Numm er 123 _ Mittwoch, de» 29. Mai 1918 _ 11. Jahrgang. Ueu Tage *fi ___V» ’ Die „Neue Tayes?eituug" erscheint reden Werktag. Negeimätzige Beilagen „Der Kauer ans Hessen", „Die Spinnst«»»-", hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Aaenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: GrundzeUe 25 Psg., totale erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Schriftleiturrg und Verlag Friedberg (Hessen), Hanauerftraße 12. Ferniprecher 48. Hemgspreis: Bei den Postanstalten ofeclelfährlich Mk. 2.40 20Pfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme Bostjheck-Eonto Re. 4859. Amt Frankfurt a. M. Ire Aisne und die Desle überschritten. — Pinsn, Chavignon, Kerry au Kar, UaiSly, Sorvre und Fismes genommen. — Kis jetzt 15000 Gefangene. — Reiche Gefchützbente in Aussicht. „Morgen geht's weiter!" Der deutsche Generaistav ^ . meidet: =-.. . .s W. T. K. Geoßes Karrptqnartier» den 28. Mai. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Am Kemmel und an der Lys, auf dem Schlachtfeld zu beiden Seiten der Somme und an der Avre haben sich die Artilleriekämpfe gestern morgen verschärft. Zwischen Voormezeele und Loker stießen wir in die französischen Linien vor und brachten mehr als 300 Gefangene ein. Der Angriff des Deutschen Kronprinzen südlich von Laon führte zu vollem Erfolge. Die dort stehenden französischen und englischen Divisionen wurden vollständig geschlagen. Die Armee des Generals v. Böhn hat den Ehemin des Dames erstürmt. Ter langgestreckte Bergrücken, an dem der große DurMruchsversuch der Franzosen im Frühjahr 1917 zerschellte und den wir aus strategischen Gründen im Herbst vorigen Jahres räumten, ist wieder in unserer Hand. Nach gewaltiger Artillerievorbereitung erzwang unsere unvergleichliche Infanterie im Morgengrauen zwischen Dauxaillon und Eraonne den Uebergang über die Ailette und drang weiter östlich zwischen Eorbeny und der Aisne in die englischen Linien ein. Völlig überrascht, leistete die Besatzung der ersten feindlichen Linien meist nur geringen Widerstand. Schon in den frühen Morgenstunden waren Pinon, Ehavignon, Fort Malmaison, Eourtecon, Eerny, der Winterberg und Eraonne, der Viller-Berg und die ausgebauten Werke bei und nördlich von Berry au Bac erstürmt. . Gegen Mittag war unter steten Kämpfen zwischen Dailly und Berry au Bac die Aisne erreicht. Vailly wurde genommen. Das Trichterfeld der vorjährigen Frühjahrsund Hecbstkämpfe war in unaufhaltsamem Angriffsdrang überwunden. Am Nachmittage ging der Angriff weiter. Zwischen Dauxaillon und Vailly stehen wir auf den Höhen bei Neuville, Laffaux und nördlich von Eonde. Zwischen Vailly und Vcrry-au-Vac haben wir die Aisne überschritten und den Kampf in das seit 1914 vom Krieg unberührt gebliebene Gebiet hineingetragen. Von den befestigten Wald- höhen auf dem Südufer des Flusses wurde der Feind erneut geworfen. Wir haben zwischen VailIy und Bcaurieux die Höhen hart nördlich der Vesle erreicht. # Die Armee des Generals von Below Writz)' warf den Feind aus seinen starken Stellungen zwischen Sapigneul und Vrimont über den Aisne-Marne-Kanal zurück und erstürmte auf dem Westufer des Kanals die Orte Eormicy, Eauroy und Loivre. Bisher wurden 15,000 Gefangene gemeldet. Zwischen Maas und Mosel und an der Lothringer Front lebte die Gefechtstätigkeit auf. Vorstöße in die feind- lichen Linien brachten mehr als 150 Gefangene französischer und amerikanischer Regimenter. Der Erste Eeneralquarliermeister: Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 28. Mai, abends. (WB, Amtlich!.? Fn Fortführung unseres Angriffes über die Aisne wurden die Erfolge des gestrigen Tages erweitert. Wir stehen im Kampf um den Abschnitt der Vesle zwischen Soissons und westlich von Reims und haben zu beiden Seiten von Fismes das Südufer genommen. I Der österreichische Grneralstab — meldet: —■ ■ ^ 8öi«t, 28. Mai. (WB. Amtlich! wird verlautbart: Die Kampftätigkeit am Tonale-Abschnitt flaute geste der Italiener, weiter vorzudringen, wurd ®. n Teil unseres am Eresema-Gletscher eine 'bauten MateruüK M m FeiudeLhand. Durch heftiges Artillerie- und Minenfeuer unterstützte starke Erkundungsvorstöße südlich Eapo Sile brachten den Italiener in den Besitz eines unwesentlichen Teils unserer vordersten Linie. Der Chef des Eeneralstabes. Der bulgarische Grneralstab meldet: Susia, 26. Mai. (WB. Nichtamtlich.) Genewlstabs- bericht. Mazedonische Front: Im Westen und im Norden von Bitolia war die Feuertätigkeit auf beiden Seiten heftiger. Eine französische Angriffsabteilung versuchte sich unseren Gräben östlich von der Straße Prilep-Bitolia zu nähern, wurde jedoch durch eine unserer Patrouillen angegriffen, wobei sie mehrere Gefangene in unseren Händen ließ. Am Dobropolje und südlich von Huma verstärkte sich die Tätigkeit der Artillerie auf Seiten des Feindes. Oeftlich von der Tscherna lebhafte feindliche Luftätigkeit. Feindliche Flieger lvarfen Bomben auf eines unserer Lazarette bei dem Dorfe Nolnitza ab, das als Lazarett deutlich erkennbar war. Das türkische Hanptgnartier —. meldet: — Konstantinopcl, 28. Mai. ralstabsbericht. (WB. Nichtamtlich.^ Gene- Palästinafront. Im Küstengebiet lag auf unseren Batterien stärkeres Artillerieseuer des Gegners als sonst. Auf der iibrigen Front das übliche Störungsfeuer. Südwestlich von Rafat drang eine unserer Patrouillen durch das feindliche Drahthindernis in die englische Stellung ein und vertrieb die dortigen Postierungen. Im Jordantal wurde feindliche Kavallerie abgewiesen. Ein von uns gegen den südlichen Teil des feindlichen Brückenkopfes am Jordan gerichteter Erkundungsvorstoß führte bis an das Drahthinder- nis des Gegners. Feindliche Postierungen und Patrouillen wurden im Vorgelände überall zurückgeworfen. Unsere Flieger bewarfen das Rebellenlager Madi Hesa erfolgreich mit Bomben. — Dardanellen: Lebhafte beiderseitige Fliegertätigkeit. Mesopotamien: Unsere linke Flügelgruppe besetzte Kekkuk, der Engländer zieht nach Süden ab. 15000 Tonnen versenkt. Berlin, 27. Mai. (WB. Amtlich)' Neue U-Bootserfolge im Sperrgebiet um England: 15 000 Bruttoregistertonnen. Zwei tief beladene Dampfer wurden an der Ostküste Englands aus gesicherten Geleitzügen herausgeschossen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Der Sikg m Dmmkg. Berlin, 28. Mai. Der deuffche Erfolg am Damenweg ist ein außerordentlich bedeutungsvoller Sieg. Die neue Schlacht bedeutet eine organische Fortsetzung unserer großen Offensive im Westen, nicht etwa der letzten großen Schlacht, sondern der ganzen Kampfhandlung, die seit März an der Westfront eingesetzt hatte. Der Erfolg ist außerordentlich gleichwie ob nur örtliche oder weiter gesteckte Ziele gesteckt sein sollten. General Foch hatte nach wie vor seine ganzen Reserven nach der Nord-Front zusammengezogen und etwa zwischen Kemmelberg und Amiens massiert. An die Mitte der Front hat im französischen Hauptquartier offenbar niemand gedacht, was schon daraus hervorgeht, daß Foch südlich von Laon abgekämpfte englische Truppen als Ablösung eingesetzt hat. Die Franzosen haben anscheinend noch kräftigeren Widerstand geleistet, aber schon am ersten Tage war von den Unsern ein Spielraum von durchschnittlich 12 Kilometern durchschritten worden, schon am Vornzittag war die Aisne erreicht und am Nachmittag überschritten. Schwierig wird in diesen Fällen wieder unser Nachschub sein, weil alle Wege, seit Monaten zerstört sind, auch eine Bahn von Nor- den nach Süden nicht vorhanden ist. Unsere Verluste sind, wie gesagt worden ist, am gestrigen Tage über alles Erwarten gering gewesen. Berlin, 28. Mai. (3SÜ5.J Die am 27. Mai begonnene Schlacht am^Chemin des Dames hat in wenigen Stunden zu gewaltigen Erfolgen geführt. Aufs neue haben die Franzosen und mit ihnen englische Divisionen bereits am ersten Sturmtage eine schwere Niederlage erlitten. Die feindliche Berichterstattung wird, wie bisher, auch hier versuchen, den großen deutschen Erfolg herabzumindern und bald die volle Bedeutungslosigkeit der wichtigen verlorenen Höhenstellungen feststellen. Welche außerordentliche Wichtigkeit jedoch die Franzosen im Jahre 1917 dieser Stellung beimaßen, beweisen die französischen Funkspr^.che, in denen die Franzosen ihren Erfolg aller Welt verkündeten. Der 'Eiffelturmbericht spricht am 24. Oktober 1917 von einem äußerst glänzenden Sieg und der Eroberung gewaltiger deutscher Befestigungen. Er rühmt.die Tiefe des Vorstoßes von Sy? Kilometer. smal erreichte der deutsche Vorstoß vom 27. 5 1918 bereite bis zum Abend des ersten Tages eine Tiefe von weit über 12 Kilometer. {der Lyoner Funkspruch spricht am 26. Oktober 1917 von einer gewalttgen Niederlage, die die kaiserlichen Elitetruppen am Ehemin des Dames erlitten hätten. Am 29. Oktober ergeht er sich in einer langen Schilderung der besetzten Stellung, die von größter Wichtigkeit sei, da der Ehemin des Dames das sumpsige Ailettetal beherrsche und die Franzosen über die Sttaße von Largon bis in das Gebirge von Laon blicken könnten. Damals schrieb die „Westminster Gazette": Der französische Sieg bedeutet für die Deutschen eine Niederlage von allergrößter Schwere. Die deutsche Kraft ist zerschmettert worden. Von allen Seiten wurden Gliickwunschtele- gramme an den Präsidenten der französischen Republick gesandt und mehrere Generale zu Großoffizieren der Ehrenlegion ernannt. Man darf nunmehr gespannt sein, mit welchen Mitteln die Franzosen die Schwere der neuen gewalttgen Niederlage verheimlich m und der Welt die völlige Bedeutungslosigkeit, des deutschen Sieges beweisen werden. In dauerndem Fortschreiten. Berlin, 28. Mai. (WB.) Der deuffche Angriff ist in dauerndem Fortschreiten. Am ersten Sturmtage war -bereits um 10 Uhr vormittags der Aisne-Kanal an zwei Stellen überschritten, nachdem die gewaltigen Bergstellungen und die Befestigungen der Franzosen in kürzester Zett im glänzendsten Sturmlauf genommen waren. Der Feind war in keiner Weise aus den Angriff vorbereitet. Die efft kürzlich hier eingesetzten englischen Divisionen waren völlig überrascht. Die Franzosen hatten nur örtliche Angriffe erwartet. Bereits sind von 6 Divisionen Gefangene einge- bracht, darunter zahlreiche Engländer der 50. und 8. englischen Division. Nachdem der steile Winterberg schon um 4 Uhr 13 Minuten in deutscher Hand war, wurde der Ehemin des Dames vom Westen her flankiert. Um 11 Uhr 20 vormittags waren deutsche Sturmttuppen im Besitz der Linie Bauxaillon—Hameret Ferme—Höhe 151 nördlich Soupir—Nordrand Moussy—Paissy — Vascogue—Graonelle. Um 11 Uhr 20 vormittags waren der Kugelberg und Biller Berg^rstürmt. Wiederum wurde mit erstaunlicher Schnellig. keit Arttllerie nachgezogen und sofort in Stellung gebracht. Bei Cerny war die Sttaße durch einen Erdruffch versperrt, jedoch nach einer Stunde wieder freigemacht. Die von den Divisionen gemeldeten Gefangenenzahlen wachsen beständig. Schon sind in großer Zahl erbeutete Geschütze gemeldet. Die eigenen Verluste sind gering. Die feindliche Arttllerie antwortete stellenweise nach dem deutschen Wirkungsschießen nicht mehr. Das Wetter an der Kampffront ist ün Gegensatz- zu den Vortagen sonnig und schön. ' ^ v Unermeßliche Beute. k Berlin. 28. Mai. (WB.) Die artilleristische Leistung Ser Deutschen am ersten Tage der Schlacht um den Ehemin des Dames ist ein ballistisches Kraftstück efften Ranges. Das Feuer der deutschen Batterien mutzte unausgesetzt über Berg und TaL gefilhrt werden. Glänzend lösten die Battetteführer ihre Aufgaben. Die feindlichen Verbindungen wurden zerstört und fast «Ul« Kabel zerschossen. Das Sturmreifschießen der teindlichenl Stellungen glSckte im vollsten Maße Düs Mederhalkeü der feindlichen Artillerie, die bald nur noch mit einzelnen D^chützeu antwortete, war gelungen. Zahllose Gefangene unb unermeßliche Deute fiele* den nachfolgenden Jnfanteriewellen in die Hand. Bei Dally wur- den vier Klauengeschütze erobert. Noch am 26. Mai beschossen sie Laon und hätten auch diese Stadt in einen Trümmerhaufen verwandelt, wäre der deutsche Angriff nicht rettend erfolgt. * V«e Meldmri Loa Kaisers. Berlin, 28. Mai. (MTV. Nichtamlich.) Der Kaiser richtete vom Schlachtfelde südlich Laon folgendes Telegramm an ore Kaiserin: „Ihrer Majestät der K^' .In. Neues Palais Wildpark. Wilhelm hat heilte di? Engländer und Franzosen auf dem Chemin des Do cö angegriffen.-Die stark auf- gebaute Höhenstellung ist nach gewaltigem Artilleriefeuer von unserer herrlichen Infanterie erstürmt worden. Wir haben die Aisne überschritten und nähern uns der Veste. Fritz mit der Ersten Garde-Jnfanterie-Division hat als einer der Ersten die Aisne erreicht. Auch die 28. Division hat stch wiederum ausgezeichnet. Engländer wie Frau- zosen sind vollständig überrascht worden. Unsere Verluste sind gering. Morgen geht es weiter! Gott hat uns einen Sieg beschert und wird uns weiter helfen. Gruße. Wilhelm." Mm HÄ gesehen, tote lange England dazu geknmcht hat. um ungefähr eme ebenso große Zahl über den Kanal zu bringen. Und wenn die Truppen dann auch endlich dort stehen, dann muß man erst mit ihnen siegen: denn daß d--S Ausrusten und Befördern von Truppen noch nicht dasselbe ist wie der Sieg, das hat man an dem Beispiel Englands gesehen,. ganz zu schweigen von der Tatsache, daß die Schwierigkeiten im Verhältnis zu dem Abstand, den die amerlkaniscken Truppen auf dem Meer zurückzulegen haben, wachsen. Die Amerikaner gelten als Menschen der Reklame und man ist infolgedessen nicht geneigt, ohne weiteres zu glauben, was Amerika ankündigt. Es ist aber sicher ebenso gefährlich, jetzt die militärischen Anspannungen Amerikas zu unterschätzen, wie es sich als gefährlich erwiesen hat England zu unterschätzen. Jedoch Amerika beginnt jetzt erst,' und es wird noch lange dauern, bis es seine Kräfte ent- wickelt hat. Pujrland. Amerikas Versagen. . Basel, 28. Mai. „Daily Mail" meldet über die Verteilung der Kräfte an der Westfront, daß die Alliierten das Gleichgewicht in der Artillerie und Munition wieder hergestellt hätten. Das Mannschaftsmaterial sei wegen der ge- nngen Zufuhren der Amerikaner noch nicht dem Gegner gleich stark. Man dürfe daher den neuen deutschen Angriff Nicht als unbedenklich bezeichnen, zumal die englische Front auf einen schmalen Streifen längs der Küste zurückgedrängt Sie DWiing tiun Paris. — Ein nnirr fnttangriff. Sa fei, 28. Mai. Hava- meldet aus Paris, daß das' weittragende Geschütz, wie den Blättern berichtet werde, nur geringen Schaden angerichtet habe. Es würden Maß-' vahmn zur Zerstörung des Geschützes ergriffen werden. Havas meldet weiter: Paris wurde am Montag abend gegen 11.35 Uhr durch die Fliegerwache alarmiert. Das Sperrfeuer setzte ein, als sich ein Dutzend feindlicher Flug- zeuge Paris näherte. Mehrere Bomben wurden in der weiteren Umgebung von Paris obgeworfen. Kein Flugzeug konnte jedoch die eigentliche Stadt überfliegen. Um 11.45 Uhr war der Alarm zu Ende. Perms und Soissons beschossen. Genf, 28. Mai. Die französischen Blatter melden die erneute Beschießung von Reims und SoissonS. Sie Kttresonnikliriing in Amerika. Rotterdam, 25. Mai. (WB.) ..Nieuwe Rotterdamsche Courant" schreibt über die amerikanische Heeresvermehrung: Bevor die drei Millionen Mann amerikanischer Truppen in Frankreich sein werden, werden noch einige Jahre vergehen. Rotterdam, 27. Mai. Die „Deutsche Tageszeitung" meldet: Der „Daily Telegraph" berichtet aus Petersburg vom 19. Mai, daß die deutschfeindliche Gesinnung in den unteren Volksklassen in Rußland zunehme, daß aber die bürgerlichen Kreise Hilfe von den Deutschen ersehnten, jedoch nicht aus Zuneigung, sondern aus Eigennutz. In den gro- ßen Städten würden die wirtschaftlichenZnstände immer ver- zweifelter, und es sei zu Hungeraufständen gekommen. In Pawlowsk und anderen Städten sei ein Aufstand gegen die Sowjets losgebrochen, der aber von den politisch zusammen- geschlossenen Teilen der Arbeiterschaft unterdrückt wurde. Die Kirche und die gegenrevolutionären .Kreise bedienten sich jetzt der Hungerzustände für ihre Zwecke. Die Ursache für diese Zustände in den großen Städten seien der Mangel an Verkehrsmitteln und die Weigerung der Bauern, Getreide abzugeben. Aus dem Haag, 27. Mai. Das „Erchange Bureau" meldet aus Moskau: In verschiedenen Städten der Provinz kam es Donnerstag zu ernsten Unruhen wegen der Lebens- mtttelnot. In Nischni-Nowgorod faßten 10.000 Arbeiter einen Beschluß, der sich gegen die Sowjet-Negierung richtet. Sie fordern darin die sosorttge Einberufung der Konstituante und drohen mit einem eintägigen Streik. Drrliattung Drg nripsliilrijm fionlnlg in Sinn. Stiem, 28. Mai. (WB.) Nachdem bereits seit längerer Zeit eine starke Entente-Propaganda in Kiew festgestellt worden war, deren Spuren nach dem hiesigen griechischen Konsulat wiesen, sind unter Mitwirkung der ukrainischen Behörden durch die deutsche Feldpolizei der griechische Wahl- konsul Gripari und der griechische Wahlvizekonsul Wassiliadi unter Spionaaeverdacht verhaftet worden. Letzterer wurde nach der Feststellung seiner Persönlichkeit zunächst wieder entlassen. ' RD ? Zusammenfassung des StaaLsaedankerrL ~ r Staatseinheit und schließlich die For- !Einführung der deutschen Staatssprache feierlich erhoben werden. Die Errichtung von Kreishaup^ Mannschaften in Böhmen bedeute wohl eine zweckmäßi« Vereinfachung der Verwaltung, sei jedoch für iÄS nur unter der Voraussetzung annehmbar, daß sie den Wün. scheu der Deutschen entsprechend erfolgt. Laß die Sprachen, frage im Sinne des Osterprogramms gelöst und die deuttch, Staatssprache eingeführt werde. Rur eine starke zentralü- stifche Staatsgewalt könne auch die deutschen Minderheiten wirksam schützen. Die Sicherung des Weges zur Adria für das gesamte Deutschtum sei eine unbedingte Staatsnot. "d'Skelt. Alle Bestrebungen nach einer tschechisch slowakischen Autonomie müßten ans das allerentscknedcnst^ bekampst werden. Die EntMießung verlangt weiter die Wahrung der Interessen der deiltschen Minderheiten sowie der österreichischen Gesamtinteressen bei der Neuregelung «. er polnischen und ukrainischen Frage und begrüßt die Ver- tiefung des deutsch-österreichischen Bündnisses. Schließlich wurde mit einem einstimmigen Beschluß die Gründung de» deutschen Vorrates für Oesterreich vollzöge» Pr. KraMrjlh ang Prag nng^rtnifirn. SBteit, 28. Mai. (WB.) Die Blätter melden aus Prag: L-r. Kramarsch wurde von der Polizei auf unbestimmte Zeit aus Prag ausgewiesen. Er hält sich gegenwärtig in einem kleinen Orte bei Prag auf. Dr. Kramarsch wurde bekanntlich s. Z^ wegen Hoch- verrat zum Tode verurteilt. Unbegreiflicher Weise be- gnadigt, setzte er in Prag sein Hetzhandwerk mit ungeschwächten Kräften fort. Generaloberst von Kessel ch. Berlin, 28. Mai. (WTV. Nichtamtlich.) Der Oberbefehlshaber in den Marken und Generaladjutant des Kaisers, Generalberst v. Kessel, ist kurz vor Mitternacht rn seiner Wohnung verschieden, nachdem er gestern ftüh einen Schlaganfall erlitten hatte, von dem er sich nichr wieder erholen konnte. Oesterreich-Ungarn. Die Forderungen der Deutschen. Dien, 27. Mai. (WB.) In der am 25. und 26. Mai in Wien abgehaltenen gemeinsamen Beratiing der deutschen Kronlandsvolksräte, in denen die deutsck)en Volksräte für Böhmen, Wien, Niederösterreich. Mittel- und Untersteier, mark, Kärnten, Krain, Tirol, Triest, das Küstenland und Galizien sowie der in der Bildung begriffene deutsche Volksrat für Obersteiermark vertreten waren, wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der die Forderungen Mm me krifi Liede Leid yeschah. Roman von Courlhs-Mahler. ^ Nachdruck verboten. Noch einmal betrachtete er lange und aufmerksam die Photographie. „Wenn Du nur glücklich geworden bist, Maria!" sagte er leise und strich wie liebkosend über das Bild. Dann legte er Brief, Bild und Ring wieder in das Fach zurück und ging im Zimmer auf und ab. Gleich darauf huschte Karla zu ihm ins Zinrmer. „Tu bist allein, liebes Onkelchen! Ich sah Fräulein Hellmut draußen spazieren gehen und eilte zu Dir." „Ich habe Fräulein Hellmut auf ein halbes Stündchen beurlaubt," erwiderte er. „Wird Dir Fräulein Hellmut auch alles recht machen, Onkelchen? Liest sie gut vor? Ist Dir ihre Persönlichkeit angenehm? Wir sorgen uns sehr, Mama und ich, und bei- nahe machen wir uns Gewissensbisse, daß wir es zulüßen, daß Du eine fremde Person zu Deiner Hilfe herbeirufen mußtest," sagte sie schmeichlerisch. „Ihr könnt ganz gut beruhigt sein, Karla. Fräulein Hellmut ist mir sympathisch und wird, nach meinem Ermessen,^ ihr Amt zu meiner Zufriedenheit ausfüllen. Jeden- falls ist es mir ein beruhigender Gedanke, daß ihr. Deine Mutter und Du, euch meinetwegen nicht mehr anzusttengen braucht." „Wir haben es doch so gern getan, lieber Onkel, das toeiftt Zu bock" "£a, Karla, ich weiß es. Aber ich bin ärgerlich auf mich, »aß ich es so selbstverständlich hinnahm. Erst Frau von Frankenau mußte mir die Augen darüber öffnen, daß ich eure Zeit so egoistisch mit Beschlag belegte. Nun fteut euch und genießt sie, Ihr könnt mich ganz unbe- sorgt Fraulern Hellmut überlassen, sie scheint sehr vernünftig und pflichttreu zu fcin, trotz ihrer Jugend. Graf Steinau hat sehr umsichtig fir mich gewählt." Massenerbranknngen in Spanien. Madrid, 27. Mai. (Reuter.) Der König, der Ministerpräsident und andere Minister sind unter rätselhaften Erscheinungen erkrankt. Von dieser Krankheit, die sich über ganz Spanien verbreitet, wurden dreißig Prozent der Bevölkerung befallen. Die Krankheit wird nicht als ernst angesehen. Madrid, 27. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Meldrmg de» Neuterschen Bureaus. Viele Theater bleiben, geschlossen, da das Personal an der unerklärlichen Krankheit leidet. Der Dienst auf den elektrischen Bahnen ist gestört, da die meisten Barnten angesteckt sind. Die Aerzte raten an, ernste Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, da im Jahre 1899 die Pest auf dieselbe Weise begann wie diese Krankheit. Die Blätter verwenden einen großen Teil ihres Raumes, um Einzelheiten über die Krankheit zu geben. Der Bevölkerung wird angeraten, alle Zimmer gut zu lüften und oft an die frische Luft zu gehen. Die öffentlichen Vergnügungen werden so gut wie nicht besucht. Außer dem Ministerpräsidenten sind auch der Finanzminister, der Marineminister, der Unter- richtsminister und ibre Beamten krank. Man vermutet, daß der König cmgesteckt wurde, als er gestern in der Schloßkapelle dem Gottesdienste beiwohnte. „Das freut mich für Dich, liebes Onkelchen. Aber nun etwas anderes. Ich wollte Dir sagen, daß gestern Herr von Frankenau zurückgekehrt ist von seiner Reise." . „Ach richtig seine Mutter sprach mir davon. Da wird ja wohl nun das Leben in Frankenau noch geselliger werden, als bisher. Das freut mich für Dich. Da wirst Du auch etwas Amüsantes haben. Birkenheim ist ein wenig zu still für so ein junges Blut, wie Du bist." „Ach, das mußt Tu nicht glauben, Onkel Heinz. Ich liebe Virkenheim so sehr und möchte nirgends anders sein als hier." „Es soll auch immer Deine Heimat sein, Karla; aber über ein wenig Zerstreuung wirst Du nicht böse sein." Karla stieg eine freudige Röte ins Gesicht bei den Worten ihres Onkels. Das klang doch wieder wie ein Der- sprechen, daß sie einst seine Erbin sein würde. Sie sah noch viel liebenswürdiger und madonnenhafter aus als sonst und umschmeichelke den alten Herrn w^ ein Kätzchen. Seltsamerweise empfand Heute Herr von Birkenheim das Wesen seiner Nichte mit einem Gefühl leisen Unbehagens. Er merkte zuni erstenmal, wie spröde und klanglos die schmeichelnde Stimme war. Der warme Herzenston fehlte. Und in ihren Augen sah er zum erstenmal bei aller Zärtlichkeit ein seltsames kaltes Flimmern. Als jetzt, nach genau einer halben Stunde, Fräulein Hellmut das Zimmer betrat, entließ er Karla. „Du kannst mich unbesorgt Fräulein Hellmut über- lassen, Karla. Ich habe ihr einige Briefe zu diktieren. Bei Tisch sehen wir uns wieder," sagte er. Die Baronesse verabschiedete sich zärtlich von ihm. Sie sprach einige sanfte, liebenswürdige Worte zu Fräulein Hellmut, wobei jedoch ihre Augen mtt einem kalten, hoch- mutigen Blick über das schöne Antlitz derselben flogen. Dann ging sie hinaus. Als Herr von Virkenheim mit Christa allein war, hob sich seine Brust in einem tiefen Atemzug, als sei ihm jetzt freier und leichter zumute, „So, Fräulein Hellmut," sagte Herr von Birkenheim' mit einer einladenden Handbewegung, „nun nehmen Sie an' meinem Schreibtisch Platz. Hier ist Schreibzeug und Papier Mit Schreibmaschine kann ich mich nicht befreunden, das Geräusch macht mich nervös. Sie müssen also mit der Hand schreiben." Christa sah lächelnd zu ihm auf. „Ich habe auch gar nicht gelernt, mit der Maschine zrl' schreiben, Herr von Virkenheim." „So! Nun, dann ist uns ja beiden geholfen. Alsa bitte schreiben Sie." Er diktierte ihr ein kurzes geschäftliches Schreiben und dann einen Brief an Graf Steinap. Dieser lautete: „Mein lieber Rudolf! Herzlich danke ich Dir für die Sorgfalt, die Du darauf verwendet hast, mir eine Vorleserin und Sekretärin zu suchen, die in jeder Weise meinen Wünschen entspricht. Die junge Dome ist mir sehr sympathisch und ich hoffe und wünsche, daß sie recht lange in meinem Hause bleibt. Sehr freue ich mich, daß Du mir für bald Deinen Besuch hast ankündigen lassen. Du weißt, wie dankbar ich Dir bin, daß Du in Deinem viel beschäfttgten Dasein noch zuweilen Zeit findest, Deinem verdrießlichen, alten Freund noch zuweilen einige Wochen Deiner kostbaren Zeit zu opfern. Es geht mir jetzt leidlich gut. Meine Augen schmerzen weniger als sonst, und da ich sie jetzt dank Fräulein Hell- muts Hilfe noch mehr werde schonen können, als zuvor, so wird dieser erfreuliche Zustand hoffentlich anhalten. Ich hatte sä)on längst auf den Gedanken kommen sollen, mir eine Hilfe zu suchen, aber man denkt so oft an das Zunächst- liegende zuletzt. Erst Frau Sabine mußte mich darauf bringen. Du weißt, Frau von Frankenau, unsere verehrte Freimdin, ist immer klüger und umsicMger, als andere' Leute. Sie wird stch auch freuen, wenn ich ihr sage, daß Du bald nach Virkenheim kommst. Also, nochmals herzt lichen Dank, mein Alter, und auf baldiges Wiedersehens Mit herzlichem Grich.7, Fortsetzung folgte Ssheidemnim fur Erzberger: Der soz. Führer Philipp Scheidemann eilt inl -.Vorwärts" seinem getreuen Gehilfen und Gesinnungsgenossen Erzberger zu Hilfe. Er spricht von einem „alldeutsch-vaterländischen Spektakelstück", von einer „vaterlandsparteilichen Erzbergerhetze", die nach ihm den Zweck haben soll, den deutschen Michel nicht mehr an $r''L)en§mÖ0lKf)fetten, an die Vrotrationsverkürzung. an das preußische Wahlrecht, an die Vorgänge in Livland, Esthland, Kurland, Litauen, Polen, Ukraine und andere wichtige Fragen denken zu lassen Scheidemann bescheinigt Erzberger, daß er sich mit seiner Friedensentschließung offen zur sozialdemokratischen Politik bekannt habe, und daß jene Friedensentschließung in erheblichem Maße der Erzbergerschen Rührigkeit zu danken sei. Am Ende aber gelangt Scheidemann zu dem Schluß, daß die ganze Erzbergerhetze eine „recht unbedeutende Sache" sei. Warmn aber hält er es dann für erforderlich, einen ganzen Leitartikel auf Erzbergers Ehrenrettung zu verwenden? Vermutlich deswegen, weil Scheidemann die Gefahr fürchtet, daß Erzberger kaltgestellt und so ihm und der Sozialdemokratie einer ihrer wirksamsten Handlanger entzogen werden könne. Ci»r Zeichen der Zeit. Die Sektkneiperci der Siebzehnjährigen. In welch unsinniger Weise jugendliche Munitionsarbeiter, die sich offenbar auch schon als „Kriegsgewinnler" fühlen, ihre hohen Löhne vergeuden, zeigte wieder einmal eine Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte. Wgen Uebertretung der Polizeistunde war der Geschäftsführer der Gastwirtschaft „Zum Gerstensaft" in der Chausseestraße, Louis Rehra, angeklagt. Der Angeklagte war durch amtsgerichtlichen Strafbefehl in eine Geldstrafe von 150 Mark genommen worden, weil er wiederholt sein Lokal jugendlichen Munitionsarbeitern zur Veranstaltung von Sektgelagen, die sich bis 2 llhr mrgens hinzogen, zur Verfügung gestellt hatte. Wie der Kellner Zahl, der die Anzeige erstattet hatte, bekundete, sei es gar keine Seltenheit gewesen, daß drei 16 jährige Bengel mit ihren „Brou- lens" eine Sektzeche von 5—600 Mark machten. Die Erzählung eines 17 jährigen Arbeiters, der in jeder Woche rund 200 Mark verdient, rief insbesondere bei dem im Dienst ergrauten Gerichtsdiener, der mit 170 Mark monatlich eine ganze Familie ernähren muß. Kopfschütteln hervor. — Der von dem Angeklagten gegen den Strafbefehl erhobene Widerspruch wurde auf Grund der Zeugenaussagen zurückgewiesen. Zur Fudendorff-Zpende. O(n)m nechsde Samsdog un Dogs druff Sucht unser Jungwehr jeden uff Un gibt reichlich Gelegenheit, Zu zeige woahre Dankboarkeit Dene, die drauß schwer mitgenomme, Un invalid sinn haamgekomme. E jeder, wo net geizt mi,m Geld, Vom Ludendorff e Bild* erhält; Druff sieht-mr'n mit dem Hindenborg: Sie schwätze grob ihr'n Kriegsplan dorch Die Muster von dene Geschenke Duhn in veschiedne Läde* henke. E braun Bild gibt's fer zehe Mack, Wer ower dieser greift in Sack Un zwanzig Mack dezu bezohlt, Der kriet's hibsch bündig ausgemolt. Wer mehr als zwanzig will beschdreide, Derf sich aans wehle zwische beide. Spendiert, ihr Leut, net lang besonne! Deß unser Volk seither gewönne, Un deß es bahl lebt ganz im Friede, Des dankt es aach de Invalide! Die hälfe all de Feind bezwinge; Losrt uns fer die e Opfer bringe! Uom Feld» der Ehre. Södel. Der Unteroffizier Konrad Bender, feit Kriegsbeginn im Felde, wurde zum Sergeanten befördert. Herzlichen Glückwunsch. Södel. Dem Ersatz-Reservisten Jakob Graulich, Sohn des Landwirts Karl Graulich, wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Die Hessische Tapferkeitsmedaille erhielt er schon früher. * Aushang bei Bindemagel, Scriba. Stern, Scheuer, Hirsch und Reue Tageszeitung. Aus der Heinrat. Rückgabe russischer Wertpapiere. Die bei der Reichsbank zur Abstempelung eingereichten russischen Wertpapiere können gegen Rückgabe der mit Rückempfangsbescheinigung zu versehenden Quittungen abgeholt werden. Taubstuwmcngottesdicnst. Nächsten Sonntag findet in der Burgkirche Taubstummengottesdienst statt. Prediger Herr Professor I). Dr. D i e h l. Der Gottesdienst beginnt ausnahmsweise um 3 Uhr. Zur Koßlensrage. Man schreibt uns: Die Kohlen- knnppheit, über die bereits schon so v eles geschrieben wurde, hat sich speziell bei unseren landwirtschaftlichen Großbetrieben zu einer wahren Kalamität herausgebildet, verursacht heule wohl die größten Sorgen, um den Betrieb ausrecht zu erhalten. Man ist sich wohl der schwierigen, durch den Krieg geschaffenen Lage vollauf bewußt, man kennt die beschränkte Kohlenförderung und die erschwerten Besörderungsverhältnisse. ober man weiß auch von berufner Seite, daß durch das allzuviele Organisieren bei der Kohle, die Verhältnisse nicht besser, sondern schlechter geworden sind (Wie überall! Die Schristl.) und bei einer gerechten und nicht einseitigen Verteilung der Kohle bei den sogen, kriegsindusiriellen Betrieben Kohle genug für alle Betriebe zur Verfügung ständen. Fast täglich kann man sagen entstehen sogen, neue Kriegsbetriebe, denen die Kohlenlieserung sichergestellt wird, während für die landwirtschaftlichen Großbetriebe, die doch sicher auch kriegswichtig genug sind, keine Kohle vorhanden ist. Die Lage ist geradezu verzweifelt und wo man an- klopst, nichts als verbindliche Worte — und keine Kohle. Man kennt keine Instanz, wo man sich mit Erfolg hinwenden kann, man füllt monatlich die in allen Fachen erscheinenden Kohlenkarten aus und schickt solche an die ausgegebenen Adressen, man scheut weder Zeit, Mühe, noch Kosten und alles hat keinen Zweck. Man hätte sicher schon erwarten können und wir erachten es sogar für seine heiligste Pflicht, daß das hessische Ministerium bei den maßgebenden Stellen in Berlin energisch auf seinem Recht besteht und verlangt, daß die landwirtschaftlichen Großbetriebe mindestens in gleicher Weise wie die sogenannten kriegswichtigen Betriebe, wie Trockenanstallen und Kraftfutterfnbriken, bei der Kohleirlieferung berücksichtigt werden. Wie gesagt, ein Hauptgrund an der ungleichen Verteilung der Kohle scheint die bei uns typisch gewordene an Menschen und Geld verschwenderische Ueberorganisation zu sein, gegen die anzukümpfen ich heute für eine Hauptaufgabe der Presse halte und gegen die sich bereits eine am Samstag im Franlsurter Römer abgehaltene Versammlung der Vertreter von Handel und Industrie Südwest- Deutschlands kräftig zur Wehr gesetzt hat. Durch die atut gewordene Kohlennot wird die Arbeitsfreudigkeit bei den Landwirten gewiß nicht gefördert und dürste es sehr fraglich erscheinen, ob hierbei die vaterländische Aufgabe, die Ernährung der Bevölkerung sicher zu stellen und zu gewährleisten, voll und ganz erfüllt werden tann. Fiat justitia! Ein wahrhaft salomonischer Bescheid für Aepfelwcin- trinker wurde, wie der Frankfurter General-Anzeiger berichtet, diesen durch ein Schreiben der städtisck-en Preisprüfungsstelle gegeben, das ein Leser zur Verfügung stellt. Dieser hatte sich über einen Wirt beschwert, der vor der Abgabe von Aepfelwein dem Gast zuerst ein Schoppen Bier verordnet^ Der Gast, ein älterer Herr, der solä)es Durcheinander von Bier und Wern nicht verträgt, beschwerte sich, und die Preisprüsungsstelle antwortete: „Bei den geringen Aepfelweinbeständen der Wirte kann denselben ihr Verlangen an die Gäste, vor Verabreichung von Aepfelwein erst ein Glas Bier anznnehmcn, nicht untersagt werden. Nicht verlängert 'dagegen Vars der Wirk, Faß Aas zu bezahleüE Bier vom Gast auch getrunken wird. Der Wirt erklär^ ein Verwandter von ihm, der in der Wirtschaft ausgeholfen, habe nicht den Auftrag gehabt, von dem Gast das Trinken des Bieres zu verlangen." — Dieser Bescheid ist selbst in unseres Herrgotts wunderlichem Paragraphengarten, der jetzt allenthalben aufgetan ist, noch eine prachtvolle Blüte. Dazu also hat man eine „städtische Preisprüfungsstelle", damit sie die zwangsweise Vernichtung der knappen Biervorräte verordnet, selbst durch Leute, die gar keins trinken wollen. Weil der Aepfelwein knapp ist, deshalb muß Bier fortgeschüttet werden. Wir fürchten, die städtische Preisprüfungsstelle wird sich mit diesem mustergülügen Bureau* kratenbescheid arg den Unbilden der Witzblätter aussetzen. FC. Bad-Nauheim, 27. Mai. Hier waren die ersten Kirschen auf dem Markt. Sie kosteten das Pfund 1.20 Mark FC. Butzbach, 27. Mai. Da sich die Besucherzahl der oberster Klasse der Realschule wesentlich vermehrt, hat der Stadtvorstand an die Negierung auf einem früher von derselben gegebenen Versprechen fußend, das Ersuchen gerichtet, wieder die seinerzeit aufgehobene Obersekunda neu der Schule anzugliedern. FC. Alsfeld, 27. Mai. Wegen zu hoher Beirievskosten soll die Postverbindung Alsfeld—Loshausen eingestellt werden. FC. Schwanheim, 27. Mai. Am 29. Mai begeht Bürgermeister Diefenhardt dahier sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Auß Starkcnburg. TO. Arheilgen, 26. Mai. Das Korn blüht, somit dürfte aus eine Roggenernte zu rechnen sein In der hiesigen Gegend dürfte somit der Roggen in zirka sechs Wochen reif und mit dem Schnitt kann begonnen werden. Das Legen der Kartoffeln ist ebenfalls beendet, zum Teil stehen sie sehr schön und hat man mit dem Hacken bereits begonnen. FC. Dieburg, 27. Mai. Nachdem erst vor kurzem die Gemeinde Münster infolge Krankheit ihren Bürgermeister verloren hatte, ist nunmehr der langjährige Beigeordnete Braun unerwartet schnell gestorben. Babenhausen. (Aus Bayern kommt nichts heraus.) Bös hereingefallen sind zahlreiche hessische Landwirte der hiesigen Gegend, die nach benachbarten bayerischen Orten zum Einkauf von Ferkeln gefahren waren. Sie erstanden dort zu den bekannten fabelhaft hohen Preisen von 100—125 Mark Ferkel oder junge Läuferschweine zum Preise von 200 bis 240 Mark das Stück. Als sie mit den Tierchen an die Grenze kamen, wurden alle Schweinchen beschlagnahmt. Alle Bitten und Beschwerden halfen nichts, denn aus Bayern darf nichts hinaus, wie ja auch kein Paket über die blauweißen Grenzpfähle hinaus darf, ohne daß die fürsorgliche Polizei erst hineingeschaut hat. Bis jetzt ist den Landwirten für ihre beschlagnahmten Ferkel noch keine Entschädigung gezahlt worden. Die Aufregung der Leute ist begreiflicherweise aufs höchste gestiegen. FC Aus Nheinhefien, 26. Mai. Der Stand der Reben ist in allen Weinorten zurzeit ein ganz vorzüglicher und haben die Winzer infolge der raschen Entwickelung welche die aller früheren Jahre weit überholt, alle Hände voll zu tun. Die Wein- bergsarbeiten sind fast allenthalgben erledigt. Der Austrieb der Reben ist gleichmäßig und die Gescheine find zahlreich vorhanden so daß die Grundbedingung für einen guten Ertrag gegeben. Viele Winzer und Spekulanten halten mit dem Meinverkau? noch zurück, weil ihnen Preise von 6000—6000 Mark für 120v Liter immer noch nicht genügen. Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst der Katholischen Gemeinde. Donnerstag, den 30. Mai 1918: Frohnleichnam. Beicht- gelegenheit am Vorabend von 5 Uhr an und Feiertags früh von 6 Uhr. 4/27 Uhr Frühmesse. 8 Uhr Militärgottesdienst '(Singmesse mit Predigt^. % 10 Uhr Feierliches Hochamt mit Segen und danach Prozession. Nachmittagls 2*4 Uhr Sakramentalischo-Andacht mit Segen. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg-, fiir den Anzeigenteil: R. § evner, I riedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung*, _ _ A- G.. Friedbera i ^ Wetr.: Die Vertilgung der Blutlaus und der Naupennester der Apselge,pinstmotte. Kckauntmttchnttg. Die Blutlaus ist in ausgedehnter Weife an den Apfel- und sonstigen Obstbäumen in den Hausgärlrn der Stadt unb des Stadtteils Fauerbach und ebenso auch an solchen Bäumen in den beiden Feldaemarkungen aufgetreten. Eine gründliche Reinigung der mit der Blutlaus behafteten Bäume ist dringend erforderlich geworden. Durch die Witterung begünstigt ist außer der Blutlaus auch noch die Apfelgespinstmotte an den gleichen Bäumen ausgetreten. Es haben sich Naupennester gebildet, durch die den Bäumen uub der diesjährigen Ernte außerordentlich großer Schaden zugefügt wird. Ein sofortiges Eingreifen zur.Vertilgung auch dieses Obstbauinschädlings ist notwendig. Die Besitzer von Obstbäumen oder die Nutzungsberechtigten dezw.deren Vettrelerfordereichhierdurch miteinerFrtst von 14 Tagen aus. sowohl die Blutlaus als auch die Ralipennester der Apfelge- fpinstmotle von ihren Bäumen gründlich ent,einen zu lassen. Die Vernichtung der Raupennester erfolgt am wirksamsten unter Benutzung von Raupenfakeln. Der Befolg wird durch das Feldschutzpersonal kontrolliert. a Der Richtbefolg dieser Aufforderung wird nach Maßgabe des L6v Ziffer 2 des Str. G. B. und nach der Verordnung vom 19. uni 1900 best vft. ' * ' Lriedberg. den 27. Mai 191SL Le, Bürgermeister 2. L: Damm. He'ranntmachnng. Von Donnerstag, den 30. d. MrS. ab, verkaufen wir in den hiesigen Kolonialwarengeschäften MagermilelipiiIvGr Preis pro Mund 2.25 Mk., Migemilch in Dosen Preis per Dose 1.20 Mk. Fricdderg, den 28. Mai 1918. Der stcllvcrtr. Bürgermeister, fitädt. Lebensmittel-Ausschuß) I. A.: Langsdorf. NiOch-Versttigemil imWchrheimcrGemeindewald (Distrikt 6, 12 a u. Totalitäten.) Montag, den 3. Juni, vormittags 10^/2 Uhr, in der Gastwirtschaft „ZumTaunus"zuWehr- heim: 338 Fichtenstämme I. bis II. Kl. 208,98 fm 681 Fichtenstangen I. Kl. 200 Fichtenstangen II. Kl. 172 Ftchtenstangcn 11L Kl. Wehrheim, den 24. Mai 1918. De, Bürgermeister r veity - H ÜMpiiMif» das die Kurz- und Modewarenbranche erlernen will, zum baldigen Eintritt gesucht. Clementine Stern, Friedberg. Kaiserstraße Nr. bl, gegegenüber der Engel-Apoth. SMiittnfarfcn "L'L° |Uii jriliia Qnättti Landwirte sorgt für Erünfutter! Besonders in diesem futterarmen Kriegsjahre wird jede landwirtschaftliche und jede Kleinvieh haltende Familie Deutschlands Griinfutter, eine gesunde Tiernahrung, doppelt hoch einschätzen. Viel Griinfutter auf einer kleinen Fläche schafft man sich auf 30 Jahre hinaus durch eine Comsiey-Anlage. Beste Pflanzzeit: Mal. „Comfrey" wird von Schweinen, Rindvieh,Pferden,Ziegen,Schafen, Kaninchen und Geflügel gern ge- freffen. J 00 Stecklinge 1 Mark, 1000 Stecklinge 8 Mk., 10 000 Steck- linae 70 Mk. „Comsrey-Pflanzen" gleich wachsend, ein Drittel mehr. Deutscher Reis für 200 Pflanzen» famea 1 Mark. Helianthlkuollen 100 Stück 2 Mark. Kulturanweifung-Berfand Franz Jos. Beck, Fulda Die Herren Landwirt» und Dreschmaschinenbcsiße» von Friedberg und Hingegen^ weiche ihren Bedarf an MaschineM uni) conf.. Fell. Zylinder- unii ZentrisuMöl Ä* für die Sommermonate bei ml, noch nicht angegeben haben, bitte ich» Ihren Bedarf doch umgehend» bet mir anmeiden zu wollen. I. Blillinkijitr Nachfolgt^ Nttgtll, Walerial-, Färb- «. Y-I-oial»^ Friedberg ü H. Verkaufe 14 Tage alt mit Gluck, fl. Heckma«^ Langd b. Hungettz^ Ach, es ist ja kaum zu fasten, Daß du nimmer kehrst zurück: Co früh mußt du dein Leben lasten. Zerstört ist unser ganzes Glück. Nun ruhe sanft du gutes Herz. Du hast den Frieden und wir den Schmerz. - - ri ^wandten, Freunden und Bekannten hiermit die schmerzliche Nachricht, daß mein mnigstgeliebler Gatte, unser guter hoffnungsvoller Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Neffe Ksrl Stüber Uiitkr-offizier im Nes.-Jnf.-Reg. 224, 2. Kompagnie Tnhnber 6« Hess. Tapferkeitsmedaille und des Eisernen Kreuzes nach 43monatiger treuer Pflichterfüllung am 17. April im nahezu vollendeten 28. Lebens- ro s b »wt Ä - ne E? 5 pfer fl eiQ[Ien und seinem am 2. September 1914 gefallenen Bruder Adolf rn die Ewigkeit gefolgt ist. " Wölsersheim, den 28. Mai 1918. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Emilie Stüber, geb. Diehlmann, nebst Familie Familie Heinrich Stüber I. Frau Lisette Aledter Wwe. » fl • Große Bekanntmachung. Schokolade-Abgabe. Werdende Sliitter, die ihrer im Lause der nächsten drei bevontehenden Ni-dertunft emgegen ehen. sowie stillende Mütter erhalten gegen ärztliche Bescheinigung Niaenoe -Nulter, 200 Gramm Schokolade zum Preise von 2 Mk Die Ausgabe findet Mittwoch, den 29. ds. Mts aimmet’ftaM 61 ' Bescheinigung, in unserem Geschäft» Bescheinigungen werden im Museumsgebäude. Saaastrane von Herrn Kreisarzt Medizinal,at Dr, Siebe,, Mittwoch, den 2g ds nachmittags von ‘/,4 Uhr kostenlos ausgestellt. Dr. Nebel mi.br, "ngen,'"-^" 8 “ $Ctm M°dizin°lrat Friedberg, den 27. Mai 1918. Der stellv. Bürgermeister (stadt. Lebe, smittel-Ausschutz) 2. A.: Langsdorf. " — " Ein 14 Monate altes EToSileii Rappe, belgischer Schlag, sehr j> kräftig, steht zum Verkauf bei Daniel Rubel, Ackerer, Haschbach, Bezirk Homburg, Bahnst. Glanmünchweiler, 2 me BMeMen gestickt und gehäkelt, sowie ver- Ichrebenes ^ andere zu verkaufen. Näheres rn der Geschäftsstelle der ..Neuen Tageszeitung." Braves sofort gesucht Leo Keller, Friedberg. 8 Kaiserstratze 51, im Laden. i2 Tkg7°l.° zu verkaufen bei Piee Wwe., Weckesheim. Aas rn Bad Homburg v. d. Höhe. 2m Auftrag des Bevollmächtigten versteigere ich am 3., 4. und 5. Juni, vormittags 10 Uhr anfangend, gegen sofortige Barzahlung das - gksmie Zwtüklir ks mlustrn 6M-KM. LiiftiftHe 8S an Ort und Stelle: 53 Schlaszimmer-Emrichtungen in Eichen. Nußbaum. weiße Steinerbetten mit Roßhaarmatratzen 2tür Kletderschranke. Waschtische mit Marmorplatten und Spiegeln. Nachttische, Stühle, Handtuchgestelle. Saloneinrichtungen (komplett) Büffet (geschnitzt). Bücherschränke. Kleiderschränke. 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Das Reich kann und soll in Erfüllung seiner Pslftftr dusch eme allgemeine Sammlung entlastet werden. Aber auch durch well> herzige gesetzliche Regelung der Rentenfragen kann nicht in jedem Falle so aebolien werden wie es unserem vaterländischen und sozialen Empfinden entspricht Sie t!äar notwendig etwas Schematisches, an sich und ist in ihrer Starrheit außerstande dem B? ursnis und der Dringlichkeit jedes Einzelfalles gerecht zu werden. Es bleiben zahlreiche Falle übrig, bei denen schnellstens geholfen werden muß. um bittere Rot und Verzwelflung abzuwenden Dieses kann nur durch freiwillige Liebestäligkeit geschehen. setzt die bürgerliche Krigsbeschadigtenfürsorge ein. Sie will den Krieau beschädigten ms Wirtschaftsleben zurückführen, feine Kraft dem deutschen Volksaanien wiedergeben ^zhr umfangreiches Arbeitsgebiet umfaßt Berufsberatung Berufsan>-- bildung, Arbeitsbeschaffung, ergänzende Heilbehandlung, Ansiedlung, Wohnunas- und ^amiliensnriorge sowie Eeldunterstützung bei besonderer Hilfsbedürftiqkeit. r .^uf dem großen Nachbargebiet, der Fürsorge fürdie Kriegshinterbliebenen lind ^ ^^^sbegmn gewaltige Summen aus freiwilligen Spenden zufammen- .dank dieser, kraftvollen Unterstützung aller Volkskreise verfügt die National- gesaüene!? Kriegs 100 2,f,riwnen TOotC für die Witwen 'und Waisen der Den Kriegsbeschädigten bringt das deutsche Volk sicherlich gleich warme Antoil- (£s ? a ? es Getreuen schuldet, die mitVem Leibe dL denklche Scholle gegen den Ueberfall gedeckt, den Krieg weit hinaus in Feindesland Vllickll^ d>e Heimat vor Verwüstung und Gewalttat beschützt haben. Heilige F. * C \ b T\, bt ! uns geblutet und gelitten haben, in umfassender Weise zu helftn und überall dort einzugreisen, wo staatliche Hilfe nicht ausreicht niemal«- ausreichen kann. Dreses vaterländische Gebot zu erfüllen ^' nlemat- ist das Ziel der Ludsirdorff-Spende! allgemeine Sammlung im ganzen Reich wendet sie sich an jeden Deutsches Geb mel6etta9t