11. Jahrgang « Unmmer 148 Donnerstag, den 27. Juni 1918 * Die ..Nene Taoesreitung" erscheint jeden Werttaq. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer aus Hessen". „Die Spiunssubs". Ke?ugspreis: Bei den Postanstatten rneneliährlich Mk. 2M hinzu tritt noch das Bestellgeld: bei den Anenten monatlich 85>Pfg. einschließlich Trägertotin. Anzeigen: Grundzeile 2d Pfg., lokale 20 Big.. Anzeigen von auswärts werden durch Poi'tnachnahmL erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Kchriftteitnng und Derlaq friedberg (Hessens, ^anauerltratze 12. Ferniprecher 48. Posti tzeck-Loato Nr. 48 *9, ll-nt Frankfurt a. M. Cngliicher Angriff Indlich der Scarpe und ein französischer Teilangriff bei Chatean-Tlsierry ab gemieden. Erfolg am Dhone-Marne-Kanal. — Die Kämpfe in Italien. — 18800 Tonnen versenkt. Der deutsche Generalstad «-———= meldet: - = W. T. K. Großes Hauptquartier» dcsr 26. Juni. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz RupprechL Südlich der Scarpe griff der Engländer gestern früh mit mehreren Kompagnien in breiten Abschnitten an. Bei Fonchy und Nenville-Vitasse wurde er im Gegenstoß hurückgeworfen. In den Nachbarabschnitten sck>eiter- ten feine Vorstöße in unserem Feuer. Am Abend lebte die Artillerietätigkeit fast an der ganzen Front auf. Zwischen A r r a s und Albert und beiderseits der Somme blieb sie auch während der Nacht lebhaft. Mehrfach stieß der Feind zu starken Erkundungen vor. Er wurde a b e e w i e s e n und ließ Gefangene in unserer Hand. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Avre und Marne zeitweilig auflebende Gefechtstätigkeit. Westlich der Oise erbeuten wir in Vor- seldkämpsen französische Maschinengewehre. Ein feindlicher Teilangriff nordwestlich von CHateawLhierry wurde abgewiesen. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Nördlich voni Rhone -Marne- Kanal brach bayerische Landwehr in die französischen Stellungen nordwestlich von Bures ein und brachte zwei Offiziere und 40 Mann gefangen zurück. * Ans einem feindlichen Geschwader, tzas *am 24. 6. östlich von Soissons bis zur Aisne zum Bombenwurf Vordrang, wurden fünf Flugzeuge abgeschosfen. Gestern wurden 12 feindliche Flugzeuge und drei Fesselballone zum Absturz gebracht. Leutnant 1l d e t errang feinen 33.. 34. und 36., Leutnant K i r s ch st e seinen 27.. Leutnant R o m e y seinen 24., Leutnant V o l t j e n 6 feinen 23., Leutnant B i l l i k seinen 21. Luftsieg. Der Erste Generalquarliermesiier: Ludendorsf. Aliendlier ^ \ Berlin. 26 Juni. abends. (WB. Amtlich) Don den Kampffronten nichts Neues. * Der österreichische Generolstal» ! ——— meldet: -—— Wien, 26. Juni (WB.) Amtlich wird yerlautbart: An den Fronten westlich der Etsch war die Gesechtstätig- ?eit in den letzten Tagen wieder lebhafter. Auf dem Zugna- Rücken schlugen wir starke, durch heftiges Geschützfeuer eingeleitete Vorstöße unter schweren Feindverllusten ab. Auf der Hochfläche von A s i a g o und zwischen Brenta und Piave verlief der gestrige Tag wesentlich ruhiger. Das erbitterte Ringen vom 24. Juni hat ftir die Italiener mit einem vollen Mißerfolg geendet, der am klarsten dadurch in Erscheinung trat, daß in den meistumstrittenen Kampfgebieten aus dem Aso- lone und dom Monte Pertico unsere dem Feinde folgenden Abteilungen beträchtliche Abschnitte seiner vordersten. Linie in Besitz nahmen. So sind demnach dank oer Tapferkeit und dem herzhaften Zugreifen unserer in ungebrochener Kampfkraft fechtenden Truppen alle italienischen Anstrengungen, das am 15. Juni rtngebüßte Gelände zurückzuerobern, blutig gescheitert. Bei der Heeresgruppe des Feldmarschalls Boroevic keine besonderen Ereignisse. Der Chef des Gencralstabes. 9 n .Der bulgarische Gcncralstab meldet: == = == _ Sofia, 24. Juni. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabs- Lericht. Mazedonische Front'. Westlich des Och-ida-S-oes zerstreuten Lviere vorgeschobenen Einheiten durch Feuer verstärkte französische Infanterie-Abteilungen. An der Tschervena Siena östlich Tscherno kurze Feuerangrisfe des Feindes. Südlich Huma und westlich Doiran war das Arlilleriefeuer auf beiden Seiten zeitweise ziemlich lebhaft. In der Gegend vor unseren Stellungen westlich Serres machten unsere Patrouillen griechische Gesungene. Im Wardartal trafen unsere Luftabwehr-Geschütze ein feindliches Flugzeug, das brennend vor unseren Graben abstürzte. - 8 -00 Tonnen versenkt. B-r!ü>, 25. Juni. (WTB. Amtlich.) Neue U-Boot erfolge im Sperrgebiet um England: 18,800 Bruttorcgistertouncn. Von den versenkten Schiffen wurden drei bewaffnete Dampfer an, der Ostküste Englands aus stark gesichercken Geleitzügeu heransgeschossen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Berlin, 25. Juni. (WTB. Nichtamtlich^ Welcher Ladungswert oft selbst mit den kleinsten Segelschiffen versenkt und durch unsere U-Boote vernichtet wird, geht aus felgendem Beispiel hervor: Einer unserer U°Kreuzer hielt an der westafrikanischen Küste, ein wenig nördlich des Aeqnators, einen kleinen portugiesischen Segelkutter an, der nur 29 Registertonnen groß war. Er war von Free- tcwn (Liberia) nach einein anderen afrikanischen Küfken- platz unterwegs. Er wurde durch eine Sprengpatrone versenkt. Seine Ladung bestand ans 136 Körben mit Kolanüssen, die ein Gewicht von 6800 Kilogramm hatten und einen Wert von 11,000 Mark darstellten. Kikstnangriff nnf Karlsruhe uni) Wnburg. Karlsruhe, 26. Juni. Amtlich wird gemeldet: Am Dienstag morgen nach 7 Uhr griff eine Anzahl feindlicher Flugzeuge die o'i'ne Stadt Karlsruhe an. Es wurden dabei mehrere Bonrben geworfen, durch die einiger Häuserscbaden angericbtet wurde. Eine Person wird vermißt. In G r ü n w i n k e l wurden-Kirche und Pfarrhaus beschädigt. Die offene Stadt Offenburg wurde gleichfalls von einer größeren Anzahl feindlicher Flieger mit mehreren Bomben angegriffen. Häuser wurden nicht beschädigt, Menschen nicht verlebt. Es entstand leichter Matei iab- schaden. Ein feindlicher Flieger wurde zum Absturz ge- bracht. int Westen. Berlin, 26. Juni. (WB.) Heute vormittag wurden im Lstteile Verduns zwei Explosionen beobachtet, die größere Brände zur Folge halten. An den in der Nacht zum 26. Juni beiderseits der Straße Arras— Gambrai gescheiterten englischen Angriffen waren nachweisbar Teile von drei verschiedenen Divisionen, darunter einer kanadischen, beteiligt. Auch am 25. Juni griff die Entente wiederum an vielen Stellen der Front von der Scarpe bis Chateau.Thierry. zum Teil mit stärkeren Kräften an. An allen diesen täglichen Angriffen und Erkundungsvorstößen, die sämtlich unter schweren feindlichen Verlusten ergebnislos verliefen. zcigrc sich Unruhe und Unsicherheit der Entente vor neuen Ereignisien in Nachwirkung ihrer letzten großen Niederlagen zwischen der Aisne und Marne und zwischen Montdidier s, d Noyon. Die ungeheuren Verluste der Entente, die allein in der kurzen Zeit von drei Monaten eine Million betragen, werden durch die täglichen vergeblichen Anstreugungen der Engländer. Franzosen und Amerikaner weiterhin echeblich gesteigert 3m öUmfidiÜifien MW in Ifnlirn. Italienische Warnungen. Karlsruhe, 26. Juni. Der „Corriere della Sera" schreibt zum österreichiMn Rückzug, ein allzngroßer Optimismus sei gefährlich und verfrüht. Andere Schlachten, die gewonnen oder verloren werden können, ständen bevor. Der „Secolo" meldet von der Front: Die erste Phase der großen Schlecht ist abgeschlossen, aber man dürfe keineswegs glauben, daß die Gefahr der Angriffe für das italienische Heer nunmehr vorüber sei. Das Hochwasser in Venetien. Basel, 26. Juni. Die „Morning Post" meldet, daß die Piave ihren höchsten Stand seit 1850 erreicht habe. Das Hochwasser hemme sowohl die Angriffe der Oesterreich i als auch die Gegenmaßnahmen der Italiener. Rußland. Die Lage in Petersburg. Karlsruhe, 26. Juni. Die „Neue Korrespondenz" meT 'l aus Moskau, daß der Sowjet von Petersburg an alle Eist.- bahnorganisationen ein Manifest richtete, in dem er darr, f hinweist, daß die Nahrrmgsmittelversorgung in Petersbvi erneut äußerst schwierig geworden sei und daß die Bevölkerung der Stadt an Hunger zu sterben drohe. Wir nähern uns einer der kritischsten Perioden, so heißt es in dem Manifest, und dio Eisenbahnorganisationen werden dringend gebeten, ihr Möglichstes zu tun, um die Stadt bis zur näcb-sten Ernte zu retten und Getreide und Kartoffeln zu schicken. Ciir Gerücht von der Ermordunq des Zaren. Das „Berl. Tageblatt" meldet aus Lugano: Der Stock- holnrer Vertreter des „Corriere della Sera" meldet das unbestätigte Gerücht von der Ermordung des Exzaren Nikolaus Nach diesem hat die Sowjetregierung befohlen, den Exzaren wegznbefördern. Die Behörden hatten den Befehl mißver» standen und angeblich den Zaren ermordet. Kopenhagen, 26. Juni. Ueber die Ermordung des früheren Zaren, die immer noch nicht einwandfrei be» glaub!gt ist. liegt heule folgende Meldung vor: Die letzte aus Petersburg eingetroffene Nummer des russischen Blattes „Dijr" enthält die Mitteilung, daß ein bolschewistischer Soldat den Zaren Nikolaus in Jekaterinburg ermordet habe. Als das Gerücht umging, daß sich die tschechisch-slowakischen Truppen der Stadt näherten, entstand in der Stadt Beunruhigung, und es hieß, daß die Truppen den Zaren befreien wollten. Der Soldat drang in das Hans des Zaren und schoß ihn mit einem Revolver nieder. Moskau, 26. Juni. (WB.) Nach einer Meldung de- Presse soll sich der entflohene Großfürst Michael Alerandro- witsch an die Spitze der neuen sibirischen Regierung gestelT und einen Aufruf an das russische Volk erlassen haben. In der Stadt Tankbow ist die Ruhe wiederhergestellt. Z hl- reicke tschechische Kosakenkräfte sind längs der Bahn Sy m —Miasma festgestellt worden. Die Zarenfannlie soll nach Perm gebracht worden Der Verbleib des friiheren Zaren selbst ist nach Bern .i der Blätter unbekannt. Die Nacknüchten über feine Err düng in Jekaterinburg mehren sich. Nie tihrainilf!{=niifildifn frirtfnstiiTlirtiiMtiniw,., Kiew. 25. Juni. (WB.) In den ukrainisch-russischen Frie- dcnsverhandlungen ist Uebereinstimmung über den Grundsatz siir die Grenzen dahin erzielt worden, alle nach Friedensschluß , entstehenden Streitigkeiten durch ein Schiedsgericht zu schlichten. Beide Delegationen sind bereit, bei der Grenzfestsetzung jeden Gedanken an Annexionen und Vergewaltigungen auszu- schl'.eßen. Daher ist unter Berücksichtigung politischer, wirtschaftlicher und sonstiger Jnteresien das ethnographische Prinzip für die Grenzfestsetzung maßgebend Nur in einzelnen im Frieden sver trag aufzuführenden strittigen Gebieten soll zu einer unbeeinflußten Befragung der Bevölkerung geschritten werden. Krrenskij in England. London, 26. Juni. (WB.) „Central News" meldet: Ke- renskij ist in England angekommen. Krawalle in Irland. Bern, 25. Juni. (WB.) Der Dubliner Bericht erstattet der „Morning Post" meldet vom 16. Juni, daß die Fäll< von Unbotmäßigkeit und Auflehnung gegen die englischcv Behörden in Irland neuerdings wieder stark zugenonuner^ In Tralee wurden zwei vom Gericht konlwende Polizeiko»- Jtafrter am Vellen Lage medergrschoffea. Die Unrstehen-e, hätten nichts getan, um den Tater festzunehmen. In Bally ka.n es infolge der Verhaftung zweier Jünglinge wegen unerlaubten Exzerzierens zu einem regelrechten Straßenkampf Zwischen der Polizei und der Bevölkerung. In Dublin und anderen Plätzen gchen trotz strenger Verbote die militärischen Hebungen weiter. 23 deswegen verhaftete Männer zeigten dem Gerichtshof ihre Verachtung und verweigerten die Angabe des Namens. Wegen der gleichen Straftat in West- Port Verhaftete weigerten sich, das Gericht anzuerkennen. In Ballymoe flüchtete ein Sinnfeinführer, gegen den ein Haftbefehl erlassen worden war, vor Gendarmen mit dem Zweirad. Er feuerte auf die entgegenkommenden Gendarmen und entkam. Der Dubliner Berichterstatter des „Daily Chronicle" behauptet, daß die in Irland herrschende Anarchie vielfach die Folge einer beispiellosen Einschüch- terung durch die Sinnfeiner sei. Ihr seien u. a. der Beschluß der Nattonalistenführer, dem Parlament fernzu- bleiben, die vielen Falle des Boyketts gegen Leute, die sich dem Widerspruch gegen die Wehrpflicht nicht angeschlossen haben, und dE Hohen Beiträge für den Verteidigungsfonds tzuzuschreiben. Immer wieder die amm^mlche Me! Lloyd George sagte in einer neuesten Rede: Man wisse, wieviel Verstärkungen jede Partei herangezogen habe. Es spielten da immer mancherlei Faktoren mit, die unmöglich genau berechnet werden könnten. Da aber fortgesetzt amerikanische Truppen ankämen, so sei es sehr wahrscheinlich, daß die Entente den Deutschen an der Westfront summarisch überlegen sein werde. Es fei erstaunlich, wie schnell die amerikanischen Streitkräfte hercmkämen. Er köirne mich hier keine gencnwn Zahlen nennen, aber er könne sagen, es kämen so viel Amerikaner, dag die Verbündeten dadurch ermutigt, die Feinde aber noch schwer enttäuscht werden würden. Die Deutschen seien btt ihren letzten Reserven angelangt, die sie in den nächsten Mo- rurten würden einsetzen müssen. Sie könnten keine neuen Reserven bilden, es sei denn durch drastische Maßnahmen z. B. dadurch, daß sie aus kriegswichtigen Betrieben dienstpflichtige Männer herauszögen, und es scheine, daß sie dazu bereits ihre Zuflucht nähmen, was ein neuer Beweis für ihre schweren Der. lüste während der letzten Monate sei. Die nächsten Monate würden Ursache zu Besorgnissen geben, aber er dürfe versichern, ohne irgendwie bluffen zu wollen, daß die Heerführer vertrauensvoll in die Zukunft sähen. Wir sichen am Vorabend großer Ereignisse. Es wird vielleicht in den nächsten Stunden, sicher aber in den nächsten Tagen eine große Schlacht beginnen, die das gesamte Ergebnis des Krieges entscheidend beeinflußen kann, aber die Verbündeten, waren niemals bester vorbereitet, den Stoß aufzufangen, als jetzt. Der letzte Angrift der Deutschen auf die französischen Truppen ist mißglückt. Der Feind hat sein Ziel nicht erreicht. Er hofft«, bis Tonrpiegn« vorrücken zu können, aber er kam nur bis Villers-Totterets. Wir haben zu sehr auf die deutschen Erfolge geachtet und zu wenig auf unsere eigenen. Lloyd George sprach dann über die Ereignisse an der italienischen Front. Es sei nicht nur eine militärische Niederlage, welche Oesterreich erlitten habe, sondern eine Niederlage, die wichtige Folgen auch auf politischem Gebiete haben könne. Denn Oesterreich sei das Land, das am allerwenigsten eine solche Niederlage ertragen könne. Es habe sich mit seiner ganzen Kraft auf die Italiener geworfen. Ueber 50 Prozent seiner Wehrkraft seien ins Feuer gebracht worden. Die Oesterreicher hätten die Piave überquert, einen sehr bedeutenden Teil des Montello erobert, und hätten sie diesen Berg ganz erobert, so waren sie vielleicht in den Rücken der Stellungen der Alliierten gefallen, was für diese katastrophal gewesen wäre Der „Kara!orrs"-Orde,r. Bern, 20. Juni. Das Genfer „Feuille d'Avis" bringt aus ^em „Feuille d'Avis de Lausanne" vom 8. Juni folgende Notiz: Ein englischer Offizier der Handelsmarine, der mit einer Zungen Neufchatelerin verheiratet ist, wurde soeben dem König von England vorgestellt und erhielt die hohe Auszeichnung für die kürzlich erfolgte Versenkung eines deutschen Unterseebootes. Das Handelsschiff, durch das U-Boot angegriffen, überwältigte das U-Boot durch Geschützfeuer. Das U-Boot sank schnell mit der Besatzung. Trotz der „Kamerad"-Rufe seitens der Be. fatzung des Unterseebootes nahm der englische Offizier von der Rettung der Mannschaft Abstand, die in den Wellen umkam. „Feuille" bemertt dazu: Die deutschen Unlerseebootsmann- fchaften sind oft getadelt worden, daß sie sich ihrer Opfer nicht annahmen. Man hat aber noch niemals gehört, daß sich Unter- feebootsmannschaften öffentlich damit gebrüstet hätten und' die- serhalb dem Kaiser vorgestellt oder ausgezeichnet worden wären. (Diese neueste Ruhmestat reiht sich denen ebenbürtig an, die die Leute des „King Stephen" und ihre Kameraden, die den deutschen Oberleutnant Crompton mißhandelten, vollbrachten. Wir schlagen dem König von England vor, die hohe Auszeichnung. niit der er solche Taten belohnt, als „Baralong-Orden" zu bezeichnen. D. Red.) Deutscher Reichstag. (Sitzung vom 26. Juni 1918.) Abg. Hauß (Eff.): Das V erfasst, ngsgesetz für Effaß-Loth- Nngen wird dauernd durchbrochen. Der Volksverttetung werden dauernd Fesseln angelegt An den militärischen Maßnahmen darf nur in vertraulichen Sitzungen Kritik geübt werdem Staatssekretär W a l l r u f: Nicht weit von der Hauptstadt Elsaß-Lothringens steht die deuffche Westfront auf effaß. üthringischem Gebiet, und die Grenze kann jeden Tag wieder der Schauplatz ernster Kampfe werden. Deshalb ist die Zeit noch nicht ^kommen, wo über die zukünftige Gestaltung des Landes öffentliche Erörterungen zugelassen werden können D»e verbündete« Megfets«ee« habe« einen Beschluß «och nicht gefaßt. Da der Reichstag dabei Mitwirken wird, werden auch die Interesse» der effaß-lothringffcheri Bevölkerung Berücksich, ttgnng finden. Die Vlamenfrage berührt den ganzen Komplex der Westfragen, sie findet aber bei uns volle Würdigung und Sympathie. In den besetzten Gebieten kann die militärische Verwaltung nickt entbehrt werden. Die litauische Bevölkerung wird allmählich zur Verwaltung herangezogen werden. Das Ziel, das uns dort vorschwebt. ist nicht die Vergewaltigung der dortigen Bewohner, sondern die Sicherstellung ihrer Ordnung und Freiheit. Abg. N o s k e (Soz.) kann das Geschrei nach dem Sieg nicht vertragen und hält es besser, wenn der Kaiser nicht so viel telegraphieren und reden würde. Abg. Frhr. v. Richthofen (Ntl): Ich bedauere, daß es bisher noch nicht möglich war. die Frage des preußischen Wahlrechts aus der Welt zu schaffen, zumal ich ein unbedingter Anhänger des allgemeinen, gleichen und unmittelbaren Wahlrechtes bin. Abg. Graf P o s ad o w s k y- W e h ne r (D. Fr.): Auch ich teile einen Teil der Bedenken, die gegen den Staatssekretär geäußert worden sind. Es gibt Dinge, die man wohl im engen Kreise erörtert, die man aber nicht öffentlich von der Redner- ttibüne des Hauses verkünden darf, bezüglich der Schuld Rußlands an dem Kriege bin ich jedoch der Meinung des Staatssekretär v. Kühlmann. In Italien stand die Monarchie vordem Kriege auf ziemlich schwachen Füßen. Die Jrredente trieb schließlich das Land zu dem schändlichen Verrat. Dadurch, daß gegenüber den Verleumdungen unserer Feinde unsere Regierung nicht immer rasch geantwortet hat, hat sich der Aberglaube bei unseren Feinden festgesetzt, daß nur die Schänder der Kultur seien. Dank der deutschen Siege haben sich die Randvölker befreit. Man sollte es diesen Völkern überlassen, aus eigener Kraft ihre Zukunft aufzubauen, sonst übernehmen wir eine schwere Verantwortung. Die österreichisch-polnische Lösung kann für uns schwere Folgen haben, aber der Ausgang der Verhandlungen hängt von den Waffen ab. Das deutsche Volk hat den Glauben an den Endsieg und muß ihn haben, sonst karrn es die Opfer nicht erttagen. Diese Siegeszuversicht im Volke darf die Regierung nicht zerstören. Abg. Graf v. Westarp (Kons.): Herrn Roskes Kritik an der Person des Kaiser müssen wir zurückweisen. Unsere Meinung ist. daß wir eine Politik nicht für richtig-halten können^ die dazu bestimmt ist, die Sozialdemokratie unter allen Umständen an der Stange zu halten^ Mit den gestrigen Ausführungen des Reichskanzlers sind wir völlig einverstanden. Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, daß wir die Frie- densbcschließung bekämpfen rnussen. Die militärischen Erfolge haben die Lage so verändert, daß wir vou der Entschließung frei geworden sind. Wir haben die Zuversicht im deutschen Volke zu erhalten. Abg. Haase (Unabh. Soz.): Das Auftreten des Herrn Neske beweist, daß die Politik der Regierungssozialisten vollständig zufammengebrochen ist. Damit schließt die allgemeine Besprechung. Der Haushalt des Reichskanzlers, der Reichskanzlei und des Auswärtigen Amtes werden genehmigt, ebenso ohne wesentliche Erörterung der Haushalt des Reichs militärgerichtes. des Rechnungshofes des Deutschen Reiches der Schuldenverwaltung und der allgemeinen Finanzvrrwaltung. Damit ist die zweite Lesung des Haushaltes beendet. Schluß ?<6 Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch, 3. Juli, 2 Uhr, nachmittags. Tagesordnung: Dritte Lesung des Haushaltes. Die piüfdj’imfljflnnö der prmoferatrf. „Heute wird die Demokratie angepriesen .als ob sie ein Patenttertss Heilmittel wäre. Statt die einfache Wahrheit zuzugestehen, daß der Krieg die Demokratie auf die Probe stellt, singen unsere Politiker ihr Lobgesänge, als ob sie allem genügte, uni aller Welk Frieden und Glück zu bringen Sre geben sich kerne Mühe, die Demokratie näher zu bestimmen, und es wäre schwer zu sagen, ob sie sie als ein Re- gierungssyftem oder eine Art Elementarkraft wie etwa die Schwerkraft anichen. Darüber aber sind sie sich alle einig, daß ihre bloße Erwähnung genügt, um die wildesten gesetzt geoenscheu Ausschweifungen zu rechtfertigen. Ihre Tugen- den sind über jeden Zweifel erhaben; ihre Verfechter halten es für unnötig, sie zu rechtfertigen oder zu erläutern. Also müssen die Forderungen der „Denwkratie", wie immer sie sein mögen, sofort erfüllt werden, und „demokratisch" ist ein lobendes Beiwort geworden. Für den Augenblick scheint alles gut zu gchen, aber die Umschmeichelung der Demokratie wird, wenn sie aitcfji benutzt wird, alle unsere Refornwersuche zu entschuldigen, schließlich die Neaktton herbeiführen. Selbst ihre beredtetsten Anhänger können nicht ganz ohne irgendwelchen Argwohn sein, und dieser steigert ihre Tätigkeit. Sie müssen die letzte ihnen gebotene Möglichkeit ausnutzen, um das geduldige Werk der Vergangenheit zu zerstören. Denn sicherlich wird das übermäßige Lob des Dinges, das „Demokratie" genannt wird, und das die Wähler nur teilweise verstehen, schließlich die Wirkung haben, daß die Menge den Geschmack daran verliert. Die Athener sandten Aristides ins Exil, weil sie es müde waren, ihn den „Gerechten" nennen zu hören, und nnr werden es erleben, daß „die Demokratie" vom Volke mit Füßen getreten wird, aus dem vortrefflichen Grunde, daß das Volk es müde ist, der Litanei ihrer Vollkommenheiten znznbö'."^" (Aus dem Juniheft 1918 von „Dlackwoods Magazine"^ Wie ks feindliche Ausland urteilt. Im „Bayerischen Kurier", dem leitenden Münchener Zentrumsblatt, lesen wir: „Unter der Überschrift „Erzberger contra Ludendorff" bespricht ein italienisches Blatt, der (katholische „Corriere d'Jtalia") in Nmnrner 150 die bekannte Aktion des Abgeordneten Erzberger und begrüßt sie. Erzberger sei zusam- ment mit Scheidemann einer von jenen jeiher üüzii- wenigen. Welche in Deutschland in der Richtung der Unter- minierung des Vertrauens zur Heeresleitung arbeiten und es ist wahrscheinlich, daß ihre Tätigkeit für den Fall, daß die deutsche Offensive im Westen innerhalb dieses Jahres nicht die erwartete Entscheidung zugunsten der Mittelmächte bringt, einen radikalen Stimmungswechsel in den feindlichen (deutschen) Reihen herbeiführen wird. Anzeichen wie das Auftteten Erzbergers müssen als beginnende Reaktion gegen die imperialistische Trunkenheit entsprechend beachtet werden. „Wenn trotz der Erfolge Hindenburgs die An>- zeichen sich mehren an Zahl wie an Wichtigkeit, so ist es natürlich, daß wir sie verfolgen müssen." Mit grimmigem Behagen serviert das Blatt sodann die Erbergersche Erklärung in der „Germania" und sucht zu zeigen, daß sie sich im Grunde genommen gegen die „Alldeutschen" richte, welche, wie die „Kölnische Volkszeitung" (das führende rheinische Zentrumsorgan) darauf hoffen, daß die Opfer, welche der Krieg fordert, den Frieden, und zwar den Hindenburgfrieden bringe (worunter das Blatt einen mit Waffengewalt erkämpften versteht). Die „alldeutsche" Presse sei wütend über diese Erklärung Erzbergers, der das Organ des Reichskanzlers Aufnahme gewährt habe: zrmr Glücke sei dem Angegriffenen aber im Abg. Scheidemann ein Verteidiger erstanden. „Das Einvernehmen zwischen diesen beiden Männern ist ein vollkommenes" und „Beide wollen das Gleiche". Es ist notwendig, von diesen Kundgebungen Nottz zu nehmen, denn sie beweisen, daß mitten in voller Entwicklung der Kaiserlichen Offensive die Strömung wieder zum Leben erwacht, welche die einzige Möglichkeit, den Krie- zu beenden,-in einem Kompromiß erblickt. Der Artikel verrät unverkennbar, welch große Hoffnungen im feindlichen Auslande auf Erzberger und seine Aktton gesetzt werden. Mag Erzberger mit seinem letzten Vorstoß gegen den Reichskanzler auch eine solche Wirkung zweifellos nicht gewollt haben, so mag die Besprechung doch ein wervoller Fingerzeig sein. Lchrt mich der Freund, was ich kann, so lehrt mich der Feind, was ich soll oder nicht soll!^ Die Meßsugermmre der Z.-G.-G. > Die Z.-E.-G. hat bei ihrem letzten Jahresabschluß einen Verdienst von 563 Millionen Mark zu verzeichnen gehabt. Das Ergebnis kann nicht befremden, wenn man bedenkt, daß die Zentral-Einkaufs-Genossenschast einen Milliarden-Umsatz hat und gewalttge Preisarrfschläge für die aus dem Arrs- lande bezogenen Waren nimmt. Befremden kann das Ergebnis nur insofern, als bei Gründung all dieser Kriegs- Gesellschaften die Zrfficherung gegeben wurde, es sei bei denselben außer auf Verzinsung des Anlage-Kapitals auf keinerlei Gewinn abgesehen, dYi Millionen und hat sich um über 100%' Herbessert. Die sehr beklagenswerte Knappheit in Dünger- jmitteln wirtz lebhaft bedauert. Die Kreditgenossenschaften haben sich befeskkgt, ftfe Bezugs- mrd Abfatzgenossenfchaffen ist befriedigender Weise entwickelt. Sehr ausgedehnt wurde dl« Beratung-- und RevifionStätigkeit. Es wurden 29V Verwaltung-- und Über 350 Rechnungsrevisionen vorgenommen und 17 B^irksverfammlung«n abgehalten. Die Milchwirtschaft-Versuchsstation nahm etwa 55,000 Fettbee stimmungen vor. Die Landesmilch, und Fettsteüe setzte etwa 5,3 Millionen Mark um. Das Verbandsorgan nochm um 800 Abonnenten zu. Die ganze Arbeit erwies sich als kräftiger Eckpfeiler des Bauernstandes. Nach Bericht des Lehrers .H aller-Oscnthal wird dem Vorstand Entlastung erteilt. Hierauf wurde eine Entschließung betr. die Mitwirkung der landwirtschsftlichen Genossenschaften bei der Erfassung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse: „Das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen bildet für unsere Landwirtschaft die hauptsächlichste Stütze um die durch die Kriegsverhältnisse verursachten Schäden zu heilen, und die nachhaltige Erzeugungsfähigkeit ans allen Gebieten des landwirtschaftlichen Betriebs zu befestigen. Die genossenschaftliche Kreditorganisation muß zeitig Vorsorge treffen um in ansreichender Weise den am Schluß des Krieges ein sie herantretenden Anforderungen aus Bereitstellung der dringend notwendigen Betriebsfonds entsprechen zu können. Die genossenschaftliche Warenvermittelung ist Voraussetzung, daß die Landwirtschaft wieder aus die Höhe ihrer früheren Leistungsfähigkeit kommt. Ihr Ausbau ist zu fördern, es muß erwartet werden, daß die Selbsthilfeeinrichtungen der Erzeuger bei Erfassung aller landwirtschaftlichen Erzeugnisse nicht untätig beseite stehen. Ganz besonders gilt dies auch für die Uebergangwirtschaft." Dr. Pietsch-Halle hielt hieraus einen beifällig ausgenommenen Vortrag über: „Die Notwendigkeit des genossenschaftlichen Zusammenschlusses nach dem Krieg." In der Vorstandswahl wurden für die abgegangenen Mitglieder Stoll-Georgenhaufen und Kloeß-Vilbel, Gutspächter Heil- Habitzheim und Landtagsabgeordneter Fenchel- Oberhörgern gewählt. Die Tagegelder der Vorstandsmitglieder wurden dann einstinrmig von Mark 10 auf Mark 15 erhöht. Nach empfehlenden Worten des Direktors Mager zur Errichtung von Postscheckkonten durch die einzelnem Ge- uofsenschaften wurde die Tagung geschlossen. Hieran sästoß sich mn Nachmittag 2^! Uhr, die 28. ordentliche Generalversammlung der Zentralgenossenschaften der Hess, landw. Eonsumvereine, die im Namen des Aussichtsrates von Bürgermeister L ö sch-Waldülversheim eröffnet und geleitet wurde. Den Geschäftsbericht erstattet Direktor Berg. Aus diesem geht hervor, daß sich das Arbeitsgebiet seit dem vorigen Jahre nicht wesentlich geändert hat. Die Mitgliederzahl hat sich weiter entwickelt die Tätigkeit hat sich vermehrt, a^is allen Gebieten wurde erfolgreiche Arbeit geleistet. Sowohl beim Diingerbezug, bei der Futtermittelverteilung, beim Getreideankauf, bei der Stroh und Henaufbringung, bei der Beschaffner von Oel- saaten, bei dem Viehankauf und bei der Hindenburg-Spende konnte die Organisation verdienstlich Mitwirken. Die oberhessische Kornhausgesellschaft verkaufte ihre Lagerhäuser an die Zentral-Genossenschast und trat ihr als Bezirks-Genossenschaft bei. Auch der Geschäftsbetrieb der früheren oberhessischen Haupsgenossenschast zu Friedberg wurde übernommen. Das Ergebnis der Jähresrechuung.ist befriedigend. Es schloß sich eine lebhafte Aussprache an. Das geringe Entgegenkommen der rheinhejsischen Kommnnalverbände wird kritisiert. • Denr Vorstand und Aufsichtsrat wird dann Entlastung erteilt. Dann wird das neu vorgelegte Statut, das de» Erweiterungen entspricht einstimmig angenommeir. Der ausgeschiedene Bürgermeister K e i nr - Wonsheim wird wieder, Mobs- Gettenau in den Vorstand neugewählt Auch die ausscheidenden Auffichtsratsmitglieder werden wiedergewählt. Nach weiteren Mitteilungen über den Zusammenschluß der süddeuffchen Genossenschaften zum gemeinsamen Bezug von Futtermitteln wird die anregend verlaufene Versammlung geschlossen. Nom Leide der Ehre. Ober-Wöllstadt. Leutnant Schmidt, Sohn des Lehrers Schmidt dahier, erhielt das Eiserne Kreuz erster Klasse. Ossenheim. Der Unteroffizier der Reserve Georg Stephan, der schon seit Beginn des Krieges im Felde steht, wurde mit denr Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Das Eiserne Kreuz 2. Klaffe und die Hess. Tnpferkeitsmedaille wurden ihm bereits früher verliehen. Unseren herzlichen Glückwunsch! i ■ Södel. Ersatzveservist August Beckel wurde bei der Be- fteiung Finnlands die finnische Freiheitsmedaille sowie dve hessische Tapferteitsmedaille verliehen. — Gefreiter PH. Lame» t t e bei ein>er Eisenbahnbaukompagnie wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Die hessische Tapferkeitsmedaille erhielt er schon 1914. — Gefreiter Gustav Wagner wurde mit der heff. Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Das Eifer ne Kreuz erhielt er schon früher. Wir gratulieren! V' *>" -. Ans der Heimat. Witzelte«. Rach einer Bekanntmachung des Danyrerium» des Inner« wird mit Wirkung vom 1. Juli ab die Hegezeit für Wildenten bis zum 15. Juli aufgehoben Johannisschnee im Taunus. Im Hochtaunus sind am 23. Juni bedeutende Schneefälle niedergegangen. Wie vom Feldberg gemeldet wird, setzte der erste Schneefall bei sehr stürmischem Nordost, der den Aufenthalt aus der Kuppe nahezu unmöglich machte, mittags um 12 Uhr ein. Die Flocken sielen so dicht und schwer, daß in wenigen Minute« das Gebirge bis auf 600 Meter herunter in eine Winterland- schaft eingehüllt war. Zwischen 3 und 4 Uhr kam der zweite Schneefall mit gleicher Stärke. Das Thermometer zeigte 5 bis 6 Grad. Nach kurzer Zeit waren die Spuren der Schneestürme verschwunden. Bad Nauheim. Viertes Philharmonisches Konzert de, Kurkapelle, Donnerstag, den 27. Juni, im Konzerthaus. Mitwirkende: Vera Schapira, Hofpianistin aus Wien. Leitung: Hofrat Professor Hans Winderstein. Die an diesem Abend erstmalig in unserem Konzerthaus mitwirkende Pianistin Vera Schapira hat in der letzten Saison einen richttgen Siegeszug durch die ersten Konzertsäle zurückgelegt. In Berlin mit der Königl. Kapelle unter Richard Strauß, in Wien mit Philharmonikern, im Leipziger Gewandhaus, im Museums-Konzert zu Frankfurt, in Dresden, München, Köln und in vielen anderen Städten spielte die noch junge Künstlerin mit dem gleichen, großen Erfolg. Ihr hiesiges Programm besteht aus dem Klavierkonzert von S. Rachmaninoff, und der bekannten ungarischen Fantasie, von Fr. Lißt, beides mit Orchesterbegleitung. Das Orchester spielt außerdem: Ouvertüre, Nocturno und Scherzo aus der Sommernachtstraummusik von Mendelssohn, sowie die reizende kleine Sinfonie für 9 Blasinstrumente von Ch. Gounod und das Vdxspiel zur Oper „Margarethe". FC. Butzbach, 25. Juni. Die Großherzogin von Heffen be- suchte gestern zum erstenmale die hiesigen Lazarette. Jedem der Verwundeten überreichte die hohe Frau Zigaretten und ein Bild der Großherzoglichen Familie. Von hier begab sie sich im Wagen nach dem Teil-Lazarett Johanniter-Hospital nach Niedermeiser. Von dort aus fuhr die Eroßherzogin im Wage« nach Lich. Obererlenüach. 25. Juni. Wir hatten kürzlich ekwähnt, daß 10 Acorgen hiesigen Geländes auf 19 000 Mark gekommen sei und daß die Steigerer Munitionsarbeiter gewesen seien. Dasselbe Gelände ist von denselben Leuten in der Zweiten Versteigerung auf über 25 000 Mark getrieben worden. Also über 2500 Mark fiir den Morgen. — Da können unsere Bauern nicht mehr mit. FC. Schotten, 25. Juni. Am 23. Juni fiel auf dem Hohe- rodskops bis herunter nach Brenngesheim Schnee. Seit Pfingsten 1891 ist eine solche Naturerscheinung nicht mehr beobachtet worden FC. Schotte». 23. Juni. Das hiesige Kreisamt hat auf Veranlassung des Großh. Ministeriums des Innern besttmmt, daß Fremde in allen Gemeinden des Kreises zu Kur-, Erho- lungs- und Vevgnügungszwecken nicht länger als vier Wochen. Aufenthalt nehmen dürfen. Fremde, die bereits vier Wochen anwesend sind, haben den Ort zu verlaffen oder das vor geschriebene amtsärztliche Zeugnis einzureichen und bei dem Kreisamt die Bewilligung eines längeren Aufenthalts schriftlich zu beantragen. Privathaushaltungen, die Fremde gegen Entgelt beherbergen wollen, haben nunmehr auch die kreisamtliche Genehmigung einzuholen. Im Gesuch ist anzugcben, in wieviel Zimmern und an wieviel Tagen Fremde gegen Entgelt in jedem der Jahre 1013 bis 1917 beherbergt worden sind. FC. Frankfurt a. M., 25. Juni. Der 15jährige Schüler Walter Hummel aus Niederrad wurde aus dem Main bei der Niederräder Schleuse gelandet. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte die Leiche, da die Vermutung naheliegt, daß Hummel in den Main gestoßen wurde. FC. Vom Main. 25. Juni. Unter donnerähnlichem Getöse stürzte in Fechenbach das ScheunendAch des Kellerschen Anwesens ein. Glücklicherweise kam kein Mensch zu Schaden und auch das Vieh kam mit dem Schrecken davon. — Wegen ver. fchiedener Unregelmäßigkeiten im Dienste wurde der Bahn- agent vom Bahnhof Eschau-Mönchberg in Haft genommen. Aus Starkcnburg. FC. Groß-Gerau, 25. Juni. Infolge Ausscheidens des Pfarrers D. Fuchs-Rüffelsheim an der hessischen evangelischen Landeskirche wurde an dessen Stelle als Abgeordneter zur Landessynode Pfarrer Allwohn-Nauheim gewählt. Aus Rheinhcffen. FC. Mainz, 25. Juni. Der Sergeaitt Sühre vom Artille. rie-Negiment Rr. 3 stürzte während der Fahrt' aus der Stra> ßenbahn von der Plattform aus die Sttaße. Die Verletzungei waren so schwer, daß er während des Transportes nach dem Lazarett verstarb. FC. Mainz, 25. Juni. Eine 78jährige Frau, die stch vor einigen Wochen in ihrer Wohming die Pulsadern durchschnitten hatte, war vom Krankenhaus vor einigen Tagen als geheilt entlaffen worden. Zu Hause angekommen, verübte sie einen zweiten Selbstmordversuch, bei dem ärztliche Hilfe zu spät kam. FC. Kostheim, 25. Juni. In der vergangenen Nacht brachen Diebe in das Geschäft von Bogt ein und entwendete«' große Posten Seidenstoffe sowie einen großen Butterweck. FC. Osthofen. 25. Juni. In das hiesige Vereinslazarett vom Noten Kreuz wurde der eintausendste Verwundete einge- Uefert. FC. Worms. 25. Juni. Im Rhein wurde hier die Leiche eines 17—20 Jahre alten Mannes gelandet. Die Verwesung ist soweit vorgeschritten, daß eine nähere Körperbeschreibung nicht gegeben werden kann. Ueber die Persönlichkeit de» Toten ist noch nichts bekannt. ' Echzell. 27. Juni. Vor einigen Tagen konnte Gemeinderat Wilhelm Heller I. mit seiner Eheftau Katharina geb. Roos das Fest der Silbernen Hochzeit feiern. Glück auf! Der Anfang zur Vollendung des goldenen Ehejubiläums ist gemacht. Verantwortlich fiir den politischen und lokalen Teil: Otto H i r s ch e l . Friedberg; fiir den Anzeigenbeil: R. H e y n e r. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeifimg^. A- G., Friedberg i «8^ ' Mm nie durch Liebt Leid geschah. Roman von Court Hs- Mahler. 42 ) Nachdruck verboten ©taf Rudolf lehnte sich in feinen Sesiel zurück. ».Du weißt, daß ich in einer diplomatischen Sendung ehte Anse nach Schweden unternahm. Ich hielt mich einige Wochen in Stockholm auf. Maria von Platen hatte durch Bekannte von meiner Anwesenheit erfahren, und eines Tages schielt tch ein Kärtchen von ihr. Warte — tch will es dir zeigen." Er entnahm seiner Brieftasche einen schmalen Briefumschlag und zog eine Karte daraus hervor. Diese reichte er dem Freund hin. Der sah darauf nieder und las: „Lieber Graf? Ob Sie sich meiner noch erinnern, weiß ich Nicht. Aber ich erinnere mich Ihrer noch sehr gut und weiß, daß Sie der beste, treueste Freund meines Vetters. Heinz von Birkenheim, waren. Ich habe eine große, inniae Bitte an Sie. Würden Sie mir eine halbe Stunde Ihrer kostbaren Zeit wid- nren und mich, sobald es Ihnen möglich ist, besuchen? Verzeihen Sie, wenn ich Sie dränge, recht bald zu kommen, aber ich fürchte, daß meine Tage gezählt find. Ich bin sehr krank. Einer Sterbenden werden Sie den innigen Wunsch nicht versagen. Deshalb hoffe ich bestimmt auf Ihr Kommen. Meines heißen Dankes dürfen Sie sicher fein. Ihre Maria v. Platen geb. Freitn v. Birkenheim." Heinz von Birkenheim schloß einen Moment die Augen, lkcil sie wie Feuer brannten. „Und du gingst zu ihr?" fragte er heiser. Graf Rudolf nickte. »,Ia ich suchte sie auf. Sie bewohnte mit ihrer einzigen Tochter eine sehr kleine, bescheidene Billa vor der Stadt." ..Maria hat eine Tochter?" fragte Herr von Birkenheim hastig. „Ja — ihr einziges Kind. Diese Tochter empfing mich. Mit traurigen Augen sagte sie mir. daß ihre Mutter, die schwer trank sei. mich sehnlichst erwarte. Sie dankte mir herzlich, daß ich gekommen sei, weil das ihrer Mutter eine Wohltat sein würde, und dann führte sie mich zu ihr. Ich habe nie eine so rührende, dem Tod geweihte Erscheinung gesehen, als diese Frau. Roch auf ihrem Sterbelager war sie schön. Ihre Augen glanzte» überirdisch, mrd chr VlÄches, feines Gesicht Dndete chre Erregung. Eie streckte mir die Hand entgegen und umklammerte dann die meine, als muffe sie sich daran halten." Und dann fragte sie mich nach dir — nach der alten Heimat — nach allem, was sie hier zu-rückgslaffen hatte. Ich habe ihr erzählt, was ich wußte, und sie las mir die Worte schon vom Munde. Hauptsächlich, was ich ihr von dir erzählte, erregte sie sehr. Und nie habe ich auf eines Menschen Antlitz einen tieferen Schmerz gesehen, als auf dem ihren, als ich ihr berichtete, was für ein einsames, freudloses und verbittertes Leben du geführt hast. Und als ich ihr alles gesagt hatte, — da legte sie mir eine förniliche Lebensbeichte ab. Auus den Augen verlieren. weil ich mir denken konnte, daß du dich vielleicht für sie interessieren könntest. Immerhin ist sie dir doch nahe verwandt — ebenso nahe wie Baroneß Karla" Wieder entstand eine Pause. Heinz von Birkenheim nahnr Maria von Platens Bild auf und sah darauf nieder. Darm legte er es still wieder hin und sah den Freund an. „Weilt die junge Dame noch in Stockholm?" „Nein, vor einigen Monaten ist sie nach Deutschland ge kommen. Sie ist befreundet mit der Tochter des Barons Herber, der in Stockholm der Gesandtschaft zugeteilt war. Baro, Herder ist vor einigen Monaten nach Deutschland zurückgekom. men mit seiner Familie und hat seinen Wohnsitz jetzt in Ber. lin aufgeschlagen. Die junge Freiin von Platen hat ihvr> Freundin begleitet und fand bis auf weiteres Aufnahme 116 Hause des Barons Herder. Dort habe ich sie wiedergefehen" Heinz von Birkenheim strich sich über die Sttrn. „Ich möchte sie kennen lernen. Glaubst du wohl, daß stz eine Einladung nach Birkenheim annehmen würde?" „Das würde sie sicher tun, wenn sie nur wüßte, daß sie dk* angenehm wäre." Herr von Birkenheim erheb sich. „Ich muß das dann gleich mit meiner Kusine Helene be^ sprechen, Rudolf. Vielleicht ist es bester, die Einladung geh«, von dieser aus." In Graf Rudolfs Augen blitzte es seltsam auf. > „Willst du mir einen Gefallen tun, Heinz?" „Unbedenklich jeden, Rudolf." „Dann sprich, bitte, vorläufig noch nicht mtt der Baronltß Haßüach über das, was ich dir eben erzählt habe." Erstaunt sah Herr von Birkenheim den Freund an. „Warum soll ich das nicht tun. Rudolf?" Schließlich ist doch die junge Freiin von Platen ebenso nahe mit der Baronin- und ihrer Tochter verwandt, als mit mir." „Dgs wohl, aber trotzdem bleibe ich bei meiner Bitte. Nenne es eine Laune von mir — ater sprich mit der Baronin und ihrer Tochter nicht von Maria und ihrer Tochter. Nur noch einige Zeit verschweige es ihnen. Ich habe meine triftigen Gründe dafür." Heinz von Birkenheim schüttelte verwundert den Kops. „Ich verstehe dich nicht, lieber Freund." Graf Rudolf legte ihm die Hand auf den Arm. Fortsetzung folgt. Die glückliche Geburt eines gesunden Mädchens zeigen hocherfreut an Apotheker Brill und Frau geb. Henney. Reichelsheim J. W., den 26 . Juni 1913. Bekanntmachung der Mmim LtlskriHiktnkasst sür Dm Kreis Wedberg. rt)lf y . laut Bekanntmachung des Großh. Kreisamts. Verfich.-Amt Friedberg vom 10 6.1918. M.^unr besonders Hinweisen. ber Wert der Sachbezüge vom 1. Juli 1918 ab eine Erhöhung er- überzuführen^em