Nummer 127 Montag, den 3. Juni 1918 11. Jahrgang. Die „Neue Tagesreitung" erscheint jeden ÄZerktaq. Regelmäßige Beilagen „Dev Dauer aus Hesse»", „Dir Spiunssube". Kerugspreis: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld' bei den Aaenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 25 Pfg., totale 20Pfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben. Erfiillungsort ^riebberg. Hchviltleitung und Nerlag Friedberg (Hessen), 5)anauerüraße 12. Fernsprecher 43. Postjcheck-Lonto Nr. 4859, Amt Frankfurt a. M. Der Dordteil von ChatsaA-Schierry genommen. — Franrösijche Gegensätze gemorfen. — KranzSstsch- amerikanische Lager von gemaltiger Ausdehnung in unserer Hand. — Seit 2!. März über 175000 Gefangene und über 2000 Geschütze. — 20 000 Tonnen versenkt. - ■■ -. —.-- fl» Der deutsche Generalstak meldet: -—— g W. T. K. Großes Konpiquarliev, den 1. Juni. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. " J 7 Heeresgruppe Kronprinz Rupprechi. Vielfach auslebender Artilleriekampf. Oertliche Angriffe Kes Feindes südlich Apern scheiterten. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Südlich der Oise südwestlich von Chauny warfen dre Gruppen der Generale Hoffmann und v. Francois den Feind Mrs starken Stellungen bei Cuts und südlich von Bleran- court. Auf dem Nordufer der Aisne stießen wir in heftigen Teilkämpfen bis Noiwron-Fontenoy vor. Verzweifelte Gegenangriffe führte der Franzose mit frischen, auf Bahn und Kraftwagen heran gebrachten Divisionen gegen unsere über die Straße Soissons-Hartennes dordringenden Truppen. Am Abend waren die erbitterten Kämpfe zu unseren Gunsten entschieden. Dem weichenden Feinde stießen wir bis auf die Höhen östlich von Chaudun- Bierzy-Blanzy nach. Beiderseits des Ourcq-Flusses haben wir dre Straße Soissons-Chateau-Thierry überschritten imb erreichten, immer wieder aufs neue feindlichen Widerstand brechend die Höhen von Neuilly nördlich von Chateau-Thierry. Zwischen Chateau-Thierry und östlich von Dormans stehen wir an der Marne. Von der Marne bis westlich von Reims gewannen wir lm Angriff die Linie Werneuil—Olizy—Sarcy—Champigny Die gestrigen Kämpfe brachten von neuem mehrere Tausend Gefangene und reiche Beute ein. » Fn den beiden letzten Tagen schossen wrr 36 feindliche Flugzeuge *6. Leutnant Menkoff errang seinen 28., Leutnant Pütter seinen 26. und Leutnant Kroll seinen 24. Luftsieg. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. Abrndkerlcht. Berlin, 1. Ami, abends. (WTB. Amtlich^ Nn 8er Front von Noyon bis Chateau Thierry gsvannen wir kämpfend Boden. W. T. Großes Hauptquartier» deu 2. Juni. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz RuppreHt. Artilleriekämpfe an vielen Stellen der Front. Englische Teilangriffe südlich der Lys und nördlich von Albert scheiterten 'jrcter schweren Verlusten. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Südöstlich von Noyon drängten wir den Feind trotz heftigen Widerstandes auf den Wald von Carlepont und von Montagen zurück. Wir nahmen die Hohen östlich von Moulin-sous-Touvent und stark verdrahtete feindliche Linien westlich von Nouvron. Im Angriff beiderseits des Ourca-Flusses warfen wir den Feind über den Savieres-Abschnitt zurück und eroberten die Höhen von Passy und Couchamp. An der Marne ist die Lage unverändert. Der auf dem Nordufer des Flusses gelegene Teil von Chateau-Thierry wurde vom Feinde gesäubert. Nordöstlich von Verneuil und beiderseits der Ardre heftige Gegenangriffe der Franzosen. Unter blutigen Verlusten wurde der Feind zurückgeschlagen. Oestlich von Reims drangen wir in örtlichem Vorstoß in französische Gräben bei St. Leonard ein und nahmen die Besatzung des vorübergehend von uns besetzten Forts Pompelle gefangen. Französisch-amerikanische Lager von gewaltiger Ausdehnung fielen bei Före-en-Pardenois m unsere Hand. Weit über eine halbe Million Schack Artillerie, unermeßliche Bestände an Pionier- und Fernsprechgerät, mehr als 1000 Fahrzeuge wurden hier erbeutet. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 2. Juni, abends. (WB. Amtlich.) An der Angriffsfront neue Fortschritte. Der österreichische Generalstav — meldet: - Wien, 1. Juni. (WTB.) Amtlich wird verlautbart: Keine besnderen Ereignisse. Der Chef des Generalstabes. * Wien, 2. Juni. (WB.) Amtlich wird verlautbart: An der Gebirgsfront lebte der Artilleriekampf an vielen Stellen wieder auf. Im Mündungsgebiet der Piave wurde heute um Mitternacht ein italienischer Vorstoß durch Feuer ab gewiesen. f J i Der Chef des GeneralstabeS. Der bulgarische Gencralstak fe= = meldet: -— - Sofia, 30. Mai. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Mazedonische Front: In der Moglena-Gegend und östlich davon bis zum Dojransee war die Kampftätigkeit besonders rege. Nördlich des Dobropolje versuchten nach Artillerievorbereitung feindliche Jnfanterieabteilungen in unsere Stellungen einzudringen, wurden jedoch durch Gegen- angrisfe nd im Kampfe Mann gegen Mann zum Teil auf- gerieben, zum Teil versprengt. Im Abschnitte südlich der Stadt Hirma bis zum Wardar griffen nach heftiger Artillerievorbereitung von 10 Tagen, die am letzten Tage besondere Heftigkeit erreichte, mehrere Divisionen, verstärkt durch eine grieckiische Division der königlichen Armee und durch ine französische Division, unter dem Schutze der Nacht und nebligen Wetters unsere Stellungen an. Ihr Hauptstoß fand südlich von Huma statt, wobei es ihnen gelang, in einzelne Abschnitte unserer Gräben einzudringen. Während des ganzen Tages dauerte der Kampf mit unverminderter Heftigkeit fort. Auf dem Ostufer des Wardar und 'üdlich von Dojran beiderseits verstärkte feindliche Artillerietätigkeit. Westlich des Wardar wurde ein feindliches Flugzeug im Kampfe abgeschossen. 20000 Tonnen versenkt. Berlin, 31. Mai. (WTB. Amtlich.) Neue Erfolge unserer U-Boote im Mittelmeer: 6 Dampfer und 9 Segler von zusammen rund 20,000 Bruttoregistertonnen. Ein voll besetzter Truppentransporter von etwa 6000 Brutto registertonnen wurde aus einem gesicherten Geleitzug herausgeschossen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Ein amerikanischer Truppeniransport- dampfer versenkt. Haag, 1. Juni. Reuter meldet aus Washington: Ad- miral Sims teilt mit, daß das Lruppentransportschiff „Präsident Lincoln" auf seiner Rückkehr nach den Vereinigten Staaten torpediert wurde und sank. Nähere Einzelheiten sind nicht bekannt. » Kopenhagen, 2. Juni. (WB.) DoS Ministerium des Auswärtigen meldet: Die dänische Bark „Souvenir" ist in der Nordsee versenkt worden. Die Besatzung wurde in Queenstown gelandet. DaS dänische Motorschiff „Dronning Margarete" ist in der Nordsee versenkt, die Besamung tt* Leith gelandet worden. Bern, 2. Juni. (WB.) „Le Journal" meldet ans Melilla: Der spanische Dampfer „Mariapie" wurde in der Nacht zum 26. Mai von einem deutschen U-Boot 14 Meilen von der Insel Chaffarinas angegriffen. Das U-Boot gad zwei Schüsse ab und als der Dampfer nicht stoppte, einen dritten, wodurch der Kapitän und ein Heizer getötet wurden. Eine Frau wurde verwundet. Unter den 190 an Bord befindlichen Mauren sei eine Panik ausgebrochen. Sie wollten sich vor den 24 spanischen Passagieren retten. Das Rettungsboot sei umgefchlagen. Das U-Boot sei an der Unglücksstelle eingetroffen, habe bei den Rettungsarbeiten geholfen und nach Melilla wegen Hilfe telegraphiert. Drei Personen werden vermißt. Die Schlacht im Westen. Berlin, 1. Juni. (WB.) Am 31. Mai griff der Feind nach kurzer Artillerievorbereitung um 6 Uhr morgens dis deutschen Stellungen südlich Vierstraat dreimal hinter», einander an und wurde jedesmal unter schwersten Verlustei« restlos geworfen. Gefangene blieben in deutscher Hand, in gleichzeitig weiter nördlich einsetzender feindlicher Angriff kam im deutschen Vernichtungsfeuer nicht zur Entwicklung. Auch weiter südlich vom Nieppewalde bis Lens hielt tagsüber kräftiges feindliches Feuer an. Desgleichen sckiwoll das Feuer in der Gegend von Arras und Albert vorübergehend zu großer Heftigkeit an. Die deutschen Bombenflieger setzten bei Eteples ein großes Lager in Brand. In Cassel wurden drei Brände und weiter südlich eine ungeheure Feuersbrunst beobachtet. Die Kämpfe am 31. Mai. Berlin, 1. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Auch dee 31. Mai. der fünfte Tag der großen Schlacht an der Aisnh. brachte den deutschen angreifenden Truppen neue Erfolge. Südlich der Oise sind sie im weiteren Vordringen, einzelne feindliche Gegenangriffe wurden blutig abgewiesen. Desgleichen hatte der Gegner, der aus seinen Stellungen bei Cuts und südlich Bloracourt geworfen wurde, schwere Ver* lüste. Bei Solens sind in den vorhergehenden Kämpfen wiederum drei schwere Geschütze erbeutet. Südlich Soissons warf der Feind mehrere Divisionen mit Unterstützung von zahlreichen Tanks zu einem starken Gegenangriff vor. Er wurde äußerst blutig abgewiesem Unsere Angriffe wurden sofort weiter vorgetragen. Bei dieser Gelegenheit machten wir über 2000 Gefangene. Auch die Versuche, die der Feind weiter südlich machte, um den deutschen Vormarsch aufzuhalten, hatten keinen Erfolg, obwohl der Gegner hier mehrere Tankgeschwader und Schlacht- staffeln den Deutschen entgegenwarf. Eine große Anzahl der Tanks wurden vernichtet Besonders ist wichtig die Eroberung der Höhe von Neuilly St. Front. Der Bahnhof Compiögne lag unter wirksamem beut* scheu Feuer. Planmäßige Beschießung von Soissons. Berlin, 1. Juni. (WB.) Soissons wird seit dem 30 nachmittags von den Franzosen planmäßig beschossen. Ge« waltige Brände lodern allseits in der Stadt auf. Nicht dir Vorstädte oder Ausgänge beschießt der Feind, er legt viel- mehr sein Feuer in das Zentrum der Stadt. Die Zivilbevölkerung ist bis auf wenige alte Leute fortgeschaffl. Der Widerstand des Feindes war zwei Tage lang besonders hartnäckig, weil er sich hier in den alten Stellungen bei Soissons nachdrücklich verteidigen konnte. Seit gestern hat er eilig Artillerie herangeschafft.- Die Stadt wird nicht nur durch Artillerie zerstört, sondern starke Bombengeschwader werfen den ganzen Tag über aus beträchtlicher Höhe Vom* ben auf Soillons. Heute hat der Angriff nach Westei« Boden gewonnen. In den Vorstädten und in den umliegenden Fermen sind die Einwohner verblieben, sie verkaufen ihre Vorräte an die deutschen Truppen. Es wird nicht lange dauern und Soissons wird dasselbe Schicksal erleiden wir seine Schwesterstädte Ouentin, Noyon und die unzähligen anderen. Das Ringe« um Soissons. > Berlin. 2. Juni. (WB.) Die gemeldeten horten örtlichen Kämpfe bei Soissons haben sich zu einer großen Schlacht entwickelt. Der Gegner hatte alle verfügbaren Kräfte in einem groß angelegten Flankenstoß mit der Absicht zusammengefaßt, Soissons wieder zu nehmen. Die dort befindlichen alten Stellungen gaben ihm vorzügliche Stiitzpunkte. Er ließ nichts unversucht. So attackierte seine Kavallerie bei Bucancy deutsche Begleitbatterien, die unserer Infanterie auf dem Fuße folgten. Es gelang ihr, die Be- spannung zu erreichen; dann wurde sie durch wohlgezieltes Maschinengewehrfeuer aufgerieben. Am Nachmittag griff ein großes Lankgeschwader, aus der Linie Missy—Chaudun kommend, zu beiden Seiten der großen Straße Paris— Soissons erfolglos an. Fünf der Tanks liegen westlich Vaurbuin zerschossen im Gelände. Ueberaus starke feind- liche Schwchtgeschwader griffen unsere Artillerie und Infanterie an, während zu gleicher Zeit Bombengeschwader das Jnnnere der Stadt Soissons bewarfen. Die besten Truppen Frankreichs. das 1. Eiserne Korps mit einer marokkanischen Division, sind südwestlich Soissons eingesetzt worden. Es hatte schwere Verluste. 2400 Gefangene wurden schon gemeldet. In der Nacht zum 1. Juni flaute das Feuer bei Soissons ab. Mächtige Brände wüten im Stadtinnern. Die beiden großen Herde befinden sich nördlich der Kathedrale und im östlichen Stadtteil an der Aisne. Sechs 24-Zen- timeter-Geschiitze wurden an einer Stelle erbeutet, und bei Terny-et-Serny wurden nicht weniger als sechs schwere 24- Zentimeter^Geschütze erbeutet, die in einem kleinen Raum fest eingebaut waren. Diese außergewöhnliche Anhäufung von schwersten Geschützen, die sonst nur vereinzelt auftveten, und der Zweck der Geschütze, nämlich die wirksame Beschießung unseres nach Paris feuernden Geschützes, beweisen, wie unangenehm den Feinden unsere Beschießung von Paris ist. In n h n Wochen 8 er 175000 Gefangene, weit über 2000 Geschütze, unzählige Maschinengewehre. Berlin, 1. Juni. (WB.) Vom 21. März bis 1. Juni 1918, also in 10 Wochen, sind in den Kämpfen an der Westfront den Deutschen über 175 000 Gefangene und weit über 2000 Geschütze in die Hände gefallen. Die Zahl der Maschinengewehre, die unzählige Tausende beträgt, und»der Umfang des sonstigen unübersehbaren erbeuteten Kriegsmaterials läßt sich vorläufig auch nicht annähernd angeben. Dazu kommen die großen Bekleidungs-, Verpflegungs- und Gerätedepots, die Lazarette, ferner ausgedehnte, unversehrte Munitionslager schwersten Kalibers, Grabenwaffen, Flugzeuge, Flugzeughallen, Lokomotiven, Eisenbahnwagen. Kraftfahrzeuge. Tanks und Feldlager. Don den in der Aisnegegcnd Vorgefundenen Munitionslagern enthielt ein einziges allein 100 000 Schuß aller Kaliber. Die Werte, die die Entente an eingebautem Material,an Holz, Draht, Beton Feldgerät. Telephonleitungen usw. an den mehreren Hundert . Kilometer langen Angriffsfronten in den zahlreichen übereinander liegenden Verteidigungslinien verloren hat, lassen sich ebenfalls kaum abschätzen. Die weiten von den Deutschen eroberten Gebiete mit den bebauten Feldern ver- Schärfen die Ernährungsschwierigkeiten Frankreichs, zumal eine große Reihe der wichtigsten Bahnen der Benutzung ent- roaen ^ ^ ie Zufuhrmöglichkeiten erschweren. Mehr als je muß der Ueberseetransport zur Ergänzung der verlorenen Bestände in Anspruch genommen werden, was bei dem Schiffsraummangel doppelt ins Gewicht fällt. Die hohe Zahl der Gefangenen und der blutige Verlust ver-' mindern jedoch gleichzeitig die Leistungsfähigkeit der Kriegs- Industrie und der Schiffsbauwerften. Die Zertrümmerung t^er feindlichen Mittel und Kampfkraft ist damit ihrem Endziel wieder einen großen Schritt nähergekommen. Erbeutete Truppenlager. Berlin, 2. Juni. (WV.) Als ein Zeichen dafür, welche Planlosigkeit hinter der französischen Front hervorgerufen war und wie über Erwarten schnell der Vormaffch unserer Divisionen durchgeführt wurde, müsien die gewaltigen Truppenlager gelten, die der flüchtende Feind uns völlig unversehrt hinterließ. Erweckt es schon Erstaunen, daß auf den Flugplätzen so viele Flugzeuge unversehrt vorgefunden wurden, so ist es geradezu unerklärlich, daß unter den flüchtenden Franzosen niemand mehr den Entschluß oder die Zeit fand, die so leicht zu vernichtenden großen Truppenplätze zu zerstören. Bei Fismes ist eine riesige Barcckenstadt ohne die geringste Beschädigung in deutsche Hand gefallen. Noch größer vielleicht, ganzen Regimentern bequemste Unterkunft gewährend, ist eine wahre Metropole aus Lagerbaracken, die uns der Franzose zwischen Eherp und MareuU überlassen hat. Man muß daher der Organisationsgabe des Gegners vollauf Gerechtigkeit widerfahren lasten. Die Anlagen können als Musterbeispiele großer Truppenunter, bringungsplätze gelten. Sie sind mit Weitblick nach einheitlichen Plänen angelegt und nichts fehlt an den Einrichtungen. Den nachrückenden Divisionen und Kolonnen kommt diese Sol- daten-Villenkolonie jetzt zugute. Bei Fere-en-Tardenois ist uns ein reich gs.üllles Pionierlager von riesenhaftem Ausmaß zugefallen, mit mächtigem Wagenpark und allen Arten von Wagenorsatzt.üle^ - • n b Brmnstoff- foßet, die zu vernichten der Gegner bei der überall offenkundigen Planlosigkeit seines Rückzuges die Zeit nicht fand. Das Ende der russischen Legion. Berlin, 2. Juni. (WB.) Unter den Gefangenen einer Marokkanischen Division befand sich auch ein Arzt des dritten Bataillons der russischen Legion. Das Bataillon wurde von russischen Offizieren befehligt und 500 Mann stark in den Sommekämpfen eingesetzt, aus denen es jetzt mit 92 Mann turückgekehrt ist. Es kann somit als aufgerieben gelten. Das Bataillon war der Rest des russischen Expeditionskorps fcn Krankreich. Die darin kämpfenden Russen batten verlangt, daß fis «ach Frbedensschlnß entlassen würden. Frankreich lehnte aber die Entlassung ab mit dem Bemerken, daß der Friedensvertrag ungültig sei. Die »ene Front an der Marne. Berlin, 2. Juni. (WB.) Mit der Einnahme des Rord- teils von Chateau-Thierry und der Erstürmung von Derneul ist die Marneffont bereits auf mehr als 25 Kilometer verbreitert. Der spitze Stoßkeil hat sich zur breiten Kampflinie geformt. Kanonendonner in Paris. Rotterdam, 1. Juni. „Daily Mail" meldet aus Paris: Nicht nur in den nördlichen Vorstädten, sondern auch auf den freien Plätzen und den nach Nordosten laufenden Straßen der inneren StcM Paris vernimmt man seit Freitag mittag deutlich den ncberkommenden Geschütz, donner von der Front. Die Eisenbahnzüge sowohl nach dem Norden wie nach dem Osten sind feit Freitag früh für jeden privaten Verkehr gesperrt. » Die Wirkung des deutschen Vorstoßes. Aus dem Haag wird dem „Berl. Lokolanz." gemeldet. Reuters Sonderberichterstatter von der französischm Armee meldet am 31. morgens: Noch ist kein Zeichen des Weichens des feindlichen Druckes zu sehen. Am reckten Flügel ist es den Deutschen trotz des außerordentlich tapferenWiderstandes der Franzosen gelungen, ihre Linien bei Soissons auf beiden Seiten vorwärts zu bringen. In der Mitte konnten diese vorgeschobenen Truppen weitere Fortschritte machen. Am Nachmittag sah man die Granaten der deutschen Feldgeschütze auf den Höhen zerplatzen. Im Norden schweben die deutschen Beobachtungsballone in der Luft. Längs der ganzen Front drängen andauernd die Infanteriekolonnen durch den Wald und in den Tälern. Sobald die feindlichen Truppen einen schwachen Punkt in den französischen Linien entdecken ! können, stoßen sie dagegen. Die- Wege ünd angefüllt von flüchtigen Landleuten, von^ Kolonnen und M^orwagen. Die Flüchtlinge sind meistens ganze Familien mit ihrem Hab und Gut auf Karren, die von einem Pferde vorwärts gezogen werden. Ganz Alte und ganz Junge sitzen oben auf dem Hausrat. Oft trägt ein Packesel die letzten Ueberreste ihres Eigentums. Viele können nichts anderes mitnehmen, als was sie auf ihrem Rücken und Ihren Armen tragen können. Flauen schieben Kinderwagen mit Säuglingen oder führen Kinder an den Händen, während Männer die Habseligkeiten auf denk Rücken schleppen. So geht es den ganzen Tag vorwärts in dem erstickenden Staub der Motorwagen, der britischen Infanteriekolonnen und der Artillerie- transporte. Die Unglücklichen lassen Haus und Hof und die Früchte ihrer jahrelangen Arbeit zurück und blicken mit sehnsuchtsvollen nach Freiheit dürstenden Augen in das militärische Getriebe. Valkanng der franMihkrl Negierung? Karlsruhe, 1. Juni. Wie die „Neuen Zürcher Nach- richten" erfahren, wird die französische Regierung bereits in den nächsten Tagen zum zweiten Male Paris verlassen, um neuerdings nach Bordeaux überzusiedeln. Die Archive von Nancy. Karlsruhe, 1. Juni. Der Schweizer Preßtelegraph meldet: In Befürchtung eines deutschen Vorstoßes gegen Nancy wurden die Archive von Nancy nach Lyon überführt, wo man sie in Sicherheit hofft. Klnignendouner an da belgilchen KM. Haag, 31. Mai. Aus London wird gemeldet: Ein Telegramm aus Ramsgate meldet: Von 11 Uhr gestern abend bis 4 Uhr morgens hörte man schweren Kanonendonner von der belgischen Küste her. Kurz nach Mitternacht haben verschiedene fürchterliche Explosionen stattgefunden und grcßer Feuerschein in der Nähe von Zeebiügge wurde wahrge- nommen. An der ganzen Küste entlang bis Dünkirchen waren die Abwehrgeschütze tätig. Diese Erscheinungen sind auch an der holländischbelg schen Küste wahrgenommen worden. Die Kejchießnng von Paris. Paris, 31. Mai. (WTB. Nichtamtlich) Havas. Eine der von dem weittragenden Geschütz heute abgeschosseuen Granaten fiel auf eine Kirche im Bezirk von Paris. Fliegerangriff auf Paris. Paris, 31. Mai. (WTB. Nichtamtlich) Amtlich. Havas. Einige feindliche Flugzeuge überflogen gestern abend unsere Linien und steuerten auf Paris zu. Von unseren Wachposten gemeldet, wurden sie alsbald von den Verteidigungsbatterien beschossen. Der Alarm begann um 10 Uhr 69 und endigte um Mitternacht. Es wurden Bomben auf das Gebiet von Paris abgeworfen. Opfer wurden bisher nicht gemeldet. Erneuter Fliegerangriff auf pari». Paris, 2. Juni. (WTB. Nichtamlich) Amtlich wird mitgeteilt: Heute nacht um 12 Uhr 8 Minuten wurde Alarm gegeben. Mehrere Abteilungen feindliche Flugzeuge griffen die Gegend von Paris an. Sie wurden sehr lebhaft von den Abwehrbatterien beschossen pnd die Verteidigungsmitte! wurden in Tätigkeit gesetzt. Es wurden Bomben abgeworfen. Man meldet nur einige Verwundete. Um 2 Uhr war der Alarm beendet. Finnland- Kowno, 1. Juni. (WV.) Nach einer Meldung der „Baltisch-Litauischen Mitteilungen" aus Finnland machte« dieser Tage deutsche Offfziere, die als Instrukteure der kürzlich ausgehobenen Truppen in Finnland tätig sind, ihre Auf. Wartung bei General Mannerheim. Der General dankte namens der finnischen Armee und des Landes für ihre großen Verdienste bei der Niedeiaversung des Aufruhrs und all die Mühen, die sie sich bei der Unterweisung der jungen finnischen Krieger gaben. Bei dieser Gelegenheit überreicht« er einer Anzahl Offiziere das Band des Freiheitskreuzes. OeKerreilh-Unulirn und Finnland. Wien, 1. Juni. (WB.) Der österreichisch-irngarische und finnische wirtschaftliche Zusatzvertrag zum Friedens- Verträge enthält im wesentlichen analoge Bestimmungen wie die mit der Ukraine, Rußland und Rumänien abgeschlossenen Zusatzverträge. Der Zusatzvertrag basiert auf der Meistbegünstigung. Er soll zwei Wochen nach dem Austausch der Ratifikationsurkunden in Wirksamkeit treten und bis zur Inkraftsetzung des neuen Handels- und Schiffahrtsvertrages in Geltung bleiben, doch steht den Vertragschließenden frei, den Zusatzvertrag von 1919 an mit einer sechsmonatigen Frist zu kündigen. plWand und Frankreich. Moskau, 28. Mai. (WB.) Meldung der Petersburger Telegraphenagentur. Im Namen der russischen Regierung ließ der Volksbeauftragte für die auswärtigen Angelegen- heiten Tschitscherin der französischen Regierung folgende Mitteilung zugehen: „Die Erklärrmgen des französischen Botschafters N o u l e n s in den schweren Togen, die das russische Volk jetzt durchlebt, können nicht zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Frankreich rmd Rußland beitragen und nicht geduldet werden. Die Sowjetregierung gibt der festen Ueberzeugung Ausdruck, daß Noulens sofort abbs- rufen wird." ffine Kedrahnng pnstlands. Moskau, 1. Juni. (WB.) „Noinaja Schisu" schreibt über ein neues Abkommen zwischen Japan und China zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen Deuffchland auf rus- sischem Gebiet, das als ein Versuch gewisser Kreise in London und Washington aufgefaßt werden könnte, die Ereignisse im fernen Osten zu forcieren. Das Abkommen werde in Moskau als eine Bedrohung Rußlands angesehen. Amerika. Washington, 1. Juni. (WB.) Reuter. Das Repräsentantenhaus hat einen Kredit von 12 Milliarden 42 Millionen Dollars bewilligt und den Präsidenten ermächtigt, alle Männer, die ausgebildet und ausgerüstet werden können zum Militärdienst heranzuziehen. Die Bill geht jetzt an den Senat. s Die amerikanische „Freiheit". Von durchaus zuverlässiger Seite wird uns geschrieben! In der Schweiz wurde einer jungen Amerikanerin seitens des Vertreters der amerikanischen Regierung die Erneuerung des Passes verweigert, weil sie das „schwere Vergehen" begangen hatte, mit einem Herrn aus dem Gefolge des als Deutschenfreund vertriebenen Königs von Griechenland Tennis zu spielen! Da glücklicherweise die Macht des Dik- tators Wilson und seiner Liktoren noch nicht bis zur freien Schweiz reicht, ist die junge Dame zu ihrem Heil wahrscheinlich vor einer schweren Gefängnisstrafe wegen „Verkehrs mit dem Feind" bewahrt geblieben. Immerhin hat der Vertreter Amerikas in diesem neutralen Lande getan, lvas er tun konnte, um seiner Patriotenpflickff zu genügen und seiner Landsmännin einen Denkzettel zu verabreichen. Er hat nämlich obendrein der Mutter der jungen Dame nach Amerika eine photographische Aufnahme ihrer im Kreise der Griechen Tennis spielenden Tochter mit entsprechender Randbemerkung zugesandt in der Hoffnung, daß von seiten der Mutter gegen die verirrte Tochter eingeschritten werde! Der „unglücklichen" Mutter ist zu wünschen, daß sie nicht an Stelle der unerreichbaren Tochter einem amerikanischen Gericht in die Hände fällt! Der Klnleriprnch für die (OIHrh. Königsberg i Pr., 31. Mai. Für die Vaterländische Gedenkhalle in Lötzen hat der Kaiser folgenden handschriftlichen Ausspruch gestiftet: „Die deutsche Ostmark soll und muß gesichert werden. Mai 1918. Wilhelm I. R. Kenn Zchndenilinns Inlainmenarbeit mit dem Feinde. Wir erhalten folgende Zuschrift, die wir mit einigen Kürzungen wiedergeben, um zu zeigen, welchen Eindruck die Umtriebe des Abg. Scheidemann bei uns im Lande Hervorrufen: „Die Mittelmächte haben mit der Regierung der sogen. „Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik" zwar einen Vertrag geschlossen. wonach Mischen Berlin. Wien und Moskau künftig Friede und Freundschaft Herr- schon solle. Wer aber aus den Blättern die Vorgänge in Moskau und auf der Berliner russischen Botschaft mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt, wird über die unvermindert feindselige Gesinnung der Herren Bolschewiki und ihres Berliner Beauftragten keinen Zweifel hegen. Infolgedessen charakterisiert sich auch die andauernde Eooeration des Führers der deutschen Sozialdemokratie mit Herrn Joffe als eine vollkommen planmäßige Zusammenarbeit des Abg. Scheidemann mit dem Feinde; gerichtet gegen das eigene Volk und dessen höchste nationale Interessen. Der Abg. Scheidemann betätigte die gleiche Intimität bereits mit Herrn Sewrjuk, dem vormaligen Berliner Vertreter der alten sozialistischen Kiewer Rada, der hier gegen unsere wie gegen seine eigene Negierung intrigierte und dem Abg. Scheidemann das Material zu dessen Vorstoß gegen die Oberste Heeresleitung und den Grafen Hertling lieferte, weil durch diese der Sturz der alten Regierung erbeige- führt worden sei. Auch der neuliche Kiewer ^ rief des „Vorwärts" mit seinen Einzelheiten über die Tätigkeit der neuen ukrainischen Regierung dürfte von dem tüchtigen Herrn Sewrjuk, dem Anhänger der alten Negierung, dem „Vorwärts" geliefert worden sein. Außerdem ist neulich aus Kiew berichtet worden, daß gelegentlich der Haussuchung bei einem verhafteten ukrainischen Minister ein Telegramm an Herrn Sewjruk gefunden wurde, in dem der frühere ukrainische Ministerpräsident den Gesandten ersucht, bei der deutschen Negierung wegen des Eingreifens Eichhorns in ukrainische Angelegenheiten Protest zu erheben, Schutz bei dm deutschen Sozialdemokraten zu suchen und die Abberufung des Generals v. Eichhorn zu verlangen. Es mag bei uns immer noch rückständige Leute geben, die in diesem Treiben nichts anderes als qualifizierten Landesverrat sehen; zum mindesten die „ehrliche" Absicht zu solchem, wenn er sich juristisch auch schwer fassen läßt und zum Teil auch wohlweislich unter dem Schutze der Immunität verübt wird. Aber was hinsichtlich der Ukraine noch unter den neuen Begriff des parlamentarischen oder parteipolitischen, jedenfalls „tolerabeln" Landesverrats fallen mochte, das hört auf, tolerabel zu sein, sobald es sich um die Sicherheit unserer eigenen, künftigen Nordostgrenze, um die baltischen Provinzen handelt, die im Osten für den Kriegsausgang von ähnlicher, lebenswichtiger Bedeutung sind, wie im Westen die flandrischen Küstengebiete. Und wenn die Zusammenarbeit des Abg. Scheidemann mit dem Feinde auch hier den ungestörten Fortgang nimmt, wie bisher; wenn keine der verantwortlichen Stellen die deutschen, sozialdemokratischen Führer daran zu hindern wagt, daß sie die Geschäfte ihrer bolschewistischen Gesinnungsgenossen betreiben, — Geschäfte, die darauf hinauslaufen, die Angliederung der zu uns gehörigen und zu uns hin- strebenden Baltenländer an das Deutsche Reich durch Winkelzüge und illoyale Vertragsauslegung auf jede Weise zu Hintertreiben, dann wird es Zeit, daß der „Arbeiterführer" Scheidemann vor dem ganzen Lande und den eigenen Wählern gebrandmarkt und an den Pranger gestellt wird. Denn es kostet letzten Endes neue Ströme von Arbeiterblut, wenn dem Abg. Scheidemann das gelingt, was er neuerdings in dem heißen Bemühen, die Heimat zu schädigen, mit dem Bot- ^cbafter Joffe ausgeheckt hat: der Verbleib der baltischen Küste bei Rußland hat die dortige Festsetzung der Engländer zur sofortigen Folge, die dann den neuen, noch blutigeren Krieg um so aussichtsreicher vorbereiten können. Wenn Herr Scheidemann so die „Vertretung der Arbeiter- interessen" versteht, so wird man ihn (wenn ihm nicht anders das Handwerk gelegt wird) im Lande wißen lassen, daß man darin nichts anderes sieht, als den Verrat der Arbeiterschaft und des Landes, daß sie mit den schwersten Opfern verteidigt haben." — Ein Provinzial-Kriegerdenkmal? Wir haben in unserer letzten Nummer einen Aufsatz ge- bracht, des Herrn Pfarrers Rühl, der sich in bitteren Worten gegen ein Provinzial-Kriegerdenkmal insbesondere und gegen die Denkmalswut überhaupt richtet. So sehr wir den Gedankengang unseres hochverehrten Mitarbeiters würdigen und begreifen können, so meinen wir doch, er hätte über das Ziel hinaus geschossen. Es sind, uns inzwischen Aufklärungen über das Schottener Denkmal zugegangen, die den Plan doch in einem anderen und helleren Licht erblicken lassen. Vor allem soll es sich bei dem Denkmal, das auf dem Wartberg bei Schotten errichtet werden soll, nicht um ein Denkmal in F^ld-, Wald- und Wiescnstil handeln, es soll auch keineswegs schon jetzt ein Siegesdenkmal errichtet und damit dem Schicksal schon vorausaegriffen werden. Nein! es soll sich um ein Mal handeln, auf den: die Namen aller im Kriege für das Vaterland gefallenen Oberhesien für ewige Zeiten eingemeiselt stehen. Derjenige von dem der Gedanken ausgegangen ist, hat das »roßte Blntopfer gebracht, das ein Vater bringen kann, )hm liegt es wahrlich fern, ein Stein zu errichten, an dem später rauschende Feste beim schäumenden Bier gefeiert werden sollten. Ihm lag einzig am Herzen, den gefallenen Helden ein schlichtes Mal auf freier Vergeshöh im Schatten des deutschen Waldes zu errichten. Gewiß sollen unsere Gefallenen in erster Linie dadurch geehrt werden, daß für ihre Hinterbliebenen Sorge getragen, und ihnen einigermaßen Ersatz für den verlorenen Ernährer geboten wird. Aber man kann das eine tun und braucht das andere nicht zu lassen. Helfen wir alle mit, daß den Hinterbliebenen unserer Hel-, den eine sichere Zukunft, fern von Sorgen geboten werde — jetzt z. B. ist schon bei der Ludendorsf-Spende Gelegenheit dazu! — aber das soll uns nicht abhalten, auch der gefallenen Voterlandskämpfer in schlichter Weise zu gedenken, dadurch, daß wir ihre Namen verewigen. Wie dereinst die Lakedämonier dem Andenken ihrer Sohne bei den Th er- mopylen einen Stein geweiht hatten, der dem Wanderer die Namen der Gefallenen verkündet hat, so soll das Denkmal auf dem Wartberg späteren Geschlechtern die Namen derer nennen, die in dem großen Kampf um des deutschen Reiches Sein ihr blühendes Leben lassen mußten. Daß damit.nicht bis zum Ende des Krieges gewartet wurde, hat zweierlei Ursachen. Erstens bedarf es dazu längerer Vorbereitungen. Auch die H e l d e n h a i n e, gegen die doch der verehrte Herr Einsender gewiß nichts ein- znwenden hat, werden schon jetzt angelegt und sollen späteren Geschlechtern zum Andenken an die schwere Zeit des Krieges dienen. Und zweitens wissen wir, daß gegenwärtig die Opferfreudigkeit heute mehr vorhanden ist, als später nach dem Kriege. Also der Gedenkstein bei Schotten soll nichts gemein haben mit Denkmalswut oder gar voreiligem Siegestraum, er will das Gedächtnis der Braven ehren, die ihr Leben für uns alle gelassen haben. Wir meinen, das ist ein Werk, zu dem fick alle Oberhessen in ernstem Streben die Hand reichen sollten. Ans der Hermtt. Pferdeversteigerung. Dienstag, den 4. Juni, von vor- ' mittags 10% Uhr ab kommmen aus dem Hofe des Jagdschlosses Kranichstein 50 Stück über 2 Jahre alte holländische ! Fohlen zur Versteigerung. An der Versteigerung können nur hessische Landwirte teilrrehmen, die sich durch Bürgermeistereibescheinigung als solche ausweisen können und zu Gespannzwecken noch dringend Zugtiere bedürfen. Die Versteigerung erfolgt gegen Barzahlung. Die näheren Verkaufsbedingungen werden vor Beginn der Versteigerung bekannt gegeben. D. VII. Kriegsanleihe. Die Stücke zu der 7. Kriegsanleihe sind jetzt sämtlich erschienen und können bei den Zeichnungsstellen abgeholt werden. Das Seenbachtal im Kreise Schotten. Ein schönes Tal, aber auch ein stilles abgestorbenes Tal ist es, durch das sich der Seen-Bach vom Oberseenerhof hinab nach dem Dorfe Freienseen hinschlängelt. Vier Dörfer lagen einst in diesem Tal, Oberseen, Baumkirchen. Kreuzenseen (Kreuzseen) und Mittelseen. Sie sind verschwunden, eingegangen, ihre Felder zum großen Teil zu Wald geworden. Drei nahe bei den Dörfern gelegene Mühlen, die Baumkircher-, die Streb- katz- und die Sack- (jetzt Löbsack)-Mühle blieben erhalten, Oberseen wurde ein Gutshof. Unterhalb der Sackmühle liegt noch eine alte Schlagmühle und zwischen ihr und der Dorfmühle bei Freienfeen steht noch die Glashütte, wo einst Glas geschmolzen ward. Die kleinen Häuschen, die bei dieser Hütte standen, sind auch verschwunden. Tie Plätze, da die Kapelle zu Kreuzseen und die Kirche zu Baumkirchen standen, kann man noch deutlich erkennen, der Baumkirchner Friedhof um das Kirchlein, von alten Buchen bestanden, ist noch scharf umgrenzt. Die letzten Sandsteine dieser Kirche nahm man vor etlichen Jahrzehnten zum nahen Straßen- bau, die letzten Steinplatten und andere Reste aus der Kreuzseener Kapelle wurden anfangs der 80er Jahre nach Laubach ins Gräslicke Museum verbracht. „Am Lackhaus", das an der alten Straße, die von Baumkirchen nach Laubach mitten durch die Wiesen zog, mußte noch lange Jahre nach dem Untergang der Dörfer der Laubacher Pfarrer alljährlich einmal predigen. So erzählte uns ein alter Mann und er gab noch folgendes zum Besten: Laubach war ftüher blos ein Raubschloß, war noch kein Dorf und keine Stadt. Da soll ein Raubgraf einen Äann gedungen haben, der in einer dunklen Nacht, die vier Orte der Reihe nach ansteckte. Als er schließlich auch das zu unterst gelegene Dorf Freienseen in Brand stecken wollte, kam der Tag über ihn und das weiße Hündchen, das er mit sich führte, verriet ihn. 'Freienseen blieb erhalten. Die Bewohner der eingeäscherten Orte aber siedelte der Graf zu Laubach an, ihr früherer Besitz siel in des Grasen Hand, und ein Graf Hans Jörg leitete den Seenbach von Baumkirchen unterhalb der dortigen Mühle (auch Heresmühle genannt) durch einen Graben der heute noch zu sehen und zu verfolgen ist, ab nach Lau- kach zu. Das setzte bei den talabwärts gelegenen Müllern böses Blut. Sie wehrten sich und zuletzt ging der Dorf- rnüller auf Schusters Rappen nach Darmstadt oder gar Berlin, um sein Recht m suchen. Bei seiner Ankunft trat er den Grafen, der ihm auf die Achtel klopfend sagte: ' „Geht wieder heim, und wenn ihr heimkommt, soll Eure Mühle wieder laufen." Und so geschah es. der Bach hat Zeinen glten Lauf behalten. Ein Teil der Wiesen in der alten Gemarkung Baumkirchen aber ist heute noch Eigentum der Nachfahren der nach Lauboch verpflanzten Bewohner der sogenannten Sankt Blasiusgesellschäst daselbst. So erzählte uns der Mann und fügte hinzu, das Dorf Ruthartshain beim Jägerhaus im zweiten Tal von hier wurde selbigmal in jener Nacht ebenfalls abgebrannt, auch es ist vom Erboden verschwunden und wo sein Kirchlein stand, das weiß man heute noch. Wie singt doch der Dichter? Wo sind sie, deren Lied aus deinem Schoß, O Kirchlein, einst zu Gott emporgeflogen? Vergessend all ihr trübes Erbenlos? Wo sind sie? Ihrem Liede nachgezogen! Fürwahr, welch Leben hat sich einst dort abgespielt, wie still ist cs geworden. Eine kurze geschichtliche Schilderung des Seenbachtales, seiner Dörfer und Bewohner aber von kundiger Hand, wäre sicherlich eine wertvolle und dankbare Aufgabe. FC. Schotten, 31. Mai. Bürgermeister Schleunig in Altenhain hat wegen Erkrankung das Amt als Bürgermeister rriedecgelegt, Der Beigeordnete Diering ist mit der; Fuhrrmg der Bürgermeistereigeschäfte beauftragt worden. — In sämtlichen Gemeinden des Kreises sollen demnächst Stichproben vorgenommen werden, ob die Hühnerhalter dis Hühnerbestände richtig angemeldet haben. Aus Starkenburg. RMK. Darmstadt. 100 000 Mark verspielt. Eine recht eigentümliche Auffassung über seine Rechte scheint der Teilhaber eines hiesigen Geschäftes zu besitzen, der gemeinsam mit einem anderen vermögenden jungen Mann ein hiesiges Geschäft, das auch für die Stadt und das Militär größere Lieferungen hat, käuflich erwarb,»und ohne selbst Vermögen zu besitzen, die Buchführung und einen Teil der geschäftlichen Arbeiten übernahm. Nach kaum einviertel- jährigem Bestehen, erhielt der andere Teilhaber von seinem Bankhause die Mitteilung, daß der Bankkredit von etwa 40.000 Mark bedeutend überschritten sei. Die weiteren Ermittelungen ergaben, daß der aus Frankfurt stammende Teilhaber das Bankkonto glatt abgehoben, eine Reihe größerer Posten einkassiert und nicht abgeliefert hat, sodaß nach bisherigen Feststellungen ein Betrag von etwa 100.000 Mark fehlt, über den der Ungetreue keine Auskunft geben kann. Die Bücher enthalten keinerlei Eintragungen. Das Firmenregister meldet, daß dieser Teilhaber jetzt auS der Firma ausgefchi^den ist. Man muß über die Leichtgläubigkeit des anderen Teilhabers staunen, der einfach auf Grund einer guten Auskunft, dem Anderen volles Vertrauen schenkte bis er plötzlich aus seiner Duselei aufgeweckt wurde. Der saubere Geschäftsgenosse aber, der angibt, datz Geld verspielt zu haben, lebt jetzt fidel von dem Ertrag seiner Darmstädter Tätigkeit in Frankfurt a. M. UNK'. Darmstadt, 31. Mai. Das Großherzogliche Paar hatte für Donnerstag Nachmittag im Neuen Po laisgarten über 100 Verwundete und Rekonvaleszenten aus Hessen, die in den hiesigen Lazaretten gepftegt werden zu Kaffee, Tee, Gebäck eingeladen und unterhielten sich die hohen Herrschaften bei hübschem Militärkonzert auf das liebenswür- digste mit ihren tapferen Gästen. — Das aus einem russischen Blatte, das unter deutscher Vorzensur erscheint aufgetauchte Gerücht, wo nach einer Meldung aus Kiew zufolge der Großherzog von Hessen zum Generalgouverneur aller von Deutschland noch besetzten Gebiete im Osten, die ehemals zu Rußland gehörten, ernannt werden solle, bestätigt sich nach Erkundigungen an maßgebender Stelle bis jetzt nicht. Die Nachricht klingt auch aus den verschiedensten Gründen sehr unwahrscheinlich. Darmstadt. Fünf Treibriemendreh- welche in der Sylvesternacht ans dem Anwesen der Firma Nungesser in Griesheim fünf Treibriemen stahlen,in Stücke schnitten, und verkauften, hatten sich heute vor der Sttafkammer zu verantworten. Sie waren im Allgemeinen geständig bis aus den etwa 30 Jahre alten vorbestraften Schlosser Jakob Sanderbeck von hier, der schon vielfach vorbestraft und von verschiedenen ärztlichen Sachverständigen als geistig minder- werttg, als geistig gestört beurteilt wurde, während Ander/ ihn für die Taten verantwortlich halten. Das Gericht nahm auch heute seine geistige Minderwerttgkeit an, was ihn vor dem Zuchthaus bewahrte und erhielt er eine Gefängnisstrafe von 5 Jahren und 1 Monat, der 23 Jahre alte Arbeiter Aug. Hansel von hier 3 Jahre Gefängnis, der Schlosser H Massing aus Griesheim zwei Jahre, der Schreiner Ad Helsman aus Griesheim 1 Jahr 3 Monate, der Heizer Phil. Schwarz aus Griesheim zu 6 Monate und die Ilona Kuhn, welche Wache stand 9 Monate Gefängnis, auch tritt entsprechender Ehrenverlust ein. Der Althändler Muhry, ein Oesterreicher, der seit einiger Zeit hier ansässig ist, hat die Riemen angekanft und wird wegen gewerbsmäßiger Hehlerei zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus verurteilt, er ist wegen Hehlerei von Treibriemen kurz vorher auch bestraft worden. FC. Von der Bergstraße, 31. Mai. Die Obstbäum? geben hier nur ein geringes Erttägnis, während die Weinberge einen noch größeren Ertrag als 1917 versprechen. Aus Rhcinhesscn. RMK. Mainz, 31. Mai. Die Landtagswahl fiir den 7. rheinischen Wahlkreis Gonsenheim—Nieder-Olm, die für den zurückgetretenen Abgeordneten MoltI im Zeichen des Burgfriedens stattfand, ergab für den Kandidaten der Zen- trumspartei einstimmige Wahl und gilt Herr Lehrer Jos. Schorn-Mainz als gewählt. Aus Hksscn.Nassau. FC. Geisenheim, 31. Mai. Heute früh gegen vier Uhr war in dem Oekonomiegebäude deL Zwirleinerhofes Groß- teuer ausgebrochen, das dieses und das Kelterhaus in Asche legte. Die in dem Oekonomiegebäude wohnende Familie des Schreiners Thum rettete sich mit knapper Not aus den Flammen. Thum verlor durch den Brand sein ganzes Hab und Gut, er war nicht versichert. FC. Aus dem Kreise Wetzlar, 31. Mai. 19 Landwirte in 12 Orten des hiesigen Kreises wurden gerichtlich mit Geldstrafen von 1000 Mark bis 50 Mark, ingesamt mit 3430 Mark, besttaft wegen Verheimlichung von Vrotgetteide. Ueberschreitung der Höchstpreise, Verweigerung der Butterabgabe, heimlichen Schlachtungen usw. An der Spitze marschiert der Landwirt Wilhelm Petty aus Reiskirchen, der wegen Beiseiteschaffung von beschlagnahmtem Roggen. Weizen, Gerste, Hafer, Erbsen und Rapssamen 900 Mark Geldstrafe und wegen Verfütterns von Vrotgetteide eine solche von 100 Mark erhielt. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r s ch e l , Friedberg; für den Anzeigenteil: R. H e y n e r. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung* A- Friedberg i K, Wem nie üiirdj Liebe Leid geschah. Roman von CourthS -Mahler. 23) Nachdruck verboten. „Ich wünsche, Herr von Frankenau, daß Sie diese Begegnung überhaupt verheimlichen und vergessen. Auf der Reise hierher standen wir uns auf neutralem Boden gegenüber, als ztvei Menschen, die sich nur flüchtig zu begegnen meinten und eine langweilige Stunde mit einander verplauderten. Hier in Birkenheim stehe ich außerhalb Ihrer Gesellschaftskreise und entbinde Sie von jeder Rücksichtsnah me auf mtfeffe Begegnung." Er sah sie seltsam an. „Sie scheinen mich mißzuverstehen, mein gnädiges Fräulein. Es war mir ein Vorzug. Ihnen begegnet zu sein, und ich hätte annehmen dürfen, daß Ihnen das nicht unangenehm war. Ihr Wunsch ist mir natürlich maßgebend Aber darf ich mir erlauben, Sie zu fragen, weshalb Sie mir heute so schroff und abweijend gegenüber stehen? Habe ich mir durch irgend etwas Ihren Zorn zugezogen? Sie würdigten mich gestern eines liebenswürdigeren Tones." Ihre Augen blitzten auf wie im verhaltenen, schmerzlichen Zorn. „Vielleicht hätte ich es nicht tun sollen. Aber ich konnte natürlich nicht ahnen, daß wir uns nach dieser gemeinsamen Reise je wieder begegnen würden." Seine Augen forschten unruhig in ihrem abweisenden Gesicht. „Das scheint Ihnen leider sehr unangenehm zu sein." Sie sah ihn fast spöttisch an. „Ihnen doch gewiß auch. Ich kann nur nicht denken, önß es Ihnen sonderlich angnehm sein würde, wenn Sie nüch Ihrer Frau Gemahlin oder Ihrem Fräulein Braut, die Sie gestern am Bahnhof erwartete, als Ihre Reisegefährtin vorstellen müßten, mit der sie sich außerordentlich angeregt unterhalten haben." Bei ihren Worten blitzte es in seinen Augen auf wie dämmerndes Verstehen. Also das war es, was sie heute so schroff und abweisend erscheinen ließ! Sie hatte Ursula für seine Gattin oder für seine Braut gehalten. Es war seltsam ober diese Erkenntnis verursachte ihm ein freudiges Gefühl. Er atmete tief auf und legte seine Hand auf den Hals seines Pferdes. Streichelnd frchr er darüber hin — und lächelte. „Ach, nun weiß ich wenigstens, was mich bei U>nen so bodenlos in Ungnade fallen ließ. Sie sehen in mir eineu leichtsinnigen Gatten oder Bräutigam, der huldigend in KeKaiintmachnng. Nächsten Dienstag, den 4. Juni, verteilen wir in der alten Post frische Land-Eier. Zeiteinteilung wie bei der Butteroerteilung. Es werden abgegeben: Auf Eiertarte gelb, Marke 26, 1 Ei zu 28 Pfg., auf abgestempelt rote Eierlatten, Marke 27, 1 E. zu 28 Pfg. und gegen Borlag der krrisamtlichen Bescheinigungen auf adgeftempeite wie Eier karten, Marke 29. 1 Ei zu 28 Pfg. Die Eierkarlen sind mit vorzulegen. Nicht abgestempelte rot Eierkarten sind ungültig. Eierkasten ohne die betreffenden Markei berechtigen nicht zum Bezug; einzeln abgetrennle Marken sin wenlos. Friedberg. den U Juni 1913. Der stellvertretende Bürgermeister. (Stadt. Lebensmittel-AusschuK) __ I. A: Langsdorf. Wegen des Berbandstages Hessischer Sparkassen bleibt unsere Kasse Donnerstag den 6. Juni geschlossen. WrksHMW MathjldrnW Friedberg. Pferile-Markt Frankfurt < ?Sr»inK auf dem Gelände gegenüber dem Ostbahnhof (Empfangsgebäude) Mittwoch, den 5. Juni 19.8. WA 2 Zuchtfchafe ttr..'rZuchilammeru,auch einzeln abzugeben. Martin Graulich. Säbel. 2 Schafböcke -ur Zucht hat abzugeben ßfl. Sdjmiilt, Wölfersheim. BlMS Mcheil gesucht. Frau Kögler. Tapetenhaus, __ Friedberg. MideMbe in allen Größen liefert Hans Brusch, Frankfurt a. 0.148. Rechnungen in allen Formaten liefert ichnell »no billig pme „-agesreitrnrg» A.'G. andere schone Frauenaugen blickte, wenn bkt Gattin oder Braut abwesend ist. Sie nehmen a», daß ich mich ein wenig als Schwerenöter aufspielen will. Damit haben Sie mir unrecht getan, und Sie dürfen mir das gern abbitten. Ich bin weder verlobt noch verheiratet. Mein Herz war, als ich gestern den Zug bestiegen, dem Sie sich befanden, vollkommen frei. Ob das jetzt noch der Fall ist — danach wage ich mich selbst nicht zu fragen." Seine letzten Worte klangen sehr leise; aber Christa vernahm sie doch. Und ein dunkles Rot stieg in ihr Gesicht. „So befand ich mich in einem Irrtum. Ich hielt die junge Dame, die Sie begrüßte, für Ihre Frau oder Ihre Braut." „Nein, das war meine Schwester, mein gnädiges Fräulein. Hat sich damit Ihre Meinung über mich ein wenig verbessert?" Ihr Antlitz verlor den kalten abweisenden Ausdruck. Sie lächelte, und dies Lächeln trieb Hans Ullrich das Blut sehr unruhig durch die Adern. „Ich gestehe ein. daß ich Ihnen Unrecht tat, Herr von Frankenau — und — es freut mich, daß ich mich irrte. Aber nun lassen Sie uns, bitte, diese Unterredung beenden, und ich bitte Sie, zu vergessen, daß wir uns gestern für kurze Zeit als gleichstehende Menschen betrachteten. Ich befinde mich hier in einer Stellung, die einen gleichberechtig- tigten Verkehr zwischen uns ausschließt. Deshalb ist es besser, wir datieren unsere Bekanntschaft erst seit heute, seit mich Ihnen Herr von Birkenheim als seine Sekretärin vorstellte." Er sah ihr mit einem Blick in die Augen, der ihr Herz höher schlagen ließ. „Sie weisen mich kurzerhand in die Schranken zurück, die ich — zu meinem tiefen Bedauern — respektieren muß. Glauben Sie mir, mein gnädiges Fräulein, daß ich sehr schmerzlich bewegt resigniere. Ich würde viel — sehr viel darum geben, wenn Sie eine Standesgenossin von mir wären und nicht das bürgerliche Fräulein Hellmut. Als solche stehen Sie mir unerreichbar fern, denn dem Majorats- Herrn von Frankenau sind für seine Wünsche einige Grenzen gesteckt worden. Vielleicht gönnt mir das Schicksal nicht wieder den Vorzug, Ihnen ohne Zeugen gegenüber zu stehen. Deshalb benutzte ich kühn diese Gelegenheit, um zwischen Ihnen und mir eine klare Lage zu schaffen. Ich möchte von Ihnen — gerade von Ihnen — um keinen Preis verkannt sein. Lassen Sie mich aussprechen, daß ich das Empfinden habe, als müsse es wunderschön sein. Sie für das ganze Leben als Reisegefährtin zu haben. Dies Bewußtsein kam mir gestern schon. Und als ich Sie in einem Birken- Gelmer Wagen an mir vorüberfahren sah, da erwcuhfte ein freudiges Hoffen in mir. Ich hielt Sie für einen Gast der Baronin Haßbach und ihrer Tochter — und glaubte. Sie seien eine Standesgenossin. Mit welchen Gefühlen ich heute hierher kam. kann ich Ihnen nicht beschreiben, aber ich will Ihnen sagen, daß es mich schmerzte, zu erfahren, daß Sie mir unerreichbar sind. Der Majoratsherr von Frankenau muß eine Frau heimführeu, die eine so große Ahnenzahl besitzt, als er selbst. Daß ich Ihnen das sage — soll Sie vot meinen Wünschen schützen. mein gnädiges Fräulein. Ich will es mir selbst unmöglich machen, um ein Gefühl bei Ihnen zu werben, das Sie mir nicht schenken dürfen. Und ich sage Ihnen das alles noch aus einem anderen Grund. Ich werde gezwungen sein, mich eines Tages zu verheiraten^ imd lange darf ich diesen Termin nicht mehr hinausschiebew Sie dürfen dann versichert sein, daß ich kaum eine Lebensgefährtin finden werde, mit der ich so gern eine gemeinsame Lebensreise angetreten hätte als mit Ihnen. Bitte, halten Sie meine Worte nicht für leichtsinnig. Ich glaube, mir ist' in meinem ganzenLeben noch nicht so ernst gewesen wie heute Sie werden denken, daß ich nach so kurzer Bekanntschaft solck»e Behauptungen nicht aufstellen dürfe, aber oft entscheidet eine einzige Stunde über das Schicksal eines Menschen, und starke und tiefe Gefühle werden zuweilen int Augenblick geboren. Ich habe bisher dem Leben immer nur die leichte Seite abgewonneu — nun sieht es mich plötzlich mit sehr ernsten und trüben Augen an. Es wäre ja auch möglich gewesen, daß meine Gefühle hoffnungslos blieben, wenn Sie mir ebenbürtig gewesen wären. Aber ich hätte doch wenigstens um Ihre Liebe werben können. Dun kann ich es nicht tun — ich muß mich bescheiden — aber daschmerzt mich — schmerzt mich unsagbar." Die letzten Worte stieß er von seinem Gefühl überwältigt hervor. Christa hatte sichtlich bewegt seinen Worten gelauscht. Einigemale war es, als wollte sie ihn unterbrechen mit einem schnell hervorgestoßenen Wort. Sie preßte jedoch immer wieder die Lippen zusammen, als müsse sie dies Wort zurückhalten. Aber in ihren Augen leuchteten goldne Funken, und je länger er in diese Augen hinein sah, je heißet strömte das Blut burch seine Adern. Als er nun schwieg, sah sie ihn noch eine Welke schweigend an als wolle sie ihm bis ins innerste Herz blicket! Und dann erschien plötzlich ein Lächeln, ein süßes, wundervolles Lächeln auf ihrem Antlitz, das er hätte sortküssen mögen. Es lag eine reizende Schelmerei in ihren Angen und doch zugleich ein feuchter Schimmer. Fortsetzung folgt. .0« 08® 8 ♦♦ Drucksachen kann der Geschäftsmann auch während der Kriegszeit nicht ganz entbehren, wenn auch der Papiermangel und die Teuerung eine gewisse Einschränkung mit sich gebracht haben. Die Eeschäftsdrucksache ist und bleibt nun einmal für jeden Geschäftsbetrieb unentbehrlich, sei es. daß man sie braucht zur Uebermittlung geschäftlicher Angelegenheiten, oder zwecks Regelung von Ausständen usw. Wie kein Geschäft seinen Vertreter oder Reisenden in schäbigem Gewände zum Besuche seiner Kundschaft hinausgehen läßt, so sollte es auch darauf bedacht sein, daß die von ihm verbrauchten Drucksachen die es ja doch auch bei dem Empfänger derselben vertreten sollen, ein einwandfreies Aussehen haben. Auch familiäre Mitteilungen jeder Art lassen in ihrer äußeren Aufmachung einen Schluß auf die Persönlichkeit des Absenders zu. Wir empfehlen uns zur Anfertigung von Drucksachen jeder Art in sauberer und geschmackvoller Ausführung und sichern schnellste Lieferung und billigste Berechnung zu. Bei eintretendem Bedarf bitten wir Muster und Preisberechnung von uns einzufordern. Neue Tageszeitung Druckerei und Verlag A.-G. ,h„„^ Friedberg i. H. -■■■■' Bekanntmachung betreffend: Kontrolle von Wehrpflichtige,» Zwecks Durchführung der rest. lofen Kontrolle aller im wehrpflichtigen Alter stehenden Personen ist angeordnet worden, daß alle diejenigen Leute, die: a) zu Zuchthausstrafe verurteilt, d) durch Straferkenntnis aus dein Heere oder der Marine entfernt und c) mit Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf bestimmte Zeit bestraft waren, soweit sie sich noch im wehrpflichtigen Alter befinden, der militärischen Kontrolle und den Bestimmungen für die Landsturm- pflichtigen unterworfen sind. Ich fordere deshalb alle in Frage kommenden, nach dem 2. August 1869 geborenen Wehrpflichtigen, soweit sie in Friedberg wohnen, aus. sich sofort und spätestens bis zum 8. Juni ds. IS. im hiesigen Stadthauie, Zimmer Nr. 10. ll. Stock zur Landsturmrolle anzumelden. Unterlassene Anmeldung wird nach de« Kriegsgesetzen bestraft. Friedberg, den 1. Juni 1918. Der Bürgermeister 2. V.: Damm. 2 Gabelwender 4 Rechen in bestem Zustande preiswert Wilhelm Häuser, Friedberg, Telefon 76. Chlorkali empfiehlt PH.Dau.Kiimmich Friedberg. 12 Gänse 7 Wochen alt. abzugeben. Nähere» Wirtschaft Hch. Musch, Nieder-Florstadt.