Dummer 103 Donnerstag, den 2. Mai 1918 11. Iayrgau>. vie ..Irene Taoesreitung" ericheint Zeden Werlta^. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer aus Hessen", „Die Spiunssnbe". Kerugapreia: Bei den Postanstalten vienellätirlich Akk. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Anenten monatlich 86 Pfg. einschließlich Trägerlolin. Anzeigen: Grund^eUe 26 Psg., lokale 20 Psg^ Anzeigen von auswärts werden durch Po lnachnahme erhoben. E «uUuWsorl Frievbera. SchriMeitung und Merlan vriedberg lHesten). ^anauerstrage 12. Fernlvretzer 48. Poitj heck-Tanto Nr. 4369. Amr Frankfurt a. M. Klutze Uerluße kt Irait?o|nt bei vergebliche« Achime». Die Festung Wykorg in Finnland und Thcodosta in der Krim deicht. — 28000 Tonn?« verdenkt. Das Dienstpflichtgejch für Irland Zurückgestellt. — Der -reustijchen Fahlrechtsderatnng Zweiter Tag. ~ - - Der deutsche Generalstad r .-= meldet: .. W. T. S. Grotzes gattptqnartirr, drrr L. Mat. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. In Flandern lebte der Feuerkampf in den Abschnitten von Joker und Dranoeter zu größerer Heftigkeit auf. Frisch in den Kampf geworfene französische Kräfte versuchten vergeblich gegen Dranoeter vorzudringen. Ihr mehrfacher Ansturm brach in unserem Feuer zusammen. Auf dem Schlachtfelds beiderseits der Somme führten wir erfolgreiche Unternehmungen durch. Vorstöße in die feindlichen Linien westlich von Norwn und über den Oife-Aisne-Kanal bei Laresnes brachten mehr als 50 Gefangene ein. to der übrigen Front nichts von Bedeutung. Osten. Finnland. In verzweifelten Kämpfen versuchte der Feind unsere Linien nordöstlich von Tavastehns und bei Lahti zu durchbrechen. Unter schwersten Verlusten wurde er zurückgeschlagen. Finnländische Truppen haben dle Festung Wiborg genommen. Ukraine. In der Krkm haben wir Theodofia kampflos besetzt. ^ Der Erste Generalquartiermeistee: Ludendorff. Aliendbericht. Berlin, 1 Mat, abends. (WTB Amtlich.) Don den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der österreichische Generalstab -.= meldet: =- Wlen, 1. Mai. (MTV.) Amtlich wird verlaritbartt Die regere Kampftätigkeit an der Südwestfront hielt auch gestern tagsüber an. An vielen Stellen wurden italienische Erkundungen vereitelt. T$?] r ;3 Der Chef des Geueralstabes. ■ ■ ■ -- - Der bulgarische Generalstab |l =- meldet: - 7 Sofia, 30. AprU. (WTB.) Generalstabsbericht. Mazedonische Front: Im Westen des Prespasees und bei dem Dorfe Rapofch im Cernabogen beiderseitige Artillerletätig- kett, zeitweilig heftiger in der Gegend von Moglena. Im Süden des Dorfes Tuschin vertrieben wir durch unser Feuer eine Patrouille. Im Süden von Gevgheli war die feindliche Artille- rietätigkeit lebhafter. Auf dem rechten Ufer des Wardar fand ein Patrouillengesecht statt. Mir brachten französische Gefangene ein. Oestlich des Wardar hält das feindliche Artillerie- jeuer auf unsere Stellungen mit unverminderter HeftigkHt an. Im Westen des Sees Butkowo zerstreuten wir mehrere feindliche Jnfanteriegruppen. Dobrudschafron!: Waffenstillstand. 28000 Tomren versenkt. Berlin, 30. April. (WTB. Amtlich.) Im Sperrgebiet um England wurde der Handelsverkehr unserer Feinde durch die Versenkung um 28 000 Bruttoreaistertonnen schwer geschädigt. Hauptanteil an diesem Erfolg hat Oberleutnant z. S. Steindorff. Das von ihm befehligte Boot versenkte im Aermel- krnal allein 6 Dampfer mit zusammen 23 000 Tonnen. 'Alle Dampfer, darunter zwei Schiffe von je 5000 Tonnen, waren tief beladen und stark gesichert. Zwei Dampfer wurden aus Geleitzügen herausgesibosten. Es kann mit Sicherheit angenommen werden, daß mit den Ladungen der versenkten Schiffe wiederum wertvolles Kriegsmaterial in großen Mengen für den Feind vernichtet wurde. Y Der Chef des Admiralstabs der Marine. Die Schlacht im Westen. Die gewaltige Beute. Berlin, 30. April. (WTB.) Mit der Eroberung des Kem- melmassivs hat sich die deutsche Beute in der Westschlacht bis zum 1. Mai auf über 127 000 gezählte unoerwundete Gefangene und über 1600 Geschütze gesteigert. Besonders erwähnenswert ist, daß die am Kemmel eingebrachten Gefangenen zum ganz überwiegenden Teil den Elitedioisionen der französischen Ar. mee angehören. Auch die nach vielen Tausenden zählende Maschinengewehrbeute ist wiederum um einige hundert vermehrt worden. Am 29. April um 11 Uhr vormittags versuchte ein feindliches Geschwader am Kemmelberg die deutsche Luftsperre zu durchbrechen. Nur drei Flugzeugen gelang es, hinter die deutschen Linien zu kommen, wo ein gut liegendes Flakfeuer und eine herannahende deutsche Jagdstaffel sie zersprengte. Sie tauchten in den Schutz tiefhängender Wolken herunter und mochten kehrt. Der Kampftag des 29. April ist dadurch besonders bemerkenswert, daß einige schwere feindliche Batterien um die Mittagszeit an mehreren Stellen deutsche Lazarette beschosien. In der Gegend von Messen wurde durch eine Granate ein durch das Rote Kreuz weit erkennbares Lazarett beschädigt. Auch bei Wytjchaete hielt der Feind den Verbandplatz eines Feldlazaretts dauernd unter Feuer. Da sich weder Truppen und Kolonnen noch Dalteriestellungen in der Nähe des Verbandsplatzes befanden, ist zweifellos erwiesen, daß der Feind absichtlich gegen unsere Sanitätseinrichtungen vorgegangen ist, obwohl ein solches Eebahren im offenen Gegensatz zu den Grundsätzen des Völkerrechts und der Menschlichkeit lieht. Die deutschen Aerzte und das Pflegepersonal erfüllten ttotz des schweren Feuers in unerschütterlicher Ruhe und treuer Pflichterfüllung die Aufgaben der Barmherzigkeit. * Die Blutopfer des Feindes. Jeder Quadratfuß, den England im Ppetnbogen verliert, untergräbt das Prestige und Die Maffenehre der Briten. Die schweren Kämpfe um den Besitz des Höhengeländes südwestlich von Ppern sind aus diesem Grunde erklärlich. Da die englischen Kräfte allein nicht meh? ausreichen, muß Foch hier rücksichtslos die besten französischen Truppen dem deutschen Ansturm entgegenwerfcn. So verbraucht er im britischen Intereffe immer mehr die Reserven Frankreichs. Am 29. April vormittags gewannen die Deutschen an mehreren Stellen der flandrischen Schlachtfront weiter Gelände. Der Feind leistete heftigen Widerstand. Er hatte die letzten Tage benutzt, um neue Kräfte, hauptsächlich Artillerie, von anderen Fronten heranzuziehen. Die am 29. April gemachten Gefangenen sagen aus, daß sie Befehl hatten, die vordersten Linien unter allen Umständen zu halten und keinen Fuß breit wichtigen Bodens den Deutschen preiszugeben. Die blutigen Verluste des Feindes waren, seiner verzweifelten Gegenwehr entsprechend, sehr schwer. Die Franzosen mußten schon nach kurzer Zeit eine frische an die Stelle einer vom deutschen Feuer erledigten Division einschieben. Hierbei erlit. ten sie abermals schwerste Verluste. Die feindliche Infanterie wurde von den deutschen Schlachtfliegern mit Maschinengewehren und Bombenwurf wirksam angegriffen. * ^ * Granatfeuer aus Poperinghe Basel, 1. Mai. Die englischen Frontkorrespondenten melden, daß Poperinghe seit 48 Stunden unter intensivem großkalibrigen Granatfeuer liegt Auch der Kanal von Poperinghe und die Zufahrtstraßen von Westen und Nordwesten nach Ppern liegen unter starkem Feuer. Zwischen Pser- und Ppernkanal geht ein Gcanathagel nieder. Am Kanal zwischen Furneß und Slpern liegt an mehreren Stellen Sperrfeuer. Widerstand bis zum Aerißersteu. Köln, 30. April. In einer Entschließung, die die irische parlamentarische Partei in einer Versammlung in Dublin gefaßt hat, heißt es: Einer Nation ohne ihre Zustimmung den militärischen Zwangsdienst aufzuerlegen, bildet eine der rohesten Handlungen von Tyrannei und Unterdrückung, deren eine Regierung sich schuldig machen kann. Daher verpflichten wir uns. allen Einfluß und alle Macht der Partei zu gebrauchen, um jeden Versuch der Einführung der Wehrpflicht zunichte zu machen. Haag. 30. April. (ZvTB.) Nach dem „Nicuwe Courant" teilt „Daily Telegraph" mit, daß Lord Midleton zum Lord- Lcntnant von Irland ernannt wurde. Die Kämpfe in Flandern am 30. April. Berlin. 1. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Auf dem Schlacht« selde in Flandern unternahm der Feind starke Angriffe gegen unsere Stellungen bei Langemarck und nördlich des Dorf« Kemmel und vor allem sechsmal hintereinander gegen unser» Linien westlich Dranoeter, die jedesmal unter ungeheuren blw Ligen Opfern restlos zusammenbrachen. Insonderheit mußten frisch rn den Kampf geworfene französische Kräfte bei Dranoeter um Englands Prestige aufs schwerste bluten. Die rücksichtslos durchgeführten Angriffe beweisen, wie wichtig für den Gegner die dort verlorenen Stellungen sind und trugen durch ihr? Ergebnislosigkeit und kostspieligen Anstürme dazu bei. die von der deutschen Führung beabsichtigte Zertrümmerung der feindlichen Heeresmacht zu beschleunigen. Nachdem bereits in der Nacht zum 29. und 30. und am Morgen des 30. 4. drei starke feindliche Angriffe gegen Dranoeter zum Teil im Gegenstoß ab- gewiefen worden waren, brach um 10 Uhr 30 vormittags ein neuer starker feindlicher Angriff gegen unsere Linien westlich Dranoeter vor, der im frontalen und flankierenden Ver- nicktungsfeuer schon vor den deutschen Infanteriestellungen zerschellte. Um 4 Uhr 30 nachmittags setzte schlagartig aufs neue starkes Artilleriefeuer zwischen Brulooze und. westlich Dranoeter ein. Dem starken Feuer folgte um 5 Uhr 15 nachmittags ein tiefgegliedertcr feindlicher Angriff, der ebenfalls unter schweren feindlichen Verlusten abgeschlagen wurde. Trotz der wiederholten Mißerfolge gab der Franzose seine verzweifelten Angriffs- versuche nicht auf. sondern trat an der gleichen Stelle gegen 10 Uhr abends nochmals mit starken Kräften zum Sturm an. Wiederum brach dieser nach schweren Blutopfern des Feindes vor den deutschen Linien zusammen. 30. 4. brachte den eingesetzten frischen Divisionen des Generals Foch eine schwere Niederlage. Berlin. 1. Mai. (WTB.) Bahnhof Hazebrouk lag am 29. April unter zusammengefaßtcm deutschem Feuer. Einwandfrei wurde starke Wirkung fest gestellt. Mehrere Brände sind beobachtet. Berlin, 1. Mai. (WTB.) An der Front zwischen Oise Lutz Avre setzten die Franzosen ihre fieberhafte Schanztätigkeit fort. Diese Arbeiten sind infolge des deutschen Feuers, das mit gleicher Heftigkeit auf den Anmarschwegen, den Ortschaften und Unterkünften und den Infanterie- und Artilleriestellungen liegt, für dle Franzosen mit außerordentlichen Verlusten verbunden. Die Franzosen erwidern vor allem das Feuer auf die Ortschaften und verwandelten bereits die Städte Montdidier, Noyon und Roye sowie zahlreiche Dörfer in wüste Trümmerhaufen. Dis französische Infanterie dagegen zeigt sich außerordentlich wenig- rege. Ihre Vorposten weichen den häufigen deutschen Patrouillenvorstößen mit Vorliebe aus. Eigene Patrouillen schicken die Franzosen nur in erheblicher Stärke aus. So wurde in der Nacht vom 28. zum 29. «in Stoß rupp in der Stärke von hundert Mann, der bei Chauny sich den deutschen Linien zu nähern versuchte, blutig abgewiesen und ließ mehrere Tote vor den deutschen Linien liegen. m i * /och erwartet Gntschcidnnq. Genf, 1. Mai. Das „Petit Icurnal" meldet: General Foch Hot einen Armeebefehl an die französische Armee erlösten, in dem von der bevorstehenden Entscheidung des Krieges die Rede ist. Italienische Perm i1nnge:i. Lugano. 30. April. Die Verzögerung der österreichische« Offensive erklärt man sich jetzt in militärischen und politische^ Kreisen Italiens folgendermaßen: Oesterreich wartet mit Absicht, bis die Deutschen im Westen die unmittelbare Verbindung zwischen England und Italien mit dem Vorbruch nach Calais und Dünkirchen gestört haben. Erst dann wolle Oesterreich zu einem tödlichen Stteich gegen Italien ausholen, welches von seinem Hauptlieferanten getrennt und auf sich selbst angewiesen, einer zahlenmäßigen Uebermacht in ungünstiger Stellung gegeniiberstehen würde. Daher sieht man in Italien den Er- cignisten von Ppcrn in atemloser Spannung entgegen. Es heißt wieder, daß Rom für den ärgsten Fall den Frieden nachfuche? würde. Amerika hilft — moralisch. Bern. 30. April. (WTB.) Die „Times" bringen folgende Zuschrift von Sidney Low' Diejenigen, die hoffen, daß die amerikanische Hilfe unsere unmittelbaren Schwierigkeiten beheben werde, sollten die Verhandlungsderichte des amerikanischen Senats vom 27. 9Jifctt leien. Der SenatsausiÄub kür mllitäriicbe Angelegenheiten vermchm eS^n nrtf fa D v rch fich r n ng 8» lFlugprogramms betrauten Offizier. der aussagte. daß -i-her mt ein Kampfflugzeug von Amerika nach Frankreich geschickt wurde. Senator Nero erklärte, daß von den 12 000 Flugzeugen, die Pershing bis zum 1. Juli erhalten sollte, nur 37 abliefe- rungsfählg sein werden. Senator Lodge stellte fest, daß in den der Kontrolle des Schiffahrtsamtes unterstellten Werften nur Zwei Frachtschiffe fertig gestellt sind, und datz es dem Kriegs- departement, obwohl es ein halbes Jahr mit Versuchen, einen verbesserten Typ eines französischen Feldgeschützes herzustellen, vertrödelte, nicht gelang, eine geeignete Waffe anzufertigen. so datz jede Kanone in Pershings Linien französischen oder britischen Fabriken entstammt. Ich halte es für wünschenswert, daß diese Aeutzerunqen und Berichte hier bekannt und verstanden werden. Wir freuen uns der moralischen Unterstützung des amerikanischen Volkes und hoffen, daß seine unendlichen Hilft auellen und unbesiegbare Energie unseren Sieg schließlich ent scheidend machen werden. Aber wir müssen verstehen, daß auf Monate hinaus die Bürde, die deutschen Angriffe abzuwehren, von Frankreich und England getragen werden muß. Die Atvilchkn — fjmfn drr Mm nach ssalgiß. Die..Neuen Zürcher Nachrichten" vom 27. schreiben über die grosse Schlacht in Frankreich: „Um den neuen grandiosen Sieg der Deutschen richtig zu würdigen, braucht man sich nur zu erin- nern, was Londoner und Pariser Blätter nach dem deutschen Siege von Armentteres unlängst schrieben. Damals hietz es. die Afsäre von Armentieres sei wohl unangenehm, aber strategisch ohne großen Belang. Strategisch wäre die Gefahr für Calais und für die Engländer ins Meere gedruckt zu werden, erst da. wenn die Deutschen sich in den Besitz der Kemmelhöhen setzeu könnten. Diese seien aber bis zur völligen Unsinnehmbarkeit befestigt Wre sicht es nun mit den seit bald 14 Tagen immer wiederholten offiziellen und offiziösen Versicherungen in London und Paris, die Deutschen hätten ihre Stoßkraft eingebüßt. ,rmd die durch die deutschen Erfolge entstandenen Lücken bei d-n ergenen Truppen seien an Mannschaft und Material wieder völlig ergänzt, so daß der Eeneralisstmus erklärt habe: ,Zch bin jzufrieden ? Wieder einmal Plagiate und nichts als Plagiate zur Betörung der eigenen Völker. Im Besitz der Kemmelhöhen sind die Deutschen jetzt, wenn auch nicht völlig, so doch in der Ha^rtsache Herren der Wege nach Calais und anderswobin. Nach den Gefangenen beständen zu urteilen waren es übrigens E die Engländer, sondern die Franzosen, die die Zeche beim Kemmelberg? zu zahlen hatten. Will Frankreich wirklich seine letzten, prochtkgea und braven Truppen opfern, um die englische zu retten, vie doch rettungslos verloren ist? Will Frankreich ferner wirklich den Krieg weiterführen, nachdem die Fortführung mit feiner Seibstvernichtung gleichbedeutend ist? Denn was sich seit Monatsfrist im Artois und in Flandern abspielte, würde auch bei Paris. in der Champagne und tn den Vogesen kommen. Dann heiße es aber für Menschenalter „Fints Galltae"? rMmkretch wäre so entsetzlich verblutet, daß es Handelsverttags. künsigungen füglich zu unterlassen hatte, wett Handelsverträge mtt ihm kaum noch besonderen Wert besäßen. Der beste Franzose ist heute der. der seinem Lande -u einem raschen Waffenstillstand wtt Deutschland tat* öffentlichen, ber ftr 8 er ukrainischen Presse erckßM wredrv- gegeben wurde, was Beunruhigung im Lande «nd kn der Kaba einen Protest hervorrief. ES ergaben sich sogar An- -eichen, daß Mitglieder der Regierung selbst sich an der Akttcm gegen uns beteiligten. Unter diesen Verhältnissen gewann die willkürliche Verhaftung des Direktors der Russischen Bank Dobry eine besondere Bedeutung. Dieser wurde ohne hinreichende Erklärung im Namen des Bundes -ur Befreiung der Ukraine in seinem Quartier überfallen und^ weggeschleppt. Zu Hilfe gerufene Milizsoldaten der Regierung weigerten sich, ihn zu schützen; sein Aufenthalt ist zur Zeit noch unbekannt Dobry war als ukrainischer Finanzsachverständiger mit den dertschen Mitgliedern der Wirtschaftskomnlission in enge Fühlung getreten und hatte sich große Verdienste um die sachgemäße Zusammenarbeit mrt der deutschen und österreichischen Delegation erworben. Außerdem liefen Nachrichten um, daß weitere Verhaftungen folgen sollten. Zugleich mehrten sich die Anzeichen für den Verdacht daß dieVerhaftung von Mitgliedern der Regierung selbst ausgegangen war. Dieser Entwicklung der Dinge konnte das deutsch Oberkommando nicht ruhig zusehen. Der Gewaltakt bedeutete den Wiederbeginn der Anarchie, und die Negierung hatte fick als zu schwach erwiesen, die Rechtssicherheit in Kiew zu schützen. Feldmarschall v. Eichhorn verfügte daher im Einverständnis mit dem Kaiserlichen Bot- sckxrfter Frhrn. v. Mumni zur Sicherung der Stadt Kiew be- sondere Maßnahmen, die im wesentlichen auf die Einsetzung von Militärgerichten und strenge Bestrafung allgemeiner Verbrchen und Androhung schwerer Strafen gegen jede Störung der öffentliftjcn Ordnung ndzielten. Inzwischen war die Untersuchung des Falles Dobry bereit? einem dent- scheu Militärgericht übertragen worden. Sie führte u. a. zu der Verhaftung des Kriegsministers Schukowski. des Ab- teilungschefs . im Ministerium des Innern Dajewski, der Frau des Ministers Tkatschenko, des Kommandanten der Stadtruiliz Vogazki und des Abteilungschefs im Mini- sterium des Aeußern Ljubinski. Die gerickckliche Untersuchung wird fortgesetzt ^ntziilchn Aeliihrki nnrSi Indien. HarnbsrT. 29. April. Das .Hamburger Fremdendlatt" meldet aus Rotterdam- Reuter veröffentlicht eine Botschaft des Komgs von England an den Vizekönig von Indien, worin es Heißt: Ich erfahre mit Genugtuung, daß die regierenden Fürsten und Häupter, die Vertteter der Provinzregierungen und die Führer aller Rangstufen und Klassen, sowohl Europäer als Indier, in Delhi Zusammenkommen, um die Treue des indi- ' nü T° Ue * Unb ^inen entschlossenen Willen zu zeigen, mit aller Kraft und allen ihm zur Verfügung stehenden Hilfsmit. teln den Krieg fortzufetzen. den unsere Feinde mutwillig her- Lcigesührt haben und den sie unbarmherzig gegen die Freiheit doi W.lt fuhren. Wie -roß Indiens Beitrag an der g-m-in- schaftlichen Sache auch sein würde, so steht er doch keinesfalls rm Verhältnis zu seinen Hilfsmitteln und seiner Kraft. Es freut mich, zu wissen, daß die Entfaltung dieser Hilfsmittel und ein ausgedehnterer Gebrauch seines Menschenmaterials die erste Sorge dieser Konferenz sein wird. Die Not des Reiches ist eine Gelegenheit für Indien, uns zu zeigen, was es zu lechen vermag, und ich vertraue darauf, daß das indische Volk unter der sicheren Leitung seines Vtzekönigs in seiner Kraftanspannung nicht erlahmen wird. Die jüngsten Ereignisse an der Westfront haben den Kampf härter und andauern- ^'chMig wird die Lage im Osten bedroht durch Ruhestörungen in Asien, welche durch unsere Feinde an- gestiftet werden Es ist von stets größerer Bedeutung, daß J"«*wStungenmtfmr Heere in Aegypten. Palästina und Mesopotamien zum großen Teil von Indien unterstützt - Rußland. Entwaffnung der Anarchisten. Moskau, 23. Aprit fWTB.) Verspätet eingetroffen. Reutermekwng. Die Entwaffnung der Anarchisten tn Peters- bürg erfolgte gestern ohne Widerstand. D e fütfntf mil> die (frcipifle in Sibirim. 30. April. Nach einem verspätet eingetroffenen Petersburger Havasbericht machte der französische Gesandte Nou. wns den Journalisten folgende Erklärungen über die Ereignisse tm fernen Osten: „Die Landung japanischer Truppen in Wladiwostok ist das Ergebnis der dortigen, schon lange unruhigen Lage. Dieses Eingreifen war durch die Unsicherheit, in der sich die Angehörigen der alliierten Mächte befanden, bedingt Die Alliierten können dem Erfolg der Deutschen und Oesterreicher sowohl tm Norden wie im Süden nicht gleichgültig gegenüber- stehen. Diese Erfolge überschreiten alles, was man nach dem Friedensschluß voraussehen könnte. Deutschland will seinen ökonomischen Einfluß auf ganz Rußland ausdehnen. Dazu suchen Oesterreich-Ungarn und Deutschland vermittelst ihrer Kriegsgefangenen tn Sibirien Kolonisationszentren zu errichten. Die Alliierten müssen gegen dieses für sie und noch mehr für das russische Volk gefährliche Vorhaben auftreten. Wenn die Alliierten zu militärischen Maßnahmen Zuflucht nehmen, so werden sie es nur in ihrer Eigenschaft als Verbündete tun. ohne sich in die inneren russischen Angelegenheiten einzu-' mischen." Roosevrlt als Kriegslrrttiker. Der früher, Präsident Rooseoelt schreibt in einem Vrtefti a» de» JtanJo« City Star", der in der „Atlanta Constitution" veröffentlicht worden ist: „Die Vereinigten Staaten befinde» sich bereits feit einem Jahre im Kriege mit Deutschland. Ja dieser Zeit ist es ihnen nicht gelungen. Deutschland irgeick» wel* chen Schaden zuzufügen. Dagegen haben die Vereinigten Staaten selbst während dieser Zeit, und überhaupt seit Ausbruch de» europäischen Krieges, bedeutenden Schaden erlitten. Geleistet haben die Amerikaner bisher noch herzlich wenig, aber gelitten haben sie schon sehr viel. Alle diese Leiden hätten sie sich ersparen können, wenn sie nicht das unglückselige Wort „abrvarten" auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Der Mangel an Bereitschaft, mit denen die Amerikaner ununterbrochen den plattesten Phrasen zugehört haben, sind der Grund dafür geworden, daß die Vereinigten Staaten heute militärisch völlig unfähig und daß sie wirtschaftlich ganz aus der Ordnung gekommen sind. Es kommen hinzu: Mißtrauen in der Geschäftswelt Unruhen in den Arbeilerkreiftn, Kohlenmangel. Verkehrsstockungen aller Art und vor allen Dingen die kaum glaubliche Schließung von In- duftrie-Anlagen zu einer Zeit, in der deren Produktion auß das höchste gesteigert werden sollte." Noch schärfer, als Expräsident Noosevelt urteilt das „Engineering and Mining Journal" Uittcrschlagmigen Dratiarms. Wien, 30, April, Das rumänische Kriegsministerimn rmwrsucht die Unterschlagungen Bratianus in Höhe von elf Millionen Lei anläßlich des Ankaufs eines russischen Depots. kgg Dikntzßjchtgcjktz für Irland ansgelcholikn. Haag, 1. Mai. Reuter meldet aus London: Ein königliches Irland 0Cr ^ U6t Mc Ausführung des Dtenstpflichtgefetzes für „Daily News" meldet dazu: Die Regierung hofft, in der nächsten Woche tm Unterhause dss Homerulegesetz vorzuleaen. und will zunächst die Wirkung der Homernles abwarten. Kaiser Karls im Großrn Kanpilinartitt Wie der Korrespondent der ..Berl. Morgenpost" erfährt wird Kaiser Karl in der nächsten Zeit, vielleicht in etwa vrerzehn Tagen, in Begleitung des Ministers Baron Burian ins deutsche Große Hauptquartter reisen, um den Kaiser zu Besuch hat zweifellos weittragende politische Bedeutung, und man geht in der Annahme kaum fehl, daß bet den bevorstehenden Besprechungen grundsätzliche Fragen Mr Erledigung gelangen werden. __ '■- ■■ ... - ... v §ie Kindtnbnrgbrilckk bei Meshcim. Berli«, 30, April. (WB. Amtlich.) S, M, der Kaife, hat an S, Kaiserliche und Königliche Hoheit den Krön- pnnzen folgendes Telegramm gerichtet: „Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit dem Kronprinzen. Es ist mir eine große Freude, dir mitzuteilen, daß ich heute befohlen habe, daß die Rhein-Eisen- bahnbrucke be, Engers, welch«, in großer Zeit erbaut, der Landesverteidigung wichtige Dienste leisten soll den Namen Kronprinz-Wilhelm-Brücke führen soll. Die Verwaltung der preußischen Staatseisenbahnen. welche inir den Vorschlag gemacht hat. will dadurch dankbar deinen Namen als Heerführer verewigen." Die gleiche Ehrung hat Seine Majestät der Kaiser dem Genera,feldmarschall v, Hindenburg zuteil werden lassen, indem er die Rheinbrücke bei Rüdesheim nach ihm benannte, und dem Ersten Generalquartiermeister General der Infanterie Luden dorff, dessen Namen die Rhein- brücke ber Remagen tragen soll. Deutscher Reichstag. ^ Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung eines Gesetzentwurfs über die Aufhebung des 8 153 der Ge- Werbeordnung. Abg. Becker-Arensberg (Ztr.): Durch die Vorlage soll eme gesetzliche Bestimmung beseitigt werden, die von den Arbeitern als eine Ausnahmebestimmung empfunden wlrd. Während Unternehmer nur in ganz wenigen Fällen auf Grund des § 153 der Gewerbeordnung bestraft worden sind, sind Arbeiter in tausenden von Fällen daraufhin mit Gefängnis bestraft worden. Wir werden dem Gesetzentwurf zustimnien und zwar auch ohne Kommissionsberatung in allen drei Lesungen. Abg. E b e r t (Soz.): Wir begnißen den Entschluß der Neglerung, daß endlich mit einem Ueberbleibsel aus der Zeit Koolitionsverbots aufgeräumt werden soll. Zweifellos ist dieser Paragraph ein Ausnahmegesetz. Mit der glatten Erledigung des Entwurfes sin- wir einverstanden. Abg. Dove (VptF: Wir stimmen der Aufhebung dieser Bestimmung zu. Abg. Dr. Junck (Natl.): Eine Minderheit meiner Partei lmt Bedenken gegen die Aufhebung dieser Bestimmung, die Mehrheit stimmt ihr zw Abg. Schiele (Kons.): Es handelt sich hier nicht nur um eme sozrale Angelegenheit, sie ist vielmehr politischer Natur. Deshalb müssen wir genau erwägen, ob eine Aufhebung des Paragraphen unbedingt das Nichtige ist ES soll doch nur ein unwürdiges Mittel im wirtschaftlichen Karnpf beseitigt werden. Erstaunlich ist die Fixigkeit, mit der die Regierung den Entwurf eingebracht hat. Wir haben schon Ansätze für die Verquickung gewerkschaftlicher Inter- essen mit politischen. Von einem Ausnahmegesetz kann keine Rede sein. Eine Ausnahme wäre eS aber, wenn maq einzelne dem Terror der Derrufserklärung lisw. autzsetzH DaS ist bei Arbeitseinsielltmaen von arößter Mcktiakeit- Uc LohnWmpse werden- verWrft, tfc Arbertgeber Vev«- ilaßt werden, sich zu organisieren. Abg. Behrendt (Dtsch. Frakt.): Selbst Frhr. von Stumm ist seinerzeit für die Aufhebung der Ausnahmeparagraphen eingetreten. Die christlichen Gewerkschaften stimmen ihr zu. Damit schließt die erste Lesung. Es folgt die erste Lesung des Arbeitskainmergesetzes. Staatssekretär Freiherr von Stein: Die unbeugsame Entschlossenheit, auch im wirLsc!?afl!lchen Kampf zu siegen, verschließt uns nicht der Eintu . daß der Weg zu diesem Ziele ein dornenvoller ist. Bei u-neren Feinden verstummt nicht der Wille, uns auf diesem Gebiete zu ver- Nichten. Der Entwurf hK schon einmal dem' Reichstage vor- gelegen. Er ist aber da in der Beratung stecken geblieben. Die neue Vorlage baut sich auf der alten Basis au,. Abg. Schiffer-Borken (Ztr.): Die Forderung von Arbeitskammern wird von den Gewerkschaften erheben. Wir begrüßen den Entwurf mit Genugtuung. Uber die Frage, besondere Kammern für technische und kaufmännische Angestellten geschaffen werden sollen, wird eingehende Prüfung erfordern. Auch die Frage der Eisenbahnarbeiter ist zu prüfen. Abg. Legien (Soz.): Auch dieses Gesetz ist vom Geiste des Mißtrauens und der Bevormundung wie alle Arbeitergesetze diktiert. Die Wünsche der Arbeiterorganisationen sind völlig unbeachtet geblieben. Auch die Landarbeiter werden als minderen Rechts nicht in das Gesetz einbezogen. Abg. Wein Hausen (Vpt.): Der Entwurf bedeutet ein tüchtiaes Stück Neuorientierung, indem den Arbeitern eine öffentlich-rechtliche Vertretung gegeben wird. Abg. Jckler (Natl.): Als Gegengewicht für die fehlenden Streiks müßten den Staatsarbeitern erheblich höhere politische Rechte gewährt werden. Ab 7 . Wildgrube (Kons): So tiefe Interessengegensätze. rrie sie non den Gewerkschaften stets verkündet werden, gibt es zwischen Unternehmertum und Arbeiterschaft überhaupt nicht. Wir wollen zusammenführen. ober nicht trennen. Wir werden an freudiger Mitarbeit nicht hinter den anderen Parteien zurückstehen. Abg. Behrens: (D Frakt.): Es ist erfreulich, daß der Gesetzentwurf endlich gekommen ist. Die Landarbeiter dürfen nicht in der sozialen Gesetzgebung vernachlässigt werden. Dies führt zur Landflucht. Schluß gegen Uhr. Preußisches Abgeordnetenhaus. (Sitzung vom 1. Mai.) Die zweite Beratung der Wahlrechtsvorlage wird fortgesetzt. Abg. Dr. Lohmann (Natt.): Ich spreche nur für die Hälfte meiner Fraktion (Lachen links.) Diejeniger meiner Partei, die hinter mir stehen, halten fest an dem Widerstand gegen die Vorlage der königlichen Staatsregierung. (Bravo rechts) Das gleiche Wahlrecht würde den Einfluß der Polen im Abgeordnetenhaus vermehren. Es wurde vor allen Dingen dahin führen. daß die Sozialdemokratie, die Polen. Dänen und Welfen die Mehrheit erlangen würden. Wir müsien auf jeden Fall damit rechnen, daß wir im Abgeordnetenhaus in absehbarer Zeit eine sozialdemokratisch-freisinnige Mehrheit gekommen. Wir müsien damit rechnen, daß die Sozialdemokraten in Zukunft hinsichtlich der nationalen Fragen sich anders verhalten wie während des Krieges. Das gleiche Wahlrecht wird in starkem Motze eine Nückwirkunz auf die anderen Bundesstaaten und die Gemeinden ausüben. Die Einführung des gleichen Wahlrechts für die Gemeindewahlen wird die unabweisbare Folge fein. Wae die Polenpolitik betrifft, so leugnen die Polen selbst nicht, daß Preußen ein nationaler Staat ist. An diesem wollen wir durch eine Aenderung des Wahlrechts nicht rütteln lassen. Diese Bedenken bestimmen uns, an dem Widerstand gegen die Regierungsvorlage festzuhalten. Wenn es nach Ablehnung der Regierungsvorlage zu einer Auflösung des Hauses kommen würde, so glauben wir. daß bet der Stimmung der großen Masie i» dieser Zeit der Ausgang des Wahlkampfes nicht zweifelhaft fein wird. Aus dieser Erwägung heraus haben wir den Antrag gestellt (Antrag Lohmann), wonach das Mehrstimmenwahl- recht auf nur eine Mehrstimme beschränkt werden soll. Ich hoffe, daß die Negierung geneigt sein wird, über diesen Antrag in Verhandlungen einzutreten. Wir sind durch die Iulibotschast in eine üble Lage geraten. Die Regierung beruft sich auf bas Königewort. Die königliche Botschaft ist aber ein Regierungs- okt wie jeder andere Regierungsakt. Wir sollten den schweren politischen Kampf nicht verschärfen,. Preußen würde auch unter dem gleichen Wahlrecht nicht zugrunde gehen, aber wir wünschen, daß Preußen zu neuer Blüte und neuer Kultur gelangt, die durch die Demokratie nicht gewährleistet wird. Ich bitte um Annahme meines Antrages. (Beifall bei einem Teil der Ra- tionalliberalen und rechts.) Minister des Innern Dr. Drews: Wir stehen in einem Kampf politischer Meinungsverschiedenheiten schroffster Art. Das Staatsministerium schöpfte die Ueberzeugung aus der politischen Lage, daß das gleiche Wahlrecht durchgebracht werden müsse. Das ist die Ueberzeuguna ehrlicher Männer. Der Antrag Lohmann ist unannehmbar für dif Regierung, weil auch darin das vlutokratifche Element zum Ausdruck kommt. Der Ministerpräsident Hai bereits gestern darauf hingewiesen, daß. wenn das gleiche Wahlrecht jetzt abgelehnt würde, später ein noch radikaleres folgen würde. (Ruf rechts: Wir haben keine Angst?) Ich verbitte mir ganz energisch, daß mir der Vorwurf der Feigheit gemacht wird. (Bravo links.) Wir fühlen uns verpflichtet, darauf zu bestehen, daß nur das gleiche Wahlrecht dasjenige fein kann, welches bei einer Aenderung des jetzigen Zustandes etngesZhrt werden kann. (Beifall links. Zischen »rechts.) Abg. Dr. P schatte (Vpt.) : Wir habe« das gleiche Wahlrecht la ganz Süddeulschland. ln einige« mitteldeutschen Städten «vd im Ausland in kleinen und großen Staaten. Das gleiche Wahlrecht kommt, es ist nicht aufzuhalten. (Beifall bei der Volkspartei.) Abg. Lüdicke (Freikonf.): Wir sind alle einig in der Ueberzeugung. daß das gleiche Wahlrecht Preußen nicht zum Segen gereicht. Die große Mehrheit meiner Partei wird gegen das gleiche Wahlrecht stimmen, das nach unserer Auffassung den Bestand des Preußenstaates zu gefährden geeignet ist. Die königliche Willenskundgebung macht uns nicht frei von der Pflicht, gewissenhaft zu prüfen, was wir mit den Interessen Preußens für vereinbarend halten. (Zurufe links.) Sie (nach links) haben kein Recht, an unserer Liebe zum König zu zwei-» seln Aber hier handelt cs sich um das Königtum als staatliche Einrichtung. Wir sind nicht bloß beMhtigt. sondern verpflichtet, nach unserer Ueberzeugung zu handeln. Wenn die Negierung zur Auslosung des Hauses aufgefordert wird, so erscheint cs mir außerordentlich zweifelhaft, ob die preußische Regierung die Verantwortung ans sich nehmen kann, mitten im Krieg einen Wahlkampf heraufzubeschworen. Das gleiche Wahlrecht in Preußen würde zum Parlamentarismus und zu einem Scheinkönigtum führen. Auch mit Rücksicht auf den Schutz des Deutschtums im Osten haben wir große Bedenken gehen das gleiche Wahlrecht. Ich erinnere nur daran, daß in der Kommission ein Pole internationalen Schutz für die Polen in der Ostmark gefordert und von einem widerwärtigen Preußenregiment gesprochen hat. Wir hegen die Befürchtung, daß das gleiche Wahlrecht auch das gleiche Städtewahlrecht tm Ge'olge haben wird. Wegen dieser Bedenken gegen das gleiche Wahlrecht haben wir uns für das Mehrstimmenwahlrccht entschieden. Für eine Verständigung mit der Regierung ist wenig Aussicht vorhanden. Wenn es zur Auslösung kommen sollte, so werden wir uns damit abfinden Das gleiche Wahlrecht lehnen wir ab. Abg. Hirsch-Berlin (Soz.): Das Pluralwahlrecht lehnen wir unter allen Umstanden ab. weil die Mehrzahl der Wähler dadurch entrechtet wird. Mir wollen das alte Preußen stürzen und e»n neues besseres aufrichlen (Beifall bei den Soz.) Abg. Ströbel lU. Soz): Die Konservativen wissen ganz genau, daß durch eine Auslösung ihre Partei aus dem Hause gefegt werden würde. Deshalb wollen Sie es auf eine rücksichtslose Machtprobe ankommen lasien. Die Weiterberatung wird auf Donnerstag 11 Uhr vertagt. Schluß K5 Uhr. Das Hilfst» ienstgeleh. Dieses merkwürdigste aller Krlegsgef^tze hat auch fein Gutes Je schärfer es seine Vollstrecker ausführen, um so mehr zeigt sich sein soziald-mokratisches Wesen, zeigen stch die Folgen, die da sind Stümperhaftigkeit. Stück- und Flickwerk, viel Ge- schrei und wenig Wolle. Massenweise wird Tinte verschrieben, wird Papier verbraucht. Man diktiert und kommandiert jeden zu einer Arbeit. Dle Leute sträuben stch oft, es kommt zu den heitersten Verhandlungen vor den Schlichtungsausfchüssen. Dort ist, wie man das nennt, erst das reinste Theater. Schließlich muß natürlich der Ausschuß Recht behalten, die Kommandierten gehen an die Arbeit, der Ausschuß hat einen Erfolg erzielt, er berichtet stolz, daß alle Lücken ausgefüllt sind und prahlt mit seinen Erfolgen. Wie sieht aber der Erfolg in der Welt der Tatsachen aus. Man halte einmal Umschau. Der und der sind im Hilfsdienst d. h. auf Deutsch, sie sind ihrem seitherigen Beruf, für den sie taugten, in dtzm sie etwas leisteten, entrissen, leisten jetzt dte Hälfte und noch weniger, drücken sich herum, machen andern Last und Aerger. Tatsächlich kostet die Durchführung des Hilfsdienstgefetzss einen großen Aufwand, im Vergleich zu dem das Ergebnis gleich Null ist. Wie im Hilfsdienst defaulenzt wird und was da all für Stückletn Vorkommen, darüber läßt sich später einmal ein ganzes Buch schreiben. Es hat aber das Gesetz, wie eingangs gesagt, das Gute, daß es uns praktisch die Undurchführbarkeit des sozialdemokratischen Programms vor Augen führt. Nicht nur der Zarismus ist kalt gestellt worden, auch der Sozialismus ist in diesem Krieg bis auf die Knochen blamiert und ad absurdum geführt worden d. h. er ist allen zum Ekel geworden. Ds?u Felde der Ehre. Södel. Dem Landsturmmann Wilhelm Petersohn, bei einer Trainkolonne tm Westen, wurde das Eiserne Kreuz 2 Kl. verliehen. — Unteroffizier Georg Schneider, seit Kriegs- teginn im Felde, z. Zt. im Osten, wurde zum Sergeanten beför» dert. Herzlichen Glückwunsch. Ans der Heimat. Dad-Nuuheirn. 36. April. Der Frau Postdircktor Zimmer und den Telegraphengehilfinnen Heil und K n y r i m sind in Anerkennung ihrer Verdienste für die Kriegsfürsorge das „Ehrenzeichen für Kriegsfürsor^ ‘ verliehen worden. Bad-Nauheim. Ein auswärtiges Ehepaar beabsichtigte hier einen längeren „Kur"-Aufenthalt zu nehmen, stellte aber einem hiesigen Fremdenheim, bei dem es wohnen will, folgende Bedingungen für die Verpflegung: Zum ersten Frühstück Kaffee mit Milch und Zucker, Butter, je 2 Eier, reichlich Brot und noch besonders Belag,' zum Mittag- und Abendessen u. a. täglich zu jeder Mahlzeit mindestens einen Fleischgang . . . Und so was nennt sich — Kurgäste. FO. Büdingen. 30. April. Es hat stch herausgestellt, daß vielfach Landwirte Nutz- und Zuchtvieh, insbesondere Spann, vieh- und Milchkühe bet der Aufbringung von Schlachtvieh verkaufen in der Erwartung, daß in die Schlachtviehliste bereits aufgenommene andere Tiere ihnen belasse« würden. Für die Folge werden die bereits in dte Schlachtvtehltste aufgengmme- «en Tiere nicht mehr von der Enteignung ausgeschlossen, weil dem Besitzer das nötige Spannvieh fehle, wenn inzwischen andere Tiere als Nutz- und Zuchtvieh veräußert werden. FC. Lich. 29. April. Die Leiche des Erbprinzen zu Solms» Ltch wird in einigen Tagen hier eintreffen. um auf dem Fürstlichen Friedhof beigesetzt zu werden Aus Starkenburg. Darmstadt. Der Vereinslazarettzug T. 1, der im November 1914 vom Hessischen Landesverein vom Noten Kreuz in Ve. trieb gestellt wurde, hat nunmehr feine 100. Dollfahrt vollendet. Durchschnittlich hat ein Antransport von 270 Verwundeten stattgefunden und läßt sich daraus beurteilen, welch außerordentliche Leistung im vaterländischen Dienste das Persona! vollbracht hat Don dem seit Beginn der Fahrten tätigen Personal sind hiute noch folgende Personen im Dienste: Sanitätsrat Dr. Makel Rechnungsführer Mayer. Apotheker Krauß. Schwester Vuß. Koch Poetfchke und Wagenaufseher E. Weil. Aus Hesse» Nassau. FC. Ans dem Regierungsbezirk Wiesbaden. 29. April. De, Bestand an Bäumen an den Bezlrksstraßen hat insofern ein, erwähnenswerte Aenderung in den Kriegsjahren erfahren, als haubare Wildbäuw.e — insbesondere Eschen — in größerer An- zahl zu Kriegslieferungen verkauft wurden, und zwar zu Preisen, die dle Friedenspreise weit überholen. Die Einnahme aus dem Obst der Straßeabäume war bei der überaus reichen Ernte und bei der ebenso außergewöhnlichen hohen Bewertung derselben cme sehr hohe Wahrend im Durchschnitt der Jahre 1912M4 nur 16 673 Mark, im Jahre 1915 42 116 Mark, im Jahre 1916 32 522 Mark für Obst vereinnahmt wurde, wurden im Jahre ,917 167 234 Mart erlöst, das sind bei einem Bestand von rund 20 000 tragfähigen Bäumen rund 6,35 Mark für den Baum. FC. Wiesbaden. 29. April. Daß der Fall von Rieder- Erlenbach. wo eine Frau von einem fahrenden Weibe sich die Zukunft sagen ließ und dabei betrogen wurde, nicht allein steht, zeigt eine Gerichtsverhandlung vor dem hiesigen Schöffengericht. Während seines Dienstes auf dem Marktplatz war einem Schutzmann das verdächtige Wesen einer Zigeunerin ausgefallen, die dann auch, als sie sich beobachtet sah. einen schweren Korb, den sie trug, in eine Ecke bugsierte. Dem scharfen Auge der Polizei war das nicht entgangen, die Zigeunerin mußte den Inhalt des Korbes dem Polizisten zeigen. Hier lag unter Spitzen verdeckt 10 Pfund geräuchertes Rindfleisch, zwei Vorderschinkeu und zwei 100 Markscheine, die sie in Vierstadt sich gekauft haben will. Die Nachforschungen ergaben folgendes: Bei der Landwirtsehefrau Katharina Kramer in Bierstadl war am Morgen die Zigeunerin Amalie Adam aus Okriftel gebürtig erschienen und bot Spitzen zum Verkauf an. Es kam zu keinem Kauf. Die Zigeunerin erbot sich nun der Landwirlsehefrau in die Zukunft zu sehen, doch sei sie dazu nur erst dann in der Lage, wenn vor ihr ein großes Stück Fleisch auf dem Tische liege, Frau Kramer stieg, der ..Zukunft" wegen in den Keller und holte etwas Fleisch. Jetzt erbat stch die weise Sibylle erst noch eine Tasse Kaffee auch dieser Wunsch sollte erfüllt werden. Für die Kinderchen der Zigeunerin packte die Landwirtin noch Kuchen ein, und nun wurde in die Zukunft geblickt. Al» die Adam das Haus verlassen hatte, fehlten der Landwirtsfrau 200 Mark aus einem Kasten, aus einem Nebenzimmer zehn Pfund Rindfleisch und die beiden Vorderschinken sowie Fett. Während dte Frau im Keller war und Kaffee holte, hatte stch die Adam das im Korb Vorgefundene Fleisch „eingehamstert". Heute nahmen die Schöffen die Adam wegen Diebstahl in eine Gefängnisstrafe von lechs Wochen. FC. Aus dem Regierungsbezirk Wiesbaden. 29. April. De, Eefamtbestand der am 1. Dezember 1916 vorhandenen abgabe. pflichtigen Rinder betrug im Regierungsbezirk Wiesbaden 231335 Stück oder 52 mehr als cm, 1. Dezember 1915. FC. Von der Maul- und Klauenseuche. Aus Anlaß der Maul- und Klauenseuche sind aus dem Rindvieh-Entschädigungsfonds im Rechnungsjahr 1910 in 16 Fällen für 18 gefallene Rinder 11 680.40 Mark Entschädigungen gezahlt worden, für milz- und rauschbrandkranke Tiere sind bisher in 38 Fällen im ganzen 37 818.62 Mark Entschädigung gewährt. FC. Flörsheim a. Main, 28. April. Scharf rügten einige Eemeindeoertreter in ihrer letzten Sitzung, daß der größte Tett der von Flörsheimer Fischern gefangenen Fische nach auswärts verkauft werde. Da jedoch die Gemeinde ein erhebliches Interesse daran habe, daß die in der Flörsheimer Fischergerecht, same gefangenen Fische in erster Linie der Gemeinde Flörsheim zugute kommen, wurde beschlossen, daß bei der demnächst statt- findenden Fischereiverpachtung in die Pachtbedingungen die Bestimmung ausgenommen wird, daß so lange die Lebensmittel- knappheit und Teuerung besteht, die gefangenen Fische nicht nach auswärts verkauft werden dürfen. FC. Schlangenbad. 29. April. Im vollen Umfange wird am 1. Mai der hiesige Kurbetrieb wieder eröffnet werden. Aus Knrhcssen. FC. Kirchhain. 29 April. Durch die starken Regenfälle sind die Flüsse sehr im Steigen begriffen und es ist Hochwasser zu befürchten. FC. BsdMrb. 29. April. Der hiesige Badearzt, der Geheime Santtätsrat Dr Wilhelm Hufnagel, beging in voller Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. Das Geburtstagskind ist Schöpfer, Gründer und langjähriger Leiter der hiesigen Kinderheilanstalt. Verantwortlich für den politischen und lokalen Tett: Otto Hirsche!. F riedberg; für den Anzeigenteil: R. Heyn er. Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", A- G.. Friedberg L H. ZI Das Feldheer braucht II ZI dringend Hafer, Heu IZ ZI und Stroh! IZ Zi Landwirte jelst dem Senk. IZ Wrm nie Jinrdi Licbe ftiii MO. Roman von Courthß-Mahler. Nachdruck verboten. In Berlin halte er den letzten Aufenthalt gehabt, und zuletzt hatte sich Noch so viel zusammengedrängt an Ab- Haltungen, daß er fast den Abgang des Zuges versäumt hatte mit dem er seine Ankunft gemeldet hatte. Und nun faß er in behaglicher Erwartung des Wiedersehens mit seinen Lieben in diesem Abteil 2. Klasse. Erster Klasse reiste er nie, weil er behauptete, das sei immer langweilig. Und er freute sich daß er auch jetzt zweiter Klasse fuhr, sonst hätte er seine schönheitsdurstigen Augen nicht an seiner jungen Reisegefährtin ergötzen können. Es waren die letzten Maientage des Jahres 1913. Pfingsten stand vor der Türe. Die Helle warme Frühlingssonne schien zum Fenster herein. Es war zur Hälfte geöffnet und ließ die würzige Luft einströmen. So scl-ön ist ja die Welt für junge, lebensfrohe Herzen in dieser Zeit. Hans Ullrich hätte so gern eine Unterhaltung mit der jungen Dame angeknüpft. Sie sah aus, als könne sie klug und geistvoll plaudern. Aber er wußte nicht, ob er es wagen durste, sie anzusprechen. Sie erschien ihm bei aller Schönheit und Liebliä-keit stolz und zurückhaltend. Endlich sollte ihm aber der Zufall zu Hilfe kommen. Der Wind trieb plötzlich den Rauch der Lokomotive durch das Fenster herein und mit diesem winzige Kohlenstäubchen. Eines dieser Kohlenteilchen flog der jungen Dame mit solcher Heftigkeit ins Auge, daß sie im Schmerz zusammenzuckte und wie geblendet war. Sie drückte das Taschentuch an das' schmerzende Auge, und da auch das andere sofort zu tränen begann, war sie im Augenblick ganz hilflos. Hans Ullrich hatte den kleinen Unfall sofort bemerkt. Er beugte sich vor. „Mein gnädiges Fräulein, kann ich Ihnen irgendwie .behilflich sein?" fragte er artig. Die junge Dame konnte nichts sehen. Das Auge schmerzte heftig. . „Wenn Sie mir ein wenig Master verschaffen könnten, mein Herr, so wäre ich Ihnen sehr dankbar," erwiderte sie. Hans Ullrich sprang auf, eilte nach dem Speisewagen, top er sich ein Glas Wasser geben ließ, und ging schnell in fein Abteil zurück. Dort entnahm er seiner Handtasche eine Flasche Kölnisches Wasser und goß etwas davon in das Er stellte es Vor Vke junge Dame auf das Klapptischchen, Sie feuchtete, ihm dankend, ihr Taschentuch cm und drückte es auf das schmerzende Auge. Aber der Schmerz ließ nicht nach, weil der Fremdkörper nicht entweichen wollte. . „Wollen Sie mir gütigst gestatten, nachzufehen, ob ich n^cht den Fremdkörper aus Ihren Augen entfernen kann, mein gnädiges Fräulein?" bat er, als er merkte, daß sie sich vergeblich dauüt te. Und ohne erst - ' Erlaubnis abzuwarten, zog er ihre Hand mit dem feuchten Taschentuch herab und beugte sich zu ihr nieder, um ihr Auge zu untersuchen. Sie unterließ jeden Einspruch. Sein bestimmtes Wesen und seine ruhig vornehme Sicherheit hätten es ihr lächerlich erscheinen lassen, sich zu zieren oder sich spröde seine Hilfe zu verbitten. Und so hielt sie still, während er sich an ihrem Auge zu schaffen machte. Nach kurzer Zeit hatte er sie trotz des iinriihig schwankenden Wagens, von dem kleinen Quälgeist befreit. „So, mein gnädiges Fräulein, diese schwierige Operation wäre glücklich verlaufen. Wenn Sie nun noch einige Minuten wuchte, kühlende Umschläge auf das Auge legen, wird der Schaden schnell geheilt sein." Sie dankte ihm mit der ruhigen Höflichkeit der vor- nchmen Dame, die einen Dienst hat annehmeii müssen. Er verneigte sich artig und nahm seinen Platz wie- der ein. „Es bedarf keines Dankes, meine Gnädigste." „Doch, Sie müssen sich denselben gefallen lasten, denn ich war ganz geblendet und hilflos, wie ein Kind," er- widerte sie freundlich „Nun denn, so will ich ihn mir gern gefallen lassen'und bei dieser Gelegenbeit eine Bitte aussprech n. Ich hoffe, @ie nennen es nicht kühn und unbescheiden, wenn ich Sie bitte, die Unterhaltung-mit mir fortzusetzen, die durch einen Eingriff höherer Mächte zwischen uns in Gang gekommen ist Selbstverständlich nur, wenn sie nicht aus Passion zu schweiaen gedenken." Ein reizendes Lächeln flog über das Gesicht der jungen Dame. . „Den Eingriff höherer Mächte muß ich wohl respektieren. Da wir uns ans neutralem Boden befinden und ich keineswegs ein Gelöbnis abgelegt habe, zu schweigen, will ich gern in die Fortsetzung unserer Unterhaltung willigen, schon weil ich nicht für undankbar gelten möchte. Sie haben Bett.: Die Fleischveriorgung für die Bevölkerung der Stadt Frledberg. nnr wirklich durch Entfernung Des Fremdkörpers aus mernen Augen einen großen Dienst erwiesen. ES schmerzte heftig. in ihr^ Antlitz^ ^ < ^ e * n ^ cn ^ U0en ' aber ohne Zudringlichkeit „Hoffentlich ist der Schmerz nun vorüber. Ich danke Ihnen für ihre liebenswürdige Bereitwilligkeit und gestatte mir, zunächst mich vorzuftellen — Frankenau." Sie neigte leicht das Haupt und zeigte nun sogleich, oatz sie geistvoll und gewandt zu plaudern verstand Liebenswürdig, aber in der taktvollen Zurückhaltung der vornehmen Dame ging sie auf sein Gespräch ein, und nach wenigen Minuten war eine rege und interessante Unterhaltung zwischen den beiden Menschen im Gang. Sie berührte zwar nur Themen, über die man in den Salons der guten Ge- sellschaft plaudert, aber unmerklich bekam das Gespräch anu noch einen tieferen Inhalt. Sie sprachen miteinander wie es Menschen tun, die genwinsame Berührungspunkte haben und nicht nur am Oberflächlichen Gefallen finden. Die Gewißheit, daß ihre Begegnng nur eine flüchtige war und mit dieser Reise ein Ende finden würde, nahm ihrer Unterhaltung das unbedingte Verschlossene. Sie waren beide sicher, nie mehr im Leben zusammen zu treffen. Aber je länger sie einander gegenüber saßen, j/mehr bedauerten sie es beide, daß sie sich bald genug ans den Augen verlieren würden. Hans Ullrich von Frankenau konnte es sich nicht ver- sagen, zuweilen entschieden ein wenig eroberungslustig iw die schönen Augen zu sehen. Je länger er mit der Dame sprach, je bezaubernder erschien sie ibm. Ihr Lächeln ent- zückte und der Klang ihrer dunklen, weichen Altstimme schmeichelte sich in sein Ohr. Der wechselnde Ausdruck ihres klugen, beseelten Gesichtes fesselte ihn mehr imd mehr. Sie gab sich bei aller Zurückhaltung zwanglos und sicher, so, als plaudere eine Dame der großen Welt in ihrem Salon mit einem Besucher. Bei aller Liebenswürdigkeit hielt sie streng die Grenze, die einer Dame von guter Er- ziehung gezogen ist, ein. Nach einiger Zeit ließ sie auch das Tuch von dem verletzten Auge sinken und schob das Glas, aus dem sie dasTuch ab und zu angefeuchte hatte, zurück. Hans Ullrich beugte sich vor. „Sind die Schmerzen nun ganz vorüber, mein gnädiges Fräulein?" erkundigte er sich teilnahmsvoll. Sie lächelte. Fortsetzung folgt. Kelmnntmachnng Hierdurch bringe ich zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verkauf vsn Rind-, und Kalbfleisch sowie Wurst für diese Woche am Freitag, den L Mai 1918, nachmittags von 1—8 Uhr in den samt lichen hiesigen Metzgerläden statt findet. Schweinefleisch gelangt nicht zur Ausgabe. Die vorstehende Verkaufszeit ist genau einzuhalten. Friedberg, den 1. Mai 1918. Der Bürgermeister. I. 93.: Dam m. Krkarinirmu n?. Veredelte TriW-Ääck zum Rohstärken wie auch als Kochstärke vorzüglich brauchbar in Paketen ä 60 Pfg. empfiehlt Friedrich Michel Z^ri^berg. Nächsten Montag, den 6. Mai, verteile-- wir i-r der allen Post frische Land-Gier Zeiteinteilung wie bei der Buttervereilung. -DSU Es werden abgegeben: Auf Eierkarie gelb. Marke 25. 1 Ei zu 32 Pfg., aus abae -mve.te ro,° E.e,l°rt-n.Ma«. LS. I Ei ,u 32 Ä* h,?»« Matte^'^l ° uf 0& 3 "empel(e tote (Eieriatten, . EierauSgabe nicht ab le füllen (J'er werden Si? ™ tc ö cIt >’ *»us ab e empeite rote Eierkar'en. Marke .5 und gegen Vorlage d r kreisam!» cn Bereinigungen oembplg?^^' tC r0te 6i"tarten. Ma l: 26. zum gleichen Prei e Die Eierkarten find mit vorzulegen. Nicht abgestemvette roll- ^karten sind ungültig Ererka ten ohne die bericffinden Marien wertw--^" ” 58 c 3 U0 »‘ einzepr adgelreiin e Marken fino Friedberg. den 1. Mai 1913. Der stellvertretende Bur ermei'ker. sStadt. Lebei^mitiel-Auschi-ß, 2. A.: F e r d i n a n d D a m m • Holzversteigerung. Sa.nrtag, den 4. M.i, vormittags 9% Nhr anfangenb. kommt im Södeler Ge-neinoewald nachgehendes Holz zur Versteigerung: ' 14 Buchen kämme 15,-0 fm Inh. 280 E chcn lamme 163,11 fm Inh. _1 .ichten kämme 8,53 fm Inh 6 Kie'ernstämme 3.19 km Inh. 458 S'ück Fichien-Derbstanzen 379 Stuck Fichten-Reisstangen. Extra große Thüringer Reiserbesen «Ne Sorten Bürsten, Besen, Striegel, Toilette-Artikel, prima Rasier- u. Toilette- seise, prima Linrkeum- und Parkettwachs alles in großer Auswahl. Theobald Steinel Bürstenfabrik. Friedberg, Kaiserstraße 117. Krlrnmitmnchmrg. KafeJian bringen wir in folgenden Geschäften von heute ab zun Verkauf: trotze Fische ohne Kops, Preis vro Pfund t.i; r be^rnft Mörschel. Fr. Michel. A. Sch mor und if C£. Trupp Mittlere Fische. Preis pro Pfund 95 Pfr. ber K. Brand. Lind & Ivold. W. Madre und Gg. Mobs. Kleinere Fische. Piers pro Pfund »5 Pfg. bei Georg Mobs. Friedberg, den 2. Mai 1918. Der stellv. Vürnerineister (stad?. Lebensm, tel-Aussbuß. ._ 2. A.: Ferdinand Damm. Zusammenkunft it vormutazs 9 Uhr auf der Straße Södel— Oppershofen am Emgang des Waldes. Södel, den 28. April 1918. Erohh. Bürgermeisterei. 2. 93.: Hensel. Dameiifiiitz Zum baldigen Eintritt eine SBf 2. Arbeiterin gesucht. Friedber». Kaiserstr. 51, tMSffiip oegeniib.d.Engel-Aooth. Hiim's HtireriWlilm best bewährtestes Mittel zur Vernichtung von Hederich, Disteln und allen Unkräutein. anerkannt als bestes Mittel von vielen landwittschaftlichen Versuchsstationen empfiehlt ~ctn güt% Wo' nbach. Tclefoll Aml Wölfersheim Ar.7. !kM Ortsgruppe Friedberg. Freitag, den 3. Mai. abends 7*/2 Uhr Zusammenkunft bei E l l e r m e i e r. Wirsing-, Weißkraut-, Ober- kohlrabi-, Lanch-Pslanzen 100 Stück Dtk. 3 — Salat-, Rote Rüben-, Zwiebel-, Römisch Kohl-Pflanzen 100 Stück Mk. 2.- Tomaten, Vorrat: 7000 St. Nelkenbüsche ä 35 Pfg. ===== vom 15. Mai. -------- Lkwald's Gartenbau. Bad-Slauheim, Frankfurterstr. 65. Aern,precher 631. Kelranntmttchnug. 2n den Geschäften von: F. Damm ^>achf. M. No'enfeld Fr. Htlbrecht Wwe. H Eckel I. G Michel Fr. Wagner , . . H- Webermeier, Fauerbach bringen wir von beute ab zum Verkauf. ** ffiegen'.Ubidjnitt der SBrolfattc wird Ve Pfund zum Preise von 37 Pfg. abgegeben. Friedberg. den 2. Mai 1918. Der stellv. Bürgermeister (stabt. Lebe smittel-Ausschuß) 2. A.: F e r d i n a n d D a m m. Kekmmtmachnng. w ist eme Nachtragsbekanntmachung ^ Zur Bekanntmachung Nr. M. ^ vom 1. September 1916, betreffend Beichtagnahme und Bestandsmeldung von Platin erlaffen worden. Der Wortlaut der Nachtragsbekanntmachung ist «n den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden. Stkllo. ßfiicnilfoiiiiiiijiitKi 18 . Arwekksrns. Tapeten- und Linoleumtiaus »Icasa Köhler, Knaben- u. Burschen- Anzüge noch in allen Grössen Mayer J. Hirsch Friedberg dem Rathause gegenüber. Griismäsjtt Cnrhenbiillitt WM töelMüeniöfjer ' noch in gutem Zustande, preiswert abzugeben M. R-iruthal, landwirt chaftliche Maschinen, Gießen, Fernsprecher Nr. 77. Friedberg. Kaiserstr. 27. Nähe des Rathanses. Einjähriges HeW't-Wlci, bToun. Oldenburger, hat zu verkaufen Philipp Reitz II. Echzell. Wohnung zu vermieten. Bingenheimer Mühle, Station Reichelsheim. lieiett schnell und billigst Ukiie Tayesieikung nrodtrrri nnb verlas. A .G. Suche zum 1. oder 15. Mai ein tüchtiges, zuverlässiges Mädchen welches schon gedient hat und Hausarbeit versteht Frau Apotheker Schmidt, Echzell. Hausbursche gesucht. Aus Wunsch Kost und Wohnung im Hause. T. Scriba's Buchhandl.. Frledberg. Bettsederil- Eeleqenheitskauf! Ia reine Gänsefedern }m Schleiße» 9 Pfd. Mk. 20.— fr. N. m t Sack- Zeise & Co» König ee-ll.. Thur. Ein fast neuer Kasten auf einen Lauterbacher Wagei^ kill WkilSk- nnd ein KartosscllillsaikttBng, ein transportables dreiteiliges Hühnerhaus mit Ziukbach zu verkaufen. Adolf Schäfer Ossenheim