Dtc „Arne Tayr°?eit»ns" -rlch-mt ,«d°n ÜL,rNa>. Regelmatztge Beilagen „Der Kanrr ans «»ff«'', »Dir Sprint««!,-». KrMgspr.i«: Bei den P-stanftaiten m°riel,Lhrlich Ätt 2 4a h'n,u tritt noch das Bestellgeld: de, den 'J unten monatlich 85 Big. einlchliehlich Tragerlokn. An,-igr»7 Ärand,eiie 25 P,g» l«tale 20 Btg^ Aa,eigen van auswnns werden durch Bostnachnahm» erhoben. Eriullunasort ^riedbera. Schriftleltmi«, und Derla« rriedbe'n lf>eüenl. 'anausrstrage 1% ^eraiptecfjer 4S. P»sti deck-Laut» SU. 4859, ilitt ^rautiuet a. M. Kummer 9^ Freitag, den 26. April 1918 11. Jahrgang. Wiederbeginn de- Schlacht an der Somme, Hangard genommen. — 2609 Feinde gefangen. Der englische Flottenangriff ans Ostende und Zeebrügge. — 22600 Tonnen versenkt. Der deutsche Generalstab meldet: =====s====b W. T. K. Großes Karrpt^nartirr» drsr 25. April. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Auf dem Schlachtfeld an der Lys scheiterte ein starker Gegenangriff der Franzosen gegen die Höhen van Vleugejhoek unter schweren Verlusten. Oertliche Kämpfe nordwestlich von Bethune, bei Festubert und zu beiden Seiten der Scarpe. Südlich von der Somme griffen wir Engländer und Franzosen bei und südlich von Villers-Bretonneux an. In hartem Kampfe bahnre sich unsere Infanterie den Weg durch die Maschinengewehrnester des Feindes. Panzerwagen haben sie hierbei wirksam unterstützt. Wir nahmen den vielumlämp ten Ort Hangard. Aus dem Westufer der Avre trugen wir unsere Linien an die Höhen nordwestlich von Castel vor. Den ganzen Tag über führte der Feind mit semen auf dem Kampffeld be- reitgestellten. von rückwärts herangeholten Unterstützungen heftige Gegenangriffe. Sie brachen blutig zusammen. Erbitterte Kämpfe dauerten in dem gewonnenen Gelände die Nacht hindurch an. Mehr als 2600 Gefangene blieben in unserer Hand, 4 Geschütze und zahlreiche Maschinengewehre wurden erbeutet. * Don den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Cenera!qusrtier«eister: LudeHtzvrff. Abendbcrrcht. Berlin. 25. April, abends. (WTB. "Amtlich.) Die Armee res Generals Sixt von Arnim steht im Kampf um den Kemmel. Der österreichische Grneralstab -- - meldet: — 3ßlen, 25. April. (WTB.) Amtlich wird verlautbart: Am oberen Devole in Albanien wiesen wir in de« letzten Tagen französische Vorstöße zurück. Im Südwesten nichts Neues. Der Chef des Generalftabes. I Das türkische Hauptquartier — — meldet: - — Kor.'Lantinopel. 25. April. tWTB.) Amtlicher Tagesbericht. Paläfttnafront: Stellenwe,e lebhafteres Artilleriefeuer. Kaulasusfroat: In der Nähe von Kars nehmen unsere Bewegungen weiter einen günstigen Verlauf. An der Küste sind unsere Truppen über Ozurgett hinaus im Vormarsch gegen die Eisenbahnlinie Kutais-Batum. Sonst leine bedeutenden Ereignisse 22 § 00 Tonnen versenkt. Ccriin. 24 April. lWTB. Amtlich., Neue U.Bootersolge lm Sperrgebiet um England: 22 000 Bruttoreglstertonnen. Unter den versenkten Schissen waren ein wertvoller 7000 Blutto- registertoilnen-Dampfer, der im Acrmelkanal aus einem stark gesicherten Geleitzug herausgeschossen wurde, und zwei voll- l'Uadeue Dampfer von je 5000 Bruttoregistertonnen. Der Che» des Admiralstabs der Mariae. §tx Angriff nut (Ofirnöe und Jkebliii Berlin 25. April. lWTB. Amtlich.) Nach Reuter dungcn wollen nach England zurückgelehrle Leute der dungsabteilung de- gegen Zeebrügge anqeietzt gewesene grisfegelchwaders ausgesagt haben, dah alle Geschütze, und Muuitionsvorräte auf dem Hafendamm zerstört r Schleusentore in die Luft esprengt worden seren. Diese T tungcn sind von Anfang bis Ende frei erfunden. Außer liugfügigen, bereits ausgebesserten Zerstörung an der Verbindung haben die Engländer durch ihre Untern« vicht das Mindeste erreicht. Es ist nicht eine einzige der Dtole befindlichen militärischen Einrichtungen auch nur i gezogen wott * n - Bis auf die bereits ge^ uioiit Beschädigung eines einzige« Torpedobootes sin keinerlei Zerstörungen an irgend einem U-Boot. Torpedoboot oder sonstigen Fahrzeugen erreicht worden. Auch an die Schleuse ist der Feind weder durch Sprengungen noch durch Geschützfeuer herangekommen. Die gesamten Haseneinrichtungen Zeebrügges sind vielmehr völlig unversehrt und voll betriebsfähig. Nach Gefangenenausfagen hat der Feind das gleiche Unternehmen bereits viermal durchzuführcn versucht. Infolge der Wachsamkeit unserer Vorpostenboole und unserer Batterien ist er aber jedesmal zur Umkehr gezwungen worden. Wenn es ihm diesmal gelang, an die Angriffsziele näher heranzukommen, verdankt er dies dem Zusammentreffen für ihn besonders günstiger Umstände. Hierbei spielte das neblige Weiter und die Windrichtung eine entscheidende Rolle. Diese führte den im großen Umfange verwendeten künstlichen Nebel vor dem Angreifer her, unmittelbar auf die Angriffsziele zu. Unsere Abwehrmittel konnten daher erst in Tätigkeit treten, als der Kreuzer „Vindictive" auf nächste Entfernung in Sicht kam. Ihre Wirkung setzte sodann mit voller Wucht ein, daß es dem Kreuzer bei aller Anerkennung des von seiner Führung gezeigten seemännischen Geschicks nicht gelang, die für die Unternehmung be, stimmten vier Kompagnien Seesoldaten zu landen. Die wenigen Leute, denen es unter Führung ihrer Offiziere möglich war, auf der Mole Fuß zu fasten, wurden von der tapferen Verteidigung niedergemach: oder ins Master geworfen, bis auf etwa 12 Mann und einen Hauptmann, die sich als Gefangene in unserer Hand befinden. Mit ihnen fielen zwei Flammenwerfer, zwei Maschinengewehre und sonstige Nahkampfwaffen in unsere Hand. „Vindictive" mußte unter dem vernichtenden Feuer vielmehr wieder von der Mole oblegen. Die zur Sperrung der Kanal- einsahrt bestimmten Kreuzer wurden gleichfalls beim Heraus- treten aus dem Nebel unter vernichtendes Feuer genommen. Es gelang daher, sie zum Sinken zu bringen, bevor st« die für die Sprengung angestrebten Plätze erreicht hatten. Die von den Engländern mit schweren Personen- «nd Materialopfern eingesetzten Mittel haben demnach in keiner Weise den Erfolg erzielt, den der Feind erhofft hat. Insbesondere ist ihre Absicht, die Einfahrt zu unserem Unterseestützpunkt zu sperren. vereitelt worden. Reuter mag mit Recht die Unternehmungslust und die Tapferkeit der an dem Unternehmen beteiligten Engländer loben, uns vermag er aber die Genugtuung darüber nicht zu nehmen, daß dank der Tapferkeit unserer Verteidiger der Gegner sein Ziel nicht erreicht hat. Brügge, 25. April. (WTB.) Don einem Augenzeugen wird uns zu dem englischen Flottenangriff auf Ostende und Zeebrügge noch berichtet' Der englische Flotlenangrisf auf Oltende und Zeebrügge am frühen Morgen des 23. April sollte die dortigen Anlagen zer. stören und die Hafenausfcrhrten durch Versenken von Sperrsckif- fen blockieren. Die Nacht vom 22. znm 23. April ist diesig und unsichtig. Ein feiner Regen fällt. Rach Mitternacht schwirrt es über Ostende und Zeebrügge. Abwehrfeuer, Bomben krachen. Em neuer Ton: das langgezogene Heulen der Achtunddreißiger u,ld englischer Monitoren Die deutschen Küstenbatterien nehmen das Feuer auf. Aber das offene Meer verschwindet wie unter einem dichten Schleier. Das machen die Nebelapparate feindlicher Schiffe. Mlt einem Male zittert der mächtig« Qua- dcrbou der Mole unter furchtbaren Schlagen. Ein mit Explosivstoffen gefülltes englisches U-Boot ist gegen die Mol« gefahren. Ein Teil der Gitterbrücke, welche die eigentliche Mole mit dem Festlande verbindet, fliegt in die Luft. Für den Augenblick ist jede Verbindung mit dem Lande abgeschnitten. Vergeblich steigen die Leuchiraketen und werfen die Morseapparate ihre Lichtbündel. Der Nebel ist zu dick. Die Wache steht in fieberhafter Erwartung hinter der meierdicken Brüstung der Mo. lenmauer. Da taucht wie ein Eeisterschiff der englische Kreuzer aus dem Nebel. Schon ist er an der Mole im toten Winkel. Maschinengewehre rattern, und die kleinen Maschinenkanonen spucken rasselnd Geschoß auf Geschoß auf das Deck des feindlichen Kreuzers, das schwarz ist von Menschen. Aber von den m Royal Mariners weiß jeder einzelne, daß es gilt, zu siegen oder zu sterben. Unter dem tödlichen Hagel der Maschinengewehre werden Laufstege gegen die Molenwand geworfen. Die Verwegensten klettern hinauf, die Kompagniefiihrer an der Spitze. Von Vieren bleiben drei tot auf der Mole. Ein wilder Kampf in Dunst und Nebel um die zitternde Mauer, ein Kampf Ntit Bajonett, Mcsier, Faust und Zähnen! Von den 10 Engländern komnit keiner lebend zurück. Das Deck des Kreuzers schwimmt in Blut. Der Engländ^ wirft wieder ab. Der Versuch, die Seeflugstation und die anderen Einrichtungen der Mole durch handstreichartigen Uebecfall zu zerstören, ist gescheitert. Mit qualmenden Nebelapparaten versuchen drei feindliche Kreuzer den Molenkopf zu passieren. Da bricht das Feuer der Mo- lentopfbatterie aus den Röhren. Treffer sind im Schornstein, auf der Kommandobrücke und im Rumpf. Auch die Kiistenbatte» rien greifen ein, die jetzt ihr Ziel im Dunst erkennen können. Die englischen Schiffe beginnen zu sinken. Zwar haben sie noch Fahrt. Aber es genügt doch nicht mehr, um ihr Ziel, die Kanalschleuse. zu erreichen und zu sperren. Ein Zerstörer, der di« Besatzungen anfnehmen soll, sinkt im deutschen Geschutzfeuer. Vo« den Besatzungen entkommt kaum einer. Roch größer war der Mißerfolg bei Ostende. Die englisches Sperrschiffe kamen überhaupt nicht an die Hafeneinfahrt heran. Kaum gesichtet, sanken sie im Feuer der deutschen Küstenbatte- rien Zwei Zerstörer, die sich Wenduyne zu nähern versuchten» wurden gleichfalls vernichtet. Am Morgen des 23. April sähe« die aufklärenden deutscher Flieger vor der Küste sieben treibend« Kutter, Wrakteile und Leichen. Fünf Lebende und einen Tote« konnten die deutschen Torpedoboots noch bergen. Die gdprengts Molenbrücke ist rasch wiederhergestellt. Ein einziges deutsche« Torpedoboot ist unbedeutend beschädigt, seine Gefechtskraft ist nicht beeinträchtigt. In Ostende sind einige Häuser beschädigt und zehn Belgier getötet. Der Engländer aber büßte fünf kleine Kreuzer, drei Zerstörer und mehrere Motorschnellboots ein. Noch schwerer aber wiegt der Verlust der zahlreichen Tolenx der Tapfersten der Taoferen. Der englische Funkspruch vom 21. April meint, daß die Ein» fahrt zum Brügger Kanal möglicherweise wirksam blockiert sei. Sollten die Optimisten im vereinigten Königreich daraus ihre Hoffnungen bauen, so wird der unveränderte Fortgang deO deutschen U-Bootlrieges sie belehren, daß England seine Schiff« ««d Menschen vergeblich geopfert hat. ö » « Der Kaiser 1« ZeebrLqge. Der Berichterstatter des „Berliner Lokalanzeigers" Karl' Rosner berichtet aus Zeebrügge: Am frühen Morgen hatte der Kyiser die erste Nachricht von dem im Laufe der Nacht erfolgten Handstreich der Engländer auf die Mole und den Kanal von Zeebrügge erhalten. Nach dem Vortrag begab sich der Kaiser auf die Mole, wo er sich davon Überzeugte, daß der durch dis Sprengung der Eisenbahnbrucke verursachte Schaden seine vor» läufige Behebung schon gefunden hat und daß eine endgültig« Uebcrbrückung der Lücke in wenigen Tagen erfolgt sein kann. Ebenso überzeugte er sich von dem vollkommen guten Zustand« aller unserer Anlagen und Einrichtungen auf dem äußeren, de«ß Angriff als Ziel gesteckten Molenteil. Als der gefangene englische Marine-Infantcriekapitän eben vorübergeführt wurd«» ließ der Kaiser ihn zu sich kommen, um auch die Darstellung de« Kampfes von einer gegnerischen Seite zu hören. Der Hauptmann gab zu, daß die Vernichtung unserer Einrichtungen auf der Mole und die Abklemmung unserer U-Boote von der Aus. fallstellung in Zeebrügge und Ostende das Ziel des lange vorbereiteten und mit großen Mirtcln ausgeführten Unternehmen« war. Der Ueberfall war bereits viermal angesetzt und eingeleitel gewesen, jedoch jedesmal an der Wachsamkeit unserer Vorpostenboote gescheitert. Erst in der vergangenen Nacht hätte« die dichten Nebel den „Raid" ermöglicht, leider ohne daß ihr« der erstrebte Erfolg beschieden gewesen wäre. Die Schlacht im Westen. Nutzlose Opfer. Berlin, 21. April. (WTB.) Die Engländer haben sich am 23. April in zahlreichen vergeblichen Angriffen an verschiedenen Frontstellen zwischen Bailleul und Scarpe blutige Schlappen geholt und ihre ungeheuren Verluste des ersten Monats de* großen Weltschlacht erheblich gesteigert. Während die Deutschen in erfolgreichen Kämpfen die wichtige Höhe bei Vleugelhoek dem Feinde entreißen konnten und außer zahlreichen Franzosen, die hier für England erneut bluten mußten, eine große Anzahl Maschinengewehre einbrachten» wurde in der Gegend von Meterem um 6 Uhr vormittags du« unter starkem Feuerschutz angreifende feindliche Großpatrouill« im Nahkampf abgewiesen. Fast gleichzeitig fand nach stärkste« Artillerievorbereitung ein feindlicher Vorstoß gegen unsere Stellung am Elarncefluß statt, der unter hohen Feinlwerlusten za- sammenbrach. Das gleiche Schicksal teilte ein um 11 Uhr pui* mittags bei Riez du Vinage angesthter starker feindlicher An- griff. In der Gegend von St. Hubert mußten englische Stoßtrupps. die um 2 Uhr morgens angriffen, nach hartem Kampf« zurückflüchten und Gefangene und Maschinengewehre in unsere« Hand lassen. Den ganzen Tag über lag «ruf dieser Front besonders in der Gegend von Merville lebhaftes Feuer, das sich in der Nacht zum 24. inn Bailleul zum Trommdfeuer steigerte. Hier stwß d« Feind unter dem kkinftch starker Kräfte abeemaL» vor, uwtti» tzv hoch osn dem dnckfchen Artillerie^ und Jnfanteriefeuer förmlich zerschlagen. Schließlich scheiterte ei« feindlicher Angriff an der Scarpe, der abermals nach heftiger Feuervorbereitung eingesetz- worden war. Der Feind ließ zahlreiche Tote zurück. Zwei Sturrden später verwandte er wieder seine Sturmtruppe» zu einem Vorstoße, den unser rechtzeitig einzesetzes Vernichtung-« fener Überhaupt nicht zur Ausführung kommen ließ. Der 23. April hat dem Feind sehr erhebliche Opfer gekostet. Be: den deutschen Patrouillenvorstößen auf das Nordufer 'der Pfer wurden in letzter Zeit mehrfach Belgier gefangen genommen. Die Gefangenen waren über den deutschen Angriff gut unterrichtet und gaben der Ueberzeugung Ausdruck, daß ihre Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in die Heimat in Erfüllung gehe. Das belgische Heer hätte seine Pflicht bis zum Aeußersieu getan. Sic sehen nicht ein, wcshalb sie noch ihr Blut für Eng. lands Eroberungsgelüste weiter vergießen sollten. Ueber ihre Ansicht bezüglich der Beschießung von Paris befragt, meinten sie, sie begrüßen eine Beschießung der Hauptstadt ihrer engtischen Verbündeten. Uebrigens bestätigt es sich, daß die am 22. April abends von den Engländern nördlich von Albert im Wald von Aveluy angesetzten Angriffe mit außerordentlich starken Kräften durch- gesührt wurden. Zn ihrem Verlauf kam es an vielen Stellen zu erbitterten Nahkämpfen. Kleinere Einbruchsstellen des Feindes wurden noch während der Nacht und im Laufe des 28 . April gesäubert. Nach Aussagen von Gefangenen zweier Divisionen waren die Feindverluste außerordentlich schwer. Oefterreicher und Ztaliener an der Westfront. Die schweizerischen Zeitungen besprechen ausnahmslos die Wiener Meldung, wonach österreichische Truppen in Belgien erntreffen, und messen ihr Bedeutung bei. Der „Zürcher Anzeiger" betont, man habe dies einerseits wohl als Antwort auf die Entsendung italienischer Truppen nach dem Westen aufzu- fassen, anderseits dürfe man darin aber auch eine sichtbare und bedeutende Kundgebung des Bündnisiss erblicken. Durch diese weitere Verschiebung von einerseits italienischen, andererseits österrercknfch?n Kräften nach der Westftont gewinne diese in noch stärkerem Maße als bisher an Bedeutung als Hauptkriegsschauplatz. Wichtige militärische Vorbereitungen i« Frankreich. Cenf. 25 April. Im Heeresausschuß wurde am Montag mrf eine Anfrage aus der Linkspartei geantwortet, daß die Sperr» zwischen dem Heere und der Heimat nock einige Zeit andeuern werde. Es sei dies wegen wichtiger militärischer Vorbereitungen notwendig. Die dann eintret-nden Eretgnisie würden die Franzosen für die jetzige Zeit entschädigen. Fock in Uöten. Irnich, 28. April. Die östlich und nördlich von Amiens gelegenen Ortschaften haben laut ergänzenden Pariser Meldungen durch die seit 48 Stunden gesteigerte Heftigkeit der dentfckren Bechfießung Uickst minder hart gelitten als die Umgebung Bethunes. Wenn die Franzosen eine deutlichere Vorstellung von den gewaltigen SAvierigkeiten hätten, die General Fach überwinden muß. um Ueberraschungsangriffen chorzubeugen, so zügelten sie ihre Ungeduld leichter. Jetzt gelte es, die Lösung strategischer Aufgaben, die ohne Vorbild in der allgemeinen Kriegsgeschichte seien. Fachs Schwierigkeiten erkennt auch der „Zürch. Tgsanz." der schreibt: Es ist fraglich, ob es dem Oberbefcchlshaber des Verbandes noch möglich ist, auf den wenigen noch offenen Verkehrswegen nach dem Norden das für einen großen Angriff notwendige Kriegsgerät innerhalb nützlicher Frist heranznschaffen. Wenn die Schlacht einmal im Gange ist. könnte sich die Gefährdung der Nachschubswege sehr unliebsam fühlbar machen. Der französische Feldherr darf nicht zu einseitig auf die Rettung der englischen. Front bedacht sein, er muß um des Ganzen willen auch die französische Front im Auge behalten. m "Tote Beveid ms lätrig« Ludwig. J : Y- tz •ff München, 24. April. '(WB.)' Der König von Bayern hat an den Vater des gefallenen Frhr. Manfred v. Richthofen Albert Frhr. v. Richthofen in Schtveibmtz, folgende Drahtung gerichtet: „Die Nachricht von dem Heldentod Ihres SohneS, des Rittmeisters und Führers einer Jagdstaffel. Manfred Frhr. v. Richthofen hat mich auf das schmerzlichste berührt. Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen und allen Ihren Familienangehörigen mein wärmstes Beileid auszrrsprechen zu dem betrübenden Ableben dieses trefflichen Offiziers, der die soldatischen Tugenden seltener Entschlossenheit und vorbildlicher Tapferkeit in so hohem Maße in sich vereinigte Ich werde dem jugendlichen Helden, der eine Zierde der LuftN'affe war. und dessen außerordentliche Taten mich mit Vsvunderung erfüllten, ein ehrendes Andenken bewahren. Ludwig" Der König von Bayern bat an den Kaiser aus Anlaß des Ablebens des Frhr. v. Richthofen folgende Drahtung gerichtet: „Die Nachricht von dem Heldentod des Rittmeisters Frhr. v. MchtboKn hot mich auf das schmerzlichste berührt. Ich darf D'ch meines aufrichtigen und innigen Beileids zu dem Verlust dieses hervorragenden und Pflicht- treuen Offiziers versichern, dessen Name in der Geschichte dieses Kriegs in ruhmreicher Erinnerung fortleben wird." Die Kampfpsn'e. Dvtzano, 24. April. Zn einem Telegramm aus Paris drückt Narzini die Meinung aus. daß von den drei Akten der Schlacht im Westen nur der erste vorüber sei. Es sei sinnlos anzunehmen, daß die deutschen Angriffsmasien schon abgenutzt seien. Viel- mehr würden voraussichtlich die Deutschen, um sich den aus der Ueberraschung entspringenden Erfolg auch fernerhin Zu sichern, wiederum in dicksten Masien ihre furchtbaren Angriffe erneuern, so daß der Höhepunkt der Schlacht noch bevorstche. Zm übrigen erkennt Barzini die ..wunderbaren Fähigkeiten der Deutschen" eine»! Angriff vorzubereite,, an, meint aber, auch die deutsche Organisationskunst habe ihre Grerrzen und könne den Nachschub von frischen Truppen und Material auf den hart mitgenomme- nen Stroten des Kampfgebietes nicht ins Grenzenlose steigern. Die deutschen Angriffstruppen hätten, um die Straßen von Proviantnachschub zu entlasten, Rationen für sechs Tage bei sich; infolgedessen zeige sich bei vielen am siebenten Tage ein Nachlassen der Kräfte und der Kampfleistungen. Aarikruua vsu 400000 tarn usmeaUchtt Tsnlmt. Getreide für Belgien vnd Rordfrankrerch. Washington. 23 . April. (WTB.) Meldung des Reuter- sthen Bureaus. Das Cchiffahrtsamt hat 400 000 Tonnen nor- »cegischen Schiffsraumes zur Verwendung auf ungefährlichen Linien gechartert, vornehmlich für den Handel mit den südame- rManischen Häfen, wodurch amerikanische Schiffe für Fahrten in ^as gefährliche Gebiet stet werden. Die Verfchfffung von Lebensmitteln für die Zivilbevölkerung in den alliierten Ländern wird für zehn Tage eingestellt, um 3 Millionen Bushel» Getreide für Belgien zu verfrachten. ! Et« Teil diese» Getreides wird für das van de« Deutsche» be- I fcW» Erbtet Nordfranketch» verwendet- » Rumänien. Das Verhältnis zur Entente. «»klärest. 23. April (WTB.) Nach einer Meldung, die die schweizerische Presse veröffentlicht, erklärte Ballour vor einigen Tagen im Unterhause, daß nach den zur Verfügung stehenden Nachrichten Rumänien noch ein Verbündeter Englands fei. Hierüber bestaqt, äußerte sich der rumänische Minister des Aeu- ßern. Konstantin Arion, dem Vertreter des Wolffbureaus folgendermaßen: , Die Erklärungen Valfours vom 10. April im Unterhause sind mir bekannt Die Behauptung, daß das Bündnis zwischen Rumänien und Großbritannien noch bestehe, ist eine Ansicht, die auf keinem von der jetzigen Regierung herrührenden amtlichen Dokument begründet ist. Nach der Beendigung des Kriegszustandes kann Rumänien während der Friedensverhandlungen nur noch als neutraler Staat betrachtet werden. Dieser Zustand ist der einer tatsächlichen Neutralität, bis mit der Unterzeichnung des Fciedensverirages die definitive Neutralität „de jure" eintreten wftd^ Zn diesem für Rumänien so unglücklichen Kriege, in dem so viel edles Blut feiner Soldaten vergossen wurde, und so viele und große schmerzliche Opfer gebracht wurden. hat dieles Land der Entente mehr gegeben, als es von ihr empfangen hat. Seit Beginn der Friedensverhandlungen hat Rumänien aostichttq den Weg der Reuttalität beschrttten. Die von Balfour angeführte Tatsache, daß da» Königspaar und die Regierung sich in Zaffy befinden, kann daran nichts ändern. Dieses ist der Standpunkt der jetzigen Regierung, die die schwere Aufgabe übernommen hat. Frieden zu schließen, und zwar einen solchen, der die zukünftige Existenz des Landes gewährleisten soll. Ans Dollarika. Die Unterchrückung der deutschen Blätter in Amerika London. 22. April. (Reuter.) ..Daily Mail" berichtet aus New York vom 21. April, daß das Haerstblatt „Deutsches Journal" sein Erscheinen eingestellt hat. Es machte sich in der letzten Zeit im ganzen Lande eine gesteigerte Feindseligkeit gegen Zeitungen in deutscher Sprache bemerkbar. An einigen Stellen verboten die städtischen Behörden den Verkauf deutscher Zeitungen. Man glaubt, daß auch die ..Staatszeitung" ihr Erscheinen einstellen werde, und daß demnächst überhaupt keine deutschen Blätter mehr herauskommen werden. Kriegserklärung an die Türkei und Bulgarien? Haag, 24. April. Reuter bleichtet aus Washington: Zm Senat fand eine lebhafte Debatte statt über die Frage, ob die Vereinigten Staaten der Türkei und Bulgarien den Krieg erklären sollten. Senator Crandege schlug vor, daß die Senats- kommtssion für auswärtige Angelegenheiten sofort die Resolution des Senators King in Behandlung nehmen solle, die sich für die Kriegserklärung ausspricht. Senator Knox schlug vor, den Präsidenten Wilson zu befragen, ob es sich mit dem allge. meinen Interesse vertrage, daß im Senat mitgeteilt würde, welche Gründe gegen die Kriegserklärung sprechen würden. Die Verhandlung der beiden Vorschläge wurde auf den 24. April vertagt. Senator Crandege erklärte noch, daß die Bulgare« „unter der teuflischen Macht des deutschen Kaisers" ständen. Wieder eine Kumpeiirepnblik. Washington, 23. April. Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Gesandtschaft von Guatemala teilt mit: Der Entschluß Guatemalas sich in die Reihe der Alliierten zu stellen, ist eine Folge des Notenaustausche» zwischen der Gesandtschaft und dem Staatssekretär Lanstng nach dem Abbruch der diplomatische« Beziehungen Gu-atemalas zu Deutschland. Infolgedessen befin. det sich Guatemala heute tm Kriegszustand mit Deutschland und seinen Verbündeten an der Sette der Vereinigten Staaten zur Auftechterhaltung der Rechte Amerika» und der Menschlich« kett, einer Haltung, die es beibehalten wird, im Verein mit den ^reinigten Staaten bis der preußische MUitarckmu» aushören wird, freie Länder zu bedrohe». *-i. Der Munich der Ordenslande. Berlin, 24. April. (WB.) Der Rigaer Fabrikanten verein hat folgende Drahtung an den Kaiser gerichtet: „In Anlaß des nach glorreichem Kampf von Eick. Kaiserlichen Majestät errungenen Friedens mit Rußland bittet der Rigaer Fabrikantenverein Ew. Majestät allen- untertänigst seinen tiefempfundenen Dank für die de» deutschen Baltenlande geschenkte Freiheit aussprechen -» dürfen. Möge unsere geliebte baltische Heimat ungeteilt, unter Ew. Majestät ruhmvollem Szepter mit dem Deut* scheu Reiche verbunden, einer lichten, glücklichen Zukuntt entgegengeführt werden. In unwandelbarer Treue." Darauf ist folgende Antwortdrahtung eingelaufen: „Seine Majestät lassen für den treuen Gruß de? Mgaer Fabrikantenvereins herzlich danken. Seine Majestät erwarten bestimmt, daß aus der Blutsaat dieser schweren Jahre ein starkes Reich, ein stolzes, selbstbewußtes Volk hervorgeht, unter dessen Schutz aitc¥> die schwer geprüften Ordenblande auf eine sichere, glückliche Zukunst rechnen dürfen." Die Sankt Marrengilde hat an den Kaiser gedrahtet: „Gelegentlich der Annahme des durch Euere Masestäl geschaffenen Friedens seitens des Reichstaas erlaubt sick die Aeltestenbank und Bürgerschaft der Sankt Mariengild« zu Riga Euerer Majestät ihren heißen, averuntertäniaste. Dank für die Befreiung aus verzweifelter Lage auszrr sprechen. Sie verbindet mit diesem die zuversichtliche Hoffnung, daß die drei baltischen Provinzen ungeteilt den deuffchen Reiche angegliedert werden und einer lichten Zu. kilnff unter dem Schutze von Kaiser und Reich entgegen scheu. Der Aeltermann (gez.) Paul Schwartz." Darauf traf folgende Antwortdrahtung ein: „Seine Majestät lasten für den freundlichen Drabt grüß vielmals danken und hoffen, daß die ehrwürdig- Hansastadt mit den Ordenslanden unter dem Schutze det deutschen Kaiseraars und in Anknüpfung an die großer Traditionen ibrer geschichtlichen Vergangenheit einer glück lichen Zukunft entgegensetzt." Schreckensherrschaft in Pußland. Roch immer herrscht tm deutschen Volk keine rechte Bor stellung davon, was Bolfchewiktherrfchast eigentlich heißt. D» die Zeitungen nur wenig Tatsächliches über die dortigen Zu stände enthalten, können sich Menschen, die nie den Schrecke« eines Kriege» oder einer Revolution gesehen haben, nur schwer ein Btid machen von der völligen Anarchie, die tm heutige, Rußland herrscht. Zwei Briefe, die an Kriegsgefangene in einen deutschen Lager gerichtet wurden, mögen davon Kunde geben Brief aus Kiew vom 3/16. März: „Zch schreibe diesen Brief in der Hoffnung, daß man th, Dir auf dem kürzesten Wege senden wird. Du hast vielleich schon sehr darunter gelitten, daß Du keine Briefe erhall« Gott sei Donk ist jetzt alle» ruhig. Die Leute, die wir au Feiude betrachtet haben, haben wir in der letzten Zeit als Erlöser betrachtet, bis zu einem solchen Grade hatte alles geliv ten Denke Dir, mein Lieber, die fremden Leute sind in dt, Stadt Heringekommen, still und ruhig, die eigenen aber habe« Lynchgerichte und Erschießungen veranstaltet. Es ist schwer in Worten zu schildern, was wir in der Zeit des Verweilen« der Boischewiki hier durchlebt haben. In das Haus, in wel chem wir wohnten, sind sechs Granaten gefallen und auf den Hole ist ein Feuer entstanden. Vorläufig wohne ich bei Kolja Unsere Lage ist eine sehr schwierige. Zch habe schon lang« keine Stellung mehr, für den Dienst hat man nichts gezahlt und der Vezirlskommgndeur hat nichts gezahlt, da die Bolsch» wikt befohlen hatten, den Osfiziersfrauen nichts zu geben augenblicklich habe ich nicht einen Groschen in der Tasche. Ick denke, da Du aus der Ukraine gebürtig bist, daß man Dick vielleicht aus der Gefangenschaft entläßt. Wie geht es Dir» mein Lieber? Zch bin froh, daß Du nicht hier bist, fonsi wärest Du vielleicht von den Genossen getötet worden, di« Schuldige nicht gesucht haben, es genügte, ein Intelligent« zu sein, um getötet zu werden. Hier befindet sich Obatnrow der Arme sitzt hier und kann nicht wegfahren, er hat kein Geld das ist das Schicksal der Offiziere. Eine Masse Offiziere dient als Hausknechte und Gepäckträger." Brief aus Odessa vom 3./16. März: „Mein lieber Wanitfchka? Endlich kann ich Dir ein paai Zeilen schicken; daß ich so lange nicht geschrieben habe, ist nicht meine Schuld. Bei uns in Odessa sowie in ganz Rußland herrschte und herrscht noch, wo keine Deutschen eingezogen sind, ganz Entsetzliches) Du kannst Dir leinen Begriff macken, wa» wir durchgemacht haben) ich danke Gott, daß Du bei gute» Menschen in Gefangenschaft bist. Nicht genug, daß die Matrosen den Offizieren Steine an die Füße banden und sie auf den Meeresgrund warfen, bestrichen sie die Offiziere mit Harz und warfen sie lebendig ins Feuer. Auf den Straße» wurde die „Bourgeoisie" getötet. Jetzt nur. dank unseren Rettern, den Deutschen und Oesterrelchern, leben wir wieder und können ruhig auf die Straße gehen und nachts ruhig schlafen. Alle baten Gott, daß die Deutschen recht schnell kommen möchten) das hat die Revolution und die gemeine Freiheit hervorgerufen. Schon immer habe ich gejagt, daß man dem russischen Pöbel keine Freiheit geben darf, er braucht eine Knute, aber keine Freiheit) das ist eine reine Schmach, was sie geschaffen haben. Solange die Deutschen hier sind, sind wir alle ruhig, doch e» geht das Gerücht, daß sie hier nicht lange bleiben werden, und da» beunruhigt un» Odessaer» weil unter den Ukrainern auch viele BolfchewM waren. Zetzß finden bei uns in den Straßen allerlei Zusammenkünfte statt» unter weichen man Subjekte findet, welche der „Bourgeoisie" damit drohte«, daß nach Abmarsch der Deutsche» sie e» dei» iatiaen lchoa -eigen wollte«, die kch üba. tarn Komme« de» Deutschen gestellt die Me]e idiotische, gemeine Revolution vorbereitet - schaffen haben, bereuen und verfluchen sio jetzt? - Deutscher Reichstag. Der Reichstag ehrte am Mittwoch zunächst daS An- senken des Jreiherrn von Nichthofen und des bulgarischen Gesandten in üblicher Weise und setzte dann die allgemeine Aussprache über die neuen Steuervortagen fort. Abg. W a l d st e i n (fortschr.) wandte sich gegen die einseitige Belastung des Verbrauches und trat für eine verstärkte Heranziehung der Besitzenden ein. Abg. Dr. Paasche (natl.) schloß sich dieser Anregung an, wandte sich dann aber gegen die Anschauung, daß der Krzeg bis zur Erringung einer Kriegsentschädigung fortge- fiihrt werden müsse. Jedock dürfe auch nicht erklärt werden^ daß Deutschland auf eine Entschädigung bedingungslos verzichte: im Gegenteil sei es dringend wünscksenslvert. eine Entschädigung nach Beendigung des Karnv'es zu erhalten. Wir dürfen sie nickt durch die Theorie eines annexionS- und kontributionslosen Friedens beiseiteschieben. Die Umsatzsteuer müsse auch g ' ge Arbeit erfassen. Abg. Dietrich (f r ): Eine organische Regelung der Finanzen ist erst möglich "*n die Vedürfnisfrage gelöst ist. ^Das Schlagwort: Der B ' ist rnckä genügend besteuert! sollte keine Rolle spielen. Es ist dock vollkommen gleichgültig in welche Kasse der Besitz zab^. Es war sehr eindrucksvoll, als gestern der Schatzsekre^r a- 'rechnete, daß neun Mlliorden direkte Steuern nur 4 j Milliarden indirekte gegen überftehen. Der Hauptsitz der Besitzbesteuerung liegt in den Kommunen, nicht in den Bundesstaaten. Die Hauptlasten, die die Kommunen zu tragen haben, sind Kriegsansgaben. Der Besitz trägt also setzt schon zu den Kriegslasten bei. und man sollte da nickt von einem Versagen des. Besitzes sprechen. Der Bundesstaatliche Charakter des Reiches muß ausrecht erhalten lverden. Wir lehnen jeden Weg ab, der dahingeht, daß alle Maßnahmen zur Erhebung und Veranlagung der direkten Stenern dem Reiche überlasien werden. Der Grundpfeiler der Finanzen der Einzelstaaten ist die Einkommensteuer. die ihnen unbedingt Vorbehalten bleiben muß. Nur dann ist ihre wirtkckaftlicke Erhaltung möglich. Auch wir sind der Ansicht, daß die .Kriegsgelvinnsteuer der Einzelpersonen sobald als möglich kommen sollte. Der Gedanke einer Vermögensab« gäbe ist geradezu pbantastisch zu nennen. Wie will man es verantworten, daß in einer Zeit der ungeheuren Entwertung des Geldes noch 20 Prozent des Vermögens zu dem unpro- duktiven Zwecke der Bezahlung von Schulden verwendet werden. Die vorgeschlagene Erhöhung der Posttarife ist begründet in der außerordentlichen Anspannung aller Preise, die vcn'aussichftich noch lange Zeit bestehen bleiben nnd eine gewaltige Erhöhung der Beamtengehältev-mötig machen wird. Mit der Börsenstener sind wir einverstanden. Es wird den Börsenverkehr nicht beeinträchtigen, wenn die Pr'ivatspekir- lanten mit 3 Prozent besteuert werden. Bei der Umsatzsteuer wich erwogen werden, wie es zu verhindern ist. daß sie auf die wirtsclxrftlich Schwächeren güvälzt wird. Bei den TageS- schriMtelleim, die mit Zeilenhonorar, ohne weitere linkosten arbeiten, nimmt diese Steuer den Cbarafter einer Einkommensteuer an. Wir Hollen, daß sich bei den jetzigen Vorlagen die Vorgänge von 1909 nicht wiederholen werden, nnd daß es gelingen wird, das große Ziel, die Finanzen vom Reich, Ein restanten nnd Kommunen, aus eine gesunde Grundlgge zu stellen, zu erreichen und dabei die Grenzen scharf zu ziehen und alle Grenzstreitigkeiten auszuschalten. Abg. B e r n st e i n (N. Soz.): Der Reinertrag der deutschen Volkswirtschaft in Höhe von 10 Milliarden Mark wird durch den Zinsenbedars des Reiches fast ausgezehrt. Wir halten fest an den Grundsätzen der Steuerpolitik, wie sie im Programm der deutschen Sozialdemokratie vor dem Kriege festgelegl worden sind. Wir sind gegen alle indirekten Stenern. Donnerstag: Fortsetzung. — Schluß nach 6 Uhr. Prensttickrs ^bgeordnelenlmns. Berlin. 23. April. (WTB.) Das Haus nimmt zunächst den Gesetzentwurf betr. die Verlängerung der Legislaturperiode des am 3. Juni 1913 gewählten Abgeordnetenhauses um ein Jahr ohne Erörterung an. Hierauf wird die zweite Beratung des Staatshaushaltsplanes mit dem Haushalt der landwirtschaftlicher. Verwaltung fortgesetzt. In dem Antrag der Kommission nurd die Regierung ersucht, dafür Sorge zu tragen, daß alsbald durch Eingreifen der Militärverwaltung eine stärkere Zufuhr künstlicher Düngemittel ermöglicht wird. Ferner wird gefordert. daß erhebliche Mitte! in den nächstjährigen Haushaltsplan der landwirtschaftlichen Verwaltung eingesetzt werden zur Durchführung umfassender wissenschaftlicher Forschung-)- und Versuchsarbeiten auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Viehzucht, des Pflanzenbaues und der Ackerbautechnik an bereits bestehenden oder neu zu errichtenden Instituten. Abg. Freiherr von Reitzen st ein-Pilgramsdorf (Zentrum) äußert Bedenken gegen die Herabsetzung der Brotration lür die Selbstversorger und wünscht stärkere Versorgung der Landwirtschaft mit Arbeitskräften. Er begründet dann einen Antrag Gerlach (Zentrum), wonach in den nächstjährigen Etat mehr Mittel zur Förderung der See° und Btnuenfischerei ein- eestelLt werden sollen. Abg. Roes icke (Kons.) fordert Stedelurrgslcmd und Kriegsentschädigungen von de» Feinden und tritt weiterhin für Schutz der Landwirtschaft und für Wettpoltttk auf der Grundlage der Heimatpolittter cin. Abg. Westermann (natl.) betont ebenfalls dle Wichtigkeit der Arbeiterfrage für die Landwirtschaft. Abg. Wenk« (Volkspartet) bedauert, daß der Großgrundbesitz den Kartoffetanba« sich nicht in dem Maße angelegen fei« raiivn für die Selbstversorger werde hoffentlich bald wieder auf- gehoben werden. Große Teile der Verbraucher in den Städten sehen die Schwierigkeiten der Lage der Landwirtschaft ein, und es ist zu hoffen, daß wir wieder gute Verhältnisse zwischen Stadt und Land bekam, neu. (Lebhafter Beifall.) Laudwictschaftsmtnister von Eisen Hart-Rothe: Was die Vorredner icber die Förderung der landwirtschaftlichen Produktion gesagt habe», unteftchreibr ich völlig. Das Erste nach dem Friedencschloß wird sein, daß die Zwangsmaßnahiucn für die Landwirtschaft möglichst schnell abgebaut werden (Bravo!), denn ohne cme Freiheit der Bewegung kann die Landwirtschaft nicht gedeihen. Eins Verstärkung des Schulwesens wird ange. strebt werden. Der Antrag auf Förderung der Filchere! findet meine volle Billigung. Ich bin Gegner des Getreidemorropols. (Bravo!) Die Forderung der Schafzucht ist beabsichtigt. Die Verordnung über die Herabsetzung der Brotration für die Selbstversorger tst nur als vorübergehende Maßnahme gedacht und wird aufgehoben werden, sobald die Verhältnisse es gestatten. Es wird ins Auge gefaßt werden, daß die landwirtschaftlichen Arbeiter in den Landwirtschaftskammecn eine Vertretung finden. Mittwoch 12 Uhr Fortsetzung. Per Z°eg dcs Gri.ßcg ü&fr dir Wir lesen in den ,.R. Zürcher Nachrichten" folgende Betrachtung über die Entwicklung des Krieges: Deutschland hat, seinen alten Gewohnheiten entsprechend, den Irrtum begangen, auch bei den anderen Staaten eine hohe Einschätzung ge ist'g er und mcralischer Kräfte zu erwarten: es hat zu wenig erkannt, daß eben bei der Mehrzahl der Menschen und der Staaten die mehr an der Oberfläche liegenden materiellen Dinge wcir mehr ins Gewicht fallen als jene tieferen, inneren Kräfte. Für jeden oberflächlich, materiell denkenden Menschen mußte beim Ausbruch des Krieges die vollständige Niederlage der Mittelmächte ganz gewiß sein. Die zahlenmäßige Uebermacht ru Lande und noch mehr zu Wasser war auch gar zu groß. Von den eisten Tagen des Krieges an ist dieses Pochen auf die lieber- zahl und die freudige Hoffnung, den zahlenmäßig unterlegenen Gegner vollständig niederschmettern, aushungern zu können, in höchst frivoler, zynischer Weise hervorgckehrt worden. Italien nahm sich noch fast ein Jahr Zeit, den Dingen zuzuschauen. Rumänien sogar zwei Jahre. Man sah, daß die Mittelmächte furchtbare Schläge austeilten: ober man glaubte, das fei nur noch ein letztes Aufflackern vor dem endgültigen Zusammenbrechen. Was Italien und Rumänien in den Krieg trieb, was schon im August 1911 die Ententemächte veranlaßte, leichten Herzens den Krieg zu wagen, das war das unerschütterliche Vertrauen auf die Macht der Zahl. Dieses Vertrauen kommt mit der denk- bar größten Deutlichkctt zum Ausdruck in der Formel vom „mathematisch sicheren Siege". Diese Formel vom mathematischen Siege zeigt, wie man auf der einen Seite einer gewaltigen Uederschätzung der materiellen Dinge, der durch leere, nackte Zahlen ausdrückbaren Kräfte huldigt,' ja der Ausdruck „mathematischer" Sieg kann geradezu als vollkommener symbolischer Ausdruck der auf der Seite der Entente herrschenden Geistesbeschaffenheit gelten. Wenn man das mächtige Ringen, das nicht nur ganz Europa, sondern die ganze Welt erschüttert, in seinem innersten Wesen kurz bezeichnen will, so kann man es den Kampf der Masse, der Zahl gegen den Geist nennen. Bei aller Schrecklichkeit der Eretgnisie zeigen der bisherige Gang und das in nicht allzu großer Ferne winkende Endergebnis des Krieges etwas Erhebendes: es ist der Sieg des Geistes über die Materie, der Sieg der tieferen geistig-moralischen Kräfte Über alles, was sich durch Zahl, Kilogramm und Merer ausdrücken laßt. Dieser Sieg ist um so erhebender für jemand, der von jeher auf den verschiedensten Gebieten die Ueber. schätzung und den Kultus der Zahl bekämpft hat. der es sich feit Jcchrzebnten zur eigentlichen Aufgabe gemacht hat, über die äußerlichen, zahlenmäßig ausdrückbarcn Erscheinungen hinweg auf die tieferen innerlichen Kräfte des menschlichen Handelns und des Geschehens in der Welt Überhaupt vorzudringen. Milch oder Fleisch? Diese von dem landwirtschaftlichen Ortsvrrem Heepen (Kreis Bielefeld) kürzllch in der „Westfäl. Ztg." erörterte Frage kann nur weitgehender Beachtung empfohlen werden, denn, wie hier so dürfte sich in lveitesten Kreisen die Unmög. lichkeit Herausstellen, daß die Landwirtschaft beide not- wendige Nahrungsmittel in der bisherigen Menge weiter liefern kann. Die Abforderungen von Schlachtvieh greifen immer tiefer in die Milchviehbestände ein und müssen es bei Aufrechter haltrmg der jetzigen Fleischration, weil die in schlechtem Fntterzustande befindlichen Tiere verhältuislnäßig wenig Fleisch liefern. Nun wird in der Kundgebung des genannten Vereins daranf hingewiesen, daß auch eine nur nräßig ernährte Kuh von 1000 Pfund l. G. im Jahre doch 2000 Liter oder rund 2000 Kg. Milch, bei der Schlachtung aber nur N>entg über 200 Kg. Fleisch mit Knochen liefert. In diesem Fleisch stecke sehr viel weniger Nähnvert als in der um das Zehnfache größeren Milchmenge, und es werde dcslurlb durch die Abschlachtung der Kuh die Volkseruährung beeinträchtigt. Bei dem Milchverbrauch werden zudem gewissermaßen nur die Zipfen, durch die Abschlachtung der Kuh das .Kapital selber verbraucht. Dabei könnten doch die Kühe mit Futter ernährt werden (im Sommer Grünfutter aller Art, im Winter Stroh, Heu, Runkelrüben mrd Abfälle), die für die direkte menschliche Emährung nicht gebraucht würden. Jetzt mit Beginn des Weideganges werden allerdings die Milcherträge steigen, aber sie werden mit der knapper werdenden Weide im Spätsommer und Herbst einen erschreckenden Rückgang erfahren, wenn die Abschlachtung der rnageren Milchkühe m demselben Umfange fortgesetzt wird. Deshalb regt der Verein eine Beschränkung der Fleischratioi» hahew Die Mehrzahl der RevoilutlottLcSp und «» "Ulkt, wir e» wüllschemuoerL wrb«. Die Verringerung ver Brot- tm, lütt mehl: MiläLühe am Leben und für die Milch- prodicktion zu erhalten. Ersah für abgeschlachtete Milchküüe, läßt sich erst in Jahren beschaffen und eine stark vergrößert« Milchnot muß viel schlnnmec wirken, als eine Vermindernna der Fleischration. Du dtnilche GoUchMnd Aist -ie Miste. Da? Anwachsen des Goldbestandes der Neichsbank macht unseren Feinden und namentlich den feindlichen Finanzzeitschriften fortdauernd viel Kopfzerbrechen. Schon hieraus läßt sich erkennen, daß die Reichsbank mit ihrem Bemühen, den Goldschatz weiter zu verstärken und damit unjere finanzielle Kraft zu fkei- gern, auf-dem richtigen Wege ist. Immer wieder wird darauf verwiesen, daß man zunächst die Bestände an Goldwaren in den Juweliergeschäften an sich ziehen sollte. Dieser Vorschlag aber übersieht, daß die Reichs- bank selbstverständlich nur den Goldwert bezahlen kann. Daß es ein schreiendes Unrecht wäre, die Jumeliergefchäfte zu zwingen, ihren Goldwarenbestand zum Goldwert abzugeben, liegt auf der Hand. Es geht also nicht anders: Wer sich der Wichtigkeit des Goldbestandes als des Rückgrats unserer finanziellen Kriegführung und spateren Neuordnung bewußt ist, wird ger* und freudig seinen Goldbesitz beisteuern, ohne danach zu sehen, was die andern tun oder lasten. Und wer es noch nicht weih, welche Bedeutung der Goldbestand hat, sollte aus den Aeußerun« gen der Feinde die Lehre ziehen: Wenn Euch der deutsche Goldbestand schmerzlich tst. weil er unsere Widerstandskraft erken» nen läßt, so wird jeder Deutsche das felnige tun müsten, ihn z» erhalten und zu steigern. Geheincer Firranzrat Bastian. D»m Felde der Ehre. Kaichen. Der Unteroffizier Hermann Roth, welcher von Anbeginn im Felde steht, wurde znm Sergeanten be* fördert. Herzlichen Glückwunsch! Leidhecken. Grenadier Karl Heutzenröder vo» hier, welcher bei einem Sturmbataillon im Westen steht, wurde zum Gefreiten befördert. Blofeld. Hermann No h l, Sohn des Landwirts Wilh. Nohl, wurde wegen hervorragender Tapferkeit, mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Die Hessische Tapferkeit-- Medaille erhielt er schon ftüher. Herzlichen Glückwunsch! Ans der fidmrtt. Friedberg. Am Montag vnd Dienstag, den 29. und 30. April findet hier tm Hotol Trapp eine Zusammenkunft der „Freunde der Dorfkirche" statt. Diese Zusammenkünfte waren bisher nur in Marburg und in engerem Kreis in Salzhausen. Nun hat man zum ersten Male Friedberg als Tagungsort ge- wählt, in der ausgesprochenen Absicht, weitere Kreise der hessi- schen Landeskirche, besonders Pfarrer und Pfarrfrauen. aber auch andere Freunde des Dorfes für diese wichtige, aber der Oeffentlichkeit noch ziemlich unbekannte Sache zu gewinnen. Der erste Vortrag: „Unser Landvolk am Schluß des Weltkrieges" von Superintendent a D. von Lügke (Montag nachmittag» 4 Uhr) führt hinein in die gedanklichen Grundlagen der Arbeit der Dorftircherrfreunde. die beiden anderen: „Kriegerehrung" (mit Lichtbildern) von Geh. Baurat W a l b e - Darmstadt (Montag abends 8 Uhr), nnd ..Geschichtliche Bilder vergangener Friedensfetcrn" von Prof. D. Dr. Diehl - Friedberg, wolle» für die bevorstehende Friedenvarbeit Richtlinien geben. Den Empfängern von Heeresbezügen ist vielfach nicht be« kannt, daß sie ihre Bezüge bereits vor dem eigentlichen Fälligkeitstage bei der Postanstalt abzuheben haben. Die Heeres- bezöge an alle Empfänger, denen der Uebergang der Zahlungen auf die Postanstalten von ihrer zuständigen Pensionsregelungsbehörde (Regierung ufw.) mitgeteilt worden ist. werden bereit« am 29. oder, wenn dieser Tag auf einen Sonn- oder Feiertag fällt, am 2b. des der Fälligkeit der Gebührnisse vorhergehende» Monats — im April also am 29. — bet lhrer Bestellpoftanstalt gezahlt. FC. Jugenheim, 24. April. Hier wurde der ältest« Bürger der Gemeinde, Joliannes Knos, der ein Alter vo< 66 Jahren erreicht hatte zu Grabe getragen. FO. Wiesbaden. 25. April. Die Wohltaten der erweiter» ten Fürsorge für verkrüppelte Kinder durch den Naffauische» Zentralwaiseufonds find bis Anfang Januar 1918 insgefarn« 597 verkürppelten Kindern zutetlgcworden. Von diesen 597 Kindern mußten 469 auf längere Zeit in Anstalten für Verkrüppelte untergebracht werden, von denen bisher 293 miede« entlasten worden find. Für diese Waisen wurden tm ganzen a» Pflegegeld 82 865,47 Mark bezahlt. Offene Stellen: 1 Kutscher, 2 Knechte, mehrere Arbkilerfamilien. 2 Knechte« familien, 1 Heicer. 0 Schreiner. 2 Glaser. 1 Bäcker. 2 Hausburschen. 1 Guts'chmted. 9 Dienstmägde. 12 Hausmädchen 5 Kiichenmädchen, 1 Mädchen jür Küche, kann das Kochen erlernen. 1 Köchin. Für HilfsdienstpfltÄttge: 10 Mann für schwere Dienste, 10fensetzer. 1 Schneider. 2 Schuhmacher. 1 Sägemütter. 1 Ordonnanz für Bataillon, 1 Pferdepfleger. 8 Viehwärter für Konservenfabrik. Stellensuchende: Mehrere LtelkerfamUien und ledige Melker, Melkerin mlt 13jähr. Mädchen zu 15—18 Kühen, 2 Melkerinnen in einen Staltz 2 junge Mädchen als fteiwtllige Kttegshtlfe auf großes Eutz 1 Fräulein mit allen Kenntnisten als Gutssekcetärin, Hojaufstcht oder dergleichen. 2 Fräulein für Büro. Vewnttoortlich für den politischen und lokalen Teil: Ottet H irschel, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Hevner^ ärkbbcvQ. Druck und Verlag der ^Neueu V . T- (9cc Frkodbera f, L. Grane Gefahren. Roman aus der Gegenwart von M. Gontard - Schuik. S2 J Nachdruck verboten. Schluß. Er schwieg einige Minuten und fuhr dann fort: „Man hat erst gar nicht gewußt, wer er war. Glücklicherweise fand man in seiner Tasche einen Brief seiner Schwester, den sie ihm kurz vor seinem Kommen ins Lazarett gesandt hatte. Man benachrichtigte mich und fragte an, was mit dem Wagen geschehen solle. Ich Hab' ihn zur Verfügung gestellt. Ich wollte das Gefährt hier nicht wieder sehen. Helen habe ich natürlich nichts gesagt. Sie war damals krank, und jetzt — Ich denke, ge erfahrt es immer noch früh genug." „So hat also dieser Krieg auch Sir Edward Douglas ins Herz getroffen und ihn zu einem einsamen Manne gemacht. Er hat den Sohn verloren und — wenn ich nicht irre — mich die Tochter." „Ausgleichende Gerechtigkeit! Hier wenigstens hat sich die Vergeltung den rechten Mann au'-flucln" — Entgegen ihrer bisherigen Teilnahmlostgkeit war Helen jetzt von einer fieberhaften Unruhe beseelt. _ Sie bestellte mehrere große Zeitungen und durchstöberte sie täglich nach Unterseebootsnachrichten. Las sie von irgendeinem verwegenen Streich, dann kam sie wohl mit strahlenden Augea und frischen Wangen zu dem alten Herrn gelaufen und rief- „Das ist Fred gewesen. Papa? Meinst Du nicht auch? Genau so war Freds Art und Weise." Mit Aufmerksamkeit las dann Herr von Werkheim die betreffende Nachricht. * Mer ganz entschieden? Das muß er gewesen sein. Ganz ftuve Art und Weise. Sicher bekommen wir nun auch bald mal Nachricht. Geschrieben hat er ganz bestimmt schon, aber es sollen ja zu viele Briefe verloren gehen in diesen unruhigen Zeiten." Sie^war jetzt meistens zufrieden, feit die tiefe Mutlosigkeit einer rosigen Hoft'nungsseligkeit gewichen. Oft hielt sie ihr Kindchen im Arm und flüsterte ihm die törichtesten Sachen in die kleinen Ohren. „Er kommt, mein Süßes? Dein Vater kommt! Er muß ja kommen. Er kann doch nicht so von uns gehen? Was sollte denn sonst aus uns beiden werden?" * S a t nn ,.l U 5 fc - riC in bcn eichen Kinderzügen nach Spuren der Ähnlichkeit mit dem Vater. Täglich entdeckte sie neue »Findest Du nicht, Papa, daß der Kleine genau weds Nase hat. fragte sie den alten Herrn und legte den ölenden Kopf schräg, um besser prüfen zu können. Herr von Werkheim konnte nun zwar in dem kleinen wei- chen Stupsnaschen durchaus keine Aehnlichkeit mit der geraden mt seines CoSne» !***>»* Qü 9$T Aehnlichkeit geradezu tu die Augen fallend. „Nur schade, daß er meine blonden Haare hak.- sagte die Mutter unzufrieden. „Es wäre viel schöner gewesen, er hatte Alfreds Haare." „Das ändert sich. Kinder bekommen spater immer eine andere Haarfarbe," beruhigte sie der neue Großvater mit erfahrener Miene. „Und wenn er die blonden Haare behält, so freut sich sein Vater. Der hat Dein blondes Haar doch so gern." Dunkle Schatten zogen über die eben noch strahlenden Augen. „Wenn er wiederkommt!" sagte sie langsam. „Nun, nur nicht wieder kleinmütig werden," mahnte Herr von Werkheim. — An einem der nächsten Tage saßen Helen und ihr Schwiegervater unter der großen Kastanie an der Westseite des Schlosses. Neben ihnen stand der Korb mit dem Kleinen, von dem sich Helen fast nie trennte, zum großen Schmerz der Kinderfrau, die sich oft ganz überflüssig vorkam. Friedrich brachte dis neuesten Zeitungen und legte sie auf den großen, runden Tisch. Beide griffen hastig danach. Lebte man doch in diesen Wochen in steter Erwartung. Es war, als ob jeder Tag etwas Neues, etwas Großes bringen müsse. — 3ör einige Zeit herrschte Ruhe. Nur das Rascheln der Blätter unterbrach die Stille. Plötzlich sprang Helen auf. Die Zeitung, in der sie gelesen,, fiel zu Boden. Mit vor Schrecken geweiteten Augen starrte sie' auf den Schwiegervater. „Was ist es, Kind? fragte der alte Herr ahnungsvoll. Helen preßte die Hand aufs Herz. „O Gott! O Gott!" stammelte sie. „Ist etwas in der Zeitung, was Dich erregt?" Der alte Herr bückte sich und hob das zu Boden gefallene Blatt auf. Helen zeigte auf eine Stelle. „Hier!" sagte sie tonlos und setzte sich müde in ihren Stuhl. Mit unruhigen Augen überflog der alte Herr die bezeich- nete Stelle. Die Glieder waren ihm plötzlich seltsam schwer und vor fernen Augen lag ein Nebel, so daß er nichts erkennen konnte. Er strrch sich ein paarmal über die Augen. Norwegische Seeleute berichten, daß fie gesehen hätten, wie ern englischer Dampfer, der die Flagge eines neutralen Landes ftihrte, U 57 unter salfcher Vorspiegelung an sich heran gelockt und dann in Grund gebohrt habe. — Also nun war es da, das Entsetzliche? Das längst Gefürchtete. Unsicher flogen die Augen des alten Herrn zu Helen. rr n f?\® a . rf WbW die Arme über den Tisch und vergrub das Gesicht dann. Ern fassungsloses Schluchzen erschütterte den xorper. Bekanntmachung. Nächsten Montag, de» 29. April, verteilen wir ln der «lten Post frische Land-Eier 5^ Zeiteinteilung wie -ei der Butterverteilung. (Es werden abgegeben: ?uf fierkar'e gelb. Marke 24, 1 Ei zu 30 Pfg., auf abqestempelte ^Marke 25. 1 Ej -u 30 Pf^. Gegen Vorlageder MoÄj 1 "ei ,« M n !f" nß ‘" ouf ab8f ' ten,peItf I0te Eierkarten sind mit vorzulegen. Nicht abgestempelte rote ^erecknio-n (£ierfa ! en ohne die betreffenden Morten wer?o^ ^ äUm ® qu0; "nzeln obgeuenme Marken find Fnedberg. den 25. Avril 1918. Der stellvertretende Bürgermeister. ^ (Stadt. Lebensmittel-Ausschuß) ___I. A.: Langsdorf. wünschte, ich wäre tot!" kam ee in abgerissenen Laute» vs« ihren Lippen. „Hätte ich doch nie gelebt!" Der Schrei ging dem alten Herrn durch und durch. Er kar- ans den tiefften Tiefen einer gefolterten Seele. Aber Gott f>L Dank! dachte er, fie kann endlich weinen. Er legte besänftigend seine Hand auf das gebeugte Haupt -Tasse Dich, Kind. Sage nicht so gottlose Worte!" „Was soll ich noch auf der Welt? Warum bin ich Lbe^ Haupt da?" „Aber Kind! Me ungerecht bist Du in Deinem Schmerz! Hast Du dem Dahingegangenen nicht die Sonne in sein Daseir gebracht? Hast Du ihm nicht selige Stunden bereitet?" „Nichts bin ich nütze! Niemand braucht mich mehr! Was soll ich noch hier? Ach, wäre ich dort bei ihm! Ins Wasser nwchte ich an derselben Stelle, an der sie ihn heimtückisch mordeten. Cie hob plötzlich den Kopf. „Ah. nun weiß ich's! Sie haben es getan, die da drüben, auf die ich einst so stolz war! Ah, pfui. Mir ekelt vor solch gemeiner Kampfesweise! Ach ich hasse sie? Ich hasse sie, diese Mörder meines Glückes!" Der zarte Körper flog wie im Fieber. Besorgt sah Herr von Werkheim in die unruhig flackernden Augen. Beruhige D'.ch, Helen. Du darfst Dich nicht wieder krank machen. Du hast eine Aufgabe zu erfüllen, die einen ganze?. Menschen erfordert. Du mußt Dein Kind zu einem tüchtige» Menschen erziehen. Und in dem Gedanken an seinen Vater wird es Dir gelingen. Wer eine solche Aufgabe vor sich hat, ist nicht nutzlos." Er hielt plötzlich inne. Eine sonderbare Verändern,.- ging über das Gesicht des jungen Weibes. Eine Veränderung so unerwartet, so fremd dem welchen Gesicht, daß der alte Her, einen Augeriblick ganz benommen war. ^nweggeweht war alles Weiche. Unentschlossene. Kind, ttche. Es schien, als ob die Hand des Allmächtigen über dieft Zuge gestrichen und aus dem kindlichen Weibe eine ernste. ent* fchlossene Frau gemacht hätte. Mit einer raschen Bewegung warf sie sich vor dem Vetiche» * bes Kindes auf die Knie, schlang ihre Arme um das kleine Körperchen und rief: »Ja, ich will leben! Leben für Dich, mein Kind! Du. mein« Zukunft, mein alles! Mein teures Vermächtnis meines Alfted." Wie ein Schwur klangen die Worte. Herr von Werkheim wischte fich die Tränen aus den Augen, aber er schämte sich dieser Tranen nicht. „So ist es recht, mein Kind! Wir brauchen Frauen, die ss bC Ü! e ü:' b o °° n Lesern Geiste beseelt find. In ihren Hände« ruht die Zukunft unseres Volkes." Ende. Krkamrtmachnng. Dienstag, den 30. April, nachmittags ooa 3—S Uhr stndec in der allen Post die Abgabe von 0 » "yr Speisefett statt. Uhr für die Numm»n" 6>m auswärts de- Bezirk» I von 370—5 Uhr ,ur die Nummern 1—500 des Beftrks il •Cte abzugebende Menge beträgt für Familien: von 1—2 Personen V 4 Psund und tostet 0,55 Mk. » ”—0 ,, 7 ^ 1 l 0 Dip !" e * r Personen"«/. Pfund "und kostet"l,65 Mk. j-' teUcmen sind als Ausweis vorzulegen. Rituell ln be Jl öe r l, L ae ,tB iS Emilien und Haushaltungen, die geschlachtet haoen, sind vom Bezug ausgeschlossen. * 1 } J Friedberg, der, 24. April 1918. Der sttllo. Bürgermeister lstädt. L vensmiuel-Ausschuß. 2. A.: Lang s d 0 r f. Keknnntmachnng. m, w" i 25 i 77 1 pr i [ 77/7'« Nachtragsbekanntmachung Wr‘ w' ‘ 7-,/,-' 7 7/ ' N > zu der „Bekann.machuno Nr. W. L 1771/5. 17. K. R. A. vom 1. Juli 1917 be- und Bestanoserhebun-, der deutschen Schachyur uyd des Wotigefälles bei den deutschen Gerbereien", erlassen worden. ' 1 £et Wonlaut der Bekanntmachung ist in den Amts- blättern und durch Anschlag veröffentlicht worden. __Tlküv. föfiffmiuiiiifliaiiiii) 18. IrnufiorpS. in der Oberförsters! Konradsdorf. ben 7. Mai l. Zs., werden versteigert aus den SnttoM'fäwltl ’ ' ’ 6 ’ l^nd-'holz) 15. 15 und 17 der f'i = °’ 95 !»>".. Liirck.. III. KI. ^ Kl. 5 6<on 37-40 cm Durch,,,, u. 16 m Län?e 11 Fichien-stamme von 18-27 cm Durchm. u. 16 m Länge ^"^^Enkunft und Anfang der Versteigerung ist an 2°h°nn-»h.°-. 00,m,