Uummer 126 " Zamsrag. den 1. Juni 1918 11. Jahrgang. ure Tageszeit Die .1 eue Tageszeitung" erichemt leden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Hauer aus Hessen". „Die Spinnssube". He?ugspreis: Lei den Postanstalten vlerleliährUch Akk. 2.49 hinzu tritt noch das Bestellgeld; >'ei den Aaenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anxeigen: GrunlneUe 2b Psg., lokale 20 Psg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben. E>iullunasorl Friedberg. Hchriftleituna und Derlag -yriebbecq shessen». ^ananeräraye 12. Ferniprech-r 43. PoitjHeck-Tonto Nr. 1859. U nt Frantsurt a. M. .■ Die Marne erreicht. Gute Fortschrittc vonUoqon bis Reims. — 45 000 Gefangene, 460 Geschütze «. unermeßliche sonstige Deute. Der deutsche Generalftab == meldet: W. T. Trotzes Daaptqaartier, den 31. Mai. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Artilleriekämpfe wechselnder Stärke. Kleinere Juso nteriegesechte. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Dem von der Ailette-Front südlich der Oise weichenden Feinde stießen wir über die Oise und Ailette scharf nach und gewannen die Linie Bretigny—St. Paul—Trosly Loire. Nördlicb der Aisne warfen wir in stetem Kampf den Feind über Bieury—Chavigny zurück. Südlich vcn Soissons führte der Franzose Kavallerie und Infanterie zu heftigen Gegenangriffen vor. Er wurde von unserem Feuer vernichtend gefaßt und geschlagen. Wir haben die Straße Soissons—Hartenaes überschritten. Tie in der Richtung auf Fere-en-Tardenois von Südwesten über die Marne und von Südosten her herangeführten französischen Divisionen vermochten trotz ver* zweifelter Gegenangriffe nirgends unseren vorwärtsdringenden Korps erfolgreichen Widerstand zu leisten. Rückwärtige Stellungen des Feindes bei Arcy und Grand Rozoy wurden durchstoßen. Südlich von Fere-en-Tardenois haben wir die Marne erreicht. Die Höhen bei Champvoisy, St. Gemme und Romigny sind in unserm Besitz. Auf dem Südufer der Vesle westlich von Reims wurden Germigny. Gueux und Thillois genommen. Gefangenenzahl und Beute sind ständig im Wachsen. Mehr als 45 660 Gefangene, weit über 400 Geschütze, Tausende von Maschinengewehren. Der Erste 8eneralquartierme'st?r: Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 31. Mai. abends. (WB. Amtlich.) An der Front von Noyon bis westlich von Reims ist unser Angriff in gutem Fortschreiten. Der österreichische Generalftab ■■ meldet: Wien, 31. Mai. (WB.) Amtlich wird verlantbart: Die Kampftätigkeit im Tonale-Gebiet beschränkte sich gestern auf zeitweises Artilleriefeuer. Ein Angriff östlich Capo Sile wurde abgewiesen. Der Chef des Genrralftabes. Il Der bulgarische Gcneralstab meldet: =_ Sofia, 29. Mai. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Mazedonische Front: Westlich des Ochrida-Sees erfolgreiche Patrouillengefechte. Oestlich der Cerna, bei Tar- novo, südlich des Drobopolje und in der Moglena Gegend nahm die beiderseitige Feuertätigkeit zu. Die lebhafte Tätigkeit der feindlichen Artillerie, die seit neun Tagen an der Front der Griechen südlich Huma, nördlich der Ljumnitza und von Altschak Mahle begonnen wurde, ist heute früh mit bemerkenswerter Heftigkeit wieder ausgenommen worden, ün ere Artillerie erwiderte lebhaft und beschoß mit Erfolg die Ansammlungen von Infanterie-Einheiten, die in den griechischen Gräben beobachtet wurden. Bei dem Dorfe Matschukovo östlich des Wardar hält beiderseits die heftige Artillerietätkgkeit an. Nach zweitägiger Artillerievorbereitung versuchte die englische Infanterie sich unserer Stellungen südlich von Doiran zu bemächtigen, sie wurde aber durch Gegenangriff, bei dem es zum Kampfe Mann gegen Mann kam, vollständig zurückgeschlagen. Feindliche Flieger warfen Bomben aus eines unserer Militärhospitäler. Das türkische Hauptquartier j meldet: —... , < Konstantinopel, 30. Mai. (WB.) Tagesbericht. Palästinafront: Nach starker Artillerievorbereitung griffen gestern abend mehrere englische Bataillone unsere Vorpostenlinien zwischen der Küste und westlich der Eisenbahn Jaffatul-Korn an. Ihre wiederholten Anstürme brachen blutig vor unseren Stellungen zusammen. Von einzelnen vorübergehend in Besitz gelangten Höhen im Vor- gelände wurde der Feind durch einen raschen Gegenstoß vertrieben. Unsere Vorpostenlinien blieben fest in unserer Hand. Unsere schweren Geschütze beschossen feindliche Lager und Marschkolonnen westlich des Jordans. Auf dem Ostjordanufer wiesen wir feindliche Aufklärungsabteilungen ab. am 27. Mai gegen Maan gerichtete Angriffe der Rebellen wurden wiederum sämtlich abgeschlagen. Das Rebellenlager in Wadi Hesa wurde erneut und wirksam von unseren Fliegern angegriffen. Von den übrigen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Die Tmrchsooimeldmrg. Berlin, 30. Mai. (WB. Amtlich.) Durch unsere Unter- seeboote wurden auf dem nördlichen Kriegsschauplatz neuerdings 9500 Bruttoregistertonnen feindlichen Handelsschisfs- raumes versenkt. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Die Schlacht im Westen. Drr deutsche Vormarsch. Die Division, die am Morgen des 27. den Vormarsch von Chamouille antrat, hatte drei breite Widerstandsgürtek zu überwinden. Am schwersten war der erste Anstieg auf den Potsdamer Platz bei Courtecon, an dessen Steilhängen der Franzose Maschinengewehre in Stellung hatte. Nach Gewinnung der hier breiten Hochfläche warf die Division den Feind über die weit zurückspringende Chivynase ins Aisnetal hinunter und drängte so scharf nach, daß es ihm nicht gelang, an den Aisnebrücken die dort vorbereiteten Sprengladungen zu entzünden. Eine Artilleriegegen- wirkung gab es nach dem verhältnismäßig leichten Aisne- Uebergang kaum mehr. 20 Geschütze, darunter eine 15- Zentimeter-Batterie, fielen in die Hand der Division. Der Rest der Artillerie raste mit verhängten Zügeln über die Aisneberge nach Süden. In diesen Aisnebergen, die sich kutissenartig in einander schieben, organisierte der Feind einen zweiten Widerstand. In dem am Abhang gelegenen Dorf Vieil Arcy enspann sich ein heftiger Häuserkampf. Mit der Eroberung des Torfes fielen bald die Aisnehöhen. Am Abend des ersten Kampftages wurde dort Dhuizel, 15 Kilometer von der Ansgangsstelle, erreicht. In der Nacht ging es weiter. Am Morgen des 28. war der Uebergang über die Beste erzwungen. Die Dörfer Courcelles und Lime wurden erobert. Bei Courecelles erbeutete man eine Ar- tilleriewerkstatt mit allem Zubehör. An den zwischen den Dörfern liegenden Höhen wurde gerastet und die Feldkück-en und Munitionswagen herangezogen. Abends nach 8 Uhr trat die Division zu einem neuen Angriff gegen frisch hineingeworfene Reserven an und warf sie zurück. Der Ouartierniacher der französischen Division wurde von unseren Spitzen in Cuirv-Nonsse gefangen. Am 29. morgens waren die Höhen von Bruys bis Quency erreichst und damit eine Strecke von 25 Kilometern in zwei Tagen kämpfend durchschritten. Im Verlaufe des 29. steigerte der Feind mit auf Autos herangeführten Batterien den Widerstand in der Gegend von Branges. Die Division warf ihn auch dorr. Die Marne erreicht! Der „Kreuzztg." wird von ihrem militärischen Mitarbeiter geschrieben: „Kämpfend nähern wir uns der Marne," meldete der Heeresbericht von gestern abend. Heute heißt es bereits: „Wir haben die Marne erreicht." Nach dreitägiger Schlacht ist also das Gebiet des von unserer Ausgangsfront des 27. Mai über 40 Kilometer entfernten Flusses erreicht, der im September 1914 eine weltgeschichtliche Rolle spielte. An der Marne gedachte 1914 Joffre den Deutschen eine Cannae zu bereiten. In glänzenden Kämpfen hatte die erste Armee unter Generaloberst v. Kluck in den letzten Augusttagen die Aisne und dis Straßen nach Paris erreicht. Die Franzosen hatten sich aber in schnellstem Rückzüge vom Feind gelöst und im Raum von Paris die Verbände neu geordnet und aufgefüllt. Am 6. September ging Joffre zum Angriff über mit dem Ziel, die erste Armee zu umfassen. Am Morgen des 9. September hatte die erste deutsche Armee die Umfassung vereitelt und die Armeen French und Maunory entscheidend geschlagen. Auf den Befehl der Obersten Heeresleitung trat Kluck, sich vom Feind unbemerkt lösend, den Rückzug an. Joffres Plan war vereitelt. Wiederum stehen wir an der Marne, aber die jetzige Lage ist wohl verschieden von der des Jahres 1914. Zweifellos klammern sich die, Franzosen wiederum an das Wort Marne, aber heute kann das deutsche Heer seine ganze Kraft dem westlichen Feind entgegenhalten und braucht sich nicht mehr zu zersplittern. Foch dagegen hat keine im Raum von Paris versammelte intakte Armee mehr zur Seite. Wir sind seinen geschlagenen Truppen hart auf den Fersen. Hindenburg und Ludendorff halten die feindliche Führung unter dem Bann der Initiative. Ankere Snflstreitliröfle ?n der Schlacht. Berlin, 31. Mai (WB.) An den großen Erfolgen der Schlacht am Chemin des Dames hatten unsere Luftstreitkräfte wiederum einen hervorragenden Anteil. Zn den Tagen, die dem Angrif vorausgingen, wurde die Truppenführung durch Meldungen der Erkundungsflugzeuge, die trotz des schlechten Wetters weit im feindlichem Gebiet aufklärten, ständig über die vermutliche Starke und die Maßnahmen des Gegners unterrichtet. Unsere Jagdstaffeln, denen die feindlichen Geschwader im allgemeinen auswichen, sicherten uns die völlige Ueberlegen- heit in der Luft. Eine feindliche Jagdstaffel von sechs Flugzeugen, die sich der Staffel des Leutnants Windisch zum Kampf stellte, wurde restlos vernichtet. Unsere Schlachtgeschwader griffen an allen Stellen der Angriffsftont in den Kampf ein und säten Tod und Verderben in die dichtgedrängt flüchtenden über die Verschiebungen der eigenen und der feindlichen Linie. Fesselballone, die der Infanterie auf dem Fuße folgten, hielten die Führung über die Bewegungen beim Feinde auf dem Laufenden. Wie in der Schlacht an der Some und in Flandern gingen auch bei diesem Angriff unsere Flakbatterien dicht hinter unserer Infanterie und bekämpften u. a. auch zahlreiche Ziele auf der Erde. » Die Bedrohung von Reims. Bern, 30. Mai. (WB.) Die Pariser Presse bespricht die weiteren Fortschritte in sachlicher Weise. Die Lage wird als ernst betrachtet. Vor allem herrscht eine gewisse Verwunderung darüber, daß die französischen Reserven den Vorstoß nicht verlangsamten. Der „Temps" erklärt, die Lage besserte sicb in den letzten Stunden leider nicht, die Flügel bei Reims mußten ebenfalls nachgeben. Das „Journal des Debats" hält die Lage von Reims für sehr gefährdet und meint, wenn es de» Deutschen gelinge, im Südwesten gegen die Stadt vorzu stoßen, dann würde der deutsche Erlolg.eine ganz neue Bedeutung bekommen. Die deutsche Operation sei ausgezeich net geleitet, wenn auch Gegenstößen ausgesctzt. Compiägne unter Feuer. Genf, 31. Mai. Der ..Matin" meldet von der Front: Compiögne liegt unter deutschen Geschossen. Amsterdam, 31. Mai. Reuters Berichterstatter meldet daß der Feind seinen rechten und linken Flügel ansbreitete Ersterer gelangte bis dicht vor Soissons, während sein linkei Flügel halbkreisförmig Reims umfaßte. Der Zustand beider Flügel wurde am 29. abends für die britisch-französischen Truppen sehr bedenklich. Es scheint, sagt der Berichterstatter daß unsere Truppen gezwungen sein werden, gleichzeitig nach Nordosten und Westen zu kämpfen. * Die farbigen Franzosen. Berlin, 30. Mai. (WB.) Nachdem der Feind mich in der Champagne seine Truppen an die bedrohte Front gezogen hatte, füllte er seine Lücken au. Sie wurden Anfang Mai ntarokkanische Soldaten festgestellt. Im Mai wurden in den Argonnen Senegalneger gefangen. Buntgemischt standen also an der einen Armeefront Franzosen, Marokkaner und Senegalneger. Die gefangenen Senegalesen, die keine Ausnahme von der allgemeinen Knegsmüdigkeit machen, erzählen interessante Einzelheiten aus ihrer Vei> wendungszett lm vergangenen Winter fn Algier. Sie worden dort zur Aushebung von Ambern verwendet, und da» geschah auf folgende Weise: Sie umzingelten die Zelte der schlafenden Araber, überfielen sie und lieferten sie an die Franzosen ab. die sie in ihre Depots fortschafften. So gewinnt man Kämpfer für die Kultur! Der Sinn deS Krieges wird von diesen Farbigen nicht verstanden. Sie können Deutsche, Franzosen undEngländer kaum nach dem Aussehen unterscheiden, geschweige denn begrifflich. Das, was sie wissen, ist, daß sie selbst mit Gewalt unter Anwendung von Gandschellen ausgehoben worden sind. w Neue Kumpfe bei Morrjdidler und au der Mlms. Karlsruhe, 31. Mai. Ter „Zürcher Anzeiger" meldet: Nach französischen Meldungen leben die Kämpfe bei Montdidier, an der Maas und in Lothringen merklich auf. Dies müsse ebenso im Augen behalten werden, wie die seltsame Sülle in der benachbarten Champagne, da gerade diese zu einem überraschend großen Durchbruch, wie er jetzt an der Aisne erfolgte, günsüge Vorbedingungen bietet. » Da tJolihotmitcne MiwMnIirlich der feindlichen Uerteidignng. Oberst Cgly schreibt in ben „Basler Nachrichten" über den deutschen Sieg: „Die . Schnelligkeit, mit der die deutschen Angriffstruppen die Höhen überrannten, grenze ans Wunderbare. Die deutschen Sturmtruppen seien sozusagen mit den weichenden Franzosen und Engländern an der Aisne ange- langt und hätten das Hindernis in wenigen Stunden überwunden, was ein sicheres Zeichen für den vollkommenen Zusammenbruch der Verteidigung sei. Das deutsche Vordringen stelle eine Leistung dar, wie sie in diesem Kriege noch nicht, auch nicht bei der italienischen Niederlage am Isonzo, erreicht worden sei. Die heutige Lage lasse sich von den Alliierten nickt mit kleinen Mitteln verbessern: Dazu brauche es den einheitlichen Einsatz starker Kräfte, was ohne neuen Aufmarsch nickt zu macken sei. Jetzt räche sich die durch die geringe Widerstandskraft der Engländer verursachte Verzettelung der Reservearmee Fochs. Crnenter Luftangriff auf Paris. Paris, 30. Mai. (WB. Amtlich.) Havas. Am Mittwoch abend zeigte der Feind eine große Lufttätigkeit und warf Bomben auf verschiedene Ortschaften hinter der Front ab. Einige Flieger wurden nach Paris fliegend gemeldet. Der Alarm wurde um 11 Uhr gegeben und durch die in Tätigkeit gesetzten Verteidigungsmittel hat kein feindliches Flugzeug das heftige Artilleriesperrfeuer überflogen. Das Innere von Paris ist nicht überftogen worden. Einige Bomben wurden auf die Bannmeile geworfen. Ein feindlicher ^ Flieger, der von den Schüssen der Verteidigungsbatterien ereicht wurde, wurde brennend abgeschossen. Um 12 Uhr 34 war der Alarm beendet. Fliegerangriff auf Karlsruhe. Karlsruhe, 31. Mai. Amttich wird gemeldet: Heute vormittag um 9 Uhr griffen etwa zehn feindliche Flugzeuge die offene Stadt Karlsruhe an. Sie warfen dabei mehrere Bomben, wodurch 4 Personen getötet und 6 nicht unerheblich verletzt wurden. Außerdem erlitt noch eine Anzahl von Pei> sonen ganz leichte Verletzungen. Auch wurde einiger Häuser- und Materialschaden angerichtet. Zwei feindliche Flieger wurden abgeschossen. „Summarisches Verfahren". Berlin, 29. Mai. (WB.) Wehrmann Conrad Heinze von der 4 Komp., Res.-Jnf.-Regt. 91 sagte am 14. April 1918 unter Eid aus: In der Nacht zum 25. März 1918 geriet ich etwa 6 Km. von Courcelles südlich von Arras bei einem Sturm auf die englischen Gräben mit einern Kameraden meiner Kompagnie nnverwundet in englische Gefangen- schaft. Wir wurden gleick hinter den zurückflutenden Engländern abgeschnitten. Man nahm uns mit zurück bis zur, werten Linie, wo mich ein englischer Offizier in gebrochenem Deutsch nach der Stärke unserer Infanterie, der Zahl der eingesetzten Divisionen und unseren Artilleriestellungen Misfragte. Ich antwortete, ich sei erst vor kurzem in diesen ^tellungsabschnitt gekominen und könne die Fragen daher nicht beantworten. Man nahm uns hierauf die Mützen ab und entfernte die Schulterklappen durch Abschneiden, und der Offizier richtete, während wir an der Erde lagen, ein Maschinengewehr auf uns. Er gab den englischen Mann- schäften Befehle, die ich nicht verstand. Aus seinen Bewegungen jedoch ersah ich, daß die Leute an das Maschinengewehr herantreten sollten. Sie schienen sich jedoch zu weigern. Darauf ging der englische Offizier selbst an das Maschinengewehr und erschoß zuerst durch zwei Kopfschüsse memen Kameraden, dann gab er drei Schüsse auf mich ab. ^ch erhielt einen Streifschuß in den Nacken und einen Durchschuß durch die linke und einen Schuß durch die rechte JSange, worauf ich mich tot stellte. Nach einiger Zeit entfernten sich die Engländer und ließen mich liegen. Ungefähr eine Stunde spater kam eine englische Sanitäts- Patrouille, die den Tod meines Kameraden feststellte mit den Worten : „Kamerad kaputt", mich selbst aber mit meinem eigenen Verbandspäckchen verband und auf einer Trage nach Courcelles in einen Schuppen brachte. Nach einund- klnhalü Tagen wurde ich bei einem deutschen Angriff auS der Gefangenschaft befreit. Seiber ist diese furchtbare Tak tieffter Verrohung kein Einzelfall, sie ist ganz im Geiste nicht in der Aufregung deS Kampfes, sondern mit kühler Ruhe und Ueberlegung geschriebener englischer Befehle. So fand sich in einem erbeuteten Angriffsbefehl gegen den Aveluy-Wald vom Oberstleutnant W. Parkinson. Kommandeur der 15. Welcher Bngade, 38. Division, dattert vom 8. 6. 18 folgender bezeichnender Satz: „Mit den Gefangenen die Papiere oder Karten wegzuwerfen oder zu vernichten suchen, ist summarisch zu Verfahren." Was unter diesem „summarischen Verfahren" zu verstehen ist, zeigt die obige Aussage mit schrecklicher Deutlichkeit. Der Gefangene,r-Anstanlch. Berlin, 28. Mai. (WB. Amtlich.) Die durch das neueste deutsch-französische Abkommen vereinbarte teilweise Räumung der Schweiz von den zurzeit dort Internierten sollte am 22. ds. Mts. beginnen und wird bis etwa Mitte Juni dauern. Unmittelbar daran anschließend soll die In- ternierung der Offiziere in der Schweiz und der Austausch der unter das Abkommen fallenden Unteroffiziere und Mannschaften beginnen. Bei den bestehenden Transport- schwierigkeiten die in Deutschland wie auch in der Schweiz und in Frankreich vorliegen, muß damit gerechnet werden, daß die Durchführung des großen Austausches längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Haag, 29. Mai. (WB.) Korrespondenz-Bureau. Sowohl die englische wie die deutsche Regierung haben gegenüber der holländischen Regierung sich bereit erklärt, in kurzem Vertreter zur Besprechung der Kriegsgefangenen- angelegenheiten nach dem Haag zu schicken. Die zu be- sprechenden Punkte werden noch zwischen dem Haag und den beiden Negierungen erwogen. Gin Munitionslager explodiert. Bukarest, 31. Mai, (WTB. Nichtamtlich.) Ein von den russischen Truppen bei Nicolna in der Nähe von Jassy ein- gerichtetes Munitionslager ist in die Luft geflogen. Die Explosion war so furchtbar, daß in Jassy die Fensterscheiben zersprangen und die Leute glaubten, daß es sich um ein Erdbeben handle. Tie Explosion wurde durch Zersetzung des Pulvers, das von schlechter Beschaffenheit war, verursacht. Die Zahl der Toten bettägt 49, der Verwundeten 68. Generalfeldmarschall v. Mackensen sandte an den Minister- Präsidenten Marghiloman, der zurzeit in Jassy weilte, ein Beileidstelegramm. Das bayrische Königgpaar in Wien. Wieu, 31. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Der König und die Königin von Bayern sind heute vormittag in Schloß Laxenburg eingetroffen, um dem Kaiser Karl und der Kaiserin Zita einen Gegenbesuch abzustatten. Sie wurden im Bahnhof vom Kaiserpaar empfangen. Spanien. Eine rätselhafte Epidemie. Eine grippeartige Epidemie in Spanien entwickelt sich, wie aus Madrid gemeldet wird, mit unglaublicher Schnellig- keit weiter und hat sogar auf die kanarischen Inseln über- gegriffen. In Madrid verzeichnet man über 120 000 Fälle. Die meisten Familien zählen ein bis zwei Kranke. Mehrere Personen sind bereits gestorben. Der König hütet noch das Bett, auch der Ministerpräsident Maura und die Minister Dato und Aldo sind noch erkrankt. Die Kammerdebatte über die revolutionären Ereignisse im August 1917 muß deshalb wahrscheinlich verschoben werden. Die Krankheit hat selbst auf die Tiere übergegrissen. So sind in dem Bürger- garderegiment von Madrid alle Pferde davon bettoffen worden. In Cartagena sind mehrere Matrosen sowie zwei Leute von der Mannsck)aft des dort internierten deutschen U-Bootes „"0 39" erkrankt. Die Aerzte erklären, daß die Krankheit durch einen Bazillus katarrhalischen Typs hervorgebracht werde. Die Erkrankungen sind so zahlreich daß die Apotheker gezwungen worden sind, den Preis der Heilmittel zu erhöhen. Nur des Scherzes halber sei erwähnt, daß die ttanzösi scheu Blätter es fertig bringen, sogar diese Epidemie den bösen Deutschen zur Last zu legen: ^Sie melden, man glaube, daß die Krankheit von Mikroben komme, die durch die deutschen U-Boote hereingeschleppt worden seien! 8 Million"n Menschen erkrankt. Berlin, 31. Mai. Die „V.. am Montag meldet aus o Ä d?6ch einer Havasmeldung sind bisher etwa 8 Millionen Menschen in Spanien an der Epidemie erkrankt. Der König ist noch bettlägerig. Gefrcht pldjfn TJ--|rfii|fr und Msbrieigichiff Wie in dem Bericht des Admiralstabes vom 8. Mai gemeldet wurde, hat ein aus dem Sperrgebiet um die Azoren zurückgekehrter U-Kreuzer unter dem Befehl des Korvetten- kapitäns E ck e l m a n n 9 wertvolle Dampfer und 7 Segler, ferner das italienische Hilfskriegsschift „Sterope" von 9500 Tonnen versenkt und 45 Tonnen Messing, sowie 2 erbeutete Geschütze mit in die Heimat gebrack-t. Unter den versenkten Schiffen war die italienische Flagge mit vier beladenen Dampfern und dem genannten Hilfskriegsschift vertreten. Die Schifte des einstigen Bundesgenossen setzten sich gegen den U-Kreuzer kräfüg zur Wehr. Besonders zähe war die Gegenwirkung des Hilfskriegsschiffes „Sterope", dessen Ge- schütze an Zahl der Bewaffnung de» Untersee-Kreuzers nicht unbeträchtlich überlege» waren. Der Dampfer war am Morgen des 7. April außerhalb de» Azoren-Sperrgebietes gesichtet worden. Da er einen harmlosen Eindruck machte und keine Bewaffnung bei ihm auszumachen war, feuerte der U-Kreuzer auf 3000 Meter Entfernung zwer WarnungssckMe ab. Sofort drehte der Parallelkurs und eröftnete aus 4 Geschützen das Arttllenegefecht. das von dem U-Kreuzer durch Schnellfeuer erwidert wurde. Die Wirkung des ruhigen, gutge- zielten deuftchen Geschützfeuers machte sich bald auf dem Italiener bemerkbar. Er suchte unter unregelmäßigen Schlangenkursen zu entkommen und führte ein Rückzugs- gefE wobei er seine Maschine zu höchster Leistung an- spannte und dadurch vorübergehend eine Geschwindigkeit erzielte, die der des U-Kreuzers überlegen war. Nachdem ^>s Gefecht beinahe eine Stunde gedauert hatte und eine Neihe von Treffern ans dem Italiener beobachtet war, mutzte dieser stoppen. Die Entfernung, die sich inzwischen chon auf über 10 000 Meter vergrößert hatte, nahm nun schnell ab. 10 Minuten spater stellte der Dampfer sein Jener ein und hißte weiß« Flaggen alz Zeichen seinem Willens zur Uebergabe. Die Besatzung verließ in 13 Booten das beschädigte Schiff, und der U-Kreuzer ging zwecks näherer Feststellungen an sie heran. Das niedergekämpfte Schiff wurde als der italienische Transport- kreuzer „Sterope" festgestellt, mit vier 7,5-Zentimeter- Sckncllodegeschützen und einer 3,7-Zentimeter-Maschinen- ranone bewaffnet war. . Der Kommandant, ein Fregatten-- kapitän, und zwei Offiziere waren nebst einigen Leuten gefallen,^ ungefähr ein Dutzend Mann verwundet. Da die Leute ihr Schiff nach Setzung der weißen Flagge in größt-r Hast verlassen hatten, waren sie teilweise nur sehr spärlich bekleidet. Ebenso waren die Boote nur mangelhaft mit Zrovrant ausgerüstet. Deshalb wurde den Schiffbrüchigen Gelegenheit gegeben, sich mit Zeug und Proviant zu ver- sehen, worauf die Boote entlassen wurden. Von den Ge- schützen wurden zwei geborgen und an Bord des U°Kreuzers gesckxrfft, das Hilfskriegsscksift später versenkt. Was bei diesem Gefecht besonders in die Augen fällt rst die Tatsache, daß hier ein artilleristisch nicht unbeträchtlich überlegener, nur mit Kriegsmaunschaften besetzter ita- ttemscher Gegner die weiße Flagge setzte und sich damit dem U-Kreuzer ubergab. Der geschickten Führung des U- Kreuzers und der Zähigkeit der Besatzung ist ein schöner Erfolg beschieden gewesen. Wie lange noch? Während unser Volk in Waffen im Felde draußen die hehrsten Heldentaten vollbringt, die unauslöschlick in der Geschichte prangen werden, gestalten sich unsere Verhältnisse rm Innern immer ttüber. Verweht ist die Begeisterung, mrt der einst 1914 alle Schichten des Volkes durchdrungen waren und zurückgeblieben ist die schnödeste Selbstsucht, der Dienst des Mammons und Enrichez vons! Bereichert eiirf)! ist die Parole weiter Kreise geworden, denen die Er- eignisie an der Front allmählich nur noch Mittel zum Zwecke geworden sind. Viel Schuld daran trägt unsere Negierung, die es nicht verstanden hat, die Begeisterung wachzuhalten, die vielmehr m der Heranzüchtung von Millionären und dem Zurückweichen vor den Forderungen des Proletariats das Heil in Deutschland zu erblicken glaubt und die immer mehr die Zügel am Boden schleifen läßt. Wenn in parlamentarisch regierten. Staaten Abgeordnete der Regierungspartei irgend eine amtliche Handlung unternehmen, so hat das noch einen Sinn. 6ei uns aber grenzt es an Wahnsinn, wenn wir sehen müssen, wie sich dieser oder jener parlamentarische Gernegroß Handlungen anmaht, die ihn ganz und gar nichts angehen. In dieses traurige Kapitel gehört vor aller Dingen die bekannte Tättgkeit Erzbergers, der in neutralen Ländern rnit feindlichen Staatsmännern verhandelt hat, — in Frankreich steht darauf die Todesstrafe — der im Aufträge allerhöchster Personen zu handeln vorgibt und den Hans Dampf in allen Gassen spielt. Es gehört dazu der Empfang der östlichen GesandtsäMen durch die Naumann und Genossen; ein politischer Wirrkopf dieser Art darf unter anscheinender Genehmigung der Neichöregierung den Staatsmann spielen, der das Schicksal der östlichen Rand- Völker in den Händen hält. Ein Scheidemann geht nach Stockholm, mit der Geste, als ob er den Frieden in der Lasche trüge! Neuerdings hören war, daß der Vizepräsident des deutschen Reichstages der Abg. Dr. Paasche nebst Gemahlin in Sofia große Reden hält, sich dort feiern und mit Orden behängen läßt. Graf Westarp hat in Sachen der Auslandsreisen Erzbergers im Reichstag die bekannte kleine Anfrage an den Reichskanzler eingebracht. -In diesem Zusammenhänge würde es angebracht sein, bei Wiederzusammenttitt des Reichstags zunächst auch noch die nachstehende Auskunft zu erbitten: „Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß sich der Reichstagsabgeordnete Dr. Paasche zurzeit in Sofia aufhält, dort auf seine Eigenschaft als Vizepräsident des deutschen Reichstages hin als dessen Vertreter gefeiert wird, politische Reden hält und politische Kundgebungen, die an seine Adresse gerichtet werden, entgegennimmt? Wenn ja, erfolgt die politische Tätigkeit des Herrn Abg. Paasche im Einvernehmen mit dem Herrn Reichskanzler und werden demgemäß die Kosten der Reise des Genannten unmittelbar oder mittelbar aus Reichsmftteln bestritten? Wenn nein, was gedenkt der Herr Reichskanzler gegen derartige irreführende Einmischung in die Führung der Auslandsgeschäfte des Reichs zu tun?" Zur Begründung unseres Vorschlag» sei bemerkt, W $etx Dr. Paascke es sich gefalle« lassen mub. seit sei ner . treulichen Kühlmann-Rede mit der an den Haaren herbei- gezogenen Verteidigung Erzbergers alS offenkundig mit Herrn Erzberger eng verbündet betrachtet zu werden. Seine Reise erfolgt unseres Wissens für dre deutsch-öfter- reichisch-ungarische Wirtschaftsvereinigung, ein unter dem Vorsitz Paasches ftehendeS Wettbewerbsunternehmen zu der augenblicklich in Wien tagenden Versammlung. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß der Abg. Dr. Paasck>e ein Vertreter der übelsten Form des Parlamentarismus ist, von der Art, wie er in Frankreich und in den Vereinigten Staaten üblich ist. Herr Paasche hat nämlich einen sehr, sehr ausgeprägten Erwerbssinn. Schon als Professor in Marburg hat er sich mit Bauspekulationen abgegeben und dem Abg. Dr. Böckel, der ihm von seiner Bibliothek erzählte, die für einen Professor recht bezeichnende Antwort gegeben: „Bücher sind eine schlecke Kapitals- anlage." Später wandte er sich allen möglichen kapitalistischen Unternehmungen zu. Dabei passierten ihm mitunter recht unangenehme Dinge, so wurde er einst in eine Sitzung der Zigarettenfabrikanten, die sich gegen den Ring ausgesprochen haben, beinahe hinausgeschmissen. Bekannt ist auch, daß Herr Prof. Paasche der geistige Vater der Vertrustung der Filmindustrie und des Kinowesens ist. Die Eigenschaften des Herrn Paasche stehen in „Hillgers Handbuch" also ausgezeichnet: Er hat Volks- und Landwirtschaft studiert und war in Aachen, Rostock, Marburg, Eharlottenburg Professor der Staatswissenichalten. Geheimer Regierungsrat, Rittmeister außer Dienst, Gutsbesitzer, Mitglied des Aufsichtsrates in der Rheinischen Metallwaren- und Maschinengesellschast (Ehrhardt), der H-owaldt-Werst, den Rositzer Zuckerfabriken, der Nationalbank für Deutschland, einer Mineralöl-, einer Spiritus- Gesellschaft und anderer Unternehmen. Mit Reckt schreibt Harden in seiner „Zukunft" dazu: „Darf aber im Reichstag, dessen Mitglieder nach Artikel 20 der Verfassung, „an Aufträge und Instruktionen nicht gebunden sind", einer sitzen, der von Aktiengesellschaften Instruktionen empfängt und danach Aufträge ausführt? Gar, wenn sichs um Gesellschaften handelt, deren Schicksal an Gunst oder Ungunst der Regierungen und Parlamente hängt, deren Dividende und Aufsichtsratstantieme je nach dem Umfang der von Reich und Staat ihnen zugesprochenen Lieferungen steigt oder fällt? Das gilt von allen Hauptgesellschaften, die den Geheimrat Paasche besolden; würde auch von Schallplattenbetrrcben gelten, die längst ja Granaten und ähnliches liefern..... Herr Paasche ist mit Einkunft und Vermögen daran interessiert, daß Ehrhardt und Howaldt Aufträge erhalten (die auch an Krupp, an den Vulkan oder andere Werften fallen könnten), daß die Nationalbank bei Reichsgeschäften nicht übergangen wird und den übrigen Pfründespendern niemals der nötige Rohstoff fehlte." Dieser Mann aber nimmt nicht nur im Reichstag eine wichtige Stellung ein, sondern er geht auch nach Sofia, um für seine Privatzwecke wichtige Verbindungen anzuknüpfen. Das ist Parlamentarismus! Es wäre wirklich die allerhöchste Zeit, daß diesem Treiben unberufener Elemente ein- nurl ein Ende bereitet würde. Ein Prol>!NMl-Krikl)ttl>knk'!'lll? (Nachdruck erwünscht.) Es ist dem Schreiber dieser Zeilen gewiß kein Leichtes, Streit anzufangen in dieser schweren Zeit. Aber die Nachricht über das Provinzialkriegerdenkmal bei Schotten, die neulich durch die Zeitungen ging, ist unserer Auffassung io ungeheuerlich, daß es nötig ist, daß endlich einmal einer öffentlich das Wort dazu ergreift. Erst dieser Tage hat mir wieder ein Feldzugsteilnehmer davon gesprochen — und damit wohl die Ansicht vieler-zum Ausdruck gebracht, wie entsetzlich geschmacklos, ja geradezu verletzend es auf weite Kreise draußen und daheim wirken muß, wenn jetzt schon, während noch Tausende auf den Schlachtfeldern verbluten müssen, offiziell von großen Krieges- und Sieges- denkmälern geredet wird. Es macht geradezu den Eindruck als wolle man sich möglichst schnell der Dankespslicht gegen unsere Tapferen draußen entledigen, damit man später umso ungestörter sie vergessen könne. Früher ist es unseres Wissens Sitte gewesen, die Errichtung derartiger Denkmäler späteren Geschlechtern zu überlasten, die damit ihrem Dank gegen eine große Vergangenheit Ausdruck gaben, während die Mitlebenden die Denkmäler für ihre teuren Gefallenen in todwunden Herzen treuer und lebendiger tragen, als in Stein gehauen. Aber ganz abgesehen von der Geschmacklosigkeit, jetzt schon solch ein Denkmal zu planen, hat die Sache auch noch eine andere Seite. Von dem künstlerischen Wert oder Umwert solch eines' Provinzialdenkmales wollen wir gar nicht reden, obwohl sich da mancherlei sagen ließe. Aber wir wollen einfach vom Standpunkt des praktischen Volksver- standes aus reden. 100 000^*0? arf hat die Provinz heute schon vorgesehen, und auf eine halbe Million soll ja wohl das Denkmal kommen. Mün greift sich au den Kpf und fragt sich findet man denn in dieser bitterernsten Zeit wahrhaftig keinen anderen Weg, das Geld zu verwerten, muß es 'durchaus znm Fenster hinausaeworfen werden? Man rede mir ja nicht davon, daß man zur Ehre unserer Gefallenen diese Summen nicht ansehen dürfe. Ganz gewiß Müssen wjr zu ihrer Ehre noch viel größere Summen Eereitstellen. Aber dann auch wirklich zu ihrer Ehre! Aber was haben die Hinterbliebenen Eltern, die um die Stütze ihres Alters trauern, was hat die Witwe mit ihren Kindern, der der Ernährer genommen wurde, davon, daß dessen Name am Schottener Denkmal in einen Stein eingemeißelt wird, daß dahin vielleicht Sonntags allerhand Vereine ziehen, und dabei Reden halten usb Bier trinken? Wollen wir unsere Gefallenen ehren, so müssen wir sie an ihren Hinterbliebenen und Kindern ehren! Ich frage mich: Wieviel Kindern oberhessischer Gefallener könnte mit der halben Million, die bas Denkmal kosten soll, eine tüchtige Erziehung gegeben und eine g/sicherte Lebensstellung geschaffen werden? Und wie ist es mit denen, die unseren Gefallenen draußen als treue Kameraden zur Seite gestanden haben? Nach dem Kriege von 1870—71 lagen bei Berlin tausende von Heimgekehrten mit ihren Familien in Zeltlagern, weil keine Wohnungen da waren. Soll's diesmal wieder so werden, weil man das Geld für Denkmäler hinauswirft, statt für Wohnungen zu sorgen! Und dazu kommt: baut Obcrhessen ein Deichmal, so muß Starkenburg und Rheinhesten auch eins haben. Haben sie die hessischen Provinzen, so kommen sie auch in den preußischen. Bayerischen usw. Wieviel Geld das dann kosten wird, läßt sich heute noch gar nicht übersehen! Ich will keinen neuen Verein gründen, aber ich will alle aufrec^en oberhessischen Männer aufrusen, mit mir einzutreten in den Kampf gegen die Denkmalswut, die arr- fängt eine Gew.hr für unser Volk und Vaterland zu werden. Wingershausen, den 1. Juni 1918. Karl Rühl, Pfarrer. Ludcudorff-Spende. Habt ihr uns. eh wir in die Schlacht oeaan^en. Erst fragen hören nach dem künkt'een Lohne? Habt ihr, als sich die Waffen enq verfangen, Uns bluten lehn in wüster Trichterzone ? " Kennt ihr die wilde Brandung der (Gedanken. Wenn au^enblicks nun Sturm die Pfei'e schrillt, Wenn tiefdurchfurchter Seele ruhlos Schwanken Wird plötzlich durch „Zum^turm' Marsch? Marsch!" gestillt? Habt ihr uns lieoen febn in Staub und Schmerzen. Als uns des Feindes Eisen roh zerriß. Als fieberwild das Leben jagt' im Herzen, Als uns der Stunden letzte schien gewiß? Ihr saht das Rote Kreuz auf weißem Grunde, Und düstre Wagen bargen Weh und Leiden, Vorübergleitend naben ernst sie Kunde Von schweren Op:ern. allzufrühem Scheiden. Gar mancher zieht jetzt siech die Lebensstraße, Dem kaum der Lenz der Jugend war erblüht: Er stritt für dich, dank's ihm im reichsten Maße: Gott wohlgefällig ist ein dankbares Gemüt. 30. Mai 1918. Wilhelm Philipps. Ein Volk, daß seine im Kriege Beschädigten vergißt, verdient die Verachtung der Welt. Die Ludendorff-Stistung will Einmütigkeit in der Dankesschuld. Ans der Heimit. FC. Die Preise für Milch und Molkcrciprodukte. Die Vereinigten Landwirte von Frankfurt am Main und Umgegend haben seit langer Zeit stets und ständig darauf hingewiesen, daß die Milchpreise lange nicht halten würden. Nunmehr hat der Deutsche Landwirtschaftsrat in seiner 46. Plenarversammlung auch erklärt: Die Preise für Milch und Molkereiprodukte haben zwar in den meisten Preisgebieten eine erhebliche Erhöhung erfahren, sind aber im Verhältnis zu den Erzeugerkosten immer noch zu niedrig. FC. Bad-Nauheim, 30. Mai. (Fm 17 jähriges Mädchen ertränkte sich hier. Die Leiche wurde geborgen. Grund zur Tat unbekannt. FC. Oberursel, 30. Mai. Rektor Kexel dahier begeht am 1. Juni sein 50 jähriges Lehrerjubiläum. Der Jubilar steht im 69 Lebensjahr und ist aus Ahlbach bei Limburg gebürtig und stand früher in Pfaffenwiesbach, Rüdesheim, Niederreisenberg und Oberlahnstein im Schuldienst. 41 Jahre amtierte er hier als Lehrer. FC. Vom Mai, 30. Mai. Zwischen zwei Puffer geriet auf dem Bahnhof Aschaffenburg der Feldgraue Jakob Meischein aus der Pfalz gebürtig, der im Bremserdienst verwendet wurde. In das Krankenhaus überführt erlag er feinen schweren Verletzungen. FC. Frankfurt a. M., 30 .Mai. Ter General der Infanterie z. D. Rudolf v. Perthes ist gestern im 75. Lebensjahre in Berlin, wo er im Ruhestand lebte, gestorben. Er befehligte in den 90er Jahren das Infanterie-Regiment 116 in Gießen, sodann die 44. Infanterie-Brigade in Kassel und von 1897 bis 1900 die 21. Division in Frankfurt am Main. kr. Langenselbold, 29. Mai. Der Handelsmann Peter Bassermann aus Langenselbold hatte von 5 Langenselbolder Landwirten Runkelrüben unter Ueberschreitung des Höchstpreises gekautt. Der Höchstpreis betrug im Herbst vorigen Jahres 1.50 Mark. Er hatte aber für den Zentner 3 Mark gezahlt und sie nach Frankfurt weiterverkauft, woselbst er 4 Mark erhielt. Auch andere Personen hatten um diese Zeit (es war Anfang Oktober) Rüben unter Ueberschreitung des Höchstpreises verkauft. Der Bürgermeister in Langenselbold erblickte darin insofern eine Gefahr, als er annahm die Bevölkerung würde sich wenn diesem Rübenhandel nicht Einhalt geboten würde mehr auf den Riibenbau werfen und den Kartoffelbau vernachlässigen. Er berichtete cm den .Landrat der am 12. und 13. Oktober im Langenselbolder Anzeiger nochmals darauf Hinwies, daß hex Höchstpreis 1,50 Mark betrüge. Trotzdem beobachtete die Polizei, daß der Rübenhandel nach dieser Bekanntmachung noch fortgesetzt wurde. Dabei wurden Baffermann und die erwähnten 5 Landwirte ermittelt, und ein Leder in eine nickt unbeträchtliche Geldstrafe genommen. Dagegen erhoben sie Einspruch mit der Begründung, sie hatten die Rüben alle 3 bis 8 Wochen vor dieser landrätlicken Bekanntmachung an den Wassermann verkauft und im übrigen geglaubt 3 Mark für Len Zentner nehmen zu dürfen, da die Stadt .Hanau und andere gleichfalls diese Preise bezahlt hätten und man von einem gerichtlichen Verfahren gegen diese Stellen nichts gehört habe. Da sich der Einwand der Angeklagten, die Rüben schon vor dem 12. Oktober verkauft zu haben nicht widerlegen ließ, so erkannte das (Ähöffengericht auf Freisprechung aller Angeklagten. Aus Starkenburg. FC. Aus Starkenburg, 30. Mai. Bürgermeister Vierheller in Lichtenberg, der seit 28 Jahren mit großer Umsicht die Geschäfte der Gemeinde leitet, beging heute seinen 80. Geburtstag. Aus Rhc'inhessen. FC. Oppenheim, 30. Mai. In den hiesigen Weinbergen wurden bereits die ersten blühenden Gescheine angetroffen. Aus Hesse».Nassau. FC. Wiesbaden, 30. Mai. Die vor einigen Tagen hier gelegentlich eines Einbruchdiebstahls verhaftete 44 jährige Frau Lügers aus Essen, die sich als vornehmer Kurgast ausgab und mit ihrer Tochter hier in der Neugasse eingemietet und sich bei ihrer Verhaftung mit Glasscherben Ver- letzungen an der Pulsader beigebracht, ist, wie die Ermit- telungen ergeben haben, eine aus dem Irrenhaus entsprungene mit Zuchthaus vorbestrafte Persönlichkeit. FC. Eaub, 30. Mai. Beim Baden im Rhein erttan? Bertha Fuchs aus Kassel. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. FC. Aus dem Kreise Biedeukopf, 30. Mai. Die aus dem 12. Jahrhundert stammende evangelische Kircbe zu Breiden- bach ist namentlich in Bezug auf die innere Raumwirkung von künstlerischem Wert als ein eigenartiges Beispiel einer bäuerischen Kunstferttgkeit von hoher geschichtlicher und knnstgeschichtticher Bedeutung. Die innere Ausstattung ist im Laufe der Jahrhunderte in Verfall geraten und bedarf dringend einer durchgreifenden, sachverständigen Wiederherstellung. Aber o ich das Aeußere der Kirche muß gründlich renoviert werden. Die Arbeiten sollen nach Beendigung des Krieges, nach dem- nunmehr die Vorarbeiten dazu beendet sind, in Angriff genommen werden. Der Staat und die Vezirksverwaltung werden Beihilfen gewähren. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 1. Sonntag nach Trinitatis, 2. Juni. Gottesdienst in der Stadtkirche. Vormittags 9 3 ,4 Uhr: Herr Pfarrer Ritter. Abends 8VA Uhr: Herr Pfarrer Kleberger. Gottesdienst in der Burgkirche. Vorm. 11 Uhr: Kindergottesdienst. Herr Pfarrer D i e h l. Nachm. 2 Uhr: Katechismuslehre für die männliche Jugend. Herr Pfarrer Kleberger. Nachm. 3 Uhr: Taubstummengottesdiensi. Herr Pfarrer D i e h l. Gottesdienst irrt Stadtteil) Fauerbach 10 Uhr: Gottesdienst. Anschließend Katechisnruslehre für die Jünglinge. » f Katholische Gemeinde. Sonntag, den 2. Juni 1918. 2. Sonntag nach Pfingsten. Beichtgelegenheit am Samstag von 5 Uhr an und Sonntag früh von 6 Uhr an. 1^7 Uhr Frühmesse. 8 Uhr hl. Messe. Gemeinsame hl. Konmnw'on der Mitglieder der sakr. Bruderschaft. %10 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags 2*4 Uhr Nosenkranz-Bruderfchafts-Andacht mit Segen und Umgang. Während der Woche um %7 und 7 Uhr hl. Messe. Mittwochs um 7 Uhr hl. Messe in der St. Georgskapelle. Freitag, abends 8 Uhr: Kriegs-Andacht. Nach dem Hochamt Ausgabe von Büchern aus der Vorromäus-Bücherei. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg; für den Anzeigenteil: R. ßetiner. Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tagc-zeitung^ A- G.. Friedberg i H Iitail Garantiert fernster, reiner Blättertabak, aromatisch,leichtu. wohlschmeckend 10 Pak.zuetwa50Er.19^r 50 „ „ 50 „ 85 100 „ „ 50 „ 163 „ Mindestabgabe an Selbstverbraucher 10, an Wiederverkäufe!: 30 Pakete. Versand Nachnahme, der Neihe nach. Ginn i Mi, Berlin 0. 17/374, OecReniürften Weißpinsel, Schablonen, Kreide- Mackein, Gips, Kalksarben Irogtkie A!>l>!s AM Friedberg i. H. Viehbesitzer ! Wenn Ihre Kuh nicht rindert oder wenn sie öfter» rindett und nicht aufnimmt, dcn>n verlangen Sie kostenlos Auskunft von Karl Kübele, Langenargen Nr.7.! ^ Line Karte genügt. ~ Bekanntmachung. Die neuen Tlnsweiskarten lum Bezüge von Weizenaus- lugsntehl können für die hier u berechtigten Kinder unter 2 Jahren und Leute über 70 Jahren von Montag, den 3. Juni dieses Jahres ab gegen Rückgabe der alten Kar e und unter Vorlage der Lebens- tni!lelkarte täglich in den üblichen ÄlnnSstunden auf T.i niev Nr. 0 des Stadt- Hauses in Empfang genommen melden. Friedber-^, den 29. Mai 1918. Der Gurgermciftcr I. 33.: Damm. |a!f!fiifr- 1 nlwiif Die Gemeinde Ober-Rosbach beabsichii t einen b — 9 Monake alten Fase eber anzukaufen. Besitzer lolcher Tiere können ihre Offerten bei Unterzeichneter Stelle rinreichen. Ober-Rosbach, d 30. Mai 1918. feil. IWM 1 M! o&er-Rosüai!} Di e ff en b a ch. Holzversteigerung. Im Rodhcimer Gemeindewald. Distrikt Iungebuchen and Vorderwald. werden Moatag den 3. Juni ds. 2s. versteigert: 156 Raummeter Buche-Scheiter 21 m Elche-Scheiter 232,4 „ Buche-Knüppel 12 „ Eiche-Knuppel 26 „ Buche-Stücke 7615 Stück Buche-Wellen 8 Stück Buche-Stämme. 39—48 Ztm. Durchmesser 32 Stuck Eiche-Stämme, 20—24 „ „ (Wagnerholz) 4 Stück Fichte-Stämme, 22-25 ” „ 6 Anfang und Zusammenkunft vormittags 9 Uhr im Distrikt Zungeonche neben der Waldbahn. Bemerkt wird, datz das Eiche. Stammholz im Vorderwald (Dingesrand) lagert und nachmittags zum Aesgebot kommt. Nodheim v. d. Höhe, den 29. Mai 1918. Erobh. Bürgermeisterei Nodheim v. d. Höhe. Hofmann. Klaus Anzüge aus prima Halbleinen eingetroffen Pferd e-Msirkt H'raiikffuH < auf dem Gelände gegenüber dem Ostbahnhof I (Empfangsgebäude) Mittwoch, den 5. Juni 1918. 6 ri .demjenigen, der mir den Täter ermitteli, der imr auf einem Acker an dem ^aup'we^e wischen Burg- Gräfenrode-Kaicl e i vom 11.—13. Mai von einer 3rerliqen Saategge ein Teil davon entwendet hat. Friede. Rupp, Landwirt, Burg-Eräsenrode. Fohlen Billa Mm Allelnbemohnen modern erbaut und mit allen Bequemlichkeiten. Zentralwarm, wasserherzung, ist zu vermieten oder zu verlaufen. Offenen un'er Hr, 055 an Vre Ge chäftsstelle der „Neuen 3äqes.eiiung". Dienstag, den 4. Juni, vormittags IOV 2 Uhr, Schloh Kranichstein. Versteigerung von Kfjj (SL&S über 2 Jahre alte Holland. Nur für hessische Landwirte, die sich durch Bürgermeisterei: bescheinigung als solche und als pferdebedürftig aus- weisen können. Versteigerung gegen Barzahlung.' Ver- kaussbedingungen werden vor Beginn der Versteigerung bekannt gegeben. 1 gA Deorin^ 1 Ol. osiiorns 2 Gabelwender 4 Rechen in bestem Zustande preiswert Wiliielm Häuser, Friedberg, Telefon 76. 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