Kummet? 101 Mtttm-ch, den 1. Mai ir-18 11. Jahrgang. Die „Neue Taaesr-ttung" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer aus Hellen", ..Die Spiunstube". Ke?ugspreis: Bei den Poitamtalten vlerlelsährlich \ ] )ll 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Agenten monatlich 85 Pjg. einschließlich Trägeriohn. Anzeige«: Grundwile 2b Pfg., lokale 20 Anzeigen von auswärts werden durch Boimachna! me erhoben. Eciüllungsori Friedberg. Hchriflleitung und Derlag Fttedberq lHessenj. nanauerittatze 12. Ferniprecher 43. Boitj Heck-Lanto Nr. 1859. 'Hit vratujuct a. M. lillkryslb 5 Wcheil 4100 GiMstkilmktn sckdlilhk« Füiidcs belktzt. Heftige Infanteriekämpfe in Flandern. — Myborg bejetzt. — 23000 Tonnen versenkt. Der Streit um die preußische Wahlrechtsvorlage. Der deutsche Generalstab .. meldet: M. T. K. Großes AasrpIqnarUer, den 30. April. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Auf dem Schlachtfeld in Flandern entwickelten sich in einzelnen Abschnitten heftige Jnfanteriekämpfe. Nördlich von Boormezeele und Eroole Vierstraat nahmen wir mehrere englische Gräben. Be! Loker in die feindlichen Linien eingcdrun- genen Sturmabteilunge stieben mit starken französischen, Gegenangriffen zusammen. Im Verlaufe dieser Kämpfe konnte sich der Feind in Loker festsetzen. Seine Versuche, über den Ort hinaus vorzudringen. scheiterten. Die tagsüber starke Artillerietätigkeit dehnte sich auf das ganze Gebiet des Kemmel aus und hielt bis zur Dunkelheit an. An der übrigen Front blieb die Gefechtstätigkeit auf Erkundungen und zeitweilig auslebendes Artilleriefeuer beschränkt. Mazedonische Front Zwischen Wardar und Doiran-See brach ein nach mehrtägi. ger Artillerievorbereilung erfolgter feindlicher Vorstoß vor unseren Linien zusammen. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 30. April, abends. (WTB. Amtlich.) Bon beit Kriegsschauplätzen nichts Neues. -.. —. " "" a Der österreichische Generalstab .- meldet: — Wien, 30. April. (WTV.) Amtlich wird verlautbart: Die Gefechtstätigkeit an der Südwestfront nahm wieder beträchtlich zu. An der Piave wurden mehrere Vorstöße des Leindes abgewicfeu. Der Chef des Geueralstabes. » ; .... _ — - Der bulgarische Generalstab | L== meldet: s Sofia, 28. April. (WTB.) Generalftabsbericht. Mazedonische Front: An mehreren Stellen der Front nördlich von Bitolia, im Ternabogen und östlich vom Dobropolje war die beiderseitige Feuertätigkeit zeitweilig lebhafter. Oeft- lich des Wardar hält das heftige Feuer der feindlichen Artillerie gegen unsere Stellungen im Wardar- und Strumatal und die Fliegertätigkeit auf Seiten des Feindes an. Dobrudschafront: Waffenstillstand. Das türkische Hauptquartier meldet: ====• Konstantmepcl, 29. April. (WTB.) Amtlicher Tagesbericht. Prlästinafront: Auflebcndes Geschützfeuer an verschiedenen Stellen der Front. Erkundungsabteilungen des Gegners wurden abgewiesen. Ein feindlicher Fesielballon wurde von unsern Jagdfliegern brennend zum Absturz gebracht. Kaukafusfront: Unsere Truppen nahmen von dem Gebiete östlich von Kars bis zur Grenze,Besitz. Auf ^en übrigen Fronten keine Ereignisse von Bedeutung. 23 000 Tonnen versenkt. Berlin, 29. April. (WTB. Amtlich.) Deutsche und österreichisch-ungarische N Boote versenkten im Sperrgebiet im Mittelmeer 5 Dampfer und 2 Segler von zusammen rund 2:' 000 Brutto-Negistertonnen. Unter den versenkten Schiffen befanden sich der französische bewaffnete Dampfer „Liberia" (194,2 Brutto- Registertonnen), ein großer bewaffneter Transporter mit zwei Schornsteinen sowie ein italienischer Segler mit 709 Tonnen Eisen für Genua. Der Lhef de» Admiralstabs der Marine. Berlin, 29. April. (WTB.) „Daily Mail" vom 18. April enthält folgende bemerkenswerte Aeußerung zu den Verlusten durch den U-BooLkrieg: Es wird vorgeschlagen, Tausende von Arbeitern für die Werften und die Schisfsbauindustrie zurückzubehalten. Es ist klar, daß nur junge und kräftige Leute hierfür in Frage kommen, denn alte Leute können die durch die U-Vootstätigkeit verursachten bedenklichen schweren Verluste nicht wieder gut machen. Man kann aber nicht zugleich ein großes Schiffsbauprogramm durchführen und eine große neue Ar- mee aufstellen. Hierzu kommt noch, daß die englischen Trup- I pen in der ganzen Welt von Archangelsk bis Hongkong verstreut stehen und überall mit Nachschüben und Proviant versehen werden müssen. So werde Englands nationale Kraft auf das äu. ßerste angespannt. Sie gleicht einem Licht, das von beiden Seiten angezündet, doch bei der drohenden Niederlage der gegenwärtigen Gewalthaber ist jedes Mittel recht. Doch wird die stunde kommen, daß ein zweiter Lord Chatham, der 1778 im Uitterhaufe die Unmöglichkeit Amerika zu besiegen bewies, den jetzigen Beherrschern Englands sagen wird: Man kann Deutschland nicht besiegen. Gin englisches Torpedoboot gesunken. D-rn. rg. April. (WTB.) Der „Matin" meldci aus Al- geciras über Madrid: Ein englisches Torpedoboot wurde auf einer Patrouillenfahrt auf der Höhe von Algeciras vom Sturm überrascht und sank. 12 Matrosen ertranken. Ein kanadischer Ozeandampfer torpediert. Holyhaed. 30. Avril. (WTB.) Meldung des Reuterfchen Bureaus. Der kanadische Ozeandampfer .^Oronsa" (8075 Tonnen) wurde torpediert und sank. 110 Passagiere find gerettet. Drei Mann der Besatzung werden vermißt. Stockhlom, 30. Arpil. (WTB.) Laut „Stockholms Dagbladet" ist der schwedische Lloyddampser „Sole", 1350 Brutto-Register- tonnen groß, vor Flamborough Head torpediert worden. Die Schlacht im Westen. Der Gcländrgewiun der Deutschen. — Eine englische Täuschung. Berlin, 30. April. (MTB.) Innerhalb fünf Wochen eroberten die Deutschen währen^ der großen Westoffenfioe über 4100 Quadratkilometer. Die Entente konnte in der neunfachen Zeit, d h. in 44 Wochen während ihrer RiefenoffenAve 1916 und 1917 an der Somme, bei Arras und in Flandern im ganzen 561 Quadratkilometer buchen. Die Deutschen erzielten also in einer viel kürzeren Zeit das 7)^fache des Gesamtgeländegewinnes der Entente. Nach dem englischen Bericht vom 19. April soll die 7. deutsche Division vollständig aufgerieben worden sein. Das Bemühen der Entente, durch das Vortäuschen großer deutscher Verluste die gedrückte Stimmung der eigenen Länder zu heben, ist selbstvec- ständlich. Es sei jedoch zur Beleuchtung der Zuverlässigkeit solcher englischer übertriebenen Verlustberichte festgestellt, daß die angeblich am 19. April aufgeriebene 7. deutsche Division am 25. April St. Eloi genommen hat. * Berlin, 29. April. (WTB.) Nach dem Verlust der wichtigen Kanalstellung sucht die Entente die Aufmerksamkeit von dieser schweren Niederlage in Flandern dadurch abzuwenden, daß sie in jedem Bericht betont, die Deutschen hätten in Richtung aus Amiens keinen neuen Vodengewlnn zu verzeichnen. Gleichzeitig wird englischerfeits die Wichtigkeit von Amiens gegenüber dem Kemmelmassiv hervorgehoben. Von welcher Bedeutung der Kemmel für die Engländer war, erhellt daraus, daß sie den Generalissimus Fach nötigte, starke Kräfte nach Flandern zu werfen, um die Verteidigung dieser wichtigen Höhenstellung ins Werk zu setzen. Die Massenangriffe, die nach der Einbuße der Kemmelstellnng Engländer und Franzosen zu einer Wiedereroberung einsetzten, sowie die fortgesetzte Preisgabe des Ppernbogens sind ein Beweis für die Größe des jüngsten deut- fchcn Sieges in Flandern. Englische Massenverlustc. Berlin, 29. April. (WTB.) Die ungeheuren Verluste der Engländer lassen sich immer deutlicher in ihren Einzelheiten übersehen. So mußte eine vollständige Armee durch eine andere ersetzt werden, weil sie vollständig außer stände war," den Kampf weiter fortzusetzen. Einzelne Divisionen, erlitten unge-, heure Verluste, so die 19. und 11. Division, die 199 Offiziere und 4079 Mann, die 18., die 78 Offiziere und 4000 Mann und die 36. Artilleriedivision, die 34 Offiziere und 3222 Manu und die 76. Division, die 164 Offiziere und 3990 Mann liegen ließen Die 28. Brigade, die 51. Schützendivision und die 56. Division sinl fast ganz aufgerieben Besonders schwer wurde die 183. schottische Brigade und die 61. Division mitgenommen. Zu Beginr der Offensive wurden durch die blutigen Verluste die 6. und 24 Division aufgerieben. Die 2.» 17. und 58. wurden sehr geschwächt. Sehr blutige Verluste erlitten bei Moreuil die 20., bei Hamei: die 2. Division. Das 5. Tank-Bataillon hat bei Peronne sämtliche Tanks eingebüßt. Die Mannschaften wurden sodann alt. Maschinengewehrschützen ohne' Tanks an die Front geschickt. Arider Somme hat die 151. Brigade außerordentlich schwere Verluste gehabt. Zwei vollzählige Kompagnien sind gefangen worden. Oberhalb von Estampes verlor eine Brigade ein Dritte! ihres Bestandes. Ihre Verluste waren so groß, daß die Ersatz transporte nicht annähernd ausreichteu, die Lücke« zu schließen Bei Doursies verloren die Eordon-Hkghlanders 160 Mann pw ; Kompagnie. Ausreichender Ersatz war nicht zu beschaffen. Vst erneutem Einsatz verloren die Kompagnien wieder 70 Mann ihres Bestandes. Fast vollzählig gefangen wurde das 4. Pork- Regiment westlich von Estampes. Von der 51. Division ginge» an der Somme 40 Prozent verloren. An der Lave erlitt diese Division nochmals eine schwere und blutige Niederlage. Vor den Kraftfahrern des 11. Korps sind bei Bethune allein 50 Pro^ zent ausgefallen. Die 1., 2. und 3. Division wurden an der Somme außerordentlich geschwächt. Von der 3. Division wurde die kanadische Kavalleriebrigade bei einer Attacke zwischen Mi> reuil und Demuin ganz zusammengeschessen. Schwer waren die Verluste au Geschützen und Mannschaften der 223. Artillerieabteilung auf ihrem Rückzug. Die 36. Division verlor bei St. Quenttn ihre ganze Artillerie und büßte die Hälfte ihrer Iw» sanierte ein. Don der 27. Brigade gingen an der Somme 5ff Prozent verloren. Sie brauchte 400 Mann Ersatz pro Bataillon, von denen fie bei erneutem Einsatz einen Teil wieder verlor. Sehr schwer find die Verluste der 5. Rifles, der 41. Brigade der 5. Verkch und der 7. Suff.-Regnnenter. Die 5. Berkch wur. den aufgerieben. Ebenfalls außerordentlich hoch find die Verluste der 13. und 25. Bttgade. Das 1. kanadische Rifle-RegimenL C. hatte vor dem Beginn der Offensive schon 300 Mann durch Gas verloren. Zu den Regimentern, dis am schwersten gelitten haben, gehören das 1. Verkch- und das 23. Füsilier-Regiment. Weitere Rückzugsvorbereitunge». Genf, 29. April. Gleich der heutigen Havasnote betone« alle der Umgebung Fachs entstammenden Nachrichten, daß dir englischen Stellungen nächst Ppern nur als provisorisch gewählte zu bettachten feien, weil sie dem fortgesetzten furchtbaren deutschen ArtiNcriefeuer ausgesetzt seien. Der englische General Plumer hat Vollmachten erhalten, alle zur Schonung der Truz» pen erforderlichen Anordnungen zu treffen Die Kampfe in Finnland. Kopenhagen, 30. April. Nach einer Meldung des finnläwr dijchen Hauptquartiers ist nun ganz Wiborg erobert. Der Feind hält sich noch im westlichen Teil von Sorval Dranhara. 6008 Revolutionäre versuchten sich einen Weg nach Frederiksham zv Lahnen. Der Versuch wurde jedoch mit schweren Verlusten abgeschlagen. Durch diesen Sieg hat das sinnländische Heer di- letzte starke Wehr des Feindes gebrochen. Mykorg erobert. Berlin, 30. April. (WTB. Nichtamtlich.) Das finnische Hauptquartier meldet: Wiborg ist erobert. Stockholm. 30. April Die Weißen haben Wiborg erobert. Die Roten halten nur einen wesentlichen Teil von Nervallas und Tienbaras besetzt. 2000 Rote versuchten gegen Frederiksham durchzubrechen. Der Versuch mißglückte unter sehr große» Verlusten. Weiterer Darmarlch in Rußland. Petersburg, 29. April. (WB.) Meldung des Reuter- scheu Bureaus. Der Aufmarsch der Deutschen und Ukrainer gegen Rostow am Don wird fortgesetzt. Es wird berichtet, daß bei Alexandrowski im Gouvernement Jekaterinoslam Kämpfe statigefunden haben. Die Stadt soll geräumt sein. Gegcnrcvolutionäre Unruhen? Rotterdam, 30. April. Der Exchange Telegraph meldet aus Kopenhagen, daß während der letzten Tage keine Telegramme aus Petersburg eiugetroffen seien. Nach Be« richten aus Finnland sind in Petersburg ernste Unruhe» ausgebrochen im Zusammenhang mit einer Gegenrevs^ hrtton. Jedenfalls stehe 'fest, daß die Transporte rujsifck)ec Soldaten ans Finnland am 26. April eingestellt wurden als Folge des Zustandes in Petersburg. Züge mit verwundeten Siuten Gardisten kamen von Petersburg in Wrborg an. Vermißte russifiche Kriegsschiffe. Holländische Grenze, 29. April. Laut dem Amster- danrer „Handelsblad" wird aus Petersburg gemeldet, daß von den russischen Kriegsschiffen, die unmittelbar vor Ankunst der deutschen Truppen in Helsingfors den Hafen verlassen hatten, noch kein einziges in Kronstandt angekommen Jet. vlad) einem drahtlosen Telegramm eines der Kreuzer Uiw dre Schiffe in Treibeis geraten, und es herrscht starke Beunruhrgung wegen ihres Verbleibs. Das |?fr!ßgfn du MmtziimjkjM frlrsMIff. „Weto dort Limes- vom 27. Marz gibt folgenden Bericht über die große Senatsfihung vom 26. Mürz. Heute fa-rd die aufregendste und erbittertste Debatte statt, die der Senat seit dem Eintritt Amerikas in den Krieg erlebt hat Gegen die Regierung wurde die Beschuldigung erhoben daß ste rn höchst beklagenswerter Weise ihre Pflicht bei der Bor- bereitung. der amenkanischen Kriegsteilnahme verabsüinnt habe. .Die Opposition wurde geführt von den, Senator ^odge. Er sagte ungefähr folgendes: „Das Schicksal des Krieges hängt in der ScAvebe In •SL r fe “ n £ cn @hinbe toäre es ein Verbrechen, dem amrika- mschen Volke noch länger die Tatsachen zu verheimlichen, die der Fernd langst kennt... Auf Grund der besten Nachnamen, die ich mir habe verschaffen können, besteht die ganze Leistung unseres seit September 1916 bestehenden ^mstahrtsamtes darin, daß wir bisher im ganzen die Welttonnage um zwei in eigenem Betrieb auf amerikanischen Werften gebaute Schiffe vermehrt haben. Wir haben immer davon gehört, daß wir einige 25 Schiffe gebaut hätten — wir haben allerdings einige bei uns von fremden Mächten bestellte Schiffe fertig gemacht und andere in Bestellung gegeben — an rein amerikanischen Schiffen haben wir bis setzt tatsächlich-nur zwei gebaut. Wenn die gesamte Kriegslage überhaupt noch endgültig gerettet werden soll, so kann das nur durch die Hilfsmittel und die Armee der Ver- errngten Staaten geschehen. Unser Wehrpflichtgesetz ist gut, « HÄ uns die Mannschaften geliefert, aber abgesehen davon. haben wir an Leistungen nichts auszuweisen. Ein verlorenes Jahr!" Angestchts dieser Tatsachen ist der ungemein ernste des Leiters. des englischen Schiffahrtsamtes, Sir Joseph Maclay, an die Amerikaner (über den wir kürzlich berichtet haben), doppelt verständlich: „Die Lage ist hoff- nunglos, wenn nicht Amreika die Erwartungen erfüllen rann? .... Denken Sie daran, daß die Unterseeboote noch letzt erheblich niehr als zweimal soviel Schiffe versenken, wie auf englischen Werften gebaut werden.- Der Arhkbtr des WMrikgkS Mtbln. Wico, 30. Apnk. (WB.) Die Blätter melden, daß Nestern in der Festmig Theresienstadt Gavalo Prinzip, der Mörder des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin gestorben ist. * Gegen Grzberger. Aus Dresdner Zenttumskreisen wird der „Dresdner Volkszeitung* mitgeteilt, daß Sonntag in Dresden eine Hauptversammlung des Zentrumswahlvereins in Sachsen stattgefunden habe, die stürmisch verlaufen sei. Es habe gegolten, den Vorsitzenden zu stürzen und einen Anhänger der Vaterlandspartei für diesen Posten zu wählen. Bei der Besprechung der Bautzener Ersatzwahl sprach der Graf voNd Schönburg-Wechselbnrg gegen Erzberger schwere Be- leidigungen aus. Die anwesenden Arbeiter protestierten hiergegen und verlangten dM Enffernung des Grafen. Erst nach einer dreimaligen Aufforderung des Vorsitzenden den Saal zu verlassen oder die Beleidigung zurückzunehmen nahm Graf Schönburg ohne jedes Bedauern seine Worte zurück. Es gelang seinen Freunden, einen Anhänger der .Vaterlandspartei, den Seifenfckbrikanten Schmidt, zum ersten Vorsitzenden zu wählen.' Preutzijches AbgeoNdneterchmrs. (138. Sitzung vom 30. April.) Hans und Tribünen find sehr stark besetzt. Aui der Tagesordnung stehen die Zweite Beratung der Wahlrechtsvorlage und^ie Vorlagen betr. Zusammensetzung des Herrenhauses und betr. Abänderung der Verfassung. Graf v. Spee (Zentrum): Ich stelle den Antrag, die §§| 1—3 von der Tagesordnung abzusetzen und bis zum Friedens- Schluß zu vertagen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen der Rechten und einzelner Zentrumsmitglieder.) Ich stelle den Antrag auf eigene Faust. Zn dem Juli-Erlaß ist nichts gesagt worden, daß die Wahlreform noch während des Krieges erfolgen stll. Es muß alles vermieden werden, was den Anschein erwecken könnte, daß wir die Einigkeit im Innern nicht aufrechterhalten können. Es handelt sich vor allem um den Zeitpunkt, in welchem die Wahlreform ihre Erledigung finden soll. Und da werden Sie alle einsehen. daß der jetzige Existenzkampf der gewaltigste, den wir heute erleben, nicht dazu geeignet ist. Die Annahme meines Antrages wird im Innern wie an der Front Geradezu eine Erlösung bedeuten. (Bravo rechts. Widerspruch -links.) Wir kommen nur mit der Annahme meines Anttages zum Ziel, sonst wächst die Hoffnung unserer Feinde, uns endlich »och noch befielen zu können. Die Zeit ist nicht geeignet, uns iß Platten, politische Meinungsoerschiedenheiter zum Asustra^ Erhört!) zu bringen. (^.juruse links: Zur Geschäftsordnuag. Präsident Graf v Schwerin-Lörvttz: Der Anttag und seine Begründung sind geschaftsordnungsmäßtg Massig.) Die verdammte Frie- densresolutton vom 19. Juli ist inzwischen tot. Das stolze Kaifsrwort: Ich ke>me keine Parteien mehr. fsMe auch heute für uns maßgeberrd sein. Ich iomme von der Front im Westen und werde sofort dorthin zurückkehren, weil ich dieses politische Durcheinander nicht mehr vertragen kann. (Lebhafte Zustimmung rechts, Unterbrechungen links.) Sie sollten die Begeiste, rung draußen kennen und auf sich wirken lasten und dann zeigen. daß wir der Helden draußen würdig sind. (Beifall rechts Widerspruch. Zischen.) Eine RegierrrngserkLärung. Stellvertr. Präsident des Ctaatsnttnisieriums Dr. Friedberg: Der Anttag des Grafen Spee hat, wie ich glaube, das hohe Haus, ja die eigene Partei des Vorredners und die Kgl. Staatsregierung durchaus überrascht. Der Vorschlag ist gewiß aus hochherzigen Erwägungen heraus entstanden. Er' würde aber nicht den Erfolg haben, den der Antragsteller sich verspricht. Eci^e Vorlage, die angekündigt worden ist. die der Behandlung hier gewürdigt worden ist, auf erne unbestimmte, ungewisse Zeit vertagen, würde den inneren Frieden unseres Volkes auf das Tiefste gefährden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen links.) Die Königliche Staatsregierung könnte die Verantwortung nicht übernehmen und müßte die Annahme des Antrages n^t den äußersten verfassungsmäßigen Konsequenzen beantworten. (Brausender Beifall. Große Unruhe.) Abg. Dr. P o ' s ch (Ztr): Uns kommt der Antrag Graf Spc-e leider nicht überraschend. Er hat ihn in der Fraktion angekündigt. Nachdem die Vorlage aber eingebracht worden ist, ist cs nicht mehr möglich, diesen Antrag anzmiehmen. Wir lehnen ihn ab. (Beifall.) Abg. Dr. Pa ch nicke (Vpt.): Der Antrag ist ein Hohn auf die königliche Botschaft, das SiaoLsmirristerium> Huf das Land! (Lebhaftes Bravo links. Nein rechts.) Präsident Craf v. Schwerin-Löwitz: Ich bitte, die Handhabung meiner Geschäfte nicht einer Kritik zu unterziehen. (Ruf links: Sehr berechtigt.) Drei Ordnungsrufe. ^ Abg. Adolf Hoff m ann (U. Soz.): Wir erwarten, daß in Zukunft der Präsident bei Eeschäftsordnungsdebatten uns ebenso freien Spielraum lasten wird, wie heute dem Grafen Spee. Das Auftreten des Grafen Spee macht oen Eindruck, als ob er ohne Nachtruhe aus dem Offizierskasino gekommen wäre. (Pfuirufe rechts und im Zentrum. Der -Präsident ruft den Redner zur Ordnung.) Man könnte versucht jem. den Antrag zu stellen, den Grafen Spee auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lasten. (Erneuter Ordnungsruf des Präsidenten.) Wenn der Antrag angenommen würde, bann würde ich die Kämpfer an der Front auffordern, solange den Kampf einzustellen . . . (Stürmische- Pfutrufe rechts und Rufe Hochverräter. Präsident Graf von Schwerin-Löwitz ruft den Redner zum dritten Mal zur Ordnung.) Von der Rechten wird dem Abg. Hoffmann, der die Rednertribüne verlosten hat, zugerufen: Laterlandsverräter.' Das wird Ihnen nnvergesten bleiben.) Abg. Dr. Ls h mann (Natl.): Meine politischen Freunde werden geschloffen gegen den Antrag Spee stimmen, durch den der Ernst der Stunde heruntergedrückt wird. Abg. v. Heydebrandt (Kons.): Wir beklagen es tief, daß durch die Verhandlungen die Gemüter so ttef aufgewühlt werden. Da der Antrag Spee für uns überraschend gekommen ist, so stelle ich den Anttag, die Sitzung auf eine Stunde zu vertagen. um das für und wider des Antrages abzuwägen. Abg. Brutt (freikons.) erklärt, daß seine Freunds dem Anttag Heydebrandt zustimmen werden. Aba. Dr. Porsch lZtt.): Wir glauben, dem Nntrag Spee nicht zu viel Ehre anzutun, wen wir die Sitzung auf eine Stunde vertagen. Der Antrag Heydebrandt wird mit den Stimmen der Konservativen, Freikonservatioen und eines Teiles des Zenttums angenommen. Um 12 Uhr 1V Minuten wird die Sitzung auf eine Stunde unterbrochen. Abg. L ü d i ck e (Kons.): Die Verhandlungen über den Antrag haben bewiesen, welch große Schuld die königliche Staats- rcgierung auf sich geladen hat. (Sehr richtig rechts), daß sie in dieser Zeit mit dieser Vorlage gekommen ist. Die Verantwortung trägt die Staatsregierung (Sehr richtig rechts). Der Anttag Spee stellt eine Tat dar. die wohl in breiten Kreisen des Volkes verstanden werden wird. Angesichts der gegenwärtigen Lage und nach den Verhandlungen der Kommission lehnen wir den Antrag ab. Vizepräsident des Staatsminifteriums Dr. F r i e d b e r g: Daß die Vorlage innerhalb und außerhalb Mitzfttmmung hervorgerufen hat, ist richtig. Abg. o. Heydebrandt (konf.) : Daß die ^Verantwortung dafür, daß diese Angelegenheit in dieser Zeit verhandelt wird, auf die Regierung^ fällt, haben wir bereits bei Einbringung der Vorlagen gesagt. Wir sind mtt dem Aög. Lüdicke darin einig, daß der Anttag des Grafen Spee für seinen Patttotismus spricht. Ein Teil meiner Freunde sttmmt ihm zu, die Mehrheit ist der Ansicht, daß. nachdem die Vorlage eingebracht und soweit verhandelt worden ist, wir jetzt die Konsequenzen ziehen muffen. Deshalb wird die Mehrheit meiner Freunde gegen den Anttag stirnmen. * Vizepräsident des Staatsministeriums Dr. F r i e d b e r g: Herr von Heydebrandt hat, wenn auch in milderer Form den Vorwurf des Abgeordneten Lüdicke sich zu eigen gemacht, daß die Schuld auf die Staatsregierung falle. Dieser Vorwurf berührt eigentümlich aus dem Munde derer, die die schwere Schuld d^lür trifft, daß Jahre lang diese Reform verzögert worden ist. (Große Unruhe. Sehr richtig links, und Zrufe rechts: Ste spre. chen ja als Abgeordneter.) Sie haben es dahin gebracht, daß die Beratung in einer Zeit erfolgt, die an sich nicht günstig da- fitt genannt werden kann. (Großer Lärm rechts. Zurufe: Un- K atl0, f Ö®ffmttnn: Wir werden oort dem Trafen op« lernen, wie man di« Regiernng hcrmtterpntzen kan», wenn sie einem den Willen nicht tut Abg Graf Spee (Ztr.): Die sichere Ablehnung meine- An. tr^es ist bodanec.tch. Ich sielle aber fest, dah sie nicht aus fach, uchen Erunden aefchicht, (Sehr richtig rechts.) Unrichtig ist es, wenn man nur die Schuld dafür in die Schuhe schieben will bah Herr Adolf Hoffmann hier unerhörte Wohin sollte es fuhren, wenn man die Stellung von Aniräaen davon abhängig machen wollte, daß Herr Hoffmann ausfallend werden konnte. (Sehr gut., Es können sich die VerbältnM« auch so entwickeln, dag die Regierung selbst einmal zu mei,e« Anttag zurückkommt. (Beifall.) ad * ” 1 ^ e Wpt.)z Ich kann nun den Antrag auf namentliche Abstimmung falten lasten. Heydebrandt skonf.) Wir wollen keine Unklarheit lasten. Deshalb nehmen wir den Anttag auf namentliche Abstimmung auf. r ~~* 0 ’ ? orsch (Ztr.): Die Abstimrnung ist zweifellos zulässig. Als rn früheren Jahren von Windthorst beantragt worden war, das Reichstagswahlrecht auf Preußen zu übertragen, da stellte die Linke den Antrag, die Vorlage auf sechs" Monate zurückzustellen. (Hört, hört.) Das geschah. Aus den sechs Monaten ist inzwischen eine etwas längere Zeit geworden. (Heuerkeit und Zustimmung.) Die namentliche Abstimmung wird vollzogen und ergibt, das; 60 für und 333 gegen den Antrag Spee stimmen. Ein Ab. geordneter enthält sich. Der Antrag auf Vertagung der Vor. tage bis zum Frieden ist somit abgelehnt. Ministerpräsident Dr. Gras von Hertiing- Meine Herren' Die Vorgänge der heutigen Sitzung können sä gewisie Zwei,ei erregen, ob wir noch zu einer Verständigung über die !*i ts ' e ^ beschäftigende Materie gelangen. Aus ein plutokrati- sches Wahlrecht kann sich die Regierung deshalb nicht einlasten. s kann sich also nur handeln um das allgemeine, gleiche Wahl, recyt in vernünftigen Grenzen, wie sie bereits durch die Sor- tage selbst angedeutet sind. Meine Herren! Das gleiche Wahl- recht muß grundsätzlich festgehalten werden! (Beifall.) Die ^lsage ist gegeben, die Zusage muß eingelöst werden. Meine Herren, es ist ja auch möglich, gewisse Sicherungen vorzuueh- nien, die befürchteten, allznweitgehenden radikalen Folgen des allgemeinen Wahlrechts zu beseitigen. In der Vorlage selbst p.nd ja bereits derartige Sicherungen enthalten. Andere sind an anderer Stelle wohl noch möglich. Es sind, wie ich hör- Anträge rn Vorbereitung, die weitere Sicherungen einführek wollen. (Hört, hört auf der äußersten Linken.) Die Regierung wird diese Vorschläge mit allem Ernst und allem Svohlwollen prüfen und selbstverständlich ist die Negierung, die sich dafür emsetzt. das gleiche Wahlrecht zur Durchführung zu bringen, zu gleicher Zelt fest entschlossen, dafür zu sorgen, daß die gefürchteten schädlichen Wirkungen dieses gleichen Wahlrechts möglichst verhütet werden. Jetzt kann die Zusage noch eingelöft werden, indem zu gleicher Zeit diejenigen Sicherungen gegeben worden, die im Interesse des ruhigen, stetigen Fortschreitens des Staats- lrbcns notwendig sind. Das, was wir jetzt geben können, das muffen wir vielleicht, wenn es heute abgelehnt wird, in einiger Zeit unter schweren Erschütterungen des Volkslebens, besten Ge- fayr wir nicht übersehen können, uns abringen lasten. (Hört. Hort auf der äußersten Linken.) Das gleiche Wahlrecht kommt. es ?Entt' "E nicht heute, so doch in absehbarer Zeit. (Sehr wahr.) Wollen Ste die Verantwortung auf sich nehmea. stywer^r Erschütterungen herbeizuführen durch eine Ablehnung, dre doch das von Ihnen erwünschte Ziel nicht haben kann. (Letz- Hafter Beifall links und tn der Mitte.) * Ts b( i r^.^?^brandt (Kons.): Der Minister- Präsident bat den Wunsch nach erner Verständigung ausge- sprochen. Er kann demnach nicht ernmrten, daß wir die Regierungsvorlage einfach annehmen. Wenn der Minister- Präsident sagt daß aus allen Seiten des Volkes das gleiche Wahlrecht verlangt wird, so halten wir ihm entgegen, daß wette Volkskreise das gleiche Wahlrecht nicht wollen. Auch wrr halten das gegenwärttge Wahlrecht für reformbedürsttg. Die konservative Landtagsfraktion hat bei den früher den, Landtag vorgelegten Wahlrechtsentwiirfen eifrig niitge- arbeitet, und sie ist nicht schuld daran, wenn sie gescheitert UND. Was dre von der Krone gegebene Zusage betrifft, so raun ich die Auffassung der Negierung nicht teilen, daß die -'ttuister hinter der Krone stehen. Nach unserer Meinung sollen sie vor denr König stehen (sehr richtig rechts). Bei Einfichrung des gleichen Wahlrechts wird sich nickst nur die Zusammensetzung des Hauses, sondern auch der Parteien ergeben, die nrehr abhängig ist von Aeußerlichkeiten. Wev am meisten verspricht, der wird in das Haus einziehen. Der Charakter des Hauses wird sich nicht nur zahlemnäßig, sondern auch innerlich ändern. Wird es dann rroch möglich fein, den preußischen Staat so aufrecht zu erhalten, wie es heitte möglich ist? Wir haben in Preußen unser finanzielles Riickgrat und das benrht einsnveilen noch auf unseren direkten Steuern. Und nun wollen Sie der besitzlosen Masse die Herrschaft geben, die den Besitzenden zlckonunL. Wenn Sie das gleiche Wahlrecht einführen, dann werden wir mtf. der Rechten nicht mchr zu mrserenr Rechte kmnuren. Mutz nicht ein Wahlrecht, das gesund sein will, sich der bürgerlichen Gliederrmg des Volkes anpassen, sodaß jedes Glied zu seinem Recht kommt? Wir verteidigen rrnseren Standprurkt für uns und unsere Kinder. Wir wissen, lvas wir tun. (Beifall rechts.) Vizepräsident des Staatsministerims Dr. F r i e d b e r g:. In das gleiche Wahlrecht sind sehr gut g^oisse verfassungs- rrläßige Kautelen einzufügen, die nranche unangenehme Fol- gen des gleichen Wahlrechts ausschließen. (Lachen bei den Sozialdemottaten.) Ich bedauere aber arrßerordenttick), daß alle Vorschläge die nach dieser Richtung von der Regierung in der Kounnission gemacht worden sind, von der konservativen Partei nicht angenormnen wurden, und sogar.' ihren starken Widerspnrch gefunden haben. Mt der Bott -Miwn lL Infi 191F U.LM LecknMaMygxaMll oufo woroea, daß/ lueiui tuutm «inau&ai‘guaui:j( / rncht tnchr rückgängig zu imäjen ist. Sie werden diese Entwicklung nicht unsrer aufhalten. Der Staatsmann, der mit solchen realpoliirscheu Dingen rechnen nmß, muß weiter denken. Herr von Heydebrandt hat meine Gründe gewogen lind Zrr leicht befunden. An der Wage niuß ein.nnparter- lscher L>dann stehen. Herrn von Heydebrandt als Partei- ruann kann ich als mrparteiischen Wügemann nicht anerkennen. Deshalb traf mich sein Urteil nicht mit besonderer Schwere. Herr von Heydebrandt hat dann hingewiesen auf unsere Kämpfe an der Westfront und gemeint, wie wenig erfreulich und erhebend sei das, während dort lvettgeschicht- lrche Schlachten geschlagen werden, wir hier in Streit und Hader stehen um solche Vorlagen. Gewiß, aber die Regierung muß doch auch gewissenhaft abwägen, was dem Siege förderlich ist, daß diese Vorlage in möglichst kmzer Zeit hier verabschiedet wird, wenn auch vielleicht unter Kämpfen, oder daß d-ie in der Bevölkerung bestehende Beunruhigung noch auf Jahre hinaus dauern soll. Und lvenn sie nach dieser gewissenhaften Erwägung Zu der Entscheidung gekommen ist, möglichst bald damit Zu einem Abschluß Zu gelangen', so glaube ich, daß sie dafür nicht Tadel, sondern Anerkennung verdient. eitt von Anfang au nicht die freudige Dankbarkeit gezeigt, ja verletzend lauge, cftc inan für das Standbild des großen Preußenkönigs einen Plot; fand. Bor der Kriegsschule schien es den repuhllkauisiheu Amerikanern noch am wenigsten bedenklich, und dort wurde es aufgevant. Der Haß der Anglo- mnerilauer gegen Deutschland und Preußen hat nun im Kriege eine billige Rache an dem Standbild geübt und es in den Keller verbannt. Das Geschenk des Kaisers ist nicht ohne Erwiderung geblleüeu: in Jahre 19:11 wurde eine Nachbildung des DttrkmM für den a- ? der Friederiziamschen Schule stam- ui enden mnerikamscheu General August von Steuöen in Gegenwart des Kaisers und einer Abordnung des amerikanischen Kongresses am StadtWsß in Potsdam enthüllt. Das Denkmal trägt die Aufschrift: „Dem deutschen Kaiser und dem deutschen Volke ge- widmet vom Kongreß der Vereinigten Staaten von AmeriLr als Wahrzeichen ununterbrochener Freimdsthast. drachchüldung des Denkmals für General Friedrich Wilhelm August von Steuöen, geboren in Magdeburg 1730, gestorben im Staate Neuyork 1791. Errichtet in Washington in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste im Freiheitskampfe des amerikanischen Volkes 1911." Dieses Denkmal hat inzwischen seinen Beruf als „Wahrzeichen ununterbrochener Freundschaft" recht gründlich verfehlt unb war auch 1911 schon ein Judasgeschenk. Deswegen wird ihm aber schwerlich das Schicksal blühen, das das unglückliche Standbild Friedrichs des Großen gefunden hat. Mag es uns Zeuge dafür sein, wie Amerika es mit Treu und Glauben und Freundschaft hält, und wie es den preußischen Militarismns einschätzt, je nachdem er für oder angeblich gegen seine Interessen sich Geltung schafft. U-m Feldr der Dorheim. Dem Kanonier Wilhelm Sichler, in eint* Feld-Artillerie-Regiment, wurde dss Eiserne Kreuz verlieh^« Herzlichen Glückwunsch! Köcks als Gärtner. Wie wkr's im Kriege mit der Nutzanwendung staatssozia- Uftischer Ideen so berrlich weit gebracht, zeigt wohl nichts deutlicher als der peinliche Eindruck, daß man in unseren Tagen jeden landwirtschaftlichen Produzenten als Eesetzverächter an. Zusehen scheint, solange er nicht das Gegenteil beweist. Mag der Landwirt noch so unbescholten sein, es hilft ihm in nur zu vielen Fällen nichts: er muß Haussuchung über sich ergehen lassen: muß stillschweigend dulden, daß Militärkommandos oder Zivilbeauftragte in den Frieden seines Hauses eindrin- gen, alle Eck^n und Winkel durchstöbern und in Stube und Kammer, Keiler und Boden, Stall und Scheune das oberste zu unterst kehren Sich dagegen auflehnen? Was sollte das wohl helfcnl Zm Gegenteil: man würde sick dadurch erst recht ver. dächtig machen und nur um so eifc-gerer und peinlicherer Durch, forschung seiner Wirtschaft ausgesetzt sein. Das Ergebnis solcher schroffen Handhabung der Staatsgewalt aber ist wachsende Verbitterung der ländlichen Bevölkerung. Wer sehen mutz, wie ihn auch die genaueste Befolgung der Hunderte von Verordnungen und Verfügungen nicht davor schützt, in Verdacht der Hinterziehung öffentlich bewirtschafteter Nahrungsmittel zu geraten und alle schimpflichen Folgen eines solchen Verdachts gegen sich gelten zu lasten, von dem ist schlech. terdings nicht zu erwarten, daß seine Produkttonssreudigkeit wächst. Und dann die Frage: sind die Personen, welche die Haussuchung vornehmen — wir denken dabel an Zivilöeaustragle —. denn auch selber so ganz frei von Schuld und Fehle im Hinblick aus Hamsterei usw.? Unter diesem Gesichtspunkte sei hier einer Anregung nach- gegangen, die aus der Feder eines hochangefchenen, in der Leipziger Gegend ansässigen Besitzers stammt: der betreffende Herr schreibt uns, feines Erachtens mutzten die Landwirte verlangen, daß jeder Teilnehmer an einer „Haussuchungskommission" bei seiner Berpflichtung eidesstattlich erklären sollte, daß er in seinem eigenen Hause ungesetzlich erworbene Lebensmittel weder habe, noch seit Beginn der Beschlagnahmungen .gehabt habe. Diesem Verlangen wird jeder nach Recht und Billigkeit urteilende Leser nur beistimmen können. ' Trifft unser sächsischer Gewährsmann denn nicht geradezu den Nagel auf den Kopf, wenn er zu seinem Vorschläge weiter ausfiihrt: „Von uns Land-' wirten norden eidesstattliche Versicherung für jeden Dr. . . gefordert, da wäre dieser Weg auch im vorliegenden Falle möglich — und es ist doch einfach unwürdig, uns zum Haussuchen Leute in Haus zu schicken, die wahrscheinlich selbst keine Gele- ! genheit ausgelassen haben, die sich ihnen bot, um sich auf uner. ? laustem Wege Nahrungsmittel zu verschaffen." Freilich, eins scheint bei dieser Anregung nicht ganz unbedenklich Da man nämlich ruhig annehmen kann, daß es heute in den Streifen der Verbraucher nur noch sehr wenig Leute geben wird, wela)r die geforderte eidesstattliche Versicherung mit gutem Gewissen abzugeben*in der Lage wären, bliebe die Auswahl der Haussuchungskommistäro weferttlich auf Leute mit sehr robustem Gewissen beschränkt, denen es schon in normalen Zeiten auf einen Eid oder eine eidesstattliche Erklärung mehr oder weniger nicht angekommen ist. Mit solchen Elementen ftcilich käme die Land- bewohuerschast sozusagen vom Regen in die Traufe. — ^ Wie wäre es denn nun aber, wenn endlich einmal — rchr haben dies schon wiederholt gefordert — der Spieß umgedreht mrd Haussuchungen auch in den Wohnungen wohlhabender Städter abgehalten würden, deren Kriegsgewinne den Ueber- preifen des Schleichhandels die Wage halten. Das hieße doch wenigstens ausgleichende Gerechtigkeit üben, und ickemaick wird bzweifeln. daß dort weit mehr zu holen ist als auf dem Lande. Warum also so zaghaft? Fürchtet man sich vielleicht vor dem Geschrei, das die Konsumentenpreste von Dan bis Versaba erheben würde, wenn es der edlen Hamstergilde an ihre Fleisch- und Butlertöpse ginge? Wann wird man oben endlich begreifen, daß es den Landmann nicht weniger schjnerzt, wenn man ihn in seinem Ehrgcfiihl verletzt, als den Städter. Gilt denn im Kriege eine doppelte Moral, eins stkLttgcichtenöe für das platte Land und eine laxe m die Stadt? Aus der Heimat. Alldeutscher Verband. Es wirb besonbers darauf aus. ruerksam gemacht, baß in diesem Monat die Zusammenkunft^ bei Cllermerer ausnahmsweise Freitag, dcu 3. ds Mt«, stattfiirdet. Feldpsstpttöchc» werden wieder befördert. Neben de« Privatpaketen werden auch nichtamtliche Feldpostbriefe über 50 Gramul (Päckchen) an die Truppenangehörigen der Westfront und des Großen Hauptauartiers sowie an Heeresangchörige im Geueralgouvermemenr Belgien und in Luxemburg von fetzt ab wieder angenommen. Im Einverständnis mit der Heeresverwaltung wird indes dringend davor geroarnt, mit diesen Päckchen und Paketen leicht ver> derbliche Nahrungsmittel ins Feld zu schicken. Aus Starkenburg Darmstadt, 29. April. Der Abgeordnete Fenchel (Bbd.) hat in der Kammer folgenden Anttag oett. die Festsetzung und Auszahlung der Preise für Brotgetreide. Gerste und Hafer ge- stellt: „Rach Verfügung der Neichsgetteidestelle sollten dis Preise für Brotgetteide, Gerste und Hafer pro Ivv Kilogramm um 16 Mark vom L März 1918 ab herakyesetzt werden. Da nun die s. Zt. stattgefundenen Revisionen, welche bei einigen Kom- munalverbanden erst am 1. März begonnen haben und di« Landwrrte nicht genau wußten, was sie noch zu liefern hatten und dadurch, daß den Landwirten gestattet wurde. Saatgut zu- ruckzubehalten zur Vorsorge evratueller Bestellung für aus. gewinterles Getteide, so ist durch die Wenigerauszahlung von 10 Mark für IW Kilogramm Getreide, welches nach dem 26. bezw. 3L März geliefert wurde, auch wenn die Voraussetzungen sonst eingehalteu werden, bei den Landwirten große Mißstim. mung erfolgt durch die oerschledenarttge Handhabung der Preise. Ich beanttage daher, hohe Kammer wolle beschließen, daß für sämtliches Getteide, welches nach dem L. März 1918 noch abze- liefert wurde, der vor dem 1. März gültige Höchstpreis zu zahlen ist." * Zn Hirschhorn a. N. wurde in der gestrigen Skach-t anschei. nend in die Wohnung der Frau Haas eingebrocheu und daraus u a. auch ein Geldbetrag von 1660 Mark, meist Papiergeld, gestohlen, ohne daß mau die Täter bis heute entdecken fcmule AuS Heffen.Nafjau. FC. Höchst a. Main, 25. April Zu der in Aussicht genommenen Umzestaltuag der Handelskammerbezirke und der damit in Zusammenhang stehenden Angliederung von Höchst an.Frank* furt am Main nahmen die Höchster Handelstteise in einer gutt bcsuchttn Versammlung Stellung. Nach längerer Aussprache, au der vor allem die Wiesbadener Handelskammermitgli^>er Syndikus. Dr. Otto und Albert Sturm sich beteiligten, wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der die weitere Zugehörigkett der Stadt Höchst zum Kammerbezirk Wiesbaden dringend gewünscht wird. FC. Nus dem Regierangsbezirk Wiesbaden. 28. April. Das Kriegswirischaftsamt Frankfurt am Main gibt bekannt, daß am 4. Mai in Eröenhetm. am 5. Mat in Bierstadt und am 6. Mat in Biebrich durch den Beamtenstellvertroter Goebel vom Kriegs» wirtschaftsamt Frankfurt am Main ein Vortrag über „Dis Be» deutung des freiwilligen Schülerhilfsdienstes für die Landwirtschaft" mit Lichtbildern gehalten wird. FO. Herborn. 28..April. Zn den sonnigen Lagen soll di, Heidelbeerblüte, die bereits vorgeschritten war, erfroren sein. Das wäre -ein unangenehm empfundener Ausfall. FC. Oberlahnstein, 28. April. Auf die Blüte der Kernobst- bäume wirkt der anhaltende Regen sehr ungünstig ein, da da» Laub zuviel wächst und die Blüte dadurch schädigt. Das Stein- obft ist im Rheintal noch ziemlich gut mit seiner Blüte durchge* kommcn. und hat. soweit der Frost nicht geschadet, gesunde Früchte angesetzt. Auf den Höhen des Hinterlandes sind die Obstbäume noch sehr zurück, dort blühen Kirschen und Pfirsiche erst jetzt un- leiden ebenfalls sehr unter der na^alten Witterung. FC. Fischbach L Taunus, 24. April. Eine Herabsetzung der Gemeindesteuern um je 50 Prozent haben die hiesigen Körperschaften beschlossrn. FC. Hochherm, 24. April. Als Ehrenfriedhof wurde auf dem hiesigen Friedhof ein besonderes Revier abgesteckt, auf dem die gefallenen Krieger der hiesigen Gemeinde ihre Ruhestätte finden sollen. Gernsheim a. Nh. Eine fremdartige Beerdigung fand hier statt. Der mit Dahirarbeiten beschäftigte russische Gefangene Samusewitsch ist bekanntlich verunglückt: seiner gestern ftatt* gehabten Beisetzung uuf dem Gernsheimer Friedhöfe wohnten sämtliche russischen und französischen Kriegsgefangenen bei. Ein Kamerad sprach ein Gebet, worauf die russischen Gesangerren verschiedene feierliche Grabgesänge vorttuaen. ll. a. wohntts auch der Beigeordnete von Gernsheim der Feier bei. Aus Kurhessen. FC. Gerssrld (Rhön), 24. April. Wildschweine, die früher! hier selten, machen sich in letzter Zeit sehr bemerkbar und werden in größerer Anzahl zusammen öfters gesehen. FC. Treysa. 28. April. Zm allgemeinen wird hier über die hohen Ferkeipreise Klage geführt. Während noch vor vier Wochen 140—160 Mark für das Paar verlangt und bezahlt wur--^ den .fordern heute schon einige Züchter weit über 206 Mark. ^ Beranttvortlich für den politischen und lokalen Teil: Ottp Hirsche!, Friedberg; für den Arrzeigenteil: R. H e y n e Friedberg. Druck und Verlag der „Skeuev TgMsMvL',' T» G« Friedberg LJZSJ * ^ Um «if doch Me M liklchah. Roman von Court Hs -Mahler. ^ Nachdruck verboten. Jetzt, da die junge Dame die Augen gesenkt hielt, lagen die dunklen Wimpern mit den aufwärts gebogenen goldbraun schimmernden Spitzen wie kleine Halbmonde auf dem zarten Oval der Wangen. Die fein gezeichneten dunklen Brauen ließen die Stirn noch weißer erscheinen als fte war. Aber das Schönste in diesem jungen Gesicht war doch . "Aund. Er war wundervoll gezeichnet und verlief in c,ner entzückend weichen Linie in dem rosigen Oval der Wangen.. Diesen Mund mußte Hans Ullrich von Frankenau immer wieder betrachten. Er fesselte ihn, weil er so seltsam mi.drucksvoll und beseelt erschien, und obgleich gerade dieser Mund ihn wre ein Erinnern berührte, meinte er doch noch me einen so schönen und lieblichen Frauenmund gesehen zu haben. Hauptsächlich der weichverlaufende Mundwinkel hatte es ihm angetan. Und dieser kindlich junge Mund ™ W-derspruch zu den ernsten Augen und dem -ergisch stolzen Ausdruck des schönen Gesichts. Von Mmute zu Minute wurde er mehr gefesselt, und seine Leitung verfehlte thren Zweck vollständig. Er benutzte sie nur noch als Vorwand und als Bollwrk. Uber welches hinaus 'eine Blicke ungehindert zu ihr hinüber schlveifeii konnten. r ,„ er eine vornehme junge.Dame vor sich hatte, stand r » k SI,re «anze Art war vornehni und zurück- haltend. Die feinen, schlanken Hände und die schmalen Zierlichen Fuße, waren Merkzeichen einer edlen Abstanimung Umsomehr wunderte er sich, daß die junge Dame ohne jede Begleitung zu reisen schien. Freilich, in imserer modernen Zeit, in der die Frauen- frage eine so wichtige und brennende geworden ist werden auch d,e Töchter aiis vornehmer Familie selbständiger und freier erzogen. Das sagte sich auch Hans Ullrich von Frankenau. Er war jedoch im Griind ein Gegner dieser Freiheiten. Nicht, weil er den Frauen das Recht absprach sondern weil es seiner Natur zuwider lief. Eine Frau an der ez Es S„ beschützen und z„ hüten gnb. war ihm kein vollkommenes Wesen. Sein ritterlicher Sinn verlangte dm nach, die Frauen ans seinen Kreisen zu beschützen „nd'zu vielleicht, weil er selbst zur Genüge erfahren hatte. »aß schutzlose Frauen oft als leichte Beute bewachtet werden. Kekanntmachurrg. darauf aufmerk,am gemacht, dag der dem Teiche d-r Brauerei Steinhäuser nächst gelegene, und zu ^ Werdezweck^ von der Stadt Friedberg gepachtete Teil der Seewiese nicht betreten werden darf. werden durch einen Beobachkungsposten un- o?yJhfnl %n UT ,6e!^acht. Zwei mit deutlicher Aufschrift erkennen ^*""" 6 Slafeln lassen die Grenzen des Weideplatzes _ Ersatz-Bataillon Res.-Jirf.-Regt. 116. Holzversteigerung. SamStag, den 4. Mai, vormittags 9Uhr omanaenb ßeiung* im 6oÖe el Gemeindewald nachstehendes Holz zur Berstei- ^uchen'tämme l5.30 lm 2nh. s 6 Kiefernstämme 3,19 km Jnb ^ ^chen tämme 1^11 lm Inh. 403 Stück Fichten-Derbstanqen * 21 Fichten,lamme 8,5ö fm In!) 1379 Stück Fichten-Reis,langen. Zusammenkunft i't vormittags 9 Uhr auf der Straße Södel- Oppershofen am Eingang des Waldes. " Södel, den 23. April 1918. Erotzh. Bürgermeisterei. ümiiie miwFi framun s.iwiisW If. ©eirfiaitsitelle Franksun a. M., Kronprinzenstraße 41. (Kronprinzenbau.) — Fernruf Kiimer 420». «urostuiiden Lionmo, Dienslao, Donners,oo, ssreiiag, nachmittag- C E-jchastsanz-lgen in diesem Raum nur für »nsere Diitgueder; dieselben sind kostenlos, jedoch muß bei Auf- gabe der Anzeige aur die Mitgliedschaft hingewiesen werden. Bputeiep aus meiner langjährigen anerfamt- len Reinwch des rebhuhnf. ital. Adolf Bausch, Suhnes hat abzugeben Nieder-Wöllstadt. SurgermeiSer Fauerbach, Okarben. bat abzugeben GkmWck Kikilberg. Der Unterricht der Gewerblichen Fortbildunas- schu.e (Handwerkerzeichenschule) beginnt für die Lehrlinge, die im ersten Lehrjahre stehen, am ' Montag, d.n 6. Mai, 1 Uhr nachmittags und der für die Lehrlinge im 2. und 3. Lehrjahre am Tonnrrstag, den 2. Mai, 1,ihr nachmittags. Die Anmeldungen nimmt der Unterzeichnete Schul- I 9 Uhr ° n Tagen des Unterrichtsbeginns von 1 bis' a9ä entgegen. Bei der Aufnahme ist das Schulabgm'gszeugnw und der Lehrvertrag vorzmeaen die zweitoberste Krasse eurer Volksschule durchlausen haben, können auf Aufnahme Schuljahr. * «luterrichtsgeid beträgt 12 Mark für das Friedberg, den 18. April 1918. Die Schulleitung: gez.. v a a g, (vr. Baurat. ^. Dipl.-Ing. Schnei dt, Er. Hauptlehrer. ' And wächrenv tt nm Wfa MneS Gegenüber immer eingehender betrachtete, hatte er ein Gefühl, als müsse er wünschen, daß die junge Dame noch niemals m ihrem X.eben für irgend einen Mann eine Rolle gespielt hätte. Es war ein unbesttmmtes Verlangen in ihm, dieser Dame gegenüber nur ritterliche Gefühle zu betätigen. Gerade letzt hatte Hans Ullrich von Frankenau ein Lebenskapttel hinter sich, in dem einmal keine Frau eine Rolle gespielt hatte. Er war zwei Jahre ununterbrochen auf Reisen gewesen, hatte aller Herren Länder durchstreift und hatte viel interessante Eindrücke in sich ausgenommen. Auch in manche unzivilrsierte Gegend war er dabei gekommen und hatte alles Sck)öne und Interessante mit offenen Sinnen in sich ausgenommen. Voll wertvoller Eindrücke war er nun auf der Heimreise, und in all der Zeit hatte er weder Lust noch Gelegenheit gehabt, sich durch irgend einen „besonderen Fall" ablenken zu lassen. . Seine junge Reisegefährtin war nach all der Zeit wieder das erste lveibliche Wesen, das einen tteseren Ein- ornck ans ihn machte, und fast war es ein ähnliches frisches und erregendes Geftihl für ihn, wie er es bei seiner ersten sck-üchternen Jünglingsschwärmerei empfunden hatte, was jetzt von ihm Besitz ergriff. Er hätte beim Anblick des schönen Mädchens schwärmen köiinen wie ein Primaner. . Hans Ullrich von Frankenau war im Begriff, in seine Heimat zurückznkehren. Frankenau war ein reicher, alter Edelsitz und war auch Majorat. Seit einigen Jahren war er Majoratsherr, und seine Mutter venvaltete einstweilen seine Güter. Sie war eine kluge energische und umsichtige Frau, rüstig und tatkräftig, und tats gern. , Als sein Vater starb, lebte er als Ul.-jutant am herzoglichen Hof seiner Heimat. Ein inniges Freundschaftsverhältnis verband ihn mit dem etwa gleichaltrigen Erbprinzen Deshalb rief ihn die Mutter noch nicht nach Hanse, sondern vertrat seine Stelle einstweilen und sorgte dafür, daß in Frankenau alles in Ordnung blieb. Als dann der regierende Herzog starb und der Erbprinz den Thron bestieg, sagte er dem Hofleben Valet. Im Grund paßte er nicht in dieses Leben. Das höfische Treiben war ihm lästig und verhaßt. Er hatte oft durch seine offene freimütige Art angestoßen, aber der Erbprinz hatte gerade seinen Freimut liebenswert gesunden nnd ihm deshalb seine Freundschaft geschenkt. Run war aber der Erbprinz regierender Herzog geworden und durfte sich nicht mehr nach Gefallen gehen lassen. Jetzt bestimmten seine Räte rmd Ü£ ! - ter 'J** 8 er tun und lassen durfte, und er war eift unfreier Mann, wie alle Regierenden. *? H°ns Ullrich, daß er den, Herzog, nicht chr sern konnte, was er den, Erbprinzen gewesen war. ,<„!> nahm deshalb fernen Abschied. Es war immer sein Wunsch gewesen, eine Welkreist m matten, und als er mit seiner Mutter darüber sprach redete sie ihm zu sich diesen Wunsch zu erftillen. Sie versprach ihm inzwischen getreulich, wie bisher, seinen Besitz zu venvalte» rmd so. reifte er leichten Herzens ab und fühlte sich mft Wonne als ein freier, ungebundener Mann. Zwei Jahre hatte er sich selbst Urlaub gegeben. Nach Abkaus dieser Frist wollte er heimkehren und Frankenau selbst verwalten. Jetzt war diese-Frist verstrichen, und heute noch wurde er in Frankenau erwartet. Seine Mutter hätte es schon vor seiner Abreise gern gesehen, daß er sich verheiratete. Und nun hatte sie ihn in ihrem letzten Schreiben energisch daran gemalmt, daß es für ihn hohe Zeit sei. sich' nacb einer passenden Lebensgefährtin umzittehem Als Majoratsherr von Frankenau halte er die Pflicht, für einen Erben zu sorgen. Aber nicht jede beliebige Frau konnte er heimsühren. Da gab es ein ganz bestimmtes Hausgesetz; es war Majoratsbedmgung, daß er eine Frau hermfühlte. die auf eine gleiche Ahnenzahl zurückblicken konnte, als er selbst Und die Frankenaus konnten ihren Stammbaum bis zu den Krenzzügen verfolgen. In ihrem Schreiben an ihren Sohn batte Frau von Frankenau ziemlich deutlich durchblickeu lassen, daß sie bereits eine künftige Majoratsherrin von Frankenau in§ Auge gefaßt hatte. Diese Aussicht ließ nun Hans Ullrich die Heimkehr nicht gerade sehr erfreulich erscheinen. Gerade, weil ihm in Be- zug auf die Wahl einer Gattin so enge Grenzen gezogen waren, hatte er immer mit Abneiguna an seine fünftige Ehe gedacht. Seine Natur war allem Zwang abbold. Aber er war auch vernünftig genug, sich zu sagend daß man Unabänderliches mit Würde tragen müsse, und so hatte er sich mit dem Gedanken verttaut gemacht- den Wunsch der Mutter zu erfüllen. Jetzt hatte er aber diesen Gedanken noch für ein Weilchen aus seiner Seele verbannt. Seine Augen labten sich an seiner schönen Reisegefährtin und außerdem freute er sich ehrlich auf das Wiedersehen mit seiner Mutter und mit seiner jungen Schwester Ursula, die er beide herzlich liebte. Fortsetzung folgt. BGSBBB + 1 19 m m Drucksachen kann der Geschäftsmann auch während der Kriegszeit nicht ganz entbehren, wenn auch der Papiermangel und die Teuerung eine gewisse Einschränkung mit sich gebracht haben. Die Eeschäftsdrucksache ist und bleibt nun einmal für jeden Geschäftsbetrieb unentbehrlich, sei es. daß man sie braucht zur Uebermittlung geschäftlicher Angelegenheiten, oder zwecks Regelung von Ausständen usw. Wie kein Geschäft seinen Vertreter oder Reisenden in schäbigem Gewände zum Besuche seiner Kundschaft hinausgehen läßt, so sollte es auch darauf bedacht sein, daß die von ihm verbrauchten Drucksachen die es ja doch auch bei dem Empfänger derselben vertreten sollen, ein einwandfreies Aussehen haben. Auch familiäre Mitteilungen jeder Art lassen in ihrer äußeren Aufmachung einen Schluß auf die Persönlichkeft des Absenders zu. Wir empfehlen uns zur Anfertigung von Drucksachen jeder Art in sauberer und geschmackvoller Ausführung und sichern schnellste Lieferung und billigste Berechnung zu. Bei eintretendem Bedarf bitten wir Muster und Preisberechnung von uns einzufordern. Neue Tageszeitung Druckerei und Verlag A.-G. X Friedberg i. H. SBBBBSS mittler Mi Ortsgruppe Friedberg. Freitag, den 3. D ai. abendt 71/3 Uhr Zusammenkunft bei E H e r m e i e r. Herren-Socken Damen-Strümpfe Handschuhe in anerreichter Auswahl äusserst preiswert Fr, Weber, mm- Villa jum Alleinbewohnen modem erbaut und mit alle« Bequemlichkeiten. Zentralwanm wasserherzung, ijtiuvermielenodei zu verkaufen. Offenen unter cm die Geschäftsstelle der „Neue« Tages^eilung". Braves kinderliebes Mädchen in kleinen HaushaU gesucht. Jrau ^fflifrunasbonrnfiBfc Sau». Friedberg. Ludwiqstraße 9. 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