Ultmmer 146 Dienstag, den 25. Juni 1918 11. Jahrgang. Die .,Ueue Tagesreitung" erscheint jeden Werltaz. Regelmäßige Beilagen „Der Hauer aus Hessen", „die Spirmstube". Ke?ngspreis: Bei den Postanitaiten vlerkelsährlich ?)tk. 2.4S hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei oen Aaenten monatlich 85 Pjg. einschließlich Trägerlolin. Anzeigen: Grundzeile 2d Pfg., lokale 20 Psg^ Anzeigen von auswärts werden durch llo Machnahme erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Schvittteitnns uttvi Jertag I-riedberg (Hessen), yanaueritraße 12. Ferniprecher 48. Postj heck-Tonto Nr. 4859. Umt Frankfurt a. M. i« GrrtUche Erfolge bei KadsnmRers. — Räumung des Montello und einiger anderer Piaoe-Stellungru dnrch die Oefterreicher. — 16 500 Tonnen verjenkt. ! Der deutsche Generalstab L= meldet: = W. T. K. Große» Hattpt^nartrer, d-e;r S4. Juni. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. An der Ancre und Avre blieb die Gefechtstätigke'.t tagsüber gesteigert. Am Abend lebte sie auch in anderen Abschnitten der Kampffront auf. Während der Nacht rege Erkundungstäügkeit. Oestlich von Badonvillers drangen Sfurnrtrupps in amerikanischrsranzösische Gräben ein, fügten dem Feinde schwere Verluste zu und brachten 40 Gefangene zurück. * Leutnant Udet errang seinen 31. und 32., Oberleutnant G ö h r i n g seinen 20. und 21. Luftsieg. Der Erste Generalquartiermcister: Ludendorff. Adendbericht. Berlin, 24. Juni, abends. (WB. Amtlich.) Bon den Kampf- fronten nichts Neues. Der österreichische Generaistab «== 2 ^==== meldet: Wien, 24. Juni. (WB.) Amtlich wird verlautbartt Die durch Hochwasser und Witterungsunbill entstandene Lage veranlagte uns, den Montello und einige B-Hnitte an-, derer, auf dem rechten Piaveufer erkämpften Stellungen zu räumen. Der hierzu schon vor vier Tagen erteilte Befehl wurde trotz der mit dem Wechsel verbundenen Schwierigkeiten so durchgeführt, daß dem Gegner unsere Bewegungen völlig verborgen geblieben sind. Mehrere der bereits geräumten Linien waren gestern das Ziel starker italienischer Geschützwirkung, die sich stellenweise bis zum Trommelfeuer steigerte. Auch feindliche Infanterie ging gegen die von uns verlasienen Gräben zum An. griff vor. Sie wurde durch unsere Fernbatterien zurückgetrieben. Der Chef des Generalstabes. * ß Feindliche Meldmrge». Haag, 24. Juni. Der Berichterstatter des „Daily Telegr." ln Mailand schildert die gegenwärtigen Verhältnisse an der Piave. Infolge der endlosen Regengüsse sei das ganze Piave- gelände derartig überschwemmt, daß das ganze Gebiet, soweit das Auge reicht, einem einzigen Sumpf gleiche, in dem hie und da ein wenig Steingeröll aus dem Wasier emporrage. Nom, 24. Juni. (WB.) Das Oberkommando teilt mit: Vom Montello bis zum Meer-ist der Feind geschlagen und gebt, von unseren tapferen Truppen verfolgt, in Unordnung über die Viave zurück. [j Mer bnlqarischr Generalstal» jj 1= meldet: =^=ü 0o[ia, 23. Juni. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabs- bericht. Mazedonische Front: An mehreren Stellen der Front, besonders zwischen dem Ochrida- und dem Prespasee, sowie in der Moglenagegend, nahe der Strumamündung, war die Feuertätigkeit auf beiden Seiten zeitweise lebhafter. In der Moglenagegend östlich des Wardar zerstreuten unsere Vorposten durch Feuer feindliche Sturmabteilungen. 16 500 Tonnen veNenkt. Berlin, 23. Juni. (WTV. Amtlich.) Neue U-Boot- erfolge im Sperrgebiet um En^' ' 16,500 Bruttoregisteki^.__ Zwei Dampfer wurden an der Ostküste Englands aus ei- tzrem stark gesicherten E-leitzug herausgeschossen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Berlin, 23. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Die mittelbaren Wirkungen des U-Bootkrieges auf die feindliche Volkswirtschaft gehen wieder einmal ans dem Jahresbericht hervor, den die „Tunesische Phosphatgesellschaft" für 1917 veröffentlicht hat. Deninach betrug die Phosphatförderung im letzten Jahre nur 217,000 Tonnen gegen 383,000 Tonnen im Vorjahre. Dieser Rückgang ist lediglich eine Folge von Kohlenmangel infolge des U-Bootkrieges gewesen. Eine Tonne Kohlen kostet heute in Tunesien 296 gegen 36 Frcs. im Frieden. Dynamit ist um das > Zweieinhalbfache, Grubenholz mehr als das Doppelte, Carbune um das Neunfache, Eisen um das Siebenfache im Preise gestiegen. Die großen Transportschwierigkeiten erlaubten im letzten Jahre nur eine Verschiffung von 100,000 Tonnen gegen 230,000 Tormen im Jah're 1916/ Der Gebrauch des Phosphats ist für die französische Landwirtschaft eine Lebensfrage. Ter Preis dieses Düngemittels sei aber um mehr als das Doppelte gestiegen-- und würde noch weiter steigen. » Bern, 24. Juni. Wie der „Temps" aus Washington meldet, hat ein deutsches Tauchboot den norwegischen Dreimaster „Samoa" (1138 Bruttotonnen) imd den norwegischen Segler „Kringsjcm" (1730 Tonnen) versenkt. Bern. 24. Juni. Nach einer Meldung französischer Blätter ist im April der japanische Dampfer „Taite Maru" durch ein deutsches Tauchboot im Mtttelmeer versentt worden. Der Dampfer, der von der italienischen Regierung gepachtet war. vnd den Dienst nach Amerika besorgt«, halte eine Wasserverdrängung von 3800 Tennen. De bicheristen §r cknisse des v-^Mieaeg: Januar-Februar 238000 Br.-Reg.-To. März-April . 423000 tt yy If Mai-Juni . . 219600 yy yy yy Juli . . . 103000 yy yy August . . . 209347 ff yy n September 264000 yy yy Oktober . . 393500 yy November . . 408500 yy yy yy Dezember . . 415600 yy yy yy Januar . . 439500 yy yy yy Februar . . 781500 yy yy März . . . 885000 yy yy yy Avril . . . 1091000 yy Mai ... 869000 Juni . . . 1016000 „ ,, Juli . . . 811000 yy yy ,, Nuaust . . . . 808800 yy yy „ September . 672000 yy yy Oktober . . 674000 yy yy November 607000 yy Dezember . . . 702000 yy yy yy Januar . . 632000 yy yy yy Februar . . » 680000 ” März . . . 689000 yy Avril . . . 652000 yy „ yy Mai. . . . . 614000 yy ii yy Deutschland und Bulgarien. Ein Telegrammwechsel zwischen Kaiser und Zar. Berlin, 23 .Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Anläßlich des Wechsels des bulgarischen Ministerpräsidiums hat zwischen Seiner Majestät dem Kaiser und Seiner Majestät dem Zaren ein Telegrammwechsel stattgefunden. Zar Ferdinand hat dern Kaiser mitgeteilt, daß er Dr. Rados- lawow, der einer der stärksten Träger des Bündnisgedankens gewesen sei, nur schweren Herzens aus innerpolitischen Gründen von seinem Posten scheiden sehe. Er brauche aber wohl nicht zu versichern, daß durch die Ernennung Malinows zum Nachfolger Radoslawows die Außenplitik Bulgariens keine Aenderung erfahre, daß diese sich auch fernerhin in den Bahnen weiterbewegen werde, die Bulgarien auf die jetzige Höhe geführt und mit der es mit Gottes Hilfe und kraft seines segensreichen Bündnisses' sei,re gerechten Ziele zu erreichen hoffe. — In seinem Antworttelegranrm hat Seine Majestät der Kaiser die großen Verdienste Radoslawows um Bulgariens Neugestaltung und um das deutsch-bulgarische Bündnis hervor gehoben und seiner Freude dariiber Ausdruck verliehen, daß er den Worten des Zaren entnehmen könne, daß durch die Ernennung Malinows, dessen er sich von Sofia sehr gut erinnere, die bisherige Außenpolitik Bulgariens keine Aenderung erfahren werde. Das bestätige ihm in' trefflicher Weise, was -$ür ihn von vornherein außer Frage gestanden habe, daß die Freundschaft und das politisch Wollen des Zaren die sicherste Garantie gäben, daß unabhängig vom Wechsel einzelner Persönlichkeiten Bulgarien auf dem niit dem Abschluß des Bündnisses beschrittenen Wege weiter gehen werde, der es schon zu so schönen Erfolgen geführt habe. Auf ein Ergebenheitstelegramm des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Radoslawow hat der Kaisep mit einem in herzlichem Tone gehaltenen Telegramm erwidert. Das Kabinett WMnorv. Sofia. 24. Juni. (MB.) Die endgültige Zusammensetzung des Kabinetts Malinow weist folgende Ministerlrste auf: Ministerpräsident und Außenminister Alexander Malinow, Minister des Innern Tckew, Finanzminister Lepatfchew, Justiz- minister Fadenhecht, Unterrichtsminister Kosturkow, Kriegsminister Generalleutnant Savow, Haudelsminister Profeffor Da- naliew, Ackerbau Nadjarow, Bautenminister Mufchanow, Eisen, bahnminister Mollow. Was gehl in Rufst and vor? Stockholm, 22. Juni. (Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Die offiziöse „Jswestija" wende» sich in einem Artikel gegen die Bestrebungen Rußland ohne Rücksicht auf seinen Mangel an Vorbereitung und auf di- Abneigung seiner Bevölkerung in einen neuen Krieg zu treiben. Sie schreibt: „Die zu diesem Abenteuer Hetzen, mögen sich bewußt sein, daß sie bei der Venvirklichung ihrer Pläne auf den verzweifelten Widerstand des revolutionären Rußland stoßen werden. Ein schlechter Trost für sie sind die Phantasien verräterischer Sozialisten, die sich einbilden, die Macht der Sowjets in die Luft sprengen zu können, indem sie die angebliche Enttäuschung der Massen über die Sowjetregierung in die Welt Hinausposaunen. Die Re> gierng bleibt unerschütterlich in ihrem Vertrauen. Es werden sich'nicht nur Millionen von Arbeitern und Bauern in revolutionäre Legionen verwandeln, um im äußersten Notfall die Sowjetnmcht zu verteidigen, sondern auch überall werden die Massen nicht dulden, daß Rußland in einen neuen Krieg mit Deutschland gehetzt wird. Tie Alliierten wissen wohl, daß sie selbst, wenn sie sich die Mitarbeit gewisser treuloser Elemente bei ihrem gegen die Sowjet 'gerichteten Abenteuer zu sichern wüßten, dies nur den Sturm des Bürgerkrieges in ganz Rußland zur Folge -hätte. Vielleicht ist es zu spät, sie auf die Gefahren des betretenen Weges hinzuweisen; trotzdem wollen wir am Vorabend ent- sck)eidender Ereignisse, die der gesamten Geschichte eine neue Richtung geben sollen, und in Voraussicht gewaltiger Katastrophen des vollkommenen Scheiterns der Anschläge des antigermanischen Bundes, voll tiefer Besorgnis für beide Parteien unseren alten Rat wiederholen. Die einzige gerechte und für beide Teile vorteilhafte Politik ist die, welche die Alliierten dazu führen wird, die Sowjetregierung an zuerkennen, dem revolutionären Rußland zu helfen-und eS bei der Wiederherstellung feines wirtschaftlichen Apparates zu unterstützen. Jede andere Politik wäre nicht nur ein Verbrechen, sondern ein Fehler. Die unglücklichen Völker zahlen oft einen zu hohen Preis für die Fehler ihrer Regierungen." Wrnsnlldliche SrmiMgkn in Polen. Der in Berlin erscheinenden „Jüdisck)en Rundschau" ent- nehmen wir die Nachricht, daß eine Pogrombewegung in Polen sichtbar wird. Stach dem genannten Blatte waren in Warschau und Lodz vor wenigen Tagen überall Aufrufe angeschlagen, die in unmißverständlicher Weise gegen die Juden anfreizten. Einer dieser Ausrufe lautete: „Polen. Achtung! Dem polnischen Volk droht große Gefahr! Die Macht im Lande übt eine fremde Gewalt aus! Eine fremd« Macht zerstört unseren Boden, unsere Kräfte, unsere Arbeitsstätten. .Die polnische Negierung ,durch die Deutschen eingesetzt, hat keine Macht, führt eine Scheinexistenz. Jüdische Banden plündern Polen! Durch ihre Hände nimmt die Okkupations- 'macht alles, was sie will. In dem Bestreben, die Spuren dieser vernichtenden Arbeit zu verwischen, säen die Juden Unfrieden zwischen uns, rufen in unseren Reihen Streitigkeiten hervor, organisieren den Bürgerkrieg. Unser Elend macht sie reich, unsere Machtlosigkeit stärkt sie, unser Unfriede gibt ihnen Kraft. Mit den jüdischen Intrigen muß einmal aufgeräumt werden! Mit jüdischem Gelde organisierte Schlägereien werden auf tapfere Kämpfer stoßen, welche nicht Geld, sondern das Bewußtsein in den Kamps führt. Für die imverschämte, vernichtende Polittk werden die Juden die Strafe erhalten, die ihnen die Befteiungsarmee erteilen wird. Achtung, Polen! Gott ist unser Zeuge, daß wir nicht Blut vergießen wollen, aber vergegenwärtigen wir uns, was für Niederlagen unser Vaterland erwartet, falls wir nicht dieser jüdischen Frechheit ein Ende machen. Die Befreiungsarmee." In einem anderen Aufruf heißt es: „Das polnische Volk muß erfahren, welche Ziele die Arbeit dieser jüdischen -Scheusale erstrebt und wer ihnen das Geld dazu gibt. Man muß diese Bande vertilgen! Diesen Juden muß man eine Lehre geben. Sie sollen wissen, daß die Strafe sie ereilen ' wird; das polnische Volk denkt anders als der durch die j Luden getäuschte Warschauer Stadtrat." ! Wie die „Jüdische Rundschau" angibt, hingen diese Aufrufe drei Tage lang in allen Straßen von Warschau und Lodz, ohne daß jemand sie entfernte, wenn es nicht Juden taten. Als ein jüdischer Ratsmann einen polnischen Mili- zürnten aufforderte, die Plakate abzureißen, habe er von diesem die Antwort erhalten, daß keine DerfügMg ergangen sei, die dies vorschreibe. Auch wurde kein Fall bekannt, daß einer der Verbreiter dieser Flugblätter abgefaßt oder festgenommen wurde. Diese Taffache sei um so auffallender, als die Polizei sonst die Entfernung ihr unerwünschter Flug- blät'-r und Maueranschläge gewissenhaft durchführe und gewöhnlich der Verbreiter habhaft zu werden verstehe. Eine zeitgemäße Erinnerung. Die Stockholmer Zeitung „Vidi" vom 29. Mai bringt in Erinnerung: „Ds ■ .c Jahr hinaus dauern kann. (Bewegung.) Das Auge, das nach den politischen Motiven ausspähh welche sich eventuell zu Friedensmöglichkeiten eignen könnten, und nach dieser Richtung hin muß ich sagen, daß trotz der glänzenden Erfolge unserer Waffen aüf Seiten unserer Gegner ein Friedenswille, an der maßgebenden Stelle eine Friedensbereitschaft noch nirgends klar hervorgetreten sind. Nichts haben unsere Gegner aufzuweisen, was sich einigermaßen mit dem deutschen Friedensangebot, mit der Resolution dieser Hausee oder mit der Bewertung der Papstnote in eine Reih« stellen könnte. (Sehr richtig im Zentrum und links.) Und die Äußerungen unserer Gegner lassen noch keinen Lichtstrahl in das Dunkel dieses kriegerischen Dramas fallen. Der Gedanke einer Weltherrschaft in Europa ist eine Utopie. Die Nation, welche dieselbe verwirklichen wollte, würde in einem endlosen Kampfe verluten und in ihrer Entwicklung auf das Schwerste geschädigt und zurückgeschraubt werden. (Sehr richttg im Zentrum und links.)' Dieser Krieg zeichnet sich deutlicher und deutlicher als das Werk Rußlands, der gewissenlosen Polittk Rußlands, der Angst der russischen leitenden Kreise vor der Revolution. Deutschland hat nicht einen Augenblick daran gedacht, einen' Krieg zu entfesseln, und hat vor allen Dingen nie einen, Augenblick daran gedacht, dieser Krieg könne auch nur zn einer Herrschaft über Europa, geschweige denn zu einer Weltherrschaft führen. Im Gegenteil. Ich halte es aber für notwendiger und nützlicher nicht nur zu sagen, daß die Balfoursche Behauptung ein Hirngespinst, eine Verleumdung ist, sondern ich halte es für nötig, ganz einfach und leicht verständlich für alle zu sagen, was wir wollen: Wir wollen auf der Welt für das deutsche Volk — und das gilt auch für imfere Verbündeten — innerhalb der Grenze, die uns die Geschichte gezogen hat, sicher, frei, stark und unabhängig leben, wir wollen über See den Besitz haben, welcher unserer Größe, unserem Reichtum und unserer bewiesenen kolonialen Fähigkeiten entspricht. Wir wollen die Möglichkeit und die Freiheit haben, auf freier See unseren Handel und Verkehr in alle Weltteile zu tragen. (Bravo im Zentrum und links.) . Wir betrachten Belgien als eine der Fragen im Gesamtkomplex der Fragen, wir müssen es aber ablehnen, in der belgischen Frage Erklärungen abzugeben, welche uns binden würden, ohne die Gegner auch nur im geringsten festzulegen. (Sehr richttg!) Abg. Gröber (Zentr.)': Wir erblicken in Finnland und der Ukraine ein herrliches Absatzgebiet für di-» Zukunft und auch ein gutes Siedelungsland. Auf die glückliche Lösung der polnischen Frage muß in unserem eigensten Interesse das größte Gewicht gelegt werden. Wir vertrauen auf die Enffcheidung des scharfen Schwertes auch im Westen. (Lebhafter Beifall.) Dr. David (Soz.): Formell hat der deuffch-rumänische Friedensvertrag den Frieden im Osten vollendet, trotzdem schlagen noch Flammen dort hervor und effordern noch deutsches Blut. Der Friede mit der Ukraine sollte ein Broffrie- den werden, aber weder Brot noch Friede sind uns 90 * worden. Elsaß-Lothringen ist ein altes deuffches Land. Sein Landtag, der allgemeinem und gleichem Wahlrecht entsprungen ist, zeigt nur eine ganz kleine, französisch denkende Minderheit. Das deutsche Volk will seinen Aufftieg. zur polittschen und sozialen Höhe nehmen. Beifall bei den Soz.) Abg. Graf Westarp (konsH: Unsere Polittk im Osten steht jetzt vor einer Fülle von neuen Schwierigkeiten, vor' Aufgaben, deren Lösung für die Geschichte, für Jahrhunderte von Bedeutung sein wird. Amerika und England bemühen sich zielbewutzt in Rußland und Rumänien, unT Schwierigkeiten zu bereiten. Wir haben im Osten auch deshalb keine sicheren Zustände, weil die russische Revolution vollkommen veffagt hat. Sie hat nur erreicht, daß alle Ordnung dahin ist. Der Staatssekretär nannte dies einem Gärungsprozeß. Es darf nicht wieder Vorkommen, daß- Ostpreußen der Gefahr anheimsällt, ein russisches Einfall tor zu sein. Wir muffen seine Grenzen sichern, ebenso die Posens und Schlesiens. Jetzt ist unsere Polittk lediglich, den Krieg auch im Westen zu gewinnen. Niemand in Deutschland will die Weltherrschaft. Mit einfachen Verträgen lassen sich das Seebeuterecht, das Blockaderecht und' das Konterbanderecht nicht beseitigen. Wir müssen von dev Regierung ein festes Programm fordern, das sie auch überzeugt und überzeugend vertritt. An diesem Programm muß sie bei den Verhandlungen festhalten und in dieser Hinsicht bestehen bei uns die schwefften Sorgen. (Sehr richtig.) Der Streit über die Schuld am Kriege war schon erledigt: jetzt wird die Streitaxt neu ausgegraben. England rnöchte die Weltherrschaft an sich reißen und möchte uns vernichten. England, nicht Rußland, war der Ansttfter des- Krieges. Es handelt sich auch nicht um einen Kampf der Weltanschauungen, sondern um einen Kanrpf um den Götzendienst des Geldes. (Lachen links. Sehr richtig! rechts.)' Wir müssen uns sichern und dazu brauchen wir die belgische und die flandrische Küste. Nicht wie der Staatssekretär, sind wir der Meinung, daß es außer der Integrität unseres Landes nichts gibt, über das nicht verhandelt werden könnte unsere Blutopfer sind um anderen Lohn geflossen. (Lebhaftes Sehr richttg! rechts.) Die Worte des Staatssekretärs können als ein neues Friedensangebot aufgefaßt werden. Ein Appell an den guten Willen Englands nützt nichts. Zeigen die Feinde nicht den Willen zu Verhandlungen, so. müssen sie dazu gezwungen werden durch unseren Sieg, der von uns erfochten werben wird. (Lebhafter Beifall rechts.)'. Darauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf. Dienstag, 2 Uhr, vorher Anfragen. Schluß 7^ Uhr. Das neue Reichstagspräftdium hat es sehr eilig gehabt, sich abkonteffeien zu lassen und in der „Woche" und anderen illustr. Zeitschriften prangt das Gruppenbild der vier Männer „mittenmang" natürlich der Scheidemann. Man kann nicht gerade behaupten, daß das Bildnis eü nen erhebenden Eindruck macht. Als wir es das erste Mal ge-» sehen haben, dachten wir. es stelle vielleicht die Obermeister einer löbl. Kappenmachorzunft oder den Vorstand des Gesangs Vereins „Schusterleist" dar. ■ ** c •• __ .. ** Zttr Gierabgabe ©eitbct sich auch der konservative Abg. Weilnböck im Er- nährungsausschuß gegen die ungleiche Durchführmrg der Ablieferungspflicht und Preisgestaltung für dieselben. Der eine Kommunalverband fordert von jedem Huhn 50 Eier, der andere 30 Eier, dort sind soviel Hühner als zur Familie gerech- nete Köpfe freigelasien. da miteingerechnet, wieder wo anders sind die über die Abgabepflicht hinaus gewonnenen Eier dem freien Verkehr überlasien. Ebenso ist eine oft ganz unbegründete Verschiedenheit in der Preisgestaltung vorhanden. Dinge, die nur dem Schleichhandel in die Hand arbeiten. Außerordentlich mißbilligend muß aber die Möglichkeit empfunden werden daß für Rückständlgkeit bei der Eierablieferung,. dis sehr oft eine unverschuldete sein kann, zum Entzug von zum Lebensunterhalt notwendigen Eebrauchsgegenständen — wie Zucker, Petroleum — geschritten wird. Die Ungerechtigkeit vertieft sich dort, wo wegen Ablicferungssäumigkeit einzelner ganze Ortschaften so gestraft werden. Solche Druckmittel sind aufs tiefste zu bedauern, schon deswegen, weil man auf der einen Seite das Letzte herauszupreffen versucht, gleick^iiig ater die Eesamterzeugungsfähigkeit der davon betroffenen Betriebe zweifelsohne schädigt, was wieder sich zum Schaden der Allgemeinheit auswächst. Mit kmerlki Sfliträennisne WMxt ist, wie es scheint, der Geh. Rat v. E y m e r n - Berlin, als Vertreter des Kriegsernährurrgsarntes in die Reirbskonferenz der Hotel- und Eafthcssbesitzer nach Frankfurt a. M. gegangen. Er verteidigte, was wir ihm nicht übel nehmen, den Kriegs- sozielismus und behauptete, der freie Handel habe versagt. Zum Beweis führte er die Kartoffelversorgung an. „Wir hätten," so sagte er nach dem Bericht der „Franks. Ztg.". „im Jahre 1916 ein glanzendes Kartoffel, fahr und trotzdem eine Kartoffelnot bei freiem Handel." Wenn ein Scheidemann oder sonst eine sozialdemokratische Rummcr etwas derartiges gesagt hatte, so würden wir uns weiter nicht wundern, aber es hört doch nachgerade alles auf, daß ein Vertreter des Kriegswirtschaftsamtes eine derartige unrichtige Behauptung aufstellen kann. Wir hatten bekanntlich i. I. 1916 eine Mißernte in Kar. löffeln, wie sie seit 15 Jahren nicht schlechter gewesen ist. Es ist schade, daß dem Herrn Geheimrat nicht .gleich an Ort und Stelle gedient worden ist. Auch sonst Loten die dortigen Verhandlungen manches bemerkenswerte. So zog der demokratische Stadtverordnete E o l l - Frankfurt gegen die drakonischen Strafbestimmungen los und wünschte freiere Bewegung, was ihn aber nicht hindert, einer Partei anzugehören, die gerade alle Zwangsmaßnahmen gutheißt. Der Eroßkauf- mann Sommer-Frankfurt führte aus: „Die meisten Vorschläge, die zur Verbesserung unserer Ernährungsverhältnisie bisher gemacht worden find, beziehen sich auf den Ausbau der bestehenden Organisation zur Erfassung und Verteilung der Erzeugnisse. Auf diesem Gebiete noch weiter zu gehen, als es bisher schon geschehen ist, ist nicht möglich. Dazu fehlt uns der erforderliche Apparat und insbesondere die notigen Arbeitskräfte. Die Bestrebungen, statt besten wieder den freien Han- .del in seine Funktionen einzusetzen und durch ihn eine ausreichende Versorgung unserer Bevölkerung zu sichern, haben neuerdings in dem Antrag des Abgeordneten R ö f i ck e ihren Niederschlag gefunden. Es ist zu bedauern, daß den in diesem Antrag gestellten Forderungen nicht stattgegeben wurde. Der freie Markt wäre durch die Wirkungen von Nachfrage und Angebot weit bester in der Lage, die Erzengniste restlos dem Ver. brauch zuzusühren und es ist g^r nicht denkbar, daß im freien Verkehr die Preise die Höhe erklommen hätten, die heute im Schleichhandel gefordert und bezahlt werden." Es wäre wirklich zu begrüßen, wenn einmal vreke Städte, die bisher im Bann linksliberaler Anschauungen gestanden haben, sich von manchen Vorurteilen freimachen wurden. Gerade so. wie die Demokratie und ihr Anhang den Antrag Roesicke rnederge- sttmmt haben, so tun sie dies auch bei allen anderen Gesetzen, die dem Mittelstand von Nutzen sind. Das sollten sich doch viele Leute in den Städten merken und manches andere auch noch, sie würden dann sicher zu dem Schluß kommen, daß ihren Interesten auf rechter Seite entschieden bester gedient wäre. Dttürömm iiCirr Dir Preist für Getreide, PnHwchk» und -?r!e. Vom 15. Zu ui 1918. Der Vundesrat hot auf Crund des § 3 des Gesetzes über die Ermächtigung des Vundesrats zu wirtschaftlichen Maßnah. men nsw. vom 4. August 1914 (Reichsgesetzbl. S. 327) folgende Verordnung erlasten: 8 1. Für Getreide, Buchweizen und Hirse aus der Ernte 1918 werden die nachstehenden Höchstpreise festgesetzt: 1. Der Preis für die Tonne Roggen darf nicht übersteigen in Aachen . . Berlin . . . 315 Mk. . 305 Braunschweig . 310 Bremen . . . 810 Breslau . . Vromberg . Lasset. . . . . . 310 Coln . . . Danzig . . Dortmund . . 315 Dresden . . . 305 Duisburg. . . 315 Emden . . Erfurt . . 310 Frankfurt a. M. . vieiwitz .... . 315 l Hamburg . . . 310 Mk. Hannover . . . 310 Kiel. 310 Königsberg i. Pr. 300 Lerpzig .... 365 Magdeburg. . . 305 Mannheim . . . 315 Manchen . . . 315 Posen .... 300 Rostock .... 305 Saarbrücken. . . 315 Schwerin i. M. . 305 Stettin .... 395 Strastburg i. Elf. 315 Stuttgart . . . 315 Zwickau .... 310 2. Der Höchstpreis für die Tonne Weizen, Spelz (Dinkel, tzefen). Emer. Einkorn, ist zwanzig Mark höher als der nach Nr. 1 geltende Höchstpreis für Roggen. 3. Der Preis für die Tonne der nachbezeichneten Früchte darf nicht übersteigen bei: Hafer und Gerste.. • ^ Mais (Welschkorn. türkischer Weizen. Kurkumz) 4>0 „ ungeschältem Buchweizen . ..*300 „ geschältem Buchweizen ......... £00 » wilder Buchweizen (Vockheidekorn, Eifeler Buchweizen). » ungeschälter Hirse . . . .." geschälter Hir e und Bruchhirse... § 2. In den im 8 1 nicht genannten Orten (Nebenorten) ist der Höchstpreis gleich dem des nächstgeleg-enen, im 8 1 genannten Ortes (Hauptort). Die obersten Landesbehörden oder die von ihnen bestimmten höheren Verwaltungsbehörden können einen niedrigeren Höchstpreis festsetzem Ist für die Preisbildung eines Nebenortes ein anderer als der nächstgel egene Hauptort bestimmend, so können diese Behörden den Höchstpreis bis zu dem für diesen Hauptort festgesetzten Höchstpreis hinaufsetzen. Liegt dieser Hauptort in einem anderen Bundesstaate, so ist die Zustimmung des Reichskanzlers erforderlich. tz 3. Die in dieser Verordnung, sowie auf Grund dieser Verordnung bestimmten Preise sind Höchstpreise im Sinne des Gesetzes, betreffend Höchstpreise. Die Höchstpreise gelten für den Verkauf durch den Erzeuger: sie schließen die .Kosten der Beförderung bis zur Verladestelle des Ortes, von dem die Ware mit der Bahn oder zu Wasser versandt wird, sowie die Kosten des Einladens daselbst ein. 8 4. Der Staatssekretär des Kriegsernährungsamts erläßt die näheren Bestimmungen über die Preise: er bestimmt, welche Nebenleistungen in den Preisen einbegriffen sind, und welche Vergütungen für Nebenleistungen im Höchstfall gewährt werden dürfen. Der Staatssekretär des Krieqsernährungsamts kann Ausnahmen Massen. Er kann die Preise, soweit dies zur Sicherung rechtzeitiger Ablieferung erforderlich erscheint, für bestimmte Zeilen erhöhen oder herabsetzen: er kann besondere Be. stimmungen über die Preise für den Verkauf zu Saatzwecken treffen. 8 5. Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. Berlin, den 15. Juni 1918. Der Reichskanzler. I. V.: von Waldow. Verordnung über Frühdruschprämien. Vom 15. Juni 1918. Auf Grund des § 4 Abs. 2 der Verordnung über die Preise für Getreide, Buchweizen uird Hirse vom 15. Juni 1918 (Reichs- Gesetzbl. S. 657) wird bestimmt: 8 1. Die im 8 1 der Verordnung über die Preise für Getreide. Buchweizen und Hirse vom 15. Juni 1918 für Getreide festgesetzten Höchstpreise erhöhen sich, wenn die Ablieferung erfolgt: f. d. To- vor dem 16. Juli 1918 um eine Druschprämie von . 120 Mk. vor dem 1. August 1918 um eine Druschprämie von . 100 „ vor dem 16. August 1918 um eine Drufchpränne von . 80 n vor dem 1 September 1918 um eine Druschprämie von 60 „ vor dem 16. September 1918 um eine Druschpramie von 40 „ vor dem 1. Oitober 1918 um eine Druschprämie von . 20 „ Die Vorschrift im Abs. 1 findet keine Anwendung auf Hafer und Mais. Die Festsetzung von Druschprämien für Hafer erfolgt durch besondere Verordnung. 8 2. Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. Berlin, den 15. Juni 1918. Der Staatssekretär dcs Kriegssrnährungsamts von Waldow. §r. ‘ fta md SflpßnolmiHf. In rer sozialdemokratischen „Magdeburger Volksstimme" — die „Frankfurter Volksstimme" druckt es nach — erzählt ein alter Genoffe, wie er in seiner Jugend im Harz Bucheckern gesammelt habe und öfters so viel der Früchte gesammelt habe, daß sie zu Hause zwei Jahre lang Buchöl zu essen gehabt hätten, „Kartosfelbuffer mit Vuchöl, Prilleken, Eierkuchen, Weihnachtskuchen. alles mit Buchöl — da konnten selbst die großen Bauern nicht mitkommen." Der alte Genoffe fragt nun, was das arbeitende Volk diesen Herbst zu tun habe? Nun in den Wald gehen und Bucheckern sammeln, dann käme es rein aus allen Knopflöchern und freudestrahlend singt er: „Solch ein Gewimmel möcht ich sehen. Mit ftciem Volk bei „Mutierbuchen" stehen." „Oel tut uns not. Oel mutz man haben, Wie Luft und Wasser tut es not. Wir sind des alten Herrgotts Raben, -Weil wir ja keine Butter haben." Nur gemach? mein lieber alter Genosse I Sie scheinen die Kriegsgesctze schlecht zu kennen, Ihnen würden die Kriegsgesellschaften, die Landesfettstellen usw. gehörig auf's Dach steigen. Wenn Sie Bucheckern sammeln, so gehört die Ernte nicht Ihnen, sondern sie ist „beschlagnahmt", wie so ziemlich alles, was zwischen der Erde und dem Himmel wächst. Das Oel verschwindet in irgend einer Kriegsgosellschaft und ihre Genossen, die sie zum Bncheckernsammeln ausfordern, haben das Nachsehen, oder kriegen höchstens ein „Bachimen." Und wenn sie weiter nochdenken wollen, so muffen Sie sich an die Brust schlagen und sich sagen, daß die sozialdemokratisihe Wirtschaft daran schuld ist, die nach dem in Frankfurt auf einer Volksversammlung geprägten Grundsatz handelt: wenn wir hungern sollen, dann muffen wir alle gleichmäßig hungern!, die nicht den all er niedrigsten Vorteil denen einräumen will, die im Schweiße ihres Angesichts selbst helfen zu produzieren und Nahrungsmittel zu erzeugen. Und wenn Sie, alter Genoffe, boshafter Weise in Ihrer Plauderei bemerken, die meisten Bucheckern, die vor der Reife auf den Boden fielen, hätten Wurmfraß, das könne man ohne Ausnahme der konservativen Partei überlaffen, so zeigt sich, daß auch Sie an dem Eehirnfraß leiden, der bei den meisten unentwegten Eenoffen zu finden ist. Denn gerade die Vertreter des konservativen Gedankens wollen denen, die selbst dazu beitragen, Nahrungsmittel herbeizuschaffen, auch einen bescheidenen Anteil davon gewähren, während Ihre Partei nur alles gleich machen will und keine andere Sorge kennt, als die gleiche Verteilung. Gerade die Sozialdemokratie und ihre bureaukrotifchen Nachläufer in den Kriegsstellen sind es, die den Ducheckernsammlern die vom Wurm zerfressenen Frücht» überlaffen würden. Pferdeverstcigerung. Freitag, den 28. Juni, vormittags 10y 2 Uhr, werden auf dem Jagdschlösse Kranichstein bei Darmstadt durch die Landwirtschaftskammer 20 Stück holländische Fohlen versteigert. An der Versteigerung können nur hessische Landwirte teilnehmen, die von ihrer Bürgermeisterei eine Bescheinigung haben, daß sie Landwirt sind und dringend der Pferde bedürfen. Die Versteigerung erfolgt gegen Barzahlung und mit Rückvergütung. Die näheren Verkaufsbedingungen werden vor Beginn der Versteigerung bekanntgegeben. Sollte jemand verhindert sein, zur Versteigerung zu^ kommen, und möchte sich durch einen Bekannten ein Pferd ersteigern lassen, so muß er diesem eine amtlich beglaubigte Vollmacht ausstellen, des Inhalts, daß dieser den Auftrag hat,, für ihn ein Pferd zu steigern und daß er die Bedingungen, die diefer anerkennt, ebenfalls anerkennen will. Tarmstadt, den 24. Juni 1918. Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum Hesse«. Ans der Heimat. Aus Starkenburg. Darmstadt, 23. Juni. Von einer hiesigen Korrespondenz wird folgende Notiz verbreitet: „Ein unglaublich hoher Preis wurde bei der letzten Pferdeversteigerung der Landwirtschaftskammer auf Jagdschloß Kranichstein am Mittwoch erzielt. Für einige der besten dreijährigen Fohlen wurden bis Mk. 14 000, wörtlich vierzehntausend Mark für das Stück geboten und bezahlt. Wenn man derartige Summen, auch nicht wie bei den Weinpreisen als Luxuspveise bezeichnen muß, für welche die Steigerer zu ganz besonders hohen Steuern herangezogen wer- den müßten, da der Landwirt die Tiere zu seinem Betriebe unbedingt benötigt, so ist dies doch ein sehr guter Beweis für den außerordentlich guten Stand unserer Landwirtschaft im Allgemeinen." Der Herausgeber der Korrespondenz dürste doch wis- sen, daß aus die Steigerungspreise namhafte Rückvergütungen erfolgen, so daß der eigentliche Preis weit geringer ist. Es fallen also auch die Schlußfolgerungen, die der Derfaffer gezogen hat, fcrt. Darmstadt. 23. Juni. Als Beisteuer zur Ludendorffspende hat de: Großherzog dem Reichsausschuß für Kriegsbeschädigtenfürsorge den Betrag von weiteren Mk. 50 000 zur Verfügung gestellt, nachdem er schon einmal im vorigen Jahre aus Anlaß seines Regicrungsjubiläums dem Landesausschuß für Kriegs- beschädigtenfürforge die gleiche Summe gespendet hat. Die jetzige Summe wurde in Kriegsanleihe überwiesen. Darmstodt. 23. Juni. Die Pelzdiebe, welche dieser Tage in einem hiesigen Pelzgeschäst in der Eschollbrückerstraße für mehrere tausend Mark Pelzwaren stahlen, wurden durch die Bemühungen der Kriminalpolizei ermittelt. Es sind zwei anscheinend dem Heere angehörend« Diebe, die vorbestraft sind und dem Militärgericht überliefert wurden. Pfungstadt, 23. Jnni. Ungeheuerliche Preise wurden bet der dieser Tage dahier stattgehabten Wiesenheuversteigerung erzielt. Pro Morgen wurden durchschnittlich Mk. 200 geboten, sodaß sich der Zentner auf etwa Mk. 15 stellen dürfte. Allerdings wird mitgeteilt, daß bei einer dieser Tage in einem Orte am Main erfolgten Versteigerung Mk. 500 für den Morgen gelost worden sein sollen. Wo soll das noch hinaus? Heppenheim, 23. Juni. Wieder ein Ledertreibriemendieb- stahl wurde hier begangen, indem aus dem dortigen Eranit- rverk ein guter Lederriemen im Werte von mehreren Tausend Mark gestohlen wurde. Aus die Ermittelung des Täters resp. des Treibriemens ist von Seiten der Bestohlenen eine Belohnung von Mk. 200 ausgeschneben, da der Betrieb empfindlich gestört ist. Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst in der Stadtkirche. Mittwoch, 26. Juni, cchends 8% Uhr: KriegsandaD. Herr Pfarrer D i e h l. Offene Stellen: 1 Melkerbursche. 24 Tagelöhner. 3 Hausburschen, 1 Schäfer, 5 Knechte. 2 Arbeiterfamilien. 1 Wärter, 2 Heizer, 1 Müller, 1 Knechlefamilie, 7 Dienstmägde, 9 Hausmädchen, 1 Flickerin, 1 Lehrmädchen. 1 Melkerin, mehrere Fabrikarbeiter und.-Arbeiterinnen, 1 Bäcker. Ctellenfuchendel Mehrere Melkerfamilien und ledige Melker, 2 Wirtschafterinnen, 2 Bürofrüulein, Meikersamilie (Mutter und Tochter), zehn 17jähr. Schüler für Landwirtschaft (arbeiten gegen Verpflegung). Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r f ch e l f Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyner. Fiiedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung^ A. G.. ttriedbera i, H. Mm nie tmrd? Liebe Leid geschah. Roman von CourihS-Mahler. 10) Nachdruck verboten. „Ach — Sie paffen doch gar nicht zum Ehemann." „Nein? Sind Sie deffen so sicher?" „Ganz sicher!" Er machte ein ganz betrübtes Gesicht „Ach. das ist aber schade. Ich möchte wirklich sehr gerne heiraten." Sie atmete unruhig und plötzlich schaffen ihr die Tränen in die Augen. Schnell wandte sie sich ab, daß er ihre Tränen nicht sehen sollte. „Ja — wenn Sie es gern möchten, dann werden Sie es wohl auch tun," sagte sie, sich mühsam faffend. Abn die Trä. nen saßen ihr in der Kehle. Ein zärtliches Empfinden stieg in ihm auf. Dies reizende junge Geschöpf, das sich so tapfer mühte, sich zu beherrschen, verriet sich ihm doch mit jedem Wort, mit jedem- Blick. Er hätte sie so gern in seine Anne genommen und sic getröstet und gestreichelt. „Siißes, kleines Ursachen — ist es denn möglich, daß du dein goldenes Herz an mich verloren hast?" fragte er in seinem Znnern. Er sah sich nach Hans Ullrich und Baroneß Karla um. Sie folgten in einiger Entfernung Er fand, daß sie viel zu nahe waren. Mit einem Seufzer wandte er sich Ursula wieder zu. „Ja. — ich werde es ganz sicher tun," erwiderte er. Sie schluckte tapfer die Tränen hinunter und riß ein Zweiglein von einem Iasminstrauch. Das betrachtete sie sehr angelegentlich, um ihre Tranen zu verbergen. Er sah aber doch, daß eine dieser Tränen auf den Iasminstrauch hernkederfiL X ßk gebannt sicher den Zweig. „Sie haben wohl auch schon eine Wahl getroffen, Graf Joachim!" fragte Ursula. Es sollt gleichgilttg klingen, aber die Tränen zitterten durch ihre Stimme. „Ja — ich habe schon gewählt." erwiderte er. — Da mußte sie wieder ein Weilchen pausieren, bis ihre Stimme leidlich fest war. „Kenne ich die junge Dame?" fragte sie, ohne aufzusehen. „Ja, — Sie kennen sie sehr gut." Wieder eine Pause. Endlich sagte Ursula: „Ach, dann sagen Sie mir doch, bitte, ihren Namen." „Nein — das kann ich nicht tun. Ich muß sie doch erst fragen, ob sie meine Frau werden will." „Natürlich wird sie wollen," stieß Ursula in heißem Zorn und in tiefstem Schmerz hervor. „Sind Sie deffen so sicher?" fragte er und ahnte wicht, wie sehr er sie quälte. Er meinte, sie müffe wissen, daß er nur an sie dachte. Wie im Zorn über ihre eigene Schrväche richtete sich Ursula auf. „Danach sollten Sie mich nicht fragen. Sie werden Ihrer Sache schon selbst sicher sein." „Wenn man in solchem Falle nicht das Jawort der betreffenden jungen Dame hat, kann man nicht sicher sein." „Jedenfalls wünsche ich Ihnen viel Glück." kam es tonlos über ihre Lippen, und dann warf sie mit einer jähen Bewegung den Jasminzweig auf den Boden. Graf Joachim hatte um keinen Preis den kleinen Zweig liegen lassen, auf den Ursulas Träne gefallen war. Schnell blickte er sich danach und hob ihn auf. „Es ist schade darum." sagte er und steckte den Zweig zu sich. „Ich werde diesen kleinen Zweig aufbewahren und ihn als Talisman betrachten. Er ist geweiht." Statt Karten. Margarethe Wenzel Friedrich Wenzel aur Zeit in Urlaub Verlobte. Gronati, den 24. Juni 1918, »Wie meinen Sie das?" „Das werde ich Ihnen ein andermal erklären, Fräuksg» Ursula. Ich traue diesem Zweiglein jedenfalls eine wunder- tätige Kraft zu. Also morgen vormittag komme ich nach Fron. rf 011 ' 9lbCX Sle mö ^ en mir versprechen, recht vergnügt zu ^ ro ° aen Ucf)t übermütig sein, wie in alten Zeiten Wissen Sie noch, wre Sie sich einmal in den großen Birnbaum verstiegen hatten und mit dem Kleide hängen geblieben waren? konnten weder aufwärts noch abwärts und waren zwischen Hrmmel und Erde festgebannt." Ursula nickte, aber sie tat es ohne Freudigkeit. „Ja." sagte sie matt und klanglos, „ich weiß es noch. Sie kamen dazu und befreiten mich aus einer schlimmen Lage." Er wollte sie aufheitern. „Ja. es war eine febc schlimme Lage, denn auf dem Baum gab es nur noch wenig Birnen und in Ihrer Nähe nicht eins einzige mehr. Wenn ich Sie nicht gesucht und in den Aesten des Birnbaums entdeckt hätte, dann wären Sie dem Hungertod preisgegeben gewesen. Eigentlich hätte ich damals die Lebens, rettungsmedaille verdient." Ursula sah mit ganz trostlosen Augen vor sich hin. 7 .- ^batten Sie mich nur ruhig verhungern kaffen!" streß sie tn schmerzlichem Zorn hervor. Erschrocken 'sah er sie an. „Aber Fräulein Ursula — wie können Sie so.etwas sagen'" Sie erschrak mm vor sich selbst und zwang sich zn einem Lachen. „Es war ja nur ein Scherz," sagte sie und blieb stehen. „Ich glaube, wir kehren lieber um," sagte sie, Hans Ullrich' und Karla mit trüben Augen entgegensetzend. Hans Ullrich sah sein Schwesterchen besorgt an. Sie war so blaß und hatte alle Frische aus ihrem Antlitz verloren. Fortsetzung folgt. Todes-Anzeige. Eott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren lieben Sohn und Bruder Hermann im Alter von 11 Jahren nach kurzem, schwerem Leiden zu sich in die Ewigkeit zu rufen. Die frauernDcu ^inlfrlilif&fitnt. Georg Karl Kern u. Familie. Nisder-Florftadt, den 24. Juni 1918. Dir Beerdigung findet Mittwoch, den 26. ^uni. Nachmittags 5 Uhr statt. m Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben teueren Entschlafenen sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfafter Baier und für die zahlreichen Blumenspenden sage herzlichen Dank. 2m Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Moscherosch. Ossenheim und Nieder-Wöllstadt. den 25. Juni 1916. Donnerstag, den 27. Juni 1918, vormittais 10 Uhr, werden im Geäst. Revier Wicksiadt in den Distrikten Dornberg und Ziegen» berg versteigert: 1 Fichten-Siamm 15 rm EichsnschälknüppeL 532 rm Eichenlaubreisig. Zusammenkunft im Distrikt Dörnberg bet Nummer 844. Affenheim. den 21. Juni 1918. Gräfliche Nentkammer. Gesucht wird ein 1 Für bie vielen Beweise herzlicher Teil- nähme an dem großen Verluste, der uns durch das Hinscheiden unseres unvergeßlichen Sohnes, Bruders und Neffen betroffen hat, sagen wir auf diesem Wege innigsten Dank. Assenheim, den 23. Juni 1918. 2m atainen der trauernden Angehörigen: Wilhelm Riedel Gräfl. Hosgärtner. M e ]ka n sitm a eil n n g. ftfatttyfcm * en28, 3 ” ni ' vormittags IV^Uhr, findet auf Schloß Versteigerung von 20 holländischen Sohlen vütt. Nur Landwirte, die sich durch Bürgermeisterei-Bescheiniguna t !- old)e L, un * als pferdebedürftig ausweisen können, werden zuge- gelagen. Bedingungen werden vor der Versteigerung bekanntgegeben. Darmsta^t, den 24. Juni 1918. LaudwirUchaftsksMmer jür das Ero'gherzogtrrm Hesse». Holzversteigeruilg. ..^.?^ntag. den 1. ^iiu ds Js., werden aus den Domanialwald- dlstntten Schenkenwald 4 und j-lenderg 2 >owie Dürr- und Wind- lalltzol^ aus verschiedenen Distrikten der Forstwattei Rainrod versteigert: Scheiter rm: 315 Buchen 1. Kl., 73 Buchen 2. Kl.. 5 Eichen 2. AI. Knüppel rm: 40 Buchen 1. Kl.. 10 Buchen 2. Kl 3 Hambuchen, 54 Fichten. Reisig rm: 124 Buchen. Stöcke rm: 12 Buchen I. 1,8 Buchen 2. Kl., 2 Fichten 2. Kl. Zummmeniunsr vormittags. Vi>9 Ü:r am Kreuzpunkt von RUcken- weg und Hauplweg an Schenkenwald 4. Das Holz aus Klenbera l wird etwa von 10 Uhr ab an Ort und Stelle verkauft Das E sitzende Holz wird nicht vorgezeigt. Nähere Auskunft durch Großh. oorstwar» Meyec zu Nainroo und die unterfertigte Stelle. Eichelsdor,. den 23. Juni 191 >4. Grohh. Obersörsterei Eichelsdorf. Guts-Verpachtung. . Das Hofgut Haffelheck. gelegen in Gemarkung Haffelheck und Ober-Morlen. im Kre.se Friedberg in Oberheffen, 2 Kilometer von der Eisenbahnstation Bad-Rauheim. in Große von 130 ha «1,5« a soll Mittwoch, den 24. Juli 1918, vorm. 10 Uhr in Nüdesheim a. Rh., im Saalbau Nölz, Oberste. 18 für die Zeit vom 22. Februar 1920 bis dahin 1938 öffent- lich meiitMetenö verpachtet werden. 3)te Bierun siegeln und Pacht-Bedingungen können gegen Orn endung von Mk. 2.00 von der Unterzeichneten Stelle bezo en worden. Rüdesheim. den 18. Juni 1918. Die ELterverwaltung der Freiherren von Ritter zu Gruensteyn. De'.Kz-ULuSirchnug Jin Verkündigungskasten am Stadthaus ist eineBetanntmachung über Tchmg einer Umsatz« ßcim auf LuMegeiMilSc angeschlagen worden, auf die hiermit hingewiesen wird. Friedberg, den 20. Juni 1918. Der Bürgermeister. 2. V.: Damm. Rechnungen " Die erfolgreichste Centrifuge und Waschmaschine ist noch vorrätig bei Wilhelm liOhrey, Uhrmacher, in Nieder-Florstavt. zum Ausdreschen der Frucht für die Gemeinde Rieder-Mörlen, (etwa 40 Dreschtage) Hieraus Reflektierende wollen sich bi^ rum 4. Juli 1918 bei dem Vauernvereinsrechner Heinrich Möbs X. peilänlitft oder Irfitlftlicft melden Mittwoch, üfn 26 Juni 1918, und), mittag» 3 Al,r. find-, in den Stallungen des Herrn Elias Hofmamr Friedberg Farbrrgajse 4, eine von zirka 20 tk 98 tildm'Ä 7 °L'Kühen statt. Rur Landwirte, welche bereits Milch nach Frankfurt liefern, können Berücksichtigung finden. Städtisches Lebensmittelamt _ Frankfurt am Main. _ Trotz des Brandes der Rex-Lagerhalle in Homburg v. d. H., bin ich durch rechtzeitige Lieferung in der angenehmen Lage Nex Konserven-Glästr in jedem Quantum und in allen gangbaren Größen zu den vo t der Fabrik festgesetzten Preisen noch liefern zu können. Ebenso noch Gummi-Ring- Ferner noch: GjßlCCzGjIäjCt zum Zubinden, Honiggläser- u. Einmachtöpfe Änsllhstaschen In verschiedenen Größen. ©Öl^SpUllbC» Pergament- n. ©altcijlpapicr, Salicyl ete.. Für Wieder-Berkäufer von Gummiringen besonderen Rabats Fr. Hilbrecht Wwe., Friedberg Eine Glucke nit 9 Hühnern hat zu verkaufen Job. 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