Dummer 109 Samstag, den 11. Mat 1918 11. Jahrgang Die Neue Ta"-sreitr,„g" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer aus Hessen", „Di- Kpirmstnbe". Kerugspreis: Bei den Postanitalten vierteljährlich Mk. 2.46 himu tritt noch das Bestellgeld,' bei den Agenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Erundzelle 25 Pfg., lokale 20 Pfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme d 6 erhoben. Erfüllungsort Friedberg. HchrLftlettmrg und Dertag Friedberg (Hessen), Hanauerstratze 12. Femiprecher 48. Postjcheck- Conto Nr. 4359. Amt Frankfurt a. M. _ mm Piekt ein enBjcher Zperrserjlllh bei Oßende vereitelt. Englische Teilangriffe bei Albert und ein französischer Uorstoff bei Apremont abgewiesen 26000 Tonnen versenkt. » - = - ^ ——— Der deutsche Genrraistab r — - meldet: =====5 W. T. S. Große« KanpiqxarLier, de» L 0 . Wat. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Nn den Kampffronten war die Artiverietätigkeit tagsüber nur im Gebiete des Kemmel, beiderseits des Lucebaches und auf deni Westufer der Avre lebhaft. Starker Feuersteigei'ung in diesen Abschnitten folgten feindliche Vorstöße. Bei ihrer Abwehr und bei re-ger Erlundungstätigkeit machten wir Gefangene. Am Abend und während der Nacht lebte der Artitte- rielampf zwischen Yser und Oise vielfach auf. An der übrigen Front blieb die Gefechtstätigkoit auf Er- kunduugskämpfe beschränkt. Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Eeneralquartiermeister: Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 10. Mai, abends. (MTB. Amtlich.) Gin englischer Telilangriff nördlich von Albert wurde abgewiesen. Ebenso scheiterte ein französischer Vorstoß im Walde von Apremont. f w - a ™—————— Der österreichische Generalstab .—=- ■ =:= meldet: _ Wien, 10. Mat. (MTB.) Amtlich wird verlautbart: Keine besonderen Ereignisse. Der Chef des Generalstabes. . .. 1 " = sss s. == 9 Der bulgarische Generalstak ^ > —. = meldet: — j Sofia, 8 . Mai. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Mazedonische Front: Nördlich von Bitolja und östlich vom Dobropolje war das Artilleriefeuer beiderseits gewisse Zeit heftiger. In der Gegend von Moglena vertrieben unsere Posten serbische Erkundrmgstruppen. Eine englische Kompagnie, die nach ArtillerievoMcreitung in unsere Stellungen östlich des Bardar einzuoringen versuchte, wurde durch Bomben und Maschinengewehrfeuer zerstreut und ließ Gefangene in unseren Händen. In der Nähe der unteren Struma Patrouillenzusammenstöße. I gSSSS == = == jj Das türkische Hauptquartier , .. _ meldet: ==« Konstantinopel, 9. Mai. (MTB.) Tagesbericht. Palästinafroni: Beiderseitiges Artilleriefeuer in mäßigen Grenzen. Rege feindliche Patrouillentätigkeit auf dem Ostufer des Jordan. Bei Ain Sinja wurde ein feindlicher Fesselballon brennend zum Absturz gebracht. Unsere Flieger griffen aus 300 Meter Höhe feindliche Kavallerielager im Jordan-Tal erfolgreich mit Bomben und Maschinengewehren ab. Auf den übrigen Fronten «üLI». v^m,B«d«ttung. Ileuer Zperrverliulj gegen Ostende. Berlin, 10. Mai. (MTB. Amtlich.) Englische Soestreit- krafte unternahmen am 10. Mai, 3 Uhr morgens nach heftiger Beschießung erneut einen Sperrangriff gegen Ostende. Mehrere feindliche Schiffe, die unter dem Schutze künstlichen Nebels in den Hafen eindringen wollten, wurden durch das vortrefflich geleitete Feuer unserer Küstenbatterien abgewresen. Ein alter Kreuzer liegt gänzlich zusainmengeschossen außerhalb des Fahrwassers vor dem Hafen auf dem Grund. Die Einfahrt ist völlig unbehindert. An Bord des gestrandeten Schiffes wurden nur noch Tote vorgefunden: zwei Ueberlebende waren über Bord gesprungen mrd sind gefangen. Nach bisherigen Ermittlungen wurden mindestens zwei feindliche Motorboote abgeschossen, '1 Monitor schwer beschädigt. Der Sperrversuch ist somit völlig vereitelt. Abermals hat der Gegner Menschenleben und Fahrzeuge mnsonst geopfert. Der Chef des Admiralftabs der Marine. Berlin, 10. Mai. (MTB. Amtlich.) Der zweite Versuch der Engländer, an den ihnen mit jedem Tag unbequeiner werdenden flandrischen Ubootsstützpunkt hevanzukommen, traf unser Marinekorps ebenso vorbereitet wie der erste. Es war vorauszusehen, daß die englische Admiralität es bei einem Versuche nicht bewenden lassen würde. Die Gründe, warum diesmal nur ein Angriff gegen Ostende erfolgte, sind im Augenblick noch nicht zu übersehen. Zwar wurde vor Zeebrügge gleichzeitig mit dem Angriff gegen Ostende starker künstlicher Nebel von den Engländern entwickelt, .jedoch geschah dies offenbar nur zur Ab- lentuirg. Der Feind eröffnete am Morgen des 10. Mai um 2 Uhr 15 Minuten von der See und vom Lande aus das Feuer auf unsere Batterien bei Ostende. Einige Minuten später wurde starker künstlicher Nebel erzeugt. Als zwei Minuten rcach 3 Uhr- östlich Ostende zwei Kreuzer im Nebel gesichtet wurden, setzte sofort von unseren schweren Batterien gutliegendes Zielfeuer ein, nachdem schon vorher Sperrfeuer vor die Einfahrt gelegt worden war. Der eine Kreuzer drehte nach Westen ab, der andere nach Norden. Letzterer wurde. dann wiederholt wieder erkennbar und jedesmal von neuen: beschossen. Um 3 Uhr 3T tauchte er nochmals vor der Einfahrt auf und sank, von allen Seiten unter schwerstes Feuer genommen, außerhalb des Fahrwassers. Inzwischen waren von unseren Batterien vereinzelte eikeimbare Ziele auf Sec beschossen worden. Ein stilliegender und nicht feuernder Monitor, der offenbar außer Gefecht gesetzt war, wurde um 1 Uhr 13 Minuten ausgemacht. Er wurde aber gleich darauf vom Feinde wieder völlig eingenebelt. Der gestrandete Kreuzer ist, nach aufgefundenen Papieren, der „Bin- dictive". Unsere eigenen Verluste find, wie bei dem ersten Unternehmen, wieder erfreulich gering. * Der englische Bericht. Haag. 10. Akai. Die Admiralität gibt bekannt: Die Operationen, dre den Zweck hatten, Ostende und Zeebrügge abzuschließen, find gestern abend mit gutem Erfolg beendet worden und zwar dadurch, daß der alte Kreuzer „Vindictive" zwischen der Landungsbrücke und dem Eingang des Hafens von Ostende versenkt worden ist. Wir haben nur ein Motorboot verloren. Unsere Verluste find gering. 26000 Tonnen versenkt. Berlin, 9. Mat. (WTB. Amtlich.) Das unter dem Kommando des Kapitänleutnants von Glasenapp stehende U-Boot hat in der stark besuchten Irischen See und deren Zufahrtsstraßen mit bestem Erfolg gearbeitet und dem Transportverkehr unserer Feinde neuerdings empfindlichen Abbruch getan. Durch umsichtige und energische Führung und kühnen Ein. satz der Bootes gelang es dem Kommcrndcmten, sieben Dampfer — zum Teil ans gesicherten Geleitzügen heraus — und drei Segelfahrzeuge mit zusammen über 26 000 Bruttoregistertonnen zu versenken. Wertvolles Kriegsmaterial des Feindes und für die Kriegführung wichtige Rohstoffe — Kupfererz. Eisenerz. Kohlen, Kork ufw. — wurden mit den Ladungen der Schiffe vernichtet. Im einzelnen wurden folgende namentliche Feststellungen gemacht: der bewaffnete englische Dampfer „Laudonia" (2501 Vrt.), Ladung 3500' T. Eisenerz nach Glasgow, der Geschützführer des Dampfers wurde gefangen eingebracht. „Baron Herries", (1610 Vrt.), Ladung 1600 T. Kupfererz und 2000 Ballen Kork nach Glasgow, zweiter Offizier des Dampfers gefangen eingebracht. Ferner der englische Dampfer „Katung" (1611 Vrt.) und der englische Raaschuner „Ethel" mit einer Itohlen- ladung. Der Chef des Admiralftabs der Marias ß N Kootangriff auf Carloforte. Amsterdam, 10. Mai. Nach englischeil Blättermeldungen aus Rom beschoß am 29. April ein deutsches Unterseeboot Earlo- forte auf Sardinien, wo eine Anzahl Schiffe in der Fahrstraße lagen. Ein englischer Dampfer wurde torpediert. Beim Kampfe zwischen den Küstenbaitevien und dem Unterseeboote fielen feindliche Granaten in die Stadt, wodurch zwei Frauen getötet wurden. ■ Die Schlacht im Westen. Erhöhte Kampftätigkeit vor Ypern. Die „Basler Nachrichten" melden, daß der neueste Havas- kommentar von einer zunehmenden Artlllerietätigteit des Feindes seit einigen Tagen berichtet. Besonders find: eine äußerst heftige Beschießung von Ypern und Poperinghe statt. Die alliierten Batterien erwiderten das Feuer. Die Kämpfe an der Somme hätten nur untergeordnete Bedeutung, seien aber für die spätere Schlachtentwicklung von Interesse. In Erwartung. Genf, 10. Mai. Eine Havasmeldung vom Mittwoch abend meldet: Die Ruhe an der Front wird von starkem beiderseitigem Artilleriefeuer unterbrochen. Der Feind scheint seine Kräfte zu neuem Schlage zu sammeln, der aller Wahrscheinlichkeit nach in den nächsten Tagen eintreten dürfte. Mailänder Blätter melden aus Paris: Die ersten Linien der gemeinsamen Wesffront werden nunmehr gleichmäßig mit englischen und französischen Truppen belegt. Das „Secolo" meldet aus Paris: Die nächste Verteidigungslinie westlich von Ppern liegt nach dem Urteil der Militärkritiker be^Poperinghe. Eine Havasnote vom 9. Mai besagt, daß die Linie Elytte bis Voormezeele durchbrochen werden könnte Die Note erklärt, daß man in diesem Falle Ypern nicht mehr zu räumen vermöchte, was jetzt noch ohne Schwierigkeiten geschehen könnte. Der Feind sei allerdings bis jetzt nur an einigen Punkten ein- gedrungen. Alle Militärkritiker der französischen Presse bereiten ihre Leser auf eine Erneuerung des deutschen Angriffes vor. Ebenso wie einige englische Fachleute meint der „Homme libre", daß der deutsche Angriff den ganzen Sommer hindurch dauern könne. Der italienische Berichterstatter Barzini schildert die bewundernswerte wirtschaftliche Verwendung der Streitkräste. Seit dem 9. April seien kaum 15 Divisionen im Kampf gewesen. Drei Viertel des Heeres lebten ln Ruhe und Vorbereitung. Das Heer fei deshalb offenbar imstande, jeden Augenblick mit voller Kraft anzugreifen, was nach Ansicht der Verbandsführer zwischen Albert und Arras geschehen werde. Die gegenwärtige erwartungsvolle Spannung werde allgemein als Schwüle vor einem ungeheuren Gewitter empfunden. Zwölf neue Divisionen. Genf, 10. M '. 2 Zuchthähne Silberbrackel u. gesperberte 2ta- liener 17ner Frühbrut hat abzugeben F. Keckmaan. * Langd b. Hungen. - ; Schlachtpferde jowie DWMllligku aus Oberheffen, mit Ausfuhrgenehmigung, kauft zu jeder Zeit und höchsten Preisen Albert Sere!,?. Gffrnb-lha.M., Gallusstr. 22. Telefon 18^4. Einige tausend gespitzte und ungespitzte lange Rieder-Wöllstadt, Telefon Nr. t Von Mittwoch, den 15. d. Mle ab empfehle ich tt reg. Ware, B"ii halblange Elite Eckendörfer Samenhandlung Jacoi) Herrntann, 2nh. Valth. Schneider, Friedberg i. H. 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Dauernheim Hof Schleifeld Mai 1918. Kekannimachung Kekanntmochung^ SllusichiLchtungen kommt°iA Är Saatkartoffeln ..Industrie" kommenden Woche an den be- * . ^ kannten Zahlranen gegen Qmt- für Gartenbau, gegen Karloffelkarten tun«, der Emoianasb-e-rk.ii^»» Mittwoch und Samstag vormittags ab. Pre.s pro Pfund 8 Pfennig. Friedberg» den 10. Mai 1918. Der steüv. Bürgermeister tung der Empfangsberechtigten oder deren Bevollmächtigten sowie Abgabe der durch den Fleischbe- lchauer ausgestellten Bescheinigung zur Auszahlung. Friedberg, den 10. Mai 1918. ^_ Die Stadtkasse. Bekanntmachung Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß Herr Real- lehrer Ringshausen als Vertrauensmann der Landesgemüfe- stelle für das Erogherzogtum Hessen be,teilt und mit der Ausstellung der Versandscheine für alle Eemiisesendungen beauftragt worden ist. Die Ausfertigung dieser Ver- sandjcheine erfolgt an Werktagen | vormittags von 11 bis 12 Uhr in der Allerbauschule. Friedüera. den 10. Mar 1918. Der Bürgermeister. 2. V.: Damm. HmMlW Landwirt, in der Nähe von Frankfurt. 60 Zähre alt, Witwer mit einem schönen Anwesen und Vermögen, wünscht sich zu verheiraten. Ernstgemeint!! Gesetztere Mädchen oder Witwen skaih.) ist hier Gelegenheit zu einem schönen Heim gegeben. Es wird nur auf wirtschaftliche Tüchtigkeit und nicht auf Vermögen gesehen. Vermittlung von Verwandten erwünscht. Ernstgemeinte Angebote unter Nr. 93* an die Geschäftsstelle 2 er , Neuen Tageszeitung". (städt. Lebensmittel-Aussck-utz) _ — _ 2. A.: Langsdorf. Holzversteigerungen der Gräflichen Oberförsterei Laubach. I. Montag, den 13. Mai, vormittags 10 Uhr, unvor» SU! der Schreinersmühle. aus Revier Ober een. Dutritt Winterberg 2 und 4, Mushau 1. 2 und Kendel- xcujv Buchen rm: 18 Scheit II. Kl., 8 Prügel ll Kl 17 Stocke 3 Reiserprügel; Distrikt Peterswaid. 1 . 2, 3 U"d o Buchen rm: 8 Scheit II. 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Kl., Etammreiferprügel rm: 178 Buchen' Schmilthain, Buchholz und Skrickberg! Scheiter rm 3 Buchen und Eichen 11. Kl.; Prügel rm- und Weichholz 11. Kl.: Distrikt Lmgel. II ^s'.bchMenberg und Roth 2 : Scherer rm: 2 Buchen sm -IV. 'Hf H e S rm ' 38 Buchen, Eschen, Radel und ^ V? t,; 2 ^ bL Kohlreiser aus Kirchberg 4a und Brüh"GicuToDM?nb Cn ^ C |hA 5orft S i i iC '- Weingärtnersttipf.' i 1 6r und ^eldchen: Schetter rm: 3 Buchen Xd £ n v ^' Dtammrc.ser rm: 36 Buchen Sehern, Seekopf. Hölzchen. Dürnberg- Scheuer rm: 1 Buchen II. Kl» Prügel rm: 10 Buchen II. KL. 1 Elche: Stöcke rm: 3 Buchen. Rot unter- strichene Nummern kommen nicht zum Ausgebot. Teljlliissjßtt WuH eines z. Zt. hier befindlichen Feld grauen ist es, die Bekanntschaft einer jungen Dame zu machen um auf gemeinschaftlichen Nach- Mittagsrouren vornehmen Gedankenaustausch und so/mufrichlige Annäherung zu finden. Eefl. Zuschriften mit Bild. 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Ter gegenwärtige Stillstand in der deutschen Offensive v .,h f ve;aben und den Freunden Deutschlands Anlaß zu ' ;, i.; '.LkiV üUmgen: Auf der einen Seite unverhohlene ca : '^ar-wer, daß es den Franzosen gelungen sei, den deutln ..-n Stoß aufzuhalten, und schon ist die Legendenbildung t n Gange, um die offen zutage liegenden deutschen Siege \r Deutschen zu verwischen und undeutlich zu machen, ans der anderen Seite tauchen aufs neue Sorgen allerhand r , die immer wieder in die bange Frage ausklingen, ob ;-s den Deutschen wirklich möglich sein werde, der Feinde im Westen Herr zu werden. Mir ist es eine der merk- - Mafien Erscheinungen imWeltkri«sge, wie auf Seiten der ^^e Deutschlands mit geringen Mitteln und mit den * . -n Erfolgen die Stimmung wenigstens nach außen aufrecht erhalten werden kann, während bei seinen Freun« - n und auch bei sehr vielen Deutschen selbst in der günstig- u Lage und nach den unzweifelhaft großen Siegen bei dem kleinsten Aufenthalt sogleich wieder die Zweifel kom- inen. Das Grübeln ist nun einmal deutsche Art. Der F ade ' d auch heute noch so viele, und sie tun so sieges- . er, daß mancher es nicht fassen kann, daß trotz alledem die Lage für Deutschland in diesem Kriege noch nie so günstig war wie heute. Allerdings wer erwartet hatte, daß der Widerstand der Alliierten im Westen so zusammenbrechen werde, wie der der Russen im Juli August und der Italiener im Herbst 1917, der ist enttäuscht. Es waren aber mich unmögliche Träume, die nicht in Erfüllung gehen konnten. Wer in der Lage war. die Verhältnisse auch nur einigermaßen zu beurteilen. wurde vielmehr von dem, was seit dem 21. März geschehen ist, überrascht. Franzosen und Engländer sind andere Gegner als die Russen der Revolution und als die Italiener. Als diese einmal ins Laufen kamen, ging es gleich in g! s . n Sprüngen rückwärts. Die Engländer sind zäher- wenn auch ihre Führung zum großen Teil versagt, ihre Artillei ie nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe stand, so gab es doch in der englischen Infanterie immer noch eine große Anzahl von Soldaten, die sich mit ihren zahlreichen iNaschiuen gewähren tapfer zur Wehr setzten und der stürmenden deutllcheu ~ '.g^ttene tüchtig zu schaffen machten. Und die Divisionen, die füll dem deutschen Ansturm ent- gegenwarfen. waren die besten des französischen Heeres, seit Monaten für ihre besonderen Aufgaben geschult. Da wäre es eine Tollheit gewesen, wenn die deutschen Generäle versucht hätten, mit der anfangs innegehabten Geschwindigkeit weiter vorzndringen. Solche Erfolge hätten allzuteuer mit großen Verlusten bezahlt werden müssen. Was erzielt worden ist. wurde nicht nur sehr scknell, sondern auch mit verhältnismäßig wenig Blut erreicht. Rußland hat den besten Teil seines Heeres schon im Winter 1914/15 in den Karpathen in ungenügend vorbereiteten Angriffen geopfert, und die Gründe der verminderten Widerstandskraft des englischen Heeres von 1918 ist in den blutigen Kämpfen im Artois und in Flandern 1917 zu suchen, die so zu Pyrrhussiegen geworden sind. In der zähen Abwehrschlacht haben die deutschen Divisionen den Kern des englischen Heeres cn- - '•' T'TiBr, r;, zrxtet&s*. sasa• n ,« ,».m« ai «■ . *_» i h-» T ir ni — r gelöst, rrnd die blutige Saat ür FlaitderK wird nun geerntet. Aber mit Recht hütet sich die deuffche Führung vor allzu großem Kraftverbrauch rm Angriff. Das richtige Maß für die Bewertung der deutschen Erfolge bekommt man nur, wenn man das heute Erreichte vergleicht mit der Entwicklung des Krieges im Jahre 1916; dabei möchte ich nicht einmal das Hauptgewicht auf den Raumgewinn und die Gefangenen und Beutezahlen legen, obwohl daraus sich Schlüsse ziehen lassen auf die Größe der in den feindlichen Heeren erzielten Schwächung. Wichtiger noch ist die dadurch geschaffene allgemeine Kriegslage. Im Sommer 1916, da es um Deutschland und seine Verbündeten am schlimmsten stand, war an der Somme die große „Materialschlacht" im Gange, wo die Franzosen so viele Geschütze und Flieger zur Stelle hatten, daß ihnen der endgültige Sieg in greifbare Nähe gerückt schien. Im Osten hatten die Russen in Wolhynien, Ostgalizien und in der Bukowina so große Erfolge errungen, daß alle irgendwie verfügbaren Kräfte dorthin geworfen werden mußten, um eine Katastrophe zu vermeiden. Das konnten die Italiener ausnützen und am Jsonzo ihre ersten größeren Erfolge er- ringn. Auch in Mazedonien regte sich General Sarrail. In dieser kritischen Lage fiel Rumänien seinen ehemaligen Verbündeten in den Rücken. Und nun geschah etwas Unerwartetes, Großes: Von einem Gedanken geleitet, warfen sich Teile aller Heere des Vierbundes auf den neuen Gegner und schlugen ihn so gründlich, daß er für den großen Krieg fast ganz ausschied. Damals war der Wendepunkt des Ki'ieges, und die in Rumänien errungene Bewegungsfreiheit haben sich Deutschland und seine Verbündeten seither beibehalton und erweitert. In den Frühjahrsschlachten in Frankreich versuchte« zwar *>ie Alliierten noch -einmal, die deutschen Linien \u durchbrechen. Mer alle Versuche waren vergeblich. Frankreich hat es damals schon aufgegeben noch einmal etwas Größeres zu unternehmen. England allein versuchte noch, den großen Krieg weiter zu führen, aber auch was es erreichen konnte, war verschwindend gering, so daß Amerika die einzige Hoffnung blieb und auch heute noch ist, obwohl niemand mehr daran glauben kann. Die Alliierten sahen die Frühlingsstürme aus Deutschland kommen und versuchten, sich darauf vorzubereiten. Ein großes Reserveheer wurde geschaffen, wozu die Franzosen den Gewalthaufen stellten. Eine Masse von etwa 60 Divisionen konnte auf diese Weise dem Kriegsrat von Versailles zur Verfügung gestellt werden. Aber es fehlte den Alliierten die innere Kraft und Entschlußfähigkeit, den Deutschen im Angriff zuvorzukommen, selbst die Entscheidung zu suchen und so die bereits verlorene Bewegungsfreiheit wieder an sich zu reißen. Der Hauptgrund dieses Versagens ist in dem Zweifel in dem 1917 verlorenen Vertrauen tTt-^tc eigene Angriffskrast zu suchen. Eng- länder und Franzosen wußten, daß sie von ihren Angriffen doch nichts Nennenswertes, geschweige denn etwas Entscheidendes erhoffen durften. Dann kamen die rasch aufeinanderfolgenden Schläge, welche die englischen Heere mit einer solchen Gewalt trafen, daß nicht nm die Reserven des Marschall Haigh im Nu verbraucht waren, sondern auch die französischen Reservearmeen, sowie die Bataillone auf dem Kampsplatze erschienen überhitzt in den Kampf geworfen wurden, um einen völligen Zusammenbruch der Engländer zu verhindern. Das ist erst gelungen-, nachdem die Deutschen einen gewaltigen Sprung nach vorwärts gemacht und das alte Kampfgelände von 1916 hinter sich gelassen hatten. Mehr konnten die deuffcher* Angriffsarmeen zunächst nicht leisten, denn vorerst mußte ein neuer Aufmarsch der Artillerie und eine sorgfältige Fortsetzung des Angriffs kommen. Dazu brauchte es aber Zeit, denn jede Ueberstürzung muß mit unermeßlichem Blut bezahlt werden. Das übersehen die Gegner Deutschlands geflissentlich, obwohl sie in ihren Angriffen an der Somme, im Artois und in Flandern auch längere Pansen einsehen mußten, und nie auch nur ähnliche Räume in der Vorwärtsbewegung zurücklegen konnten. Selbst durch den Hindenburg-Rückzug von 1917, als in dem von den Deutschen aufgegebenen Gebiete nur noch kleine Abteilungen die Fühlung mit den Deutschen aufrecht erhielten, brauchten die Franzosen und Engländer mehr Zeit zum Durchschreiten dieses Geländestreifens, als die Deutschen im Kampf gegen ganze Armeen. Die Not hat die Alliierten endlich dazu gebracht, ibre Streitkräfte im Westen unter ein einheitliches Kommando zu stellen. Aber der von ihnen erwartete Erfolg ist aus- geblieben. General Foch war nicht imstande zu Verbindern daß die große Masse der ihm zur Verfügung gestellten Streitkräfte heute vor dem Kemmelberg und vor .Amiens festliegt und damit an den Stellen eingesetzt werden muß. ten, wo die deutsche Heeresleitung sie haben wollte. Darin liegt das Hauptkennzeichen der heutigen Kriegslage im Westen: Der erste Teil der deutschen Offensive abgffttlossen Und nun beginnt ein neuer Akt, für den die Deutsche Oberste Heeresleitung die volle Freiheit des Entschlusses besitzt, während die Alliierten das Gefühl der operativen und taktischen Unterlegenheit haben müssen. Frankreichs Opferung. Unentwegt wirst Foch feit der großen Schlacht in Frank reich seine Divisionen in die Breschen, unentwegt fließt dafranzösische Blut in Strömen: wie es um Frankreichs M.n schenmatorial aussieht, wissen wir doch schon seit langem, ken nen die Klagen einsichtiger Franzosen, daß Frankreich als Ratio zugrunde gehen muffe. Nun scheint der Jahrgang 1918 . der t>oi kurzem noch die Depots in Frankreich füllte, zum Auffüllen und Verbluten in die Front geworfen zu werden. Er wird die ge- lichteten Verbände für eine Zettlang wieder füllen, aber war dann. Es sind vielfach dieselben Verbände, die immer wieder ins Feuer geworfen werden: ein Zeichen, daß nicht mehr allzu viel von Fochs Reserven vorhanden sein kann: denn etwas mutz er sich doch gegen Eventualitäten an der französischen Front Zurückhalten,' jedenfalls scheint ihm mit diesen noch ver. fügbaren Kräften die Gelegenheit zu einer größeren Gegen- Operation augenblicklich nicht mehr gegeben. Unter größerer Eegenoperation sollen nicht starke und stärkste Gegenangriffe an den bedrohten Schlachtfronten verstanden sein: diese bleiben immer mehr oder minder örtlicher Natur. Die Eegenoperation dient dazu, an entweder ganz anderer Frontstelle eine solche Lage zu schaffen, daß der Angreifer von seinen Kräften an der Angriffsstelle große Teile zu diesem plötzlich kritisch werdenden Frontteil «hsenden muß: sie stellt sich als Entlastungsoperation dar: oder eine großzügige Gegenmaßnahme setzt gegen die tak- falls die Treppe empor und umschlang mit beiden Annen Mutter und Bruder zugleich. „Ich will auch einen Kuß, Mamuschka," sagte sie lachend Frau von Frankenau ließ ihren Sohn aus den Armen und* zog Ursula an sich. „Hast wohl Angst, daß Du zu kurz kommst, mein Wildfang?" Ursula küßte die Mutter stürmisch. „Das darf auch nicht sein, Mamuschka. Wenn ich Hans Ullrich auch sonst alles neidlos gönnen würde. Deine Liebe mußt Du ganz redlich zwischen ihm und mir teilen, da darf er nicht ein Quentchen mehr bekommen." * „Aber er war doch so lange fort," sagte Frau von Frankenau lächelnd. Ursula schmiegte sich an die Mutter und sah den Bruder lächelnd an. „Hast ihm doch so viel Liebe nachgesandt, als Du mir gegeben hast. Und ich brauche Deine Liebe noch viel nötiger weil ich so ein ungeradener Wildfang bin." Mutter und Bruder lachten. „Das ist ja eine seltsame Begründung," sagte Frau von Frankenau. Ursula nickte schelmisch. „Jawohl, Mamuschka. Pastor Steffens sagte neulich, die ungeratenen Kinder brauchen viel mehr Liebe, als di« anderen." Ihre Mutter zog sie ein wenig am Ohr. „Bist Du vielleicht deshalb ein so unbändiger Wild- sang?" „Ach, Mamuschka, dafür kann ich doch wirklich nichtsr aber — ich will jetzt sehr großmütig sein und will Dich Han- Ullrich überlassen, bis ich mich umgekleidet habe. Heute lege' ich ein Festgewand an. Hans Ullrich zu Ehren, Also li* einer Stunde etwa, auf Wiedersehen." „Brauchst Du eine ganze Stunde zun, Umziehen- Urselchen?" fragte der Bruder^ Fortsetzung folgt. Wem nie dm'ch $\tk feib gejchch. Roman von Courlhs-Mahler. 6) Nachdruck verboten. Er verlor sich in ein tiefes Sinnen.. Wie hätte wohl die Frau beschaffen sein müssen, die er freudig an seine Seite hätted stellen können!? Sein altes Jünglingsideal wurde mit einemmale wieder lebendig in seiner Seele. Und wählend er sinnend vor sich hinstarrte in die frischgrüne Waldes- Pracht, da nahm dieses Ideal plötzlich eine so deutliche Gestalt an, daß er sie mit den Händen fassen zu können glaubte. Eine stolze, schlanke Mädchengestalt stand vor ihm. Airs dem schönen Gesicht, das von dunklen, schweren Flecksten umrahmt war. blickten ihn große dunkle Augen so leuchtend vn, als hätten sich Sonnenfunken darin gefangen. Und ersah einen wundervollen Mund, der weich und kindlich lächeln und zugleich herb und stolz abwehren konnte. Er atmete tief ans. Es schmerzte ihn, daß seine schöne Reisegefährtin eine Namenlose für ihn geblieben war. Aber dann dachte er daran, daß sie in einem Birkenheimer Wagen davongefahren war. „Ich werde sie bestimmt wie- < dersehen," dachte er froh. Und mit seinen Gedanken ganz oei ihr, suchte er ihr einen Namen zu geben. Aber keiner wollte «hm für sie passen, keiner schien ihm schön genug. Die Geschwister fuhren eine lange Weile stumm durch herrliches Waldgelände und kamen nun über eine Fluß- brücke. Dieser Fluß schied Frankenauer Gebiet von der Besitzung des Herrn von Birkenheim. Jenseits des Flusses zog sich nun die breite Fahrstraße zwischen Wiesen und Fel- .-dein dahin bis zu den großen Frankenauer Forsten. Hans Ullrich sah sich mit klaren, leuchtenden Augen um. Heimatboden! Er sog die köstlich würzige Frühlingslust tief ein. fjv Der Frankenauer Wald lvar prachtvoll geforstet. Die jungen Schonungen verrieten sorgsame Pflege, und weiter ging es durch den herrlichen Laubwald mit riesigen Buchen und Eichen, zwischen denen sich hie und da der schlanke weiße Stamm einer Birke zeigte, deren lichtes Grün sich leuchtend von dem dunklen Laub der anderen Bäume abhob. Nun ging es durch eine Strecke Nadellvald. Der junge Maiwuchs brach aus allen Zweigen und es duftete köstlich nach frischen Nadeln. Danach fuhr der Wagen in den wundervollen, alten Park, der Im weiten Umkreis das Frankenauer Herrenhaus umgab. Dieser Park war eizrst offenes Waldgelände gewesen, und hier loaren die Echen und Buchen noch älter und noch schöner. Ein breiter, kiesbestreuter Weg führte in gerader Richtung nach dem Herrenhaus. Es war ein großes, geräumiges Gebäude, dessen graue Mauern ein sehr ehrwürdiges Alter verrieten. Eine breite Terrasse lag vor dem etwas hoch gelegenen Gebäude zu beiden Seiten einer mächtigen Freitreppe, die zu dem hohen Portal führte, über dem das Wappen der Frankenaus, in Stein gehauen, sichtbar war. Unter der hohen Wölbung des offen Portals stand eine stolze, stattliche Frauengestalt in ei »ein schwarzen, schlicht aber vornehm wirkenden Seidenkleid. Das war Frau Sabine von Frankenau, Hans Ullrichs Mutter. Sie hatte ein frisches, sympathisches Gesicht und noch sehr volles, aber schon ganz weißes Haar, das sorgsam, ihrem Alter entsprecheird, frisiert war und zu dem frischen Gesicht und den lebhaft blickenden dunklen Augen sehr eigenartig wirkte. Frau von Frankenau zählte 56 Fahre, sah aber trotz des weißen Haares noch recht jung und rüstig aus. Sie hielt sich stolz und aufrecht und ivar eine ehrfnrchtgebietende Erscheinung. Mit zärtlichen, stolz leuchtenden Augen streckte sie die Arme aus nach ihrem Sohn, der schnell ans dem Wagen sprang und die Freitreppe empor in die Anne der geliebten Mutter eilte. Während Mutter und Sohn sich innig begrüßten, übergab Ursula den Wagen und ihre Jucker einem schnell herbeieilenden Stallknecht. Sie eilte darin, ihr elegant sitzendes Fahrklew emvorraffend, eben- tisch verwundbarste Stelle des Angreifers, — feine flanke — ein. Das hätte der Fall sein können gegen unsere SiidflanLe tu der großen Schlacht, etwa zwischen Montdidier und Noyon. Den Ansatz dazu und sogar den Aufmarsch hat Fach gemacht — als am 30. März seine, noch im Aufmarsch befindlichen Korps von uns frühzeitig angegriffen und geworfen wurden. Die neuen Schlachten entrissen ihm nun weitere Reserven, dies jedesmal — der Mot gehorchend — frontal in die Lücken, an den Brennstellen des Kampfes eingeschoben werden mußten. Durch die für Englands Heer entschieden kritische Lage, in der es sich seit Eroberung des Kemmel befindet, ist Foch zu der Erkenntnis gekommen, daß die Verdrängung der Engländer vom Festlende für Frankreich die Katastrophe bedeutet". Diese Erkenntnis ist der innere Grund für die fortgesetzte weitere Opferung der französtschen Kräfte; die Maßnahme muß mit einem Rückschläge enden: es ist Vabanquc-Spiel, um ein Loch zu stopfen, indem man ein neues aufreißt. Am 4. Mai ward wieder ein solches Spiel um hohen Einsatz verloren. Der außerordentlich heftigen, an Trommelfeuer früherer Großangriffe erinnernden Artilleri-cvcrbcreituug folgte am frühen Morgen am Kemmel bis herüber westlich von Bail- leul. also an der ganzen Hügelsront, ein ausschließlich französischer Angriff. Wieder waren hieran teilweise frische Divisionen beteiligt, ein Zeichen, welches Gewicht diesem Angriff beigelegt würbe. Da der Angriff in etwa 10 Kilometer Breite erfolgte und wir ja wissen, daß man in der jetzigen Kampfform die Divisionen schmal, aber sehr tief gliedert, werden etwa 9 bis 10 Divisionen den Angriff vorgetragen haben. Unsere Artillerie- wirkung dank der im Höhengelände glanzenden Beobachtung ist fürchterlich gewesen. Die dichten Massen wurden so zusammengeschossen, daß sie fast überall vor unseren vordersten Linien Zusammenbrachen: an wenigen Stellen, — die es bei so breiter Angriffsfront immer geben wird —, kam es zum Nahkampfe, wobei dem feinde noch über 300 Gefangene abgenommen wurden. In kleinem Maßstabe, mit anscheinend nur einer Division, sollte der Engländer westlich von Bailleul sich am Angriff beteiligen. Schon unser zusammengefaßtes Artilleriefeuer hielt ihn nieder, so daß er nicht zur Ausführung schreiten konnte. Damit Hai Frankreichs Heer sich am 4. Mai wieder einmal, und zwar im Verhältns 9:1 für England geopfert — und zwecklos. 3)iefe Opferung kommt unseren Absichten nur entgegen: denn je mehr drüben der Feind geschwächt und zerschlagen wird, um so näher rücken wir der Entscheidung. Das kann man nicht sofort, nicht nach mehreren Kampfwochey. sondern nach mehreren Monaten sehen. — Aber trotz dieser augenblicklich im Vordergrund der Handlung stehenden französischen Aufopferung für England steigt bei uns die Spannung auf weitere Ereignisse. Deutschland und Irland. Der bekannte irische Politiker Dr. Chatterton-Hill sprach am Sonnabend im Berliner Lyzeumklub über Deutschland und Irland und erörterte dabei auch einige Folgen, die aus der Haltung der Iren für Deutschland erwachsen. Es ist ihm ganz sicher, daß die beabsichtigte Zwangsaushedung der Iren, jene englische Verzweiflungstat, unbedingt zum Scheitern verurteilte fein wird. Aber es jst wirklich schwer anzunehmen, daß sich England' zur Wesffront noch eine irische Front wird schaffen wollen. Kein Schachergeschäst wird die Iren zum Eintritt in das englische Heer bewegen können. Die erste Folge der englischen Absichten war jedenfalls eine Einigung der verschiedenen Richtungen der Iren, abgesehen von der kleinen Gruppe um Carson, den Verräter. Nie war Irland einiger als jetzt. Wie hat nun diese ablehnende Haltung und die Drohung neuer Erhebung der Iren gewirkt? Zunächst: England konnte die Wehrpflicht in diesem kritischen Augenblicke nicht ausdehnen. Was das bedeutet, wird von den englischen Zeitungen voll anerkannt. Weiter:' England mußte 80 000 Mann Truppen und 20 000 Gendarmen auf der grünen Insel beschäftigen. Ja, es sah sich gezwungen, 6 weitere Divisionen zu schicken. Rechnet man die Division zu 20 000 Stfann, so macht das 120 000 Mann, im ganzen also 200 000 Soldaten. die in dieser hochkritischen Zeit durch Irland gefesselt werden. Das ist schließlich auch für den westlichen Kriegsschauplatz nicht ohne Bedeutung. Die Haltung der Iren ist um so bewundernswerter, als England in geschicktester Weise die „Leiden" des katholischen Belgien ausspielt und die Lügen über die Greuel an katholischen Schwestern und Mönchen verwertet. Gleichwohl ist das Herz der katholischen irischen Bauern fest ge. blieben. Sinn Fein vereinigt die Katholiken und Protestanten. Man hat den Iren vorgeworfen, daß sie für ihre eigene Befreiung selbst wenig getan hätten: mit Unrecht, denn England Ist entvölkert, das Volk entwaffnet. Die irische Erhebung 1916 ist militärisch mißglückt, aber der Geist jener Erhebung ist nicht tot. Das erkennt die englische Presse besser, als selbst viele Kreise in Deutschland. Das alles bedeutet schließlich eine Unterstützung fir Deutschland. Dr. Ehatt-rton-Hill hob die ausschlaggebende Bedeu , der Lage von Irland für Englands Weltmachtstellung he or. Der Besitz Irlands sei die natürliche Voraus- fetzu,:g oasür. daß England die Gunst der eigenen Lage aus- ^tzcu und seme Weltmachtsziele verfolgen könne. Freiheit der Meere ist undenkbar ohne den Begriff der Macht. Wer sich nicht oamu begnügen will, daß Lloyd George die Freiheit der Meere Bertragspopier niederlegt, muß sich nach realen Bürgschaf- «v umschen: die Befreiung Irlands gehört dazu. Geht der ^Booikrrcg so weiter, so wird England eines Tages zu schwach M». um der irischen Bewegung zu widerstehen, deswegen be- «nndren die Iren die Deutschen als Bundesgenossen Die ein- SW toawnt ie für Irland. Indien und Aegypten besteht in einem •ff****’ traf erweiterter Machtgrundlage ruhenden Deutschen ***** «nDererseits kämpfen die Iren zugleich auch für Deutfch- ***** wenn sie standhaft bleiben in ihrem Widerspruch mm tag:and. Möge es Irland vergönnt sein, in Zukunft m »rnwruüfcaft nrU einem starken Deutschland auf dem Posten tX * friedliches freies Europa! — Der Vortrag des mm** frtil rntw wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Die .JnaWugise«- in der rlljMii Gesandtschaft. Die.Deutsche Tageszeitung" schreibt: »Die russische (bolschewistische) Gesandtschaft, die im Elite- Hotel ihren Sitz hat, wird vom Kriegsernährungsamt reichlich mit Nahrungsmitteln beliefert, und ihre Aufenthaltskosten tm Hotel werden durch die Reichskasse geleistet. Am Abend des 2. Mai fand nun in der Gesandtschaft — ebenfalls, wie uns bestimmt versichert wird, auf Kosten des Reiches — ein Fest statt, bei dem das trockene Gedeck 40 Mark kostete, dafür allerdings auch Kaviar enthielt. und neben Wotta Rheinwein, Rotwein und Sekt in recht beträchtlichen Mengen genossen wurden. An diesem Fest nahm eine Anzahl „unabhängiger" deutscher Sozialdemokraten teil. Der Abgeordnete Haase brachte einen Trtnk- spruch auf die rote Internationale aus, der von Herrn Joffe ln gleichem Sinne erwidert wurde. Erst gegen 3 Uhr morgens ging das Festen Ende. Das radikale Gefolge unserer „Unabhängigen" ersieht daraus, daß seine Führer, mcnn sich die Gelegenheit bietet, recht gut zu leben verstehen. Die Sache bat aber doch auch eine etwas ernstere Seite: denn die Ergebnisse des intimen Umganges mit den „Unabhängiges", deren Arbeit gegen das eigene Vaterland ja cinigermaßr n hetamti ist, tcnncn und werden zweifellos von dem Kurier der russischen Gesandtschaft unbehindert ins Ausland befördert werden, wo sic nur zu leicht unseren Feinden zur Verfügung stehen. Weshalb ein solcher Verkehr, dcr doch eigentlich wenig freundlich gegen das Deutsche Reich ist, Noch auf Kosten dcr Reichskasse geordert werden soll, ist nicht ganz leicht verständlich." Uns scheint, daß die deutsche Oeffcmlichkclt an dieser Mit. leiftmZ immerhin einiges Interesse habe. Die künftigen Getrerdepreise. Dcr „Reue Politische Tagesdienst" schreibt: Nach Erklärungen von zuständiger Stelle istttint der Festsetzung der neuen Getreidepreise in nächster Zeit noch nicht zu rechnen. Man wird zunächst die weitere Entwicklung abwartcn, und erst wenn sich einigermaßen der Ausfall der nächsten Ernte übersehen läßt, zur Reglung der Preise schreiten. Daß es zu einer Erhöhung der Getreidepreise über den bis- herrgen Stand kommen wird, darf als sicher gelten. Deutschland muß heute für seine Bezüge aus der Ukraine Preise zahlen, die unsere Getreidcpreffe um das Doppelte überschreiten. Der ukrainische Roggen kostet einschließlich Fracht 55 Mark für den Doppelzentner, der Weizen 65 Mark. In Frankreich stellt sich der Weizenpreis für inländisches Erzeugnis gegenwärtig auf fast 61 Mark. Die deutsche Getreidepreise sind bei weitem die niedrigsten in ganz Europa. Rach Ansicht der Produzenten find sie so niedrig, daß sie die Erzeugungskoften nicht mehr decken. Nach Berechnungen von sachverständiger Seite stellten sich im Jahre 1914 die Betriebskosten für einen Morgen Acker auf 110 Mark, im vergangenen Jahre auf 200 Mark. Es kommt hinzu, daß für andere Erzeugnisse als Getreide weit höhere Preise zu erzielen sind als für Getreide. Im preußischen Abgeordnetenhaus ist darauf hingewiefen worden, daß für Gemüse der zehn- bis zwanzigfache Ertrag erzielt wird, wie aus dem Getreidebau. Eme der erfolgreichsten Gemüsearten, die Mohre, bringt beispielsweise aus dem Morgen 2000 bis 3000 Mark gegenüber dem Ertrag des Getreides von 150 bis 200 Mark. Unter diesen Umstünden wäre damit zu rechnen, daß ein Rückgang im Getreideanbau eintreten wird, wenn nicht durch eine angemessene Erhöhung der Getreidepreise ein Ausgleich geschaffen^ wird. Ein solcher Rückgang muß im Interesse unserer Dolksernährung unter allen Umständen vermieden werden, auch für die Zeit nach dem Kriege, weil wir dadurch gezwungen wären, größere Mengen zu sehr hohen Preisen aus dem Ausland zu kaufen. Es liegt daher auch im Interesse der deutschen Verbraucher, wenn unsere Getreidepreise aus einen Stand ge. bracht werden, der dem Landwirt keinen Anlaß bietet, seinen Anbau einzuschranken. Zn sachverständigen Kreisen empfiehlt man einen einheitlichen Preis für alle Getreidearten und hält eme Hohe von nicht unter 35 Mark notweiMg, wenn er dem Etergen der Betriebskosten und dem Rückgang des Ertrages entsprechen soll. Zur Frrtternot! Es^ wird uns aus interessierten Kreisen geschrieben: Bei der herrschenden Knappheit an Futtermitteln ist der Landwirt gezwungen auf Stoffe zurückzugreifen, welche bei reichlich vorhandenen Futtermitteln bis heute nicht verwendet worden sind, genannt sei nur Reisig, verholztes Sttoh von Sämereien usw. Diese Stoffe müssen erst durch einen Trocknung^ und Mahlprcyeß für die tterische Ernährung geeignet gemacht werden und liefern dann vorzügliche Futtermittel, welche auch in späteren Friedenszeiten nicht wieder verschwinden werden, da sie uns vom aus- ländischen Import unabhängig machen. Für diese Zwecke sind nun nach meinen reichen Erfahrungen die Jrus°Mühlen der Jruswerke Dußlingen. I. Rilling und Söhne Dußlingen (Württemberg) qam besonders geeignet und ich wünsche denselben möglichst wette Verbreitung. Dr. I Albert Kgl. Oekonomierat, Gut Münchenhof Post' Quedlinburg. Hausftrchungen auf dem Fände. Wohl auf Veranlassung der demokratischen Reichstagsmehrheit schickt das Kriegsernährungsamt leider vielfach lln- terjuckungskommissionen, bestehend aus Orlspolizei, Soldaten und städtischen ZivUisten auf dem Lande umher, die nach ver- rrdnungswidrig verborgenen Lebensmitteln suchen sollen. Auf die Anfrage eines Bundesmitgliedes, wie man sich diesen Kam. Missionen gegenüber zu verhallen habe, gab Rechtsanwalt Ernst Döttger in der „Deutschen Tageszeitung- (170). folgeades Rechtsgutachten ab: „Die Tätigkeit der Kontrollkommission stützt sich auf die Bundesratsverordnung vom 12. Juli 1917 über Auskunftspflicht. Die Mitglieder dcr Kommission sind Beauftragte, deren Befugnisse dahin begrenzt sind, daß sie „zur Ermittlung richtiger Angaben die Geschäftsbriefe und Geschäftsbücher einsehen, sowie' Betriebseinrichtungen und Räume besichtigen und untersuche?» dürfen", in denen a) Vorräte erzeugt, gelagert oder ferlgehalten werden, b) Gegenstände zu vermuten sind, über welche Auskunft verlangt wird. Diese Bundcsratsverordnung ist an die Stelle der Bundes- rarsverordnungen vom 2. Februar 1915 und 3. September 1915 getreten. Das Wort „Räume" ist durch 8 4 der Bundesiatsver- crdnung vom 3. September 1915 an die Stelle des Wortes „Vor- ratsrämne" gesetzt worden. Hiernach dürfen allerdings auch solche Räume bcsichtitt und untersucht werden, die nicht zum lsndwirkschoftlichcn Dettieb und zur Aufbewahrung von Vorräten benutzt werden. Wohl aber ist die Besichtisung und Untersuchung solcher Räume begrenzt, indem zur Vorbedingung für ihre Besichtigung und Untersuchung gemacht ist, daß „G^enstände darin zu ver. muten find, über welche Auskunft verlangt wird". Sie haben infvlgcdcffn das Recht, bevor Sie der Kommission das Betreten dcr Wohn- und Schlafräume gestatten, zu fordern: 1. Bezeichnung der Gegenstände, über welche die Kommission Auskunft verlangt. Gibt die Kommission an. sie wünsche die Kartoffelbestände zu ermitteln, oder die noch vorhandenen Mengen an Hafer, so können Sie erklären, diese Gegenstände befinden sich nicht ln meinen Wohnräumeu. Verlangt darauf die Kommission gleichwohl die Wohn- räume zu besichtigen und zu untersuchen, so haben Sie das Recht, 2. zu fordern, daß Tatsachen angegeben werden, aus denen zu schließen ist, daß entgegen Ihrer Erklärung solche Vorräte sich in den Raumen befinden. Ich bemerke, daß ich den Begriff „vermuten" ausleae nach 8 103 der Strafprozeßordnung. da ja der Landwirt infolge der B. O. über Auskunftspflicht juristisch dem Verbrecher gleichgestellt ist. der einer Sttaftat dringend verdächtig ist. Wird von der Kommission erklärt, daß bei anderen Landwirten derartige Vorräte in dcr Wohnung gefunden worden seien, so begründet diese Erklärung noch nicht eine Vermutung, daß das auch hier der Fall fein müsse, und Sie können die Besichtigung und Untersuchung verbieten. Anders liegt dagegen der Fall, wenn von Ihren Angestellten der Kommission angegeben worden ist, daß solche Vorräte in den Wohnräumen der Küche oder in der Speisekammer gesehen worden seien. In letzterem Falle müssen Cie die Besichtigung und Untersuchung gestalten. Die Untersuchung unterscheidet sich aber von der Durch, suchung im Sinne der Strafprozeßordnung. Während die Durchsuchung sich auf das Oeffnen von Behältnissen. Schränken, gegebenenfalls sogar auf das Aufreißen von Dielen. Durchstechen von Betten erstreckt, kann das Untersuchen nicht soweit gefaßt werden, daß ein Oeffnen der Schränke und Kästen verlangt wird: denn § 4 spricht nur von Untersuchen der Räume. Zu den Raumen gehören aber nicht die Gegenstände, die in den Raumen stehen. § 102 der StrafprozeN-rdnung gestattet die Durchsuchung nicht nur der Räume, sondern auch der den „verdächtigen Personen" gehörenden Sachen. Zu diesen „Sachen" gehören natürlich die Kästen und Schränke. Auf die Untersuchung von Sachen hat aber die Dundesratsverordnung die Auskunftspflicht irr der Wohnung nicht erstreckt. Hält sich die Kontrollkommission nicht an die vorstehend gezeichneten Grenzen, so steht Ihnen das Recht zu. Strafantrag zu stellen wegen Hausfriedensbruch und ferner auf Grund des 8 339 St. G. B. Strafanzeige wegen Mißbrauch der Amtsgewalt zu erstatten." Kirchliche Nachrichten. Sonntag Exaudi. 12. Mai 1918. Gottesdienst in der Stadtkirche. Vormittags 9% Uhr. Herr Direktor Scho eil. Abends 8K Uhr: Herr Kandidat Petri. Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst. Herr Pfarrer Ritt er. Nachmittags 2 Uhr: Katechismuslehre für die männliche Ingens. Herr Pfarrer Kleberger. Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach. 10 Uhr: Gottesdienst. Anschließend Katechismuslehre für die Jünglinge. * * Katholische Gemeinde, ß Sonntag nach Ostern: 12. Mai 1918. Veichtgelegenheit am Samstag von 5 Uhr an und Sonntags früh von 6 Uhr. Uhr: Frühmesse. 8 Uhr: Hl. Messe. K10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 25* Uhr: Herz-Maria-Bruderschafts-Andacht mit Segen. Um 1 Uhr: Versammlung der Iünglingsvereins. Abends 8 Uhr: Mai-Andacht. Während der Woche um 5*7 Uhr und 7 Uhr hl. Messe. Mittwochs um 7 Uhr: Hl. Messe in der St. Georgskapelle Freitag abends 8 Uhr: Kriegs-Andacht. Nach dem Hochamt Ausgabe von Büchern aus der Borro« mäus-Bücherei. Geschäftliches. Jeder darf radfahreuk Das Radfahren war me bei* boten, nur einen verkehrfreien Reifen muß man haben, Ein solcher ist der von der Firma S ch l a w e, Berlin, Weinmeisterstraße 4 zu beziehende, der zu Tausenden in Gebrauch ist, denn er ist praktisch, dauerhaft und leicht cmfzu^ legen. Wer also sein Rad wieder mit Vergnügen jlchwz finfy schreibe sofort der genannte» Firma.