11. Jahrgang. Nummer 141 Mittwoch, den 19. Juni 1918 Die „Neue Tageszeitung" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der §antv aus Hessen". „Die Spiunssrrbs". Sezrrgspreis: Bei den Postanstalten vierteljährlich Akk. 2.4O hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Aaenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 25 Pfg., lokale 20Pfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben. Erfüllungsort Friedberg. ZchriMeitung und Nerlag Friedberg (Hessen), Hanauerstraste 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Conto Nr. 4859, Amt Frankfurt a. M. Der Kana! Folevva in sahen Kämpfen erreicht. — Die Zahl der Gefangenen auf über 30000 gestiegen. 120 Geschütze. — 16000 Tonnen verdenkt. — Die rumänische Thronrede. Der deutsche Generalstab i=r——- meldet: ==========* M. T. K. Grotzes Hattpt^rrrr^Llrr, de;L 18. Juni. Amrrichl Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz R u p p r e 'ch i Die feindliche Artillerie entwickelte in einzelnen Abschnit- feft in Flandern, beiderseits der Lys, zwischen Arras und Albert rege Tätigkeit. Nach heftigem Feuerüberfall griff der Feind gk-.cn Mitterncchi südwestlich von Albert an. Er wurde abgew esen und lieg Cefcnaeire in unserer Hand. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Südwestlich von Noyon und südlich der Aisne lebte die Art'.llerietätigkeit in den Abendstunden auf. Teilvorstöße de' Feindes nördlich der Aisnr und nordwestlich von Choteau- Thierry wurden abgewiefen. Der Erste Generalquarticrm erster: Luden d 0 1 f f. Abcndkericht. Derl'.u, 18. Juni, abends. (MTB. Amtlich.) Don den Kampffronten nichts Neues. Der österreichische Geueralstab ~ meldet: Wien, 18. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver- tcmtbart: Die Schlacht in Venelien nimmt ihren Fortgang. Die Armee des Generalobersten Freiherrn von Wurm gewann an zahlreichen Stellen Raum. Ihr Südflügel erreichte in zähen Kämpfen den Kanal Fosebba. Generaloberst Erzherzog Josef baute feine Erfolge im Montello-Eebiete aus. Italienische Gegenstöße scheiterten an drei Kampftagen. An drei Kampftagen wurden in diesem Gebiet 73 italienische Geschütze eingebracht, darunter zahlreiche schwere Kaliber. Beiderseits der Brenta rannte der Feind abermals vergeblich gegen unsere neuen Stellungen an. Ebenso erfolglos verliefen südlich von Asiago mehrere englische Angriffe. Die Zahl der Gefangenen ist auf 30 000 gestiegen, jene der erbeuteten Geschütze auf 120. Die Beute an Minenwersern ui. Maschinengewehren, sowie sonstigen Kriegsmitteln ist noch nu ; . gezählt. Der Chef des Generalstabes. österreichische Offensive. Wien. 17. Juni. (WTB. Nichtamtlich ) Aus dem Kriegs- pressequarticr wird gemeldet: Was der erste Tag der einsttzenden Offensive an der Südwestfront unseren braven Truppen an Erfolgen brachte, wurde auch gestern alten verzweifelten Anstrengungen des Gegners zum Trotz teils behauptet, teils unbeeinflußt durch alle Beschwerlichkeiten der ungünstig-cn Witterung weiter ausgebaut. Des Wcstufer der Piave, von den beherrschenden Höhen des Mor.tello bis hinunter ans Meer, mar der Schauplatz erbitterter Kämpfe, in deren Verlauf sich unsere dort operierenden Armeen in den Besitz weiteren feindlichen Geländes und dadurch einer größeren Sicherheit aller bisher errungenen Erfolge setzten. Sowohl der Raumgewinn im Gebiete des Moniello, wie auch westlich von San Dona, die Einnahme des vielumstrittenen Enno Slle, sind die ersten Früchte des mit so unvergleich- Uio £ Schnelligkeit und durchschlagendem Erfolg unternomme- r?'.1 Flußiiberganges, der für die Italiener ebenso überraschend i'ij l '.ohlich ist und uns einen Ausblick für alle weiteren ieitcn eröffnet. Daß bei Fagore eine einzige Sturmpatrouille eines Infanterieregiments 700 Mann und 9 Offiziere verschiedener Regimenter zu Gefangenen machte, gibt einen zutreffenden Beweis, wie sehr durch die Wucht unseres Angriffes die Verbände des Gegners in Verwirrung geraten fein müssen und ein schönes Bild von dem prächtigen Offensiv- geist unserer Truppen. Auch während des gestrigen Tages blieben alle beiderseits der Brenta errungenen Erfolge fest in den Händen der österreichisch-ungarischen Truppen. Kein Fuß breit Boden in dieser wildzerkl'isteten Gebirgslandschaft, wo jeder Schritt nach vor- kvärts von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist, konnte der ! zähen Verteidigung der alpenländischen Regimenter entrissen werden. So schlossen sich die Erfolge des zweiten Kampftages würdig den vorausgegangenen Ereignissen an * Wien, 18. Juni. (WB.) Die Blätter melden: Seit Beginn der deutschen Angriffsschlacht im Westen wurde in der Oeffentlichkeit sehr oft die Frage erörtert, weshalb der österreichisch-ungarische Angriff an der Südwestfront nicht gleichzeitig eingesetzt habe, um so einen schlagenden Beweis Don der Einheitsfront des Vierbnndes zu liefern. Angesichts der fortschreitenden Erfolge an der deutschen Westfront konnte man der sich steigernden und vielleicht bis zu einem gewissen Grade verständlichen Ungeduld stets nur entgegen- halten, daß es der Obersten Heeresleitung überlassen bleiben müßte, jenen Zeitpunkt für den Beginn auch unserer Offensive an der Südwestfront zu wählen, der ihr aufgrund einer eingehenden Erwägung der ihr bekannten Momente als hierzu geeignet erscheinen mußte. Wenngleich sich aus begreiflichen Gründen die operative Operation auf dem süd- lvestlichen Kriegsschauplätze der Erörterung derzeit entzieht, möge doch kurz aus einige Momente hingewiesen werden, deren Unkenntnis oder Außerachtlassung Fernstehende zu einer vorschnellen ^und gewiß nicht zutreffenden Beurteilung der Lage verleiten konnte. Es gibt keinen Kriegsschauplatz, der auch nur annähernd eine derarüge Verschiedenheit mit 'Bezug auf die Gliederung und Beschaffenheit des Geländes vor allem im Frühling und im Hochsommer auch hinsichtlich der Gangbarkeit des Klimas und der Witterungsverhältnisse aufweisen würde, wie die zusammenhängende 'Front vom Stilfscr Joch bis zur Lagunenküste von Venedig. Während in der venetianischen Ebene bereits trockenes, schönes Som- merwetter den geeigneten Zeitpunkt für den Beginn größerer Aktionen als gekommen erscheinen lassen kann, stehen im Gebirge schwere Nebel und Regen und in den höheren Lagen noch starker Schneefall und selbst Schneesturm einer Offen- sivbewegnng hindernd im Wege. So wurde noch am 16. Mai an der Gebirgsfront eine starke Bewölkung und Schnee, am 6. Mai ein 50 Zentimeter hoher Neuschnee und Lawinengefahr gemeldet. Der Eintritt klaren, warmen Frühlingswetters, nnt raschester Schneeschmelze verbunden, kann im Gebirge den Beginn des Angriffes erhoffen lassen. Aber gerade die rasch abfließenden Schneewasser verwandeln die bisher fast ausgetrockneten Torrenten der Ebene in reißende Ströme und schaffen durch das steigende Grundwafser im Mündungsgebiet weite Sumpf- und Marostflächen und hierdurch Hindernisse, welche dem Vorrücken und vor allem dem geregelten Nachschübe ernsteste Hindernisse bereiten können. Auch die Frage der für den Einmarsch bezw. die Versammlung und den Nachschub großer Truppenkörper zur Verfügung stehenden Verbindungslinien und Bahnen liegt infolge der Terrainverhältnisse weitaus schwieriger, als dies z. B. an der Flandern front der Fall ist. Daß die glückliche Lösung dieses überaus schwierigen Problems eine der bedeutendsten Anfc . nen der Führung bildete, um das für den Angriff so nöti i • U Überraschungsmoment nicht auszuschalten bedarf keiner Erörterung. Bezeichneten doch die Berichterstatter und die italienischen Blätter selbst die tagsüber an und hinter der österreichisch-ungr.'üschen Front herrschende Ruhe als unheimlich und unbegreiflich. Die vorstehenden Momente lassen erkennen, mit welchen Schwierigkeiten die beste Führung oftmals zu rechnen hat, und daß die scheinbar berechtigte Ungeduld ihre Quellen aus Umstünden schöpft, die in der Oefsentlichkeit nicht voll erfaßt werden. Die Schlacht im Westen. De Lage. Berlin, 17. Juni. (WB.) Der Berichterstatter des Wolsf- schen Bureaus meldet von der Front: Die Amerikaner, die in der letzten Zeit bei nutzlosen Gegenangriffen wiederholt außerordentlich schwere Dlutopfer gebracht haben, wurden gestern zwischen Maas und Mose! von deutschen Stoßtrupps angegriffen, die zwischen Vargevaux-Weihcr und Richecourt tief in die feindlichen Stellungen eindrangen. Die amerikanischen Gräben wurden glatt übcrrannt. Reste der Besatzung, die nach rückwärts flüchteten, faßte unser Verfolgungsfeuer. Das Dorf Marvoisin mit seinen Verteidigungsanlagen wurde nachhaltig von unseren eingedrnngenen Ctoßtrnppeir zerstört. Während dieser Zeit hielt die deutsche Artillerie die amerikanischen Ve- rcltschaften und Reserven, die rückwärtigen Stellungen und Anmarschwege dauernd unter zusammeugefaßtem Feuer. Wieder, holte Czplcsionen und Brände sowie ein reger feindlicher Ver» wundetentransport wurden festgestellt. Nach Einbruch derr Dunkelheit räumten wir planmäßig und unbelästigt vom Feinde die gründlich zerstörten feindlichen Anlagen. Auch in den Südvogesen westlich von Colmar hatte ein eigener Vorstoß vollen Erfolg. Aus den feindlichen Stellungen wurden hier 20 Franzosen und ein Maschinengewehr als Beute eingebracht In Flandern wurden am 16. Juni verschiedentlich feindlicht Vorstöße an mehreren Stellen der Front verlustreich abgewiesen. Desgleichen scheiterte ein um 12.30 Uhr vorm, erfolge ter Angriff einer feindlichen Großpatrouille südwestlich rc:r Hamel. Die Bahnanlagen von Amiens lagen unter unseren wirksamen schweren Feuer. Berlin, 17. Juni. (WB.) Während der Aisne-Offensioe vom 27. Mai bis 6. Juni wurden an unverwundeten französischen Gefangenen allein von nachstehenden Divionen cinge» bracht: Von der 1. Jnf.-Div. 68 Offiziere 2631 Mann, 13. I.. D. 25 Offiziere 1186 Mann, 21. J.-D. 166 Offiziere 5665 Mann. 22. Jnf.-Div. 64 Offiziere 2432 Mann, 36. I.-D. 23 Offiziere 1221 Mann. 39. I.-D. 41 Offiziere 2008 Mann. 43. I.-D. 24 Offiziere 1403 Mann, 61. J.-D. 64 Offiziere 4949 Mann, 74. J.-D. 54 Offiziere 2513 Mann, 131. J.D. 37 Offiziere 1496 Mann. 152. J.-D. 44 Offiziere 3752 Mairn, 51. J^D. 66 Offiziere 2649 Mann; während der Oise-Ofsensive vom 9. bis 12. Juni von der 36. J.-D. 30 Offiziere 1434 Munn, 58. J.-D. 100 Offiziere 2846 Mann. 72. J.-D. 47 Offiziere 1827 Mann, 125. J.-D- 83 Offiziere 2634 Mann, 1. Kür.-Div. 67 Offiziere 2396 Mann. Rechnet man zu den oben angeführten Gefangenen- zahlen die verwundeten Gefangenen und die hohen blutigen Verluste des Feindes hinzu, so kann man einwandfrei festslel- len, in welchem Grade die Kampfkraft der französischen Armee allein während der beiden letzten Offensiven vermindert worden ist. U K ~ ' f * ‘ Vor neuen Kämpfen. Gens, 18. Juni. Der „Matin" meldet von der französischen Front; Die Deutschen fetzen ihre Angriffe mit nu-' verminderter Heftigkeit fort. Die Luftangriffe auf die Städte im Frontbereiche nehnien zu und beweisen uns, daß wir vor einem nochmaligen Großangriff des Feindes stehen. Der „Eorriere della Sera" meldet von der italienischen Front: Man schätzt die Zahl der feuernden Geschütze auf 5000. In Padua und Venedig höre man den Kanonendonner. Es sei nicht von einem Nachlassen der Kampfestätigkeit zu sprechen. Der Hauptstoß des Feindes stehe jedenfalls erst bevor. 16000 Tonnen vnfnsht. Berlin, 16. Juni. (MV. Amtlich.) Im Sperrgebiet um England sind durch unsere U-Boote neuerdings 16 000 Brt. feindlichen Handelsschiffraumes vernichtet worden. Außerdem wurden an der Ostküsie Englands folgende englische Fischerfahc-. zeuge und Segler versenkt: „Fortuna", „Eclipse", „Day. spring", „Albert", Beryll", „Dianthus" und „Activ". Der Chef des Admiralstabs der Marine. f (611 cnMihi'r MslneiiM wlfiM. London, 17. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Admiralität teilt mit: Der Hilfskreuzer „Patria" ist am 13. Juni durch ein deutsches Unterste- boot torpediert und versenkt worden. Ein Offizier und 1) Mann der Handelsmarinemannschaften werden vermißt un4 sind wahrscheinlich ertrunken. • Dom Seckriege. Berlin, 17, Juni. (WB.) Nach der „Daily Nervs" voirff 27. Mai soll das in Ferrol internierte deutsche U-Boot „U. 48" versucht haben, zu entweichen. An dem Vorhaben sei das Boot durch den spanischen Kreuzer „Rio de la Plata" vorhin- dort worden. Wie wir von zuständiger Stelle hierzu erfahren, ist die Nachricht erfunden. Bern. 17. Juni. (WB.) Der „Petit Parisien" meldet aus Bilbao, daß der spanische Dampfer „Upomcnd" (3838 Tonnen)' tun 12. Juni versenkt worden ist. DK Besatzung mit Ausnahme eines Heizers wurde gerettet. Zum Fliegerangriff auf Paris. Berlin» 18. Juni. (WB.) Der Bombenangriff unserer Flieger auf den Festungsgürtel von Parts rief große Brande im Nordteile der Stadt hervor. Der deutsche Fliegerangriff auf die inneren Pariser Bezirke dauerte in der Nacht auf de« 17. Juni eine Stunde. Die Zahl der Opfer wird auf etwa 40 beziffert. Den Sachschaden dürfen die Blätter nicht näher bezeichnen. Zwischen dem Wald von Villers Cotterets und Chateau- Thierry richtete der Feind heftiges Feuer gegen unsere Stellungen. Nach kurzer Artillerievorbereitung griff er um fünf Uhr vormittags mit stärkeren Kräften in der Gegend des Cligmonbaches an. Er holte sich hier eine schwere blutige Schlappe. Sein Angriff wurde unter Einbehaltung von Gefangenen restlos abgewiesen. Vor unseren Gräben liegen zahlreiche Hausen Gefallener. Während sämtliche Vorstöße des Feindes in dieser Gegend blutig scheiterten, brachten eigene Unternehmungen hier am Abend und nachts mehrere hundert Gefangene ein. Feindliche Flieger setzten durch Bombenabwurf die Zerstörung Soisions fort. Auch in der lad von Reims kosteten den Feind Unternehmungen mit jiuumn Abteilungen lediglich schwere Verluste. Die hMndilchkn Zchiffe in ^SüfriSm. Amsterdam, 17. Juni. (WB.) Nach einem Telegramm „Times" aus Washington klagte der amerikanische Gesandte in Haag in seinem Bericht an seine Negierung darüber daß die Holländer wegen der in den Verengten Staaten beschlagnahmten Schiffe in Sorge sind und fürchten, daß sie sie am Ende des Krieges in völlig unbrauchbarem Zustande zurückerhalten werden. Schuld an dieser besorgten Stimmung schiebt der Gesandte der deutschen Propaganda in die Sckuhe. Das ist sogar dem hiesigen Propagandablatt der Entente „Telegraaf", zu stark. Das Blatt bemerkt dazu: Der amerikanische Gesandte brauche nicht alles das, was über die beschlagnahmten holländischen Schiffe hierzulande gesagt werde, .auf die Rechnung der deuffchen Propaganda zu setzen, es seien holländische Seeleute gewesen, welche erklärten, daß mit den Schiffen aus wenig sachgemäße Weise verfahren wurde. Die uijßjiheil Zch-sse in ^inrrifea und England bejchlllgllahllil. Helsingfors, 15. Juni. (WB.) „Hufvudstadsbladet" meldet: Moskauer Nachrichten zufolge sind alle in amerikanischen und englischen Häfen liegenden russischen Fahr- zeuge beschlagnahmt worden. „Novaja Shisn" berichtet, daß acht der größten und besten Dampfer der russischen Freiwilligenflotte in den ostasiatischen Gewässern genommen wurden und die übrigen den Befehl erhielten, nicht in See zu gehen. Der Kommissar für auswärtige Angelegenheiten hat hiergegen Protest eingelegr. Amerikanisches. Wilson als „Oberster Kriegsherr" in Europa. Wie die „Newyork Times" vom 13. Mai aus Paris erfahrt, hat der Herausgeber der „Menschenrechte", Paul Hyacinthe Loyson, in einer Mitteilung an die amerikanische Arbeiterabordnung in Frankreich folgenden Wunsch ausgesprochen: „Ihr amerikanischen Arbeiter müßt uns helfen, unseren moralischen Verdun- Sieg zu erringen! Es mag die Zeit kommen, wo der Endsieg des Verbandes dadurch gesichert werden wird, daß Präsident Wilson in eigener Person nach dem Kontinent kommt als unser Oberster Kriegsherr für den Sonderstreden!" Nothäute an der Wcststont. Laut der Armee-Ausgabe der „Ehikago Tribüne" sollen 800 Rothäute jetzt unter den amerikanischen und kanadischen Truppen an der Westfront als Soldaten eingereiht sein. Bei der letzten Versammlung des Jro. quoisstammes zu Montreal ^n Kanada erklärte der alte Stammeshäuptling, daß sein Sohn den Fliegertod in Europa gefunden habe, und daß noch viele junge Krieger ihm in die Gefilde der Glücklichen, folgen würden. Im Namen seines Stammes verlangte er, daß den Indianer-Freiwilligen in den kanadischen und amerikanischen Heeren wenigstens zum Lohne die Bürgerrechte verliehen werden. Im Lande der berühmten Freiheit und Gerechtigkeit werden nämlich den einzigen echten Landessöhnen, den eingeborenen Indianern, weder Bürgerrechte .Freiheiten noch sonstiger Rechtsschutz gewährt. Aber bluten dürfen sie. Zrnn Rücktritt Radostawoms. Sofia, 17. Juni. (WB.) Meldung der Bulgarischen Telegraphen-Agentur. König Ferdinand empfing um 6 Uhr nachmittags den Präsidenten der Sobranje Netschew und den früheren Minstcrpräsidenten Geschow, uyi 7*4 Uhr den Chef der deniokratischen Partei unh die Führer der Opposition, uni sich mit ihnen über die Lage zwecks Bildung eines neuen Kabinetts zu besprechen. Sofia, 17. Juni. (MTV. S.. ' *0 Meldung der Bulgarischen Telegraphenagentur dtritt Radoslawows iji bte Solgc einer teilweisen M... , ...sie. Zwei, Minister der öffentlichen Arbeiten Petkow und der Eisenbahnminister Koz- nitschky, traten wegen einer Meinungsverschiedenheit in inneren Fragen zurück. Jnfolgedesien befand sich die Regierung in der Minderheit. Obwohl die Sobranje gegenwärtig keine Tagung abhält und die Regierung somit keine Schwierigkeiten zu befürchten hatte, hielt sich Radoslawow genau an die Vorschriften der Verfassung und bot seine Demission an, um der Krone die Möglichkeit zu geben, andere parlamentarische Gruppen zu befragen. ^ Ein netter serbischer Kritgsmnistn. Basel, 18. Juni. Wie Havas aus Salonik meldet, hat der Kronprinz von Serbien die Demission des Kriegsnüni- sterS angenommen und an seiner Stelle Protitsch ernannt. Der Ministerpräsident und die Mitglieder des Ministeriums sind, nach Korfu abgereist. Die rumänische Thronrede. Bukarest, 17. Juni. (WB.) Aus Jaffy wird gemeldet: Die heute im Jasiyer Rationaltheater erfolgte Eröffnung des Parlaments verlief in durchaus ruhiger und würdiger Weise. Als der König, der bei seinem Erscheinen von den Volksvertretern lebhaft begrüßt wurde, beim Verlesen der Thronrede sagte, daß die Verlängerung des Widerstandes eine vollkommene Erschöpfung der Kräfte des Landes herbeigeführt haben würde, und daß Rumänien den Frieden abgeschlossen habe, der sich ihm als eine Lebensbedingung aufdrängte, brachen die Kammern in einen mehrere Minuten währenden Beifallssturm aus. Mit den gleichen stürmischen, lan^ ^-'l.ndenKimdgebungen wurde die Stelle ausgenommen, in der von der Angliederung Beß- arabiens an das Mutterland die Rede ist. Auch die Worte von der Wiederaufnahme der stüheren Freundschaft zu den Mächten, mit denen der Friede geschloffen wurde, fanden auf- richtiaen Beifall. In der Thronrede heißt es: Auf feine eigenen Mittel angewiesen, hat das Land voll Edelmut und hohem Patriotismus die Blüte seiner tapferen Söhne geopfert. Aber die Verlängerung des bewaffneten Widerstandes hatte seine Kräfte bis zur Vernichtung erschöpft. Rumänien hat Frieden geschlossen, der sich ihm wie eine Lebensbedingung aufdrängte. Der Friedensvertrag wird unverzüglich gemäß den Bestim- ncungen der Verfaffer der gesetzgebenden Körperschaft zur Billigung unterbreitet werden. Er legt uns offenbar schmerzliche Opfer auf, aber das rumänische Volk wird sie mit jener Mannhaftigkeit prüfen, die die genaue Erfassung des Staatsinteresses angesichts der wirklichen Lage verleiht. Danken wir indessen dem Himmel, wenn er gerade in der Stunde dieser Prüfungen im Gefühl der Raffengemetnschaft das schöne moldauische Land, das dem Boden der Wäier entriffen war, zum Mutterlonde Zurückgeführt und das beffarabische Volk in seine j Arme geworfen fjat, um seine Arbeitskraft und den Glauben i an feine Zukunft zu erhöhen. fiirpg der dstelMÜchen gSrofrairoti. Wien, 17. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Das Volksernährungsamt veröffentlicht eine Mitteilung, wonach in Wien bei Austechterhaltung der gegenwärtigen Mehlquote eine vorübergehende Kürzung der Brotration auf die Hälfte eintreten mutz. Für die Veistellung anderer verfügbarer Lebensmittel werde nach Möglichkeit gesorgt werden. * Wien, 18. Jr?rn. (WB.) Einer Abordnung von 150 Sozialdemokraten, die wegen der Kürzung der Brotration für die Wiener Bevölkerung vorstellig wurde, erklärte Mini- sterpräsident v. Seidler, daß von den zivilen wie militärischen Stellen alles nur Erdenkliche unternommen würde, um die getroffene Verfügung zu vermeiden. Seit der Erschöpfung der heimischen Vorräte sei Oesterreich auf die Zufuhren aus der Ukraine und Bessarabien angewiesen, die jedoch gegenwärtig infolge der Stockung in der Aufbringung unbefriedigend seien. Naturgemäß seien sofort alle erforder- lichen Einlütungen getroffen worden, um andererseits Aushilfen zu beschaffen, namentlich durch Deutschland, das jedoch selbst im gegenwärtigen Zeitpunkt knapp vor der neuen Ernte, genötigt sei, eine Kürzung der Brotration vorzu- nehmen und daher begreiflicherweise mit den eigenen Vorräten haushälterisch umgehe. Gestern abend sei noch Minister Paul nach Berlin gereist. Es bestehe immerhin die Hoffnung, daß von detltscher Seite im Sinne der im Mai getroffenen Vereinbarungen gewisse Transporte an Oesterreich abgegeben würden. Der Ministerpräsident hofft, daß die Periode der Verringerung der Brotquote so kurz als möglich sein werde und versicherte schließlich, daß die Regierung'alle Vorkehrungen getroffen habe, um die Erfassung der heranreifenden Ernte so rasch als möglich durchzuführen. Anmerkung des Wolffbüros: Wie wir von zuständiger Seite erfahren, ist die Abgabe von Brotgetreide aus deutschen Beständen ausgeschlossen. franlimrfj in aMÜWjchen Banden. Sie „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bespricht in einem „FrankreichsDesperadopolitik" bettelten Auffatze die Enthüllungen des „Manchester Guardian" über die kürz- lichen französischen Kammerausschuß-Verhandlungen über auswärttge Angelegenheiten nd die dadurch klargestellten maßlosen Eroberungsziele Frankreichs, und die jüngste Rede Elemenceaus, in der er die englisch-französische Erschöpfung eingesteht und sich nur noch an die fragwürdige amerikanische Hilfe zu klammern vermag. In diesem Zusammenhänge macht die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" auf die verzweifelten Bemühungen der französischen Regierung aufmerksam. den Friedenswillen des französischen Volkes zu bekämpfen, und gibt dabei folgende, Auslassung der bekannten politischen Zeitschrift „Cri de Paris" wieder, die sagt: „In Frankreich gibt es immer noch Leute, die, sich einbilden, daß ein wenig guter Wille von unserer Seite und eine Verständigung zwischen uns und Deutschland genüge, um den Weltfrieden wiederherzustellen. Keine Täuschung ist gefährlicher als diese. Der Friede hängt nicht von uns ab. Die amerikanischen Arbeitervertreter sagten es uns in sehr klaren Worten, wie auch Wilson und George. England und Amerika kämpfen nicht nur für uns, auch für ihr eigenes Heil, damit die Erde von der ständigen Drohung enthoben würde, die im Falle des Triumphes des deuffchen Militarismus auf allen Völkern laste. Wenn wir die Feigheit besäßen, auf das Elsaß zu verzichten, England und Amerika schlöffen keinen Frieden. Wenn Deutschland bereit wäre, uns das Elsaß abzutreten, England und Amerika schlöffen keinen Frieden, und wenn wir mit der Erklärung» daß wir zufrieden gestellt sind, fähig wären, wie die Russe« einem Sonderfrieden zuzustimmen, England und Amerika setzten den Kampf fort. Nichts fiele ihnen leichter, da sie die Herren des Meeres sind. Sie stellten unsere Nahrungsnüttelversorgung ein, sie würden Frankreich blockieren, und das einzige Ergebnis unserer Unterwerfung unter den Sieger wäre.- Wir erlitten die furchtbarste Hungersnot Das ist die Wahrheit. Man darf nicht müde werden wie die Friedensfreunde, die harmlosen Sozialisten, wie alle, di« sich kindlichen Einbildungen hingeben. Wir sind an unsere Verbündeten gebunden, wir können nicht ohne sie verhandeln wir haben nicht die Wahl zwischen Krieg und Frieden, sondern zwischen Sieg und Hunger." Die „Norddeuffche Allgemeine Zeitung" verzeichnet die Bedeutung dieser erschütternden Eingeständnisse: Frankreich kämpft, weil es kämpfen muß, nicht einmal um seiner Kriegsziele willen, sondern weil es zu kämpfen gezwungen wird, nicht der Feind, nicht das französische Heil zwingen Frankreich zur Kriegsfortsetzung, sondern Frankreichs Verbündete. Nicht um den Sieg kämpft Frankreich, sondern um sein tägliches Brot, das ihm die Verbündeten nur um den Preis seines Weiterblutens bewilligen. Kein Feind Frankreichs hätte sich örlaubt ,in dieser Weise Frankreichs Zukunft der Griechenlands und Portugals gleichzustellen. Diese Darstellung der Kriegsgründe Frankreichs geht aber von französischer Seite aus und soll zur Beruhigung des französischen Volkes dienen. Aus dem preußischen £r*ithtitnu Der Abg. Hoffmann hielt wieder einmal eine Rede die gar zu schön ist, als datz man sie nicht erwähnen sollte. Er- sagte u. a.: Die Volksschule ist immer noch das Stiefkind in Preußen, wo angeblich die Kulturaufgaben nicht leiden. Sie (nach rechts) wollen die Kinder nur das lernen laffen. was notwendig ist, um sie bester auszubeuten. Die beste Hälfte unserer Lehrer ist uns durch den Krieg genommen. Zieht man doch jetzt schon die Kinder ein. Durch die vielen schulfreie« Tage wird die Verwilderung der Jugend, über die so viel ge» klagt wird, gefördert, ebenso durch die Kriegsgeschichten, mit denen man die Jugend vollpstcpft. Die neuen Getrerdepreise. Berlin, 17. Juni. (WB.) Durch Verordnung vom 1$. Juni hat der Bundesrat die Eetreidepreife für 1918 festgesetzt. Im Anschluß daran wurden die Frühdruschprämien für Weizen- Roggen und Gerste festgelegt. Datz die Getreidehöchstpreise für das neue Erntejahr erhöht werden mutzten, war bei der fortgesetzten Steigerung der Produktionskosten und dem sinkenden Geldwert eine unabweisbar« Notwendigkeit, um den Rückgang dr-s Getteide-Anbaues zu vn»: hüten, der für Deutschland bei der noch fortbestehenden Abip.'r- rung vom Weltmarkt unerträglich wäre. Ein solcher Rück^ des Getreideanbaues wäre aber unvermeidlich, wenn die Höch>- preise die Produktionskosten nicht mehr decken würden, weil alsdann die Landwirtschaft gezwungen wäre, zu einer extensive, ren Wirtschaft überzugehen. Bei der Festsetzung der Höhe der Preissteigerung war andererseits aber auch darauf Rücksicht zu nehmen, datz durch die Erhöhung der Eetreidepreife keine unerträgliche Verteuerung der Lebenshaltung der Bevölkerung eintritt. Die Erhöhung mutzte daher in den Grenzen des un- bedingt Notwendigen gehalten werden. Aus diesen Erwägungen kommt die neue Verordnung zu einer Erhöhung von 35 Mark für die Tonne Hafer und Cerste. Sie macht bei Weizen zwölf Prozent, bei Roggen 13 Prozent, bei Gerste und Hafer 11 Prozent des bisherigen Preises aus, bleibt demnach noch hinter der Steigerung der Produktionskosten des letzten Jahres und der Senkung des Geldwertes zurück, doch ist anzunehmen, daß bei diesen Preisen die Erzeugungskosten noch Deckung finden. Die Abstufung nach Preisgebieten für Weizen und Roggen ist beibehalten worden. Durch die Erhöhung des Hafer- und Gersten- Preises um nur 30 Mark gegenüber der Erhöhung des Brotge- treidepreifes um 35 Mark wird erreicht, daß der Preis für Brotgetreide auch im niedrigsten Prersgebiet nicht unter den Preis für Futtergetreide zu stehen kommt. Die Erhöhung, der Grundpreise für Brotgetreide bedingt eine Steigerung der Mehlpreise um noch nicht zwei Pfennig für das Pfund Mehl und hält sich auch für Minderbemittelte in erträglichen Grenzen. Da unsere Vorräte an Brotgetreide nur gerade ausreichen um die Vrotversorgung bis zum Beginn der neuen Ernte auf recht zu erhalten, sind wir in noch stärkerem Grade als im Vorjahr darauf angewiesen, das Getreide der neuen Ernte durch Frühdrusch so rasch als möglich zu erfassen. Die Frühdrusch- prämien, die im vorigen Jahre neben anderen Maßregeln zu» Erreichung dieses Zweckes festgesetzt waren, haben sich trotz mehrfacher dagegen erhobener Bedenken in ihrem Erfolg be. währt. Bei der gegenwärttgen Lage unserer Brotgetreidever» örgung kann auf sie auch in diesem Jahre nicht verzichtet werden, da ohne reichliche Vergütung der den Landwirten ent- tehenden besonderen Unkosten und durch den Frühdrusch verursachten vielfachen Wirtschastserschwerniffe auf eine» durch- chlagenden Erfolg der Frühdruschaktion nicht gerechnet werden kann. Die Prämie beträgt für die Tonne Roggen, Weizen und Gerste, wenn die Ablieferung erfolgt vor dem 16. Jutt 1918: 120 Mark, vor dem 1. August 100 Mark, vor dem 16. August 80 Mark, vor dem 1. Septetnber 60 Mark, vor dem 16. Septbr. 40 Mark, vor dem 1. Oktober 20 Mark. Fristen und Staffelung, der Prämiensätze sind sorgfältig nach dem Gesichtspunkt abgewogen, die Reichsgetreidestelle und »die Kommunalverbände 8um rechten Zeitpunkt in den Besitz der für eine ungestörte Versorgung nötigen Getreidemengen zu setzen. Die hohen Anfang ssähe bet Prämien kommen nur für früh geerntete Wintergerste und frühest geernteten Winterroggen in Betracht. Di« Festsetzung von Druschprämien für Hafer erfolgt durch eine später ergehende besondere Verordnung. Die erschwerten Produktionsbedingungen haben auch in allen anderen Kulturländern eine wesentliche Steigerung der Getreidepreise verursacht, indessen ergibt ein Vergleich der deutschen Getreidepreise mit den ausländischen, daß die deutschen Getreidepreise während des Krieges die geringste Steigerung ausweisen und sich weit unter dem Durchschnitt der Preise in den anderen Kulturländern halten. llrrkilk rarrftiölftrr Italjrunaemittfl. In verschiedenen Blättern finden wir wieder einmal Belege dafür, wie unter der jetzigen sozialistischen Zwangserfassung und Verteilung von den wichtigsten Nahrungsmitteln große Mengen verloren gehen. So berichtet die „National-Ztg." (131) aus Leipzig, daß dort ein Eisenbahnwagen mit Butter in solchem Zustande angelangt sei. daß den Beamten beim Oeffnen der Türen verflüssigte Butter entgegengequollen sei. Die Butterfässer wären durch die große Hitze undicht geworden und hätten einen so großen Teil ihres Inhalts über den Wagenboden ergossen, daß derselbe mit einer ziemlich starken Butterschicht bedeckt war. Was aus der ganzen Butterladung geworden ist, hat der Berichterstatter des Blattes nicht feststellen können, er bemerkt aber, daß die Wagenreiniger sich in diesem Falle ihrer Aufgabe mit ganz besonderer Sorgfalt und Liebe hingegeben hätten. In der „Allg. Fleischerztg," (4. 6.) wurde berichtet, daß Gutsbesitzer Franz aus Prießnitz bei Dresden in der letzten Be- zirksausfchußsitzung der Amtshauptmannschaft Dresden-A. zum Erstaunen oller Anwesenden kundgetan habe, daß der Rat von Dredcn 50 000 faule Eier zum Preise von 4 Pfennig das Stück an die Reidefche Kleintierzucht- und Lohnbrutanstalt zu Futter- zwecken verkauft habe. Von anderer Seite wurde diese Mitteilung dahin ergänzt, daß sich auch von mehreren für die dortige Militärbäckerei bestimmten Wagenladungen Eier die meisten als verdorben herausgrstellt hätten. So etwas kommt aber nicht etwa in Sachsen allein vor. denn vor kurzem berichtete die „Ostprß. Ztg.", daß vor dem Sack- heimer Tore Königsbergs ein neuer Eier-Friedhof entstanden sei, wo man die unter den angekommenen Massensendungen verdorbenen Eier zu bestatten pflege. (Kleintierzuchtanstalten gibt es scheinbar bei Königsberg nicht.) Auch wurde in diesem Blatte über große Mengen von Knickeiern geklagt, die vielleicht mit deshalb so groß wären, weil sie dem mit dem Sortieren beschäftigten Personal überlasten würden. Daß Butter schon in den Fästern flüssig wurde (sonst hätte sie selbst aus undichten Fästern nicht auslausen können), daß Eier in solchen Masten auf dem Transport verderben, das ist sicher nicht vorgekommen, als beide Artikel noch nicht so wertvoll und unersetzlich waren. Das Klima Deutschlands ist nicht heißer ge. worden, früher aber trafen etwaige Verluste dieser Art den Geldbeutel de: beteiligten Händler, während die Angestellten der mit der Bewirtschaftung der Nahrungsmittel betrauten amtlichen Stellen vor jedem persönlichen Schaden sicher sind. Das sind die Schattenseiten der staatssozialistischen Zwangswirtschaft, die schlimmer als der stärkste Sonnenbrand auf die Halt, barkeil der Nahrungsmittel einzuwirken scheinen. Nach Mitteilungen Berliner Linkenblätter häufen sich ferner auf dem Tempelhofer Felde die in städtischem Gewahrsam verdorbenen Kartoffeln zu Bergen. Gegen solche Mißstande wollte der Antrag Dr. Noesicke Abhilfe schaffen, den die Reichstagskommission leider verworfen hat. Die Umsätze im Schleichhandel. Welche Unmengen von Lebensmitteln und anderen rationierten Waren im Wege des Schleichhandels umgesetzt werden, dafür liegen wiederum einige Anhaltspunkte, vor. In Köln wurden von der städtischen Polizei in dem einen Monat Mai beschlagnahmt: 2212 Pfund Fleisch, Wurst, Butter, Speck und Jett, 2 Kühe, 30 Pfund Käse, 2766 Pfund Getreide und Hülsenfrüchte, 1155 Pfund Mehl und Backwaren, 378 Pfund Kolonialwaren aller Art, 3546 Pfund Kartoffeln, Gemüse und Obst, 1734 Stück Eier, 93 Pfund und 115 Niegel Schokolade, 10 Pfund Kakao, 53 600 Pfund Zucker, 3139 Pfund Marmelade, 1 Pfund Bonbons, 2 Liter Sprit, 84 Kerzen, 117 Pfund und 487 Stiick Kernseife, 5 Pfund Tabak und 2370 Zigarren, 132 Paar Stiefel und Schuhe, 45 Meter Herrenkleiderstoff, 20 Meter Futterstoff, 716 Meter Seidenstoff, 693 Servietten, 51 Paar Strümpfe, 416 Sterne Garn, 27 Treibriemen, 81 Pfund Geflügelfutter, 95 Plund Zuckerrübensamen, 20 Liter Lack und eine ganze Reihe anderer Dinge in kleineren Posten. — In Bayern sind bekanntlich um die Ausfuhr von Lebensmitteln hintan- zuhalten, an die Post Weisungen ergangen, wonach Pakete unter gewissen Voraussetzungen besonderen militärischen Prüfungsstellen zugeleitet werden müssen, die sie unter Kriegsrecht öffnen und den Inhalt, soweit die gesetzlichen Ausfuhrverbote verletzt sind, zur weiteren Behandlung dem Kriegswucheramt zuzuführen haben. Diese Maßnahme hat im letzten Halbjahr dazu geführt, daß 38 000 Pakete beschlagnahmt wurden. Diese enthielten: 318 Zentner Käse, 267 Zentner Butter, 56 Zentner Schmalz, 518 Zentner Mehl, 12 Zentner Zucker, 92ö Zentner Fleisch, 103 Zentner Honig, 358 Zentner Verschiedenes, zusammen 2625 Zentner imd 133 203 Eier. Dabei ist zu berücksichtigen, daß naturgemäß von den sämtlichen aufgegebenen Paketen nur Stichproben gemacht werden konnten. Man wird nicht fehl gehen, wenn man annimmt, das höchstens ein Prozent der Schleichhandelswaren den Behörden in die Finger fällt. — In Nürnberg hat man einen umfangreichen Schleichhandel in der Ludwigs-Automatenwirschaft entdeckt. Von dem Inhaber wurden Fleisch. Speck und Wurst heimlich aufgekauft und zu hohe« Preisen! an bestimmte Kundschaft weitergegeben. Als man bei dem Automatenbesitzer Haussuchung hielt, entdeckte man einen Brief des Zentralvereins deut* scher Autonmtenbetriebe. in dem di« Automatenbesitzer ec* mahnt frechen, Rechnungen usw. in ihrer Privatwohnung aufzubewahren, um bei Nachforschungen sicher zu gehen. Als die Angelegenheit in der Sitzung der Gemeindevertreter erörtert wurde, machte ein Redner darauf aufmerksam, daß sich in den Automaten richtige Schleichhandelsbörsen entwickelt haben, die man scharf im Auge behalten sollte. Die Gemeindevertretung beschloß, die Automatenwirtschpft sofort schließen zu lassen. Wer nrdit den JnnlcheiWlvmil ein? Zur Neichs-Kleidersammlung hat der Abg. Beckh (Kons.) folgende Anfrage gestellt: „Bei der Reichs-Klei- dersammlnng werden die abzuliefernden Anzüge nach dem Schätzungspreise bezahlt. Der Preis ist für ein noch trag- fahiges Kleidungsstück keineswegs.hoch. Beim Wiederverkäufe wird ein wesentlich erhöhter Preis gefordert. In welche Kasse fließt der Mehrerlös, der oft ein Vielfaches des Ankaufspreises darstellt? Welche Behörde entscheidet bei etwaigen Beschwerden über den Zwang zur Zlbgabe und über die Preisfestsetzungen?" ämmert's endlich Die freisinnige „Breslauer Morgen-Zeitung" schreibt in ihrem Abendblatt vom 30. April: „Zum großen Teil verdankt Deutschland seinen Sieg der heimischen Landwirtschaft. Sieht man sich die Statistik an. so ergibt sich, daß in Deutschland die Weizenernte von 14 aus 20 Millionen Quarters gestiegen ist, die englische dagegen ist von 7,5 auf 7,1 Millionen gefunken. Einer englischen Verringerung von 6 v. H. steht eine deutsche Vermehrung von 38 v. H. gegenüber. Der Kartoffelertrag hat sich in England im Laufe von 20 Jahren von 5,63 aus 5,72 Millionen, d. h. um 2 v. H. erhöht, in Deutschland dagegen von 27,5 auf 49,4 Millionen. Einer englischen Steigerung um 2 v. H. steht eine deutsche um 79 gegenüber." Hoffentlich bemerkt dazu die „Schlesische Tagespost", erkennt nun auch die freisinnige Presse endlich die Richtigkeit der vom Bunde der Landwirte und den Konservativen im Verein mit Zentrmn und Nationalliberalen immer geforderten und vertretenen deutschen Wirtschaftspolitik an. L Pom Felde dee Ehre. Södel. Gefreiter Wilh. S t o 11 bei einem badischen Füß.- Art.-Regiment wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Die Hess. Tapferkeitsmedaille besitzt er schon. — Ersatz-Reservist Herrn. Komp wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch! Aus der Heimat. Friedberg. (Auch ein Jubiläum.) Der Bacrosen- bauer Heinrich Schwarz gebürtig aus Marxheim i. T., jetzt wohnhaft in Höchst a. Main, kommt schon seit 50 Jahren in hiesige Gegend. Wir wünschen dem Jubilar, daß er noch 50 Jahre komnft, und wir werden uns immer aus seinen Besuch freuen. Vad-Nauhcim. Richard Wagner-Abend der Kurkapelle. Donnerstag, den 20. Juni im Konzerthaus. Der für morgen angezeigte Wagnerabend verspricht den zahlreichen Freunden des großen deutschen Meisters hohe Genüsse. Die Vortrags- ordnung bringt Stücke auf dem „Fliegenden Holländer" (Ouvertüre) „Walküre" (Wotans Abscksted und Junizauber) „Parsifal" (Blumenmädchen-Szene und den Karfreitags- zauber) Tristan und Isolde (Liebestod und Verklärung) sowie das herrliche Siegsriedidyll. Im Mittel des Pro- gramrus steht zur Erinnerung an das 30 jährige Regie-- rnngsjnbiläum S. M. des Kaisers der gewaltige „Kaisermarsch". Die Leitung des Konzerts liegt in den Händen von Hofrat Professor Hans Winderstein. Ilbeshausen, 18 Juni. Die Ludendorsfspende hat dahier den Betrag von 117 Mk. 10 Psg. ergeben. — Bei den seitherigen Grasverstcigerungen im Vogelsberg waren die Preise ebenfalls sehr hoch. Mönche Wiesen kosteten das 3—4fache und noch darüber. FC. Frankfurt o. M., 17. Juni. Für die verstorbene Landgräfin von Hessen hielt heute früh der Bischof von Limburg in der Antoniuskirche ein Requiiem. Der Feierlichkeit wohnte die landgräfliche Familie, als Vertreter des Kaisers Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, die Großherzöge von Baden und Hessen und ihren Gemahlinnen, der Fürst Adolf zu Schaum- burg-Lippe, die Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe, geb. Prinzessin von Preußen, sowie die Vertreter der Souveräne befreundeter Staaten, bei. Außerdem waren anwesend der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau von Trott und die Vertreter der Militär- und Zivilbehörden. Die Feier wurde durch einen Gesang eingeleitet und geschlosien. FC Frankfurt a. M., 17. Juni. Der wegen Beraubung eines Koffers im Zuge Limburg-Frankfurt in Haft genommene Packmeister Eckardt ist wieder aus der Hast entlasten, da die bei ihm gefundenen Sachen seinem Bruder gehören. Eckardt gab an, den Koffer in Limburg offen vvrgefunden zu haben. FC. Vom Vogelsberg. 17. Juni. Um die Mißstände, die für Säuglinge durch das Sauerwerden der Milch entstehen, zu vermeiden, ist von heute ab bei der Molkerei Alsfeld eine Voll* milchabgabestell« für Säugling« eingerichtet worden. —> Di« Himbeerernt« in den Waldungen des Vogelbergeo fällt heuer recht müßig aus. Aus Starkenburg. Weltkrieg und Vergnügungen in der Großstadt. Der überaus gute Besuch aller unserer Vergnügungsstätten kann für die letzten Kriegsjahre in unserer Residenz festgestellt: werden, d«r Andrang, der sich aber seit einiger Zeit an unserer Hoftheaterkasse abspielt, spottet jeder Beschreibung. Morgens in aller Frühe kann man eine lange Kette Per* *onen beiderlei Geschlechtes und fast jeden Alters mit über- nächtigtem Aussehen, meist in Tücher und Mäntel gehüllt, vor dem Theatererngang stehen, die teilweise au? Feldstühlen oder anderen Sitzgelegenheiten, die ganze Rack-' von abends 10 Uhr, oder gar schon von nachmittags ab, di-- Eröffnung der Theaterkasse erwarten, um sich einige oder- mehrere Karten oft für Vorstellungen, die erst in einigen Tagen stattsinden, zu sichern. Tatsache ist jedenfalls, daß das Hoftheater seit langerZeit fast täglich allsverkauft ist, ebenso oft hört wati aber, daß wirkliche Kunstliebhaber, die nicht so viel Zeit unp keine so stark« Gesundheit haben, um für einen Theaterbesuch eine ganz« Nacht vorher schon opfern zu können, kein« Karten mehr erhalten können, weil durch das Treiben der nächtlichen Kassabelagerer, die oft eine Apzahl Karten kaufen und damit ein Geschäft machen, schon nach Beginn der eigentlichen Kasseneröffnung die Karten ausverkauft sind. ES wird wohl sehr schwer sein, diesem Mißstand abzuhelfen, lmh verdient er als ein Zeichen der Zeit festgehalten zu werden. Hierbei ereignete sich dieser Tage nun ein gelungener Vorfall. Eine Dame, welche sich ebenfalls «ine solche Kaffe erstanden hatte, wollte diese nur abaeben, wenn sie auch ein Pfund Zucker erhalte. Ein junger Hausbursche war bereit, daS Geschäft zu machen, holte zu Hause rasch die Düte und der Tausch wurde vollzogen. Als die Dame aber die Düte öffnete, hatte sie feinen Sand. Der Hausbursche aber war verschwunden. FC. Die Heidelbeerernte im Odenwald und Spessart wird heuer infolge der großen Trockenheit der letzten Wochen nicht so ausgiebig sein, wie im Jahre 1917. FC. Benshcim, 16. Juni. Beim Rangieren eines Güter« zuges auf der Station Hofheim geriet eine Bremserin beim Anhängen der Wagen zwischen zwei Puffer und erlitt schwere innere Verletzungen. FC. Seeheim, 16. Juni. Der Gesamtumsatz der hiesigen Spar- und Darlehnskaste in dem abgelaufenen Geschäftsjahr betrug 1350 318 Mark. — Die Kirfchenernte ist hier gering ausgefallen. FC. Von der Bergstraße, 16. Juni. In voller Blüte stehen in den Weinbergen die Neben. Die Neben sind so reich mit Blüten behängen, wie es seit dem Jahve 1868 nicht mehr- der Fall war. Aus Nheinhesten. FC. Mainz, 17. Juni. Di« 82jährige Frau Götz versuchte sich auf dem Grabe ihres Mannes das Leben zu nehmen, indem sie sich an beiden Händen die Pulsader zerschnitt. Schwerverletzt kam sie ins Krankenhaus. Die Lebensmüde wohnte seit mehreren Jahren in Frankfurt und war zu dem Vorhaben hierher gereist. AuS Kurhessen. Die Beisetzung der Kandgräss« von Hessen. Fulda. 18. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Die Beisetzung der Landgräfin Anna von Hessen nahm heute nachmittag den pro grammäßigen Verlauf. Nachdem die Leiche am Bahnhof eingeseguet worden war, erfolgte ihre Ueberführuna unter dem Geläute sämtlicher Turmglocken durch die mit Trauer- flor geschmückten Straßen der Stadt nach d«m Dom, wo Professor Dr. Leimbach eine eindrucksvolle Trauerrede hielt. Den: Leichenzuge folgten u. a. Prinz Friedffch Karl, Prinzessin Friedrich Karl. Prinz Wolfgang und Prinz Richard' von Hessen, Erbprinzessin von Anhalt, Prinzessin Schaumburg, Freifrau von Binck, Kammerherr Freiherr von Bothmsr. FC. Aus Niederhesten, 16. Juni. In zahlreichen Gemar. kungen wird bereits mit dem Schnitt der sehr gut geratenen Wintergerste begonnen. Ans Hessen-Nassau. FC. Wiesbaden, 17. Juni. Eine hiesige Familie hatte ffn unehrliches Dienstmädchen und ließ deshalb vor deren Austral aus den Dienst den Koffer der Maid durch den Sch l oster gefel- len August Gräser öffnen. Die Hausfrau entnahm dem Koffer die ihr gestohlenen Wäschestücke mit Ausnahme dreier Damenunterbeinkleider, weil diese das Mädchen bereits getragen hatte. Der Schlostergefelle, der den Grund hörte, eignete sich, nachdem die Hausfrau sich entfernt hatte, die drei Unaussprechlichen an und verehrte sie seiner Frau. Gräser erhielt heute wegen Diebstahl zwei Tage Gefängnis, seine Ehefrau wegen Hehlerei die gleiche Strafe. FC. Vom Untermain. 16. Jun-i. Rur auf ganz geringen Teilen des Untermaingebietes sind Beschädigungen der Kartoffelfelder durch die letzten späten Fröste eingetreten. FC. Dillenburg, 17. Juni. Uebertriebene Heugraspreise. Dem Vernehmen nach sind die fiskalischen Heugrasversteige- rungen nicht genehmigt worden. Es waren Gebote eingelegt, nach denen sich der Zentner Heu auf der Wiese bis zu 20 Mk. gestellt haben würde. Derartige Preise lasten sich natürlich mit den seitens der Behörde festzufetzenden Höchstpreisen nicht in Einklang bringen. FC. Vom Westerwald. 17. Juni. Die beiden Söhne des Lehrers Kaiser in Hof erhielten nach den schweren Kämpfen im Westen das Eiserne Kreuz erster Klasse. Sie sind beide Leutnant der Reserve. _ Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg: ftir den Anzeigenteil: R. H e y n e r. Fnedberg. Druck und Verlag der Jlcnen Tageszeitung", A. G., Friedbera i, G, Wem Dir »>r« Liebe Leib grsthch. Roman von C o n r t h ß. M a h! e r. '^] ^0) Nachdruck verboten. Er Zwang auch diesen in den Bann seiner airten Laune. ^ Und ihm gelang es auch sofort, eine heitere Stimmung auszulösen, so daß kein Mensch hätte ahnen können, daß die beiden Damen und Graf Steinau einander feindlich gegen- überstanden, zumal diese drei Personen sich sehr gut beherrschen konnten. Baroneß Karla kam Graf Joachim sehr liebenswürdig entgegen. Sie berechnete, daß es vielleicht ratsanr sei, ihn zu veranlassen, ihr Öen Hof zu machen. Damit wollte sie Hans Ullrich von Frankenau zur Eifersucht reizen. Sie wußte sehr wohl, daß es viele Männer gab. die eine Frau erst dann reizte, wenn sie von andern begehrt wurde. Jedenfalls war es auch nach ihrer Ansicht ganz amüsant, mit Graf Joachim zu koketUeren. Das lag ihr ohnedies im Blut Ihre Eitelkeit verlangte immer noch -Bewunderung. Uiid so eröffiiete sie ein regelrechtes Feuer von Blicken, Neckerejeii und verheißendem Lächeln. Darüber war Graf Joachim ein wenig erstaunt. Er hatte bisher bei seinen gelegentlichen Besuchen in Birken- henn nicht das Vergnügen und die Ehre gehabt, von Baroneß Karla irgendwie ausgezeichnet zu werden. Er galt ja nicht für eine glänzende Partie, wenn er auch als künftiger Erbe seines Onkels grrt fundiert war. Als Freier war er für die Baronesse nie in Betracht gekommen, und sie hatte ihn bisher wenig beachtet. Nun wußte er nicht, weshalb sie ihn plötzlich mit einem so großen Interesse beehrt. Sehr erfreut schien er nicht darüber zu sein. 0 Er hegte durchaus keine Vorliebe für Baroneß Karla Seine Augen blickten recht kiihl in die ihren, wenn er natürlich auch höflich und galant gegen sie blieb. ^ Dagegen schienen seine Augrn mit einem rechten inten- -wen Leuchten immer wieder die schöne Sekretärin anzustrahlen, und er suchte so viel als möglich ihre Gesellschaft. Anscheinend hegte er ein wärmeres Interesse für sie, als es bn. den gegebenen Verhältnissen am Platz war. Graf Steinau hatte Christa Hellmut freundlich, aber doch sehr formell begrüßt. Sein Neffe gestaltete diese Begriißung entschieden einige Grade wärmer. Die Baronesse fragte ihn ein wenig spöttisch: „Kannten Sre Fräulein Hellmnt schon?" Graf Joachim sah sie erstaunt an. «Fräulein Hellmut? Wer ist das?" „Nun. die Sekretärin ineines Onkels, die Sie soeben begrüßten." Graf Joachim sah einen Augenblick ein wenig be- itürzt aus. „Ach so . richtig — entschuldigen Sie, gnädigste Baronesse aber ich hatte natürlich den Namen der jungen Dame nicht behalten. Ich kannte sie bereits flüchtig. Als niein Onkel sie einstellte, habe ich sie zusällig gesehen!" ■ , "^ 0 , so! Ich glaubte nach Ihrer Begrüßung zu urteilen, Sie seien schon ganz alte Bekannte." erwiderte die Baronesse mit einem neckenden Blick. Graf Joachim machte nun aber ein ganz harmloses Gesicht. > ^ „Nein. nein, ft* irren <§Se.*L ; .... J.. _ Der altere, Graf Steinau fragtet Christ «So Mell! Sw sich in Ihrer neuen Stellung in Birkenhelm einaelebt Fräulein Hellmut?" Christa verneigte sich. , "Ach banke für Ihre gütige Nachfrage, Herr Graf. 'Es rst bisher gut gegangen, Herr von Birkenheim hat viel Nach- sich mit mir." .Sagen Sie das nicht, Fräulein HellmE rief Sert Bon ©«foirjcmt über den Tisch herüber — man saß bei der M-ttagvtnfel. - „Im Grund bedarf ich Ihrer Nachsicht viel mehr als Sic der meinen." hincin^'^ ^ ^chelnd in seine bläuen Brillengläser „Davon habe ich noch nie etchas gemerkt, tzerr von Birkenherm." Die Baronesse lächelte ein ivenig spötttsH, als sie be merkte, „wie viel Aufhebens" dieHerren von der Sekretärin machten. Sie hörte, daß Graf Joachim Christa „gnädiges ti ulierte. lind als sie nach Tisch zufällig neben Graf Rudolf Steinau stand und Graf Joachim wieder Christa gegenüber diese Anrede gebrauchte und ihr die Hand rußte, machte sie ihrem Herzen Luft. .„Ihr Herr Neffe behandelt Fräulein tz-llmut, als s-i sie eine Dame der Gesellschaft. Sehcii Sie nnr - er küßt ihr sogar die Hand." Graf Rudolf sah zu seinem Neffen und Christa hinüber. Ernen Augenblick blitzte es ärgerlich in seinen Angen auf. Galt dieser Aerger der Baronesse oder seinem Neffen? Aber gleich hatte er seine ruhige Ueberlegenheit wieder. "- a ™. ein Neffe Gast dieses Hauses ist und Fräulein Hellmnt hier von dein Herrn dieses Hauses als Hausge- nosstn betrachtet wird, ist es eine durchaus angebrachte Ar- tigkelt wenn er Fräulein Hellmut als Dame ansicht und ihr landlaiffige Höflichkeiten erweist." Die Baronesse sah mit einem schelmischen Lächeln zu chm auf. das er sehr wohl als unecht und gemacht erkannte. ^ „Ich wurde doch an Ihrer Stelle meinem Neffen nicht steht w fo in Fräulein Hellmuts schöne Augen cr- Rudolf zeigte ein undurchdringliches Gesicht. Ein bo-haftes Lächeln zuckte um seinen Mund. „Hat Fräulein Hellmut so schöne Augen?" fragte er an- scheinend verwundert. Die Baronesse merkte sehr wohl, daß er nicht ernsthaft fragte. Sre lachte ein wenig pikiert. „Ach, das haben Sie doch längst bemerkt. Graf Rudolf, und wenn Ihnen auch so schöne Augen nicht mehr gefährlich werden können, so stehe ich doch für Graf Joachim nicht Mit einem diplomatischen Lächeln sah der alte Herr auf sie herab. "N?ein Neffe scheint mir nicht so wehrlos zu sein, schonen Augen gegenüber, gnädigste Baronesse. Wie sollte er sonst vor den Ihren'bestehen?" Er hatte dabei eine sehr verbindliche Haltung und sprach durchaus harmlos liebenswürdig. Niemand hätte aus seinen Worten entnehmen können, daß er damit einen kleinen Vetr.: Die Vorlage ärztlicher Zeugnisse zwecks Verwendung bei Eingaben und Gesuchen an den Bürgermeister der Stadt Friedberg. Kekaninmachnng Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß bei Eingaben und Gesuchen an den Bürgermeister der Stadt Friedberg, deren Begründung in der Regel von dem Nachweis ärztlicher Bescheinigungen abhängig gemacht werden, ein für allemal nurZeug- niffe eines beamteten Arztes Berücksichtigung finden können. 2m Intereffe der schleunigen Behandlung von Gesuchen aller Art empfiehlt es sich daher dieien sofort die vorgesä riebenen Zeug- niffe beffuschlietzen. Friedberg, den 18. Juni 1918. Der Bürgermeister. 2. V.: Damm. Kelramrtmachnng Die Heberolle über die Beiträge zur land- und forstwirtschaft- lichen Beru sgenossenfchast für da^ Jahr 1917 liegt von heute an während zwei Wochen auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten zur Einsicht offen. Innerhalb nnex weiteren Frist von zwei Wochen, noch Ablauf der Offen- le-'un s'rist, kann der in der Heberolle als beitragspflichtig in An- -oruch Genommene gegen die Beitlagsberechnung bei de», Vorstände der tand- und forstwirtschaftlichen Berufs -enoffen chaft Ein pr.ich erheben. (S. $ li)2l Ms 1023Rcichsoersicherungsordnung.) Fneoüerg. den 18. Juni 1918. Der Bürgermeister. 2. V.: Damm. r -—-> Ich bin aus dem Felde zurück und habe meine zahm 1 ärztliche Tätigkeit wieder persönlich übernommen. Meine Sprechstunden sind täglich von S—1 und 2V 2 — S Uhr, Sonntags von 9-12 Uhr. Gleichzeitig gebe ich bekannt, daß ich mich während meiner Abwesenheit als SE ***** betten-" bcr Baisse £*-. barüß™ " und quittierte mit einem Lächeln Graf Rudolf hielt es aber doch für besser zu seinen» Gel/" 2)16 darouesse nahm an, es geschähe um Graf ^oachlu, den gefährlichen Zauber von Christa Hellmuts ÄenffÄ?^ ^ ^ ”*** Wren ' ^ ^ beiL .-Lieber Joachim, Baroneß Karla geruhte eben zu b». Äw f“ StäuIein H°ll.nnt zuviel als Dame de" GesellMft und zu wenig als Untergebene de? Herrn von Sell2°'7eaen^E'^^' <>“* und betankFräulein ÄÄ?“ * m Wt ben Kavalier, halte Dich ein Ed 8Crf T. M>ter Miene die Schultern S" J f klinsta an. Diese hatte die Worte Graf LLLLSS - ,mm ' - ->- - -"""" —» K-L ^ sürckste, wir !waren es beide", antwortete Christa. hlir X e ivohl besser sein, wenn wir etwas vorsichtige^ ./vs Madige Fräulein und die Handküsse müsftn Sie sein ^ ^ *” er M-chtwegFränIein Hellmnt für Graf Joachim verneigte sich. s''^^chen Sie mir — ich war ungeschickt. Uysereinv hat so betrüblich wenig Anlage zum Diplomaten " verlassen Sie tms jetzt. Fräulein Christa. Cs muß den Anschein haben, als mache ich meinem Neffen Bor- ffimETh!!rf er f1 ! 3U - DieI mit Anen beschäftigt hat," sagte Graf Rudolf zu der „mgen Dame. Diese Unterhaltung wurde sehr leise geführt, Zeigte den Kopf und trat von den beiden Her: en fort. Graf Rudolf sprach nun ziemlich eiffüg auf seineir Neffen ein. Auch jetzt sprach er noch leise. „Sieh Dir die Baronesse an, Joacküm. Sie beobachtet uns wie cm Luchs. Tue mir den Gefallen und gib Dir den An schein, als machtest Du ihr ein wenig den Hof, damit sie rrregeführt wird. Sie darf nicht duzu kommen, irgend eineu llrgwohn gegen Fräulein Christa zu hegen." „Cs ist gut, Onkel Rudolf, ich werde meine Dummbeff gut machen." ^ Die Baronesse hatte tatsächlich mit Luchsaugen die kleine Szene vom Nebenzimmer aus beobachtet Sie glaubte taffcichlich, Graf Nrrdolf mache seinem Neffen den Standpunkt klar, weil er sich zu angelegentlich mit der schönen Sekretarrn befaßt hatte. Num war sie zufrieden Sie brauchte jetzt Graf Joachim zu nötig als Vasallen, als bau sie ruhtg mit angesehen hätte, wie dieser Christa Hellmut derr Hof machte. Graf Joachim kam nun langsam mtf die Baronin zu imd widmete sich ihr eine ganze Zeit mit großer Beflissen- heit Cs gelang ihm, ihre Aufmerksamkeit von Christa abzu- lenken. Diese hatte sich in die Nische eines Fensters gestellt rrnd schaute nachdenklich hinaus, nach dem Park hinüber. Forffetzung folgt. (Behandlung aller Arten von Kieferverletzungen, Regulierung schiefstehender u. Wiederbefestigung lockerer Zähne) ausgebildet habe und diese Tätigkeit neben meiner all- gemeinen zahnärztlichen Tätigkeit ausüben werde. Zahnarzt WinkBcr, Friedbery, Bismarckstraße 6. — Telefon 384. V_._.___ 5SSa5 ® iS «SS und fttt GuLsverValter Elii über die Hälfte tragend, zu ver- lausen. Otto Weiß, Heuchelheim, Station Neichelsheim. ' * tV ^°f or t? inc ^inen Fähigkeiten entsprechende felbständiae a{5 Derireter eines größeren j)Oez mittleren Gutes Drfertcn erbeten an Dr. Sachs, Frankfurt a. M., Grill, parzersiratze Nr. I, I. Stock. Wt-B MM l M» ÜlttMUl Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 41. (Kronpr'mzenbau.) — Fernruf Römer 420«. Zürostunoen Momag. 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Friedberg, den 18. Juni 1918* Der Bürgermeister; __ 2. B.: Damm. Ein 10 Wochen altes belgisches Stutfohlen steht zu verkaufen bei Nikola us Dienst V.. Ockstodk. 1 Glucke mit 20 Kücken hat zu verkaufen Frau Luise Hensel, Rodheim v. d. Höhe, Neuestr. 15. 2 Mucken 00 Kücken hat zu verkaufen lUlIlj, Öimcr, Reichelsheim i. W. Rechnungen in allen Formaten liefert jchnell uno billig ileuk „Tages,eiliuig" £ { wcrdenidurcfi, meine Va^fnaf- undjBullcVistäbe schnell, billig. bjqü