11* Jahrgang. Nummer 86 JLJLJl i-M. Samstag; S-tt 13. April 1918 i >»2-7,. Die „Neue Taaes?eitung" erscheint icden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer aus Hessen", „Die Kpinnssube". Ke?uyspreia: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2.46 hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Anenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 25 Pfg., totale 20Psg^ Anzeigen von auswärts werden durch PoitnachnahmL erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Zchriftleitung und Verlag Friedberg (Hessen), oanauerstraße 12. Fernsprecher 48. Postjcheck.Lonto Nr. 4859. i n: Frankfurt a. M. Armenticres gefalirn. Die Keule tu der Schlacht bei Armentieres auf 20000 Gefangene und mehr al 200 GeOchurr. feit 21. März auf 1 2000 Gefangene und 1500 Geschehe gestiegen. — Im o m ' auf die Fr; rb ?< Gin Seeangriff auf Flandern. — Erhöhte Kampftätigkeil an der Krenta. — LsOOO Tonnen versenkt. Der deutsche Generalstab ===== meldet: ====== M. T. K. Großes Hair^Lqnartier, deir IS. April. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Armentieres ist gefallen. Durch die Truppen -er Generale v. Eberhardt und v. Stetten von Norden und Süden umfaßt, ihrer Rückzugsstraße beraubt, streckte die englische Besatzung — 50 Offiziere und mehr als 3000 Mann — nach tapferer Wehr die Waffen. Mit ihnen fielen 45 Geschütze, Zahlreiche Maschinengewehre, große Munitionsmengen, ein Be- kleidungslager und reiche andere Beute in unsere Hand. Nordwestlich von Armentieres gewannen wir Raum. Westlich von Armentieres warfen die Truppen der Generale von Stetten und v. C a r l o w i tz nach Abwehr starker, mit zusammengefaßten Kräften gegen Steenwerck geführter Gegenangriffe und nach erbitt-ertem Kampf um die vierte englische Stellung, den Feind in Richtung Bailleul und Merville zurück. M e r o t l l e wurde genommen. Auf dem Südufer der L y s erkämpften sich dis Truppen -es Generals v. Bernhardi den Uebergang über die Lawe und stießen bis in die Höhe von Merville vor. Die Gesamlbeuts aus der Schlacht bei Armentieres beträgt nach bisherigen Feststellungen 20 000 Gefangene, darunter ein englischer und ein portugiesischer General und mehr als 200 Geschütze. Die Ueberwindung des versumpften Trichtergeländes In und vor unserer Ausgangsstellung des 9. April stellte höchste Anforderungen an die Truppen aller Waffen der vordersten Linie. An ihrem Gelingen haben Pioniere, Armierungssoldaten und die hinteren Divisionen hervorragenden Anteil. Auf dem Schlachtfeld zu beiden Seiten der Somme entwickelten sich heftige Artilleriekämpfe. Französische Regimenter, die auf dem Westufer der Avre, westlich von Moreuil anstürmten, brachen unter schwersten Verlusten zusammen und ließen 300 Gefangene in unserer Hand, die später durch französisches Artilleriefeuer vernichtet wurden Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 12. April, abends. (WTB. Amtlich.) Unsere siegreichen Truppen sind im Fortschreiten durch die weite Lys-Ebene zwischen Armentieres und Merville. || Der österreichische Geveralstab f :r== meldet: Wien, 12. April. (WTB.) Amtlich wird verlautbart: Im Gebirge beiderseits der Brenta erhöhte Kampftätigkeit. Der Chef des Geusralstabes. Das türkische HanpttzrrarLier j ►==== meldet: ==== < Konstantinopel, 11. April. (WTB.) Tagesbericht. Palästinafront: Starte englische Kräfte griffen nach heftiger Artillerievorbereitung unsere Stellungen westlich der Straßen von Jericho nach Nablus in breiter Front wiederholt an. Ihre teilweise in dichten Massen geführten Angriffe brachen in unserem gut liegenden Artillerie- und Maschinengewehr- seuer zusammen. An einzelnen Brennpunkten des Schlachtfeldes kam es zu erbitterten Nahkämpfen. Kaukasusfronl: Südöstlich von Vatum nahmen wir ein beherrschendes Werk vor dem Festungsgürtel. An den übrigen Fronten nichts Neues. WMItr enßlWkr A" r ff ans (OlfH-f. Berlin, 12. April. (WTB Amtlich.) In der Nacht vom 11. zum 12. April unternahmen englische See> reittraste, bestehend aus Monitoren, Torpedvbootfohrze'.'.zen und Flugzeugen, einen Angriff gegen die Uanönjclic Küste. £ r, c;^e wurde mit schwerem Kaliber beschossen, Zeebrügge durch Flugzeuge mtt Bomben worfen. Die Angriffe wurden durch unsere Batterien mühelos abgeschlagen. Militärischer Schaden wurde nirgends ange- richtet. Ein feindliches Torpedomotorboot, das sich Ostende näherte, wurde in Brand geschossen, von seiner Besatzung verlassen und danach mit voller Ausrüstung von uns erbeutet. Der Chef des Ndmiralstabs der Marine. 28000 Tonnen versenkt. Berlin, 11. April. (WTB. Amtlich.) Eines unserer Unterseeboote, Kommandant Kapitänleutnant Georg, hat in der Irischen Cee und vor dem Westausoang des Aermelkanals acht Dampfer, 2 Segler mit zusammen 28 000 Bruttoregistertonnen vernichtet. Unter den versenkten Schiffen waren an besonders wertvollen Dampfern: Ein neu gebauter Dampfer vom Ein- heitstyp von 5000 Vruttoregistertonncn, zwei Frachtdampfer von mindestens 6000 Viuttoregistertonne.r Erlaße. Einer der 6000 Bruttcregistertonnen-Dampfer war auffallend stark gesichert, gezählt wurden etwa 20 Torpedoboote, Motorboote und andere Vewachungsfahrzeuge. Drei Dampfer wurden in geschickt durchgeführten Angriffen aus stark gesicherten Geleitzügen hcrausgeschosien. Sämtliche Damvfer waren bewaffnet, die meisten b. laben. Namentlich festgeftellt wurden der englische Dampfer id ad" (£592 Bruttoregistertonnen), „Lough Fisher" (418 Bruitoregistertonnen), „Glenford" (494 Brutto- registertcnncn) und der englische Segler „John G. Walter". Der Ehes des NdmLralftsbs der M«ri»e- Wie Schlacht im Weste». Berlin» 11. April. (WTB.) Im Laufe des 10. April wurde bei fortschreitendem Angriff der Südrand von Armentieres erreicht und der Uebergaug über die Los bei Erquingham erzwungen. Nördlich Armentieres wurde das Dorf Ploegsteert im Sturm genommen. Von der 40. und 50. englischen Division, die bereits in der großen Schlacht beiderseits der Somme schwer geblutet hatten, wurden Gefangene eingebracht. Weitere Gefangene stammen von 34., 57., 14., 21., 29. und 51. Division. Die beiden letzten waren aus Flandern eiligst herantransportiert und wurden ebenfalls in abgelämpftem Zustande zum zweiten Male eingesetzt. Besonders schwer litten die Highlünder, deren Ersatz aus jungen Burschen bestand. Der Feind, der an einzelnen Stellen außerordentlich hartnäckigen Widerstand leistete, hatte schwerste blutige Verluste. Dank der ausgezeichneten deutschen Artillerievorbereitung und der völligen Ueberraschung des Feindes sowohl nördlich wie südlich von Nrmentieres blieben die deutschen Verluste gering. Die Äcute seit 21 . Marx. lieber 112 000 Gefangene — über 1500 Geschütze. Berlin, 12. April. (WB.) Zum Fall von Armentlercs. Die sestungsartig nrit Betonwerken stark ausgebante Cladt Armentieres hielt sich am 11. April trotz der immer umfassenderen Einschnürung außerordentlich tapfer. Erst als in frischem Ansturm deutscher Truppen auch westwärts die Umklammerung des mächtigen Stützpunktes erreicht war, , ergab fick der Nest der tapferen Besatzung, die während der 1 Einschließung außerordentlich schwere Verluste erlitten hatte. Straßen und Stadtrand liegen voller Leicken. Die j Beute an Maschinengewehren und Munition konnte bisher ebensowenig sestgestellt werden, wie die Bestände der übnger eroberten englischen Depots. Unter den 45 Geschütz?« befindet sich außer zahlreichen schweren ein 34 Zentümter- Eisenbahngeschütz. Tie Gesamtbeute seit dem 21. März stisH nunmehr auf über 112000 Mann Gefangene und über 1500 Geschütze. Die nach vielen Tausenden zählenden Maschinengewehre. die teils von den Deutschen sofort eiaaeseyL wurden, lassen sich nicht annähernd übersehen. Die Tank- beute erhöhte sich von 100 auf 200. Die Ueberraschung der Engländer. Berlin, 12. T U. (WB.) Die Engländer wa •' .. ' jetzt wieder bei der Schlacht von Acmentieres Ha! -wer Kopf Kompagnie auf Kompagnie von Divisionen, 8 St. Quentin abgekämpft waren, planlos in den Ka'ä.vf, Dieses kopflose Verfahren lieferte den Deutschen w'r-'da geschlossene britische Kompagnie in die Hand. Ge: ? den letzten Nächten vor Beginn der Schlacht an d hatten die Engländer einen großen Teil ihrer schweren - ullerie dort herausgezogen, um ihn zwischen Ancre wfr Somme einzusetzen. Die portugiesischren Divisionen um w diese Schwächung der gemeinsamen Front teuer 5 . Wie überraschend der neue Schlag die Engländer Icj ^ welche Ueberstürzung herrschte, geht daraus hervor, daß e bereits um 9 Uhr vormittags, also im ersten Stadium der Schlacht, eiligst den Rest ihrer sckHveren Geschütze spr? .• w. damit sie gebrauchsunfähig in deutsche Hände fielen. Handlungsweise widerspricht in so hohem Maße Kampfgebrauch, daß man sie nur als eine Verzweifln.'g!.at bezeichnen kann. Die Schlacht an de Lus. Berlin, 12. April. (WTB. Nichtamtlich.) In der Schl an der Lys kam dem Feinde der deutsche Artillerieeinsatz -nieder völlig überraschend. Das Feuer war von vernichtend:r Wucht. Obwohl auch die schwersten Batterien sich schon vor mehreren Wochen einschießen mußren und der Eeheimhatt;"'!g wegen diese Tätigkeit nicht wiederholen konnten, wurde die s 'nd- liche Artillerie mit großer Zielsicherheit gefaßt und fast nm ausgeschattet Bei einzelnen deutschen Divisionen erbie'.i e Angriffsartillerie während der Bereitstellung nicht einen e zigen Artillerieschuß. Auch die feindliche Artillerie u?i' ie Maschinengewehrnester waren gänzlich zugcdeckt und e - t. Aus diesen Umständen ergeben sich die geringen deutsche ? V;= lüfte. Auf breiten Abschnitten lag bis zur dritten feiiwl en Stellung kein einziger Toter. Umso schwerer waren auch in dieser Schlacht wieder die Fcindverluste Besonders stark litten die Portugiesen, denen die englische Führung absichtlich solch« Abschnitte zugewiesen hatte, in denen sie ihre Stellungen nur oberirdisch anlegen konnten und wo der Bau von Deckstollen unmöglich war. Diese aufgesetzten Stellungen wurden im wahren Sinne des Wortes vom deutschen Artilleriefeuer um geworfen. Schwere Verluste der englischen Stäbe und Reserven. Berlin, 12. Avril. (WTB Nichtamtlich.) Bei Beginn und während der Schlacht von Armentieres vertrieb eine gewaltige Masse deutscher Eisenbahngeschütze d!e feindlichen Stöbe aus ihren Unterkünsten und nahm gleichzeitig englische Reserven in ihren Lagern unter vernichtendes Feuer Die rückwärtigen Straßen und Bahnlinien wurden durch einen dichten Feuerriegel abgesperrt. Die großen Eisenbahngeschütze folgten während der Schlacht der Kampstruppe abschnittweise mtt der Bahn. Obgleich dichter Nebel tagsüber die Tätigkeit der Artillerieflieger stark hinderte, konnte die Schußbeobachtung durch vorgeschobene Artillerieoffiziere die auf nächste Entfernung jede» Schuß fesistellten, vorzüglich durchgcsührt werden. Ein beson. Heloendanktag Der 14. April ist der Nationalzeichnungstag für die 8. Kriegs' anleihe. Jeder Tentsche muh an dieser» Tage den Söhnen und Brüdern dranhen im Felde den heißen Tank für die unvergleichlichen Heldentaten, für den siegreichen Schutz der Heimat abstatten. Die Kriegsanleihe gibt dazu die beste Gelegenheit. Darum jeder zeichnen, auch wenn er schon gezeichnet hat. Alle Zeichnnngsstellen werden nach der Ktrchzelt geöffnet sein. hat sich voll bewährt, Die Niederlage de» PortugtHe«. Wie der „Basler Anzeiger" berichtet, ist die __ Urmcc infolge des deutschen Anpralls bei Armentteres mehr oder weniger vo?n Erdboden verschwunden. Das infolge der RiQerlage der Portugiesen entstandene Loch droht breiter m werden und die noch söchen gebliebenen Eckpfeiler, di» vtm ev& lischen Truppen gehalten wurden, mit sich zu reißen. Die schweren Verluste der Portugiesen. Wie schwer die portugiesischen Verluste sind, erhellt daraus, daß einer deutschen Gefangenen-Sammelstelle 64 Offiziere und 1069 Mann eingeliefert wurden. Zwei dezimierte portugiesische Regimenter wurden nach Boulogne zurückgezogen, um dort neu organisiert zu werden. Der deutsche Angriff hatte den Gegner völlig überrascht, denn in der Nacht vom 9. zum 10. April sollten zwei portugiesische Divisionen durch eine englische abgelöst werden. Ein portugiesischer Vrigadestab wurde gefangen genommen Er war völlig ahnungslos, da seit der deutschen Är- tilleriebeschießung sofort jede Verbindung nach vorwärts und rückwärts aufhörte. Plötzlich standen die Deutschen vor dem Unterstand der Vrigadestabes. Mannschaften und Ofiziere wußten nichts von dem großen deutschen Erfolge beiderseits der Somme. Den Mannschaften war gesagt worden, daß sie bei mangelnder Tapferkeit Brandmale im Gesicht erhalten und nach der Rückkehr in die Heimat schwer bestraft werden würden. Alle Meldungen besagen, daß die völlig versagende englische Fub- rung auch hier wieder die Hauptschuld an der schweren blutigen Niederlage trifft. Tin neutrales Urteil. Kopenhagen, 11 . April. (WTB.) Das Militarblatt „Hoveds Tagen" schreibt zu der Lage an der Westfront u. a.: Man muß einräumen, daß die Deutschen durch ihren jüngsten überraschenden Vorstoß bei Richeborg und Waasten nicht unbedeutend an Gelände gewonnen haben. Dagegen wachst das Mißtrauen zu der ganzen englischen Linie. Ueberraschcnd wirkt Lloyd Georges Beh-i-upii'.ng, daß die Deutschen trotz des Hinzukommens ihrer Ostfront Divisicnen den Alliierten in jeder Hinsicht unterlegen seien. Wenn anerkannt wird, daß die Deutschen durch ihre Initiative als Angreifer und durch die Einheit ihres Oberkommandos im Vorteile find, und diese Vorteile in die Wagschale des Sieges geworfen haben, die jedenfalls aber den Engländern außerordentlich schwere Verluste beibrachten, warum haben die Alliierten sich nicht dieser Vorteile bedient? Der Dank Fudeudorffs. * i % Die Kämpfe westlich der Avre. Berlin, 12. April. (WB.) Während beiderseits Armen- »eres die Engländer unter schwersten Verlusten aus Stellung um Stellung geworfen wurden, setzten die Franzosen auf dem Kampfgelände der KaiferfchlaM heftige Angriffe an. die anscheinend die schwerbedrangten britischen Bundesgenossen entlasten sollten. Auf dem Westufer der Avre und beiderseits der Strafte Moreuil—Ailly eröffneten die Fron- zosen am 11. April um 6 Uhr vormittags ein heftiges Feuer aller Kaliber gegen die deutschen Stellungen. Nach zweistündiger stärkster Artillerievorbereitung griffen dichtmassierte Kräfte _ die deutsche Front am Nordrand des Senecat-WaldeS bis zum Arrieres-Walde an. Der Angriff brach an den meisten Stellen bereits im zusammengefaßten Vernichtungsfeuer der deutschen Artillerie und Maschinengewehre unter aufterordentlich hohen Feindverlusten zusammen. Nur an der Straße Moreuil—Ailly konnte der Fewd vorübergehend eindröngen. Sofortiger Gegenstoß warf ihn restlos wieder hinaus und kostete ihn 300 Gefangene. Nach Abweisung des Angriffes wurden im Vorgelände erkennbare starke feindliche Reserven von der deut- scken Artillerie unter Feuer genommen und dezimiert. Am selben Tage leiteten die Franzosen auch gegen die Front Grwesnes—Montdidier einen Vorstoß ein. Hier begann das feindliche Arttlleriefeuer ebenfalls ^ 6 Uhr morgens und steigerte sich gegen 7 Uhr zu einem halbstündigen Trommelfeuer schwerer und schwerster Kaliber. Als die bereit- gestellte Infanterie zum Sturm antreten wollte, wurde sie sofort von dem deutschen Vernichtungsfeuer gefaßt. Infolge der erschreckenden bluttgen Verluste der dichtgedrängten Sturmkolonnen kam hier der Angriff überhaupt nicht zur Entwicklung. Umsonst hattn die Franzosen sowohl hier wie beiderseits der Straße Ailly—Moreuil neue schwere Blut- opfer gebrackst. Während unsere Artillerie die feindlichen Bahnhöfe Dommartin und Rcmincourt in Brand sck*oß, lag andauernd französisches Zerstörungsfeuer auf ihren eigenen Städten Montdidier und Laon. 12. April. f®S.) Auf dt« mir M meine** G«. brrrtstag aus der Heimat Angegangenen zahlreichen Glückwünsche für mich und den weiteren Sieg unserer tapferen Truppen kann ich allen Absendern nur hierdurch herzlich danken. Ludeuvorff. Der Aief Kaiser Karls. Eine amtliche Wiener Erklärung. Wien, 12. April. (WB.) Amtlich wird Verlautbart: Der von dein französischen Mrnisterpräsidium «r seinein Communique vom 12. April veröffentlichte Brief Seiner k. il k. Apostolischen Majestät ist verfälscht. Vor allem sei erklärt, daß unter dem im Range weit über- dem Minister des Aeußern stehenden Persönlichkeit, welche, wie in der amt- lichen Verlautbarung vom 7. April zugegeben wurde, im Frühjahr 1917Friedens'üemüh ungen unternommen hat, nicht S. k. u. k. Apostolische Majestät, sondern Prinz Sixtus von : Bourbon verstanden werden mußte und verstanden wurde ! da Prinz Sixtus im Friihjahr 1917 mit der Herbeiführung ! einer Annäherung der kriegführenden Staaten belaßt war. Zn dem von Herrn Clemenceau veröffentlichten Briefwechsel erklärte der k. u. k Minister des Aeußern ans allerhöchsten Befehl, daß S. k. u. k. Apostolische Majestät seinem Schwager dem Prinzen Sixtus, im Frühjahr 1917 einen rein persönlichen Privatbrief geschrieben hat, der keinen Auftrag an den Prinzen enthielt, eine Vermittlung bei dem Präsidenten der französischen Republik oder sonstwie einzuleiten und die ihin gemachten Mitteilungen weiterzugeben, sowie Gegenerklärungen zu veranlassen und entgegenzunehmen. Dieser Brief erwähnte die belgische Frage überhaupt nicht und enthielt bezüglich Elsaß-Lothringens folgende Stelle: „Ich hätte meinen ganzen persönlichen lÄnfluß zu Gunsten der französischen Rückforderungsansprüche bezüglich Elsaß-Lothringens eingesetzt, wenn diese Ansprüche gerecht wären, sie sind es jedoch nicht." Den in dem Communique des französischen Minister- Präsidiums erwähnten zweiten Brief des Kaisers, in wel- chkNl Seine k. u. k. Apostolische Majestät erklärt haben *oll, daß er mit seinem Minister einig sei, erwähnt das französische Communigue bezeichnender Weise nicht. Kaiser Wilhelm an Kaiser Karl. Wien, 12. April. (WB.) Kaiser Wilhelm hat an Kaiser 5darl folgendes Telegramm gerichtet: „Empfange meinen herzlichen Dank für Dein Telegramm, worin Du die Behauptung des französischen Ministerpräsidenten über Deine Stellung zu den französischen Ansprüchen auf Elsaß-Lothringen als völlig haltlos zurückweisest und aufs neue die Solidarität der Interessen betonst, die zwischen uns und unseren Reichen besteht. Ich beeile mich Dir zu sagen, daß es in meinen Augen einer solchen Versicherung Deinerseits garnicht bedurfte, denn ich war keinen Augenblick darüber im Zweifel, daß Du untere Sache in dem gleichen Maße zur Deinigen gemacht hast, wie wir für die Rechte Deiner Monarchie eintreten. Die schweren, aber erfolgreichen Kämpfe dieser Jahre .haben dies für jeden, der sehen will, klar erwiesen, sie knüvsten das Band nur fester. Unsere Feinde, in einem ehrlichen Kampfe gegen uns nichts vermögend, schrecken vor den unlautersten und niedrigsten Mitteln nicht zurück: damit müssen wir uns abfinden, aber umsomehr erwächst uns die Pflrcht, die Feinde auf allen Kriegsschauplätzen rücksichtslos anzugreifen und zu schlagen. In treuer Freundschaft W i l h e! m." schlaß Heb rächt werden können, basVerhLlwis zwischen SeW beide« Mächten weiter Mt bleibt. Zwischen Deutschland uni Bulga rien schweben Verhandlungen wegen der Dobrudscha. Bekanntlich muß Bulgarien den übrigen drei Mächten dafür, daß diese ihm die Dobrudscha allein überlassen, wirtschaftliche Kon- zesfionen machen. Diese Verhandlungen gehen gut vorwärts unO stehen kurz vor dem Abschluß. Pit Beschießung imi Paris. 9?ütie., 12 . April. Havas teilt mit, daß die Beschiebunp von rians am Donnerstag fortgesetzt wurde. Er gaS mehrere Tote. * Madrid, 11 . April. (WTB.) Meldung des Wiener Korre- fpondenzbureaus. Die Blätter veröffentlichen aus San Sebastian einlaufende Depeschen, wonach die nach Oeffnung der Grenze in Jrun eintresfenden Eiserrbahnzüge mit aus Frankreich zurück- !ehrenden spanischen Arbeitern überfüllt sind. Bisher sind ungefähr 2000 Arbeiter angekommcn. Die gleiche Anzahl erwar- tct in den in der Nähe der Grenze liegenden französischen Ortschaften die Rückkehr. Ein Teil von ihnen war in de: Pariser Flugzeugfabrik beschäftigt und erklärte, die französische Hauptstadt aus Furcht vor dem fortwährenden Bombardement ver- latzen zu ha^a. Die Arbeiter teilten mit. datz gelegentlich einer der letzten Luftangriffe bie deutschen Flugzeuge 18 von den zu ihrer Verfolgung ausgesandteu französischen Flugzeugen abge- schossen haben, so daß die französischen Flieger sich weigerten, die ^ngd auf feindliche Flugzeuge fortzusetzen. Sie berichten außerdem Einzelheiten über das am Karfreitag erfolgte Einschlagen von Geschossen weitreichender deutscher Kanonen in die in -der Rahe des Rathauses befindliche Kirche St. Gervais. Am Oftersonrtag beschädigte ei» Geschoß das Gebäude eines Mini. Dis mit Nnmanien Berlin, 11 . April. Der Frieden von Bukarest ist so gut wie abgeschloffen und dennoch verzögert sich die Unterschrift des Vertrages noch um einige Zeit. Wann Herr von Kühlmann nach Bukarest abreist, ist Noch nicht bestimmt. Einstweilen ist seine Anwesenheit noch nicht erforderlich, da die wirtschaftlichen Verhandlungen. die mit in den Vertrag ausgenommen werden sollen, noch nicht abgeschlossen sind. Die schlimmen Erfahrungen, die man mit Rumänien gemacht hat. zwingen jetzt, den Vertrag genau zu fassen. Die Annahme, daß Deutschland mit dem Frieden von Bukarest schlecht abschneide, trifft nicht zu. Wenn der Vertrag veröffentlicht wird, wird sich ergeben, daß wir mit dem. was Deutschland erreicht hat, sehr zufrieden sein können. Die Königsfrage ist ganz, außer acht gelassen. Die Mittelmächte ließen sich hierbei von bestimmten Gesichtspunkten leiten, über die später einmal gesprochen werden kann, selbstverständlich aber auch von dem Willen, sich nicht in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates einzumischen. Rumänien wird Bessara- bien erhalten. Wie die Grenze Bessarabiens gezogen werden soll, nämlich was von Bessarabien an die Ukraine fällt, steht noch nicht fest. Man hofft, mit Rumänien wirklich in Frieden und Freundschaft leben zu können und würde sich freuen, wenn sich dic Nachricht bewahrheitete, daß die Verantwortlichen für den Krieg und die Träger des Hasses gegen die Mittelmächte. Vratianu und Take Ionescu, Rumänien verlassen hätten. Tat» sächlich ist das, wie in Berlin bekannt ist. nicht der Fall. Aber nur die Entfernung dieser beiden Männer kann Rumänien den Frieden bringen. Der Frieden mit Rumänien hat auch verschiedene Verhandlungen Zwischen den verbündeten Mittelmächten zur Folge gehabt. So schweben immer noch Verhandlungen zwischen der Türkei und Bulgarien über territoriale Fragen. Di? Verhandlungen haben noch zu keinem Ergebnis geführt, man hofft jedoch, daß jelißt, wenn sie sich verzögern und nicht zum Die Lage in Wladiwostok. Petersburg, 11 . April. (MTB.) Nach einem T-legram« ? aus Wladiwostok teilten die ausländischen Konsuln dem ört- , lichen Sowjet mit, daß die Truppen zurückgezogen werden wttr- I den, sobald nach Ansicht der Konsuln die Ordnung wieder her- j gestellt worden sei. I ^ z ° n * : 8* (WTB.) Meldung des Reuterschen Bureaus. ; Ter Sowjet und der Gemeinderat von Wladiwostok protestier. ! ten beim japanischen Konsul gegen die japanische Landung. De^ I Protest fetzt in höflichen Worten auseinander, daß alles getan werden wiro, um die Unruhestifter in Wladiwostok gefangen zu nehmen, und daß die Uebergriffe als gewöhnliche D'cbereien betrachtet werden müssen. Es wird bedauert, daß das bef-eun« dete Japan zu dieser Maßregel übergehen zu müssen glaubte, da die Gründe Japans für diese Maßnahme nur schwer ru er- klären seien. Die Maximalisten seien den Japanern nicht unfreundlich, sondern freundlich gesinnt. Der japanische Kogjul antwortete, daß diese Maßregel ausschließlich dem Selbstvertei- digungszweck diene und keinen Eingriff in die innere russische Verwaltung bedeute. Die maximalistischen Behörden haben eine Mitteilung a, ^>ie Arbeiter gerichtet, unter denen große Erregung herrscht, und sie auf die Gefahr eines feindlichen Verhaltens gegenüber den Japanern hingewiesen. Maximalistische Regierungstruppen wurden am Nachmittag, des 8. April an Land gesetzt. Zahlreich, Einwohner sahen stillschweigend zu. Die Stadt ist ruhig. Finnland. Die russische Ostsee-Flotte. Petersburg. 10. April. (WTB.) Reutermeldung. Während des gestrigen Tages verließ«? alle russischen Kriegsschiffe Hel- singfors und werden heute abend in Kronstadt erwartet. 3L Torpedoboote, 40 Unterseeboote und 50 Transportschiffe, die nach RachriLten des Marinsstabes noch in Helsingfors sind, könne» nicht weggebracht werden und sind entwaffnet worden. • Petersburg, 11. ApM. (MTB.) Reutermeldung. Rach einem Bericht aus Helsingfors wurden die kleinen deutschen Ab- teilungen, die in Lovffa landeten, auf dem russischen Eisbrecher „Wolirrttsch" und dem finnischen Eisbrecher „Tarmo" befördert. Hafen und Stadt wurden besetzt. Wie verlautet, nähert sich em deutsches Geschwader mit verschiedenen Transporten aus der Richtung von Reval. Die Deutschen marschieren unzweifelhaft in nördlicher Richtung ctttf. um die Eisenbahnen Helsin-gfors- Wiborg zu besetzen. Die MMrWe KrikWßW in Irland. Berlin, 9. April. Aus Rotterdam wird der „Bofsischen Ztg.* gemeldet: England wird nun doch versuchen, die Dienstpflicht in Irland ernzuführen. Nichts zeigt besser als diese Tatsache, welche ungehuren Verluste die Engländer in den letzten Kämpfen erlitten haben müssen; oerm nur die äußerste Mannschafts- not kann die englische Polittk jemals zu einer solchen Maß- nähme gegen Irland bestimmen. Das sieht die englische Press, auch selbst ein und meint, daß Lloyd George die Dienstpflicht Irland „vorläufig nur im Prinzip" gutheißt, ihre Durchführung aber erst von der Gewährung der Home Rule in Irland abhän. gig gemacht werden dürfe. Drr holhvmäter-hM^kß in Dm. Rom, 9. April. Gestern wurde auf dem Kapitol die Konferenz der von Oesterreich-Ungarn unterdrückten Nationalitäten eröffnet. Das Organifattonskomitee erhielt zahlreiche und wertvolle ZustimmungserNarungen. Besondere Erwähnung verdienen Zustimmungsielegramme von Vissolati und Eomman- dini. Unter den nationalen Delegationen befinden sich ein, italienische, eine tschechische, eine rumänische, eine polnische und eine südslawische. Die Skupschtina ist durch eine Abordnung ebenfalls vertreten. Ferner wohnen der Konferenz bei u. a. dic französischen Deputierten Franklin Bouillon und Thonms, die Engländer Steed und Seaton Watfon, sowie der Amerikaner Nelson Gay. Die Sitzung wurde von dem Abgeordneten Gug- lielni eröffnet, der den Gruß des Bürgermeisters von Rom überbrachte. Die Trayikamodie von Korfu. Wir lesen in der „Neuen Zürcher Nachrichten": Man schreibt uns von unterrichteter Seite: Bei allein Fürchterlichen zeitigt der Krieg auch wieder feine Tragi- komödien, die eines Heiterkeitserfolges in der ganzen Welt sicher wären, würden ihr Hintergrund und die heutige Zeit überhaupt nicht so enffetzlich ernst sein. Me Welt hatte bisher nicht sonderlich Notiz davon genommen, daß das neue serbische Parlament nur mehr zur schwachen Hälfte aus Ztn- Hangern des allmächtigen Ministerpräsidenten Pasiffch bestand, des unerbittlichen Chefs des Kronprinz-Regenten Alexander von Serbien. Die andere Hälfte bestand aus einem bunten Gemisch monarchistischer Jung radikal er, Demokraten und Repriblikanern, die aber bei aller Divergenz in einem Punkte einig waren, in der unversöhnlichen Geg- nerschaft gegen Hern Pasiffch. Mcht etwa, daß diese Opposition mittelmächtffch war, eher das Gegenteil, die Mehrbeit wenigsten- war vielleicht im Herze» mehr ententistisch, n>enn auch den großserbische« Extravaganzen gegeniiber reserviert. Eines war ober gewiß, mit diesem Parlanrent' könnte '^err Päsitsch^nW wetlevregteren,' um T$ Mäktz^s^kKMäM'MI'GW "W Höm FWWM Verlust entsteht durch Diebstahl in den öffentlichen Schlachh- KSusern. Nimmt man die Schlachtung gleich in diesen Ex- portscAachthäusern vor, erspart man dabei auch eine große Menge von Arbeitskräften, die sonst die Bewachung und der Transport erfordert hat. Auch läßt es sich bei der Schlachtung in Exportschlachthäusern rnit moderner, auf Großbetrieb eingestellter Einrichtung naturgemäß praktischer und billiger arbeiten. Es kommt hinzu, daß die Oualität des Fleisches besser ist, wenn das Vieh gleich in den ProduktionsgebieiA geschlachtet loird, als wenn die Schlachtung nach tage- beM wochenlangem Transport und Umherstehen der Tiere am Konsumplatz vorgenonunen wird, wo das Fleisch oft schon fiebrig und wässerig geworden ist. Auch vermeidet man durch die sofortige Schlachtung im Produktionsgebiet eine Verschleppung der Seuchen von einem Ende des Deutschen Reiches nach dem anderen, wodurch ebenfalls früher Millionen von Werten verloren gegangen sind. Gegenüber derartigen Plänen meint die Amtliche Leitung, daß das Fleischergewerbe auf der Hirt sein müsse. Die Abwehr gegen diese Anschläge kann nur in geschlossener gewerkschaftlicher Organisation des Fleischergewerbes gesucht und gefunden werden. Die Gefahr der Amerikanisier- ung des Fleischergewerbes ist da, es muß ihr begegnet werden und es kann ihr begegnet werden. Unter Umgestaltung und Verbessenmg unserer Volkswirtschaft und Fleischversorgung kann und darf nicht der völlige Umsturz der bestehenden Verhältnisse verstanden werden: der Schuh alter und berechtigter Einrichtungen und eines angesehenen Be- rmfsstandes erheischen nicht nur Rücksichtnahme, sondern Anerkennung und. Vorrecht. Unter diesen Gesichtspunkten muß der Komps ausgenommen werden ,sobald und so energisch wie möglich als die Opposition ihn von der ersten Stunde darüber itfafjfc im Zlveifel liefe, daß fürs erste ihr einziges streben rurb' Handeln sein werde, den Allmächtigen zu stürzen rmb das „Land vom Tyrannen" zu befreien. Herr Pasitsch ist jedoch .nn geite&eitec alter Herr. Mit de« ehrwürdigen Gesten, Äe ihm eigen sind, ließ er in Paris und London erklären, datz es für ihn selber zwar mit der neuen Opposition in der Skupschtina ein leidliches Abkommen gebe, daß diese aber für die Entente eine äußerste Gefahr bilde, da man keinen Tag sicher sei, daß sie nicht einen Sonderfrieden mit Oesterreich-Ungarn planiere. Dieweil man aber in London mit einer nicht zu übertreffenden Gewissenhaftigkeit für das Selbstbestimmungsrccht der Völker und für deren Freiheit eintritt und zudem seit den Erfahrungen mit Petersburg hopernervös geworden ist, gab man von dort die telegraphisch Order nach Korsu, die oppositionellen Parlamentarier kurzerhand zu verhaften und gefangen zu halten. Dem geschh auch so und so sitzt denn nun die oppositionelle Hälfte der serbischen Volksvertretung von aller Welt strenge abgeschnitten als Gefangene im Achileion d.r um öieie Zeit im strahlenden Frühlingsschmuck prang ' '' ui Ins?' w-.ufiL Sie mag nun dort Betrachtungen anstellen über dü ung der Entente vor der Volksvertretung eines Buu .- olkes. Im Grunde ist zwar die Einkerkerung des halben 'erbischen Parlanients noch das Harmloseste, was die (e ü ente am armen Serbien verbrach, das sie schon vorher zur Schlachtbank bis zur halben Volksvernichtung und zum materiellen Ruin auf ein halbes Menschnalter getrieben hatte. Herr Pasitsch jedoch streicht seinen schönen weißen Bart und freut sich im Stillen, die Entente zu einem traurigen Häscherdienste herangekriegt zu haben, den selber zu unternehmen er sich nicht getraut hätte, der ihm aber noch einmal das Regiment sichert. „Noch einmal". Denn dieses Attentat der (kntente gegen Serbien wird die Veranlassung rverden, daß die nächsten serbischen Wahlen nur noch eine Wahlparole kennen: „Nieder mit der Entente." Wir roerden die Zeit erleben, in der Pasitsch, der Serbe, und Venizelas, der Grieche, miteinander das Brot der Freinde essen werden, als die Verwünschten und Geächteten ihrer Völker, über die sie so namenloses Leid gebracht. Preustilches Herrenhaus. Das Herrenhaus führte am Mittwoch dle Besprechung der Polenfrage M Ende. Fürst Radziwill wandte sich gegen die Anträge und meinte, durch die Befreiung vom Zarismus feien die Polen aus dem Regen in die Traufe gekommen. Minister des Innern Dr. D r e w s hoffte, daß die Zahl der Polen zunehmen werde, die sich auf den Boden des preußische« Staates stellen. Die Polenpolitik muffe so eingerichtet werden, daß sie von Dauer fein werde. Die Aenderung des Wahlrechts werde die gegenwärtige Mehrheit verschwinden lassen. Zur Bildung einer neuen Mehrheit brauche die Regierung die Parteien, die die jetzige Kampfpolitik gegen die Polen ablehnen. Wichtige Le- bensintereffen der Ostmark muffen jedoch gesichert werden, den Polen aber nicht das verboten werden, was den Deutschen nicht schade. Wenn die Regierung eine mildere Politik beabsichtige, dann treibe sie keine utopische, sondern eine vernünftige Realpolitik des Möglichen. Oberbürgermeister Haffe-Thorn wies auf die Gefährlichkeit der immer noch bestehenden großpolnischen Umtriebe hin und betonte, daß jede Versöhnungspolttik unangebracht fei. Graf v. Galen trat für eine ausreichende Kriegs, entfchädrgung ein, ebenso Fürst Salm-Horstmar: die Feinde müßten auf hundert Jahre hinaus geschwächt werden. Bedauerlich sei, daß die Regierung sich eines Mannes bediene, der politisch so viel auf dem Kerbholz habe, ja sogar in eine Diebstahlssache verwickelt sei, und bedauerte die Aeußerung des Fürsten Radziwill. Graf Behr-Vehrendorff betonte, daß die Reden der Polen im Abgeordnetenhaus nicht zu entschuldigen seien. Mas Hindenburg und Ludendorff sagen, sei tausendmal mehr wert als die Dankbarkeit der Polen. Ts bestehe die Pflicht zu prüfen, was für Folgen das Wahlrecht für die Ostmark haben werde. Damit schloß die Aussprache. Die Entschließung wurde mit dem Anträge von Kleist angenommen. Annahme fand noch das Gesetz betreffend Vereinfachung llW KrieManleihen ohne Unterschied sowie die erstmalig bei bet' sechsten Kriegsanleihe auslösbaren Schatzanweisungen. Hier» bet wird nachdrücklichst betont, daß die Zeichnung von Kriegs^ ankeihe 1. der einzig sichere Weg ist, um nach Friedensschluß deü Erwerb von freigewordenem Kriegsmaterial zu ermöglichen,' weil die Kriegsanleihe vor dem baren Gelds den Vorzug hat;, 2 . yo» vornherein einen sicheren Nutzen von 2 Prozent auf solche Käufe mit sich bringt; 3. unbedenklich in jedem beliebigen Umfang vorgenommen werden sollte, weil eine Zweckmäßige Verwendung der gezeichneten Beträge dadurch gesichert ist, daß die zum Verlauf gelangenden Bestände *der Heeres- und Marineverwaltung sich auf viele Milliarden belaufen. Niemand soll sagen können, daß er von der Bekanntmachung nichts gewußt oder sie nicht richtig aufgefaßt habe. Die Aufforstungen in Feldgrmarkungen durch Standesherr« liche Renteien. Der Abgeordnete Dorsch hat im Hessischen Landtag folgende dringliche Anfrage gestellt: „Ist Großherzoglicher Regierung bekannt, daß ähnlich wie voriges Jahr in Hirzenhain in den Feldgemarkungen Weings und Burg Bracht in den letzten Jahren zum Teil im Krieg Aufforstungen stattfanden. Die Verwaltungen gehen dabei so vor. daß sie mitten in der Feldgemarkung standesherrliche Grundstücke anpflanzen, entwer- ten damit die Umgebung und erhalten diese dann billig zur Ar. rondierung und vergrößern ihre Waldungen. Auf manchen Stellen ist jetzt Wald, wo früher guter Acker- und Wiesenboden war. Auf die Qualität des Landes wird dabei keine Rücksicht genommen. Kann die Regierung hierüber Auskunft geben? Erhöhung der Preise für Milch, Butter und andere» Molkerei Produkte. Durch Verfügung * bet Landes-Mi schund Fettstelle sind neuerdings die Milcbpreise mit Wirkung vom 1. April >1918 erhöht worden. Auf die amtliche Bekanntmachung hierüber wird verwiesen. Zur Aufklärung der Bevölkerung über diese Preiserhöhung wird bemerkt, daß die neuen Preise den erhöhten Unkosten der Erzeuger und Viehhalter entsprechen. Eine Erhöhung war dringend notwendig, um einen Ausgleich für die höheren Preise für Futtermittel und Milchvieh beim Ankauf herbeizuführen. Tatsächlich war die Milchviehhaltung für die meisten Landwirte in der letzten Zeit durchaus unrentabel. Nach Lage der Verhältniffe war daher eine Erhöhung der Preise für Milch und Molkereiprodukte nicht zu umgehen. Die Kleinverkaufspreise werden durch besondere Verordnung ru.ch festgesetzt. Friedberg. Oberbahnhofsvorfirher Ernst Fey und Freu Julie geb. Engländer feiern am Dienstag, den 16. April, das Fest der Silbernen Hochzeit. Affevheim. (Jubiläum.) Heute, den 13. April, sind es 25 Jahre, daß Herr Lehrer Schutt Lehrer an der hkesiaen Volksschule ist. Er hat während dieser langen Zeit sirb die Liebe urld Hochachtung der ganzen Gemeinde erworben. Glück auf zum Goldenen Jubiläum? Vilbel. Dem Lehrer Wämser dahier wurde das Verdienst- kreuz für Kriegshilfe verliehen. Büdesheim. Nächsten Sonntag, den 14. April, 3 Uhr nach, mittags, hält Herr Lehrer Wämser von Vilbel bei Gastwirt Lenz dahier einen Dorttag über ..Ursachen und Wirkungen des Weltkrieges". Alle Ortsetngeseffenen sind hierzu freuadlichst eingeladeN. Geschaftttches. „Es geht dem Frieden fit". Was brauchen wir da noch eine Kriegsanleihe'-^ So mag die gedankenlose Frage lauten, die der eine oder andere den Kriegsanlechewerbern entgegenhält. Welch ein Irrtum Gerade in diesen Togen lregen alle Gewinnanssichten bei dem Volke, das seinen Feinden zeigen kann, daß es über die größeren kriegerischen und ftnanziellen Reserven verfügt Durch nichts kann der Friede so gefördert werden, wie durch ein glänzendes Ergebnis der 8. Kriegsanleihe, daß den Hoffnungen unserer Widersacher auf eine finanzielle Ermattung Deuffchlands endgültig den Garaus macht. In der Kriegsanleihe-Versicherimg ist ein Weg gefunden, der jeder- nrann mit ganz geringen Barmitteln eine hohe Zeichnung auf die Kriegsanleihe ermöglicht. Wer sich mit 1000 Mark an der Kriegsanleihezeichnnng beteiligen will, schließt auf diesen Betrag eine Lebensversicherung ab. Die Versicherungsanstalt zeichnet für ihn die gewünschte Summe und zahlt sie bei der Reichsbarck eim Vom Versicherten wird weiter nichts verlangt, als daß er wie bei jeder anderen Versicherung, seine Prämien regelmäßig entrichtet. Srirot er vorzeitig, so hören die Beittagszahlungen auf und das Reichsanleihe^iapier wird sofort seinen Hinterbliebenen aus^ gehändigt. Es gibt füp diese neue Versicherungsform, die eine Verbindung von Vorschußgeschäft und Lebensver» sicherung ist, keinerlei Erschwerung: im Gegenteil manche Gesellschaften haben, da die Kriegsanleiheversichcrung der finanziellen Stärkung des Reiches dient, besondere Vorteile und Erleichterungen an sie geknüpft. So verlangt z. B. die Deutsche Lebensversicherungsbank „Arminia" bei Kriegs- onleiheversicherungen bis zu 10000 Mark keine ärztliche llntersuchrng. Für alle Alter bis zu 60 Jahren ist elne Cia- heitsprämie festgesetzt (19.60 vierteljährlich für je 1000 Mark Dersicherungssunime) die Versicherungsdauer bettägt nach Wahl 12 oder 10 Jahre; nämlich 12 Jahre bei gleichmäßiger Ratenzahlung, 10 Jahre dagegen, wenn anstatt der .-rstm Vierteljahrsrate eine Anzahlrmg von Mark 160 geleistel wird. Die Kriegsgefahr —^auch für Feldzugsteilnehmer — ist ohne Sonderzuschläge eingeschlossen. Kriegsanleihever- sicherungen für Frontsoldaten ^nnen ohne Umständlichkeif von ihren Fanrilienangehörigen in der Herrnat abgeschlossen werden. Kriegsanleihe Dersicherungkzeichmmgen können bei der Landgrsl. Hessiscktt» covc. Landedbank, Filiale Friedberg, vorgenomm^l werden, die alles weitere veranlaßt. Kekanntmachmig. / Vis nur wetteres können werdende Mütter, die ihrer im Laufe der nächten drei Monate bevorstehenden Niederkunft entgegensehen, sow'c süllende Mütter gegen ärztliche Bescheinigungen monatlich M CtiiM AsUgtzx Pxdse 2 Mk. erhalten. Die Ausgabe für den Monat April, findet Mittwoch, den 17. d Mts. nachmittags von 4-6 Uhr. in unserem Geschäftszimmer statt. Acr-tliche Bescheinigungen werden im Museumsgebäude Haagstrage, von Herrn Kreisarzt Medistnairgt Dr. Nebel, Mittwoch' den 17. ds Mts nachmittags von Uhr kostenlos aus- ^e-tettt. Stillende Mutter nuissen ihre Kinder zu Herrn Medizinal- ''at Dr. Nebel mitbringen. Friedberg, den 12 April 1918. Der stellv. Bürgermeister. (städt. Lebensmittel-Ausschuß. _3. 21. L a n o sdorf. Unsere Mer«le, aus vorzüglichem Material hergestellt, besitzen ganz besonders gute Back- und Dörr-Oefen, Koch-Herde in reicher Auswahl bei David Groedel Söhne Eisenhandlung u. Küchenmagazin, Femspecher 369 Friedberg laiserstr. 43/46. Bekanntmachung. 3. L. Pauly M. Ro enietd Coniumveiein A. Schmidt In den Geschäften von: H. Fink, Fauerbach Fr. Hilbrecht Arm. Lind & Jbotd Fr. Michel gelangen von Montag ab ^ Handkäse zum Verkauf. Auf den Abschnitt V der Brotkarte wird 1 Kä zum reise von 23 P ennrg abgegeben, lrriedberg, den 11. April 1918. Der stellvertretende BLraermei>er. (städt. Led.nsmiitel-Ausschuß) ^_ 3 . A.: Langsdorf. Holzverste^erung. w den 15. April 1918, vormittags 9 Uhr. werden im ferner 2ßtrf «bt. tn den Distrikten Amei enkop , Hicschweg. Du bäum und Schöneich verweigert: 4 Eichen-Slümme 2 —39 cm Durchm. 8-14 m lang = 4 ?4 fm 3 Vuchen-Stämme 46—5) cm Durchm. 7—11 m • ur» = ■ 4 .2 hi» 3 alö»refticti in Perlebera. ElkettSlirstt lange Wahett Lelsreier Salalölerstz per Liier Mk. 1.— ZelhAEiersWtel» Mmn-Fnsl- vorzügliches Mittel zum Einlegen der Eier. 6 ttIj=Men große feste, hat auch in größeren Mengen noch abzugeben Fr. Hitt»recht> FrLedderq r. A Kekannimachnng Für Cattenbefitzer, die ihren Bedarf nicht anderweitig decken können, steht eine gewisse Menge Früh-Saatkartoffeln zur Verfügung, die zum Preise von 10Pfg. das Pfund abgegeben werden. Die Ausgabe erfolgt in dem Keller der Stadtschule nach vorheriger Bezahlung und Abholung einer Anweisung auf Zimmer Nr. 14 des Sladlharrfes, was am besten im Laufe dieser Woche, vormittags geschieht. Zu beachten ist, daß 10 P und Saalkartoffeln eine Anbaufläche von 25 Quadratmetern ergeben müssen. Die Anbauflächen werden dun das Feldschutzpersonal nachgeprüft werden. Friedberg. den 3. April 1918. Der Bürge rmeijrer. 3. V.: Damm. Kr anntmachnuß Für die Zeit vom 15. April bis 16. September 1918 werden die Anüsflunden der städtischen Der- rvaUur.A auf vormittags von 8 dis 1 Uhr und nachmittags von 3 hrs 6 Uhr festgesetzt. An den Zahltagen der Stadt- kasse ist letztere geöffnet von 9 bis 1 Uhr vormittags und 3 bis 5 Uhr nachmittags. Friedberg. den 10. April 1915 Der Bürgermeister. 3. V.: Damm. Tpktk». fiiilsnife Wn. Farben, fiiihr, Jtiijrl, nir: eribs Lener, nirgends billiger wie bei elistc In, Lü,uistr. 15 . ES. A« -U.PM«'» Frifilbern; ‘ Tfs'?loo ÄP. ÄLLt. ■ DE Grshtes am Ulatze! Betr.: Das Betreten des Burgbergs und derAnlagen usw. Zrknunimachurm Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß das Betreten des Burgbergs und der ämt- Uchen städtischen Anlagen außerhalb der Anlagewege, sowie die Bearaiung außerhalb der um die Stadt angelegten Promeraocn- wege, insbesondere aberauä, durch . „ Kinder auf das strengste untersollen Donnerstag, den 18. April ! sagt ist. 0 . ^zs. meistbietend verstetgert Das Polizei- und Feldschutzpersonal ist angewiesen, ^ede GM-Lttsieilsttllüg. Die städtischen Begrasungen . ...... verstetgert werden und zwar: Diejenigen der Gemarkung Friedberg vormittags 10 Uhr im Saale des städtischen Musemns- gebäudes (Eingang von der Haag, straße). Diejenigen der Eemarkung Fauerbach mittags 12 Uhr im dortigen Stadthaus. Friedberg, den 12. April 1918 Der Bürgermeister. 3. V.: Damm. ZekanrrtmKchnug Nachdem wir wieder über genügend Lehrpersonal verfügen, sind wir in der Lage, den bereits vor dem Kriege eingerichteten MeMMrchs abhatten zu können. Derselbe beginnt am 29. April Vormittag 9 Uhr und dauert 6 Tage. An den Vormittagen werden 3 Vorträge gehalten und nachmittags von 2-5 Uhr finden praktische Unterweisungen statt. Zugelassen werden Männer Frauen und Mädchen, letztere jedoch nicht unter 10 Jahren. Das Honorar beträgt 5 Mark. Anmeldungen sind an die Direktion zu richten. Gr?hherjogk. pirHifioit -erlybjlbiiil-- u. lanow. wirklerschiile _ Spieß. _ ‘ Visitenkarten H M[f Bat ssaaestkirntrg Urndterei 0. ßn IJ*«. Uebertretung der gedachten A l unnachsichtlich zur Bestrafung an- zuzeigen. Friedberg, den 13. April 1918. Der Bürgermeister. 3. V.: Damm. Weichst Du Ale WäSCll’ mit „Burnus“ eia, Wird sie geschont, griffig und rein. Burnus wäscht Wäsche wunderbar. Spart Arbeit, Heizung, Geld sogar. Ueberall zu haben. Sonst durch die Chesu. Fahr. Rötun & Haas, Darmstadt. tragt ffläwrif 1 Frairi als. WM, 1. Eeschätts.tellk Frankfurt a. M., Kronorinzenftrasie 41 . (Kronprinzenbau.) — Fernruf Pömer 42 M;. ' 0 ' I'noen onian. ^ tLnstaDonnerstag, 7vreitda, nachmittags 2- i U r. — Eeichäftsanzelgen in diesem Raum nur für nufere .''litgHefcer: die.>Iden sind kostenlos, jedoch muß bei Aufgabe der An eige ou die Mitgliedschaft hinaewiesen werden. Gesucht 1 Wksserplimpe. Offerten mit Preisangabe a, die Geschäftssielle der „Neuen Tageszeitung". Ein zur Zucht tauglicher junger Simmentaler Faselochse abzugeben. Kraft, Vorsitz, des Bauernverein Trebur. if» Tapeten- und üno'eumhaus hm** Nähe des Raths^aes. Frieslbers, Kaiserstr. 27. Die Gemeinde Holzhauscn beabsichtigt einen 20 Monate alten Strfptlnlfeii anwtaufen. Besitzer solcher Tiere wollen sich bei unterzeich ieicc Stelle melden. Holzhausen, den 9. April 1618. »raljlj. fä ü tgf rmei fi»r c ig oi^lj a ui £ n f \ - —| Zahn-Atelier Peter Metzler von priina jährigen 2 °rn,precher 220. Friedberg l. H. hklß. Sollen zu höchsten Prei en. Angebote erberen an Elias Hsfmann, Friedberg i. H„ Bismarckstr. 26. Hanauer Stc. 8. Sprechstunden: Znze Gäiischtn zu verkaufen. Fr. Schmitt, Schellnhof, Post Schotten. Fernsprecher 216. W. Wochentags von 12—7 Uhr Sonntags „ 9—12 „ J Bestellungen nimmt entgegen Fi». Schmitt, Schellnhof, Post Schotten. Fernsprecher 216. Cuterhaltenes Plan® • von solider Konstruktion gegen Kasse zu laufet^ gesucht. Offerten unter V. J. V. an Äudolf Moffe, Frankfurt a. M. Imprägnierte Kragen und Miellen zum abuMfiifn neu ringe roffen Fi*. Welses* Friedberg i. H. 8 ie»er Meisstile ülefieu, Bahnhofstr. 60.:: Ferirspr. 1097 beginn des neuen Schuljahres am Montag,den 8. April oornr. ... . Aufnahme täglich bis Anfang Mai. Geschloffen durchgeführte Halbjahres -.Z-rhrkslil-ffkn Befond. Kurse fürAnwärter der seamtrn-Fa»sbahn (Post. 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Denken wir doch nur an das. was der Pharisäer im Tempel sagte: „Ich gebe den Zehnten von allem, das ich habe." Und er stand wahrlich nicht allein Viele Reilhe legten viel ein. Wenn iric unsere 7. Kriegsanleihe überblicken, dann können wir mit gutem Gewissen unfern Reichen dieses Lob auch spenden. Wie wäre es sonst möglich gewesen, diese vielen, vielen Milliarden zusammenzubringen, ohne diese gewaltigen Zeichnungen der Reichen. Und was uns über den bisherigen Erfolg der 8. Kriegsanleihe bekannt ist, berechtigt uns zu den größten Erwartungen. Viele Reiche legten schon viel ein. Wenn wir diese großen Beträge anstaunen, regt sich in uns gar kern Neid über die Großkapitalisten — in der Friedenszeit ist gar mancher beneidet worden —. nein, mir freuen uns. daß sie soviel Geld in den Händen haben und ihnen die Möglichleit geg'eben ist, nicht nur Zehn- und Hunderttausende. sondern auch Millionen zu zeichnen. Sie tun gut daran, daß sie kommen rmd zeichnen. Sie sichern dadurch ihr Vermögen, daß sie auf diese Weise auch nrilbelfen, den Sieg zu erringen. Wer sein Geld dem Staate leibt, dankt zugleich den Millionen tapferer Krieger für das Große und Nuhnwolle, das sie geleistet und erreicht haben. Drum herbei, ihr Reichen, legt viel ein! Ihr seid es dem Vaterland? schuldig, und Millionen danken es euch. II. „Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein tfrt; die machen einen Heller." Gott hatte sie mit irdischen Gätern zwar nicht gesegnet, ihr aber größere Schätze geschenkt: ein dankbares, zufriedenes Herz und eine opferbereite Hand. Das Wenige, das sie hatte, gab sie gern. Als sie am Opferstock vorüberging, dachte sie nicht: Was sollen meine Heller unter diesen Gold- und Silberstücken? Nein, was sie übrig hatte, legte sie ein. Und nie hat Jesus ihre Gabe gewertet! Seitdem steht diese arme Witwe da als leuchtendes Vorbild für alle Zeiten. Die achte Kriegsanleihe ist aufgelegt. Willst du, der du nicht über Tausende verfügst, vorübergehen und denken: Mas sollen meine 10b oder 50 oder 20 Mark unter den Millionen? Sie bedeuten ja nichts! Ich sage, sie haben einen großen Wert. Viel Wenig geben ein Viel. Unsere 8. Kriegsanleihe soll mkthelfen, uns den Frieden zu bringen. Wer wollte da zurückstchen? Wollen wir nicht einmütig unseren Feinden zeigen: Ihr könnt uns nicht besiegen! Der großariiae Erfolg unserer 8. Kriegsanleihe soll unseren Feinden die Erkenntnis einhämmern: Die Deutschen sind auch auf.finanziell-wirtschaftlichem Gebiete nicht zu besiegen. Sie müssen dann Frieden schließen. Die Friedensglocken werden läuten. Unsere tapferen Krieger kehren heim. Wh. reichen einander die Hände. Ihre Hände haben draußen blutige Arbeit getan: und unsere Hände sind Graue Gefahren. Roman aus der Gegenwart von M. Gontard. Schuck. "4 t Nachdruck verboten- -Nein ja- — sie zögerte einen Augenblick — „ja, Archre, :ch bin zu einem Entschluß gekommen. Laß mich mit der ganzen Geschichte zusneden. Ich will nichtZ damit -u tim haben. Du läßt Dir nicht raten, läßt Dich nicht adelten, gut! Verlange aber auch nicht, daß ich Dir helfen soll! Sei zufrieden, wenn ich es Alfreds Vater nicht sage." „Ich danke Dir für Deine schwesterliche Liebe. Ich habe eZ mir gedacht. Auch ich bin zu einem Entschluß gekommen und geb die ganze Geschichte auf. Ich konnte mir denken, daß Du mir nicht helfen würdest, und allein die Sache zn unternehmen, erscheint mir doch zu gewagt." Er beobachtete due Schwester unter halb geschloffenen Lidern hervor. ,£>, Archibald, wie gut von Dir! Wie bin ich froh! Wozu willst Du Dich auch diesen Gefahren aussetzen?" -Er antwortete nicht sogleich. Mit seinem Stock zeichnete er Bilder in den nassen Sand. „Die Gefahren würden mich nicht abhalten, wenn ich wüßte, daß ich Erfolg hätte. Aber ohne Deine Hilfe geht es lucht. Also bleib' ich lieber. Dafür nmßt Du aber an einem der nächsten Tage mit nur zur Stadt fahren. Ich brauche allerlei Zeug, Wäsche und ähnliches. Man kommt sich schließlich wie ein Lump vor. Und es ist sowieso besser, ich habe alles, falls ich hier fort muß." „Aber gern, Archiek Wann Du willst. Ich mache dann auch gleich einige Einkäufe für mich." „Gut! Tann können wir \a schon übermorgen fahren, ^ange Zeit, um Einkäufe zu machen, wird mir wohl nicht mehr bleiben." Helen warf ihm einer: forschenden Mick zu. „Sonnabend?" fragte sie zögernd. , ."Sonnabend? Ach ja, jiberrnorgen ist Sonnabend. Ja, rch denke, da paßt es ain besten." daheim auch nicht müßig gewesen. Sie regten sich bei treuer Arbeit, sie falteten sich beim andächtigen Gebet; sie haben aber a u ch H r i eg s a n l e i he gezeichnet. Drum herbei! Es ist noch Zeit. Ihr Reichen, legt viel ein! Und ihr anderen, zeichnet nach Kräften! Die Lebenden, die Toten fodern Anerkennung ihrer Tat. Das Vaterland erwartet, daß ihr eure Pflicht tut. Amen! Pfarrer Z a tz m a n n. «KM Der Urquell treibender Kraft, machtvoll und ausschlaggebend. Um Lrotzes ?u erringen, wirkt er bestimmend auf die Gestaltung der Dinge und erreicht allen Widerständen zum Lrotz selbst scheinbar unerreichbare 3iele, Ze schwerer das Werk.^imso fester der Wille. Wer im Willen nachiätzt, unterliegt. Die Ltunde fordert von uns gerade fetzt wieder zwingenden Willen, auch dis achte Kriegs-Anleihe soll ihn erweisen^. Der „größte Anarchist Europas". Während des Fürsten Lichvowskys eigenen Landsleuten erst langsam das Licht darüber aufgebt, reicher Ruchlosigkeit ein Botschafter aus der Bethmannzeit fähig ist. ist man drüben, am englischen Schauplatz der Lichnowsky'schen Geniestreiche, längst dabei, den Vorgang zu britischen Zwecken zu „frultisizieren". Lord Lansdowne sieht jetzt den Beweis als geliefert an, daß im Jabre 1914 in Deutschland eine „finstere Verschwörung" zur Erzwingung des Krieges um jeden Preis bestanden habe, eine Feststellung, welche den intelligenteren Mitgliedern des Oberhauses ein Angurenlächeln entlockt haben mag. Denn diese neue Enthüllung der vollkommenen Reinheit und Friedlichkeit des BrUsngewiffens paßte vortrefflich zu dem Gegenstand, der das hohe Haus der Lords gerade beschäftigte: man war wieder einmal dabei, den berühmten „Bund der Nalronen" mit ausfüh- rsnden Gewalten zur Knebelung frivoler' Friedensstörer ft la Germany, zur zwanqsmäßigen Durchführung der Abrüstung usw zu gründen. Der Reuteilche Bericht aber von diesem* „großen Tage" erweckt den Eindruck, als habe die edeln Lords doch bereits eine Ahnung davon ergriffen, daß es leicht zu spat werden könne, wenn sie sich mit dem wohlausgeklügelten Vundesproblöm Archibald sah so harmlos und gleichgültig aus, daß Helens eben erwachter Argwohn wieder einschlief. „Gut, also Sonnabend!- Wir nehmen meinen kleinen Wagen, den ich vorn Papa habe. Er ist ohnedies lange nicht heraus gekommen." „Natürlich nehmen wir Deinen Wagen. Darauf habe ich auch stark gerechnet. Ich bin noch nicht ein einziges Mal darin gefahren. Der Baron kann uns ja auch keinen geben. Er hat seinen an die Militärverwaltung abgeliefert."- Helen stand an der großen Treppe nnd wartete auf Archibald. Langsam streifte sie die FahrhandsHuhe über. Sie hatte die Absicht, nach langer Zeit wieder einnral selbst zu fahren. Jetzt kain Archibald die Treppe hennrter. Es ging doch noch ziemlich schwerfällig mit ihm. Das rechte Bein schleifte er stark nach. „Der dumme Jmrge!" dackcke Helen bei sich. „Er soll zufrieden sein, wenn er hier noch in Ruhe sitzen kann. Was bin ich froh, daß er den Gedanken mit der Flucht anfgegeben hat." Der Wagenführer stand am Wagenschlag und wartete auf die Gescliwister. Helen ließ Archibald ernsteigen und wandte sich bann an den noch am Wagenschlag stehenden Führer. „Ich komme zu Ihnen. Berger! Ich wÜl mal eine Strecke selbst fahren. Ich hab's lange nicht getan." „Warum läßt Du Berger nicht zu Helen? Wenn Du selbst lenken willst, können wir auch allein fahren. J „Es ist so lästig in der Stadt, Archie! Es ist bester, er kommt mit." Archibald murmelte etwas vor sich hin. aber Helen hörte nicht mehr darauf. Sie saß bereits am Steuer. Das Wetter war sckwn. Der nahende Frühling lag in der Lust. Die Sonne schien bereits kräftig genug, um ihre vergoldeten Strahlen in alle Winkel zu senden. Die Bäume allen Teilen der bewohnten Erde nicht etwas beeilten! Denn der Feind steht vor der Türe und macht Miene, zu dem entscheidenden Hauptschlage auszuholen. Nachher, nach einer Niederlage könnten die Voraussetzungen vielleicht fehlen, die Völker von der überlegenen und uneigennützigen Sittlichkeit der englischen Politik zu überzeugen und sie unter das von tnternatio- naler Moral triefende Joch der Briten zu zwingen. Jnfolge- deffen legte Lord Landsdowne auch auf jenes pazifistische Phantom weit weniger Wert, als auf die brennenden, ach so! bren- nenden Schmerzen des Tages, beschwor die amerikanische Hilfe zwecks Vermehrung des wirtschaftlichen Druckes herbe' und fand sich endlich dahin zurecht, daß man Deutschland erst besiegen müsse, ebe man es zum Objekt der Erziehung der Erziehung des „Bundes der Völker" machen könne: Deutschland sei in der Ver. gangenheit immer der große Anarchist Europas gewesen und habe immer seine eigenen Ziele verfolgt. Es habe stets den Gedanken friedlicher Erörterung verspottet. Wenn man Deutschland in das Geschirr einer Organisation dieser Art spannen könnte, so würde man dadurch eher als durch jedes andere denkbare Mittel den preußischen Militarismus los werden. Soll man diese neueste Formel, die in einer beinahe geistreichen Art Militarismus und Anarchismus identifiziert, heute noch ernstlicher Widerlegung würdigen? Doch es läßt sich kurz machen. Zwei namhafte Britcnsiimmen aus der Zeit, da England noch nüchterner dachte: Der Engländer Seely hat gesagt: „Das Maß von Freiheit in den Staaten muß normalerweise umgekehrt proportional sein dem militärisch-politischen Druck, der auf ihren Grenzen lastet." Und Lloyd George, keinem geringeren, verdanken wir diese glänzende Rechtfertigung > ‘ reg „Militarismus": „Deutschlands Armee ist eins Leb^n" g nicht nur für das Bestehen des Deutschen Reiches. st h für die Existenznwgttchkeit der deutschen Nation als Deutschland von anderen Rationen umgeben ist. d? sich ein beinahe gleich starkes Heer wie das deutsche rend mir der Ansicht sind, daß der Schutz unserer 1 Ueberlegenheitsstandart von CO v. H. für England! gegenüber der deutschen erfordert, vergessen wir. da" Zu Lande einen solchen Sicherheitsstandart nicht e'>. M - er Frankreich allein besitzt nnd dazu kommt noch die Drohun von der russischen Grenze her." 7 So Lloyd George im „Daily Ehronicle" am 5?- 1914, als- man in England noch nüchtern dachte. Aber Lord Landsdowne wird sich auch durch Lloyd George nicht die onar chistische Furcht austreiben lasten. Dazu sind andere Mittel nötig. Weit aus holt schon das Schwert Hindenburgs. um mit dem preußischen „Militarismus" — Ordnung in der Welt zu schaffen! AchWihMle Grlld'lsjöiidü"^ Bei der Medereroberung von Vapaume hat sich eine Abscheulichkeit herausgestellt, welche in diesem Augenblicke, wo sich die englischen Heuchler über die deutsche Beschießung der Festung Paris entrüstet gebärden, dem Urteil jedes Menschen unterbreitet werden soll, in dessen Herzen noch ein Funken von A.b'ung vor der Heiligkett der Grabesruhe glimmt. Auf dem Fr-^hn von Bapaume hatte das 14. Refervekorps seinen beim Vormärsche gefallenen Helden ein würdig schönes Denkmal gesetzt: einen einfachen hohen Stein mit schlichten Worten, die nur besagten, daß das 14. Restroekorps dieses Denkmal seinen gefallenen Kameraden widme. Kein Ausdruck der Ruhmredigkeit in Inschrift oder Schmuck konnte das Auge des Feindes beleidigen. am Straßenrand waren voll saftiger Triebe utib reckten verlangend ihre noch rmbelcncbten Aeste dem segenspendenden Gestirn entgegen. Helens Wangen röteten sich in der frtftfwm Luft. Lebhaft wandte sie sich halb zu dem Bruder um und rief: . Es wird Frühling, Archie, riechst Du es?" „Ich rieche es. Natürlich, — Aber ich rieche noch etwas anderes," murmelte er leise. In der Stadt besuchten die GesckAvister zuerst ein Herrenwäschegeschäft. Archibald hatte sehr große Bedürfnisse. „Man ist ja überhaupt kaum noch Mensch.in diesen Kriegswochen," sagte er. „Nun fahren wir erst zu Renner, ich muß mir dort verschiedene Kleinigkeiten besorgen. Bon da gehen wir erst zum Kaffeetrinken. Kommst Du mit zu Renner, Archie?" xNe. Kind! In die Damengeschäfte gehe ich nicht gern rein. Ich bleib solange im Wagen sitzen und nehme liche Pakete in Einpfang, die Du einkausst." „Auch gut! Ich bleibe auch nicht lange. Ich werde mich möglichst beeilen." — Als Helen hinter den mächtigen Flügeltüren bix* schwanden war, sab sich Archibald um. „Sagen Sie, Berger, ist hier in der Nahe eine Apotheke?" „Jawohl, Herr Douglas, dort drüben an der Ecke." das ist gut! Ich Hab' unterwegs scheußliches Zahnweh bekommen, und es wird von ° mute zu Minute schlimmer. Wären Sie wobl so gut ' w holten mir ein Mittel? Es gibt ja massenhaft solcher C uchen." Archibald Douglas konnte sehr liebenswürdig sein. „Sehr gern, Herr Douglas," antlvortete der Wagenführer. Archibald reichte ihm ein Geldstück :md Berger schritt eilig quer über den Platz. Fortsetzung folfil. /Dennoch haben die Engländer mit grabschanderischen Buben- handen dieses wehrlose Totenmal verstümmelt u,rd besudelt. Cie haben, wie ich mit eigenen Augen gesehen habe, die Inschrift mit der Spitzhacke roh herausgeschlagen An ihre Stelle haben englische Soldaten ihre Namen gekritzelt. Dieser Befund ist durch alle Zeiten durch photographische Ausnahmen festgelegt. Das englische Bubenstück ist um so schwerer zu verurteilen, als sich rings um Las geschändete Denkmal und in dessen unrnlt- lesbarer Nachbarschaft von uns angelegte französische Massengräber befinden, welche von uns genau so würdig ausgestattet und unterhalten waren, wie die unserer eigenen Helden, und an deren Kreuzen noch die verblichenen blau veiß-roten Schleifen wehen, durch welche mit unserem Einverständnis die patriotische Bevölkerung von..Bapnvme während der deutschen De- setzungszeit die Gräber ihrer Baterlandsvorieidigev ehren durfte. Auch haben die Engländer auj den unzahUgan F^edhöfsn unseres Somme Mä-rmnngsgebrelcs überall gesehen, daß wir ihre Toten mit derselben Achtung bestattet haben, wie unsere eigenen. Für die Bapaumer Grabschändung hatten sie also nicht den kleinsten Vorwand. So tief ist England Stolz gesunken, daß es sein Matchen an deutschen Gräbern kühlt, wenn es die lebenden Deutschen nicht besiegen kann? AZ. Schcuerm a n n, Kriegsberichterstatter. „faß km Wh büffe mn fffljpn“ Ein Rückblick aus der Geschichte von Asseuheim. Zu den größten Rätseln, die dieser an Rätseln so überaus reiche Weltkrieg aufzuweiscn hat, gehört unstreitig dis Tatsache, Laß in demselben Deutschland, in dem jedermann Tag für Tag mit gespanntester Aufmerksamkeit und wirklicher innerer Anteilnahme die Entwicklung der großen Entscheidungsschlachten verfolgt, es doch immer noch eine Anzahl von Menschen gibt, die für die so notwendige achte Kriegsanleihe nichts übrig haben. Fast scheint es, als ob sie zu dem Krieg lediglich d i e Stellung hätten, die in Goethes Faust der in behaglichem Frieden lebende Spießbürger einnimmt, dn spricht: Nichts Vessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrci, Wenn hinten, weit, in der Türkei, Die Völker auf einander schlagen. Oder als ob sie den Standpunkt einnähmen, auf dem d.'c- Ie§ Spielers würdiger Partner steht, der behaglich spricht: Herr Nachbar, ja? so laß ichs auch geschehn: Cie mögen sich die Köpfe spalten. Mag alles durcheinander gehn: Doch nur zu Hause bleibts beim Alten. Auch in unserer Wetterau lebt manche: brave Mann und ! gute Patriot, der. ohne es zu ahnen, in die Reihe dieser Gemütsmenschen gehört, die mit ihrem Verstand anders zum Kriege stehen, wie mit ihrem praktischen Handeln. Aufgerüttrlt können fie nur werden, wenn er ihnen zum Bewußtsein gebracht wird, daß dlesr Krieg doch auch ihr Krieg ist, daß es sich, mit andern Worten, :n ihm doch nicht bloß um große nationale und politische Fragen sondern auch um Mein und Dein handelt. Was eben weite Gedietsstrecken Frankreichs leiden müssen, war uns zugedacht und ist uns noch zugedacht. Was damit aber in Aussicht steht, darüber gibt die Geschichte, in der unsere Vorfahren ähnliches bereits erlebt haben, klare und bündige Antwort. Heinrich Maul von A s s e n h e i m, der sich auf lateinisch dem Geist der Zeit entsprechend Oroeus nannte und in dem großen dreißigfahrigen Krieg lange Jahre zuerst Pfarrer in Bad-Nau. heim und dann Inspektor in Hanau war, gibt uns davon in seinem großen Werk „Theatrum Europaeum" einen Begriff, wenn er über das Ergebnis einer großen Offensive, die im September 1634 gemacht wurde, schreibt: „Aller Orthen, wohin die Heere kamen, erfülleten fie Himmel. Lust und Erden mit Feuer, Ranch, Dampf, Blut, Mord, Schand und Brand, £cü> und Geschrei, daß es in und durch die Molken erscholl und nicht ärger hätte gemacht werden können. Fast kein Orthblieb ganz stehen. Kein Mensch dcrste sich sehen oder blicken lassen, wer nicht des Todes sein wollte oder sich entweder in feste Oerier oder ins dicke Grstreuch, Gebürg, Wälde, Holen und Steinritzen verkriechen wollte, war doch manchmal nicht sicher, sondern wurde herausgezogen und ärger als ein unvernünftiges Thier gehauen, erschossen, gemetzget, zersetzet, daß nimmermehr keine Zunge so beredt, noch eine Feder so scharf und spitz ist, die es ausreden und beschreiben könnte. In Summa das Land vor ihnen war eine lustige Au oder wie ein Paradies und Lustgarten, und nach ihnen wie eine wilde wüste Einoder, daß in wenig Tagen nach dem Durch- und Abzug man sich gegen einander verwundern mochte, wo sich einer oder der ander erhalten hatte." Der „Äbersiüßfrge Dmrlchenhandei". Tausendfach konnte man die Beispiele häufen, daß die Ausschaltung des „überflüssigen Zwischenhandels" und st'n Ersatz durch Einschaltung der kommunalen Bewirtschaft ? • der Kriegsgesellschaft dem armen Volke lediglich unsinnige V-'.eue- rung gebracht hat, eine Verteuerung, über die der Fachmann die Hände zusammenschlägt und die eine schamlose Bewucherung wäre, wenn sie nicht ihre Hauptursache in Unfähigkeit hätte. Wir wollen diesmal nicht von der Warsnverderbnis, sondern von der Warenverteuerung, welche das Experiment der öffentlichen Bewirtschaftung mit sich bringt, sprechen. Hierzu ein Beispiel, das wir der „Tageszeitung kür Nahrungsmittel" ent- JreJnnen, wie gesagt, eines für tausende. .* In einer mittleren Kreisstadt der Nheinprovinz befinden sich: eine Marmeladrnfabrik, mehrere Kolonialwarengroß- und zahlreiche Kleinhändler. Wie einfach wäre also die in der Stadt hergestellte Marmelade auf dem Friedenswege über Groß- und Kleinhandel dem städtischen Verbraucher zuzuführen! Man Könnte auf diesem Wege die vorgeschriebenen Höchstpreise ein- Aalten und würde außerdem die Steuerkraft einer Erwerbsschicht Därken. Doch nein, behördliche Ethik fordert die Ausschaltung Des Großhandels, weil überflüssigen „Zrolschen"-Handels. Man ^erfaßt" die Marmelade, „bewirtschaftet" sie öffentlich und läßt sie — wohl aus den stMsam bSannlen tzemelinMgen Gründen — i« aller Stille der öffentlichen Wirtschastsmethoden den folgenden Leidensweg gehen: Fabrik — amtliche Vezirkszen- trale — Berteilungsstelle des Regierungsbezirks — Kommunal- verband (Landral) — Stadtverwaltung — Kleinhändler — Verbraucher. Jedes Zwischenglied fordert nun natürlich seinen Ausschlag zur Kostendeckung". Was Wunder, wenn sich dabei, Ende März 1918 festgestellt, folgendes empörend schöne Preis- bild ergibt: Tatsächlicher Erzeugerpreis ..... 66,50 M. Kleinhandelspreis »,*,*»., 0,95 M. das Pfund. Es ergibt sich also trotz der Ausschaltung des Großhandels eine Verteuerungsfpanne von 43 v. H. Davon entfallen auf den Kleinhändler, dem die Marmelade, 86,40 M. frei Haus kostet, brutto genau ganze 10 v. H., so daß für die übrigen vier eingeschobenen amtlichen Zwischenglieder, von denen gegenüber Frie- densverhältnissen drei restlos überflüssig sind, eine gemeinsame Spanne von 33 v° H. oder für jedes der vier Glieder 8K v. H. „Kostendeckung,, verbleiben. Bevor wir das Bild zusammen fassen: Der Kleinhändler bezahlt der Stadtverwaltung für die Marmelade frei Haus einschließlich Verpackung 86,40 Mark, wahrend der verordnungsmäßige Höchstpreis für den Großhandel 78,50 Mark beträgt. Tie Stadtverwaltung schreibt dem Kleinhändler einen Klein- Handelshöchstpreis von 0.95 Mark das Pfund vor, während der Verordnunosmäßigc Kleinhandels-Höchstpreis 0,92 Mark beträgt. Also: 1 Das, was die öffcntliche Wirtschaft vermeiden wollte, Nam' lich unnütze Verteuerung der Ware durch überflüssige Zwischenglieder, wird in vollem Umfange bewirkt. L. Allo in Betracht kommenden amtlichen Zwischenglieder arbeiten ganz erheblich teurer als der Handel. 8. Ss liegt offensichtlicher Kettenhandel mit preissteigercher Wirkung durch amtliche Stellen vor. 4 . Die Stadtverwaltung überschreitet den Großhüudelshöchst- j preis für Marmelade um 10 o. H. b. Sie ordnet dem Kleinhandel gegenüber eine Ueberschrei tung des Klernhandelshöchstpreises an und macht sich damit der Anstiftung schuldig. Alle vorstehenden Angaben, die zwar ein krasses, dagegen kein vereinzeltes Bild darstellen, sind vollinhaltlich belegt. WMoimrKchttr n g! Wcr lesen in der Frankfurter „Äolksstimme": In Breslau sst die Zahl der Perfon-en mit einem Einkommen über 160 006 Mark von 1916 auf 1917 gestiegen von 130 aus 341! Es gibt also eins erkleckliche Anzahl von Menschen, denen der Krieg pe» kuniär sehr gut bekommt. Aehnlich wie tn Breslau geht es natürlich auch anderswo. Interessant wäre eine Statistik darüber, wieviel unter den 341 Personen mit über 100 000 Mark Einkommen der Vaterlandspartei Leigetrcten.sind." Die Frankfurter „Volksstimme" wendet sich an die. falsche Adresse. Mir glauben, fie würde viel besser tun, wenn sie sich ber ihrer Nachbarschaft und Freundschaft hielte. Die meisten Kriegsgewinnler sind Anhänger der Politik und Leser der „Frankfurter Zeitung" und des „Berliner Tageblatts". Was schon daraus hervsrgcht, daß diese Herrschaften ihre Schiebe- und Wucher-Anzeigen zumeist m diesen t >en Zeitungen ablogern. Sie werden wissen warum. Serngeffmds HeiratskmMdaien. Zwei Heiratsanzeigen aus einer Rümmer der „Frankfurter Zeitung": „Akad. geb. Kfm., Sohn eines Mafchinenfabrikanten, 26 I. alt, ev., vermögend, kerngesund und lebenslustig, möchte bald ein eben' 'Äs vermögendes, interessantss, luftiges Mädel heiraten, um ein geschmackvolles Eheleben schon fn der Jugend zu erleben und einen psychischen Ausgleich zu haben . . „Vermögender, solider Inhaber altangesehener bedeutender Weingroßhandlung in schöner rhein. Vadestadt, Eigentümer Herrschaft!. Besitzung, sowie großer Weingüter, 35, ev., kerngesund, sucht passende, lebensfrische, gut bürgerl. haushält, erzogene Lebensgefährtin aus der Weingegend mit nachweisbar größerem Vermögen . . ." Wenn man in der Kriegszeil von diesen kerngesunden Heiratskandidaten liest, dann bedauert man es immer wieder sehr, daß solche Zerren ihre kernige Gesundheit an die Markt- tcrsel schreiben können, ohne dem feldgrauen Wams Tribut geleistet zu haben wie alle anderen sowohl kerngesunden als auch weniger kerngesunden deutschen Männer. Das lebenslustige Söhnchen des vielleicht Granaten machenden Maschinenfabrikanten, das „schon in der Jugend seiken psychischen Ausgleich mit einem interessanten Mädel" haben will, ist offenbar unabkömmlich. Und eigentlich müßte man dasselbe von dem 35jährigen kerngesunden Weingutsbesitzer annehmen. Daß es, und wohl namentlich am reich besetzten Tisch des Lebens noch imrinr Leute gibt, die in ihrem Benehmen auf das Empfinden des Heeres derjenigen nicht gebührend Rücksicht zu nehmen wissen, die im Kriege gelitten und geblutet haben. Ein Spaß, wenn das Bezirkskommando den Leiden kerngesunden Hciratskandt- daten ein Angebot machte! Fremde Kapitalisiert im Teßin. Tessiner Blätter berichten, daß in letzter Zeit in, Locarno verschiedene Landsitze und Häuser von ausländischen Kapitalisten aufgekc fft worden seien. Dasselbe geschieht auch'im Luganogebiet. Die Käufe erfolgen zu einem den reellen Wert zwei- bis dreimal übersteigenden Preise. Es ist geradezu eine Jagd nach Häusern. „Es macht den Anschein," schreibt der Berner „Bund", „als ob die Kapitalisten sich aus den kriegführenden Staaten infolge der hohen Steuern flüchteten." Sollte nicht auch die deutsche Regierung ein Interesse daran haben, festzustellen, welcher Nationalität die ehrbaren Patriotin angehören, die heute schon mit der Verschiebung ihres Vermögens nach bem A s7ando beginnen? Um die Valuta zu heben, wird die Sache doch wolft kaum gemacht. Sraunstein-Terchkis „Souper" mit Polo Usgrs. Die polnische Klentoppeuse Pola Negri. die sich auf Reklame versteht, ist jüngst wieder einmal in Warschau gewesen und hat sich nach ihrer Rückkehr nach Berlin von der „Lichtbildbühne" regelrecht interviewen lassen. Sieht man von dem faden Gc- schleime ab, daß der Ausfrage dieses Blattes um die Sache mit breitem Behagen gießt, bleibt trotzdem noch einiges über, was festgehalten zu werden verdient. In einem Warschauer Hotel hat die Dame Pola Regri den großen Kean von Brest-Litowsk, Leo Braunstein-Trotzkr kennen gelernt. „Die gelbliche Gesichts- färbe tritt durch das glänzend schwarze Haar und die Vartfliege auffallend hervor" . . . „Trotzki hatte mich irgend wann gesehen und sagte mir ein paar Komplimente. Das Eis war gebrochen, wir verabredeten ein Souper zusammen. (!) Dabei spricht Braunstein-Trotzki den gewichtigen Satz: „Es gibt kluge Leure in Deutschland, aber was nützt es — fie haben nichts zu essen. Und was wollen Sie bloß in Berlin machen?" Und dann sprach er wiederum von der Musik, vom Theater: „Er sagte mir tausend geistreiche Liebenswürdigkeiten. „Kann ich Ihnen irgend einen Wunsch erfüllen?" Ein Mann, dem das Schicksal von 170 Millionen Menschen in die Hand gegeben ist. darf das wohl sage^. Ich bejahte. „Lassen Sie sich morgen früh mit mir zusammen photographieren." Er willigte lachend ein. Gewiß, es sei ihm eine Ehre. Aber der Adjutant erinnerte ihn, daß am nächsten Morgen um sechs Uhr der Zug nach Brest-Litowsk bereit stünde. Es war also nichts mit der Photographie. Das Souper war zu Ende. Trotzki begleitete mit zum Fahrstuhl. Als wir uns verabschiedeten, ftagte er mich nach meiner Berliner Adresse. Ich gab fie ihm, wohl mit einem etwas überraschten Lächeln. Er wurde sofort ernst und sagte: „Ich werde — vielleicht — bald nach Berlin kommen. Vielleicht. Wenn alles gut geht . . . Und dann, glaube ich, werde ich dort keine ganz kleine Rolle (??) spielen Und mein erster Besuch wird Ihnen gelten." Erst spä- ter horte ich, daß um diese Zeit in Berlin gestreikt (aha!) wurde. Am nächsten Morgen fuhr Trotzki nach Brest-Litowsk. Und es kam alles anders, als wie (!) er und seine Freunde geglaubt Hatten." Also: Herr Braunstein-Trotzki hat die Zeit in Warschau mit einem kleinen Mädchen vom Kino beim Souper verbracht und ihm versprochen, daß sein erster Besuch in Berlin ihr gelten würde. Diesen Besuch hat er sich allerdings gänzlich anders gedacht. Cs ist schade, daß das Doppelbild von der Negri und dem Braunstein-Trotzki nicht zustande gekommen ist. Kirchliche Nachrichten. So««tag Misericordias Domini, 14. April 1918. Gottesdienst in der Stadtkirche. Vormittags 9)4 Uhr: Herr Pfarrer Diehl. Abends 8K Uhr: Herr Pfarrer Kleberger. Gottesdienst in der Vurgkirche. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst. Herr Pfarrer Ritter. Nachmittags 2 Uhr: Katechismuslehre für die männliche Jugend. Herr Pfarrer Kleberger. Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach. Sonntag Miserrcordias Domini, 14. April ISIS. 10 Uhr: Gottesdienst. Anschließend Katechismuslehre für die Jünglinge. . ' * . * Katholische Gemeinde. 2. Fasten-Sonntag «ach Ostern, 14. April 1918. Veichtgelegenheit am Samstag von 5 Uhr an und Sonntags, früh von 6 Uhr. H7 Uhr: Frühmesse. 8 Uhr: Militärgottesdienst (Singmesse mit Predigt). Gemeinsame hl. Kommunion der Jungfrauen. '3410 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 2}4 Uhr: Christenlehre und Herz-Mariä-Bru^ derschafts-Andacht. Um 4 Uhr: Versammlung des Jünglingsvereinr^ Während der Woche um K7 und 7 Uhr hl. Messe. Freitag abends 8 Uhr: Kriegs-Andacht. Nach dem Hochamt Ausgabe von Büchern aus der Borroe mäus-Bücherei. Das Feldheer braucht 33 dringend Hafer, Heu ^3 und Stroh! 13 jjj: Mtflitte helft lein Heere. ^ 3ÖT- Voraritwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Heyner« Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung^ A- G.. Friedberg i. H. Die Abgabe getragener Kleidung erleichtert den Erwerb eines Bezugsscheines. a