11. Jahrgang. Muriner 160_ Dormerstckg» den 11 Juli 1918 Oie .,Ilrne Tagrs?eitu»g" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Drv Dauer aus Hessel, „Die Kpiunstube". KsMgsprrrs: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2.4V hinzu tritt noch da-; Bestellgeld; bei den Agenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 25 Pfg.. lokale 20Pfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahmr erhoben. Erfüllungsort Fttedberg. Hchriftlsitung und Neriag Friedberg (Hessen), Hanaueritraße 12. Fernsprecher 48. Vostscheck-Tonto Nr. 4859, Amt Frankfurt a. M. Die Ktthlmnnnkrrje. — Terlangriffe im Westen. — Rücknahme der albanischen Südfront. 15000 Tonnen versenkt. Der deutsche General stab g -— meldet: - -—— " W. T. B. Großes Httttptgttar-iep, den 10. Juli. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Ruppre'cht. Im Kemmelgebiet, an der Lys und Somme lebte die Gefeck«tstätigkeit in den Abendstunden auf. Nächtliche Er- kundungsvorstöße des Feindes. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Der Franzose setzte seine heftigen Teilangriffe fort. Südwestlich von Noyon und südlich der Aisne stieß er mehrfach mit starken Kräften vor und setzte sich in den Gehöften Porte und des Loges westlich von Antheuil sowie in alte" französischen Gräben nördlich von Longpont fest. In den anschließenden Abschnitten wurde er durch Feuer angewiesen. Bei örtlichem erfolgreichem Vorstoß westlich von Chateau Thierry machten wir Gefangene. Rege Er- kimdungstätigkeit des Feindes beiderseits von Reims. Heeresgruppe Herzog Alb recht. 8m Sundgau brachten Stoßtrupps aus französischen Amben nördlich von Largihcn Gefangene zurück. Der Erste Gencralquartiermeister: Ludendorff. Abendberk chl. Berlin, 10. Juli, abends. (WB. Amtlich.) Don den Karnpftronten nichts Neues. Der österreichische Generalstab I -— meldet: --' Wien, 10. Juli. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Fm Breutatale schlugen unsere Sicherungstruppen einen italienischen Vorstoß ab. Unsere albanische Südfront wurde vor dem Druck starker feindlicher Kräfte über die Linie Berat—Fjeri zurückgenommen. Die Gefechtsbe- rührung war seit gestern früh nur sehr locker. Der Chcs des Gencralstabcs. 15090 Tonnen versenkt. Berlin, 9. Juli. (WB. Anrtlich.) Bon unseren U-Vooten wurden im Mittelmeer versenkt: 5 Dampfer und 1 Segler von tunb 15 000 Bruttoregistertonnen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. * Berlin, y Juli. (WB.) Der U-Bootkrieg verminderte abermals die Ausbeute der englischen Fischereien ganz beträchtlich. 1913 wurden an den Küsten von England, Schottland und Males 23,4 Millionen Zentner Fische gefangen, 1915 dagegen nur noch 8 Millionen. In den letzten beiden Jahren war das Ergebnis noch geringer. An Heringen wurden 1913 11,8 Mil- lionen Zentner gefangen, 1916 dagegen nur 1,5 Millionen Ztr., also nur ein Achtel des normalen Friedensjahres. Bafel, 10. Juli. Nach einer Pariser Havasmeldung ist der Potrouillendampfer „Marie Friedcrick" am 16. Juni im Mittel- moer auf eine Mine gestoßen. Der Kommandant und 10 Leute sind ertrunken. Der ^nflangriff auf englische H-Daote. Haag, 10. Juli. Reuter meldet aus London: Die Admiralität teilt mit, daß ein englisches U-Boot an der Ostküste Englands während einer Patrcuillenfahrt von fünf feindlichen Marinefliegern mit Bomben und Maschinengewehren angegriffen wurde. Ein Offizier und fünf Mann wurden getötet, das U- Boot. das nur leicht beschädigt würde, wutzde von einem anderen U-Boot nac^ dem Hafen geschleppt. Türkei. Das Programm des neuen Sultans. ? Konstantinopel, 7. IM. (WB.) In dem Schreiben, in He« der Sultan das Kabinett Talaal bestätigt, betont er seine Absicht, treu an der Verfassung festzuhalten, sowie die Notwendigkeit, zu einer glücklichen Beendigung des Krieges alle Kräfte zusammenzufassen und die Ordnung im Lande aufrecht zu er. halten. Die Teuerung müsse energisch bekämpft werden. Politische Verbrecher, die Reue zeigten, und leichte Verbrecher, die drei Viertel ihrer Strafe verbüßt haben sollen begnadigt werden. Ter Belagerungszustand solle nur in den Militärzonen bestehen bleiben. Die Strafprozesse sollen an die gewöhnlichen Gerichte verwiesen werden. Die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage soll durch eine Steigerung der Produktion herbeigeführt werden. Ueber die äußere Politik sagt das Schreiben, daß es dem wohlverstandenen Interesse des Landes entspreche, in voller Uebereinstimmung zu den Mittelmächten und Bulgarien zu bleiben. Es sei daher das Ziel des Sultans, die Dünd- nisbande zwischen der Türkei und diesen Staaten noch mehr zu festigen Zum Schlüsse wird die Hoffnung auf baldige siegreiche Beendigung des Krieges ausgesprochen und Heer und Flotte zu weiterem tapferen Kampf aufgesordert. Rußland. Der allrussische Sowjetkongretz. Moskau, 7. Juli. (WV.) Die allrussische Versammlung der Sowjets wurde am 5. Juli eröffnet. Es waren über 800 Abgeordnete anwesend, davon 450 Bolschewik: und 300 linke Sozialrevolutionäre. Trotzkij eröffnete die Sitzung mit einer Rede über die Notwendigkeit einer großen starken Roten Armee und betonte, daß man im Zeichen der allgemeinen Wehrpflicht stehe. In Petersburg wurde die Kriegszensur eingesührt. Kämpfe mit den Tfchecho-Slowaken mlt Tatarei, und Kosakeu. Moskau, 7. Juli. (WB.) Die Presse meldet: Bei Syfran wurden die Tschecho-Slowaken 50 Kilometer zurückgeworfen, ebenso auf der Front Pensa—Syfran 20 Kilometer. — In Dagestan bei Kikdamir wird zwischen den Rätetruppen und Ar. meniern einerseits und den Tataren andererseits heftig gekämpft. Die Rätetruppen gehen siegreich vor. — Ein Kosakenangriff westlich Oralst wurde abgervlesen. Eine tschechische Abteilung bei Shadrinst wurde zum Rückzüge'auf die Stadt gezwungen. Die Besetzung von Slatust, Mijas und Berbjausch durch die Tschechen bestätigt sich. — In Simbirsk erfolgten Massenverhaftungen von Gegenreoolutio- nären, hauptsächlich Offizieren und Studenten. Die französische Vertretung in Wologda soll Tschitscherin mitgeteilt haben, daß die auf dem Jaroslawer Bahnhof in Moskau als Gegenrevolutionäre verhafteten Tschechen und Polen für die französische Armee bestimmt gewesen sein. Dir Tschechen in Wladiwostok. Amsterdam, 9. Juli. (WB.) Die „Times" meldet aus Tokio: Oberst Wladimir Hurbein vom tschechischen National- ral ist nach Amerika abgereist. Ueber die Ereignisse in Wladiwostok teilte er noch mit, daß das militärische Zentrum der Bc-lschewiki in einem von den deutschem, und österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen besetzten und befestigten Hause sei. Am 20. Juni griffen die Tschechen dieses Haus mit Handgranaten an. Dabei wurden 29 Tschechen getötet Archangelsk. Mokau. 10. IM. (WB.) Die Presse meldet: Am 28. Juni landeten im Hafen von Archangelsk etwa 10 000 Serben und Franzosen. Der kommandierende General erklärte, er wolle Stadt und Land vor einem Ueberfall durch deutsche Kriegsgefangene schützen. In einer Bekanntmachung der Regierung wird der Aufstand der linken Sozialrevolutionäre als niedergeschlagen be. zeichnet. Die Stadt zeigt wieder das gewöhnliche Bild. Etwa 1000 Verhaftungen sollen vor genommen worden sein. Der Eisenbahnverkehr ist vorläufig unterbrochen. In der Richtung Je- katerinenburg-Tscheljabinst rücken die Rätetruppen gegen die Tschechen und Kosaken siegreich vor, ebenso in der Richtung auf Tobolst. Im Knbangebiet find die Stationen Welika-Kajaf- hefiaja und Torgewaja von Kosaken besetzt. Die Bekämpfung der Sozialrevolutionäre. Basel, 10. J-uli. Wie Havas aus Moskau meldet, stimmte der Sowjet von Moskau für die Ausstoßung aller Reichssozial- revolutionäre und beschloß, daß kein Sozialist als Beamter in den Organen des Sowjets verwendet werden dürfe. » Kopenhagen, 9. Juli. (WB.s „Elstrabladt" meldet aus Kristiania: Zwischen dem norwegischen imd dem russischen Lebensmittelminister hat die Verhandlung über den russisch-norwegischen Warenaustausch begonnen. Moskau, 7. Juli. (WV.) Auf der Station Simonewo der Moskau-Kafan-Vahn wurden durch einen großen Brand Lebensmittel, Baumwolle und Petroleum im Werte von über 18 Millionen Rubel vernichtet. Ein jliMÜches Eeichvadkr nach Windiwustalr. Wien, 10. Juli. Dem „Neuen Wiener Abendblatt" wird aus Genf telegraphiert: Nach einer Herolddepesche aus Tokio vom 8. Juli ist aus Nagasaki ein japanisches Geschwader von drei Linienschiffen und fünf Kreuzern nach Wladiwostok ausgelaufen. Wichen Japan nnd Amerika. Kopenhagen, 9. Juli. Der Gegensatz zwischen Ameriks und Japan in der Frage der Intervention in Sibirien wird durch die japanische Forderung beleuchtet, daß Truppen der Ententemächte und amerikanische Streitkräfte cm der Expedition teilnehinen sollen und zwar unter japanischem Oberbefehl. Japan will in der Lage sein, zu erklären, es habe sich nicht eigenmächtig in die inneren Angelegenheiten Sibiriens eingemischt. Amerikanischerseits ist man der Ansicht, die nach Sibirien zu enffendenden Truppen sollten nicht unter japanischem Oberbefehl stehen und nicht aktiv teilnehmen, sondern eine Stütze zur Schaffung der national-russischen Armee bilden. Die Amerikaner würden also gegebenenfalls einen Rückhalt für die Verteidigung des russischen Bodens gegen die Japener bilden. Stockholm, 8. Jirli. Der Petersburger „Golos" teilt mit, daß Admiral Kato sich an seine Regierung mit dem Ersuchen um neue Streitkräfte zur Ergänzung der nach Wladiwostok verlegten amerikanischen Truppen gewandt habe. Die Antwort sei bisher noch nicht eingetroffen. Graf Mirbachs lebte Fahrt. Die Leiche des Grafen Mirbach, die von Moskau nach Deutschland überführt wird, ist, den „Berl. Neueste,» Nachrichten" zufolge, bereits unterwegs und dürfte heute in Berlin eintresfen. Tie Beisetzung wird auf dem Stammschloß der gräflichen Familie im Rheinland statt- finden. » Trauerfeier in Maskair. Moskau, 10. Juli. (WB.) Am Montag nachmittag hat im Hause der deutschen diplomatischen Vertretung eine Trauerfeier am Sarge des Gesandten Grafen Mirbach stattgefuw» den. Rach einem von Dekan Selinsky gelesenen Requiem sprachen der kaiserliche Geschäftsträger Wirklicher Legationsritt Nieder, ferner der dein Hauptausschusse für Gefangene beig^. oidnete Pfarrer Hunzinger von der Michaelisgemeinde in Hamburg und der türkische Gesandte Eahlib Kemali Bey Worte de* Abschieds. Abends wurde die Leiche auf den Alexanderbahnhof übergeführt, um nach Deutschland gebracht zu werden. Mitglieder des deutschen Ausschusses und der in Moskau tätigen Ausschüsse folgten dem blumengeschmücktcn Wagen. Auf dem Vahnhof erschien der Volksbeauftragte fiir auswärtige Angelegenheiten Tschitscherin, um nochmals die tiefe Teilnahme der russischen Bundesrepublik zu Tode des edlen Mannes auszusprechen, der für die Sache des Friedens gestorben sei. AenWands Geldaniprüche an Rußland. Der „Voss. Ztg." zufolge meldet das russische Blatt „Nasche Slowo", daß am 2. Juli beim Kommissariat siir Handel und Industrie in Moskau eine Sitzung der Haupt- liquidiernngskommission des Brester Vertrages stattgeftm- den hat, bei der die Frage des Ersatzes der Kriegsschäden beurteilt wurde, die Deuffchland in diesem Krieg erlitten hat. Die allgemeine Summe der öffentlich-rechtlichen und privatrechtlrchen Anspriiche, die Deuffchland von Rußland erhalten soll, beträgt nach den Feststellung!: der Moskauer Konlmission sieben Milliarden Rubel, wobet Deuffchland, das starken Bedarf in ruffifchen Rubeln hat, darauf bestand, daß diese Ansprüche in allernächster Zukunjt liquidiert werden müssen. —»—• — s » Rückkehr des Reichskanzlers. Berlin, 10. Juli. (WB.) Wie wir hören, wir-i hier Reichskanzler morgen vormittag in Berlin eintreffen, da er den Wlmsch hat, mit dem Hauptausschrch des Reichstages ri-er dre politische Lage zu beraten. Sm Hauptausschuß des Reichstages erklärte vor Ein- tritt in die Tagesordnung der stellvertretende Kanzler v. Payer, der Reichskanzler habe den Wunsch mit den Ab- geordneten über die politische Lage zu sprechen. Der Kanzler tteffe Donnerstag früh in Berlin ein worauf dann über die Stunde, zu der an diesem Tage die Besprechung rm Haupt- aussckzuß stattfinden soll, eine Verständigung herbeigeführt werden soell. Der Vorsitzende. Abg. Ebert, nahm diese Mt- teilung zur Kenntnis und erklärte, er werde sich morgen mit dem stellvertretenden Kanzler über den Beginn der Be- sprechung verständigen. Hierauf werden der Vortrag über die Landgesellschaft Westmark und die damit zusammen- hängenden Fragen weiterberaten. Der Al>Ichiec» ALiljlmnnns. Die Entlassung des Staatssekretärs v. Kühlmann hat in weiten Kreisen wie die Befreiung von einem Alb gewirkt. Der letzte aktive Vertreter der unseligen Politik Bethmann- Holwegs ist damit aus der Ncichsregierung verschwunden. Unser Urteil über den verflossenen Staatssekretär brauchen wir nicht zu wiederholen. Nach keiner Seite hin hat Herr v. Kühlmann ein sichtbares Ergebnis seiner „Staatskunst" zu verzeichnen, im Gegenteil, er hat seinem Nachfolger eine höchst unerfreuliche Erbschaft hinterlassen. Er war mit Lichonowsky, Valentin! u'pv. ein blinder Anbeter des Engländertums und fühlte sich höchst geschmeichelt, wenn ihn ein gnädiger Blick irgend eines englischen Staatsmannes getroffen hat. Es ist kein Wunder, daß einem solchen Diplomaten in der Stadt am Mainesstrande. wo das nachgemachte Engländertum von je zu Hause war, blutige Tränen nachgeweint werden und die „Frankfurter Zeitung", der von der geistesverwandten „Volksstimme" das Zeugnis ausgestellt wird, daß sie „eines der wenigen bürgerlichen Blätter sei, das sich durch Mut und politische Klugheit in diesem Kriege auszeichne", widmet ihrem Heros jeden Tag in jeder ihrer drei Auflagen einen langen Leitartikel, in dem der Hingang des Staatssettetärs bejammert wird. Bemerkenswert ist das Eingestäirdnis der Frankfurterin, daß Herr v. Kühlmann ein „wichtiger Vertrauensmann innerhalb der Reichsregierung" gewesen sei. Ja v o n w e m war er denn ein Verttauensmann, muß man fragen, die Antwort folgt sogleich, indem gesagt wird' „Die Tatsache ist nicht auszuwischen, daß Graf Hertling ohne die Mitwirkung des Herrn von Kühlmann niemals Reichs- kanzler und Herrn von Payer niemals dessen Stellvertreter geworden wäre." Da haben wir's. Herr o. Kühlmann war. was wir längst gewußt haben, der Verttauensmann der radikalen geldsacks-dcnwkratrfchen Linken in der Reichsregierung. Daher die Tränen! Es ist wundervoll, die rührende Cinttacht sehen zu müssen, mit der „Frankfurter Zeitung" und „Volksstimme" „Berliner Tageblatt" und „Vorwärts" am Grabe ihrer Hoffnungen stehen. Nach alter süßer Gewohnheit zitiert man die Geister des Auslandes, wo es einen schlimmen Eindruck machen werde, daß der Mann des Verständigungsfriedens dahingegangen fei. Zum Teufel! was kann uns an dem feindlichen Ausland liegen, mit dem wir im Kriege stehen und das jede Faser seines Seins anstrengt, um uns zu vernichten. Man höre doch auch endlich einmal auf mit dem blödsin- rügen Worte von Verständigungsfried 7n. Das ist wieder einmal so ein Schlagwort, das die Volksbetrüger der Geldsacksdemokratie schesfelweffe zurDerfügung haben und mit denen man die fangen will, die nie alle werden. Ein jeder Krieg nimmt einmal durch Verständigung ein Ende, einem jeden Frieden Acht eine Verständigung voraus. Auch wir wollen den Frieden, auch wir ersehnen ihn. Die einzigen, die den Krieg wollen. vielleicht, denn wir kennen ihre Gefühle nicht, sie stehen nämlich der „Frankfurter Zeitung" näher wie uns, sind die Kriegsgewinnler. Aber wir sind der Meinung, daß durch ewiges Friedensgewinfel und fortwährende Friedensangebote der Krieg nicht beendet, sondern verlängert wird. Wir haben aus den Reden der feindlichen Staatsmänner noch nicht den allerkleinsten Beweis von irgend einer Friedensbereitschaft etuf all' die Friedensangebote gefunden, im Gegenteil, die Zrrtcüm- 1 Innung Deutschlands ist nach wie vor die Losung. Nach den ruhmreichen Waffenerfolgen, die unser tapferes Heer im letzten Vierteljahr errungen hat, hätten wir doch von - einem deutschen Staatsmann kräftige Worte verlangt, die mit den Taten unserer Truppen im Einklang ständen. Statt dessen stellt sich Kühlmann im Reichstag hin und stammelt eine klägliche Rode, daß die Waffen die Entscheidung nicht bringen könnten, eine Rede, der wir wieder einmal angemertt haben, wie gewissen Herren nichts peinlicher und unerwünschter wäre als ein deutscher Sieg. Bis in die Reihen des Fortschritts hinein hat dieses Ge- wtnfel. das nun doch zum Schwanengesang des Staatsekretärs geworden ist. Staunen und Widerspruch hervorgerufen und nur die äußerste Linke und die alte geldsacks-demokratische Richtung dre rou in der „Franks. .Zeitung" verkörpert sehen, hat auch da Ncht mit ihrem Beifall gekargt. Deshalb geben wir unverhohlen unserer Genugtuung Ausdruck, daß dieser unglückselige Staatsmann nun auch in den Orkus verschwunden ist. Gel (aut J&ettttM Tageblatt" m erster Ärmt Es ftnä in» «rina «ttWtlhekn« von Preußen, bei dem die Frag« der Religion z» erwägen wäre, Erzherzog Karl Stephan, Herzog Albrecht Eugen, der Swette Sohn des Prinzen Albrecht von Württtlnberg, Pnnz Friedrich Christian, der zweite Sohn des Königs von Sachsen, und Prinz Kyrill, der zweite Sohn des Königs von Bulgarien. Die Liste ist bisher rmr in- offtzlell rn polnischen Kreisen und ohne Mitwirkung der Regierung aufgestellt, die sich der Personenfrage gegenüber getvlffermaßen neutral verhält. Na Frikduigvkiirlig mit sicharikir. 10 .IM. (WB.) Zwischen dem russischen Gesandten und dem bulgarischen Geschäftsträger fand gestern der Austausch der Bestätigungsurkunden des Brest- Lttowsker Friedensvertrages statt. 5'tu k in rnglififirn flMinijjfflbriltfn. 10. Juli. Hollandsch Nieuws Bureau meldet: Sert einigen Tagen lagen hier unbestimmte Meldungen über einen drohenden Streik der Arbeiter in den briti- schen Flugzeugfabriken vor. Die Einzelheiten hierüber sind aber von Reuter zuriickgehalten oder vom Zensor unter- schlagen worden. Aus einer Londoner Depesche de» Hol- landsch Nieuws Bureau geht hervor, daß laut „Datty Expreß dieser Streik bereits 22,000 Mann umfaßt und sich fortwährend ansdehnt. wklanle bemerkenswert. Es heißt fast niemals: „Kriez gegen He Deutschen", sondern stets: „Krieg gegen de, Kaiser". Als die erste amerikanische Berlufttiste veröffentlicht wurde, stand in der Head-line — auf der Kopfseite der Blätter — alS Ausdruck für die.naive Auffassung vo, Krieg, die damals noch in den Vereinigten Staaten herrschte- „Der Kaiser mordet unsere Soldaten." — Raymond Hitchcock ein beliebter Revueschauspieler, hält in einer Wohltätigkeits- Vorstellung im Hippodrom Versteigerung über den Helm des Kaisers. Ein Herr in einer Loge bietet 3000 Dollars und erhält den Zuschlag. Hitchcock nimmt einen Check entgegen und verspricht den Helm zu schicken, sobald die amen- kanischen Truppen in Berlin eingezogen sind. Ein illustriertes Blatt bringt auf seinem Umschlag eine Schießscheibe — zum Uebungsschießen — im Zentrum sitzt das Bildnis des Kaisers. Mr. William Daran, Finanzkommissar in Chicago, verspricht öffentlich seinem Sohn Robert, der' an der amerikanischen Front in Frankreich kämpft, 500 Dollars bar für jeden Deutschen, den er tötet." Ist du Jnjfitrentnihrifg ;n ssnde? JH* polnische Künigsfrnge. »»[mfrfjen Kreisen wünscht inan eine baldige Lösung der Konigsjrage. Von den einzelnen polnischen Parteien werden verschiedene Kandidaten genannt, denen man den polnischen Thron anbieten möchte. Fünf Namen stehen da- Amerikas Interesse am Krieg. In welch zynischer Weise in den maßgebenden Finanz- kreisen Amerikas dessen Eintritt in den Weltkrieg begründet wird illustriert vortrefflich das uns von durchaus ver- trauenswürdiger Seite wiedergegebene Bekenntnis eines bekannten amerikanischen Stahlmagnaten gegenüber einem Neutralen, der vor längerer Zeit aus den Vereinigten Staaten znrückgekehrt ist. Der Amerikaner betonte zunächst, daß man ursprüng- Uch den Zentralmachten ebenso bereitwillig Kriegsmaterial und andere Dinge geliefert hätte, wenn die Möglichkeit dazu geboten gewesen wäre. Da man jedoch nur der Entente krefern konnte, wuchsen die amerikanischen Interessen immer mehr rn die der Entente hinein. Dieser wurden immer größere Kredite eiugeränmt, womit die „Pflicht Amerikas" gegeben war, „sich zu sichern". Die Bedingungen, die Amerika stellte, mußten angenommen werden, Preise und Quantitäten konnten so hoch bemessen werden, wie man wollte. Tausende neuer Munitionswerke entstanden, die Arbeit haben und sich bezahlt machen mußten. „Das konnte nur sein, wenn der Krieg absichtlich in die Länge gezogen wurde!" Daß unter solchen Umständen von einer dauernden Neutralität keine Rede sein konnte, war allen Erngeiveihten in Amerika klar. „Der Bruch mit den Zentralmächten nrußte kommen, weil unsere Regierung ihn wünschte." Und echt aml- ' -nisch klingen die weiteren Worte: „Was nützt uns eine Neutralität, wenn wir au derselben nicht das verdienen^ können, was wir wollen?" So erst konnten die Vereinigten Staaten freie Hand gewinnen zu den ersorder- llchen Rüstungen, konnten die Flotte aufbauen, eine Armee aufstellen, um beide „für die Zukunft" zur Hand zu haben. Was rn und aus Europa wird, sei den Amerikanern, im ^unde genommen ganz gleichgültig. „Je länger der Krieg -dauert, desto größere Vorteile wird Amerika davon haben, desto größere Kapitalien müssen von Europa herausqelmlt werden." Auf die Frage des Neutralen, ob eine derartige Gesinnung allgemein in Amerika herrschte, meinte der geschäftstüchtige Yankee actffelzuckend: „Was in Europa fällt, steht in Asien nicht mehr auf", und „es ist wahr", fügte er Hinzu, „nach jeder fruchtlosen Offensive und bei Bekanntgabe der monatlichen Versenkungen werden in den vornehmen Restaurants reine Orgien gefeiert, da neuer Verdienst winkt, während sich gleichzeitig die scheinheilige. Presse m Wutausbrüchen über das Unglück der Verbündeten und die Barbaren ergeht."... Und nun lese man die von Lloyd George anläßlich des Jahres-Essens des Verbandes der Buchdrucker gehaltene Rede, die in den Worten gipfelte: Wir rechnen völlig auf Me Amerikaner".Wir zahlen einen hohen, traurigen, quälenden Preis." Dann wird man sich sagen müssen, daß es hämmert und daß nicht nur Italien, das der Verband zugunsten einer Absprengnng Oesterreichs vom Vierbund zu opfern bereit ist, der Betrogene ist, sondern daß dessen Vetörer seinen Meister gefunden hat, indem er sich einem noch viel erbarmungsloseren ,,Freund" mit Harrt und Haar verschreiben mußte. Die größte Sehnsucht unserer westlichen Feinde ist es, ihr Ideal der militärischen Einschnürung Deutschlands, das durch die deutschen Waffensiege und die Friedensschlüsse von Brest. Litowsk zertrümmert worden ist, wieder aufzurichten. Nicht» scheint ihnen willkommener, als für den Endkampf Deutschland nochmals im Rücken zu bedrohen, um es in Frankreich zu lähmen und daheim zu verwirren. Daß sich die Heeresleitung dadurch nicht beeinflussen läßt, dürfen mir ihr getrost überlassen: sorgen wir dafür, daß wir uns im Inland« durch die neu« Drohung und die neuen Machenschaften nicht verwirren lassen! Es handelt sich auch hier wieder um einen mehr politischen als militärischen Schachzug Englands. Daß Rußland auch mit eng- lisch-französifcher Truppenhilfe in absehbarer Zeit, selbst wenn es den Brester Frieden gewaltsam zerreißen wollte, kein kriegsstarker Gegner wieder wie einst zur Zeit seiner Einigkeit wer- den kann, weiß natürlich auch Lloyd George. Haben wir di« disziplinierten und entschlossen z-usammengefaßten, frischen Heer« dcsZaren geschlagen, so werden wir mit zusammengesuchten Banden eines in sich uneinigen, von schweren Schlägen geschwächten Rußlands auch fertig werden. Andererseits dürfen wir wohl einem großen Teile des russischen Volkes Zutrauen, daß es mit uns in Frieden zu leben gewillt ist und einen neuen Krieg verabscheut. Ein Zweifrontenkrieg im alten Sinne ist mithin ausgeschlossen. Ein jüngst aus Petersburg zurückgekehrter Deuffcher betonte kürzlich in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung*' lvom 2. Juli): „Bei derartigen Zuständen ist die Wiederher. stellung eines mächtigen Rußlands in absehbarer Zeit nicht M erwarten. Das sollten sich alle gesagt sein lassen, die immer wieder vor der von Rußland angeblich drohenden „Revanche- gefahr" warnen zu müssen glauben. In Rußland selbst spricht kein Mensch von Revanche! Durch ängstliche Bedenken dieser Art kann die öffentliche Meinung nur irregesührt werden." Die bolschewistische Regierung Eroßrußlands ist, wie alle Nachrichten bezeugen, fest entschlossen, dem Murmanunter nehmen und anderen Ententemachenschaften die Spitze zu bieten, und wenn diese Regierung an dem Brester Frieden etwas auszusetzen hat, so wählt sie den Weg der Verhandlung und appelliert nicht aufs neue an die Waffen, die gerade mit Deutschland vo» neuem zu kreuzen durchaus nicht ihr Verlangen ist. Der schon früher von dem englischen Botschafter gestützte Großfürst Michas Alexandrowitsch wird schwerlich ein neues Rußland aufrichten» das sich abermals gegen Deutschland wendet, und denen um Kerenskij oder Miljukow fehlt heute die Gefolgschaft, die ihnen zu glücklicherer Zeit beschieden war. Allerlei mag sich aus dem russischen Chaos entwickeln — die Reichsregierung und die Oberste Heeresleitung behalten diese Dinge wachsam im Auge. Zu Sorge ist kein Grund vor. Händen, Aus DoUarika. Ärmer Graf Bernftorff! Dem früheren Botßhafter in Amerika Grafen Bernftorff ist die Würde eines Ehrendoktors der dorttgen Brown-Universität wieder entzogen worden. Damit ist dem Herrn, der soviel Sypathie an Wilson u. Co. verschwendet hat, die letzte Ehrung seiner falschen Freunde entzogen worden. Der deutsche Kaiser ffl der Blitzableiter für alle Der- leumdungen in den Vereinigten Staaten geworden. „Can che Kaiser" liest man an Zäunen «nd Giebeln, wo man rmmer von der Hockchahn in Newyork aus hinsieht. Frei übersetzt: Verarbeitet den Kaiser zu Büchsenfleisch! Eine Färbung ist in der Sprache der amerikanischen Kriegs- We KaMchmg dcr Wichsation. Wie Staatssekretär v. Waldow in der Neichstagssitzung vom Sonnabend mitteilte, ist vom 1. August ab mit der Kürzung der Fleischration zu rechnen. Die Maßnahme soll zunächst für 3 Monate in der Weise durchgeführt werden daß tu jedem Monat eine fleischlose Wock-e eingeführt und außerdem die Grundration für die gesamte versorgungs- cherechtigte Bevölkerung um einen geringen Anteil verkürzt wild. Diese Maßnahme soll nach Wiederherstellung der Brotration ausgeführt werden. Eine Nachrichtenstelle sagt nun zur Begründung der Maßnahme: „Wir befanden uns in dem ersten Halbjahr .1918 in unserer Biehbewirtschaftung auf sehr abschüssiger Bahn. Infolge der Unmöglichkeit, aus den stark reduzierten Schweinebeständen größere Fleischmengea aufzubringen, mußten die Rinderbestände immer mehr allein die Last der Fleischversorgung ttagen und ständig mehr liefern, als ihre normale Abgabefähigkeit erlaubte. Das führte bei dem durch den großen Futtermangel der Winternwnate stark gesunkenen Schlachtgewicht zu einem derartigen Eingriff, vor allem in unsere Milchviehherden, daß unsere gesamte Rind- Viehzucht einem auf Jahre hinaus nicht wieder auszu- gleichenden Tiefstand entgegeneilte. Ganz besonders nach- wilif stch die Folgen dieser viel zu weitgehenden Abschlachtungen dadurch, daß bie Milch- und Fettversorgung rn kurzer Zeit noch mehr hätte eingeschränkt werden müssen und auch die Fleischversorgung in absehbarer Zeit versagt hätte. Diesen drohenden Gefahren mit allen ihren unübersehbaren Folgen hat man durch die oben erwähnten Neu* regelungen vorgebeugt. So gering das von dein einzelnen derart zu bringende Opfer an und fiir sich ist, so bedeutend; ist die Gesamtwirkung dieser Maßnahme. Denn die für den einzelnen nur geringe Ersparnis beträgt für Deutschland' \n einem Viertelkahr weit Über 800000 Rinder und vev« mehrt täglich unsere Erzeugung an Molllereierzeugnissen imt etwa 750000 Kilogramm Milch oder um ungefähr 60000 Kilogramm Butter. Im Reichstag Wurde die Borsenumsatzsteuer rm wesentlichen nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Als Verteidiger der Börse traten lediglich die Freisinnigen und der Vorsitzende des Hansabundes, der Nattonalliberale Rietzer, auf. Von verschiedenen Seiten wandte man sich scharf gegen die Haltung, die die Börse in der letzten Zeit angenommen hatte. (Vörsenstreik usw.) Iknlnini nnt> Sd)fit>raatiimk In bemerkenswerter Weise läßt sich die „Kölnische Volkszeilung" über die Bedeutung des Scheidemannschen Auftretens gegen die Reichsregierung aus. Sie schreibt u. a.: „Es gibt kein schärferes Mißtrauensvotum gegen den Reichskanzler und die Regierung, als die Ablehnung des Etats. Bei der Zugehörigkeit der Sozialdemokratie zu einer bestimmten parteilichen Mehrheit, die auf Grund gewisser Vereinbarungen sich zusammengefunden hat, ist die Ablehnung des Etats ein unbegreifliches, unbegründetes Mißtrauensvotum gegen die Regierung und zugleich eine Kündigung dieses Mehrheitsverhältnisses. Die Sozialdemokratie hat kein Recht mehr, sich nach der Rede Scheidemanns auf das sogenannte Mehrheitsprogramm zu berufen. Unter der Führung Scheidemanns steht die sozialdemokratische Fraktion wieder ganz unter der früheren Herrschaft der demagogischen Agitationsphrase. Nach dieser Richtung hin hat sie seit einiger Zeit eine starke Wandlung vorgenonimen. Die Ausführungen Scheidemanns haben auch im Zentrum großen Unwillen hervorgerufen. Hessischer Kandtag. 63. Sitzung der 2. Kaimner der Landstäude. Darmstadt, 9. Juli. Um 10.15 Uhr eröffnet Präsident Köhler-Worms die Sitzung mit herzlichen Begrüßungsworten. Als Vertreter der Regierung sind anwesend: Staats- Minister Dr. v. Ewald, Minister des Innern v. Hom- b e r g k, Finanzmiffister Dr. Becker, die Staatsräte Dr. Süssert und Lorbacher. Geh. Oberfinanzrat Roh d e Geh. Leg.-Rat N e i d h a r d t, Fistanzrat S ch r o t h. Das Haus ist gut, die Tribünen sind schwach besetzt. Bei den Ersatzwahlen von Abgeordneten wurden gewählt für den 4. Wahlkreis Gemeinderechner Bickel- Affolterbach, im 9. Wahlkreis Generalsekretär H o f m a n n - Lorsch, im 2. Wahlkreis Gutsbesitzer D. Dehlinger, im 3. Wahlkreis Bürgermeister D i e h l -Hochweisel, im 6. Wahlkreis Prof. Dr. Werner, Oberlehrer zu Butzbachs im 14. Wahlkreis Parteisekretär Hermann Reumann- Offenbach und im 7. Wahlkreis Lehrer Josssf Schorn- Mainz. Der Vorsitzende begrüßt und vereidigt die neugewählten Abgeordneten. Als landständisches Mitglied zur Großh. Staatsschulden- Verwaltung wird Abg. Dr. Osan, Stellvertreter Brauer, zum Mitglied in den Ersten Ausschuß Abg. Stöpler, zum Mitglied in den eiiveiterten Ersten Ausschuß Abg. Soherr und zum Mitglied in den Vierten Ausschuß Abg. Singer gewählt. Als näck/ter Punkt der Tagesordnung steht die Regierungsvorlage, Kriegsmaßnahmen für Beamte, zur Beratung Der Berichterstatter, Abg. Dr. Osann, begründet ausführlich die Vorlage. Nach dem Ausschußbericht wird die Annahine der Vorlage beantragt mit der Abänderung, daß anstelle der für die Kmderzulage vorgesehenen 200 Mark eine solche von 250 Maick vorgeschlagen wird, auch sollen die dem Heere ange- hörigen verheirateten Beamten usw. die Hälfte des Familienzuschusses, die ledigen Beamten ein Viertel des allgemein vorgesehenen Zuschusses erhalten. Im Ramm des Finanz-Ausschusses erläutert Abgo- erdenter Dr. Osann eingehend die Einzelheiten der Vorlage. Der Redner vertritt auch als Redner der National- ttberalen Fraktion den einhellig gefaßten Beschluß des Ausschusses, der im wesentlichen die von der Regierung verlangte Erhöhung zubilligt, und bezüglich der Kinderzulage eine Erhöhung um Mark 50.— vorsieht, sowie bezüglich der beim Militär befindlichen Beamten eine Erhöhung des Familienzuschusses von % auf die Hälfte. Zweifellos sei die erschwerte und verteuerte Lebenshaltung mit voller Wucht auf die Festbesoldeten eingestürmt. Insbesondere seien seit dem 1. April 1918 die Preise für die wesentlichsten Bedürfnisse des Lebens (Wohnung, Nahrung und Kleidung) sprunghast in die Höhe gegangen. An der Notwendigkeit der Bewilligungen sei kein Zweifel und es handele sich hier nur um den Umfang der Bewilligungen. Wenn die hessischen Städte mehr noch als die Regierungsvorlage bewilligen, so könne es nicht für richtig gehalten werden, in Hessen einen Unterschied zischen städtischen und ländlichen' Beamten auszustellen, denn die Beamten auf dem Lande seien oft, insbesondere auch durch das Teuerwerden der Kindererziehung in schwererer Lage als die in den Städten. Zu be- dauern sei, daß nicht eine Einheitlichkeit in der Erhöhung für Stadt und Land herbeigeführt werden könne. Jeden- falls sei die Erhöhung eine ansehnliche und werde in vielen Kreisen der Beamtenschaft auch als eine ausreichende betrachtet. Lebhaft begrüßt wird von seiner Partei die Erhöhung der Kinderzulage. Prinzipiell müßten alle künftige Besoldungsordnungen Rücksicht nehmen auf den Familienstand. Kinderzulagen würden eine erhöhte Rolle spielen. fö* ttnf notwendiger Weise I« 8eu SkwÄ gebraW werde« müßten^ unsere BevölkenmgSziffer z» heben. Einen verhalMiSmäßig großen Fortschritt hätten die Pensionäre der Vorlage gewonnen. Auch hier stellte sich der Redner auf den grundsetzlichen Standpunkt, daß spätere Besoldungsordnnngen in analoger Weise eine Erhöhung der Pensionssätze zur Folge haben müßten. Eingehend wandte sich dann Dr. Osann den finanziellen Erfordernissen zu: Alles in Allem verlange die jetzige Kriegsteuerungsbeihilfe über 10 Millionen, von welchen 4 Millionen in den Hauptvoranschlag bereits auf Grund des früheren Gesetzes ausgenommen worden seien. Er habe die Ueberzeugung, daß die Beamtenschaft die Vorlage als eine den jetzigen finanziellen Verhältnissen des Staates entsprechende sehr ansehnliche Leistung darstelle und es sei dabei auch für seine Partei maßgebend gewesen, daß im Interesse der Harmonie der Regierung mit ihrer Beamtenschaft die Regierungsvorlage nur in den Punkten verbessert werde, in welchen wirklich Beeinträchtigungen Vorgelegen hätten. Der einhellige Beschluß des Finanzausschusses hat zum Ausdruck gebracht, daß man sich auf einer mittleren Linie habe bewegen wollen und diese Einmütigkeit möge auch in dem Hause Beifall und in der Beamtenschaft volle Anerkennung finden. (Lebhafter Beifall.) Er stellte dann fest, daß man weitergehende Anträge aus den verschiedensten Gründen nicht bewilligen könnte, zudem man jetzt die preußischen Sätze erreicht und teilweise überschritten habe. Die Vorlage erfordere große Opfer und glaubt er mit Sicherheit annehmen zu dürfen, daß nach den Vorbesprechungen der Regierung unter den Peamtenver- bänden ein volles Einverständnis erzielt würde. Damit würde eine Gleichstellung und teilweise Besserstellung mit den preußischen Reichssätzen erreicht. Die Beschlüsse wurden innerhalb des Ausschusses einstimmig gefaßt, nachdem man darüber einig war, daß die Anträge des Abg. B a ch zu weitgehend und mit zu großen Kosten verknüpft seien. Er hofft ans einstimmige Annahme der jetzt sehr weitgehenden Vorlage, die hoffentlich auch außerhalb des Hauses Beifall finde. Abg. Brauer (Bbd.) erläutert den Standpunkt seiner Fraktionsgenossen und stellt in anbetracht der weitgehenden Bewilligungen fest, daß seine Partei in Zukunft derartige Forderungen einer genauen Prüfung unterziehen werde, daniit man die Volksvertretung nicht ohne weiteres als Bewilligungsmaschine ansehe. Er geht auf die Verbesserungen gegenüber der früheren Vorlage näher ein, weist auf die Tatsache hin, daß die Sätze teilweise höher wie in Preußen und im Reich seien. Es müsse auch eine Gleichstellung zwisclien Stadt und Lcurd herbeigeführt werden, damit nicht die Landflucht der Lehrer und Beamten vermehrt werde. Auch müsse man an die Zukunft denken, denn die Ausgaben werden auf allen Gebieten größer werden; es werden in Hessen voraussichtlich erhöhte Einnahmen nicht zu erwarten sein, da nicht immer solche Glücksjahre wie beispielsweise 1917 eintreten werden. Im Interesse einer soliden Finanzwirtschaft dürfe man nicht zu weit gehen, da gerade Hessen für die Eisenbahn nach dem Kriege große Kosten habe. Man habe die Vorlage in dieser Höhe nur bewilligt in der Voraussetzung, daß sie gedeckt wer- den können. Abg. Henrich (Freisinn) erwähnt die Großzügigkeit der Vorlage, wenn sie auch nicht alle Wünsche erfülle. Die Beamten selbst verlangten nur die Berücksichtigung der allgemeinen Lage. In Preußen seien die Beamten in den Städten durch den 20prozentigen Aufschlag zu der Teuerungszulage besser gestellt; die Steuerfreiheit in Preußen sei auch ein großer Vorteil. Sehr erfreulich sei die Einigkeit inbezug auf die Berücksichtigung der Ruhegehaltsempfänger. Der Redner geht noch auf einzelne Fragen näher ein. Abg. Münch teilt mit, daß der für Mittwoch vorgesehene Lichtbildervortag wegen Verhinderung des Vorführers vorerst auf den Herbst verschoben werden müsse. Dann wird die Versammlung auf Mittwoch früh % 10 vertagt. Aus der Heimat. Rcifhsklc id erlag er. Am Freitag, den 12. Juli d. Js., nachmittags 3 Uhr, findet in Darmstadt, Fürstensaal, Grafenstraße 20, die Gründung einer Kleider'ver- sorgungs-Genossenschaft statt, welche für die Handelskammeröezirke Darmstadt, Offenbach, Gießen und F r i e d b e r g die durch den Konununalverband gesammelten Männeranzüge ankaufen, fachmännisch sortieren, auf- bewahren und an diejenigen industriellen Betriebe usw. verkaufen soll, denen die Heimarmeeabteilung der Reichsbekleidungsstelle auf bestimmte Mengen lautende „Ankaufsscheine" ausgefertigt hat. Die Wichtigkeit der Angelegenheit für den Webstoftkleinhandel läßt eine zahlreiche Beteiligung der interessierten Kreise erwarten. FO. Bad-Rauheim» 9. Juli. Einer Frau, die in der Nähe der englischen Kirche dahier einige Gänse hütete, wurde von einem Gauner die beste Gans vor ihren Augen weggenommen. Trotz lautem Geschrei der Frau und der Gans entkam der Eänse- dieb. FO. Vom Main, 9. Juli. In den letzten Tagen waren die Orte in der Nähe von Aschaffenburg von Hamsterern wieder überschwemmt. Im Bahnhof Aschaffenburg wurde ein ganzes geschlachtetes Kalb konfisziert und einer Frau auf dem Wege dahin 20 geschlachtete Hühner abgenommen. Aus Starkcnburg. FCJ. Groß-Gerau, 9. Juli. Im Specklager des KommuM- verbandes dahier wurde eingebrochen. Infolge dieses Vorfalls wurde die Wache dort verdoppelt FO. Bom Odenwald, 9. Jull. Für Heidelbeeren werde» in den Hauplorlen des Oden-waldes jetzt 2.50 bis 3.00 Mark fid das Pfund gefordert und bezahlt. Aus Rheiul,essen. FC. Albig, 9. Juli. Die Witwe Johann Knobloch von hier war von der Strafkammer Mainz wegen fahrlässiger Wein- fälschung in eine Geldstrafe von 300 Mark genommen worden und kurz darach wurde ein Verfahren gegen sie eingcleitet wegen Anstiftung zur Abtreibung. Die Frau hat nun ihrem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. FCJ. Aus Nheinhcffen. 9. Juli. Die Beerenernte ist in der Gemarkung Heidesheim überaus günstig ausgefallen. Die Einnahmen daraus werden auf eine Viertelmillion Mark berechnet. FCJ. Aus Rheinheffen, 8. Juli. An dem Vau der Chemischen Fabrik in Vuderheim stürzte ein Maurer aus Hechtsheim ab und erlitt schönere Verletzungen. — Einem Landwirt aus G, > r im. der in der Nacht mehrere Zentner B. renobst nach • ■ schmuggeln wollte, wurde erwischt und ihm die t-ie g7.n;e Ladung beschlagnahmt. FC. E.benheim, 8 Juli. Hier wurde mit der Frühkartos- felernte begonnen. Infolge der Trockenheit fällt dieselbe in manchen Lagen wenig befriedigend ans. Ans Hessen-Noä au. FC Wiesbaden, 9. Juli. Im Winter 1917 wurde von Erbenheim aus ein schwunghafter Handel mlt Fleisch nach Wiesbaden betrieben. Während dieser Zeit beschlagnahmte die hiesige Polizei beim. Bäckermeiestr Schütz dahier eine größere Menge ftisches Fleisch und Wurst. Im Laufe der Untersuchung erfuhr man auch die Namen der Fleischlieferanten in Erbenheim. Der Viehhändler Hermann Weiß von da hatte Schütz zwei Stück Vieh vettauft. Das eine davon verdankte nur dem Umstande fein Leben, daß die Polizei der Schleichhändlerei auf die Spur kam, das andere dagegen wurde von den beiden zurzeit beim Militär stehenden Söhnen des Weiß in die Scheune des Landwirts Philipp Stein in Erbenheim getrieben und heimlich für Schütz abgefchlachtet Stein besorgte außerdem den Transport des Fleisches nach Wiesbaden. Die Schöffen erkannten heute gegen Weiß auf eine Geldstrafe von 200 Mark wegen Vettauf von Vieh ohne Erlaubnis des Viehhandelsverbandes und wegen Höchstpreisüberfchreibung. Stein erhielt wegen Beihilfe 100 Matt Geldstrafe. Schütz ist bereits früher abgeurteilt. FC. Idstein, 9. Juli. Dem Lehrer, Leutnant der Reserve Schneider in Niederseelbach wurde das Eiserne Kreuz erster Klaffe verliehen. Aus dem Taunus. Wie einer Gemeinde geholfe» werden kann. Der Backofenbauar Heinrich Schwarz baute in diesem Winter in der Gemeinde Oberseelbach den Backofen. Im Backhaus ist eine Uhr angebracht, die jeden Morgen aufgezogen wird. Sie schlägt auch, aber ohne Ton, da ihr einziges Glöckchen einrücken mußte. Schwarz verstand aber da, Glöcklern zu ersetzen, er nahm nämlich einen alten gebrauchte« Rauchkanalschieber und setzte ihn an die Stelle des Glöckchens Wenn auch der Ton nicht so rein ist, so schlägt doch die Uhr und tut ihre Schuldigkeit. FC Bo« Westerwald. 9. Juli. Förster Schmidt erlegte lit der Nähe von Molsberg einen schweren Keiler. Seit einer Reihe von Jahr«r ist e, das erste Wildschwein, das in der hie- stgen Gegend angetroffen wurde. FC. Nastätten, 9. Juli. Der 79fährige Justus Kunz i» Lipporn ist feit dem 2. Juli verschwunden. FC. Aus Kurhessen. 9. Juli. Durch eine Biene an de, Kopf gestochen wurde die Ehefrau des Schreinermeisters Winke- bach in Eschwege. Es ttat Blutvergiftung ein, die nach kurzer Zeit den Tod der Frau herbeiführte. Eine reich illustrierte Chronik der Ereigniffe feit dein 1. Juli 1914. Herausgegeben von von Julius Hoffmann, Stuttgart. Band 16, Preis 6 Mark. Um das große Erleben des deutschen Volkes seit dem Au- gusi 1914 umfassend zu bezeichnen, reicht das Wort „Krieg" nicht mehr aus; es handelt sich vielmehr um eine durch die kriegerischen Entwicklungen herbeigeführte oder akut gewordene Entwiülungs- odör Dafeinskrisis für Deutschland. In engem Zusammenhang mit der Frage der eigentlichen Krtegsziele wird unser Volk bewegt von den Forderungen der Macht- oder nach Versöhnungspolitik, nach Demokratisierung, nach neuen Kullurzielen — Zeichen genug dafür, daß wir vor Toren stehen, die in eine ganz neue Zukunft hinausführen sollen. Von Anfang an hat der „Vöiker- krieg" dteje Seite der Geschichte des Krieges in ihrer Bedeutung erkannt und entsprechend bearbeitet. So bietet uns sein nun abgeschlossen vorliegender 16. Band eine umfaffende und schöne Darstellung über „das Deutsche Reich während des 4. Kriegshalbjahrs" (Februar bis August 1:16). Immer noch stehen wir in gewaltigen K impfen und finstern Bedrohungen; aber wie ermutigend ist dieser Rückblick auf das 4. Kriegshalbjahr! Was während der 7. Kriegstagung des Reichstags der Kanzler in wiederholten Reden ausgesprochen hat. ist heute teils schon erfüllt. teils der Verwirklichung sichtlich näher gekommen. Und wenn uns Eiich Dombrowski den Ausbau des staatssozialistischen Wirtschaflsiystems mit allen nur wünfchenswetten Einzelheiten über die Entwicklung der Versorgung und der Preisbildung vor Augen führt, so ist das Interesse beim Leser hierfür heute womöglich noch lebhafter als vor 2 Jahren. Damals war es auch, als in der-inneren Politik jene Fragen beherrschend hervortratell, die bis heute das Feld behauptet haben und sich an die Kriegs- ziele, den uneingeschränkten ll-Voolkrieg und alles dazu gehörige Für und Wider knüpfen. — Dieser Band behandelt dann noch die Kämpfe an der Ostfront im 4. Kriegshalbjahr. Hierzu gehören vor allem die russiiche Märzoffensive, die Sommeroffensioe, sowie die Gegenoffensive Linsingens. Es war jenes letzte gewaltige Sichaufbäuinen des russischen Ungetüms, das noch einmal bis zur Bedrohung Lembergs jührte, dann aber das Schick« sal Rußlands nur beschleunigte. Im folgenden Kapitel, „Rußland während des 4. Kriegshalbjahres", sehen wir. besonders aus der Tagung der Duma und aus Skandalen und Sensationen, das Wetterleuchten des nahenden RevolutwnsgewitterS. — So steht dieser neue Band an gründlicher Verarbeitung des Stoffes, festgefügtem Bau und schöner Ausgestaltung aller Teile den früheren in nichts nach und vermehrt die Freude am Besitz dieses Werkes und die Spannung nach seiner Fortsetzung. Verantwortlich für den politisck)en und lokalen Teil: Otto Hirschei, Fnedberg; fiir den Anzeigenteil: R. Heyn er. Friedberg. Druck und Verlag der „Reuen Tageszeitung", A- G., Friedberg L H. Der Mktrkritli. C. H. Bo er, Verlag Wriil rm töirifj Nomon von Courthß-Mahler. Nachdruck verboten. von Birkenheim, ich stand Frau von Platen schr nahe so nahe, daß sie kein Geheimnis vor mir hatte. Und ich weiß, daß sie Ihnen einst hat sehr wehe tun müssen." Der alte Herr sank in seinen Sessel zurück und ließ seine Augen reicht von Christa. fic hat mir wehe getan — sehr wehe — wie nie vorher und nachher ein Mensch." „Aber das hat sie nie gewollt. Man hat ihr noch viel weher getan." Er strich sich über die Stirn. „Kind — was wissen Sie davon?" Ein blaffes Lächeln flog über ihr Gesicht. „Mehr — viel mehr, als Sie denken, mehr, als Sie selbst wissen." - Er schüttelte fassungslos den Kopf. „Das ist seltsam, schr seltsam. Und — wenn ich Sie an- si'he — da ist mir plötzlich, als wollte sich mir ein Helles Licht in die Seele drängen. Was ist das? Ich tappe im Dunkeln und sehe doch dies Licht. Mir ist, als hätte Sie Graf Steinau nicht absichtslos hierher gebracht." Sie hatte das Buch hingelegt und verschlang die Hände in treuer Erregung. Aber ihre Augen sahen ihn bittend, beschwörend an. „Was Sie auch denken mögen, Herr von Virkenheim, ich stehe Sie an, ziehen Sie keine voreiligen Schlüsse. Glauben Sie nichts Schliinmes von mir — von Graf Steinau. Ich will Ihnen gestehen, daß ich nicht zufällig nach Virkenheim kam, sondern in der festen Absicht, eine Mission zu erfüllen. Der Wille einer Sterbenden hat mich hierher geführt." „Der Wille einer Sterbenden?" fragte er heiser. Sie neigte das Haupt. »Ja. Ich hätte Ihnen das längst gesagt, ich habe es Ihnen Mcht gern ,o lange verheimlicht. Aber ich batte so große Sorge, doß ich Sie damit aufregen könnte, und daß Ihnen die Aufregung schaden würde. Die Sorge hat mir aber Graf Steinau genommen. Und nun bitte ich Sie herzlich und inständig, mir zu gestatten, daß ich meine Mission erfülle." Er ließ seine Augen nicht von ihrem blassen, erregten Ee- ficht. ..Was ist das für eine Mission?" Sie sah ihn mit ihren schönen Augen flehend an. . Ich habe den Auftrag. Ihnen Aufzeichnungen von Maria von Platen zu übergeben und sie sicher in Ihre Hände zu legem Da ich aber weiß, daß Sie ein Augenleiden haben, und dies umfangreiche StrtftftÜck nicht selber lesen können, bitte ich Sie. mtr zu gestatten, daß ich es Ihnen vorlese. Es darf kein fremdes Auge auf diesen Aufzeichnungen ruhen. Niemand soll der Inhalt kennen lernen, als Sie. Ich selbst kenne den Inhalt genau und deshalb sollen — müssen Eie mtt gestatten, daß ich ^zhnen das Schriftstück vorlese." Mit einem seltsam forschenden Blick sah er sie an. ' „Sagen Sie mir offen — nähmen Sie nur, um diese Mist sicn zu erfüllen, die Stellung als Vorleserin bei mir an?" Vetr.: Dre Fleischversorgung fürs die Bevölkerung der Stadt Friedberg. | KekanntmachirnK Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verlauf von Rind- und Kalbfleisch sowie Wurst für diese Woche am Frei- tag. den 12. Juli 1918, nachmit. tags von 1-6 Uhr. in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden stattfindet. Die Verkaufszeit ist genau einzuhalten. Schweinefleisch gelangt nicht zur Ausgabe. Snedberg, den 10. Juli 1918 Der Bürgermeister. 2. V.: Damm. Bekanntmachung Die Stadt Friedberg beabsichtigt einen kräftigen, sprungfähigen Faselochsen 16—18 Monate alt, anzulaufen. Schriftliche Angebote werden bis zum 16. ds. Mts. an den Unterzeichneten erbeten. Friedbera, den 8. Juli 1918. Der Bürgermeister. 2. V.: Dam m. Kekanntmachnng. Wir bringen erster Tage frische grüne Erbsen durch die hiesigen Gemüsehändler zum Verkauf. Anmeldungen nehmen wir unter Vorlage der Lebensmittelkarte aus unserem Geschäftszimmer Freitag nachmittag von 3 bis 4 Uhr nur für den Bezirk II. Nr. 501—1000 entgegen. 9 Für die Nummern 1001 aufwärts des Bezirks ,» werden die Bestellungen Samstag vormittag von 3 bis ö Uhr entgegen genommen. ' ö a b Friedberg, den 10t Juli 1918. Der stellvertretende Bürgermeister (städt. Lebensmiltei-Ausichuß) - _ 2. A.: Langsdorf. *Unt> - I«m 6t* AmMWM «fimi 06f Hann noch Ar« EMlung fcef mir behalten?* ..Ich bitte Sie. mir die Beantwortung dkHSk FrckM Mt W? lassen, bis ich Ihnen das Schriftstück vvrgolese» habe. Darf Uh es -Ihnen bringen?" £ ~ ; j L Er nickte. ^ __ . W w LI "Tun Sie das — FrFulein Seftnmt'* Sr betonte diesen Namen gang seltsam. Christa entfernte sich rasch. Sie eilte auf Hr Zimmer Und nahm aus der Kafette. die sie am Tage ihrer Ankunft in ihren Schreibtisch eingeschlossen hatte, ein Schriftstück. Das barg fie in ihrem Kleide. Und es war gut. daß sie es getan hatte, denn in der Halle begegnete ihr Karla. „Nun, Fräulein Hellmul — ich denke, Sie losen Onkel vor?" „Ja, Baronesse, jetzt gleich. Ich hatte nur mein Taschentuch vergessen." Damit gab sich Baroneß Karla zufrieden. Christa betrat das Arbeitszimmer wieder. Herr von Birke nhe im faß. den Kopf in die Hand gestützt, am Schreibttsch. Christas Worte hatten ihn sehr erregt. Er blickte auf das Bild hernieder, als müsse er in Maria von Platens Antlitz lesen, was er jetzt erfahren sollte, lieber Christa HeN.nuts Persönlichkeit machte er sich eigene Gedanken. Christa trat an seine Seite und legte das Schriftstück vor ihn hin. Es war versiegelt. Er sah darauf nieder und los die Aufschrift: „An meinen Vetter, Heinz von Virkenheim. Nach meinem Tode in seine eigenen Hände zu legen. Maria von Platen." Er seufzte tief auf, löste das Siegel und reichte Christa das Schriftstück. „Bitte — lesen Sie." Christa entfaltete den engbeschriebenen Dogen. Sie nahm in ihrem Sessel Platz und begann zu lesen: Mein lieber Heinz! Wenn ich vor meinem Ende noch einen heißen Wunsch habe, so ist es der. daß du diese Aufzeichnungen eines Tages erhalten wirst und daß Dir das, was ich zu beichten habe, die Bitterkeit aus der Seele löst, die sich darin ausgespeichert hat gegen die Frau, die Dir einst die Treue brach. Du hegst wahrscheinlich noch heute einen tiefen Groll gegen mich. Vergebens habe ich wieder und wieder an Dich geschrieben. Du ließest meine Briefe uneröffnet zurückgehen uird ver- iveigerteft die Annahme." Hier fuhr Herr von Birkenheim auf. ^ „Halt? Das ist nicht wahr! Ich muß Sie unterbrechen, ^ch habe nie einen Brief von Maria von Platen bekommen, fert sie Virkenheim verließ." stieß er erregt hervor. „Das hat Frau von Platen noch vor ihrem Tode erfahren, Herr von Virkenheim, und am Schluß ihrn Aufzeichnungen wird sie noch selbst darauf zurückkommen. Darf ich forlfahren?" „Ich bitte darum. Entschuldigen Sie, daß ich Cie unter, brach. Ich werde mich jetzt bis zum Schluß aller Einwendungen enthalten und Sie ungestört bis zum Ende lesen lassen — was ich auch erfahren werde/ Christa fuhr fort: . und verweigerten die Annahme. Nur meinen letzten Brief hast Du wohl an genommen, denn er kam nicht zurück. Ich Adresse von anderer Zand schreibe^ «m Dich"zu'bestttst> MV», den Brief zu lesen. Da ich auch darauf keine Antwort vo» Dtk bekam, wußte ich, daß Du mir unversöhnlich grolltest. Und doch ist mir, als durfte ich nicht sterben, bis ich mir atka von der Seele geredet habe, was mich bedrückt feit de» Tay. da ich Deine Braut wurde. Deshalb schreibe ich dies alles nieder, als eine Lebens- Seichte. Ich weiß, daß ich bald sterben muß, und wünsche sehn- Nchst, daß Du wenigstens nach meinem Tode erfährst, was uns eigentlich getrennt hat In meinem letzten Brief bat ich Dicht mir zu gestatten, daß ich Dir alles sagen durfte. Dir gabst mir die Erlaubnis nicht, schwiegst unerbittlich. Aber der Toten wirst Du gestatten, sich zu rechtfertigen, und ihr wirst Du glauben, dast sie, angesichts des Todes, die lautere Wahrheit spricht. So wahr ich auf ein friedliches Ende hoffe, so wahr ist jede- Wort, das ich hier mederfchreibe. Ich schwöre es Dir bei dem! Höchsten, was mir noch auf Erden geblieben ist, bei dem Wohk und Glück meines einzigen Kindes. Und nun laß Dir berichten, wie alles kam und wie ich von Dir getrennt wurde. Laß es Dir sagen, Heinz — ich habe in meinem ganzen Leben nur einen einzigen Mann geliebt — mit der ganzen Inbrunst meiner Seele, mit allem, was in mir war — und dieser Mann warst Du — Du allein." Hier fuhr Herr von Virkenheim doch wieder empor, akH wollte er eine heftige Einwendung machen. Aber er bezwang sich und sank in seinen Sessel zusammen. „Wetter!" stieß er heiser hervor. Christa hatte ausgeblickt in sein verstöttes Gesicht. Nun fuhr fie fort: „Wenn ich zu Lebzeiten Deiner Ellern eingeladen war nach Birkenheim, als Backfisch noch, da freute ich mich immer unsag^ bar — weil ich Dich sehen konnte, und mit Dir zusammen seist durfte. Es lag nicht in meiner Art, Dir das zu zeigen und auch Du warft still und zurückhaltend. So verschloß ich mein Empfinden fest in meiner Brust und ließ es nie heraus. Als meine Eltern starben, bald nach den Deinen, blieb mir, wie Du weißt, nur meine Freistelle im Sttift. und ich mußte sie antreten. Tante Anna war inzwischen zu Dir nach Birken- hoftn gekommen, um Dir den Haushalt zu führen. Sie lud mich, ein, im Sommer einige Woche» in Virkenheim zu verbringen. Zugleich ttaf auch unsere Kusine Helene mtt ihrer Mutter ein* Tante Anna mochte weder Helene noch ihre Mutter leiden. Zu mtt aber war sie sehr lieb und gut. Und in ihrer Seele' reifte dann wohl der Plan, zwischen Dir und mir eine Verbiß düng hrrbeizuführen. Sie machte mir ziemlich, deutliche Anspielungen, daß fie es gern sehe, wenn ich Deine Frau würde, und ich mochte nicht leiden, daß sich Helene so aufdringlich bei Dir einschmeichle. Wenn diese auch immer an Deinem Arm hinge, so machtest Du Dir doch ganz sicher nichts aus ihr. Ich nahm das alles sehr verlegen auf. Daß Helene viel t» Deiner Gesellschaft war, merkte ich wohl — und es tat mir weh, daß Du mehr mit ihr als mtt mir zusammen warst. Gern glaubte ich Tante, daß daran nur Helene schuld sek. und daß Du Dir ihre Gesellschaft mir gefallen ließest, um nicht unhöflich sein zu müssen. Man glaubt so gern, was man wünscht. TantV Anna behauptete, mit Helene würdest Du nur unglücklich wen den, und es sei meine Pflicht, das zu verhindern Fortsetzung folgt. U Kekanntmachnng. yi'ää)]itn Freitag, den 12. ds. Mts., vormittags von 8—10 Ufer verkaufen wir in der alten Post ' Kopfsalat. Es werden abgegeben: 1« Haupt zu 80 Pfg. oder 5 Haupt zu 10 Pfg. Friedbcrg, den 10. Juli 1918. Der stellvettretende Bürgermeister (städt. Lebensmittel-Ausschuß) . _ 2. A.: Langsdorf. B»llmN»f. Die Gemeinde Södel beabsichtigt einen sprungfähigen, 16 Monate alten Simmentaler Faselbnllen anzukaufen. Besitzer solcher Tiere wollen dieses bei Unterzeichneter Stelle anmelden. Södel, den 10. Juli 1918. Erogh. Bürgermeisterei t _2. V.: Hensel. Ankauf eines Faselochsen. Die Gemeinde Bönstadt beab- kchtigt einen jungen Faselochsen Im Atter von 16—18 Monaten »nzukaufen. Besitzer solcher Tiere lverden gebeten, sich bei unterzeich- »eter Stelle zu melden. «Snftadt, den 9. Juli 1918. Lehrling. EliiLWiOiq Suche für mein Med.-, Drogen-, Färb- u. Materialwaren-Eeichäft einen kräftigen, jungen Mann als Lehrling, per sofort oder später. Kost und Wohnung im Hause. Eefl. Offert, nebst Größenangabe an I. Baumisttt NM., 2nh.Friedr.Karl Ott. Hoflieferant Friedberg i. H. Möbl. Zimmer zu vermieten. Friedberg. Kaiserstraße 131, pt. 1 sowie einen starken Mpntt-Sßiip, beides fast neu, zu verkaufen bei 4r»ht. imtmühxn (Heinrich riet* II., Wagner. H«ch»Weisel bei Butzbach. noch gut erhalten, sieht zu verkaufen bei Mkpl, ÜIIM, Ober- Wöll stadt. Einen gut erhaltenen Selbstbinder (Loschorn) hat zu verkaufen Wilhelm Heil, Kaichen. Ig. Schmieröl Dreschmaschinen. fa. Cyllnderöl la. YVanenfett Va. TiCdcrfelt empfiehlt Jos. Derfelt, Fricdberg, Kailersttaße 116. BtzikWMe,I«WW Friedberg. Unsere Kasse bleibt von jetzt ab an den Samstag- Nachmittagen geschloffen. die- im Interesse ihre- Friedberg, den 10. Juli 1918. _ Der Vorstand General* V crsammlimg lies Kttiö-MliWGcrms $itnp 4Ä^"iÄ nad,mit, ° a5 2Vl ^ Gasthaus Tagesordnung! 1. Rechenschaftsbericht für 1917. 2. Voranschlag für 1918. 3. Wahl des Vorstandes. 4. Verschiedenes. lichst^einge^den^* unb ^ rcuni)e Vereins sind hierzu freund- t^chzell, den 8. Juli 1918. Stall. WttNtll! Landmrte! Wir liefern ab Lager Nidda: ein- und zweispännig, fhtSjluiifjCr, Getreidemiihmaschitteir, alle Arten Pflüge, Kultiuatoreu, Glattwalzen, Cambridge- Mahe«, Drillumjchiuen. Majchmchchine«, Ceutrifugen, Desimalwagen, Jauche- pnmpen, Fruchtpresse« und Fruchtkessel sowie sämtliche Maschine» und Gerate für die Landwirtschaft. Ferner liefern wir: Alle Ersatzteile für sämtliche Maschinen. Eigene Neparotur-Werkstätte. Schäfer & Fischer, SS Nisi»« 55 Martens für 5-, 10-u 20-Pfd.-Pakete sowie Fetdpostkästchen in gross.Auswahl eingetroilen Friedberg i. II., Kaiserstrasse 51, gegenüb. d. Engelapotheke. Den Freunden dieses Blatt, empfehle ich mein Laaer in Optik, Brillen u. Kneifer nach jed. Rezept. Lieferung f. Kaffen. SeKringkricht. Kkpar.-Mrrk- -ältr m.Masch.-Selr.f.lYptik, Uhren,G-Idw.n. Feinmechanik Wilh. Lohrey, Uhrmacher j. Uieder-Florstadt. Extra große Thüringer Reiserbesen alle Sorten Bürsten, Besen, Striegel, Toilette-Artikel, prima Rasier- tt. Toiletteseife, prima Linoleum- und Parkettwachs alles in großer Auswahl. Theobald Steinel BUrstenfabrik. Friedberg. Kaiserfttatze 1 17. Mlniseli, ßtlronciUb VaM-Wakt in GlaSröhrch«», ä 50 Pfg., Senf in Tuben, ä 50 Pfg., empfiehlt Friedrich Michel