Uummer 128 Dienstag, den 4. Juni 1918 11. Iaqrganfl. Oie ..Ätene Tageszeitung" erscheint jeden Werltaq. Regelmäßige Beilagen „Der Dauer aus Hessen", „Die Spinnssube". De?ugsprers: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Aaenten monatlich 85 Pjg. einschließlich Trägerlohn. Anreizen: Grundzeile 2b Pjg., lokale 20Pjg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Hchriftleitnng und Verlag Friedberg (Hessens, .'yanauerllratze 12. Ferniprecher 48. Postj-heck-Louto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M. ZS«ßl!ch 5'gjjjs« mitm Ueu iu den Kampf geführte französrjche Dervande weither gelegener Fronten geschlagen. Die Höhen westlich Chateau-Thierrg genommen. — SG000 Tonnen versenkt. Der deutsche Generalstak ...... meldet: —_-= s W. T. B. Großes Harrptquartier» den 3. Juni. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Zeitweilig auflebender Artilleriekampf. Feindliche Teilangriffe westlich von Bailleul und nördlich der Lys wurden abgewiesen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zum Ersah der durch unseren Angriff zerschlagenen französischen und englischen Armeekorps und zur Stützung der bisher von den Nachbararmeen eiligst auf das Schlachtfeld herangeführten und stark gelichteten Divisionen sind neue französische Verbände weither gelegener Fronten in den Kampf getreten. Nördlich der Aisne versuchten sie vergeblich, die ihnen angewiesenen Stellungen zu halten. Wir schlugen sie in hartem Grabenkampf auf Moulin - sous ° Teuvent - St. Christophe-Vingre zurück. Südwestlich von Soissons wurde Ehaudun genommen. Wir stießen im Angriff über den Saviöres-Grund bis an den Ostrand der Wälder von Villers-Cotterets vor. Südlich vom Ourcq führte der Feind heftige Gegenangriffe. Sie wurden blutig abgewiefen. Ueber Courchamps und Monthiers hinaus gewannen wir Boden und nahmen die Höhen westlich von Chateau- Thierry. An der Marne, zwischen Marne und Reims ist die Lage unverändert. Die aut das Schlachffeld führenden, mit Truppenbewegungen stark belegten Bahnen wurden durch unsere Bombengeschwader erfolgreich angegriffen. Wir schossen 31 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Menkhoff errang seinen 29. und 30., die Leutnants Löwenhardt und Udet ihren 25. Lufffieg. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 3. Juni, abends. (WTB. Amtlich.) Südwestlich von Soissons neue Forffchritte. Französische Gegenangriffe beiderseits der Ourcq. Der österreichische Generalstak »== meidet: — Wien, 3. Juni. (WTB. Nichtamtlich) Amtlich wird verlautbart. Bei Fossalta an der unteren Piave vereitelten wir einen italienischen Uebergangsversuch durch Geschütz- und Minenwerferfeuer. An vielen Stellen der Südwestfront wurden feindliche Erkundungsabteilungen zurückgewiesen und eine derselben wurde bei Bezzecca abgefangen. Die Artillerie- tätigkeit war überall sehr lebhaft. Der Chef des Generalstabes. Das türkische Hauptquartier - - meldet: Konstantinopel, 1. Juni. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Am späten Abend lag feindliches Artilleriefeuer auf unseren Stellungen und im Hintergelände. Westlich der Straße Jerusalem—Nablus nahmen wir feindliche Artillerie und Anlagen mit unseren schweren Geschützen unter wirksames Feuer. Im Jordangebiet war nur geringe Gefechtstätigkeit Anhaltender gesteigerter Verkehr war im Raume Wadi Audsche—Jericho zu beobachten. Im Hedschas wurden mehrfache Angriffe der Rebellen gegen die Eisenbahn abgeschlagen. Die Rebellen ließen auf ihrer Flucht viel Vieh in unserer Hand. Das in Mesopotamien gestern zum Absturz gebrachte feindliche Flugzeug wurde von Hauptmann Schütz und Unteroffizier Quoos abgeschossen. Auf der übrigen Front ist die Lage unverändert m . ..— g Der bulgarische Geireralstak j meldet: = = A Sofia, 1. Juni. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Mazedonische Front: In der Moglenagcgend war die Artillerie eine Zeitlang lebhaft. Eine feindliche Kompagnie, die sich einiger unserer Posten westlich vom Dorfe Sborsky zu bemächtig-n suchte, wurde durch Feuer vertrieben. Südlich vom Dorfe Huma zerstreute unsere Artillerie mehrere französische Truppen. Wir drangen in die feindlichen Stellungen an den Südabhängen des Monte Krucha ein und brachten gefangene Engländer zurück. Im Wardartal lebhafte Lufttätigkeit des Feindes. lr j , - ■' •f’. -. WT i) 26 000 Tonne»! verjenkt. Berlin, 2. Juni. (WTB. Amtlich.) Nach Meldungen aus See beträgt der durch unsere Unterseeboote im Mittel- meer versenkte Schiffsraum 26,000 Bruttoregistertonnen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Die Schlacht im Westen. lieber die Marne geworfen. Berlin, 2. Juni. (WTB. Nichtamtlich) In den letzten Abendstunden trieben die Deutschen den Feind über die Marne. Der Franzose hatte sich in den fünf Quadratkilometer breiten Forsten festgesetzt. Die Division umging kurz entschlossen den Wald auf den beiden Seiten. Grenadiere stießen von Le Charme! auf der Uferstraße gegen Jaulgonne vor. Die Hohenzollern-Füsiliere marschierten östlich um den Wald herum und jagten den Feind in eiliger Flucht aus dem Walde. Gegen acht Uhr wurden die Höhen von Treloup am Ufer der Marne erstürmt. Die Leistungen dieser einen erwähnten Division in Zahlen aus- gedrückt werfen ein Licht auf die Gesamtleistungen der Armee Böhn. Diese Division hat vom 20. bis 30. Mai fast 60 Kilometer Tag und Nacht kämpfend zurückgelegt, 12 Batteriestellungen mit 50 bis 60 Geschitzen erstürmt und 3000 bis 3500 Gefangene eingebracht. Seit der Schlacht bei Cambrai hat die Division 135 Durchbruchskilometer hinter sich gebracht, fünf in der Cambrai-Schlacht, 70 an der Somme und 60 vom Winterberg bis an die Marne. Der tapfere Führer dieser Division, der Prinz von Buchau, ist kurz vor der Marne, als er zu seinen Truppen vorrückte, gefallen. Die Verteidigung von Reims. Berlin, 3. Juni. (WB.) Nachdem die Deutschen die starken Abschnitte der Ailette, Aisne und Vesle innerhalb vier Tagen in siegreichem Vordringen überwunden und die Marne-Linie erreicht hatten, verkündete derEisfelturnchericht der Welt als Frankreichs Trost: Wir halten Reims! Es sind jedoch nicht Franzosen, die hier kämpfen, sondern Frankreich hat den Schutz der alten Krönungsstadt und der ehrwürdigen Kathedrale seinen braunen und schwarzen Soldaten anvertraut. Die Deutsck-en wollten Reims schonen: ihr Angriff ging an der Stadt vorbei. Von drei Seiten hal- ten sie jetzt Reims umfaßt. Aber die Franzosen klammern sich an den Fleck Erde, der keinerlei taktischen oder strategischen Wert hat, denn die die Stadt umschließenden sorts- gekrönten Höhen sind fast restlos in deutscher Hand. Statt die Stadt zu räumen, lassen die Franzosen sie völlig in Trümmer schießen und opfern sie. Die gewissenlose Verteidigung von Reims kostet ja keinen Tropfen französischen Blutes. Neger sind es, die man für eine zwecklose Prestigepolitik hinopfert. Die Verluste der Schwarzen sind furchtbar. Ans den Wein- und Schnapsvorräten der großen Stadt betrunken gemacht, vor sich die Deutschen und hinter sich die von weißen Franzosen besetzten Maschinengewehre, so liegen die Neger von Senegal, von Madagaskar und Martinique in den Gräben um Reims. Vor sich, hinter sich den Tod wehren sie sich verzweifelt. Furchtbar schlägt der Granathagel zusammengefaßter deuffcher Artilleriegruppen in ihre Stellungen. Fassungslos sieht man sie in den Gräben hin und herrennen. Für sie gibt es kein Entrinnen. Sie wagen nicht überzulaufen, da man ihnen versicherte, daß die Deutschen ihre Gefangenen zu Tode martern. So werden ihre Verluste schwerer und schwerer. In einem schmalen Grabenstück bei Schloß Malle kamen aus über hundert Tote nur vier Gefangene. Alle Schwarzen tragen das Corrpe- Coupe, das große schwere Schlächtermesser. Wehe dem Deutschen, der in ihre Hände fällt! Dennoch werden die Neger von den Deutschen wie andere Gefangene behandelt. Die Masse der im Artilleriefeuer gefallenen Neger erinnert an die russischen Leichenfelder am Stochod und bei Tarnopol. Zu Tausenden liegen hier die leblosen Leiber. Die große französische Stadt geht in Flammen auf und der französische Funkspruch verkündet der Welt: „Wir halten Reimst Der französische Widerstand. Berlin, 3. Juni. (WB.) Zwischen Aisne und Marne' zeigen kilometerweit die breiten Straßen und ihr Nachbarbargelände keine Spur des Kampfes. Am schärfsten tritt das zwischen Aisne und Vesle zu Tage. Hier wandelte sich der Rückzug der Franzosen in eiligste Flucht. Erst an der Vesle, wo sich herangeeilte Reserven des Feindes zu stellen suchten, mehren sich die Anzeichen des Kampfes. Hier liegen die toten Franzosen in Haufen. Weiter südlich sprechen Pferdeleichen, zusammengestürzte Wagen und zerschossene Autokolonnen von neuem von einer verwirrten Flucht des Feindes. Je näher man an die Marne kommt, desto mehr häufen sich dann wieder die Spuren verzweifelter Gegenwehr. Auf der letzten Höhe vor dem Marnetal bei Le Charme! mußte der zähe Gegner von im Galopp auffahrenden deutschen Baterien erst völlig znsammengeschossen werden, ehe die Infanterie die ins Tal führende Straße erreichen konnte. Die Marnebahn unter Feuer. Berlin, 3. Juni. (WB.) Die waldgekrönten Höhen, die das Nordufer der Marne begleiten und die breite Flußniederung beherrschen, fielen bereits am'Spätnachmittag des Donnerstags sowohl bet Jaulgonne wie bei Treloup in die Hand der in einem Zuge nachdrängenden vordersten deutschen Divisionen. Damit ist die Ausnutzung der für die französischen Truppenverschiebungen entschiedcnd wichtigen und darum auch im Laufe des Krieges zur erhöhten Leistungsfähigkeit ausgebauten Marne-Bahn, der stärksten Frontwechsellinie des Gegners zwischen der Chamy ■-.e und der Nordfront, praktisch ausgeschaltet. Die ^ . liegt aus dem wichtigen Südufer der Marne, zw. t Kilometer vor den Mündungen unserer Geschütze wie aus dem Präsentierteller. Sie ist damit, selbst wenn wir darauf verzichten, die Schienenspur zu besetzen, praktisch gesperrt. Das Gewicht dieses mit beispielloser Schnelligkeit eingebrach- ten Erfolges kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Der Erfolg, der sich in der mit der Erreichung Montdidiers gegebenen Avre-Tal-Verbindung Paris—Amiens zeigte, ha- im Marnetal eine glückliche Abrun^mg erfahren. 60 Kilometer vor Paris. Karlsruhe, 3. Juni. Der Londoner Korrespondent des „Corriere della Sera" meldet seinem Blatt, man müsie ficf auf den unvermeidlich scheinenden Verlust von Reims g« - saßt machen. Weiter meldet der „Corriere della Sera", der Feind stehb noch knapp 60 Kilometer von Paris entfernt. Man könne nicht leugnen, daß die französische'Hauptstadt sich in ernster Gefahr befinde. Deuffche Vortruppen stehen an der Marne nur noch 55 Kilometer von den Autzenforts von Paris enffernt. Die taktische Ueberraschung an der Aisne. Der Kriegsberichterstatter des „Corriere della Sera^ gibt nach der „Voss. Ztg." folgende Darstellung der Schlacht in Frankreich: Zum dritten Mal ist es den Deutschen gelungen. einen der furchtbarsten Angriffe, die die Geschichte kennt, durch Ueberraschung siegreich durchzuführen. Nichts ( von ihrer Absicht ist vorher bekannt geworden. Die Deut-- schen hatten ihre wesentlichsten Vorbereitungen an allen Teilen der Front schon vor dem Beginn der Märzoffensive begonnen. Der Anmarsch der znm Vorstoß bestimmten Truppen vollzog sich erst in der Ir ten Nacht, als das Trommelfeuer und die Gasbomben l üts unsere Linien wütend überschütteten. Die taktische : .'erraschung ist also vollkommen gelungen wie die strategisch.'. Um 11 Uhr war der Damenweg in der Hauptsache in der Land der Feinde. 2>er Verlust des Dcnnenweges war nicht sü schmerzlich ge- wesen wie der der Aisnelinie, deren Forcierung den Deutschen durch ein ebenso einfaches wie geschicktes Manöver gelang. Auf der linken Seite am Südufer der Aisne griffen sie nicht so heftig an, dagegen auf der Nordseite mit so unerhörter Wucht, daß die Engländer, die dort standen, nicht standhalten konnten. Auf diese Weise wurde bei Berry-au- Bac eine vollständige Lücke zwischen den Verteidiger am linken und rechten Ufer gerissen, und ein Teil des Flusses blieb ohne Bert idigung. Die Deutschen setzten unbehindert auf rasch geschlagenen Brücken über den Fluß. Was sich noch von den Engländern auf dem rechten Ufer befand, mußte weichen oder sich opfern, um die Brücken sprengen zu können. Daher kam es. daß, während nördlich von Soissons und von Reims noch Widerstand geleistet wurde, die Deutsihen schon im Süden der Aisne sich ausbreiteten und in der Mitte auf Fismes vorstießen und dann, nachdem sie die Vresch zwischen Soissons und Reims erweitert hatten, diese Leiden Städte von der Flanke angriffen. So wiederholt sich immer wieder das klassische Flankiermanöver. Wann und wo die Schlacht wieder hergestellt wird, kann man nicht sagen. Die Deutschen haben die Zeit für sich, denn die Verbündeten müssen ihre Reserven erst heranbringen. Sie kommen von allen Seiten, aber ebenso kommen die deutschen Reserven in un- er uießlichen Mengen. Alle Straßen sind von Staubwolken bedeckt. An eine neue Offensive ist jetzt gar nicht zu denken. Vielleicht wollte man auf deutscher Seite ursprünglich unsere Reserven nur nach Süden ziehen, aber angesichts des großen Erfolges scheinen die Deutschen hier weiter Vorgehen zu wollen. Und doch sind alle diese Kämvs? noch nichts gegenüber denen, die bevorstehen. Die ungeheure Schlacht ist erst im Werden begriffen. Tödliche Erkrankungen im amerikauischcu Heer. Berlin, 3. Juni. (WB.) Es ist auffallend, wie hoch die Zahl der Todesfälle infolge Krankheit in der amerikanischen Armee ist. Sie soll die Zahl der im Felde Gefallenen um mehr als das Dreifache übersteigen. In etwa dreiviertel der Krankheitsfälle wird als Todesursache Lungenentzündung angegeben. Auch unter den in Amerika befindlichen Trrrppen sind nach „New York World" vom 25. Mai Todes- fälle infolge von Influenza und Lungenentzündung äußerst häufig. So wurden in der zweiten Woche des April 285 und in der dritten Woche 278 Todesfälle durch KranHeit ge- > meldet. Gesterreichilche Offensive? Lugano, 2. Juni. Nach dem „Secolo" steht eine große österreichische Offensive direkt bevor. Das Blatt sagt, das italienische Volk möge aber keine Besorgnisse hegen, denn das italienische Heer sei kampfbereiter, stärker urck) ent- ^chlostener als jemals . Rußland. Meuterei tschechisch-slowakischer Truppen. Moskau, 3. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Meldrrng der Petersburger Telegraphenagentur. Eine Erhebung der ffchechisch-slowakischen Truppen, die in der Richtung auf Wladiwostok ziehen, um von dort nach der französischen Front übergeführt zu werden, führte zu heftigen Zusammen, stoßen mit Sowjettruppen in Pensa. Die Tschecho-Slovaken leisteten dem Entwaffnungsversuche seitens der Roten Armee . erbitterten Widerstand. Der Volksbeauftragte für den Krieg Trotzki schickte an alle Eifenbabnangestelltenver. bände des Ostens einen telegraphischen Runderloß, in dem er die Beförderung der erwähnten Truppen auf den sibirischen Eisenbahnen verbietet. Alle Tichrcho-Slovaken, die bewaffnet in die Gewalt der Roten Armee fallen, sollen nach diesem Befehl Trotzkis auf der Stelle erschossen werden. Um die Meuterer zu isolieren und sie am Vorrücken nach Osten zu verhindern, werden mehrere Eisenbahnlinien ihren gesamten Verkehr einstellen, so die Linie Pensa-Rusajewska- Ufa-Tschljabinsk-Omsk. Die Meuterer leisteten kräftigen Widerstand und haben in mehreren Kämpfen die Oberhand gewonnen. Die Epidemie in Spanien. London, 2. Juni. (WB.) Das Reutersche Burau meldet aus Madrid vom 2. Juni: Die unbekannte Epidenne, die vor etwa 14 Tagen in Madrid auftouchte. hat sich mit riesiger Schnelligkeit ausgebreitet. In Madrid allein erkrankten über 100 000 Personen daran und die Zahl der Kranken ninlmt noch täglich zu. Die Epidemie hat bereits nach den meisten Provlüzhauptstädten und nach Marokko übergegriffen, wo die spanische Garnison davon betroffen wurde. Sie verbreitete sich namentlich in den dicht bevölkerten Distrikten so rasch, daß die öffentlichen Dienste dadurch ernstlich in Frage gestellt werden. Gestern starben an der Krankheit 111 Menschen, während der letzten Tage ungefähr 700. In allen Fällen mit tödlichem Ausgang handelt es sich Im Komplikationen. Gesunde Personen genesen in vier bis fünf Tagen. Für Menschen mit schwacher Gesundheit, vor cllem für Kehlkops- und Lungenleidende ist die Krankheit "elährlich. Deutsche Stürme. Aus dem Felde wird uns geschrieben: Sturm, Sturm, du funkensprühender Prüfstein alles Lebendigen, alles Starken, du unbestechlicher Enthüller alles Echten und alles Falschen; t t unerbittlichem. Tilger ollei» Hinfälligen unb Todeswürdigen! Mit allen Mitteln der Welt haben unsere Gegner uns niederzuringen versucht, und mit tausend Fanfaren haben sie immer wieder vor jedem ihrer Angriffe unsere Vernichtung, ihren glänzenden Sieg verkündet, sich berauscht an überschwenglichen Worten, in denen „La belle France", „das glorreiche unübeUoindliche England" und „die unvergleichliche französische Armee" immer wiederkehrten. — Und dann kamen ihre Offensiven, hier und da mehrere Male in jedem Jahr, mit einem uii Aufwand von Menschen und Maschinen, meistens ans : ~ breiterer Basis als 20'Kilometer, nur zweimal sich auf 4') Kilometer ausdehnend. Auf unserer Seite lagen in zersch-osienen Gräben und klammerten sich in wassergefüllten Granatlöchern dünne Linien feldgrauer Veteranen und Jünglinge fest. Und was folgte den rasenden Siegesposaunenklängen, die aus dem feindlichen Lager vor dem Angriff zu uns herübergeschallt waren? Wenn die zehn- und mehrfache zahlenmäßige und artilleristische Ueberlegenheit die Feinde am ersten Tag, dem Tag des Hauptstoßes, an einzelnen Stellen drei bis fünf Kilometer in die gelichteten deutschen Linien hatte eindringen lassen, geriet ihre Presse in ein wahres Freudendelirium — und dann stockte der Angriff, der uns zerschmettern sollte, jedesmal. In Wochen- und monatelangen verlustreick>en Kämpfen suchten sie vorwärts zu kommen und hatten dann nach einem halben Jahr acht bis zwölf, einmal sogar 17 Kilometer überwunden, und jedesmal erschien darauf ein anderes Schlagwort, das über die Enttäuschung hinweg- helfen sollte: Bald sollten die deutschen Linien unaufhaltsam angeknäbbert, bald durch stete Beunruhigung zermürbt, bald langsam zerhämmert werden und anderes Gerede mehr, das ersetzen sollte was die Tat übriggelassen hatte. — Worte aber haben noch nie etwas wirklich Großes in der Wett vollbracht: die Tat entscheidet. Jahrelang haben wir gegen eine Welt von Feinden ge-' kanrpft ohne viele Worte, nie nur passiv abwehrend, son- dern immer, dem deutschen Geist gemäß, die Faust geballt zu der Tat, die aller Dinge Anfang unv Wert ist. Nie haben wir im ganzen eine bloße Abwehrschlacht geführt. Mußten wir mit dem einen Arm den Schild zum Schutz halten, dann hat der andere um so schärfer und vrrnichtender Angeschlagen Nur so haben wir es erreicht, nicht durch schöne Worte, daß der gesamte Osten Frieden schlichen mußte. Nun waren endlich unsere beiden Arme gegen Westen frei, nun konnte sich's zeigen, ob dort der jahrelange Schützengrabenkrieg unsere herrlichen Kämpfer in unge- zählten Abwehrschlachten zermürbt und untauglich gemacht hatte, zu stürmen, wie sie im Sommer 1914 über das feindliche Land dahingesaust waren. — .Keine Fanfaren erklangen bei uns vorher, kein begeistertes Sichberanschen an Selbst- Verherrlichungen. die in der Sonne lausendfarbig schillerten wie künstlich gezogene Treibhausblüten. Sttller nur wurde unsere Heeresleitung, und fester nur faßten unsere prächtigen Truppen die Handgranate, — und dann brach unser Frühlingsstnrm los, der deuffche Frühlingssturm! Wie ein Riesenhammer krachte der Schlag herunter auf den Feind in einer Breite von 100, später sogar 120 Kilometern waren vor St. Quenttn in einer Woche 70 Kilometer Tiefe erobert, das Fünffache von der Tiefe, die der Feind in einem einzigen Fall durch eine unaufhörliche bluttge Offensive van fünf Monaten erreicht hatte. Das war deutscher Sturm! Und zum zweiten Male sauste die deutsche Faust hernieder. In 40 Kilometer Breite, an einer Stelle, deren Ueberwindung so ungeheure Geländeschwierigkeiten bot. daß der Feind einen Angriff einfach für ausgeschlossen gehalten hatte, brachen unsere Truppen zllr Lys vor. Unvergleich, liches wurde von Infanterie und Artillerie geleistet, und in drei Tagen waren die feindlichen Linien 17 Kilometer fies durchstoßen, eine ganze feindliche Truppenmacht vernichtet, und abermals Teile der feindlichen Streilkräfte und sorgsam gehütete Reserven zerrieben. Jetzt gaben sogar englisch^ Blätter kleinlaut zu, es sei eine Lächerlichkeit zu behaupten, daß die Niesenmenge von Quadratkilometern, die die Deutschen neu besetzt hätten, von den Alliierten freiwillig und in guter Ordnung geräumt Wörde., wären. — „Aber", sagte Clämenceau, „gewiß ist die Gefahr riesengroß, diesem wütend m deutschen Tier ist ja alles zuzutrauen!" — sei stolz auf dieses Wort, tapferer deutscher Sturmsoldat, und zeige dich seiner würdig, du deutsche Heimat! — „so groß auch die Gefahr, so gewaltig ist auch die Zuversicht der Alliierten und die Vorbereitung zur Abwehr jedes weiteren Vorstoßes der Deutschen." Kaum hatte Cl^menceau die Lippen geschlossen, da schmetterte schon der dritte Schlag auf die völlig überraschte 60 Kilometer breite französische und englische Front zwischen Soissons und Reims. Unüberwindliche Stellungen hatten sich da die Feinde in die Berge gegraben und geschmiedet. Aber als der Abend des ersten Tages sank, da standen die deutschen Truppen südlich der Aisne: da hatten sie die feindliche Stellung in einer Tiefe eingeschlagen, wie sie die Gegner überhaupt nur ein einziges Mal in unendlich langem Ringen um wenige Kilometer übertroffen hatten: 12 Kilometer war die deutsche Infanterie von den Linien entfernt, in denen sie sich.15 Stunden vorher zum Angriff bereitgestellr hatte! So steht deuffche Tat gegen feindliche Worte, und Taten haben noch immer über Worte gesiegt. Sei der Luftabwehr in Flandern. Die drei Eisheiligen mit ihren kalten, trüben Tagen und Nächten find gewichen und seit dem 15. Mai sendet die liebe Sonne ihre warmen Strahlen zur Erde nieder. Nachdem wir von der Luftabwehr in letzter Zeit wenig zu tun Latten (das Wetter war trüb mH unsiMa) lo sollte unS vom 15. ab wieder regere Tätigkeit * n Krieg ins Gedächtnis zurückrusen. Auf einen sehr hä.ßen Tag am 15. Mai folgte ein wohliger kühler Abend, die Sonne sank im Westen und hüllte das Firmament in einen rosafarbener Glanz. Ich saß mit meiner Scheinwerferbesatzung vor de, Ouartter in einem Grasgarten und unterhielten wir uns über allerlei Geschehenes aus den letzten Tagen und plauderten auch über die Fliegertätigkeit, die jetzt nach der langen Ruhe folgen müsse. Die Sonne war unterdessen am Horizont verschwunden und es fing langsam an zu dämmern. Rrrrr-rt-rt-rt-rt so klang es plötzlich aus unserem Quartier, der Telefonist spritzte an den Apparat und schv» wurde vom Kommandostand „War-schau" befohlen. (Warschau" heißt „Alarmbereitschaft", hierbei wird ein Telefon- Posten ausgestellt.) Nachdem ich nun die Telefonwache ein- geteilt und alle sonstigen Maßnahmen, die ffir einen nächtlichen Fliegerangriff erforderlich sind, getroffen hatte, begaben wir uns außer dem Telefonposten zur Ruhe. Doch diese Ruhe sollte uns nicht lange beschieden sein, denn schon nach einer halben Stunde klingelte der Fernsprecher zunk zweitenmal und vom Kommandostand wurde „Zustand", d h. erhöhte Alarmbereitschaft" besohlen. Da haben wie den Salami hörte ich es von verschiedenen Seiten sagen. Also, wir waren nun in erhöhtem Alarmzustand und bei solchem werden Posten, sogenannte Horchposten ausgestellt. Kaum hatte ich den ersten dieser Horchposten aufziehen lassen als er mir auch schon nach einigen Minuten seines Aufhaltes im freien, feindliches Fliegergeräusch meldete. Als ich an den Apparat ging, um die Meldung zum Kommandostand zu geben, surrten schon von sämtlichen Scheinwerfern und seitlichen Beobachtungsstellen die Telefone, und Meldung auf Meldung, in nördlicher, südlicher, östlicher und westlicher Richtung d Fliegergeräusch gingen zum Kommandostand. Sofort wird vom Kommandostand alarmiert „Scheinwerfer leuchten rmd ^ suchen" befohlen. Mit affenarfiger Go- schlwindigkeit ist jeder der Scheinwerfermannschaften auf seinem Gefecbsposten und im Nu senden 18 Scheinwerfer ihre Lichtstrahlen gen Himmel und suchen das Firmament nach den verdächtigen, gefürchteten großen Vögeln ab. Auch die Batterien und die Werft hat inzwischen alarmiert. In den Horchgruben in welchen sich meine Tätigkeit vollzieht ist äußerste Anstrengung notwendig, denn jetzt gilt es. genau die Richtung festzustellen aus welcher sich das Flugzeug nähert. Da, plötzlich in südwestlicher Richtung vernehme ich deutliches Geräusch, sofort gebe ich Befehl in diese Richtung zu leuchten und zu suchen. Und siehe, mein Gehör hat mich nicht betrogen, denn schon feuert der Flieger in der angegebenen Richtung Fallschirmlichter ab. (Fallschirmlichter werden von den Fliegern abgeschossen, um das' Objekt, welches mit Bomben belegt werden soll zu beleucksten, damit sie ein sichereres Zielen haben, ein solches Licht brennt ungefähr 5 Minuten und erhellt die Erde auf einen großen Unikreis.) Ich lasse also in die angegebene Richtung leuchten und noch einigem Hin- und Hersuchen ist der Flieger im Strahl meines Scheinwerfers (ein großer französischer Apparat.) Gleich wird er von den Nächstliegenden Scheinwerfern aufgenonunen. Nun setzt ein ohrenbetäubendes Abwehrfeuer ein, auch Maschinenkanonen sprechen ihr tack,'tack, tack, tack dazwischen. Da. auf einmal ist es geschehen.-der Apparat kommt ins Schwanken, und ein Sinken desselben belehrt uns, daß er getroffen ist, nun überschlägt er sich und sinkt langsam, gleich einem Vapierfetzen zur Erde nieder. Ah-geht es von Mund zu Mund. der stört uns nicht mehr im Schlaf. Ja. sage ich kurz, der hat geflogen und seine Besatzung wird den Heldentod für Ihr Vaterland gestorben sein. Dies hat sich denn auch zumteil bewahrheitet. Von den 6 Mann, die das Flugzeug an Bord hatte, waren drei tot und zwei sind noch am Leben und Gefangene. Am Tage darauf wurde ich zu meiner Freude an die Stelle, wo das Flugzeug lag, zu seinem Abtransport kommandiert. Als ich mit meinen Leuten (ein Arbeitskommando von 20 Mann) dort ankain stand der Platz voll Neugierige?. Mein Kompagnieführer, der die Oberaufsicht hatte ordnete an, daß Posten auszogen und den Platz absperrten. Die drei Toten, zwei Offiziere und ein Unteroffizier waren bereits aus dem Apparat gehoben und an die Seite gelegt worden, alle drei Leichen sahen bös aus. bei dem Aufschlag des Apparates müssen sie am meisten gelitten haben. Der Apparat war über und über mit Ihrem Blut bedeckt. Es war ein französischer großer Apparat mit 30,5 Meter Spannweite. Die Besatzung bestand wie schon erwähnt aus 5 Mann. 4 Engländer und 1 Amerikaner. Die Räumungsarbeiten dauerten von früh um 9 bis nachmittags um 4 Uhr. Zum Andenken an dieses Erlebnis habe ich mir ein Stück Holz von dem Flugzeug mit Fabrikmarke und Finna geben lassen, welches ich mir aufbewahren werde. Die Leichen wurden am 16. Mai, nachmittags 3y 2 Uhr, durch das Bataillon Brügge abgeholt und wurden am 18. auf dem Friedhof „Steenbrügge" unter militärischen Ehre» bestattet. Heinrich Schmidt, Artl.°Maat d. S. 2, z. Zt. in Flandern^ Erlebt vom 16. zum 16. Mar, nachts 2 Uhr. Ueber unser Wirtschaftssystem sprach sich Herr von Oldenburg-Januschau in scharfer Weif*: auf der Landesversammlung des Bundes der Landwirte ffüxi Sachsen aus. Er sagte u. a.: In Amerika und England ist der erste Gedanke: Wi* fördere ich die Produktion; bei uns: Wie erfassen wir diß^ Produktion. Das ist Unsinn, das schnürt uns die Kehle zu^ Schon im August 1914 habe ich Bethmann vorgeschlagen^ das Getreide zu beschlagnahmen. Von dem jetzt gehaick>»' Labten verruchten Svltem mülleu wir los. wir müssen dick.' Freiheit des Individuums wieder Hersteller, weil sonst die Leistung des Individuums herabgedrückt wird. Wir sehen ein, daß wir uns über den Handel im Frieden geirrt Hoden, daß der Zwischenhandel im Frieden ein Waisenkind gegenüber den G. m. b. H.'s, den Kriegsgesellschaften, ist, mit dem Unterschied, daß diese kein Risiko haben und nichts 'davon verstehen. (Beifall.) Die Produktion muß wieder den Leuten iibertragen werden, deren Beruf sie ist und die das Risiko tragen. In diesem Sinne muß aber auch auf unsere verehrten Bundesgenossen in Oesterreich hingewirkt werden." Der Redner schloß seine Ausführungen:' „Wir verlangen auf wirtsäzaftlichem Gebiete wieder Ordnung, Wiedereinsetzen des Individuums in Landwirtschaft, Industrie und Handel, verlangen, daß das Steuer- system berücksichtigt, daß die Landwirtschaft verloren ist, weün es ihr nicht gelingt. Rücklagen zu machen, um das wiederherzustellen, was jetzt verloren geht. Im Innern müssen wir verlangen, daß alles, was uns verfassungsmäßig bewegt, zurückgestellt wird bis zum großen Augenblick der Heimkehr unserer siegreichen Truppen und daß dann zuerst die großen Fragen beantwortet werden: Wie helfen wir den Hinterbliebenen, den Verwundeten und Invaliden und allen denen, deren Existenz vernichtet wurde? Wenn das erledigt ist, wird immer noch Zeit sein, an die Verfassungsfragen heranzugehen. Wir müssen verlangen, daß der Ton, in dem mit den Feinden über den Frieden verhandelt wird, nicht den Wünschen der Reichstagsmehrheit, sondern der Würde des deutschen Volkes entspricht. Hoffen wir, daß die Friedensschlüsse im Westen das Plazet Hinden- burgs und Ludendorfts haben." Die sibenshliltmig der ArbeitkllAft. Das Kaiserliche Statistische Amt hat fortgesetzt Erhebungen über die Entwicklung der durchschnittlichen Tagesverdienste der erwachsenen Arbeiterschaft beiderlei Geschlechts in den versch'edenen Indusniegi uppen vorgenommen und veröffentlicht deren Ergebnisse im „Reichsarbeitsblatt", Sie liegen jetzt bis zum September 1917 vor und geben über die Steigerung während des Krieges (seit März 1914) folgendes Bild. In der Maschinenindustrie stieg der Durchschnittslohn für das männliche Arbeitertagewerk von 6,32 Mark (März 1914) auf 10,79 Mark (September 1917), d. h. um 102,8 v. H.p in demselben Gewerbezweig ist der Lohn der weiblichen Arbeiter während des Krieges von 2,28 auf 4,88 M., d. h. um 114 v. H. gesüegen. — Die elektrische Industrie wies für den durchschnittlichen Lohn der männlichen Arbeiter die stärkste verhältnismäßige Zunahme von 4,52 auf 10,93 Mark also um 141,8 v. H., und für den Lohn der weiblichen Ar!>*Sr eine Steigerung von 2,75 auf 6,18 Mark, d. h. 124,7 v. H. auf. — In der Eisen- und Metallindustrie stieg der Durchschnittslohn der Männer von 5,55 im März 1914 cuf 11,81 Mark im September 1917, also um.112,8 v. H., und der Frauen sogar von 2,06 auf 5,67 Mark, d. h. um 175,2 v. H. — Die entsprechenden Zahlen für die chemische Industrie lauten ftir Männer 5,14 (März 1914) und 9,89 Mark (Septenlber 1917), bedeuten also eine Steigerung von 92,4 v. H.; für die weiblichen Arbeiter lauten die Zahlen: 2,36 bezw. 5,18 Mark, was 119,5 v. H. Zunahme bedeutet. Inzwischen sind vielfach weitere Steigerungen erfolgt. . Von sozialdemokrattscher Seite wird behauptet, daß diese Steigerung, deren Erheblichkeit niemand in Abrede stellen wird, im wesentlichen auf die für den Kriegsbedarf arbeitenden Industrie gruppen beschränkt sei, daß in anderen Erwerbszweigen dagegen eine notorische Notlage* der Arbeiterschaft bestehe. Vor einiger Zeit wurde hier auf Grund der Mitteilungen eines sozialdenwkratischen Gewerkschaftssekretärs die Ilnrichtigkeft dieser Behauptting für die gesamte Holzverarbeitungsindustrie nachgewiesen, bei der die Lohnsteigerung durchweg auf der Höhe der in der Rüstungsindustrie eingetretenen steht. Kürzlich brachte das „Korrespondenzblatt der Generalkommission der freien Gewerkschaften" Mitteilungen über die Lage im Baugewerbe Man wird zugeben, daß dieses zu den notleidenden Gewerben während des Krieges gehört, zum Teil völlig darniederliegt. Trotzdem ist dort eine Entwicklung der Löhne möglich gewesen, die durch folgende Zahlen charakterisiert ist: Der durchschnittliche Stundenlohn betrug für Hilfsarbeiter 85 Pf. (die Höchstgrenze 1,50 Mark), für Erdarbeiter 821/2 Pf., für .Betonarbeu r 103,7, für Stukkateure 140,6, für Fliesenleger 144,4, für Maurer 95,7 Pf. Dazu treten noch die Aufwandsentschädigungen für Arbeiten außerhalb des Wohnortes, die bekanntlich' gerade im Baugewerbe sehr zahlreich sind, und die Teuerungszulage in der gegenwärtigen Höhe von 40 Pf. für die Arbeitsstunde. Als Gesamtergebnis dieser Lohnsteigerungen stellte der „Grundstein" fest, daß „das Jahreseinkommen der Bauarbeiter während des Krieges um durchschnittlich 100Ö Mark im Jahre gestiegen" ist. Nun wird gegenüber diesen gewaltigen Lohnsteigerungen geltend gemacht, daß sie nicht Schritt gehalten hätten mit der Verteuerung der Lebenshaltung im allgemeinen, insbesondere auf dem Gebiete der Ernährung. Demgegenüber ist grundsätzlich zunächst einmal zu sagen, -aß schließlich die Handarbeiterschaft nicht den Anspruch erheben kann, als einzige von den allgemeinen Begleiterscheinungen des Krieges verschont zu bleiben. Jedenfalls wird nicht in Abrede zu stellen sein, daß sie unverhältnismäßig weniger leidet, als die breiten Schichten des Mittel- standes, der Handwerker, Gewerbetreibenden, Festbesvldeten. Nicht nur steht ibre Einkommensteigerung, absolut wie relativ, in gar keinem Verhältnis zu den kärglich bemessenen Teuerungszulagen der Festbesoldeten, von der Ein« jkommensverringeruna anderer selbständiaer mittelständi-, scher Gruppen nicht zu reden, ihre Situation im Vergleich zum ganzen Mittelstände wird noch günsttger gestaltet durch die weitgehende Vorversorgung mit Lebensmitteln, deren Preise infolge der Zwangsbewirtschaftung entweder über« Haupt kamn, wie die gesamten Cerealien, oder in geringerem Maße als ihre Einkommensvermehrung gesüegen sind. Während der größte Teil der Arbeiterschaft an Brot, Fleisch, Fett und sonstigen Nahrungsmitteln entweder durch staatliche oder durch werkseitige Belieferung erhebliche Mengen zu erträglichen Preisen erhält, ist der gesamte Mittelstand bezüglich alles dessen, was über die schmalen allgemeinen Nationen hinausgeht, auf den freien Markt mit seinen enor- men Preisen und seinen Ersatzmitteln von mehr als zweifelhaftem Werte angewiesen. Ein anderes Moment kommt Hinzu, um den Gegensatz zwischen der Lage der Arbeiterschaft und der des Mittelstandes weiter zu vergrößern: Wie bir Dinge heute fast allgemein liegen, zum Teil aber auch schon vor dem Kriege waren, ist die Arbeiterfamilie, in der nur ein verdienendes Mitglied vorhanden war, die Ausnahme, diejenige, in der zwei oder mehr Erwerbstätige zum Unterhalt beitragen, die Regel. Infolgedessen ist die Einkommenssteigerung, die während des Krieges eingetreten ist, mit der Zahl der Erwerbstäügen zu mulüplizieren, woraus sich dann jene gewaltigen Einkommen ergeben, deren Auswirkungen man in der Oeffentlichkeit täglich zur Genüge beobachten kann. Im Mittelstände ist meist nur der Haushaltungsvorstand Verdiener, die ganze übrige Familie von seinem Einkommen allein abhängig. Bereits vor dem Kriege war das sogenannte „freie Einkommen", d. h. der Betrag, der nach Deckung der not- wendigsten Lebensbedürfnisse zur sonstigen Verwendung übrigblieb, in der Arbeiterschaft relativ größer als in weiten mittelständischen Kreisen. Das erklärte sich ans ihren geringeren Aufwendungen für Wohnung, Kindererziehung und -ausbildung, Kleidung, Repräsentation und sonstige äußere*Lebenshaltung. Während des Krieges hat sich dieses Verhältnis weiter zu ungunsten des Mtttelstandes verschoben. Ihn vor allen Dingen traf ja auch jede verteuernde Wirkung der Kriegsmaßnahmen in erster Linie, und während die Arbeiterschaft in die Lage gekommen ist, aus der Steigerung des fteien Einkommens ihre Ansprüche an Vergnügungen und einen gewissen Luxus in immer steigendem Maße zu befriedigen ist in diesen Mittelstands- schichten nicht nur kein freies Einkommen mehr vorhanden, sondern sie sind rettungslos in wachsende Verschuldung, nur zu Deckung der notwendigsten Lebensbedürfnisse geglitten. Diese gegensätzliche Entwicklung, das Auftteigen auf der einen, das unaufhaltsame Hinabfinken auf der anderen Seite muß in Rechnung gezogen werden, wenn man ftir die Beurteilung der Lebenshaltung der Arbeiterschaft den richtigen Maßstab gewinnen will. Nicht die -paar tausend an der Oberfläche "treibenden und infolgedessen immer wieder in der Oeffentlichkeit in die Augen fallenden Kriegsgewinnler dürfen zum Vergleich herangezogen werden, wenn es sich um die Würdigung der Lage der Arbeiterklasse handelt, sondern die Millionen in bitterernstem Kampfe um das nackte Dasein sich abmuhenden Angehörigen der bürgerlichen Stände. - Vom Felde der Ehre. Mtlbach. Dem Sohn des hiesigen Schmiedemeistecs Gottft. S a m e s, dem Musketier Wilhelm S a m e 8 beim Res. Inf. Nl'gt. 88, 6. Konrp. ist die H e s s i s ch e Tapferkeitsmedaille verliehen worden. Pom inneren Kriegsschauplatz. Dorheim. Gestern früh näherte sich eine feindliche Ab lei. hing, bestehend aus Kontrolören, Revisoren, Probemelkern, Schweizern und Zubehör unserem Orte, nahm in kühnem Sturm die Kuhställe unserer Bauern und begann ein Probemelken, Dekretieren, Notieren usw. Gegen Mittag, als der Feind seine vorgeschriebenen Ziele erreicht hate, zog er sich in der Richtung Berstadt zurück. — Soweit der uns zugegangene Pxncht. — Doch Spaß beiseite: unsere Zustände werden immer krasier, wo soll denn das noch hinaus, kann denn der Landwirt in Feindesland schlimmer behandelt werden, als wie es eben bei uns geschieht? Als ein neuer Beweis wie rechtlos die Landwirte geworden sind, kann gellen, daß die Kommissionen mehrfach dle Stalltüren mit einem amtlichen Papierstreifen versiegelt haben, sodaß dem Eigentümer der Zugang zu seiner eigenen Stallung verwehrt war. In einem anderen L.le der Wetterau ging dieses Verfahren sogar so weit, daß man einem Landwirte, der seinen Stall mistete, zugemutet hat, mit dieser Arbeit auszuhören, um den Stall versiegeln zu können. Uebrigens ist es geradezu toll, mit welcher Fülle von Konttollbeamten eben die Wetterau beglückt wird. An allen Ecken und Enden stößt man auf Kontrolöre und Revisoren, Aussichtsbeamten und dergleichen Da schickt das Reich solche hinaus und die Landesmilch- und Fettstelle und die Stadt Frankfurt. Was kostet das alles für ein Heidengeld! Und erreicht wird garnichts. Wenn man glaubt, mit solcherlei Maßnahmen die Produktion zu fördern so ist man gewaltig auf dem Holzweg und wird dadurch nur Unwillen und Erbitterung erzeugt und der Landwirt schafft die Kühe ab. Ans der Heimat. * Unvergänglich wie HindenbnrgS und Ludendorffs Name sind die herrlichen Taten unserer tapferen Heldensöhne. Nur wenige Wochen und wieder jährt sich der Tag. an dem die freche Herausforderung unserer Feinde lie in den Kampf rief, und nur kurze Zeit noch — so hoffen wir — werden die Feiertagsglocken sie wieder an den heimatlichen Herd locken. Ruhmbekränzte Sieger! Schon liegen unsere Feinde am Bo-oen; die uns unterjochen und zerschmettern wollten, sind selbst zum Raub ihres Hochmuts, ihrer Niedrige keit geworden. An deutscher Heiinatsliebe sind ihre An- stürme zerschellt. Die freie Heimat rüstet sich, seinen Heldensöhnen Hort und Schirmstätte zu sein. Jeder Krieger soll sein Glück zu Hause finden. Dazu wollen wir, die wir ihnen alles danken, Gesundheit, Freiheit und Leben helfen. In Ludendorffs Zeichen muß auch diese Spende siegen, die den Kriegsbeschädigten neues Leben geben will. Keiner darf Zurückbleiben, jeder muß dazu beitragen, daß unsere tapferen Helden Gesundheit und Arbeit wieder erlangen. Das ist die Ehrenpflicht des Deutschen. Frauenstudium und Frnuenschule. Wir lesen im „B. D." folgende Notiz: Das preußische Kultusministerium hat sich in letzter Zeit veranlaßt gesehen, vor dem erschreckenden weiblichen Zuzug zu unseren Universitäten zu warnen. Es hat auf die Ueberfüllung im Lehrberuf sowie in dev sonstigen akademischen Berufen hingewiesen und daran erinnert, daß nach der Rückkehr unserer an der Front stehenden Akademiker jedenfalls eine Notlage für die in solche akademischen Berufe eingerückten Frauen entstehen werde. Nimmt man hinzu, daß auch die Eheaussichten für die studierenden Mädchen, statisttsch nachweisbar schlechte sind, io dürfte man immer mehr zu der Einsicht kommen, daß ein planloses Hrnleiten der Mädchen auf die Universität für sie selber kein Vorteil und für die Zukunft des Volkes sogar ein schwerer Schaden wäre. Konnte man vor dem Kriege schon von der ehetötenden weiblichen Konkurrenz in männlichen Berufen sprechen, so droht diese Gefahr nach dem Kriege geradezu verhängnisvoll zu werden. Es wäre aber ein sehr zweifelhafter Gewinn für unsere Frauenwelt, wenn sie den verbreiterten Zugang zu Männerberufen nur mrt entsprechender Verringerung der Heiratsaussichten erkaufen könnte. Auch in Frauenzeitschriften ist deshalb auf die hier drohende Gefahr schon öfter hingewiefen worden. So erinnert die Aprilnummer „Der Frau" daran, daß diese Zeitschrift schon fricher vor dem übermäßigen Zudrang zu der Universität gewarnt hat und es in diesem Sinne für eine wenig glückliche Maßnahme hielt, wenn man curch das höhere Lehrerinnenseminar als Weg zur Universität gelten ließe. Helene Lange, die berühmte Vorkämpferin der Frauenbewegung gerade auf dem Gebiete des Bildungs- Wesens, schrieb damals: „Man könnte denken, die Negierung sei besorgt, die Universität nicht voll genug zu bekommen. Die in Aussicht stehende Ueberfüllung ist an den Fingern abzuzählen. Es sind schon- jetzt viele, viele junge Mädchen durch das planlos ergriffene Universitätsstudium in eine Laufbahn hineingettieben worden, die ihnen keine Zukunft gewährt. So muß die seinerzeit von der Regierung gs währte Erleichterung des weiblichen Studiums geradezu als ein Danaergeschenk bettachtet werden. Angesichts dieser Erfahrungen wenden sich deshalb neuerdings die Regis rangen wie die Gemeinden mehr dem anderen Wege der Franenbildung der sogenannten Frauenschule zu. Auch hier wird dem sehr natürlichen und begrüßungswerten Bildungsdrange der weiblichen Jugend Rechnung getragen. Auch hier wird die Bildung der höheren Töchter schule in einem Sinne weitergeführt, der der Vertiefung der Bildung durch das Universitätsstudinm für die männliche Jugend entspricht. Es wird aber zugleich in den praktischen Dingen unterrichtet die der künfttgen Gattin und Mutter wichtig sind und so das junge Mädchen auf diejenige Bahn geleitet, die doch immer noch und zu allen Zeiten das schönste Glück verspricht. — Die vorstehenden Zeilen dürsten für unsere Stadt, da sie grade vor dem Ausbau ihrer höheren Mädchen- Ichule steht, von besonderem Interesse sein. Wie wir. hören, wird der Leiter der Schillerschule, Herr Prof. Dr. Strecker, demnächst in einer öffentlichen Versammlung des hiesiger Alrce-Frauenvereins über diese wichtigste Frage der Mal» chenerziehung sprechen. FC. Unterliederbach, 2. Juni. Das vierjährige Söhn- chen Willi der Witwe Treisch dahier, wird feil 31. Mai vermißt. Zuletzt wurde das Kind am Main gesehen. FC. Hanau, 2. Juni. Die Polizei beschlagnahmte am Ostbahnhof einen Korb in dem sich über 110 Pfund Rindfleisch. Leber und Knochen befanden. Die Fleischwaren die aus Bayern stammen waren für einen Gastwirt in Offenbach bestimmt. Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst in der Stadtkirche. Mittwoch. 5. Juni, abends 8}£ Uhr: Kriegsanöacht. Herr Pfarrer Ritter. Gottesdienst im Stadtteil) Fauerbach Mittwoch, den 5. Jrmi, abends 9 Uhr: Kriegsandacht. ^rbfii5inarhionjeigfr|»?ol"nVmcÄ"u1 ,, ^ri*S “«Tro! Offene Stellen: Mehrere Fabrikarbeiter und Arbeiterinnen. 9 Knechte, 2 Lehrlinge. 1 Tagelöhner, 2 Arbeiterfamilien, 1 Knech'.efamilte. 2 Heizer, 1 Müller, 1 Wärter. 1 Melkerin, 7 Dienstmägde, 6 Hausmädchen, 1 Flickerin für Herrfchaftshaus. Etellensuchender 1 Gutsverwalter, mehrere Melkerfamilien und ledige Melker, 1. Bürofräulein, Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. H eyner, Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung*. A. (8- Sifebbcrfl L A Wem nie HM Me Leid geschah. Roman von CourthS-Mahler. 24) Nachdruck verboten. „Sie müssen nicht traurig sein, Herr von Frankenau. Ich bin es auch nicht, obwohl — nun ja — obwohl ich eigentlich soviel Ursache hätte, als Sie. Aber wenn Sie mir gut sind — wirklich von Herzen — und wenn eine ehrliche, tiefe Liebe in Ihrem Herzen für mich spricht, — dann ist das so schön, daß man nicht traurig fern darf. Wer weiß, wie es das Schicksal fügt. Wahre Liebe kann Berge versetzen — warum sollte sie nicht auch die Macht haben, einem bürgerlichen Mädchen zu einer erforderlichen Ahnenzahl zu der- Helfen?" HanS Ullrich atmete schnell und erregt. „Sie können scherzen, mein gnädiges Fräulein, Sie machen sich lustig über mich Erst erwecken Sie durch Ihre Worte in mir ein heißes Glück, eine Hoffnung, daß auch ich Ihnen teuer geworden sein könnte — und dann treiben Sie ihren Spott mit mir." Sie schüttelte den Kopf und wurde wieder sehr ernst. „Nein, das tue ich gewiß nicht. Ich werde nur ein wenig übermütig — weil mich Ihre Worte trotz allem sehr froh und glücklich gemacht haben. Das will ich Ihnen nicht verhehlen. Ich kann nicht traurig sein, denn in mir lebt die feste Ueberzeugung, daß wahre Liebe alle Hindernisse besiegen kann. Ich lege mein Hoffen und Wünschen zu Füßen einer höheren Macht, die alles fügen kann, wenn es auch noch so unmöglich scheint. Und wenn uns nichts bleibt, als das Gedenken an diese Stunde — sie war schön, sehr schön und wert, gelebt zu werden." Er faßte rasch ihre Hand und drückte sie, Don seinem Gefühl überwältigt, an seinen Mund, an seine Augen und an sein Herz. Sie zog die Hand zurück. „Lassen Sie uns auseinandergehen, Herr van Frankenau. Ich muß ins Haus zurück, mein Dienst ruft, ^-ben Sie wohl, Herr von Frankenau." Er sah sie mit brennenden Augen an. t „Geben Sie mir zum Abschied noch einmal Ihre Hand, gnädiges Fräulein, so — als wenn sich gute Freunde Lebewohl sagen." Sie legte ihre Hand in die seine, und er umschloß sie fest und warm und sah darauf nieder. „Wie gern hielt ich sie fest — fürs ganze Leben!" stieß er heiser hervor. Sie sah ihn mit großen, leuchtenden Augen an. „Vielleicht ließ ich mich gern sesthalten, Herr von Frankenau, wenn nicht eine unüberwindliche Kluft zwischen uns wäre." Er seufzte auf. „Und eben sagten Sie noch so überzeugungsvoll: Liebe kann Berge versetzen. Sehen Sie wohl, Sie glauben selbst nicht daran." Sie ließ ihre Augen fest in den seinen ruhen. „Doch, ich glaube, datz die Liebe allmächtig ist — aber nur die echte, wahre Liebe, nicht das, was Sie vielleicht dafür halten. Aber nun muß ich gehen. Leben Sie wohl, Herr von Frankenau — und wenn Sie können, vergessen sie diese Stunde." Damit ging sie schnell davon „Das kann ich nicht — niemals!" klang es ihr aus seinem Mund nach Sie wandte sich noch einmal nach ihm zurück und sah ihn an. Und dieser Blick drang ihm tief in die Seele. Er sah ihr nach, bis sie verschwunden war, und in seinem Herzen war ein Gefühl, wie er es nie empfunden hatte. Ost schon hatte in seinem Leben eine Frau eine Rolle gespielt, aber was er für Christa Hellmut empfand, war etwas anderes. Schon gestern, als er plaudernd mit ihr im Zuge zusammen saß und im hellen Entzücken ihr schönes Antlitz betrachtete, war dies neue, starke Gefühl in ihm erwacht. Und als er sie in dem Birkenheimer Wagen davon fahren sah, war ein Jubel in seinem Innern, weil er hoffen durste, sie wiederzusehen. Auf dem Weg nach Birkenheim hatte ec sich ganz ernsthaft heute gesagt: „Wenn dieses schöne Mädchen stir mich als Frau in Betrackch kommen kann und wenn es mir gelingt, ihre Zuneigung zu gewinnen, dann soll sie meine Frau werden — und an ihrer Seite werde ich glücklich sein." Und nun war ihm diese Hoffnung zerstört, und es tat ihm weh, viel weher, als er für möglich gehalten hätte, zumal er aus ihren Worten hatte entnehmen können, daß sie ihm im Herzen nicht stemd und kalt gegenüber stand. Seufzend bestieg er sein Pferd und ritt nach Hause. Er gab sich vergeblich Mühe, den Gedanken an Christa zu verbannen; aber nach einer Weile gab er es auf und überließ sich . willig der Erinnerung an die eben erlebte Stunde. Christas Bild hob sich in leuchtenden Farben von seiner Gedankenwelt ab. Und mit einem Gefühl großer Abneigung dc^te er daran, daß er sich verheiraten sollte. Es bedrückte ihn, daß er seiner Mutter das Versprechen gegeben hatte, es bald zu tun. * 2lm nächsten Mittag waren die Frankenauer tzerr- schaften Tischgäste in Virkenheim. Baroneß Karla begrüßte Hans Ullrichs Mutter und Schwester mit überströmender Liebenswürdigkeit Ursula machte sich aber ziemlich unsanft aus ihrer Umarmung los. Sie trat zu Herrn von Birkenheim und plauderte mit ihm in ihrer lebhaften, freimütigen Art. Baroneß' Karla widmete sich nun vorwiegend Hans Ullrich. Die beiden Mütter überließen die jungen Leute mit großer Geslissentlichkeit einander. Hans Ullrich zeigte sich aber heute entschieden kühler und zurückhaltender als gestern. Ursula beobachtete Karla und ihren Bruder und stellte mit Genugtuung fest, daß Hans Ullrich durchaus nicht von Karlas Reizen bezwungen schien. Als man zu Tisch ging, reichte Herr von Birkenheim Frau von Frankenau den Arm, und Hans Ullrich führte die Baronin. Die beiden jungen Damen folgten. Karla wollte ihren Arm um Ursula legen, doch diese machte sich hastig los. Ihrem ehrlichen Herzen widerstand es, Komödie zu spielen. Man nahm an der reich gedeckten Tafel Platz. Herr von Birkenheim sah sich suchend um. „Wo bleibt Fräulein Hellniut, Helene?" fragte er. Die Baronin wandte sich ihm mit ihrem sanften Lächeln zu. „Sie speist natürlich heute auf ihrem Zimmer, da wir Gaste haben," sagte sie, als sei das selbstverständlich. Niemand bemerkte, daß bei diesen Worten Hans Ullrich! das Blut in den Kopf stieg. Auch Herr von Birkenheim war sehr unangenehm -berührt durch diese Anordnung seiner Kusine. „Verzeih, liebe Helene, wenn ich das nicht so natürlich stnde und Deine Bestimmungen durchkreuze. Ich wünsche, daß Fräulein Hellmut in meinem Hause als Dame behandelt wird. Da ich den größten Teil des Tages in ihrer Gesellschaft verbringe, weiß ich, daß sie unbedingt Dame ist. Ich möchte nicht, daß sie wie eine Dienerin auf ihrem Zimmer speist, wenn wir Gäste haben. Die junge Dame wird jeder Gesellschaft zur Zierde gereichen. Also, bitte, schicke einen Diener hinauf und lasse sie herunter bitten." Die Baronin ärgerte sich sehr» daß ihr Vetter ihre Bestimmungen umwarf. Sie fand es sehr unnötig, daß sich die schöne Sekretärin neben ihrer Tochter zeigte. Aber nichts, als die roten Flecken aus ihren Wangen verrieten ihren Aerger. „Ganz wie Du wünschest, lieber Vetter. Ich glaubte nur in Deinem Sinn zu handeln. Man ist doch immer etwas geniert durch das junge Mädchen," sagte sie sanft. „Sie ist doch sonst auch bei Tisch unsere ständige Hausgenosiin. Warum soll sie dann gerade im Beisein von Gästen stören. Die junge Dame weiß so klug unb anmutig zu plaudern, daß sie für jede Gesellschaft ein Gewinn ist. Außerdem könnte sie es als Kränkimg auffassen, wenn man sie bei Gesellschaft ausschließt. Also, bitte, lasse sic herunter holen." Die Baronin machte jedoch mit der sanftmütigsten Miene noch einen Versuch, ihren Willen durchzusetzen. Sie wandte sich an die Gäste. „Es ist ihnen doch nicht unangenehm, wenn die Sek< retärin meines Vetters bei Tisch erscheint?" Hans Ullrich konnte sich kaum noch bezwingen. Er war Herrn von Birkenheim im Stillen so dankbar, daß er für Fräulein Hellmut eintrat. Der Baronin hätte er am liebsten eine schroffe Antwort gegeben. Zum Glück nahm seine Mutter das Wort. „Aber keineswegs, liebe Helene. Im Gegenteil, es ist mir sehr interessant, die junge Dame kennen zu lernen." So mußte die Baronin sehr gegen ihren Wunsch den Diener zu Christa schicken. Forffetzung folgt. Es gingen weiter ein: Landw. Bezugs- und - Absatz -Eenossensch., Friedberg 100 Mk. Cemralgen.Darmstadt Lager Friedberg 160 Iul.Philipoi. Landw., 200 Brauerei Winoecker 100 „ Brauerei Steinhäuser 150 „ Valthaiar Schneider, Samenhandlung 200 „ M. Schleimer 100 Firma A. Stahl, Wwe. 300 M. Scheuer 100 „ Julius Kann 150 „ Isidor Stern 50 n Elias Hoi mann 30 n David Erödel Söhne 100 „ Frau Lt o von Helmolt 100 n Kommerzienrat C. Trapv 100 „ Bor chuß- und Eredit- veiem. G. m. b. H., Friedberg 3C00 „ Herzlichen Dank. Weitere Gaben nehmen die hiesigen Banlen, die Spartaffe und die Ge>chäfisstellen der hiesigen Zeitungen in Empfang. Das Ergebnis der Haus- sammlungm wird später ~ veröffentlicht. __ Der Ortsausschuß. EillichliMlite emailliert und versinkt. Einkochgläser. G u m m i r i n o c aller Art in beliebigen Mengen. Thermometer. ysiMpiieii» _ Friedberg. Habe noch 2 bis 3 geschnittene Eichenstämme abzugeben. 4, 5 und 7 cm stark, geeignet für Schreiner u. Blaser Zu erfragen in der Ee chäfisftelle der „Neuen Tageszeitung." sowie alle Drucksachen für behördlichen und familiären Gebrauch fertigt schnell, sauber und geschmackvoll an die Neue TagesZeitung — A.-L^ Fernsprecher Nr. 48 Friedberg i. H. 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