Montag, den 27. Mai 1918 Dummer 121 11. Jahrgang Die Tsn-srritui-q" erscheint jeden Werktag. Negelmätzige Beilagen „Der Kauer aus fitir»«", ,.D>- Spinnkube". Keiugspreis! Bei den Poftanstalten vierteljährlich Mk. 2.40 Linzu 'tritt nach das Bestellaeld: lei den Aaenten monatlich 85 Pig. einschließlich Trägerlohn. Anreiz»»: Grund-,eil- 25 Psg.. lokale 20 Mg, An, eigen von auswärts werden durch Pojtnachnahm» erhoben. E iullungsort lrriedberg. Schriftleit.inc, „nd Verlag -rrisdberg (Hessen,, yanauerstratze 12. ,r-rn>vrech-r 18. Pvitschet-Lvulo Ar. 48»S. Amt Uraaiiurt a. 9!l. iiMttm AMMriier in i ii. Mehrfache englische UorstSße der Kueqnoy gescheitert. — Abflauen der Kämpfe in Italien. 31500 Tonnen versenkt. — Deichstagspraftdent Kämpf Der deutsche Generalstak -— meldet: == m, I Der bulgarische Generalstad meldet: M. T. K. Großes Aanplguartier» den ^5. Mar. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Die Kanrpftätigkeit der Artillerie blieb tagsüber bei Sturm und Regen in mäßigen Grenzen. In'Verbindung s mit nächtlichen Teilangriffen des Feindes nordwestlich vom iKemmel, nördlich und westlich von Albert nahm sie vorübergehend große Stärke an. Die feindlichen Angriffe brachen überall verlustreich zusammen. Bei Hamel warfen wir den Feind im Gegenstoß zurück; im. übrigen wurden seine Sturmtruppen schon vor unseren Linien zusammenge- fchossen. Die Besatzung eines Beobachtungsflugzeugs, Leutnant Eisenmenger und Vizefeldwebel Gund, haben am 23. Mai aus einer Kette von sechs englischen Kampfeinsitzern vier Flugzeuge abgeschossen. Der Erste Eeneralquartiermeister: Ludendorfs. Aderrdberkcht. Berlin, 26. Mai, abends. (WTB. Amtlich!^ Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. » M. T. K. Großes Honplqrrartter, den 26. Mai. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Südlich vom Nieuport-Kanal und beiderseits von Drx- Mriden nahmen wir bei kleineren Unternehmungen mehr als 70 Belgier gefangen. Das tagsüber mäßige Artilleriefeuer wurde am Abend in einzelnen Abschnitten der Kampffronten lebhafter. Nach Einbruch der Dunkelheit trat im Kemmelgebiet, südlich von Her Somme, zwischen Moreuil und Montdidier zeitweilig ^erhebliche Feuersteigerung ein. { . Bei Vueguoy scheiterten mehrfach englische Vorstöße. Auch in den übrigen Abschnitten dauerte rege Erkundungs- lätigkeit des Feindes an. Hierbei wurden, westlich von Montdidier Amerikaner, im Ailette-Grunde Franzosen und auf dem Südufer der Aisne nordöstlich von La Neuville Engländer gefangen. Der Erste Eeneralquartiermeister: Ludendorff. Abendderichl. Berlin, 26. Mai, abends. (WB. Amtlich.) Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der österreichische Generalstak irr——-— meldet: ... Wien, 25. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: Die Kämpfe im Zugna-Raum flauten gestern wesentlich ab. Auf der Hochfläche von Asiago und an der unteren Piave scheiterten feindliche Erkundungsvorstöße. In Riva wurden durch feindliches Actilleriefeuer einige Häuser be- fckxidigt. lieber dreißig feindliche Flugzeuge haben Feltre mit Bomben belegt. Ein Zivilist wurde gelötet, acht wurden verwundet. Sonst wurde nur geringer Sachschaden erzielt. Feldpilot Offizierstellvertreter v. Kiß, einer unserer erfolgreichsten Piloten, wurde im Luftkampf abgeschossen und tot geborgen. • • £• Der Chef des Generalstabes. ' I-T'-T- ,*-1 f, Dien, 26. Mai. WB.) Amtlich wird' verlairtbart: Außer einigen durch Artilleriefeuer unterstützten Erkundungsversuchen der Italiener am Touale-Abschnitt keine besonnen Ereignisse. Der Chef des Eeneralstabes, Sofia, 24. Mai. (WTB.) Generalstabsbericht. Mazedonische Front: Westlich vom Ochridasee zerstreuten wir durch Artilleriefeuer französische Angrifss- trüppen, die sich nach Artillerievorbereitung unseren Posten zu nähern versuchten. Im oberen Skumbi-Tal, südlich von Huma und bei dem Dorfe Altschak Mah wurde die feindliche Artillerietätigkeit sehr lebhaft fortgesetzt. Im Struma-Tal Patrouillengefechte. Bei Ochrida und im Wardartal lebhafte feindliche Lufttätigkeit. Sofia, 25. Mai. (WB. Nichtamtlich) Generalstabsbericht. Mazedonische Front: Im oberen Skumbital schlugen die vorgeschobenen Einheiten zwei aufeinanderfolgende Angriffe mehrerer französischer Kompagnien ab. Südlich der Struma hält die feindliche Artillerietätigkeit an. Zwischen Wardar und Dojransee zersprengten wir englische Angriffsgruppen durch Feuer. Oestlich Dolzeli und südlich von Dojran war die beiderseitige Feuertätigkeit lebhafter. Das türkische Kanptquartier •== meldet: ===» Konstanckinopcl, 25. Mail (WB.) Heeresbericht vom 24. Mai. Palästinafront: Ein nach mehrstündiger Feuervorbereitung nachts östlich der Straße Nablus-Jerusalem gegen unsere Stellungen vorbrechendes feindliches Bataillon wurde abgewiesen und erlitt schwere blutige Verluste. Dasselbe Geschick ereilte feindliche abgesessene Eskadrons, die im Jordan-Tal nach Norden vorzudringen versuchten. Im Jordanbecken verhielt sich die feindliche Artillerie tätiger als sonst. In der Gegend von Jerichow und nordöstlich labhafte Tätigkeit in den feindlichen Lagern. Am 21. Mai warfen englische Flugzeuge zwanzig Bomben auf Media, die keinen Schaden verursachten. In den Dardanellen kam es zu Luftkämpfen zwischen einigen unserer Kampfflugzeuge und feindlichen Flugzeugen. Im Verlaufe des Kampfes schoß Oberleutnant Cro- neise ein feindliches Kampfflugzeug ab, das brennend abstürzte. Die Reste sind in unserer Hand. Dies ist das siebente Flugzeug, das Oberleutnant Croneise hier abschoß. Auf den übrigen Fronten ist die Lage unverändert. 3 t 500 Tonnen versenkt. Berlin, 24. Mai. (WTB. Amtlich.) An der West- küste Englands wurden von einem unserer U-Boote versenkt: Die englischen Dampfer „Princeß Dagmar" (913 Brt.) „Dux" (1350 Brt.) und „Wylicy" (6000 Brt.). Alle drei Schiffe waren mit Kohlen beladen. Im ganzen wurden nach den neneingegangenen Meldungen der U-Boote vernichtet: 15 000 Brnttoregistertonnen. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. Berlin, 25. Mai. (WTB. Amtlich.)' U-Bootserfol- ge auf dem Nordseekriegsschauplatz. Nach neu eingegangenen Meldungen unserer U-Boote 16,500 Brnttoregistertonnen. Ein tiefbeladener Frachtdampfer von mindestens 6000 Brnttoregistertonnen wurde aus starker Sicherung, ein anderer großer beladener Dampfer aus gesichertem Geleitzug herausgeschossen. Der Chef des Admiralstabs der Marine. « London, 25. Mai. (WB.^ Meldung des Reuterschen Bureaus. Amtliche Meldung. Der armierte Hilfskreuzer „Moldavia",9500 Tonnen, ist am 23. Mai früh torpediert worden Ulrd dann gesunken. Es gab keine Menschenver- luste unter der Mannschaft, doch werden 66 amerikanische Soldaten vermißt. Es ist zu fürchten, daß sie in einer * Abteilung durch eine Explosion getötet wurden. London, 24. Mai. Reuter meldet: Der irische PosA dampfer „Juniscara", 1450 Tonnen, wurde am 24. Mar auf einer Reise von Fishguard nach Cork torpediert und ist gesunken. Fünf Mann der Besatzung einschließlich des Kapitäns wurden gerettet, die übrigen 37 Mann werden vermißt und sind wahrscheinlich umgekommen. „Snnifcara* sank sehr schnell. Einer der Ueberlebenden wurde an Bord des Unterseebootes genommen. Der Kapitän deri „Juniscara" ist ernstlich verwundet. * Berlin, 24. Mai. (WB.) Am 8. Mai konnte von de0 Erfolgen des unter dem Befehl des Korvettenkapitäns Eckelmann stehenden Unterseekreuzers berichtet werden, der im Sperrgebiet um die Azoren 17 wertvolle Schiffe verr senkte. Der inzwischen eingegangene Bericht des Kommas danten enthält manche bemerkenswerte Einzelheiten, die fo< wohl den zähen Widerstand einiger angegriffener Schifft, als auch das menschenfreundliche Verhalten der U-Kreuzer* besatzung überzeugend dartun. So bestand der U-Kreuzer ein Gefecht mit dem italienischen, mit zwei Geschützen bewaffneten Dampfer „Promete" (4455< Brt.), der von einem amerikanischen Hafen im Golfe von Mexiko mit einer Ladung Naphta für die italienische Flotte nach Messina unterwegs war. Schon nach dem ersten Warnungsschuß er- öffnete dieser Dampfer aus beiden Geschützen das Feuer, fein Widerstand wurde jedoch durch das gut gezielte Schnell« feuer des U-Kreuzers gebrochen. Durch einige Volltreffer war die leicht entzündbare Ladung des Dampfers in Brand» geraten, was die Besatzung zum Einstellen des Feuers und Setzen der weißen Uebergabeflagge veranlaßt^ Das von beiden Seiten mit großer Erbitterung durchgeführte Feuergefecht hatte aus deuffcher Seite weder Verluste noch Beschädigungen, auf italienischer Seite jedoch nicht unbedeutende Menschenverluste verursacht. Fünf Mann, darunter ein Offizier, waren gefallen, zehn Leute teils schwer, teils leichter verwundet. Die Verwundeten wurden an Bord des Kreuzers ge- nommen und von dem Arzte verbunden. An Stelle des leck geschossenen Rettungsbootes wurde den Italienern das Boot von einem anderen bereits vorher aufgebrachten, noch in der Nähe treibenden Dampfer übergeben, und die Schiffbrüchigen wurden auch mit Lebensmitteln ausgerüstet. Zwei Tage später hielt der Kreuzer die schwedisckxWier- mastbark„Magda" an, die mit einer Salzladung fiir die schwedische Negierung von Spanien nach Schweden unter» Wegs war. Obgleich sich der Segler einwandftei innerhalb des Sperrgebietes befand, seine Versenkung mithin berech tigt gewesen wäre, wurde in Anerkennung der für das» Segelschiff bei widrigem Winde bestehenden Schwierigkeit die Grenzen des Sperrgebiets zu meiden, hiervon abgesehen. - Die Kampfe in Italien. Schweizer Grenze, 25. Ma. Der „Berner Buntft meldet: Aus italienischen Berichten geht hervor, daß der Kampf vom Ademellogebiet bis zum Montello immer gewaltiger anschwillt. Oesterrcichische Vorstöße werden be- ständig von italienischen Angriffen abgelöst. Man kann von einergewissen Verstrickung der dort im Gange befindliche« Kämpfe sprechen. Am fchärfften baden sich die Kämpfe zwischen dem Gardasee und dem Mte. Pasubio herausgebildet. Hartnäckiges Ringen ist um den Mte. Eorno ent? braut. Es heißt, daß es sich um die Einleitungskämpfe w dem großen Angriff handelt. }\\x inilitürildien fuge in M-Alrika. Soweit sich aus den nur sehr unvollkommenen und zudene teilweise noch widersprechenden feindlichen, vor allen Dingen englischen und portugiesischen Pressemeldungen ein Bild gewinnen läßt, war die militärische Lage in Portugiesisch-Ostafrika zu Anfang d. M. etwa folgende: Mit Ende der Regenzeit, die etwa um den 20. April herum aufgehört zu haben scheint, begann der Feind seine durch den deutschen Widerstand mrd di« ungünstigen klimatischen Verhältnisse ins Stocken geratenen V« wegungen gegen die deutsche Hauptmacht, wieder aufzunehmei^ welche auf der gesunden Ranungo-Hochedene tn der portugiost- schen Njasfa-Provinz, etwa in der Mitt« zwischen dem Südens des Njasia-Soes und dem Saleu van Vorte Amelia an der Kiists Je» 5*39* OffOM 690*9 M«MW* *39. Sforfftc SU*, ^«ngsabteilunge« stände« östlich der Hochfläche von ftommgt i» der Gegend der Mnalia-Berge dort t» Kampf mit einer »nter ^dem Befehl des General» Edwards stehenden gemischte« eng^ tisch-portugiesischen Kolonne. Eine andere SicherungsaLteilun-g kämpfte westlich von Nanunge mit den Vortruppen der unter dem Befehl des Generals Rorthoy stehenden englischen Njassa- soe-Kolonne. Im Norden befanden sich deutsche Postierungen südlich der Oisulu-Verge, welche von den Portugiesen wieder besetzt zu sein schienen, am Lutfchendar-Flusse. Zwischen den Portugiesen im Oisulugebirge und der Kolonne des Generals Nor. thoy in der Landschaft Mahua sind anscheinend, sei es durch Streifabteilungen dieser Kolonne oder durch besondere Truppen- körper über den Platz Mtarika hinaus. Verbindungen hergestellt worden. Südlich der Nanungo-Hochebene und zwar noch Aenseits des Lurio-Fluffes. etwa 50 Kilometer von dieser entfernt in der portugiesischen Provinz Mozambique. fanden Kämpfe vorgeschobener deutscher Abteilungen mit einer portugiesischen Kolonne statt und zwar in den Ribave-Vergen. Feind. lichenMitteilungen zufolge sollte in der ersten Hälfte des Monats Mai das Netz über der letzten deutschen Streitmacht in Afrika zusa mm eng ezogen werden. Bisher scheint die Erfüllung dieser feindlichen Hoffnungen noch auf Schwierigkeiten gestoßen zu sein. Der letzte englische Bericht weiß nur einige Einzelheiten über ein am 5. Mai stattgehabtes, zum mindesten unentschiedenes Gefecht der Kolonne Northoy. westlich von Nanunge zu Gehen. Das Gebiet, welches unsere Truppen Anfang Mai in Ostafrika noch beherrschten, belief sich auf über 20 000 Quadratkilometer. Die fnalifdirn Man-msse auf Mrim?. ... London, 25. Mar.- (WB.) Vom 20. bis zum 22.'Mar führten Teile unserer Luftstreitkräfte Bombenunterneh- rnungen gegen Zeebrügge, die Molt, den Stützpunkt der Wasserflugzeuge und die in Wache liegenden feindlichen Schrffe, ferner gegen Thouront und den feindlichen Flugplatz von St. Denis-Westrem aus. Es werden zwei Volltreffer auf feindlichen Torpedobootszerstöreru gemeldet, mit dem durch photographische Aufnahmen festgestellten Ergeb- ein Zerstörer gesunken ist. Außerdem wurden drei feindliche Flugzeuge steuerlos Heruntergetrieben. Alle unsere Flugzeuge sind unbeschädigt zurückgekehrt. Hierzu erfährt das Wolffbllro.von zuständiger Seite, daß in der knrt amtlicher englischer Meldung angegebenen Zert vom 20. bis 22. Mai zwar mehrfach Fliegerangriffe Zeebrügge und seine Umgebung vom Gegner ausge- fubrt worden sind, irgendwelche Erfolge blieben dem Gegner ledach versagt. Bei dem Fliegerangriff zwei Tage vorher am 18. Mar, auf die Werft von Zeebrügge erhielt eines mfterer Torpedoboote durch eine Fliegerbombe leichte Schädigungen. Es ist keines unserer Torpedoboote gesunken Dre Engländer verloren bei ihren vergeblichen Bemühungen unseren flandrischen Stützpunkten durch Fliegerangriffe Schaden zuzufügen, allein vom 18. bis 22. Mai fünf Flugzeuge. Ein weiteres wurde zur Notlandung gezwungen und die Besatzung gefangen genommen. Der llnfrrrrtnfl des Demichilcheii Kreters „Wien-. Wien, 24. Mai. In einer schriftlichen Beantwortung der Anfrage des Neichsratsabgeordneten Denk betreffend die Torpedierung S. M. Schiffes „Wien" erklärte der Lan- desverteidigungsminister, daß es feindlichen Motorbooten gelungen sei, sich den mit Sperranlagen gesicherten Einfahrten des neuen Triester Handelshafens unbemerkt zu nähern.^ Daß. aicher dem Kriegsschiff „Wien" noch ein -wer tos Schi ff einenTorpedootreffer erhalten hätte, entspreche nicht den Tatsachen. Die Organe, die an dem Verluste der Wien" dre Schuld ttügen. würden zur Verantwortung gezogen werden. Der Vorwurf, unsere Schiffe lägen untätig tn den Häfen, könne sich nicht auf die weitaus überwiegende Mehrzahl unserer Einheiten beziehen, da diese bis aufs äußerste angestrengt und tättg seien. 'iMMnt W DekKvchKmd, Ekbkte und st9 Do* uatf KmckrsuSrepubkken bk Zuständigkeit Gowjet-Del^ gation abgelehnt hätten. Der russische Vorsitzende Rakowski erklärte dies zunächst für eine innere russische Angelegen- Heft und ersuchte dann, die Frage schriftlich zu stellen, worauf schriftlich geantwortet werden würde. Die Frage Scheluchins, ob die Ukraine von der russischen Derttetung als rmabhängiger Staat unerkannt würde, wurde von ruf- sischer Seite bejaht. In der heutigen Vollversammlung wurde die Zustan- digkeitsfrage der großrussischen Delegation noch nicht geklärt Die ukrainische Delegation fordert erstens Generalvollmacht für die großrussischen Delegation zum Abschluß aller in Be- tracht kommenden Verträge, zweitens klare Definitton der durch die großrussische Delegation vertretenen Gebiete. Die Sitzung wurde auf morgen nachmittag vertagt. Das wirtschaftliche Programm LeninS. . Kowno, 25. Mai. (WB.) Die „Baltisch-tttauischen Nachrichten" erfahren: Nach Meldungen Petersburger Blätter vom 21. d. Mts. hielt Lenin in Petersburg eine Rede über die künftige Wirtschaftspolitik Rußlands und führte darin aus: Das Ziel müsse unter allen Umständen eine völlige Vernichtung der Bourgeoisie sein, danach müsse die künftige Agrar- und Schulgesetzgebung eingerichtet werden. Die Verhältnisse im Währungswesen seien unhaltbar, und zu ihrer Gesundung werde ein Gesetz erlassen, nach dem alle umlaufenden Zahlungsmittel für ungülttg erklärt werden. Sämtliche Zahlungsmittel seien einzureichen und die Ein- reicher zu registrieren. Ersgtz werde geleistet durch neue Zahlungsmittel nur bis zu einem Betrage von 2000 Rubel für jeden einzelnen Einreicher. Der Rest verfällt der Allgemeinheit. * Kiew, 24. Mar. (WB.) Nach Moskauer Zeitungen betragen die Halbjahresausgaben der Sowjetregierung 40 Millionen Rubel. Der Moskauer Großindustrielle Wtorow wurde am 20. Mai in feinem Bureau ermordet. fr -fr*« Lea» OOxz Loch wohl Mette laste», «ß W®**« aHo zunächst und werde» vermutlich, wen» da» auf M* Stowt nicht gehe» sollte, mif die Suche noch völkerrechtliches Zwirnsfaden gehen, die uns hindern könnten, hi« so zu Handels wie die einfachste Vernunft es uns gebietet. Bel ihren Bemühungen dies« Art wird ihnen denn auch der Segen des Auswärtigen Amtes nicht fehlen. Die Gründe, weshalb es sich na- mentlich bei d« Frage, was aus dem Großfürsten Nicolai Ni^ colajowitsch wird, um eine Angelegenhett von denkbar größt« Wichtigkeit für das Reich handelt, sollen hier im übrigen nicht noch einmal auseinandergesetzt werden- gleichviel, ob die übrige Presse unserer Meinung ist, oder nicht, werden wir die Sache nicht ruhen lassen. Und so richten wir denn an das Auswärtige Amt abermals die Anfrage, wie über die Gefangenen von Pakts verfügt worden ist. Wir widerholen: Es muß unter allen Um. ständen jede Möglichkeit ausgeschaltet werden, daß im Zusammenhang mit den schwebenden kriegerischen Wirren Großfürst Nicolai Nicolajewitsch sich je wieder, gleichviel wie und wo. zugunsten unserer Feinde militärisch betätigen kann. Ebenso dürfen die von uns befreiten bisherigen Gefangenen der Sow. jet-Rcgierung nicht die Möglichkeit erhalten, vor dem allgemei- nen Frtedensschluß anders als von deutschem Boden aus und unter deutscher Aufsicht ihre persönlichen Angelegenheiten, oder die ihrer Dynastie, oder auch russische Staatsangelegenheiten, gleichviel, in welchem Sinne, zu betreiben. Es muß ausgeschlof. sen sein, daß sie bis zu dem genannten Zeitpunkt mit verwandten Höfen oder mit fremden Mächten anders als durch deutsche Vermittlung Verbindung aufnehmen. Es muß schließlich und vor allen Dingen unmöglich gemacht werden, daß unsere Gegner die Person eines der Großfürsten, ganz besonders aber die des Großfürsten Nicolai Nicolajewitsch, in die, Hand bekommen. Das Neichswohl erheischt die Festhaltung der russischen Herrschaften auf deutschem Boden, und zwar unter ständiger und sorgfältig, ster Aufsicht. KiMSttkleiriniii ssM Ricas. Neu York, 24. Mai. (Reuter.) Reuter erfährt aus San ^uan del Sur, daß Costa Rica den Mittelmächten den Krieg erklärt habe. ü Irland. flf , 25 ; Mai. Die „Daily News" melden, das englisch Mimstenum habe beschlossen, nicht nur die Zwanas- dienstpfticht bis Ende Juli in Irland einzuführen, sondern auch dre Zwttdienstpflicht dort zur Anwendung zu bringen- bis strengen Maßnahmen Frenchs gegen die Sinnfeiner werde man nach der Ansicht des Ministeriums um der Kriegführung willen durch den militärischen Zwang in Irland nur fördern. Zur Durchführung dieses Zwanges wn-d die englische Besatzung in Irland auf dauernd 60 000 Mann verstärkt werden müssen. Rußland. ... 21 TOoi - Gestern nachmittag fand die erste öffent- i'che Vollsitzung der ukrainisch-ruffischen Friede ns-Dele- gottonim kleinen Saat des Radagebäudes unter, dem Vor- fitz Scheluchins statt. Jeder Satz Scheluchins wird aus dem Ukrainischen ins Russische übersetzt. Bei der gegenseittgen Prüfung der Vollmachten wies Scheluchin darauf hin, daß w der Vollmacht nicht angegeben sei, ab die Sowjets- aelegrerte» ,u Frieden», oder Wafsenstillstandsverhand- lim 2*™” kraatr er. weiche russischen nieten Lurch Mt SowfettLeleaitrte Die Japaner in China. lieber den soeben abgesckffossenen ckinesisch-japanffchen Vertrag weiß die englische „Shanghai Gazette" nähere Einzelheiten zu berichten. Tie „Shanghai Gazette" ist auch " das Blatt, das vor einger Zeit die aufsehenerregenden Enthüllungen über das japanische Ultimatum ma^.e. An der Spitze des genannten Blattes steht der bekannte chinesische Publizist Engen Cbenn, ein englischer Staatsbürger, der früher Herausgeber der „Peking Gazette" war und in dieser nachdrücklich gegen den übermächtigen Einfluß Japans in China vorgegangen war. Etwa vor einem Jahre wurde Eugen Chenn in Peking verhaftet und später auf englische Einflußnahme fteigelassen. Sein neues Blatt, die '.Sbang- hai Gazette", das offenbar unter englischem Schutz erscheint, greift die aggressive Politik Japans schonungslos an und weist unermüdlich darauf hin, daß die Forderungen Japans in seinem letzten Ultimatum, dem sich China inzwisLen hat fügen müssen, sogar die berühmten 21 japanischen Forderungen des Jahres 1915 weit hinter sich lassen. Der „Shanghai Gazette" zufolge haben die geheimen Ab- machungen der soeben zustan/deaekommenen Militärkonventton zwilchen Japan und China folgenden Inhalt: Die chinesische Polizei wird von Japan nen geordnet: Japan übernimmt die Leitung sämtlicher chinesischer Arsenale und Werften. Japan erhält das Recht, in allen Teilen Chinas Eisen- und Kohlenförderung zu betreiben: Japan erbält alle geforderten Vorrechte in der äußeren und inneren Mongolei und Mandschurei. Ferner ist eine Anzahl Maßnahmen getroffen, welche das Geld- und Erziehungswesen Chinas dem japanischen Einfluß unterwerfen. Japan hat auch dnrchgesetzt. daß China die Ankündigung des Abkommens derart abgefaßt daß es gegen Deutschland gerichtet erscheint. Der angelsächsischen Welt ans beiden Seiten des Atlantischen Ozeans soll glaubhaft gemacht werden, daß diese Militärkonvention nur für die Dauer des gegenwärtigen Krieges berechnet sei. Reichslagspräftdrttt Kämpf -h Berlin, 25. Mai. Der Präsident des Reichstags Dr. Kämpf ist heute Nachmittag 5 Uhr sanft entschlafen. * Prdent Kämpf, der den ersten Berliner Wahlkreis vertritt, wurde f. Zt. als Vertreter der Großblockpolittk gewählt. Aber auch seine politischen Gegner müssen anerkennen, daß er sein Amt nicht nach Parteipolitik geführt hat. insbesondere hat er während des Krieges den Posten voll- ständig dem Parteistand entrückt. Er fühlte sich als Ver- tretec des ganzen deutschen Volkes und hat seine Aufgabe würdig und mit echtem vaterländischen Empfinden erfüllt. Kaum h'at der Reichstagspräsident seine Augen geschlossen. so erhebt sich schon die Frage wer sein Nachfolger werden wird. Als Kämpf den Präsidentenstuhl bestieg, da stand das Zentrum im heftigen .Kampfe mit der Linken, inzwischen hat es mit dieser Richtung seinen Frieden gemacht und es steht öfters im Wege, daß ein Zentrumsmann, genannt wird der Reichstagsabgeordnete Fehrenbach der Nachfolger Kämpfs wird. So gehört es sich auch: der Reichskanzler Zentrum und der Reichstagspräsi'denä Zentrum. Die |lot Amulriig. Was mrd n*it Mola! PI rr!^«( , ni T t , ds ? „Deutsche Zeitung" schreibt: Das Auswärtige Amt hüllt sich rn Schweigen. Man erfährt nicht ein Wort darüber, in welchem Sinne über das nächste Schicksal der Gefangenen von Yalta. des Großfürsten und einstigen Generalissimus der russi- chen Armee Nicolai Nicolajewitsch. der Kaiserin-Witwe Ale- xandra-Feodorowna und etlicher anderer Großfürsten und Groß- fürstinnen verfügt worden ist. Auch die Presse zeigt, soviel wir ehen, nicht viel Interesse dafür, was aus den genannten Per- onen wird und ob sie nicht etwa demnächst irgendwo, wo sie alte reundschastliche Beziehungen, dem Reiche zum Ilnheil, wieder aufnehmen können, wohl geborgen auftauchen. Man sollte das zwar nicht für möglich halten, indessen find starke dynastische Einflüsse zugunsten d« Gefangenen am Werk. Auch in der Krim oder sonst irgendwo in der Reichweite der Ukraine können die Gefangenen nicht bleiben. Denn sonst haben übermorgen stund nicht mehr wir. die Skoropadski und Genossen in der Hand^ aas zum mindesten verfrüht wäre. Wir hätten geglaubt, uns in dieser Angelegenheit zu unser« Genugtuung einmal Seite an Seite mit der grundsätzlich antizaristischen und antidynastt. scheu Presse, etwa dem »Berliner Tageblatt" und dem „Vor- warts" zu sehen, eine Froirtveränderung. für die Immerhin -um mindesten der Reiz d« Neuheit «ad der Abwechslung gesprochen hatte. Wir finden un» grausam enttäuscht.' auch sie lassen trotz ihr« sonstige» Grundsätze nichts von sich hören! Wir hatte» allerdings vergesse«, daß eben diese Grundsätze ste d» vorNegen. ™ 3^0« wminte« hätte«, für eine Sache otnzutrete«, Mc sich Mc-hr und mehr Hort Amerika auf, das Land der unbegrenz. ten Möglichkeiten zu sein, und das Paradies der Ententehoff. nungen droht sich in eine Fata Morgan« zu verwandeln. Zwar kabeln die Zeitungen tagtäglich neben bombastischen Glück, wunschtelegrammen anläßlich angeblicher englischer und franzö. sischer Scege noch immer phantastische Riesenzahlen von fertig, gestellten Schiften, bereitstehenden Truppen und von der schier unerschöpflichen Fülle an Kriegsmaterial und Lebensmitteln. Lesen wir aber in den Briefen, die Amerika seinen Angehörigen an die französische Kampffront schreibt, in denen es sich unbeach. tet und unverhohlen ausspricht und aller druckender Sorge entledigt, so bekommen wir em anderes, das wahre Bild von den Zuständen in den Vereinigten Staaten. Die jüngste Nieder, läge der Amerikaner zwischen Maas und Mosel lieferte uns neben einer großen Zahl Gefangener, Kriegsbeute und Befehle auch wiederum Briefe, von denen einzelne hier wiedergegeben sein mögen, damit der Leser sich ein Urteil bilden kann. Die Briefe stammen in der Mehrzahl aus den Monaten Januar bis März 1918. Demenftprechend wird am meisten über die Kohlennot geklagt: „Du wirst dort", so heißt es in einem Briefe, „von dem hier Herrschenden Kohlenmangel gehört haben. Hier in Boston haben während 5 Tagen alle Betriebe stielliegen müssen. Familiengesellschasten dürfen nicht läng« als bis 11 Uhr abends dauern, öffentliche Belustigungen müssen um 10 Uhr abends aufhören. Läden haben sämtlich um 5 Uhr nachmittag» zu schließen. Trinkhallen dürfen nicht vor v Uhr vormittags öffnen und müssen um 10 Uhr abends schließen. Schaufenster dürfen nicht beleuchtet werden. Mann beginnt hier den Krieg zu spüren. — In den Läden darf man nach 5 Uhr nicht heizen und am Montag muß alles geschlossen sein, außer Theater, die am Dienstag den ganzen Tag geschlossen bleiben. In einigen Tagen werden die Straßen nicht mehr beleuchtet werden. Seit Weihnachten haben wir großen Kohlenmangel, wtt müssen mit elektrischem Licht und Heizung sparen. Der Vorsteher des Koh. lendepartements (gemeint ist der National-Feuerstoff-Derwalt« Eersield) hat angeordnet, daß in den östlichen Staaten all« Ge. schäfte 10 Montage hintereinand« geschlossen bleiben: bis Eisenbahnen können die Kohlen nicht heranbringen. Die Preise für Benzol werden so hoch, daß hier der größte Teil d« Auto, mobile nicht mehr fahren kann." Aber auch die Lebensmittel w«den knapp. Wie andere Briefe zeigen: »Auch in Zuckr besteht eine schreckliche Knappheit. Selbst wenn man Geld hat. ist er schwer zu bekommen, ebenso wt, Kohle. Ket« Zuck« hier, ob und z» ei« Pfund. Man kann kei» Mehl kaufe«. Weizenmehl nur. wenn ma« dieselbe Menge In- dia«erroggen test. Wtr habe« jetzt eine ausgesprochene Zucke r- frEpphoit. Mt Leute — » raute JtatMiaiuta. Sara». Ahorn- pfcr uni» ft** tfte 3*«,'WK Me «ah«K- * Pften. Die ~ gtermrg legt die Hand auf Mehl und ander* Sachen.- Ei» Brief aus New Häven. Conn^ berichtet von einem Schlachtverbot für Hühner auf mindestens zwei Monate. Rach diesem Brief ist auch mit einer Eierknappheit zu rechnen. Schon aus diesen wenigen Stichproben ist ersichtlich, wie groß die wirtschaftliche Not in Amerika ist, die durch keine amtlichen und halbamtlichen Erklärungen aus der Welt geschaffen werden kann, die vielmehr immer eindringlicher den „fielen" Amerikanern zu Gemüte führt, welch Torheit es war, in den europäischen Krieg einzugreifen. Freiere GeMüiig unieres Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt zu dem Antrag Dr. Roesicke: Da in dem Anträge selber die durchschlagende Begründung für die Vorschläge des Abgeordneten Dr. Noesicke enthalten ist, können wir uns hinsichtlich seiner Einzelheiten kurz fassen. Er entsprichst wesentlich dem Standpunkt, den wir in Uebereinstimmung mit den führenden Kreisen der Landwirtschaft von jeher vertreten haben; zugleich ist dabei aber der Tatsache vollauf Rechnung getragen, daß wir nach länger als drei Jahren Zwangswirtsäiaft nicht zu einer plötzlichen Beseitigung des ganzen Zwangssystems schreiten, sondern nur einen vorsichtigen Abbau in die Wege leiten können. Vielleicht kann man es so ausdrücken, daß an die Stelle des „starren" Systems der Zwangswirtschaft der Lebensmittel zunächst ein beweglicheres gesetzt werden soll, um die allmählicl)e Rückkehr zur Wirtschaftssreiheit vorzubereiten. Ausdrücklich sei betont, daß die Versorgung der Bevölkerung, vor allem der breiten Massen, mit den Hauptlebensmitteln auch durch diese Vorschläge durchaus gewährleistet wird, daß eine Befürchtung, die weniger wohlhabenden Schichten der städtischen Bevölkerung könnten dabei weniger erhalten als bisher, in keiner Weise gegeben ist. Insbesondere soll die minderbemittelte Bevölkerung auch » weiterhin zu mäßigen Preisen versorgt werden; zu diesem Zwecke ist auf den alten Vorschlag von landwirtschaftlicher Seite zurückgegriffen, daß, soweit die Erzeugungskosten höhere Preise für den Produzenten erfordern, das Reich oder die Kommunen den Ausgleick) zu decken haben. Der Grundgedanke der Vorschläge ist ja darin gegeben, daß die Menge Nahrungsmittel, die zur Versorgung der breiten Massen -er Bevölkerung — „Massen" dabei in recht weitem Sinne verstanden — notwendig sind, -nach wie vor zu diesem Zwecke bereitgestellt werden sollen, daß aber der Rest den Landwirten zu freier Verfügung überlassen wird. Ausschlaggebend dafür ist die durch die Erfahrungen der Kriegs- zeit nur immer von neuem erwiesene Tatsache, daß die Produktion ernstlich leidet, wenn ihr nicht ein gewisses Maß von Bewegungsfreiheit gelassen wird; dazu ist die andere Erfahrung gekommen, daß eine „restlose" Erfassung aller für den Eigenbedarf der Landwirffcliaft nicht unbedingt notwendigen Nahrungsmengen nicht nur die Produktton schädigt, sondern schlechterdings eine Unmöglichkeit ist. Für diese Unmöglichkeit ist die unheimliche Ausbreitung die der Scksteichhandel nachgerade gewonnen hat, nur ein letzter Beweis. Freilich beruht der Schleichhandel durchaus nicht etwa in der Hauptsache auf rationierten Nahrungsmitteln, die der Produzent widerrechtlich der Beschlagnahme entzogen hätte; vielmehr wird er zu beträchtlichen Teilen aus anderen Quellen, neben den besetzten Gebieten auch aus den Vorräten gespeist, die der Landwirt zur eigenen Verfügung hat. Tatsächlich sind ja von weiten Kreisen der bäuerlichen Bevötkerung auch in Friedenszeiten Nahrungsmittel wie Speck, Butter usw. nur in sehr kleinem Maße selbst verzehrt worden; alles irgend Entbehrliche wurde zu Geld gemacht. Gerade daraus ergibt sich, daß der freie Markt die entbehrlichen Nahrungsmittel weit besser aus der Landwirtschaft herauszuziehen vermag als ein noch so engmaschiges Zwangssystem. Sehr zutreffend betont die Begründung des Antrags, daß die Herstellung des freien Marktes in dem vorgeschlagenen Umfange die Wirkung haben würde, den gegeiuvärtig illegitimen Schleichhandel „legitim zu machen", damit aber auch die Preise, die bei einem verbotenen Handel ganz naturgemäß sehr viel höher sind als im freien Markt, zu senken. Namentlich von sozialdemokratischer Seite dürften diese Vorschläge nach wie vor scharfen Widerspruch erfahren. Daß dieser Widerspruch durchaus nicht im Interesse der Arbeiterschaft liegt, vielmehr das Gegenteil der Fall ist, dürfte die sozialdemokratischen Führer schon deshalb kaum beirren, weil bei ihnen ja das Parteidogma für die Zwangswirtschaft den Ausschlag gibt. Dagegen hat sich doch in anderen Parteilagern, in denen das Zwangssystem bisher eine feste Stütze batte, eine bessere Erkenntnis Bahn gebrochen. Vorschläge, die sich mit dem Antrag Dr. Roesicke in mancher Hinücht berühren liegen nicht nur von nationalliberaler. sondern auch von fortschrittlicher Seite vor. Wir nlöchten deshalb hoffen, daß die Einsicht, daß wir mit dem Karren Zwangssystem nickst weiterkommen, sondrn uns nur immer schwereren Unzuträglichkeiten und Gefahren aus- fetzen, in naher Zeit doch die Qberhand gewinnen werde. ifiifiikimifr und LnMevölkmillg. Der Umstand, daß die Zahl der in diesem Jahre aiff dem Lande Ausnahme findenden städtischen Jugend geringer ist als im Verjähre, gibt einer gewissen Großstadt- Presse Gelegenheit, über den mangelnden Gemeinsinn der ländlichen Vevölkerrmg zu klagen und Betrachtungen an- »ustellen, bei denen das Landvolk recht ungünstig abschneidet Namentlich der „Vorwärts" fft bemüht, die Verminderung per Plätze für hie städtische Jugend auf die Abneigung der ländliche» Preise «ege» die Kinder per »rdeiterklaffe «uri* srifichrrn. Das qr natürttch vtanrer ansinn, wtrv avee do» seinen Lesern gern geglaubt. Und weidlich schlachtet da» Blatt die hier und da vorgebrachte Begründung der Ad- lehnung au», Kinder aus Familien aufzunehmen, deren Angehörige sich an den Munitionsarbeiterstreiks beteiligten Als ob das nicht eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Anders hieße das, die streiklustigen Familien oder ihre erwerbstätigen Mitglieder wirtschaftlich entlasten und zü neuen Arbeitsfeiern ermutigen. Das muß im Interesse der Landesverteidigung durchaus vermieden werden. Daß dadurch in erster Linie die Kinder der betreffenden Familien die Leidtragenden sind, ist bedauerlich; aber es ist auch menschlich begreiflich, daß der Landmann, der seine ganze Kraft für das Durchhalten einsetzt, den Kindern aus Streiketfamilien mit - einem gewissen Mißtrauen gegenübersteht. Er fürchtet, daß das mangelnde Verantwortliche keitsgefühl der Eltern, das in der Streikteilnahme zum Ausdruck kam, sich ungünstig bemerkbar machen konnte in der sittlichen Auffassung und Lebensführung der Kinder. Die Erfahrungen, die im vergangenen Jahre vielfach in dieser Beziehung gemacht worden sind, geben diesen Befürchtungen eine gewisse Berechtigung. Gewiß sind, wie ja auch die Denkschrift des Kultusministeriums an das Preußische Abgeordnetenhaus hervorhebt, im allgemeinen die mit den Ferienkindern erzielten Ergebnisse recht erfreulich gewesen. Landvolk und Stadtkinder haben sich verstehen gelernt; die im einzelnen an sich geringe Hilfe der Kinder summte sich in der Allgemeinheit, und der gesundheitliche Nutzen für die Feriennnver ist unbestritten. Aber auch das wurde festgestellt, daß i icht nur die Kinder des städtischen Proletariats, im Gegensatz zu denen des gebildeten Mittelstandes, für die landwirtschaftliche Betätigung am ungeeignetsten sich erwiesen, sondern daß sie auch am anmaßendsten und unzufriedensten auftraten. Der häusliche Einfluß der Eltern war unverkennbar und die Erwartungen auf das ländliche Schlaraftenleben ließen sich manchmal nicht befriedigen. Angesichts der abnorm hohen Löhne mancher Arbeiterklassen und der dadurch trotz der rationierten Lebensmittel überaus gestiegenen Lebenshaltung kein allzu verwunderlicher Zustand. Wem solch ein Ferienkind beschieden gewesen ist, der dankt für die Wiederholung. Leider aber hat die häufig zutage getretene mangelhafte Erziehung der Kinder der unteren städtischen Bevölkerung oft bedenklich auf die Kinder der Gastgeber eingewirkt, so daß mehrfach in diesem Jahre die Bedingung gestellt worden ist, die Feriettkinder. nicht an den gemeinsamen Mahlzeiten der Familie teilnehmen zu lassen. Auch ein Pastor eines märkischen Dorfes handelte so, der schon im vorigen Jahre zwei Kinder von der Tischgemein- sckiaft seiner Familie ausschließen mußte. Das erregt den Zorn des „Vorwärts" überaus, und er läßt es an Liebenswürdigkeiten fiir das Landvolk nicht fehlen. Davon aber weiß das Blatt offenbar nichts, daß in mehreren Fällen durch mangelhaft erzogene Kinder Ernteschober und ganze bäuerliche Besitzungen infolge Brandschadens vernichtet wurden, daß Menschen und Vieh durch Böswilligkeit, nicht bloß durch Unverstand oder Mutwillen Schaden erlitten. Das muß zumindest bei dem Rückgang der angebotenen Plätze für Ferienkinder in Rechnung gestellt werden. Ein einziger, solcher Fälle wirkt ungünsfig ein auf viele Dörfer der Umgegend. Und dann darf auch nicht vergessen werden, daß der angebliche Ueberfluh der ländlichen Bevölkerung an Nahrungsmitteln nur in der Phantasie der landfremden Bevölkerung besteht und daß selbst das verhältnismäßig bessere Auskommen durch die rigoros gehandhabten Erfassungsmethoden fast ganz geschwunden ist. Daß die Landbe- völkerring sich aber zugunsten sckMer zufrieden zu stellender, unerzogener Stadtkinder auf noch schmalere Kost setzen soll, als sie Herr von Waldow vorschreibt, wird selbst der „Vor- Worts" nicht erwarten. Und wenn das Blatt es so darzustellen beliebt, als ob die kindliche Hilfeleistung ein volles Gegengewicht für das „Sattmachen" wäre, so ist das eine durchaus irrige Annahme. Läßt man sie aber gelten und mackst man sich die Anschauung zu eigen, daß die Verschickung der Fecienkinder aufs Land kein „Wohltätigkeitsunternehmen" darstelle, sondern auf „Nützlichkeitserwägung" beruhe, warum dann das Geschrei, wenn die ländlichen Besitzer auf den Nutzen verzichten? Wenn die Kreise des „Vorwärts" die Gebenden, die Kinder gleichberechtigte, vollwertige Kontrahenten sein sollen, dann ist doch der Lärm unberechtigt, der aus der hier und da vorhandenen Abneigung der Landleute gegen die Stadtkinder unerzogener Eltern gemacht wird. Ans der Heimat. AuS Starkcvburg. Dannstadt. Die Geheimschlächtereien des vor einigen Tagen verhafteten Metzgers Krämer scheinen ziemlichen Umsang an. genommen zu haben. Man konnte bei seiner Verhaftung ein Notizbuch erwischen, in welchem fein säuberlich die Geschäfte der letzten zwei Jahre eingetragen sind und aus denen wertvolles Material für die Untersuchung zu entnehmen ist. Der Kreis der belasteten Personen hat sich dementsprechend auch erweitert und darf man auf den Ausgang gespannt sein. FC. Ben sh ei m, 24. Mai. In großem Umfange sind jetzt hier Strafbefehle gegen säumige Eierablieferer erlassen worden. Da bei Ausmessung der Höhe der Strafe etwa eine Mark für Las nicht abgelieferte Ei angesetzt wurde, sind in Einzelfällen die Strafen rocht empfindlich ausgefallen. In Oberrode» wnrde in der Nacht -»m Mittwoch in die Bürgermeisterei eingebrochen, trat zwar benützten die Diebe nach Schluß der Dürozeit den heLen Tag dazu, um die Türe f» erbrechen, und fiele» ih»e» dabei etwa 6000 Mark bares Geld t» die Hände, tme 4*0* Mart, »eiche der *i»rie>i * epS r«^ wahre»d 2000 Mar» ©tgentum des stellvertretenden Bürgern evl ster» p»d. Bi» jetzt hat man von de» Di^en keine Spur, doch wird mit Recht vermutet, daß ste mit den Verhältnissen sehr vertraut sein müssen. Trotz aller Warnungen durch die Press«, lassen es die Verwaltungsorgane immer wieder an der nötige« Vorsicht fehlen, sonst hätte dieser fische Diebstahl (etwa der zwanzigste Bürgermeistereieinbruch seit einigen Monaten) nicht so leicht ermöglicht werden können. Ans Hksseo.Nassau. FC. Nüsselsheim, 23. Mai. Die für das Fahr 1018 dahie* angesetzten Taubstummengotlesdienste müssen ausfallen. FC. Schierstem, 23. Mai. Die erste Heuernte in diesem Jahre hat begonnen und scheint durch die kühlfeuchte Maiwitterung eine recht ausgiebige zu werden. FC. Flörsheim, 24. Mai. 40 prächtige Pfingstkuchen wurdet hier in zwei Bäckereien durch die Polizei beschlagnahmt. FC. Oberlahnsteia. 23. Mai. Für die ersten Kirschen wer- den a-uf dem hiesigen Wochenmarkt 1.20 Mark verlangt. FC. Wiesbaden, 24. Mai. Weil sie neun Hühner und einen Hahn gestohlen und den Tieren gleich an Ort und Stelle die Hälse umgedreht, den Raub sodann im Frankfurter Gewerkschaftshaus für 60 Mark verkauft hatten, wurden der 17jährige Hilfsarbeiter Friedrich Welhelmi und der 18 jährige Schlosser Friedrich Krieger aus Eronberg zu einer Gefängnisstrafe von zwei, resp. drei Monaten Gefängnis verurteilt. FC. Wetzlar, 24. Mai. Während eines kurzen Gewitters wurde in der Gemarkung Odenhausen der Landwirt Heinrich Schneider vom Blitz erschlagen. FC. Dillenburg, 24. Mai. Unter falschem Namen mietete sich hier der seit Oktober v. I. verfolgte fahnenflüchtige Fr. Zülch aus Lembach bei einer hiesigen Witwe ein. In Abwesenheit der Wirtin stahl er 1700 Mark. Geld und Kleidungsstücke des verstorbenen Mannes. Die Frau kehrte früher zurück, be. merkte den Diebstahl und veranlaßte noch rechtzeitig die Der- Haftung. Der Gauner hatte das Geld im Hosenboden eingenäht. etwa 92 Mark fehlten. FC. Aus dem Kreise Kirchhain, 24. Mai. Die dem Kreise auferlegte Haferlieferung wurde durch die Opferwilligkeit der Landwirte resllos erfüllt. Dss Ziel iirt fiikiitaf’Spritist. Die Versorgung unserer Kriegsbeschädigten ist in erster Linie Aufgabe des Reiches und muß es bleiben. Das Reich kann und soll in Erfüllung seiner Pflicht keinesfalls durch eine allgemeine Sammlung entlastet werden. Aber auch durch weitherzige gesetzliche Regelung der Rentenfragen kann nicht in jedem Falle so geholfen werden, wie es unserem vaterländischen und sozialen Empfinden entspricht. Sie trägt notwendig etwas Schemattsches an sich und ist in ihrer Starrheit außerstande, dem Bedürfnis und der Dringlichkeit jedes Einzelfalles gerecht zu werden. Es bleiben zahlreiche Fälle übrig, bei denen sckpiellstens geholfen werden muß, um bittere Not und Verzweiflung abzuwenden. Dies kann nur durch fieiwillige Liebestätigkeit geschehen. Hier setzt die bürgerliche Kriegsbeschädigtenfürsorge ein. Sie will den Kriegsbeschädigten ins Wirtschaftsleben zurückführen, seine Kraft dem deuffchen Volksganzen wiedergeben. Ihr umfangreiches Arbeitsgebiet umfaßt Berufsberatung, Berufsausbildung, Arbeitsbeschaffung, ergänzende Heilbehandlung, Ansiedlung, Wohnungs- und Famiüenfür- sorge sowie Geldunterstützung bei besonderer Hilfs- bedürftigkeit. Auf dem großen Nackibargebiet, der Fürsorge für die Kriegerhinterbliebenen, sind schon seit Kriegsbeginn ge- walttge Sununen aus freiwilligen Spenden zusammengeflossen: dank dieser kraftvollen Unterstützung aller Volkskreise verfügt die Nationalstiftung schon über mehr als 100 Millionen Mark für die Witwen und Waisen der gefallenen Krieger. Den Kriegsbeschädigten bringt das deutsche Volk sicherlich gleich warme Anteilnahme entgegen. Es weiß, was es den Getreuen schuldet, die mit ihrem Leibe die deuffche Scholle gegen den Ueberfall gedeckt, den Krieg weit hinaus in Feindesland getragen und die Heimat vor Verwüstung und Gewalttat beschützt haben. Heilige Pflicht ist es, denen, die für uns geblutet und gelitten haben, in umfassender Weise zu helfen und überall dort einzugreifen, wo staatliche Hilfe nicht ausreicht, niemals ausreichen kann. Dieses vaterländische Gebot zu erfüllen ist das Ziel der Kudendorff-Zpende! Als allgemeine Sammlung im ganzen Reich wendet sie sich an jeden Deutschen. Sie wird zugleich der vielbeklagten Zersplitterung der Sammeltättgkeit auf ihrem Gebiet abhelfen. Die Lndendorff-Spende wird verwaltet von den im Reichsausschuß der Kriegsbeschädigtenfürsorge vereinigten Organisationen der deuffchen Bundesstaaten. Die Spenden fließen grundsätzlich den Landestellen zu, aus denen sie stammen. Gewaltige Summen sirrd erforderlich. Kein Deutscher darf fehlen; jeder steuere bei, soviel in seinen Kräften steht. Es handelt sich um nichts Geringeres als um die Wieder- erstarkung und Erhaltung unserer DolkSkraft nach den zahllosen Wunden, die der furchtbarste aller Kriege unserem Vaterlallde geschlagen. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r s ch e l, Friedberg; für de» Anzeigenteil: R. H e y n er . Ariedber*. Druck und Verlag der „Neuen Xagetgeihnt*** « «. ffrictoa« L S. Mein me burd) Liebe Leid geschah. Roman von Courths-Mahler. 18) Nachdruck verbalen. Korla hatte ihm wohl auch geduldig jeden Tag zwei Stunden, eine vormittags und eine nachmittags, vorgelesen aber ihr Organ war ziemlich hell gefärbt und wurde so leicht spröde. Sie las die Viicher, die Onkel Heinz liebte, ohne Interesse und mit wenig Verständnis vor, weil sie ihr langweilig waren. Christas . Vortrag war im Vergleich zu dem Karlas direkt künstlerisch. Und dabei hatte der alte Herr durchaus nicht das Gefühl, als sitze ihm eine fremde Person gegenüber. Er hatte sich nicht wenig gefürchtet, daß er eine Fremde in seiner nächsten Unigebung würde dulden müssen, und nun empfand er mit freudigem Erstaunen, daß ihm Fräulein Hellmut fast vertrauter und sympathischer erschien als seine nächsten Anverwandten. Jedenfalls hatte er sich ^eit langer Zeit nicht so Wohl und behaglich gefühlt, als in ihrer Gegenwart. Als eine Stunde vergangen war, hob er die Hand. „Es muß jetzt genug sein, Fräulein Hellmut. Sie sollen sich nicht überanstrengen." Sie hob die Augen — diese wunderbaren, dunklen Augen mit den leuchtenden Goldfunken darin. „Ich strenge mich ganz sicher nicht an, Herr von Birken- heim, und. wenn Sie wünschen kann ich Ihnen noch gut eine Stilnde vorlesen, ohne mich zu übermüden." Er sah sie zögernd an. „Ich fürchte doch, es wird Ihnen zuviel und ich möchte um keinen Preis, daß Ihr Organ darunter leidet. Es Wäre so schade darum." Fräulein Hellmut sagte zum Grafen: „Ich bin an langes Vorlesen gewöhnt und es macht mir nichts." „Wirklich nicht?" „Nein, wirklich nicht," erwiderte sie mit. einem Lächeln, bei dem sich die weichen Linien der Mundwinkel zu Grübchen vertieften. Es war das erstemal, daß Herr von Birkenheim dieses bezaubernde Lächeln sah auf Christas Antlitz. Und er atmete plötzlich tief und schwer. Eine Erinnerung Übersiel ihn bei diesem Lächeln. Und er wußte jetzt mit einemmale an wen ihn ihr weiches, dunkles Organ erinnerte — an dieselbe Person, der auch dasselbe wundervolle Lächeln eigen gewesen war, das er jetzt auf Christas Lippen sah. Und fene Person hatte auch denselben feingeschwungenen blühenden Mund gehabt mit den weichen Linien, die wie leise Grübchen in den zarten Wangen verliefen. Er saß eine Weile wie gebannt und schgute Christa mit großen, brennenden Augen an. Dann strich er sich wie besinnend über die hohe Stirn. Wohin verloren sich seine Gedanken? Welch ein schmerzlich süßes Erinnern weckte dies fremde Mädchen in seiner Brust? Seltsam spielt die Natur. Sie schafft immer Neues, Mannigfaltiges, und doch bringt sie zuweilen Wiederholungen, Aehnlichkeiten zustande die vielleicht noch mehr unser Erstaunen wachrufen. Christa Hellmut sprach zu ihm mit der Stimme der einstigen Geliebten, die ihn treulos verlassen hatte, und sie lächelte ihm zu, wie ihm auch diese zugelächelt hatte. Ach — wie oft hatte er sich an diesem Lächeln entzückt, das ihm so unsagbar süß erschienen war! Er seufzte sief auf und stützte den Kopf in die Hand. Sonst hätte diese Erinnerung wohl nur SckMerz und Bitterkeit ausgelöst in seiner Seele, aber jetzt war ihm zumute, als gehe etwas Versöhnliches, Erlösendes von diesem fremden Mädchen aus, etwas, das seine Schmerzen in ein friedliches Erinnern wandelte. „Nun gut," sagte er noch ein wenig benommen, „wenn Sie mir noch ein Weilchen vorlesen wollen, will ich es mir gefallen lassen. Aber Sie müssen sofort aufhören, wenn Sie müde werden." Wieder lächelte Christa. r r "/ ' „Ich werde nicht müde." Sie nahm das Buch wieder auf und las weiter. Herr von Virkenheim schloß die Augen und lauschte. Er erfaßte jetzt nicht mehr den Sinn des Gelesenen. Seine Gedanken ließen sich einspinnen wie in ein Zauberreich. Sie flogen zurück, weit, in die Vergangenheit, da ihm der- Todesanzeige. Plötzlich und unerwartet erhielten wir die traurige Nachricht. / > daß mein unvergeßlicher, guter Mann, mein lieber Bruder, Schwagers unser Onkel und Neffe Karl Hofmann Fahrer bei einer Neseroe-Eisenbahn-Bau-Kompagnie am 21. Mai nach 45monatiger treuer Pflichterfüllung an den schweren Verwundungen durch Fliegerangriff im 41. Lebensjahre im Felde verschieden ist. Friedberg in Hessen, den 27. Mai 1918. Ujagassc 2SL Anna Hofmann geb. Sickert. Schmerzerfüllt machen wir Verwandten, Freunden und Be. rannten die traurige Nachricht vom Ableben unserer lieben, guten Mutter M Nachruf Frau Stirn Mayer im 67. Lebensjahre. geb. Oppenheimer Nodheim o. d. Höhe. Frankfurt a. M., Eedern, den 26. Mai 1918. Die trauernden Hinterbliebenen: I. d. N.: Betty Rothschild geb. Mayer Nosalie Mayer Lea Mayer Johanna Rothenberger geb. Mayer Hugo Rothschild Max Rothenberger. ( MVA . . Die Beerdigung vom Trauerhause in Nodheim v. d. Höhe, findet Dlens- mm tO0; beU 28 ' ^ öl 1918 ' nachmittags 3 Uhr statt. mM Ohne Frage faufcn Landwirte alle gangbaren Wasch-, Schmier, und Putzartikel .1.nirgends bMige. Hcff. Bcr' ?»i>ha»s Phil. Diener. Spezia.,aus für Wasch, uno Putzartikel, n . . Fried her*: I. I». Ion den früheren Raumen des Warenhaus Geschwister Mayer, am alten Bahnhof.) Ein mittlerer Beamter, Alter 25 Jahre, sucht ein jüngeres Mädel aus guter Familie zwecks späterer Wieder hat der schreckliche Krieg ein Opfer aus unseren Reihen gefordert. Am 2L Mai starb den Heldentod für das Vaterland Herr Karl Knobloch Kanonier in einem Art.-Negiment, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klaffe. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen fleißigen, stets hilfsbereiten Mitarbeiter, deffen langjährige treue Pflichterfüllung ihm ein ehrendes Andenken bei uns sichert. Nieder-Wöllstadt, den 25. Mai 1918. Der Sorptanii der Mkttei-CtiMeilschaft Wetlmu eingetr. Gen. m. b. H. I. A.: Preufche. Bekanntmachung. Bestellung von Nährmitteln. Gemäß 5 der Bekanntmachung über die Verbrauchsregelung der in die öffentliche Bewirtschaftung genommenen Nährmittel vom 23. März 1917 wird für die Stadt Friedberg folgendes bestimmt: Es sollen ausgegeben werden: I. Für brotgetreideversorgungsberechtigte Kinder bis zu 12 Jahren (rote Karten) auf die Marke 42 der Nährmittelkarle B (rot) Haferflocken » » „ », „ B (rot) Grieß " » .. 44 „ B (rot) Kindergerstenmehl ll- §ür die übrige brotgetreideversorgungsberechtigte Bevölkerung (blaue Karten) ö auf die Marke 51 der Nährmittelkarte C (blau) Teigware« - n n n 52 „ H C (blau) Graupen » - .,53 „ „ C (blau) Suppen III. Für Gastwirte haben wir zur Verpflegung auswärtiger Gäste eine kleine Partie Suppen abzugeben, und ist die Bestellung hierfür bis zum 2. Juni bei uns direkt aufzugeben. . ... die auf ihn entfallende Ware — die genaue Menge wird x ^ vstgefetzt — zu beziehen wünscht, hat unter Vorlage seiner Karte bei einem hiesigen Kleinhändler bis zum 2. Juni eine Bestellung aufzugeben. Dabei ist darauf zu achten, daß der Klein- ,i« ” ur betreffende Bestellmarke abtrennt und auf der gleichziffrlgen Quittungs- und Bezugsmarke die Bestellung be- statigt. Wer die vorgesehene Frist für die Bestellung nicht ein- ^ E»^erliert den Anspruch auf die ihm zustehende Ware. «5 x ix ^einhandelsgeschäfte haben die Bestellmarken auf die in Betracht kommenden Bestellbogen getrennt aufzukleben und an dem dem Ablauf der Bestellfrist folgenden Werktage, also am 4. Juni an uns einzusenden. Nichteinhaltung dieser Frist zieht den Ausschluß des betreffenden Kleinhandelsgeschäfts von der Beteiligung an dem Vertrieb der Nährmittel nach sich. Friedberg, den 25. Mai 1918. Der ftellv. Bürgermeister (städt. Lebensmittel-Ausschuß). — _ I. A.: Langsdorf. selbe, dunkle Klang aus einem geliebten Munde entgegen geklungen batte. Er vergaß alles um sich her. Verwischt war die Wirklichkeit. Da drüben saß ihm Maria von Birkenheim gegenüber, die eine kurze Spanne seine Maria gewesen war. Er dachte der Zeit, da er seine Liebe zu ihr noch fest in sich verschloß, weil er keine Hoffnung hatte, daß das schöne, vielumworbene Mädchen ihm ihre Neigung schenken könne. E> hatte immer eine sehr bescheidene Meinung von sich gehabt, weil er nichts Glänzendes, Bestechendes hatte und aus seiner stillen Art nicht herausgehen konnte. Vielleicht hätte er es nie gewagt, um ihre Hand anzuhalten, wenn ihm nicht seine Tante, Frau von Schratt, dazu ermutigt hätte. Diese hatte wohl gemerkt, wie sehr er Maria liebte, und so hatte sie resolut vermittelnd eingegriffen. Und da hatte er Maria endlich in seiner stillen, zurückhaltenden Art gefragt, ob sie feine Frau werden wolle. Maria hatte ihm ihr Jawort gegeben, und für eine kurze Spanne Zeit war er der glücklichste Mensch gewesen. So wenig er sein Glück hatte fassen können, so wenig hatte er es in seiner stillen, zurückhaltenden Art zu zeigen vermocht. Und Maria hatte wohl kaum eine Ahnung gehabt, wie unsagbar tief und heiß seine Liebe gewesen war, sonst wäre ihr der Treubruch wohl nicht so leicht gewesen. Sie hatte nicht gewußt, wie tief sie ihn damit verwunden würde. Er seufzte auf und sah um sich, wie aus einem Traum erwachend. Hatte er Marias Namen laut gesprochen? Er sah zu Christa Hellmut hinüber. Ihre Stimme klang wieder an sein Ohr. Sich aufrichtend, sah er nach der Uhr. Wahr- hafttg — da hatte er die junge Dame wieder fast eine Stunde lesen lassen, während seine Gedanken in der Vergangenheit weilten. Schnell hob er die Hand. „Genug — genug, Fräulein Hellmut — ich habe nicht auf die Zeit geachtet. Nun müssen Sie ruhen. Gehen Sie ein halbes Stündchen hinaus ins Freie. Dann kommen Sie wieder zu mir und schreiben Sie einige Briefe für mich." Christa schloß das Buch. Fortsetzung folgt. Kekanntmachmrg Die Auszahlung der Vergütung für abgelieferten Speck aus Haus- ichlachtungen findet letztmals Dienstag, den 28. und Donnerstag, den 30. d. Mts., statt. Friedberg, den 27. Mai 1913 Die Stadlkasse. Kekanntmachmrg Auf Grund des Art. 296 des Polizeistrafgesetzes wird hiermit das Baden im Steinhäußer'schen Eisteich an der Seewiese sowie in der Ufa und Wetter innerhalt» derGemarkungenFriedberg-Fauer> bach gänzlich untersagt. Fiedberg, den 25. Mai 1918. Der Bürgermeister. I. V.: Dam m. Niltzijotz-VeksteigtrllU imWehrheimerGemeindewatt» (Distrikt 6,12a u. Totalitäten.) Montag, den 3. Juni, vormittags 10 1 j 2 Uhr, in der Gastwirtschaft „Zum Taunus" zu Wehrheim : 338 Fichtenstämme l. bis II. Kl» i 208,98 fm 681 Fichtenstangen I. Kl. 200 Fichtenstangen II. Kl. 172 Fichtenstangen III. Kl. > Wehrheim, den 24. Mai 1918L«* Der Bürgermeister: Velte. ? Äisitkickrtcil Ne«eSageg;eitllllg Druckerei ».Veil.A.-G. Zwei tüchtige § Meirat Z Mädchen für Küche und Haus für sofort gesucht. Ernst-Ludwiq-Heim, Bad Salzhausen (Oberhessen.) Offerten unter Nr. 1047 an die Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung". Drucksachen liefert schnell und billig Neue Tageszeitung, Oroekerei u. Verlag Ä.-fl. 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