Wi mmer 157 _ Montag, den 8. Juli 1918 11. Jahrgang. F>tp .. cne <« aaes^eitnng" erscheint jeden Werltaz. Regelmäßige Beilagen „Dev Kauer aus Hessen", „Die Zpinnstnbe". Bezugspreis: Bei den Postanstalten vcenelsährlicli Ml. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld,' kei den Anenten monatlich 85 Psg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 2d Psg.» totale 20Pfg., Anzeigen von auswarrs veroen durch Po tnachna-me erhoben. E ullungsorl Friedberg. Schriftleitnng und Derlag vriedbecq (Hessen), ?>anauerstraße 12. Fernsprecher 48. Postjchrck-Lonto Nr. 4859. Int vcatiffuet a. R. r irjanitr, M Mrliach, in Dene Anfstandsvcrlnche in Rußland. — Vergebliche franzostjch-ameriknnilche Angriff, verlache. Räumung des ganzen rechten Viave-llfers durch die Oesterreicher. — 15 000 Tonnen und rin 16 OVOTonnen-Dampfer versenkt. Der deutsche Ge«»eraMab meldet: =^r^====±s W. T. B. Großes Hrrttplquartier. den Juli» Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Mehrfache Angriffsversuche des Feindes westlich von Langemarck scheiterten. In dem Kampfabschnitt südlich der S o m m e blieb die Artillerietätigkeit tagsüber gesteigert. Am Abend lebte sie auch an der übrigen Heeres- grupPen-Front auf. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen A i s n e und Marne und südwestlich von N e i n: s zeitweilig erhöhte Gefechtstätigkeit. Stärkere Vorstöße des Feindes gegen den Elignon-Abschnitt wurden abgewiesen. Erkundungsgefechte in der Champagne. Leutnant Bolle errang seinen 20. Luftsieg. Der Erste Generalquartlermeiftcr: Ludendorff. Abendberfcht. Berlin, 6. Juli, abends. (WTB. Amtlich.). Oertliche Kämpfe westlich von Chateau-Thierry. W. T. Große* Hattptqnar.iee, der» 7. Juli. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. An den Kampffronten zwischen Dser und Marne anflebende Gefechtstätigkeit. Westlich von Chateau-Thierry griffen Franzosen und Amerikaner trotz ihrer wiederholten Mißerfolge erneut unter Einsatz stärkerer Kräfte an. Die Angriffe sind gescheitert. Harte Nahkämpfe dauerten bis in die Nacht hinein an. Die Verluste des Feindes sind nach Truppenmeldungen wiederum schwer. In den oberen Vogesen wurden feindliche Vorstöße am Hilsenfirst abgewiesen. « Leutnant Kroll errang ferne n30., Leutnant Kön- necke seinen 21. Luftsieg. Der Erste Eeneralquartiermeister: Ludendorff«. Abendbericht. Berlin, 7. Juli, abends. (WB. Amtlich.) Von den Kampffronten nichts Neues. Der österreichische Generaistab li meldet: =========1! Wien, 6. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: An der Piavemündung hielten die Kämpfe auch gestern an. Am Südflügel der dortigen Stellung vermochte uns der Feind gegen den Hauptarm: zurückzudrücken. An der venetianischen Gebirgsfront beschränkte sich gestern die Tätigkeit beiderseits auf Geschützfeuer. Heute früh unternahm der Italiener innSolarologebiet und bei Asiago erneut heftige Vorstöße, die überall abgeschlagen wrrrden. Der Chef des Genernlstabes. » Wien, 7. Juli. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Da sich das Piave-Delta ohne schwere Opfer nicht hätte behaupten lassen, nahmen wir unsere dort eingesetzten Truppen in die Dammstellung am Ostufer des Hauptarmes zurück. Die Bewegung vollzog sich in der Nacht von: 5. auf den 6. Juli. Der Feind fühlte gestern Mittag bis an den Fluß nach. Oestlich des Monte Pertica schlug das wackere Otacacer Infanterie-Regiment Skr. 70 starke italienische Angriffe in blutigen Nahkämpfen zurück. In Albanien griffen zwischen dem Devoli und dem Ossum Franzosen und Italiener unsere Gebirgsstellungen an. Im Verlaufe der Kämpfe gelang es dem Feinde, an zwei Stellen Vorteile zu erringen, die ihn: aber durch Gegenstoß wieder entrissen wurden. Der Chef des Gencralftabes. Sofia. 6. Juli. (WV. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Mazedonische Front: Im Norden von Vitolia, an mehreren Orten östlich der Tscherna und auf beiden Ufern des Vardar beiderseits Artilleriefeiler, das zeitweise sehr heftig war. Auf der Ebene vor den Stellungen östlich Seres Patrouillengefechte. Im Tschernabogen wurde ein französisches Flugzeug nach Luftkampf hinter unseren Linien zur Landung gezwungen. 15000 Tonnen verdenkt. Berlin» 5. Juli. (WB. Amtlich.) Eines unserer im Mit- telmeer operierenden U-Boote unter Führung des Oberleutnants )'.rr See Ehrensberger versenkte aus stark gesicherten Ge. leitzügen vier wertvolle Dampfer von rund 1 5 0 0 0 Bruttoregistertonnen. Ein fünfter Dampfer von 5000 Tonnen wurde durch Torpedoschutz schwer beschädigt, verinochte aber wahrscheinlich den nahen Hafen zu erreichen. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. » Versenkung eines 16000 Tonnen-Tampfers. Haag, 7. Juli. Reuter meldet aus Washington: Das Marinemiuisterium teilt mit, daß das Transportschiff „Covington" les ist der ehemalige Dampfer „Cincinatti" von der Hanrbnrg-Amerikalinie nnt einem Inhalt von 16 3.89 Tonnen) auf der Rückreise von den Vereinigten Staaten Montag nacht in der Kriegszone versenkt wurde. Sechs Mann der Besatzung werden vermißt. Reisende waren nickst an Bord. Die „Covington" trieb bis Dienstag. Ein Unterseeboot wurde nicht gesehen. Kämpfe im Wosterr. Berlin, 7. Juli. (WB.) In der Nacht zun: 6. Juli fühlten englische, französische und amerikanische Patrouillen an der gesamten Westfront vor Eine englische Grotzpatrouille wurde bei M e t e r e n zusammengeschoffen. Im Nachstoß wurden mehrfach Gefangene gemacht, vor allem bei der Abwehr eines größeren französischen Stoßtvuppunternehmens nördlich des Rhein- Marne-Kanals. Nach fortgesetzten Mißerfolgen der Amerika, ner westlich Ebateau-Tbinry griffen sie am 6. Juli mit französischen Unterstützung an. aber die vereinigten amerikanisch- französiscl^en Angriffe scheiterten gleicherweise wie alle vorherigen. Der Beginn des Einsatzes größerer ainerikanischer Truppenverbände steht unter einem für die Amerikaner ungünstigen Zeichen: hohe blutige Verluste ohne jeden possttiven Gewinn. * Berlin, 6. Juli. (WB.) Oestlich von Ppern verhinderte das deutsche Sperrfeuer einen in der Frühe des 5. Juli offenbar geplanten feindlichen Vorstoß. Nachträglich wurden vor: dem am 3. Juli ftüh gescheiterten englischen Unternehmen beiMoyen- ville noch ein englischer Hauptmann und sieben Mann einge. bracht, die sich bis fetzt versteckt gehalten hatten. Westlich der Avre sowie nördlich und östlich von Mevtis scheiterten stärkere französische Patrouillenvorstöße. Gefangene blieben in deutscher Hand. Tin Versuch der Dntentctnippen, bei Jarckgonnv die Marne zu überschreiten, mißlang. Die Knmpffnge an der Piave. Wie die Italiener melden, sind die Oester reicher vollständig auf das linke Ufer der Piave zrrrückgeworfen, welches die Oesterreicher seit Ende Noveinber beseht und mit allen ihren Kräften gehalten hatten. Der Gchutzgürtel um Venedig ist verbreitert. Die Italiener machten feil 15. Juni im ganzen 623 Offiziere, 23 911 Mann zu Gefangenen, er- berrteton -63 Kanonen. 66 Mörser, 1834 Maschinengewehre, zwei unbeschädigte Flugzeuge, fünf Millionen Jnfanterie» patronen, mehrere tausend Granaten jeder Größe, eine große Menge Pionierwerkzeuge, Telephongerät, Brücken und »Ausrüstungsgegenstände. Auf der anderen Seite steht -fest, daß die Oesterreicher über 50 000 Gefangene gemacht hatten. Die Vorfälle an der öüdme^r -n Wien, 6. Juli. (WB.) Die Korrespondenz Austria meldet: Beim Kriegsminister erschienen Abordnungen der Christlich-Sozialen Vereinigung und des Deutsch-nationalen Verbandes , die über die Vorfälle der Südwestfront Erkundigungen einzagen. Der Minister gab in zweistündiger Aussprache eine erschöpfende, alle Punkte der Anfrage umfassende Darstellung. Die Mitteilirngen des Kriegsministers wirkten, wie der Sprecher der Abordnung sest- stellte, beruhigend und arffklärend. Graf Mirbach t. Berlin, 6. Juli. (Amtlich.) Hechte vmmitrag < ten zwei Herren den Kaiserlichen Gesandten in Mos: . um eine Unterredung, die ihnen vom Grafen Mirbach im Beisein von Legatronsrat Riezler und einem im Zimmer- anwesenden deutschen Offizier bewilligt wurde. Tie beiden Unbekannten zogen Revolver und schossen auf den Kaiserlichen Gesandten, wobei sie ihn leicht am Kopfe verletzten. Ehe sie daran verhindert werden konnten, warfen sie hierauf ein paar Handgranaten und retteten sich durch einen Sprung aus dem Fenster auf die Straße. Gras Mirbach, der schtver verletzt wurde, ist, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, kurz daraus verschieden Die beiden anderen Herren blieben unverletzt. Sofort nach Bekanntwerden dieser Untat trafen di>- Kommissare für auswärtige Angelegenheiten, Tschitscheri, unck Karrachan, in der Gesandtschaft ein und sprachen dem Legationsrat Riezler die Empörung und das Bedauern der Sowjetregierung über den erschiitternden Vorfall ans. Lei- der ist es bis jetzt nicht gelungen, die Verbrecher zu entdecken und festznnehmen. Das bisherige Ergebnis der sofort ausgestellten Untersuchung läßt die Vermutung zu, dag es sich um im Dienste der Entente stehende Agenten handelt. * Gras v. Mirbach-Harff fft am 2. Juli 1871 geboren. Er trat 1896 als Attachee in den diplomatischen Dienst. 1899 wurde er zun: Legationssekretär ernannt, war zunächst als dritter Sekretär in London, dann als zweiter Sekretär im Haag, weiter in Budapest und erneut in London tätig. Von 1906 bis 1908 bekleidete er den Posten eines zweiten Sekretärs in Paris. In den folgenden Jahren bis 1911 stand er dein Botschafter als- erster Sekretär zur Seite, von da an war er mit krrrzer Pause als Vortragender Rat im Auswärtigen Amt beschäftigt, ging 1914 als Gesandter nach Stuttgart und im folgenden Jahre nach Athen, wo er bis zur Vertreibung der Gesandtschaften der Verbündeten durch die Entente die deutschen Interessen erfolgreich und nachdrücklich vertrat. Sodann leitete er die politische Zkbteilung bei der Militärverwaltung in Rumänien, bis ec im Dezenrber 1917 mit der Mission nach Petersburg be- traut wurde. Von dort -ehrte er im Februar 1918 zurück. Ende April begab er sich dann als vorläufiger Vertreter der Reichsleitung bei der Sowjetregierung nach Rußland. • Moskau, 7. Juli, nachmittags. (WB.) Die linken Sozialrevolrftionären haben sich zun: Mord des kaiserlichen Gesandten bekannt. Ihre in: Theater eingeschlossenen Vertreter sind verhaftet. In der Stadt sind Kämpfe der Gegen- revokuffonüre gegen die Bolschewik: an verschiedenen Stellen entbrannt, die bisher zu Gunsten der Bolschewik: zu verlausen scheine::. 9llle Mitglieder der Gefandschaft und sonstige Vertreter beutfdjer Behörden sind unversehrt. Eine andere Darstellung des Mordes, geht der „Frankfurter Zeitung" zu. DanaH ließen sich bei dem Gesandten zwei Personen melden, welche Ausweise des KonnteeS -irr BÄffmpfirrrg der Gegenrevolution besaßen. Beide brachten das Gespräch auf eine» Prozeß eines ungarischen Grafen Robert Mirbach eines dem Gesandten unbekannten Mitgliedes der Familie, und legten die Akten über diesen Prozeß vor. Rach kurzer Zeit zog der eine einen Revolver und schoß auf den Grafen, den Geheimrat Riezler und den Offizier Leutnant Müller. Graf Mirbach wurde verletzt und stürzte in ein Nebenzimmer Der Attentäter folgte chm dorthin und schoß ihn von rückwärts in den Kopf, während der andere auf Geheimrat Riezler und den Leutnant Müller weiter schoß, ohne sie zu verletzen. Dann sprangen beide, nachdem sie noch Handgranaten geworfen hatten rnü, Graf Mirbach niedergestürzt war, aus dem Fenster und flohen in einem unten bereit- stchenden Auto. Die Sowjetregierung hat ihre Empörung und ihr Bedauern über den erschütternden Vorfall ausgesprochen. Um einen solchen handelt es sich in der Tat. um einen Vorfall von erschütternder Tragik, aber — wir glauben, es ist von besonderem Wert, das vorwegzunehmen —, ohne politische Folgen, soweit das Verhältnis zwischen der gegenwärtigen russischen Regierung und Derrtschland in Betracht kommt. Ob die Untersuchung, die leider ohne die direkt beteiligten Verbrecher geführt werden muß, tatsächlich nähere Anhaltspunkte für die Vermutung gibt, daß es sich um im Dienste der Entente stehende Agenten handelt, muß abgewartet werden; unmöglich ist es bei den moralischen Qualitäten der führenden Ententemänner nicht — nan braucht nur an die Dingrmg eines Mörders gegen Sir Roger Casement durch die englische Regierung zu denken — und wahrscheinlich konnte es der Umstand machen, daß die Entente, vorab England, kein Geld spart, um die gegenrevolrrtionärs Bewegung in Rußland zu fordern. Auffallend ist es, daß Kerenski?, der größte Schuft aus der russischen Revolutionszeit, gerade dieser Tage wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist und seine hetzerische Tätigkeit wieder ausgenommen hat. Noch auffallender ist es, daß er in Paris erklärt hat, Graf Mirbach, der inzwischen ermordet wurde, sei der eigentliche Herr in Rußland. Mit im Zusammenhalt steht es, daß an der Spitze des sozialrevolutionären Ke- renskijs S a w i n k o w, ein ganz verdorbenes Ententefubjett, steht, der urrter Kerensktj Kriegsminrster gewesen ist. Anscheinend hat diese Verbiechergesellschaft die Zeit für gekommen erachtet, um einen Putsch zu versuchen. Die Bolschewrki weisen alle Verantwortung von sich. Der russische Botschafter in Berlin, Joffe, der zur Zeit an der spanischen Grippe erkrankt ist, hat sofort auf die Nachricht über die Ermordung des deutschen 'Gesandten v. Mirbach ein handschriftliches Schreiben an den Staatssekretär des Aerrßeren im eigenen Namen und im Namen seiner Regierung gerichtet, in dem er seine Empörung über die ruchlose Tat Ausdruck gab. Ebenso haben die Vertreter der Bolschewisten-Regierung dem deutschen Geschäftsträger versichert, daß sie alles tun werden, bie Mörder zur Verantwortung zu ziehen. Die Regierung ist im Kreml versammelt und hat slle Sicherungstruppen um dm Kreml konsigmert. Dfiergynski, der Ehef der Polizei der Bolschewisten, der die Auslieferung der Mörder von den Sozialrevolutionären verlangte, ist von diesen als Geisel in dar Gebäude verschleppt worden, in dem die Sozialrevolutionären sich verkarrikadiert haben. Das Haus ist von den Bolschewistentruppetr uni» von Artillerie umstellt worden. Die Bolschewisten bestehen auf der Auslieferung der Mörder und ihrer schärfsten Verurteilung und drohen im Weigerungsfälle mit der Verhaftung des ganzen stzialrevolutio- naren Komitees. Sawinkows Beziehungen .zur Entente stehen nnzweistlhaft fest. Der Beweis, daß die Entente ihre Hände bei dem ruchlosen Attentat rm Spiele gehabt hat, ist deshalb mehr wie wahrscheinlich, sicher ist, daß sie indirekt daran beteiligt gewesen ist. Diese Vorgänge sind geeignet, weiteren Kreisen in Rußland dt« Augen zu öffne« Üb« die Gestchren, tne von dieser Seite drohen, und sie werden den BolscherE wohl «ach. haltigere Unterstützung bringe», als dies alle Aufrufe der Sow. jetregierung bisher vermochten. Zunächst ober gilt es irwter allen Umstanden einmal abzuwarten, ob noch nähere Aufklärung über den Fall gegeben werden kann. Rußland. Die DorAange n« -er MnrmankMe. Moskau, 3. Inli. (WB.) Die Presse veröffentlicht folgenden Befehl Trotzkist: In Mnrman ist fremdes Militär oe- j landet, trotz des ausdrücklichen Protestes des Kommissars für die auswärtigen Angelegenheiten. Der Sowjet der Volkskommissare schreibt mir vor. dorth'm die notigen Streitkräfte zu entsenden, um die Küste des Weißen Meeres vor der Besitzerqreif- urrg durch die ausländischen Imperialisten zu schützen. Daher befehle ich folgeirdes: 1. Wer dem auswärtigen Militär Hilfe leistet, ob direkt oder indirekt, wird als Landesverräter betrachtet und nach dem Kriegsgesetz hingerichtet. 2. Der Transport von Kriegsgefangenen nach Archangelsk, ob in bewaffneten oder unbewaffneten Abteilungen' oder in einzelnen Leuten, ist unbedinat verboten. Jeder, der hiergegen verstößt, wird nach dem Krieosaesetz hingerick>tet. 3. Zu einer Fahrt an die Külte des WNßen Meeres benötigen russische wie ausländische Bürger unbedingt der Er. laubnis des nächsten Kreis-Kriegskommisiars. Passagiere, welche ohne eine derartige Erlaubnis an die genannte Küste reisen, sind zu verhaften. K^enhagen, 3. Juli. (WB) Zn den Ra-chricksien von finnischen Trnp?>en1 rar,srorten nach der Murmonküste und nach Russüch-Karelien und der Answeifimg englischer Untertanen aus Fmlsnd kann die biessne finnische Gesandtschaft kategorisch erklären, daß die Meldungen jeder Grundlage entbehren. Der KZrmpf gegen dke Trchecker-Slawakem. Moskau. 2. Juli. (WB.) Die hiesige Presse meldet' Das Militirrkonrniissariat hat die sofortige Formierung von Batterien zum Kampf gegen die Tichecho-Slowaken verfügt. Die West-Ural-Do hn ist von den Gsgenrevolutio-naren gesäubert. Aus dem Abschnitt Slatoust haben ssch die Gegenrevolutionäre nach llstikinfk zurückgezogen. Die Raphta-Unternehmen in Ja. roslarv, Rnbinik, Kinfchma und Woleoda befinden sich im Aus- stunde. Die Naphlaverforgung der Nordbohn und der Schifffahrt auf der oberen Wolga ist fast eingestellt. Haag. 3. Juli. Reuter meldet ans Londons Telegramme von britischer Seite aus Irkutsk berichtet, daß die Tschecho-Slo- waken die Bclschew'üteu well! ich von ^rkrrtsk vollständig geschlagen und sie aus Rifchnk-Ubinsk und Tulum, östlich des Bai- kalfees vertrieben haben. Die Bolschewisten haben Irkutsk verlassen. Die KatWM« des kn^essliertraüts mit NnffünS. 53tin, 5. Zull. (WB.) Am 4. Juli hat in Berlin der Austausch der Ratifikationsurkunden zu dem Friedensvertrag zwischen Oesterreich-Ungarn und der russischen Sowjetrepublik sowie des dazugehörigen Zusatzvertrages stattgefunden. Der Austausch wurde vollzogen durch den ostecreickisch-unMrischea Geschäftsträger Botschaftsrat Grafen Lorisch in Berlin und den dortigen bevollmächtigten Vertreter der russischen Sowjetrepu- bkik Josse. lieber den Austausch der Ratifikationsurkunden wurde ein Protokoll ausgenommen. Rumänien. Die A»«a>,me des Friedensverirages durch den Senat. Bukarest. K. Juli. (WB) Nachdem die rumänische Kam- mer am 28. Juni dem Friedens vertrag« zugestimmt Hai, hcM gestern auch der Senat, und zwar einstimmig, den Frisdensver. trag angenommen. Ukraine. Kiew. 3. Juli. (WB.) Die Presse meldet, daß in Dak» traurige Zustände herrschen. Die Wasserleitung ist abgeschnit. ten und die Verkehrsweg« nach außerhalb find unterbrochen. Brot ist seit drei Monaten nicht mehr vorhanden. Andere Lv- bensmittel sind sehr teuer. Auch in der Krim, besonders i» Kreise Jalta, soll ein Mangel an Lebensmitteln herrschen. Die ukrainische Negierung hat die Ausfuhr von Lebensmitteln bis zur Klärung der politischen Lage in der Krim verbalen. „VieSchiürsnlsffmide des Krieges" Lollbou. 5. Juli. (WB.) Meldung des Reutersche» Bureaus. Bonar Law sagte in der Abschiedsansprache auf dem Bankett, das die Regierung zu Ehren der Delegierter, der interalliierten Konferenz gab, er glaube, daß die Schick» salsstnnde des Krieges bevorstehe. Die amrikslillchkn &rujr|)! , nifiii>ii!wn. 23evlin, 6. Juli. (WB. Die amerikanische Propaganda der Entente, die in gleicher Weise als Schreckmittel für die Mittelmächte wie als letztes Trostmittel für das verblutende Frankreich gedacht ist. schlägt sich durch ihre Maßlosigkeit selbst. Bei aller Würdigung der amerikanischen Großzügigkeit. der es auf einige Hunderttausend oder Millionen mehr oder weniger nicht ankommt, wäre es doch zweckmäßig wenn sich die Leiter des Propagandadienstes in den verschiedenen Enterrtestaaten darüber einigten, wieviel Ame^ rikaner denn nun eigentlich auf französischem Boden bereits stehen sollen. Unter den heufigen Verhältnissen kommt eS vor, daß Funksprüche von verschiedenen Stationen sogar cm ein und demselben Tage einander widersprechen. Währender Funkspruch Lyon vom 4. Juli 1 000 115 Mann meldet^ spricht Lloyd George nach einem Funkspruch vom gleiche» Tage nur von 900 000 Mann. In einem anderen Funk» sprach vom 4. Juli wird die große Begeisterung hervor* gehoben, welche die amtliche Ankündigung hervorgerufe» habe, daß bis 1. September eine Million Amerikaner i» Frankreich angekommen sein würden. Noch weniger ist sich die Ententepropaganda über die Größe im klaren, welch? das amerikanische Heer jetzt oder in Zirkunst haben soll, den« in dem für. die Wahrheitsliebe und Genauigkeit der Ententefunkdienstes so bemerkenswerten Funkspruch vom 4. Juli heißt es einmal, der Generalquartiermeister plan« nach einer Mitteilung an den Kongreß die Einkleidung von 4 Millionen Soldaten bis 1. Januar, dann aber wird amtlich gefunkt, daß bis 1. Januar vier Millionen Amerikaner i« Frankreich angekommen sein werden. Die Erklärung dafür liegt vielleicht darin, daß beide Male bei der Datumsangabe vorsichtshalber die Jahreszahlen weggelaffen sind. Air eSWndijche Mttjchast au Leu Kai!er.. Berlin, 6. Juli. Die in Reval versammelte estläm dische Ritter- und Landschaft hat ein Huldigungstelegram« an den Kaiser geschickt, in welchem sie ihre Befriedigung Wm me dlllch Aehe Leid gejrhch. Roman vo« EourthS.Mahler. vH Nachdruck verbot^'. Me war ihm Ehrista schöner erschienen, als in dem schlichten weißen Seidenkleid, dessen kleiner Ausschnitt den schlanken Hals und ei« Streifchen des herrlich«« Nackens freMetz. Er «tmete tief und schwer. Wie gern hätte er an Christas Seite ßejeffen. Statt dessen mußte er die Baronesse unterhalte«. „Was habe« Sie zur Verlobung Ihrer Schwester gesagt, Herr von Frankenau?" fragte diese neckend. Er riß seinen Blick von Ehrista los. „Ich habe ihr nur von Herzen Glück gewünscht, gnädigste Baronesse." „Run wird man wohl auch bald Veranlassung haben. Ihnen Glück zu wünschen," fuhr sie fort. Er machte ein harmloses Gesicht. JBtiz Glück wünschen? Darf ich wrssen, wozu?" fragt« er kühl. „Zu einer baldige« Verlobung. Ihre Frau Mutter hat uns ja verraten, daß Sie diesen Winter auf die Brautschau gehen wollen." ^lch, so meinen Sie bas Es ist söhr liebenswürdig» daß Tie mir einen Glückwunsch in Aussicht stellen." „Sie gehen im Winter längere Zeit nach der Residenz, nicht Mahr?" „Ja, das fft geplärrt, gnädige Baronesse." „Run, so werden wir auch dort Zusammentreffen. Mamma nnd ich, wir wollen diese« Winter auch einig« Wochen in der Residenz verbringen. Onkel Heinz hat jetzt Fräulein Hellmut zu ferner Verfügung, und so wird er uns «irrige Zeit entbehre« li ntn. Es war doch all di« Jahr« recht einsam für mich i» Birken heim." „Das glaube ich Ihnen," erwiderte Hans Ullrich, ohne recht zu wist i>, was die Baroncss« mit ihm sprach. Er war zu sehr ja HfyiHas Anblick vertieft. „Sie haben gar kcine Ahnung, Herr von Frankenau, wie langweilig so ein Winter auf dem Land ist." „Wirklich?" „O — so können Sie mir fingen, well Sie seit langen Jahren im Winter irre zu Hause waren, wenigstens nicht auf lange Zeit." „Allerdings, ich werkte meist nur um die Weihnachtszeit zu Harrst. Aber da hat es mir doch immer recht gut gefallen, und ich muß sagen, daß ich mir unter Umstanden den Winter auf dem Land recht schön und kurzweilig vorstellen kann." „Ach — Sie meinen vielleicht an der Seite einer jungen Frau?" neckte sie. Hans Ullrichs Blick glicht« sthnsüchtig nach Ehrista hinüber. „Ganz recht, gnädigste Baronesse, das merne ich," erwiderte er wie rm Traum. Die Baronesse lächelte sanft und liebenswürdig und sah mit großen, schmachtenden Augen zu ihm auf. „Dann wünsche ich Ihnen recht bald eine junge Frau." „Ja? Wollen Sie das wirklich tun?" „Warum sollte ich nicht?" Er seufzte leist auf. „Wünschen Sie mir, daß ein Wunder geschieht." „Ein Wunder?" „Ja — ein Wunder — ich möchte so gern daran glauben, daß auch in unserer nüchternen Zeit noch Wunder geschehen können." „Was soll es denn für ein Wundsr sein?" forschte sie. „So ein Wunder, wie es sonst nur in Märchen vorkommt» wo aus einem Frosch ein Königssoha und aus einer armen Hirtin eine Prinzessin wird." „Ach, Herr von Frankenau, was rede« Sie für seltsame Sachen?" Er ließ seinen brennende« Blick oou Christa und sah di« Baronesse zerstreut an. „Nicht wahr — ich unterhalt« Sie recht schlecht. Ich bitte um Verzeihung, Madigste Baronesse." Baronesse Karla sah ihn wieder sanft und schmachtend an. „Sie unterhalten mich im Gegenteil sehr gut, Herr von Frankenau." Er verneigte sich. „Sie sind sehr gütig, gnädigste Baronesse. Also Sie wolle« im Winter nach der Residenz?" „Ja. Mamma und ich, wir haben es geplant, und Outet Heinz hat uns bereits Urlaub gegeben. Er wünscht, daß ich mich auch einmal amüsiere und mich austanze. Wollen Sie mir nicht ein wenig erzählen aus der dortigen Gesellschaft? Ist es amüsant? Der Herzog und stin« junge Gemahlin sollen j« sehr glänzende Feste stiern. Man sagt, weil sie einander nicht lieben, suchen sie Ersatz in der Geselligkeit. Ist es wahr, daß der Herzog seine Gemahlin nur sehr widerwillig an seine Seit» gestellt hat? Sie waren doch mit ihm sehr befreundet?" „Allerdings, gnädigste Baronesse. Aber selbst wenn mir der Herzog in dieser Angelegenheit stin Vertrauen geschenü hätte, dürfte ich es doch nicht mißbrauchen, indem ich ausplao- dere, was er rnir anvertraut hat." Die Baronesse lächelte schelmisch. „Nun — mit könnten Sie es schon sagend Er sah sie kühl an. ..Nein — auch Ihnen nicht. Ich bedauere, Daroneß." ^ Mnb schnell lenkte Hans Ullrich das Gespräch auf ein am deres Thema. Ursula hatte alle Toaste und Glückwünsche mit strahlende» Gesicht überstanden. Nun war die Tafel aufgehoben worden und sie packte, von Christa und ihrem Verlobten unterstützt, ob, nen Korb voll von den Leckereien, di« zum Dessert gereicht wo« den waren. „Die bekommen Mumuschkas Waistntinder, Sie müsse« doch merken, daß heute ein Festtag ist. Komm mit ga ihn««, Joachim, ich wÄ dich Ihnen al» meine« verlobt«« vorstell«^ dann bekommen Sie Respekt vor mir." „Ist das so sicher?" neckte er und gab ihr sch«L «ch Wst stöhlen einen Kuß. ~ f Sie drohte schelmisch. „Jetzt nehme ich zur Strafe otn-e Gardedame mV. damit Gz Wbsch artig bist," Sortsetzung MöU[, iifcer die benmächstige Dererntgmrg von Estland und land mit dem mächtigen Deutschen Reiche zum ArrSdr«cke bringt. Dom Großen Hauptquartier a«S hat der Kaiser ein Antworttelegram an die Vertreter des alten deutschen ,Kulturlandes im Osten erlassen. Die Antwort des Kaisers lautet' Großes Hauptquartier, 4. JuL, i Ritterschaftshauptmann v. Dellingshausen. Reval. Den Treugruß der estländischen Ritter- und Landschaft habe ich mit Freude und Dank entgegengenommen. Es ist mir eine hohe Genugtuung, im alten deutschen Kulturlande wieder deutscher Art und deutscher Sitte zu kraftvoller Entfaltung geholfen zu haben. Gott wird dem deutschen Vaterlande die Kraft geben, sich siegreich zu behaupten und die ihm anvertrauten Glieder in sicheren Schutz zu nehmen. Wilhelm L R. Die föubkrfife als festeste Grundsteine. Der „Berliner Lokalanz." meldet: Aus Anlaß des 100jährigen Bestehens des Landkreises Elbing richtete der Kreistag ein Huldigungstelegramm an den Kaiser, auf das dieser u. a. folgendes erwiderte: „Der Gutsherr von Ca- dinen dankt herzlich für den treuen Gruß. Die Landkreise haben sich als einer der festesten Grundsteine unserer preußischen Verwaltung hervorragend bewährt und haben sich immer größeren Aufgaben im Kriege und Frieden gewach sen gezeigt. Großes werden sie zu leisten haben, wenn der eiserne Zwang unserer Waffen den Feind zu dem Frieden gezwungen hat, den unser Volk zur freien und starken Weiterentwicklung braucht. Daß dann Mein lieber Landkreis Elbing treu mrd erfolgreich mitarbeite an der Schaffung und Erhaltung eines starken, glücklichen Bauernstandes und eine? seßhaften, zufriedenen Landarbeiterschast, an der Heilung der Kriegswunden und den großen Aufgaben der ländlichen Wohlfahrtspflege, ist der herzliche Wunsch, mit dem Ich ihn in sein neues Jahrhunhssrt geleite!" Deutscher Reichstag. Fm Reichstage wurde am Samstag das Gesetz zur Ergänzung des Kapitalabftndungsgesetzes (Erweiterung auf Teilnehmer früherer Kriege) und das Kapitalabsindungsgefetz für Offiziere in zweiter und dritter Lesung angenonunen. Das Gesetz gegen Unfruchtbarmachung und Schwangerschaftsunterbrechung wutt»e dem Ausschuß für Vevölkerungspolitrk überwiesen, desgleichen das Gesetz zur Abänderung des Gesetzes über den Absatz von Kalisalzen. Auf der Tageordnung stand dann der Bericht der Lweschüffe über Ernährungsfragen, über Kohlenförderung und Kohlenverforg-ung und über die Tätigkeit der Reichsbeklei- dungsstelle. Ttzr Ernährungsausschuß legte Richtlinien für die Erfassung der öffentlich bewirtschafteten Nahrungsmittel vor. Danach dürfen solche Nahrungsmittel vom Erzeuger nur an Behörden geliefert werden. Verbotswidrige Transpotte verfallen tem Kriegsernährungsamt. Die Landesbehörden haben diese Vorschriften streng durchzuführen. Hinsichtlich der Preisregelung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse wird gefordert, daß in der Preisgestaltung mehr Beständigkeit und Gleichmäßigkeit herrsche. Auch soll auf die Kosten der landwirtschaftlichen Erzen gungsm Mel Rücksicht genommen werden. Bei den Nahrungs, mittelpreisen soll auf die Kaufkraft der breiten Massen Bedacht genommen werden. Das Hinterkorn soll in bestimmten Mengen dem Erzeuger verbleiben. Zur Förderung der Fettversorgüng soll der Anbau der Oelsamen begünstigt, weiterer Anbau von Raps angeordnet werden. Bezüglich der Kohlenversorgung lag eine Entschließung vor, die eine möglichste Steigerung der Kohlenförderung forderte. Für die Wasserstraßen sollen genügend Schiffe bereitgestellt werden. Zur Bekleidungsfrage lag nur eine Eingabe, wonach Personen mtt einem Einkommen unter 1209 Mark von der Verpflichtung zur Abgabe von Kleidungsstücken befreit werden sollen. Abg. W e i l nb ö ck (kons.) berichtete über die Verhandlungen des Ernährungsausschusses. Den Bericht über die Kohlenfrage erstattete Abg. Schmitt -Würz- burg (Soz.), über die Kleiderfrage der Abg. Astor (Zentt.). Staatssekretär v Waldow führte aus. daß der Kreis der öffentlichen Bewirtschaftung immer weiter gezogen werden müßte. Schwäche und Mängel seien natürlich vorhanden und werden nach Möglichkeit beseittgt. Der vermehrte Anbau von Kartoffeln wird hoffentlich bei der nächsten Ernte bessere Ettolge zeitigen. Die kalte Witterung hat setzt die Kartoffelernte um etwa zehn Tage verspätet Die Mißernte an Futtergewächsen rst für unsere ganze Biehwirtichaft von der nachteiligsten Wirkung gewesen. Unser Viehbestand ist herabgedrückt, und vielleicht werden wir auch in gewissen Zwischenräumen eine fleischlose Woche einführen müssen. (Hört, hört!) Ein Ersatz wird in Mehl gegeben werden. Die sttaffe Bewirtschaftung unserer Getreidevorräte sei notwendig und solle nun auch in Oesterreich erngcfühtt werden. Größte Vorsicht sei auch im neuen Erntejahr notwendig, Experimente dürfen nicht gemacht werden. Die Forderung „fteier Handel, fteie Erzeugung" würde das Ver- trarren in unsere Ernährungswirtschaft schwinden lassem Die Ernte im vergangenen Fahre sei eine Mißernte gewesen, die Zufuhren aus Rumänien und der Ukraine seien ungenügend gewesen; aus letzterem Lande würden sie auch noch nicht in Gang kommen. Eine gewisse Spannung zwischen alter und neuer Kartoffelernte habe sich nicht vermeiden lassen, immerhin werde die neue Ernte nun bald erfolgen können. Die Erhaltung der heimischen Erzeugung sei erste Kriegsnotwendigkett. Ein Grund Aum Pessinnsmus liege für das neue Jahr nicht vor und das deutsche Volk werde aus allen Schwierigketten siegreich hervor- 4ehen. (Beifall.) Abg. Dr. M e tz i n g e r (Ztr.): Die Erzeuger müssen genügende Preise erhalten. Jetzt stehen sie im bestem Verhältnis Nun Wert derselben. Der Viehbestand bedarf dringend der Schonung. Wie steht es mir den Nachrichten, daß weitere Men. ven an Oesterreich abgegeben werden sollen? Ich muß weiter M« dringende Bitte aussprechea, daß die Förderung und Beförderung Mtt Kohlen nach SLddeutschlmtt» möglichst beachten, rügt worden und daß mäßige Preise gestellt werde». Abg. W«l» (So-.): Der Schleichhandel Ist die ebn-ig tu folgreich« Organisation. (Sehr richtig.) Wir find an dem Tief, stände unserer Ernährung angekommen. Die Presse müssen angemessen sein. Auch gut verdienende Arbeiter könne» ihre Familien nicht ernähren, und da soll noch die Brotration verkürzt werden. Die Kartoffeln fehlen ganz. Wenn die Schweine damals nicht abgeschlachtet worden wären, wären wir schon am Ende unserer Ernährung angelangt. Jede Abkürzung des Krieges ist ein größerer Gewinn als die Eroberung einer Provinz. Abg. Dr. Rölicke (kons): Ebenso wie die Industriearbeiter sollte die Landwirtschaft mit Kleidungsstücken bedacht werden. Schuld an den Ernährungsverhältnissen sirür nicht die Konservativen. Sie haben gegen dieses System stets Einspruch erhoben. Das System der Gleichmachung ist nicht durchführbar. Die Fehler des sozialdemokratischen Systems zeigen sich hier deutlich. Das Volk wird diese ettennen. Wir alle leiden darunter. Es kommt immer noch vor, daß Landwirte für teueres Geld Waren einkaufen müssen, die ihnen billig abgenommen worden sind. In Rumänien und in der Ukraine werden höhere Preise an den Erzeuger bezahlt als bei uns. Der Landwitt- schaft ist die Produktion zur Last geworden. Gehen wir von dem System der sozialdemokratischen Produktt"'nsweise ab. Es ist nicht möglich, daß der Milchpreis dauernd 50 Proz. unter dem Produktionspreis steht. Nichts ist der.Produttion so notwendig wie die Freiheit. (Beifall rechts.) Abg. F e g l er (Vpt.): Den Landwirten sollen nur so viel zur freien Verfügung verbleiben, als sie in der eigenen Wirtschaft verbrauchen. Nach weiterer Erörterung wurden in später Abendstunde die Richtlinien des Ausschusses angenommen. Montag: Verhältniswahl und Verlängerung der Legislaturperiode des Reichstags. Die lpmnfche Grippe. Berlin, 6. Juli.' Ueber die spanische Grippe wird der „Nordd. Allg Ztg." von fachkundiger Seite mitgeteilt: Die Annahme, daß es sich um Influenza handelt, stiitzt sich vor allem auf die bisherigen Untersuchungen und erhält dadurch, daß es tassächlich den verfchiodcnen Stellen gelungen ist, den Influenza- Bazillus einwandfrei nachzuweiscn, eme ziemlich sichere Stütze. Auch die sonstigen Wahrnehmungen vom wissenschaftlichen Standpuntt aus sprechen entschieden für Influenza. Als harmlos kann man vom ärztlichen Standpunkt aus die Krankheit insofern betrachten als nicht etwa Lungenentzündung oder eine ernste Erkrankung dazuttttt. Allerdings muß zugestanden werden, daß hin und wieder auch einmal ein Todesfall eintreten kann. Die Zahlen, die man bisher^ über die Verbreitung dieser Jnfluenzakrankheit bei uns in Deutschland gehött hat, sind jedoch übertrieben. Zahlen können bislang überhaupt nicht angegeben werden, auch nicht über Todesfälle. Wir können uns nur etwa danach richten, was wir durch die Aufnahme erkrankter Personen in Krankenhäuser wissen. Nach den bishettgen Feststellungen beläuft sich die Zahl der in die größten Krankenhäuser Berlins Charlottenburgs und Schönebergs eingeliefetten Kranken auf ungefähr 500 bis 600 Personen. Man darf aber nicht etwa glauben, daß diese Zahl auf eine schwere Erkrankung in der Bevölkerung schließen ließe, denn unter diesen 500 bis 600 Erkrankungen war nur ein einziger Todesfall zu verzeichnen und zwar bei einer älteren Person, die bereits mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Nun liegt allerdings die Frage na§e, was die Medizinalverwaltung in Preußen hierbei zu tun gedenkt. Die Frage, ob es zweckmäßig und notwendig ist, entsprechende Maßnahmen zu treffen, muß vorläufig aus mannigfachen Gründen verneint werden. Man würde z. B. durch sanitätspolizeiliche Maßnahmen, die eine Absonderung der einzelnen Erkrankten mit sich brächten, nichts erreichen, sondern das Pub- likuiu belästigen, da es sich ja bei der sogenannten spanischen Krankheit nicht um eine Erkrankung gefährlicher Att handelt da die daran Erkrankten schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit wiederhergestellt sind. Zudem kann bemerkt werden, daß Sonnenschein und Trockenheit dazu beittagen, die Zahl der Krankheitsfälle wesentlich zu vermindern. Daß jedoch die Erkrankungen an der spanischen Krankheit mit den derzeitigen schlechten Ernährungsverhältnissen znsammen- hängen, davon kann nicht die Rede sein; vielmehr ist die Verbreitung der spanischen Krankheit wie überhaupt aller andern Erkrankungen nur auf die Uebertragung von Krankheitserregern zurückzuführen. Wem: man die 5nße m\ dm Siftuntbaniier Mi. Ein amerikanischer Altkleiderhändler in Newyork wurde dieser Tage von einer erregten Volksmeirge zu einem Polizeigericht geschleift, weil er, der als amerikanischer Patriot ostentativ ein kleines, seidenes Sternenbanner im Knopfloch ttug, mit diesem ahnungslos in der Sttaßenbahn seine Brille putzte. Diese ungeheure Mißachtung der geheiligten Flagge mußte sofort geahndet werden. Bor dem Polizeigericht erschienen mehrere seiner Mitpassagiere als Belastungszeugen. Trotz der Beteuerungen des Zitternden, daß er keine Vaterlandsbvleidigung im Sinn gehabt habe und daß er obendrein der stolze Besitzer einer Aktie der Freihettsanleihe und von 30 Kriegssparmarken sei, verdonnerte ihn der in seinen heftigsten Gefühlen verletzte Polizeirichter zu einer Eeldsttafe von 300 Dollar. Bei uns in Deutschland, so bemerkt die „B. Z. a. M." zu dem Geschichtchen, kann man ungestraft auf Hindenbuvg Bierseidel stellen und sich mtt sämtlichen regierende» Fürste» die Roft putze» Ans der Heimat. er.Hanan, 8. Juki. In dem Konkurse Über das Vermögen der Firma Hessische Flugzeugwerft Herrmann Demuth in Bruchkobel bei Hanau fand heute vor dem Amtsgericht Hanau di» erste Eläubigerversannnlung statt. Die vorhandenen Schulde, beziffern sich auf etwa 100 000 Mark, der Wert des Fabrik« mrwesens mtt Maschinen wird auf 300 000 Mark veranschlagt. Et« Flugzeug ist ßettiggestellt. AuS Starkeaburg. FC. tkberstadt, 5. Juli. In der Gemeirrderatssitzung wurde mttgeteilt, daß der Umsatz der Gemeindeapotheke in dem Rech, nungsjahr 1916-17 32 606 Matt ergeben hat Der Gewinn- antell der Gemeinde betrage 6060 Mart (im Vorjahre 50 « Mark.) AuS Rheinhessen. FC. Mainz. 6. Juki. Am Brückenkopf Kaftol versuchte gestern Abend eine Frau aus Wiesbaden auf einen im Fahre» begriffenen Wagen der Straßenbahn zu steigen. Sie glitt aus, stürzte zu Boden und kam mit dem Kopf unter die Räder. Der Frau wurde dabei der Kopf zerdrückt, jodaß sie sofort tot war. Ans Hessen- Nassau. FC. Wiesbaden, 5. Juli. Beim Bürgermeister ln Bermbach im Taunus wurden in einer Märznacht ds. Js. aus der Scheune drei Schafe im Werte von sechshundert Mark gestohlen, im Stalle abgeschlachtet und auf einer nahen Wiese Köpfe, Eingeweide, Felle und Füße der Tiere gefunden. Einem anderen Landwirt kamen zwei Treibriemen in derselben Nacht von der Dreschmaschine weg. Mit dein Fünfuhrzug des kommenden Tags sah ein Dorfbewohner zwei verdächtige Persnen mit großen Paketen und Rucksäcken dort in den Zug einsteigen, er erkannte den einen als den Arbeiter Wilhelm Lenz, der bei dem letzbestohlenen Landwirt erzogen worden war. Vor der Strafkammer versuchte Lenz fein Alibi nachzuweisen, das ihm aber nicht ganz gelang. Der Staatsanwalt beantragte für den Dieb, der schon nianches auf den) Kerbholz hat, eine Gefängnis- strafe von einem Jahr und sechs Monaten. Das Gericht sah diese Diebstähle, besonders in der Jetzzeit den Diebstahl der Schafe strenger an und nahm Lenz in eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren-und drei Monaten. — Zu sechs Monaten Gefängnis wurde der 19 jährige Arbeiter Albett Baer aus Breckenheim wegen Notzucht von der Strafkammer verurteitt. FC. Wiesbaden, 5. Juli. „Sind Sie der Arbeiter Joseph Pellmeyer aus St. Ingbert?" Nein. Ich heiße Gottlob Karl Morgenstern genannt der „Stern von Morgen." „Welcher Religion?" „Alles". „Wann geboren?" „Bin nicht geboren". „Was sind Sie?" „Ich bin der Friedensbringer, mir ist aber meine Macht gestohlen worden." Mit solchen Antworten versuchte der 33 jährige Arbeiter Kellmeyer heute vor der Strafkannner den Verrückten zu spielen. Das Gericht ging aber darauf absolut nicht ein und nahm ihn kurzer Hand wegen Diebstahls eines Anzuges in der Logierherberge in Höchst a. M. in eine Ge? fängnisstrafe von neun Monaten. FC. Wiesbaden, 5. Juli. Landgerichttctt Fusbahn von hier ist plötzlich infolge einers Schlaganfalles gestorben. Er war seit dem 1. Januar 1907 am hiesigen Landgericht, tätig, vorher in Frankfurt a. M. Seit Kriegsausbruch steht er als Hauptmann im Heeresdienst und zwar beim Be- kleidungsantt in Mainz-Kastel. FC. Aus Niederhessen, 5. Juli. Die vier Kinder des Landwirts und Bäckers Karl Albrecht in Volkmarsen suchten in einer Lehmgrube Schutz vor dem Regen, als plötzlich sich ein« Wand von der Grube loslöjte und die Kinder verschüttete. Drei waren sofort tot, eines wurde von in der Nähe arbeitenden Larrdwirten gerettet. FC. Wetzlar, 5. Juli. Bei einem Gewitter schlug der Witz kalt in das Pfarrhaus in Blasbach und durchschlug es vom Kamin bis zum Keller. Die Hausbewohner wurden verschont. FC. Dorfweil, 4. Juli. Eine Fliege stach der 15jährige» Berta Löw von hier ins Auge. Es entstand M-utoergiftung und das bedauernswerte Kind erlag derselben. Aus der Pfalz. Ein heiteres Stückchen spielte sich am Bähnchen im Speyergau ab. Das Bähnchen war wie ge» wöhniich bis zum letzten Platz mit männlichen und weibliche» Personen besetzt, die mit ihren wohlgefüllten Milchkanne« nach Hause fuhren, darunter auch eine in der ganzen Umgegend ihres gefürchteten Mundwerkes wegen allgemein bekannte Frau, die ebenfalls vier Schoppen Milch mtt sich führte. Auf der Station angekommen, mußte man Me schmerzliche Erfahrung machen, daß wieder einmal „Kontrolle" war. Wohl oder übel lieferten die Leute ihre Milch den Hütern des Gesetzes ab. Nicht so Me oben erwähnte Frau. Als diese die Gefahr bemerkte, blieb sie ruhig rm Wagen sitzen und sing an, ihre vier Schoppen Milch — zn trinken, bis sie endlich vom Gendarmen bemertt wurde. Dieser forderte sie nun auf, schleunigst herauszukommen und abzuljefern. „Ehr werren doch warte kenne," war die Antwort, „ich kumm schun, awer erst werd mei Millich gsoffe." Damit ttank sie den letzten Rest und verließ den Wagen. „Ja," sagte sie zu den Umstehenden, „hettn ehr eier Millich norre a gsoffe, do Helten se eich die rüt abnemme kenne. Wissen'r, 's war jo e bissel viel in dere Gschwindig- keil: die erschte zwee Schoppe find glatt enunner gerutscht die waren for de Dorscht, aber bei de zwee letschte Hab 1 doch e bissei dricke misse." Dabei schluckt sie und schluckt, aber vergebens, die hinuntergewürgte Milch konmtt unter dem Hallo der Umstehenden wieder zum Vorschein. Als Mes erledigt war, sagte die Frau zu den Gendarmen: „So, bo henn'r jetzt Me Millich Widder, jetzt kennen'r je ureinctwegM beschlagncchnre." Verantwortlich-für den politischen und lokalen Teil: OttM Hirschel. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyn er. Friedberg. Druck und Verlag der »Reuen Tageszeitung", A G., Friedberg i, H, Statt besonderer Anzeige. Gott dem Allmächtigen Hai es gefallen heute nachmittag um 4 Uhr meinen lieben Sohn, unseren lieben Bruder. Schwager und Onkel Jakob Häuser xvi. nach langem, schwerem, in großer Geduld ertragenem Leiden im 52. Lebensjahre zu sich zu nehmen. Rieder-Weisel. Butzbach, den 6. Juli 1918. Die trauernden Hinterbliebenen: Christoph Häuser IV. Witwe und deren Angehörige. Die Beerdigung findet statt: Dienstag, den 9. Juli, mittags um 1 Uhr. Besondere Einladung ersolgt nicht. Hairkn, Emma Heuser Adolf Sechstem Verlobte. Wetter (H.-N.) Waikenmühla 8. Juli 1918. Friedberg Bettkarten werden von jetzt ab auf den Ramen des Bestellers ausge fertigt. Die Käufer der Bettkarten müssen sich daher durch '^ersonllfpapiere. Beauftragte außerdem durch einen fchristlichen lluslrag des Beauftragten, ausweifen können. Gemäß § 13 Ausf.- Best. 1 des deutschen Eisenba'rn-Personen- and Gepäcktarifs Teil l sind diese aus Rainen lautenden Karten nicht Übertragbar. Reisende mit Bettkarten, die auf einen fremden Namen lauten, werden daher wie Reisende mit ungültigen Fahrkarten behandelt. Frankfurt (Main), im Juli 1918. _ Kchlilkje WMjMrtklm. Versteigerung von zirka MMMM, Ä Wfeü.MLMMtt (Cotsw elds-Kreuzung) «us de« oberheffischen Stammfchäfereien Götzen, Babenhausen II. und der Fürstlichen Eutsverwaltung Lich Donnerstag, den 18. Juli, vormittags Vall Uhr. in Lich. Außerhefsische Steigerer müssen von ihrer Ortspolizeibehörde eine Bescheinigung beidringen, daß die Tiere, die sie ersteigern wollen, zu Zuchtzwecken dienen sollen. Gießen, den 19. Juni 1918. Friedrich irr. 6, pt. Landwirtschaftskammer-Ausschutz für Ober-Hessen. Breidenbach. Von morgen Dienstag, den 9. größere Transporte Juli, stehen wieder belgische mtd Raffen- gum Verkauf. Simon Kaufmann, WrdeMg., Rieder-Weisel, Fernsprecher Amt Butzbach Nr. 25. liefert schnell und billigst Neue Tageszeitung Statt jeder besonderen Anzeige. Samstag mittag entschlief sanft nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater Meinhard Curth Gastwirt und Poftagent a. Veteran von 1870/71, Inhaber des Eisernen Kreuzes und anderer Orden» in 70. Lebensjahre. Staden, Friedberg, Frankfurt a. d«r 6. Juli 191L. Die trauernden Hinterbliebenen Sophie Curth Wwe. Phil. Schuld und Frau geb. Curth A. Fischer und Frau geb. Curth nebft r Enkelkindern Käthe Curth Wwe. geb. Metzger. Die Beerdigung findet Dienstag, den 9. Juli, nachmittags 3 Uhr statt. vurctt die Materialknappheit und schwierige Beschaffungsmöglichkeit müssen defekte Maschinenteile wieder hergestellt werden. Sch übernehme deshalb die linenioi all! Sil» Friedberg Maschinenfabrik. Tapeten- ond Unoleumhaus Jean Kogler, k f Ä ! 7 Nahe des Rathauses. Mite Landwirte i. Muri am. Min, t. Geschäftsstelle Frankfurt o. Kronprinzenstraße 41. (Kronprinzenbau.) — Fernruf Komer 4208. 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