Die „ilette Tayesreitung" erscheint jeden Werttag. Regelmäßige Beilagen „Dev Sauer ans Hessen", „Die Kpirrnssuke". Ke^ngspreis: Bei den Postanitalten mecteliäljrlid) Ätt 2 40 hinzu tritt nod) das Bestellgeld: bei oe„ Agenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. An?eigen: ibrund;eile 25 Pjg.. totale 20 P,g^ Anzeigen von auswans werden durch Postnachnahme erhoben. Erfüllungsort Frtedberg. Schriftleitung nnd Derlag ^riedberg (Hessens, Hanauer,Iratze 12. Fernsprecher 48. Postjheck-Lonto Rr. 4859, i\ ni .stsrankfurt a. M ildift 3 sabratltiiomdcc mit Uer llkiibklk Der Feind ans AmKlrm?—CuLry rnrnckgemorfen. — 12000 Tonnen versenkt. Lohnerhöhnng für die ReichstagoakgeordneLen. Unmmer 130 Donnerstag, den 6. Juni 1918 11. Jahrgang Der deutsche Genrralstak L - : meldet: = — % W. T. K. Großes Kattplqnartier, den 5. Juni. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. ; r Heeresgruppe Kronprinz Ru pst recht. ' Erfolgreiche Vorstöße in Flandern brachten Gefangene ein. An der ganzen Front hielt rege Erknndungstätigkeit an. Der Artilleriekamps lebte vorübergehend aus. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. In Erweiterung unserer Erfolge auf dem Südufer der Aisne warfen wir den Feind aus Ambeny—Eutry zurück und nahmen seine Stellungen nördlich von Dommiers. Oertliche Kampfhandlungen beiderseits des Ourcg- Flusses. Im übrigen ist die Lage unverändert. ' 1 • Leutnant Löwenhardt errang seinen 26. Lustsieg. ^ Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 5. Juni, abends. (WB. Amtlich.) An der ikihlachtfront ist die Lage unverändert. Der österreichische Generalstak ~ meldet: s ■ ■ Wien, 5. Juni. (WB.)^ Amtlich wird verlautbart: Außer Artillerietätigkeit keine Kampfhandlungen von Belang. - v \ ^ ; Der Ehef des Generalstabes. Der bulgarische Generalstak meldet: - Haag, 6. Ami. (WB.) Das Korr -Bur. teilt mit: Das Fischerfahrzeug „Annieen Adrie" aus Vlaardingen ist in der Nordsee auf eine Mine gelaufen und in die Luft ge- flogen. Von der Besatzung wurden ein Mann getötet und zwei verwundet, 9 Berlin, 4. Juni. WB.) Zwei neue feindliche Ministerreden beleuchten die durch den U-Bootkrieg geschaffenen Ernährungsnöte des Vielverbandes wieder einmal besser als je es Zahlen zu schildern vermögen. Nach dem „Observer" vom 28. 4. erklärte der englische Nahrungsmittelminister Lord Rholldda in einer Unterredung: „Bisher ist die deutsche Nahrungsmittelblockade unwirksam gemacht mit Hilfe der Vereinigten Staaten. Aber Amerika muß nicht denken, daß die Nahrungsmittellage des Verbandes nicht wirklich gefährlich sei. Sie ist sehr ernst. Wenn Amerika seine Nahrungsmittelerzeugung und den Bau von Schiffen nicht beschleunigt, werden die Verbandsmächte große Schwierigktziten haben. Der mäßige Hunger, den wir leiden rührt keineswegs von der knappen Welternte her. In Australien ist viel Weizen, in Südamerika viel Fleisch vor- Händen, aber wir können sie nicht herbekommen." Der Ernährungsminster der Vereinigten Staaten ermahnte 500 Vertreter des amerikanischen Hotelgewerbes zu äußerster Sparsamkeit im Verbrauch von Weizen und begründete diese Fordrung laut „New Dort Times" vom 20. März mit den folgenden Worten: „Wir haben festgestellt, daß die amerikanische Ernte hinter unserer Schätzung zurückgeblieben ist. Wir wissen heute, daß das amerikanische Volk seinen Weizenbedarf um die Hälfte einschränken muß, wenn wir unseren europäischen Verbündeten auch nur das Mindestmaß ihres Brotbedarfes liefern wollen. Es ist möglich, daß unsere Bevölkerung ihren Brotverbrauch eines Tages um mehr als die Hälfte einschränken muß. Eine weitere Schlvierigkeit liegt natürlich in der stetig wachsenden Schiffsraumknappheit. Der Hunger drüben muß schon recht empfindlich fein, wenn feindliche Minister so sprechen und wenn Lord Rhondda ihn sogar als „mäßig" bezeichnet. * Sabotage ans framöslschen Handelsschiffen. Sofia, 3. Juni. '(WB. Nichtamtlich.) GeneralstaüL- bericht. Mazedonische Front: Im oberen Skumbi-Tale und bei Bratindol zerstreuten wir durch unser Feuer feindliche Sturmabteilungen. Im Eernabogen kurze Feuerangriffe auf seiten des Feindes. An der Front Gegend südlich des Dorfes Hums bis zum Wardar wurde das Artilleriefeuer auf beiden Seiten stärker. Im Struma-Tale glücklich verlaufene Patrouillenkämpfe. Das türkische Hauptquartier — meldet: ; ! :4 Konstantinopel, 4. Juni. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Palästinafront: Auflebendes Artilleriefeuer auf dem Ost-Jordan-Ufer. Vorgeschobene feindliche Kavallerie- Patrouillen wurden hier vertrieben. Beim Gegner erkannte Bewegungen wurden von unserer Artillerie beschcssen. Rebellenlager westlich Dschuruf wurden von unseren Fliegern aus geringer Höhe erfolgreich angegriffen. Auf den übrigen Fronten ist die Lage unverändert. 12600 Tonnen verdenkt. Berlin, 4. Juni. (WB. Amtlich.) Durch die Tätigkeit Unterer U-Boote wurden im Sperrgebiet um England wiederum 12 000 Brt. versenkt. Unter den versenkten Dampfern befanden sich zwei mittelgroße belvaffnete Dampfer, einer davon englischer Nationalität. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. • Gin englischer Zerstörer gesunken. Haag, 5. Juni. Reuter meldet aus London: Ein britischer Torpedojäger sank am 31. Mai nach einer Kollision. ES aaü keine Opfer. Köln, 5. Juni. Der Sonderberichterstatter der „Kölnischen Volkszeitung" schreibt, daß kürzlich zwei große, im Hafen von Dünkirchen befindliche französische Dampfer der Agence Maritime du Nord durch Explosionen im Maschinenraum völlig vernichtet wurden. Eine Anzahl anderer Dampfer wurde auf dieselbe Weise mehr oder minder stark beschädigt. Eine durch den Präfekten von Dünkirchen ein- geleitete Untersuchung ergab, daß es sich um systematisch ausgeführte Anschläge, handelt, deswegen verschiedene Matrosen englischer, französischer und spanischer Nationalität festgenommen wurden. Trotz eifrigster Bemr'chungcn der franzö- sichen Behörden, die Tat wieder einmal als deutsche Mache hinzustellen, ist bekannt geworden, daß man es mit Sabotage der Mannschaften zu tun hat, weil Proteste wegen ungemein schlechter Verpflegung stets ohne Erfolg geblieben waren. Infolge der Verabreichung verdorbener Nahrungsmittel! waren in der letzten Zeit viele ernste Erkrankungen unter Vergiftungserscheinungen vorgekomii^n. Die Schlacht im Westen. vj/ * Das Ergebnis einer Woche. Berlin, 5. Juni. (WB.) In einer Wochie besetzten die Deutschen während der Schlacht zwischen der Aisne und Marne über 3000 qkm feindlichen, teils fruchtbarsten Bodens mit zahlreichen Wiesen, Obst- und Weingärten. Ueber 200 Ortschaften, darunter 15 Städte mit mehr als 1000 Einwohnern, fielen in deutsche Hand. In ihnen ist nur ein Teil der Bevölkerung zurückgeblieben, der Rest, rund 75 000 Seelen, verliehen ihre Wohnstätten und flohen über die Marne. Diese Flüchtlinge fallen der französischen Regierung zurLast, die sie unterbringen und verpflegen muß 120 000 Mann feindliche Verluste. Köln, 5 Juni. Der Kriegsberichterstatter der „Köln. Ztg.", Prof. Wegener, berichtet von der westlichen Front u. a.: In der Gegend von La Fer6-Milon am Ourcqfluß stehen wir nur noch 70 bis 80 Kilometer von Paris. Die Ge- jamtziffer der bei denGefangenensammelstellen abgelieferten englischen und französischen Gefangenen beträgt bis zum Abend des 4. Juni über 48 000 Mann und 1200 Offiziere. Schätzt man danach in dem erfahrungsmäßigen Verhältnis die Gesamtverluste des Feindes einschließlicb Verwundete l'Nd Tote so kommt man selbst bei vorsichtigster Annahme auf mindestens 120 000 Mann. Deutsche Sturmwagen im Kampf. Berlin, 5. Juni. (WB.) An der gleichen Stelle zwischen dem Winterberg und Berry-au-Bac, an der in der Frühjahrsschlacht 1917 französische Tankgeschwader angrisfen und zusammengeschossen wurden, setzten am 27. 5. auch die deutschen Sturmwagen zum Angriff an. Die Tanks die hier in der Morgendämmerung vorrasselten, bestanden in englischen Beutetanks, die jetzt mit deutsch Besatzung zeigen konnten, was die Tankwaffe bei geschicktem Einsatz und rücksichtsloser Führung zu leisten'imstande ist. Die jungen* Sturmtruppfiihrer, die so oft an der Somme, vor Arras und bei Cambrai die englischen Tankgeschwader feuerspeiend sich heranwälzen sahen, bis Volltreffer der deutschen Artillerie sie vernichteten, konnten jetzt als Tankkommandanten Schrecken in die Reihen der englischen Infanterie tragen. Mit ihnen wetteiferten Maschinengewehroffiziere, Artilleristen und Offiziere der Kraftfahrtruppen in der Füh-, rung der Panzersturmwagen. In dem Augenblick, wo die Infanterie zum Sturm antrat, hatten die Tanks bereits die englischen Gräben erreicht. Stellenweise fuhren die Tanks ksts auf 1000 Meter vor der Infanterie her. Ein Bataillon kam unter dem Schutze ihm vorausfahrender Tanks eine Strecke von 4 Kilometer bis an den Kugelberg fast ohne einen Mann Verlust vorwärts. Ein Sturmwagen fuhr bis Pontavers und machte mehr als 200 Gefangene, die er, aus ihren Gräben herausholend, der nach^ rückenden Infanterie in die Arme trieb. Vergeblich versuchten die englischen Batterien und Grabengeschntze den Sturmmarsch der deutschen Panzerwagen aufzuhalten. Von zwanzig Tanks wurden nur zwei durch Volltreffer außer Gefecht gesetzt, aber der überlebende Rest der Besatzung griff zu Karabinern und Handgranaten und kämpfte als Stoßtrupp mit der Infanterie weiter. Die Tanks, welche die Engländer auf ihrem Rückzuge gegen Amiens zu Dutzenden nnd Hunderten zurückließen, leisteten uns gute Dienste. Unter deutschem Feuer. Zürich, 8. Juni. Meldungen von der Wesffront berichten über die Forffetzung der Beschießung von Eompiögne und Reims, auch die Eisenbahn von Compi^gne nach Paris fei durch die Bombenwürfe gefährdet. Köln, 5. Juni. Havas gibt nach der „Köln. Ztg." zu. daß die französischen Truppen, die am 27. Mai die Ränder von Reims bewachten, sich im Laufe der letzten Woche nach und nach gegen die Vorstädte zurückzogen. Unterbrochene Verbindungen. Genf, 5. Juni. Nach Pariser Meldungen ist der Vor«- ortsringvelckehr von Paris nach Meoux eingestellt, Eins Angabe, ob die Einstellung wegen der Gefährdung Moaur durch die deutschen Linien bei Chateau-Thierry oder infolge- des letzten schweren deutschen Bombenwurfes auf Mtzaii^ erfolgt, fehlt. Die Räumung von Meaux von der Zivils bevölkerung und^den Behörden wird nunmehr vom Pariser „Petit Journal" bestätigt. Genf, 5. Juni. Die Pariser Blätter melden die Unterbrechung des Eisenbahnverkehrs von Reims nach Epernay. Die französische Grenzsperre ist Dienstag mittag in Kraft getreten. Englische Sorge vor neuen Uebcrraschungcn. Lugano, 4. Juni. Der Londoner Korrespondent deH „Secolo" kann die Angst, die in ganz England herrscht, nicht verhehlen. Dank dem Eintreffen der französischen Reserven sei der deutsche Vormarsch ja allerdings stark verzögert und bald würden die Deutschen neuerdings zur Impotenz ver«- urteilt werden. Dennoch hege man in London andauernd schwere Besorgnisse, daß die Deuffchen in dieser kritische« 'Phase der Schlacht irgendwelche neuen Ueberraschungen auf die Verbündeten loslassen könnten, so etwa eine Offen* sive an irgend anderen schwach besetzten Punkten, um damit eine neue Bresche zu öffnen und die Verbündeten neuerding- zur Verschiebung ihrer Reserven zu zwingen und die rück- wärtigen Verbindungen noch mehr zu stören. Wenn nichts! rnrt alledem efntrcte, seien die Verbündeten sick'er, den deutschen Vormarsch aufzuhatten. Aber es sei unumgänglich nötig, dem Leinde kein weiteres Gelände mehr abzutreten. Ein neutrales Urteil. Rotterdam, 4. Juni. (WTV. Nichtamtlich.)" Der „Nieuwc Notterdamfche Courant" schreibt zu der deutschen Offensive: Es ist vorläufig für die Entente, besonders für die Franzosen, beruhigend, daß die Deutschen aufgehalten werden, bevor sie noch gröbere Vorteile errungen haben. Es ist aber auch so gerade schlimm genug. Der Gewinn hat dieselben Matze wie die Offensive bei St. Quentin. Während des Stillstandes nach der Flandernschlacht hörten wir gar cft die Versicherung, datz die Ententetruppen jetzt auf alles vorbereitet seien, daß sie dank ihrer Ileberlegenheit in der Luft ausgezeichnet über alles, was der Feind beabsichtige, unterrichtet seien, endlich, datz Foch mit einem großen Gegenschlage überrasck)en werde. Aber die Tatsache zeigte, daß eine Gegenoffensive unmöglich war, daß man sich aufs Abwarten beschränken mußte, daß der Angriff einen Punkt traf, an dem nmn ihn am wenigsten erwartete, und daß die Heeresleitung der Entente keine Ahnung von den Plänen des Feindes hatte. Da die Alliierten keine Gegenoffensive während der ersten Pause haben unternehmen können, da es ihnen nicht gelungen ist, während der zweiten Offensive die Lage zu ihren Gunsten zu ändern, und da sie sich auch zum dritten Male haben überrasck)en lassen, ist zu furchen, daß sie auch während der nun zu erwartenden Pause nicht viel ausrichen werden, und daß sie in Unsicherheit abwarten müssen, ob die Deutschen nach einiger Zeit wieder mit einer dritten und vierten Offensive Hervorbrechen werden, die vbenso erfolgreich sind wie ihre früheren Offensivem Die Krschicjflmg van Daris. Täglich 40 Granaten. Schweizer Grenze, 5. Juni. Wie aus Paris berichtet wird fallen dort jetzt täglich etwa 35 bis 40 feindliche Granaten. Bei der ersten Fernbeschießung wurden täglich «JO Granaten gezählt, die sich auf 15 Granaten erhöhten und bei der neuen Wiederaufnahme der Beschießung auf 36 Granaten. Die französische Regierung hat weiter die Fortschvsfung der bürgerlichen Bevölkerung aus der Kriegszone ange- ordnet. Die zu räumenden Ortschaften werden mit Reserve, truppen belegt. Ter Militärgouverneur von Paris hat am Sonntag eingehende Bestimmungen übet- den Verkehr in Paris er- lassen. Man sieht darin das erste amtliche Zugeständnis der Bedrohung des Seinedepartements, Rußland. Die Kämpfe iu Ostasien. . London, 4. Juni. (WB.) Reuter erfährt auS Peking: Semenows Artillerie wurde durch Vernichtung der Brücke über den Onon aufgehalten, sodaß er nur imstande war kleine Kavallerieabteilungen auszuserrden, um die Eisenbahn tie an Karinskaja vorüberführt, zu besetzem Da die Bol- -chewiki in Tschita so wenig Widerstand fanden, nahmen sie Jngoda und warfen Semenows Abteilungen über das rechte User de§ Onon zurück. Eine Kavallerieabteilung rückte aus dem Amij,gebiet zwischen Silka und Argoon vor und bedroht Semenows Verbindungen Rumänien. Bukarest, 4. Juni. (WB.) Meldung des Wiener Tele- gravheu-Korrespondenzburcaus. Die rumänische Negierung bat angeordnet, daß die von der früheren Negierung über das Vermögen von Ausländern eingesetzte Zwangsverwaltung, die noch nicht ordnungsgemäß Neckvnschaft über ihre Der- waltung abgelegt hat, in den Anklagezustand versetzt wird. Kßnist frnnffontin wieder rrhranhf. . , ^ch einem Basler Telegramm der „Deutschen Ztg? ist König Konstantin neuerdings an einem Brust- und Herz- leiden erkrankt. Griechenland als Feind. Sofia, 3. Juni. Das „Echo de Vulgarie" bespricht die griechischen Angriffe auf das Lumaplateau und schreibt: Der müßige, wir möcksten sagen skandalöse Streit um die' Frage, ob Griechenland im Kriege ist, muß aufhören. An den Wardar-Ufern fallen Vulgaren und Deutsche Seite an Seite unter griechischen Kugeln, griechisch^ Divisionen, die von der Entente ausgerüstet sind, greifen die von Bul- E garen und Deutschen gemeinsam gebauten und verteidigten Stellungen an. Wenn das kein Feind ist, so muß man eine neue Definition und neue Formeln für Krieg suchen. Die mazedonisch Kämpfe sind eine Ergänzung der Kämpfe an der Westfront. Sie bekräftigen mit Blut die Einheit der Front, die gemeinsanien Ziele und Interessen von Freunden und Feinden. Holland. Die Gctreidczufnhr aus Amerika. Washington, 3 Juni. (WB.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die niederländischen Dampfer „Stella" und „Java", die vor einiger Zeit die Erlaubnis bekamen, für Holland Getreide landen zu dürfen, werden, obwohl sie zur Ausfahrt bereit sind, auf Anordnung der Reeder nicht aus- fahren. Diese Maßnahme ist bezeichnend für die Hilfsmaß. nahmen der Vereinigten Staaten für die Versorgung Hollands. Außer dem von den beiden genannten Dampfern geladenen Getreide liegen noch mehr als 15 000 Tonnen feit zehn Tagen in amerikanischen Häfen für Holland bereit. ÜFtialanb „kan Fmdenshin'sttliis". Rotterdam, 5. Juni. Aus London wird gemeldet, daß Lord Cecil in Vertretung Lloyd Georges die Vertreter einiger Gewerkschaften, darunter der Hafenarbeiter, empfing. Er gab ihnen die Erklärung ab. datz Frankreich keinen Grund zu einem Friedensschluß haben werde, da England seine ganze Kraft für Frankreich einsetzen werde. England werde aber im übrigen kein Hindernis für einen Frieden sein. In den Kreisen der Alliierten sei die Hoffnung aus eine baldige Beendigung des Krieges vorhanden. Ablehnung direkter önnbeskeuern in der Zchwej, In der Schweiz fand die Volksabstimmung über das von 115 000 Bürgern Unterzeichnete, von der sozialdemokratischen Partei gestellte und von einem Teil der linksstehenden bürgerlichen Parteien unterstützte Volksbegehren auf Einführung einer direkten Bundessteuer auf Cinkom- men von 5000 Franken an und Vermögen von ‘-'0 000 Franken an. statt. Das Volksbegehren wurde mit einer Mehr- Wem nie M Liebe Leid gejchch. Roman von Courths -Mahler. 20) Nachdruck verboten. „Zwischenstufen läßt wohl Dein Instinkt nicht gelten?" Sie lachte. „Darauf reagiert er nickst. Was so dazwischen hin- und herpendelt, das sind eben Durchschnittsmenschen, nicht gut und nicht böse." Er streichelte über ihr goldblondes Kraushaar. „Also kann ich miä) der beruhigenden Sicherheit hingeben, daß Fräulein Hellmut km Greuel ist," neckte er. Sie zuckte die Achseln. „Das kannst Du gewiß! Mach Dich nur lustig über mich, Hans Ullrich. Du denkst natürlich, ich bin noch ein dummes Baby und weiß vom hellen Tag nichts. Aber Du irrst, i(/, besitze viel Menschenkenntnis. Und ich gehe jede W'.'tte rm 1 Dir ein, daß Fräulein Christa Hellmut ein wahrhafter Adelsmensch ist, wenn sie auch nur einfach Fräulein Hellmut heißt." , "Woher weißt Du denn, daß sie Christa heißt?" fragte Haus ^Ulli ich Er hatte Christas Vornamen noch nicht gehört ,,^as ist doch einfach — sie hat mir ihren Vornamen selbst genannt, weil ich sie darum bat. Findest Du nicht, daß er sehr hübsch) klingt und gut zu ihr paßt?" Er lächelte. „Wenn ich nein sage, bist Du mir doch voie," erwiderte er ablenkend. „Ach, Unsinn, Hans Ullrich, so bin ich doch nickst. Es darf doch jeder eigene Meinung haben. Und ich bin nun einmal ganz vernarrt in Fräulein Hellmut und bleibe dabei daß sie ein Adelsmensch ist. Mamusckcka hat mir so oft ge- sagt, daß der Adel der Geburt nur ein glücklicher Zufall ist, aus den sich kein Mensch etwas einbilden darf, wenn er auch da,.tr dankbar sein muß. Aber der Adel des Herzens, der Gesinnung, das ist der richtige, und darauf kann man swlz sem. Ohne diesen Herzensadel ist der feudalste Aristokrat tin Plebejer. Barone^ Karla ist kein Adelömensch^ trotz ihres Titels und ihrer vornehmen Geburt, aber Christa Hellmut ist einer, da verlaß Dich drauf." Hans Ullrich zog seine Schwester fest in seine Arme. „Kleine Weisheit, ich mache mich gewiß nicht über Dich lustig. Es freut mich, daß Du eine so lobenswerte An- schauung vom wahren Adel hast. Unsere liebe, herrliche Mutter hat reckt getan, Dir das Wesen desselben so zu erklären. Ich wollte, unsere Vorfahren hätten auch so gedacht, dann gäbe es keine törichten Majoratsbedingungen, die mich knebeln." Ursula nickte. t „Du meinst die Bestimmungen, die Dir bei der Wahl Deiner künftigen Frau vorgeschrieben sind?" „Ja, Urselcken, die meine ich." „Ich finde sie auch sehr töricht. Denke mal, wenn Du Dich zum Beispiel in dieses entzückende Fräulein Hellmut verlieben würdest, was doch wahrhaftig kein Wunder wäre, ■ dann dürftest Du sie natürlich nicht heiraten." Er sah starr vor sich hin. „Ja, das wäre so ein Beispiel." Ursula wurde auch nack-denklich. „Zu dumm! — Und diese garstige Karla zu heiraten, verbietet Dir kein Gesetz. Da siehst Du, wie dumm so \dyt Bestimmungen sind. Ach weiß Du, Hans Ullrich, wenn ich ein Mann wäre, in Fräulein Hellmut würde ich mich blindlings verlieben und sie vom Fleck weg heiraten." Er streichelte ihre Wangen. „Vorausgesetzt, mein Urselchen, daß Du nicht Majorats- herr von Frankenau wärst. Aber nun muß ich Dich der- lassen, mein Kleinchen, ich will Mama aufsuchen." „Da komme ich natürlich mit." v Er hielt sie zurück. „Nein — komme jetzt nicht mit, ich möchte mit Mama allem sein." >,Ach — habt ihr Heimlichkeiten?" „Nein. Ich will Dir sagen, was ich mit Mama besprechen will, dann wirst Du mich gehen lassen." heit von rund 40 000 Stimmen abgelehnt. Die industriellen Zentren der deutschen Schweiz stimmten dafür, während ländliche Kreise, vor allem die romanische Schweiz, gegen das Begehren stimmten, hauptsächlich weil eine dauernde direkte Bundcssteuer als Gefahr für das selbständige poli- tisch'e Leben der Kantone betrachtet wird, da direkte Steuern bisher ausschließlich den Kantonen als Haupteinnahmeguelle Vorbehalten waren, während der Bund seine Ausgaben aus indirekten Abgaben (hauptsächlich Zolleinnahmen) bestritt. Die „Deutsche Tageszeitung" bemerkt hierzu: Die von 'der Sozialdemokratie eingebrachte Bundes- steuer-Jnitiative, der Antrag auf Schaffung einer dauernden Bundeseinkommen- und Vermögenssteuer ist damit durch die denkbar demokratischste Entscheidung dem Volkswillen zum Opfer gefallen. Das schweizerische Beispiel ist darum besonders interessant, als, natürlich in verkleinertem Maß» stab, die Verhältnisse dort ähnlich liegen, wie in Deutschland. Hier der Kamvf zwischen Reichstag und Bundesregierungen um die Aufrechterhaltung der 'finanziellen EristenzfähigkcO. der Einzelstaaten,, dort der gleiche Gegensatz zwischen oer Eidgenossenschaft und den Kantonen. Gegen die dauernde Ausfolgung direkter Einkommens- fund Vermögenssteuer an den Bund werden alle die Argumente ins Feld geführt, die auch in Deutschland geltend gemacht werden . Man wird die Schweiz und insbesondere die geistesverwandte romanische nicht gerade als Hort der Reaktion ansehen wollen. Und sollte sich daher nach dieser neuesten Lehre aus der Schweizer Steuergesetzgebung — es ist nicht die erste — endlich dazu aufschwingen, Steuersragen nicht unter die Herrschaft starrer Parteidogmen zu stellen und den politischen Gegner in solchen Dingen eigennütziger Jnteressenpolitik verdächtigen. Sollte darüber hinaus aber auch sachlich dis Gründe auf fick wirken lassen, die dazu führten, daß in der Schweiz gerade auf Grund des souveränen Volkswillens, wie er im Referendum zum Ausdruck kommt, genau entgegengesetzte Wege in der Abgrenzung der Steuerguellen gegangen werden, als man sie auf der Linken in Deutschland eingeschlagen sehen will. Deutscher Reichstag. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Lesung zur Abänderung des Gesetzes betreffend die Gewährung einer Entschädigung an die Mitglieder des Reichstages. Danach sollen die Abgeordneten statt der bisherigen 3000 Mark 5000 Mark erhalten. Dementsprechend soll auch bei Versäumniffen ein höherer Betrag, statt 20 Mark 30 Mark in Abzug gebracht werden. Abg. Dove (Bpt.) empfiehlt die Bewilligung einer Aufwandsentschädigung für den ersten Präsidenten. Abg. Gras Westarp (Kons.): Wir wünschen nicht, daß der rein ehrenamtliche Charakter des Präüdenten- posten irgendwie beeinflußt wird. Auch zur Zeit der größten Sparsamkeit und der persönlichen Einschränkung glauben wir nicht diesem Gedanken zustimmen zu können. Staatssekretär Wallraf: Ich glaube hoffen zu dürfen, daß wir dem Grundgedanken beistimmen können. Die Vorlage wird in sofortiger zweiter und dritter Lesung einstimmig angenommen. Danach wird die Aussprache über Belagerungszustand und Zensur forgeseht. Abg. Cothein (Dpt.) schimpft über die Vaterlandspartei. General v. Wrisberg: Daß von den Militärstellen der Versammlungsfreiheit entgegengearbeitet würde, trifft nicht zu. Es haben im letzten'Jahre 8011 Vev sammlungen stattgesunden. Verbo ten waren 99 Vev >,Nun?" ~ „Ich will ihr sagen, daß ich Varoneß Karla nicht heiraten werde." Sie küßte ihn stürmisch „Ja Du — da lasse ich Dich gern mit MamuMa allein. Ach, bin ich froh, daß Du es nicht tun willst! Dieser Freude muß ich Ausdruck geben. Weißt Du, was ich jetzt tue?" „Nun?" „Ich bettle mir von Fräulein ein Körbchen mit Leckereien und die verteile ich an Mamuschkas Waisenkinder." „Mamuschkas Waisenkinder? Was ist denn das?" „Davon weißt Du wohl noch gar nichts! Mamuschka hat dock) drüben im Park, im alten Kavalierhaus, die vier Dorfwaisen, lauter kleine Mädels, unterbringen lassen. Sie läßt sie dort auf ihre eigenen Kosten großzielien. Deine alte Amme Dörte führt die Aufsicht über die Kinder, lehrt sie allerlei, auch Haus- und Gartenarbeiten. Sie hoben hinter dem Kavalierhaus ein eigenes Gärtchen, in dem sie alles allein besorgen. Sie besuchen natürlich die Dorfschule, und ick gebe ihnen jede Woche zweimal Unterricht in Hand-' arbeiten. Jawohl, ich bin Respektsperson — aber freilich manchmal tolle ich auch mit den Kindern herum. Du glaubst nickst, wie sie an mir hängen! Es ist jedesmal ein Jubel, wenn ich komme. Aber ich bringe ihnen auch immer etwas Gutes mit. Heute sollen sie nun eine besondere Leckerei haben, weil ich froh bin, daß Du Karla nicht heiratest." Hans Ullrich sah lächelnd in ihr rosiges Gesicht. „Nun. dann beglücke also die Waisenkinder. Wie alt sind sie denn?" „Zwischen sechs und zehn Jahre, lauter Flachsköpfe. Zwei sind Geschwister, das jüngste und das älteste. Du mußt sie Dir einmal ansehen. Ich werde Dich bei ihnen ein* führen, dann bist Du einer guten Aufnahme sicher," Er lachte. L Lortsetzung folgt. sammlungen. Davon entfallen auf die Vaterlandspaltet 840 bezw. 14, auf die Gewerkschaften 2749 bezw. 19 (Hört, hört! rechts.) Abg. v. Gräfe (Kons.): Das Interesse an der Zensurfrage ist in diesem Augenblick, wo im Westen das Gewaltigste sich vollzieht, nicht gerade groß. Auch die dreistündige Rede des Abg. Gothein hat nicht dazu beigetragen. Die Männer draußen haben kein Verständnis für solche Debatten. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr. Wahl des Präsidenten und Fortsetzung. Schluß nach Vs 6 Uhr. Zentrum ititl» Grzbergerpotttilr. Die mit der Görresgefellschaft in engen Beziehungen stehenden „Historisch-politischen Blätter für das katholische Deutschland" in München veröffentlicht in ihrem Heft vom 1. Juni einen langen Aufsatz: „Die deutsche Zenttrrms- Partei im Weltkrieg", der sich sehr eingehend mit den Wirkungen Erdergerscher Politik beschäftigt, ansangend bei der Vorgeschichte der Reichstagsauflöiung 1906 und fort- gefichrt in sorgsamem Verfolgen bis auf den jetzigen Augen- blick. Der Aufsatz weist nachdrücklich auf die Analogie der Situationen hin. wie jungst, Stbenso wie 1906. durch die Erz- bergersche Taktik das Zentrum isoliert an der Seite der Sozialdemokratie gestanden habe, eine Lage, die um des- willen gefährlich sei, weil sie den inneren Charakter des Zentrums als einer Mittelpartei gefährde. Weiter wird dann auf die Besserung in der politischen Führung unter der Hertlingschen Kanzlerschaft verwiesen, auf die Urteilsfähigkeit des Kanzlers in Dingen der auswärtigen Politik und im Anschluß daran die Frage gestellt, ob die zutage getretene Wandlung durch die Schuld des Zentrums zunichte gemacht werden solle. Im Zusammenhang damit geht der Aufsatz auf den Vorstoß Erzbergers im Hauptausschuß ein und stellt auf Grnd einwandfreien Materials fest: „Der Tatbestand erscheint sohin durchaus festgelegt und kann durch nachträgliche Interpretationen nicht abge- scbwäcbt werden." Zum Schluß wird dann an das Urteil Dr. Pichlers über Erzberger und sein Verhalten erinnert und die straffe Frak- tionsdiszlplin Windthorsts als Vorbild hinaestellt, bei der da» Zentrum sehr gut gefahren fei. Sorgfältig sei darauf zu achten, daß die Zentrumspartei nicht von den bürgerlichen Parteien getrennt wird und daß sie nicht in eine Isolierung gerät, worin sie an die Seite der Sozialdemokratie gedrängt würde. Das letztere wünscht die Sozialdemokratie, welche dadurch ihre Hauptkonkurrenz eurem Zer- mürbungsprozeß entgegengeführt sähe. Das Zentrum muß sich als Mittelpunkt der bürgerlichen Parteien in Freiheit und. Unabhängigkeit erhalten. Das geht verloren, wenn das Zentrum durch die impetuosen Vorstöße einzelner seiner Mitglieder in Engagements verwickelt wird, welche nicht in der Gesamtpariei, sondern nur in einzelnen Gruppen, Ständen, Landsmannschaften Zustimmung finden, für die aber die Gesamtpartei verantwortlich gemacht wird. Die Fraktionsführung muß diese Politik einseitigen Drängens von Haus aus in die Bahnen des Ausgleichs mit allen anderen Kräften ziehen, sonst belastet sie sich mit einer Verantwortung für politische und taktische Züge, die, so gut sie auch gemeint sein mögen, die Geschlossenheit auflosen. Bei gemeinsamem Zusammenwirken gibt es in allen Parteien unausgesetzt Situationen, in denen der Rat der Alten und die Autorität der Leitung allein zu entscheiden und der einzelne sich zu fügen hat. Das einmal auszusprechen ist durch die Verhältnisse notwendig geworden. Danach will es scheinen, als erkenne man in immer weiteren Kreisen des Zentrums die Hauptgefahr des Erbergec- scheu Wirkens, die nicht so sehr in seinen sprunghaften und anscheinend improvisierten Einzel- und Sonderaktionen liegt als in dem mit Konsegnenz immer wieder verfolgten Bestreben, die Partei nach links zu führen und an die Seite der Sozialdemokratie zu drängen. Ein Trümmerfeld. („Die Ergebnisse der „kricgssozialistischcn" Wirtschaft.) Von Dr. rer. pol. A. W. Das Analogon zum Wirtschaftskrieg, den unsere Feinde 'draußen gegen uns führen, ist im Innern die Kriegswirtschaft, dre sich fortgesetzt und mit steigendem Erfolg müht, das heimische Wirtschafsleben, die heimische Produktion vor allem, mit Keulen totzuschlagen. Erwachsen letzten Endes aus öder demokratischer Gleichnracherei, hat sie sich schließlich wie alle echt demokratischen Grundsätze in der Praxis selbst negiert. Die in der Politik nach Freiheit schreien, wollen in der Wirtschaft den unerträglichsten Zwang ver-- hängt wissen: die für die Gleichheit eintreten, waren die - ersten, die Rationierung albald weiter zu differenzieren. Den Erfolg dieser Wanderung auf sozialistischdemokratischen Pfaden sehen wir heute. Die Fehler des Systems liegen zu Tage. Grundlegend: Man vergaß, daß dein Konsum die Produktion vorai^igehen hat; vergaß, daß gerade in der Landwirtschaft die individualistische Wirtschaftsweise alles ist und allein den Erfolg verbürgt, bildete sich ein, hunderttausend«; regsamer Handelsexistenzen durch eine Anzahl Bureaukraten und bureaukratisierter Kaufleute — die noch schlimmer sind — und durch eine Armee von Maschinenschreiberinnen ersetzen zu können. Es ist merkwürdig, (aber es war immer so und wird Wohl auch immer so bleiben), daß die kaufmännisch und wirtschaftlich weniger geschulten Militärbehörden die ziviler;^ Behörden in der richtigen Verwendung gesunden Menicven^ Verstandes mn Haupteslänge überragen. Sie verschließen sich nicht wie jene der Erkenntnis, daß der Anreiz zur Produktion nicht durch Erlasse. Verordnungen, Strafandrohungen, Maßregelungen und hinter den Erzerrgerkosten her- hinkende Höchstpreise erzielt wird, sondern durch die Einräumung von Preisen, die einen angemessenen Verdienst lassen. Daher die fabelhafte Produktionssteigerung bei der Rüstungsindustrie, daher der Produktionsrückgang in der Landwirtschaft. Daher z. V. auch die typische Erscheinung, daß die Militärbehörde dem litauischen Bauer, um ihn zu gesteigerter Buttererzeugung und -Ablieferung zu veranlassen, einen höheren Butterpreis gewährte, als ihn der deutsche Bauer erhielt. Was die zivilen Stellen durch die Außerachtlassung des Grundgesetzes gesündigt hatten, daß entscheidend für die Produktion die Spannung zwischen Erzeugungskosten und erzieltem Verkaufspreis ist, das suchten sie durch kleinliche (Boheme, Entziehung von rationierten Lebensmitteln, Versiegelung von Zentrifugen usw.. wieder gut zu machen, und erreichten das Gegenteil. Mit dem Recht der selbständigen Betätigung auf dem eigenen Grund und Boden vernichtete man bei der Landbevölkerung nicht nur die Initiative, sondern gefährdete auch das Verantwortungsgefühl, das einen Antrieb dcnstellt, *o diel zu produzieren wie irgend angängig. Aufs schwerste störend griffen die zentrakverfiigten Maßnahmen in die innere Oekonomie der Wirtschaften ein, Vorgänge, wie der sinnlose Schweinemord, wie die Dezimierung unseres Milchviehbestandes lediglich zur Aufrechterhaltung der erhöhten Fleischration im vergangenen Sommer. Der Erfolg alles dessen: Rückgang der Kartoffel-Anbaufläche von 3,57 auf 2,8 Mill. Hektar in 1916 und weiter auf 2.37 in 1917, Ausfälle von Prozent und bei den Erträgen der Körnerfrüchte, bei Rüben, 6ei Raps, woran nicht allein die schlechte Ernte die Schuld trägt. Immer w'.rder die Erfahrung: die Produktion läßt sich nicht kommandieren; ein auf rein individualistische Wirtschaftsweise gestellter Berufsstand ist nicht von einer Zentrale aus wie eine gu> durchkonstruierte seelenlose Maschine zu dirigieren. Und trotzdem immer weiter das System der Verordnungen, Beschlagnahmen, Anklagen, Verurteilungen: Zwang, Zwang, Zwang. Neben diesem Fiasko lief das andere her: In der Der- sorgung der Bevölkerung, in der Erfass«mg, in der Verteilung der Vorräte. Wenn man der landläufigen Ansicht war, daß der Handel nicht guter erzeugend sei. so machte man alsbald die Erfahrung daß seine Ausschaltung gütervernichtend wirkte. Alle noch so sorgfältige Statistik, alle haarscharfen Verteilungsschlüssel, alle Konttollmethoden versagten, und den „Erfolg" sahen wir oben! Es reichte nie und nirgends! Da der ehrliche Handel erschlagen war, zum Besten des „Prinzips", trat an seine Stelle der Schleichhandel und trieb die Blüten, die wir alle kennen. Er hat eindringlich gelehrt, daß man die Preisbildung nicht ungestraft ausschaltet; und unerbittlich hat er für den Ausgleich gesorgt, nebst den gehörigen Zuschlägen, als handele es sich um Bestrafung wegen Hinterziehung. Was die Bevölkerung an den künst- Ich niedergehaltenen Preisen für Cerealien, Milch, Kartoffeln, Zucker und sonstige rationierte Lebensmittel erspare hat, das wurde im vielfachen Betrag im Schleichhandel für eben solche Produkte überzahlt. Und wenn man jetzt den Handel wieder legalisierte und die normale Preisgestaltung zuließe, sc würden die Mehraufwendungen aus den anziehenden Preisen längst noch nicht an die Schleichhandelskosten heranreichen. Nun ist dem Schleichhandel ja die Ehre wiederfahren, von kompetenter Seite wegen seiner Verdienste um di«r Ueberwintening der Bevölkerung gelobt zu werden. Herr August Müller, Sozialdemokrat und Unterstaatssekretär im Reichsernährungsamt, hat ihm diese ausdrücklich attestiert. Er hätte noch ein weiteres Verdienst hervorheben sollen: daß der Schleichhandel allein durch seine behäbige Existenz dgs System der Zwangswirtschaft täglich und stündlich ad absurdum führt. Aber auch der Schattenseiten hätte er gedenken sollen: der Vernichtung der Integrität weiter Volkskreise, der schwersten Erschütterung jeglicher Achtung vor Gesetz und Autorität des. Staates, der Ertötung des Unterscheidungsvcrmögens zwischen Recht und Unrecht, der Vergeudung aber auch vor allem großer und notwendiger Mengen von Nahrungsmitteln. Tie gewöhnliche Form des Schleichhandels ist der Gelegenheitskauf, die geregelte Versorgung in bestimmten Zwischenräumen die Ausnahme. Jede Möglichkeit zu kaufen, wird als vielleicht nicht wiederkehrende betrachtet. Erfolg: gewaltiges gegenseitiges Ueberbieten, Ansammeln von Vorräten, die bei meist unsachgemäßer Behandlung in großem Umfang verderben. Das schlagendste und jedermann bekannte Beispiel dafür ist das Eiereinlegen. Sonach ist das Gesamtbild der amtlichen Ernährungspolitik und das Endergebnis der staatssozialistischen Zwangswirtschaft, daß nach dreijährigen Mühen, nach unendlichen Schikanen, nach nicht mehr zu steigernder Verärgerung und Erbitterung unsere Ernährungsbasis im eigenen Lande nicht breiter, sondern schmäler geworden ist; daß in immer steigendem Maße die Bevölkerung zu ungesetzlichen Selbsthilfen gegriffen hat unter Begleiterscheinungen, deren ganze Bedenklichkeit hier nicht erörtert werden kann. Und daß es also wirklich not ist, darauf zu sinnen, wie man aus dem freilich schon allzu tief ousgefahienen Gleis der sozialistisch-demokratischen Utopia-Wirtschaft heraus-kommt. umlenkt in vernunftgemäßere, erfolgverheißendere Bahnen, um das Trümmerfeld aufzuräumen und die deutsche Er- nährungswirLschaft neu aufzubauen. Ans der Heimat. Auszeichnungen. Die Königliche Eisenbahndirek- tion Frankfurt a. M. hat den nachstehend bezeichneten Beamten das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen 7 Vahnhofsverwalter Kornmann in Großkarben, Bahn« hojsverwalter EN seit in Niederwöllsiadt und Bahnhofsvorsteher P e t r i und Ober-Bahn-Afsistent Berk in Heldenbergen. Wir gratulieren! Marke „Eisernes Kreuz". Wir lesen in der „Volks^ stimme": Seit einiger Zeit gehen uns aus dem Felde fortgesetzt Feldpostpäckchen zu. Sie enthalten ohne Ausnahmen Tabak. Kriegstabaksmischung! Nummer 324, Nummer 245 Marke „Eisernes Kreuz" u. s. f. In der Tat: es gehört eine eiserne Lunge dazu, dieses Zeug rauchen zu können, das lediglich aus getrockneten Blättern besteht. In einenr Unterstand mit 10—12 Mann, in dem jeder eine Pfeife solchen Krautes raucht, ist es sicher ebenso wirksam als ein Gasangriff. Wer es fertrg bringt die Pfeife zu Ende zu rauchen, verdient wahrlich das Eijerne Kreuz. Es gehört aber auch eine eiserne Stirn dazu, diesen „Heldentabak" der Heeresleitung zu verkaufen. Millionenverdienste werden' den Kriegslieferanten und Tabakfabriken durch dieses völlig ungenießbare und obendrein gesundheitsschädliche gebeizte Laub in die Tasche geworfen. Das Reich muß bezahlen, Steuern müssen es wieder aufbringen und obendrein wird der sogenannte „Tabak" von den Soldaten mit Recht über die Tckung geworfen. Schämen sich die Herren Fabrikanten nicht, den Staat derart auszubeuten und auszuwuchern. FC. Frankfurt a. M., 4. Juni. Das allbekannte Restaurant am Schillerplatz die „Alemannia" hat ihre Pforten infolge ungenügender Belieferung nunmehr auch geschlossen. Das gesamte Wirtschaftsinventar kommt demnächst zur Versteigerung. FC. Aus Obcrhessen, 4. Juni. Das Stammkapital der Eisenwerke Hirzenhain, Hugo Buderus. G. m. b. H. in, Hirzenhain wurde auf zwei Millionen Mark erhöht. FC. Alsfeld, 4. Juni. 170 bis 220 Mark wurde durch, schnittlich für jedes Ferkel auf dem gestrigen Schweinemarkt j hier bezahlt. 129 Stück Ferkel waren angetrieben und trotz der märchenhaften Preise wurden sie im Handumdrehen abgesetzt. Aus Starkenburg. Arbeikgen. Ein 16 Fahre altes Mädchen aus Arheilgen hat sich am Montag Abend gegen elf Uhr in selbst* mördcttscher Absicht aus einem Fenster des ersten Stockes eines Hauses in der großen Ochsengasse auf die Sttaße gestürzt. Das schwerverletzte Mädchen wurde durch die Rettungswache alsbald in das städttsche Krankenhaus verbracht. FC. Messel, 4. Juni. Im Betriebe der hiesigen Gewerkschaft explodierte ein Destilierapparat. Der 44 jährige Arbeiter Martin Blank von Dieburg erhielt durch die ent^ standene Stichflamme so schwere Verletzungen, daß er als-- bald verstarb. Alsbach. Als ganz moderne Diebs erwiesen sich jene Männer aus Jugenheim, die hier ein Rind stahlen und das Tier im Walde durch Kopfschutz Löteten. Bürstadt. An den Folgen einzs Jnsektensttches starb der Gastwirt Ph. Bester von hier. Der im besten Mannesalter stehende Geschäftsmann wurde vor einigen Tagen von einer Fliege ins Gesicht gestochen. Die anfangs kaum beachtete kleine Wunde ging rasch in Blutvergiftung über und führte jetzt den Tod des kräftigen Mannes herbei. Aus Hcffcv.Rassau. FC. Wiesbaden, 4. Juni. Jtzren Verletzungen erlegen ist die 76jährige Rentnerin Christiane Weygond Witwe, die sich gestern Vormittag aus ihrer Wohnung in selbsttwr- derisck)er Absicht aus dem Fenster gestürzt hat. FC. Aus dem oberen Lahntal, 4. Juni. Die Roggenernte verspricht hier einen besseren Ertrag als jm Vorjahr, die Weizenernte wird einen befriedigenden Ertrag ergeben. Für Hafer und Gerste war die seitherige Hitze und längere Trockenpenode nachteilig. Die Heuernte hat teilweise begonnen und liefert befriedigende Resuliote. Die Obsternte wird heuer etwas geringer ausfallen als im Vorjahre, da einige Sorten keinerlei Erttag bringen. FC. Vom Westerwald, 4. Juni. Der Kontrcllaendarm eines Gefangenenlagers in Seifen versuchte in der Nähe des dortigen Bahnhofs auf einen in voller Fahrt befindlichen Personeuzug aufzuspringen. Er geriet unter denselben und beide Beine wurden ihm glatt abgefahren. AnS Kurhcsten. FC. Kirchhain, 4. Juni. Ein 17jähriger Monteur aus Gießen war in Niederklein auf einem Dache mit Arbeit beschäftigt. Er tat einen Fehltritt, stürzte von dem Dache aus die Sttaße und trug so schwere Verletzungen davon, daß er kurz darauf verstarb. FC. Aus Kurhesien, 4. Juni. In einer Gastwirtschaft in Niederzwehren spielte ein dortiger Einwohner an einem geladenen Revolver herum. Die Waffe entlud sich und das Gesckwß traf einen in der Wirtsck)aft befindlichen 20jährigen Kriegsbeschädigten so unglücklich, daß derselbe kurz darauf verstarb. FC. Vom Meißner, 3. Juni. DaS Thermometer sank in einer der letzten Nächte bis zum Gefrierpunkt. DaS Gras war weiß vom Reif und Bohnen und sonstige emp» sindliche Gewächse mußten stark unter dem Frost leiden. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otta Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Heyne gliedberg, Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung^ A. G., Friedberg ' ^für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme Lei dem Hinscheiden unserer guten Mutter Frau Vina Mayer geb. Oppenheimer sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Nodheim v. d. H., 5. Juni 1918. , <^ür die uns beim Heldentode unseres innigst- geliebten Sohnes und Bruders erwiesene Teilnahme sprechen wir hiermit den innigsten Dank aus. Familie Wilhelm Schultheis. Betr..' Die Fieifchveriorgung für die Stadt Friedberg. KeKanutmachnng Hierdurch bringe ich zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verkauf von Rind- und Kalbfleisch sowie Wurst für diese Woche am Freitag, den 7. Juni 1918. nachmittags von 1—6 Uhr in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden stalt- findet. Schweinefleisch gelangt nicht zur Ausgabe. t Die Verkaufszeit ist genau ein- zuhalten. Friedberg, den 5. Juni 1918. Der Bürgermeister. , I. V.i Damm. Klimas-Nttjlkigttiuig. Montag, de« 10. Juni l. Js., nachmittags 7 Uhr. soll in dem Saale des Konrad Schmidt Nwe., dahier das Gemeintie- Heugras öffentlich meiflbie.'end versteigert werden. Savkrnheim. de« 4. Juni 1918. Erosfh. Kürgermeiflerei ßaukruheim _ Walt her. Bauplatz Friedüerg. Leonhardstraße, zirka 1000 qm, zu verkaufen.. Zu er- ftagen in der Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung." Wer Wkilstev, auch als Hafeikasten zu benutzen, mit 4 Cefächern, sofort zu verkaufen. Zu erfragen in der Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung/^_ Habe noch 2 bis 3 geschnittene Eichenstämme abzugeben. 4, 5 und 7 cm stark, geeignet für Schreiner u. Glaser. Zu erfragen in der Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung." FnstimeSktkkKs ^gefahren) mit zweitem Kalb zu verkaufen. jjfiül Reichelsheim i. W. Eine schwere, trächtige, gut gefahrene Bimincutaicr Will steht zu verkaufen bei Peter Seipel, F-u-rb-ch ».».$. Gebe eine Partie Roggenstroh ab. A. Kaiser, Kloppenheim. Kekanntmachuna. Marmelade kommt von heute ab in den hiesigen Kolonialwarengeschästen zum Verkauf. Preis pro Pfund 92 Pj^ Friedberg, den 6. Juni 1918. Der stello. Bürgermeister (ftädt. Lebensmittel-Ausschuß) I. A. i Langsdorf. kaufen Sie giipffrit, fieferefla, Kisten. Men. Fncke, Ninjel, nirgends bester, nirgends billiger wie bei l(kl2 I8r«*lasl©iii, Am nU.yoJIom'. EVieslSserg; i. M. Schuistr. 15 . Telefon Nr. 459. •f Größtes Kager am Platze! Tapeten- und Linotenmtiaus Jean MftgBer, SSt Nahe des Rathauses. . 1 !. ,1.11. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 41. (Kronprinzenbau.) — Fernruf Uömer 420R* öürostunden. Nioniag, Dienstag, Donnerstaa, Freitag, nachmittags von 2—4 Uhr. — Eefchäftsanzeigen in diesem Raum nur für unsere Mitglieder; dieselben sind kostenlos, jedoch muß bei Aufgabe der Anzeige auf die Mitgliedschaft hingewiesen werden. Ein gebrauchter Gakcheimlider zu verkaufen. Adolf Bausch, Nleder-Wöllstadt. Saugfohlen.v...T-strahl"stammend zu verlaufen. Adolf Bausch, Nieder-Wöllftadt. Einen 16Monat alt. iprungfähtgen Zuchtbullen sowie einen 7 Monat alten Zuchteber hat zu verkaufen Wilhelm Petri, Klein Karben. Dr-Har- und MlehnMe Dber-MoGlit, e. E. m. u. H., ist durch Beschluß der Generalversammlung vom 2. Juni 1918 in eine CktiofsknsW mit Wmktcr Haftpflicht umgewandelt worden. Gläubiger, die mit diesem Beschluß nicht einverstanden sind, wollen sich bei der Kasse melden. Ober-Mockstadt, den 4. Juni 1918. Spur- und Larlchnskasse Mr-MoWt, e. G. m. u. H., Wilhelm Mickel II. Heinrich Mickel II. Eingetragene Genossensdian ül üsscüränlr HjlliJii. Gegr. 18(>4. Reichsbank-Giro-Conto. 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Wie kein Geschäft seinen Vertreter oder Reisenden in schäbigem Gewände zum Besuche seiner Kundschaft hinausgehen läßt, so sollte es auch darauf bedacht sein, daß die von ihm verbrauchten Drucksachen die es ja doch auch bei dem Empfänger derselben vertreten sollen, ein einwandfreies Aussehen haben. Auch familiäre Mitteilungen jeder Art lassen in ihrer äußeren Aufmachung einen Schluß auf die Persönlichkeit des Absenders zu. Wir empfehlen uns zur Anfertigung von Drucksachen jeder Art in sauberer und geschmackvoller Ausführung und sichern schnellste Lieferung und billigste Berechnung zu. Bei eintretendem Bedarf bitten wir Muster und Preisberechnung von uns einzufordern. Reue Tageszeitung Druckerei und Verlag A.-G. Friedberg i. H.