß die Regierung vorher mtt den Verttetern der Beamtem schaft verhandelt habe. Unsere Vorlage wurde nach sachlicher Prüfung ausgestellt. Die Berufung ans Preußen mußte in allen Punkten bei Vergleichen erfolgen. Abg. Adelung (Soz.): Durch die Vorlage ist kein Ausgleich zu den Teuerungsverhältnisten geschaffen. Die Vorlage ist ein Kompromiß, der nicht allen Wünschen entspricht. Der Redner begründet eingehend die Stellung seiner Partei zu der Vorlage und betont die Steuerfreiheit in Preußen als ein« Benachteiligung gegenüber den hessischen Beamten. Eine groß« Zahl von Leuten sind bei der Hofhaltung auf Jahre angestellt. Diese Leute sollen nicht darben. Deshalb stimmen wir auch diesem Teil der Vorlage zu. Finanzministor Dr. Becker: Die Großzügigkeit der Vors läge ist von allen Parteien onerkannt worden und damit dirr Fürsorge der Regierung für die Beamten. Daraus sollte num die glatte Annahme der Vorlage, die im Finanzausschuß einstimmige Annahme erfuhr, folgern. Den Aenderungen an der Verlage wird die Regierung nicht im Wege stehen. Die Steuer- fteiheit in Preußen auf Hessen zu übertragen wäre ein Undinge Unsere Beamten worden in Zukunft nicht schlechter stehen al» ihre preußischen Kollegen. Bei der Besteuerung der Zulag« kämmt es auf den Wohnsitz des Beamten an. Die Anregung einer Kinderzulage ging von der Regierung aus. Den Beamten tut man schweres Unrecht, wenn man die Annahme der Kinderzahl auf finanzielle Erwägungen zurückführt. Die Zulagen an Beamte, die im Heeresdienst stehen, halte ich nicht für notwendig. Der Abg. Bach wird wohl »ur all^n kn dieseiW Hause seinem Anträge zusttmmen. Ungeheuerlich ist die Zn- mutting, den Beamten am L Oktober 1919 eine einmalige Zulage von 250 Mark zu gewähren. Bei der Frage, ob unser Land die neuen Ausgaben zu tragen vermag — es dreht sich heute um eine Neuhewilligung von 6 Millionen Mark — ist zu berilck- stchLigen, daß wir uns hier wie überall in der Volkswirtschaft an ungeheure Summen gewöhnen. Aber unsere Sorge gilt der nächsten Zukunft, wobei zwei Dinge große Beruhigung gewähren: Wir werden 1917 wohl mit einem erheblichen Ueberschuß abschließen. Der Rückhalt für die Zukunft ist also gegeben. Die Einnahmen für das neue Jahr, sowohl aus Domänen wie aus direkten Steuern werden erheblich größer fein; hoffentlich sind sie so groß, daß wir nicht auf den Reststock I zuruckzugreifen brauchen. Wenn die Entwicklung bei den Eisenbahnen wie bisher weiter geht, werden wir im nächsten Jahre schon 2 Millionen Mark mehr aus anderen Einnahmen zu decken haben. Ob man die Hoffnungen auf Domänen und indirekten Steuern über 1919 hinaus legen darf, wird kein Mensch mit einiger Zuverlässigkeit sagen können. Der Staat als Arbeitgeber hat gewisie Pflichten und kann er diese nicht erfüllen, so müssen neue Wege gesucht werden. Auch ohne Vertretung der Beamtenschaft war .sich die Regierung ihrer Pflichten und des Verhältnisses zu der Beamtenschaft bewußt. Von den Verhandlungen mit den Vertretern der Beamtenschaft hätte ich ein anderes Ergebnis erwartet. Die Tatsache, daß sich die Vertreter der Beamtenschaft nicht einmütig hinter die Vorlage stellen, ist ein Mangel an Vertrauen zu der Regierung. Die einmütige Anerkennung der Vorlage von Seilen des Hauses und der Beamtenschaft wäre die beste Anerkennung der Großzügigkeit der Vorlage gewesen. Abg. Schorn: Ich erkenne den wesentlichen Fortschritt, den die Vorlage bringt, an. Aus sozialen Gesichtspunkten ist die Kinderzulage zu begrüßen. Mit dem Abg. Brauer Lin ich der Ansicht: Lieber weniger und gutbezahlte als viele und schlecht besoldete Beamte. Abg. Dorsch (Bbd.): Es wäre besser gewesen, die Teuerungszulagen im vorigen Jahre zusammen zu gewähren. Der Hinweis auf Preußen erledigt sich durch die Notwendigkeit, daß man sich in den Einzelstaaten nach der Decke zu strecken hat. Es muß auch gesagt werden, daß neben den Beamten eine ganze Reihe anderer Berufsstände Kriegsopfer bringen. Gegenüber den andauernden Forderungen nach Zulagen ist Vorsicht am Platze. Abg. Urstadt (Fortschr.) bedauert, daß für die Pensionäre nicht mehr heransgeschlagen wurde. Die erfolgte Abstimmung ergibt einstimmige Annahme des Ausschußantrages gegen die Stimme des Abg. Bach, der in ei- üer späteren Bemerkung zur Geschäftsordnung seine Zustimmung zu dem Anträge nach Ablehnung seines Antrages erklärt. EtnfttmmDg« Genehmigung erfahre« fodcmtt die Regterungs Vorlagen: Gesetzentwurf über Krtegv-uschläge zu dem Gebühre« der Großh. Notare, Entwurf eines Gesetzes die Tagegelder und Reisekosten der Ständern itglt^rer, Gesetzentwurf, die zeitweise Erhöhung der Leistungen der Großh. Brand Versicherungsanstalt für Gebäude, den Bahnhof in Weinheim und die Beteiligung des hessischen Staates an der Geschäftsstelle der Retchsfutter« mitte lstelle betr. Die Sitzung wird sodann auf Donnerstag #10 Uhr vertagt. Vom Felde der Ehre. Friedberg-Fauerbach. Musketier H r ch. Damm, Sohn des Steinmetzmeisters Damm, bei einer Minenwer- ser-Abteilung im Westen, erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klaffe. Herzlicken Glückwunsch! Ockstadt. Gefreiter Johann Grimmel im Feldartillerie- Regiment 259 wurde das Eiserne Kreuz und die Hess. Tapser- keitsmedaille verlieren. Wir gratulieren! Södel. Fahrer Fritz Listmann, Sohn des verstorbenen Lehrers August Liftmcnur, erhielt wegen hervorragender Tapferkeit das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Ans der- cheinrst. FC. Frankfurt a. M, 10. Juli. Die Leiche des Kuustgärt- j ners Max Friedrich Bock wurde heute auf dem hiesigen Fried- I Hof zu Grabe getragen. Mit ihm dürfte wohl der letzte Teilnehmer an den am 18. September 1848 stattgehabten Frank- > furter Varikadenkampf dahingeschieden sein. Kaum 16jährig kämpfte er auf der an der alten ZeU und Ecke der Allerheiligen. ftraße errichteten großen Barikade gegen die hessen-darmstädtischen und preußischen Truppen. Er erlitt eine schwere Verwundung am linken Knie. Ans Hessen-Nassau. FC Wiesbaden. 10. Juli. An die Klosterpforte in Opladen klopfte eines Tages vor etwa vier Jahren der Viehhändler und Metzger Lazarus Harf aus Elberfeld an, sie wurde ihm aufge- tan und dem müden, gebrochenen Mann, der angab. von der Beerdigung seines im Lazarett verstorbenen Sohnes zu kommen, von der Schn oster Obdach gewährt und bewirtet. Der Schwester klagte der Wanderer, daß sein Reisegeld ausgegangen sei und bat um Unterstützung. Gerne wurde ihm diese bewilligt, zumal Harf versprach, den oorgeschossenen Betrag sofort wieder zurückzuschicken Harf ging und die Schwester wartete vergeblich auf die zehn Mart. Inzwischen wurde Schwester Maria von Opladen nach dem Kloster bei Königstein im Taunus versetzt. Dort erschien eines Tages auch Harf und verlangte Auskunft über die Aufnahme einer Dame. Die geprellte Schwester erkannte den Wanderer sofort wieder. Harf. der auf einen sol- chen Empfang nicht vorbereitet war, ergriff die Flucht. Nach diesem Vorfall erschien Harf nach einigen Tagen wieder an der Klosterpforte. Jetzt aber wurde ec festgenommen. Die Strafkammer nahm den Gauner in eine Gefängnisstrafe von sech» Monaten. FC Wiesbaden, 10. Juli. Im Gasthaus „Zum Bären" in Höchst a M. traf im April dieses Jahres der Taglöhner Füller aus Sossenheim mit den Taglöhnern Hepp und Hofmann zusammen. Man kneipte bis zum späten Abend, dann marschiere ten alle drei gen Scssenbeim und Hopp holte dort, wie Füller angibt. dem Landwirt Jakob Klees ein Rind im Werte von 500 Mark aus dem Stalle. Auf einer nahen Wiese wurde da» Tier abgestochen und abgezogen. Füller stand heute vor der Strafkammer. Er behauptet, so betrunken gewesen zu sein, daß er von dem Diebstahl und der Geheimschlächterei absolut nichts mehr wisse und schob alle Schuld auf seine beiden jetzt im Heeresdienst befindlichen Komplizen. Um diese zu vernehmen, verfiel die Strafsache der Vertagung. FC. Biebrich, 10. Juli. Ein Taglöhner wurde beim Obststehlen von einem russischen Gefangenen, der bei dem bestohlenen Landwirt in Arbeit steht, betroffen. Der Ertappte zog daber sein Messer und verletzte mit diesem schwer den Russen. Rheinhesien. FC. Kostheim, 10. Juli. Hier wurden fortgesetzt bei der Brotkommission Brotkarten gestohlen. Der Polizeiwachtmeister erwischte den Dieb. Es war ein hiesiger Hilfsschutzmann. Offene Stellen: 4 Knechte, 5 Tagelöhner. 1 Knechtefamilie, t Müller, 1 Arbeiterfamilie. 1 Verwalter. 1 Melkerlehrling, 1 Schmi'd. 1 Schlosser, 1 Gießer. 1 Dreher. 6 Plattenleger, mehrere Fabrikarbeiter und -Arbeirerinnen. 6 Dienstmä'de. 10 Hausmädchen, 1 Monatsjrau, 1 MeUerin, 1 Flickerin. 1 Lehrmädchen. Stellensuchende: Mehrere Mellerfamilien und ledige Melker. 17 jähriger Schüler für Landwirtschaft. 1 Bürofräulein, 1 Wirtschafterin. Perantwortlick für den politischen und lokalen Teil: Otto Hi rschel. Friedberg: ffir den Anzeigenteil: R. Heyn er. F riedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung". A G.. Friedbera i ^ Kekanntmachuug. Samstag, den 13. JuU b. Js. Brotkartenansgabe. Bezirk I. Altes Postgebüude L Stock. Nr. 1—150 151—300 301—450 451—600 601 u. höher von 8—9 Uhr, „ 9-10 „ „ 10-11 „ „ H-12 . .. 12-1 _ Bezirk IH- Schule in Fauerbach. Bezirk IX Museumsgebäude Haagstr. Nr. 1—150 von 8—9 „ 151-300 „ 0—10 „ 301—450 .. 10—11 1 451-645 M 11-12 iiiiiiia steht in unbeschrankten Mengen wie in Friedenszeiten nicht zur Verfügung. Durch Zuhilfenahme der Einmach-Tabletten ist aber die Verwertung der Früchte durchaus möglich, und es kann eine nachträgliche Versüßung der damit eingekochten Früchte durch Zucker oder auch künstliche Süßmittel (Süß-Stoff) noch nach Monaten erfolgen. „Ohne Zucker" kocht daher dieses Jahr die praktische Hausfrau die Früchte ein und sorgt sür einen wertvollen Brotausstrich für spätere Zeiten mit Hilfe der —— ^ »» mi . Neu - Gehromil - iini4 - Tabletten li ^ irf w flrf w IC. UH Bezirk II». Altes Postgebände L Stock. Nr. 646—800 von 8—9 Uhr» „ 801—950 _ 951—1100 „ 1101—1250 „ 1251 u. höher 9—10 10—11 11-12 12—1 1—150 von 8—9 Uhr 151 u. höher 9—10 „ Die vorstehende Zeiteinteilung ist genau zu beachten. Die Lebensmittelkarte ist vorzulegen. Friedberg, den 11. Juli 1918. Der Bürgermeister. I. D.: Damm. (Natrium benzoicum und Natrium cinnamyiicum „Merck") »it 10 Mlttln 35 $«. SÄ” ffiäföS Fabrikat der Firma 0* E. Merck in Darmstadt ü Fruchtmus, Marmelade, Fruchtsast u. a. m. vor dem Verderben und sind vollständig unschädlich und beeinträchtigen weder Geschmack noch Nährwert der Früchte. Mn so hanMt, sorgt für rineu mrlvollcu Kroloufflrich sür koi»me»-kn Dintrr. Eine Tablette wird in 1 bis 2 Eßlöffel warmen Wassers gelöst und die Löiung dem abgekühlten, lauwarmen Obstsaft (Frucht) unter Umrühren zugesetzt. Friedberg. Unsere Kasse bleibt von jetzt ab an den Samstag- Nachmittagen geschlossen. Wir ersuchen die Herren Bürgermeister, dies im Interesse ihre» Ortsangehäri'-.en bekanntinachen zu lassen. - Friedberg, den 10. Juli 1918. Der Vorstand. ^Eim Einkauf fordere man nur die Neu-.,Gedrovau"-Einmach-Tabletten — und verlange eine genaue Abhandlung, deren Durchsicht empfohlen wird. Besonders sei noch auf die Broschüre „Praktische Obstverwertung ohne Zucker" von Dr. I. Kochs, Nahrungsmittelchemiker und Vorsteher der kgl. Gärtnerlehranstalt in Berlin-Dahlem, verwiesen. Diese steht dem Publikum in den Verkaufsstellen zum Preise von 25 Pfg. zur Verfügung. Neu-„Eedrovan"-Einmach-Tabletten haben sich allein im Kriege millionenfach bewährt. 3h haben in den Apotheken, Trogtnhnndlnngen unD CcMjtk der LebenSmittelbeniilhe. Niederlagen: I. Baumeister Nächst, Friedberg. — Z. A. Windecker, Friedberg. Emil Stamm, Friedberg. 111. Ruch L Co., Stuttgart, EbttlMau Sämtlich Rechte der Firma K. ll. Ruoff &. Co^ Stuttgart. Nachdruck auch im Auszug verboten. Betr.: Das Sammeln von Lindenblüten, hier; die Beschädigung der Lindenbäume innerhalb der Stadt Friedberg und des Stadtteils Fauerbach. Dclranntmachuug Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß das Besteigen der städtischen Lindenbäume innerhalb der Stadt Fried- berg und des Stadtteils Fauerbach zum Zwecke des Abbreckens oder Abschneidens von Lindenblüten wegen der dadurch seither veranlaßten groben Beschädigungen der Bäume, namentlich auch für Schulkinder, gänzlich untersagt ist. Der Bürgermeister wird, insoweit zum Brechen u. Sammeln der Blüten ein Bedürfnis vorliegt, dafür sorgen, daß durch Annahme geeigneter Leute diele unter Verwendung von nur Stell- Leitem und geeigneten Werkzeugen ohne Beschädigung der Bäume aewonnen und an Stellen. die sich sür solche interessieren, geg. Bezahlung abgesührt werden. Fernere Beichädigungen der Lindenbäume durch Abreißen der Lindenblüten werden Unnachsicht» lich zur Bestrafung anaezeigt. Frredberg, den 11. Juli 1918. Der Bürgermeister I. V.: Damm. Ein ehrlicher, fleißiger •Ilfläl «**■“ gesucht. Friedberg, Ludwigstr. Ilst Kasino. Kartons f8r 5-, 10-u. 20-Pfd.-Pakete sowie FeldpostkästcheR in gross.Auswahl eilige trollen Friedberg I. HL, Kaiserstrasse 51, gegenüb. d. Engelapothcke. Adolf Bausch Hilda Bausch geb. Hensel Vermählte Nieder-Wölfstadt, den 10. Juli 1618. Auf dem Felde der Ehre fiel unser unvergeßlicher SangesLruder Josef Müller bei einem Feld-Artillerie-Regiment im Westen. Bei Ausbruch des Krieges am Ende des zweiten Dienstjahres stehend, hat er 6 Jahre dem Vaterlande treu gedient, bis auch er von dem Tod gefällt wurde. Wir werden dem lieben Mitglied allezeit ein ehrendes Andenken bewahren. Möge er in Feindesland die ewige Ruhe finden. Rodheim v. d. H., den 12. Juli 1918. GejangilMln Liederkraiy. Nachruf. Es starb auf Heimatsurlaub infolge sich zugezogener schwerer Krankheit unser treues Mitglied Landsturmmann ilhelm Lind. Der Verein wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Der Dorstaud -er Tlirilgemeinde ;n Wölfersheim. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Schwiegervaters und Großvaters Michrd Kurth sagen wir unseren herzlichen Dank. Besonders danken wir noch Herrn Pfarrer Reinfurth für die trostreiche Grabrede, sowie dem Krieger- und Militär- Verein Staden und den Beamten des Kaiserlichen Postamts Friedberg für die Kranzspenden. Staden, den 12. Juli 1918. Lm Namen der trauernden Hinterbliebenen Sophie Curth Mwe. Heute Nacht entschlief sanft nach kurzem Krankenlager unsrer innigstgeliebte Mutter, Großmutter und Schwiegermutter Susann« Gei im 84. Lebensjahre. geb. Kuch Stammheim, Ober-Ingelheim a. Nh., Frankfurt a. M., den 10. Juli 1918. Die trauernden Hinterbliebenen: Gustav Geis Wilhelm Geis, Großh. Finanzrat Susanns Fuhr geb. Geis Elifabethe Geis geb. Heller Wilhelmine Geis geb. Rau Philipp Fuhr nebst 7 Enkelkindern. Die Beerdigung findet Samstag, den 13. Juli 1918, nachmittags 3 Uhr statt. '•«L Danksagung. Innigsten Dank sagen wir auf diesem Wege allen die «ns bei dem schmerzlichen Verluste unseres lieben Bruders, Schwagers, Oirkels und Vetters Willy Brückmann ihre Teilnahme in so reichem Maße erwiesen haben. Die trauernden Hinterbliebenen: I. d. N.: Fam. Carl Vrückmann. Burghof Croß-Karben. *£&••••• Danksagung. ^yür die aufrichtigen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hin- scheiden meines lieben Sohnes, unseres lieben Bruders, Schwagers und Onkels, für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Sack, sowie dem Gesangverein Liederkranz, sagen wir hierdurch unseren innigsten Dank. Meder-Weisel, Butzbach, den 10. Juli 1918. Die trauernden Hinterbliebenen: Christoph HäuserIV. Witwe und deren Angehörigen. Die Gemeinde Södel beabfichtigt einen sprungfähigen, 16 Monate alten Simmentaler Faselbullen anzukaufen. Besitzer solcher Tiere wollen dieses bei unierzeichneter Stelle anmelden. Södel, den 10. Juli 1918. ✓ Croßh. Bürgermeisterei 2. B.: Hensel. Weitere Gaben: Musikalische Veranstaltung der f erm Meine!, Dr. Nebel und r. Schmidt 205,— Mk. Eisen- bahnverein nachttäglich 2 Ml. Herzlichen Dank. Der Ortsausschuh. WW Putz! dir flott garnieren kann, zum XUUUl»lin 9 baldigen Eintritt gesucht. Angebote unter Nr. 1343 an die Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung/ Rechnungen in allen liefert schnell und billig Neue.Fagesreitnng" I.-S. Gin 2 LchlirOi>, noch gut erhalten, steht zu verkaufen bei I-skphRupp, Ober-Wöllstadt. 2 Erstlinge: frischmelkende Ziegen hat zu verkaufen Otto Otto, Södel. I». Schmieröl für landwirtschaftliche und Dreschmaschinen. Ia. Cylinderöl la. Wagen fett Ia. liederfett «mpfirhlt L Zos. Derselt, Ariedber-, Kaiferstratze 116.