Nummer 38 Donnerstag, den 14. Februar 1918 lZ. Jahrgang Die .»L'ene Tageszeilung" erscheint ieden Werttaq. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer aus Hessen", „Die SpirmSrrbe". Semgspreis: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2.40 hin u tritt noch das Bestellgeld; bei den Agenten monatlich 85 Psg. einschließlich Trägeriobn. Anzeigen: Grundzeile 2b Psg., lokale 20 Plg^ Anzeigen von auswärts werden durch Voitnachnahme erhoben. EOüllunasor: Frisdberq. Hchriftleitung und Derlag ^riedbern (Hessen), »anaueritraße 12. Fernivrecher 44. Poitsheck-Conro Rr. 435S. Amt Frankfurt a. M. Ein französischer Angriff im Driestermald unter schweren Derlnsten znrnckgeworfen. verkündet abermals Krieg. — 20000 Tonnen versenkt. ♦ AsyL George W. T. Großes gattp-quartier» derr z3. Fevr«ar. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und Deutscher Kronprinz. Stärkere Erkundungsabteilungen, die der Feind nördlich von Lens und nördlich vom Omignon-Bach ansetzte, wurden im Rahkampf abgewiesen. Im übrigen blieb die Gefechtstätigkeit auf kleine Erkundungen und Artilleriefeuer in einzelnen Abschnitten beschränkt. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Nach heftiger Feuersteigerung zwischen Flirey und der Mosel stieben mehrere französische Kompagnien bei Releauville und im Westteil des Priesterwaldes gegen unsere Linien vor. Nach kurzem Kampf wurde der Feind unter schweren Verlusten zurückgeworfen. Gefangene blieben in unserer Hand. AmSudelkopf und am Hartmannsweilerkopf Artillerie- vnd Minenkampf. * In Vergeltung feindlicher Bombenwürfe auf Saarbrücken am 2. Februar griffen unsere Flieger die Festung Nancy mit Erfolg an. Mazedonische Front. Bei Monastir und am Wcndar Artillerie- und Flieger- latigkeit. Von den 'anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Eeuerakqnartiermeister: Ludendorff. Abeudlierichr. Berlin, 13. Febr., abends. (WTB. Amtlich.) Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. | Der österreichische Generalstab = meldet: Wien, 13. Febr. Amtlich wird verlautbart' Keine Kampfhandlungen von Bedeutung. Der Chef dev Eeneralftatze». Der bulgarische Generalstab [j — meldet: —— -'! Sofia, 10. Febr. (WTB.) Eeneralstabsbericht. Mazedonische Front: Im oberen Skumbitale vertrieben »vir durch unser Feuer eine starke französische Infanterieabteilung. Unsere Artillerie zerstreute einige englische Abteilungen, die gegen unsere Stellungen an der Strumamündung vorzugehen versuchten. Sofia, 12. Febr. (WTB.) Eeneralstabsbericht. In der Umgegend von Bitolia und bei Dobropolje nahm das Artilleriefeuer zeitweilig an Heftigkeit zu. Westlich und östlich des Wardar auf beiden Seiten mehrere Angriffe und Feuergefechte. Im Strumatale, am Vuckovosee, sowie östlich vom Dorfe Koopnva zerstreuten wir durch unser Feuer mehrere starke englische Erkundungsabteilungen. Dabrudschafront: Waffenstillstand. 20000 Tonnen. Berlin, 12. Febr. (WTB. Amtlich.) Neue U-Booterfolge dem nördlichen Kriegsschauplatz: 28 600 Vruttoregistertonuen. Die versenkten Schiffe waren meist tief beladen. Darunter Befanden sich zwei große Dampfer von etwa 5000 Vrutto- rogistertonnen, deren einer der Bibby-Linle augehörte. Der Chef dev Admiralsta.bs der Marine. r - Bafel, 13. Febr. Schweizer Blätter melden aus London ^aß 20 000 Mann des englischen Heeres zurückgezogen werden Mn im Schiffsbau Verwendung zu finden.^ -- ^ ^ Der Frieden mit der Ukraine. Haag, 13. Febr. Reuter meldet aus London: Die Regierung hält sich für genötigt, den zwischen Deutschland und Oesterreich- Ungarn und der Ukraine andererseits abgeschlossenen Frieden anzuerkennen. Kam.cnew über die Friedeusfrage. Stockholm. 12. Febr. Der zurzeit in Stockholm befindliche frühere Unterhändler in -Vrest-Litowsk Kamenew bezeichnet den jetzt zwischen Rußland und den Mittelmächten eingetretenen Zustand nicht als Friedensschluß. Er beruhe auf einer russischen Friedenserklärung, dis keinen Verzicht auf die früher von Rußland verkündeten Friedensgrundsätze enthalte. Man habe die Deutschen nicht zwingen können, auf die russischen Bedingungen betreffend die besetzten Gebiete einzugehen. Rußland habe sich somit die Hände freigehalten, um auf einem künftigen allgemeinen Friedenskongreß für feine Grundsätze einzutreten. Daß Deutschland gdgen das demobilisierte Rußland weitere militärische Schritte unternehmen werde, sei ausgeschlosien, die Deutschen hätten feierlich erklärt, daß sie auf weitere Eroberungen verzichten. Deutschland werde voraussichtlich nur eine Grenzwache im Osten zurücklassen. Die dadurch erzielte Verstärkung der Westfront werde wohl auf die Entente einen weiteren Druck ausüben, an Friedensoerhandlungen zu denken. Kamenew äußerte weiter, daß die Bolschewikiregierung, die Übrigens nicht daran denke, die konstituierende Versammlung jemals zuzulassen, eventuell beabsichtige, sich an der bevorstehenden internationalen Sozialistenkonferenz vertreten zu lassen, um dort für ihre Ideen zu wirken. Die Ukraine habe die Sache der russischen Revolution verraten; ein ernster Konflikt sei unvermeidlich, wenn die Ukraine ihren Getreideüberschuß an Deutschland statt an Rußland liefere. Und Umnänien? Mackensens Verhandlungen. Bern, 12. Febr. (WTB.) Wie wir erfahren, iit d'e durch die Agentur Havas verbreitete Nachricht von einer Fristnote der Deurschen an die rumänische Regierung nicht zutreffend. Richtig ist, daß der Generalfeldmarschall von Mackensen mit der rumänischen Heeresleitung ln Verhandlungen eingetreten ist. um eine Entscheidung über das Fortbestehen des mit dem General Tscherbatschem vereinbarten, für Russen und Rumänen gemeinsamen Waffenstillstandes herbeizuführen, nachdem durch das augenblickliche Verhüllnis zwischen der Ukraine und Rumänien die Beantwortung dieser Frage notwendig geworden ist. * Die „Times" schreiben: Die Vorschüsse der Verbündeten an dir Rumänen betragen 4 Milliarden Lei. Rumänien hat keines seiner Kriegsziele erreicht, und die außerordentliche Höhe des gewährten Kriegsvorschusscs an Rumänien erregt das Befremden und Erstaunen der englischen Finanzwelt. . Das rumänische Kchlagmart. Kopenhagen, 12. Febr. (WTB.) Der „Sozialdemokraten" schreibt: Der Vorschlag Rußlands, der von weitteichender Bedeutung ist, folgte unmittelbar auf den Friedensfchluß mit der Ukraine. Der Friedensschluß mit Rumänien ist nur noch eine Frage der Zeit, und damit ist der Frieden auf der gesamten Ostfront zur Tatsache geworden. Mit einem Schlage hat die Art des Krieges gewechselt. Die Mittelmächte haben zukünftig nur noch auf einer Front zu kämpfen, und dies bedeutet für sie eine mächtige, entschiedene Stärkung. Die Westmüchte müssen sich nun klar sein, daß sie nicht siegen können. Wenn sie jemals derartige Hoffnung gehegt haben, so sollte dies nach dem Friedensschlüsse im Osten nicht mehr der Fall sein. Die Bedeutung des russischen Friedensschlusses liegt darin, daß die Staatsmänner vor die harte Notwendigkeit, die Entscheidung treffen zu müssen, gestellt worden sind. Das Schlagwort von dem schließ, lichen Siege ist durch das endgültige Ausscheiden Rußlands zur Unmöglichkeit geworden. Das Reststtick ist jetzt leichter zu lösen und nur die Staatsmänner, die mit geschlossenen Augen dem Abgrunde zuschreiten, können noch zu einem zwei- oder mehr- jährigen Kriege Stellung nehmen, und zwar zu einem Kriege ohne Aussicht auf den Sieg, sondern nur mit der Aussicht auf eine Anarchie, gegen die die russische nur ein Kinderspiel wäre. Finnlands Erdrosselung. Stockholm, 12. Febr. (MTV.) Meldung des Svenska Tele- grambyran: Das weiße Korps in Wasa drahtet am 11. Febr.: ^Lebhafter Kamp f zwischen Mänyharju und San Andre«. Der I sende von Roten Gardisten verließen Tammersfors kn der Rlch ; tung auf Lumooeoi, plünderten in unglaublicher Weise alle j Bauernhöfe und töteten und plagten die Bewohner. Unter den ; Mordtaten der Roten Garde ging die an dem stellvertretenden Vorsitzenden des Landtags Iugmans unter bestialischen Formen vor sich. Die Schreckensherrschaft der Roten Garde in der Hauptstadt scheint immer mehr zuzunehmen. Man behauptet in nicht nachprüfbarer Weise, daß der Minister Sirola und der Minister des Innern Haapalainen von Roten Gardisten getötet worden ist. Die schwedische Gesandtschaft in Helsingfors teilt mit, daß nach einer amtlichen Bekanntmachung die Rote Garde als eine staatliche Einrichtung aufrecht erhalten wird. Eegenrevolutio- näre Zeitungen werden vorübergehend verboten, im Weigerungsfälle sollen die Druckereien beschlagnahmt werden. Nach einer weiteren Meldung ist Wiborg in empörendster Weise von den Russen ausgeplündert worden. Das „Aftonbladet" bringt folgendes Telegramm aus Lu- lea: Der Amtsvorstand verlangt Truppen, um die Ordnung auf der Insel Seskaroc aufrechterhalten zu können, da man ein Eindringen der Roten Garde und russischer Soldaten befürchtet. (Auf der schwedischen Insel halten sich zahlreiche finnländische Arbeiter auf. Die Schriftl.) — Nach der liberalen Zeitung „Stockholms Tidningen" beginnen immer zahlreichere sozialistische Prooinzblätter gegen eine Vergewaltigung der gesetzmäßigen Regierung Finnlands Einspruch zu erheben. Zur Lage in Rußland. Der Sowjetkongreß als Zirkus. Rotterdam, 10. Febr. Der Petersburger Mitarbeiter des Londoner „Times" gibt eine Schilderung von den Sitzungen des Sowjetkongresses, die a. a. folgende Darstellung enthält: „Der Kongreß der Sowjets begann, als 600 Mitglieder anwesend waren. Als er schloß, zählte er 900 Mitglieder. Die zu Anfang gefaßten Beschlüsse und angenommenen Gesetze wurden, um es den Nachzüglern bequem zu machen, am Schluß noch einmal ohne Erörterung zur Abstimmung vorgelegt und auch alle gut geheißen. Die verwickeltsten Fragen tat man im Handumdrehen ab. Die Agrarreform und die Nationalisierung des Grund und Bodens waren innerhalb einer Stunde behandelt und genehmigt. 12 Minuten genügten für die Einführung der allerwichtigsten Gesetze, die einen neuen Abschnitt in der Geschichte Rußlands eröffnen, und die Bestimmungen der Gesetzentwürfe waren so schlecht und ungrammatisch abgefaßt, daß keiner sie recht verstanden hat. Wiederholt wurde die Internationale gesungen, von zwei auf den Galerien angebrachten Musikkapellen begleitet, fienln beschloß den Kongreß mit einer Ansprache, worin er auf die Ausstände in Deutschland und Oesterreich Bezug nahm. Dann ging die Rede weiter: „Rußland hat eine neue Regierunqsform ins Leben gerufen. In den verschiedenen Teilen des Landes zeigen sich jetzt, wo dis Petersburger Regierung Kraft und Gewicht bekommen hat, starke Strömungen, die zum Mittelpunkt hinstreben. Selbst die Ukrainer haben die bürgerliche Rada weggejagt (?) und find wahre Freunde der russischen Revolution (?) geworden." Nach diesen bombastischen Phrasen ließen die Mukkapellen von neuem ihre schmetternden Klänge hören. Es war wie in einem Zir kus." Thronrede des Kochs non knchnd. Fortsetzung des Krieges. Haag, 12. Febr. Die parlamentarische Sitzung in London wurde heute mittag durch den König mit den üblichen Zeremonien eröffnet. Der König hielt folgende Thronrede: „Meine Lords und Gentlemen! Die Bedürfnisse des Krieges machen es zu einer Notwendigkett, nach einer kurzen Unterbrechung Eie wieder zusammenzuberufen. Die Forderungen, weshalb ich und meine Verbündeten gezwungen sind, den Krieg fortzusetzen, sind durch die Feststellungen beider Regierungen bekanntgemacht worden, Feststellungen, die eine begeisterte Zustimmung meiner Völker im ganzen Kaiserreich gefunden haben und eine Grundlage dafür abgeben, wie der gegenwärtige Krieg beendet werden kann. Die deutsche Regierung hat aber unsere gerechten Forderungen für die Wiedergutmachung begangenen Unrechts ignoriert, ebenso unsere Forderungen nach Garantien gegen eine Wiederholung dieses Unrechts. Ihre Repräsentanten lehnen jedwede Verpflichtung für sich selbst ab, während sie di« berechtigten Freiheitsansprüche anderer verneinen. Solang« die Feinde die Grundsätze, die sie verletzt haben, nicht anerkennen» Grundsätze, auf denen ein ehrenvoller Friede geschlossen werden kann, Ist es unser« Pflicht, den Krieg sortzujetzen, mit aller Kraft, die wir znr Verfügung haben. Ich habe das volle Ber« trauen, das; meine Stveitkräfte mit derwn meiner getreue« Verbündeten denKrieg fortsetzen werden mit derselben selbstlosen Ergebenheit, wie meine Volke zuhause, und daß sie dem endgültigen Triumph der Gerechtigkeit zum Siege verhelfen werden. Ich habe die Vertreter meiner Dominions und meines indischen Kaiserreiches zu einer Sitzung des Reichskriegsrates zusammen- berusen, damit ich wiederum ihren Rat entgegennehmen kann in Fragen, die das gemeinsame Interesse des britischen Reiches betreffen. Meine Herren! Die Forderung tritt an Sie heran. für die Bedürfnisse des kämpfenden Heeres sowohl als auch für die nationale Finanz zu sorgen. Meine Lords und Eent- lemen! Der Krieg ist auf seinem kritischen Höhepunkt angelangt und erfordert mehr als je unsere vereinten Kräfte und die Erschließung aller Hilfsquellen. Vertrauensvoll empfehle ich Jhrern Patriotismus die Maßnahmen, die Ihnen zur Be- schließung vorgelegt werden und erflehe den Segen des Allmächtigen für Ihre Arbeiten. 5h! jtfiiff Zjittlh Lloyd Gmoe's« ' Lloyd George hat im englischen Unterhaus wieder einmal geredet. Er antwortete auf eine Anfrage feines Amtsvorgängers Asquitt. Die wesentlichsten Punkte seiner Antwort lauteten: Ueöer die jüngste Rede des deutschen Kanzlers und des Grafen Czernin sagt er: Zwar besteht der Form nach ein großer Unterschied zwischen der Rede Czernin und der Rede Hertlings, aber dem Inhalt nach decken sie sich vollkommen, denn beide sind unerschütterlich und hart wie Stahl. In seiner Rede werden Mesopotamien, Palästina und Arabien Belgien völlig gleichgestellt. Sie müssen zurückgegeben werden, unter den gleichen Bedingungen wie Deutschland Belgien wieder Herstellen wird. Ueber Italien sagte Graf Czernin bloß, daß das Anerbieten, das vor Kriegsausbruch Italien gemacht wurde, jetzt rückgängig geniacht worden ist. Ueber die tschechische Bevölkerung Oesterreichs war die ein- zige Antwort, daß weder Wilson noch die Entente etwas mit dieser Regelung zu tun hätten. Angesichts der deutschen Antwort ist es schwer anzunehmen, daß es dem Grasen Czernin ernst gewesen ist bezüglich einiger der Forderungen, die er stellte. Seine Forderung, daß England seine Stein, kohlenstationen in der ganzen Welt aufgeben müsse, ist lächerlich. Es ist tatsächlich zum erstenmal, daß diese Forderung gestellt wurde, aber ich glaube, daß es die letzte Forderung ist, die die Zentralmächte stellen können, ohne sich lächerlich zu machen. Besonders Deutschland hat, da seine Flotte inimer von diesen Kohlenstationen profitiert hat, wenig daran auszusetzen. Lloyd George gab eine Uebersickck der Beürche der deutschen Flotte und deutschen Schiffe in diesen Häfen und betonte nachdrücklich, daß diese Schifte genau dieselben BeguemlickLeiten genossen hatten, wie britische Handels- oder Marinefahrzeuge. Ich möchte gern, daß irgend ein Mitglied des Hauses in den beiden Reden etwas anfwiese. was er als Beweis ansehen könnte, daß die Z^n- tra (möchte bereit sind, einen Frieden zu schließen, unter Bedingungen, die man als gerechtfertigt und ehrlich ansehen könnte, Ls ist mir mit dem besten Willen unmöglich, etwas derartiges in diesen Reden zu entdecken. Ties muß ich mit dem tiefsten Bedauern konstatieren. Unsere Regierring wird sich halten an die Kri-egsziele, die sie sich gestellt hat: sie bleibt bei ihrem Programm. Sie ist der Ansicht, daß darin noch immer die Ideale und die Standpunkte enthalten sind, -ur die wir kämpfen müssen. Alles weift darauf hin. daß die Nation. als Ganzes die Erklärung als richtig, gerecht und gemäßigt angenommen hat. So lange nicht besser lo wiesen ist, als dies in den Reden von Hertling und Czernin geschah, daß die Zentralmächte bereit sind, diese Ziele zu erwägen, dann wird es unsere traurige Pflicht sein, durch- zuhalten und für die Vorbereitungen zu sorgen, die notwendig sind, um dem Rechte, das in der Welt für die Nationen besteht, zum Siege zu verhelfen. Ter Minister anwortete daini noch auf verschiedene Fragen und schloß: Fall: man nicht zufrieden ist, soll man die Regierung nach Hause schicken. Aber solange das Unterhaus Vertrauen zu die?er Regierung hat, soll es der Negierung die Hände freilas-en. Auf diese Weise ist die Einigkeit der Alliierten siSergestellt. Ties ist eine Sache.von allerhöchster Wichtig- keit. Weil nicht jeder für sich kämpft, sondern weil wir vier große Nationen sind, die Zusammenwirken, so findet man in dem Kriegs rat, wie der in Versailles zusammengestellte, Vertreter aller verbündeten Länder. Deshalb appelliere ich nochmals an das Unterhaus, die Negierung fest entschlossen ].i unterstützen, damit an allererster Stelle, falls derartige Ve'.chliisie gefaßt werden, sie auch ansgeführt werden können vhne daß der Feind etwas davon erfährt. Stmunrntgsmechskl in England. Ueocr die Cehmucht nach den Frieden, der sich in England i:. -ner mehr geltend macht, lesen wir iu„Sundsvall Posten" vom 2i. Januar: „Während der letzten Zeit haben die Auslands- eben, besonders diejenigen, die sich in den kriegführenden Ländern ausgehaltcn haben, angefangen, in immer größerer Ausdehnung nach dem Heimatlande zuriiazukehren. Ein Sunds- valler, der dieser Tage von einem mehrjährigen Aufenthalt in England und Frankreich zurückgekehrt ist, hat „Sundsvall Posten" gegenüber sich über die Kriegs- oder vielmehr die Frie- densstimn'ung in den beiden Ländern ausgesprochen. Man konnte rächt umhin — betonte unser Gewährsmann —, eine deutliche Veränderung des englischen Volkes in seiner Stellung zu dem Kriege festzustellen. Es herrschte eine äußerst bedrückte Stimmung. Von der früheren Kriegsbegeisterung war keine -spur zu merken. Man ist ossenbar nunmehr der Ansicht, daß de, Krieg ein notwendiges Uebel sei. um die Ehre und die Machtstellung des stolzen Alblon zu behaupten. Die Mitteilung r»n dem Beschluß des englischen Arbeilerlongresses, die Kriegsziele zu diskutiere» und Friedensmrterhandlrmgen eenzulenen, überraschte darum unseren Gewährsmann nicht im mindesten. Unter den Arbeitern und in den breiten Lagern überhaupt war die Sehnsucht nach dem Frieden schon viel früher durch Straßen- demonstratlonen und in anderer Weise zum Ausdruck gekommen. Die Northcliffepresfe versucht zwar immer noch, die Kriegsstim. mung aufzupeitschen, es scheint aber, als ob die Anstrengungen der Zeitungen in dieser Hinsicht keinen Erfolg mehr hätten. Aber nicht nur in den breiten Lagern des Volkes wächst der Widerstand gegen die Kriegspolitik. Die Forderung auf öko- iwmifche Repressalien nach dem Kriege wird auch in Industrie- kreisen immer weniger populär, und in Manchester und anderen Industriezentren sind Proteste gegen diesen Krieg nach dem Kriege erhoben worden. Die wiederholten Luftangriffe der Deutschen schüchtern die Bevölkerung immer mehr ein. Früher, als die Zeppeline die Angriffe ansführten, betrachteten die Leute das Ganze mehr als ein imposantes Schauspiel. Jetzt aber, wo die gewaltigen Kriegsflugzeuge die Angriffe ausfüh- ren, hat die Bevölkerung mehr Angst davor als je. Die Ereig- nisie in Rußland werden selbstverständlich in den Ententeländern mit dem größten Jnteresie verfolgt. Es ist sicher, daß die Bevölkerung in gewisien Kreisen darauf rechnet und hofft, daß die Verhandlungen zwischen den Delegierten des Viermächtebundes und dem Rat der Volkskommissare auch eine für die anderen kämpfenden Nationen annehmbare Friedensinitiativc veranlassen werden." m e Rede Orlandos. Bafel, 13. Febr. Anläßlich der Wiedereröffnung der italienischen Kanmier hielt Ministerpräsident Orlando die an gekündigte Kriegszielrede. Er führte, soweit der Wortlaut bekannt ist, u. a. folgendes aus: Italien niuß aus nationalem Selbsterhaltungstrieb mit nnerschitterlicher Entschlossenheit im Kampfe ausharren. Bei Feststellung der Ententekriegsziele hat die besondere Lage Italiens vollständige Berücksichtigung gefunden, und alle Zweifel sind nun zerstreut. Der Verlaus der Biester Verhandlungen hat bewiesen, daß die Zentralniächle hartnäckig an ihrem Imperialismus festhalten, und daß der. der sich mit ihnen auf den Verhandlungsweg begibt, unterliegen muß. Hertling und Czernin haben in ihren letzten Reden alles verlangt und nichts bewilligt. Eine weitere Diskussion mit ihnen ist deshalb unnötig und nur schädlich. Es gilt vielmehr den Krieg mit allen Kräften fortzuietzen, um zu einem wahren Frieden zu gelangen. Italien muß unbedingt seine nationale Einheit verwirklichen (d. h. öfter- reichisck)e Gebietsteile erhalten) und die Sicherheit seiner jetzt ungenügenden Land- und Seegrenzen gewinnen. Gegenüber den Aspiraftonen der österreichischen Südslawen denen Italien die größten Sympathien entgegenbringt, verhalten diese sich durchaus nicht imperialistisch sondern sie kämpfen mit für ihre Verwirklichung. Im zweiten Teile seiner Rede kam Orlando auf das Ergebnis des Versailler Kriegsrates und der übrigen Ententekonferenzen der letzten Wochen zu sprechen. Die Rede Orlandos wird ziemlich kühl ausgenommen. Im späteren Verlauf der Sitzung wechselten die Sozialisten und Nationalisten Schimpfworte, bis sich der Skandal derart steigerte, daß die Sitzung zeitweise ausgehoben wurde. pditrltt dtt plirldirn Kadmüs. Warschau. 12 Febr. Den Blättern zufolge fand gestern eine mehrstündige Sitzung des Ministeriums unter dem Vorsitz des Regentfchaftsrates statt. Gegenstand der Erörterung waren d'e letzten politischen Ereignisse, insbesondere der Friedensverlrag mit der Ukraine. Am Abend überreichte der Ministerpräsident Kucharzewsti dem Negentschaftsrate die Demission des Kabinetts. „Gazetta Paranna" zufolge überreichte Kucharzewsti dem Negentschaftsrate heute in dieser Angelegenheit eine begründete Erklärung. Eine Mission Dombor-Musnickls. Warschau, 12. Febr. (WTB) Dem „Kurier Warzsawski" zufolge erhielt der Regentschaftsrat die Mitteilung, daß heute drei Abgeordnete von dem Kommandanten der polnischen Truppen in Rußland, General Dowbor-Musnicki in besonderer Mission in Warschau eintresfen werden. Berlin, 13. Febr. Bei der Meldung des Wolfffchen Bure, ans, die besagt, daß drei Abgeordnete vom Kommandanten der polnischen Truppen in Rußland, dem General Dombor-Mus- nicki, in besonderer Mission in Warschau eintresfen werde, handelt es sich, wie verlautet, um Verhandlungen, die darauf ab- zielen, einen Zusammenschluß der polnischen Legion mit den Truppen des Generals Dombor-Musnicki herbeizuführen, die den Regcnffchaftsrat als die rechtmäßige Negierung anerkannt hoben. Diese Truppen waren es. die in der letzten Zeit auf eigene Gefahr Krieg auf weißrussischem Boden führen und u. a. das Gouvernement Mohilew für Polen annektierten. Der Protest der Polen. Wien, 13. Febr. Aus Warschau wird gemeldet: Die Stim- mung in polnischen Regierungskreisen war schon krisenhaft, als die bloße Nachricht von dem Abschluß des Friedens mit der Ukraine eintraf. Als dann die Einzelheiten bekannt wurden, gab der Militärgouverneur Graf SzepticzN sofort seine Entlassung. Der Ziviladlatusritter von Madeyski ersuchte um die Enthebung von seinem Amt. Wie», 13. Febr. Gestern abend fand in Krakau eine Versammlung der Vertreter aller polnischen Parteien statt, in der die einzelnen Redner von der Rechten bis zur äußersten Linken sich scharf gegen die Abttetung polnischen Gebietes an die Ukraine ausfprachen. Cs wurde eine gemeinsame Protesterklärung beschlossen. Während der Beratungen wurden auf dem Platz vor dem Magistratsgebäude, sowie auf den Straßen große Kundgebungen veranstaltet, wobei im Bureau des obersten Ra- tioiralkomttees die Fenster eiugejihlage» wurden. Die Erbschaft, die der Weise von Hohenfinow yrrUettaffen hat. gestaltet sich von Tag zu Tag verhängnisvoller. Das Verhalten der „des Reiches getreuesten Söhne" in den Streittagen, sieht allem anderen ähnlicher als eine Mauserung nach der nationalen Seite hin. Und jetzt melden sich die vielgeliebten Polen. Immer mehr stellt sich heraus, daß die Schaffung eines unabhängigen Polen, bevor der Krieg zu Ende war, eines der — sagen wir — Unbegreiflichkeiten Dethmann-Hollwegs gewesen ist. Mit Recht urteilt die „Tägliche Rundschau" über die polnische Frage: Vesser wäre es sicherlich gewesen, man hätte den Polen schon vor Jahr und Tag klar gemacht, daß es eine aberwillige Au-" maßung von ihnen ist, sich den Gang der Weltgeschichte so vorzustellen, daß notwendigerweise andere alle blutigen Opfer bringen und ebenso notwendigerweise sie allein alle Gewinne daraus einftteichen müßten. Die Polen werden sich an den Gedanken gewöhnen müssen, daß hinter dem Dnjoper auch Leute wohnen und daß nur bei einer Regelung der Gesamtheit europäischer Ostfragen durch die zur Verteidigung gezwungene deutsche Kraft allein, die allein die Möglichkeit dazu geschaffen hat auch der natürlichen Rechte und Interessen einer Nation zu gedenken, die dreimal so stark ist wie die polnische, und an der ein viel alleres und schwereres Unrecht als an de: polnischen gut zu machen ist. Zn Zusammenhang damit steht die litauische Frage. Die Selbständigkeitserklänmg Litauens würde den polnischen Aus- dehnungswünschen ein schwer zu überwindendes Hindernis bereiten. Sie soll möglicherweise schon in allernächster Zeit erfolgen. Litauens Landesrat hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß die Selbständigkeit Litauens unter Anlehnung an Deutschland anzustteben sei. Die Anlehnungsverttage werden selbstverständlich der Zustimmung des deutschen Rerchstages bedürfen. Hinzugefligt sei, daß littautsche Blätter sich gegen eine Volksabstimmung ausgesprochen haben. Alle diese Fragen zei- '. gen aufs klarste die ungeheuren Schwierigkeiten, die sich aus den ! widersteitenden Interessen der westlichen Grenzeölker des ehe- } maligen russischen Kaiserreiches ergeben, sobald die allen gemeinsame Staatsgewalt wegfüllt. VkrltMß du «ttaiküKk!! Rk'KrZkß. Wien, 13 Febr. (Meldung des k u. k. Korrespondenz.' bureaus.) Nach einer Blättermeldung machen sich die ersten Folgen des Friedensschlusses mit der Ukraine bemerkbar. Die Rada verlegte ihren Sitz von Kiew nach Zitomir und stellte eine direkte Verbindung mit uns her Es ist sehr zu hoffen, daß durch diese örtliche Räherrückung eine beschleunigte Abwicklung aller im Verhandlungswege festgelegten Abmachungen erfolgt. Dänische Dollchemikis. Kopenhagen, 12. Febr. Die dänischen Syndikalisten, unter denen bereits in den letzten Wochen wegen des Nohstoffman- gels, der steigenden Arbeitslosigkeit, des russischen Veispicls und besonderer Interessen eine Bewegung bemerkbar war. veranstalteten heute Versammlungen und Aufzüge, bei denen es zu einigem Revolverknallen und Handgreiflichkeiten kam. Die Demon- fttanten drangen in das Bsrsengebaude ein. von wo sie durch die Polizei vertrieben wurde». Die Nachbörse mußte abgesagt werden. Mehrere Schutzleute und Demonstranten wurden verwundet. Wie es in Petersburg ausfreht. Ein dieser Tage ans Rußland zurückgekehrler deutscher Zi. vilgefangcner berichtet über die Zustände in Petersburg und anderen Orten folgendes: An der russischen Front geht die Zersetzung ihren sicheren Gang weiter. In Petersburg und Moskau herrscht völlige Anarchie. Alle Fabriken stehen still; die Arbeiter verkaufen die Maschinenteile Die Banken sind völlig in den Händen der Arbeiter. Die Geistlichen sind machtlos, die Kirchen zum Teil ausgeraubt. Die Zustände in Petersburg sind nach Schilderungen von Reifenden geradezu haarsträubend. Vor einigen Tagen lag der Schnee zwischen den Straßenbahngeleisen \Y, Meter hoch. Nirgends werden die Schneemassen fortgcräumt,' jede Straßenreinigung hat feit Monaten aufgehört. Brot ist fast gar nicht mehr zu haben, so daß um jedes Soldatenbrot. das einer von der Front mitbringt, ein förmliches Ringen entsteht. Nicht nur deutsche und österretchisch-ungarssche Kriegsgefangene und Zivil internierte, sondern auch russische Zivilisten selber können sich nur dadurch in Sicherheit bringen, daß sie sich einen Soldatenmantel und eine Coldatenmütze kaufen. Polizei und Gendarmerie ist völlig aus Petersburg verschwunden; an ihre Stelle sind Volkskommissare getreten, vor deren Amtssitz die rote Fahne hängt. Die sogenannte Ordnung wird von der Roten Garde aufrechterhalten, deren Mannschaften in Zivil gehen, lediglich mit Gewehr und Patronentasche ausgerüstet, ohne jede Armbinde, aber immerhin mit einem Ausweis versehen. Jeder Mann bekommt 450 Rubel monatlich, während z. B. Frontoffiziere noch immer 180 Rubel bekommen, bei den jetzigen Preisen ein absolut unauskömmliches Gehalt. In Petersburg kostet z. B. ein Zimmer in einem mäßigen Hotel 25 Rubel, eine Fahrt vom Bahnhof nach dem Grand-Hotel 35 Rubel, bei sonstigen Drofchkenfahrten durchschnittlich immer eine Minute 1 Rubel. Eine Flasche Kognak, der allerdings zu den besonderen Seltenheiten gehört, kostet 120 Rubel, eine Flasche kaum trinkbaren russischen Sekt, der im Frieden 254 Rubel kostete, jetzt 50 Rubel usw. Fremde dürfen ohne Begleitung überhaupt nicht auf die Straße. Kein Münder, daß die Thea« ter, die allerdings fast sämtlich spielen, einen ganz anderen Charakter angenommen haben. Jeder, der eine Militücmütze trägt, fährt natürlich auf den Straßenbahnen, wie auf der Eisenbahn unentgeltlich und wohin er mag. Soldaten mit dem Georgsband verkaufen auf den Straßen Zeitungen und Streichhölzer und kehren nur dann i» die Kaserne zurück, wenn es ihnen beliebt. Vielfach hört man die Meinung, daß in Petersburg selbst nur die Deutsche» Ordiumg schaffen konnten, und daß eine Brigade genügen würde. Besonders schlimm solle» die Zu« ' ^ in der Peter-Paui-Festung jetn, wo noch alle Minister «tgen. In einem 25 Quadratmeter großen Raum sind bis zu LS Gefangene untergebracht, die aber 16 Portionen Mittagbrot erhalten, die für alle 24 Stunden lang reichen müssen. ^ Dcs Vtm>e!os' Kklherrjchgft. Karlsruhe. 13. Febr. Von unterrichteter Seite erfährt bas Berner „Tagblatt", daß die verhafteten königstreuen griechischen Staatsmänner und Gelehrten zumeist nach Algier oder einem anderen abgelegenen Ort Nordasrikas verbannt wurden. Tie Veniselossche Schreckensherrschaft dauert fort. Es wurde bereits mit dein Füsilieren begonnen Eine Reihe von Soldaten und Sergeanten wurde erschossen. Die Soldaten weigerten sich durchweg, sich als Kanonenfutter für die Entente gebrauchen zu lassen. Die wenigen Soldaten, die Veniselos unter die Fahnen hat zwingen können, stehen unter fremden, meist französischen, Offizieren da die einheimischen Offizieren den Dienst verweigern. *. Havas meldet aus Athen, Veniselos habe beschlossen, zahlreiche Dainen der bürgerlichen Kreise wegen ihrer fortgesetzten antmnlitaristischen Propaganda in einem Kloster e'-l internieren. Die Ukraine. Der Friede mit der Ukraine ist unterzeichnet? Zn der Nacht vom 8. zum 9 Februar 1918 ist der erste Friedensschluß innerhalb des seit fast vier Jahren die Welt durchtobenden Völker- r'mgens zustande gekommen, diese Nacht bildet einen Markstein und Wendepunkt in der Geschichte des Weltkrieges. Wer kennt das Land, mit dem wir Frieden geschlossen haben? Wer ermißt seine Bedeutung, die es für Rußland hatte und nunmehr für uns haben soll? Die Ukraine, das Land, welches sich bei dem allgemeinen Kampf der russischen Randvölker um die staatliche Unabhängigkeit bisher am erfolgreichsten betätigt hat, ist gleichzeitig dasjenige, dessen Lostrennung von dem Riesenreich des ehemaligen moskowitischen Zarentums für dieses von schwerwiegendem Einfluß sein muß. Solange es Rußland gehört hat, haben die Zaren mit allen erdenklichen Mitteln versucht, seine Eigenart zu unterdrücken., und es -u einem Ausbeutungsgegenstand allerersten Ranges genracht. Infolgedessen ist die Geschichte der Ukraine eine einzige Kette von tragischen und empörenden Vergewaltigungen. Die Ukraine war ursprünglich ein freier und selbständiger Staat, zu dessen Hörigen auch die Slawen des Moskauer Gebiete» gehörten. Teilungen des Reiches und dadurch hervor- gerufcne innere Kämpfe ernröglichten es den Moskowitern, sich schou bald nach dem Jahre 1000 unabhängig zu machen, und bereits im 12. Jahrhundert wurde zum ersten Male die Ukraine ihrerseits eine Vasallin von Moskau. Nach vielfachen Wechsel, vollen Schicksalen geriet sie endgültig im Jahre 1676 unter russische Herrschaft, nachdem schon 1654 eine freiwillige Unterordnung im Vertrage von Perejaslaw vereinbart worden war. Dieser Vertrag enthält die bis heute noch uldjt geänderten staatsrechtlichen Grundlagen für die beabsichtigte Personalunion Zwischen Moskau und Kiew. Aber an seine Bestimmungen haben sich seit Peter dem Großen die russischen Zaren durchaus 'nicht gehalten. Sie haben die einstmals zvgestandene eigene Verwaltung, das eigene Heerwesen, die eigene Gerichtsbarkeit, ja selbst die ukrainische Sprache, Literatur und Religion bekämpft und auszurotten gesucht, wo und wie es sich nur mit administrativem Druck, Gewalt mck» Mortbruch machen ließ. Und warum? Ein Grund ist sicherlich der zaristische Imperialismus, dem das Beherrschen der kleineren Grenzstaaten ein innerer Selbstzweck war. Aber wichtiger erscheint doch als Grund die Tatsache, daß die Ukraine, oder wie das Land zur .besseren Vertuschung seiner Eingenart seit Alexander, dem Zarbefreier, genannt wurde, Kleinrußland, ein an Fruchtbarkeit und Bodenschätzen so überaus reiches Land ist, als welches es für das großrussische Reich geradezu einen Lebensnerv darstellte. Rußland wird immer als eine Kornkammer Europas ange. sehen; seine Getreideausfuhr wurde aber in einzelnen Jahren von der Ukraine allein mit 90 v. H. gedeckt! Die ukrainische „schwarze Erde" liefert bis zu 4V v. H. des gesamten russischen Ernteertrages und fast zwei Drittel des im ganzen Reiche her- vorgebrachien Lbcizens. Und wie mit Getreide, so verhält es sich auch mit anderen laruvirtschaftlichen Erzeugnissen: von dem russischen Zucker erzeugt dis Ukraine ebenfalls beinahe nenn Zehutel. und ihr Anteil an der Tabalgewinnung beträgt 70 v. Hundert. Hand in Hand mit dem Ackerbau geht eine bedeutende Viehzucht, so daß die ukrainischen Gouvernements mehr als ein Drittel des ganzen russischen Viehs beherbergen. Auch an Bodenschätzen ubertrifft die Ukraine bei weitem alle anderen Gebiete des europäischen und asiatischen Rußland. Von der ganzen russischen Kohlenerzeugung entfallen allein auf das ukrornische Donezbecken 70 v. H.1 Die Röheisengewinuung in der Ukraine stellt denselben Prozentsatz dar. und die Erzeugung von Stahl und Eisen läßt sie mit 60 v. H. der gcsamtrufi fischen auch an erster Stelle unter allen Rarrdvölkern stehen. Im Zusammenhang damit steht es, daß die ukrainische Industrie in Rußland eine außergewöhnlich hohe Stellung einnimmt: sie beschäftigte im Jahre 1906 reichlich 380 000 Arbeiter; eine Zahl, die sich in den folgenden Jahren bis zum Kriege noch wesentlich * erhöht haben dürfte. Diesem Reichtum an landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Bodenschätzen kommt die geographische Lage des Landes außerdem sehr zugute. Die Häfen der Ukraine gehören zu den besten Rußlands und bewältigen annähernd zwei Drittel der gesamten russischen Ausfuhr. 26 v. H. seiner sämtlichen Einkunft zog der russische Staat aus der Ukraine? Dabei aber winde cs wohlweislrch unterlassen. für die Hebung des Landes und seiner wirtschaftlichen Möglichkeiten irgend etwas zu tum Das ruttiirliche Wasser- straßennetz des Don, Dnjcpr und Dnjestr wurde absichtlich nicht «usgebaut; den Bau eines Kanals vom Diffepr $ut Düna, der das gan^e Wirtschaftsgebiet der Ostsee mit dem des Schwarzen Ai-eeres verbinden könnte, würde die zaristische Ausbeutungspolitik nie geduldet haben. Selbst das Elsenbahnsystem, das den Süden mit dem Moskauer Zentrum verbindet, ist außerordentlich dürftig. Wie kurzsichtig aber diese Niederhaltung der natürlichen Entwicklungsmöglichkeiten ist, dafür , mögen als Beweis nur die beiden Tatsachen dienen, daß in der Ukraine noch weite Naphtha- und Erdwachsfelder gänzlich ihrer Erschließung harren, und daß die Ukraine das einzige Gebiet in ganz Rußland ist, in dem Quecksilber vorkommt. Das nötige Kapital großzügig hinein- gesteckt: das Land böte noch ganz andere Ertragsmöglichkciten? Die Ukrainer wissen, daß sie wohl ohne Rußland, Rußland aber nur schlecht ohne die Ukraine leben kann. Solange sie unter russischem Joche seufzten, haben sie ihre Wunsche nach Befreiung geilährt mrd haben wiederholt Versuche unternommen, sich unabhängig zu machen. Auch an Preußen wandte sie sich schon einmal vor mehr als hundert Jahren mit der Bitte um Hilfe im Falle eines Aufstandes. Preilßen konnte ihnen nicht helfen, und so unterblieb damals der Aufstand. Je schärfer aber die Unterdrückung-Maßnahmen des Zaren waren, um so lebhafter schwelte unter der Oberfläche die Glut, dle nach Befreiung rang. Wesentlich war es dabei für die Ukraine, daß ein Stück von ihr an Oesterreich gefallen war; dorthin konnte sich die in Ruß- laich verbotene Sprache flüchten, voll dort aus konnten die po. litischen Führer der Unabhängigkeilsverbände ihre Schriften ausgehen lassen, und dort entstand denn auch im Laufe der Zeit eine recht beachtliche ukrainische Literatur. Die große russische Revolution hat den Anstoß gegeben zur Loslösung der Ukraine. Und frei vom russischen Joch, in freund- nachbarlichem Verhältnis zu den mitteleuropäischen Kulturstaaten, kann das Land einem hohen kulturellen Auffchwurig und einer ungeahnten Blütezeit cntgegengehen. Der nun vollzogene Friedensschluß des Vierbundes mit der Ukrainischen Volksrepublik eröffnet die Möglichkeit, die reichen Schätze das Landes teilweise für uns nutzbar zu machen. Und weiln auch der Umfang der dort lagernden greifbaren Vorräte noch nicht zu übersehen ist; wenn auch wegen der zerstörten Eisenbahnen, infolge Mangels an Schiffsraum und wegen der im Schwarzen Meer noch herrschenden Minengefahr in der nächsten Zeit größere Zufuhren wohl noch nicht zu erwarten sind, so knüpfen sich an den Friedensschluß dennoch begründete Hoffnungen, die außerdem beweisen, daß die zukünftige Gestaltung des Geschickes der Mittelmächte in vertrauenswürdigen Händen liegt. In diesem Sinne darf uns der 9. Februar als ein Tag hoffnungsfroher Vorbedeutung gelten. Fliegerangriff auf Offenburg. Karlsruhe i. B., 13. Febr. Amtlich wird gemeldet: Gestern bewarfen in den Mittagsstunden feindliche Flieger die Stadt Ofsenburg mit mehreren Bomben. Personen wurden nicht verletzt. Militärischer Schaden ist nicht entstanden, dagegen eini- ger sonsttgcr Sachschaden. Serilmg irr Fombnra v. d. H. Berlin, 13. Febr. (WB.) Reichskanzler Graf v. Hert- ling reiste gestern Abend nach 8 Uhr vom Anhalter Bahnhof nacb Homburg v. d. H. ab. Auch der stellvertretende Kanzler v., Payer begibt sich in das Große Hauptquartier. Dtrlaernttft des Markknrles. Amsterdam, 12. Febr. (WTB.) Der Friedensschluß mit Rußland, der heute vormittag durch Extraausgaben der Zeitungen bekannt wurde, hat hier das größte Aufsehen erregt und wird in der ganzen Stadt lebhaft besprochen. Auf der Börse, wo die am Samstag eingettoffene Meldung vom Friedensschluß mit der Ukraine verhältnismäßig geringen Eindruck gemacht hatte, entstand heute eine starke Kurssteigerung in Deoi- fen und in Effekten der Zentralmächte. Die Mark- und Kronenkurse, die zu Beginn der Börse plötzlich in die Höhe geschnellt waren, sind gegen Schluß infolge von Realisierungen wieder etwas zurückgegangen, weisen aber immer noch eine erhebliche Verbesserung auf. Die Tendenz ist hoffnungsvoll und fest. U»r» Felde der Ghre. Nirtar-Wöllstadt. Gefreiter Münk, Inhaber des Eisernen Kreuzes und der Hessischen Tapferkeitsmedaille, wurde zum Unteroffizier befördert. Reichelsheim. Dem Unteroffizier Karl H o r a ck von hier wurde, nachdem er zum Sergeanten befördert wurde, als vierte Kriegsauszeichnung das Kriegsehrenzeichen in Eisen verleihen. Ans der Heinrat. Das städtische Schwimmbad ist am Freitag den 15., Samstag, den 16., und Sonntag, den 17. Februar an den festgesetzten Stunden für Wannen- und Brausebäder geöffnet. Versand von Stückgütern im mittelbaren Heeresinteresse. Während der Dauer der gegenwärtigen Stückgutsperre nahmen die Eisenbahndienststellen nach den bisherigen Bestimmungen dringende Sendungen fi!r die Munitionsherstellung und Kriegs, rüstrrng, soweit sie nicht unmittelbar an militärische Stellen, sondern an private Empfänger gerichtet waren, nur dang zur Beförderung an, wenn die Rottveudigkett des Versandes durch dle Linienkommandantur des Bersandbezirks bescheinigt war. Dieses Verfahren wird vom 1b. Februar an dahin geändert, daß die erwähnten Bescheinigungen von der für den Empfangsort zuständigen Krtegsamtsielle ausgeferttgt werden. Die Anträge ans Berfandgenehmigung für Güter der vorbezeichneten Art sind also nicht mehr der Linie nkommandantur, sondern — Uitter Benutzung eines besonderen, bet den Handelskammern erhältlichen Vordruckes — der für tan Empscurgsort zuständigen Kriegsamtsshello schriftlich em-ureichen. FC. Psaffeuwtesvach, \z. Febr Der Kreiswegcwarter Starfinger fand früh morgens in seinem Hof ein Büffelrind vor. Es stellte sich heraus,.daß das fremdländische Tier einer. Zirkusgesellschaft in Friedbcrg entlaufen war. FC. Usingen, 12. Febr. Ein Förderer des ländlichen Genossenschaftswesens, Bürgermeister a. D. Philippi dahier konnte gestern auf eine 50jührige Tätigkeit im Vorschußverein zurück-, blicken. Bad-Homburg. Der Zwiebackfabrikant Ferdinand Pauly, der sich erfolgreich auf dem Gebiete des Schleichhandels be- tätigt hat, wurde auf Beschluß des Strafsenats des Oberlandes- gerichts infolge einer Haftbcschwerde seines Verteidigers nach b^monatiger Dauer der Untersuchungshaft aus derselben entlassen. Nodheim bei Horloff (Kr. Gießen). Die hiesige Mühle des Herrn Stellweg wurde wegen Unverläßlichkeit auf die Dauer von drei Monaten geschlossen. Trais.Horloff. Vorige Woche wurde dahier der Feldwebel Freund vom Wachkommando auf Grube Friedrich infolge starker Verfehlungen verhaftet und nach Gießen abgeführt. Freund war vor dem Kriege pensionierter Gendarm. Bei Ausbruch des Krieges meldete er sich als Kriegsfreiwilliger. FC. Vorn Taunus, 12. Febr. Dem Landmann Julius Wilhelm! von Wehen, der sich fett über zwei Jahren in russischer Gefangenschaft befindet, gelang es, aus Rußland zu entkommen. Vor mehreren Tagen benachrichtigte er feine Angehörigen, daß er die deutsche Front glücklich erreicht habe. Ans Hessen.Nassau. FC. Wiesbaden, 11. Febc. Es war bitter kalt am 10. De- zenrbcr v. I., und die Fahrgäste der clekttischen Straßenbahn nach Dotzheim froren sehr, zumal die Türe zur hinteren Plattform offen stand. Der Wegen fit cT.ta'tRvnln-r Rudolf Hil- ger von hier forderte daher die Schaffnerin mehreremale auf. die Türe zu schließen Sie tat das aber nicht. Hierauf schloß der Rentner die Wagentür eigenmächtig und klemmte dabei der Schaffimrin dle Hand ein und rtaunk sic beim Aussteigm ein unverschämtes Frauenzimmer. Wegen Beleiolgung und fahrlässiger Körperverletzung holte sich heute der Rentner vor den i Schöff.m ™ verantworten. Der Amlsanwalt beantragte 30 Mk. Geldstrafe. Das Gericht jedoch erkannte au f eine solche von 80 Mark. Hier sei mit eine sehr hohe Strafe am Platze, so hieß es in der Urteilsbegründung, da die Schaffnerinnen in ihrem schweren Beruf unbedingt geschützt werden müßten und es sich bei dem Angeklagten um einen Herrn der gebildeten Stände handle. FC. Wiesbaden, 12. Febr. Im Sommer 1917 war die Belieferung der Einwohner der Stadt Biebrich mit Fett eine recht knappe. Um nun der hauptsächlich aus Arbeitern bestehenden Bevölkerung, es sind ca. 17 000, wenigstens etwas Fett zukommen zu lassen und eine gerechtere Verteilung vornehmen zu können, veranlaßte der von der Stadt für die Schlachtungen ange- stellle Metzgermeister Karl Ries als eine größere Anzahl Hammel abgeschlachtet wurden, tan Metzgern das Fleisch nicht entfettet zu liefern. Von den Talgschmelzen Mainz und Wiesbaden trafen nun eines Tages in Biebrich Reklamationen dahingehend ein, daß zu wenig Fett von Rinderschlachtungen ab- geliefert werde. Ste wurden sofort behoben. Da teilte ei, es Tages der Stadtverordnete Boos. Vorsitzender der Lebensmittelverteilungsstelle. dem Mctzgermeister Ries mit, daß er für die Lazarette und Urlauber Fette gebrauche, und um sich zu helfe,k, sei das Hammelfleisch zu entfetten, damit das ausgelassene Hammelfett der Verteilungsstelle zugute komme. Dies geschah Nach einer Vundesratsverordnung muß aber alles Fett, auch das von Hammeln, an die Schmelze abgeliefert werden. Den Biebricher Stadtverordneten werden stets sämtliche neue Bundesratsverordnungen vorgelegt und nach Einsichtnahme von ihnen unterzeichnet. Die Verordnung über Fette und Hammelfett war aber den Stadtverordneten nicht unterbreitet worden, und somit glaubten Ries und Boos sich für berechtigt, über das Hammelfett verfügen zu können. Dadurch machten sie sich aber fttafbar. Beide erhielten einen Srrafbefeh! über je 50 Mark. Hiergegen legten sie Berufung ein und zwar mit Erfolg. Das Schöffengericht sprach heute beide Angeklagten frei mi; der Begründung, daß Ries sich ln einem entschuldbaren Irrtum be. funden, da ihm die Verordnung nicht bekannt gewesen, wie die Stadtverordneten Sittig und Loeber auch bekundeten, und er die 600 bis jetzt erlassenen Verordnungen, die allein das Fleischergewerbe betreffe, nicht am Schnürchen haben könne. Dem Stadtverordneten Boos feien ebenfalls die einschlägigen Bestimmungen. infolge mangelhafter Organisation, nicht zur Kenntnis gelangt. FC. Aus dem Rhelugau, 12. Febr. Um zu der geplanten Wein st euer Stellung zu nehmen, fand gestern in Mittelheim eine Ausschußsttzung des Rheiagauer W?inb?u Vereins unter dem Vorsitz des Landesökonomierates Ott-Rüdesheim statt, zu der die Vertreter der Weinorte Eaub, Lorch. Lorchhausen, Rüdesheim, Geisenheim, Johannisberg, Wmkel. Mittelheim, Oestrich. Hallgarten und Eltville erschienen waren. Die eingehende Aussprache ergab, daß der Weinbau im allgemeinen gegen eine Weinsteuer nichts einzuwenden habe, jedoch müsse diese Steuer den Weinbau mögttchst schonen. Es wurde beschlossen, einer demnächst stattfindentan allgemeinen Versammlung des Vereins es zu überlassen, eine diesbezügliche Resolution zu fassen. FC. Aus dem Dillkreis, 11. Febr. Angebliche Kriegsbeschädigte werben in dem hiesigen Kreise betroffen, die bettel» oder hamstern. Meistens sind es Schwindler. Die Behörde warnt daher die Bevölkerung und bittet sie, auch wirklichen Kriegsbeschädigten keine Almosen zu geben, da solche Personen dis amtliche Fürsorgestette aufsuchen können, wenn es ihnen an Arbeit und Verdienst fehlt. __ mammmmmmmmmmm ————————i Verantwortlich» für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyn er. griedberg. Druck und Beklag der „Neuen Tageszeitung", A. G., Friedvera r. & Graue Gefahren. Roman ans der Gegenwart von M. Gontard - Schuck. 37) Nachdruck verdaten. „Worum nicht? Dann lügen sie eben bei uns. Mein Mann hat mir doch gesagt, wie es ist, und er belügt mich nicht. Denken Sie doch daran, als die drei Kreuzer öerfeuft worden waren. Haben sie es da zugegeben?" „Wahrscheinlich wollen sie das Volk nicht beunruhigen. Aber sehen Sie hier — dieser Aussatz in der Times. Was sagen Sie dazu? Das geht auf Herrn von Werkheim." Helen las: Tollkühnes Husarenstückchen — ohne großen Wert — für eigentliche, ernsthafte Kampfesweise nicht zu gebrauchen — usw. „Ph! Solch ein Unsinn! Was ich darum gebe! Der reine Neid ist es! Wenn ich.es ja auch schmerzlich empfinde daß unsere große Flotte dieses Unglück gehabt hat. — Denn sein Vaterland verleugnen kann niemand. — Eine Glanzleistung ist und bleibt es darum doch. Daran kann der hämische Timesmensch auch nichts ändern! Er soll es erst mal nachmacben. Wir beide brauchen doch wahrhaftig kein Versteck zu spielen. Ein ganzer Mann — ein ganzer Held ist mein Mann doch, trotz allem Ableugnen von englischer Seite." „Aber natürlich, Liebe! Ohne allen Zweifel. Aber ebenso Zweifellos ist es. daß unsere Leute das heimzahien werden, ja, heimzahleil müssen. Und was an mir liegt, ich werde mein Möglichstes tun, um ihnen dazu zu verhelfen." „Zu helfen? Wieso? Wie wollen Sie das denn machen? Das dürste Ihnen doch wohl schwer fallen." Unter den halbgeschlossenen Augenlidern Frau von Dürings flog ein lauernder Blick hervor. „O, was das anbetrifft — ich wüßte schon, wie ich das machen sollte. Natürlich braucht man dazu allerlei. Gute Verbindungen und —" „Unsinn.Emily! Schweigen Sie füll! Ich will von solchen Sachen nichts hören. Was gebt uns das alles an? Frauen gehören nickt zwischen Kriegspläne. Es ist genug, wenn wir uns um unsere Männer sorgen." „Für mich nicht. Uebrigens brauche ich mich nicht um meinen Mann zu sorgen. Empfinden Sie denn gar nichts von der Schmach, die man nns angetan? Un-, der größten Nation der Erde! Seit bald tausend Jahren hat es kein Feind gewagt, uns ernstlich anzugreifen. Und nun? Diese Deutschen scheinen sich allen Ernstes einzubilden, uns besiegen zu wollen." Helen lachte: „Aber natürlich bilden Sie es sich ein! Sehr spgar! Sie müßten meinen Gatten hören, dann blieb Ihnen hierüber kein Zweifel." „Und darüber lachen Sie? Ich glaube, Sie sind gar keine rechte Engländerin!" Frau von Düring sagte es sehr spitz. Helen wurde ernst. „Lassen wir das," entgegnete sie ruhig. „In erster Linie bin ich die Gattin meines Mannes, vergessen Sie das nicht. Ich sagte Ihnen schon, es ist das beste, wir sprechen gar nicht davon. Seit diesem unseligen Kriege sind alle Gesichtspunkte verschoben — na, lassen wir das. Ich habe Sie noch gar nicht nach Herrn von Düring gefragt, ist er jetzt hier?" „Nein, er befindet sich auf einer Geschäftsreise. In Hamburg, vermute ich. Von meinem Manne erfahre ich hierüber nichts. Er ist in allem, was mit seinem Beruf zusammenhängt, immer sehr geheimnisvoll. Mir ist es recht wenn er fort ist. Er hat, auch wenn er hier ist, für nichts anderes Sinn als für seinen Beruf. Und nun gar jetzt! Es sollen ja sehr viele Neubauten in Arbeit sein. Wissen Sie etwas Näheres?" „Ich? Von Neubauten? Nein! Wie käme ich dazu? Im übrigen ist mir das auch gänzlich gleichgültig." Frau von Düring warf ihr einen geringschätzigen Blick zu. „Wenn man so vorsichtig gewesen ist, als Tochter von Sir Edward Douglas zur Welt zu kommen, kann man sich solche vollständige Teilnahmlosigkeit erlauben," dachte sie neidisch. Helen war unzufrieden. Sie hatte sich so auf das Tee- stündcken gefreut. Sie sah Frau von Düring prüfend an. Was war das nur heute mit ihr? So zerfahren, so nervös zeigte sie sich! Sonderbar! „Herr von Düring hat einen sehr verantwortungsvollen Posten, nicht wahr? Es ist dann auch zu verstehen, wenn er nicht immer zum Erzählen aufgelegt ist." sowie alle Drucksachen für behördlichen und familiären Gebrauch fertigt schnell, sauber und geschmackvoll an die Druckerei und Verlag Neue Tageszeitung Fernsprecher Nr. 48 Friedberg i. H. Hanauer Straße 12 Detr.: Die Fleischver orgung und die Verbrauchsregelung für die Stadt Friedberg. Bekanntmachung . Hierdurch bringe ich zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verlauf non Rind- und Kalbfleisch sowie Wurst für diese Woche am Freilag, den IS. Februar l. Zs. «achmittars von 2—6 Uhr in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden stanfindet. Schweinefleiich gelangt diesmal nicht zur Ausgabe. Die vorstehende Verkaufszeit ist genau einzuhalten. Friedberg, den 13. Febr. 1918. Der Bürgermeister. I. V.: Damm. Freibank. Freitag, den 15. Februar 1918, wird von vormittags 9 Uhr ab, genußraugttch erkanntes Rind- flei ch das Pfund zu 1.— Mark abgegeben. Dis Fleischkarten sind vorzulegen. Fricdberg. den 13. Febr. 1618 Der Bürgermeister. I. V.: Damm. HllNoerßelllMW. Freitag, den 15. Februar 1918, vormittags 11 Uhr. soll im hiesigen Rai Haus, Zimmer Nr. 14, der Liegen chaftsnach'aß des verstorbenen Ren nersJohannes Market, nämlich Flur 'II Nr. 35 167 om. Sosteite, in der Vorstadt zum Garten, Flur III Nr.35^- 290 qm, Grabgarten, daselbst, 3 um zweilenmale zur öffentlichen Versteigerung gebracht wer en. Eine weitere Versteigerung findet nicht galt. Rachgedote werden nicht angenommen. Die Versteigerungsbedingungen können auf dem Ge chästssimmer des Großh. Cr sreiidjis während der Ge.chäftsftunden eingeiehen werden. Friedberg, den 9. Februar 1918. Atr porjlkhrr Ses ©rolfi/. Grisgerichls. 2. d. V.: _F a l ck, Gerich smann. Extra große Thüringer Reiserbesen alle Sorten Bürsten, Besen, Striegel, Toilette-Artikel, j prima Rasier- u. Toilette-! seife, prima Linoleum- und! Partettwachs alles in großer Auswahl. Theobald Stemel ~ Bürstenfabrik ^riedberg. Kaiferstroßc 117. Holzversteigerttttgen der Gräflichen Obersörsterei Lauvach. I. Montag, den 18. Februar 1918, nach Zu ammenkunfr 10 Uhr om Eingang zum Distrikt Baumkirchenvald, vom sogen. Füllenitall: aus 1. Banmkirchermald 1a: Buchen rm: 136 Scheit 1. und II. kl., 39 4 rüpel I. und II. Kl., 15 Reiierprügel; 2. Kendelrain: Buchen rm: 337 Scheit I. und li. Kl., 98 Prügel I. Kl., 50 Stöcke I und II. Kl., 69 Reifeiprügei, 24 rm Buchenwerlscheit: 3. Kuhstrauch 1 und 2: Buchen rm: 28 Scheit !. und II. Kl., 14 Prügel I. und II. kl., 5 Reiierprügel. 2 Eschenprügel, <,8 Fichtenprü'-el, 8 Eschen- und 2 Ahornstämme, V. uno VI. Kl.. = 4fm; 4. Rafferwalü 1 und 3: Buchen rm: 12 Scheit I. und II. Kl., 1 ■ Prü el S. i nö II. Kl., 1,8 Reijerprügel, 2 Ahornprügel, 2,7 Fichten- priigel, 1 Ejchen-, 1 Lalchennamm lV. und VI. kl. — ",51 im; 3 Ahornftämine IV. und V. Kl. = 0,98 fm; 5. Baum- lrrcherroald 1 d: Buchen rm: 18S Scheit 1. und 11. Kl , 124 Prügel 1. und 11 kl., 2ö Reiserprügel, 2 Eschenstämme v. kt. — 0,4 i fm: 6. Wmtersoerz 1 , 3 und 4: Buchen rm: 11 Scheit 11. Kl., 23 Prügel II. Kl., 14 Stöcke 1. K'., 3 Kohlrerser und Leseholz flächenwei e aus Win ersverg, Kenoeliain, BaumllrcheiWald, Mushau, Pe« terswald, Mfserwald uNd kuhstrauch. Das Hol; umer Nr. 3—6 wird unvorgczeigt im Kenoelram beim Feuer ansgeboten, rot unterstrichene 'Jir. kommen nicht zur Versteigerung. Lk. Die. stag, den 19. Februar 1918. nach Zusammenkunft 10 Uhr am Forsthaus Glashütte, bei Freienseen: au; I. Weidenau 4: Buchen rm: 166 Scheit I. Kl., I. 3 Prügel I. und II. Kl., 17 Stöcke I. Kl., 44 Reiser- prü ei. Birken rm: 13 Scheit, 11 Prügel I. und II. Kl. II, 9 Eichenprügel. 7,7 E chenprügel, 20 Erlenprügel j. und 1s. • ;1, 1 Eschenstamm IV. Kl. — 0,21 fm. 2. Kreuz- »eeneroerg 5c: Buchen rm: 173 Scheit I. nno II. Kl., f Prügel l. Kl., 8 Slöcke I. Kl., 13 Reiserprügel. 3. Eichelgarten la: Buchen rm : 8.9 Scheit I. Kt., 'f. y r u, 9 cl 1-und II Kl., 17 Reiserprügel, 2,2 Kiefernscheit, ni Elchen-, Frchlen und Lärchcnplügel: Kohttetfer und ^eseholz flachenmerie aus W-eldenau und Eichelgarten.— Das Holz unter Nr. 3 u^rd unoorgezeigt im Kreuzfeener- berg ausgeboten, rot pflichtet zu nichts. _