Nummer 99 Montag» den 39. April £918 11. Jahrgang. Die ..;-ei:e T aoev?eitnng" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Sauer aus Hessen". „Die Spinnstube". Serugsprers: Bei den Postamtaiten vwrieliährlich Mk. 2.4g hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei ven Aocnten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anreigen: GrundzeUe 2ü Pfg.» lokale 20Pfg^ Anzeigen von auswarrs veroen durch Postnachnahms erhoben. Eriüllungsori Friedberg. KchEleitnng und Verlag ^riedberg (Hessen), ^anauerstraße 12. Fermprecher 48. Postj heck-Lonto Nr. 4859. int Fran iurt a. M. Immer naher an Upern. Feindliche Angriffe verlustreich ;nsammengedrocheu. — Das Dorf Kolrer genommen. Taoajiehus in Finnland besetzt. — Die Festung Kars von den Türken besetzt» grotze heute. 49 000 Tonnen versenkt. Der deutsche GeneraUtab ..— meidet: ... . W. T. K. Großes Aanptqnartirv, den I-'. Apnr. Amtlich. Westlicher Kriegefchanpletz. Nördlich von Wytschaete stießen wir bis an den Südrand Von Boormezeele vcr. Französische und englische Divisionen versuchten vergeblich uns den Kemmel wieder zu entreißen. Ihre am Bormirtag auf der Front von Dikkebusch bis Loker, in den M-endstunden aus der Gegend von Loker bis westlich von Dra- noeter angesetzten Angriffe brachen in unserem Feuer verlustreich zusammen. Wo der Feind unsere Linien erreichte, unterlag er im Nahkampf. Nordwestlich Mervtlle, auf dem Südufer der Lys und bei Givenchy scheiterten feindliche Vorstöße. Zwischen Scarpe und Somme Erkundnngsgfechte. Nordwestlich Merville, auf dem Süduser der Lys und bei Givenchy scheiterten feindliche Vorstöße. Zwischen Scarpe und Somme Erkundungsgefechte. Südlich von der Somme verblutete sich der Franzose in mehrfachem Ansturm bei und südlich von Villers Vretonneux. Nach dem Scheitern starker Frühangriffe am und nördlich vom Walde von Hangard faßte der Feind am Nachmittag seine Kräfte — vornehmlich Marokkaner — zu erneuten Vorstößen Kegen den Hangard-Wald und nördlich vom Lucce-Bach zusammen. Die mehrfach wiederholten, durch stärkstes Artilleriefeuer eingeleiletsn Versuche, unsere Linien zu durchstoßen, schlugen fehl. Aus eigenem Entschluß schritten Infanterie-Abteilungen beiderseits des Lucebaches zum Angriff, säuberten mehrere Ma- fchinengewehrnester und nahmen hierbei Franzosen gefangen. An der übrigen Front nichts von Bedeutung. Oste«. Finnland. Versuchs des Feindes, unsere Linie bei Lahti nach Osten zu Durchbrechen, scheiterten. Der Erste Ceneralquartiermeister: Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 27. April, abends. (WTB. Amtlich.) Der Engländer hat weitere Teile flandrischen Bodens überlassen. Wir stehen in der Linie südwestlich Langemarck—Verlorenhoek— Hooge—Zillebeke. * W. T. B. Großes Kauplssirartier, den 28. April. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Auf dem flandrischen Kampfeld wich der Feind in rückwärtige Linien aus. Südlich von Langemarck ging er über den Steenbach, östlich von Supern in feine Stellun en vom Herbst 1914, bei Zillebeke über diese hinaus zurück. In scharfem Nach, drängen zwangen wir den Feind vielfach zum Kampf. Hierbei »ahmen wir Belgier und mehrere Hundert Engländer gefangen. Wir erreichten die Linie: Südwestlich von Langemarck—Westufer des Steenbaches — Verlorenhoek — Hcoge — Zillebeke—Voorme- zeele. Die in vergangenen Jahren schwer umkämpfte Doppelhöhe 65 ist ir» unserem Besitz. Starke Artillerietätigkeit im Abschnitt des Kemmel. Nach Abwehr der französischen am Abend des 26. April gegen den Westhang des Berges geführten Gegenangriffe stieß unsere Infanterie aus eigenem Entschluß dem zurückgeschlagenen Feinde nach und erstürmte den Ort Loker. Auf dem Nordufer der Lys scheiterten feindliche Vorstöße. Hierbei nahmen wir ebenso wie bei einer erfolgreichen Unternehmung nordwestlich von Festubert Engländer gefangen. Bei Givenchy wurden starke englische Angriffe abgewiesen. Auf dem Schlachtfeld zu beiden Seiten der Somme blieb die Gefechtstätigkeit auf Erkundungen und zeitweilig aufleben- denArtilleriekampf beschränkt. Am Hangard-Wald brach ein feindlicher Teilangriff zusammen. Finnland. General Graf v. d. Goltz hat Tavestus nach Kampf ge- j «ommen. Bei dem Einzuge in die Stadt wurden unsere Trup- I ven von der Bevölkerung begeistert begrüßt. Der Erste Genernlquartiermeitter: Ludendorsk. Abendbericht. Berlin. 28. April, abends. (WTB. Amtlich.) Don den Schlachtfeldern nichts Neues. |j Der österreichische Generaistab meidet: Wien, 27. April. (WTB.) Amtlich wird verlautbart: Im Südwesten schränkte schlechtes Wetter die Kampftätig- keit ein. Der Chef des Ccneralstabes. * Wien. 28. April. (WTB.) Amtlich wird verlautbart: An der italienischen Front keine größeren Kampfhandlungen. Der Chef des Generalstabes. Der bulgarische Generalstab ___ i meldet: =z^ = v= Sofia, 25. April. (MTB) Generalstabsbericht. Mazedonische Front. «Vestlich des Ochrida-Sees auf der Front von Tfcherwena Smna bis Dratindol und nördlich von Bitolia war das Artillerrefeuer auf beiden Seiten zeitweilig lebhafter. In der Moglena-EegSAd war die Erkundertätigkeit beiderseits gesteigert. Oestlich dev Wardax verstärkte sich bas feindliche Feuer. Bei einem Luftkampf schosien deutsche Flieger e.in feindliches Flugzeug ab, das in den Prespa-See stürzte «nd setzten einen französischen Fesielballon südöstlich von Ditoli« in Brand. Dobrudschafront: Waffenstillstand. Sofia. 27. April. (WTB.) Eeneralstabsbericht. Mazedonische Front: An »er Cervena Stena versuchte« nach längerer Artillerievorbereitung starke französische Sturmtnippen in unsere Gräben einzudringen, sie wurden aber durch Vrtille- riefeuer zurückgetrieben. Wir verjagten durch Bombevwerfen eine Infanterieabteilung. Südlich von Huma und östlich vom Wardar verstärkte sich die beiderseitige Artillerietätigkeit zeit- weise. Oestlich der Cerna wurde ein französisches FluMjeug von unserer Artillerie getroffen und gezwungen, jenseits der feindlichen Linien niederzugehen. Dobrudschafront: Waffenstillstand. türkische Hauptquartier meldet: Konstantinopel, 27. April. (WTB.) Amtlicher Tagesbericht. Palästinafront: Stellenweise Patrouillengefechte. Ein feindliches Flugzeug wurde bei Nabku abgeschossen. Der Beobachter wurde verwundet gefangen genommen. Kaukasusfcont: Unsere Kämpfe um Kars führten zum Falle der Festung. 860 Geschütze verschiedenen Kalibers sind erbeutet worden. Auf den übrigen Fronten nichts Besonderes. * Konftantlnopel, 27. April. (WTB.) Amtlicher Tagesbericht. Palästinafront: An der Straße Jerusalem—Nablus brachen unsere erkundenden Stoßtruppen öies in die feindlichen Stellungen ein. Ihr Stoß führte sie bis in den Ort Chabu Felch. Gegen Abend nahmen wir unsere Truppen zurück. Der Feind erlitt schwere Verluste. Allein bei Chabu Felch ließ er 50 Tote. In der Gegend von Mäan wurden erneute Angriffe der Rebellen abgewiesen. Kaukasusfront: In Kar» »rbeuteten wir außer den 860 brauchbaren Geschützen viel Munition, Kriegsmaterial und andere Vorräte. Mesopotamien: In den letzten Tagen fühlten englische Kräfte gegen unsere Stellungen am Schutt el Adem und bei Djialla vor. Sonst nicht» Neue». 49 000 Tonnen versenkt. Berlin, 26. April. (WTB. Amtlich.) Neue Erfolge unsere« Mittelmeer-U-Boole schädigten den Feind um 5 Dampfer mit zusammen etwa 24 000 Vcuttoregistertonnen. Oberleutnant z. C. D o e r i tz drang mit seinem U-Boot i« den durch Sperren geschützten und durch Flieger bewachte« Hafen von August (Sizilien) ein, griff dort den englische« Dampfer „Cyklops" (9033 Tonnen) an und lief trotz feindlicher Gegenmaßnahmen unbeschädigt wieder aus. „Cyklops" kenterts und sank. In der Otrantostraße wurde unter besonders starker Gegenwehr ein größerer Dampfer mit Passagieraufbauten, am scheinend ein Truppentransportdampfer, versenkt. Der Chef de» Admiralstabs der Marine. • Berlin, 27. April. (WTB. Amtlich.) Neue U-BooterfolgO an der Westküste Englands: 25 000 Bruttoregistertonnen. Ei« Dampfer von mindestens 12 000 Bruttoregistertonnen und ei« großer bewaffneter Dampfer von 6000 Vruttoregistertonnen uui» den aus stark gesicherten Eeleitzügen herausgeschosien. Der Chef des Admiralstabs der Aarine. Die Schiffsraurunot ist überwältigend. Sir Josef Maclay, Leiter des Schiffahrtsamtes, richtete durch die Vermittlung des Londoner Vertreters der „New-Porß Times" folgenden packenden und vielsagenden Aufruf an di» Bevölkerung der Vereinigten Staaten: Die Schiffraumnot ist überwältigend. Nur die Vereinigten Staaten können uns helfen. Unsere Lage wäre nicht: hoffnungslos, wenn Ihr Land feine Versprechungen hält. Sir muffen bedenken, daß der Reinverlust der Westmächte 1917 698 Schiffe betrug. Diese Flotte hätte genügt, um alle« Weizen zu importieren, den England braucht, d. h. 50—75 Prozent der gesamten englischen Leöensmittelelnfnhr. Ferner versenkten die deutschen U-Boote erheblich mehr als doppelt so viel, wie die britischen Wersten bauen. Zwar wächst die Zahl der amerikanischen Truppen in Europa täglich, aber jeder angekommene Soldat steigert die Schiffsraumnot durch die notwendige'Zufuhr an Nahrung, Kleidung und Munition. Die Schiffsnot wurde erst jetzt so ernst. Unsere Leute sind kriegsmüde und ihre Nerven durch die Z^jährigen Entbehrungen überreizt und unbarmherzig erschöpft. Kein Wunder» daß ihre Arbeit darunter leidet. Amerika kann Helsen. Unsere Lage ist kritisch, bes r.ic bis zur nächsten Ernte. Mif unseren Hilfsmitteln Ii wir fest, wir können nicht mehr zurück. Doch Ihr Anup!ai,er habt Menschen, Talente und Rohmaterial, um die Sache des Verbandes zu erlösen. Die Schlacht im Westen. Die geopferte Elitetruppe. Berlin, 27. April. (WTB. Nichtamtlich.) Die als Elite- truppe bekannte Division marocaine, die an Stelle der an. den beiden Vortagen stark erschütterten Engländer nördlich von: Hangardwalde eingesetzt werden mußte, hatte außerordentlich schwere und blutige Opfer bringen müssen, Turko- und ein Zuavenregiment der 1. Fremdendivision kamen dicht geschlossen nebeneinander angreifend in dichtein Nebel bis an die deutschen Linien heran. Sie wurden a«ff kürzeste Entfernung von den deiitschen Maschinen geweht niedergemäht. Nur schwache Reste des tapfer fechtenden Feindes erreichten südlich von Billers-Bretonneux die vorderste Linie, wurden jedoch alsbald durch energischen Gegenstoßstoß restlos zurückgetrieben. Weiter nördlich und auch weiter südlich war der Feind gezwungen, im Feuer kehrt zu machen, wodurch er schwere Verluste erlitt. Von allen aN greifenden Regimentern, die der französischen ElitedivisiM angehörten, blieben zahlreiche Gefangene in unserer HanL. Haufen von Toten liegen vor den deutschen Stellungen unter ihnen find mehrere Eingeborene von den Philippinen die zufällig bei Kriegsausbruch sich in Frankreich befände^ und ungefragt in die Armee eingereiht wurden. Deutsche und feindliche Tanks. Eine Episode aus den Tankkämpfen vom 24. April verdient besonderes Interesse. Südlich VillerS Bretonneux trat zum erstenmal der Fall ein, daß unsere Sturmpanzerwagen unmittelbar mit feindlichen Tanks zusammen stießen. Di« DeuWe» LarckS ecweefe» fich daher als bve ftürkerett rmv gO, ffchrckter geführt««. Mrr einziger deutscher Wagen Dmpste drei feindliche Tanks durch Feuerhagel auf kUkSB KB- 'fernung nieder. si > ^!. ^ 3 Kilometer vor Yper». ~ *#Ua, 28. April. (LVTB.) »Nach dem Ab weisen der feinv- 5kchen Gegenangriffe führte am Abend des 27. April unser Gegenstoß uns über die frühere Linie hinaus, so daß durch das schnelle Zufassen aus eigenem Entschluß der Truppe, die den Ort Loker zäh verteidigte, das Hospiz östlich des Ortes genommen und der Gegner vom Höhenrücken südwestlich Lokerhof geworfen wurde. Im Laufe des Vormittags lag von Voorme- zeele bis Bailleul vorübergehend starkes feindliches Feuer auf unseren Linien. Unter dem Druck unserer gestrigen Erfolge nach dem Verlust des die Ebene weithin beherrschenden Kemmel begann der Gegner im Ypern-Bogen, von unseren Truppen scharf verfolgt und zum Teil zum Kampfe gezwungen, seit dem 27. April 6 Uhr vormittags, zu weichen. Die Ueberwindung der Sieenbachlinie lüdlich Langemarck führte zu NahkSmpfen und für den Feind zu verlustreichen Gegenangriffen. Zm Laufe des 27. April wurde an der Straße Wyffchaete—Ypejm das dicht Nördlich des Kanalknies liegende Schloß sowie der Ort Voorme- Keele gestürmt. An beiden Stellen hatte der Feind starken Widerstand geleistet und dementsprechend schwere Verluste. Er ließ mehrere hundert Gefangene in unserer Hand. Die Luftherrschaft. Berlin, 27. April. (WTB.) Beim Angriff der Armee des Generals Sixt von Armin gegen den Kemmelberg am 25. April geigte sich mit besonderer Klarheit, wie es über diesem Kampf- feld um die Luftherrschaft steht, die die englischen Fliegertruppen in ihren Heeresberichten stets zu besitzen behaupten. An diesem Tage ermöglichte eine geringe Besserung des Wetters den planmäßig zusammengefaßten Einsatz unserer dort kämpfende?? F^regewerOarrdc, die alle ihre Aufgaben erfolgreich durchführen konnten, ohne daß der mindestens gleich starke Gegner mich nur die geringste Gegenwirkung erzielte. Unsere Schlacht- Meger konnten besonders zahlreiche Angriffe gegen feindliche Datteriestellungen bis weit hinter die feindliche Front vortra- Son, unsere Infanterieflugzeuge den Verlauf des Angriffs dauernd überwachen, ohne daß auch nur ein einziges deutsches Flug. Leug drrrch feindliche Einwirkung verloren ging. Unsere Iagd- streitkrafte schützten die Infanterie- und Schlachtfliegerverbände über dem gesamten Schlachtfeld, ohne daß der Gegner es wagte, ihnen mit stärkeren Verbänden entgegenzutreten. Von den fetird- rtchen Flugzeugen, die sich zeigten, wurden vier im Lustkampf ^geschossen. So war die eigene Infanterie und Artillerie in vollkomenster Weife von den Luftstreitkräften unterstützt, die bis tn 10 Kilometer Tiefe die Herrschaft über das Schlachtfeld behaupteten. Besonders schwerer Schlag. etwem eznftüdjnt Rückschlag haben «ch de» eingeengte» Boge» «m Yperr^ unsere Linie auf beide« Seiten deS Kanals twt Ypern nach Eonrmes und bei St. Eloi. Inzwischen aber mutz man zu- geben, baff Ypern selbst und die Stellungen rings um Ypern stark bedroht werden infolge des zweifellosen Erfolges des Feirrdes. Wir haben zu wiederholten Malen gezeigt, datz, wie drohend auch der Angriff gegen Ypern ist, man iinnrer bedenken mutz, datz große Massen der feindlichen Streitkräfte noch in dem neuen Vogen zwischen Arras und der Avre zusammengezogen sind und datz die Schlacht noch nicht irr vollem Umfang wieder ausgenommen ist. Ernste Gefahren stehen uns bevor und die Lage verlangt äußerste Ruhe unb stärkste Nerven. Aber der gefährlichste Punkt ist noch immer die Linie an der Somnre. Es kann sein, daß wir im Norden Gebiet preisgeben, aber ein Zurück dort ist nicht derart, daß es nicht wieder gutgemacht werden könnte. Kommt es jedoch zu einem Angriff des Feindes in der Richtung von Amiens, und folgt ihm ein feindlicher Stoß nach der Sommemündung, so würde dies unsere Hauptmacht von den Franzosen abschneiden. Dieser Zweck der Deutschen muß in jedem Falle verhindert werden." ÜV Stimmung Im emgttchen Heere Berlin, 25. April. (WB.) Die Stimmung in englischen Offizierskreisen beleuchtet folgender englischer Befehl: A. C. Nr. 1197/P. S. 3 Armee Nr. A. B. 3916 51 Division Nr. 72/25. „Es ist gemeldet worden, daß ^nige Offiziere bei Besuchen in Paris Meinungen über die militärische Lage geäußert haben, die ihre Zuhörer Niederdrücken und die KriegsuHdigkeit fördern müssen. U. a. hat man von Offi- zieren die Bemerkung gehört, daß keine militärische Entscheidung möglich sei. Solche von Offizieren herrührende Aeußerungen gefährden nicht nur das vaterländische Interesse außerordentlich, sondern sind auch taffächlich ungerecht gegen die Truppen, da sie einen völlig falschen Eindruck von der Kraft und Vaterlandsliebe des brifischen Heeres und seiner Verbündeten erwecken. Auf Anordnung des Oberbefehlshabers sind die nötigen Schritte zu unternehmen, um den Offizieren und besonders denen, die auf Urlaub gehen, die ernsten Folgen solchen unbedachten Geredes klar zu machen. Es soll jederzeit das dauernde Be- streben der Offiziere sein, ihr äußerstes zu tun, ltm ein gesundes Gefühl von Zuversicht und Patrlofismus zu fördern und zwar nicht nur unter ihren Mannschaften, sondern auch unter der Zivilbevölkerung, mit der sie in Berührung kommen. Gez. G. K. Fowke, Adjutant-General, Brrlin. 27. April. (WTB.) Der Verlust des Kemmelbuckels kst ein besonders schwerer Schlag für den Verband. Wiederholt war von englischer Seite darauf hingewiesen worden, daß in dieser Gegend jeder verlorene Schrttt Gelände von höchster Vs- deutung sei. In der gleichen Erkenntnis hatte Marschall Haig einen ernsten Tagesbefehl erlassen, keinen Fuß des Bodens auf- SUgebell. auch war immer wieder, gleichfalls von britischer Seite, öetsnt worden, daß Tatars und Dünkirchen wichtiger seien als Paris. So wurden schließlich starke französische Kräfte aller Waffen in Flandern zUsammengezogcn. Es nützte nichts. Wie die Engländer bisher während des großen Angriffs Tag für Tag französisches Gebiet räumen mußten, so konnten diesmal stan- zösische Divisionen die ihnen anvertraute Schlüsselstellung der Kemurelhöhen nicht halten und verbluten sich jetzt gemeinsam mir den Briten in nutzlosen Gegenangriffen Die als Auslesetruppe bekannte marokkanische Division, die an Stelle der -an den beiden Vortagen stark erschütterten Engländer nördlich vom Hangardwalde eingesetzt werden mußte, batte cmtzerordentlich schwere und blutige Opfer bringen müssen. El« Turko. und ein Zuavenregiment der 1. Fremdendivision kamen, dicht geschlossen neben einander angreifend, in dickem Rebek bis an die deutschen Linien heran. Sie wurden auf kürzeste Entfernung von den deutschen Maschinengewehren niedergemäht. Nur schwache Reste des tapfer fechtenden Feindes erreichten südlich von Villers-Bretonneux die vorderste Linie, wurden jedoch sofort durch einen tatkräftigen Gegenstoß restlos Aurückgetrieben. Weiter nördlich rmd auch weiter südlich war der Feind gezwungen, im Feuer Kehrt zu machen, wodurch er schwere Verluste erlitt. Von allen angreifenden Regimentern, die der französischen Auslesedivision angehörten, blieben zahlreiche Gefangene in unserer Hand. Hausen von Toten liegen vor den deutschen Stellungen, unter ihnen sind mehrere Eingeborene von den Philippinen, die stch bei Kriegsausbruch zufällig in Frankreich befanden und ungefragt in das Heer eingereiht wurden. Falsche Propheten. Berlin, 26. April. (WB.) Am 18. April stellte d, „Echo de Paris" den Abschluß der Schlacht von Armentier And zugleich den völligen Mißerfolg der deuffchen Trupp, fest. Das Blatt fügte hinzu, daß die Festigkeit der en fischen Armee nicht erschüttert werden könnte und daß es d. Deutschen nicht gelungen sei, französische Truppen zu Einsatz auf dem dortigen Kampffelde zu zwingen. Heu am 26. April ist der Kemmel in deiktscher Hand. Heute i tue wichtige Schlüsselstellung, die bis zum äußersten ve tewlgt werden sollte den französischen Divisionen entrisst me aitd) hier Englands bedrohte Stellung verteidigen mu ten. Gleichzeitig sind die Engländer ans den anschließend! Stellungen geworfen. Die blutigen Verluste vor allem d Franzosen, aus denen auch der größte Teil der 6500 G fangenen besteht, sind wiederum ungewöhnlich schwer. Eiue englische Betrachtung. .. 27. April. Die „Times" schreibt in ihrem Lei MEi (mäf erner Meldmig ’m „Meu'we Rotterdams Frankreich. Krregsmüdigkeit. Bern, 25. April. (WB.) „Le Pays" berichtet, daß mehrere Deputierte, die von der Front zurückgekehrt sind, erklären, daß die Soldaten den Verlauf der parla- rnentarrffhen Untersuchung über die Geheimverhandlungen im Jahre 1917 mit leidenschaftlichem Interesse verfolgten. Die Truppen wollten wissen, ob man vor Jahresfrist hätte Friederr schließen und ihnen damit zwölf Monate der Opfer und Leiden hätte ersparen können. Die Frage der Kriegsziele und Friedenspolitik der Alliierten werde erneut nachdrücklicher als je arifgeworfen. Berlin, 26. April. (WÄ.) Die Gefaugenenaussagen über die kriegsmüde Sfimms^^ in Frankreich mehren sich. Die französische Briefpost wird absichtlich zurückgehalten, um die Bevölkerung möglichst lange über die militärische Lage im unklaren zu lassen. In Paris organisierte die Regierung in letzter Zeit Vereine (Ligues), die einen strengen und geheimen Spitzeldrenst ausüben. Wer sich über die Kriegslage ungünstig ausspricht, wird den Behörden gemeldet und bestraft. Ilm Menschenmaterial für die Front freizub^üimmen werden Amerikaner zum Polizeidienst verwendet, die auch die französischen Urlauber zu kontrollieren haben. Hierüber herrscht unter den französischen Soldaten besonders große Erbitterung, da sie sich die amerikanische Unterstützung anders vorgestellt haben. Großmaulfncht. Bern, 26. April. (WB.) In den Eröffnungssitzungen der Generalräte Frankreichs am 22. April wurden von verschiedenen Ministern Ansprachen gehalten. Finanzminister Klotz erklärte im Generalrat des Somme-DepartementS, der Tag werde kommen, wo der Feind seine Attentate werde bezahlen und alles wiederherstellen müssen. Der einzige Frieden den Frankreich annehmen könne, sei der Friede, der das Rechts wiederherstelle und die gewaltsam entrissenen Provinzen an Frankreich herausgebe, und der die Wiedergutmachung aller durch den Feind angerichteten Schäden sicherstelle. Frankreich werde Bürgschaften verlangen und fordern, daß künftig eme rmnbekschreitbare Schranke gegen die Todesmächte errichtet werde. So lange der Feind den französischen Boden noch beschmnhe, sei ein solcher Friede unmöglich und deshalb müsse die Front vom Hinterlande durchgehalten werden. Jnsfizminister Neil erklärte im Generalrat von Morbilhen, man sei in die entscheidende Phase des Krieges eingetreten. Der Feind werde nicht durchkommen und die Ententze werde siegen, wofern man ruhig, geduldig und einig bleibe. Die Türken in Kattun. Ein verspätetes Telegramm der „Frankfurter Zeitung" meldet aus Trapezunt: Enver Pascha, begleitet vom Großen Hauptquartier und feem Kommandierenden der 3. Armee, Vehih Pascha, ift gestern iw Batum eingeLroffe». Der Empfang drirU die stegreiche« Truppen und die Bevölkerung war überall herzlich. Sofort «ach dem Eintreffen besuchte Enver Pascha dis große» Hospitäler. wo sich verwundete Türken, Russen und Eeo«, gier befinden. Die Stadt Batum hat kaum gelitten Die Disziplin der türkischen Truppen ruft selbst bei den zahlreichen noch hier verbliebenen Russen uneingeschränkte Bewunderung hervor. Kein einziger Akt von Plürckerung wurde in dieser reichen Handelsstadt begangen. Heute, am dritten Tage nach dem Einzug« der Türken in Batum, ist das Vertrauen so weit zuriickaekehu. daß die meisten Geschäfte ihre Laden wieder öffneten. Mehr al, 600 gefangene russische Offiziere bewegen sich vollkommen frei in den Straßen der Stadt. In der Moschee wurde in Gege» wart Enver Paschas und seines Stabes «nt Frettag ein Gebet abgehalten. Ungemein groß ist die Beute. Außer mehr als 200 voll- kommen intakten Kanonen, bedeutenden Mengen von Munition und sonstigem Kriegsgerät sielen in die Hände der Türken groß« Quantitäten von Manganerzen. Schmieröl und Petroleum. Der wichtige Petroleumhafen von Batum mit feinen Reservoirs war vollständig intakt. Der Dsrmorßch gegen Kursk. Moskau, 26. April. (WB.) Amtlich wird mitgeteilt, daß der ukrainisch deutsche Vormaffch gegen Kursk fortgesetzt wird. Die Eisenbahn wurde besetzt. Graf Mirbach in Moskau. Berlin, 26. April. (WB.) Die unter Führung deG kaiserlichen GesmMen Grafen Mirbach nach Moskau ab« gegangene deuffche Delegatton ist in Moskau eingetroffen. Perßrn erL?mtAkrOhmigiBkit Konstatttmop«^ 26. April. Das persische Ministerilmr des Aeußern teilte der hiesigen persischen Boffchaft mit, daß alle Verträge und Beschlüsse, die mit der pofittschen untz wirtschaftlichen Unabhängigkeit und der Unverletzlichkeit des persischen Gebiete Ln Widerspruch stehen, aiffgchoben mch für nichfig erklärt wurden. Dentichland und HoUand. , Haag, 27. April. Ueber die gcherrne Kamntersitzung wird zwar noch immer Stillschweigen beivahrt. es fann wdoch gesagt werden, daß sowohl die niederländische Regie- rung wie im allaeineinen Friedensvertrag über Gebühr gelobt wurde, ehe er überhaupt Gestatt gmwnnen hatte, schreibt Herr von Graese: „Die Sorge unserer Vertreter, daß Rumänien, mit dem wir in Zuknifft in gesundem, wirffchaftfichen Aus- tauschln-rkchr zu stchen wünschen, nicht zmn völligen Bankerott gebracht werde, in allen Ehren, aber — abgesehen davon, daß die Rücksicht auf die eigene deutsche Wirffchaftskrast doch vielleicht für uns noch etwas wichtiger ist, — frage ich: Ist man sich über die außer«, ordentliche Finanzkrast und den natürlichen Reichtma Rumäniens wirklich im klaren, daß man so wenig wenigstens für uns — zu verlaUgen wagt, von erneut Lande, das uns in der frevelhaftesten Weise verraten hak und nun besiegt zu unseren Füßen liegt? Ich könnte auf meiner eigenen örtlichen Erfahrung au» dem Jahre 1917 allerlei über den baren Reichttun, sogar auch von Gold, in Runtänion, erzählen: aber vor allem die ungehenreO, Boöenschätze, die unvearleichlM FrmblÄarkeit fe» Äctedt <«- LeL Mmra» üaä ofifes Mus Rumänien als ei» Lano, das rmS mckL rmr «ne nrdirettv. sofern auch eine sehr hohe direkte Kriegsentschädigung zu zahlen fähig ist, ohne die Gefahr eines Bankerottes zu laufen, namentlich wenn man dein Besiegten mrch noch das außerordentlich wertvolle Beßarabien dazu schenkt! Freilich, etwas intensiver arbeiten und wirtschaften wurde mancher Rumäne dann vielleicht lernen müssen, aber diese ansgezwungene Lehre würde an der namentlich in ihren Oberschichten verschlemmten, sittenlosen Nation geradezu eine Kulturtat bedeuten. Und die ethischen Momente gehen ja unserer Regierung sonst so oft über die rein logischen! Und an einer anderen Stelle:' „Gewiß mag der Friedensvertrag im Vergleich zu der absoluten Null der Verträge mit Rußland und der Ukraine einige, namentlich wirtschaftliche, Aktiva für uns bringen, aber die Frage ist die, ob das deutsche Volk nicht ganz andere, größere Ansprüche zu stellen berechtigt und in der Lage war. Die absolut objektive Prüfung dieser Frage sollte sich jedenfalls niemand durch die propagandistische Reklanre für die Leistungen unserer Unterhändler verwirren lassen, — es könnten vielleicht einmal später unsere Nachfahren uns bitter zurufen: „Was Ihr der Minute ansgeschlagen, bringt uns keine Ewigkeit zurück!" Kaiser Karl über Wchlljofen. Wien, 26. April. (MTV.) Aus dem Kriegspressequartier wird berichtet: Seine k. u. k. apostolische Majestät gedachte des gefallenen Rittmeisters Freiherrn von Nicht Hofen in fol» -eitdem Telegramm an den deutschen Kaiser: Ein erstklassiger deiner Opferen, ein Held, vom Feinde gefürchtet, aber geachtet, von Freunden bewundert und hoch- geschätzt, Rittmeister Freiherr von Nichthofen, blieb in barten! -Kampfe aus dem Felde der Ehre! Deine Armee traf ein schwerer Verlust, doch was Nichthofen als Vorbild gezeigt und gelehrt hat, wird fortlcben in deiner wackeren Fliegertruppe. Mit mir trauert meine Wehrmacht um diesen ganzen Mann. In treuer Freundschaft Karl. Der deutsche Kaiser und König von Preußen antwortete: Don Herzen danke ich dir für die warmen Worte, die du anläßlich des Heldentodes oes Rittmeisters Freiherrn von Richthofen an mich gerichtet hast. Der Geist dieses ausgezeichneten Mannes wird in meiner Fliegertruppe fortleben und ihm nachzueifern, wird das BHtreben aller Flreger des deutschen Heeres sein. Mit herzlichen Grüßen Wilhelm. Nichlhofens letzter Flug. Darüber schreibt der Kriegsberichterstatter W. Scheuer- Mann. Richthosen war am Sonntag vormittag mit vier anderen Flugzeugen seiner Staffel zu einem Feindfluge gestartet. Loa diesen waren zwei mit bewährten Kampffliegern besetzt, dem Leutnant Wolff und dem Vizefeldwebel Schultz. Zn den beiden anderen flogen Oberleutnant Karjus, der begonnen hatte, nachdem er trotz der schweren Verwundung, die ihm 1914 die rechte Hand weggerissen hat, sich jahrelang als hervorragender Beobachter ausgezeichnet hat, zur Kampffliegerei überzu- gchen, und Leutnant von Richthofen, ein junger Vetter des Rittmeisters. Zn drr Gegend Hamel wurde Leutnant Molff und Oberleutnant Karjus in einen Kamps gegen sieben englische Sopwilh-Camels verwickelt. Diesen eilten sieben weitere Sop- with-Cainels zu Hilfe, während gleichzeitig eine deutsche Albatros-Staffel aus der Hohe von Saillv-le-Sec herbeistieß. Ein Teil der Engländer wich den Albatrossen aus, von diesen verfolgt. Wolfs und Karjus blieben in ein Nahgefecht mit drei Ibis vier Sopwith-Camels verwickelt, als ganz plötzlich Richt- hofens rote Maschine vorbeistrich und einen der Feinde in steilem Ctuczfluge zur Erde drückte. Inzwischen schoß Leutnant Wolfs einen der übrigen Gegner, seinen neunten, brennend ab. Als er ihm nachschaute, beobachtete er noch, wie Nichthofen seinen Gegner ganz tieffliegent> noch Westen, bet Somme zu. verfolgte. Im nächsten Augenblick war Leutnant Wolfs in einen Zweikampf mit einem sehr gewandten Gegner verwickelt. Nach mehrfachem Kugelwechscl hatte dieser wohl eine Ladehemmung, auch eine Anzahl Treffer im Apparat, so daß er sich zuriickzog. Dann stellte Wolfs mit Beruhigung fest, daß Richthofens Apparat in der Gegend von Hamelet verschwunden war. Auf dem Heimwege war er nebst den anderen deutschen Fliegern genötigt, ein ihnen begegnendes englisches Geschwader zu verfolgen. Als sie dann im Heimathafen eintrafen, waren schon eine Anzahl von übereinstimmenden Beobachtungen aus Flugzeugen und von Artillericbeobachtern gemeldet, welche ergaben, daß Richthofen feinen Gegner, den er bei scharfem Ostwinde gegen seine sonstige Gewohnheit etwa 8 Kilometer wert hinter die feindliche Linie verfolgt halte, zur Strecke gebracht und dann versucht hatte, seinen Apparat wieder in die Höhe zu bringen. Doch hatte dieser sich alsbald wieder geneigt, infolge einer ' Verletzung des SteiKts oder eines Motordefcktes, und Richthofen hotte den Apparat auf feindlichem Boden in glattem, wenn auch steilem G-leitfluge unversehrt aufgesetzt. Man nahm daher allgemein Sn, daß der Siegfried der Luft unverwundet in englische Gefangenschaft gefallen sei: denn ein Verwundeter halte den schweren Dreidecker nicht so sicher landen können. Erst der feindliche Funkspruch brachte die allenthalben an der Front mit großer Erregung aufgenommenö und zuerst nicht geglaubte Mitteilung vom Tode des Helden. Inzwischen hat sich das Gerücht verbreitet, welches hier allenthalben umläuft, ohne daß ich die Quelle kenne, daß die Australier, ln deren Divistonsabschnitt das Flugzeug niedergegangen ist, Richthofen nach Verlaßen seines Apparates erschlagen hätten. Die Stelle, wo sein ruhmgekröntes Hetzen dar Ende gefunden hat. befindet sich nördlich von Eorbie auf einem flachen Hügel in der Gegend, wo dis Anere in die Somme mündet. Nicktboken hatte, wie stets sn feine« Flügen. fco« Pap.vre Abzeichen mitgeiromn^n. diesmal trug er gegen feine Gewohnheit auch nicht den Orden Pour le merkte, den et sonst stets unter seinen Pelz zu knüpfen pflegte. Aber der Feind kannte seinen Dreidecker, den er seit Beginn der großen Schlacht wieder wie früher ganz rot angestrichen hatte, und dessen Erscheinen, bei unserer Infanterie und unseren Kolonnen stets hellen Jubel auslöste, wie es den Feind mit Schrecken erfüllte. Zn würdiger Fassung hat der alte Vater des Helden die Nachricht ausgenommen und aus Flandern, wo er eine Ortskommandantur bekleidet, dem Jagdgeschwader, welches den Namen Richthofen weiter führt, gedrahtet, daß er wünsche, der Geist seines Sohnes möge in seinen überlebenden Mitkämpfern lebendig bleiben. Die durch den Tod ihres Führers tief in Trauer versetzten Flieger des Geschwaders schwören beim An- denken an den gefallenen Holde», daß sie ihn rächen werden. Des Mus rauft iui die Deichs da« Berlin, 28. April. (WTB.) Der Kaiser hat an den Reichskanzler Dr. Grafen v. Hcrtling folgendes Telegramm gerichtet: „Der Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1917, den mir der Staatssekretär des Reichswirtschaftsamles mit eingehendem Bericht vorgelegt hat, gibt mir ein Bild von der glänzenden Verfassung unsere Geldmarktes und von der Widerstandskraft unseres Wirtschaftslebens, das mich mit stolzer Freuds erfüllt und für das ich allen Beteiligten meine warme Anerkennung aussprechen möchte. Gewiß danken wir diesen einzigartigen Erfolg in erste: Linie den Siegen, die Gottes Gnade unfern Führern und Kämpfern in Heer und Flotte geschenkt hat. Sie begründen das starke Vertrauen auf die unüberwindliche Kraft und Zrckunft Vaterlandes, das, wie der großartige Erfolg der achten Kriegsanleihe beweist, alle Glieder des Volkes erfüllt. Daneben ist es aber die hervorragende Politik unserer Reichsbank, die im Verein mit der Leistungsfähigkeit und vaterländischen Gesinnung der beteiligten Kreise zur Aufbringung der Kriegskosten den unerschütterlichen Rückhalt gegeben hat. Es ist mir eme Freude, dies grade vom Schlachtfeld und unter dem Eindruck des unaufhaltsamen Vordringens zum Ausdruck zu bringen. Wir siegen militärisch und wirtschaftlich und gehen einer gewiß nicht leichten,, aber starken Zukunft emgegen." Dem geliebten Daterlnude. Berlin, 27. April. (WTB.) Von Generalfeldmarschall v. Hindenburg ist dem Präsidenten des Preußischen Abgeordnetenhauses Graf v. Schwerin-Löwitz folgende Drahtung zugegangen: „Dem Preußischen Abgeordnetenhause beehre ich mich für die freundlichen Glückwünsche besten Dank zu sagen. Die Erstürmung des Kemmelbsrges ist ein neuer Beweis der ungebrochenen Augriffskraft und des Siegeswtllens unserer unvergleichlichen Truppen. Die Anerkennung der Heimat für das Geleistete wird der Truppe ein Ansporn sein, dem geliebten Vaterlande einen baldigen siegreicher: Frieden zu erkämpfen." Vom Felde der Ehre. Echzell. Grenadier Heinrich B i n d i n g, Sohn des Landwirts und Wagnermeisters Binding, bei einem Sturm- Bataillon im Westen, wucke wegen tapferem Verhalten vor dem Feinde das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen. Herzlichen Glückwunsch! Niedcr-Erleubach. Der Gefreite Karl Dreh, Sohn des hiesigen Pächters Dietz. bei einem Feld-Artillerie-Negie- ment, wurde zum UnteroffM? befördert nachdem er sich in den letzten schweren Kämpfen rühmlichst ausgezeichnet hatte. Er ist bereits im Besitz des Eisernen Kreuzt erster und zweiter Klasse. Herzlichen Glückwunsch! Ans der Heimat. Moderner Liederabend. Wir machen an dieser Stelle ebenfalls auf den morgen Dienstag, den 30. April, zu Bad-Nauheim (Theatersaal) stattfindenden „Modernen Lieder-Abend" aufmerksam. Die Vortragende. Frl. Mary G r a s e n l cf, wurde zu Bad-Nauheim geboren; erst wollte sie sich zur Pianistin ausbilden, bis ihre auffallend helle und selten schöne Sopranstimme entdeckt wurde und sie bestimmte, sich dem Gesang zuzuwenden. Der Ruf einer Künstlerin mit lieblich feinem Vortrag geht ihr voraus, ebenso vorteilhaft ist der Meister Mraezek, der die Klavierbegleitung übernommen hat, als hervorragender Künst. ler bekannt. Nicdererlenbach. Man sollte nicht glauben, daß finsterer Aberglaube im 20. Jahrhundert noch manche Leute befangen hält. Kam da ein fremdes Weib aus fahrendem Volk hierher, jedenfalls war Hamstern ihr Zweck und sie kam bei dieser Gelegenheit mit einer hiesigen Frau ins Gespräch. Die Frau klagte der Fremden ihre Not, von der ja heutzutage kein Mensch verschont ist. Das Weib versprach ihr die Zukunft zu deuten und Befreiung von aller Nor, wenn ihren Weisungen genau Folge gegeben würde. Die hiesige Frau ließ sich beschwätzen, die Wundertäterin hieß sie einen namhaften Geldbetrag in eine Schüssel legen, dann begaben sich beide in eine Kammer, von da wurde die Frau in den Kuhstall geschickt, wo sie allerlei Hokuspokus verichten sollte. Als unsere Frau wieder in die Kammer kam, war die Schüssel verdeckt und die Fremde verließ nun auch den Raum, schloß ab und befahl der Frau, nicht eher zu öffnen, bt» sie zurückkäme. Wer aber nicht Duriickkam, war die Landstreicherin,' als die Frau nach ein paar Tagen öffnete, war wohl die Schüssel vorhanden, ihr Geld aber war sie losgeworden. Also geschehen eine Stunde vor den Toren von Frankfurt am Main im Jahre 1918, im vierten Jahr des Weltkrieges! Oberrrtenbach. Auch in hiesiger Gemeinde geht man mit der „guten alten Zeit" und bekümmert sich nicht um die Berlirrer Bestimmungen. Die sogen. Sommerzeit paßt nicht für unsere Verhält uisse. A h in den meisten benachbarten Gemeine» verftkyrt man so. Ueber die Einführung der Sommerzeit lese« wlr in der „Darmsiädter Zeitung": Die Nichtanerkennung der neuen Sommerzeit macht gegenwärtig in zahlreichen weiteren Landgemeinden Rheinhessens, sowie auch in anderen Teile» Hessens weitere Fortschritte. Wie im Kreise Worms, so ist man auch in anderen Kreisen vielerorts zur alten Zeit, als der dem Landleben weit besser angepaßten, Zurückgekehrt. Die Uhren gehen nach der alten Zeit und die Kirchenglocken läuten wi« früher früh morgens und nachmittags um 1 Uhr zum Begum der Feldarbeiten und am Abend zu deren Beendigung. Dis Kinder gehen nach der alten Zeit um 7 Uhr morgens und um 1 Uhr mittags zur Schule, so daß damit der Forderung der Schulbehörde, den Unterricht nicht vor 8 Uhr (nach der neuen Zeit) zu beginnen, doch entsprochen ist. So wickelt sich alles Leben auf den Landorten ohne besondere Störung nach der alten Zeiteinteilung ab, nur die Uhren der öffentlichen Anstalten, wie der Post und der Bahn, stehen mit der Dorfuhr nicht im Einklang und gar manchem spielte dieser Umstand schon einen unliebsamen Streich. Ans dem Vogelsberg, 24. April Allgemein hegte man die Befürchtung, die kalten Rächte der seitherigen Lage hätten das Frühobst vernichtet. Dem lst aber nicht so. das Frühobst ist erhalten gebliebe.n. Das Thermometer stand zwar in 'der Nähe von Rull. Doch nicht darunter. Wohl haben die kalten Tage das Wachstum etwas gehemmt, sie haben aber auch das Ungeziefer nicht aufkommcn lassen, Gerade dem Wintersamen drohten die schwarzen Erdflöhe, jetzt vermag er bei wärmerem Wetter zu b.ühen. Die Wintersaat zeigt einen Stand, wie er seit Beginn des Weltkrieges noch nicht dagewesen, und die Frühjahrsbestel- lung geht bei so günstigen Bodenverhältnissen vor sich, wie sie der Landmann nur wünscht. Die Kartoffeln lassen sich bei dem lockeren Boden nach Wunsch setzen. Die ursächliche Bedingung zu einer guten Ernte, die allerdings noch von anderen Umstanden abhängt, wäre gegeben. Frankfurt a. Main, 24. April. Durch die Kriminalpolizei wurde in der Wohnung des 26jährigen Kellners Albert Sturz, Grcße Gallusftraße 3, ein großes Spielernest ausgehoben. Als die Beamten in die Wohnung einorangen, fanden sie nicht weniger als 25 Personen vor, die in nachmitternächtltcher Stuirde tempelten. Die Umsätze bewegten sich in erheblicher Höhe, Einsätze von 100 Mark waren keine Seltenheiten. Mehrere Personen, darunter einige fahnenflüchtige Soldaten und langgesuchte Verbrecher wurden festgenommen, die übrigen Spieler nach Feststellung ihrer Personalien freigelassen. Bad-Homburg. Bei der Suche nach gestohlenen Treibriemen in Bad-Homburg stieß die Polizei gestern im Keller eines abseits gelegenen Hauses auf eine Geheimschlächterei. Etwa zwei Zentner Fleisch waren frisch ausgehauen. Die Haute von zwei Stück Großvieh, die noch da waren, lassen darauf schließen, daß auch noch mehr Fleisch vorhanden gewesen sein muß, das bereits den Weg des Schleichhandels gegangen ist. Eins gut geführte Kundenliste gibt Über die Käufer Auskunft, unter denen sich mehrere Homburger Wirte befinden. — Des weiteren beschlagnahmte die Polizei an der hingen Gepäckannabme einen Keffer und einen Schließkorb. die aus dem Hessischen her- übergeschickt waren und zwei Zentner ftisches Fleisch enthielten. FO. Königstern, 24. April. Aus der Villa Hardtberg dahier wurden nächtlicherweile von Dieben 28 Hühner und 1 Hahn gestohlen. Die Tiere wurden an Ort und Stelle abgeslUachtet. FC. Idstein, 25. April. Von einem Herzschlag betroffen wurde auf der Straße von Idstein nach Heftrich der Kanonier Greim vom Feldartillerie-Regiment 63. der zu seiner Ablösung nach einem dortigen Holzkommando wollte. Der Tod trat sofort ein. AuS Starkenburg. Darmstadt. Die Darmstädter Stadtverwaltung gibt eins größere Partie Rübcnsnuerkraut. das ihr vom Kriegsernah» rungsamt zur Verfügung gestellt wird, an minderbemittelt» Bewohner der Stadt gegen Vorzeigung der Lebensmitlelkart» kostenlos ab Das Zeug will nämlich niemand für Geld haben. FC. Aus dcm Kreise Heppenheim, 25. April. Die Früh» jahrskouferenzen der Lehrer des Kreises finden statt: in Heppenheim am 29. April, in Viernheim am 3. Mai, in Birkenau am 7. Mai, in Fürth am 16. Mai, in Waldmichelbach am 24. Mat und in Hirschhorn am 28. Mai. Die Tagesordnung bringt: „Der vaterländische Hilfsdienst und die Schule". • Zur Hinrichtung des Raubmörders Gebhardt. Zwcibrückeu, 26. April. Nachdem Gebhardt Me Mit» teilung von seiner bevorstehenden Erschießung erhalte» hatte, gab er in der Gefängniszelle dem Anstaltsgeistliche» ein volles Geständnis seiner Schuld. Er stellte damit ein früheres Geständnis richtig und legte dar, daß die Tat sich als Nwhlgeplanter und überlegter Raubmord darstelle. Nachmittags diktierte er dann dem Geistlichen das Geständnis und ermächtigte ihn, es dem Ersten Staatsanwalt zn übergeben. Auf dem Richtplatz, dein in der Nähe Zwei- krnckens gelegenen Garnisonschießplatz wiederholte er wenige Augenblicke vor seiner Erschießung das Geständnis, erklärte, daß das Urteil gerecht und die Todesstrafe verdient sei und bat die menschliche Gesellschaft, an der er sich schwer versündigt habe, um Verzeihung. Das Versteck der gerank" ten 40000 Mark wisse er nicht, das kenne nur sein Vater. — Obwohl das Geständnis Gebhardts die Tat in allen Einzelheiten glaubhaft schilderte, und namentlich muh Mit-, teilnngen über die mehr oder minder große Beteiligung seines Vaters an der Tat enthält, ist nach den bestehenden Bestimmungen über das standrechtliche Verfahren eine Mio- deransnahme der Verhandlung gegen den Vater, der knrzlichj seine 6jährige Zuchthausstrafe im Zuchthause zu Ebrach an-> getreten hat und bisher von der ganze» Mordtat nichts wissen wollte, ausgeschlossen. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: OttH Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. H e y n e r J Friedbera. Druck und Verlag der ^Ne»m LagÄtzeitrmgV «. QL Kriedbem fcjft' UM STm 27. erhielten wir die tiestranrige Nachricht, daß am 17. April unser lieber, treuer Sohn, Bruder. Schwager. Neffe. Onkel und Vetter Paul Brennemann Vize.Wachtmcister und Offiziers Afpir«nit in einem Reserve-Feld Artillerie Regiment Inhaber des Eisernen Kreuzes und der Hessischen Tapserkeitsmedaille nach über 3'/-jähriger treuer Pflichterfüllung im Alter von 25 Jahren den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist. Ober Erle,lllach, Hof Eich, Gietzen, Frankfurt a. M., Lollar, den 29. April 1918. Die tiefbeirudten Hinterbliebenen: I. d. N.: Oekonomierat Rudolf Brennemann. Eine große Sendung Feldpost- A Kartons sind wieder eingetroffen. Cleiuenline Stern, Friedberg. Kaiserstraße 51, gegenüber der Engel-Apoth. Luche zum 1. oder 15. ein tüchtiges, zuverlässiges Mai Mädchen Holzversteigerung im Gemeindewaid Hungen. D strikt Jrrbühl und Heckenwald am Freitag, den 3. Mai 1918. vormittags 0V 2 Uhr onfangend nach Zusammenkunft auf der Schottener Straße am Jrrbühl: 118 rm Buchen-Lcheiter 5 291.6 llX),9 447 welches ichon gedient hat und Hausarbeit versteht Frau Apotheker Schmidt, Echzell. 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Das Unterrichtsgeld beträgt 12 Mark für das Schuljahr. Friedberg, den 18. April 1918. Für den Aufsichtsrat: Die Schulleitung: gez.: Haag, Gr. Baurat. gez.: Dipl.-Ing. Schneidt, Gr. Hauptlehrer. Rechnungen in allen Formaten liefert schnell und billig Mm „tfflGffiffitimg* J -S. 2nh. Valth. Schneider. Friedberg i. H. Knaben- u. Burschen- Anzüge Doch in allen Grösse« Mayer J. Hirsch Friedberg dem Rathause gegenüber. Extra große Thüringer Neiferbefen alle Sorten Bürsten, Besen, Striegel, Toilette-Artikel, prima Rasier- u. Toiletteseife, prima Linoleum- und Parkettwachs alles in großer Auswahl. Theobald Stemel Bilrstenfabrik. Ftledberg, Kaiserftraße 117.