Dummer 35 Montag, den 11. Februar 1918 11. Jahrgang. Die .,F!euc Tagrsrcilrrng" erscheint ieden Werltaz. Regelmäßige Beilagen „Ser Sa«er ans Hellen", „Die SpimrSnbe". Kerugsprera: Bei den ^oitnmtalten Diccieirr,t>riu?i Äü. 2.40 hin u '.ritt noch das Bestellgeld: '-ei rcn -iloenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägeriobn. Anreigen: Grund',eile 2b Psg., totale 20 Anzeigen von auswans uerden oircch Bo machnahm» erhoben. E iüNnngsort Friedberg. HchrMleitnng «nd Llerlag Friedbsrq (Krisen), ^anaueki'tratze 12. Fern-precher 48. Psst- aeck-Lo:us Mt. 4853, l 'yta-nhfrt a. M. Ile Unier:eichunu§ des Frlsdeusoertrages mit der Ukraine. — 280ij0 Tonnen. -1- Dampfer und 3 Kegler versenkt. — Eine Kaiserrede in Uad-Somburg. iii&e i>ts KnMstnks mit Rchlmh. sW^B) BF-st-LiLowsk, 16. UeSr. An der heutigen Sitzung teiSLe der Vorsitzende der russischen Telsgation mit. das Nutztaud rr-ttev Verzicht auf die Unterzeichnung eines formellen U-riedensver« träges den Kriegszustand mit DerttschlanV, Oesterreich-Ungarn, der Türkei und Bulgarien für beendet erklärt «nd gleichzeitig Befetzl zur völligen Dsmohilifiernng der russischen Streitlrafte an allen Fronten erteilt habe. Der deutsche Generalstak »======n==£== meldet: W» K» Großes Harrptqrrartier. den 9. Febrnar. Amtlich. Westlicher Krieasschauplrtz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprechi. Nördlich von Passchendaele und westlich von Oppy machten wir in kleineren Infanteriegefechten Gefangene. Dts Vorfühlen einer schwachen Erkundungsabteilung bei Fontaine les Croisilles löste beim Feinde auf breiter Front heftige Feuer- tätigkeit aus. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Am Osthange der Totes Lorraines hatte ein Handstreich gegen die feindlichen Stellungen nördlich von Ronvaux Erfolg. Die französische Artillerie war in einzelnen Abschnitten zwischen Maas und Mosel tätig. Nördlich von Tivray wurden Amerikaner gefangen. Oestlicher Kriegsschauplatz Der Friede mit der Ukraure ist heute 2 Uhr morgens unter, jseichnet worden. » Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Eeneralquartirrrneister: Ludendorff. Abendderrcht. Verli«, S. Febr.. abends. (WTB. Amtlich.) Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. W. T. K. Großes HauptqrmrUcr, ders 19. Februar. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht, An einzelnen Stellen der Frönt Artilleriekampf. In Er. kundungsgefechten wurden nahe an der Küste Belgier und Franzosen, nordöstlich von Ypern, sowie zwischen Cambrai und St. Quentin Engländer gefangen. Heeresgruppen Deutscher Kronprinz rrnd Herzog Albrecht. Im Maasgebiet, beiderseits der Mosel und in einzelnen Abschnitten nordöstlich von Nancy erhöhte Tätigkeit des Feindes. Französische Erkundungsabtcilungen drangen in die Celle - Niederung vorübergehend in unsere Linien bei Mendorf ein: in der Gegend westlich von Vlamont wurden sie unseren Hindernissen abgewiesen. • 'T- Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Generalquartirrmeister: Luden dar ff. Abendbericht. ««»litt, 10. gef*., abends. (WTB. Amtlich.)' Von de» Kriegsschauplätzen nichts Neue». . ' | Der österreichische Generaistak jf - - —- meldet' -- Wien, 9. Febr. (WTV,) Amtlich wird verlantbart: Keiire Kampfhandlungen von Bedeutung. Heute vormittags 2 Uhr wurde in Brest-Litowsk der Friede mit der ukrainischen Republik abgeschlossen. Der Chef vcs Generalstaöes. Wien, 10. Febr. (WTB.) Amtlich wird verlantbart: Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden und östlich der Brenta lebhafte Artillerietätigkeit. Der Chef des Generalstabc-. Das türkische Hauptquartier | — meldet: - — i—^ KonstanLinopel, 7. Febr. (WTB.) Amtlicher Heeresbericht. Keinerlei Ereigniffe von Bedeutung. Sofia, 5. Febr. (WTB.) Generalstabsbericht. Mazedonische Front: Westlich vom Prespa-See während des ganzen Tages Artillerwtätigkeit von wechselnder Stärke. An verschiedenen Punkten zwischen Wardar And Doiran ziemlich starke gegenseitige Feuerüberfälle. Oestlich des Doiransees und an der unteren Struma zerstreuten unsere Jnsanterieabteilun- gen durch ihr Feuer mehrere starke englische Erkundnngsabtei- lungen. Dobrndschafront: Waffenstillstand. * Sofia, 6. Febr. (WTB) Generalstabsbericht. Mazedonische Front' Westlich von Bitolia, am Dobropolje und südwestlich vom Doiran-See war die Feuertätigkeit zeitweilig stärker. An der übrigen Front mäßige Kampftätigkeit. Dobrndschafront: Waffenstillstand. Sofia. 8. Febr. (WTB.) Generalstabsbericht. Mazedonische Front: An mehreren Stellen der Front, besonders an der Ceroena Stena, im Osten des Dobropolje und im Südwesten von Doiran verstärkte sich zeitweilig das Artilleriefeuer. Auf dem Vorgelände östlich des Wardar und in der Strumacbene verjagten unsere Infanterieabteilungen mit Unterstützung der Artillerie mehrere starke englische Erkun- dungsaüteilungen. Dobrndschafront: Waffenstillstand. 38000 Türmen. Berlin, 8. Febr. (WTV. Amtlich.) Eines unserer Unterseeboote, Kommandant Kapitänleutnant Reny, hat kürzlich im westlichen Teile des Aermelkanals und an der französischen Westküste acht Dampfer und zwei Segler mit rund 28 000 Vr.- Registertonnen versenkt. Vier Dampfer wurden aus gesicherten Eeleitzllgen herausgeschossen, darunter der englische Dampfer „Arrino" (4484 Bruto-Registertonnen) und ein etwa 6000 Vrutto-Registertonnen großer Dampfer vom Typ der City- Linie. Zwei weitere Dampfer wurden vor Cherbourg versenkt, beide tief geladen, mit der Bestimmung nach Cherbourg, also höchst wahrscheinlich Kriegsmaterialientransporte. Zwei andere Dampfer, darunter der französische Dampfer „Union", hatten Kohlen für Frankreich an Bord. Von den beiden versenkten Seglern hatte der eine 315 000 Liter Rum von Martinique nach Bordeaux geladen, der andere englische Schoner Eisenerz nach Swansea. Der Ches des Admiralstabs der Mariae. 4 Dampfer und 2 Segler. Berlin, 9. Febr. (WTB. Amtlich.) Im Aermelkanal wurden von unseren U-Booten bei stärkster feindlicher Gegenwirkung 4 Dampfer und 2 Segler versenkt. Sämtliche Dampfer waren tief beladen und bewaffnet. Die Segler waren die englischen Schooner „Louis Voll" und „Henriette Williamfon". Eines der Unterseeboote geriet am b. 2. nachts unweit der französischen Nordküste mit einem feindlichen Motorboot in ein Gefecht, in dessen Verlaus das Motorboot durch die Artillerie des U-Bootes mit hoher Wahrscheinlichkeit vernichtet wurde. Der Chef de» Admiralstab* der Marine. , ^ Der Frieden mit der Ukraine. Die Ukraine und ihre wirtschaftlichen Leistungen. Die Grenzen der ukrainischen Volksrepublik, mit der wir sei/ heute in Frieden leben, sind noch nicht festgesetzt. Das von ihr beanspruchte Gebiet umfaßt, wie der deutsch-russische Wirtschaftsausschuß schreibt. 456 000 Quadratkilometer und 29.7 Millionen Einwohner. Die Bedeutung der Ukraine in landwirtschaftlicher Beziehung kennzeichnen folgende Zahlen: An Weizen wurden im Jahre 1910 38 Prozent und im Jahre 1911 53 Prozent der Gesamternte der 50 Gouvernements des europäischen Rußlands gesammelt. Für Roggen betrug dieses Verhältnis in den beiden genannten Jahren 20 und 21 Prozent, für Gerste 46 und 49 Prozent, für Hafer 16 und 24 Prozent. In der Landwirtschaftserzeugung für industrielle Zwecke nimmt die Ukraine eine erste Stelle ein. So ist hinsichtlich der Zucker- rübenerzeugnng die Ukraine das Hauptgebiet Rußlands. In den Jahren 1910 und 1911 stammte die Ernte zu 83 bezw. 82 Prozent aus der Ukrairre. An Tabak wurden 28 Prozent im Jahre 1910 und 42 Prozent im Jahre 1911 erzeugt. Dabei ist die Ernte in Taurien nicht einmal berücksichtigt worden. In Bezug auf die Viehzucht weift die Ukraine den guten Durchschnitt für das ganze Reich auf. Dagegen fehlt es dem Lande j vollkommen an Wäldern. Die Rohstofferzeugung in der Ukraine J hat für Rußland die größte Bedeutung. Es wurden im Donez- becken gewonnen in den Jahren 1911 1218 Millionen Pud Kohlen 306 Millionen Eisenerze. Der Anteil der Donezkohlen im Verhältnis zur Gesamtgewinnung in ganz Rußland unter Weglaffung des polnischen Kohlenbergbaugebietes aus im Jahre 1911 89 Prozent. Der Anteil des Donezeifens ist immer größer geworden, was die folgenden Zahlen beweisen: Er betrug in den Jahren 1905 63 Prozent, 1910 74 Prozent. 1911 72 Prozent. Das Vorhandensein von Kohle rechtfertigt auch die Annahme, daß mit der Zeit die chemische Industrie sich kräftig entwickeln wird. Es ist darauf hinznweisen, daß in der Kriegszeit infolge der Abwanderung der Fabriken aus dem bedrohten Gebiet zahlreiche Firmen nach dem Süden übergesiedelt sind, wo es ihnen in diesen Jahren schon gelungen ist. festen Fuß zu fassen. Als Beispiel können die großartigen Fabriken der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft in Charkow genannt werden. Auch viele andere Firmen haben sich in der Nähe des Donezgebietes niedergelassen. Deutsche Presseftimmen. Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt, durch den Fricdens- schlutz werde wahrscheinlich auch das Friodensbednrfnis anderer russischer Fremdvölker geweckt und gestärkt werden, namentlich müsse jetzt das Verhältnis zu den baltischen Provinzen in einer für beide Teile befriedigenden Weise gelöst werden. Die „Deutschs Zeitung" sagt, der Sonderfriede marschiere, wir besäßen nun den handgreiflichen Beweis und ein Unterpfand der kaiserlichen Zuversicht auf eine starke und sichere Zukunft des Vaterlandes". Die „Kreuzzeitung" erwartet vor allem starke politische Wirkungen und schreibt dazu: Freilich darf man hoffen, daß diese noch stärker als im Westen im Osten fein werden. Wir haben schon darauf hingewtesen, daß die Aufrechterhaltung des Kriegszustandes mit Rumänien nach einem Friedensfchluß mit der Ukraine vollends sinnlos war. Aehnliches gilt für Nord- rußland. Dennoch ist bei dem Mangel jedes realpolitischen Sinnes bei den Bolfchewiki, bei ihrem doktrinären Fanatismus nicht abzusehen, ob sie aus dem Friedensfchluß mit Mx Ukraine die gegebenen Folgerungen ziehen. Man sollte aber meinen, daß die Volschewiki ihre kriegerischen Bedürsnisie jetzt auch im Kampf gegen die Völker des früheren russischen Reiches nachgerade bereits ausreichend befriedigten. Die „Kölnische Zeitung" schreibt: Im Osten beginnt es zu tagen, dort, wo der große europäische Krieg ausgebrochen ist. erfolgt nun auch der erste Friedensschluß. Die Ukrainer, denen nach langem Schmachten untet dem moskowitischen Joch wieder einer neue schöne Zukunft winkt, werden das Zutrauen, daß sie den beiden Staaten — Deutschland und Oesterreich-Ungarn — bezeigen, nicht bereiten, Trotzki möge sich klar darüber werden, was es für feine wankende, im Kampfe mit der Ukraine, mit Kosaken, Rumänen, Polen und Finnländern nur mühsam behauptete Herrschaft bedeutet, wenn das an Schätzen reiche Grenzland, mit dessen Besitz die Großmachtstellung Rußlands steht und füllt, künftig unter dem Schutze zweier starker Erotz- mächte, die Rußland samt der ganzen Welt geschlagen haben, seine eigenen Wege geht." Berlin, 9. Febr. Ueber den Friedensschlutz mit der Ukraine schreibt der oft amtlich unterrichtete „Berliner Lokal.Anzeiger": Dem ersten Erfolge unserer Friedensliebe, der durch unsere Siege vorbereitet wurde, werden Über kurz oder lang weitere fol- ge». Die Ukrainer waren die ersten, die eingesehen haben, daß es für sie cm lösten ist, mit nus in Frieden zu leben. Sie werden bestimmt nicht die einzigen bleiben. ^ ^ Neutrale Stimme«. Der „Basler Anzeiger" benutzt die Gelegenheit, um erneut aus den ernsten und ehrlichen Friedenswillen der Zeniralmächte hinzuweisen, während auf der Gegenseite immer wieder nur Hatz gepredigt werde. Die „Neue Zürcher Zeitung" sagt, der Abschluß dieses Friedens komme beinahe einer Kriegserklärung des Vierbundes au die Maximalsten gleich, die übrigens im- mcv noch die Oberhand in der Ukraine hätten. Die Ukrainer seien so vielleicht gar nicht mehr in der Lage, einen wirklichen Frieden abzuschlietzen. Hinsichtlich Rumäniens ist das Blatt zurückhaltend unter Hinweis auf die Schwierigkeiten der Do- br-udschafrage. Die „Neuen Zürcher Nachrichten" bezeichnen den Friedensschluß als den schwersten Schlag, der das Bolschewiki- Rcaiment habe treffen können. Er festige außerdem das neue Königreich Polen und eröffne den Mittelmächten ein gewaltiges Lager an Lebensmitteln und Rohstoffen. Auf die Entente müssten diese Tatsachen einen niederschmetternden Eindruck machen. * Die Unterzeichnung des Friedensnertrages. Brest Litow-k, 10. <\ur. (WB.) Bci Eintritt bei- Ich- len Verhaudlnngsvause konnte bekanntgegebcn werden, daß die Grundlagen für den Abschluß eines Friedens zwischen dem Bierbnnde und der ukrainischen Volksrepublik gefunden seien. Nach der Rückkehr der Delegation nach Brcst-Litowsk war auf diesen Grundlagen weiter verhandelt Ivorden. D.iitt' energischer, unermüdlicher Arbeit aller Kommissionen und dank dein Geiste der Versöhnlichkeit und des Entgegenkommens. der alle Teile beseelte, war es im Laufe des gestrigen Tages gelungen, eine Einigung in wesentlichen Punkten herzustellen, so daß zur Schlußredaktion der Verträge und 5 u. deren Unterzeichnung geschritten »verden konnte. Die mit der Herstellung von Vertragssätzen verbundenen tech» nischen Schwierigkeiten führten dazu, daß die feierliche Schlußsitzung und die llnterfertigung erst in den ersten Morgenstunden des 9. Februar möglich war. Staatssekretär v. Kühlmann erösfnete als Vorsitzender die Sitzung kurz vor 2 Uhr nachts nnt folgender Ansprache: Meine Herren! Niemand von Ihnen wird sich der historischen Vedentnng dieser Stunde verschließen können, in der die Vertreter der vier verbündeten Mackste mit den Vertretern der ukrainischen Volksrepublik in diesemSaale zu- sammengekornmen sind, nm den ersten Frieden zu nnterzerch- nen, der in diesem Weltkriege zu Stande kommt. Daß dieser Frieden unterzeichnet wird mit dem jungen Staatswesen, das ans den Stürmen des großen Krieges hervorgegangen fft, gereicht den Vertretern der verbündeten Delegationen zur besonderen Genugtuung. Möge der Frieden der erste von einer Reihe segensreicher Friedensschlüsse sein, segensreich sowohl für die verbündeten Mächte als auch für die ukrainische Volksrepublik, für deren Zukunft wir alle die besten Wünsche hegen? Ter Vorsitzende der ukrainischen Delegation Herr Ssewrjuk, entgegnete: Mlt Freude ,\ stellen wir fest, daß vom heutigen Tag an der Friede beginnt zwischen dem Vierbunde und de Ukraine. Allerdings sind wir hergereist in der Hoffmmg es zu einem allgenieinen Frieden bringen zu können ruck ein Ende zu machen dem brudermordenden Kriege, di, .politische Lage ist aber so, daß nickst alle Mächte sich hier zu wiumengefunden haben, um einen allgemeinen Frieden zr unterzeichnen. Beseelt von der glühendsten Liebe zu unseren Volke und in der Erkenntnis, daß dieser lange Krieg dic kulturellen und nationalen Kräfte unseres Volkes erschöpfe hat, müssen wir nunmehr alle Kraft darauf verwenden unt das unsere tun, nm eine neue Zeit der Wiedergeburt herbei 5 usuhrcn.. In der festen Ueberzeugung, daß wir diesen Frie. ven abschlreßen im Interesse unserer breiten demokratischen Magen und daß dieser Friede beitragen wird, zur allge- meuren Beerdigung des großen Krieges, stellen wir hier mn fest, daß die lange und schwere Arbeit, die hier in Brest-Lltowsk geleistet wurde, von Erfolg gekrönt ist und wrr einen demokratischen und für beide Teile ehrenvollen r'-rleden erzielt haben. Vom heutigen Tage an tritt die ukramUckv Volksrepublik, 31 t einem neuen Leben geboren als selbständiges Reich in den Kreis der Staaten ein. Sie stellt auf »hrer Front den Krieg ein und wird dafür Sorge tragen, daß alle Kräfte die in ihr verborgen sind, zu neuem Leben erstehen und erblühen. .. Staatssekretär v. Kühlmann lud sodann die bevoll- macht» glen Vertreter ein, zur Unterzeichn,mg des Frieden^ Vertrages zu schreiten. Um 1 Uhr 39 Minuten unterzeich, riete Staatssekretär v. Kühlmann als erster die für Deutsch. bestimmte Ausfertigung des Friedenbvertrages. Um ^ Uhr 20 Minuten waren sämtliche Unterschriften geleistet. entlasse»». Für die wirtschaftlichen Beziehungen ist möglichst bald Warenaustausch her freier Durchfuhr vorgesehen. Die Ratifikation des Friede,»svertrages soll baldmöglichst in Wien erfolgen. .*/ Die Wirren in Unsrlmid Russische..Ordnung". Petersburg, 5. Febr. (WTB.) Das Kommissariat für öffentliche Wohltätigkeit teilt über Ausschreitungen in der Nachbarschaft des Klosters Alexander Newsti Lawra mit: Am 26. Jan. begaben sich Vertreter des Kommissariats zum Kloster und der Kathedrale Alexander Rewski, um deren inneren Einrichtung zu untersuchen und den Grad zu bestimmen, in dem sie für die Zwecke der öffentlichen Wohlfahrt nutzbar gemacht werden könnten. Da das Ergebnis dieser Untersuchung günstig war, erklärte die Kommission dem Prior des Klosters, er möge ein Verzeichnis machen über die Möbel. Die Beschlagnahme der Oertlichkeiten wurde durch den hartnäckigen Widerstand des Priors des Klosters verhindert. Trotz der Bereitwilligkeit der Mehrzahl der Mönche, die Arbeiten des Kommissars zu unterstützen, und trotzdem der Metropolit die Räumung des Klosters genehmigt hatte, fuhr der Prior fort, die Auslieferung der Einrichtung zu verhindern. Mit Rücksicht darauf, datz die Räume für die Unterbringung Verwundeter und Kranker dringend benötigt werden, beschloß der Kommissar die vorläufige Entfernung des Priors, der der Durchführung der Verfügung der Regierung Hinder- niste in den Weg legte. Der Koininiffar erschien in Begleitung von 12 Roten Gardisten und fünf Kronsiädicr Matrosen im Kloster. Beim Erscheinen der Roten Gardisten läuteten die Mönche Sturm und versammelten die Bewohner des Klosters. Trotz der zusammengelausenen Menge verhaftete der Kommissar den Prior und führte ihn unter Bedeckung ab. Im gleichen Augenblicke führte ein anwesender Geistlicher Stockftreiche gegen einen der Roten Gardisten, der zu seiner Verteidigung sein Gewehr abschoß. Durch die Mönche aufgehetzt, nahm die Menge eine drohende Haltung gegen die Begleitmannschaft ein. Sie griff den Kommissar bei seinem Wiedererscheinen an und mißhandelte ihn mit Stockschlägen. Das gleiche Schicksal erlitt ein Roter Gardist, der einen Schädelbruch erlitt, und ein politischer Emigrant, der den Kommissar unterstützte: vor den Ausschreitungen der Meirge und Mönche wurde die Garde durch Soldaten gerettet, die ihr zu Hilfe eilten und die Menge zerstreuten. Das Kloster wurde darauf durch Soldaten endgültig besetzt. Der Rat der Volksbeauftragten beschlagnahmte durch Sondererlaß die Werkstätten der Petersburger Gesellschaft für elektrische Leitungen und die Fabrik für militärische Aus- rüswngsgegenslände von Markuschrwitsch. Bolschewistische Rirdcrlnge bei Kiew? Der russische Mitarbeiter des „Berner Bund" berichtet: Die Stadtmitte von Kiew ist von den Bolschewiki gänzlich gesäubert. Nur an einzelnen Orten dauert Feuergeplänke! an. Alle Regierungsanstallen. der Bahnhof nnd das Arsenal sind von Ukrainern besetzt. Die Bolschewiki erlitten bedeutende Verluste, wogegen die Verluste der Mramrr nur unbedeutend sein sollen. Finnland. Weitere Erfolge der Weißen Garde. Stockholm, 9. Febr. (WB.) Svenska Telegrambyran meldet: Aus Haparanda wird telegraphiert: Reisende nach Petersburg wurden bei Wilppula, einer Statton nördlich von Tammersors genöttgt, nach Tornea zurückzukehren. Sie erzählen, daß Tammerfors gestern von der Weißen Garde erobert wurde. Die Eisenbahn- und Telegraphen- Verbindungen zwischen Tornea und Uleaborg sind jetzt offen. Ikeber die Kämpfe bei Uleaborg liegen Einzelheiten vor. Die Weiße Garde zählte 700 Mann, die Stole Garde 2ö00, wcckwn 400 Russen waren. 1300 Mann davon- wurden gefangen gerummen, 23 Wagenladungen Gewehre, Munitton und Granaten wurden erbeutet. Während des Vormarsches der Weißen Garde von Gamla Karleby nach Uleaborg wurde Brahestadt nach einem Kampfe von 20 Minuten genommen. Die Weiße Garde hat jetzt auch die Oberhand in Wiborg. Darauf deutet die Tatsache hin, daß der Eisenbahnverkehr zwischen Petersburg und Wiborg aushörte. Nach einem Nadwtelegranrm vom Diftriktsrate in Wasa kapitulierten die Roten Garden in Knopo am 8 . Februar. Mehr als 500 Rote Gardisten wurden gefangen genommen. Von der Weißen Garde wurden acht getötet und 19 verwundet. Von der Zivilbevölkerung wurden vier getötet. Bei St. Andrer in Kareiien eroberte die Weiße Garde sechs Schnellfeuer- kanonen, 12 Maschiuengetvehre und eine große Menge Munition und Lebensmittel, ein Schiff, Automobile, Ge- wehre. Der Kampf ist im Gange bei Wilppula. Auf den übrigen Fronten zieht sich der Feind plündernd nnd brennend zurück. Wes kch die fjAito mdildkn! Der Friederrsvertray. Vreft-Liiowsk, 10. Febr. (ÄB.) Die hauptjächlick Artikel des zwischen den Verbündeten nnd der ukrainis Vo-.fsrepnblrk obgeschloffenen Friedensvertrages we veröffentlicht: Die Dertragschliebenden erklären, daß der Kriegszust zivitckien ihnen beendet ist und sie entschlossen sind i mmni^r fortan in Frieden und Freundschaft zu leben. ricKiiiuna der besetzten (Miete wird unverzüglich nach Ratifikation de- FnedensvertrageS beginnen und die di manschen und konsularischen Beziehungen alsdann so ausgcuomiiien werde,,. Die verlragschliesienden Teile -nhlen gegenseitig auf den Ersah ihrer Kriegskosten, so auf den Ersatz der KriegSschöden einschliehlich der qmsitionen. Dre beiderseitigen Kriegsgefangenen we. Die awerikanische Presse regt sich darüber auf. daß ein deutsches U-Boot den arneritarrischeu Trnppenlransportdampfer „Toscanla" — ayo ein Kriegsschiff — versenkt hat. Reuter meldet von einem großen Abscheu, den diese Tat in Amerika gegen Deutschland hervorgerusen habe. Der amerikanische Kriegssekretär Baker gab folgende Erklärung über die Versenkung der „Toecanla" bekannt: Die Versenkung ist eine neue Herausforderung an die zivilisierte Welt seitens des Gegners, der die Heimlichkeit nnd Wildheit der Kriegsführung vervollkommnet und tödbrtngenHer gestaltete. Die dem Reichskanzler nahestehende „Germania" bemerkt dazu. Herr Baker unterschätzt die Welt gewaltig, wenn er wirklich glauben sollte» sie sei einfältig geimg, sich seiner Entrüstung anzusch ließen. Sollte aber wirklich seine Meinung vom Kriege die allgemein amerikanische sein, dann Knne der Bielverband auf diese Hilfe, die die TeiLnahme rm dem blutigen Ri,»gen an fc» Meschant föf ein* VergnÄym-sfahA *<§ hqtte» schont, uicht gerade stolz sein. Wir dürfen Herrn. Baker namens unserer Blanzacken und Felsgrauen in Aussicht stellen, daß er noch recht oft Gelegenheit haben sott, sich über unsere kriegerische Herausforderung zu ärgern. Selbst neutrale Stimmen machen sich über die amerikanische Auffassung lustig. Der „Rieuwe Rotlerdamsche Courant" schreibt: ..Die amerikanischen Truppen gehen nicht nach der Front, um mit den Deutschen ein Pfeifchen zu rauchen, sondern um mit ihnen zu kämpfen. Sollte man in Amerika wirklich so kindlich sei. es verräterisch von dem Feinde zu finden, wenn er sein möglichstes tut. um den Feind hart und schnell zurückzuschlagen? Es scheint so, denn der Kriegsminister Baker sprach von einer Herausforderulrg an die zivilisierte Welt." Der ganz gewiß nicht deutschfreundliche norwegische „Sozialdemokraten" spottet: „Baker scheint demnach zu verlangen, daß die amerikanischen Truppen-Transporte ungehindert passieren sollten, und faßt die Torpedierung durch die Deutschen als eine Herausforderung an die gesamte zivilisierte Welt auf. Wenn aber Amerika mit Deutschland im Kriege ist, wird freilich die ilürige zivilisierte Welt verstehen, daß auch Amerikaner ihr Leben riskieren. Weshalb führt man sonst Krieg?" Holland rüsiet nicht ab. Haag, 6. Febr. (WTB.) In der Zweiten Kammer erklärte der Kriegsminister, daß die Abrüstung augenblicklich unmöglich sei. Wenn der Kampf im Osten vorüber sei. könne er im Westen umso schärfer werden. Mit der Entlassung von Jahrgängen sei schon so weit wie möglich gegangen worden. 62 Prozent de» Heeres feien bereits entlassen worden. Der Minister fügte hin- 3 u, daß eine bessere Bewachung der Munitionslager in Beratung stehe. Rodech-Zobrlsshtt. Wir haben neulich von einem Individuum berichtet, da» sich Zobelsohn schreibt, aber nach berühmtem Muster sich einen Krtegsnamen zugelegt hat und jetzt unter dem Namen Radcck als Urpole segelt. In Petersburg wurden ihm erst kürzlich deutschfeindliche Fälschungen nachgewiesen. Selbst den Co- zialdenlokraten, zu denen er sich in Deuischland gerechnet hat» ist sein Treiben zu dunt geworden. Bebel erklärte nämlich auf dem Parteitag 1912: Wir sollten über diese ekelhafte Angelegenheit (Zobelsohn hatte Angriffe gegen die Parteileiiung gerichtet), in deren Mittelpunkt eine Persönlichkeit von moralisch zweifelhafter Qualität steht, wirklich nicht mehr lange diskutieren. Ich will dieser Persönlichkeit nicht einmal die Ehre antun. daß ich ihren Namen nenne. Genosse Roßman erklärte Radeck für einen Fälscher. Die „Berliner Morgenpost schreibt: Es ist nach den neuesten Leistungen des Herrn Radeck.Zobeljohn die allerhöchste Zelt, daß endgültig festgestellt wird, ob weitere Erörterungen in Brest-Lttowsk überhaupt noch einen Zweck habem Wir können uns also heute damit begnügen, unseren Lesern die Tatsache in» Gedächtnis zurückzu rufen, daß Herr Radeck. ein österreichischer Ctaotsangehöriger, wegen gefängnis- vielleicht sogar Zuchthaus- würdiger Sachen, durch Parteitagsbeschluß aus der deutschen Sozialdemokratie entfernt wurde, nachdem er zuvor wegen ebensolcher Sachen aus der polnischen Sozialdemokratie hinausgeworfen worden war. Wenn er sich heute als der einzig berech- ttgte Vertreter des polnischen Volkes hinstellt, so ist das eine maßlose Frechheit, wie sie eben nur ein Merffch vo,» den Qualitäten des Hern» Radeck begehen kann. Mit Leuten dieses Schlages am Verhandlungstisch zu sitzen, kann aber niemand zugemutct werden. AogWeNslrrütiizhkr Arkikbriuh. Wien. In den letzten bewegten Tagen Oesterrercbs erklärten auch die Arbeiter der Wiener Tageszeitungen, daß sie sich dem allgemeinen Streik anschlössen und daß von Mcfciii Moment an keine Tageszeitung Wiens erscheinen werde. Das ist aber nicht der Fall gewesen, denn die sozialdemo- kratische Arbeiterzeitung erschien, wenn auch mtter anderem Titel. 2)a5 Neue Wiener Journal übt an dieser Tatsache folgenbe Kritik: Lebhaft protestieren müssen wir, daß der Streikbeschluß von dem Parteivorstand der deutsclM Sozialdemokratie in Oesterreich in schnöder Weise gebrochen wnrde. Die Arbeiterzeitung ist nämlich am Samstag früh als ein- zige Wiener Tageszeitung erschienen. Sie hatte allerdings in aller Eile den Titel getvechselt und nannte sich „Mitteilungen an die Arbeiter", enthielt aber nicht nur diese, sondern verschiedene politische Depescl^n und den ganzen Parlamentsbericht, wurde an die Abonnenten versendet und in den Trafiken verkauft. Dieser jesuitische ^Trick kann darüber nicht hinwegtäuschen, daß hier ein ganz unerhörter Mißbrauch der Gewalt vorliegt, der jedem Begriff von Treu und Glaiwen Hohn spricht. Wir hören, daß die Herre»» des sozialdemokratischen Parteivorstaudes persönlich diesen Bruch der Vereinbarungen angeordnet baben, was um so bedauerlicher ist, als sie doch am besten wissen sEen, ivas die bedingungslose Beobachtung der Solidarität gerade in so bewegten, entfcheidungsvollen Zeiten bedeutet. Mir erwarten, daß der anständige Teil der Arbeiterschaft gegen diesen beispiellosen Treubrruh protestieren und keinen Zweifel dan'iber lassen wird, wie enfft nnd nachdrücklich er diesen Streikbrnch seines Parteivorstandes mißbilligt. Uach dem Streik. ' Berlin, 9. Febr. (WB.) Die aus Anlaß de» Streik» ergangenen einschränkenden Bestimmungen auf dem Gebiete de- Versammlurigtzwesen» sind wieder a»rfgehoben. Betriebsversammlungen sind demgeinäß bi» arkf weiteres nicht mehr a»»zeigepflichtig. Versa»»nnlungen in denen öffentliche Angelegenheiten erörtert werden, kön»»en wieder -ugesassen iperhxy. (üiiif Kaijemde in Kmünty. Homburg v. d. ^ 10. Febr. (SEE®. Nichtamtlich.) Bei einer Huldigung, die aus Anlaß des Friedensschlusses mit der Ukraine die Hamburger dein Kaiser heute darbrachten, erwiderte S. M. auf eine Ansprache des Biirgerineisters mit fal. genden Morien: Meine lieben Hamburger! Ich danke Euch von ganzem Herzen für die schlichte Feier vnd die warmen Worte, die Euer Stadtoberhaupt soeben zu Mir gesprochen hat. Es siird schwere Zeiten über uns hingegan- gen. Ein jeder hat seine Last zu tragen gehabt, Sorgen und Trauer, Kummer und Trübsal, nicht zum mindesten der, der jetzt vor Euch steht. Zn ihm vereinigen sich Sorge und Schmerz um ein ganzes Volk und sein Leid. In diesem selben Hofe habe Ich damals im Jahre 1870—71 als kleiner Zunge die Homburger stehen sehen unter der Führung des alten Jakob, als sie nach großen Cicgesnachrichteu Meiner seligen Frau Mutter ihre Huldigung darbrachten, ein Bild, das sich Mir ewig in die Seele eingsprägt hat. Ich habe danrals nicht geahnt, daß es Mir bestimmt sein sollte, zur Erhaltung dessen, was damals Mein Großvater und Mein seliger Vater erworben und erreicht haben, kämpfen zu müssen. Es hat unser Herrgott entschieden mit unserem deutschen Volk etwas vor. Deswegen hat er es in die Schule genommen, und ein jeder ernsthaft und klar Denkender unter Euch wird Mir zugebeu, daß es notwendig war. Wir gingen alle falsche Wege. Der Herr hat uns durch diese harte Schule darauf hingewiesen, wo wir hin sollen. Zu gleicher Zeit ist die Welt aber nicht auf dem richtigen Wege gewesen, und wer die Geschichte verfolgt hat, kann beobachten, wie es unser Herrgott mit einem Volk nach dem anderen versucht hat. dieselben auf den richtigen Weg zu bringen Den Völkern ist cs nicht gelungen: Das römische Reich ist versunken, das fränkische zerfiel und das alte deutsche Reich auch. Run hat er uns Aufgaben gestellt. Wir Deutsche, die wir noch Ideale haben, sollen für die Herbeiführung besserer Zeilen wirken. Wir sollen kämpfen für Recht, Treue und Sittlichkeit. Unser Herrgott will den Frieden haben, aber einen solchen, in dem die Welt sich anstrengt, das Rechte und Gütern tun. Mir sollen der Welt den Frieden bringen und wir werden es tun auf jede Art. Gestern ist es in Gütlichem gelungen. Der Feind, der, von unseren Heeren geschlagen, ein- sieht, daß cs nichts mehr nützt, zu fechten urtd der uns die Hand rntgegenhält, der erhält auch unsere Hand. Wir schlagen ein. Aber der. wer den Frieden nicht haben will, sondern im Gegenteil sein eigenes und unseres Volkes Blut vergießt, der muß dazu gezwungen werden. Das ist jetzt unsere Aufgabe. Dafiir müssen jetzt alle wirken, Männer und Frauen. Mit den Nachbarvölkern wollen wir in Freundschaft leben, aber vorher muß der Sieg der deutschen Waffen anerkannt werden. Unser Volk wird ihn weiter unter unserem großen Hin- denburg erkämpfen. Dann wird der Frieden kommen, ein Frühen, der notwendig ist für eine starke Zukunst des Deutschen Reick-es und der den Gang der Weltgeschichte beeinflus- sen wird. (Bravo und Hurra!) Dazu müssen uns die gewaltigen Mächte des Himmels beistehen. Dazu muß ein Zeder von Euch, vom Schulkinde bis zum Greise nur dem einen Gedanken leben: Sieg und ein deutscher Frieden! Das deutsche Vaterland soll leben Hurra! Fünf Minuten nach rmöif. Nachdem es der Regierung und der Bourgeoisie wiederholt warnend angekündigt war, ließen die Scheidemann und Haafs, die Ebert und Ledebour, Braun und Dittmann es zwölf schlagen. Schalteten den Arretierungshebel des Gangwerks aus und steuten sich im stillen auf die voll dröhnenden Töne. Die Enttäuschung kennen wir. Der kreißende Berg gebar ein lächerliches Mausletn, und jetzt, fünf Minuten nach zwölf, mochte Herr Scheidemann vielleicht, es wäre noch einmal zehn Minuten früher. Denn der volle Glockenfchlag der zwölften Stunde ward zum kläglichen Wimmern. Und im Spiel der Scheidemänner fehlt hinfort mehr als nur der letzte Trumpf. Selbst wenn man uns belehren sollte, noch sei es nicht voller Ernst, nur eine Gene, ralprobe gewesen: nach so mißglückter Probe kommt es gar nicht zur Aufführung. Und das ist das erste der Verdienste dieser Geister, die, das Böse wollend. Gutes schafften, daß sie der Welt bewiesen: der Kladderatasch im Innern Deutschlands ist eine ebenso etile Hoftnung wie der Erfolg der Hungerblockade. Zur Maximalisierung fehlen alle Voraussetzungen, sobald wir eine wirkliche Regierung unser eigen nennen. Das zweite der Verdienste ist die restlose und nicht mehr abzulehnende Aufklärung über die „Mauserung" der Sozialdemokratie Der Beweis, daß vom 4. August 1914 kaum mehr als die Erinnerung übrig blieb. Man wird es mit tiefem Bedauern feststsllen, aber der Tatsache ins Gesicht sehen, daß anscheinend ine Sozialdemokratie kaum noch einen anderen Weg sieht als den, auf den zuerst die späteren Unabhängigen mit der Verweigerung der Kriegskredite traten. Unweigerlich führt die Entwicklung nicht zum Gegenwartsstaate hin, sondern von ihm fort. So groß die parteiegoistischcn Gegensätze zwischen Mehrheits- und U-Sozialisten sind, sie verschwinden gegenüber der gemeinsamen Gegnerschaft zum Eegenwartsstaat, zur bestehenden Gesellschaftsordnung, zu Autorität und einer starken Regierung. Die Stellung der Sozialdemokratie zu Staat und Gesellschaft ist wieder völlig dieselbe wie vor dem Kriege. Auch )ie Mehrheitssozialisten sind kaum noch'für taktische Kompromisse. Das wüsten wir nun,' und wissen noch mehr. Zum Beispiel, daß Syetx Scheidemann, den man auch in bürgerlichen Kreisen für einen Kopf hielt, und zu dem ein früherer Reichskanzler geradezu emporblickte, erheblich überschätzt wurde. Herr Scheidemann ist nicht so unglaublich klug, daß man ihm die Geschicke einer Nation überlassen müßte. Er ist ein Spieler: zwar ein lange vom Glück begünstigter, aber immerhin ein Spieler. Er setzte alles auf eine Karte und verlor. War es klug, sich in Moabit attrappieren zu lasten? Im Arrgenblick der innerpoltti- schen Machtansprüche die ganze Ohnmacht der Sozialdemokratie zu enthüllen? Die demokratischen Ideen zu kompromittieren? Statt eurem sicheren moralischen Erfolg eirrer höchst unsicheren Va Va,rque-Kombinutiou uach-ujageu? ad 1: Die enthüllte Ohnmacht der Sozialdemokratie. Zn doppelter Richtung: nach oben und rrach unten. Der von Herrn von Bethrnann zu äußerer Wohlgenährtheit ausgepäppelten Sozialdemokratie fehlen die Muskeln. Es war eine Arsenkur, der unter veränderten Verhältnissen der rasche Abfall folgt. Der Niesenspuk aus der Bethmannszeit verschwand, als die Regierung ihn mit festem Blick ins Auge faßte. Woraus man nun hoffentlich an den Stellen, die es angeht, die entsprechenden Vorsätze für die weitere Zukunft faßt. Wo blieb alles Macht, bewußtfein, alle Herrlichkeit und Selbständigkeit der Scheide- mönner gegenüber der zur Wahrung der Staatsautorität ent- fchlostenen Regierung? Wie wurden sie schrittweise bescheidener in ihren Forderungen, absteigend bis zu einem rein äußerlichen Achtungserfolg, der ihnen aber auch noch versagt blieb. Die von der Sozialdemokratie als Erklärung für ihr Verhalten ins Feld geführte Abhängigkeit von den Masten hat doch eines klar bewiesen: die mangelnde Bündnisfähtgkeit der Partei. Wie soll eine dauerhafte, nicht auf bedingungslosem Mitläuferrum beruhende Verbindung mit einer Partei möglich fein, wenn ihre Führung nicht nach vernünftigem Ermessen, sondern unter dem bestimmenden Druck undisziplinierter Masten handeln muß, wenn sie ganz und gar Slimmungspolitik, auf Schlagwortwirkung basiert, treiben und sich zu offenem Bruch programmatischer Vereinbarungen drängen lasten muß. Denn das ist doch eine zu beherzigende Lehre für alle Teilnehmer am November-Pakt, daß die Sozialdemokratie ihn ganz einseitig gebrochen hat, daß sie nicht in der Lage war und sein wollte, seine Jnne- haltung ihrerseits gegenüber den Masten zu verteidigen. Alle Loyalität der Regierung und der übrigen Parteien hilft nichts: die sozialdemokratische Führung muß hinter ihren Masten herlaufen. So weit die Kompromittierung der eigenen Partei durch die Scheidemannfche Taktik. Zum zweiten die weitergreifende Bloßstellung allgemein demokratischer Ideen und Schlagworte. „Reife des Volkes", „Mitbestimmungsrecht seiner Zukunft". Sie haben Triumphe gefeiert in diesen Tagen. Das war das reife, zum Mitreden in den subtilsten Fragen der Nationalpolitik berufene Volk, das sich da in schönem, von Schlagworten ausge. lösten Herdentrieb als erbittertster Feind seiner selbst erwies. Das, wenn überhaupt eines, so rau dieses wußte, daß es nicht wisse, was es wolle. Das als Esel im Porzellanladen der auswärtigen Politik zum Ergötzen des Auslandes Scherbenberge produzierte. Die in Vkoabit und Treptow, am Gesundbrunnen uild am Alexanderplatz gröhlende vox populi hat man mit ehrerbietigem Staunen vernommen. Es wäre der Weisheit höchster Schluß, in ihr die Stimme Gottes zu erkennen. Der deuuckra- tische Mastenkult ist wirklich in glänzender Weise gerechtfertigt worden in diesen Tagen. Das goldene Kalb ist gewiß eine ver- ehruugswürdigr Cache: die „schwielige Faust" im Sinne demokratischer Mastenherrschaft kaum minder. Auch in anderer Richtung nehmen sich im Lichte der letzt- wöchigen Erfahrungen die demokratischen Prinzipien trefflich aus. Das ist das Mehrheitsprinzip als ftmdamentum regno- rum. Es ward greulich darauf gepfiffen. Die ganze Bewegung war nichts als der Versuch, der überwältigenden Mehrheit des Volkes den Millen einer kleinen Minderheit aufzuzwingen, ihr deren Forderungen abzuirotzen, gegen Recht und Verfassung, tm Wege der von wahrhaften Demokraten so perhorrefzierten rohen Gewalt. Die Demokratie ist in der Praxis und Theorie offenbar ebenso verschieden, wie Herrn Trotzkis Selbstbefttvr- mungsrecht der Völker. Sie redet vom „reifen Volk": und das Auge erblickt eine eigenen Wollens bare, einer improvisierten Streikleitung in den hellen Wahnsinn nachtaumelnde Maste. Sie redet von der Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit: was man sieht, ist der Versuch des Janhagels, die Herrschaft der Straße zu etablieren, allen schlechten Instinkten Wogfrei- heit zu schaffen. Es hätte anders fein können. Wie ftür^de heute die Partei da, hätte sie den Mut gefunden, sich den irregeführten Masten entgegenzustemmsu und sie eines Besteren zu belehren. Sie hätte die moralischen Erfolge des 4. August 1914, ungeschmälert durch alles, was dazwischen lag, mit den politischen derBethmann- und der neuesten Zeit zu einer großen Einheit verschmolzen. Hätte ihre Ansprüche wenigstens äußerlich und an enrem Teil gerechtfertigt und manches grundsätzliche Bedenken gemildert. Unter Herren Scheldemanns glorreicher Führung ging sie den anderen Weg. Blieb im breit ausfahrenden Geleise der rückwärts gerichteten Politik, das die Unabhängigen gebahnt hatten, radierte mit scharfem Messer enrsig schabend das Datum des 4. August aus, zu den alten bequenren subalternen Standpunkten zu Staat und Gesellschaft zurückkehrend. Herr Scheidemann hätte seinen Gegnern gefährlich werden können: er zog es vor, nicht über sich htnauszuwachfen. Indessen: alles ist relatro: und es wäre denkbar, daß er in dem Gremium der Mehrheitspolittker, der Erzberger und Wiemer, immerhin noch als Kopf erschiene. Dann wird man vor der Oeffenilichkeit inlmer wieder die Tatsachen und Erfahrungen der letzten Woche reden lassen müssen, so lange, bis auch dem Begriffsstutzigsten der Unterschied der Situationen fünf Minuten vor und fünf Minuten nach zwölf zu klarem Bewußtsein gekommen ist. KaudtagseMhwtchi. Grünberg. Am verflossenen MiÜlvoch fand dahier eine Dertrauensrnännerversanrmlung des Bundes der Landwirte statt. Es wurde beschlossen, die Kandidatur der deutsch-völkischen Partei, die Herrn Reichstagsabg. Prof. Dr. Werner-Butzbach aufgefteKt hat, zu unter- stützen. g Ans der Heimat. EV. EvNttg. Mäuueraberrd. In der heute, Montag, stattfindenden Männerversammlung wird von Herrn Pfarrer Zatzmann das Thema „Aberglauben im Kriege" be- handelt. Jeder Evangelische ist willkommen, j Einschränkung der elektrische» Beleuchtung. Die Direktion der Elektrischen Ueberland - Anlage der Provinz Oberhesten»' Friedberg. teilt mit, daß die an die genannte Ueberland-Anlag»' an geschlossenen Abnehmer keiner Einschränkung im Verbrauch elektrischer Energie unterlieg«, da zur Stromerzeugung i» Wölfersheim Braunkohle» die in genügender Menge vorhanden, benutzt wird, das Werk mithin vom Kohlenmarkte unabhängig ist. Aus Starkenburg. FC. Bensheim, 7. Febr. Die Stadtverordneten bewilligte« mit Rücksicht auf die Teuerung, den städtischen Arbeitern, deren Löhne zuletzt am 1. Oktober 1917 neugeregelt wurden, auf dis Dauer der gegenwärtigen Teuerung vonr 1. Januar 1918 ab eine Kriegszulage von 15 Pfennig pro Stunde. Aus Nhernhesten. FC. Gnnthersblum, 7. Febr. Bei dem Arzt Dr. Eetius wurde ein nächtlicher Einbruch verübt und eine Menge Kleider und sämtliche Schuhe gestohlen. Ein Arbeiter wurde als der Tal verdächtig inhaftiert. FC. Worms, 7. Febr. In der letzten Nacht wurde im Stadtteil Neuhausen einem heimkehreirden Manne unweit seiner Wohnung die goldene Taschenuhr durch einen Feldgrauen entrissen. FO. Aus Rheinhessen, 7. Febr. Der Gemeinderat in Wackernheim hat die vor einigen Tagen stattgehabte öffentliche Verpachtung der hiesigen Gemeindejagd an den auswärtigen Zagdliebhaber Bauunternehmer Struth-Finthen für jährlich 2287 Mark nicht genehmigt, sondern die Jagd zu dem zweitletzten Gebote, 2227 Mark pro Jahr, einer Jagdvereinigung eingesessener Landwirte auf die Dauer von neun Jahren zugeschlagen. Grund: In der letzten Zagdperiode ging sämtliches in der Wackernheimer Jagd erlegtes Wild in die Küchen der reichen Städter, während die Bevölkerung in Wackernheim leer cusging. * Aus Kurhessen. FC. Fulda, 7. Febr. In einem Dorfe der Umgegend machte dieser Tage der Orlsdiener bekannt: Von -einer frisch melkende« Kuh darf nur ein Kalb aufgezogen werden. FC. Gelnhausen, 7. Febr. Die hiesige Goldankaufsstelle einschließlich der Hilfsstellen in Vierstein und Vad-Orb wurde bis zum Januar 1918 von 450 Personen ausgesucht, die Schmuck- gegeustärlde im . Werte von 11154 Mark crblieferten. Von der Diamanten - Regie zum aüftragsweisen Verkauf im neutrale» Auslande übergebene Edelsteine, find bis jetzt für 103 481 Mk. verkauft worden. Weiter find für 2570 Mark Goldmünzen i« Papiergeld umgetauscht. FC. Heppenheim a. d. W., 0. Febr. Dem hiesigen Feldschütz Männchen gelang es. zwei Wilddiebe zu ergreifen. Er nah» den Knoppern die Gewehre und drei Hajen ab « And Hkssen.Nastau. FC. Wiesbaden, 7. Febr. Weil er unerlaubten Handel mi- Lebensmitteln betrieben hatte, nahnr das Schöffengericht de» Kaufmann I. Eh. Fischer dahier in eine Geldstrafe von ein-» hu j^dert Mark. FC. Weilburg. 7. Febr. Ein Arbeiter erlitt bei einem Betriebsunfall der Gewerkschaft „Honigborn" derartige Verletzungen. daß er nach Gießen in die Klinik transportiert werde» mußte. Auf dem Transport dahin verstarb er. FC. Metzlar. 7. Febr. Die diamantene Hochzeit beging beute der Landwirt Wilhelm Rein I. und seine Gattin l« Oberndorf. Der Jubilar steht im 85. seine Gattin im 79. Lebensjahre. Beide sirck> noch so rüstig, daß sie in der Landwirt« schaft eifrig tätig sind. FC. Montabaur, 7. Febr. Bei der demnächst in den hiesigen Waldungen stattfindende Brennholzversieigerung werden in der Zeit von vormittags 9^ bis 11 Uhr nur Einwohner der hiesige» Stadt zugelastem FC. Freimersheim, 7. Febr. Die hiesige Jagd wurde van einer hiesigen Jagdgesellschaft zum jährlichen Pachtpreis von 2720 Mark gepachtet. Die seitherige jährliche Pacht betrug 1800 Mark. FC. Weudelsheim, 7. Febr. Die fünf Brüder Kunz dahier, wurden mit dem Eisernen Kreuz dekoriert. FC. Aus der Pfalz. 7. Febr. Reichsrat Franz von Buht in Deidesheim hat zur Errichtung der bei der Universität München geplanten Forfchuugsanstcrlt für Schädliugsbekärnpp fung die Summe van 100 000 SRark dem Kulturminlsteriu« überwiesen. FC. Aus der Pfalz. 5. Febr. Zn diesem Frühjahr kan» Ludwigshafen fein 75jähriges Jubiläum feiern. Zu Anfang des Jahres 1843 genehmigte König Ludwig I. von Bayern, daß „dein bisher unter dem Namen Rheinschanze bekannte» Handels- und Hafenplatz gegenüber von Mannheim und der sich dott bildenden Gemeinde der Name Ludwigshafeu boigslegt werde." Im Jahre 1830 fiaird an diesem Platz nur das Miri^ harrs „Zum Anker", 1840 war die Ansiedlung auf 7 Häuser miß 90 Einwohner angewachfen. 1870 zählte das Gemeinwesen bereits 8000 Einwohner und heute ist Lndwigshafen die größte Stadt der Pfalz. Mitteilung der Stüdtiicheu BetteidungssteUe. Die Ausstellung der Bezugscheine für Wolle, Wirk-, Strick» und Schnhwaren, erfolgt jeweils Dienstags, Donnerstags und Samstags. Die Reihenfolge der Namen ist einzuhalten und zwar für A—E in der Zeit von 8% — 9% Z-L .> .. .. sv 2 - io$ M-^S .. .. .. „ io- 11% T-Z „ „ .. „ HVs ab. Wenn das verehrllche Publikum sich nach der vorsteheerde» Zeit uird Nainenelnteilung richtet, erfolgt schnellste Abfertigung. Die Annah,ne und Abgabe von getragener Kleidung usw. in der hiesigen behördlichen Altkleiderstelle erfolgt nach wie vor Mittwoch und Samstag nachmittags von 2— 4 /»4 Uhr. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg: für den Anzeigenteil: R, Heyner^ gliedberg. Druck und Verlag der „Neue« Tageszeitung, %• G., griedbera i. H. f~ 3 ö Grane Gefahren. Roman ans der Gegenwart von M. Gvntard - Schuck. h s Ji'aiI)bru(f verboten. ..Unsinn, Lee Bricel Reden Sie doch keine dummen Sachen! Ein guter Zeitungsmann wird nie um einen Ab- flußkanctl für die Volkserregung verlegen sein. Wenn man nierkt, das; cs im Volke gärt, muß der Unwille eben auf den rechten Weg geleitet werden. Den Massen ist es ganz gleich, woran sie ihren Unmut auslassen. Es liegt also immer in der Hand verständiger Leute, zur rechten Zeit das rechte Ding zu finden. Rußland, unser treuer Bundes' genösse, ist uns hierfür ein glänzendes Beispiel." „Rußland?" „Mein Gott, Lee Brice, ich fürchte wirklich, Sie werden schon kindisch. Vergessen Sie denn ganz, was jetzt wieder im Innern Rußlands vor sich geht?" «Ah, ich versiehe! Rußland und die Juden!" „Na, endlich! Natürlich, Rußland und die Juden!" „Aber wir haben keine Juden zum —" „Na, dann haben wir eben etwas anderes! Etwas, was nicht weniger unbequem ist." „Ich verstehe, Sir! Mer — Gott sei Dank, Russen sind wir noch nicht." „Ach was! . Im Kriege sind alle Mittel erlaubt. Und wir sind im Kriege, vergessen Sie das nicht!" # Lee Brice sagte nichts mehr. Diese gewissenlose Beweisführung war sogar dem nicht gerade zartbesaiteten Zeitungsmanne ein wenig zu stark. „Der Mann wird alt, scheint mir," sagte Douglas, als Lee Brice das Zimmer verlassen hatte. „Norchclisfe mag sich nach einem andern rrmsehen." Wrayson antwortete nicht gleich. Er hatte andere Sorgen als die Artikel der Times. „Ihr Nachsinnen wird Ihnen jetzt wenig helfen," wandte sich Douglas noch einmal an den Marineminister. „Es hilft alles nichts, die Flotte muß heraus. Und das sobald als möglich Sie muß zu kräftigem Schlage ausholeu." „Sie reden wie der Blinde von der Farbe, Sir! Die erste Flotte wollen wir haben, die erste Seemacht sollen wir sein, wie aber können wir das alles Hochhalten, wenn unsere Schiffe in den Grund gebohrt werden? Ja, wenn die Deutschen herauskämen! Wenn sie sich uns in offener Seeschlacht stellten!" „Sie haben uns doch versprochen, sie herauszulocken. Wie steht es damit? Mit Redensarten ist uns nicht geholfen Es bleibt hier nichts anderes übrig, die Flotte muß heraus. Wir machen uns vor der ganzen Welt lächerlich, wenn wir noch länger warten." „Die Deutschen scheinen aber auch nicht ganz so dumm zir sein, wie wir gehofft. Sie kommen mit ihren großen Kasten nicht über Helgoland heraus. Sie wissen ganz genau, daß wir in Schußweite der Helgoländer Batterien dovpe't so stark sein müßten, wenn wir was erreichen wollten. Eine feststehende Batterie wiegt fünf schwimmende auf. — Ja, wenn Helgoland jetzt noch uns gehörte! Längst hätten wir wnS in Knrhaven und Bremerhaven festgesetzt." „Ach ja, dieses Helgoland! Ein Dorn in unserem Fleische. Der Kaiser wußte, was er tat. Er hat sich damals auslachen lassen und Helgoland befestigt. England hat sich vergebens ins Fäustchen gelacht, daß es ihm für das bißchen abbröckelnden Fels die schöne Kolonie abnahm. Jetzt sehen wir, daß er wieder einmal weitschauender und klüger ge- wesen ist als wir alle." Douglas schwieg und brütete vor sich hin. Plötzlich hob er den Kopf. „Aber — schließlich — was wir nicht mehr haben, können wir uns doch wieder-nehmen, und was aufgebaut ist, kann eingerissen werden. Unsere großen Schiffsgeschütze reißen gute Löcher. Wo sie ein- schlagen, ist es zu sehen. Nehmen wir uns wieder, was wir in leichtsinniger Weise fortgegeben haben, oder schaffen wir es ganz aus dem Wege." „Unmöglich!" rief Wrayson. „Wie denken Sie sich das? Da kommt jetzt niemand heran." „Für uns ist nichts unmöglich, mein Bester, das sollten Sie doch endlich wissen." „Und Sie sollten endlich begriffen haben, daß die Deutschen nicht die Esel sind, für die Sie sie immer noch hallen, Sir! Ich liebe sie gewiß nicht. Kein Mensch kann mir das nachsagen, und ich werde auch niemanden, vor allen Dingen der Oeffentlichkeit nicht, sagen, was ich Ihnen endlich gestehen muß: Daß es der Fehler ist, den wir auch fernerhin noch begehen können, wenn wir die Leute da drüben auch jetzt noch unterschätzen. Dieser Fehler hat uns nachgerade bis jetzt genug gekostet." Fortsetzung folat. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme während der Krankheit und bei der Beerdigung meines lieben Bakers, sage ich allen Beteiligten, insbesondere Herrn Pfarrer Fischer für seine trostreichen Worte an: Grabe aufrichtigen herzlichen Dank. Rodhcint v. d. Höhe, den 10. Februar 1918. Richard Hofmann. Bekanntmachung. Eine kleine Partie gewässerte Stockfische gelangt in den Geschäften von: E. Mörschel und Fr. Hilbrecht Wwe. zum Verkauf. Preis pro Pfund Mk. 1.80 Friedberg, den 9. Februar 1918. Städtischer Lebensmittel-Ausschutz« Langsdorf. Bekanntmachung Die hiesigen Karioffelbesitzer Erzeuger sowohl alsVerbraucher— fordere ich unter Hinweis auf die nachstehende Bekanntmachung des Kommunal-Verbandes hierdurch aus, ihre Kartoffelvorräte baldigst und auch für die Folge von Zeit zu Zeit auszutesen. Friedberg. den 7. Febr. 1918. Der Bürgermeister. 3. V.: Dam m. Da über starkes Faulen der Kanoffel,, geklagt wild, so fordern rvic dle nar.'ooelerzeuger hierdurch auß ihre Bestände, sobald es die Witterung erlaubt, und weiterhin von Zeit zu Zeit zu durchlesen und angefaulte und sonstige zu Speisezwecken unge- f eignete Kartoffeln aus.,ulese„, bei Meldung der in unierer Bekann:- machung vom23. September 1917, berr. Beschaßung und Regelung des Verbrauchs von Kartoffeln pp angedrohten Strafen. ^je- lenigen Kar offelerzeuger, die aus Mangel an Diehd.e ausgelesenen Kartoffeln nicht verwerten können, sind veroflichtet, diese den belann- ten Ka^o^elauskäusLtN des Kom- n ralve^andes zum Verrauf an- zuvieten. Der Kommunalverband wird sie zur Verwertung an die Brennereien abjühren lassen und den Erzeugern im Umtausch wert- entfprechen'e Mengen gesunoer Speuetattoffein Zufuhren' lassen. Offenbach, den 30. Jan. 1018. -smlnsnalvkrband tür Karloffrlerrrugnus. gez.: Spamer. Holzversteigerung der Gräflichen Oberförsterei Arnsburg. Freitag, den 15. Februar 1918, nach Zusammenkunft 1 Uhr am Eingang zum Distrikt Haide von Münzenberg, werden versteigert ° 10 Alpe"Stammreiser Rm.: 740 Eichen. 70 Kiefern. du Werchholz. Für meineTochter^Jahre alt, welche schon einige Monate in der Landwirtschaft praktiich täiig war, suche ich eine Stellung als Praktikantin auf einem Gut. Familienanschlust erwünscht. Ernst Gail, Biebrich a. Rh., Wiesbadener-Allee 2. Bekanntmachung. Von nächsten Mittwoch, de» 13. d. M. ab. wird Speise-Shrmp in den Geschäften von E. Mörschel, F. Damm Nächst, Fr. Hilbrecht Wwe., I. G. Michel A. Vechstein, A. Schlnidt, Ehr. Krämer Wwe., Fauerbach abgegeben. Auf 1 Abschnitt „P“ der Brotkarte mrb\ Pfund zu 13Pfg., auf 2 Abschnitte „P" der Brotkarte wird V 2 Pfund zu 25 Prq usw. abgegeben. Friedberg, den 9. Februar 1918. Ciävt. Lebcnsmittel-2iuö?chusz. Langsdorf. HojMchiMN-i. Donnerstag, den 14. d. Mts. vorm ttags 9 Uhr lätzt die Gr^fk. v. Walderdorff'iche Gutsoerwal- tunq in dem Walde bei Stauon Grotzlarben, 490 Fichlenstanoen, 600 Akazienstämme öffentlich meistbietend versteigern. I. 91.: Fr. Kar. Bekanntmachung Bekanntmachung. In den Geschäften von: A Vechstein, Fr. Wagner, Georg Mobs, I. A. Wiudecker, W. Madre Konsumverein, » Ehr. Krämer Wwe, Fauerbach, gelangen von Dienstag ab Handkäse im Gewichte von ca. 60 Gramm zuni Vertäust Auf jeden Abschnitt „O“ der Brotkarte wird 1 Käse zum Preise von 25 Pfennig abgegeben. Friedberg, den 9. Februar 1918. Städtischer Lebensmittel Ausschuß. Lanasdorf. Marke „Hassia". Angeregt durch die immer mehr in dieErscheinung tretende Leder- knappbetl, har die Stadloeiwal- tung Fnedbera im Interesse ker Bevölkerung die vorzüglich konstruierte und ausprobieue Wei- ka:d'scke bieg'ame Holzhalbiohle „Marke Hassia" beschafft und lägt den zur Zettvorhandenen kleinen Vorrat in den Schuhgeschäften von Ehrlich. Weckerling, Hetz, Opper, Spier und den Ledcrhand- lungeii von Vechstein und Sichel zum Verkauf bringen. Die Verkaufspreise sind von der Erlatzsohlen-Gesellschast ans 0,96 Mk. .ur Grosze Nr. 27-35, 1.18 Mk. für Gröste Nr. 30 -39. 1,40 Mk. für Grötze Nr. 40- 10. festgesetzt. Friedberg, den 5. Februar 1918. Der Bürgermeister. I. V.: D a m m. Schw. DltHWSI! i6er oder 17er Brut gesucht. Offerten unter A. 20 an die Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung" erbeten. Gnter-Uerpachtnng. Die dem Vereinigten Armenfonds der Stadt Friedberg bei der Feldbereinig,mg in der Gemarkung Bad-Nauheim neu zuge« leckten Grundstücke Flur IX Nr. 158 =» 972 qm Grabgarten, Hochwaldstrage .. .. 159 =,, 120 „ .. daselbst h n » 204 = 2556 n H dcüelbst » .. 265 =s 08 „ n da eivst fommen" ” " 286 ~ 887 " * Homburgerstraße Donnerstag, d. 14. Februar d. Js.. nachm. 5 Uhr Im Gasthaus nun Viälter Hof (Marktplatz) in Bad-Nauheim öffenl- lich an die Meistbietenden zur Verpachtung. Friedberg, den 5. Februar 1918. Die städt. Armenkommission. Der Vorsitzende. 2. V.: Damm. LllckHk ZiieAlljchlllell WiokrsalpDge, WenbepMge, Ziseifchsr-Wnge Feder^ljtt-Kultrvatoren, Egge» Glatt- rmd Cambridge-Waffen ' Hackmajchmen Grasmäher,Gktreidkiüährr.Gardettbittder Pferderechen, Heuwender ujw. -vorrätig und ab Lager sofort lieferbar. ——° ML Risenthal, ßiesssi Fernsprecher 11 . Maurer » Zimiiitkleiite sowie ältere 11 . jüngere Arbeiter für sofort gejucht. 2- Winter, Friedberg, Ka iserstratze. Sehr guter Jagdchimd ist preiswert zu verkaufen, unter zweien die Wahl. Auskunft erteilt die Geschüstsstelle der „Neuen Tageszeitung". Llehigslrasse 13. Äisileilkllckil a rÄ eU Nk>rSag/sr,ÜAL- ürutoi ijnij.-ft, 4f h Kali empfiehlt M. Dun. üiinmid), Friedberg i. H. Extra große Thüringer Neiserbesen alle Sorten Bürsten, Besen, Striegel, Toilette Artikel, prima Rasier- u. Toilette- seise, prima Linoleum- und Parkettwachs alles in großer Auswahl. Theobald Stemel BürstenfabrU Friedberg Kaiferstrahe 117.