!Dte Dene Tageszeitung" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der flauer ans Hessen", „Die Spirmssube". Bezugspreis: Bei den Postanstalten merteliährlich Mk. 2.40 bimu tritt noch das Bestellgeld' bei den Agenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 2b Pfg., lokale 20Pfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Poitnachnahme erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Schriftt-ttuirg und Verlag Friedberg (Hessen), yanaueritraße 12. Fern.precher 48. Postj check. Conto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M. Wimmer 118__ Donnerstag, den 23. Mai 1918 _ 11. Jahrgang. Im April 65288V Tsmmi «rjriilii. Neue Angriffe am Semmel gescheitert. — Erhöhte KampftätigKeit an der italienischen 5 orft. Luftangriffe auf Paris und London. * —-- - Der deutsche Generalstab !== meldet: _ -= s W. T. D. Großes Aattplquaetier, der, 33. Mat. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Im Kemmel-Gebiet hielt lebhafte Feuertätigkeit an. Nördlich vom Kemmel und südlich von Loker scheiterten am Abend starke feindliche Teilangriffe. Beiderseits der Lys und am La Bastee-Kanal lag unser rückwärtiges Gelände wiederum unter starkem Feuer. Auch zwischen Arras und Albert war die feindliche Artillerie am Abend sehr rege. Zwischen Somme und Oise lebte die Gefechtstätigkeit nur vorübergehend auf. An der übrigen Front nichts von Bedeutung. m Eines unserer Bombengeschwader vernichtete in der Nacht vom 20. zum 21. Mai die ausgedehnten französischen Munitionslager bei Blargies. Leutnant Menkhoff errang seinen 27., Leutnant P ü t- * • r seinen 23. und 24. Luftsieg. Der Erste Geueralquartiermeister: Ludendorfs. Abendberkcht. Berlin, 22. Mai, abends. (WTB. Amtlich.) Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der österreichische Genrralstab meldet: (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver- Wien, 22. Mai. kautbart: An der italienischen Gebirgsfront hält die erhöhte Kampf- läiigkeit an. In der Nacht zum 21. Mai drangen zwei feindliche Kompagnien in unsere Stellungen nordwestlich des Col del Roffo ein und wurden durch Gegenstoß unter großen Verlusten zurück- geworfen. Der Chef des Generalstabes. Dos türkische Hauptquartier : Meldet: — Konstantinopel 21. Mai. Amtlicher Tagesbericht. Palästinafront: Die feindliche Artillerietätigkeit hielt sich ln mäßigen Grenzen. Unsere Artillerie nahm feindliche Batteriestellungen und Lager an der Straße Nablus-Jerusalem unter Feuer und bekämpfte wirksam feindliche Bewegungen. An mehreren Stellen der Front unternahmen unsere Patrouillen erfolgreiche Vorstöße. Eigene Aufklärungsabteilungen drangen bis zur Jordanmündung vor. Auf den übrigen Fronten ist die Lage unverändert. Die April-Heule derll-Hoote 652 000 Tonnen! Berlin. 21. Mai. (WTB. Amtlich.) Im Monat April sind insgesamt 652 600 Bruttoregistertonnen des für unsere Feinde nutzbaren Handelsschiffsraumes vernichtet worden. Der ihnen zur Verfügung stehende Welthandels- schiffsraum ist somit allein durch kriegerische Maßnahmen seit KriegSbeginn um rund 17 116 600 Bruttokegiftertonnen verringert worden. Der Chef des Admiralstabs der Marine. / ^ Berlin. 21. Mai. (WTD.) Mit KÜ2 00« Brt. reiht sich das April-Ergebnis in die seit dem Herbst vorigen Jahres stetige IlKurve der früheren Monatsergebnisie ein. Wir können daraus ^ientnohmen, daß es den gesteigerten Abwehrmaßnahmen unserer ^Gegner bisher nicht gelungen ist, die Erfolge unserer Unterfeesboote zu drücken. Andererseits zeigt der April, daß es der un. ^errmidltchen Tatkraft unserer U-Boote zu danken ist, wenn die ^ßnonatlicken Derienkunasziffern wieder eine stattliche Löhe erreicht haben. Dabei verdient besondere Berücksichtigung die auch nach feindlichem Eingeständnis geradezu erdrückende Steigerung der durch Angriff der deutschen Unterseeboote beschädigten Handelsschiffe. „Biele von ihnen," sagt das „Journal of Commerce" am 23. März, „werden während des ganzen Krieges überhaupt nicht mehr Verwendung finden, alle aber sind auf lange Zeit hinaus außer Betrieb." Geddes sagte Mitte März im Unterhaus: „Die Reparaturarbeiten im Schiffbau haben die bemerkenswerte Höhe von einer halben Million Brt. pro Woche erreicht, und mit den Leuten, die man jetzt für Schiffsausbesterungen verwenden muß, könnte man in einem Jahre eine halbe Million Tonnen neuen Schiffsraumes bauen." Zur Bestätigung der bekanntlich nicht immer zutreffenden Aussagen englischer Minister stimmt wie gerufen eine Meldung des „Temps" vom 2. Mai, derzufolge in der ersten Hälfte des April d. I. 133 Fahrzeuge mit 350 890 Brt. zur Ausbesierung französische Werften aufsuchen mußten. „Die Ausbesserung aber." so meldet „Verlingske Tidende" unter dem 24. April, „geht sehr langsam vor sich, weil die französische Heeresverwaltung die nötigen Arbeiter nicht freigibt." Auch in England fehlt es an gelernten Werftarbeitern. Zur gerechten Würdigung unserer U-Booterfolge reicht mithin nicht aus, nur die Versenkungen zu betrach, ten, sondern in demselben Umfange, wie dem Feinde durch Ausnutzung seiner Abwehrmittel die Bergung schußverletzter Schiffe und dadurch scheinbar eine Verminderung seiner Cchiffsverlusie gelingt, steigt die Zahl der beschädigten Schiffe und kürzt sich der Schiffsraum, der betriebsfähig zu seiner Verfügung übrig bleibt. » Kopenhagen. 21. Mai. Aus Kristiania wird gemeldet: Wegen der fortgesetzten deutschen Torpedierungen im Eismeer hat das Handelsdepartement telegraphisch den Amtmann in Finnmarken ersucht, eine Expedition nach den Fangstellen zu entsenden, um Mannschaften eventuell versenfter Schiffe auszunehmen und die übrigen zu warnen. Zwei Walfängerboote wurden zur Verfügung gestellt. Luftangriff auf London. Berlin, 22. Mai. Starke deutsche Bombengeschwader griffen in der Nacht vom 19. zum 20. Mai wiederum London an. Die Unternehmung gestaltete sich durch die große Anzahl Flugzeuge, die London erreichten und die Menge der aus die Mitte der Stadt abgeworfenen Bomben« zum größten aller bisher durchgeführten Angriffe auf London. Einwandfrei wurde die starke Wirkung unserer Bomben in der City zwischen Admiralität und Westindien-Docks beobachtet. Bier große Brände brachen im Innern der Stadt aus. Mit demselben guten Erfolge griffen andere Bombenflugzeuge Dover, Chelmsford, Chatham und Southend an. ' « ’ Der englische Bericht. London, 22. Mai. (Reuter. Amtlich.) Nach Berichten sind vier von den feindlichen Flugzeugen, die London und das Süd- ostgebiet in der letzten Nacht angegriffen haben, zum Absturz gebracht worden. Es scheint ein Angriff größeren Stils gewesen zu sein. Eine beträchtliche Anzahl Bomben wurde abgeworfen. aber bis jetzt liegen noch keine Berichte Mer Verluste und Beschädigungen vor. U\ . Neuer Luftangriff auf Paris. Basel, 22. Mai. Wie Havas amtlich meldet, warfen deutsche Flugzeuge am Dienstag abend erneut Bomben auf verschiedene Oertlichkeiten in der Umgebung von Paris üb. Ueber die Wirkung des Angriffes schweigt sich Havas aus. Dagegen behauptete die Agentur, daß ein deutsches Flugzeug brennend zum Absturz gekommen sei. Der „Temps" veröfferftlicht in einer seiner letzten Nummern folgende vielsagende Bemerkung: Wenn der letzte Luftangriff so viele Opfer gekostet hat, so liegt die Schuld hauptsächlich daran, daß die Bevölkerung viel zu spät alarmiert worden ist. Englische Flugzeuge über Holland. Berlin, 22. Mai. In der Nacht vom 16. zum 17. Mai griffen feindliche Flugzeuge Brügge Mer Holland an. Gegen 12 Uhr nachts warfen sie außerdem noch zwei Bomben auf holländisches Gebiet bei Sluis östlich von Brügge. Die Holländer beschosten die Flugzeuge erst, als sie schon außer Reichweite waren. Ein neues schönes Beispiel des britischen Kampfes für die klel. nen Nationen! Die Kriegslage. Es war vorauszusehen, daß der Feind uns gerade zu Pfingsten nicht in Ruhe lassen würde. Mit diesen erneuten französisch-englischen Angriffen mußte man daher unbedingt rechnen. — Die blutige Abfuhr der Feinde hat ja gezeigt, wie sehr man bei rms auf dem Posten ist. Die erneuten Feindesangriffe beweisen, für wie unsicher die Entente ihre eigene strategische Lage hält und daß sie um den Preis jeden Opfers eine Aenderung herbeiführen möchte. Daß der Kemmel hierbei eine besonders große Nolle spielt, versteht sich nach unseren frühern Darlegungen über die Bedeutung des Berges von selbst. Der Gedankengang der feindlichen Führung ist unschwer zu verstehen. Man ist drüben in begreiflicher Unruhe vor dem Kommen/en und möchte durch irgendeinen gelungenen Hieb uns gerne das Konzept verderben; aber das ist gerade an unseren besonders starken Schlachtfronten auch besonders schwer. Und doch versucht es die feindliche Führung aus wiederum begreiflichen Gründen gerade dort: Weil sie, wie wir neulich schilderten, ihre Kräfte in diesem Raume maffierl hat, wahrend sie an anderen Stellen geschwächt ist. So wird jeder dieser opfervollen feindlichen Gegenangriffe zu einem rein örtlichen, frontalen Unternehmen, das niemals zu einer großen Operation aus- wachfen kann, sondern sich — für den Feind — günstigsten- falles mit einer kleinen, eng umgrenzten Einbruchsstelle begnügen muß, die dann von unserem konzentrischen Artillerie- feuer derart bearbeitet wird, daß sie fast immer wieder geräumt werden muß. Aber die feindlichen Angriffe verfolgen wahrscheinlich noch den weiteren Zweck, Zeit zu gewinnen. Man rechnet drüben vielleicht so, daß jeder feindliche Angriff an den Schlachfronten uns zu großem Munitionseinsotz zwingt, daß wir Kräfte und Material abnützen, daß wir in möglichen Vorbereitungen aufgehalten werden, so daß sich neue deutsche Operationen noch hinausschieben lassen könnten. Vielleicht kämpft man drüben angriffsweise um Zeitgewinn, damit hinter dem Rücken der feindlichen Front neue Anlagen weiter gefordert werden können, damit vielleicht auch die amerikanische Hilfe unterdessen durch Ausbildung der Truppen mehr ins Gewicht fallen kann. Aber es ist ein großer Irrtum, wenn die Entente hofft, uns damit das Konzept verderben zu können. Unsere Arbeit geht ganz folgerichtig weiter und wird eines Tages ihre Wir» kung schon cmslösen. — Man hört über gerade in letzter Zeit vielfach die Ansicht, daß die feindliche Kraft doch noch gewaltig sein mäste, wenn fast täglich seit drei Wochen feindliche ■' n< angriffe größeren und kleineren Stils unternommen w ' n. Da ist zunächst zu erwidern, daß selbstverständlich Millionenheere nicht auf einen Schlag hin zertrümmer. r können. Es werden immer Momente eintreten, in de > :r Feind nach Verlust selbst von weit über hunderttausend Kef'w genen, nach einer blutigen Einbuße von weit über K Million Menschen und nach Verlust wertvollen Kriegsmaterials hinter den besonders bedrohten Stellen im Laufe von Woch n ein Wtderstandsnetz spannt, das durch herangeführte Kräfte uird frischen NachschM jeder Art in die Tiefe hinein an Widerst' ds- fähigkeit zunimmt. Wir legten ja auch früher schon eingehend dar, daß es eben gerade der Zweck unserer ersten Schlüge war. die feindlichen verfügbaren Kräfte dorthin 311 ziehen, wo sie jetzt find. Das Wettere werden wir ja sehen. Die englischen Angriffe über Pfingsten bei Hulluch, an der Ancre, der französische Angriff gegen den Kemmel sind für uns lediglich der Beweis, daß der Feind in seiner strategischen Zwangslage nicht warten kann, sondern irgendetwas unternehmen muß; wir können warten, weil wir viel mehr Zeit haben als unsere Feinde — dank der allgemeinen strategischen Lage. Und wollen unsere Leser daran erinnern, daß wir zur Erzwingung des Ostftiedens über 3^ Jahre gebraucht haben. D» wird man schon Mwarten können, wenn jetzt einmal eine Pause in der Schlachthandlung drei Wochen dauert. Um so bester kommt es dann auch! Die Spannung im Westen ist gleichmäßig stark geblieben und wird so bis zur Auslösung neuer Creigniste bleiben. . v , * Berlin, 21. Mai. (WTB.) Bei dem mißglückten großen französischen Angriff am 20. Mai auf den Kemmel blieben zahl» reiche Gefangene von verschiedenen ftanzösischen Divisionen in deutscher Hand. Uebereinstimmend sagten diese aus, daß auch englische Divisionen, die in dritter Linie bereitstanden, an dem Angriff hätten teilnehmen sollen. Allein zu ihrem Einsatz lass es gar nickt infolae des vollkommene« Zusammenbruch» dol französischen Sturmes, ©dt dem ^ Mot verblute» sich tztzß Franzosen, die kr Flandern mit ihre» beste» Dtvtsione«» darum- ter des berühmte 20. eiserne Korps, eingesetzt haben, tn immer neuen vergeblichen Angriffen gegen den Kemmel. Es ist bezeichnend, daß England durch die wiederholte Drohung seiner Presse, England liege nichts an seiner Kontinent« lstelkmg, und cs sei gerne bereit, sich auf den Seekrieg zu beschranken, Frank- reich dazu vermocht hat, um ein rein englisches Ziel, um das mit dom englischen Prestige so eng verknüpfte Ypern und um das englisch gewordene Calais, seine besten Truppen zu opfern, die es vielleicht an anderer Stelle noch einmal bitter nötig brauchen kann. Feuerkampf der deutschen Artillr Berlin, 22. Mai. (WB.) Am 21. Mai führte die deutsche Artillerie mit großer Wirksamkeit ihren Feuerkampf durch. ^ Sie hielt geplante Angriffe des Feindes im Kem- melgebiet durch ihr Abwehrfeuer nieder und rief durch zahlreiche Treffer in den feindlichen Batterien mehrfach Munitionsbrände hervor. Hazebrouck, Moorbeque, der Schacht X von Bethnne und das Stahlwerk Grenay wurden erfolgreich mit schwerem Kaliber belegt. Unsere Bomben- geschwader verursachten gleichfalls schwere Schäden in den Unterkunstsorten des rückwärtigen feindlichen Gebietes. Bei Sprengung des großen Munitionslagers Blargies wurden ungeheure tageshelle Explosionen beobachtet. Me infolge der Explosion entstandenen Brände des zweiten feindlichen Munitionsdepots dauerten noch nach 2 Uhr morgens an. 3000 Meter hohe Rauchwolken waren lange Zeit sichtbar.' Ein iDflfrrrr £r: ^ 'iu rniltidrrn hinterttls. Eine von den Engländern, namentlich in den Offensiv- Lagen bei nächtlichen Nahkämpfen, häufig angewandte Hinterlist bestand darin, deutsche Stahlhelme aufzusetzen und unseren Truppen die Nummer des Regiments, mit dem sie gerade im Kampf lagen, oder die von Anschlußregimentern entgegenzurufen. Z. B.: „Hier Regiment 63! Nicht schießen!" Infolgedessen kam es mehrfach vor, daß feind- lrcke Maschinengewehre in der Flanke oder gar im Riicken unserer vorstürmenden Truppen liegen blieben und dann ihre Feuer eröffneten. Ein besonders bezeichnender Vorfall dieser Art wurde beim Kampf um Ervillers am Abend des 24. März beobachtet. Die Bataillone eines niedersäch- sischen Regiments hatten den Feind aus der ersten Stellung geworfen, als sie plötzlich von der Flanke her starkes Ma- fchrnengewehrfeuer erhielten. Leutnant D., Führer der 4. Kompagnie des Reserve-Jnfanterie-Regiments Nr. näherte sich mit einer kleinen Abteilung den Maschinengewehren, die sofort das Feuer einstellten. Er sah deutlich rm Hellen Mondlicht die deutschen Stahlhelme der Bedienung, und seine eigene Regimentsnummer wurde ihm entgegengerufen. Mit den Worten: „Schießt doch nicht in eure ergenen Leute!" zog er sich beruhigt zurück. Als unsere Truppen weiter vordrangen, erhielten sie plötzlich wieder von den Maschinengewehren, die nun fast in ihrem Riicken lagen, schweres Feuer. Sofort vorbrechende Abteilungen fanden die Maschinengewehre nicht mchr vor, da die Engländer durch die wenig gesicherte Flanke nach rechts das Weite gesucht hatten. Leutnant V. ist bereit, seine Wahrnehmung eidlich zu bekräftigen. Bei der Häufung derartiger Fälle und dem verhältnismäßig guten Deuffch der einfachen englischen Mannschaften ist koümtz auVtaetz«-», Geftchr «f diese» Trick verfiel, sonder» eher eine von höherer Okdle angeordnete methodische Kampfesart z» vermuten. Die niederträchtige Gesinnung, die aus dieser hin- terlfftigen und gemeinen Handlungsweise spricht, reiht sich würdig bem Mißbrauch des Roten Kreuzes, Flaggenschwindel zur See und anderen ruhmreichen Taten der Engländer au. Ktktniilnisj'e emg anittilranWn OWerg. Ein vor kurzem von uns eingebrachter amerikanischer Berufsoffizier erzählte offenherzig, daß er sich die Tätigkeit der Amerikaner in Frankreich ganz anders vorgestellt hatte, als sie sich innerhalb seiner Truppe abspielte. Er hatte er- wartet, gerade „zum letzten Rennen" gekommen zu sein und den Deuffchen den Gnadenstoß mit versetzen zu können! Denn^ „als wir in Frankreich landeten, sagte man uns, daß die Deutschen angegriffen und bis hinter ihre Grenzen zurückgeworfen wurden!" Die Enttäuschung des amerikanischen Offiziers war groß, als er die Situatton mit eigenen Augen schauen konnte: zu den ihm gewordenen verheißungsvollen Begrüßungsworten in Frankreich be- mertte er resigniert: „Jetzt spricht man hiervon nicht mehr! (Vom Zurückwerfen der Deutschen.) Im Gegenteil man muß. sich wehren, und unsere Soldaten, die darauf rechneten, hier Lorbeeren zu ernten, müssen nur eine Niederlage verhindern." (Das ist in der Tat sehr traurig.) Aber als prakttscher Amerikaner ttöstete sich der Gefangene mit den bezeichnenden Worten: Was uns Amerikaner angeht, so werden wir uns immer an Mexiko schadlos halten, um unsere Kriegskosten zu decken. Die Europäer mögen sehen, wie sie miteinander fertig werden." Und sich gleichsam enffchuldiaend, fügte er leise hinzu: „Wir hatten keine genügend große Armee, um in der Welt Respekt einzuflößen. Die Kriegserklärung war ffir uns nur der Vor- wand, eine solche zu schaffen: jetzt, wo sie gebildet ist, muß sie notwendig die Kosten derselben einbringen. „Busineß is Busineß!" Auch wir können dazu nur sagen: „Geschäft ist Geschäft!" ^er Flieaerangrilf auf Köln. Köln, 22. Mai. Von den beim letzten Fliegerangriff Verwundeten sind inzwischen weitere 10 Personen ihren Verletzun- gen erlegen, so daß die Zahl der Toten sich auf 3b erhöht. Die Zahl der Verwundeten beträgt nach endgültiger Feststellung 8b. Flikgkrangnffe aus psijWe Aiidlk. Karlsruhe r. 22. Mai. Von zuständiger Seite wird mitgeteill: Heute nacht wurden Ludwigshafen und Pirmasens von feindlichen Fliegern mit Bomben beworfen, die zum größten Teil nur in freies Gelände fielen und keinen bedeutenden Sachschaden anrichteten. Personen wurden nicht verletzt. Ein feindlicher Flieger mußte in unserem Abwehrfeuer niedergehen. Seine Insassen — drei Engländer — sind gefangen. Aln Pfingstmontag wurde die offene Stadt Landau von feindlichen Fliegern mit mehreren Bonrben beworfen, die zwei Frauen und ein Kind töteten und einigen Häuserschaden anrichteten. Wkm «c durch Liebe Leid gr|djali. Roman von Courthß-Mahler. *0) Nachdruck verboten. Die Baronin wurde sehr bleich und sah sich ängstlich um. Dann schrie sie auf: "Um Gotteswillen Karla — wie kannst Du so etwas sprechen!" Die Baronesse hob die Hand. „Unbesorgt, Mama, wir sind ja allein, und ich spreche so leise, daß selbst ein Lauscher nichts hören würde. Spiele doch nicht Verstecken mit mir. Jch^veiß doch ganz genau, warum Du nicht willst, daß Onkel Heinz Briefe von Deiner Kusine, seiner einstigen ungetteuen Braut, erhält. Du willst ^eben ^rhüten, daß sie sich miteinander aussöhnen." „Ich will ihm Aufregungen ersparen," suchte die Baronin sich zu verteidigen. Baconeß Karla lächelte schlau. „Natürlich, Mama — wir müssen Onkel Heinz vor jeder Arffrcgung behüten. Daß er mit Maria von Platen nie mehr in Verbindung treten darf, ist sicher. Du kannst ganz offen mit mir darüber sprechen. Ich billige und verstehe Dein Verhalten vollkommen." Die Baronin tupfte sich nervös die Stirn mit ihrem Taschentuch. „Ich hätte es lieber gesehen, wenn Du nichts von die- len Briefen gewußt hättest. Aber da Du es nun einmal, ich weiß nicht wie, ansgekundschaftet hast, so magst D.u es curch wissen. Deines Schweigens bin ich ja sicher." „Das ist doch selbstverständlich." „Ich weiß es, und was ich tue, geschieht alles für Dich ,mfi in Deinem Interesse. Also ja, Maria hat v-rWedent- ltd> an Onkel Heinz geschrieben. Ich lese ihm ja alle Briefe f° ist es selbstverständlich, daß ich den Schlüssel zur Posttasche rn Verwahrung habe. Das wird für alle Fälle Mich m Zukunft so bleiben. Wenn ich nun einen Brief von Marra in der Posttasche fand, was einigemale der Fall 2""i.der Jahre, ließ ich ihn mit dem Vermerk: „Aoressat verweigert die Annahme" zurückgehen. Der letzte dfi^fvon ihc traf ungefähr vor drei oder vier Jahren ein. Adresse tvar aber von einer fremden Hand geschrieben. und der Absender war nicht auf dem Brief vennerkt. Der Posfftempel Stockholm machte nlich darauf aufmerksam. So behielt ich ihn zurück." „Und Du hast ihn gelesen?" „Ja, ich habe mich dazu entschlossen." „Und wie war der Inhalt?" „Mußt Du das wissen?" „Aber Mama, siehst Du denn nicht ein, daß es besser lst, wenn rch genau unterrichtet bin. Wir ziehen doch an emem Strang." ^ Die Baronin überloztt. Dann sagte sie unsicher: „Nun wohl — sie schrieb in jenem Brief, daß sie leidend sei und noch ein letztesmal versuchen wolle, an ihn zu schreiben. Da ihre Briefe uneröffnet zurückgeschickt hätte, habe sie sich entschlossen. die Adresie von einer fremden Hand schreiben zu lassen. Cr möge ihr doch den Treubruch verzeihen und ihr ein eu^lgesmal nur schreiben. daß er ihr nicht mchr zürne. Sie habe schwer gebüßt, daß sie ihm die Treue gebrochen habe, und sie sei so leidend, daß sie kaum noch lange zu leben haben werde, or ihrem .rode mochte sie seine Verzeihung noch erlangen." Baroneß Karla beobachtete ihre Mutter scharf. Die Unsicherheit derselben fiel ihr ailf. W f U "Hast Du den Brief noch?" fragte sie. Die Baronin sah nicht auf. „Warum?" „Weil ich ihn gern lesen möchte." Ern helles Rot schoß in das Gesicht der Baronin. Sie ver- mochte ihre Tochter nicht anzusehen. Was Maria von Platen chrem ehemaligen Verlobten in jenem Brief geschrieben hatte durfte Karla nicht wissen - das durfte kein Mensch erfahren! Tre Baronin hatte damals eine wenig fchötie Rolle gespielt — sie selbst war es gewesen, T»ie Maria von Birkenheim zum Treubruch und zur Flucht getrlebe-n hatte. „Fch habe den Brief natürlich sofort vernichtet." sagte sie hastig. Ihre Tochter beobachtete sie mtt einem kauernden Bttck. Aber |ie sagte ablenkend: „U»6 seitdem tft also fein Brief mehr von Maria von Platen gekommen?" ' „Rein". Kaiser Karl in Konstantinapel. Äonftalrtinopel, 21. Mai, (WTB.i Bei der SWttaf.r j. *** bultau tn seinem Trinksprach da, österreichisch, Kaiserpaar «Is Gäste in der Hauptstadt willkom. ,® r meS , We freundschaftlichen Beziehungen des oster, reichtsch-ungar^chen und de- türkischen Herrscherhauses, auf di. gegenwärtige Sympathie, di« Wertschätzung der beiden Völker, die Eemetn-s-rvik-tt der Interessen der beiden Reich- und aus b£ von den verbündeten tapferen Heeren gemeinsam errungenen Erfolge hin und sagte weiter: Ihrer Rechte bewusst und von Heldenmut und Selbstverleugnung beseelt, sind unser- Völker in SEaffen entschlossen, das ihnen von ihren Vorfahren »ermachr« moralische und territoriale Erbe in voller Unvcrsehrheit zu ver. ““ besinn.dieses gigantischen Krieges nur die Verteidigung unserer Rechte verfolgen, laa cs uns stets Blutvergießen durch den Abschluss eines ge- chten und ehreiivollen Frieden- zu verhindern. Die Verträge von Brest-Lltowsk und Bukarest, die den Kriegszustand zwischen den Verbündeten einerseits „nd Russland und Rumänien am dererseits so glücklich beendeten, bilden einen unleugbaren Ve> weis für unseren Wunsch, diesem mörderischen Kriege ein Ende zu setzen. Stark durch unser Recht und im Vertrauen auf den göttlichen Schutz, warten wir mit Zuversicht den endgültigen Triumph unserer gerechten Sache ab. die wir gemeinsam mit unseren tapferen Verbündeten verteidigen. Kaiser Karl erwiderte mit Worten des Dankes für die eben- so herzliche wie glänzende Aufnahme und die Verleihung der Wurde eines Marschalls. Der Kaiser sagte weiter: Das zwi. schen der Türkei und Oesterreich-Ungarn glücklicherweise be- stehende Bündnis, das sehr alten Ueberlieferungen entspricht und durch das Blut unserer Helden geweiht ist. gemeinsam ver. gossen auf den Schlachffeldern. auf denen die osmanischen Sold«, len ihre allererste Tapferkeit bewiesen, ist die kostbare Bürgschaft für den glücklichen Ausgang des großen Ringens, das unser« Lander, vereinigt mit ihrem treuen Verbündeten, für ihre Un. Versehrtheit und Sicherheit bestehen. Mit Hilfe des Allmächtigen naht der Tag. wo unsere Völker für ihre Opfer durch einen ge- rechten und ehrenvollen Frieden belohnt werden. Konstantinopel, 21. Mai. (WB.) Der gestrige Abend- empfang im Dolma Bagdsche-Palast tvar für Konstantinopel ein außerordentliches Ereignis, da seit der Anwesenheit des Deutschen Kaisers und der Kaiserin im Jahre 1899 keine Herrscherin den türkischen Hof besuchte und somit kein Anlaß für eine solche Festlichkeit vorhanden war. Viel bemerkt wurde, daß bem Empfang des Herrscherpaares auf dem Bahnhof auch die Damm des kaiserlichen Harenls in be- sonderen Wartesälen beiwohnten, was eine Neuerung > türkischen Gesellschaftsleben bedeutet. Rückreise Kaiser Karls. Konstantinopel, 21. Mai. (WB.) Das österreichisch- ungarische Herrlcherpaar hat hellte abend die Rückreise angetreten. 3 Sofia, 21. Mai. (WB.) Den Blättern zufolge haben Abgesandte der Dobrudscw anl 18. Mar dem Kaiser mtb König Karl durch Vermittlung des Ministers des Aenßern Grafen Vurian eine Memorandum des Nationalrats von Babadagh Überreicht, worin sie ihrem Wunsch nach der Vereinigung der ganzen Dobrndscha mit Bulgarien Ausdruck geben. Das Memorandum war von einer Adresse an den Monarchen begleitet. .Dann ist doch wohl anzun«hmen, daß sie nicht mehr am Leben ist." „Wer weiß? Sie sandte auch früher ihre Briefe in langen Zwischenräumen. In den ersten Jahren ihrer Ehe hat sie nichts von sich hören lasten. Die erste Nachricht von ihr kam. als ihr Mann gestorben war. Ich las es zufällig in einer Zeitung, die ich -uni Glück vor Onkel Heinz verbergen konnte. Bald darauf lam ihr erster Brief an. den ich sofort zurückgehen ließ. Denn sicher hatte sie die Absicht, den einstigen Verlobten, nun sie Witwe war. ein zweitesmal zu betören. Und das wollte ich nicht zulasten." „Damit hast Du sehr recht getan. Mama. Es wäre sehr leicht möglich gewesen, daß Onkel Heinz sich abermals betöre» ließ. Er muß sie unsinnig geliebt haben." „Ja — das hat er getan." seufzte die Baronin. >, ..Und dann hätten wir das Nachsehen gehabt," erwiderte Karla höhnisch. Die Baronin atmete ttef auf. „Ja dann wäre für uns nicht mehr Raum in Birkenheim gewesen. Und was hätte aus uns werden sollen? Dein Vater hat uns ja leider in den drückendsten Verhältnissen zu- riickgelassen. Du begreift, daß ich Maria von Platen nicht .wie. der in Onkel Heinz' Nähe lasten durste." . „Und wenn sie mm eines Tages selbst gekommen wäre? Was hättest Du dann getan?" Die Baronin zuckte die Achseln. „Ich war sicher, daß sie das nie tun würde, ohne von Orckef Heinz aufgefordert zu werden. Dazu war sie zu stolz und zu scheu. Ich kannte sie ja genau." ..Das ist für uns sehr günstig gewesen. Sonst hätte sich doch wohl eine sehr heikle Lage ergeben." „Wenn ich meiner Sache nicht sicher gewesen wäre, hätte ich imttirlich nicht so ein gewagtes Spwl getrieben. Aber recht ruhig und sicher kann ich natürlich erst sein, wenn ich weiß, daß sie nicht mehr am Leben ist." „Du solltest Dir darüber Gewißheit verschaffen." HM.,Aber wie?" Klara lächelte überlegen „Soll ich Dir diese Gewißheit verschaffen?" „Wie willst Du das tun?" „Sehr einfach, ich frage in Stockholm bet der Polizei an.' «Meinst Du, daß Du da Auskunft erhältst?" Fortsetzung folgt. Der Kaiser an die alten Krieger?. Berlin, 2L Mai. Auf das Hüldigungstelegramw! lieS Preußischen Landeskriegerverbandes ist nachstchendeS LÄo- gmmm Seiner Majestät des Kaders eingelaufen: „Großes Hauptquartier. 20. Mai. Der treue GrrH des Deutschen Krie^erbundes und des Preußischen Landeskriegerverbandes hat Mir besondere Freude gemacht. Wir danken unsere Siege den kriegerischen und fittüchen Tugenden des deutschen Heeres, die sich stärkend und stählend auch in der Heimat bewährt haben. Mit voller Zuversicht dürfen wir der weiteren Entwicklung entgegen- sehen. In den nächsten Jahren harren unser große und ernste Heimatsaufgaben. Zu ihrer Lösung brauche Ich die zuverlässige llnterstützung selbstloser und pflichttreuer Männer, denen das Wohl des Vaterlandes Herzenssache ist. Ich weiß, daß Ich dabei'auf die alten Soldaten zählen darf. Sie werden den Geist des preußischen und deutschen Heeres, den Geist Meines in Gott ruhenden Großvaters auch in die durch den Krieg veränderte Welt hinüber tragen und den Eckstein bilden, auf dem wir die Zukunft des Vaterlandes aufbauen. Gott segne unser herrliches, kampferprobtes Volk! Wilhelm I. R. Das Karsergeschenk. 22. Mai. Das Standbild Friedrichs des Großen, das der deutsche Kaiser im Jahre 1904 der Regierung der Vereinigten Staaten zum Geschenk gemacht hatte, und das bei Kriegsausbruch von seinem Platze vor der Militärakademie in Washington entfernt worden war, wird den Zwecken der Kriegsrüstung nutzbar gemacht werden. Wie die „Times" aus Washington melden, soll es eir^eschmolzen werden und zur Herstellung von Munition Verwendung finden. Die aus seinem Metall her- gestellten Geschosse werden mit der ausdrücklichen Bestimmung für den Kampf gegen Deutschland an die amerikanischen Truppen in Frankreich geliefert werden. §rr GkfanWenüüsilUllch. Die Berner Vereinbarungen vom 26. April 1918, deren Wortlaut jetzt in der „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht mtrbc, zerfallen in zwei Abteilungen, deren erster sich auf Kriegsgefangene, der zweite auf Zivilpersonen bezieht. Von dem bereits Bekannten sei kurz in Erinnerung gerufen, daß die zwischen Deutschland und Frankreich getroffene Abmachung für die unter ihre Bestimmungen fallenden Mann- schäften und Unteroffiziere die Rückkehr in die Heimat, für die Offiziere die Internierung in der Schweiz vorsieht und in ihren hauptsächlichen Punkten auch die von belgischen Truppen gefangen genommenen Deutschen bezw. die von mrseren Truppen gefangen genommenen Belgier umfaßt. Eine Reihe von Artikeln beschäftigt sich mit der Abbeförderung der Kriegsgefangenen. Diese soll beiderseits — von Frankreich über Lyon, von Deutschland Liber Konstanz — in der Weise geschehen, daß mit jedem Zug 700 der Kopf um Kopf zu entlassenden Mannsckiaften und Unteroffiziere und außerdem aus der Kategorie der ohne Rückfickst auf die beiderseitige Gefangenenzah! zu Entlassenden je 100 Deutsche bezw. 60 Franzosen befördert werden. Nach ähnlichen Grundsätzen soll die Besetzung der Offizierzüge statt finden, die zu Beginn jeder Folge von zehn Mann- sck»aftszügen abzulassen sind. Für die Reihenfolge der Ent- lafsungen ist die Dauer der Gefangenschaft, bei gleicher Dauer das Alter maßgebend. Einen sehr wohltätigen Teil der Abmachungen bilden bann die in je einer Anlage für Offiziers- und Mannschafts- lager näher umschriebenen Bestimmungen über Einrichtung und Dienstbetrieb in den Gefangenenlagern. Für Unterkunft, Lagerstätten, Bewegungsräume usw. sowie für ärztliche Behandlung, Arbeit, Besckstverderecht usf., kurz, für du ' ganze Gebiet des leiblichen und geistigen Wohles der Gefangenen werden bestimmte, als Mindestforderungen zu betrachtende Vorschriften ausgestellt, die in den Offizierslagern bis zum 26. Juni, in den Mannschastslagern, wo die Neuordnungen natürlicherweise eine etwas längere Zeit in Anspruch nehmen werden, bis zum 1. August 1918 erfüllt ^ein müssen. Unter den Vorschriften über die Ernährung sei erwähnt, daß die Mindestmenge an Brot für die deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich 360, für außerhalb des Lagers Arbeitende 400 Gramm täglich betragen soll; den französischen Gefangenen in Deuffchland steht die gleiche Mindestmenge wie der Zivilbevölkerung, jedoch nicht weniger als 260 Gramm zu. Ein erffenlicher Fortschritt ist e§, auch, daß die Selbstwirtschaftung so viel wie möglich gefördert und erzielte Gewinne nur zu Gunsten der Gefangenen verwendet werden sollen. Die Vollstreckung der gerichtlichen und Disziplinarstrafen wird einheitlichen Regeln unterworfen^ die gegenüber dem Bisherig»! erhebliche Milderungen bringen. Und im Zusammenhang damit ist es von höher Bedeutung, daß dem Völkerrecht oder den Vereinbarungen zuwiderlaufende Vergeltungsmäßregeln, die von einem Teile gegen Angehörige des anderen ergriffen werden, in Zuk.mft erst nach Ablauseines Monats und nach Mitteilung an die zuständige diplomatische Vertretung und an die Schweizer Regierung durchgefichrt werden sollen. Dadurch wird eine Frist geschaffen, die ohne Zweifel in vielen Fällen zur Vermeidung dieser Zwangsmaßregeln führen wird. Der zweite Teil der Abmachungen bezieht sich auf die Zivilpersonen, die zu irgend einer Zeit interniert waren vder es noch sind. Sie sollen, falls sie sich nicht in strafrechtlicher Untersuchung befinden, auf ihren Wunsch aus \bem feindlichen Land oder aus der Schweiz, falls sie dort rnterniect sind, entlasten wecdal. Ausgenommen von dieser Bestimmung, deren Vollzug f.n einer Anzahl von Para^ -- Nrapyen oe» nspctnr iw^ ynw vn w voewarr der belgischen Re g ie r ung gelangten Uvilgesimgenen, di« sich m Frankreich oder der Schweiz befinden. Dagegen können tue Frauen oder auf den elterlichen Unterhalt angewiesenen Kinder -der KU entlastenden Internierten dem Ehemann oder Vater in seinen neuen Aufenthaltsort erfolgen, auch wenn sie selber nicht inter ni ert waren oder sind. Den Schluß der Abmachungen bilden Vorschriften' über die Behandlung der Bevölkerung des besetzten Gebietes unendlich die Bestimmung, daß die Vereinbarung am 16. Mai 1918 in Kraft tritt. Sie trägt auf deuffcher Seite die Unterschriften: Friedrich, v. Keller, Pabsi, v. Ohatn, Schloessingk, v. Hindenburg, Bourwieg; von französischer: De Panafieu, Georges-Cahen, Giraud und Alphand. Grcherger. Dev „Bayerische Kurier", das leitende Mknchener Zentrumsorgan, veröffentlicht unter der Ueberschrift „Wie lange noch? Ein ernstes Wort in ernster Stunde" die Zuschrift eines Zentrumspolitikers, der wir die nachstehenden Ausführungen entnehmen: „Daß Erzberger trotz der großen Erbitterung, die sein Verhalten gegenüber dem Kanzler und vor allem sein jüngstes Vorgehen im Ausschüsse wieder hervorgerufeu hat, nach wie vor glaubt in der Reichstagsfraktion die erste Violine weiterspielen zu müssen, ist zunächst Geschmackssache. Aber sie ist doch mehr als das; sie ist — und darüber dürfen sich die Fraktionskollegen keinerlei Täuschung hingeben — zu einer die ganze Partei und deren Zukunft berührenden Frage geworden. Nicht nur in konserv. und nationallib. Kreisen, sondern in den weitesten Kreisen treuer Zentrums- Wähler ist der Name Erzberger geradezu verhaßt geworden; man täusche sich nicht über die Stimmung im Lande und glaube ja nickt, daß man die Stimmung einfach mit einer vornehmen Handbewegung als volksfeindliche Strömungen alldeutsch gesinnter Intellektueller abtun könne. Wenn der Vorst.nrd dek Neichstagsfraktion in seiner Erklärung betont hat, daß das Zentrum vollstes Vertrauen in den Herrn Reichskanzler habe, so wird das gewiß im ganzen Lande lebhafte Befriedigung Hervorrufen. Aber daß dabei unter dem Worte „Zentrum" auch Abg. Erzberger mitzuverstehen sei und daß dieser Mann, der im Sommer 1917 die denkbar lebhafteste Agitation für eine Kanzlerschaft des Fürsten Bülow (!) notorisch betrieben hat, nach der kühlen Abweisung durch Graf Hertling ruhig mit am offtziellen Parteiwagen ziehen werde, ohne wieder einen seiner beliebten politischen Bocksprünge zu machen, das wird im ganzen Lande kein Mensch glauben.... Gehen die Dinge so weiter, so ist zu befürchten, daß unter seiner Täffgkeit nicht nur die Partei, sondern vor allem Vaterland und Kirche den größten Schaden nehmen werden. So wie die ' Dinge jetzt liegen, wird der Abgeordnete Erzberger sich ein großes Verdienst um Vaterland, Katholizismus und Partei erwerben, wenn er sich möglichst rasch von der politischen Bühne zurückzieht, nicht bloß als Diplomatenersatz im Auswärtigen Amt. sondern auch als Mitglied des Reichstages. Wir bedauern, dies aussprechen zu müssen; aber der Ernst der Stunde erheischt ein ernstes Wort." Die dküijcheü Kgyern fordern die Freigabe des Feinbane^, die Fremde der Bucheckern film GMIagki,. Der Flachsbau ist eine militärische und nationale Notwendigkeit. die Eckern mästen gesammelt und auf Oel geschlagen werden, Fette und Oele müssen produziert werden, sie gehören zu den allernotwmdigsten Nährmitteln. So kann mans in allen Zeitschriften lesen, kein Mensch zweifelt auch im geringsten an der Notwendigkeit, trotzdem haperts mit dem Anbau von Flachs, hat die letzte große Bncheckernernle so kreuzwenig Oel geliefert. Der einzige stichhaltige Grund ist die staatliche ZwangsregMisrung, die sozialistische Bewirtschaftung. Alle Bucheckern mußten abgeliesert wecken. Mit dem Sammeln durften sich die Privatleute plagen, das Oel wurde an die Allgemeinheit sozialistisch verteilt. Der Sammeleifer war etwas natürliches. Allerorten gingen hoch und niedrig hinaus, unterzogen f'cb der sauren Arbeit des Auslesens. Putzens und Trocknens. Wenn eine ganze Familie durchschnittlich 30 Pfund und wenns hoch kam, einmal 50 Pfund Eckern in schlagfertigen Zustand gebracht hatte, dann wollte sie auch den Nutzen haben Ganz natürlich dachte man zuerst der eigenen Not abzuhelfen, dachte an Nachbarn und Verwandte etwas abgeben zu können. Die sozialdemokratischen Zrvangsregulierer aber legten die rauhe Hand auf das Eigentum anderer, belegten die Eckern mit Beschlag und das Schlagen unterblieb zum Teil, zum Teil suchte man heimlich sein Eigentum zu retten. Zu hunderten kamen Leute, denen man die Not von.weitem ansah, in die Oelnüihlen mit Päckchen von 5—20 Pfund. Aus Baden wisten wir. daß dort viele Müller von Mitleid bewogen die Eckern abnahmen und dir Leute für später zum Abholen des Oeles bestellten. Die Eckern schütteten sie bis zu enter schlagfertigen Menge zusammen; da kamen auf Anzeigen von sozialdemokratischen Gewerkschaftsführern die Genoarmen, nahmen die Eckern weg und die Müller erhielten obendrein noch schwere Geldstrafen. Alle Empörung war nutzlos, die Luft aber zum wetteren Sammeln ein für allemal vergangen. Gibt es 1918 ein« reichliche Eckernernte, dann muß die Zwangsmacht der ganzen und halben Sozialdemokraten aufhören, damit nicht noch einmal dem Volksgan. zen Millionen verloren gehen, noch einmal mit dem Eckernöl Fiasko gemacht wird. Das Lesen und Schlagenlassen der Eckern muß jedem Privatmann zustehen. Der Anreiz ist da. die Aussicht aus eigener Kraft und ohne Bevormundung ein bißchen Osl für den Haushalt zu erlangen, ist vorhanden — deshalb störe man twte Gotteswtllen nicht natürliche Triebe durch annatürlichen Zwanasfoztatismus Vkoch viel rvichttger liegt die Sache beim Flachsanbau. I« der Rhöu beispielsweise bestand in diesem Jahr die größte Lust dazu, Leinsamen zu säen. Eignet sich doch gerade der Leinbarl für den mittleren und kleinen Bauernstand. Als es aber hieß daß der Anbau der Kontrolle der Kriegsflachsbaugesellschaft z» Berlin unterliegen, daß Buch geführt und abgeliefert werden müsse, wars mtt der Luft zu Ende und wie in der Rhön so ging es allerwegen. Wohl hat der Anbau zugenommen, allein di« Zunahme hätte ein Hundertfaches ergeben, wenn der behördliche Eingriff unterblieben wäre. Wozu ist auch dieser nöttg? Das Leinöl wird nur in ganz wenigen Teilen Deutschlands zu Speisezwecken verwendet — es hält sich dazu auch nur 4 Wochen, dann wird es bitter. Der Bauer verkauft gern, wenn er nur die Hälfte des j^igen Preises erhält. Den Flachs kann de«. Bauer nicht mehr wie ftüher verarbeiten. Auch ihn verkauft er gern und den Leinkuchen benöttgt er fürs Vieh; der Lein, tuchen gibt Milch und bewahrt das Vieh vor vielen Krankhei. ten. Der Dauer hat also das größte Interesse daran, Lein zu ziehen, er will aber, wie die Erfahrung dies zeigt, von der so- zialdemokratischen Bevormundung nichts wisten, will ftei wirb schäften. Deshalb weg mit den staatlichen Zwangsmaßnahmen — freie Bahn den Tüchtigen, die Flachs bauen, Eckern sammele und schlagen lasten wollen. Uom Felde der Ehre. Friedberg - Fauerbach. Dem Gefreiten August Roth, be einem Infanterie-Regiment im- Westen, wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Dorheim. Wilhelm Schäfer, bei einer Minenwerfer- Kempagnie im Westen, wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Die Hessische Tapserkeitsmedaille besitzt er schon länger. Wir gratti- lierenl Büdesheim. Dem Sanitäter Heinrich Winter, z. Zt schwer verwundet, wurde das Hessische Sanitätskrouz verliehen Das Eiserne Kreuz 2. Kl. erhielt er schon früher. Ans der Heimtt. Heute vor 300 Jahren hat der dreißigjährige Krieg dadurch seinen Anfang genommen, daß die kaiserlichen Gesandten in Prag aus den Fenstern geworfen wurden. Heute wie damals sehen wir in den Tschechen die Kriegsschürer und wenn es ihnen nichts wie damals gelungen ist, daß die deutschen Lande zum Tummelplatz fremdländischer Völker geworden sind, die au» Deutschland eine Wüstenei geschaffen haben, so liegt dies wahr- lich nicht an dem Willen der Herren Tschechen, die heute weniger denn je aus ihrer Freundschaft gegen alles deutsche Wesen ein Hehl machen. Der Rückblick auf jene Zeit muß uns zum Dank stimmen gegen unsere Helden, die das Kriegselend. das wir damals durch 30 Jahre zu spüren bekamen, von unseren Grenzen fern halten. FC. Frankfurt a. Main, 21. Mai. Die seit mehreren Jahren schwebende Frage der Erhaltung der sog. Hellerschen Kreu- zi gungsgruppe am Dom von dem bekannten Mainzer Bildhauer Backoffen ist ihrer Lösung dadurch entgegengeführt worden, daß die katholische Gemeinde sich zu einem Veittage zu den Kosten von 30000 Mark bereit erklärt hat, worauf der Landesausschutz als Beihilfe für die Versetzung der Gruppe in die westliche Turmvorhalle des Doms, nach Aufstellung einer Kopie an der bisherigen Stelle. 3750 Mark bewilligt hat. Die Vorarbeit:»! für die anzufertigende Kopie sind von dem hiesigen städtischen Hochbauamt unter Zuziehung des Bezirkskonservators Eeheim- rat Luthmer inzwischen eingeleitet worden. FC. Usingen, 21. Mat. Das gesamte in hiesiger Gemarkung erworbene Gelände von 290 Morgen zum Bau einer Lan- des-Erziehungsanstalt war feit Kriegsbeginn verpachtet, da die Vorarbeiten zu dem Anstaltsbau eingestellt werden mußten tu- folge der Kriegswirren. Etwa zehn Morgen des eigentlichen Baugeländes wurden wegen zu geringen Pachtangebotes unter Aufsicht des dahier wohnenden Landeswegemeisters in die Bewirtschaftung des Bezirksverbandes genommen. Es wurden rund 850 Zentner Kartoffeln darauf und das für die Leihpferde erforderliche Heu geerntet. Die Kartoffeln wurden an die Lau« des-Heil- und Pflegeanstalten in Herborn und auf dem Eichberg abgegeben. Da die Bewirtschaftung im eigenen Betrieb einen tleberschuß von 2000 Mart ergeben hat. sind nunmehr im Jn- tereste einer besseren Versorgung der Landes-Heil- und Pflege- anstalten im Bezirk vierzig Morgen in eigene VewirtschaUung genommen worden. FC. Vom Taunus, 20. Mai. Heuer blühen die Walderdbeeren sehr reichlich, noch mehr als-im vergangenen Jahre. Seit Jahren hatten die Erdbeeren keinen so reichen Blütenansatz wie dieses Jahr. Aus Rheinhesteu. FC. Mainz, 21. Mai. Die vor einigen Tagen hier gelandeten zusammengebundenen Leichen wurden jetzt ermittelt. Es sind ein junges Mädchen aus Gimbsheim und ein kriegsgcfange- ner Rüste, die beide ein Verhältnis unterhielten und seit einiger Zeit vermißt wurden FC. Aus Rheinhessen, 21. Mai. Am ersten Feiertage gingen acht junge Burschen von Weinsheim nach Roxheim, um im Altrhein zu baden. Keiner von ihrren konnte schwimmen. Der 15jährige Fabrikarbeiter Daniel Steiner und der 16jährige Peter Glotting kamen in die Gefahr des Ertrinkens. Zwei Schiffer holten die beiden Burschen aus dem Wasser. Während. Steiner gerettet wurde, blieben bei Glotting die Wiederbele^ bungsverfuche erfolglos. - ?-3. -->/. __ Verantwortlich für den politischen und lokalen Leil: .Otto Hirschel, Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Zeyner. Friedberg. Druck und Verlag der„Neuen, Tages^itung". «. GL Friedberg i §, Danksagung, Siliert Verwandten, Freunden und Bekannten, vor allem auch dem Herrn Pfarrer und der Gemeinde, für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem so jähen Hinscheiden meiner lieben Frau und guten, treuen Tochter. Schwägerin und Tante Anna Gebhardt a V Kl. = 1,35 fm, 122 V. imb VI. Kl. - 29,81 fm; Buchenr 70 III., IV und V Kl = 30,81 fm; ferner 2 Eschen III. und IV. Kl = 0.93 fm, 5 Linden II.—IV. Kl. = 2 79 fm 3 Ahorn III. «.IV Kl. = 1,08 fm, 8 anb. Laub- 5,®** ® lrtc » Erle, Hainbuche, Ulme) III.- IV. Kl. = 3,17 Im, 34 Fichten V. Kl. - ö, 17 fm. Derbstanaen - 8 Eichen - o.ss im, 73 Fichten = 3,89 fm. Reibslangenr 994 Fichten -- 7,52 fm. $06 Holz lagert in verschiedenen Forstorten hiesigen Reviers. ° Uf b " Äte1sftto6c unterhalb Ziegenberg am v. Passavantgche Forstverwaltung. SlW t h n a g e i Ach- II. RtNIWiDkWWNIIlß. den 27. Mai d. IS., werden ans den Domanial- tDQlootftriUeii Schlägelsberg 2 und 4 und Eierköpfe 7 der Forst- tüoitei Nainrod und Kisinersrotskops 3 und 4 der Forstwartei Sto rnfe ls versteigert: A) Nutzholz. Dcrbftangen: Buche 12 St. = 0,24 fm, Fichte 139 St. — 11,30 fm. Nutzknüppel rm: 8 Fichte 1. Kl. Nutzreisig rrn: 2 Fichte. 6) Brennholz. j Scheiter rm : 347 Buche I. Kl., 31 Buche II. Kl. Knüppel rm : 318 Buche l. Kl, 5 Buche II. KI, 1 Eiche, 0 Fichten Reisig rm: 362 Bu he. Stöcke rm: 43 Buche I. Kl.. 3 Buche II. Kl. Zusammenkunft vormittags 8 Uhr aufderKreisstraste Rainrod- Elornfets am Spurweg. Es wird nur das Holz aus oem Distrikt Schlagelsberg vorgeieigt. Blau unterstrichene Nummern kommen nicht zum Verkauf. Nähere Auskunft erteilen die Grosth. Forstwarte Meyer zu Nainrod und Jatod zu Stornfels. Eichelsdorf, den 18. Mai 1918. Grotzh. DberfSsterei Eichelsdorf. Walter. daß die von Ihnen im geschäftlichen oder privafen Verkehr verbrauchten Drucksachen stets ein sauberes und geschmackvolles Aussehen haben, denn es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß solche Drucksachen ein sind, wie sie auch von dem Absender einer familiären Mitteilung den günstigsten Eindruck hinterlassen. Wir empfehlen unsere gut eingerichtete Druckerei bei eintretendem Bedarf und sichern einwandfreie Ausführung und rasche Lieferung zu »MW Friedberg i. H. Brelmmeister 3UM 1. Juli d. Js. vom Hofgut Utphe bei Station Berstadt— Wohnbach gesucht. GehaU zu erfragen in der Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung". __ __” Dsanienputz! Zum baldigen Eintritt eine m %r 2. Slrbciterin gesucht. Liemenime 8tem, - 51 ’ aperen Veredelte TrHkii-Stärkt zum Nohstärken wie auch als Kochstärke vorzüglich brauchbar in Paketen ä «O Pfg. empfiehlt Friedrich Michel Ariedherg. gegenüb. d. 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