Ultimi»er 134 Dorrnerstagl. den 30. 1918 11. Jahrgang. V\C .2'euc y*anesreitung" erichemt ,ederi Werktag Regelmäßige Beilagen „Äer Sauer aus Hessen". „Die Spirrn stabe". Se?ugspreis: Be» den Postanitalten oter'-l.»h^ilch Mk. 2.40 hinzu, tritt noch das Bestellgeld: ne, den Center. monatlich 85 P,g. einschliehlich Trägerlobn. Anieigen: Grundzeile 2b Psg., lokale 20 Psg^ Anzeigen von auswarrs .oeroen durch PoitnachnahmS erhoben. Ei'ulUmgson ^riedberg. Hchriktleituny und Uerlag ^-riedberg (Weisen!, 'lanauertraße 12. fern irrsher 48. Po4, Hel-Tanto Rr. 18>9, 'i nt ^ranlfurt a. V1. ■ - -' -- — ——3 Hkim iirilk Auf den Höhen südlich des Uesle. — 35 000 Gefangene, darunter ein fran;öftjcher und ein englijcher General. — Unermeßliche Deute an Material. Der deutsche Grneralstal» u____ meldet: —- M. T. rotzes Hauptquartier, deu 29. Uai. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. An den Kampffronten von der Äser bis zur Oise hielt erhöhte Gefechtstätigkeit an. Französische Teilangriffe östlich von Dpern scheiterten. Westlich von Mondidier drang der Feind bei örtlichem Vorstoß in Santigny ein. Die Armeen des Generaloberst v. Vöhn und des Generals v. Below (Fritz) der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz haben gestern den Angriff siegreich fortgeführt. Heraneilende französische und englische Reserven wurden geworfen. Auf dem rechten Flügel haben die Divisionen des Generals v. Larisch nach Abwehr französischer Gegenangriffe den Rücken von Terny-Sorny und die Höhen nordöstlich von Soissons genommen. Rach hartem Kampf brachen auch die Truppen des Generals Wichura den Widerstand des Feindes auf der Hochfläche von Cond6. Fort Cond6 wurde erstürmt. Vregny und Misst) genommen. Auf dem Südufer der Aisne und Veste wurden die Höhen westlich von Ciry erstiegen. Die Korps der Generale von Winckter, von Eonta und on Schmettow hab"n ^ überschritten. Vraisne und "'smes wurden erobert. Wir stehen auf den Höhen hart dlich der Desle. Die Truppen des G." ^ als Ilse haben die Höhen nord- tlich von Pronilly erstürmt. Villers Frangueux und Courcy genommen und kämpfen um die Höhen von Thierry. Ter unermüdlich vorwärtsstrebenden Infanterie, Artillerie und Minenwerferwaffe folgen Ballone, Flaks und Rachrichtentruppen auf dem Fuße. Kraftvolle Arbeit der Pioniere. Eisenbahn-, Armierung?- und Bautrirppen haben die lleberwindung des Angriffsfeldes und den Nachschub der Kampfmittel durch die rastlos tätigen Kolonnen ermöglicht. In aufopfernder Tätigkeit versorgen Aerzte und Krankenträger die Verwundeten auf dem Schlachtfelde. Trotz wechselnden Wetters griffen unsere Flugkräfte den Feind immer wieder mit Bomben und Maschinengewehren an. während Infanterie- und Artillerieflieger ohne Unterbrechung den forttchreitenden Angriff auf die Wirkung unseres Artilleriefeuers überwachten. Die Gefangenenzahl ist auf 25 000 gestiegen, unter ihnen ein französischer und ein englischer General. Der Erste Eeneral^fartiermeisler: Ludendorf f. Abend bericht. Berlin, 29. Mai. abends. (WB. Amtlich.) Bei und zwisck^n Soissons-Reims neue Fortschritte. | Der österreichische Generalität» «==== meldet: - Wien, 29. Mai. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Tie Kämpfe im Tonale-Gebiet lebten gestern wieder auf. Zwei durch starkes Artillerie- und Minenfeuer unterstützte Angriffe der Italiener auf den südlich des Passes legenden Teil des Monticello brachen zusammen. Gegen lnsere Stellungen am unteren Lauf der Piave hielt das eindliche Artilleriefeuer an. Feldpilot Offizierstellvertreter Arighi schoß bei Durazzo wei englische Flugzeuge ab und errang damit seinen 25. tnd 26. Luftsieg. Der Chef des ©cnctaliin; eo. 0 Der bulgarische Grneralstal» = meldet: ====== Sofia, 27. Mai. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabs- berickst. Mazedonische Front: Nördlich von Bitolia war das beiderseitige Artilleriefeuer zeitweilig lebhafter. Südlich von Huma hält die feindliche Feuertätigkeit an. Beiderseits des Wardar zersprengten unsere Abteilungen durch ihr Feuer starke feindliche Erkundungsabteilungen. Bei Doiran verstärkte sich der Artilleriekamps. ~ —
Das türkische Hanptqnartier ! — meldet: — Konstantinopcl, 27. Mai. (WB. Nichtamtlich.) Gene- ralstabsbericht. Palästinafront: Auf einzelnen unserer Batterien lag zeitweise starkes feindliches Artilleriefeuer. Im Jordantal nur geringe Kampftätigkeit. Oestlich des Jordan beschoß der Feind unser rückwärtiges Gelände. Seine vorfühlenden Patrouillen wurden abgewiesen. Unsere Artillerie faßte mit wirksamem Feuer gegnerische Kavallerie am Brückenkopf und auf der Straße nach Jericho. Tie Rebellenlager im Wadi Hes waren erneut das Ziel für die Bombenabwürfe unserer Flieger. — Kaukasusfront: Unsere östlich und südöstlich Alexandropol stehenden Truppen wurden von starken armenisckien Kräften angegriffen. Alle Angriffe sind blutig gescheitert. — Dardanellen: In der Nacht zum 26. Mai griffen unsere See- und Landflugzeuge wiederholt und erfolgreich den feindlichen Flugplatz auf Jmbros an. Es wurden mehrere Brände von langer Dauer beobachtet. Auf der übrigen Front ist die Lage unv, l 20000 Tonnen versenkt. Berlin, 28. Mai. (WB. Amtlich.) Durch unserer U- Boote wurden im Sperrgebiet um England neuerdings vernichtet: 20 000 Brt. feindlichen Handefsschisfraumes. Unter den versenkten Schiffen war ein etwa 5000 Tonnen großer,' stark gesicherter und bewaffneter Dampfer. Namentlich festgestellt wurde der bewaffnete englische Dampfer „Pennyworth" (5388 Brt.). Den Hauptanteil an den Erfolgen hat das von Oberleutnant zur See Warzecha befehligte Boot. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Die Offensive im Weste»». Am ersten Kampftag 400 Quadratkilometer erobert. Berlin, 28. Mai. (WB.) Die Aisneschlacht Ende Oktober 1917 brachte den französischen Angreifern nach 20tägigem Ringen einen Geländegewinn von 100 Quadratkilometern ein, den sie größtenteils der ungestörten frei- willen Riicknahme der deutschen Fi^nt am 1. Navomber verdankten. Der französische Ministerpräsident Painlev^ nannte den Angriff am 23. Oktober, der in einer Breite von zwei Meilen bis zu einer Höchstttefe von knapp vier Kilometer vordrang und den Franzosen 7500 Gefangene einbrachte, „eine der glänzendsten Waffentaten dieses Krieges". Heute überrannten die Deutschen im ersten Anlauf innerhalb weniger Stunden die gesamten französischen Stellungen auf dem Chemin des Dames und weiter östlich bis Brimont in über 50 Kilometer Breite. Am Abend des ersten Schlachttages waren bereits über 400 Ouadrattilometer er- obert. Das bedeutet an einem Tage den vierfachen Geländegewinn der Franzosen in der zehntätigen Schlacht vom 23. Oktober bis 2. November 1917. Die Einbruchsttefe von 18 Kilometer am ersten Kampftage ist das bisher in einer Durchbruchsschlacht erreichte Höchstmaß. 15 000 Gefangene waren bereits am Abend des 27. Mai gezählt. * vj r V ' Zum Sieg -ei Laon. Genf, 28. Mai. Nach einer zweiten Havasnote bedrohen die Deutschen gegenwärtig die französisch-englischen Aisne- Stellungen zwischen Conds und Chavonne. Die Note ist sehr pessimistisch gehalten. Der „Progr6s" meldet aus Paris: Hinsichtlich der Er- eignisse bei Reims und in» Walde von Pinon hat sich der Ententekriegsrat zu einer Sitzung unter dem Vorsitz des Präsidenten PoincarS versammelt. Bern, 28. Mai. Clemenceau begab sich in die Kammer und gab vereinzelte Berichte über die Schlackst an der Aisne. 2I»»£ Sctit^n < iv>rif»rTitr»/*m» tnrt— ^vaamein, daß Hin- denburgs Offensive, so mächtig sie auch sei, noch nicht altz Hauptangriff zu betrachten sei, den das französische Oberkommando erwarte. Mutmaßungen. Genf, 29. Mai. Die Londoner „Morningpost" meldet aus Frankreich: Seit Sonntag feuern an der englisch- französischen Front mehr als 10 000 Feuerschlünde als Auftakt der bevorstehenden deutschen Hauptoffensive. Der Vor- stoß der Deutschen kann gleichzeitig auf Ypern, Amiens und Soissons erfolgen. Genf, 28. Mai. Nach einer zweiten Havasnote bs- drohen die Deutschen gegenwärtig die franko britische Aisne« stellung von Cond6 und Chavonne. Die Note ist sehr Pech simisttsch gehalten. m Beispiellos geringe eigene Verluste. Berlin, 29. Mai. (WB.) Augenzeugen bestätigen, datz die deutschen Verluste beispiellos gering sind. Niemals seit dem Vormarsche 1914 ist ein großer Sieg im Westen mit \t geringen Opfern erzielt worden. Kompagnien, die daS furchtbare Bergmassiv gestürmt, zwei Flußläufe überschritten schwere und leichte Geschütze erbeutet haben, melden keine Toten und kaum Verwundete. Meilenweit ist längs de Marschsttaßen kein deutscher Toter zu erblicken. Der Grund liegt in der Ueberraschung des Feindes und in der geschickten Tättgkeit unserer Truppen. Aus dem Gefühl absoluter Ueberlegenheit üfer den Feind erklärt es sich, daß trotz des die Erwartung der eigenen Führung übertteffenden Tempos der Verfolgung die Verluste so gering sind. Unermeßliche Beute. Berlin, 29. Mai. (WB.) An der steilen Wand jeden Abhanges, im Schatten jedes Waldrandes türmt sich das Kriegsmaterial zu Haufen. Wohl geordnet hinter den Hängen des Winterberges und des östlichen Damen-Rückens auch jetzt noch die Mündungen wachsam in der Richtung wider die ehemaligen deutschen Stellungen in den Himmel reckend, stehen britische Batterien in meist geradezu erstaunlicher Vollzähligkeit . Der Sturm der Infanterie fegte mit beispiellosem Geschwindschritte über dieses höhen- und klüftenreiche Gelände hin, so daß nur wenigen Geschützen Zeit zur Flucht über die Aisne blieb. Wochen wird es er- fordern, alle diese Geschütze zu ordnen und neuer Bestiin- mung zuzuführen. Und doch sind dir Geschütze und die erbeuteten riesigen Munittonslager. deren Ersatz Millionen englischen und französischen Geldes oder weitere Schuldverschreibungen mit Amerika erfordern wird, nur ein Bruchteil des in unsere Hand gefallenen Materials. Hinter dem Damenrücken weit ausgedehnte gewaltige Pionierdepols. Das ganze Aisnetal aber ist eine einzige Kette von großen Lagern von Kriegsmaterial aller Art. Denn in der Hast des Rückzuges konnten weder Franzosen noch Engländer an Materialbergung denken, noch selbst zur Materialvernichtung fehlte die Zeit. So konnte das in der Aisneniederung weit ausgedehnte Proviantlaaer unser werden. Auf den Stationen stehn die Züge, die zur Abfahrt nicht inebr die Zeit oder die Lokomotiven fanden. Das Aisnetal und die Einnahme von Fismes, wo besonders zahlreick)es Eisenbabn- material sowie Munitions- und Proviantmengen uns zu« fielen, stellen für uns eine bedeutende Stärkung der Heeres- versorgng dar, sie trifft den Gegner aber besonders hart, weil im Aisnetal und bei Fismes die vollgefüllten Zentralausgabestellen für Heeresbedarf jeder Art liegen, die die gesamte feindliche Aisnefront dort versorgte. Die zahlreich erbeuteten Autos sind als eine willkommene Ergänzung unseres Nachschubes in Betrieb genommen, und mit besonderem Stolz fährt der deutsche Kraftfahrer in dem Wagen mit britischen oder französischen Truppenzeichen. Bei Magneu; fiel ein französischer Flugzeugpark mit unversehrten Apparaten in unsere Hand. Immer wieder fällt zwischen Damen, weg und Aisne sowie zwischen Aisne und Fismes der Blick auf französische Munitionstvagen, die entweder auf der Flucht zusammcngeschossen oder von kopflos gewordene« Führern im Sttch gelassen im Straßengraben liegen, wohi» die vorwärts eilenden Truppen sie kurzer Hand abschoben. Es wird Monate dauern, ehe die in mancher Hinsicht an unH für sich unter schwierigen Verhältnissen arbeitende alliiert» Kriegsindustrie diese Lücken wieder stillen kann. DaS ist für uns jedenfalls bedeutuntisvoll. weil viele Arbeitskräfte de» Gegners festgelegt find tmb die Verstärkung der ÄlMertt» Kriegsmaschine verhindert wird, während uns Arbeitskraft und Zeit erspart wird. Auf der französischen Rückzugßstraße. ^ -4 SPcrlitt, 29. Mai. (WB.) Der Rückzug vom EHenckn des Dames kostete den Franzosen große Opfer an Menschen und Material. In den kesselförmigen Talern und auf den tiefeingeschnittenen wenigen Straßen 'lag die undurchdringliche Feuersperre unserer Großgeschosse. Die zum Rück- transport von Material und Geschützen und zum Antransport von Reserven vorgefahrenen Lastkraftwagen wurden zum großen Teil zerschmettert oder von ihren Führern im Stich gelassen. Allein an der Steilstraße Pinon—Vaurains Ferme stehen zehn Regnault-Wagen, von denen sieden zerschmettert und ausgebrannt sind. Drei wurden durch unsere s^hrer in Stand gesetzt und zurückgefahren. Besonders schwer mitgenommen sind die vom Chemin des Dames ins Aisnetal sich windenden Hohlwege, um der Franzose geschickt seine Batteriestellungen und Unterstände eingebaut hatte. Hier verdrängt ein Riesentrichter den anderen, die Unterstände sind eingedrückt, die Holzverschalungen der Geschütz- stände sind weit umhergesplittert und ein wirrer Haufe von Ausrüstungsstücken ist zurückgeblieben. Die Munition stapelt sich berghoch. Die zerschlagenen Artillerieprotzen des Feindes, dre verendeten Pferde und die über die Straße ge- fallenen Bäume sind von den sofort nachrückenden Schanz- trupps nach einem Tage bereits fortgeräumt. Ueber die Mit Faschinen und kleinen Brücken ausge-sserten Straßen ergißt sich ohne Pause der rastlose Strom der nach vorn erlenden Munitionskolonnen und Trains. Mensch unb P' er k'. alles gibt alle Kraft, um der vorstürmenden In tanterie zu folgen. Der Feuerkampf iit Flauderu. Rotterdam, 29. Mai. „Daily Mail" schreibt, daß an der 'lanorischen Front die Feuertätigkeit unvermindert an- «uere. Es sei auch in diesem Abschnitt mit ernsten Ab- Men der Deutschen zu rechnen. W* M»*» schwieriger gestatt». »d v W knBche Stimmen iider die nur Offensive. JO m 0 “ 8 ' 3 Sßeuter meldet aus London vom ' . -tat. Die Blätter und militärischen Sachverständigen sagen zur Wiederaufnahme der Offensive, daß der deutsche Angriff im Abschnitt zwischen Reims und Soissons zwar kaum erwartet wurde, daß jedoch die neue Ofensive die Alliierten überall vorbereitet antraf. Alle militärischen Schrift- steller vertrauen darauf, daß der deutsche Versuch, die Heere der Alliierten zu vernichten, genau wie früher mißglücken werde. „Der Feind", so heißt es weiter, „hat den Vorteil der inneren Verbindungslinie und seine Eisenbahnen. Er operiert jedoch in einem verwüsteten Land mit einem im- provisierten Transportsystem. Seine Lage ist in dieser Hinsicht weniger günstig, als vor dem 2t März." Die Tat- sache, daß die englischen Truppen sich so weit südlich befinden wird als Beweis dafür angesehen, daß General Foch vollständig- auf eine Offensive in dieser Gegend vorbereitet war, während der Erfolg des italienischen Angriffs ein weiterer Beweis der Vorteile ist, die die Einheit der Befehlsführung bietet. Die Aktion der Italiener kann mit der Absicht angesetzt worden sein, einem drohenden Angriff der Oester- reicher zuvorzukommen oder um die Oesterreicher zu der- hindern, Truppen nach der Westfront zu bringen. Selbst nach der Eroberung des Chemin des Dames müßten die Deutschen noch über ern schwieriges Gelände nach der Aisne- nene vorrücken, hinter der sich kein bedeutendes strategisches Zwl befände. Für die Deutschen sei es verhältnismäßig lejdrt gewesen, dem hauptsächlichsten Versammlungspunkt Streitkräfte zu entnehmen, um General Foch zu zwingen, ferne Reserven an andere Stelle zu bringen. Es könne deshalb nicht verwundern, wenn General Foch Gelände abgebe, um ferne Reserven für eine andere große Schlacht in der Richtung von Amiens auszusparen, das von den Sachverständigen stets noch als das wahrscheinlichste Ziel der Deutschen betrachtet werde. Ein anderes Reuter-Telgramm gibt ebenfalls der Aufassung Ausdruck, das möglicherweise der Hauptanariff auf eine andere Stelle gerichtet wird als an der der jetzigen Offensive. Vereitelter fnftangriff nnf lndrchshafe«. Karlsruhe, 29. Mai. Don zuständiger Seite wird mit- geterlt: In der Nacht zum Dienstag versuchten feindliche Flreger, Ludwigshafen anzugreifen. Die abgeworfenen Bomben sielen jedoch auf freies Gelände, ohne irgenwelchen Schaden anzurichten. Irland. Neue Sinnfciner Unruhen. Genf, 29. Mai. „Echo de Paris" meldet, daß am Sonntag neue Unruhen der Sinnfeiner in Dublin und York vor- gekommen sind. In York wurden mehrere Polizeibeamte verletzt, sodaß die Truppen einschreiten mußten. Vag Abkommen Domem—Amerika. Kristiania, 28. Mai. (WB.) Meldung des Norks Tele- grammbureaus. Heute, Montag, wurde hier und in Washington das Uebereinkornmen mit Amerika veröffentlicht, das für die Kriegsdauer gilt, Ls kann aber beiderseits nach einem ^ahre vom 30. April 1918 und später mit 3monatlicher Frist gekündigt werden. Norwegen bekommt die näher bezeichneten Warenmengen, die es braucht, insofern der Verbrauch der Vereinigten Staaten sie nicht benötigt (!) und die Versorgung der mit Amerika verbündeten Nationen dadurch nicht beeinträchtigt wrrd (!) Nach den Zentralmächten und deren Verbündeten dürfen Lebensmittel nicht ausgeführt werden, ausgenommen Fische und Fischerzeugniffe, die nicht 48 000 Tonnen jährl ch übersteigen. Nach den Zentralmächten dürfen weiter ousgeführt werdenlO 000 Tonnen Calciumkarbid. 8000 Tonnen Calciumnitrat, 2000 Tonnen Ferrosilicium und 4000 Tonnen Eisenerz, wovon nichts Schwefelkies oder Mangan enthalten darf Von nicht erwähnten Artikeln darf die Ausfuhr nicht diejenige im Fahre 1917 übersteigen. Die Deschiestnng von Paris. Der „Matin" und andere Blätter stellen durch die deutsche Beschießung Spuren an den Un- terxrchtsanstalten der Sorbonne fest. Nach einer Havasnote bat bie Beschießung auch am 28. Mai früh wieder begonnen. Schweizer Grenze, 28. Mar. Wie Havas nach der „K. Z." meldet, setzten neben der Fernbeschießung gestern abend auch die Fliegerangriffe auf die Hauptstadt Paris wie- der ern. Es wurden zahlreiche Bomben abgeworfen. Man habe diese Angriffe auf Paris als letztes Vorzeichen der wie- der beginnenden deutschen Offensive angesehen, die nun auch au gebrochen sei und möglicherweise dem Feinde auch ~mge Erfolge bringen könne. . vv* e rr tt -^- 9 ' 2?iai ‘ Die Beschießung durch weittragende Ce,chutze hat in Paris. Lyoner Blättern zufolge in meh- reren Stadtteilen beträchtlichen Schaden angerichtet. An einer Sielle platzte eine Granate mitten auf der Straße und beschä- ri .7 umliegenden Häuser schwer. Auch an dieser Stelle sind zahlreiche Opfer zu beklagen. Ueber ihre Zahl darf nur be. kanntgegebcn werden, daß gestern 12 Uhr drei Tote und 14 Der- mundete bei den amtlichen Stellen gemeldet waren. Allgemein g aubt man. daß es sich um neue Geschütze handelt, die zwischen fr Q ^ ntln und Montidier aufgestellt sind und also näher an Parts stehen, gleichzeitg aber weiter von der Frontlinie entfernt Milrtif IHnljiinnwi on Japan. Stockholm, 27. Mai. Der englische Geschäftsträger in Petersburg, Lockhart, gab dem Volkskommissar für die aus- wartrgen Angelegenheiten eine mündliche Erklärung ab daß die englische Politik durchaus für die Unversehrtheit Rußlands, auch m Ostasien, eintrete. England stehe dementsprechend auf dem Standpunkt, daß auch die letzten Truppen oer ooponer aus Wladiwostok vollständig und schnellstens zurückgezogen werden müßten. Die Domanonrs. DEn, 28. Mai. Die Mitglieder des ehemaligen rus- fischen Herrsaierhauses Großfürst Nikolei Nikolajewitsch mit Frau und Sohn, Gcoßfürst Peter Nikolajewitsch mit Frau, Sohn und Tochter, Großfürst Alexander Michaelowitsch mit Frau und sechs Kindern und die Kaiserin-Witwe Maria Feodorowna befinden sich in Djulber bei Cap Aitodor. Die Großfürstin Olga und ihre Mutier sind in Charaska östlich Diulber untergebracht. Die Nachrichten über ein Cntkom- men des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch sind erfunden. Weder bei ihm noch bei den anderen Mitgliedern der Familie Romanow liegen Anzeichen vor, daß sie die Krim verlassen wollen. Ebenso sind die Gerüchte über eine Reise der Kaiserin-Witwe nach Dänemark unbegründet. Die Donrepiiblik iinnbijäHgig von Eroßrrißland. Kiew, 25. Mai. Die Zeitungen veröffentlichen eine Note der Don-Negierung an die ukrainische Regierung. Die Don-Regierung als bedeutendster Bestandteil des neuen Bundesstaates des südöstlichen Bundes, der die Don-, Kuban-, Ter- und Astrachan-Kosaken, die Bergvölker des nördlichen Kaukasus und der Schwarzmeerküste und die freien Steppenvölker des südöstlich Rußlands umfaßt, dem sich ferner das Gouvernement Stawropol, die Schwarzmeer-Gouvernements und Teile des Kreises Zarizin als unlöslich wirtschaftlich mit dem Südostbund verbunden anschließen, hat die Interessenvertretung des Bundes übernommen und ersucht bei den Friedensverhandlungen mit Großrußland folgendes zu beachten: Der Slldostbund ist kein Bestandteil der russischen Sowjet-Republik. Er befindet sich mit der nicht anerkannten Regierung der russischen Sowjet-Republik im Kriegszustände. Die Völker und die Regierung des Bundes bie Unantastbarkeit des Bundes mit allen Mitteln ver- leidigen. Tw Don-Regierung hat in den soeben-verkündeten Staatsgrundgesetzen alle seit der Februar-Revolution 1917 erlassenen Gesetze der russischen Negierung wieder aufgehoben unb hat das alte Wappen unb Siegel der Dänischen Kosaken wieder eingeführt. „Kiewskaja Mysl" hebt hervor, daß durch diese Restauration alle Nationalitätenbeschränkungen im Donkosakenland wieder aufleben und somit die Juden dort das Wohnrecht wieder verlieren. Das Agrargesetz am Don, das binnen zwei Monaten veröffentlicht werden soll, sieht die Zwangsenteignung des Großgrundbesitzes vor, der bestimmte Normen überschreitet. Die Landverteilung soll lpätestens im Oktober erfolgen. Ein Hinweis auf die Ent* schädrgungen der früheren Besitzer fehlt. In einem Aufruf an die Kosaken werden diese zu guten Beziehungen mit den deutschen Truppen aufgefordert. Sie joüen diese wie eigene Truppenteile anseheu, t ^ ^ ^ r t , i * Mjg «in starkes, freies, geeintes Pfnilftlanli, «ro&aimriral von Tirpitz hielt in Düsseldorf ** 25. Mai eure Rede, rn der er u. a. sagte: In der geographischen Lage und der politischen Juaent von Preußen-Deutschland liegt die Ursache für das Schlei, eurer einheitlichen Ausiassung über die völlige Umwälzung aller Beziehungen der Völker auf der Erde und der Umwertung aller politischen Begriffe. Unser Blick war zu sehr auf die nächsten Nachbarn unseres Kontinents be- grenzt gegenüber der jahrhundertelangen Schulung unsere Hauptgegner in der Welt. So gelang England die politische und Militärische Einkreisung, und wenn wir nicht siegen, wird chm auch die wirtschaftliche Einkreisung Deutschlands und damit die Verkümmerung des Deutschtums überhaupt gelingen. Die eigentliche Entscheidung kann nur im Westen lallen, sie kann nur Sieg oder Niederlage bedeuten. Mit- teleuopa" und der Orient allein können -. ns vor" Ver- fr U r!t! m ™ U n Q u l6jt re w n * Unsere Industrie kann ohne See- und Wel.geltung nicht erhalten werden. Unsere Bundesgenossen und auch die neutral geblieben Staaten Europas tonnen nicht unabhängig bleiben, wenn Deutschland es nicht bleibt. Die deutsche und die europäische Arbeiterschaft wurde zum Lohnsklaven des angelsächsischen Kapitalismus herabsinken Die Ansicht, daß die von einem wieder ge- einten Großrußland drohende Gefahr uns veranlassen muß die westlichen Feinde unter allen Umständen zu Freunden zu gewinnen, ist ni.cht stichhaltig, denn wie soll Deutschland eineni starken Großrußland widerstehen, wenn es der Grundlage seiner industriellen Entwicklung beraubt ist? Wir können die Anerkennung unserer Ebenbürtigkeit in der Welt- Wirtschaft mit England nicht anders erreichen als durch Macht. Das Mindestmaß von Macht aber dem westlicher Femde gegenüber ist die wirtschaftliche, politische, mili IT 1 ™ Gliederung Belgiens. Dies ist der Angelpunkt „ r Weltkrieges. Die Befürchtung, wir könnten von de, flandrischen Küste aus nach der Weltherrschaft streben, iß angesichts des ins Riesenhafte vermehrten Welteinflusse» Englands unbegründet. Durch die Vertrustung seiner In- teressen mit denen Amerikas ist England der Weltbe- hervschung näher gerückt. Die Sorge, daß wir zuviel er- streben, können wir füglich kommenden Jahrhunderten uberlassen, wenn das Deutschtum dann noch Leben hat Dieses Lebenkonnen uns in gerechtem Verteidigungskrieg, zu erhalten, ist lediglich unsere heutige Aufgabe. Die Wis- senden bei uns sollten unserm Volk, namentlich auch den A» beitern, klar machen, vor welchem Abgrund wir stehen, wenn dre Plutokratie Englands siegt, und welcher Ver- elendung in diesem Falle gerade die ärmeren Kreise ent* gegengehen würden. Der einfache Mann im Felde unt daheim muß auch wissen, weshalb er kämpft und Entbehrungen ertragen muß. Ein starkes, ein freies, ein über dre Scheidung der Klassen, der politischen Richtungen, der Konfessionen hinweg geeintes Deutschland ist das hohe Ziest der Vaterlands-Partei. Nn neues WahlreititsabkomMii? Die „Tgl. Rundschau" schreibt: Wie wir zuverlässi, erfahren, ist am Samstag auf Grund eingehender Verhandlungen zwischen den Konservativen, Freikonsewativen uni Natwnalliberalen unter Ausschließung des Zentrums in de, preußischen Wahlrechtsfrage eine Koinproniiß zustande go- uommen, nach dem das allgemeine, gleiche und direkt« Wahlrecht nnt einer politischen Sicherung von zloei Zusatz- stimmen . zur Annahme gelangen soll. Die erste Zusatz- sftmme ist eine reine Altersttmme und wird durch die Erreichung des 40. Lebensjahres erworben. Die zweite Zusatzstimme wird an die wirtschaftliche Selbständigkeit gebunden. Abgeschlossen wurde dieses Kompromiß namen- der Nationalliberalen durch die Abgeordneten Fuhrmann und Hirsch, für die Freikonservativen durch Lüdicke, für die Konservativen durch Winckler. Wie wir weiter hören, sollen die Nationalliberalen geschlossen hinter diesen Abmachungen stehen. Damit ist eine sichere Mehrheit für die Beseitigung des Baccums in der Vorlage gegeben. — Dem entgegen erklärt die „Kriegszeitung": Ein Abkommen in der Wahl* rechtsfrage auf Grund einer Zusatzstimme für Alter und wirtschaftliche Selbständigkeit, das von anderer Seite als feststehend gemeldet wurde, ist nach unseren Nachrichten noch nicht zustandegekommen. Die freikonservative Fraktion lehnt jede Verbindung danrit ab. Die bisher gepflogenen Besprechungen waren ganz förmlich Stülitsttlinnnng nnd Ln^endgrff-Hende. Von Graf v. B o t h m e r, München. Ein Volk, das seine im Krieg Beschädigten vergißt, verdient die Verachtung der Welt. Mit allgemeinem Mitleid und wortreichem Gejammer wird keinem geholfen, nur mit der stillen ^at wird Dankesschuld abgetragen. Wer Arm und Bein und Auge im Kampf mit dem Feinde verloren, der hat es für jeden von uns hingegeben. Wer von euch wollte die Heimat als ein kraftstrotzender Mann ver- lassen haben und als ein Blinder, Lahmer oder Einarmiger znrückkehren, wenn die Heimat dann seiner vergäße und sein Rcch auf Hilfe abspeisen wollte mit den Worten: „Wir haben nichts, der Vater Staat soll für Dich sorgen," Wer ist der Staat, wenn nicht die Summe aller Volksgenossen, genau so, wie die Wehr des Landes die Summe aller Kampffähigen ist? Der Staat hat seine Dankespflicht dann erfüllt, wenn jeder Einzelne mithilft, den Kriegsbe* schädigten das Recht auf Lebenssicherheit zu gewähren. Als wir im August 1914 in den Kampf zogen, da war eA für jeden selbstverständliche Pflicht, mitzugehen. Alle schützten eben Me, Den Zeichen Schutz müssen wir jetzt ein- mütig und unverdrossen denen geben, die fürrhn Hr Leben, ihre Arbeitskraft verloren haben. Einer für Alle. Alle für tEinen. So wird ein Volk zur unzerbrechlichen Gemeinschaft und nur ein dankbares Volk wird immer treue Verteidiger in seinen Reihen haben. Das ist der tiefe Sinn der Ludendorffspende. ES genügt nicht, wenn alle Stände und Parteien theoretisch die Pflicht des Staates anerkennen, aber in der Praxis uneins über die Ausführung werden. Wahre Volkseinheit ist schließlich nur da zu finden, wo das Verständnis für ge- kneinsames Handeln, wo das Einstehen für alle durch alle ohne Zwang, vielmehr durch freiwillige Opferfreudigkeit erfüllt wird. Oeffentliche freiwillige Sammlungen für solche große nationale Notwendigkeiten sind im letzten Grunde nichts anderes, als eine Erforschung des öffentlichen Gewissens und eine Probe für die öffentliche Moral. Hand aufs Herz! Gäbe es etwas Schöneres, als wenn unser Volk die gesamten Kosten der Entschädigung für Kriegsbeschädigte durch freiwillige Gaben ausbrächte? Niemand zwingt zum Zahlen, es werden freiwillige Spenden gesammelt. Jeder kann sich selbst einschätzen, jeder kann sich ausrechnen, was in seinen Kräften steht und was ihm das wert ist. daß andere ihm den Feind vom Halse hielten und dafür ihre geraden Glieder verloren haben. So ist denn der Aufruf zur Ludendorffspende schließlich nur eine Mahnung an die persönliche Anständigkeit jedes einzelnen Volksgenossen. Unabhängiger und freier kann ich mir die J Erfüllung der nationalen Entschädigungspflicht nicht denken ! Und so wird denn die Lndendorffspende im letzten Grunde mit sein eine Prüfung unserer Staatsgesinnung überhaupt. Wir dürfen nicht übersehen, daß es sich bei dem, was wir die Dankespflicht für die im Kriege beschädigten Volksgenossen heißen, nicht nur um materielle Vergütungen handelt, sondern um ein moralisches Zeugnis. Der Mensch lebt nicht vom Vrot allein. Und die Kriegsbeschädigten sollen bei der Aufbringung der für sie notwendigen Mittel sehen, daß das deutsche Volk sich klar darüber ist, was der Krieger unter Dankesschuld der Heimat verstehen will. Er will darunter verstehen, daß nicht mit Almosen denen heimgezahlt wird, die ihre gesunden Glieder fürs Vaterland gaben, er will darunter verstehen Recht auf sichere Arbeit, ! Ausgleich für verminderte Leistungsfähigkeit. Und er will j noch etwas anderes darunter verstehen, nämlich eine Hilfe, k die von Herzen kommt, eine Hilfe durch freiwillige'Opfer- ! gaben. Dieser Anspruch darf nicht der Ausbeutung von Parteigegensätzen anheimfallen, sondern er muß geschützt werden durch eine allgemeine Volksabstimmung in Form von frei- .willigen Gaben, in Form von einer freiwillig übernommenen einmaligen Steuerpflicht, welche einen Teil der Volksmittel von vornherein für diese notwendigen Zwecke festlegt. An dem Ergebnis einer solchen Sammlung können wir dann ersehen, wo der rechte Opfersinn zu ftnden ist, welcher Stand das ausgeprägteste Gemeinschaftlichkeitsgefühl hat. Aber wir können an dem Ergebnis noch etwas anderes ersehen, nämlich wie weit das deutsche Volk bereit und in der Lage ist, sich ohne den äußeren Zwang der Gesetzgebung als Einheit zu empfinden, als handelndes Srrbjekt zu erkennen. Es ist durchaus nicht zufällig, daß der Namen Ludendorff mit einer solchen Probe verknüpft ist. Es handelt sich hier gerade bei dieser freiwilligen Sammlung nicht um eine der vielen nützlichen und notwendigen Sammlungen charitativer Art, wie wir sie in den letzten Jahren vielfach erlebt haben, sondern es handelt sich im letzten Grunde um den Beweis nationaler Größe, um das Eingliedern jedes Einzelnen in die Erfüllung der nächsten notwendigen Pflichten. Ein kleines Stück unserer deutschen Staatsordnung wird diesen Forderungen heute schon gerecht. Das ist die deutsche Heeresorganisation. Hier hat die Einheit der Idee zur Zwecksetzung alles Handels geführt und damit eine Schule geschaffen, die uns dauernd ein für besondere Aufgaben geeignetes Menschenmaterial liefert. Auf dem Gebiete der übrigen deutschen Staatshandlungen fehlt heute noch dieses geistige Einheitsband. Das ist nicht gut für die Ueberwindung nationaler Schwierigkeiten und ist zum Teil die Schuld, warum solche allgemein siittlichen Forderungen in staatsfremder Form auftreten. Der gleiche Gedanke der persönlichen Verantwortlichkeit vie wir ihn bei dem als Heeresmacht organisierten Volk vorfinden, kann sich auch bei anderen öffentlichen Handlungen Bahn drecken. Tann wird kein Unterschied mehr sein zwischen dem Volke der Heimat und dem Volk in Waffen. Dieser- Verantwortlichkeitsgedanke jedes Einzelnen fiir die Gemeinschaft, dieses Empfinden der persönlichen Pflicht der freiwilligen Eingliederung in dar Notwendige wird durch die Ludendorffspende geweckt, und es wäre ein Verdienst, wenn wir uns in der Durchführung der Werbearbeit gerade dieser Aufgabe bewußt bleiben wollten. Dann würde uns ein außerordentlicher praktischer Erfolg be- schieden sein, es würde ein Aufrütteln — und ein solches Aufrütteln ist immer notwendig — in unserem ganzen staatlichen Empfinden erreicht, und es würde der Welt unserer F mde ein neuer Beweis gegeben werden, wie unerschütterlich geschlossen in sich dieses deutsche Volk ani Ende des vierten Kciegsjahres dasteht. / U-m Felde der Ehre. Nieder-Eschbach, 27. Mai. Dem Leutnant der Reserve Imd Regiments-Adjutant Ernst Dirlam, dem Sohn um seres Lehrers, wurde eine hohe Auszeichnung zuteil. S, M, der Deutsche Kaiser verüeh chm Var Ritterkreuz der Samfff- liehen Hausorden» von Hohenzollern mit Schwertern. Schon als Dizefeldwebel und Kompagnieführer erwarb er sich 1914 auf dem Vormarsch durch Belgien da» Eiserne Kreuz zweiter Klasie und wurde Leutnant. Bald darauf erhielt er die Hessische Tapferkeitsmedaille. Nachdem er die Champagne- und Sommeschlacht mitgekämpft hatte, empfing er das Eiserne Kn uz erster Klasse. Durch sein tapferes und umsichtiges Verhalten bei dem Vormarsch durch Galizien und der Bukowina voriges Jahr wurde ihm vom Kaiser von Oesterreich das österreichisch-ungarische Militär-Verdienstkreuz dritter Klasse mit der Kriegsdekoratien verliehen. Fünf Orden schmücken jetzt seine tapfere Brust. Möge er sie nach dem Kriege seinen Eltern heimbringew Pnitldjfr! Cib für l>!e FMMrff-ZMe. Sie standen für uns in ringender Not, Sie standen für uns in Feuer und Tod', Sie wehrten von uns die Schrecken des Krieges, Sie weckten siir uns die Sonne des Sieges, Und warfen für uns auf blutenden Sand Den jungen Leib, den Fuß und die Hand. Wir in der Heimat mit heilen Gliedern, Wir wollen es lohnen den treuen Brüdern. Die uns beschützten in würgender Zeit, Die sollen nicht sagen mit Bitterkeit: „Das Häßlichste auf Erden ist Ein Volk, das seines Dankes vergießt!" München Ludwig Gang Hofer. Ans der ffciumt. Gold- und Silbcrankaussstclll'. Der nächste Ankaufstag findet morgen, Freitag, den 31. Mai, nachmittags von 3—5 Uhr im Großh. Hochbauamt, Schützenrain 5, statt. Ein neuer Pcrsonenzug. Von Montag den 3. Juni ab wird ein neuer Personenzug fahren, der in Frankfurt 7.97 Vormittags abfährt und in FMdberg 8.24 Uhr eintrifft Er hält auf allen Stationen. Für die Bewohner der südlichen Wettcrau die in der Kreishcruptstadt zu tun haben, ist dieser Zug angenehm. Kriegsbeschädigtcn-Fürsorge. Nach einer dem Stellv. Generalkommando zugegangenen Mitteilung ist die Auffassung verbreitet, daß für Kriegsteilnehmer, die an ihrem Gehör Schaden gelitten haben, schlecht oder garnicht gesorgt fei, daß also Taube besonderen Sorgen bezüglich ihrer Zukunft gegenüberstünden. Diese Auffassung ist irrig. Nach den gesetzlichen Bestimmungen wird derartigen Kriegsbeschädigten neben der Rente beim Verluste des Gehörs auf beiden Ohren eine einfache Verstümmelungszulage gewährt. Hierbei ist dem Verluste des Gehörs eine hochgradige Schwerhörigkeit dann gleichguachten, wenn einzelne, in gewöhnlicher Umgangssprache unmittelbar vor dem besser hörenden Ohre gesprochene Worte nicht mehr verstanden werden. Für die Anerkennung der Verstümmelung.(einfacher) durch Taubheit auf beiden Ohren ist nur erforderlich, daß für die Taubheit eines der beiden Ohren Dienstbeschädigung vorliegt. Tic Rundreise-Marmelade. Ueber ein Meisterstück der Lebensmittelverteilnng wird aus Werder a. Havel geschrieben: Hier werden Tausende von Zentnern Marmelade hergestellt. In den letzten Wochen wurde nun unsere Stadt von der zuständigen Stelle ebenfalls mit diesem Brotaufstrich be- dacht. Unsere Marmeladefabrik verlird die Marmelade nach Velzig. Hier wurde sie auf der Verteilungsstelle ausgeladen, um nach ein paar Tagen wieder nach Werder verladen zu werden. Hier nahm sie derselbe Spediteur wieder in Empfang und brachte sie nach der Verteilungsstelle, die sie ihrerseits wieder ihren hiesigen Kaufleuten zustellte. Der Transport soll zwar der Marmelade nichts geschadet haben, die Transportkosten aber trägt die Stadt. (Dieser Fall steht durchaus nicht vereinzelt da, das System, daß die Gleichheit der Verteilung über alles steht, bringt so etwas mit sich.) Bad-Nauheim. Zweites Philharmonisches Konzert der Kurkapelle, Donnerstag, den 30. Mai im Konzerthaus. Mitwirkende: Raoul von Koczalski .(Klavier) und Otto Drumm (Violine). Leitung: Hofrat Professor Hans Win- derstein. Das Konzert wird cingeleitet durch Schubert's herrliche „Unvollendete" Sinfonie in Hmoll, und beschlosten durch das „Mefitersinger-Dorspiel" von Richard Wagner. Zwischen diesen beiden altbewährten Meisterwerken stehen zwei neue Werke aus der Feder des seit vier Jahren hier lbenden berühmten Pianisten und Tonsetzers Koczalski: ein Konzert in Adnr für Violine und Orchester welches Herr Otto Drumm, der geschätzte 1. Konzertmeister des Kurorchesters, vortragen wird, und ein Konzert in Gdur für Klavier und Orchester, dessen Solopart der Komponist selber ausführen wird. Beide Werke erleben an diesem Abend ihre Uraufführung. Verschiedene auswärtige Musiker haben ihren Besuch zu der Aufführung angemeldet, die auch seitens unserer Kurgäste großem Interest» begegnen dürfte. FC. Bad-Nauheim, 28. Mai. Der zweite Hausdiener eines hiesigen großen Hotels sammelte in der Nacht Stiefel und Kleider der im Hotel wohnenden Gäste, packte die Sachen in zwei Koffer und suchte damit das Weite. Der Spitzbube wurde angezeigt. FC. Niederkleen, 28. Mai. An die Hauptleitung des elektrischen Lichtes auf dem Dache geriet bei seinen Arbeiten der Elektromonteur Mümming von Gießen. Der 17 jährige Arbeiter stürzte ab und erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald darauf denselben im Krankenhaus erlag. i Aus Rheinhesien. FC. 24. Mai. Zum Ankauf von Gelände für deM Kleimoohmmgsbau wird der Kreistag des Kreises Mainz dis Summ« von 100 000 Mark bewilligen. FC. Mainz, 27. Mai. Ein in der Holzstraße dahier be- dienstetes Dienstmädchen wurde plötzlich irrsinnig und lief nur mit einem Hemde bekleidet auf der Straße herum. Sie fand Aufnahme im Krankenhaus. FC. Mainz, 28. Mai. Die Kirschenernte hat fetzt in den meisten Gemeinden eingesetzt. Es ist kaum mit einer Mittelernte zu rechnen. Dem geringen Ertrag entsprechend sind die Preise sehr hoch. Das Pfund wurde hier mit zwei Mark ausgewogen. Wenn die Preise auch noch zurückgehen, so werden sie doch noch bedeutend über den vorjährigen stehen bleiben, da das Pflücken derselben dieses Jahr eine sehr kostspielige Arbeit sein wird. Wo die Früchte dünn hängen wird in manchen Gemeinden von den Arbeitskräften ein Pflückerlohn von zwanzig Pfennig pro Pfund verlangt. FC. Mainz-Mombach, 28. Mai. Vier Kinder, der an Fleischvergiftung ins Krankenhaus eingelieferten Familie, konnten bereits als gebessert wieder entlasten werden. Die Mutter und ein Kind befinden sich noch in ärztlicher Behandlung. Aus Kurhessen. FC Mächtersbach, 26. Mai. Das Gaswerk Salmünster — Soden—Wächtersbach hat der Gasingenieur und bisherige Betriebsleiter Adalbert Hoffmann bei der Zwangsversteigerung erworben. Der neue Besitzer hat mit den Städten Salmüster und Soden eine Jntereffengemeinfchaft herbeigeführt, wonach sich beide Städte als stille Teilhaber an dem Unternehmen beteiligen. FC Fulda, 26. Mai. Auf dem Rondel des Schloßgarlens das im vorigen Jahre eine ertragreiche Kartoffelernte brachte, sind in diesem Frühjahre verschiedene Gemüse gepflanzt worden. FC Aus der Röhn, 26. Mai. Der Stand der Feldfrüchts ist ein ausgezeichneter so daß mit einer guten Ernte gerechnet wird. Durch den raschen Eraswuchs ist Heuer eine sehr fiühe Heuernte zugelassen. FC. Treysa, 28. Mai. Einer Westfälerin nahm die Polizei bei ihrer Abreise 400 Eier und 12 Pfund Butter ab. FC. Kirchhain, 28. Mai. Zur Deckung der Kriegs- familienunterstützungsbeträge beschloß der Kreistag eia weiteres Darlehn von 250 000 Mark zu 6 % aufzunehmen. Im Kreise Kirchhain sind bis 1. März d. Js. 1 104 080 Mark aufgewandt worden. In der gleichen Sitzung wurde der Haushaltungsetat für 1918. welcher in Einnahmen und Ausgaben mit je 1 110 900 Mark abschließt, festgesetzt. Kastei, 27. Mar. Aus dem Zuchthaus in Kassel sind siieben Strafgefangene, sckÄvere Verbrecher, die auf dem Hofe beschäftigt wurden, entsprungen und trotz sofort auf» genonunener Verfolgung nach den Nachbarorten und von d" in die angrerrzenden Waldungen entkommen. Ans Hestev-Rastliu. FC Soden, 26. Mai. Am 3. und 4. Juni findet hier im Kurhause der 57. Verbandstag der Erwerb- und Wirtfchafts- genossenschaften vom Mittelrhein statt. FC. Wiesbaden, 27. Mai. Ein Lokomotivführer aus der Waldstraße dahier, wurde nachts, als er aus einem eingefriedigten Grundstück eine Ziege entwenden wollte, durch einen Schrotschuß des Besitzers verletzt. Er mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Bei der Haussuchung wurden eine Anzahl Einbrecherwerkzeuge vorgefunden. Er kommt wahrscheinlich auch noch für einige andere Kleinviehdiebstähle in Betracht. — Hier wurde bei einem Wohnungseinbruch überrascht und festgenommen eine Frau Therese Lügers aus Esten. Sie hielt sich seit 10 Tagen hier mit ihrer Mutter auf und verübte eine große Anzahl Einbrüche. Die 22 jährige Tochter trug bei der Festnahme ein gestohlenes Damenhemd. Die Mutter versuchte sich bei ihrer Festnahme durch Glassplitter die Pulsader zu öffnen und wurde verletzt dem Krankenhaus zugeführt. Die Tochter wurde ebenfalls verhaftet. FC. Wiesbaden, 27. Mai. Anfangs Januar war cs der Polizei bekannt geworden, daß im hiesigen Marktkcller ein sehr schwunghafter Handel mit Butter. Eiern und Käse vor sich gehe. Die verschiedenen Marktbesucher wurden beobachtet, und hierauf eines Tages der Landwirt Franz Essig aus Breckenheim gestellt, der einer Obsthändlerin, bei der ein {cfjtoimgljaftei- Eierhandel sestgestellt wurde, öfters Taschen und Paketchen gab. Essig, der eine kleine Pappschachtel bei sich hatte, gab auf Befragen dem Schutzmann zur Antwort: „Des ist mei Frühstück". Für dieses große Kriegsfrühstück interessierte sich die Polizei etwas näher und packte aus demselben 12 der schönsten Eier aus. Sodann wurden dem Landwirt, der außerdem etwas verdächtig aussah noch au» den verschiedensten Taschen Eier heraus geholt, im ganzen 27 Stück. Essig, der jährlich 326 Eier verpflichtet war bei seinem Hühnerstand abzuliefern, war mit 248 Stück bei der Eierablieferungsstelle noch im Rückstand. Da Essig die -Eier unberechtigt aus dem Landkreis Wiesbaden ausgefübrt seiner Ablieferungspflicht nicht nachgekommen, wurde er von den Schöffen in eine Geldstrafe von 200 Mark genommen. FO. Schierstein, 26. Mai. Bei einer Bäckerei Resviston dahier wurden in zwei Bäckereien 40 der schmackhaftesten Kuchen beschlagnahmt. FC. Oberlahnstcin, 26. Mai. Die Stadtverordneten genehmigten die Brückengeldverpachtung zu einer Icchressumm« von 14 000 Mark an Frau Knipp. Der Vertrag beginnt am 1. Mai. FC. Branbach, 28. Mai. Die Summe von 2500 Mark bwilligten die Stadtverordneten für die Ludendorff-Spende. Verantwortlich für den politischen und lokalen Leit: Otto Hirfchel. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. H e v n e r. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung^ A. G., Friedberg i, H Wem nie durch We Leid geschah. Roman von Court Hs.Mahler. 2>) Nachdruck verboten. Als Christa so weit gekommen war, nahm ihr Herr von Birkenheim die Feder aus der Hand und schrieb unter den Brief: „Tein getreuer Heinz." Christa hatte diesen Brief in einer leichten Verlegenheit endet. Das Blut war ihr in die Mangen geschossen. Lächelnd sah der alte Herr auf sie herab. „Ter Brief ist Ihnen wohl sauer geworden?" scherzte er. Sie schlug die Augen lächelnd zu ihm auf. „Ich habe hier nur ein Amt und keine Meinung, Herr von Birkenheim." „Sie müssen schon entschuldigen, daß ich Sie zum Gegenstand dieses Schreibens machte." Fräulein Hellmut sagte zu Herrn von Birkenheim:' „Ta ist nichts zu entschuldigen. Ich freue mich doch, zu wissen, daß ich Ihnen sympathisch bin und daß Sie wünschen ich möchte recht lange in Ihrem Hause bleiben." „Wünschen Sie das auch?" Offen und klar ruhten ihre Augen in den seinen. „Ich wünsche, daß es mir gelingt. Sie immer zufrieden zu stellen." erwiderte sie ernst. , Er sclDüeg eine Weile und sah mit Wohlgefallen in ihr »chönes Geücht. Tann nahm er seine Wanderung durch das Zimmer wieder auf. Christa faltete den Brief zusammen, um ihn in einen Ilmschlag zu stecken und zu adressieren. Dabei fiel ihr Blick auf den Namen Frankenau. Dieser Name war ihr schon aufgefallen, als sie ihn niederschrieb. Sie dachte an ihren Reisegefährten, der sich ihr als „Frankenau" vorgestellt batte. Sein aristokratisches Aeußere ließ sehr wohl die Deutung zu. daß er ein Herr von Frankenau sei. Sicher 'bte er in dieser Gegend. Ob die Frau von Frankenau, von -er die Rede war, seine Gattin war oder seine Mutter? Vielleicht doch seine Mutter, denn sie wurde als Freun- Nn des Grafen Steinau und des Herrn von Birkenheim bezeichnet. Von der jungen Gattin des Herrn von Frankenau hätte Herr von Birkenheim wohl nicht so gesprochen. Während Christa auf ein neues Diktat wartete, fiogen ihre Gedanken eigenwillig davon — zu Hans Ullrich von Frankenau. Sie sah im Geiste seine bezwingende, sieghafte Persönlichkeit vor sich, die ihr einen so starken Eindruck ge- macht hvitte, daß er für ihre Herzensruhe gefährlich geworden war. Sie zwang sich aber, voll Mißbilligung an ihn Bekanntmachung Hierdurch bringe ich nochmals die unter Ziffer 4 der Bekanntmachung des Großh. Kreisamtes Friedberg vom 27. August 1917 an^eordiielen Verdunkelungsmaß- nalmen regen Fliegerangriffe, denen auch trotz wiederholter Aufforderung durch die Schutzmann- chasl noch nicht überall eniprochen worden ist, mit dem Anfügen wiederholt zur öffentlichen Kenntnis, daß nunmehr fernere Verseilungen hiergegen zur Bestrafung angezeigt werden. Die Fenster der Räume sämtlicher Gebäude des Stadtgebiets in denen Licht brennt, sind nach Einbruch der Dunkelheit ohne Ausnahme durch Rolläden, dunkle Vorhänge oder dergleichen zu verdunkeln. Fried berg, den 30. Mai 1918. Der Bürgermeister 2. V: Dam m. zu denken. Wenn er eine Braut oder eine Frau hatte, durfte er nicht andere Frauen mit so eroberungslusügen Augen ansehen, wie er sie angesehen hatte. Aergerlich scbob sie den Gedanken an ihn von sich. Aber als sie jetzt ihren Blick zum Fenster hinaus schweifen ließ, sah sie gerade, wie ein Reiter auf dem breiten Kiesweg auf das Herrenhaus zuritt. Ihr Herzschlag stockte einen Augenblick. Sie erkannte in dem Reiter sofort ihren Reisegefährten von gestern. Da Herr von Birkenheim jetzt begann, einen neuen Brief zu diktteren. hatte sie keine Zeit mehr, auf den Reiter zu achten oder darüber nachzudenken, was ihn wohl hierher geführt hatte. Sie schrieb, was Herr von Birkenheim ihr diktterte. Aber als gleich darauf die Türe geöffnet wurde, zuckte sie leise zusammen. Ein Diener erschien. „Freiherr von Frankenau wünscht den gnädigen Herrschaften seine Aufwartung zu machen," meldete er. Herr von Birkenheim unterbrach sein Diktat. „Ich lasse bitten," sagte er. Geicb darauf ttat Hans Ullrich von Frankenau ein. Seine Augen blitzten auf, als er Christa am Sck)reibtisch sitzen sah. Er erkannte sie sofort wieder, und auf seinem Antlitz malte sich ein befremdliches Staunen. Der Hausherr streckte ihm freudig lächelnd die Hand entgegen. „Willkommen in der Heimat, mein lieber Hans Ullrich. Ich freue mich, Sie gesund und wohl wiederzusehem Entschuldigen Sie mich einen Augenblick, gleich stehe ich zu Ihrer Verfügung." Hans Ullrich erwiderte die Begrüßung herzlich. Herr von Birkenheim wandte sich an Christa, die ihn erwartungsvoll ansah und nicht wußte, ob sie gehen oder bleiben sollte. Sie können sich jetzt zurückziehen, Fräulein Hellmut. Vor Tisch bedarf ich Ihrer nicht mehr. Gestatten Sie — £>err von Frankenau — Fräulein Hellmut, meine Sekretärin." Damit stellte er die beiden jungen Menschen einander vor. Hans Ullrich verneigte sich stumm zu Christa. Er wußte nicht, ob er davon sprechen sollte, daß sie zusammen die Reise von Berlin hierher zurückgelegt hatten. Christa sah ihn so kühl und fremd an und neigte, leicht, so formell das Haupt, als sei sie ihm nie vorher begegnet. Daraus entnahm er, daß sie nicht wünschte, daß er von f ihrem Zusammentreffen sprach. Außerdem war er noch so ! ganz fassungslos vor Staunen, daß seine stolze, vornehme Reisegefährttn in der Stellung einer Untergebenen in Birkenheim weilte, daß er keine Worte fand. Christa hatte sich erhoben, verneigte sich leicht vor Len beiden Herren und verließ das Zimmer. Hans Ullrich sah ihr betreten nach^ Als die beiden Herren allein waren, nötigte der Hans- Herr seinen Gast, Platz zu -nehmen und bot ihm ein Ranch- zeug an. „Wir wollen erst ein Weilchen allein plaudern, ehe ich Sie zu den Damen hinüberführe, Hans Ullrich," sagte von Birkenheim. Ter junge Freiherr dankte. Er wußte, daß Zigarren« rauch den Augen des alten Herrn schädlich war und vermied es stets, in seiner Gegenwart zu rauchen. Sie plauderten nun eine Weile sehr angeregt miteinander. Hans Ullrich gab seiner Freude Ausdruck, Herrn von Birkenheim frischer, und wohler zu finden, als vor seiner Abreise. Der alte Herr lächelte. Hans Ullrich war ihm als Lohn seines verstorbenen Freundes lieb und vertraut, und sein Wesen war ihm sehr sympathisch. ,.Ja, ja. Hans Ullrich, ich fühle mich selbst froher und frischer, als lange Zeit. Aber ich glaube, das ist erst seit gestern der Fall, wenigstens ist es mir erst so lange bewußt geworden. Ich bin so froh, daß ich meiner Kusine, der Baronin Haßbach, und meiner Nickte jetzt nicht mehr so lästige Pflichten anferlegen muß. Wie Sie eben sahen, habe ich mir eine junge Dame engagiert, die mir vorlesen, meine Briefe schreiben und mir Gesellschaft leisten soll." „Ich hörte bereits von Mama und Ursula, daß Sie die Absicht hatten, zu diesem Zweck eine Dame zu nehmen und sehe nun, daß es schon gesehen ist." erwiderte Hans Ullrich seine Fassung wiedergewinnend. „-vZa, Fräulein Hellmut hat ihren Posten gestern angetreten, und ich bin sehr froh, daß sie eine so sympathische Persönlichkeit ist. Graf Steinau hat sie für mich gesucht. Sie glauben nicht, Hans Ullrich, wie ich mich vor diesem Wechsel gefürchtet habe. Jeder neue Mensch in meiner Umgebung ist mir in der Regel eine Qual. Aber hier war es ganz anders. Die junge Dame löst ein angenehm friedliches Gefühl in mir aus, und sie ist mir gleich so vertrant, als weilte sie schon seit Jahren in meiner Nähe. Wer auf die Hilfe fremder Personen angewiesen ist. wie ich, und außerdem ein so grilliger, reizbarer Geselle ist, der muß ftoh sein, wenn er eine so sympathische Persönlichkeit in seiner Nähe hat." Fortsetzung folgt. Bett. Die Fleischveriorgung für die Stadt Friedberg. Lelranntmachnng Hierdurch bringe ich zur öffentlichen Kenntnis. daß der Verkauf non Rind- und Kalbfleisch sowie Wurst sür diese Woche am Frei- tag. den 31. Mai 1918. nachmit- ta s von 1—6 Uhr in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden statt- findet. Schweinefleisch gelangt nicht zur Ai s abe. Die Verkaufszeit ist genau ein- zuhaUen. ixriebüerg, den 30. Mai 1918. Der Bürgermeister. 2. V.: Damm. Es starben den Heldentod fürs Vaterland auf Frankreichs blutgetränkter Erde un,ere treuen Mitglieder Hornist August Lind Musketier Heinrich Meß Der Verein wird ihnen stets ein ehrendes Andenken bewahren. Ter Vorstailii D. TiirMminlic Mchshmn Meue Yageszeifüng Bekanntmachung. Fleißiges Mädchen auf sofort oder spö er gesucht i'ioröifiirfi WW!S Var» Homburg v. d. H. Bett.: Erhöhung der Preise für Steinkohlenzas und elekttischen Strom. Gemäß Beschluß der Stadtverordmten-Bersammlung in der Atzung vom 11. April 1'18 wurden siix die Abgabe von Steinkohlenaas und elektrilchem Strom aus den städtsichen Lichtwerken mit Witkung vom 1. April 1918 nachstehende Preise festgesetzt: 1. Eln cbm Stein.ohlengas für Leucht- und Koch'wecke --25 Pfg. 2. Ein cbm Steinkohlengas für Krasizw.'cke — 16 Pfg. 3. Ein cbmSleinkohlengas be;og. d rch Mün-gasmesser -^22 Pfg 4. Eine KW-SiÖ. eiektr. Strom für Leuchtzwecke -- 48 Psg. Friedberq, den 29. Mai 1918. Stadt. Licht- und Wasserwerke Friedberq k. S. A. B a 1 z e r. * J DrucksacBien- Qafertiguag für Handel und Gewerbe Industrie Vereine und Privatbedarf SorgfäStige flusUihrung Massige Preise Quickere! aad Vertag 8.-9. Fernsprecher 48 Friedberg i. H. Haaaaerslr. 12 l öoltbes fleißiges Mädchen tixx Haus- und Gartenarbeit zum 1ö. 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