Umiiuier 152 Dienstag, drn 2. Juli 1918 11. Jahrgang Die ene o anesieilung" reiche,nl leden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Kaner ans Hessen", „Aie Kpinnssube". Ke?«gspreis: Bei den Postanstalten oiertelrätjclicf) Mt. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld: e, den 'llnenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anreigen: Grundzeile 25 Pfg., lokale 20 Psg^ Anzeigen von auswärts werden durch Pourrachnahme erhoben. Eriüllunnsori Friedberg. hchriftleitunn und Verlag 7riedberg (Hessen), rmnaueritraße 12. Fernivrecher 48. Postj heck»Lonto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M. Die Deute eines Niertelfatzres. 191151 Gefangene, darunter 91939 Engländer und 89 099 Franrolen. 2176 Grfchlitze und 15021 Maschinengewehre. — Fortsetzung der Kämpfe in Italien, der Coi Lei Uoßs und der Monte di val Kella geräumt. * : T —- -- '■ - - Der deutsche Generalstab ;======== meldet: =========3 W. T. S. Großes Kauptquartier, den 1. Juli. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprechl Die Gefechtstätigkeit lebte am Abend an vielen Stellen der Front auf. Lebhafte Erkundungstätigkeit hielt an. Englische Teilangriffe nördlich von Alber* wurden abgewiesen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen A i s n e und Marne rege Tätigkeit des Feindes. Mehrfach streß Infanterie zu stacken Erkundungen vor. Bei und südlich von St. Pierre -Aigle griff der Franzose gegen Mittag nach heftiger Feuervorbereitung an. Er wurde abge- roiesen. Ebenso scheiterten hrer nächtliche Vorstöße des Feindes. Leutnant Loewenhardl errang seinen 32. Lustfieg. * Nach Abschluß der Prüfungen beträgt di« Zahl der seil Beginn unserer Angriffsfchlachten — 31 März 1918 — bisher über unsere Sammelstellen abgeführten Gefangenen (ausschließlich der durch die Krankenanstalten zurückgeführten Verwunderen) : 1914 5 4. Davon haben die Engländer 64939 Gefangene, darunter vier Generäle und etwa 3100 Offiziere, die Franzosen 89099 Gefangene, darunter zwei Generäle und etwa 3100 Offiziere verlcren. Der Rest verteilt sich auf Portugiesen, Belgier und Amerikaner. Bon den Schlachtfeldern wurden bisher 2476 Geschütze und 15024 Maschinengewehre in die Beutesammelsttllen zurückge- lührt Der Erste Gencralquartiermcister: Ludendorff. Abendlrer -*t. Berlin, 1. Juli, abends. (WB. Amtlich.) Oertliche Teilkämpfe südlich des Onrcq. n . ■ > ■ —— .i . . ■■ ^ Der österreichische Genera rab 11 »===== meldet: _ -~-'j Wien, 1. Jrrli. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Von der Piave-Front keine besonderen Ereignisse. Südöstlich Asiago kam es erneut zu heftigen Kämpfen. Ta der Col bei Rosso und der Monte di val Bella sich nur unter großen Opfern hätten behaupten lassen, wurden die Besatzungen dieser Punkte in die früheren Hauptstellungen am Walde von Stenfle zurückgenomnien. Südlich von Canova bei Asiago wiesen wir feindliche i Erkundungen ob. Unsere Land- und Seeflieger unternahmen im Mündungsgebiete der Piave erfolgreiche Flüge gegen militärische Anlagen des Feindes und kehrten vollzählig zurück. Der Ehes des Generalstnbcs. Feindliche Fliegerangriffe. Karlsruhe, 1. Juli. Heute Nacht griffen feindliche Flieger Ludwigs Hafen, Landau und Homburg i. d. Pfalz mit Bomben an. Es wurde geringer Häuserschaden verursacht. Leider wurden in Ludwigshafen eine Person getötet, eine schwer und zwei leicht verletzt. ft Mannheim, 30. Juni. Die bei dem Fliegerangriff auf Mannheim am Samstag ums Leben gekommenen fünf Per- fcnen find durch eigenes Verschulden getötet worden, weil sie die Warnungsvorschriften nicht beachtet urrd sich nicht in einen genügend schützenden Raum begeben hatten. Die Deute im Westen. Seit Ende Mär?: 191454 Gefangene, 2476 Geschütze. Der deutsche Heeresbericht vom 1. Juli veröffentlicht die Gefangenen- und Beutezahlen aus den Kämpfen im Westen seit deni 21. März 1918. In der gewaltigen Zahl von 191,454 Gefangenen sind, wie der Heeresbericht hervorhebt, lediglich die unverwundeten Gefangenen inbegriffen. Zählt man die verwundeten Gefangenen hinzu, so steigt die Gefangenenzahl um Tausende über das zweite Hunderttausend, denn bei der Zähigkeit und Erbitterung, mit der sich der Verteidiger vor allem bei Beginn der deutschen Offensive wehrte, waren die blutigen Verluste der Engländer und Franzosen gewaltig. Bei der verblüffenden Schnelligkeit, mit der die deutschen Sturmtruppen überall vordrangen, fiel ein großer Teil der Verwundeten gefangen in deutsche Hand. Die gemeldete Beute von 2476 Geschützen und 15,024 Maschinengewehren umfaßt gleichfalls nicht die englisch- französischen Gesamtverluste. Geschütze und Maschinengewehre fielen ja an zahlreichen Stellen dem deutschen Er- oberer nicht nur völlig unversehrt in die Hände, sondern auch mit allem Zubehör, Richtmitteln und Protzen, Bespannungen und vor allem mit überreicher Munitionsausstattung. Hunderte von Geschützen und Tausende von Ma° schinengewhren wurden so von der kämpfenden Truppe unmittelbar in Gebrauch genommen. In diesen Zahlen offenbart sich die ganze Größe des bisher erstrittenen Kampfzieles, das ja nicht der Erreichung einer geographischen Linie, sondern der Vernichtung der lebenden imh toten Krieasmittel der Entente gilt. Was an englischen und französischen Kerntruppen in den bisherigen Angriffsschlochten außer Gefecht gesetzt worden ist, läßt sich durch noch so große amerikanische Massen niemals ersetzen. p-ik üttvBM hn /och'lllien httuglnlniui. Berlin, 1. Juli. (WB.) Die Nervosität der Fochschen Heeresleitung hält an. An der gesamten Front vom Niouport- Kcrnal bis nach Mülhausen suchte sie am 30. Juni und in der Nacht zum 1. Juli durch Vorstöße von Patrouillen und Erkundungsabteilungen einen Einblick rn die deutschen Absichten zu bekommen. An der Amiensfront versuchten die Engländer und Franzosen bei Albert und Castel durch größere Vorstöße die Linien zu verbessern. An allen Stellen wurde der Angreifer vcrlustteich im Handgranaten- und Maschinengewohrfeuer abgewiesen oder im Gegenstoß völlig zurückgeschlagen. Gefangene blichen zahlreich in deutscher Hand. » . " " 1 ■ . . . . . * Der tmlgarilche dkucritlslaU | — meldet: V Sofia, 29. Juni. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht, Palästinasront: Außer einigen Feuerüberfällen auf seinv- liche Lager und Unterkunstsorte keine besondere Eefechtshand- iung. Der feindliche Boc fen Dschede (Totes Meer) wurde oon unseren Fliegern mit Bomben beworfen. Auf der übrigen Front ist die Lage unverändert. Die alte Phrasengietzkanne. Genf, 1. Jult. Nach einer Haoasmeldung fand heute vormittag in Airwesenheit Poincares die Uebergabe der Fahne an die tschechisch-slowakische Armee statt. Poincare hielt bei dieser Gelegenheit ein« Ansprache, worin er den Wunsch aus- sprach, daß die junge tschechisch-slowakische Armee bald durch „die heldenhaften tschechischen Legionen, die sich durch Sibirien einen Weg bahnten", verstärkt werden möge. Poincare schloß: Nicht weit von hier n artet eine alte französische Provinz, die uns entrissen wurde, gleichfalls auf den Sieg fiir ihre Treue. Der Tag, der über dem befreiten Elsaß-Lothringen aufgehen wird, wird alle Märtyrernationen mit einem netten Lichte bev sttahlen, bald werden Sie am Horizont die ersten Schimmer dieser Morgenröte erblicken. Ein liiiikr>!rümjizesF>iegerge!l!jUiihkr in Animi. Zürich, 30. Juni. Der Schweizer Preßtelegraph meldet aus Rom: Ein amerikanisches Fliegergeschwader voll- führte unter Leitung des Abgeordneten La Guardia einer? Flug von Mailand nach Rom mit drei Zwischenlandungen, Ennülch-MlnMIihtt K erfolg in ©lafrilta. Karlsruhe, 1 .Juli. Der „Züricher Anzeiger" meldet: Es bestätigt sich, daß der letzte große Einkreisungsversuch der englisch-portugiesischen Truppen zur Gefangennahme der Reste der deutsck-ostafrikamschen Truppen unter Lettow- Vorbeck abermals völlig gescheitert ist, was in den betroffenen Kreisen Enttäuschung verursachte, da man diesmal des Erfolges ganz sicher zu sein glaubte. Es steht nim außer Zweifel, daß Lettow-Vorbeck in dem gebirgigen Waldteil im Innern der portogiesischen Kolonie Mozambique, wo er sich mit seiner kleinen Schar zurückzog, in völliger Sicherheit befindet und während der großen Regenperiode dort ruhen wird. Unmanren. Die Annahme des Friedensvertrages. Bukarest, 1. Juli. Die Annahme des Friedensvertrages te der Kammer erfolgte mit 165 Stimmen in der ersten Lesung mtt 4 Stimmen dagegen, in der dritten Lesung erfolgte die Annahme einstimmig. Bei der Verkündung der Abstimmung sagte der Kammerpräsident Meißner: „Wir haben un^re Pflicht erfüllt, jetzt alle am die Arbeit für den Wiederaufbau Rumäniens!" Die Anklage gegen Bratian». Bnkarest, 1. Juli. Der Vizepräsident der Kammer gab an. läßlich der Adreßdebatte namens der Regierung folgende Erklärung: Die Regierung Vratianu wird nicht unter Anklage gestellt werden, weil sie den Krieg begonnen hat, sondern weil sie die Verfassung und die Gesetze des Staates verletzte. Uegirrnngskrile in der Ukraine. Berlin, 1. Juli. (WB.) Am 27. Juni empfing der Het- man eine Delegation des allukrainrfch''n Semstwo-Kongresses, die eine Denkschrift überreichte über die Organisierung der Regierung in der Ukraine. Darin heißt es, daß die Politik des jetzigen Kabinetts Unzufriedenheit und Unruhen im Lande Hervorrufe und daher ein neues nationales Kabinett gebildet werden müsse, das bald eine konstituierende Versammlung und einen Staatsrat, der noch vor der Versammlung in Tätigkeit treten soll, einfetzen müsse. In ukrainischen Regierungskreisen spricht man von einer baldigen Kabinettsänderung. Es werden drei Kandidatenlisten genannt: 1. die des Großgrundbesitzers Kotschubel, 2. die des Sozial-Föderalisten Mischnowski und 3. die des Generalstaatsanwalts Markewitsch. Die dritte Liste wird für die aussichtsreichste gehalten. Die Friedenschle der NkNkilliijchtn SDpIDfüiokratif. Die „Wiener Zlbendzeitung" veröffentlicht eine Erklärung, die die Vertreter der deutsch-österreichischen Sozialdemokraten im Haag an Troelstra übergeben haben. Die Erklärung stellt zunächst folgende Grundsätze auf: Einigung aller Völker zu einenr Völkerbund; internationale Abrüstung; Lösung aller Gebietsfragen auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes der Völker; keine Annexionen; keine Kontribrrtionen; kein Wirtschaftskrieg. Weiter heißt es in der Erklärung: Die Völker bedürfen eines baldigen Friedens, sie nrüssen daher die Negierungen zu einem baldigen Friedensschlüsse drängen, auch wenn, was unter den gegeirwärtigen Machtverhältnissen möglich ist, der Frieden hinter den Forderungen der internationalen Sozialdenrokratie weit zurückbleibt. Im Anschluß» hieran wird schließlich erklärte Wir jordcrn die Umaeftai* ftrag Oesterdeichs in dncn Bund selbständiger Nattonen, sowie die Schaffung eines Bundes der freie« Völker. Demzufolge wird die Wiederherstellung Belgiens verlangt. Die Fragen über Elsaß-Lothringen, Italien, Polen, die Türkei und die Kolonien find im Geiste des Selbstbestimmungs- rechtes zu entscheiden. Ferner wird die schnelle Einberu- fung einer internationalen sozialistischen Konferenz in einem ««träte» Lande verlangt. Ktiiljche MhriinogMkl für die öflttreichjjch- Luaarilihe AiNee. Der Wiener „Neuen Freien Presse" wird gemeldet, daß im deutschen Großen Hauptquartier Besprechungen über die deutsche Beihilfe zur Ernährung der österreichisch- ungarischen Armee stattfanden, die zu einem befriedigenden Ergebnis geführt haben. Milüdkr da Ilirnttrmüik in Lrißiini-. Kopenhagen, 30. Juni. Wie gemeldet wird, sind Mit- glieder der Zarenfamilie in England angekommen. Sie befanden sich an Bord eines englischen Schiffes, das vor einigen Tagen aus Archangelsk eintraf. Um Clemencemis Nachfolger. Genf, 28. Juni. Die täglich schwierig werdende Lage des Kabinetts Clemenceau bringt es mit sich, daß die Kandidaturen für die Nachfolger bereits offen in den Wandelgängen der Kammer ausgestellt werden. Die Linke der Kammer und alle einem Verständigungsfrieden geneigten Elemente begünstigen eine Kombinatron Briand, der schon längst seinen kriegshetzerischen, chauvinistischen Standpunkt von einst aufgegeben hat, während alle nationalistischen Elemente ein Ministerium Barthon vor- Ki^.en. Es ist natürlich, daß Poincare unbedingt für eine Kombination Varthon ist. In den Wandelgängen der Kammer herrscht die einstimmige Meinung vor. daß Clemenceau bei dem nächsten militärischen Mißerfolge demissionieren mutz, und daß Poincare, gestützt von allen reaktionäre» Elementen, ein Ministerium Barthon ernennt, welches die Kammer vertagen und eine offene Militärdiktatur errichten wird. Allgemein befürchtet man, daß es dann zu blutigen Unruhen kommen könnte, da das ständig tagende Komitee der Pariser Abgeordneten, sowie der Pariser Gememderat sich immer mehr als Nebenregierung auffpielk». Dies ist auch der wahre Grund, weshalb die Regierung es nicht wagt, Paris zu verlassen, da dann eine revolutionäre Bewegung im Stile der Stomaam nicht verhirwert werde» Knute. Talmbrrjatz. r Die Heeresverwaltung hat in Letzter Zeit einen Teil des Feldkost-Rauchtabaks in „Knegstabakmischung", be- stehend aus Buchenlaub und Tabak (Blatt oder Rippen) Liefern Lassen, weil die Stockung jeder Einfuhr von aus- ' Ländischem Rohtabak und der geringe Umfang der inländischen Labakernte dazu zwangen, einen Rauchtabakersatz ausfindig zu machen, wenn die Belieferung des Feldheeres mtt Rauchtabak nicht in kurzer Zeit ganz eingestellt werden sollte. 9lod> eingehender Prüfung der in Betracht kommenden Ersatzstoffe fand man in Buchenlaub den geeigneten Ersatz. Das Kaiserliche Gesundheitsamt hat festgestellt, daß gegen das Rauchen von Buchenlaub gefimdheitliche Bedenken nicht vorliegen. In Oesterreich und anderen Ländern wird Euchenlaub als Tabakersatz seit längerer Zeit viel verwendet; unsere Vorväter haben zur Zeit der Kontinentalsperre aus Buchenlaub hergestellten Rauchtabakersatz gefaucht. Der Mangel an Rohtabak hat auch im Inlands viele Taucher veranlaßt, zu'dem mit Buchenlaub gestreckten Rauch- ubak zu greifen, um die geliebte Pfeife nicht misten zu muffen. Gewiß wird manchem Raucher, vor allem im Anfang, der Genuß von Buchenlaubtaba? nicht besonders behagen, aber war es beim Kaffee- und Tee-Ersatz anddrs? Ebenso wie an diesen, so wird man sich auch bald an den Buchenlauütabak gewöhnen. Wenn ans den ersten Blick der Preis für diesen Tabakersatz unberechtigt hoch erscheint, so ist zu berücksichtigen, daß das Vuchenlaub gesammett, sorgfältig verlesen, getrocknet, gedarrt werden muß, daß hohe Preise für Blatttabak oder Nippen zu zahlen sind und daß endlich auf 1 Kilo Buchentaub, wenn es zu Tabakersatz verwendet wird, 1,20 Mark Steuern ruhen. Es hat eine ganz genaue Preisberechnung stattgeftrnden, welche den Fabriken kerne unangemessenen Gewinne gestattet. ^ Tie Heeresverwaltung ist nicht in der Lage, an Stelle de^ fehlenden Rauchtabaks Zigarren und Zigaretten zu geben, weil auch diese sehr knapp sind. Unter Umständen werden sogar die Zigarrenfabriken aus Mangel an Roh- tadak ihre Betriebe früher oder später schließen müssen. Da alle Hersteller der Kriegstabakmischung gerrau gleiche ' "che Parteiredner Abgeord. webe Roste, nach de- . e5 „Vorwärts" (174) angeführt: „(56 ist gero v närrisch, davon zu sprechen, das Heer schütze nur die Beenden. Unter einer feindlichen Invasion, unter einer Niederlage haben die Proletarier überall am meisten zu leiden P .ftadj dem Bericht des sozialdemokratischen Zentralorgans wurde dieses Geständnis des Parteiredners durch ein „Sehr wahr" bei den Stziawenrokralen unterstrichen und als zütref- fend abgestempelt. Alle bürgerlichen Parteien sollten dieses sozialdemokratische Geständnis dauernd tn gutem Gedächtnis bewahren, um jedev- zeit daran erinnern zu können, wenn sozialdemokratische Agit«. schuh. Da wird de» rnrber «aturgem^» Knappheit und teilweise auch unter de» erhöhten Preisen d« Nahrungsmittel lei. denden Städtern all« Tage von neuem vorgeredet, es könnte alles reichlicker und wohlfeiler am Markte sein, wenn die »er. flixten Agrarier nicht ihre Erzeugnisie zurückhielten, um selber fetter zu leben und höhe« Pieisbemesiungen durchzusetzen. Es fällt diesen Hetzern nicht rin. darauf Rücksicht zu nehmen, daß ein ohne dir frühere gute Düngung (di- fitzt rricht möglich ist) und mit schwächeren, unzulänglichen Kräften bestellter Acker lange nicht soviel Frucht hervorbringrn kann, daß die schlecht ernährten Kühe viel weniger Milch die Hühner ohne Futter viel weniger Eier liefern als früher. Dir fo anfgehetzttn Städter, besonders die Irchuftriearbeiterfchave«, fordern dann oft unter den verwerflichsten Drohungen (Streik u. a.) von der Regierung Anwendung immer schärferer Zwangs- und Straf- maßn ahmen gegen die Landleute, um mehr Nahrungsmittel von ihnen heramszupresien und gerade diese Zwangsmittel tta- gen dazu bei. de» Landwirten ihre fitzt ohnedies so erschwerte Berufstätigkeit noch mehr zu erschienen, die Nobrnngsmittel- erzen gung weiter herabzudrücken, statt sie zu fördern. Ein kleines Beispiel demokratischer Verhetzung gegen die Landwirte führte z. V. di« „Danziger Allg. Zrg." aus dem dortigen Umstirrzorgan in felgenden Sätzen an7 ^Während viele Berufe jetzt hungern muffen, leben die Agrarier wie im Frieden . . . Ihre Produkte sind von dem Staat künstlich hochgettieben: aber nicht mir. daß sie alle jetzt reich werden — Rüsten arbeften umsonst — nein, ihre Grundstücke sind auch um hundert Prozent im Preise ge- ftiegen-" Also die Agrarier sollen leben wie im Frieden, ttotzdem man ihnen die selbst erzengten Nahrungsmittel ebenso knapp (knapper als den industriellen Sckwerstarbettern) znmitzt, wie den meistens viel weniger schwer arbeitenden Städtern, trotzdem man ihnen die Zucker- und anderen Nahrungsmittel-Bezugs, karten entzieht, wenn die Hühner nicht genug Eier, die hungrigen Kühe zu wenig Milch liefern. Die Agrarier sollen alle reich werde», trotzdem all- Sachen, die sie für sich und ihre Wirtschaft kaufin mästen, um das Vielfache stärker im Preise gestiegen sind, als ihre Erzauniffe, die ihnen zwangsweise abgenomme» werde». Reich sollen die Landwirte werden, wenn men ihnen Pferde und Vieh, das sie zu höchsten Teuerungspreifin für ihren Wirtschaftsbettieb gekauft haben, stir die Hälfte dieses Preises für den Heeres- oder Fleischbedarf der Stadtbevölkerung wieder abfordert. Wenn die Güterpresse gestiegen sind, so liegt das nicht an den gesteigerten Reinerträgen, sondern daran, daß jetzt Taufinde von schnell reich gewordene» Heereslieferanten und Kriegsgewinnler» sich Landbesitz kaufen wollen, und aus ihrem schnell und leicht erworbenem Reichtum Pveifi bilden, die kein Landwirt anlogcn konnte, wenn er von der Wirtschaft leben soll Die Rüste» und mckere Kriegsgefangene arbeite» keineswegs umfoifft für die Landwirte, ihre Arbeit stellt sich sogar recht kostspielig, wen» man die geringe» LeistmtSen in Betracht zieht und die vielen Schaden und Verluste. die sie aus Unkenntnis oder bösem Willen nur zu oft in der Wirtschaft anrichten. Die Löhne der rnländischen Larrdarbetter aber find ganz gewaltig gestiegen, besonders wen» man berücksichtigt, daß es sich heule wohl ausschließlich um »och nicht leistungsfähige junge oder nicht mehr leistungsfähige. gebrechliche alte Leute handelt, werk alle anderen im Felde vier iu der Rüstungsindustrie tätig sind, wo der Arbeiter und selbst die Arbeiterin in einem Monat mehr Geld oerdi-erien als der Bauer im ganzen Jahre. Ms ein weiteres Besspfil dafür, wie jede Gelegerchett von den GrotzstadtdeMvlroten und ihre Zeitungsschreiber» benutzt oder frei erfunden wird, um gegen die Dauern zu Hetzen, schickt UNS ein Freund folgende kleine Notiz aus einem Nürnberger Blatt: ..Einen Tamsichut um 1200 Mark hat in einem Regensburger Geschäft eine Bauersftau aus der Gegend von Untergriesbach gekauft." Wenn der Zeitungsschreiber ven dem Verkäufer den Herkunftsort der „Bauersfrau" erfahren konnte, dann hätte er wchl auch ihre» Name» fiststelle» können. Aber das wollte er sicher nicht, weil man den ganzen hetzerischen Schwindel dann mit leichter Mühe hätte enthüllen können. Ihm kam es nur darauf an. feinen Zeittmgslefirn vorzuspiegeln: Seht, soviel verdienen heute Vanersftaue». daß sie sich Hüte von 1260 Mk. kaufen können, das müßt ihr in den Preisen für Mahrungsmit- tel bezahlen. Sollte wirklich in R. ein Hut für 1266 Mk. oer- kauftworden fein, dann rst die Käuferin sicher keine echte Bauersfrau gewesen, fiivter» entweder die Frau eines Kriegs- Lieferanten, der sich so nebenher ein' Bauerngut gekauft hat, um sich aus unrechtmäßige Weise mehr Fleisch, Fett, Milch usw. zu verschaffen (das kommt ja häufiger vor), oder eine Munitionsarbeitern. die aus dem Orte stammt und die fick, Lei den Wochenlöhnen, wie sie jetzt erzielt werden, auch solche verschwenderische Ausgabe leisten kann. Bei den jüdisch-demokratischen Aufhetzern der Städter gegen die Landleute aber wird trotz alledem jetzt die Nachricht weiter die Runde machen: Seht, Bauersfrauen kaufen fitzt Hüte für 1200 Mark! toreu bet ttgeick) einer Gele .->« einmal Jo närrisch" S" behaupten: Nur die Besitzenden, nicht die „Proleta- rier" find au» eigenstem Intereste verpflichtet, mit Gut und Blut für volle Aufrechterhaltung unserer Wehrkraft zur Vor. Hinderung einer feindlichen Invasion oder einer Niederlage im Felde bis zur letzten Kraft einzutreten. Bisher ist man solcher Darstellung häufig begegnet, sowohl wenn es sich darum haw delle. auch indirekte, die „Proletarier" mtt tteffinde Steuer» füt Aufrechterhaltung bet Wehrkraft zu bewillige«, als auch dann, wenn besondere ..Belohnungsforderungen" »är filbstver» stündliche Pflichterfüllung bei der Landesverteidigung für die daran beteiligten „Prcletarier" begründet werden sollten. ZosiMeMratie und satieisalf Mtl-M. Rahmen einer Kritik des sozialdemokratischen Attions- Programms kommt Max Cohen im neuesten Heft der „Sozia, listischen Monatshefte" auf die zopfige Stellung der Sozial, denwkratte zur Frage der Produktwck m ihrer Gesamtheit z» sprechen und fällt über'ihre kurzsichtige Richts-als-Konsumen. ten-Politik und ihre doktrinäre Auffassung von den Zollfrage» folgendes Urteil: Alle dis Mittel, die wir brauchen, wo eine unsere« Zwecken und Kräften entsprechende innere und äußere Wirt, schaftspolittk zu treiben, können wir nur dann erhalten, wenn wtt eine immer umfassendere Produkttonspolitik ver- folgen, das heißt, wenn wir unsere ganze Kraft darauf rich. ten. die Dinge aus dem Wege zu räumen, die einer immer ergiebiger zu gestaltenden Produktion irgendwie hinderlich sind. Mir einer bloßen Konsumentenpolitik geht das nicht mehr. Mancherlei Deußerungen auf dem letzten Würzbur. ger Parteitag (siehe auch die Rede Scheidemanns) deuteten darauf hin. daß man den Produzentenstandpunkt, wte er seil langen Jahren immer wieder und wieder in den „Soziali. stischen Monatsheften" vertteten wurde, endlich zu begreifen sich anschickt. Bon diesem Geist aber scheint nichts in das Aktionsprogramm hmübergegangen zu sein. Sonst hätte man sicherlich nicht nur ein blonderes Kapitel zum Schutz der Produktton (und namentlich auch der agDarischens, den Schutz der alle Werte schaffenden Arbeit überhaupt, ausge- arbeitet, sondern auch die Handelspolittk völlig anders be- V handelt. Daß mtt einer grundsätzlichen Stellung gegen Zolle und für den Freihandel, wie wtt sie in der Borttiegszeit so lange eingenommen haben, weder eine gute Handelspolitik noch eine auf die allfiitige H-bung der heimischen Produk- tion gerichtete Wirtschaftsxolrttk vereinbar ist. sollten heut» doch auch die ttadittonstteuesten Radikalen eingesehen haben. Ohne ein gut durchdachtes Zollsystem wird Deutsch- laild nach dem Kriege weniger als je auskommen können; und auch wir Soziattemokraten werden uns dazu verstehen müssen, für Zölle einzutteten. die, unter weitgehender Dif. ferenzierung, allen Produtt ionsgeb icten höchste Schaffens. Möglichkeit gewährleisten. Wtt muffen für die Folge alle Maßnahmen postttv untcrstvtzen, die geeignet sind, eine wettgehende Rationalisierung und Intensivierung der Ge- samtproduktton herbeiznführen: und wenn dabei für manche Positionen des Handelsverttags Zollfestsetzungen nötig sind, dre äußerlich preisverleuernd wirken, so muß das in den Kauf genommen werden, wenn nur ein Vorteil zugunsten des ganzen schaffenden Volkes dabei herauskomml. Ts ist leider zu furchten, daß, wenn erst wieder der Kampf der Schreier um die Maffen beginnt. Cohens Stimme die des Predigers in der Wüste fein wird. Denn wie Herr Roske be. reits zu seinen „Krautjunkern" und „Schlotbar E" zurück- kehrte, so werden die Agitatoren wi^>er zu dem liebgewordenen „Brotmucher" und zur ..Volksausbeutung" greifen. Es ist schließlich nur allzu menschlich, wenn man sich die Arbett be. guem macht: und die Maffen zu gewinnen, ist durch Verhetzung immer noch leichter zu erreichen als durch mühselige Aufklä- rungsarbeft. Die Todsünde. Bei einer Volksversaminlung in Pfarrkirchen in Nieder- vayern hat der Generaldirektor der Zentral-Bauernver« eine in Bayern Geheimer Landesökonomierat Dr. Heim über das Durchhalten gesprochen und erklärt, daß ein Landwirt mit einer Kopfmenge von 17 Pfund Brotgetreide nicht auskomme, und es noch weniger könne mit der auf 13 Pfund herabgestzterr Menge. Er selbst habe fünf Oekonomiegüter. Seine Venvalter und Dienstleute wären ihm längst davon gelaufen, wenn sie mit dem auskommen müßten, was ihnen zustehe. Auf eine Anftage einiger Kollegen, wie man es nmche, ohne die Gesetzordnung zu verletzen, erwiderte Dr. Heim: Er wisse nicht, wie seine Leute es machen, aber sie seien zufrieden und äßen sich alle Tage satt. Auf dem Ernährungsgebiet gebe es zwei Sünden, eine läßliche und eine Todsünde. Die läßliche Sünde sei das Uebertreten der Gesetze und Verordnungen, die Todsünde aber das Er^ wischtwerden. Die itnif Krikgsßmr vom Mthreinlrommm »nt» Dermößeu. Der von dem Berichterstatter Abg. Müller-Fulda aus- gearbeitete Entwurf eines Gesetzes über eine außerordenfi liche Kriegsabgabe für das Jahr 1918 liegt nunmehr dem Haushaltsausschuß zur Beratung vor. Danach haben alle zur Besitzsteuer des Jahres 1913 herangezogeuen Personen für das Jahr 1918 eine außerordentliche Kriegsabgabe vom Mehreinkonunen und Vermögen zu entrichten. Die Abgabepflicht richfit sich nach dem Stande vom 31. Dezember 1917. Als Mehreinkommen gilt der Unterscksied zwischen dem Friedenseinkommen und dem KriegSeinkonrmen. Die Differenz wird auf volle Tausendi nach unfin abgerundet, Steuerfrei ist ein Mehreürkommen von weniger als 3000 Mark. Die Steuerpslicht beginnt erst bei einem Einkommen von IO 0O0 Mark, so daß also erst bet einem Einkommen von über 13 000 Mark die Steuer tatsächlich zu entrichten ist. Als Einkommen gilt das bei der Steuerveranlagung ermittelte Einkommen. Bei Fest* stell«ng des Kriegseinkommens der Offiziere, Sanitätsund Veterinärofstziere, sowie der oberen Militärbeamten ist Las Diensteinkommen in Hohe der Friedensbezüge zu berücksichtigen. Für den Fall, daß in einem Bundesstaate eine Einkommensteller noch nicht eingeführt ist, trifft die Landesregierung die erforderlichen Bestimmungen über die Ermittlungen des Kriegseinkommens. In diesem Falle gilt als Friedenseinkommen das bei Veranlagung des Wehr- beitrages im Jahre 1913 festgestellte Einkommen. Die Abgabe vom Mehreinkonrmen beträgt: für die ersten 10000 M. des Mehreinkommens ... 6 Proz. für die nächsten angefangenen oder vollen 10000 M. 10 Proz. .... . ... 30000 Di. 20 Proz. 1 „„ r. „ „ 50(00 M. 30 Proz. .. .. .. .. .. .. 100000 M. 40 Proz. Für die weiteren Beträge 50 v. H. Diese 50 v. H. werden also erhoben bei einem Mehreinkonrmen von über 800 000 Mark, aber nur für das Einkommen, das den Betrag von 200 000 Mark übersteigt. Die Mehreinnahmen aus Geschäftsanteilen von Gesellschaften m. b. H. bleiben auf Antrag unerhoben. Bei der Abgabe vom Vermögen wird das am 31. Dezember 1916 festgestellte Vermögen zugrunde gelegt. Nur wenn an diesem Tage eine VermögensfeststeSung nicht stattgefunden hat, oder wenn das Vermögen sich nach dem LI.Dezember 1916 durch Erbanfall, Vermächtnis, Schenkung oder sonstige unentgeltliche Zuwendung um mehr als 50 000 Mark vermehrt hat, wird das Vernrögen nach dem 31. Dezember 1917 festgestellt. Der 31. Dezember 1917 kann auf Antrag cr r - • imt zugrunde gelegt werden, wenn nachgewiest.l wi daß sich das Vermögen gegenüber dem 31. Dezember 1916 um mehr als den fünften Teil vermindert hat. Zur Vermögensabgabe herangezogen nur ba§ Vermögen über 50 000 Mark. Die Abgabe beträgt: für die ersten 150000 M. des abgabepflichtigen Vermögens..1 vom Taufend für die nächsten angefanaenen oder vollen SCO OuG M.2 „ „ ... .. ... 500 000 SW. 3 .. ,. . „ „ 1C00UU0SR.4 „ für die weiteren Beträge 5 vom Tausend. Dieser Satz von 5 vom Tausend kommt also bei dem Verrnögen über 2 Millionen Mark in Betracht, aber nur für den Teil des Vermögens, der mehr als 2 Millionen Mark beträgt. Die Veranlagung und Erhebung der Besitzsteuer zuständigen Behörden erfolgen. Zur Dermögenserklärung ist jeder verpflichtet, der ein Verniögen von mehr als 50 000 Mark besitzt, sofern die Kriegsabgabe nicht nach dem Stande vom 31. Dezember 1916 zu bemessen ist. Gegen den Veranlagungsbescheid sind die gleichen Rechtsmittel zulässig wie gegen den Besitzsteuerbescheid. Völlig klar sind auch nach dieser Mitteilung die Grundlagen der Steuer noch nicht. Die Schriftleitung. Mehr nkiionKlrs Ehrgefühl. Unter dieser Ueberschrrft veröffentlicht die „Tägliche Rundschau" die folgende mit Prof. Dr. E. W. Köhler-Darmstadt Unterzeichnete Zuschrift: „Englische Kriegsgefangene werden auf der Eisenbahn wie vornehme Gäste behandelt, man verköstigt fie in der Bahnhofswirtschaft 1. und 2. Klasse, während deutsche Offiziere und andere Reisende bierdurch gezwungen werden, sich mit dem War- lesaal 3. Klasse und der Verpfleguugsbaracke zu begnügen, man fährt englische Offiziere auf Polstern der 2. Klasse zu sechs Personen im Abteil, wogegen deutsche Feldgraue mit ihrem umfangreichen Gepäck im selben Zuge sich zu 8 und mehr Personen im Wagen 3 und 4. Klaffe zufammendrängen müssen. Jedermann mit nationalem Ehrgefühl muß solche Bevorzugung unseres erbittertsten Feindes als ein öffentliches Aer- gcrnis empfinden; baldigste Abstellung dieses würdelosen Verfahrens wäre durchaus am Platze, sie ist auch im- Reichstage gefordert worden, doch bisher ohne Erfolg. Am 16. d. Mts. benutzte ich die Fahrt von Frankfurt nach Weinheim den Morgenschnellzug. Beim Betreten des D-Wa- gens waren im Seitengange ein Dutzend Personen (darunter zwei Offiziere in Uniform und mehrere Verwundete!) zu bemerken, die wegen Uebersüllung keinen Sitzplatz gefunden hatten. In einem Abteil 2. Klaffe jedoch genoffen fünf englische Offiziere mit ihrem Begleiter, einem Feldwebel, die Annehmlichkeit bequemer Polstersitze. Der Anblick erregte meine heftige Empörung; ich forderte daher den Feldwebel auf, mit seinen Leuten das Abteil für andere Reisende mit gültiger Fahrkarte fre'zuwachen. Dt? Antwort war: ich habe Veförderungsschein für 6 Personen in der 2. Klaffe. Hierauf bedeutete ich dem Manne, daß der Schein nach Erklärung seines höchsten Borge- fotzten, des Kriegsministers, nur für den Fall freier Plätze in der 2. Klaffe gelte, er sich in Anbetracht der llebevsiillung mit einem Transport irgend andere Plätze, gegebenenfalls im Gang zu suchen habe. Da meiner Angabe nicht geglaubt wurde And das Ersuchen auf deutliches Zögern stieß, drohte ich dem Feldwebel, ihn durch die Bahnhofswache feststellen zu lasten «nd dem Generalkommando zu melden. Diese Aussicht beschleuste die Räumung des Abteils, in dem dann die beiden Offiziere. zwei Verwundete und zwei Zivillisten Platz nahmen. Die Begleitumstände dieses kleinen Zwischenfalls liefern einen weiteren deutlichenBeweis für die Lainmsgeduld deutscher Staatsbürger. Bkan bedenke: im Seitengang deutsche Offt- ziere und Verwundete, im Abteil auf behaglichen Sitzen ge. lunde, kriegsgefangene Engländer! — Michel, wach In-ueura'EMisie in Nürnberg. Nürnberg. 28. JmA. Die vor kurze» in Spanien aufg«. tretene Maffenerkrankung hat Überraschenderweise ihren Einzug i» Nürnberg gehalten. Hier ist in mehreren Bureaus und Ar. bertsräumen plötzlich eine Anzahl Personen unter Mattigkeit und Fiebererschetnunyen erkrankt. Allem Anschein «ach handelt es sich um Influenza. Das Kgl. Bezirksamt erlaßt eine Kundmachung, in der es Ratschläge zur Verhütung von Ansteckung und Anweisungen zur Pflege der Erkrankten gibt, zugleich aber betont, daß kein Grund zu ernster Besorgnis vorhan- den sei, da die Krankheit regelmäßig verlaufe. Kam Felde der Ehre. Stammheim. Als zweiter aus hiesiger Gemeinde, seit 1914 im Felde stehend, erhielt der Gefreite Heinrich W e i ck e r t in einer Masch.-Gew.-Komp. das Eiserne Kreuz erster Klasse. Unseren Glückwunsch! Das Eiserne. Kreuz zweiter Klasse, die Hessische Tapferkeitsmedaille und das Hessische Verdienstkreuz in Eisen besitzt derselbe schon längere Zeit, Ans der Heimat. Frredberg. (K a n z l e i r a t Graulich.) Am vergangenen Samstag ist der Stadtsekretär, Herr Kanzleirat Graulich nach seiner fünfundvierzigjähngen Tätigkeit im städt. Dienst, aus demselben ausgeschieden und in den Ruhestand getreten. Aus diesem Anlaß fand an dem genannten Tage zu Ehren des Ausscheidenden auf dem Rat- Hause eine kleine, schlichte Feier statt. Der Vertreter des Bürgermeisters, Beigeordneter Damm würdigte im Beisein sämtlicher Beamten der Stadt, in einer herzlichen Ansprache unter dem Ausdrucke des Dankes und der Anerkennung, die Verdienste des Herrn Graulich, die er sich in seiner langjährigen, einem Menschenalter gleichenden Dienstzeit in treuer Mitarbeit um die Stadt erworben hat, und überreichte ihm im Namen der Stadtverwaltung einen schönen Blumenkorb. Herr Polizeikommissar Weiß fand im Aufträge der städt. Beamten und der Bediensteten freundliche und anerkennende Worte für den scheidenden Kollegen und Freund. Möge ihm nach einem Leben voller Arbeit ein gesegneter Lebensabend beschieden sein! Frredberg. Die spanische Krankheit. Von der Influenza, die bekanntlich im Winter 1899/90 epidemisch aufgetreten war, ist ein großer Teli der deutschen Bevölkerung befallen worden. Weil sie dieses Jahr zuerst in Spanien in größerem Maßstab herrschte, so nennt man sie „spanische Krankheit"', früher hat man sie Grippe genannt Auch in verschiedenen Gemeinden Hessens, so in Rüfsels- heim, Offenbach ufw. ist sie in bedenklicher Weise ausgetreten Auch in Friedberg ist schon eine ganze Anzahl Personen davon befallen worden. Der normale Verlauf ist ungefährlich. Beginn der Krankheit: Müdigkeit, Schmerzen im Kopf und Rücken, dann Fieber. Nach einigen Tagen erfolgt die Heilung. Warum das Stopfgarn so teuer ist. Die Firma Levy I. Bronner im Sarrdwea in Frankfurt a. M. hatte 1200 Kartons Stopfgarn (ä 10 Knäuel) von einem Fabrikanten bezogen, das Knäuelchen zu 60 Pfg. Davon verkaufte die EeschLftsfiihrerin Auguste Brenner 853 Kartons zu 80 Pfg pro Knäuel an den Kaufmann M. Rrffenbaum, der selbst kein Geschäft hat, sondern vom Landweg in die Töngesgaffe zu I. Strauß junior ging und ihm das Garn zu Pfg. pro Knäuel verkaufte. Riffenbaum verdiente also an dem einen Ganze 853 Mark. I. Strauß jun. verkaufte den größten Teil des Garns an seine Detailkundschast, 150 Kartons aber gingen zu 1.05 Mark cm ein Geschäft in St. Ingbert, das dann seiner Kundschaft das Garn zu 1,40 Mark zugänglich machte. Das Schöffengericht verurteilte wegen Kettenhandels Strauß zu 200 Mark und wegen Kettenhandels und Preiswuchers die Bonner zu 600 Mark und den Riffenbaum zu 400 Mark Geldstrafe. FC. Ein gutZs Hasenjahr in Sicht. Don dem guten Märzwetter begünstigt, haben die Hasen zum Teil schon Anfang dieses Monats ihre Jungen abgesetzt. Da die Felder und Wiesen gute Nahrung bieten, haben sich die Jungen gut entwickelt, so daß auf eine ergiebige Hasenjagd zu rechnen ist. Gießen. 30. Juni. Ein Eisenbahnunglück ereignete sich vorgestern nacht im Bahnhof Gießen, indem eine Rangiermaschine mit einem Eüterzug zusammenstieß. Hierbei wurde der Hilfsschaffner Schröder zu Tode gedrückt. Wer die Schuld an dem Zusammeirstoß trägt, wird durch die Untersuchung seftgestellt werden. Es liegt dis Vermutung nahe, daß die Rangiermaschine das Haltezeichen überfahren hat. Aus Starkcuburg. Dormstadt, 28. Juni. Zu der Frage der Zusammenlegung der Bäckereien erklärte in der gestrigen Sitzung der Handelskammer Regierungsrat Dr. v. Köbke im Namen der Regierung: Er verstehe die seitherige Stellungnahme der Handelskammer und bringe ihr volles Verständnis entgegen. In der Tat gehöre es zu den schwerwiegendsten Entschlüssen, Handwerksbetriebe stillzulegen oder zu schließen. Die Regierung sei stets bemüht gewesen, alle Härten und Schärfen bei Stillegungen nach Möglichkeit zu verhüten. Dormstadt. 28. Juni. Schwer verunglückt ist heute vormittag ein Fuhrmann in der Schlotzgarteusiraße, dessen Pferd bei dem ersten Fliegeralarmschuß scheu wurde und durchging. Der Mann siel vom Wagen, wurde von dem Pferde getreten und am Kopse stark verletzt. Außerdem ist anscheinend der Arm gebrochen. Der Mann wurde durch Militärkrankenträger in das Refervelazarctt 2 (Technische Hochschule) gebracht. Das Pferd ging durch, nachdem es sich vom Wagen losgeriffen hatte, Aus vem Odenwald, 28. Juni. Das Schläfchen in der Eisenbahn hat gestern einer von Mainz hierherfahrenden Frau aus dem Odenwald viel Geld ge»" er Als sie nämlich aufwachte, war ihr Täschchen mit etwa 110 Mark und andreem Inhalt spurlos verschwunden. Aus Rbeinheffe«. FC. Mainz. 27. Juni. Ein aus besseren Kreisen dahier stammender 12jahriger Junge wu-rde am Bahnhof in Heides- heim verhaftet: da ihm eine Landwirtsftau beim Hamster» keine Lebensmittel gegeben hatte, ließ der Junge seinen Zor, an den Kühen aus, denen er schwere Mefferstiche beibrachte. Mainz-Kastel. 28. Juni. Eine ergötzliche Hamstergeschicht« spielte sich in dieser Woche am hiesigen Bahnhof ab. Eine Dame hatte ein Körbchen mit einigen Psund Kirschen in der Hand, die sie ihren auswärts wohnenden Verwandten bringe« wollte. Da trat plötzlich der mit der Ueberwachung des Bahnhofs betraute „Hamster"-Kontrclleur an sie heran, um die Kirschen zu beschlagnahmen. Der Wächter des Gesetzes war diesmal aber an die Unrechte Adreffe gekommen. Die Dame verweigerte ganz entschieden die Herausgabe des Korbes, da nur die Kirschen, aber nicht der Korb beschlagnabmt werden könnten. Man zerrte zum Gaudium der Umstehenden am Korb« hinüber und herüber, bis endlich der Kontrolleur sich entschloß, nach einem leeren Korbe suchen zu gehen. Endlich kam er auch mit einem solchen an. Mittlerweile war aber bereits der Zug eingelaufen, der unter dem Gelachter der Menge mit der fieges- stolzen Dame und ihren Kirschen dcwonbrausie. Laubenheim. W. Juni. Am vergangenen Montag abend wurde auf dem Bahnhof der 14jährige Schüler Engelbert Krug von hier von einer durchfahrenden Leermaschine erfaßt und derart zur Seite geschleudert, daß er einen schweren Schädel. bruch erlitt. Gestern ist der Verunglückte im Mainzer städtischen Krankenhaus infolge der Verletzungen verschieden. Hsrchhejm, 28. Juni. Die Felddrebstähle haben sich kn erschreckender Weise vermehrt. Auf Anregung des Bürgermeisters wurde ein Sicherheitsdienst organisiert. Um Mitternacht ' auf Sonntag befand sich eine der Nachtpatrouillen plötzlich einer Bande von 12 auswärtigen Männern gegenüber, um auf Raub auszugehen. Nachdem die anderen Patrouillen. sowie die Ortspolizei alarmiert wurden, zogen sich die Raubritter zurück FC. Aus Rheinheffe», 25. Juni. Nicht allein auf den Bahnhöfen findet eine strenge Obstkontrolle statt, sondern auch auf den Landstraßen. So wurden gestern und vorgestern auf len Landstraßen Gonsenheim—Heidesheim und Finthen—Wak- kernheim zahlreiche Personen angehalten und ihnen von der Polizei große Mengen von Kirschen, Johannisbeeren und Stachelbeeren abgeuoimnen. Die Landwirte, die den Leuten die Fruchte verabfolgt hatten und fiir Kirschen 1.20 Mark bis 1.50 Mark, für Johannisbeeren 60—80 Pfennig für das Pfund abgenommen, kamen ebenfalls zur Anzeige. FC. Aus H^fen, 27. Juni. Infolge der amtlichen Ankündigung einer polizeilichen Nachprüfung bet cm t Juni erfolgten Geflügelzählung hat zu dem im Jntereffe der Eierver- scrgung unerwünschtes Ergebnis geführt, daß die nicht bei der Zählung angegebenen Hühnern in großen Mengen abgephlachtet werden und von vielen Geflügelhaltern nur die Zahl de, Huhnes gehalten wird, welche zur Selbstversorgung abgabefret ist. Aus Hesse a-Nassau. Rüffelsheim, 27. Juni. Im Kriegsgefangenenlager der Firma Opel erkrankten in der vorigen Woche täglich 100—160 Gefangene an Grippe, so daß das Gefangenenlager mit der Wachmannschaft abgesperrt werden mußte. Die Seuche soll von einem anderen Kriegsgefangenenlager nach Rüsselsheim verschleppt worden fein. Trotz aller Vorsichtsmaßregeln ergriff die Epidemie auch einige Ortsbewohner, bei denen der Krankheitsverlauf bis jetzt normal ist. — Geheimer Obermedizinalrat Dr. Balzer erklärte in Gegenwart des zuständigen Kreisarztes von Groß-Gerau, daß es sich um eine Influenza-Epidemie handle, die aber ihren Höhepunkt offenbar bereits überschritten habe. Wenn man auch eine Influenza in gegenwärtiger Zeit nicht ge* rade leicht zu nehmen habe, so liege doch keinerlei Grund zu schlimmen Befürchtungen vor. Die Medizinalverwaltung werde in Verbindung mit dem militärischen Sanitätswesen alles tun, um der Krankheit Herr zu werden. Auch in Offenbach a. M. soll die Epidemie in größerem Umfang auftreten. Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst in der Stadtkirche. Mittwoch, 3. Juli, abends £% Uhr: Kriegsandachk. Herr Pfarrer Kleberger. Gottesdienst im Stadtteil! Fauerbach. Mittwoche 3. Juli, abends 9 Uhr: Kriegsandacht. ArdckkimwMignLMSLLLS'W." Offene Stellen i Mehrere Tagelöhner, 3 Knechte. 1 Arbeiterfamilie, 1 Knechte- familie, 1 Verwalter, 1 Diehpfleger. 1 Heizer, 1 Müller, mehrere Schlosser, Schmiede, Dreher, Gießer, 1 Lehrmädchen. 7 (>ausmädchen, 1 Flickerin, mehrere Fabrikarbeiter und -Arbeiterinnen, mehrere Plattenleger. Stellen suchende; Mehrere Melkerfamilien und ledige Melker, 1 Melkerfmntlke ohne Mann (Frau und 2 Töchter), 2 Vürofräuletns. 1 Wirtschafterin, mehrere junge Leute (höhere Schulbildung) juchen während de» Ferien Arbeit in der Landwirtschaft. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otts H i r fch e l. Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Heyn er,. Friedberg. Druck und Verlag der «Neu«, TageSsetkms*» A. GL Friedberg j, Mm nie durch Liebe Leid gejchnh. Roman von C o u r i h S. M a h l e r. 46) Nachdruck verboten. Die alte Dame seufzte tief auf. „Lieber Gott — da werde rch wohl die Segel streichen müssen. Denken Sie mein Erschrecken nicht falsch, lieber Freund, Ihr Neffe rst mir ein lieber, sympathischer Mensch. Ich kenne ihn ja fast so gut wie meine eigenen Kinder. Aber wie diese beiden übermütigen Springinefelde eine vernünftige Ehe schließen scllen, das möchte ich wissen!" „Sorgen Sie sich darum nicht. Trotz seines Uebermutes ist Joachim nicht leichtsinnig, und er ist ein ehrlicher, anständiger Charakter, Ursula aber wird mit der Zeit eine ganz patente kleine Frau werden, die Herz und Mund, wie bisher, immer auf dem rechten Fleck haben wird. Jung gefielt. hat niemand gereut. Also lassen Sie Ihr Bedenken fallen und bereiten Sie sich auf das Amt einer Schwiegermutter vor." In diesem Augenblick trat Hans Ullrich ein. Er kehrte heim von einem Ritt über die Felder, wo die Ernte rn vollem Gang war. Seine Mutter streckte ihm die Hand entgegen. ..Hans Ullrich, höre zu, was mir soeben Graf Rudolf eröffnet hat," sagte sie erregt und erzählte ihrem Sohn, was sie serben vernommen hatte. Hans Ullrich war aber durchaus nicht erstaunt oder er. schrecken Er legte den Arm um die Schulter seiner Mutter und lächelte. „Das habe ich kommen sehen, liebe Mamma. Es überrascht mich nicht." „Kannst du dir denn Ursula als Braut — als Frau vorstellen?" „Die Liebe wirkt Wunder. Mamma. Ursula hat sich in der letzten Zeit ganz auffallend verändert. Das hat nur die Liebe verwirkt." „Freilich — verändert schien sie mir auch. Aber ich schrieb das dem wohltätigem Einfluß zu, den Fräulein Hellmut auf sie ausüöt." „Ein wenig wird auch Fräulein Hellmut dazu getan haben. Aber den Haupteinfluß wird wohl Joachim ausgeübt haben, liebe Mamma." „Ach. mein Gott, das kommt mir doch so überraschend." Hans Ullrich streichelte ihre Hand. „Wirst dich drein fügen müssen, Mamma. Wenn die Kin- der flügge werden» fliegen sie davon." Tie alte Dame seufzte. „Ein paar Jahre hätte ich mein Urfelchen doch gern noch bei mir behalten Aber nicht an mich will ich denken. Wenn meine Kinder nur glücklich werden, dann füge ich mich rn alles." Hans Ullrich sah sinnend vor sich hin. Er dachte an Ehrista Hellmut. Ohne sie gab es für ihn kein Glück auf der Welt, das wußte er. Und seufzend gedachte er der großen Hindernisse, die zwischen ihm und der Geliebte» standen. Seine Hoffimwg, den Herzog seinem Wunsch geneigt zu mache«, war nicht sehr groß. Hatte sich doch der hohe Her« auch fügen müssen, em Termine wird Slra anzeige erhoben und außerdem die zwangsweise Einziehung arf Ko len der Säumigen herbei- gejuhrl. Friedberg, den 28. Juni 1918. Der Bürgermeister. . _ I. V.: Dam m. CHItaali empfiehlt PH. Mn. pinmidj, Friedberg. Einfache Stütze, oder besseres Mädchen, au , Anfängerin, für sofort «der spuier, lür ruhi en Haushalt, sucht ft'rau Oi»er»tlt. UtiEBer, Friedberg, Ludwigstr. 4. hat zu verkaufen Ph ilipp Kack, Soraaffeahem. Eln gekörter, 10 Monätt alter Zuchtbulle gelbscheck., von ehr gutem Körperbau, zu verkaufen bei Hermann Neue. T 4?.sl,cim, Kreis Büdingen. 2 stischmelkeni>e Ziegen stehen zu verkaufen bei Uria« 91 oll Ww. O^-Fi#rst»dt. Bekanntmachung. 2n den Geschäften von I. E. Michel. M. Gerhard. F. Damm Nachf, W. MadrS. K. Brand, Schade & Füllgrabe. H. Webermeier, Fauerbach, gelangen von Donnerstag vormittag ab Käse iom Verkauf. Auf jeden Abschnitt „1" der Vrotkatte wird , P /2 Käse, zirka 75 Gramm, zu 33 Pfennig verabfolgt. J Fr.edberg, den 1. Juli 1918. Der ftetlvertr. Bürgermeister (ftädt. Lebensmittel-Ausschuß) __ I. A.: Langsdorf. Mobllilir-BkksttlßeriiU. Donnerstag, den 4. Juli, na hrmttags 2 Uhr, versteigere ich im gefl Aufträge dahier, im Saale „Zum Windeck", freiwillig gegen gleich bare Bezahlung: 1 vollständige, fast neue Schlafzimmer- Einrichtung. in hell eichen, bestehend aus: 1 Betlstelle mitSpiralsedermatratze. 3 teil. 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