Unrnmer 149 Freilag. den 28. Imii 1918 11. Jahrgang. Vxc »$tut Tag-srel1m.a" erscheint reden Werktag. Regetmähige Beilagen „Der Kauer aus Kessen". „Die Spinnssude". Serrrgspr-is: Bei den Postanstalten otcrteliäbxlicb Mk 2 40 ® ,n8U lritt "Och das Bestellgeld: bei den Agenten monatlich 85 Pfg. einschliehlich Trägerlotin. Anzeigen: GrundzeUe 2b Pfg., lokale 20 Pig^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachn'adme Schriftleitung und Verlag Friedberq sheifenh r>anauer,trahe 12. Ferniprecher 48. Boitj Heck-Lo ito >1lr. 4853. Frankfurt a. M. erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Me Ermordung des GrMrrN? Uergedliche Angriffe der Italiener. — Feindliche Flieger Liber Karlsruhe. Offentrnrg. Kndwigshaftn und dem lothringischen Indnstriegediet. — 16000 Tonnen versenkt. Der deutsche Generalstab meldet: ==~-- M. T. §. «ratzes 37. Juni. AmNich. KauptstnarUsr. derr Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Kronprinz RupprechL und Deutscher Kronrinz. Die Lage ist unverändert. ^ Rege Tätigkeit des Feindes nördlich der Scarpe und l^omme, westlich von Soissons und siidwestlich von Reims. Aus der Kathedrale von Reims wurden erneut Beobachter des Feindes erkannt. Während der Nacht nahm die Ar- tillerretätigkeit auch an oot übrigen Front zwischen User und Marne in Verbindung mit Erkundungsgefechten der Infanterie wieder zu. Heeresgruppe Gollwitz Auf dem östlichen Maasufer führten wir erfolgreiche Erkundung durch. Nördlich von St. Mihiel wurde ein starker Vorstoß des Feindes abgewiesen. « Aus feindlichen Bombenstaffeln, die in den beiden letzten Tagen Zum STnoriff Qeaert Karlsruhe. Offenburg und das lothringische Industriegebiet vorstießen, wurden 6 Flugzeuge abgeschossen. Unsere Bombenge sckMader griffen gestern Paris und auf dem Wege dorthin Bahnknotenpunkte und Flugplätze des Feindes an. Leutnant Rumey errang seinen 25. Lustsieg. Der Erste Generalquarliermeister: Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 27. Fum, abends. (WB. Amtlich.) Von den Kampffronten nichts Neues. , Der österreichische General stab !! - - -—- meldet: -" Wien, 27. Juni. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Bei Vezecca im.Etschtal und auf der Zugna scheiterten italienische Erkundungsvorstöße. Der heiß umstrittene Col del Rosso, am 16. Juni von der Edelweißdivision im Sturm genommen und seither in den schwersten Kämpfen siegreich behauptet, wurde gestern vormittag' nach schwerem Trommelfeuer abermals durch starke Kräfte angegriffen. Es war für den Feind ein vergebliches Beginnen, seine Kampffähigkeit nnt der unserer Salzburger, Kärtner, Ober- und Niederösterreicher zu messen, an deren Tapferkeit alle Angriffe zerschellten. Die jungen Regimenter 107 und 114, von der Artillerie in allen Gefechtsphasen mustergültig unterstützt, haben sich eines Geistes mit ihren altbewährten Sturmtruppen, den S9ern, "7ern, Ilern und 49ern gezeigt. Der Feind erlitt schwere Einbuße an Toten und Verwundeten und ließ zahlreiche Gefangene in unserer Hand. Bei Ponte di Piave versuchte der Italiener in Booten unser Ufer zu gewinnen. Er wurde zusamniengeschossen. Der Ehes des Gencralstabes. 46 000 Tonnen versenkt. Berlin, 26. Juni. (WB. Amtlich.) Auf dem nördlichen Kriegsschauplatz wurden durch unsere Unterseeboote wiederum 16 000 Bruttotonnen feindlichen Handelsschiffsraum vernichtet. Zwei Dampfer wurden im Westausgang des Kanals aus stark gesicherten Geleitzügen herau^geschossen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. * Berlin, 26. Juni. (WB.) Durch den U-Bootkrieg fehlt es unseren Feinden an'allen wichtigen Rohstoffen. Unter Ihnen nimmt auch die Wolle einen nicht unbedeutenden Platz ein. Wie knapp das britische Jnselreich daran ist, erklärte kürzlich laut „Aorkshire Post" der Vorsitzende des Robbaumwolle-Komitees in einer Versammlung in London. Er betonte, daß die durchschnittliche monatliche Zufuhr zur Zeit höchstens 13 500 Tonnen betrage. Die Lage zeige eine Neigung zu besorgniserregenden Schwankungen für den Fall, daß im Schiffahrtsverkehr irgend ein weiterer, wenn auch noch so kleiner Rückgang erfolgen sollte. DieserchUm- stand sei umso unbefriedigender, als Frankreich fortwährend • o.uf Beistand dränge. Bis jetzt sei Großbritannien nicht in der Lage gewesen, diesem Drängen Folge zu geben. Unter dem deutschen Feuer. Bern, 26. Juni. Der Frontberichterstatter des "Echo de Paris" meldet, Amiens werde sehr energisch weit-r beschossen. Bisher habe man über 10000 Einschlagstellen von Granaten gezahlt. Der Schaden ist unberechenbar. Jedes 27. Haus sei zerstört, jedes 7. Haus beschädigt. Doul. lenZ, Saint Pol und Abbebille hätten durch unablässige Beschießung gleichfalls schweren Schaden erlitten. Bethune brenne immer noch und gehe wie Arras vollkommenster Zerstörung entgegen. Berlin, 27. Juni. (WB.) Am 20. Juni wurden Est- rees-St. Denis und Marguy -nit schwerstem dentsch-n Flachfeuer beschossen. Vom ifüüNiMjnt Kriegsschauplatz. Blutig gescheitert. Wien, 27. Juni. (WB.) Aus dem Kriegspreflequar t,er wird gemeldet: Die schweren Kämpfe auf der Hock flache der Sieben Gemeind«,, und östlich der Brenta dauerte am_ 24. , 5 utu noch bis in die Dunkelheit fort. Um jede Preis wollte d-r Feind sein- am 15. Juni verlorene Stellungen wlcdergewinnen. Heftige, stellenweise zur Trommelfeuer gesteigert« Artillerretätigkeit leitet« fern Unternehmungen ein. die überall erfolglos blieben. A, Col del Rosso wies das Infanterie-Regiment Nr. 114 zw« starke feindliche Angriffe ab. Am Monte Asolone, wo de Feind in den Abendstunden zum siebenten Male gegen unser Linien vorstürmte, warf ihn ein Gegenstoß unserer Rc serven unter sckstoersten Verlusten restlos zurück. An de: anderen Abschnitten der Gebirgsfront konnten unsere Feld wack)en nach erfolgreichem Kampfe merklich vorgeschobe, Sallfe bet lackst brachen mehrere feindlich Lorstoße beiderseits der Brenta schon im Abwehrfeuer zu stimmen. In diesen Kämpfen machten wir einige hunder Gefangene. Infolge der erlittenen außerordentlichen Ver nickst tolebche Sozialdemokratie eine ganz unverhüllte Stirn? rnungsmache gegen das Bündnis mit dem Deutschen Reiche betreibt. In der glichen Nummer, die den Bericht über den Besuch der Führer des Wiener „ArbetterrateS" detnr Grafen Burian enthält findet sich unter dem Obertitel „Die halbe Bratration" eine Notiz: „Deutschlands Rechtfertigung", in der das Deutsche Reich schlechthin ftir verpflichtet erklärt wird, Oesterelchs Brotversorgung zu verbürgen und die Wahrheit der von General Ludendorff selbst gefertigten ablchnenden Antwort, soferne die dort gegebene Begründung in Betracht kommt, bezweifelt wird. Die „Arbeiterzeitung" schreibt: „Diese (die reichsdeutsche) Dar« stellung des Sachverhaltes ist unrichtig. Die österreichischen Vertreter haben den von den deutschen Unterhändlern verlangten Konzessionen nur zugestimmt gegen die vorbehaltlose Verpflichtung Deutschlands, unser Getreidedefizit zu decken. Das ist der wahre Sachverhalt. Die Verpflichtung Deutschlands zur Lieferung der vereinbarten Mengen an Mehl und Getreide steht fest." Man sieht förmlich, mit welchem Hochgenuß das edle Blatt die Gelegenheit ergreift, gegen das Deutsche Reich zu hetzen, das einfach als vertragsbrüchig hingestellt wird! heißen, und die drei Schlachten des Jahres tm Westen habe« diesen Glauben so gestärkt, daß die alte Juli-Mehrheit irre wurde und selbst der Fortschritt sich auf den Sieg einstellte. Soll nun die Flaumacherstimmung vom Juli 1917 ersetzt werden durch eine solche vom Juni 1918? Vielleicht nur, weil es Herrn v. Kühlmann nach diplomatischen Lorbeeren gelüstet, die er an den Verständigungstischen mit England zu pflücken gedenkt? Herr v. Kühlmann hat Volk und Vaterland keinen Dienst mit dieser Rede erwiesen. In die Siegeshoffnungen, in das Vertrauen auf die eigene Stärke warf ei den Zweifel und das Mißtrauen. Und so hat Herr v. Kühl- mann unfern Feinden einen Sieg erstritten, der geeignet ist, die Früchte der drei Frühjahrsschlachten verloren gehen zu lassen, zumindest in moralischer Beziehung. Trotzdem aber wird, so ist zu hoffen, die Rede des Herrn v. Kühlmann ein Ende ihrer Wirkung finden an unseren Heeren, die unter Hindenburgs und des Kaisers Führung uns den Sieg erstreiten werden, so wie es der konservative Sprecher, Gras Westarp, Ausdruck gegeben hat. Juli 1917 — Juni 1918. Trotz aller unverblümten Absagen, den die wiederholten mehr oder minder verschämten Friedensbereitsschaftserklä- rungen verantwortlicher und unverantwortlicher deutscher Politiker bei den Gegnern gefunden haben, sind die Juli- Hoffnungen in gewissen Kreisen nicht zum Absterben zu bringen. Zwar ist die Entschließung des Reichstags vom Juli 1917 als wertloser, das Ansehen des Reiches schädigender und das Vertrauen des Volkes schwächender Plunder erkannt, aber die Bethmännerei nimmt kein Ende. Es ist als ob Balfour, Asquith, Wilson und die französische Kammer. seit die Juli-Resolution in die Welt ging, nie kriegshetzerische Reden gehalten hätten, Hindenburg und Lirdendorsf die deutschen Truppen nicht einen Schritt vorwärts geführt hätten, so unverrückt stehen in bemerkenswerter Harmonie die Sozialdemokratie und Herr von Kühlmann im Zeichen des, sagen wir es beschönigend, Kleinmuts. Von dem großen Tag der Erörterung des Reichstags über den Haushalt des Reichskanzlers und Auswärtigen Amtes glaubte der „Vorwärts" fordern zu können, daß er, um das Prädikat „groß" zu verdienen, eine Rede des Reichskanzlers, bringen müsse, die eine „wirkliche Tat" darstellt, eine Tat in dem Sinne der Eröffnung eines klar umgrenzten neuen Friedensangebotes, wie es die Mehrheit vor nun fast Jahresfrist forderte. Die Hoffnung der Sozialdemokratie hat sich erfüllt. Zwar war es nicht der Reichskanzler, der zur „Tat" im Sinne der Juli-Leute schritt, sondern Herr v. Kühlmann belastete sich mit der Täterschaft der gründlichen Vernichtung des Siegerwillens der Erschütterung des Glaubens an die Möglichkeit des Durchhaltens bis zur endgültigen Niederwerfung der Feinde. Den militärischen Führern Hindenburg und Ludendorff die durch Wort und Tat dem Volke begründete Ursache an das Vertrauen auf den Endsieg gaben, glaubte Herr von Kühlmann den verdienstvollen Generalstabschef von 1870/71 entgegenstellen zu können. Er zitierte dessen Ausspruch aus den 80er Jahren, daß der nächste Krieg gewaltigen Umfang nehmen müsse und eine sieben, ja auch dreißigjährige Dauer haben rönne. So Molkte gleichsam als Kugelfang vor sich haltend, schritt der diplomatische Sieger von Bukarest und Brest-Litowsk zur Tat und erfüllte die Juli-Hoffnung des „Vorwärts". Und diese Tat bestand in einer Entschuldungs- aktion für England von der Last der Kriegsanzettelung, die ans ein erneutes Erstochen um Verständigung hinauslief und der Absage auf die Hoffnung durch Entscheidung der Waffen Bei der Zahl und Größe der in den Krieg verwickelten Mächte könne ein Ende ohne diplomatische Verhandlungen kaum erwartet werden. Und wie für diese Behauptung Moltkes Ausspruch von dem sieben oder dreißigjährigen Kriege Herrn v. Kühlmanm gerade passend erscheint, um die Hörer im Lande für eine Verständigung zu erweichen, so mußte ihm Napoleon dienen, um England reinzuwaschen von dem Vorwurf der Weltherrschaftsbestrebungen. Napoleon, der bekanntlich vor 100 Jahren den gleichen Versuch machte, wie jetzt Deutschland, die Fesseln der englischen Weltherrschaft von Europa abzustreifen. Im Unschuldskleide steht England da: Napoleon und Herr v. Kühlmann haben es fteigesprochen und die ftüheren russischen Machthaber waren die Anstifter des Krieges. Was hindert nun noch das schuldlose England mit dem schuldlosen Deutschland in den Saal der Verständigung zu treten?! — Der verantwortliche Leiter des Auswärtigen Amtes wird es nie begreifen. Nicht das hindert, was Herr v. Kühlmann positiv für Deutschland will, den alten Besitzstand, Kolonien, fteien Seehandel, das wäre kein Grund für England, den Krieg ins Ungemessene fortzuführen. Nein, England ist beherrscht vom Willen zum Sieg, der hindert es und den stärkte Herr v. Kühlmann, indem er den Glauben in Deutschland zu vernichten bemüht ist, daß eine reine militärische Entscheidung möglich sei. Niedergeschlagenheit, Zweifel, Mißstimmung muß diese bedauerliche Rede des Staatssekretärs auslöfen, und die Frage entstehen lassen, wessen Anschauungen richtig sind, die des Staatssekretärs oder die der militärischen Führer. Sind wir nicht fähig, die Feinde venücktend zu schlagen, sind wir am Ende unserer Kraft, sind d ?: : teden des Herrn v. Kühi- mann nur darauf berechnet. dem Gegner deutsche Stärke vorzutäuschen? Wenn dem sv ist, dann sollte Deutschland in der Tat sich bedingungslos unterwerfen und damit dem Verbluten ein Ziel setzen. Aber verdienen denn, an wirklichen Taten gemessen, die Reden des Staatssekretärs v. Kühlmann mehr Vertrauen als Hindenburg? Ist nach den Siegen in Rußland und Rumänien, angesichts der rastlosen Arbeit der U-Boote, eine militärische Entscheidung wirklich unmöglich? Hindenburg unb Ludendorff haben sie mehr als einnml verWie die Demskralie den Dollar verieidift Einen fesselnden Beitrag zu dem vortrefflichen Kaiserwort von dem angelsächsischen ..Götzendienst des Geldes" liefern einige Anmerkungen der linkssozialistischen Stockholmer „Politiker" über die Art, wie Nordamerika für „Zivilisation und Kultur" und ftir die „Freiheit" der k lernen Völker kämpft. „Wir alle wiffen. so heißt es darin, daß die Auswanderer in Amerika nicht willkommen sind, das heißt nicht alle: Ruffen, Polen. Italiener, Slowaken, Ruthenen. kurz alle Völker, die für Hun-gerlöhne arbeiten und sich geduldig ausplündern lasten, die dankbar die Hand lecken, die sie peitscht — die sind besonders willkommen. Aber leider befinden sich unter der Hefe auch Schweden und andere Skandinavier, — damned dutchmen — die ihr Recht als Menschen fordern. Diese sind dem Dollarfürsten stets ein Dorn im Auge gewesen. Als nun Amerika seinen „zaristisch-demokratischen" Führern in den Krieg folgte» hielt der Kapitalismus die Zeit für gekommen, diese „lästigen Schmarotzer" los zu werden. England hatte die Methode eingeführt, neutrale Schiffe zu beschlagnahmen. Amerika war nicht bester, es „schrieb zwangsweise neutrale Untertanen aus." Im übrigen folgte es dabei nur einem schon während des Freiheitskrieges gegebenen Beispiel. Mit Hilfe des Gesetzes, das man selbst so grausam mit Füßen getreten hatte, wurde kürzlich ein Schwede wegen „Wehrpflichtsverweigerung" zu 22 Jcchren Strafarbeit verurteilt. In einem gleichen Prozeß wurden 5 Skandinavier (keine amerikanischen Bürger) zu zusammen 60 Jahren Strafarbeit verurteilt. Auch dies „half" offenbar nichts. Man sah sich daher „leider" gezwungen, mit Maffen- avsweisungen zu drohen. Man hat lange glauben wollen, daß solche Mitteilungen deutsche Propagandamärchen wären. Aber die jetzt hier eingetroffenen schwedisch-amerikanischen Zeitungen zerstreuen auch diese letzten Zweifel. In denselben findet sich nämlich ein hierher gehörender Gesetzvorschkag abgedruckt, der dem Kongreß unterbreitet wurde und bestimmt, daß alle was. fenfähigen Ausländer, die sich nicht „freiwillig" — -1 ist sehr demokratisch — in die „amerikanische" Armee ein-, ’ ü-» sen, das Land sofort verkästen sollen. So handelt da. -u tische Amerika, wenn der Dollar in Gefahr ist. Un ivr- Besitzer des Dollars zieht die Offiziersuniform an und stot.-.iert auf den Straßen von Paris, bewundert vom schönen Geschlecht» das er körperlich und moralisch ansteckt. Wir sind zwar gewohnt, uns fast in jeden Ueb ergriff zu finden, sobald die Kriegführenden mit einem Geste a la Cyrano de Bergerac erklären, „daß die Maßnahme aus kriegerischen Rücksichten notwendig war." Wenn jedoch Millionen Skandinavier, Tausende und aber Tausende von Schweden von dem Dollarkapitalismus ia die „amerikanische" Armee gepreßt und als Schlachtvieh über den Ozean transportiert werden, um gerade die Millionen zs verteidigen, um die man sie geplündert hat, um für die „Zivtli- fation und Kultur" (lies Dollar) zu kämpfen — dann ist es still. Nicht ein Lufthauch ist zu spüren. Der schwedische Arbeiter ist kein Mensch, er ist höchstens — ejn „amerikanischer" Freiwilliger! . .. Um den Siegespreis. Der Antrag Dr. N o e s i ck e ist im Reichstags-Ausschuß gefallen. Aber er wird wiederkehren, mehr noch, er wird nicht mehr aus der öffentlichen Erörterung verschwinden. Denn es ist die einzige Brücke, auf der wir uns aus dem Hungerfozialis. mus herausretten können. Er will dem freien Handel einen Teil des Marktes zurückgeben. Aber die linksliberalen Parteien gegen Handel und Freiheit wollen nicht. Unsere Feinde sagen in ihrer Proste ständig: Wenn di» Deutschen auch siegen, wir haben eine Waste, mit der wir ihnen noch am Verhandlungstische den Sieg entwinden: die Zurückhaltung der den Deutschen unentbehrlichen Rohstoffe und Nah-, rungsmittel; die Deutschen geben selbst zu, daß sie diese nicht entbehren können, je länger der Krieg dauert, um so schärfe, wirkt diese Waffe. Die Entente rechnet also darauf, daß die Freiheit der Meere und die Ueberseeversorgung für uns unentbehrlich und darum der Endsieg ihr sicher sei. Für uns folgt daraus, daß wir den Sieg sicherstellen, beschleunigen, verds?- peln, wenn wir uns auf unserer kontinentalen Basis so einrichten, daß wir zunächst die überseeischen Güter nicht gebrauchen; an dem Tage erst ist unser Sieg vollständig und der Friede ist da. Wir haben die Kornkammern Europas, Ungarn, Rumanle« und die Ukraine dem deutschen Acker zu gelegt. Auf dieser verbreiterten Grundlage muß es gehen; es kann gehen, aber vor allen Dingen: es muß gehen; aber freilich mit der gewaltsame« Erfastung nicht, sondern nur mit der Wiederherstellung des freien Handels. Dazu ist der Antrag Dr. Roestcke der erst» Schritt. Herr von Waldow sagt: Es ginge nicht, es sei eben wenig da. Wird denn nun durch eine allgemeine Beschlagnahm» die Ernte größer? Nein! Gleichgültig, -b vieL Kd« wenig dtz ilft, filwtrb es mit dem System Roesicke immer besser gehen als » 'mit dem System Waldow. Wir wissen alle nicht, wieviel da ist und wissen noch viel weniger, wieviel da sein wird. Angenommen, wir haben 9 Millionen Toimen und die öffentliche Erfassung vermag nur 7 Millionen Tonnen zu erfassen. — !«ie bekommen wir die letzten 2 Millionen Tonnen leichter, sicherer, vollständiger? Mit der immer wiederholten, immer strengeren Erfassung — oder mit dem freien Preis? Wir glauben, mit letzterem. Herr v. Batocki hat geäußert: daß wir nur mit knapper Rot der Katastrophe entgangen find, weil am Ende des Jahres Gottes Hilfe und das deutsche Schwert durch Hinzueroberung neuer Ernten in Rumänien. Italien usw. — geholfen habe. Er mutz es ja am besten wissen. Aber kann man schärfer dies System verurteilen? Was würde dann aus uns, wenn es für das deutsche Schwert keine neuen Vorräte mehr zu erobern gibt? Der Antrag Dr. Roesicke ist die Notbrücke, die wir brauchen, um aus Konfusion und Korruption, in welche uns der Kriegs- fczialismus gebracht hat. auf sicheren Boden zuriickzufiihren. Dann erst haben wir wirklich gesiegt. Müssen wir immer neue Opfer bringen, um sozialistische Jrttümer zuzudecken? Peter Rosegger f Graz. 26. Juni. Peter Rosegger ist in Kriegtach gestorben. Der Walddichter von Kcieglach ist nun dahingegangen, kurz vor der Schwelle seines 75. Geburtstags. Es lag nicht in feinem Wesen, persönlich sich feiern zu lassen, und so hat ihn Gottes Ruf allen Huldigungen, die ihm dieser Ehrentag gebracht hätte, entzogen. Fest verwurzelt stand mit ihm seine Heimat. Aus ihr flutet feine Kraft, mit der er, ein Wegweisender, sein deutsches Volk begleitet, selber deutsch bis in den Kerir, in „Heimgärtners Tagebuch", hat er zufammenge- fchtossen, was dieser Krieg ihm gab an kleinen täglichen Begebnissen, die, mit reinem, köstlichen Humor erzählt, über das Nachdenkliche hinauswachsen zu einem Lehrbuch deutschen Lebens. Der Natur- und Vauerndichter ist über die Zeit zum Kulturlehrer geworden. Mit den Jahren bewußter erschienen ihm Läuterung und Erziehung als seine poetische Sendung, er betonte die Tendenz schlechthin als Forderung dichterischen Schaffens. Und so st-eht er unbestritten neben den besten unserer Zeit, und hoch steht er mit den, Wort, das er einmal von sich sprach: „Ich habe v'.eles aus innerer Notwendigkeit, manches aus Erwerbsbeditt5--is, nichts ans Ehrgeiz geschrieben." Ein Wort, das den Dichter und den Menschen ehrt. Am 31. Juli 1843 zu Algol bei Krieglach in der Steiermark als Sohn eines Gebirgsbauern geboren, war er selbst bis zum 18. Lebensjahr Bauer und erlernte dann das Schneidechandwerk. Mit 23 Jahren kam er auf die Akademie für Handel und Industrie in Graz und begründete 1876 die bis heute rühmlichst bekannte Monats, fchrift „Heimgarten". Seine Schriften sind sehr zahlreich und !jn vielen Auflagen erschienen. _* ? .. Die Crnlemrssrchten in Kayern. München, 20. Juni. Nach den im Generalsekretariat mes bayerischen Landwirtschaftsrats aus dem ganzen Lande eingegangenen Berichten über die neue Ernte sind im Gegen- satz zum Vorjahre die Aussichten nicht so außerordentlich gut. Zu überschwänglichen Hoffnungen ist kein Grund vorhanden, sodaß auch das am 15. August beginnende Wirtschaftsjahr in der Ernährung von Mensch und Vieh mancherlei Schwierigkeiten mit sich bringen wird. Vor allem hat der Roggen gelitten, der ^örnerertrag ist beeinttächttgt. Die Sommersaat ist zurückgeblieben. Auch die Kartoffeln hat der Frost geschädigt. Vor allem sind die Frühkartoffeln in der Entwicklung noch nicht so weit wie int Vorjahre. Obst ist kaum so ergiebig wie im Vorjahr. In Steinobst dürfte die Ernte besser als in Kernobst werden. Der Wein steht gut. Tie Futteraussichten haben durch den jetzt eingetrctenen Regen eine Besserung erfahren. Von dem Kampf um dag Kinlerkorn. In dem Ernährungsausschuß des Reichstages war von konservativer Seite wieder der Antrag gestellt worden, den Landwitten einen im umgekehtten Verhältnis zu ihrer Getreide- erzeugung stehenden Prozentsatz (von 20 Proz. bei den kleinsten, bis zu 3 Proz.. bei den größten Erzeugern) von Hinterkorn freizugeben. Trotz der trefflichen Begründung dieses Antrages durch den Abg. Weilnböck, der darauf hinwies, daß die Verbraucher darum nicht weniger aber besseres Brot bekommen würden, daß ihnen ferner ein Vorteil daraus erwachsen würde, wenn die Landwirte mit Hilfe dieses Hinterkorns mehr Fleisch Mtlch. Fett und Eier erzeugen könnten, ohne erst zu übermäßig hohen Preisen die Futtermittel kaufen zu müssen, lehnte der Vertreter der Reichsgetreidestelle den Antrag als z. Zt. angeblich undurchführbar ab. Dabei soll er noch das folgende Argument angeführt haben: „Man kann auch künstlich Hinterkorn durch ein Weilerstellen der Dreschmaschine erzeugen." Durch eine solche Maßnahme kann man doch aber höchstens hewirken, daß ein Teil der Körner, vorwiegend Sinterkorn, Ober wohl auch etwas bessere Körner, im Stroh verbleibt. Zu diesem Mittel werden verständige Landwirte höchstens in der Verzweiflung darüber greifen, daß man ihnen alle ausgedroschenen Körner nimmt, ohne ihnen selbst nur von dem geringwertigen Hinterkorn etwas als Viehfutter zu belassen. Nur in diesem Falle wird der eine oder der andere sich sagen: Wenn ich mehr Korn im Stroh lasse, kommt doch wenigstens ein Teil davon bei der Strohverfütterung meinem Vieh zugute, auch wenn die Ausnutzung des Futterwertes dieser Körner so viel schlechter ist, als wenn sie mit ausgedroschen und dann zweckmäßig werden können. Durch Freigabe eines bestimmten Prozentsatzes selbst- erdroschenen Hinterkorns würde die Reichsgetreidestelle jeder Neigung, durch „Weiterstellung der Dr.jchinafchine" Körner der Beschlagnahme $u entziehen und zusammen mit dem Stroh zu verfüttern, viel wirksamer entgegenarbeiten, als es ihr sonst möglich sein wird, selbst wenn sie an jede arbeitende Dreschmaschine einen zuverlässigen und sachkundigen Aufseher stellen könnte. Das von dem Vertteter der Reichsgetreidestelle gegen den Antrag auf Freigabe eines bestimmten Prozentsatzes von Hinterkorn ins Treffen geführte Argument spricht also- durch- aus für den Antrag. LMis'ltMtshktze un& innere WZgn. Im Maiheft der Zeitschrift „Die innere Mission im evangelischen Deutschland" findet sich ein Aufsatz des Dortmunder Gefängnispfarrers E. Schmidt über „Krieg und Kriminalität im vierten Kriegsjahr", der eine überaus bösartige Hetze gegen die Landwirtschaft enthält. Wörtlich heißt es darin: „Jedermann, auch der Industriearbeiter, weiß, daß heute auf dem Lande im Verhältnis zur Stadt geradezu üppig gelebt wird. Der Landwirt ist durch die ja manchmal bis tausend Prozent gestiegenen Preise seine Hypotheken los geworden und ißt nun selbst alle seine guten Sachen. Er hat es ja nicht mehr nötig, zu verkaufen. Nur dann, wenn der arme Städter bescheidentlich an seine Tür pocht und Wucherpreise bietet, läßt er sich herbei, ein wenig Fleisch und Speck und Butter zu verkaufen. Wie kann es da wundernehmen, daß ein furchtbarer Haß gegen den Landwirt entsteht?" So geht es noch weiter, und int Anschluß daran wird eine Geschichte aus dem „Jsarboten" aufgetischt, wonach eine bäuerliche Gemeinde einen großen Schweinebestand verheintlicht lmben soll. Es ist aus das tiefste zu bedauern, daß ein Geistlicher, der doch besonders berufen ist, den Frieden zwischen den einzelnen Velkskreisen zu fördern und in Vorwürfen und Verdächtigungen größte. Vorsicht zu üben, eine so unge- heuerliche Hetze gegen die Landwirte fertigbringt. Vei auch nur etwas mehc^ Gewissenhaftigkeit müßte dieser Pfarrer wissen, daß der Landwirt für seine Hauptprodukte seit Jahr und Tag nur Preise erhält, die teilweise kaum die Produktionskosten decken oder doch weit weniger gestiegen sind als die Preise für die Waren, die er selber zur Aufrechterhaltung seiner Wirtschaft kaufen muß. Er müßte auch wissen, daß die Landwirte in unzähligen Fällen von ihrer eigenen Ration noch zu billigem Preise an Städter Lebensmittel abgeben, und daß von den Geschichtchen. die über Verheimlichung von Lebensmitteln erzählt und veröffentlicht sind, nur ein kleiner Bruchteil der näheren Prüfung standgehalten hat. Ueberaus bedauerlich ist es aber auch, daß ein religiöses Organ, wie „Die innere Mission im evangelischen Deutschland" eine so schwere Entgleisung begehen kann, wie die Aufnahme dieser Hetzerei sie darstellt. Wir möchten die Hoffnung nicht anfgeben, daß dieses Organ, das doch wohl immer noch der Verbreitung christlichen Geistes dienen will, versuchen werde, dieses Unrecht wieder gutzumachen. Eine chtmrAe ZnlimiM-KoMWn. Unter dem Vorsitz des inneren Mediziners Prof. Moritz- Köln und des Bonner Dermatologen H o f f - mann hat sich eine private Kommission gebildet, zu dem Zlveck, den fortgesetzten Angriffen gegen das Salvarsan zu begegnen. In der medizinischen Fachpresse wird die vom preußischen Abgeordnetenhaus nach langer Debatte fast einstimmig beschlossene, aus Freunden und Gegnern bestehende Kommission zur objektiven Prüfung der Angelegenheit heftig bekämpft und für unnütz erklärt. Der Kölner Konunission gegenüber scheint man weniger unduldsam zu sein. Da man zudem die Salvarsangegner, insbesondere Dr Dreuw, in der auch von Prof. Hoffmann geleiteten Fachpresse nmndtot gemacht hat, da die neue Kom- mission nur „zukünftige" Salvarsanschäden prüfen will, an den zahllosen, bisher verschwiegenen und schon beobachteten Ertaubungen, Erblindungen, Todesfällen und den Unregelmäßigkeiten der Salvarlan-Einführungsreklame klanglos Vorbeigehen will, so dürfte die eingesetzte Kommission von vornherein wenig Vertrauen genießen, zumal eine Anzeigepflicht für Salvarsanschäden und eine Salvcrrsan- höchstdosis nicht besteht. Warum wird übrigens die vom Abgeordnetenhaus beschlossene, wirklich neutrale Komission nicht einberufen? Dr. Lottmann berichtete in der letzten „Med. Klinik" wiederum über schwerste Salvarsaner- krankungen und in Prag wurde der Spezialarzt Dr. Karl Linhard, welcher einen nichlsyphilitischen 27 jährigen Stener- offizianten durch Salvarsan zu Tode gespritzt hatte, mit 10 Tagen Arrest bestraft. Hier dürfte die Ausrede, er sei durch die Krankheit, und nicht durch Savarsan zum Krüppel geworden, wohl nicht erhoben werden. Uom Felde der Ehre. Rodhelm v. d. H. Der Lehrer Hermann Levi beim Stabe einer Reserve-Division wurde fiir tapferes Verhalten vom General persönlich mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet, Ans der Heimat. . Der Siebenschläfertag. Der gestrige 27. Juni, der Siebe n s ch l ä f e r, gehört zu den sogenannten Lostagen, an d^e sich in bezug auf Wetterprophezeiung der Volks- und Aberglaube bindet. Dieser Glaube sagt, daß, wenn es am Siebenschläfer tage regnet, es sieben Wochen darauf täglich regnen soll. Es ist aber seit longem erwiesen, daß der Siebenschläfettag mit dem etwaigen Regen in den nächsten sieben Wochen nichts zu tun hat. Es hat früher mitunter reichlich Regen gegeben, wenn der Lostag förmig war, und trockenes Wetter, wenn es am Sie- bcrfchläfertag goß. Im übrigen hat es gestern nicht geregnet, was übrigens kein Schaden gewesen wäre, denn der Boden ist durch den vielen Wind wieder sehr ausgetrocknet. Okarben, 27. Juni. In der Nacht vom 26. auf 27. Juni wurden dem'Gutspächter Kaz drei frischmelkende Kühe von seiner Weide gestohlett. 8r. Hanau, 26. Juni. Nachdem die Voruntersuchung in der großen, im Landkreise Hanau vorgekommenen Mehl- und Getteideschieberei-Angelegenheit beendigt ist, wird der Kreisbeamte Walther, der seit Aufdeckung der Affäre sich in Haft befindet, aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Er hat eine Kaution von 100 000 Mark gestellt. Der Ren- tter Damhof in Hersfeld, der sich ebenfalls in Haft befindet, wird gegen Stellung einer Kaution von 30 000 Mark aus der Hast entlassen. Man wird sich fragen müssen, woher Walther die 100 000 Mark hat? Aus Starkenburg. Darmstadl, 26. Juni. Die diesjährige Jahresversammlung der Zentralkasse der Hess, landw. Genossenschaften fand heute im Kaiserseal dahier unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Vecker-Sprendlingen (Rheinh.) bei recht gutem Besuche statt. Direktor Mager gab eine Reihe Erläuterungen und Ergänzungen zu dem im Druck vorliegenden Jahresbericht, aus denen das angenehm überraschende Geschäftsergebnis zu ersehen war. Die Entwicklung bewegt sich immer noch in aufsteigender Linie. Umgesetzt wurden 892 Millionen Mark, die Einlagen betragen 58 Millionen Mark. Zum Schlüsse begründet er noch die Herabsetzung des Zinsfußes für Guthaben in laufender Rechnung von 4 Prozent auf 3M Prozent, die mit dem Fortfall der Provision von ein Zehntel Prozent am 1. Juli, d. I. in Kraft treten soll. Lehrer O f e n l o ch - Finthen stellte mit Genugtuung fest, daß der Zusammenbruch der Landwirt- schastsbank durch das Hess. Genossenschaftswesen so rasch überwunden worden sei. Er sprach dem Vorstand und Aufsichtsrat sowie dem Staatstommissar den Dank aus. Reichsbankassefor Merker trat in nachhaltiger Weise für die allgemeine Einführung des bargeldlosen Verkehrs ein. Hierauf wurde die Iahresrechnung und Bilanz genehmigt und dem Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung erteilt. Damit wird eine Gewinnverteilung von 4 Prozent gntgeheigen. Die ausscheidenden Aufsich tsratsmitzliede: werden wiedergewählt. Den 173 Genossenschaften. welche s. Zt. den Bettag von 117 000 Mark zur Vermeidung des Konkurs der Landwirtst :bank vorschossen, wird der Betrag zurückbezahlt und damit ein Antrag, statt 4 Prozent doch 5 Prozent Dividende zu bezahlen, zurückgezogen. Endlich werden noch die Tagegelder des Auffichtsratcs und des Vorstandes um 35 Proent erhöht und dann die Versammlung, geschlossen. FC. Geisenheim, 26. Juni. Infolge eines Schlaganfalles verschied zu Schloß Geisenheim im 59. Lebensjahr Luise Reichsgräfin von Ingelheim, Echterin von und zu; Mespelbnmn, geb. Freiin von und zu Lilienberg. Ans Hessen-Nassau. Wiesbaden, 27. Juni. Das Schwurgericht verurteilte nach zweitägiger Verhandlung den 29 jährigen Taglöhner Renno aus Nied, der in der Nacht zum 31. März den Heizer Fuchs im Höchster Brauhaus ermordet und seiner. Barschaft von 100 Mark beraubt hatte, zum Tode. FC. Wiesbaden, 26. Juni. In der Ringkirche fand heute Nachmittag die Ersatzwahl für den nach Frankfurt a. M. berufenen Pfarrer Veidt durch die vereinigten Kirchenorgane statt:' nach vorausgegangenem Gottesdienst, den Herr Geheimrat Eibach ans Dotzheim abhielt, wurde Herr Pfarrer Martin Schmidt aus Holzhausen a. d. H. ein stimmig zum vierten Pfarrer der Ringkirche gewählt. FC. Wiesbaden, 26. Juni. Unter dem Vorsitz des Ministers der öftenttichen Arbeiten Exz. v. Breitenbach üudet ant 28. Juni im „Nassauer Hof" dahier eine Konferenz von Ministern der deutschen Bundesstaaten mit: Staatsbahnbesitz über Eisenbahnfragen statt. FC. Biebrich, 25. Juni. Rentner Jean Brehm, der früher als Barbier und Heilgehilfe weit und breit bekannt war, auch m der Gemeindeverwaltung als Mitglied des Bürgerausschusses eine Reihe von Jahren tätig war, vollendete heute sein 80. Lebensjahr. Brechm stammt aus Osthofen und kam im Jahre 1855 hierher. FC. Aus dem Untertaunns. 25. Juni. Da der Kohlweißling an dem Kohlgemüfe in Massen auftritt. beschlossen die Gemeinden des Kreises für das Fangen dieser Schädlinge eine Entschädigung von einem Pfennig für fünf Stuck zu bewilligen.. Aus Kurbkssen. FC. Hersfeld, 25. Juni. Die hiesige Molkerei-Genossen-r schaft hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Rettrgewinn. von 4085 Mark zu verzeichnen. Offene Stel len: 1 Melkbursche, 2 Tagelöhner. 3 Hausburschen, 1 Schäfers 3 Knechte, 2 Arbeiterfamilien, 1 Wärter. 2 Heizer, 1 Müller, l! Bäcker, l Knechlefamilie, 1 Schweinemeister, 1 Setzer. 1 Maschinen« metster, 1 Drucker, 10 Dienstmägde. 10 Hausmädchen, 1 Flickerin,,. 1 Lehrmädchen, 1 Melkerin, mehrere Fabrikarbeiterinnen und Arbeiter. * Stellensuchendel Mehrere Melkersamilten u. ledige Melker, 2 Wirtschafterinnen^ 2 Bürofräuleins, Melkerfamilie (Mutter und 2 Töchter). .. -. -j.- ..— 1 an Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Ottyi Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Heyner.^ Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung*,' •"- ■' A- G.. Friedberg i- Mm nie tunt Me <5wf Joachim tßgptb. Dm« fogie «r SlcheLM «Ich versprach es FridM» Achüa, 6fe nrifl mtf mfc t* de» Obstgarten gehend «So. so — ram, dmm müssen wir vms eBfie«. Das kleine Urselchen darf nicht ungeduldig werden. Ich glaube, warten ist nicht gerade ihre starke Seite, 4 * „Das glaube ich auch." Der Wagen stand bereits vor der Türe. Die beiden Herren stiegen ein und fuhren davon, Roman von Co urths-Mahler. 43) Nachdruck verboten. ,.Du wirst mich bald, sehr bald verstehen lernen, mein kte- bsr Freund. Aber jetzt muß ich dich verlassen. Ich habe mich mit meinem Neffen verabredet, nach Frankenau hiirüberzufah- ren und bin schon unpünktlich. Joachim wird mich ungeduldig erwarten. Er scheint mit besonderem Verlangen nach Frairkemm zu fahren." Herr von Virkenheim lächelte- .-Za, ja, — ich sah, dag er sich sehr eifrig mit Ursula Frankenau beschäftigte." Graf Rudolf lachte. V »Zu meinem Erstaunen habe ich das auch bemerkt/ „Warum zu deinem Erstaunen?" „Das will ich dir sagen. Ich glaube bemerkt zu haben, daß h\ Verlin die junge Freiin von Platen einigen Eindruck auf ihn gemacht habe. Unter uns — ich hätte nichts dagegen gehabt. wenn er sich um sie beworben hätte. Aber ich glaube doch nicht, daß diese beiden Menschen zusammenpaffen würden, und daß die junge Dame durchaus keine Neigung hat. mit Joachim näher zusammen zu kommen. Deshalb sehe ich es mit Freuden, mit welchem Eifer sich Joachim um die kleine Ursula bemüht. Ich würde mich freuen, wenn sich die beiden jungen Menschen zusammensinden würden. Ich werde heute ganz im Vertrauen einmal mit unserer verehrten Freundin. Frau von Frankenau, sprechen, wie fie über diesen Punkt denkt." „Ich will hoffen, dag sich alles zu deiner Zufriedenheit fügt, denn Joachim gilt dir doch so viel wie ein Sohn." „Allerdings, er ist meinem Herzen teuer wie ein solcher." „Auf Wiedersehen. Rudolf. Und grüß mir die Frankenauer, Frau Sabine besonders." „Das will ich tun." Die beiden Herren trennten sich. Graf Rudolf wurde bereits :u der Holle von seinem Neffen sehnsüchtig erwartet. „Gerade wollte ich dich rufen lassen. Onkel Rudolf. Ich dachte, du hättest es vergeffen, daß wir nach Frankenau wollten" „Nein, mein Junge, ich habe es nicht vergeffen. Aber eilt es denn so sehr? Es ist noch früh am Tag." „Ich habe es aber versprochen, um 12 Uhr in Frankenau in sein." Graf Joachims Urlaub ging am tcklernachsten Tag schon zu Ende, und während er nun an der Seite seines Onkels nach Frankenau fuhr, dachte er daran, wie schnell es ihm klar geworden war. daß er Ursula liebte. Von ihrer Gegenliebe war er überzeugt. Sie war ein viel zu offener und ehrlicher Charakter, als daß fie ihm das hätte verbergen können. Wenn er daran dachte, daß fie um ihn geweint hätte, wurde ihm ganz unruhig zumute. Er fühlte an seine Brust. Da barg er den kleinen Jasminzweig, auf den ihre Tränen niedergefallen waren. Es tat ihm leid, daß er ihr nicht hatte sagen können, wie grundlos ihre Tränen waren. Aber jedenfalls wollte er nicht abreifen, ohne ihr gesagt zu haben, was sie ihm war, und daß er fie zur Frau begehrte. Auf dem Wege nach Frankenau beichtete er feinem Onkel. Als fie eine Weile schweigend dahingefahren waren, sagte er plötzlich: „Lieber Onkel, du hast mir verschiedentlich zu verstehen gegeben, daß du es gern sehen würdest, wenn ich mich verheiratete." Graf Rudolf nickte. „Allerdings, mein Junge, ich wäre nämlich herzlich froh, wenn ich mein einsames Atter ein wenig an dem Herd wärmen könnte, den du gründen solltest. Für dich ist es ja freilich kein triftiger Grund zum Heiraten, daß dein alter Onkel solck^e Wünsche hat. Aber außerdem bist du dreißig Jahre. Das ist das rechte Alter zum Heiraten. Und ich bin selbst in meiner Ehe viel zu glücklich gewesen, als daß ich dir nicht ein gleiches Glück gönnen würde " Graf Joachim faßte feine Hand. „Ich bin willens deinen Wünschen nachzukommen, und will dir gestehen, daß ich bereits eine Wahl getroffen habe." Statt besonderer Ameiqe. Heme Na-fimitiag um Va-*» Uhr entschlief nach kurzem, ichwerem Leiden unsere liebe ©roßmuUer, Urgroßmutter, Schwiegermutter, Schwester und Tante Frau im 91. Lebensjahre. Katharina Vaeth geb. Roth Darmstadt, den 26. Juni 1618 Moosbergstratze 9?. In: tarnen der tran"rnden Hinterbliebenen: Dr. med. Georg Vaeth, Hanau Tilly Butz, Darmstadt Fra» El e Vaeth, geb. Richter und zwei Urenkelrniie». Die Beerdigung findet am Samstag, den 29. fXunt. nachmittag» 3V» Uhr auf dem ,nicdbofe in Friedberg (Oberheffen) statt. Bekanntmachung. N^'ch'ten Montag, den 1. Juli, verkaufen wir in der alten Post durch die hiesigen Kolonialwarenhändier Mäse. Zeiteinteilung wie bei der Vutterverteilnng. Für ieoe auf der Lebensmittelkarte verzeichnete Perjon werden Ü8 Gramm zu 23 Pfennig verabfolgt. D>e Lebensmittelkarlen find als Ausweis vorzulegen. ' Friedberg, den 27. Juni 1918. Der stellvertretende Bürgermeister (ftädt. Lebensmittel- usschuß) ,_ 2. A.: Langsdorf. Bekanntmachung. Nächsten Dienstag, den 2. Juli, findet in der alten Post die Abgabe von Speisefett statt. vormittags von 9—10V 2 Uhr für Bezirk I von Nummer 301 aufwärts von 101/2—12 Uhr für Bezirk II von Nummern 1—500 Dte abzugebende Menge beträgt für Familien von 1-2 Personen V, Pfd. und kostet 0.55 Mk. - hi * I? n - - fiß - ** , » lim m n 1.65 „ „ 7u.mehr„ 1 „ „ „ 2.20 „ Die Lebensmittelkarten find als Ausweis vorzulegen. Rituell lebende israelitische Familien und Haushaltungen, die geschlachtet haben, find vom Bezug ausgeschloffen. Frie-berg, den 27. Juni 1918. - Der stell». Bürgermeister. (ftädt. Lebensmittel-Ausschuß.) 2. A.: Langsdorf. Wir empfehlen ab Lager Nidda: Srss - SSläheaasdiinea Heuwender, Geireidemäher, Drillniaschinsn, Püüge, Eggen, Jaucleep^nipe» sowie aüe laisdw. Maschinen und Geräte. Reparaturen werden sachgemäss und preiswert in eigener Reparatur-Werkstätte schnellstens ausgeführt. Scliäfer & Fischer Bahnhofstrasse 38. NI iS d