Nummer 158 _ Dienstag, den 9. Juli 1918 _ 11. Jahrgang. Die „Zke«e Tageszeitung" erscheint ,eden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Dev Kauer aus Kessen", „Die Zpimrstude". Ksrugspr-is: Bei den Postanftalten vierteljährlich Akk. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Anenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Tragerlohn. Anzeigen: Grundzeile 2b Pfg., lokale 20 Psg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahmk erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Hchriftleitung und Verlag Friedberg (Hessen), yanaueritraße 12. Fernsprecher 43. Postjchsck-Lonto Nr. 4859, Amt Frankfurt a. M. KkgWe TklsKlZrift mi fa Ssfee-Kiml unter ji>»kle« inlipfü Sieben italle,,siche Angriffe auf die Casion-Stellnng abgemiesen. — Uene Kämpfe in Albanien. 1 <»000 Tannen versenkt. — Der Gesandtenmard, die Entente und Kerenskij. Der deutsche Generalstak --_ W» T. K. Großes KarrpIquarLier. den 8. Juli. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. • . » Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht. Die Artillerietätigkeit lebte am Zlbend auf. Sie nahm wahrend der Nacht beiderseits der Lys, am La Bassee-Kanal und zu beiden Seiten der Somme zeitweilig große Stärke an. Rege Erkundungstätigkeit. Stärkere Vorstöße des Feindes bei Merris und südlich der Lys scheiterten. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Westlich von Chateau-Thierry hielt lebhafter Feuer- kampf an. Vorstöße des Feindes gegen den ClignoiuAb- schnitt und südwestlich von Reims wurden abgewiesen. Leutnant B i l l i k errang seinen 22. Luftsieg. Ter Erste Eeueralguartiermcistcr: Ludendorff. Abendlrericht. , Berlin, 8. IE, abends. (WB. Amtlich.)' Cnglisckis keilangrilfe beiderseits des La BassÄ-Knnals sind unter chweren Verlusten gescheitert. Der österreichische Generalstab j - meldet: —— — ° Wien, 8. Juli. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Das Ringen um die CassomStellungen östlich des Monte Portica dauerte bis in den Nachmittag an. Sieben- mal hat sich das tapfere Ottocaner Regiment Nr. 79 im Gegenstoß auf den Feind geworfen, ehe dessen Angriftskraft völlig gebrochen war und er endgiiltig in seine Gräben zurückfluten mußte. Der Regimentskommandeur der Ottocaner, Oberstleutnant Karl Coller, ist an der Spitze seiner Braven den Heldentod gestorben. Sonst im Südwesten keine, größeren Kampfhandlungen. In Albanien ging gestern der Italiener an der mittleren und unteren Bojusa mit starkem Westflügel zum Angriff über. Wir nahmen die im Flußtal vorgeschobenen Postie- rngen gegen die Hauptstellung zurück. Der Chef des GeneralstabeZ. Der bulgarische Generalstab . meldet: - Sofia, 7. Juli. (MB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht Mazedonische Front: Im Cernabogen und westlich von Dobropolje beiderseits kurze Feuerübeftälle. Südlich von Gew- gheli schoß unsere Artillerie feindliche Munitions-Depots rn Brand. Im Struma-Tale lebhafte Flugtätigkeit des Feindes. Das türkische Hauptquartier 1 -- meldet: - Konstantinopel, 6. Juli. (WB Nichtamtlich.) Eeneral- stabsbericht. Palästinafront: Geringe Gefechtstätigkeit an der ganzen Front. Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts von Bedeutung. r Konstantlnopel, 7. Juli. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Palästinafront: Im Küstenabschnitt wurde ein feindlicher krkundungsvorstoß leicht abgewiesen. Auf der ganzen Front nur schwacher Artilleriekcrmpf. Von den anderen Fronten ist nichts von Bedeutung zu melden. Fünf feindliche Flieger haben heute vormittag Konftantinopel mit Bomben angegriffen. Dank unserer Abwahrmatznahmen ist der angerichtete Schaden sehr Sermg. Flugzeuge gegen tt-Doote. Berlin, 8. Juli. (WB. Amtlich.) Am 6. Juli na'ctz- mittagshäben zwei Staffeln der Seeflieger des Marinekorps unter Führung von Oberleutnant der Reserve Christiansen und Leutnant der Reserve- Becht vor der Themsemündung die englischen U-Boote „G. 25" und „E. 61" durch Bombentreffer und Maschinengewehrfeuer schwer beschädigt. Feindliche Zerstörer versuchten, die beiden U- Boote einzuschleppen. „G. 26" wurde zuletzt in sinkendem Zustande beobachtet. Der Ches des Admiralsiaües dcr Marine. * Berlin, 8 Juli. (WB.) Wieder hat der amtliche Bericht von der hervorragenden Leistung eines unserer besten Seeflieger, Oberleutnants Dr. Christiansen, Meldung erstatten können. Am 6 Juli nachmittags hat dieser bewährte Offizier mit seiner Staffel vor der Themse-Mündung zwei englische U-Boote angegriffen und beide erheblich beschädigt, eines davon so schwer, daß sein Sinken wahrscheinlich ist. Der Kampf zwischen U-Boot und Flugzeug, das ist eine der phantastisch anmutenden neuen Gefechtsarten. die diesen Erfolg uns gebracht hat, der Kampf zwischen zwei technischen aufs höchste entwickelten, selbst todbringenden. aber auck, äußerst verletzlichen Waffen. Zu dieser Begebenheit werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Eine der Seeftug-Staffeln des Marinekorps, unter der Führung Christiansens, stieg am 6. Juli mittags von der flandrischen Küste aus bei Hellem Wetter zur Fernaufklärung nach der englischen Küste aut. Vor der Themse-Mündung in der Nähe des Sandes von Shivwash, stchteten unsere Flugzeuge ein aufgetaucht fahrendes englisches U-Boot, das die Bezeichnung „C. 25" groß am Turm aufgemalt trug. Bevor es Zeit fand, zu taucken, stießen unsere Flieger auf ihre Beute herab und griffen das Boot aus nächster Nähe mit Maschinengewehrfeuer an. Binnen kurzem war die an Deck befindliche Besatzung des Fahrzeuges getötet; nur der Kommandant hielt sich noch eine Zeitlang auf dem Turm und suchte, mit dem Karabiner feuernd, der gefährlichen Gegner Herr zu werden, bis auch er fiel. Der Tauchmechanismus war offenbar so beschädigt, daß ein Unter- wafferbringen des Bootes nicht mehr möglich war. Aus nächster Nähe wurde das U-Boot immer wieder von den Salven unserer Maschinengewehre überschüttet, kus ihre gesamte Munition verfeuert war. 35 Minuten laug dauerte das Gefecht. Steuerung bewegungslos trieb dos U-Boot im Strome, als unsere Flugzeuge den Rückzug antrtten. — Auf ihre Meldung flog sofort eine zweite Staffel nach dem Orte des Gefechts. Cie traf „C 25" im Schlepptau eines anderen U-Bootcs .,E. 51" und rrriff sofort beide Boote an. diesmal auch mit Bomben. Auf ,.C. 25" wurden zwei Bomben-Bolltreffer erzielt. Nach einer halben Stunde wurde das Gefecht abgebrochen, nachdem abermals der Munitionsvorrat erschöpft war. Die Staffel Christiansen, die sich inzwischen erneut auf den Weg gemacht, stellte fest, daß .C 25" völlig manövrierunfähig, anscheinend in sinkendem Zustande, vor der Themse trieb, während das andere Boot in offenbar schwer beschädigtem Zustande von hinzngekomme- nen englischen Zerstörern >n Schlepp genommen wurde. Stolz • auf ihren Erfolg kehrten unsere Flugzeuge, ohne selbst irgend welchen Schaden erlitten zu haben, in den Hafen zurück *6000 Tonnen versenkt. Berlin. 7. Juli. (WB. Amtlich.) Unsere Unterseeboote haben im Mittelmeer vier Dampfer und drei Segle von rund 16 000 Brt. versenkt. Der Chef des Admirnlstabcs der Marine. M Kopenhagen, 7. Juli. (WB.) Wie „National-Lidende aus Göteborg meldet, wird der Personenverkehr zwischen Schweden und Amerika wieder ausgenommen werden. Le Dampfer „Stockholm" von der Schwedischen Amerika-Lini soll etwa am 1. Septernber von Göteborg abgchen. Daran wird jede siebente oder achte Woche ein Dampfer vor Schweden nach Amerika fahren. Bern, 8 Juli. Wie aus Washington gemeldet wird, kün dkgts das Departement der Admiralität an, daß der Dampfe.' „Chilier" am 21. Juni durch die Kanonen eines deutschen lln tcrseebootes auf offener See, 1400 Meilen von der Küste de; Atlantischen Ozean entfernt, versenkt worden ist. Der „Chi lier" ist ein Dampfer von 2966 Tomrew Die Kämpfe au der Westfront. Berlin. 8. Juli. (WB.) Vielfache Patrouillenvorstöße der Verbandstruppen, die zwischen Merris und dem La Bassee-Kas nal sowie südöstlich Hamel mit starken Kräften ausgefühct wur§ den, sind ausnahmslos abgewiesen worden. Am Olignonbache. versuchte der Gegner die Deutschen dadurch zu täuschen, daß seine Patrouillen deutsche Stahlhelme aufsetzlcn. Diese Völkerrechtswidrigkeit wurde rechtzeitig erkannt und brachte seinen Truppen mir Verluste ein. Compiegne wurde wiederum beschossen. Ein Angriff deutscher Flieger auf die Dünkirchener Docks hatte beobachtete lang anhaltende Brände zur Folge. Die Kämpfe au der Kirdfront. Wien, 7. Juli. (WB.) Aus dem Kriegspresseqr'artiec wird gemeldet: Während die Räumung der Piave-Jnsek ohne Störung durch den Feind mit Rirhe und Ordnung durchgeführt werden konnte, setzte bereits um vier Uhr früh auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden heftiges Ar- ttlleriefeuer gegen unsere Stellungen bei Asiago ein. Einzelne hierauf folgende feindliche Vorstöße im Raume bei Sisemol und Asiago scheiterten. An den: Zusammenbrechen eines in den Morgenstunden ebenfalls nach starker Artillerie- vorbereittmg östlich vom Monte Perttea angesetzten italienischen Angrifts hatten neben den braven Kroaten des Infanterieregiments 79 auch eigene Batterien rühm« lichen Anteil. Ein mittags neuerlich versuchter Angriff wurde ebenfalls glatt abgewiesen. Der Feind erlitt sc^vere Verluste. An der Tiroler und der Süd front herrschte Ar- tillrietättgkeit. An der Abwehr von italienischen Angriffen an der Piavemündung wirkten auch Luststreitkräfte erfolgreich mit. Am 4. Juli griff ein starkes Geschwader um die Mittagszeit in dem Raume von Cava Zuccharina den Feind erfolgreich an, wobei aus niedriger Höhe 1065 Kilogramm Bomben und über zwanzigtauseud Maschinengewehrschüsse abgegeben wurden. Hierbei zeichneten sich besonders die unter dein Kommando des Oberleutnants Hautzmeyer stehenden Jagdflieger aus. Der in den Abendstunden desselben Tages wiederholte Schlachtflug hatte auf den Feind eine panikartige Wirkung. Von beiden Flügen sind sämtliche Flugzeuge zurückgekehrt. — Auch in Albanien herrschte sehr rege Flugtätigkeit. Fliegerangriff auf Kaiserslautern. Karlsruhe, 8. Juli. Mehrere feindliche Flieger griffen gestern Nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr die offene Stadt Kaiserslautern an. Eine Anzahl der abgeworfenen Bomben fiel in und außerhalb der Stadt nieder und richtete zum Teil Hüuserschaden an. Leider wurde auch eine Person gelötet und eine andere leicht verletzt. Ein feindliches Flugzeug wurde in der Nähe von Pirmasens abgeschossen. Der Mord in Moskau. Unsere Ansicht, daß wir in Kerenskij den Urheber der scheußlichen Mordtat zu erblicken haben, wird nun auch von anderen Blättern geteilt. Sie findet durch folgende Nachrichten nun Bestätigung: Wie Havas aus Petersburg meldet, antwortete Kerenskij auf die Frage, was er über die Ermordung des Grafen M i r b a ch denke, den Zeitungen, er bedaure jeden Mord, aber er freue sich über den Tod des Grafen Mirbach, der für Rußland ein glückliches Ereignis sein werde, denn er bedeute die Wiedergeburt des Landes. Kerenskij fügte hinzu, von Moskau werde eine gegen Deutschland gerichtete Bewegung ausgehen, denn es sei jetzt gewiß, daß die Deutschen Moskau besetzen würden. Mirbach sei der wirkliche Herrscher von Rußland gewesen und er habe sich so gut mit Lenin und Trotzkij verstanden, daß er es nicht nötig gehabt hssbe, die deutschen Truppen herbeizrrrufen. Genf, 8. Juli. Noch bevor die Ermordung des GrafeT Mirbach bekannt wurde, teilte Kerenskij dem „Petit Pa« risien" nnt, was er iiber Mirbachs miftasfende Tätigkeit «s Rrrßland erfahren habe. Der persönliche Einfluß des deutschen Botschafters sei in jüngster Zeit schrankenlos geworden. Er plane durchgreifende Reformen auf allen Gebieten. Die Entente habe das höchste Interesse daran, ihm rasch entgegenzuwirken. Hierüber wolle Kerenskij der ftanzösischeu Regienmg Genaueres begannt geben. Rotterdam, 8. Juli. Aus Paris wird gemeldet: Ko- rei^kij hielt am 6. Juli in einer Versammlung der Kam- mermrtglieder der vereinigten Sozialistenparteien eine Rede, in der er sagte, Rußland betrachte sich noch immer als rin Kriegszustände mit Deutschland befindlich Die Bande, dre Rußland mit den Alliierten verbänden, seien nicht zerrissen und könnten nicht aufgelöst werden durch eine Re- ELerung, die von Rußland niemals anerkannt wurde. Der Friede von Brest-Litowsk habe Rußland in eine verzweifelte Lage gebracht. Der deutsche Einfluß werde nach und nach stärker. Der Vertrag von Brest-Litowsk werde von dem Lande nicht anerkannt. Die Ententemächte könnten Rußland bei seinem Bestreben, den deutschen Einfluß auszuschalten, sehr unterstützen, aber die zur Errich tung dieses Zustandes notwendigen militärischen Operationen durften nur von russischen Streitkräften ausgeführt werden. Tereschtschenko. • Auch ein anderer Busenfreund Kerenskij's, der Mini- fter des Aeußern im Kabinet Kerenskij, der mehrfache Millionär aus Odessa, Tereschtschenko ist aus der Versenkung wieder aufgetaucht. Wie die „Voss. Ztg." meldet, befinde* er sich augenblicklich auf dem Weg nach England in Bergen in .cor-wegen, flüchtete aus Rußland über Myrman. Er will mit Kerenski in London Zusammentreffen. Man nimmt an, daß Kerenskr seine alte Negierung in London versammeln will, um mit Hilfe der Entente ein bewaffnetes Einschreiten gegen die Bolschewisten über Wladiwostok vorzubereiten. Der bolschewistische Vormarsch. Moskau, 7. Juli. (WB.) Meldung der Petersbllrger Tel.-Agentur. Die Tschecho-Slowaken haben die Stadt Sysran beseht und gehen in großer Zahl zusammen mit der Meißen Garde rn der Richtung auf Kuznezk und Pensa vor. Die Nachricht von der Besetzung von Pensa durch die Tscheck»- Slowaken bestätigt sich nicht. In der Gegend der Station Ufa haben die Sovfetabteilunaen mehrere Dörfer besetzt und dnngen weiter vor. Zwischen dem Tagilfluß und der Fabrik Nowoyaßk hat sich ein Kampf zwischen weißer Garde und Sovfetstreitkräften entsponnen. Die Schlacht dauert bereits mehrere Tage. 600 Mann mit vier Panzerautomobilen und ernem Panzerzug nehmen daran teil. Auf der Uralfront haben die Sovjetstreitkrafte die Tschecho-Slowaken geschlagen und Kaßlin, 120 Werst von Jekaterinburg und 160 Werst von^ Tscheljabinsk, besetzt. Dieser Erfolg verschafft den Sovjettruppen die Herrschaft über die größte Hälfte der Eisenbahn Jekaterrnbukg— Tscheljabinesk. Moskau, 7. Juli. (WB.) In Moskau ist der Belagerungszustand erklärt worden. Die gestern nacht von den linkeir Sozialrevolutionären besetzte Telephon- und Telegraphenstation ist von den Bolschewiki einigeStunden später zurückerobert worden. Die Sozialrevolutinäre sollen sich auch mit der Aufforderung zum Streik an die Eisenbahner gewandt haben, Haben aber anscheinend eine Absage erhalten. Die Gerüchte, daß in Petersburg, Jaroslaw und anderen Städten der Aufstand losgebrochen sei, werden von der Regierung als unbegründet bezeichnet. Die Linkssozialrevolutionäre haben gestern nacht ein Bulletin herausgegebe'n, worin sie mitteilen, daß Graf Mirbach von der Terroristensektion der Linkss^ialrevo- lutionäre getötet worden sei. Nach einer Mitteilung der Negierung haben die bisher verhafteten Führer der linken Sozialrevolutionäre, unter denen sich Spiridonowa befindet, eingestanden, daß das Attentat mit Wissen der Parteileitung ausgeführt worden ist, um den Bruch des Brester Friedens zu erzwingen. Soweit bisher festzustellen ist', hat dis Attentat und die . von den Gegen rcoolntionären ausgegcbene Parole: „Krieg gegen Deutschland!" diesen viele Anhänger und Helfer abwendig gemacht. Daher besteht begründete Aussicht, daß die Bolschewiki in Moskau der Lage Herr werden. Moskau, 8. Juli. (WB.) Die Kampfe in Moskau sind bisher zu Gunsten der Bolschewiki abgelausen. Die „Prawda" veröffentlicht über die Ermordung des Grafen Mirbach einen Auffuf, in dem es u. a. heißt: Gegen 3 Uhr nachmittags sind zwei Agenten des russisch-englisch-französischen Imperialismus zum deutschen Gesandten, dem Grafen Mirbach auf Grund einer gefälschten Unterschrift des Genosien Dferjinski mit falschen Be- xlaubigungspapieren vorgedrungen und haben unter dem Schutze dieses Dokuments den Grafen Mirbach ermordet. Einer dieser Hallunken, der diese provokatorische Tat beging, die schon seit langem und verschiedentlich in der Sowjetpresse mit der Verschwörung der Monarchisten und der Gegenrevolutionäre in Zusammenhang gebracht worden ist, ist nach den vorhandenen Nachrichten ein Links-Sozialrevolutionär und ein Mitglied der Kommission von Dserjinski, das sich verräterischer Meise von dem Dienst der Sowjetregierung losgesagt hat und zum Dienst bei den Leuten übergegangen ist, die Rußland in einen Krieg zu verwickeln trachten und damtt die Wiederherstellung der Negierung der Gutsbesitzer und Kapitalisten sichern wollen. Ruß- 8cvnd bestndet sich augenblicklich durch die Schuld von Hallunken Ars den Reihen der Links-Sozialrevolutionäre, die sich auf den Weg Sawinkows und seiner Genosien verleiten ließen, auf Haaresbreite vor einem Kriege. Schon die ersten Schritte der kowjetregierung in Moskau zur Ergreifung des Mörders und senior Helfershelfer wurden von 'den Links-Sozialrevolutio- «ären damtt beantwortet, daß sie einen Aufstand gegen die Eowjetregierung begannen. Sie besetzten zeitweilig das Kom- mr^arrat Dfirsinski, verhafteten den Vorsitzenden Dfersinski r Q n-S l ^l leD £ °* ks ünb ble hervorragenden Mitglieder o", c r 7? lommumstijchen Partei der Bolschewiki. Die 'Ti“ 110 "“* sich sodann der Tele- nen 77 ein * *** militärischer Handlud. 1* b 7 if mW b-m-Mnete-- Ätaften «inen kleinen Teil Mos. laus beichten und di. Sowjel-Automobtle abzu,on»-n bcgan. nen. Die Sowjet-Regierung hat als Geiseln alle im Großen Theater befindliche» Delegierten des fünften Kongresses aus den Rechen der Links-Sozialrevolutionare feftgehalten und alle Maßregeln getroffen, um die Pläne der Weißen Gardisten sofort zu unterdrücken und zu liquidieren. Alle, die den Wahnsinn und das Verbrechen sinfehen, wodurch Rußland jetzt in einen Krieg verwickelt würde, unterstützen die Sowsettegierung. Da- ran. daß der Aufstand schnellstens liquidiert wird, besteht auch nicht der leiseste Z-welfel. Alle auf ihre Posten? Alle zu den Waffen! Rieder mit den Dienern der Weißen Garde! UtlßjindWing machen den englischen und sranMichen Freimaurern. Amsterdam, 2. Juli. Aus einer in der „Times" er- ichienenen Nachricht erhellt daß zwischen den beiden Groß- lcaen von England und Frankreich eine Verständigung an- gesttebt werden soll. Das Blatt berichtet darüber: Am vergangenen Dienstag fand in der Daplowloge im Hol- bornrestaurant zu London eine Versammlung der führenden Spitzcn der beiden Logen von England und Frankreich statt. An die Einführnngsrede des Großmeisters knüpfte sich der Ausd-rnck des allgemeinen Wunsches, daß zwischen den beiden Logen möglichst bald eine Annäherung erstrebt würde. Schon lange hotte die französische Loge diese Annäherung an die englische erstrebt. Bisher sind die englischen Logen in diesem Kriege noch nicht öffentlich ausgetreten, während die kriegshetzerische Haltung der französischen und italienischen Logen allgeniein bekannt ist. Besonders haben sich ja „der große Orient" von Frankreich und die Großloge von Frankreich an Schmähungen und Verleumdungen gegen Deutschland gegenseitig überboten. Die jetzt angestrebte Verständigung ist wahrscheinlich auf Bestrebungen der italienischen Freimaurer zurückzuführen, die schon lange in dieser Richtung gearbeitet haben. Die englischen Logen werden also möglicherweise bald ans ihrer bisher beobachteten Reserve heraustreten. WordgklnZe eines amerilranijchtn OWerg. Von der Westfront wird geschrieben: „Daß die weißen und farbigen Ententebrüder sich an deutschen Verwundeten vergriffen haben und sie in tierischer Weise mißhandelten, ist zu wiederholten Malen bewiesen und durch Augenzeugen erhärtet worden. Kaum an die Front gekommen, haben jetzt auch Amerikaner, zunächst Offiziere, kolonial-französisch-englische Niedertracht sich gelehrig zu eigen gemacht. Folgender Fall beweist, wie wenig man in sittlicher Beziehung auch von diesen zu erwarten hat. Ein Grenadier aus Oberschlesien war bei einem erfolgreichen Erkundungsvorstoß schwer verwundet werden. Neben ihm lag ein durch Bauchschuß verwundeter Amerikaner .... Als dieser eine amerikanische Patrouille, bestehend aus einem Offizier und einem Gemeinen, nahen hörte, machte er sich bemerkbar. Der amerikanische ffizier geriet beim Anblick des deutschen Soldaten in maßlose Wut und versuchte ihn blindlings mit seinem Revolver niederzuschieben, obwohl er an den blutüberströmten BBnen sah, daß es sich um einen Schwerverwundeten und völlig Wehrlosen handelte. Rur den Bitten des verwundeten Amerikaners, der selbst am eigenen Leibe erfahren und gesehen hatte, wie die Deutschen ihn nach seiner Verwundung als Kameraden behandelt hatten und dem energischen Auftreten des anderen amerikanischen Gemeinen, der deutsch sprach, ist es zu danken, daß der Offizier den bereits erhobenen Revolver ab. fetzte. Sie konnten aber nicht hindern, daß er den lautaufstüh- nenden Grenadier mit Fußtritten von ferner Bahre herunterstieß und ihn hohnlachend seinem Schicksal überließ. Am Abend wurde dann der Grenadier durch eine deutsche Osftziers- pattonille rn die eigenen Linien zurückgeholt, doch war seine Verwundung durch die unmenschliche und rohe Behandlung so verschlimmert, daß sein Bein im Feldlazarett amputiert werden mußte." Die „Varalong"-Mörder und die zahlreichen französischen Quäler wehrloser Deutscher haben in diesem „Gentleman" aus Amerika einen würdigen Genosien erhalten! Ans dem §Mi>e des hMbngs. In Amerika finden gegenwärtig Wanderausstellungen von französischen Greuelbildern statt, die von den Blättern als „amtlich" bezeichnet werden, weil sie zumeist von einem gewissen Eoeldry im Auftrag des französischen Kriegsministeriums gemalt sind. Nach den von den Zeitungen wiedergegebenen Mustern sind die 137 (!) Bilder, die in Europa nicht mehr zu gebrauchen, aber für den Export offenbar noch gut genug sind, dem Geschmack der Lynchliebhaber von Arizona und anderer Orte in der Tat durchaus angemessen. Der französische Botschafter, der die in Ncwyork unter dem hohen Protektorat von „Oberst" Cornelius Danderbilt eröffnet* Ausstellung mit seinem Besuch boehrte, hat sich gewiß seine eigenen Gedanken über die nach dem Versichern der Blätter „sensationelle" Wirkung der blutrünstigen Fabrikate gemacht, über deren Art und Herkunft er sicherlich nicht im Zweifel ist. Der § ' ttag erledigte gestern die SB-v«. > üb-? die Neueinteilung der Wahl, kreise, insbesonders d -rineyrung der Mandate für die großen Städte. Graf ^estarp erklätte sich grundsätzlich dagegen, einmal weil dadurch den Großstädten wiederum ein vermehrter Einfluß zugestanden wird und zweitens, weil feine Partei gegen die Verhältniswahl fei und Gefahr bestände, daß sie auf das ganze Reich übertragen würde. Sie bleiben die Alten. F» länger der Krieg dauert, um so nachhaltiger unterstreicher die Meinung derjenigen, die der Auffassung von Anfang an ungläubig gegenübergestauden haben, daß die Sozialdemokratie sich aus ihrer verneinenden Hcvltung herausgelöft habe und sich zur Mitarbeit uM> Verantwortung am staatlichen Geschehe« dauernd bekennen rve-pde. Keltt mit noch so groben Mitteln erpreßtes, kein freiwillige» Zugeständnis gutgläubiger Ministe, hat vernwcht, die Sozialdemokratie aus einer Revolution spar- tei in eine Reformpartei zu wandeln. Und auch die Spaltung brachte keine Aenderung in ihrer Haltung zuwege. Sie bleibe« die alten. Nur im Ton spielen sie abgestimmte Instrumente. Die „Warnungen" der Scherdemann-Leute an dre „herrschenden Klassen" werden im Munde der Ledebour- und Haase-Männer zum unverhüllten Aufruf zum Massenstreik und zur Revolution. So auch am Mittwoch im Reichstag In der Ablehnung de» Reichshaushaltsplans aber sinken sich die anscheinend verzankten Brüder gerührt in die Arme, überlassen den arrdoren Parteien die Verantwottung und gefallen sich in der Kritik. Und in was für eine Kritik! Daß Herr Scheidemann, im Nebenamt Repräsentant des Deutschen Reichstages, in seiner Eigenschaft als Parteiführer sich zum Verteidiger des Herrn von Kühlmann aufwirft und wie dieser der Verständigung mit unfern Gegnern, besonders England, das Wort redet, ist nicht weiter verwunderlich. Von ihm als einem der Mitväter der Hungerftiedensentfchließung kann man nicht gut erwarten, daß er „vom Irrtum zur Wahr- heit reisen" werde. Aber daß er im Verharren zum Anwalt feindlicher Beschuldigungen wird, das muß mit Recht tiefe Empörung auslöfen. Und nichts anderes als eine Bekräftigung der feindlichen Lügen und Schlagworte stellt die Mittwoch-Rede des Abg. Scheidemann dar. Sie wird als solche im Ausland« empfunden werden und damit, genau wie die Aeußerungen des Staatssekretärs von Kühlmann nicht die Neigung der Gegner zu einem Verhandlungsfrieden, sondern die Neigung zum endgültigen Schwertsiege belehren. Scheinen doch die Scheidemann. schen Ausführungen die Unterstellungen Wilsons und Lloyd Georges zu unterstreichen, die von einem Seufzen des deutschen Volkes unter dem Militarismus und Absolutismus sprachen, sie lassen die der Welt verkündete Vefreierrolle der Ententemächte gegenüber dem sich nach dem Frieden um jeden Preis sehnenden deutschen Volke glaubhaft erscheinen. Umvilltürlich fragt man sich, ob Herr Scheidemann seine Rede dem Ton der Reden Wilson, oder dieser seine Ausführungen dem Empfinden Scheidemanns anpaßt. So sehr gleichen sie sich. Beschämender aber sind des deutschen Sozialdemokraten Worte, denn sie gebe« nicht des deutschen Volkes Auffassung wieder, ja sie stehen zu ihr im direkten verletzenden Gegensatz und rufen die lautest« Entttistung wach, daß sich die Krittk eines Parteiführers an di» Männer der obersten Heeresleitung heranwagt. Wer ist denn dieser Herr Scheidemann, der es wagen kann, sich jum Richter über politisches Verständnis aufzmverfen? Nichts, weder Herkommen noch Taten berechtigen ihn. sich als Politiker zu fühlen. Und in der Kunst der Handhabung demagogischer Wortmittel errungene Führerschaft unzufriedener, verhetzter Massen erschöpft sich das Wesen der Polittk wahrhaftig nicht. Ersprießlicher, wirksamer als diese Sötte Polittker haben sich denn doch im allgemeinen die heimischen Generalkommandos erwiesen, und die besetzten Gebiete sind Beispiel und Zeugnis genug, daß dem sogenannten militärischen Absolutismus die Fähigkeiten auf dem Gebiete der polittschen und zivilen Verwaltung im höheren Maße eigen sind, als den stHialdemo- kratijchen Politikern. Des Generalfeldmarschalls Hindenburg Siedlungserlaß für Kurland hat jedenfalls mehr Wett, als Herrn Scheidemanns Reden zusammen oder .seine Moabiter Taten. So sind es dem: nicht nur eine Handvoll „Alldeutscher", sondern weite Kreise des Volkes, die es fteudig begrüßen würden, wenn endlich die Ratschläge und Ansichten der obersten Heeresleitung im Reiche beherzigt würden, und es würden nur wenig Tränen vergossen werden, wenn endlich „Schluß ge. macht" würde, aber Schluß mit diesem Reichstag, der wie ein Gifthauch auf die Einigkeit des Volkes und auf seine Sieges- hoffnung wirkt. Denn nachgerade erkennt man allenthalben, daß die schreierische Kritik der Sozialdemokratie nur erhoben wird, um sich reinzuwaschen von den Folgen der Zustände, die während des Krieges infolge der übertriebenen Beachtung sozialdemokratischer Wünsche eingctreten sind. Wer hat denn anders als die Scheidemann und Genossen auf die Gestaltung der Dinge im Osten maßgeblichen Einfluß gehabt? Wessen Wege wurden in der Ernährung und Versorgung des deutschen Volkes eingeschlagen, wenn nicht die sozialdemokratischen? Jetzt aber, wo dqs theoretische Selbftbe- stimmungsrccht in vernunftgemäßer Anwendung der Praxis Segen für einige deutsche Stämme bttngen soll, wo die Unzu- länglichleit der Sozialisierung des deutschen Wirtschaftslebens offen am Tage liegt, glaubt Herr Scheidemann sich frei machen zu können von der Deraittwortung. Das verrät nicht politische Fähigkeiten. Und was es mit der politischen Kunst des Herrn Scheidemann und feiner Freunde in bezug auf die Verweigerung des Etats auf sich hat, das mußte ihm sein demokratischer Weggenosse. jetzt Vizekanzler, Herr v. Payer sagen. An der Zustimmung, die der Vizekanzler empfing, als er die Angriffe auf die oberste Heeresleitung zurückwies, kann Herr Scheidemann jedenfalls ermessen, daß höchstens noch die wenigen um Erzberger seine Vereinsamung teilen. Das deutsche Volk will sich feine Heerführer, als die einzigen, die es besitzt, da die politische« Führer versagen, nicht begeifern lassen. Es hofft, mag Her, v. Payer auch noch immer mit den Resten der einstigen Mehr- hett „den Frieden der Verständigung" anstreben, daß Hindenburg und Ludendorff die Gegner zuvor mit der Schärfe de» deutschen Schwertes zu Verstand bringen und daß dann auch bei unseren Politikern der allzu lang vermißte Verstand und die Klugheit wiederkehren werden. Co kann man dem Vizekanzler Anstimmen: es gilt zu warten, bis unsere Gegner sich innerlich gewandelt haben. Dis zu diesem Zeitpunkt sollte wenigstens Herr Scheide mann aus politischem Takt und Verständnis sich Schiveigen auferlegen. Er diente damit der schnelle» Herbeiführung des Friedens besser. Zur Heuabliefernng. Mr die aufz iL ringenden Heumengeu hat die Sk^Hs- futtermittelstelle folgende Bedingungen festgesetzt: Die Lieferung muß in gesunder, unverdorbener und Handels- fähiger Ware der Ernte 1918 ohne fremde Zusätze wfolgen. Es kann Wiesen- und Feldheu oder Kleeheu (einschl. Luzerne, Esparsette ustv.), und Mar sowohl in gepreßtem wie ungepreßtem Zustande geliefert werden. An die Heeresverwaltung darf gepreßtes Heu jedoch nur nach vorheriger Zustimmung der zuständigen Empfangsstelle geliefert werden. Der Zuschlag von 12 Mark für gepreßtes Heu wird nur gezahlt, wenn das Heu in drahtgepreßten Ballen geliefert wird. Die Gefahr der Beförderung ab Eisenbahn- oder Schiffsverladestelle trägt der Enchfänger. Zahlung wird durch die Empfangsstelle sofort nach Empfang geleistet. Bei Versendungen mit der Eisenbahn hat der Versender unverzüglich nach erfolgter Verladung dem Empfänger den Tag der Verladung, die Wagenbezeichnung und -Nummer, sowie, wenn möglich, das am Verladeort bahnamtlich fest- gestellte Gewicht mitzuteilen. Mängelrügen müssen unverzüglich, H. h. sobald es nach ordnungsmäßigem Geschäftsgang möglich ist, erhoben werden, und zwar, sofern sie nicht dem Ablieferer oder seinem Vertreter gegeniiber bereits bei der Abnahme geltend gemacht wurden, drahtlich unter gleichzeitiger Uebersendung des Gutachtens eines Sachverständigen. Bei Lieferung an nichtmilitärische Stellen kann der Ver- sender verlangen, daß der Empfänger das Heu bei der Ver- ladung abnimmt. Kommt der Empfänger diesem Verlangen nicht nach, so trifft ihn bei etwaigen Mängelrügen die Beweislast dafür, daß die Mängel bereits bei der Verladung vorhanden waren. Bei Versendung mit der Eisenbahn ist dasjenige Gewicht zu vergüten, das sich durch die — möglichst an der Verladestelle vorzunehmende — bahnamtliche Verwiegung des beladenen Eisenbahnwagens unter Abzug deK an den Eisenbahnwagen angeschriebenen Eigengewichts ergibt. , Wird das Heu bis zur Empfangsstelle durch Fuhrwerk befördert, so ist, solveit das Gewicht nicht durch Beibringung anderer amtlicher Wiegescheine nachweisbar ist, bei Lieferung an die Heeresverwaltung das auf der -militärischen Abnahmstelle bei Lieferung an nichtmilitärische Stellen das durch Wiegen an der Empfangsstelle festgestellte Gewicht maßgebend. Dies gilt auch dann, wenn bei Versendung mit der Eisenbahn aus besonderen Griinden eine bahnamtliche Verwiegung nicht möglich sein sollte. Die Kosten der Verwiegung trägt mit Ausnahme der Fälle, in denen das Gewicht auf der Wage der militärischen Abncchmestelle festgestellt wird, der Erzeuger. Zur Entlastung der Eisenbahn ist die unmittelbare Anfuhr durch Gespann bis zur Empfangsstelle mit allen Mitteln zu fördern. Die Heeresverwaltung hat diesem Umstand durch Einrichtung besonderer Ranhfutterabnahmestellen bereits weitgehend Rechnung getragen. Soweit möglich, sollen noch mehr Abnahmestellen eingerichtet werden. Wird das Heu durch Fuhrwerk befördert, so swht dem Erzeuger eine besondere Ausfuhrentschädigung zu, jedoch nur insoweit, als die Entfernung bis zur Empfangsstelle diejenige bis zur nächsten Verladestelle übersteigt. Die Entschädigung beträgt 10 Pfg. für den Zentnerkilometer der einfachen Fahrt. Sie ist in allen Fällen vom Empfänger zu zahlen. Preise MZlrsh rniti M'el ans -kr Ernte 1918. Der Staatssekretär des Kriegsernährungsamts hat die Preise für Sttoh aus der 1918 in der gleichen Höhe wie im letzten Wirtschaftsjahre festgesetzt (R. G. Bl. Nr. 86). Es beträgt hiernach der Preis bei Flegeldruschstroh 90 Mark, bei MaMnendruschstroh 80 Mark für die Tonne. Die Preise schließen die Kosten der Beförderung zur Verladestelle und des Verladend mit ein. Für Sttoh, das in drahtgepreßtem Ballen geliefert wird, erhöht sich der Preis um 12 Mark für die Tonne. Der Lieferungsverband erhält eine Vermittlungsgebühr von 12 Mark. Die Landesbehörden bestimmen, welchen Teil hiervon der Händler zu bekommen hat. Die vorstehenden Strohpreise gelten auch als Höchstpreise für das Stroh, das im freien Verkehr gehandelt wird. Der Häckselpreis bettägt 120 Mark ftir die Tonne. Die Zuschläge für den Groß- und Kleinhandel werden von den Landeszentralbehördten festgesetzt, ebenso die Preise ftir die Strohabgabe durch die Gemeinden und Kommunalverbände. Die Kaitoffttvtttol'mnii im Wrt-chaftsjechv 1918,'19. Der Bundes rat hat in seiner Sitzung vom 2. Juli 1918 dein Entwurf einer Verordnung über die Kartoffelversorgung zu gestimmt. Die mae Verordnung läßt die bisherige Verordnung über die Kartoffelversorgung im Wirtschaftsjahr 1917/18 vom 28. Juni 1917 (Reichsgesetzblatl Seite 569) mit einigen 2lb- änderungen in Geltung. Die Aenderungen sind nicht grundsätzlicher Natur. Sie beschränken sich, abgesehen von der zeitlichen Ausdehnung der Gültigkeit der Verordnung, auf eine Ausgestaltung der verwaltungsmäßigen Befugnisse zur Durch, sührung der Aufbringung der Kartoffeln und einige redaktionelle Verbesserungen. Der Vorstand des Kriegsernährungs- amts, der. Ernährungsbeirat des Reichstags sowie Vertreter der Bedarfs- und Ueberfchußverbände. der Landwittschaft und der beteiligten Industrien sind zu dem Entwurf gehött worden und haben ihm, wo Meinungverschied-enheiten hinsichtlich einiger Einzelbestimmungen abgesehen, ihre Zustimmung erteilt. Die neue Verordnung tritt mit dom 1 August in Kraft. Die Bestimmungen der Verordnung über Kattoffeln vom 16. August | 1917 (ReichsWsetzblatt Seite 718) sowie die weiteren Bestim- «mirgen» welche auf Grund der alten Verordnung Wer die Kar- tosfeluorsorgung tm Wirtschaftsjahr 1917/18 vom 28. Juni 1917 erlassen worden find, bleiben bis zu ihrer Aufhebung oder Abänderung in Geltung. Im Laufe des August, sobald sich die Ernteergebnisse «tz- näher nd übersehen lassen, wird alsdann, wie im Vorahre, vurch die im Rahmen der neuen Verordnung vom Staatssekretär des Kttegsernährungsamts. der Reichskattoffelstelle und der Landebehörden zu erlassenen Ausführungsbestimmungen dis nähere Augestaltung der Bewirtschaftung erfolgen, welche insbesondere den Umfang und die Sicherstellung der' Ernte, die Abgrenzung des Bedarfs der Selbstversorger, die Festsetzung der Ration der versorgungsberechtigten Bevölkerung sowie die näheren Verpflichtungen der Kommunalverbände und Vermittlun^stellen zu regeln haben wird. Der Verkehr mtt Saatkartoffeln wird, wie im Vorjahre, durch eine besondere Verordnung des Bundesrats geregett w-orden. Mhmrk für die ßaiidMichaft! In den letzten Tagen haben in zahlreichen Orten des Kreises Kreuzberg O.-S. Versammlungen des Bundes der Landwirte stattgefunden, in denen u. a. auch die Beschaffung von Schuhwerk für die Landwirtschaft erörtert worden ist. Die Ortsgruppe Jaschkowitz, Reinersdorf und Schönwald des Rundes der Landwirte haben zu dieser Frage folgende Entschließung angenommen: „Die heute in Jaschkowitz (bezw. Reinersdorf und Schönwald), Kr. Kreuzberg O.-S., versammelten Mitglieder des Bundes der Landwirte fühlen sich veranlaßt, an den Vorstand des Bundes der Landwirte die ergebene Bitte au richten, an geeigneter Stelle dahin zu wirken, daß für ihre in der Landwirtschaft tätigen Arbeiter und Arbeiterinnen für die kommende Herbstzeit aus den znrückgestellten militärischen Beständen an Stiefeln und Schuhen geeignetes Material zur Verfügung gestellt wird. Der herrschende Mangel und die unerschvinglich hohen Preise machen es den Arbeitern unmöglich, bei Einttitt kälterer Witterung sich das nötig Schuhwerk zu beschaffen, so daß die Landwirte mit Sorge der Zeit entgegensetzen, wenn die ftir das Volksganze so wichtigen Herbstfrüchte geborgen werden sollen." Aehnliche Entschließungen liegen noch aus einer großen Anzahl anderer Orte und Kreise vor. Wir möchten diese Entschließungenen der dringendsten Beachtung der in Betracht kommenden Kriegswirffchaftsbehörden empfehlen, damit rechtzeitige Vorkehrungen getroffen werden können und die Einbringung der Hackfruchternte durch den Mangel an Schuhwerk nicht beeinträchtigt wird. Dnfere „Perlen" zur Kricaszeit. Die außergewöhnlich hohen Löhne, die in der Kttegs- und Rüstungsindustrie allenthalben gezahlt werden, hat auch die Die-nstbotenfrage recht brennend gemacht. Es ist nun zu begreiflich. daß die jungen, der Schule entlassene Mädchen lieber in die Fabriken gehen, wo sie hohe Löhne bekommen und den Abend zu ihrer freien Verfügung und Belustigung haben, als sich in irgend einen Dienst zu begeben, wo sie einem gewissen Zwang unterliegen. Ob sie in den Fabriken und in den Großstädten an Leib und Seele zu Grunde gehen, darum macht man sich keine Sorgen: heut ist ja noch heut! Das Schlimmste dabet ist, daß bei diesen Mißverhältnissen gerade die arbeitsamen und kinderreichen Hausfrauen. die einem größeren Haushalt vorstehen, zu leiden haben, während es den Tagediebinnen, die nur dis eine Sorge haben, was für ein Kleid sie anziehen, was für einen Hut sie auffetzen und wie sie den Tag totschlagen sollen, weiter keine Mühe haben, Dienstmädchen zu erhalten. Die Hausftau, die um die Arbeit zu bswältigen, ein Dienstmädchen kraucht, hilft selbst wacker mit und das paßt den „Perlen" nicht. Die gehen lieber zu Herrschaften, die gleich ein viertel Dutzend Mädchen kalten. Die Frau steht efft um 11 Uhr auf. macht )>ann etliche Stunden Toilette, nach Erledigung des Mittagsessen geht's in den Fünf-Uhr-Tee und abends ins Theater oder in's Konzert. Daheim können die Mädchen schalten und walten nach Euidünken. Auf den Lohn kommt es ja nicht an, denn der Herr Gemahl macht in Kriegsgewinnen und da kommt es wahrhaftig auf 40 oder 50 Matt Monatslohn nicht an. Dazu kommt das Hamsderunwesen. „Am städtischen Arbeitsmarkt sind keine Mädchen zu haben", so lesen wir in der „D. Tageszeitung": „höchstens hintenherum von gewerblichen und heim, lichen Arbeitsvermittlerinnen gegen Butter oder dergl., natürlich gegen besondere Vermittlungsgebühren, Gewährung von Schweigegebühren, Hamstertrinkgelder u. a. m. Wer am meisten bietet, bleibt Sieger und zieht mit einem oder auch mehreren Mädchen ab. Hausfrauen, die nur ein Mädchen beschäftigen, Kinder besitzen, vier Treppen oder im Osten oder Norden wohnen, sind übel dran. Die Mädchen suchen mit Vorliebe Herrschaften unter der Hand, die mehrere Dienstmädchen, Stützen und Köchinnen beschäftigen und finden auch solche. Mit Vorliebe werden Dienstmädchen genommen, die gute Beziehungen mit dem Lande habeil. Schinken und Speck besorgen können, Eier und Käse in Aussicht stellen. Die Mädchen verlangen und bekommen täglich Butter, besorgen allerhand aus ihrer Heimat und erhallen dafür noch Geschenke und Schweigegelder. Die Speisekammern dieser mit zahlreicher Dienerschaft versehenen Herrschaften sollen stets gut versorgt werden, was natiir- lich erscheint bei dem gesunden Appetit der verwöhnten Mädchen, die oft nur in Stellung gehen der guten Verpflegung und des hohen Lohnes wegen. Durch diese Mißwittschaft wer. den nachgerade Zustande geschaffen, die überall Mißstimmung erregen. Auf der einen Seite Herrschaften mit vollständig verhätscheltem Personal, das die Ansprüche gegenüber den begue- mc-n Hausfrauen immer höher schraubt; auf der anderen Seite eine fleißige und kinderreiche Hausfrau, die gegen angemesse- \ wen Lohn trotz aller erdenklichster Mühe kein Mädchen findet, am allerwenigsten dmrrk, wenn sie vor einem FamilienzuwaW fett, Säg« Zchäuds fab leider im WaMe«." ■ ■ ■ — —— Aus der Heimat. FttetterA Mit der gemeldeten Verhaftung 5er vier Ein- bvecher hat unsere bewahrte Polizei einen guten Fang gemacht denn wie sich immer «ehr herausstellt, handelt es sich am schwere Jungen, die schon gar manches auf dem Kerbholz hatte«. Auch hier in Fttedberg scheinen sie schlimmes geplant zu habe«, nur haben sie die Rechnung ohne die hiesige Polizei gemacht, und so wurde ihr böses Vorhin im Keime erstickt. Dem Hilfsschutzmann Fr. Kreßmann fielen in der betreff. Nacht zwei Männer auf. die sich mit Paketen verdächtig zu schaffen machten. Da sie sich auf Anruf nicht auswetsen konnten, so eilte Kreßmarur auf die Wache und dem umsichtig angelegten Wirken und dem energischen Vorgehen der beiden Schutzleute Heß und Keßler ist es gelungen, die Spitzbuben, von denen sich einer der Verhaftung widersetzte, dingfest zu machen. Jedenfalls hat die Bürgerschaft alle Ursache, den rührigen und tatkräftigen Beamten Dank zu zollen. Ueber Handel mit Bettkarten ist schon oft von den Reisen? den Beschwerde geführt worden. Zwar sind bereits verschiedene- Maßnahmen getroffen, um den Handel zu unterbinden, eine gänzliche Beseitigung des Handels ist jedoch bisher, nicht erzielt worden. Die Eisenbahnverwaltung hat sich deshalb zu weiteren Maßnahmen veranlaßt gesehen. Die Bettkatten werden nämlich von jetzt ab aus den Namen des Bestellers ausgesettigt. Die Käufer von Bettkarten müssen sich daher durch Personalpapiere, Veaufttagte, außerdem durch einen schriftlichen Auftrag des Benutzers ausweisen. Durch die Ausfertigung auf den Ranen werden die Bettkarten nunmehr unübertragbar. Reisende, die sich im Besitz von Dettkarien befinden, die auf fremden Namen lauten, müssen damit rechnen, daß sie wie Reisende ohne gültige Fahrkarte behandelt werden und große Unannehmlichkeiten haben. Die neue Maßnahme bringt zwar gewisse Erschwernisse mit sich, entspricht aber einem in der Oeffentlichkeit vieffach geäußerten Wunsche. Da außerdem heute ohnehin fast jeder Reisende Ausweispapiere mit sich führt, wird die Maßnahme von den Reisenden kaum als befonoers lästig empfunden werden. Butzbach, 7. Juli. Wie man hört, soll dahier auch für dem Kreis Fttedberg eine Oclmühle eingerichtet werden und ein dazugehöriger Kessel schon am Bahnhof liegen. Die Aufstellung der Mühle wird aber leider nur noch wenig Zweck haben, roett man den Samen, der in den einzelnen Dörfern des Kreises gewachsen ist, durch die Kreisregierung sammeln, nach Berlin ab- führen und von dort aus in einigen Großmühlen auf Oel schlagen lassen will. Die einzelnen Ortschaften sollen dann später einmal ihr Oel und -Kuchen zurückerhalten urÄ unter die einzelnen Samenzüchter verteilen. Diese Methode hat man schon im letzten Jahre vielerotts angewandt und es ist dadurch nur sozialdemokratischer Durcheinander ungerichtet worden. Jeder mußte das Oel nehmen, wie es kam, wann es kam, wußte keiner. Die größte Unzufriedenheit und Verbitterung riß ein in den Orten, wo man auf solche kommunistische Weise operiert hat, wurde weniger Samen angepflanzt, das war die Folge. Und jetzt will man im Kreise Fttedberg mit diesem wahnsinnigen Kommunismus noch einmal die Probe machen, man verärgert die Samenzieher, man verekelt ihnen den Samenbau. Ei« Recht und die Freiheit haben sie nicht mehr, in einer ihnen genehmen Schlagmühle der Heimat, wie früher, ihren Same« verarbeiten zu lassen. Dieses ganze kommunisttsche und sozialistische Vorgehen hat aber auch die weitere Folge, daß man den kleineren und mittleren Schlagmühlen der Heimat das Lethen nehmen will. Dagegen sollten sich alle maßgebenden Ve. Hörden wehren und bei unseren Bauern besteht auch noch von allem was, wir gehört haben, nicht die geringste Lust, auf dieses sozialdemokratische Experiment hineinzufallen. Aus Hessen.Nassau. 1 C. Nicderltrhustein, 3. Juli. Für die Lebensmittelvettei- lung, über die besonders von kleinen Leuten und dem Mittelstand Klage geführt wird und verbesserungsbedürftig ist, wurd-s in der letzten Stadtverordnetenversammlung eine völlige neutrale Kommission gebildet, der die Ueberwachung der Lebens, mittel obliegt. Je ein Arbeiter der größten hiesigen Werls sowie ein Angestellter der Eisenbahn sollen dieser Kommission angehören. Als Vertreter der Bürgerschaft wurden die Stadtverordneten Elvert und Wirth in die Kommission gewühlt. An der Spitze der Lebensmiitelverteilung wurde ein tüchtiger Kaufmann, Herr Vorberg, in Vorschlag gebracht und gewählt. . Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst in der Stadtkirche. Mittwoch, 10. Juli, abends 8*4 Uhr: Kttegsanda'cht. Herr Pfarrer Ritter. Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach. Mittwoch, 10. Jnli, abends 9 Uhr: Kriegsandacht. Offene Stellen: 2 Tagelöhner, 1 Knecht, 1 Arbeiterfamilie. 1 Knechtefamllie, 1 Verwalter, 1 Viehpfleger, 1 Melkerlehrling, 1 Heizer. 1 Müller, 1 Schmied, 1 Schlosser. 1 Gießer, mehrere Fabrikarbeiter und -Arbeiterinnen, 5 Dienstmägde, 1 Lehrmädchen, 8 Hausmädchen. 1 Flickerin, 1 Haushälterin, Frauen für Landwirtschaft (evtl, mit einem Kind), 1 Monatssrau oder -Mädchen. Stellensuchendel __ Mehrere Melkerfamilien und ledige Melker, 1 Vürofräuleln, 1 Wirtschafterin. Mehrere 17 jährige Burschen möchten siH in der Ferienzeit in der Landwittschaft beschäftigen, evtl, ohne Bezahl,,ng. Verantwortlich ftir den poliffschen und lokalen Teil: Ott» Hirschol, Fttedberg; ftir den Anzeigenteil: R. Heyn er. Friedberg. Druck und Verlag der „Reuen Tageszeitung*, A> G., Fttedberg i. H Wem nie durch Liebe Leid gejchah. Roman von CourthS-Mahler. 51) Nachdruck verboten. „Mutz das sein?" seufzte er. Cie nickte. V „Ja, es mutz sein. Aber du darfst es als StrafmÜderuW ansehen, daß ich Fräulein Hellmut bitten werde, mus zu begleiten." Schnell lief sie zu dieser hinüber. ,-Fräulein Christa, ich habe Ihnen doch von Mamuschkas Waisenkindern erzählt. Wollen Cie sich die Flachsköpfe einmal ansehen?" „Sehr gern, gnädigstes Fräulein." Hans Ullrich hatte gehört, was Ursula mit Christa gesprochen hatte. „Darf ich auch mttkommen, Urselchen?" fragte er. herzutretend. Er hoffte, bei dieser Gelegenheit einige unbelauschte Worte mit Christa sprechen zu können. Ursula nickte. „Za, komm mit." Als Vavonetz Karla, die sich lieblich Lchterlich um Frau von Frankenau bemüht hatte, sah. daß die vier jungen Leute sich entfernen wollten, eilte sie ihnen nach. „Wo soll es denn hingehen, Ursula, ich darf mich doch an- schlietzen?" Aber Ursula schüttelte energisch den Kopf. „Nein, bleibe du nur hier, Karla, wir gehen zu Ma-muschkas Waisenkindern, und du kannst ja den Armeleutegeruch nicht vertragen. Wir find in kurzer Zeit wieder hier." So war Karla kaltgestellt. Sie schluckte ihren Zorn hinunter und kehrte zur Frau von Frankenau'zurück. Diese hatte Ursulas Worte gehört und fragte nun die Baronesse: „Was haben Sie gegen unsere Waisenkinder, liebe Karla? Mögen Sie diese nicht leiden? Es sind vier sehr niedliche Flachsköpfe, und Dörto sorgt so aufmerksam für ihre Pflege, daß ihnen wohl kaum etwas anhaftet, was mit Armeleutegeruch bezeichnet werden kann." Karla zuckte die Achseln. Ihre sanfte Miene hielt nicht recht stand. „Ursula hat mich wohl wieder einmal falsch verstanden. Sie legt meinen Worten leider immer eine falsche Deutung unter." Die alte Dame sah sie forschend an. „Das liegt aber nicht in Ursulas Art," sagte sie ernsthast. „Zch habe es nur nicht verstehen können, daß Ursula so wild , mit den Kindern herumtollt und sie umarmt und küßt, suchte sich Karla zu verteidigen. I -]"" &WI von SsMeMfsch rn V&ma «#» w 2gmt*« fk den Augen der Baronesse. „Meinen Sie nicht, liebe S&aM, flctg es Sert ar men , elternlosen Kindern wohl Int, wenn stch jemand liebevoll mit ihnen beschäftigt? Ich stcue mich, daß Ursula ihnen zuweilen eine frohe Stunde bereitet. Die kleinen Flachsköpfe find fo dankbar und jubeln jedesmal, wenn Ursula zu ihnen kommt!" Die Baronesse hatte stch wieder in der Gewalt. „Za, liebe, lei,re. gnädige Frau, ich versuche das wohl. Aber ich bin zu ernst und zu still und kann mich den Kindern nicht so anpassen, wie es Ursula ttch die ja in ihrer ganzen Art selbst noch ein Kind ist." Das klang so weich und schmeichelnd, aber Frau von Frankenaus Ohren waren geschärft, und sie hörte den leisen grollenden Unterton. Sie begann die Baronesse schärfer und richtiger zu bsnr- teilen. Inzwischen war das Brautpaar Mit Hans Ullrich und Christa durch den Patt nach dem Kavalierhauso hinübergegangen. Graf Joachim ging mit seiner jungen Braut voran, Arm in Arm. und das folgende Paar konnte sehen, wie strah- lerrd und glücklich fie sich immer wieder in die Augen sahen. Hans Ullrich seufzte. „Zch habe eben eine schlimme Untugend in mir entdeckt," sagte er leise zu Christa. Sie sah lächelnd zu ihm auf mit dem strahlenden, glücklichen Blick, den sie immer für ihn hatte. „Was ist das für eine Untugend?" fragte sie. „Der Neid. Ich neide den beiden Menschen da vor uns ihr Glück, zumal in diesem Augenblick, da ich formell an Ihrer Seite schreiten mutz." Ehe Christa antworten konnte, wandte sich Ursula noch Ihnen um. „Wir sind am Ziel, Fräulein Christa, nun sollen Sie etwas erleben." Das Kavalierhaus lag vor ihnen, es war ein schmuckloser, grauer Bau, hatte acht Fenster, Front und zwei Stockwerke. Zn den oberen Stockwerken waren die Fenster mit Läden verschlossen, aber zur ebener Erde waren sie wett osten und frische, weiße Vorhänge blähten sich im warmen Sommerwind. Ursula steckte den Kopf in eins der Fenster. Das Aimmer war leer „Sie sind hinten im Garten, sagte fie lachend und führte ihre Begleiter durch den langen Hausflur und durch die hintere Türe in den kleinen Garten. Da faßen auf kleinen Schemelchen die vier Waisenkinder, eifrig mit leichten Handarbetten beschäftigt. Und vor ihnen saß Dörte und erzählte ihnen ein Märchen. Die Sonne spielte auf den vier lichten Dlondköpf- chen. Es war ein liebliches, friedliches Bild. Aber plötzlich kam Leben hinein. Ursula stieß einen leisen Lockruf aus. Da -verwandten. Freunden und Bekannten die schmerzliche Nachricht, daß unser lieber Bruder. Schwager, Vetter und Onkel zur Zeit auf verschieden ist. Urlaub Ero'g-Karben. den 8. Juli 1918. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet in aller Stille statt. — Kranzspenden und Beileidsbesuche dankend verbeten. Lehrling. Suche für mein Med.-, Drogen-, Färb- u. Materialwaren-Eeichäft einen kräftigen, jungen Mann als Lehrling, per sofort oder später. Kost und Wohnung im Hause. Eefl. Offert, nebst Erötzen- angabe an I. Bümiieister NM., Lnh.Friedr.Karl Ott, Hoflieferant _ Friedberg i. H. Zunger Mann mit guter Handgriff als Bekanntmachung. Nächsten Donnerstag, den 11. Juli, verteilen wir in der allen Post durch die hiesigen Kolonialwarenhändler Misst'. Zeiteinteilung wie bei der Vutterverteilung. Für jede auf der Lebensmittelkarte verzeichnete Person werden 78 Gramm zu 83 Pfennig verabfolgt. Die Lebensmittelkarten sind als Ausweis vorzulegen. Friedber-, den 8. Juli 1918. Der stellvertretende Bürgermeister (ftadt. Lebensmittel-Ausschutz) I. A.: Langsdorf. Lehrling ersucht. Gustav Schwarz & Söhne, G. m. b. H., Friedberg. ( jfläcIcSicn für Haus- und Zimmerarbeit gesucht. Lobn 40 Mk. und freie Station. Hot.Trapp, Friedberg 1 LWiickr sowie einen starken Peispölliler-Wlilie«, beides fast neu, zu verkaufen bei Heinrich Pietz II., Hoch-Weisel bei Butzbach. Zwei erstklassige Anfang August Ferkel werfend, zu verkaufen. Heinr. Karl Coburger, Reichelsheim. Gut erhaltenes Viano von solider Konsttuktion, gegen Kasse zu kaufen gesucht. Angeb. unter F. W. K. 414 an Rudolf Molle. Frankfurt a. M. i fuhren die vier Blondköpfe empor, warfen ihre Arbeit hm und kamen auf llrfnla zugestürmt. Dörte rief sie zwar zur Ordnung, weil fie Äo anderen Herrschaften erblickte, aber schon hinge« die Kinder an Ursula, und diese umschloß fie lachend alle vier mtt den Armen. „So, mm stillgestanden — hübsch in einer Reihe aufstelleih dem Alter nach. Seht Euch diesen Herrn an — das ist mein Bräutigam, und wenn Hochzeit ist, dürft ihr mir Blumen stteuen. Und da ist noch eine liebe, schöne Dame, die Euch besucht. Fräulein Hellmut. Macht Euer Knickschen und gebt ei« Händchen." So kommandierte Ursula lachend. Dre Kinder folgten ihrem Gebot. Und dann teilte Ursula ihre sützen Gaben aus. Die anderen halfen ihr lachend dabei, und die Kinder verloren schnell alle Scheu und jubelten laut auf. Christa Hellmut stteichelte leise dem kleinsten Mädelchen über das Haar. Sie plauderten fröhvrch und unbefangen mit den Kindern und lachte, wenn fie ihren Dialekt nicht verstand. Hans Ullrich machte dann den Dolmetscher. Die Kinder brachten ihre Schätze zu Dörte, die lächelnd der Szene zugesehen hatte. „Dörte mutz auch was haben," erklärten fie einstimmig. Und es entspann sich zwischen den Kindern und ihrer Pfles gerin ein edler Wettstreit. Befriedigt hing Ursula nun den leeren Korb an ihren Arm. Nun die Waisenkinder zu ihrem Rechte gekommen waren, schien fie erst ganz stoh und zufrieden. Christa hätte das reizende, liebe Mädchen gern in ihre Arme genommen und herzlich geküßt. Aber in ihrer Stellung durste sie das nicht wagen. Wenn Ursula auch sehr herzlich und zutraulich zu ihr war., so durste sie sich doch nicht gehen lasten. Aber sie sagte zu Hans Ullrich, als fie wieder nach dem Herrenhaus zurLckgingen: „Graf Steinau ist zu beneiden um feine Braut. Sie ist ein goldiges Geschöpf.^ Herr von Bttkenheim und die Frankenaus hatten es herz^ W bedauert, daß Graf Rudolf Steinau feinen Aufenthalt fs jäh abgebrochen hatte. Am meisten bedauerte es aber Christa Hellmut. Sehr stoh waren jedoch die Baronin und ihre Tochter darüber. Graf Rudolf war ihnen ein sehr unangenehmer Gast; weil fie sich vor seinen kritischen Augen fürchteten. Ursula und Graf Joachim hatten es natürlich sehr schmerzlich empfunden, daß fie sich sobald trennen mußten. Graf Joachim hatte versucht, Nochurlaub zu bekommen, aber dieser war ihm energisch verweigert worden. Als er es am Abend vor der Abreise feinem Onkel sagte» erwiderte dieser ernst: Fortsetzung folgt. kausen Sie Tapetm. liidmiiiii, Wen, Farben. Ficke. Pinsel, nirgends besser, nirgends billiger wie bei Ad®iB SlecStsteiii, Am alt.PiftnmI. Friedlicrjt i. H. Kchnijlr. 15 . TeleVoa Ir. IÄW. Der Kauf von Uhren ist Vertrauenssache.» Wenden Sie sich an Wilh. LiOhrey, Khrmacher üNieder-Florstadt, da erhalt. Sie noch eine fein abgezog., genau regulierte Taschenuhr. Aich find noch Mecker, Wand- und Standuhren dort za haben. Einen gut erhaltenen Selbstbinder (Loschorn) hat zu verkaufen Wilhelm Heil, Kaichen. Eine Masseosendung' prima Schnürriemen» Strümpfe, Strickgarne eingetroffen. Friedberg i. H., Kaiserstrasse 51, gegenüb. d. Engelapotheke. Drucksachen liefert schnell und billig »eye Tageszeitung. Druckerei u. Verlag A.-fi. Guts-Verpachtung. Das Hofgut Hafielheck. gelegen in Gemarkung Haffelheck und Ober-Mörlen, im Kreise Friedberg in Oberh essen. 2 Kilometer von der Eisenbahnstatton Bad-Nauheim, in Größe von 180 lia «1,59 m soll Mittwoch, den 24. Juli 1918, vor«. 19 Uhr in Riidesheim a. Rh., im Saalbau Rölz, Oberste. 16 für die Zeit vom 22. Februar 1920 bis dahin 1938 öffentlich meistbietend verpachtet werden. Die Bietungsregeln und Pacht-Bedingungen können gegen Einsendung von Mk. 2.00 von dei Unterzeichneten Stelle bezogen worden. Rüdesheim, den 18. Juni 1918. Die EUterverwaltung der Freiherren von Ritter zu Eruensteyn.