Muriner 113 Donnerstag, den 16. Mai 1918 n. Jahrgang. Die „Peue Tagesreituna" erscheint seden Werktai. Negelmätzige Beilagen „Der Dauer ans Kessen". „Die Kpinnssube". Ke?ugspreis: Bei den Postanstalten v.ertclsährlich Ätt. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Aaenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. An?eigen: Grundzeile 25 Pfg., lokale 20 Psg^ Anzeigen von auswärts werden durch Po-tnachnahme erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Hchriftteitrmg und Dertag Friedbecg (Hessen), ^anauer,kratze 12. Ferniprecher 48. Postj Heck-Lonto Rr. 1859. ilmt Frauckurt a. M. Der Kampf um den Kemmrlderg. Hohe blutige Uerluste der Fran;ojen; 120 Gefangene. — Fünf FehelbnUone abgeschohen. Calais und Dünkirchen mit Komlren beworfen. — ll-Zool-Angriss aufCarloforte; 33000 Tonnen versenkt. Der deutsche Generalstab == meldet: - W. T. H. Großes Harrplqnorrier. den 15. Mai. AmUrch. Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich vom Kemmel hatten örtliche Angriffsunterneh. mungen vollen Erfolg und brachten 120 Gefangene ein. Unser Angriff traf in der Ablösung befindliche Truppen und kostete den Franzosen hohe blutige Verluste. Der Artilleriekampf blieb im Gebiet des Kemmel gesteigert. Heute früh haben sich dort mit französischen Vorstößen neue Jiffanteriegesechte entwickelt. Zwischen der Lys und dem La Baffee-Kanal, an der Scarpe und bei Ducquoi war die feindliche Artillerie namentlich während der Nacht rege. Zwischen Ancre und Sonrme drangen wir in kurzem Stoß an der Straße Bray-Corbie in englische Linien ein und behaupteten das gewonnene Gelände gegen zweimalige starke Gegenangriffe des Feindes. Zur Unterstützung der Infanterie hielt lebhafte Artillerietätigkeit an. Bei Villers-Vretonneux, beiderseits der Luce mrd Avre lebte der Feuerkampf vielfach auf. Auf dem westlichen Aore- Ufer griff der Feind unsere Linien bei Castel an. Unter schweren Verlusten wurde er zurückgeschlagen. Zn einzelnen Abschnitten Crkundungsgefechte. Unsere Flieger schossen gestern fünf feindliche Fesselballone ab. An den Kampffronten sehr rege nächtliche Fliegertätigkett. Wir bewarfen Calais, Dünkirchen und andere rückwärtige Munitionslager und Bahnanlagen des Feindes ausgiebig mit Bomben. Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. Akendkerilht. Berlin, 15. Mai, abends. (WTB. Amtlich.) Bei Abwehr des heute früh erfolgten feindlichen Angriffs nördlich vom Kemme! blieb eine begrenzte Einbruchsftelle in unserer vordersten Linie zurück. Ein erneuter starker Teilangriff der Franzosen nordwestlich von Moreuil scheiterte unter schweren Verlusten. ft - . ., , & *==■—: ' L || Der österreichische Generalstab meldet: — = < Wien, 15. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver- lautbart: Im Gebiete des Monte Corno haben sich erneut örtliche kleine Kämpfe entwickelt, bei denen sich der Italiener in einem unserer Feldwachnester festfetzte. Der Chef des Eeneralstabes. Ereignisse zur See. Bor dem Hafen von Pola wu-rde ein italienisches Torpedo- Motorboot versenkt. Flottenkommando. Der bulgarische Generalstab J-——— meldet: ■ - s Sofia, 13. Mai. (WTB.) Generalstabsbericht. Mazedonische Front' Nördlich von Bitolia an der östlichen Cerna und südlich von Gewgh^i war die beiderseitige Artille- rietätigkeit zeitweilig heftiger. Oestlich des Wardar versuchten englische Abteilungen an unsere Vorposten bei dem Dorfe Mat- schukowo heranzukommen, wurden jedoch durch Feuer zerstreut. Nördlich des Tahino-Sees Patrouillenzufammenstöße. Im Wardar- und Struma-Tal lebhafte beiderseitige Fliegertätigkeit. Das türkische Hauptquartier j —-— meldet: —— Konstantinopel, 13. Mai. (WTB.) Tagesbericht. Palästinafront: Eine an der Straße von Jerusalem - nach Rsblu« •*« »n» erfolgreich durchgeführte Stoßtruppenunternehmung führte zur Besitznahme der feindlichen Vorstellungen. Vom Feinde blieben ein Offizier und 31 Mann tot in der Stellung. Ein Maschinengewehr wurde erbeutet. Auf dem östlichen Jor- danufer wurde eine starke feindliche Patrouille abgewiefen. Im übrigen nur geringe Artillerie- und Fliegertätigkeit. Mesopotamien: Vor unserer linken Flügelgruppe beschränkt sich der Feind auf Erkundungen. Sonst nichts Wesentliches. Konstantinopel, 14. Mai. (WTB.) Tagesbericht. Palästinafront: Von der Küste bis zum Jordan nur geringe Gefechtstätigkeit. Auf dem Ostufer des Jordan zunehmendes Artilleriefeuer. Mesopotamien: Keine Kampfhandlung. Auf den übrigen Fronten nichts Neues. Die Schlacht im Westen. Berlin, 15. Mai. (MTV.) Heute ftüh hat in der von den Franzosen schon oft angegriffenen Gegend am Vyverbach eine glänzend gelungene Unternehmung unserer Infanterie stattgefunden. Die Franzosen haben hier in der letzten Nacht eine erst seit wenigen Tagen eingesetzte Division, die bereits schwere Verluste erlitten haben muß, zurückgezogen und durch ftische Truppen ersetzt. Welchen großen Wert sie dem Besitz des Geländes hier beilegen, geht daraus hervor, daß es diesmal französische Jäger find, die an der wichtigen Stelle eingesetzt wurden. Noch hatten diese keine Zeit gehabt, sich in den Löchern und Trichtern am Westhange des Höhenzuges einzurichten, als etwa 5 tthr morgens ein gewaltiger Feuerüberfall der deutschen Artillerie auf siei-niederprasselte. Bald darauf brachen von drei Seiten zugleich die deutschen Stoßtrupps vor und überfluteten in raschem Anlauf das ganze Gelände vom Höhenkamm bis zur Talsohle. Der Widerstand, den die Überraschten Gegner leisteten war nur noch gering, da sie durch unseren Feuerüberfall zusammengeschossen und erschüttert waren. Selbst um die so häufig zäh verteidigten Maschinengewehre spielten sich keine schweren Kämpfe ab, denn der größte Teil der Franzosen lag tot oder verwundet am Boden. An unverwundeten Gefangenen wurden noch 120 Mann zurückgebracht, die zunächst einen völlig verstörten Eindruck machten. Bei einem von ihnen wurde ein abgeriffeuer Zettel gefunden, auf dem in der Form einer kurzen Bleistiftnotiz der Befehl eines höheren Offiziers stand, das anvertraute Gelände um jeden Preis zu halten. Darunter standen die Worte: „Les Boches ne pasieront pas". Jetzt ist das ganze Gelände mit gefallenen Franzosen bedeckt und restlos in deutschem Besitz. Der schöne Erfolg wurde von unseren Truppen dank der eingehenden Vorbereitung und kraftvollen Durchführung des Unternehmens ohne merkliche Verluste erfochten. Berlin, 15. Mai. (WTB.) Die Schächte von Grenay und Noeux, die Förderanlage im Stahlwerk Grenay sowie einige andere Zechen wurden von den deutschen Batterien mit erkennbar guter Wirkung beschaffen. as Die Verteidigung Yperns. Die Schweizer Blätter melden: Die Verbündeten VereNen an der Ypernfront den Abschnitt von Reninghelst zur Verteidigung vor, um im gegebenen Augenblick Ypern zu räumen und ihre Front auf die Linie Boesinghe—Reninghelst—Westoutre zurückzunehmen und den Scherpenberg, den Schwarz- und Rotberg als Außenfesten zu behaupten. Das „Berner Tagblatt" meldet, daß der Verband innerhalb 5 er letzten vier Wochen auf dem Abschnitt von Ypern nicht weniger als 132 Divisionen eingesetzt hat, nämlich 52 französische und 80 englische. Dieser maßlose Einsatz von Menschen, die sich hauptsächlich am Kemmel und desien Umgebung verbluteten, vermochte, wie das Blatt ausdrücklich feststellt, bis jetzt keinen Erfolg zu erzielen, der in irgend einem Verhältnis zur Zahl der eingesetzten Truppen steht. Neue Verschiebungen. Zürich, 15. Mai. Aus der gleichzeitigen Sperre des Eisenbahnverkehrs in Oberitalien und Südfrankreich ist mit Sicher, heit auf den Beginn neuer Truppenverschiebungen zwischen Frankreich und Italien zu schließen. Der Militürkritik des „Seeolo" ist das Zugeständnis zu entnehmen, daß sich französische Kolonialtruppen auf dem Wege nach der italienischen Front befinden. ' it . * t Rückkehr der fiandrische« Ginmohner. Berlin, 15. Mai. (WTB.) Seitdem durch die großen deutschen Schlachtersolge in Flandern dis Räumung- des Yperns bogens erzwungen und dadurch das unmittelbar hinter den Gefechtsfeldern liegende Gebiet dem Haupffeuerbereich der feindlichen Artillerie enttückt wurde, konnte deutscherseits planmäßig daran gegangen werden, die flandrischen Einwohner in ihre Heimstätten, soweit diese nicht zerstört waren, wieder Zurückzuführen. Allerdings ist dies zunächst nur in sehr beschränktem Maße möglich. Das englische Artilleriefeuer hat zu viele Dör» fer und Gehöfte, auch wenn sie nicht von deutschen Truppen besetzt waren, dem Erdboden gleichgemacht. Da die Heftigkeit der englischen Beschießung die abziehenden Einwohner in der Regel an der Mitnahme ihrer Habe verhindert hatte, und diese dann später durch englische Beschießungen und die dadurch verursachten Brände der Vernichtung anheimfiel, hat jetzt die deutsche Verwaltung bereitwilligst eingegriffen, um die Rückwanderer zunächst wenigstens mit dem Nötigsten zu versehen, Die Kriegslage. Rotterdam, 14. Mai. Oberst Repington schreibt in der „Morning Post", daß man bald den Anfang der kritischsten Periode des deutschen Angriffes erwarten müsse. Die Konzentrierung der deutschen Armeen in Frankreich sei vollendet, aber die Lage an der Ostfront sei weniger klar, als Ludendorff gehofft hatte. Die Verzögerung in der deutschen Offensive sei für die Alliierten vorteilhafter als für die Deutschen gewesen und seit der Zeit, da der große Angriff begonnen habe, habe sich vieles geändert. Es könne fein, daß es noch zu einer tattischen Ueber- raschung komme, aber Repington glaubt, daß strategische Überraschungen wenig Aussicht haben, es sei denn, daß die Deutschen das Gebiet der Schweiz verletzen oder über See einen Angriff auf England unternähmen. Trotz der Ungeduld der Deutschen, daß die Oesterreicher in Italien beginnen möchten, sei es noch nicht sicher, daß die Oesterreicher diesem Wunsche ihrer Freunde so schnell, wie diese er verlangten, Nachkommen werden. H-Koot Angriff ans Carloforte. 33000 Tonnen versenkt. Berlin, 14. Mai. (WTB. Amtlich.) Im kühnen Drauf, gehen vernichtete Kapitänleutnant Steinbauer mit seinem bewährten U-Boot im Sperrgebiet des westlichen Mittelmeers neuerdings innerhalb weniger Tage sieben wertvolle Dampfer, meist unter erheblicher Gegenwehr, und mehrere kleinere Fahrzeuge von zusammen rund 33 000 Bruttoregistertonnen, mit ihnen etwa 10 Geschütze. Im Morgengrauen des 29. April drang Kapitänleritnant Steinbauer in die stark befefttgte Durchfahrt von San Pietro (Sardinien) und griff im Hafen von Carlosorte zu Anker liegende Schiffe an. Er versenkte im Feuer mehrerer Landbatterien den englischen bewaffneten Dampfer „Kingstoniyn" (6564 Bruttoregistertonnen) durch Torpedotreffer und vernichtete mit seiner Arttllerie zwei große bewaffnete Seeschlepper, schoß einen französischen Viermastschooner in Brand und bekämpfte das feindliche Artilleriefeuer. Alsdann erzwang sich das Boot trotz des Sperrfeuers der Landbatterien und der Angriffe eines bewaffneten großen Motorbootes die Ausfahrt. Im Abläufen von Carlosorte führte das U-Boot ein halbstündiges Artillerie» gefecht gegen einen starkbewaffneten Bewacher und beschoß dis F. T.- und Signalstation von Kap Sperone (Insel Antioco) mit beobachteter Trefferwirkung. Der Ehes des Rdmiralstabs der Marine. Cngiands Schiffsraumnot. Die Ankündigung des englischen Schiffahrtsamtes, daß im April in England nur 106 000 Tonnen Schiffsraum fertiggestellt worden sind, also mehr als 60 000 Tonnen weniger als im März, hat die Besorgnis der öffentlichen Meinung Englands aufs neue erregt. Die ganze Presse beschäftigt sich mit alarmierenden Nachrichten über den Stand der Tonnagefrage. Man weist darauf hin, daß den offiziellen Erklärungen zufolge im Jahre 1918 mindestens 1800 000 Tonnen gebaut werden müßten, um die minimalen Bedürfnisse tu England einigermaßen zu decken, daß hingegen in Wirklichkeit der Bau von 8 Millionen Tonnen außerhalb der Grenzen des Möglichen und Wahrscheinlichen liege. Um nur 1800 000 Tonnen zu bauen, müßte Englands 150 000 Tonnen in jedem Monat fertigstellen. Dieses Quan^ tum sei noch nie erreicht worden, und die Aprilleistung sei um 44 000 Tonnen zu Nein. Englische Minen. Stockholm, 14. Mar. (WB.) Am vergangenen BoNnLag ein schwedischer Dampfer vor der schwedischen Westküste arch eine Mine und sank. Acht schwedische Seeleute find um- gAommen. Nachdem verbandsfreundliche Blätter wie der »Dagens Nyeter" zunächst behauptet hatten, daß in letzter Zeit die vor der schvedischen Westküste treibenden zahlreichen Minen deutschen Ursprungs seren, veröffentlichen heute die Zeitungen eine amtliche Erklärung des Flottenamtes, nach der es sich um englisck-e Minen handelt. Im Anschlüsse hieran bemerkt das „Stock' ms Dagblad": Das fürchter» lrche Mrnenunglüch-das aa wedis-che Leben gekostet hat. rst dre Folge der Auslegung es für die sckwedische Schifffahrt und Fischerei äußerst gefahrlosen ÜÜnenfeldes unmittelbar vor unseren Küsten, wenn nicht sogar innerhalb der schwedischen Gewässer. In Gotenburg und an der ganzen Küste von Bohns rief die Minenlegung tiefste Verstimmung hervor. Zum mindesten ist auffallend, daß man rn London dieses Minenfeld nicht ansagte, sondern ohne Warnung auslegte. Man kann nicht unchin, an die Minen- legung in der Scheldemündung zu denken, die ein holländisches Scksiff und seine nichts ahnende Besatzung ins Unglück stürzte. Die Maßnahme ist ein neuer Beweis für die Verwilderung der Kriegsführung. CugMche Klagen. Die Zeitschrift „John Bull" schreibt: Wir sind jetzt 3y 3 Jahre im Krieg. Er hat uns 150 Milliarden Francs gekostet, mehr als eine Million Tote und iy 2 Millionen Verwundete. Wir haben unsere Armee von 260.000 Mann auf 7 Millionen gebracht. Frankreich, Italien und jetzt Amerika gehen mit uns. Rußland war über zwei Jahre auf unserer Seite, ebenso Rumänien, Serbien und Montenegro. Portugal und China stehen uns bei. Alle unsere Tochterstaaten und Kolonien haben uns glänzend unterstützt. Fast unsere gesamte Industrie ist auf die Munitionserzeugung umgestellt worden. Unsere Flotte ist für alle praktischen Zwecke noch unberührt, — und heute sind wir in schlim- merer Lage, als wir es vor 3% Jahren waren. Die irilche Frage. ... (WB.) „Manchester Guardian" ver- offentlrckt eine lange Zuschrift des irischen Schriftstellers George Rüssel, der auf das eindringlichste vor den Gefahren warnt, welche dre Durchführung der Politik der Leute, die man an dem Staatsruder belasse, keineswegs nur über Ir- kand, sondern auch über England und das britische Reich bringen werde. Irland sei nur theoretisch ein Teil des Bereinigten Königreichs. es habe tatsächlich die Union niemals akzeptiert, vielmehr schweigsam und grollend von eirrer Rebellion zur anderen auf die Stunde gewartet, da Großbritannien wie die anderen großen Reiche fallen werde. England habe die irische Seele gegen sich; wenn es darauf bestehe, den irischen Willen zu brechen, werde in jeder Gemeinde Blut fließen und unauslöschlicher Haß für. Generationen entstehen, der sich über das ganze Britenreich sowie die so vrele Verbannte Jrensöhne beherbergenden Vereinigten Staaten verbreiten und überall Aufruhr und Feindschaft gegen England erzeugen werde. Insbesondere würden gewaltsam gepreßte Soldaten, die ebenso bereitwillig ihre Waffen gegen die englischen Offiziere wie gegen den Feind kehren würden, für England keinen militärischen Wert haben. „Manchester Guardian" empfiehlt diesen Brief allen, welche die von der Regierung Lloyd Georges geplante Der-' getvaltigung Irlands als unbedeutende vorübergehende Sache ansehen. „Wir glauben nicht," sagt die Zeitung, „daß die Masse des englischen Volkes zu tadeln ist. Sie versteht nicht, daß der Mord einer Nation im Gange ist. Was aber, tun die liberalen Führer? Sicherlich ist es jetzt an der Zeit, zu reden oder fiir immer zu schweigen." D/r», 14. Mai. (WB.) Wie „Journal" aus London erfahrt, übernahmen Sinnfeinerbanden in der Graffchaft Cork Streifzüge, um, als Polizisten verkleidet, die in den Prwachausern befindlichen Feuerwaffen zu erlangen - Das Schicksal des Dare«. Kopenhagen, U. Mai. Die „Times" melde« aus fybcm fmtQ: Der Aar rmd eine Zarin-Tochter find nach Iekaterinev- burg übergeführt worden. Die Regierung befürchtete, daß mr- ter den Bauern in der Umgegend von Tobolst ein« Erhebung zu Gunsten des Zaren ausbrechen würde und man soll eine Verschwörung entdeckt haben, die die Befreiung der Zarerrfamilie zum Ziele hatte. Die Zarin und der Thronfolger, sowie die übrigen Töchter verbleiben vorläufig in Tobolst, infolge des ungenügenden Gesundheitszustandes des Thronfolgers. In Jeka- terinenburg bewohnt der Zar ein kleines Prioatgebäude. Er hat sich oft über das unverschämte Verhalten seiner Diener zu beschweren. Man erwartet, daß über sein endgültiges Schicksal in nächster Zeit entschieden werden wird. Schweden und die Aalandoinseln. Stockholm, 15. Mat. (WTB.) Wie „Ry° Dayligt All°- hcrnda" erfährt, wird die schwedische Regierung am nächsten Donnerstag von den noch auf Aaland befindlichen 300 schwedischen Soldaten die Hälfte zurückziehen. Am 25. April sprach in einer Versammlung in Mariohamn Dr. Gylling als Bevollmächtigter der aaländifchen Bevölkerung der deutschen Ve. satzung seinen Dank aus und betonte zugleich die warme Sympathie für Schweden und das Bedauern über die Entfernung der schwedischen Truppen. Das polnische Heer. Berlin. 15. Mai. (WTB.) Von zuständiger Seite geht uns dre Nachricht zu, daß entgegen allen anders lautenden Mitteilungen über das polnische Heer, welche in den letzten Tagen durch die Presse gingen, nur folgendes zutrifft: Die Ausbildung ist mit Ruästcht cmf das geringe Ausbildungspersonal vorläufig mir eine friedensmäßige. Von irgend einer Verwendung kann daher keine Rede sein. Die Frage der Rekrutierung ist noch ! mcht entschieden. ' ^ 1 lüc Wehrpflicht in Irland. 15 Mai. Das „Petit Journal" meldet ans London: Entgegen anderen Mitteilungen versichert das Krregs.amt. daß unter allen Umständen Ende dieses Monats dre Maßnahmen zur Durchführung der allgemeinen Wehr- Pflicht in Irland ergriffen werden. Rntzlmrd. Siratzentämpsr in Moskau. Hass, 15. Mai. Aus Petersburg wird gemeldet: Der Kampf zwischen Bolschewiki und Anarchisten hat am 11. Mai ak-nds in Moskau angefangen. Die Truppen der Sowjets umzingelten das Gebäude der Anarchisten, darunter auch das Hauptquartier, wo früher der Kaufmannsklub war. Auf die- ff * mar cine große schwarze Flagge mit dem Wort Anarchist entfaltet. Die Anarchisten weigerten sich, ihre Kanonen und Panzerautos auszuliefern, und bombardierten die Truppen mit Handgranaten. In anderen Stadtvierteln fand em ähnlicher Kampf statt. Die sogenannten anarchistischen Föderalisten, die Bomben und Handgranaten benützten, .zeigten. sie eine halbe Stunde mit Maschinengewehren beschossen w««n, die weiße Flagge. Usber die Verluste verlautet bis jetzt «tchts Auf dem Kreml, wo die Volkskommissare ihre Der- smnmlungen abhalten, sind viele Kanonen aufgestellt. Am 12. Mar um 32 Uhr dauerte der Kampf noch weiter fort.. Po‘imires Eroüermr^spo'MK. ... ^ den Verhandlungen der französischen Kommission sur auswärtige Angelegenheiten über die Friedensbemühungen im Jahre 1917 schreibt die „Nordd. Allg. Ztg." in einem „Eroberungspolitik des Herrn Poincars" betitelten Artikel u. a.: Trotz aller Vorsicht erfährt man jetzt aus den Beratungen der französischen Kommission von einem Aktenstück, das Herr Clemenceau rn den Enthüllungen vorsichttgerweise nicht er. wohnt hatte, das aber den Mitgliedern der Kommission nicht verborgen werden konnte. Es handelt sich um den Brief des Präsidenten der ftanzösischen Republik an Prinzen Sixtus von Parmo.in dem Herr PoincarS die Riickgabe von Elsaß- Lothringen als ungenügend bezeichnet, die Wiederherstellung der Grenzen voy 1814 und das linke Rheinufer verlangt. h. sich völlig auf den Boden der mit dem zaristischen Ruß- land geschlossenen Geheimverträge stellt. Man erfährt noch manch andere Dinge über die völlig selbständige Polittk des Herrn Poincarö in der ganzen Angelegenheit, so auch, daß er dem eben in den Krieg eingettetenen Präsidenten Wilson den Briefwechsel verheimlichte und auch Kerenski und die belgische Regierung vollständig in Unkenntnis über die richtigen Vorgänge ließ. Es ist Sache des ffanzösischen Volkes, sich mit seinen Machthabern auseinanderzusetzen. Für uns sind aber die ffanzösischen Kommissionsberatungen ein neuer Beweis für den annexionistischen Charakter der ffanzösischen Politik. Sre zeigen, warum der Krieg weitergeht und sie zeigen, wie es um die Freiheit, das Recht und die Demokratie bei unseren westlichen Gegnern bestellt ist. TrIkgra:mVklh!k! Milchen Kaiser Karl uri) Kailer Wilhelm. Wien, 15, Mai. Kaiser Karl richtete an Kaiser Wilhelm folgendes Telegramm: „In dem Augenblicke, da ich auf der Heimkehr den gesegneten Boden des Deutschen Reiches verlasse, ist es mir ein wahres Herzensbedürfnis, Dir mit nochmaligem wärmsten Gruß den herzlichsten Dank für die nicht nur so gütige, sondern auch wahrhaft ffeundschaftliche Aufnahme auszusprechen, die ich gestern bei Dir gefunden habe. Hochbefriedigt über unsere einverständliche Aussprache rufe ich Dir von Herzen und in ffeuer Freundschaft „Auf baldiges Wiedersehen" zu. Kar l." Hierauf antwortete Kaiser Wilhelm mit nachstehender Depesche: „Vielen Dank für Dein ffeundliches Telegramm. Ich ffeue Mich herzlich, daß Du von Deinem hiesigen Besuch so beledigt bist.. Auch Mir war es eine große Freude, Dich gesehen und in unseren eingehenden Besprechungen aufs neue unsere volle Übereinstimmung über die uns lertenden Zrele festgestellt zu haben, Ihre Verwirklichung wird unseren Reichen großen Segen bringen. Ich hoffe bald in der Lage zu sein. Deiner gütigen Aufforderung nachzukommen. Herzliche Grüße Zita und Dir. In ffeuer Freundschaft Wilhelm." Der geschmähte Vizekanzler. Graf Reventlow schreibt tu der „Deuffchen Tages- zerrung u. a.: Der Vizekanzler Exzellenz von Pay« sagte im Haupt- auSschnß d°z Reichstags: „SBtr müssen aus der Kchtigkeft unserer Information bestehen. Sie aber weiten, was mit iüren Gedankenaänam» «W Wereinsümmt oder von ihr« Nachrichten abweicht, mtt einer Handbewegung oder einem Kraftwort zurück. Damft bildet man keine geeignete Grimdlage für' die Be» sprechung." Besser als durch diese Worte konnte der Vizekanzler v. Payer dre Unfachlichkeit der Angriffe nicht charakterisieren welche die Sprecher der Verzichtmehrheit, die Herren Scheidemann, Erzberger, Noske, Gothein usw. gegen di« Politik der deutschen Regierung im Osten und in de, Ukraine und gegen das militärische Vorgehen dort machten. So rst es in der Tat: Was mit den „Gedankengängen", oder den „Nachrichten" der Mehrheit nicht übereinstimmt, wird von rhren Verffetern mit einer Handbewegung oder einem Kraftworte zurückgewiesen. Dabei hat sich der Vizekanzler außerordentlich maßvoll ausgedrückt und sehr schonsam charakterisiert, sonst hätte er nicht nur von Gedankengangen und Nachrichten, sondern in erster Linie von Zielen und Methoden sprechen müssen. Der Vizekanzler v. Payer rst aus der Mehrheit hervorgegangen und bildet nach dem danralrgen Urteile seiner Parteigenossen den feinsten und kräftigsten Extrakt, die schönste Verkörperung freisinnig' volksparteilrchen Geistes. Er hat im vergangenen Sommer und Herbst mit beredten und werbenden Worten die Ber- zichtresolutron verherrlicht und gepriesen und mit unermüd- lrchem Erfer die Politik der Hungerfriedensmehrheit im Lande verfochten: Herr v. Payer war es, der das Panier der neuen Zert erfassen und mit der Freiheit dem Frieden eine Gasse bahnen sollte. Wir bedauern nur, daß uns die Lob» Preisungen des künftigen Vizekanzlers von damals in der fferstnnrgen Presse nicht zur Hand sind. Sie waren nichi nur schön in ihrer Ueberschwenglichkeit, sondern würden eine noch viel schönere Folie bilden für die Beurteilung welche letzt die ffelsinnige Presse und ebenso die sozialdemo ffal.^che und Erzbergersche der deuffchen Ost- und Südost PollUk angedeihen läßt, die eben derselbe Herr v. Payei vertritt und ausdrücklich für richtig erklärt. Man merktt aus allerlei Versuchen, wie peinlich der Verzichtmehrheit, und insbesondere der freisinnigen Volkspartei, das öffent- liche Sichtbarwerden der tm übrigen nicht alten Wahrheit ist, daß mit politischen Parteiprogrammen, mit allge- meinen Doktrinen und Phrasen weder auswärtige Politik getrieben noch Krieg geführt, noch Frieden geschlossen, noch Friedensverträge wirksam und dauerhaft gemacht werden können. Wir bestreiten nicht, daß dieses Gefühl des Pein- üchen vollkommen am Platze ist. Im gleichen Gefühle und un ängstlichen Bestreben, das Gesicht zu wahren, wählen die Presse und die Sprecher der Verzichtmehrheit allerhand untaugliche Mittel. Sie behaupten, die Regierung wäre mcht unterrichtet, ja sogar der Vizekanzler spräche eigentlich nicht für sich, sondern als unzureichender Kühlmann-Ersah Herrn v. Payer könne man natürlich nickt folgen man brauche ihm aber vielleicht die Sache nicht übelnehinen Der „Vorwärts" freilich deutet schon an, Herr v. Payer sollte lieber gehen. Gerade jene Versuche. Herrn v. Payer durch die Andeutung der Inkompetenz und Unkenntnis der Materie zu rechtferffgen, sind aber besonders spaßhaft. Man will ihm gewissermaßen seinen politischen Glauben zur Gerechtigkeit anrechnen. Der sozialdemokratische Abgeordnet- NoSke kam im Ausschüsse auf den genialen Gedanken, zu erklären, man müsse diese Dinge mit dem Verantwon- lichen, nämlich mit Herrn v. Kiihlmann besprechen, nidy mtt dem „unverantwortlichen" Herrn v. Payer. Berank wörtlich ist nun bekanntlich der Staatssekretär nicht, sondern der Reichskanzler, mithin kann der Vertreter des Reichs- kanzlers, der Vizekanzler, doch nicht als unverantwortlich oder im Sinne seiner Kritiker ausgedrückt, unerheblich, abge-' tan werden. Äußerndem Vizekanzler haben der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amte Herr von dem Bussche und der Unterstaatssekretär Edler v. Brr-.n einmal über das andere und von ganz verschiedenen Gesichtspunkten ausgehend, erklärt, die Politik und das militärische Vorgehen im Osten und in der Ukraine sei das einzig Mögliche und Notwendige gewesen. Das hilft aber alles nicht, denn die Sache paßt der Linken und Herrn Erzberger nicht in ihre inneren rnnerpolitischen Programme: Herrn Erzberger auch nicht in das feiner persönlichen Politik. Wenn das Vorgehen auch hundertmal richtig und zweckmäßig wäre, es kann und darf nicht gebilligt werden, weil das „Militär" sich an der Majestät der ukrainischen Rada vergangen hat, um dem deutschen Volke die Zufuhr von Nahrungsmitteln zu sichern. Das Militär mag zehnnral das Vaterland unb die Existenz des Reiches retten, es bleibt das rote Tuch für den Demokraten, und er wird um so entrüsteter, wenn er durchfühlt, daß die Generale recht haben. Es ist da, wie beim Schneider Boeck: „Aber wenn er dies erfuhr ging's ihm wider die Natur." Der Vizekanzler v. Payer hat sich in seiner Verteidigung der Fragen der Ukraine und des Ostens auf den Boden der Tatsachen und einer realen Politik gestellt. Herr v. Payer hat, wenn wir von der schon mehrfach besprochenen Ukraine- Angelegenheit absehen können, für das Vorgehen und das deutsche Kriegsziel im Osten genau die gleichen Beweisgründe angeführt, wie die „Annexionsfanattker", die „schwerindustriell beeinflußten" Konservativen und „Alldeutschen" ins Feld geführt, nämlich im wesentlichen bis Notwendigkeit realer Sicherungen. Der Vizekanzler hat diesen Standpunkt eingenommen und verffitt ihn, nicht weil er Annexionsfanatiker oder schwerindusffiell 'beeinflußter Konservativer geworden ist, sondern weil niemand, der sich fachlich und eingehend mit diesen Fragen beschäftigt, zu einem anderen Ergebnisse gelangen kann. Da zerfliegen die „Resolrttionen", Phrasen und Doktrinen, weil ste nichts anderes sind als parteitaktische Mittel mit auswartigpol» trschem Etikett», ti L- Der KailkrM -es kckgsjopalWchtv SyKms. Uns wird gefchriebe«: Je schneller das Wirtschaftsjahr fich dem Ende zuaetgk m» die kritischen Monate unmittelbar vor der neuem Ernte herannahen, um so weitere Kreise erfaßt auch die lebhafte Sorge, daß man bei uns allen Ernstes beabsichtigen könnte, mit dem unsinnigen, an allen Ellen und Enden Kusammengebrochenen System des „Krivgsfozialismrls" die Reihe mißglückter Versuche etwa auch noch weiterhin fortzufetzen. Das Experimentieren nach den Methoden der sozialistischen Wirtschafts-„Wisfinschaft", deren blutigen Dilettantismus doch nicht erst der Krieg zu erweisen brauchte, mag gewissen Leuten und Parteien Vergnügen bereiten und'das politische Kokettieren mit ihnen erleichtern, — der nationalen Wirtschaft, und dieser nicht allein, Hai es unberechenbaren Schaden gebracht; einen Schaden, der um so schmerzlicher und um so deprimierender wirkt, als wir. wie gesagt, immer noch keine Sicherheiten haben, ob und wann dieser sozialistische „Segen" von uns genommen wird, um vernünftigen Grundsätzen der öffentlichen Wirtschaft Platz zu machen. Es ist deshalb notwendig und unaufschiebbar, daß von den berufenen Faktoren auf die unserm Volk hier drohenden Gefahren mit wesentlich verstärktem Nachdruck verwiesen wird: eine Aufgabe, der sich soeben die Vereinigung der niedcrrheinisch-wesffälrschen und südwestfälifchen Handelskammern in einer bemerkenswert scharfen Entschließung unterzogen hat, die hoffentlich auch zu den Ohren derjenigen dringt, die es am meisten angeht. Die geradezu verheerenden Wirkungen des kriegs-sozialffti- schen Treibens sind hier derart erschöpfend zus ammenge faßt, daß ein Zusatz sich erübrigt. „Das System des Kriegssozialismus, so sagen die Handelskammern, übt auf weiten Lebensgebieten keinen mildernden, sondern einen verschärfenden Einfluß auf die volkswirtschaftlichen Schaden aus, die der Krieg mit fich bringt. Dies gilt zunächst von dem Gebiets der Lebensmittelbewirtschaftung, aber auch weit darüber hinaus, mch zwar in Zeigendem Maße. Das kriLgssoziLlifttsche System verringert '£ ch seine ungünstigen Rückwirkungen auf die Erzeugung und CchrltLng der Güter die Summe der verfügbaren Lebensmittel uuO beeinträchtigt damit die Ernährung der breiten Masse der Bevölkerung. Es vergeudet Arb^tskräfte und Intelligenzen. Es beraubt den Handel seiner hergebrachten Arbeit und Der- dienftmöglichkert und stellt die Behörden vor unlösbare Aufgaben. deren natuirgenmß mangelhafte Erfüllung ihr Ansehen und das Ansehen des Staates bei der Bevölkerung herabsstzt. Es legt der ohnchin durch deu Krieg beeinträchtigten Erzeugung nachgerade unerträgliche Fesseln auf. Die bäuerliche Wirtschaft leidet darunter ebenso wie Handwerk und Industrie. Dagegen werden alle diejenigen Elemente des Volkes dadurch in den Vordergrund geschoben, und in ihrem Treiben begünstigt, die » der rücksichts- und skrupellosen Umgehung und Zerreißung der Maschen dieses unmöglichen Systems ihren Verdienst suchen. Die Unehrlichkeit nimmt auf allen Eebieken des wirtschaftlichen und öffentlichen Lebens in erschreckender Weise zu »nd es entsteht die Gefahr der Vernichtung eines der größten Güter unseres Volkes, seiner Integrität.^ „Das war doch nicht die Absicht?!“, mochte man mit Björu, fen denen zurufen, die selbst heute »roch dem triegssozialistischen System der Systemlosigkeit anhängen. Oder wollte man die Kriegsschäden verschärfe». die Enrähr»mg verteuern. Arbeitskräfte und Intelligenzen vergeuden, unlösbare Aufgaben stellen, den Schleichhändlern und Kriegsgewinnlern goldene Zeiten bereiten und der deutschen Ehrlichkeit das Grab graben? Wo nicht, so wird die schleunige RüÄehr aus dem sozialistischen Lande Utopien auf den Boden der Vernunft geradezu Cewis- senspflicht. Die Entschließung der Handelskammern zeigt den Weg: „Die öffentliche BnvirtfchLftuug sollte vorläufig auf die Hauptwaren: Getreide, Fleisch und Fett beschränkt werden. Auch für sie wird zu erwägen sein, ob nicht das wohlbewahrte mildere System des GeneralgoLDerueurs für Belgien vorzu- ^i?hen ist, nach dem zur Deckung von Mirrdsstrationen nur ein Teil der ländlichen Erzeugnisse beschlagnahmt, der Nest aber unter Abstandnahme vou Höchstpreisen völlig fiel gegeben wird. Das würde neben anderen wohltätigen Folgen den Handel wieder ehrlich machen und das Volk zur Wiederkehr einer gesunden Friedenswirtschaft erziehen, ohne die es seine wirtfchgftliche Stellung in der Welt nicht wi-edererlangen kann. Was die Kartoffeln angeht, fs wird die Art ihrer Bewirtschaftung von den Ernteaussichten abhängig sein müssen. Alle übrigen Erzeugnisse der ländlichen Wirtschaft, wie Obst, Genrüse, Eier, Geflügel, Wild usw. sollten umgehend fretgegeben und von der praktisch überall gescheiterten Festsetzung von Höchstpreisen befreit werden!- Frühere und jetzige K-ziMinMaiit in der ÜJ M fewt wird etm jShrttch» g&cacri o ff wo* iß W# » MM»- de» Mark e m fo nfetln ce n fein, der eine Eiirkonrrnenbesteuerung von 80 bis 60 v. H. entsprechen würde. Eine Vermögensbeschlag. nähme würde, auch nur teilweise durchgeführt, dem Wirtschaftsleben das unbedingt notwendige Betriebskapital entziehen und so gerade der Arbeiterschaft um der Chimäre einer Völkerverbrüderung willen bei einem Verzicht auf Ersatz der Kriegsschäden durch die mutwilligen Kriegsverlängerer die Existenzbedingungen untergraben. Der Verzicht auf Ersatz der Kriegsschäden stelle dem Feind einen Freibrief für die frivole Verlängerung des Krieges aus und würde den deutschen Arbeiter zu jahrzehntelangem Leiden um einer schwächlichen Nachgiebigkeit willen verurteilen. — Es ist aufrichtig zu wünschen, daß die deutsche Vaterlandspartei solche Anhänger in immer größerer Zahl erwürbe, um so immer mehr zu dem zu werden, wozu sie längst auf dem Wege ist: zu einer Vereinigung der Patrioten aus allen Parteilagern. Man schreibt uns: Die deutsche Vaterlandspartei ist von der soMldemokrLtijchen und demrckratischen Presse so oft als eine »reaktionäre" oder „konservativ - schwerindustrielle" Interessenvertretung verleumdet worden, daß man meinen sollte, es gäbe in jenen Parieilagern niemanden mehr, der nicht auch ernstlich daran glaubt. Alex wie schon lange in der Fortschrittspartei, so zeigen sich jetzt immer häufiger auch in der Sozialdemokratie Leute, die sich über die Vaterlandspariei ihr eigenes Urteil gebildet und dabei offenbar entdeck haben, daß sie mit innerer Politik überhaupt nichts zu tun hat. Infolgedessen fühlen sie fich auch nicht behindert, sogar als Redner in der Vaterlandspartei aufzutretea. Wie a»n 3. Mai der frühere Sozialdemokrat Maureubrecher rm Landesverein Groß-Berlin der Vaterlands- partei die berüchtigte Friedensrefolution des Reichstages in die richtige Beleuchtung setzte, so ist jetzt auch in der Ortsgruppe Frankfurt der Vat-crLsndspartei der sozialdemokratische Stadtverordnete Krumm (Gießen) für eine Kriegsentschädigung eingetreten. Er betonte, die neuen Steuervorlagen dürften auch denen, die auf eine Kriegsentschädigung verzichten wollen, die Augen darüber öffnen, was des deutschen Volkes bei einem solch«» Verzichte warte. Zur Anleiheverzinsüng, Tilgung und den mannigsachen Ausaabeu de» Reiches, der Einzelstaaten und Ge» Ehrung für die gchlienen gherheitziKen Krieger- In der ordentlichen Sitzung des Provinzialtags der Provinz Oberhessen vom 11. Mar 1918 kam u. a. auch der Antrag auf Errichtung eines Denkmals für die oberhessischen Gefallenen zur Verhandlung. Die Begründung zu dem Antrag führt folgendes aus: Aus Dankbarkeit soll den rm Weltkrieg gefallenen Oberhessen ein Erinnerungszeichen gefitzt werden, für das der Wartberg bei Schotten ausersehen ist. lieber die Ausgestaltung des Denkmals und feiner Umgebung liegen bestimmte Pläne noch nicht vor; sie sind noch in der Ausarbeitung. Der Provinzialausschuß schlägt dem Provinzialtag einstweilen vor, sich mit der Errichtung eines Erinnerungszeichens für die gefallenen Oberhessen grundsätzlich einverstanden zu erklären und zu genehmigen, daß die Provinz sich mit einem Aufwand bis zu 100 000 Mark daran beteiligt. Herr Geheime Oberbaurat Professor Hofmann aus Darinstadt, der als Vertreter der Beratungsstelle für hessische Kriegerehrungen einen vorläufigen Entwurf für ein Denkmal auf- gestellt hatte, gab an Hand der vorgelegten Skizzen die erforderlichen Erläuterungen. Als Ort «der Aufstellung ist der einen unvergleichlichen Rundblick gewährende Wartberg bei Schotten auserseheu, der, selbst ein Naturdenkmal, als Basis für die gedachte Kriegerehrung wie geschaffen ist. Der Entwckrf sieht von einer mehrstöckigen turmartigen Anlage ab, und stiebt eine mehr gelagerte Baumasse mit einem durch offene Hallen umschlossenen Ehrenhof an. Der unbedachte Ehrenhof ist 21 Meter breit und tief. Die nach dem Ehrenhof geöffnete, nach außen geschlossene Hallenanlage hat 6 Meter Tiefe und 4,5 Meter Höhe; sie soll mit einer »vagerechten Balkenlage aus Eichenholz nach Art der mittelalterlichen Kreuzgänge abgeschlossen und mit Satteldächern überdeckt werden. Diefi laufen am Mauerwerk der Eckaufbauten tot. Die runden Eckbauten vergrößern die inneren Wandflächen, erhalten hochgestelltes Seitenlicht, vermeiden die harten rechtwinkeligen Gebäudeecken und geben der Bcruanlage einen mehr burgartigen Charakter mit bewegter Umrißlinie. Um die Aussicht genießen zu können, läuft um das ganze Gebäude eine etwa 1,5 Meter breite Plattform mit steinerner Brüstung, wodurch eine vorteilhafte Ueberleitung der Wartber^uppe mit den ausgehenden geschlossenen, senkrechten Wandungen des Aufbaues durch eine Staffelung erreicht wird. Das Denkmal soll die höchste Stelle des Wartbergs ein- nchmen. Durch eine Freitteppe gelangt man in den höher gelegenen Ehrenhof, gegen den die Hallenfußböden wiederum ca. 75 Zentimeter erhöht erscheinen. An der romantischen Form des Wartbergs selbst soll nichts geändert werden. Nur eine Umwehrung der oberen Plattform durch eine Futtermauer zum Schutz der Anlage ist beabsichtigt. Auf diefir Futtermauer soll am anderen Ende der Bergkuppe nach Schotten zu ein bescheidenes Pförtnerhaus in Verbindung mit dem Eingangstor errichtet werden. Don hieraus soll eine Allee in gebrochener Form bis zum Denkmal fuhren. — Als geeigneter Baustoff für die Pfeiler und Bögen des Ehrenhofs ist Werkstein aus oberhessifcher Dafaltlava in Aussicht genommen und für die Außenwände, ein schlichtes Bruchfteingemüuer aus demselben Stoff mit steinsich- tigem Kellenbesttch. Für die Bedachung kommen Ziegel oder Schiefer in Betracht. Die Hauptaufgabe auf künstlerischem Gebiet soll der inneren Ausstattung gewidmet sein. Die Namen aller gefallenen Krieger sollen hier nach Gemeinden oder Kirchspielen getrennt, auf verzierten Epitaphien verewigt werden. Als Baustoff für die Ehrentafeln kommt ein dichter Kalkstein oder auch Metall (Gußeisen) in Betracht. Gegenüber dem Eingang soll ein lebensgroßes Standbild eines Kriegers in voller Ausrüstung und Sturnrhelm, in Basaltlava ausgeführl, Aufstellung finde«. — Die Kosten des Bauwerks ohne die Ehrentafeln und ohne das figürliche Chattendenkmal sowie ausschließlich aller Umgebungsarbetten können »rach oberflächlicher Berechnung mit etwa 250 000 Mark angenommen werden. In der sich anschließenden Diskussion wurde von dem Pro- vinzialtagsmitglied Grafen Wilhelm zu Solms-Laubach Erlaucht vorgeschlagen, dem ProviuzialauSschuß, der zunächst zur weiteren Sachbehandlung berufen erscheine, durch Zuwahl her- vorragender Persönlichkeiten aus der Provinz zu einem De-nk- malausschutz zu erweitern. Unter Berücksichtigung dieses Vorschlages wurde die Errichtung eines Denkmals für die gefallenen Oberhessen vom Proviilzialtag grundsätzlich und unter Vorbehalt aller weitere»», die endgültige Gestaltung des Werks betreffenden Entschließungen gutgeheißen und der angeforderte Betrag von 25 000 Mark als erste Rate einstimmig bewilligt. » - >— » f Aus der Heimat. Gießen. Gelungene Kerle find unsere Sozialdemokrat«!«. Entweder sind sie selbst dumm oder sie halten die anderen dafür. Fortgesetzt räfonnreren sie in ihrer Zeitung über die Schlechtigkeit der Bürgerlichen, jede Verletzung der abertaufend Zwangs- veroüdmrngen bauschen sie auf und trittsteren sie. Engel strrd ^ nur die Sozialdemokraten. Wenn ma» aber genauer zusteht» ' etwas hinter de« Vorhang schaut, habe» diese Genossen genau dieselben menschlichen Schwächen wie andere Leute, im einzelne« wie im ganzen. Die Genossen schelten auf die Bauern, well diefi ihren Rübölbedarf selbst ziehen und decken. Die Genossen kaufen den Samen, Hamstern thn und lassen ihn zentnerweise heimlich schlagen. Die Genossen schimpfen Über ore wohlgenahr- len Gäule der Bürgerlichen. Die Pferde aller sozialdemokra. tischen Konsumvereine sind so dick wie Bäckersäue. Wenn eir bürgerlicher Dettieb wegen Unregelmäßigkeit geschlossen wird, ist das für die Eerwssen ein Fressen. Aus Angst vor den Sozialdemokraten hat man in Westfalen einer großen sozialdemo. kratischen Seifenfabrik den Weiterbetrieb erlaubt. Die Genoß sen wucherten mit der Ware, schlugen ganz gegen die sozial, demokratische Lehre Profit und Riesengewinne heraus und di- Behörde mußte die Fabrll zumachen. An der Elbe bewirtfchaf ten die Genossen ein Bauerngut sozialdemokratisch. Bor dem Krieg war die Herrlichkeit bald am Ende. Der Krieg bracht« Wandel. Man erzeugt Milch, Butter, Eier und sogar ganz, Stücke Vieh, sorgte für sich in erster Linie, verdiente auch dabe» viel Geld. Sind diese Keile, wie wir sie oben nannten, nicht Prachtkerle wie die andern? In Gießen ist die sozialdemokratische Zigarrenfabrik zwangsweise geschlossen worden. Weshalb soll uns wetter nichts angehen. Sie Habens aber sicher gerade so gemacht, wie viele andere Sterbliche, und die Leiter der Fabrik liegen sich nun in den Haaren. So lassen sich noch hunderte der handgreiflichsten Beispiele dafür anführen, daß die Ge»rossen, die doch die Welt reformieren und besser machen wollen, genau so gut u»rd so schlecht sind wie die übrigen Stände und deshalb gut daran taten, zunächst bei sich anzufangen und sich befleißigten, endlich eirrmal den Bürgerlichen mit gutem Beispiel voranzugehen. FO. Wiesbaden, 13. Mat. (52. Kommunallandiag.) In der heutigen dritten öffentlichen Sitzung befaßte sich das Haus u. a. mit der Vorlage »vegen Erweiterung der Nassauifchen Lebensverficherungsanftalt zu einer Hessen-Rassauischen Lebens- Versicherungsanstalt (Berichterstatter Abg. Wedel-Frankfurt) Danach soll die Lebensversicherungsanstalt zu einer gemein, famen Anstalt der borden Regierungsbezirke Wiesbaden und Cassel, sowie des Fürstentums Walbeck event. auch des Groß. Herzogtums Hessen mit dem Sitz in Wiesbaden ausgebaul werden. Die neue Anstalt soll zunächst mit einem Stammkapital von einer Million Mk. ausgerüstet sein. Die zum Stammkapital gehörenden nominell 300 000 Mark betragenden 3^proz Schuldverschreibungen der Nassauischen Landesbank sollen in 300 000 Mark in bar umgewandelt werden. Nach längerer Aus. spräche, hervorgerufen durch die Krttik, die von dem Abg. Geiger-Frankfurt an der Vorlage rm allgemeinen und an dem Satzungsenbwurf im besonderen geübt wurden, wird dieselbe mit den von dem Finanzausschuß vorgeschlagenen Aenderungen im Satzungsentwurf angenommen. Der Antrag Geiger, der dem Kommunallanbtag weitergeherwe satzungsgemäße Rechte als Aufsichtsbehörde der Versicherungsanstalt einräumt, wird mit knapper Mehrheit ebenfalls angenommen. — Die Errichtung einer gemeinnützigen Nassauifchen Siedelungsgesellschaft E. m. b. H. besonders für Kriegsbeschädigte, die bereits den 50. und 51. Kommun allandtag beschäftigte, ist in ihrer Bearbeitung durch den Landesausschuß so wett gediehen, daß dem diesjährigen Landtag der Entwurf der Satzungen vorgelegt werden konnte. Das Haus hat nach dem Bericht des Finanzausschusses (Berichterstatter Abg. Schütz-Oberlahnftein) dicken Satzungsentwurf gutzuheißen, ferner die finanzielle Beteiligung des Bezirksver- bcmdes mtt einer Stammeinlage von 250 000 Mark zu genehmigen sowie den Landesausschuß mit den weiteren Derhandlun- gen wegen der endgültigen Errichttrng dieser Siedelungsgesellschaft zu beauftragen und ihn zu etwaiger selbständiger Satzungsänderung zu ermächtigen, falls solche von der Staatsregierung noch verlangt werden sollte. Dem Antrag wurde zu- geflimmt — Abgeordneter Lübke-Bad-Homburg v. d. H. berichtet über die Vorlage die Kriegsbeschadigten-Fürsorge betreffend. Ter Kommunallandtag beschließt entsprechend der Vorlage, sich mit der Beibehaltung der Kriegsbeschädigten-Fürsorge durch den Bezirksverband einverstanden zu erklären, die erweitert» Ileö er nähme-von Kosten der Kriegsbeschadigten-Fürsorge auf de« Landesausschuß für Kriegsbeschadigten-Fürsorge rückwirkend zu genehmigen und den Voranschlag für 1918, der mit 271820 Mk. in Einnahme und Ausgabe aufgestellt ist, und einen Bei rag der Bezirksverwaltung von 60 663 Mark vorsieht, zu bewilligen« Nächste Sitzung Dienstag, 14. Mai. FO. Wiesbaden, 13. Mai. Gelegentlich einer im November 1916 vorgenornmenen Revision der Mühle des Wilhelm Efaias in Kloppenheim verheimlichte die anwesende Frau des Müllers dem Revisor 7 Zentner Getreide, das sich in verschiedenen Verstecken befand. Die Vorgefundenen Mahlbücher stinrmten auch nicht mtt dem Vorrat, der in der Mühle vorgefunden wurde, überein. Der Müller und fiine Ehefrau hatten sich heute wegen dieser Verfehlungen gegen die Kriegsgesetze vor den Schöffen z« verantworten. Urteil: Er 30 Mark, sie 50 Mark. FO. Aus Nassau, 13. Mai. Unter dem harten Winter 1916/17 haben die Vaumpflanzungen an den Bezttksfttaßen stark zu leiden gehabt. Insbesondere haben die dlhornbaume, die vor Einttitt der letzten Frostperiode schon im Safte standen, stark Frostplatten erhalte»». Ob sie diese Frostschäden überwinde» werden, konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden, es ist aber zu befürchten, daß Tausende von Ahornbäumen an denselben eingehen werden. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyn er. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", A. G.. Friedberg l H. Zentrale für Kriegsfürsorge. Mit herzlichem Dank bescheinigen wtt deu Empfa»g nachfolgender Zuwendung: Firma Trapp & Münch Mk. 2000. Wettere Gaben werden cm unfiren Rechner Herr« Stadtvek» ordaeteu Oppenheimer erbeten. Zentrale für Kriegsfürsorge.? iilfii! nif öntri) lubt Feid nrfrfinh l nbev ZoE"« ue&emuf W && M 1 1 « UU HO*W‘ erfrischend. Es steckt bei all seiner übermütiger, Kraft ein Non.'lin von Courths-Mahler Nachdruck verboten. M — da fällt mir ein — Graf Steinau läßt sich Dir zu Füßen legen, Maina. Ich besuchte ihn vorige Woche in Berlin, gleich nach meiner Ankunft dort. Er ist noch immer der Alte. Ich hege eine große Verehrung und Hochachtung für ihn." „Die er auch verdient, Hans Ullrich. Ich kenne keinen Menschen, dem ich eine so große Hochachtung entgegenbringe als ihm." „Das beruht auf Gegenseitigkeit, Mama. Graf Steinau spricht mit großer Verehrung auch von Dir. Und mit Papa rnuß rhu ein wahrhaft ideales Frermdschrftsverhältnis verbunden haben." „Allerdings. Graf Steinau, Heinz von Birkenheim und Dein Vater haben ein wirkliches Freundschaftsverhältnis geschlossen, das vielen Stürmen getrotzt hat. Und die beiden Herren sind mir nach Deines Vaters Tode ehrliche Freunde geworden. Hat Graf Steinau nicht davon gesprochen, ob er bald wieder einmal zu uns kommen will?" „Ja, Maina, im Hochsommer will er sich auf einige Wochen frei mache,:, um sich, wie er sagte, die Großstadtlungen wieder einmal gesund zu baden. Er hofft dann auch, Herrn von Birkenheim wieder ein wenig aufzuheitern. „Das soll den beiden recht gut tun." „Sicher. Graf Steinau scheint wieder enorm gearbeitet zu haben. Aber dabei ist er von einer Frische, die bei einem so alten Herrn bewundernswert ist." Frau von Frankenau lächelte. „Ja, er ist ein ewig Junger. Seine Leistungsfähigkeit ist staunenswert. Er sagte mir einmal, da ihm das Schicksal Kinder versagt habe, müsse er selbst so viel als möglich für d:e Unsterblichkeit tun. Seine Ehe ist, wie Du weißt, zu fernem großen Schmerz kinderlos geblieben. Durch einen Sturz^ mit dem Pferd hatte seine Gattin, die eine kühne Reiterin war, sich ein Leiden zugezogen. Trotzdem war ihre Ehe eine der glücklichsten, die ich jemals kennen gelernt habe und als die Gräfin starb, vor einigen Jahren, da war er tief unglücklich Zum Glück ist er seinem Neffen, Graf Joachim, sehr zugetan, und dieser ersetzt ihm einigermaßen einen Sohn." „Graf Joachim ist auch ein prächtiger, liebenswürdiger Mensch" „Das ist er, wenn er auch gelegentlich noch ein wenig uberschäumt, wie gärender Most. Ursula hat ihn ja „Junker Uebermut" getauft, und wenn unser Wildfang das sagt gilt es doppelt." ' Hans Ullrich lachte. prachtvoller Kern in ihm." „Zweifellos. Hast Du ihn in Berlin gesprochen?" „>za. Er wird seinen Oheim begleiten, wenn dieser nach Birkenheim kommt, vorausgesetzt natürlich daß er Urlaub erhält." „Nun, dann kann es ja recht lebhaft werden," sagte Frau von Frankenau lachend. „Uebrigens bin ich auf meinen Reisen zweimal mit Graf Steinau zusammengetroffen," sagte Hans Ullrich „Das wundert mich gar nicht. Reisen ist seine Passion, und außerdem muß er ja auch oft in diplomaftschen Geschäften an fremde Höfe reisen. Wo bist Du ihm begegnet?" „Vorletzte Weihnacht haben wir zusarnmen in Aegypten verlebt; ich begegnete ihm auf den eleganten Hotelterrassen rn Heluan, und vor Jahresfrist etwa traf ich in Schweden mit ihm zusammen." Die alte Dame lachte. „Ja, ja — überall ist er zu finden — und immer frisch und aufnahmefähig, wie ein Junger." Mutter und Sohn plauderten noch von Allerlei Dingen, die sie gemeinsam interessierten. Und dann war die von Ursula großmütig gewährte Stunde um. Die junge Dame wirbelte ins Zimmer. „So, da bin ich. Genau eine Stunde habe ich Dir Mamuschka überlassen, Hans Ullrich, nun will ich sehr viel gelrebkost werden und Teil an Euch beiden haben," sagte sie, sich zwischen Mutter und Bruder drängend und beide um-' schlingend. Sie sahen lachend zu ihr auf. Hans Ullrich zog sie zu sich meder, und sie kuschelte sich zwischen Mutter und Bruder. „So, Hans Ullrich, nun sitze ich prachtvoll. Nun erzähle. Du mußt ja schrecklich viel interessante Dinge erlebt haben auf Deinen Reisen." — Und Hans Ullrich erfüllte lächelnd ihren Wunsch . und erzählte, in seine Reiseerinnerungen untertauchend, dies und jenes Erlebnis. Dann ließ er einen Koffer bringen, dem er Geschenke für Mutter und Schwester entnahm. Kekarmimachung Die am 4. Mai im Södeler Gemeindewald abgehaltene Holzversteigerung ist genehmigt. Södel, den 15. Mai 1918. Erozh. Bürgermeisterei. 2. B. : 5> e n j e I. . Inzwischen war die schöne Reisegefährtin Hans Ullrichs wirklich in Birkenheim angelangt. Das Birkenheimer Herrenhaus war dem Frankenauer ziemlich ähnlich. Es lag auch, wie dieses, inmitten eines herrschen alten Parkes, den aber zum'großen Teil eine Sternmauer einzäunte. Vielleicht hatte das Birkenheimer Herrenhaus eine etwas kleinere Basis, aber dafür war ein Stockwerk mehr ausgebaut. Die Fassade war malerischer als dre rn engeren Linien gehaltene des Frankenauer Herrenhauses. Hrer gab es viel Erker und Türmchen und ernen vorsprrngenden Altan über dem Hauptportal. Betr.: Die Fleischveriorgung für die Stadt Friedberg. Kelranutmachnng Hierdurch bringe ich zur öffent- lichen Kenntnis, daß der Verkauf von Rind- und Kalbfleisch sowie Wurst für diele Woche am Frei. teg, den 17. Mai 1918, nachmit- taqs von 1-6 Uhr in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden statt- frndet. Schweinefleisch gelangt nicht zur Ausgabe. Die Verkaufszeit ist genau ein- zuhalten. Friedberg, den 15. Mai 1918. Der Bürgermeister. 2. V.: Damm. PlliclUenmelir und des Stadtteils Fanerbach Die für Donnerstag, den 16. ds. Mts., abends Ü Uhr festge. setzte Nachübung fällt aus. Friedberg, den 15. Mai 1918 Der Bürgermeister. 2. V.: Damm. oh, 2? 1 ' ‘L em Same suhr durH ein offenstchendes, schmiede-,eri,es Tor in der Parkmauer. mt Entzücken betrachtete sie den malerischen Ban Sie richtete sich empor und ließ ihre Augen mit großem Interesse a J ten H^rensih gleiten, als nötigte er ihr ein Ge- fühl besonderer Ehrfurcht ab. .. Als der Wagen vor dem Portal hielt, trat ein Diener m der grauen Brrkenheimer Livree an den Wagen und of,nete den Wagenschlag. Seine Augen sahen ein wenig erstaunt auf die schöne junge Dame, die sofort ausstieg und nun in ihrer schlanken stolzen Höhe vor ihm stand. „Fräulein Hellmut?" fragte er ein wenig unsicher, als müsse er sich erst überzeugen, daß die Angekommene wirklich dre erwartete Person sei. Die junge Dame neigte ruhig das Haupt. f 6m sollen Sie mich, bitte zu den Herr» schäften fuhren." Das klang sehr bestimmt und sicher. Der Diener machte nun er sicher wußte, wen er vor sich hatte, ein unbeschreib- lrck-es Gesicht. Er hatte fast etwas Herablassendes, als er sagte: „Ich habe Auftrag, Sie in Ihr Zimmer zu flihren. Die Herrschaften wünschen augenblicklich nicht gestört zu werdend Der gnadrge Herr hält Mittagsruhe, und Frau Baronin und Baroneß sind beschäftigt. Sie sollen sich in einer Stunde bereit halten." Fräulein Hellmuts Lippen zuckten ein wenig. Ihre stolzen Augen richteten sich kühl und scharf auf das Gefickt des Dieners, so daß dieser unwillkürlich eine etwas weniger nachlässige Haltung annahm. „Also tun Sie, was man Ihnen'besohlen hat." sagte sie ruhig und bestimmt. Es lag in ihrem Wesen, diele vornehme Sicherheit der großen Dame. Der Diener ärgerte sich, daß er sich davon imponieren ließ. „Wie die sich aufspielt!" dachte er. „Und sie ist doch nichts, als eine Angestellte. Das will wohl hier die große Dame spielen? Na, die Frau Baronin wird ihr da wohl bald den Standpunkt klar machen." Die Dienerschaft in Birkenheim hatte vor der Baronin Haßbach einen größeren Respekt, als vor dem Herrn des Hauses, wenn dieser auch mehr von Furcht als von Ehrerbietung diktiert war. Die Baronin führte ein strenges und nicht immer gerechtes Regiment. Da es aber vom Hausherrn zugelassen wurde, gab es dagegen kein Auflehnen. Es ging auch freilich alles am Schnürchen in dem großen Haushalt. Aber weder die Baronin noch ihre Tochter waren beliebt; sie ließen durchaus keine Milde walten, trotzdem sie. in ihrem Wesen immer Milde und Sanftmut betonten. So wenig Herr von Birkenheim sein Herrenrecht geltend machte, so sehr betonten es die Damen. Und doch waren sie beide nur von der Gnade des Hausherrn abhängig. Das schienen sie aber völlig vergessen zu haben. (Fortsetzung folgt.- Eber-Verkauf. Die Gemeinde Bruchenbrücken beabsichtigt Drenstaa, den 21. d. Mts., mittags 12Uhr in derWirt- schast von Zoh. Hch. Michel einen zur Zucht zu schwer gewordenen Eber zu verkaufen. Bruchenbrücken, 15. Mai 1918. Groß!,. Kurgermeifierü ßrllchcnbrllckell ._ I. V.^Best. Wasserglas Salmiakgeist Seifeupulver^U"° loses und in Paketen CchmeMkil-Wtz MiWse, Biims TlMlGck, Ttärkc-Maft Lowieand. bewährte Putz-, Wasch-, Stärke-Mittel, empfiehlt Fr. Hilbrecht Wwe., Friedberg i. H. Ein hochtragendes Mutterschwein not zu verkaufen K«l». Brücker, Ilbenstadt. Veredelte TWeil-Aäck zum Rohstärken wie auch als Kochstärke vorzüglich brauchbar in Paketen ä 60 Pfg. empfiehlt Friedrich Michel Verkaufe einen guterhaltenen Landauer. Mo? sagt die Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung". Mi Friedberg. Kaiserstahe 51, gegenüber d. Engel-Apoth. Wollen Sie sich einen reizenden und geschmackvollen Hut kaufen, so kommen Sie nur. Bei mir finden Sie geschmackvolle Dameu-Hiile reizende und preiswerte Kinder-HLte moderne Herren- and Kuaben-HSle > Einen Posten norddeutsche Miislkie- Laatkartaffelii (sehr schöne Qualität) hat noch abzugeben Landw. Central - Senissensihalt. H-riedberg i. H. 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