Nummer 143 Freitag, den 21. Juni 1918 11. Jahrgang. Oie «Zteuc Tageszeitung" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Sauer ans Hessen", „Die HpLnnstube". Se?ugspreis: Bel den Postanitalten vlerkellährlich Akk. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld.- bei den Anenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 25 Pfg., lokale 20 Psg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben. Erfüllungsort Friedderg. tzchriftleitung und Uerlag Friedberg (Hessen), ^anauerltrage 12. Fernipcecher 48. Bostscheck-Lonto Ar. 1859, Amt Frankfurt n. M. dev deutschen Gffenßve. Tief in die ameril;aui?chen Stellungen. — Feindliche Gegenangriffe in Frankreich unter schwersten Verlusten gescheitert. — Fortdauer der Schlacht in Uenetien, die Italiener weichen weiter gegen Westen. 13000 Tonnen versenkt. .— - "”r Der deutsche Generalstak /=== meldet: s W. T. K. Großes gatrplssnarLLer, dorr 20. Juni. Ar,Mich. Westlicher Kriegsschauplatz. f Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht Fast an der ganzen Front nahm die Tätigkeit des Feindes abends zu. Das Artilleriefeuer lebte auf. Starke Jn- fanterieabteilnngen stießen in zahlreichen Abschnitten gegen unsere Linien vor. Sie wurden abgewiesen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Erneute Versuche des Feindes, nordwestlich voll Chateau Thierry über den Clignon-Abschnitt vorzndriilgen scheiterten in unserem Feuer. An der übrigen Front blieb die Gefechtstätigkeit in mäßigen Grenzen. Heeresgruppe Gallwitz. Südwestlich von Ornes wurden kräftige Vorstöße des Feindes abgewiesen. Zwischen Maas und Mosel drangen eigene Sturmtrnppen tief in die amerikanischen Stellungen bei Seicheprey ein und fügten dem Feinde schwere Ver- ,nste zu. * Hanptmann Berthold errang seinen 36. Luftsteg. Der Erste Generalquarticrmeister: Ludenksorsf- Abendbericht. Berlin, 20. Juni, abends. (WB, Amtlich.) Nördlich von Albert, südwestlich von Noyon und nordwestlich von Chateau Thierry sind feindliche Teilangrifse unter schweren Verlusten gescheitert. Der österreichische Generalstak i=== meldet: = . Wien, 20. Juni. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Die Schlacht in Venetien dauert fort. Der Feind erwiderte den Fall des größten Teils der Piavesront durch heftige, mit zäh-er Ausdauer geführte Gegenangriffe. Um unsere neue Stellung am Fosetta-Kanal, an der Bahn Oderzo —Treviso und auf dem Montello wurde erbittert gerungen. Im Montello-Gelände steigerte sich der Kampf zur Heftigkeit der großen Karstschlachten. Die Italiener trieben ihre Sturinkolonnen stellenweise sechsmal vor. Große Verluste zwangen den Feind zu regellosem Einsatz ferner Reserven, die ex divisions- und regimenterweise in den Kampf warf. Alle seine Anstrengungen waren vergebens. Die Heeresgruppe des Feldmarsthalls v. Boroevic behauptete nicht nur restlos erkämpfte Linien, sondern warf mit den Divisionen des Generals der Jnfant-rie Baron Schariczer die Italiener südlich der nach Treviso führenden Bahn weiter gegen Westen zurück. Aucka südöstlich Asiago liefen die Italiener abermals und mit großem Mißerfolg wie an den Vortagen Sturm. Besonders rühmend wird in Truppenmeldungen der Mitwirkung der Schlachtflieger am Kampf- und Auf- l'ärungsdienst gedacht. Von unseren Kampffliegern errang Hauptmann Vrunowsky den 33. und 34., Oberleutnant o. Linke-Crawford den 25., Oberleutnant Fiala den23. Luftlieg. Der Chef des Gencralstales. Das türkische Hauptquartier I ------- meldet: ==l! Palästiuafront: Im Küstengebiet stellenweise gesteigerte Artillerietätigkeit. Die Beschießung Jerichos und der feindlichen Truppeulager im Brückenkopf westlich des Jordan wurde von uns fortgesetzt. Vorstöße unserer Abteilungen gegen die Jordan-Mündung führte n Gefechten mit feindlichen Postie- rungcw starker Kavallcri., die mit dem fluchtartigen Rückzug der Engländer endeten. Eine Anzahl Gefangene, Waffen und Kriegsmaterial wurde eingebracht. 13000 Tonnen versenkt. Berlin, 19. Juni. (WB. Amtlich.) Neue U-Booterfolge auf dem nördlichen Kriegsschauplatz nach Meldungen der aus See zurückgekehrten U-Boote: 13 000 Bruttoregistertonncn. Aus zwei Geleitzügen wurden an der Ostktiste Englands die beiden größten Dampfer trotz starker Gegenwirkung der Bewachringsstreitkräfte abgeschosten. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Berlin, 19. Juni. (WB.) Als Stück politischer Heuchelei bezeichnet die Schiffbauwochenausgabe des Liverpooler „Journal of Commerce" am 30. Mai die letzte Rede Georges in Edinburgh, die sich noch mehr als früher einer sehr zuversichtlichen Auffassung über die Beseitigung der U-Bootsge- fahr hingab. Das Blatt meint, daß sich bisher die wiederholten ministeriellen Zusicherungen, die Unterseebootsgefahr sei zu Ende, nicht erfüllt hätten. Das englische Volk sei mel zu lange am Narrenseil herumg^ührt worden. Man dürfe sich nun nicht wundern, wenn die Werftarbeiter in ihren Anstrengungen im Schiffbau nachließen, von dem das ganze Schicksal Englands abhänge. Selbst wenn das Unterseeboot heute wirklich besiegt worden sei, sähe man sich einer Schifft fahrtskrisis von erheblicher Größe gegenüber. In den letzbin veröffentlichten Ziffern über Schiffsverluste und Neubauten sei nichts enthalten, was die Hoffnungsseligkeit der Edinburgher Rede Georges unterstütze. Das Zusammenwersen amerikanischer und britischer Schiffbauleistungen könne ebensowenig wie die Abrundung von Ziffern die Tatsache verhüllen, daß nur das Genie des jetzigen Schifsbau- leiters die Aufdeckung der fürchterlichen Kluft zwischen Versprechung und Leistung im Schiffbau 31 t verhindern vermöge. » Im Stille» G-ea». Haag, 20. Juni. Das amerikanische Marineininisterium hat sestgestellt, daß gegen Ende 1917 im Stillen Ozean zwei kleine deutsche Hilfskreuzer kreuzten. Einer davon sei der ehemalige französische Schoner „Lutere" gewesen, das andere Schiff sei eine Motorschaluppe. Beide seien mit den Ueber- lebenden des „Seeadlers", der im August 1917 gestrandet sei, bemannt. Eines von diesen beiden Schiffen habe seinerzeit den Dampfer erfolgreich angegriffen, auf dem sich der australische Erstmimster Hughes aus einer Reise nach eruem Hafen an der Westküste Anrerikas befand. » Ei.» kühner Handstreich. Köln, 19. Juni. Ueber den Handstreich gegen Ancona bringt das „Kärtner Tagblatt", der „Köln. Ztg." zufolge, bemerkenswerte Einzelheiten. Darnach bestand die Patrouille die ihn unternahm, aus 64 Teilnehmern, die durch ihre Mäntel von italienischen Seefoldaten kaum zu unterscheiden waren. Sie gelangten in Fischerfahrzeugen an die italienische Küste, versenkten die Fahrzeuge und marschierten gegen Ancona. In einem Bairerngehöfte übernächteten sie und marschierten am nächsten Tage in Ancona ein. Beim Marschieren durch die Straßen sprang ein Verräter aus ihren Reihen und rief einer ihnen begegnenden italienischen Patrouille zu: Das sind Feinde, Oesterreicher. Die Patrouille glaubte dies nicht sogleich und infolgedessen gelangten sie dennoch, wenn auch beobachtet, zum Hafen und konnten dort noch erhebliche Sprengungen vornehmen. Erst dann wurden sie umzingelt und ließen sich befehlsgemäß, kampflos gefangen nehmen. Der Verräter wurde erschlagen. Die Schlacht im Westen. Berlin, 20. Juni. (WB.) Am 19. Juni wurden die feindlichen Bahnhöfe von Abeele und Godewaersvelde, desgleichen die Bahnanlagen von Amiens durch schweres deutsches Feuor beschossen. Deutsche Sturmkompagnien drangen am 19. Juni morgens nordöstlich von Sefchepreyon in den Remiereswald ein, stießen zum Teil bis &u dessen Cüdrand vor und fügten dem amerikanischen Gegner schwerste blutige Verluste zu und nahmen ihm Gefangene ab. Compiegne in Trümmern. Genf, 20. Juni. Der Lyoner „Nonvelliste" schildert in einer Drahtung die Verwiistungeu von Compiegne. Ganze Viertel, die bisher verschont waren, liegen in Trüm- mer. Conipiegne muß den Widerstand unserer Soldaten teuer bezahlen. Am Tage liegt das Artilleriefeuer auf der unglückseligen Stadt, nachts wird sie von Fliegern heim- gesucht. Die „Morning Post" meldet aus Paris: Hier rechnet man allgemein für die nächsten Tage mit einer Wiederaufnahme. der Schlacht an der französischen Front. Die Vor- zcichcn seien an der ganzen Front wahrnehmbar. Auch der Heeresansschuß hat sich wieder in das Hauptquartier begeben. Compiegne liege zu drei Fünfteln in Trümmern. Gens, 20. Juni. Nach einer Pariser Sondermeldung sind die südöstlichen Reimser Außenfesten andauernd dem schwersten deutschen Geschützfeuer ausgesetzt. Von der Feste Pompelle- sind nur noch Trümmer vorhanden. Dm iltßiuitf -kW» Offknlm. Die feindlichen Verluste: Ueber 212 080 Gefangene, 2800 Geschütze. 8000 Maschinengewehre. Berlin, 20. Juni. (WV.) Infolge der schweren Mißerfolge und der gewaltigen Niederlagen während der dreimonatigen deutschen Offensive im Westen vom 21. März bis zum 21. Juni verlor die Entente an Gefangenen, Geschützen, Maschinengewehren und Gebiet folgende Zahlen: In der großen Schlacht Ende März an Gefangenen über 94 000 Mann, infolge der Niederlage in Flandern 30 575 Mann, bei den schweren Schlägen an der Aisne und der'Oise über 85 000 Mann, in Summa mit den in der Zeit zwischen den großen Kampfhandlungen gemachten Gefangenen über 212 000 Mann allein an Gefangenen. An Geschützen verlor die Entente im Westen an der Somme über 1300, in Flandern über 300, an der Aisne und Oise über 1200, in Summa 2800 Eschütze. An Maschinengewehren verloren die Engländer und Franzosen sowie ihre Hilfsvölker an der Somme und in Flandern 5000. an der Aisne über 2000. an der Oise über 1000 Maschinengewehre, in Summa mehr als 8000 Maschinengewehre. An Gebiet verlor die Entente an der Somme 3456, in Flandern 650, an der Aisne 2470. an der Oise 250 Quadratkilometer, in Summa 6820 Quadratkilometer. Dieses Gebiet umfaßt wichtigste strategische Verbindungen und äußerst fruchtbare Landstriche. Demgegenüber beträgt der Raumgewinn der Entente in den großen Kämpfen der vergangenen Jahre an der Somme, bei Arras und in Flandern nur 654 Quadratkilometer eines völlig zerstörten und wertlosen Gebietes. Verl,'«, 20. Juni. (WB.) In dem 6820 Quadratkilometer großen Gebiet, das die Entente im Weste innerhalb dreier kurzer Monate verloren hat, befinden sich allein im Sommegebiet 52, in Flandern 37, an der Aisne 5 Städte mit über 1000 Einwohnern. Berlin, 20. Juni. (WB.) Wie schwer die blutigen Verluste der Entente während der drei Offensiomonate von Ende März bis Ende Juni sich gestaltet haben, geht allein daraus hervor, daß in immer steigendem Maße amerikanische Regimenter zur Auffüllung der Haftenden englisch-französischen Lücken eingesetzt werden. Bei ihren nutzlosen Gegenangriffen haben die zum Teil unfertig ausgobildeten Amerikaner außergewöhnlich schwere Vlutopser bringen müssen. Die erwarteten amerikanischen Transporte werden in erster Linie dazu dienen müssen, die amerikanischen Verluste zu ersetzen. Ein weiterer Beweis für die Größe der Niederlage und die Höhe der blutigen Verluste der Entente ist der Einsatz von Italienern an der Westfront, obwohl sich an der italienischen Front selbst neue Kämpfe entwickelt haben. Die gesamten blutigen Verluste an Toten, Verwundeten und Vermißten betragen nach zuverlässiger, vor. sichtiger Schätzung auf seiten der Entente rund eine Million, einschließlich der Gefangenen. Ein nenttalcg Weil iider die Schlacht in Italien Bern, 19. Juni. (WB.) Zu dem österreicksischen Vorstoß schreibt Oberst Egli in den „Basler Nachrichten": Es ist natürlich ausgeschlossen, daß an der ganzen Front von mebr jalS 150 Kilometer Breite eine gleichmäßig starke Offensive angesetzt worden ist. Schon aus den ersten Telegrammen läßt sich erkennen, daß sich der Druck hauptsächlich gegen einzelne Stellen richtet. Aber aich da kann jetzt noch nicht sestgestellt werden, wo es sich um den Hauptstoß und wo nur um einen Scheinangriff handelt, der die italienischen Reserven anziehen und festhalten soll. Die Lage an der italienischen Fiont war in letzter Zeit so gespannt, daß die österreichisch-ungarische Heeresleitung von vornherein auf eine Neberraschung verzichten mußte Daraus ergab sich die Not- Wendigkeit eines Angriffs aus der ganzen Front. Nach den Erfolgen des ersten Schlachttages scheint es nicht ausgeschlossen, daß die österreichisch-ungarische Heeresleitung ihre 'Hauptkräfte in der italienischen Eben« eingesetzt hat, zumal r fie von vornherein sicher annehmen konnte, daß Diaz vor allem suchen werde, im Grappagebiet und auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden standzuhalten, um die Aufrollung 'der Piavefront zu verhindern." Uerriiterregimenter. Lausanne, 20. Juni. Art und Ausdehnung der Verbandhetze gegen Oesterreich beleuchtet eine von der englischen Zensur bezeichnenderweise unterdrückte Nachricht der „Central News" aus Rom, wonach auf der unlängst in Rom abgehaltenen Versammlung der „unterdrückten" Völker Oesterreichs mitgeteilt wurde, daß Frankreich den Schutz über die gegen Oesterreich-Ungarn gerichtete Bewegung übernehme und Amerika, soweit etliche Beteiligte in England sich der finanziellen Seite der Angelegenheit annähme. Ferner wurde beschlossen, alle flavischen Untertanen der Donaumonarchie aus Amerika, England und den anderen Verbandsstaaten möglichst schnell nach Frankreich und Italien zu bringen, um dort slavische Regimenter aufzustellen. Gleichsam rrm ihren Treubruch und Landesverrat sinnfällig zu machen, sollen diese flavischen Truppen ausschließlich gegen Oesterreicher kämpfen und an der französischen Front nur verwendet werden, falls dort auch österreichische Soldaten kämpfen sollten. Die friflntigm da EjjtllblchvtrnMn. Das schnelle Vordringen der deutschen Heere in der Ukraine . ist nicht zum mindesten auch auf die außerordentlichen Leistungen der deutschen Eisenbahntruppen zurückzuführen, denn nur dadurch, daß die Bahnlinien schnell wieder- hergestellt wurden, konnten deutsche Truppen in dem gemeldeten Siegeslauf nach Südrußland zu Vordringen. Es ist den deutschen Eisenbahntruppen gelungen, in 79 Tagen über 1200 Kilometer Eisenbahnlinien au bauen und bis Ansang Juni 82 zerstörte Eisenbahnbrücken wiederherzustellen. Bis zum Ende dieses Monats sollen weitere 40 Brücken dem Verkehr übergeben werden. Der dtlitlch-frllnziißlihe Gchngeneliaustaulch. Berlin, 20. Juni. (WB.) Nach den deutsch-französischen Vereinbarungen über die Gefangenenfragen sollen die vor dem 15. 4. 1918 in der Schweiz internierten deutschen Kriegsgefangenen in die Heimat zurückgeführt werden. Ebenso sind sämtliche in der Schweiz internierte Zivilpersonen freizulaffen. Die Ausführung dieser Bestimmungen hat nunmehr begonnen. Heute hat der erste Zug mit deutschen Internierten die schweizerische Grenze überschritten und ist in Konstanz eingetroffen. Leider haben bahntechnische Schwierigkeiten den Beginn dieser Trans. Porte verzögert. Doch sollen sie nun mit regelmäßiger Zugfolge laufen und in etwa vier Wochen beendet sein. So werden etwa 200 deutsche Offiziere. 6000 Kriegsgefangene und 1000 Zivilinternierte der Heimat wiedergegeben. Im Anschluß an die Räumung der Schweiz beginnt voraussichtlich im August die Internierung der mehr als 18 Monate kriegsgefangenen Unteroffiziere. Mannschaften, sowie Zivilinternierten in die Heimat. Voraussetzung ist allerdings, daß die französische Regierung bis dahin eine entsprechende Anzahl Elsaß-Lothringer herausgeben wird, für deren Zurückhaltung seinerzeit 1000 Geiseln aus dem besetzten Frankreich nach Holzminden und Wilna verbracht worden sind. Hierüber schweben zur Zeit noch Verhandlungen. Australien fordert den dentlihen Mieebeßh. Haag, 17. Juni. Aus London wird gemeldet: Der australische Premierminister Hughes, der sich momentan in England befindet, um der Kriegskonferenz beizuwohnen, hat sich in einem Interview folgendermaßen ausgelassen: Australien hat bezahlt u. bezahlt noch immer den Preis für die Freiheit. Es wird nicht schwanken. Australien will keinen deutschen Frieden, denn es muß Garantien haben gegen die Unterdrückung in der Zukunft. Dies ist eine australische Monroelehre. Die Sicherheit und die Unverletz. barfeit des australischen Elements fordern, daß Neu-Guinea und 100 andere Inseln in der Nähe von Australien in der Macht von Australien sein sollen od^c von befreundeter Nationen; denn sie stehen zu Australien in derselben Lage wie Amiens zu Paris oder. Calais und andere Kanalhäfen zu England. Wir verlangen nicht noch neue Schwierig- keiten, die eine Folge der Ausbreitung unseres Grundbesitzes fein würden, aber wir sind enffchlossen, zu behalten, was wir haben, und da wir Australien nicht behalten können, falls hie Inseln sich in ferndlrchen Händen besinden, so werden wir, auch mit Anstrengung all unserer Kräfte, an dieser Monroelehre festhalten. Die böje deutsche Wissenschaft. ' (8c of, 18. Jirm. Laut einer Meldung an die Pariser Aufgabe d«r JU pfOQ o Tribüne" aus Fort Dodge im Staate Iowa hat die Medizinffche Gesellschaft des Staates bei einer' solennen Sitzung beschlossen, daß fortan während der nächsten 50 Jahre keine deuffchen Bücher und keine in Deutschland verfertigten wissenschaftlichen Instrumente angeschafft wer- den sollen. Der Besitz solcher deutschen Sachen soll nach dieser Beschließung im Staate Iowa als vaterlandsfeindlich gebrandmarkt werden. Wieder eine englische Kriegsrede Gelegentlich der Einbringung einer Vorlage, die einen neuen Kriegskredit von 500 Millionen Pfund = 10 Milliarden Mark vorlegt, hielt der Minister Bonar Law eine lange Rede, die sich im wesentlichen im alten Geleis bewegte, wenn auch abermals zu bemerken war, daß die alte Form der Drohung, mit der Vernichtung des deuffchen Reiches, gefehlt hat. Der Redner streifte zuerst das neueste Ereignis, die österreichische Offensive in Italien. „Sie ist", so sagte er, „ein Teil der gewaltigen Offensive, die an der ganzen Schlachtfront durchgeführt worden ist. Unsere Feinde haben recht, wenn sie denken, daß jeder große Erfolg an dieser Front weitreichende, soggr entscheidende 'Ergebnisse für die ganz Schlachffront in Frankreich haben würde. Deshalb glaube ich, daß die Initiative für diese Offensive eher von Berlin als von Wen ausging. Diese Offensive wurde am 15. Juni auf einer sehr großen Front begonnen. Eine sehr große Anzahl österreichisch-ungarischer Divisionen, erheblich mehr als die Hälfte aller ihrer Truppen an dieser Front nahmen an dem Angriff teil. Bis fetzt ist der Angriff nach drei Tagen Kampf gescheitert. Unsere Nachrichten vom italienischen Hauptquartier gehen dahin, daß der Feind nach drei Tagen Kampf nicht die Ziele erreicht hat, die er erreichen wollte. Das Oberkommando hat keine Befürchtungen über den Ausgang. Es wäre verfrüht zu behaupten, daß die Gefahr vorüber ist, aber es ist nicht voreilig, wenn ich im Namen des Unterhauses unseren Dank für den Anteil uw serer italienischen Verbündeten an dem Kriege aussprechc." Bonar Law ging dann auf die Lage in Frankreich ein. Er wiederholte das alte Ententemärchen, als ob sich Hinden- burg weit größere Ziele gesteckt hätte. Diese seien nicht erreicht lvorden und daher die deutsche Offensive einMißerfolg Er führte u. a. aus: „Trotzdem die Schlacht immer noch an- danert, können wir auf dgs, was geschehen ist, mit einigem Vertrauen zurückblicken. Im ganzen Feldzuge haben die Deutschen drei große strategische Möglichkeiten als Ziel vor Augen gehabt, zwei davon territorialer Art. Das erste Ziel war Paris, das zweite die Kanalhäfen, das dritte nicht nur die Niederlage der feindlichen Armeen, falls eine solche erzielt werden könnte, sondern auch der Abbruch der Verbindungen zwischen den britischen und französischen Streitkräften. Wohlan! Nach drei Monaten, trotzdem die Alliierten Terrain, viel Terrain haben preisgeben müssen, was wahrheitsgemäß gesagt werden muß, ist doch keines der drei genannten Ziele im Laufe dieses großen Kampfes erreicht worden. Falls in den ersten Tagen dieses Kampfes jemand Hindew bürg gegenüber prophezeit hätte, daß nach drei Monaten die Lage so sein würde, wie sie jetzt ist, dann würde Hinden- burg dies« Möglichkeit mit Spott zurückgewiesen haben. Es gibt klare und zunehmende Anzeichen in der deuffchen Presse dafür, daß die Deuffchen von dem Erfolg, fo groß er an sich auch sein mag, doch enttäuscht sind. Falls wir bei Beginn der Offensive hätten voraussehen können, wie drei Monate später unsere Lage sein würde, dann wären wir ein ganz Teil ruhiger gewesen, als wir es in Wirklichkeit waren." Bonar Law müßte kein Ententepolitiker sein, wenn nicht die Hoffnung auf Amerika ein Hauptpunkt in seiner Rede gebildet hätte. „Die Hauptquelle der Reserven der Alliierten ist und bleibt Amerika. Der Drang der Not- werrdigkeit hat möglich gemacht, was unmöglich schien. Die amerikanischen Truppen sind im Gefecht gewesen und haben den großen Erwartungen, die jeder, der das amerikanische Volk kennt, sich von ihnen versprach, voll erfüllt. Es ist hier nicht der Platz, Ziffern zu geben. Vielleicht wird es genügen wenn ich Ihnen einen Passus aus den Notizen des Kriegsrates vorlese. Dieser lautet: „Dank der schnellen und herz- lrchen Mitwirkung des Präsidenten der Vereinigten Staaten werden die Dispositionen, die er betreffs des Transportes und der Einteilung der amerikanischen Truppen getroffen hat, es dem Feinde unmöglich machen, den Krieg zu gewinnen, dadurch, daß er die Reserven der Bundesgenossen erschöpft, bevor er seine eigenen erschöpft hat." Man sieht der schlaue Fuchs vermeidet auch heute Zahlen zu nennen, sondern gibt die gewohnten Phrasen von sich. Der U-Boot- krig macht ihm keine Sorgen mehr. Er sagte: „Was die Tanchbootbedrohung betrifft, so erschien sie uns vor einem Jahr als die größte Gefahr, die wir zu bekämpfen hatten. Aber nicht uns allein schien es so, sondern das deuffche Volk hoffte von den Erfolgen des Tauchbootkrieges, den Sieg zu erringen. Dieser Absicht gab seinerzeit auch der Chef des deuffchen Generalstabes in einer Rede Ausdruck. Unmittelbar danach wurden die Resultate desTauMootkrieges veröffentlicht. Infolge dieser für uns ungünstigen statistischen Ziffer gewann die Auffassung Raum, daß die Bedrohung so groß sei, daß niemand ihr Ende abjehen konnte. Das alles hat sich seitdem gcmid ' Die Bedrohung besteht zwar nocb. Sie kann v .> vermutlich dem britischen Volke Entbehrungen a gen, aber im Monat April hat zirm ersten Male der S, iffsneubau die durch den. Tauchboot- Meg der gleichen Periode bewirkte Verlustziffer übertroffen. Nach menschlicher Berechnung besteht keine Aussicht, daß England ausgehungert werden könnte und daß es kapitulieren müßte." Ruhmredig schloß er. „In den nächsten Monaten wird die Enffcheidung bi diesem großen Kampfe fallen. Die Deuffchen haben alle- daran gesetzt den Krieg zu gewinnen, bevor die Streitkrätte Amerikas.ta* den Kampf. geworfen werden. Wenn der Feind nach drei Monaten noch knnes der drei genannten Ziele erreicht hat. so wird seine Offensive ein Mißerfolg sein trotz aller bisher errungenen Srege, und es wird dies einer der unglücklichsten Feldzüge sein, die er bis jetzt unternommen hat. Die Zukunft der Welt und unsres Landes hängt von den nächsten Wochen ab sie hängt an erster Stelle von unseren Soldaten und unseren Verbündeten ab, aber auch von denen, die im Lande verbleiben. Alle haben Anteil an diesem Kampfe." Der frühere Ministerpräsident Asquith, der denk Minister sofort antwortete, war nicht so vertrauensselig. Trotz aller ermutigenden Betrachtungen, so meinte er, die das Ministerimn mit Recht gegeben habe, sei er doch der Meinung, daß man sich vor einer Lage befinde, die so drohend sei, wie nur jemals seit Ausbruch des Krieges. Die Möglichkeit von noch schwereren und gefährlicheren Verwicklungen sei gegeben, gerade deshalb fordert^ er auf. die Regierung zu stützen. A»n,mcntare der Presse. Haag, 19. Juni. Der „Daily Chronicle" schreibt zu der Rede.- Asquith war ausgesprochen ernst und viel ernster als Bonar L^Uv in seinem Ueberblick über die militärische Lage. Er glaubte, die Lage sei ernst für die Alliierten und ernster als jemals seit Beginn des Krieges. Doch- vertraut er auf den Endsieg der Alliierten. Die Zeit aber ist zu ernst für rednerische Uebungen voller Selbstvertrauen. Asquith ist nicht begeistert von der Einheit der Befehlsführung, obgleich er dem ausgezeichneten Soldaten Fach alles Lob spendell Asquith enthält sich jeder feindlichen Kritik der Regierung. Auch weist „Daily Chronicle" darauf hin, daß Mc Kenna größere Sparsamkeit der Regierung fordert, wobei er vor allen Dingen Sir Auckland Geddes unb das Ministerium für den nationalen Hilfsdienst meinte. Ernste Zchnnemkeiteii in Oesterreich. Man ist in Deutschland leider nur zu sehr geneigt, ansprechend über die Leistungen unseres 'Dundesgenoffen in Oesterreich zu urteilen, ohne die tieferen Gründe zu kennen, die die Ursachen zu den nicht zu bestreitenden Mißständen gegeben haben. Die Deutschen in Oesterreich sind in der Minderheit, unbestreitbar sind sie der tüchtigste Volksstamm der Donau-Monarchie und gerade deshalb find sie beneidet und angefochtem Der Nationalitäten-Hader, der zu Beginn des Weltkriegs verstummt schien, ist schlimmer denn je entfacht, die Tschechen find zu offenbaren Reichsverrätern geworden, an den Polen hw man das verkehrte der Versöhnungspolitik erkennen muffen, sie die früher — aus reinstem Eigenutz! — die Stützen der Regie, rung waren, sind nun auch zur Opposition abgeschwenkt un> die Slavonier, Kroaten und wie sie alle heißen, träumen vor einem großen Südslawenreich. Der Gegensatz der Nationalitäten ist auch auf das Wirtschaftsgebiet übergegangen. Ein Blick auf die Karte lehrt, daß die Deutschen zwar in landschaftlich reizenden, oder landwirtschaftlich armen Gebirgslän- dern sitzen, in Tirol, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, in Bo.-'men wohnen sie am Strande, in den Abhängen des Böh- merwaldes, des Erz- und Rieseugebirges. Die Slawen dagegen Hausen in den ftuchtbaren Niederungen, in Mittelböhmen, in Mähren, in Slavonien und Kroatien, die Madjaren, die lieber zu Wucherpreisen an Italien als an Oesterreich verkaufen, haben die fruchtbare Donauebene im Besitz. Sie denken nicht daran, etwas hinauszugeben. Ja in den slawischen Gebieten ist direkt die Parole herausgegeben worden, die Deutschen hungern zu laffen. Die Folge war, daß in den deutschen Gebieten die Ernährungsverhältniffe geradezu einer Krisis entgegeneilen. Es ist bereits bekannt geworden, daß sich die nord- böhmische Gemeinde Schluckenau hilfesuchend an den Deutschen Kaiser gewandt hat. Schlimmeres scheint aber noch bevorzu. stehen. Gestern kam folgende Mitteilung: Wien, 17. Juni. Heute erfolgte die Kürzung der Brotration für Wien um die Hälfte auf 650 Gramm für Kopf und Woche — man denke 1A Pfund! — rückwirkend vom Sonntag an. Nach der amtlichen Mitteilung soll die Kürzung vorübergehend sein, der Termin wird allerdings nicht genannt. » Mit der durchgefuhrten Kürzung der Brotration auf dis Hälfte ist die Ernährungsfrage in ein bedenkliches Stadium eingetreten. Der Ceweinderat von Wien beschloß gestern nach erregter Debatte eine Resolution gegen die Kürzung. Der Bürgermeister machte über die Ernährungsverhältniffe inWien die Mitteilung, daß in dieser Woche zum letzten Mal Kartoffeln ausgegeben werden. Er berichtete ferner über seinen Telegrammwechsel mit Ludendorff, dem Bürgermeister von Budapest, dem ungarischen Ernährungsminister Prinzen Win- dischgrätz und dem bayerischen Ministerpräsidenten v. Daud. Weiter wird aus Wien gemeldet: Folgende amtliche Mitteilungen wurden heute im Wiener Gemeinderat über die Ursachen der Kürzung der Brotration in Oesterreich gegeben: Deutschland hat sich vor einigen Wochen in einem Ctaatsvertrag verpflichtet, die Mehlversorgung Oesterreichs sowohl für die Zivilbevölkerung als auch für das Militär zu übernehmen, gleichgültig ob durch Zuschübe aus der Ukraine oder Rumänien oder aus dem eigenen deuffchen Refervebestand. Anfangs gingen die Lieferungen glatt ein. Seit acht Tagen fft Deutschland mit dem Kontingent im Rück- stand geblieben und seit der Zeit sind 2000 Waggons Mehl, da- von 1000 für die Zivilbevölkerung, nicht geliefert worden. Gleichzeitig trat ein Stillstand in der Getreidelieferung ein. Es wurden dringende Depeschen an die deutsche Heeresleitung und an die maßgebenden Stellen in Berlin abgesandl, sowie eine diplomatische Aktion durch unseren Botschafter in Berlin und bei der Wiener deutschen Botschaft eingeleitet. Diese Darstellung bedarf doch einer entschiedenem Zurück weffung. Es wird amtlich festgestellt, daß sie von völlig falschen Auffassungen ausgehl. Es ist eine Abmachung zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn getroffen worden, wonach' .bas in der Ukraine vorhandeneHetreid, durch eine deutsch^ * Organisation erfaßt werden sollte. Ans den in der Ukraine aufgekauften Mengen sollte dann Oesterreich-Ungarn eine Min- ldestmenge erhalten, die notwendig wäre, die Versorgung des Heeres und der Bevölkerung von Oesterreich bis zur neuen Ernte aufrecht zu erhalten, und nötigenfalls sollte bet einem Versagen der Ukraine auch auf die Bestände Rumäniens oder Deffarabiens zurückgegriffen werden. Eine Lieferung aus deutschen Beständen ist niemals vorgesehen worden. Die in der Ukraine und in Bessarabien erfaßten Getreidemengen sind Oesterreich zur Verfügung gestellt worden. Deutschland hat bis jetzt aus der Ukraine nur eine ganz geringfügige Menge aus früheren Monaten erhalren. Wenn nun die Lieferungen aus der Ukraine und aus Bessarabien nicht ausreichen, um die österreichische Mehlversorgung sicherzustcllen, so trifft dafür Deutschland keine Schuld, sondern es liegt an den Verhältnissen, für die Deutschland nicht verantwortlich gemacht werden kann. Bei dem engen Bundesverhältnis und bei den gemeinsamen Interessen, die die beiden Reiche miteinander verknüpfen, war es selbstverständlich, daß sich die deutschen maßgebenden Stellen durch die österreichischen Vorwürfe nicht verstimmen ließen, sondern sich ernstlich bemühten, Oesterreich bei der Beseitigung der ausgetretenen Schwierigkeiten behilflich zu sein. Es hat sich auch ein Weg finden lasten, dem Bundesgenoffen, der jetzt in schwerem Kampfe gegen Italien steht, über die nächsten kritischen Tage hinwegzuhelfen, und soweit es die deutsche Versorgung nur irgendwie zuläßt, ein Entgegenkommen zu zeigen. In Oesterreich wird man das sicher anerkennen und daraus den Schluß ziehen, wie wenig gewiste Veröffentlichungen, die in den letzten Tagen in Wien erfolgt sind, dem bundesgenössischeg Zusammenhalt Rechnung trugen. * München, 19. Juni. Bürgermeister Meißkirchner in Wien Hai an die bayerische Regierung um Zufuhreil von Altkartos- feln telegraphiert. Bayern ist aber leider nicht in der Lage, Kartoffeln der alten Ernte noch abgeben zu können. Der Frost hat die Frühkartoffelernte hinausgeschoöen. so daß mit den alten Vorräten auf das sparsamste hausgehalten werden muß, wobei noch besonders die Herabsetzung der Brotration zu berücksichtigen ist. Deutscher Zleichstag. Nach Erledigung einer Negierungssache wird über Petitionen verhandelt. Eine Reihe von Berichten des Ausschusses über die Petitionen wird ohne Aussprache erledigt. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Freitag 2 Uhr, Anfragen, Friedensvertrag mit Rumänien, Etat desPensions- fonds, Kopitalabfindungsgefetz für Osfrziere, Besoldungsgesetz, kleine Vorlagen. Schluß Uhr. Der Arbeitsplan des Wchstliges. Berlin, 20. Juni. (WB.) Der Aeltestenrat des Reichs- kags trat gestern vor Beginn der Vollversammlung zur Beratung des Arbeitsplanes für die nächsten Tage zusamnien und einigte sich dahin: Heute, Freitag, soll die erste Lesung des Friedensvertrages mit Rinnänien erfolgen. Hierzu wird Staatssekretär von Kühlmann sprechen. Ob der Friedensvertrag mit den Zusatzverträgen ohne weitere Aussprache an den Hauptausschuß verwiesen werden wird, steht noch dahin. Außerdem sollen auf die heutige Tagesordnung gesetzt werden der Haushalt des allgenreinen Pensionsfonds, die Ergänzung zum Kapitalabfindungsgesetz und der Entwurf betreffend Niederschlagung von Untersuchungen gegen Kriegsteilnehmer. Diese Entwürfe werden den Reichstag auch noch am Samstag besckpstigen. Am Montag soll die zweite Lesung des Haushalts des Auswärtigen Amtes und der Reichskanzlei beginnen. Im preußischen Laudtog war gestern eine Rede des.konservativen Avg. H ö s ch von Bedeutung, der sich schon oft als Fachmann hervorgetan hatte. Er führte u. a. aus: Auf dem Gebiete der Volksernährung haben wir bisher dine absolute Sicherung nicht erhalten können. Wir haben einen stetigen Rückgang der Produktion. So wie bisher kann es deshalb nicht weitergehen. Das Verlaßen des Systems der Rationierung ist in diesem Augenblick eine Unmöglichkeit. Wir haben aber das System überlastet durch ein Uebermaß der Rationierung, wodurch die Bewegungsfreiheit der Erzeuger vielfach eingeschränkt ist. Die staatssozialistische Organisation, in die wir uns haben hineinführen lasten, bedeutet den Untergang jeder Ration. Wir wünschen eine Einschränkung der Rationierung in der Werse, wie sie jetzt schon in der Schweiz besteht, daß die notwendigen Lebensmittel an die minderbemittelte Bevölkerung zu einem mäßigen Preise bei einem Staatszuschuß abgegeben wird. Im übrigen könnte dann die freie Wirtschaft eintreten. Hinsichtlich unserer Zufuhr mästen wir unsere Blicke nach dem Getreideexportland Rußland, besonders nach der Ukraine richten. Freilich macht uns auf diesem Gebiet Eroß-Rußland große Konkurrenz. Durch die Ordnung, die das deutsche Militär in der Ukraine geschassten hat., wird cs diesem Lande ermöglicht, den Verpflichtungen, die es bei Friedensschluß eingegangen ist, nachzukommen. Aus Rumänien ist die Zuschußmöglichkeit für Getreide eine sehr geringe. Die Preisfestsetzung für landwirtschaftliche Produkte Muß den Produktionskosten entsprechen. Es ist erfreulich, daß fcas Kriegscrnährungsamt eine Preiserhöhung für Getreide zu- Eefagt hat. Eine Preissteigerung ist auch für Milch und Butter erforderlich, wenn nicht die Produktion in den nächsten Monaten erheblich zurückgehen soll. Di« lanüwirtschastliche Produktion ist infolge der Erhöhung der Löhne, des gesteigerten Preises für landwirtschaftliche Maschinen, sowie der Erhöhung Ler gesamten Wirtschciftskosten ganz außerordentlich verteuert worden. Großes Aerg tersitzung in sein Amt eingefiihrt. Die Gemeindevertretunj bewilligte sodann einstimmig zum Ankauf des Dr. Börnerfchen Anwesens als Rathaus 73 000 Mark. FC. Schierstein, 19. Juni. Das Kupferdach der Sektkellerei Henkell u. Eo. in Biebrich wird soeben von der hiesigen Firma Rau abgedeckt und erhält eine Schieferdecke. Die durch die Entdachung der Gebäude zu entnehmende Kupfermenge beziffert sich auf 30 000 Kg. Goddelau. Dem Landwirt Iah. Heil wurden des Nachts die gesamten Fleisch- und Wurstvorräte der letzten Hausschlach- tung gestohlen. Die Diebe nahmen ihren Weg durch das Dach, fenster des Wohnhauses. FC. Aus dem Rhein-Maingebiet, 19. Juni. Die Heuernte, die heuer bei günstigem Wetter rasch geborgen wurde, hat eine gute Mittelernte ergeben. Auch die Kleeerträge sind gute. Ebenso verspricht der Raps, mit desien Schnitt begonnen wird, ein zufriedenstellendes Resultat. Die Hackfrüchte stehen, soweit die Pflanzung erfolgt ist, auch gut Infolge des eingetretenen RegenweUers sind die Landwirte auf den Feldern emsig mit Gemüsepflanzen beschäftigt. FC. Meilbach 20. Juni. In einer der letzten Nächte wurde dem Nachtpolizeibeamten dahier der Gemeindezuchtziegenbock und zwei Ziegen gestohlen. Die Tiere wurden im nahen Felde abgeschlachtet und die Häute und Eingeweide liegen gelaffen. Aus Kurhcffen. Marburg, .18. Ami. Dr Landrat des Kreises Marburg gibt öffentlich bekannt, daß mit Ausnahme der sieben Ortschaften Amönau, Betziesdorf, Caldern, Damm, Niederwalgern, Sarnau und Wehrshausen sämtliche Kreisgemeinden trotz der gegenwärtigen günstigen Futterverhält- nisse viel zu wenig, oft sogar nicht einmal zur Hälfte der Pflichtlioferung an Milch und Butter nachgekommen sind. Jetzt droht der Landrat mit Schließung der Centrifugen. Fulda, 19. Juni. (Großer Schafschmuggel.) Die Gendarmerie von Bischofshetm beschlagnahmte über 300 Stück Schafe im Werte von 60 000 Mark, die über die Landesgrenze geschmuggelt werden sollten. Die Tiere sind der Heeresverwaltung in Würzburg abgeliefert worden. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. § e y n e r / Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung'', A- G., Friedberg i. H. t m me durch Liebe Leid geschah. Roman von C o u r t h s Mahler 38) Nachdruck verboten. Was sie für ein entzückendes blondes Kraushaar hat! Und die schönen blauen Augen! Sie hat sich ganz überraschend entwickelt. Hm' Ich muß mich doch einmal intensiver mit ihr befaßen. So etwas Liebes und Reizendes läuft einem nicht alle Tage über den Weg." So dachte er, während er sie unausgesetzt beobachtete. Ursula brachte es eine ganze Weile über sich, nicht nach Graf Joachim hinüber zu blicken. Aber dann mutzte sie es doch wieder tun. Und dg trafen ihre Blicke wieder einander. Ach — wie erschrak da die kleine Ursula! Hans Ullrich hatte sich auch heute versagt, sich Christa in irgend einer Weise zu nähern. Nur verstohlen glitt sein Blick zuweilen zu ihr hinüber. Cie hatte sich zurückziehen wollen in Anwesenheit der Gäste, aber Herr von Virkenheim hielt sie in seiner Nähe fest. Er hatte jetzt immer ein Empfinden, als übe Christas Nähe einen wohltuenden Zauber auf ihn aus. „Ich bedarf Ihrer, — bitte bleiben Sie hier," hatte er so laut zu ihr gesagt, daß es die Baronin und die Varonesie hören mußten. Er wußte, daß die Baronin es nicht gern sah, wenn Christa anwesend war in der Gegenwart von Gästen, aber er wollte keine Rücksicht darauf nehmen. So war Christa geblieben. Die Baronin wagte nicht, sie wegzuschicken. Außerdem sah sie jetzt in ihr eine Verbündete, die ihr helfen sollte, ihr Ziel zu erreichen. So konnte sich Hans Ullrich wenigstens an Christas Anblick laben. Und mit heimlichem Jntercffe beobachtete er, daß Graf Steinau bei aller formellen Zurückhaltung doch einen sehr zuvorkommenden Ton für Christa hatte. Er hatte seit gestern mehr als sonst über Christa Nachdenken muffen. Welcher Art war die Mission, die sie in Virkenheim erfüllen wollte? Er fand keine Antwort aus die Frage. Aber das eine wußte er gewiß, daß sie in edelster Absicht hier weilte. In seinem Herzen glühte ein heißes, tiefes Empfinden für sie. Mehr und mehr erschien es ihm unmöglich, eine andere Frau an feine Seite zu stellen mit diesem heißen, innigen Enipfinden für Christa. Wieder und wieder ersann er die kühnsten Pläne, eine Verbindung mit ihr zu ermöglichen. Aber er war zu keinem Ergebnis gekommen. Jetzt aber, als er Christa neben seiner Mutter stehen sah mid bemerkte, wie freundlich und interessiert diese sich mit dem schönen Mädchen unterhielt, jetzt kam ihm plötzlich etn GedanLo der seinen Herzschlag stocken ließ Gegen Christas Persorr, dachte Hans Ullrich, würde feine herrliche, großdenkende Mutter nichts einzuwenden haben. Wenn es eine Möglichkeit geben würde. Christa zu seiner Frau zu machen, ohne daß er das Majorat aufgeben müßte, würde seine Mutter schwerlich etwas gegen eine Verbindung mit Christa haben. Cr war der letzte Frankenau. Wenn er ohne männlichen Erben starb oder eine unebenbürtige Frau heiratete, fiel Frankenau der Krone zu. Wie aber, wenn er den Landesherrn bestimmen könnte, darin zu willigen, daß Frankenau in Zukunst nicht mehr Majorat war? In diesem Fall mußte die Krone darauf verzichten, sich Frankenau anzueignen, falls er die Majoratsbedingungen nicht erfüllte. Es lag in der Hand des Landesherrn, diesen Verzicht auszusprechen und dadurch die Majoratsbedingungen ungiltig zu machen. Und Hans Ullrich schloß einen Augenblick die Augen, als blende ihn ein helles Licht. Er war mit dem Herzog befreundet — herzlich befreundet. Dieser hatte ihm oft genug gesagt, wenn er einen Wunsch habe, möge er zu ihm kommen. Wenn er nun mit diesem Wunsch zum Herzog ginge, ihm alles vorstellte und ihm sagte, daß er nur an Christas Seite glücklich werden könne, ob da der Herzog nicht großmütig auf verbriefte Rechts verzichten würde? Das Vlut schoß ihm jäh zum Herzen bei dieser Frage. Er konnte kaum seine Erregung verbergen. Das war doch ein schwacher Hoffnungsschimmer, eine leise Möglichkeit, die Geliebte zu erringen. Er hätte ihr sogleich sagen mögen, was soeben in ihm vorgegangen war' aber es fand sich keine Gelegen- theidazu. Und vielleicht war es auch bester, er sagte ihr noch nichts, weckte nicht Hoffnungen in ihr, die sich am Ende doch nicht erfüllen ließen. Er dachte an ihre freudige Zuversicht, an ihre Worte: „Mahre Liebe kann Berge versetzen." Sollte ihr freudiger Glaube in Erfüllung gehen?" Unruhe und Aufregung machten es ihm fast unmöglich, sich an der Unterhaltung zu beteiligen. Er setzte sich in eine der tiefen Fensternischen und ließ seinen Blick über die Gesellschaft gleiten. Und da fiel ihm auf, daß zwischen Graf Joachim und seiner Schwester noch sonderbare, verstohlene Blicke gewechselt wurden. Er hatte schon einige Male bemerkt, wie Ursula das Blut ins Gesicht schoß, wenn von Graf Joachim die Rede war. Sollte sich zwischen diesen beiden jungen Menschen etwas an-, spinnen? Das würde ihn herzlich freuen. Graf Joachim war ihm lieb und wert. Ihm hätte er gern die Schwester fürs Leben anvertraut, denn trotz seines sonnigen Temperaments war er ein zuverlässiger, ehrlicher Mensch von tadelloser Gesinnung. Diese Beobachtung lenkte Hans Ullrich ein wenig von seinen stürmischen Gedanken ab. Und dann sah er. daß Varoneß Karla Graf Joachim an ihrer Seite fesselte und mit ihm kokettierte. Seine Schwester stand abseits und beobachtete das mit angstvollen Augen. Da war Hans Ullrich zumute, als müsse er seiner jungen Schwester hilfreich beistehen. Er erhob sich schnell entschlossen und trat zu Graf Joachim und der Baronesse heran. Mit großem Eifer verwickelte er diese in eine Unterhaltung. Barone^ Karla ttiumphierte. Sie glaubte nun das rechte Mittel ge. funden zu haben, Hans Ullrich aus seiner Ruhe aufzuscheuchen und ihn an sich zu festeln. Eifersüchtig wollte sie ihn machen. Ein Weilchen kokettierte sie noch mit Graf Joachim, um Hans Ullrich noch mehr zu reizen. Und sie hatte die Genug, tuung, zu sehen, daß er sich immer mehr bemühte, sie von Graf Joachim abzulenken. Endlich gelang es diesem aber, sich von der Baroneste los zu machen. Er sah Ursula allein am Fenster stehen und trat schnell auf sie zu. Die Varoneste sah. daß es befriedigt in Hans Ullrichs Augen aufleuchtete. Das bestärkte sie in ihrer Hoffnung. Hans Ullrich unterhielt sich jetzt auch sehr lebhaft mit ihr und machte ihr einige Komplimente Er opferte sich für seine Schönster. Und da er doch nicht mit Christa plaudern konnte, war es ihm gleich, mtt wem er sprach. Die alten Herrschaften saßen inzwischen um einen Tisch und unterhielten sich, wie es zwischen guten Freunden üblich ist. Christa ordnete draußen auf der Veranda den Teetisch. Man wollte nachher draußen den Tee einnehmen, und sie Hatto Verlangen, sich zu beschäftigen. Bald darauf wurde der Tee eingenommen. a Die jungen Herrschaften hielten nicht lange am Teetisch aus. Graf Joachim schlug einen Spaziergang in den Park voL Sein Vorschlag wurde sofort angenommen. Christa trat cm die Verandabrüstung. „Wollen Sie uns nicht begleiten, Fräulein Hellmut?- fragte Graf Joachim. Christa schüttelte den Kopf. „Mein Amt hält mich hier fest, Herr Graf." sagte sie ab- wehrend. Graf Joachim sah Christa unsicher an; aber in ihren Augen lag ein Blick, der ihn bat. sie sich selbst zu überlasten. Hans Ullrich hatte gehofft, daß Christa sich ihnen anschlie- ßen würde. Run ging er wenig froh neben der Baroneste her. Graf Joachim und Ursula gingen voraus. Ursula schwärmte Graf Joachim vor. was für ein schönes, liebes und herrliches Mädchen Fräulein Hellmuth sei. Er hörte ihr mit heimlicher Rührung zu. Fortsetzung folgt. Statt jeder besonderen Anzeige. (Hott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine innigftgeliebte treubesorgte Mutter, meine herzensgute Großmutter. Schwiegermutter. Urgroßmutter. Schwägerin und Tante Karolina Katharine Mofcherosch geb. Stumpf nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, im 72. Lebensjahr heute abend durch einen sanften Tod zu erlösen. Im Namen der Immiden Hinterbllebenkn: Heinrich Moscherosch. Ossenheim und Rieder-Wöllstadt, den 20. Juni 1918. Die Beerdigung findet statt in Ossenheim, Sonntag, den 23. Juni, nachmittags 3 Uhr. Weitere Gaben gingen ein: Direktor Vrsiholz lVolkskunst- Abend) 1 22,75 Wt, Stadt Friedberg r>V; Mk.. B. Harras (Kino- voritel'un ) 70 Mk., Verein ftädt. Beannen 25 ML., Fritz Faatz, Ser- gean' 5 mi, N. N. 2 Mk., Verein für Bewegungsspiele 40 Mk. Frau Chr. Schmidt Wwe. 10 Mk' Fr!. A. Gröninger 5Mk., M. 10Mk. Frau Holler Wwe. 10 Mk L Seyd 10 Frl. Lotte Trapp *Ö Mk.. Th. Söttner 50 Vt Nim. Rupprecht 10 Mk., Frau Dr.' J.Lrng 20 Mk., Rudolf Philippi 40 Mk.. Prof. Dreher 10 Mk., H. Strauß 40 Mk. Herzlichen Dank! Der Ortsausschuß I Eine wenig gebrauchte Gklttiire-Niitzmaslsiiile (Selbstbinder Waller A. Woot) hat zu verkaufen Cg. Stol l kl., Echzell. 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Juni 1917 für die Feldgemar- kunaen Friedberg-Fauerbach er» lastene „feldpolizeiliche Anordnung" mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis, daß diese auch für das laufende Jahr in Wirksamkeit bleibt und daß ich das Polizei- und Feldschutzpersonal und ebenso auch die Herrn Ehrenfeldschützen angewiesen habe, Uebertretungen dieser Unnachsicht- lich zur Bestrafung anjuzeigen. Friedberg, den 20. Juni 1918. Der Bürgermeister I. V.: Dam m. FckBzkilicheAimdnMg. Auf Grund der Artikel 36 und 43 des Feldstrafge>etzes vom 13. Juni 1914 wird nach Anhörung derStadtverordnetenversammlung und mit Genehmigung des Groß- herzoglichen Kreisamts Friedberg vom 20. Juni 1917 für die Feld- gemarkungen der Stadt Friedberg und des Stadtteils Faueroach angeordnet, daß sämtliche offenen und eingefriedigten bepflanzten Grundstücke von abends 10 Uhr bis morgens 5 Uhr für die Zeit vom 15. Juni bis 15. September und von abends 9 Uhr bis morgens 6 Uhr für die Zeit vom 16. September bis nach beendigter Ernte geschloffen sind und deren Betreten allen Personen, auch den Eigentümern verboten ist. Ausgenommen find Flächen, die' als Hausgärten dienen und mit dem Wohnhausbesitz unmittelbar verbunden sind. Diese Anordnung tritt mit dem 24. Juni 1917 in Kraft. Friedberg, den 21. Juni 1917. Der Bürgermeister. _ I. B.: Dam m. HsijUkkslkizkrnz Im Rodheimer Eemeindewald, Distrikt Jungebuche und Verschiedene, werden Montag, den 24 Juni d. Js. versteigert: 10 rm Buchen-Scheiter 5 „ Eichen-Scheiter 188,2„ Kiefern-Scheiler 32 „ Fichten-Scheiter 8 „ Buchen-Kniippel 18,7 „ Eichen-Knüppel 48 „ Kiefern-Knüppel 70 Fichten-Knüppel 570 ätiick Buchen-Wellen 215 „ Eichen-Wellen 290 „ Kiefern-Wellen Anfang und Zusammenkunft vormittags 9 Uhr auf der Waldbahn oberhalb des Steinbruchs. Kodhelm v. d. K., 18. Juni 1913 Kroßh. fSKrsrnnriflrrci Ko-Hrim Hofmann.