Hummer 187 _ Freitag, den 14. Juni 1818 _11. Jahrgang. Ttc . me Tageszeitung" erjchemt ieöen Wertla Nepelmaßige Beitaoen „Der Flauer aus Hessen", „die Spinnssube". Bezugspreis: Bei den Postanstalten otertelid^rlict) 2.4 ,J hinzu tritt noch das Bestellgeld: bei den Änenten mona'Iick 85 Psg. einschließlich Träqerlodn. Anzeigen: Grund,eite 2b Psg., totale 20 10 g., Anzeigen von auswärts werden durch Bostnachnahmo erhoben. Erfüllungsort ^riedberg. Schriftleitung und Derlag vriedbern fviesteni. ^anauerstraße 12. ^e^n or^5^r 18. Pa t, net-Lauts Br. 18>9, ’lnt Frankfurt a. 91. Z chm erste Uerluste der Fränkosen. — Oerlliche Kämpfe bei Upern, Uaqon und südlich der Aisne. Wachsende Keule aus der Kspauschlacht: 15000 Gefangene, über 150 Gejchnhe. 22000 Tonnen versenkt. Der deutsche Generalstad r .- —— meldet: ==z M. T. A. (Großes Hauptquartier» den 13. Juni. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Zeitweilig auflebender Artilleriekampf. Oerlliche In* lanteriegefechte. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Südwestlich von Noyon führte der Franzose erneut starke Gegenangriffe beiderseits der großen Straße Noye— Estrees—St. Denis. Unter sck)wersten Verlusten brach auch dieser Ansturm zusammen. Mehr als 60 Panzerwagen liegen zerschossen auf dem Kampffelde. Die Gefangenenzahl ist auf über 15,000 gestiegen. Die Beute an Geschützen beträgt W’a bisherigen Feststellungen mchr als 150. Bei Abwehr der feindliäjen Gegenangriffe fielen einige unserer bis in die vorderen Jnfanterielinen hinein aufgesahrenen Geschütze in Feindeshand. Nördlich der Aisne drangen Sturmabteilungen in die feindlickren Gräben. Südlich der Aisne griffen wir nach starker Artilleriewirkung den Feind an und warfen ihn aus feinen Linien östlich von Cutry-Dommiers über diese Orte hinaus zurück. Nördlich von Corcy wurde der Savieres- Grund vom Feinde gesäubert. Wir machten mehr als 1500 Gefangene. Mehrfach wiederholte feindliche Angriffe nordwestlich von Chateau Thierry brachen verlustreich zusammen. In den beiden letzten Tagen wurden 35 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Hauptmann Berthold und Leutnant Menckhoff errangen ihren 33, Oberleutnant Schleich seinen 29. und 30., Leutnant Deltjens seinen 20. und 21., Haupt- mann Neinhardt seinen 20. Luftsieg. D^r Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 13. Juni, abends. (WB. Amtlich.) An den Kampffronten ist die Lage unverändert. Oerlliche Kämpfe südlich von Dpern, südwestlich von Noyon und südlich der Aisne. Der österreichische Generalstab - meldet: -- Wien, 13. Juni. (WB.) Amtlich wird verlautbart: , An der italienischen Front geringe Gefechtstätigkeit. In Albanien wurde dos Vordringen der Franzosen in der Linie Mania-Sinaprento zum Stehen gebracht. Der Chef des GeneralstabeS. Das türkische Hauptquartier l! === meldet: ==® Konstantinopel, 11. Juni. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Palästinafront: In den späten Abendstunden des 9. Juni erneuerte der Feind nach starker Artillerievorbereitung seinen Angriff im Küstenabschnitt. Durch unser gutliegendes Artillerie- und Muschinengewehrfeuer sowie unser Jnsanteriefeuer erlitt der Feind schwerste Verluste. Wiederum scheiterte der feindliche Angriff. An den anderen Fronten nichts von Bedeutung. 22,000 Tonnen oersenkt. Berlin, 12. Juni. (WTB. Amtlich.) Jin Mittelm«sr wurden durch unsere N>Boot° sechs Dampfer von zusainmen 22,000 Bruttoregistertonnen versenkt. ^ " Der Chef des Admiralstabes der Marine^ Die Schlacht im Westen. Berlin, 13. Juni. (WB.) Der dritte Kampftag hat die erwarteten, von unserer Luftaufklärung tags zuvor mit wertvoller Genauigkeit angesagten großen feindlichen Gegenangriffe gebracht. Sie legten, wie angenommen worden war. den Schwerpunkt gegen den äußeren rechten deutschen Angriffsflügel im Raume von Ayencourt bis südlich Mery. Unter starkem Artilleriegufwand und unter Einsatz von Tankgeschwadern brandete der Franzose gegen die neue deutsche Linie an. Acht feindliche Tanks wurden an einer Stelle erbeutet. Auch gegenüber der neuen deutschen Linie südlich der Matz versuchte der Franzose unter Einsatz starker frischer Kräfte das Schlachtenglück nachträglich noch zu wenden. Auch hier zerschellten seine Angriffe durch die prächtige Haltung unserer Tritppen. Noch erbitterter erging es ihm im Ost- teil des Matzabschnittes. Hier wurde der in breiten Linien aus dem Walde nördlich von Viller-sur-Roudon angesetzte französisch^ Gegenangriff mit dem Erreichen des Waldrandes schlagartig von der in Lauerstellung harrenden deutschen Artillerie gefaßt und zerschlagen. Nur Trümmer retteten sich in wilder Panik in den Wald zurück. Die im Matz-Grunde dem Feinde bislang noch überlassene Ortschaft Ehevincourt wurde unter konzentrisches derttsches Feuer genommen. Es erfolate hastvoll die Räumung. Der Gewinn des Höhengeländes hat sich am dritten Kampftage bereits darin ausgereift, daß der Franzose auf dem Ostufer der Oise gegeniiber Noyon den ganzen Wald von Carlepont und den südlich anschließenden Bärenforst restlos räumen mußte. Von Osten her angesetzter deutscher Druck stieß in die letzten dieser Räumungsbewegungen. Mit der Ausschüttung dieses durch den erfolgreichen Stoß gegen die Matz meisterhaft zugeschnittenen „Sackes von Noyon" ist uns neben der Gefangenen- und Materialbeute eine willkommene Frontverkürzung rmd Festigung unserer Stellung gegen Süden zugefallen. Die erfolgreichen deutschen Angriffe, Berlin, 13. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Der große Erfolg zwischen Montdidier und Noyon hat gezeigt, daß die Deutschen auch die stärkste französische Front durchbrechen, selbst wenn das Ueberraschungsmoment fehlt. Sämtliche Gefangenen sagen übereinstimmend aus: Der deutsche Angriff sei schon drei bis vier Tage vorher bekannt gewesen. Die französische Artillerie wurde erheblich verstärkt, Truppen wurden herangezogen und sämtliche nur mögliche Abwehrmaßnahmen getroffen. Die französischen Vorgesetzten forderten in Ansprachen und Befehlen ihre Truppen auf, bis zum letzten Mann die Stellungen zu halten. Trotzdem führte auch dieser deutsche Angriff zu einem großen und vollen Erfolge. Pie Verluste des Feindes sind außerordentlich schwer. Das 11. Kürassierregiment und das 131. Infanterie-Regiment können als aufgerieben gelten. Von dem 76. Infanterie-Regiment hat sich ein großer Teil gefangen gegeben. Nach dieser schweren Niederlage vom 11. Juni griff am nächsten Tage wiederum der Gegner mit starken, tief gegliederten Kräften und unterstützt von zahlreichen Tanks unsere Stellungen beiderseits der Liller Straße an. In hartem Kanipf wurde er auch diesmal unter schweren Verlusten ab- aewiesen. Ein gegen 2 Uhr nachmittags gegen unsere Linien bei Antheuil eingesetzter weiterer Angriff wurde durch unser Vernichtungsfeuer zerschlagen und kam nicht zur allen Opfern bereit sein. Die Erpressung, die Deutschland versuche, sei zwecklos. Teilweise Zerstörungen in Paris würden niemals bewirken, daß Frankreich irgendwelche Zugeständnisse oder demütigende Friedensangebote machen werde Sembat verlangt in der Zeitung „Heure", daß jetzt schon alle Maßnahmen für eine ernsthafte Verteidigung von Paris getroffen werden. Die lH3oofe an -er Wer'kan'Men Kiiste. London, 13. Juni. (Reister.) „Daily Chronicle" meldet aus Neuyork, daß nach britischen Telegrammen aus Norfolk die Ueberlebenden des von einem U-Boot torpedierten amerikanischen Frachtdampfers „Pinardel Rio" erzählen, das U-Boot sei von einem Dampfer von ungefähr 600 Brt. mst grau angestrichenen Schornsteinen begleitet gewesen. Mährens das U-Boot angrifs, blieb der Dampfer in einer Entfernung von 2—3 Meilen, dann erhielt er den Befehl, dem U-Boot zu folgen. Hierauf verschwanden beide Schiffe. Das U-Boot war schätzungsweise 200 Fuß lang. Englische Flieger üker Holland. Haag. 13. Juni. „Nieuwe Rotterdamsche Eourant" schreibt: ' Als ob es sich von selbst verstünde, nehmen in der letzten Zeit die britischen Flieger bei ihren Flügen nach dem Rheinlaid oder nach den Städten des besetzten Gebietes von Belgien ihren Weg über holländisches Gebiet. Vcn deutscher Seite ist uns im Februar dieses Jahres eine Körte zuge- —Obedynska, Böhm- Ermolli gegen die Wereszyka, Linsingen, deni die Armee« Szurmay. Bothmer, Hofmann unterstellt wurden, gegen den Dnjestr. Ter linke Flügel der Verbündete« unter Erzherzog Joseph Ferdinand war stark nach Nordwesten hin zurückgebogen, um eine Verteidigungsslanke gegen die von Südpolen rechts der Weichsel zu erwartenden Russenangrifte zu bilden. Großfürst Nikolei Nikolajewjtsch erkannte richtig die Hanptgefahr darin, falls es Linsingen gelang, über den Dnjestr zu gehen und Lemberg umfassend von Süden her anzufallen. Er warf sich daher mit überlegener Kraft auf die rechte Nachbargruppe Linsingens, die unter Pflanzer- Baltin stand, und drängte sie bei Kolomea und Nadworna zurück. Jetzt zeigte sich Linsingen auf der Höhe der Entschlußkraft: er gab zunächst die Ueberschreitung des Dnjestr auf und schwenkte nach Osten hin um. Bis zum 12. Juni schlug er die Russen bei Kalusz und Halicz südlich des Dnjestr zurück, stellte hierdurch die Lage her und gewann die Dnjestr- linie von neuem. Mackensen war es nicht entgangen, daß sich die Russe« in Nordgalizien erheblich geschwächt hatten, um den vorerwähnten Stoß gegen Linsingen und Pflanzer-Balttn in Süd- galizien zu führen. So entschloß er sich, in dem stark be- festtgten und von Natur schwer gangbaren Gelände an der Lubaczowka und am Sklo gegen Lubaczkow—Janow einen Durchbruch auszuführen. Bis zum 16. Juni war ein durchschlagender Erfolg errungen, die Kraft der Russen zu weiteren Gegenstößen gebrochen. Die preußische Garde und das österreichisch-ungarische VI. Korps Arz hatten den Hauptanteil an dem Siege. 34 000 Gefangene waren die Beute dieser Kämpfe. Zum Angriff gegen Lemberg selbst sollte Mackensen auf dem linken Flügel über Zolkiew zur Umfassung rechts einschwenken, Böhm Ermolli die Grodekstellung in der Front nehmen, Linsingen auf dem rechten Flügel östlich der Wereszyka über den Dnjestr umklammernd von Süden her gegen Lemberg vorstoßen. Der Plan gelang in vollem Umfang. Bis zum .19. abends hatten Mackensens Truppen (Garde, Hannoveraner, VI. österreichisch-ungarische Korps) die beherrschenden Höhen bei Magierow—Zolkiew genommen. Böhm-Ermolli stürmte die Wereszykaübergänge bei Grodek—Lubien—Komarno und führte den frontalen Durchbruch auf Lemberg aus. Linsingen erzwang die Dnjestrübergänge vom 20. bis 23. bei Zydaczow—Zurawno, um hiermit die ihm gewordene Aufgabe der strategischen Umfassung glänzend zu löse«. Die Russen ließe« es auf eine Verteidigung Lembergs selbst nickt mehr ankomrnen. Beiderseits rrmklammert und ln der Front durchstoßen, räumten sie die Stadt, in die am 22. Juni nachmittags zunächst die Truppen Böhm-Ermollis unter dem Jubel der Bevölkerung einzogen. Galizien war mit Ausnahme eines kleinen Grenzstteisens vom Russenjoch befteit. Die Kämpfe vom 2. Mai bis 22. Juni hatten 400 000 Gefangene in die Hände der Sieger gebracht. Der Gesamtverlust der Russen war auf dreiviertel Million Mann zu schätzen. Die Ausrede des Großfürsten, die Masse des Heeres vor der Umklammerung gerettet und Lemberg „durch ein strategisches Meisterstück freiwillig geräumt zu haben", stand auf mehr als schwachen Füßen. Dank der Ueberlegenheit der Führung auf seiten der Verbündeten, der Tüchtigkeit der Unterführung, der Tapferkeit und Ausdauer der Truppen war das große Werk der Mittelmächte ruhmvoll gelungen. Galizien frei, die Südhälfte der Rusienheere geschlagen, der Bewegungskrieg in Polen eingeleitet — dies waren die ' Ergebnisse im Feldzuge, der bis auf diesen Tag vorbildlich und mustergültig geblieben ist. ^ ßondgrofin Anna von Hessen ch. Am 12. Juni kurz nach 6 Uhr ist die Landgräfin Anna von Hessen, geborene Prinzessin von Preußen, verschieden. Sie war am 17. Mai 1836 als eine Tochter des Prinzen Karl von Preußen (1801—1883) geboren und vermählte sich am 26. Mai 1853 mit dem Prinzen Friedrich, späteren Landgrafen zu Hessen, der am 14. Oktober 1884 gestorben ist. Die Landgräfin Maria Anna Friederike von Hessen ist am 9. Oktober 1901 zur katholischen Kirche übergetreten. Vor kurzem haben der Hochbetagten der Kaiser, die Großher^giw. Mutter Luise von Baden und der Bischof von Limburg suche abgestattet. . Reichstag. Die ÄerWquaLschibude setzte auch gestern ihre Unterhaltungen fort. Am erfreulichsten war die Frische, mit der i)cr Kriegsminister v. Stein dem Freisinnigen Müllev- Meinigen diente, der sich zur Abwechselung an unserem Offizierskorps rieb. Er rief ihm zu, wenn der Zerr Abgeordnete gute Zlbsichten verfolgen wolle, dann dürfe er nicht mit Verdächtigungen kommen ge^n eine Truppe, die ihr Blut gelassen hat und die zum größten Teil unter der Erde liegt. Schließlich sagte er: „Wenn man was selbst nicht glaubt, dann hat man auch nicht das Recht solche Dinge vorzubringen"; eine Aeußerung die wütende Zwischenrufe bei den Iakobienern des Hauses, zur Folge hatte. Ein Sozialdemokrat beschwerte sich, weil die aus Rußland heimkehrenden Gefangenen überwacht würden. General v. Wrisberg antwortete: Die Nachforschung nach der Gesinnung aus Rußland heimkehrenden Kriegsgefangener ist notwendig, da die Bolschewik! bekanntlich versucht haben, ihnen ihre Ideen einzuimpfen. Das ist keine Gesinnungsschnüffelei, sondern verdaimnte Pflicht und Schuldigkeit. Zum Schluß forderte der konservative Abg. Rupp, daß gereck)itxre Preise bemn Ankauf von Pferden bewilligt würden. Croß- m) Klemrundbkßtz in irr Nolksernähronl!. Graf v. Kanitz-Podangen veröffentlicht in der „Deutschen Tageszeitung" eine Abhandlung über die Leistungen der deutschen Landwirtschaft zur Volksernährung. In objektiver Weise, jedem sein Recht zukommen lassend, bespricht er das Ergebnis. Da auch in dieser Frage von linksradikaler Seite durchaus unwahre, lediglich der Verhetzung dienende Behauptungen ausgestellt werden, so sei der Inhalt der Betrachtungen hauptinhaltlich wiedergegeben: Je knapper die Lebensmittel, desto dringlicher die Erörterung in Konsumentenkreisen über die Frage: „Wer liefert die meisten Lebensmittel? — Liegt es am Groß- oder Kleingrundbesitz, daß nicht mehr geliefert wird?" Ter sozialistische Charakter der heutigen Kriegswirt- schiaftsmaßnahmen hat natürlich unausbleiblich zur Folge gehabt, daß auch die Frage der Produktionsleistung aufs politische Gebiet hinüdergespielt wird. Man hört immer mehr, von allem aus demokratischen Venbraucherkreisen, die irrige Auffassung, der Großgrundbesitz liefere im Verhältnis zum Kleingrundbesitz viel zu wenig ab. Die Regierung, die ja leider wenig Anstrengungen gemacht hat, um beizeiten den unheilvollen Spalt zwischen Konsmnent und Pro- duzent zu schließen, hält es scheinbar auch nicht für nötig, die vielfach falschen Ansichten über die Leistungen des Großgrundbesitzes zu zerstreuen. Die Nmsturzparteien jedoch, welche ja seit jeher gegen den Großgrundbesitz agitieren, nehmen natürlich jede abfällige Kritik über ihn, da von der Regierung unwiderlegt, mit Freuden auf und tragen sie rmt größter Emsigkeit jetzt auch in die Reihen des Kleingrundbesitzes, um diesen aus politischen Gründen möglichst ausgiebig gegen den Großgrundbesitz zu verstimmen. Leider fallen diese Hetzversuche auch ab und zu auf fruchtbaren Boden. Die Knebelung und Bevormundung des Produzenten seitens der Regierung hat ja auch dem Produzenten selbst den Kopf genügend heiß gemacht, und in verärgertem und verbittertem Zustande ist man ja nur zu leicht geneigt, den Nächsten, auch wenn er Berufsgenojse ist, scharf zu kritisieren. Nachfolgende, rein statistische Belage aus dem Osten des Reiches dürsten geeignet sein, alle grundlosen Verdächtigungen und Verstimmungen zurzerstreuen im Interesse der wahrhaft notwendigen Einigkeit unter den Produzenten und im Interesse der Einigkeit des deutschen Volkes überhaupt. Meine Angaben, betreffend Ackerfrüchte und Viehlie. serung, stützen sich speziell auf die Kriegswirtschaftserhebungen des Kreises Osterode (Ostpreußen), den ich übrigens nicht absichtlich herausgegriffen habe, weil seine Erhebungen .zum Teil für den Großgrundbesitz günstige Resultate ergeben, sondern weil er der einzige mir bekannte Kreis im Osten ist. welcher seit 2 bis 3 Jahren eine gewissenhafte Statistik über die Ablieferungen, nach Groß- und Kleinbesitz getrennt, geführt hat. Diese Statistik deckt sich aber, wenn auch nicht genau zahlenmäßig mit den Erfahrungen einer Reihe anderer ostpreußischer Kreisver- waltungen, die ich um Aufschluß in dieser Angelegenheit bat. Und nicht nur im alleräußersten Osten, sondern auch in einigen andern preußischen Provinzen scheinen die grundlegenden Verhältnisse zumteil ziemlich ähnlich zu sein. 1. Getreide und Kartoffeln. Ich gebe den Durchschnitt der Ernten 1916, 1916, 1917 wieder- und zwar hat der Großgrundbesitz des Kreises Osterode in dielen Jahren pro Hektar Anbaufläche mehr ab- -eliefert als der Kleingrundbesitz: Brotgetreide . . . etwa 265 Prozent Gerste . « * . * etwa 300 Prozent, Hafer etwa 328 Prozent, Kartoffeln .... etwa.237 Prozent. Diese außerordentliche Spannung zwischen den Lei-- ßungßn des Groß- und Kleingrundbesitzes wird dem Laien vuf den ersten Blick fast unglaubwürdig erscheinen. Sie ist aber ganz leickt erklärlich Der Großgrundbesitz ist nämlich tatsächlich imstande, mehr Getreide und Kartoffeln ab- zuliefern als der Kleingrundbesitz, weil er einerseits infolge einer durch reichlichste Kunstdüngung ermöglichten intensiven Fruchtfolge im Verhältnis mehr Korn anbauen kann .wnd N>ei! er andererseits pro Hektar Anbauffäche nicht soviel Menschen und Vieh mit Getreide und Kartoffeln zu ernähren Hat wie der KleingrundbssrH^ -*■ > . > » V L- Gerade iit dieser letzten ausschlaggebenden Tatsache Hkqt aber auch wiederum der unbestreitbare Beweis dafür, daß der Großgrundbesitz das notwendige Korrelat zum In- dustriebezirk und zur Großstadt bildet. Es fft in jedem Fall auch in schlechten Erntejahren unbedingt U«^berschußgebiet für Ackerfrüchte mrd somit der natürliche und nie versagende Ausgleich für das reine Verbrauchsgebiet. Bei schlechten Ernten z. B. wird der Großgrundbesitz auch rrnmer dann noch abliefern können, wenn der Kleingrundbesitz schon lange nichts mehr abzugeben hat. Wären also die rund 20 Prozent Großgrundbesitz der gesamten deuffchen landwirtschaftlichen Anbaufläche nicht Großgrundbesitz, sondern Kleingrundbesitz, so würde es in mäßigen Erntejahren um die Ernährung der reinen Verbrauchsgebiete mit Ackerfrüchten naturgemäß noch viel schlechter bestellt sein als es letzt der Fall ist. 2a Fleischbeschaffung. Im Kreise Osterode hat der Kleingrundbesitz durch schnittlich in den letzten Jahren pro Hektar Anbauffäche rund 20 Prozent Rinder und rund 35 Prozent der Schweine mehr aufgebracht als der Großgrundbesitz: letzterer dagegen hat rund 600 Prozent mehr Schafe geliefert. Wenn auch die Viehlieferungszahlen in den verschiedenen Gegenden Preußens ziemlich verschieden sind, so dürften doch in den örtlichen Provinzen, abgesehen von lkalen Abweichungen, grundsätzlich! ähnliche Verhältnisse wie im Kreise Osterode vorliegen. Der Großgrundbesitz ist ja bekanntlich kein so starker Viehhalter wie der Kleingrundbesitz, da er im allgemeinen mehr auf Körner- und Kartoffel- bezw. Rübenbau eingestellt ist. 3. Milch und Butter. Sämtliche Kreisverwaltungen, welche ich befragte, haben mir übereinstimmend mi.tgeteilt, daß der Großgrundbesitz erheblich mehr Butter und Milch pro Hektar Anbaufläche abgibt als der Kleingrundbesitz. Dieses liegt X. daran, daß der östliche Großgrundbesitz zumteil besonders gutes Milchvieh hält und daß er 2. wieder infolge seiner dünnen Bevölkerung nicht den eigenen Verbrcmchsbedarf hat, wie der Kle'mgrund- besitz. 4. Eier Die statistischen Erhebungen über die Eierlieferung sind soweit ich feststellen konnte, noch nicht nach Groß- und Kleingrundbesitz getrennt aufgestellt (ebensowenig wie die Erhebungen über Butter- und Milchlieferung). Es steht aber fest, daß der Kleingrundbesitz erheblich mehr Eier pro Hektar Anbaufläche abliefert als der Großgrundbesitz. Er ist dazu imstande, weil z. B. vuf 100 Hektar Kleingrundbesitz viel mehr Hühnerhaltungen kommen als auf dasselbe Areal Großgrundbesitz. Die obigen Ermittlungen, die nur die wichtigsten Nahrungsmittel betreffen, zeigen, daß im großen und gan* zen der östliche Großgrundbesitz verhältnismäßig mehr Getreide, Kartoffeln. Butter und Milch abliefert als der Kleingrundbesitz: daß dagegen der Kleingrundbesitz mehr Vieh und Eier pro Hektar seiner Anbaufläche zur menschlichen Ernährung beisteuert als der Großgrundbesitz. Wie großartig übrigens die Leistungen des Kleingrundbesitzes zur Volksernährung sind und wie sie natürlich auch quantitativ die Leistungen des Großgrundbesitzes weit übertreffen, da sich in Deuffchland Großgrundbesitz (von 100 Hektar ab gerechnet) zum Kleingrundbesitz verhält wie 1:5, das alles bedarf keiner besonderen Erklärung. Und doch hat gerade eine Reihe erfahrener Ernährungsstatistiker zugegeben, daß sich auch das Vorhandensein des bestehenden Großgrundbesitzes von Kriegsjahr zu Kriegsjahr als immer dringendere Notwendigkeit im Interesse der Volksernährung erwiesen habe, und daß nur die zurzeit bestehende richtige Mischarng von Klein- und Großgrundbesitz eine gleichinäßige und halbwegs ausreichende Versorgm^g mit den notwendigsten Ernährungsmitteln gewährleiste. Flnschlole Wochen? München, 13. Juni. Infolge des Rückstandes der An- kreferung von Vieh und der Abnahme des Schlachtgewickstes wird die Fleischversorgung so erschwert, daß ab 1. August im ganzen Reiche fleischlose Wochen zu erwarten sind. Außerdem müssen die Mehrlieferungen in Milch in unseren Großstädten während des Sommers eingestellt werden, um einen Fettvorrat für den Winter zu gewinnen. Vom Felde Friedberg. Dem Musketier Wilhelm Nöding, So^n des Brauerei-Vertreters C. Nöding, wurde in den letzten siegreichen Kämpfen das Eiserne Kreuz verliehen Ans der Heimat. Kochanwelsung für lose Suppen. Zur Bereitung einer guten Suppe nimmt man auf einen Liter Wasser etwa 80 Gramm Suppenmasie. Mit einem Teil des Wassers wird die Masse zu dünnem Brei angerlchrt, das übrige Wasier zum Kochen gebracht, und der Brei hineingegofsen. Nach dem Wiederanfwallen koche man die Suppe bei kleinem Feuer 20 bis 25 Minuten, größere Mengen entsprechend länger. Die Suppe gewinnt, wenn man sie nach dem Kochen 10 bis 15 Minuten an heißer Stelle — ohne Feuer — Ziehen läßt. Ta die Suppen alle erforderlichen Zutaten bereits enthalten, darf Salz nicht mehr zugefügt werden. Dagegen empfiehlt sich die Dagabe v-cm Kartoffeln« Mohrrüben oder „anderem. Ganüle. — 1 **' ^ ^ v Aus Starkeuöurg. RMK. Darmstadt, .12. Juni. Die diesjährige Mit« gllederversammlung der Kriegskameradschaft „Hassia* fand heute bei gutem Besuche im Fürstensaal zu Darmsta-^ statt und waren alle hessischen Bezirke aus dem ganzen Gro'- Herzogtum vertreten. Der Präsident General Freiherr vö^ Heyl Exz. hielt zurrächst eine patriotische Begrüßungsansprache, die von hoher Begeisterung für unseres seid- graries Heer lebhaftesten Beifall fand. Nach Feststellung der Anwesenheitsliste hielt Geh. Oberbaurat Hof man, einen sehr instruktiven Vortrag über die K r i e g e r h e i m. stätten, wobei er nach der bisherigen theoretischen Arbeit aus die jetzt praktisch werdende Aufgabe hinwies und dre neuen örterte. Lebhafter Beifall dankte dem Redner. Den Geschäfts- und Kassenbericht erstattete Kam. Waldecker und wurde daraufhin dem Vorstand Entlastung erteilt. Hierauf wurden die weiteren Punkte der Tagesordnung, wie: Verträge mit Versicherungsgesellschaften, die Verbands- stiftungen, die Verbandszeitung, Hassiasterbekgsse, Vortrags- wesen, Hassiakalender etc. ohne wesentliche Aussprache erledigt Zu der Vorstandswahl wird beschlossen, die drei aus- scheidenden Mitglieder im Vorstand zu belassen und im übrigen die beiden frei gewordenen Mandate unseren aus dem Felde zurückkehrenden Kameraden zu überlassen. Der dann vorgetragene Voranschlag findet ebenfalls einstimmige Annahme. Der Antrag des Vorstandes betr. die Erhöhung der Tagegelder für die Bezirksvertreter von Mark 6.— auf Mark 12.—, sowie die für Jungdeuffchland vorgesehenen Mark 1000 für die Kriegerheimstätten wird einstimmig angenommen. Ueber die Zukunft der Kriegervereine und damit in Verbindung über den Reichskriegerdank hielt Kamerad Dr. Vogt hierauf einen eingehenden sehr lehr- reichen Vortrag, wobei er insbesondere über die neue Bewegung im Kriegewereinswesen, die sich hauptsächlich in Hamburg. Berlin und München geltend gemocht hat, eine Anzahl Mitteilungen machte. Er ging dann aus die in der letzten Kyffhäuserversammlung aufgestellten Richtlinien näher ein, führte u. a. aus, daß in Berlin ein großes Pro- pagandabüro auf breiter Basis geschaffen werden sollte. Danach ist es eine Hauptaufgabe den Kriegsbeschädigten in jeder Weise entgegen zu kommen, wozu die bestehenden Kriegervereine, sowohl durch ihre Mittel, ihre langjährigen Verbindung und die bestehendenOrganisationen am besten in der Lage seien, die ins Auge gefaßten hohen Ziele wohl am ersten voll und ganz zu gewähren. Bei Beratung des Voranschlags wurde noch beschlossen die Beiträge zum Kysf- häuserbund von 2 auf 5 Pfennig und die Hassiabeiträge von 30 auf 60 Pfennig zu erhöhen. Auf Vorschlag des Präsidiums wurde Major a. D. B e ck einstimmig zum Ehrenmitglied des Präsidiums ernannt. Mit herzlichen Dankesworten des Präsidenten wurde die sehr anregend verlaufene Versammlung geschloffen. Ein gemeinsames Festessen 'chloß sich an. Aus Rheinheffen. Mainz, 12. Juni. In Budenheim bei Mainz fielen heute nacht 5 Scheunen, 10 Stallungen und ein Kelterhaus einem Großfeuer zum Opfer. Die Stallungen enthielten nur wenig Vieh. Eine stark bedrohte Oelmühle konnte ge- rettet werden. FC. Mainz, 12. Juni. Fliegerleutnant Buckler, der zur Ausheilung einer Schußwunde nach einem Lazarett nach Lindau gebracht wurde, stammt aus Mainz-Mombach. Buckler, . der 33 Luftsiege errungen, mit dem Orden Pour le Merike ausgezeichnet und von Beruf gelernter Dachdecker ist. hat es als Flieger zum Offizier gebracht. FC Worms, 12. Juni. Um die Einhaltung der Höchstpreise beim Kirschenversand durch die Händler zu überwachen, sind in Lancksheim zwei Beamte vom Kriegs- crnährungsamt ringetroffen. Aus Hcssen.Rassau. FC. Bierstadt, 12. Juni. Der Gemeinderat lehnte einen Einspruch des Magistrats Wiesbaden gegen die Veranlagung zur Gemeinde-Einkommensterrer für 1914—15—16—17 als unbegründet einstimmig ab. FC. Eltville, 12. Juni. Eine geschlachtete Sht# und ein geschlachtetes Kalb wurden gerade als sie fertig in Säcken verpackt zum abfahren nach Wiesbaden auf einer Rolle lagen, von der Gendarmerie beschlagnahmt. FC. Eaub, 12. Juni. Der Rekord im Weinhandel. Bei der Versteigerung der Großh. Hessischen Wembaudomäne wurde für ein Viertelstück (300 Liter) 1915er Nackenheimer Rothenberg Beerenauslese 61 800 Mark erlöst, das sind 205 200 Mark für das Stück. FC. Meerholz, 12. Juni. Der Gedenkstein fiir den Fürsten Stolberg im Gräflichen Waldort Karlsberg in den Neuhaßlauer Hecken wurde von Bubenhand zertrümmert. Jtöritsnrnrktnnirigfr JÖSS2£SÄ‘SSK» Offene Stellen: 1 Knechtefamilie, 6 Knechte, 2 Arbeiterfamilien, 1 Schäfer, 3 Tagelöhner. 2 Heffer. 1 Müller. 1 Wärter. 2 Lehrlinge. 2 Haus« burichen. 8 Dienstmägde. 10 Hausmädchen. 1 tüchtige Flickers 1 Lehrmädchen, mehrere Fabrikarbeiter und -Arbeiterinnen, mehrere Plattenleger für Baugeschäft. Etellensucheribe? > Mehrere Melkerfamilien und ledige Meller, 1 Bürofräuleia, 1 Haushälterin. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirschel, Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyn er« Friedberg.. Druck und Verlag der »Reue» rageS-eitung*. " v A « ÖLätieti6ttfl I ß. Mm nie durch Liebe Leid geschah. Roman von Courths-Mahler. 32) Nachdruck verboten- Trotzdem beschloß die Baronin, sich Christa Hellmuts zu bedienen, um ihren Vetter zu veranlassen, ein Testament zu machen. Es schien ihr für alle Fälle besser. Zu Christa waren also die beiden Damen außerordent- lich liebenswürdig. Auch Karla gab sich Mühe, es zu sein, und es fiel ihr nickt mehr gar zu schwer, weil sie zu bemerken glaubte, daß Christas Schönheit auf Hans Ullrich keinen Eindruck machte. Was es ihn kostete, sich so zurückhaltend zu zeigen, davon hatte sie keine Ahnung. Eines Tages rief die Baronin Christa um die Zeit, da Herr von Virkenheim Mittagsruhe Mett, in ihr Zimmer. Sie bat sie sehr liebenswürdig, Platz zu nehmen, fragte sie ob sie sich mm gut in Birkenheim eingelebt habe, ob es ihr gefalle und ob sie mit allem zufrieden lei. Dann sagte sie: „Sie sind uns allen in dielen Wochen eine so liebe Hausgenossin geworden, daß ick nur wünschen kann, daß Sie recht lange bei uns b? ' mögen. Ich bin Ihnen zu Tanke verpflichtet dafür, da-. 71 -inen Vetter aufheitern unb ihm so ausgezeichnete Dienste leisten." Christa hatte das Gefühl, als sage die Baronin das alles nickt ohne einen bestimmten Grund. Es schien ihr, als habe sie ein besonderes Anliegen. Und sie sollte sich mchr getäusckck sehen. „Das ist ja nur meine Pflicht, Frau Baronin, der ich gern und freudig Nachkomme," erwiderte sie ruhig. Die Baronin lächelte sanft. „Gewiß, gewiß, aber es gibt Unterschiede, wie man eine Pflicht erfüllt. Jedenfalls ist mein Vetter, seit Sie ihm jederzeit zur Verfügung stehen, viel heiterer und zugänglicher geworden. Meine Tockter und ich, wir haben uns ihm ja nickt ausschließlich widmen können da wir noch andere Pflichten hatten. Ich bin so froh, daß wir an Ihnen eine so gute Wahl getroffen haben. Ich habe volles Vertrauen zu Ihnen, Fräulein Hellmut, und will Ihnen sagen — es muß ober ganz unter uns bleiben — daß ick ernste Besorgnisse hinsicktlich der Gesundheit meines Detters heg?." „Ich glaube sein Herz ist nickt ganz in -Ordnuna," " f !' die Baronin fort, „und es könnte doch einmal, was Gott verhüten möge, ein schlimmes Leiden daraus entstehen. Und Herzkrankheiten führen leider oft ein schnelles Ende herbei. Ich sage wieder, Gott verhüte das in seiner Güte, denn ich wäre untröstlich, müßte ich ihn verlieren." Die Baronin holte tief Atem und machte eine Pause. Christa sah ein, daß sie etwas sagen müsse. Aber es fiel ihr schwer, weil sie sich unfrei fühlte. « ^ >Sie sehen doch wohl zu ßywarz. tzrau Baronin. Herr von Birkenheim macht durchaus keinen kekdenden Eindrucks sagte sie endlich. Die Baronin machte ein kEmmert«S Gesicht. „Man täuscht sich zuweilen. Sie haben ihn noch rächt erregt und nervös gesehen. Es wäre ein harter Schicksalsschlag für mich, müßte ich ihn verlieren. Und ich möchte doch gern, daß mein Vetter auf alle Fälle seine letztwilligen Verfügungen trifft. Nicht etwa in nreinem Interesse wünsche ich das. denn meine Tochter und ich, wir sind ohnedies seine einzigen Erben, und er hat uns oft genug versichert, daß uns nach seinem Tode alles gehört, was er hinterläßt. Aber immerhin würden sick allerlei unangenehme Weiterungen ergeben, wenn kein Testament vorhanden wäre." „Das ist doch kaum zu befürchten. Frau Baronin, da Sie die einzigen Erben sind," wars Christa ein. Es zuckte kein« Miene dabei in ihrem Gesicht. Aber die Beronin machte eine abwehren-de Bewegung. „Ich sage Ihnen ja, nicht wegen uns wünsche ich, daß mein Vetter ein Testament macht. Aber es könnte doch sein, daß er die Absicht hätte, irgendwelche Legate auszusetzen. Zum Beispiel ist es gar nicht ausgeschlossen, daß mein Vetter auch Ihnen ein Legat ausznsetzen wünscht, denn Sie sind ihm sehr sympathisch, und er ist ein dankbarer Mensch. Auch treue Diener wird er bedenken wollen, und diesem und jenem Freund wird er ein Andenken bestimmen wollen. Ich habe das innige Verlangen, daß nach seinem Tode alles nach seinen Wünscken geregelt wird. Und deshalb möchte ich ihn gern bestimmen, beizeiten seine letztwilligen Verfügungen aufzuzeichnen. Wir, meine Tochter und ich, können ihn aber nicht gut darum bitten, obwohl es nur einer Andeutng bedürfte. Er denkt eben nur nicht daran, daß es nötig sein könnte ein Testament zu machen. Aber Sie sind eine kluge und taktvolle Dame und könnten wohl gelegentlich so im allgemeinen darauf Hinweisen, wie nötig es ist, daß ein Mensch, der über Besitz verfügt, ein Testament mackt Ick brauche Ihnen nickt zu versichern, daß ich Ihnen meine Dankbarkeit beweisen würde. Sicher wird ja mein Detter vorher sein Tstament mit mir besprechen, ehe er es festlegt und da werde ich ihn selbstverständlich darauf Hinweisen. daß er auch Ihnen ein Legat aussetzen soll. Also haben Sie mich verstanden?" Christa war das Blut langsam ins Gesickt gestiegen, aber sie beherrschte sich. Kein Zug in ihrem Gesickt verriet, daß sie die Baronin durchschaute, und was sie hei ihren Worten empfand. «Ja. Frau Baronin — ich habe Sie gut verstanden." sagte sie ruhig. „Änd Sie werden meine Bitte beherzigen und gelegentlich erfüllen?" v j£f)rifta sah sie groß an. ?»Jch werde Ihre Worte beherzigen und sicher nicht ver- gessen. Und sobald sich eine passende Gelegenheit findet, werde ick mit Herrn von Birkenheim über diese Angelegenheit sprechen." Huldvoll reichte die Baronin Christa die Hand. „Ick werde mich Ihnen sehr erkenntlich zeigen! Fräulein Hellmut." Damit war Christa entlassen. Als sie das Zimmer verlassen hatte rieb sie mit ihrem Taschentuch hastig über ihre Hand, als müsse sie den Händedruck abwischcn, den sie weben empfangen hatte. Und in ihren Angen blitzte es stolz und veräcktlich auf. Zwischen Frankenau und Virkenheim herrschte nack wie vor reger, freundschaftlicher Verkehr. Die Baronin und ihre Tochter waren jetzt häufiger als sonst in Frankenau, sie Herrn von Birkenheim in Fräulein Hellmuts Gesellschaft gut aufgehoben wußten. Baroneß Karla hatte es noch nicht aufgegeben, Hans Ullrich von Frankenau in ihre Netze zu ziehen. Und da dieser häufig genug in Birkenheim Besuche machte, sckien ihr der Fall noch nickt ganz hoffnungslos. Sie ahnte ja nicht, welcher Magnet ihn nach Birkenheim zog. Auch Ursula war setzt sehr oft in Birkeuh-ejm, und wenn es irgend anging, suchte sie Christas Gesellschaft. Dabei entstand zwischen den beiden jungen Damen ein eigenartiges Freundschaftsverhältnis. Ursula schwärmte in ihrer begeistern ngsfähi gen Art für Christa und diese brachte der jungen Dame ein warmes, herzliches Empfinden entgegen, das zuerst freilich mehr Hans Ullrich von Frankenaus Schwester galt, aber schließlich ohne alle Nebengedanken nur Ursula gehörte. Baroneß Karla sah mit scheelen Augen dieses Freundschaftsverhältnis zwischen Ursula und Christa entstehen und machte Ursula gegenüber allerlei spöttische Bemerkungen darüber. „Wie kannst Du Dich nur mit einer Angestellten meines Onkels auf einen so vertraulichen St-ndpunkt stellen? Hast Du denn gar kein Standesbewußtsein?" sagte sie eines Tages. Ursula sah sie zornig an. „Ach, weißt Du, Karla. Fraulein Hellmut ist im kleinen Finger mehr wert, als manche hochgeborene Baronesse oder Komtesse in ihrer gesamten Person. Sie ist ein echter Adelsmensch, wenn auch nicht nach der Geburt, aber desto', mehr im Herzen," erwiderte sie. Ferttetzung folgt. Kekanntinachnrig Am Montag, den 17. Zuni. gelangen die neuen von 8 bis 1 Uhr vormittags und von 3 bis 6 Uhr nactmi'taos auf Zimmer Nr. 9 des Stadthauses zur Ausgabe. Die Vollmilchausweiskarle ist vorzulegen. Frcevberg, den II. Juni 1918. Der Bürgermeister. I. P.: Dam m. Bekanntmachung Für die stäbt. Verwaltung wird zum baldigen Eintritt (mögl. zum 1. Juli) ein im Bürodienst erfahrener Schreibaehilfe gejucht. Es tommen evtl, auch Damen, gut eingearbeitete Ma- jchinenschreiberinnrn. in Frage. Selbstgeschriebene Angebote mit Lebenslauf und Zeugnisabschriften sind unter Angabe der Ge- haitsonsprüche und des Tags des frühesten Diensteimritts bis zum 24. d. Mts. an den Unterzeichneten zu richten. Frieübe-" den 12. Juni 1918* Bürgermeister, o. V.: Damm. 1 Glucke mit 17 Stück Kreuzungs-Kücken, 8 Tage alt, abzugeben. Marlin Kosenbecker, Be,enheim b. Friedberg (Hessen). 6 Me zu ve kaufen bei Karl Lindt I., __Weäesheim. ZiW.,hlMMWen zum Auslagen von Blumen sofort gesucht. gimtiftt!U|d)iifi Philipp Henes, Bad-Nauheim, Ludwigstratze 9 Dre erfolgreichste Centrifuge und Waschmaschine ist noch vorrätig bei Wilhelm B.ohroy, Uhrmacher, ti Nieder.Jlorstavt. gebrauchte, gut erhalten, Marke „Cormick“, mit neuem Messer versehen, billig zu verkaufen, so lange Vorrat reicht. 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