Nummer 26 Donnerstag. den 31. Januar 1918 n. Zatzraana. Die .»L?e«e S'aorsrcitung" hin u tritt noch bas Bestellgelds erhoben. Esfüllungoorr ^eden Werktag. Negelmaßige Beilagen ^ tvütntr ans Hellen". „Zie Hpinnstnkre". Zerugsprsis Bei den Postanstalten vierteljährlich Mt 2.46 eimchließlich Trageriohn. An?-ig-n: Grund,eite 25 Pjg., lokale 20 Psg^ Anzeigen von auswärts werden durch Bo, Nachnahme ri^ddelN. ^chEleitung und Verlag --fnedberg (Hessen». .^anauerstraße 12. Ferniprecher 48. Po'Lstzrck-Conto Nr. iss« *i.nt rt* 9 9 4859, 4mt Frankfurt a. M, v Clftlgrkilljtt Fistßllgch mif WM imii Die stWshe Kiiße. London, Konthend, Dünkirchen und Goiois mit Komben beworfen. — Schwere Kampfe auf der Hochfläche von Kflago. — 30,000 Tonnen Versenkt. — Die Zustände in Finnland. — Die Streik!»-megung« ! Der deutsche Generalstab —— - meldet: \ ^jtwpt^usuncr, der» W. T. K. Trotzes Jommr. Amtrich. Westlicher Kriegsschauplatz. An verschiedenen Stellen der Front Artillerie- und Minen- werferkämpse Die Infanterietäligkeit blieb auf Erkundungs. gefechte beschrankt. Unsere Flieger führten erfolgreiche Angriffs auf England »md die französische Nordküste durch. London und Southend, sowie Dünkirchen, Gravelinies und Calais wurden mit Bomben beworfen. Im Luftkampf wurden gestern 8 feindliche Flugzeuge und f Fesselballone abgeschlossen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues Mazedonische Front. Der Vorstoß feindlicher Kompagnien gegen bulgarische Feldwachstellungen nordöstlich vom Doiransee wurde abgewiesen. Italienische Front. Auf der Lochfleche von Asiago haben die Italiener mit star- ftr* Kräften ihre Angriffe fortgesetzt. Im Gebiete des Monte Lifemol sind sie unter schweren Verlusten gescheitert. Der Monte di Dal Bella und Col del Rosio blieben nach hartem Kampf in Händen des Feindes. Der Erste EeneralquarLierrneister: Sudendorff. Abend? ericht. Berlin, 30. Jan., abends. (WTB. Amtlich.) Don den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Wien, 80 Jan. Amtlich wird verlautbgrt: Die schweren Kämpfe auf der Hochfläche von Asiago dauern an. Südwestlich von Asiago und im Gebiete des Mente Sise mol scheiterten alle italienischen Angriffe unter großen blutigen Verlusten. Der Monte di Val Bella und der Eol del Rollo mußten nach heldenmütiger Verteidigung und zähem Ringen den an Zahl immer stärker herangeführten feindlichen Kräften überlasten werden. Der Chef des Cenerakstabes. Sofia, 28. Jan lWTV. Nichtamtlich.) Oestlich des Ochrida- fees im Süden des Dorfes Geredischlscl^» und zwischen Wardar und Doiransee war die Artillerie lebhafter Im Cüdwesten von Doiran Tätigkeit von Erkundungsableilungen, die für uns günstig verliefen. In der Ebene westlich von Seres zerstreute unsere Artillerie mehrere englische Infanterieabteilungen. Dcbrndschafront: Waffenstillstand- 30000 Tonnen Ver'snkt. Berlin, 29. Jan. (WTB. Amtlich.) Neue U-Booterfolge im mittleren und östlichen Mittelmeer: 8 Dampfer und drei Segler mit rund CO 000 Vruttoregistertonnen. Die Mehrzahl der Dampfer war tief beladen und befand sich teils in stark gesicherten Eeleitzügen, teils einzeln mit UnlerfoebooLzerstörern- und Flachdampferbedeckung fahrend, auf j t*em Wege nach Italien bezw. dem Orient. Unter den versenk- ' terr Schiffen könnte der englische Dampfer „Westwales" (4331 Tonnen) mit Kohlen noch Port Said, ferner ein großer Tankdampfer und ein Dampfer von 4000 Tonnen, der nach der heftigen Explosion zu urteilen. Munition geladen hatte, festgestellt werden. An den Erfolgen war im besonderen der t. unb k. Linien- schiffsleutnant Hudeczek beteiligt. Der Chef des Admiralstabs der Marine. * Torpedierung eines englischen Truppentransports. London. 30. Jan. (Reuter.) Di; Admiralität gibt bekannt: Das bewaffnete TransportbegleUfchiff „Mechanican" wurde am 20. Januar torpediert und später im englischen Kanal ans Stranp gesetzt. Das Schiff ist vollkomn:en wrack. Drei Offiziere und 10 Mann sind umgekommen — Das Torpedoboot „Mazard" ist im englischen Kanal am 28 Januar infolge Zusammenstoßes gesunken. 3 Mann sind umgekommen. Zürn Fnktano : ' auf Gnakand. London, 30. Jan. (Reuter.) Gestern abend fand ein Luit- angiifs statt, der länger als alle bis jetzt ausaeiührten war. Er dauerte ununterbrochen fünf Stunden. Das GefLützfeuer war' kräftiger, das Knattern der Maschinengewehre deutlicher als gewöhnlich, und nur die fortdauernde Tätigkeit der englischen Flieger, die mit den Angreifern kämpften, veranlaßten Pausen ron wechselnder Dauer Dann brach das Feuer wieder von neuem ans, wenn wieder eine neue Gruppe Maschinen erschien. * London, 30. Jan (Reuter.) Amtlich wird gemeldet: Die Verluste bei dem Luftangriff gestern nacht betrugen 14 Männer, 17 Frauen, 16 Kinder tot. 93 Männer, 59 Frauen und 17 Kinder verwunoet. Mit Ausnahme eines Toten und sieben Verwundeten kam es zu keinem Verlust in London. Der Schaden ist nicht bedeutend. Die Zustände in Finnland. Der Senat verließ Helsingfors. Stockholm, 29. Jan. (WTB.) Wie die hiesige finnische Gesandtschaft heute telegraphisch erfährt bat der finnische Senat Helsingfors verlosten und sich an einen unbekannten Ort begeben, um dort seine Arbeit fortzusetzeu. Die Stadt ist von russischen Truppen besetzt worden. Vollkommene Anarchie herrscht, und nicht einmal dem Roten Kreuz wird erlaubt, seine Pflicht zu tun. Zum Oberbefehlshaber der bürgerlichen Schutztruppen ist General der Kavallerie Freiherr von Mannersheim ernannt worden Stockholm, 30. Jan Das Stockholmer „Dagbladet" meldet: Sämtliche fremden Konsuln baben am Montag Helsingfors auf de"' Mage nach Abo und dem Norden verlassen. In der Nächst ' . ^'"Nstaa haben bolschewistische Soldaten die Kabel Beiers- Schweden du-chschnitten. so daß Finnland und Rußland von jeder Drahtverbindung mit Westeuropa vollständig abgeschnitten wird. Stockholm, 29. Jan. (WTB) Meldung des Svenska Telegramönran' Aus Helsingfors wird gemeldet: Der Ausstand dauert an. Die Rote Garde beschoß gestern mit Maschinengewehren einige Läuter im Mittelpunkte der Stadt, es aab aber nur wenig Tate und Verwundete. Die Neckst war ruhig. Das russische Militär verbält sich ruhig. Auch Wiborg ist ruhig, aber auf der Station Käinärä fanden am Sonntag Unruhen statt, bei denen fünf Personen getötet und fünf verwundet wurden. Die Eisenbabnbrücken von Terajoki und Karisalni wurden gesprengt Scknrtkorps mit" 20 Maschinengewehren und Tausenden von Gewehren marschieren südwärts gegen Helsing- fors. D e Wunsch der Aalrmdsrnsekn. Stockholm. 30 Jan Gestern traf in Stockholm eine Abordnung ein. die am 29. Dezember von einer großen Volksver- fammlung auf den Aalandsinfeln gewählt morden war. um der schwedischen Regierung den Wunsch der Bevölkerung der A-r- la.ndsinsekn, mit Schweden vereinigt zu werden, zu übermitteln. Die Abordnung hofft, vom König empfangen zu werden. Finnlands Slaatsauffasiung. Berlin, 29. Jan (WTB.) Am 22. Januar, also unmittelbar vor dem Ausbruch der Unruhen in Finnland, schrieb die finnische Zeitung „Hufoud Stadsbladet": Die soziale Umwälzung in Rußland verlockt unsere „Roten" und läßt sie hoffen, ähr.lick>e Vorteile in unserem Staatckörper zu erreichen, wie ihre dortigen Gesinnungsgenossen. Jedem aber, der die Lage des Augenblicks zu Lbecsthen vermag, ist klar, daß eine derartige Richtungncchme den Untergang unserer staatlichen Selbstständigkeit und den Tod der nationalen Unabhängigkeit be- 1-eutete. Unser Land würde in Kürze in den Wirbel der bolschewistischen ^Anarchie und Auflösung hineingezogen. Nachdem das Blatt auf die Notwendigkeit hingewiesen hat, daß die Grenze llar und bestimmt gezogen wird, was nalürlich eine gute Nachbarschaft mit Rußland nicht ausfchließt. bemerkt die Zeitung, daß Finnlcnd ebensowohl wie die skandinavischen Staaten jetzt und auch bei möglichen Zukun?tskriegen strenge Neu- tralität inne halten muß. In einem Anschluß an Skandinavien könne das Land hoffen, außerhalb des Wettstreites der Großmächte und der dadurch hervor gerufenen Strömungen stehen zu dürfen. Die Sozialisten, die sich für einen Anschluß an Rußland begeistern, lasten den Umstand unbeachtet, daß der russische Staatskörper nicht immer bolschewistisch regiert, und auch nicht immer durch soziale Umstürzung in Anspruch genom- n:en sen wird. Ein Rückschlag kann bald eintreten, und es Ist möglich, daß sich Rußland von der Ermattung des Verfalls erhalt, und dessen Großmachtsgelüste wieder erwachen, wodurch sin mit Rußland verbundenes Finnland Gefahr laufen mag, in eine Menge schwieriger Verwicklungen hineingezogen zu werden. Wenn wieder eine herrschsüchtige Strömung in Rußland die Selbständigkeit Finnlands bedrohen sollte, wäre es für das Land von unschätzbarem Werte, mit Staaten verbunden zu feiNx die unmittelbar Wert darauf legen, daß die-Unabhanaigkeit Finnland brwohrt wird. Es ist nicht ausgeschlossen, daß d'.e Hilfe der skandinavischen Länder in einer solchen Lage nicht stark genug wäre, weshalb Finnland stärkere Bürgschaften für seine Unabhängigkeit suchen sollte. Hiermit spielt der Verfasser des Aufsatzes auf Deutschland an Die neue Regierung. Helsingfors, 29. Jan (WTB.) Meldung des Svenska Tele» grambyran. Die neue sozialistische Regierung ist interimistisch und folgendermaßen zusammengesetzt: Männer. Präsident: Si- rola. Auswärtiges; Haapalanen, Inneres: Letonmäki. Justiz: Kunstnen. Unterricht: Kohonen. Finanz: Lumiwuckke. soziale Fragen; Elorauta, Ackerbon: Tokoi. Lebensmittel: Lindquist, Verkehr und Post; Turkia. Prokurator. Der Zentrolrat wird 85 Mitglieder zählen und zwar 10 aus dem Parteirat. 10 ander Volksarganisation. 10 Rote Gardisten und 5 organisierte Helsingsorser Arbeiter. M FMlaird fröitfrt das Sirotttzkii 5§Mdrns. Stockholm, 36. Jan Die Unruhen in Finnland haben sich zu einem regelrechten Kriege ausgewachsen, der zwischen den russischen Truppen u,rd der Roten Garde einerseits und dem Bürgerschutzkorps andererseits geführt wird. Nach ..Stockholms Tidningen" wird das Schutzkorps im westlichen Finnland von General Frhr. von Mannersheim befehligt, der selbst vor Maia liegt und die dortige russische Garnison angreift. Diese soll be- Mannersheims Trr-ppen große Erfolge errungen zu haben. Auch an anderen Stellen des westlichen Finnland scheinen Mannersheims Trupepn große Erfolae errungen zu haben. Aebec die Ereignisse im südlick'en Finnland, namentlich in Hel- singfors, fehlen alle Nachrichten. Gerüchte behaupten, die finn- ländifche Regierung in Hclfing^ors fei gefangen g?noinmen worden. Die sozialistische Partei erließ einen Aufruf, in dem die Bestrafung des Bürgerlerps verlangt ivird. doch geht aus dem Aufrufe nicht klar hervor, ob sich die Partei völlig auf die Seite der Roten Garde stellt. Die Abgesandten der finnischen Regierung sollen nach Tor- nea gekommen sein und sich ai'f dem Wege nach Srockholm befinden. Wie „Stockholms Tidningen" erfährt, baben sie den Auftrag. Schweden um Schutz und bewaffnetes Einschreiten zn. bitten. Haparanda, 29. Jan (MTB.) Meld'.mg der Svensk-r Telcgrambyran: Seit gestern ist ganz Südfinnland bis Tam- meriors in den Händen der Roten Garden, die von russischen So'daten unterstützt werden. Das Telegrapbenamt und andere öffentliche Gebäude in Helsingfors wurden von Roten Garden besetzt, die den S^nat für abgesctzt erklärten und die Bolschewisten als Herren der Regierung ausricfen. Das Gerücht über die Verhaftung von Mitgliedern des Senats hat sich nicht bestätigt. In Nardfinnlai'.d gelang es der bürgerlichen Garde, die Roten Garden in Schach zu hallen. Dort herrscht verhältnismäßige Ruhe. In Tornea sind nur 80 russische Soldaten geblieben. Schwedische Vorbereitungen. Stockholm, 30. Jan Anläßlich der Lage in Finnland traf die schwedische Regierung vorbereltende Maßnahmen, um nötigenfalls unverzüglich Schiffe dorthin zu entsenden, welche disschwedischen Untertanen in ihr Vaterland zurückführen solle». Rückkehr König Evsiavs. Stockholm. 29. Jan. Der König, der seit einigen Tagen lis Schonen weilt, beschloß mit Rücksicht auf die Lage in Finnland nach Stockholm zurückzukehrea. 19 Die rirssijchc Auflösung. Reuter meldet aus Petersburg, daß die Ukrainer mb Maximalisten gegeneinander eifrig mobilisieren und daß man für die nächsten Tage allgemeine Gefechte in der Gegentz von Kiew zu erwarten habe. \ ä ,• Russische Demobilisierung. Paris. 30. Jan. Nach den Petersburger Blättern beschloß die marimalistifche Regierung, die Demobilisation der russischen Armee noch vor dem Frühling durchzuführen. Die Kosaken im Kampf mit Kaledin. Petersburg, 29. Jan. Zwanzig Kosakenregimenter erhoben sich gegen Kaledin und beschlossen, die gesamte Gewalt in der Dongegend an sich zu reiften. Sie bemächtigten sich der Bahnhöfe Zwerewo und Lichejra und nahmen 18 Mitglieder von Militärorganen fest. Eine Armee der Kadetten. Karlsruhe, 30. Jan. Der Schweizer Pretztelegraph meldet aus Petersburg: Der Militärrat der Kadetten hat den General Alexejew. der zeitweilig Oberbefehlshaber der ganzen Armee war. ermächtigt, eine Armee zur Verteidigung der National- -"rsammlung zu bilden. Vollkommene Machtlosigkeit. Berlin, 30. Jan. Die russische Presse veröffentlicht ein Telegramm des Generals Bentsch Bruyewitschy. des Stabschefs des Oberkommandos, das wörtlich lautet: Vollkommene Machtlosigkeit. Viele Frontteile sind entblößt. Auf der Westfront kommen auf die Werst nur 160 Bajonette. Die Reserven lösen ihre Kameraden in den Schützen, grüben nicht ab. Sine ungeheure Zahl erfahrener militärischer Vorgesetzten ist bei den Wahlen ausgeschieden. Der jetzige Be. stand an Stäben ist ohne Erfahrung. Der Stab und die Behörden werden in Kürze zu arbeiten aufhören, da niemand mehr arbeiten kann. Generalstabsoffiziere sind nicht vorhanden. Die Arbeitsbedingungen in den Stäben sind entsetzlich. Wirtschaftlich herrscht eine vollkommene Auflösung. Ausbildung und Ordnung der Truppen sind nichts wert. Eine Ordnung tm Heere gibt es nicht mehr. Die Befehle werden nicht ausgeführt. Desertionen finden massenhaft statt. Beurlaubte kehren nicht zurück. Der Zusammenhang ist an vielen Stellen zerrissen Der Bestand an Pferden tst fast ganz vernichtet. Die Befestigungen der Stellungen zerfallen. Die Drahthindernisse sind zur Erleichterung der Verbrüderung und des Handels entfernt. Einen Angriff des Feindes anszuhalten ist unmöglich. Die einzige Rettung des Heeres ist der Rückzug hinter die natürlichen Grenzen. Die russische Zeitung „Rjetsch" veri . lt die Reden Lenins im Ratekongreft. die auf die Instinkte der dunklen Massen rechnen und Anarchie und Vernichtung der Kultur als Erfolge des Arbeiterkampfes preisen. Vorbereitung der Entente. Gens, 30. Ion. Das ..Echo de Paris" schreibt, der am Freitag zusamrneiiLretende Kriegsrat der Entente wird zur Vorbereitung des Frühjahrsangriffcs die als notwendig zu bezeichnende Vermehrung des Mannschaftsbestandes der verbündeten Heere feststcllen. Im Anschluß daran dürften für alle Verbündeten umfassende Neueinberufungen zu erwarten fein. Bern. 29. Jan. (WTB.) Die Beratungen des Pariser Rat: sollen sich Lyoner Blättern zufolge hauptsächlich mit ernsten Fragen politischer und militärischer Art. auch mit der Bildung eines Manöverierheeres für die Westfront befassen. Elemen- eeau wird, von den Generalen Foch und Weygand begleitet, den Beratungen beiwohnen. Meldung der Agentur Havas: Nach B ättermeldungen wird der Ministerrat morgen Ionnart an Stelle Latauds zum Generalgouverneur von Algerien ernennen. Die Regierung wird Lataod einen wichtigen Posten bei einer der neuen anerkannten russischen Republiken anbieten. Mtnillht fnrdjt uor tm mm?. Die Schweizer Depescheninformatton meldet: Der Kriegsberichterstatter der „Idea Razicuale" schreibt- Aus den Trup- penberregrnu-.en an der italienische Front geht unzweideutig hervor, daß der Fcind schon zu Beginn des Frühlings sowohl an der italienischen als auch an der Weststont eine Offensive unter, nehmen werde. r ?■*> .füld^Kfg p?M?n hgf. Der Rat der Bottskemmiflrre hat dt« Beschlagnahme einer -lerknztt gehörenden, bei der Staatsbank niedergelegten Summe von 1100 714 Rubel, sowie einer weiteren bei der Nationalen Handelsbank von 317 020 Rubpl, insgesamt also 1167 734- Rubel also nahezu 3 Millionen Mdrk?, angeordnet. Kerensli war der Sohn unvermögltcher Eltern. Man sieht das Gewerbe eines sozialistischen Volksttiönnen ernährt seinen Mann! ers Geb«rtstagsm m sche. Die der.irakische „Kleine Presse" regt sich über einen Aus. satz auf. den vre „Deutsche Zeitung" zu Kaisers Geburtstag - . bracht hat und der lautet: Das Verhängnis der nunmehr dreißigjährLgen Regierung Kaiser Wilhelms II war es bislang, daß nicht die Männer an die Spitze der Regierung tm Reiche und Preußen gestellt narcn, dis festen zielsicheren Händen Bismarcks Politik fortgesetzt haben Die Regierung unseres Kaisers begann mit der ttebernehme Bismarcks des Einzigen, des Unersetzlichen. Ater Bismarck mutzte gehen. Seitdem hat über feinen Nachfolgern und ihrer zumeist antibismarckschen Politik die Nemesis gewaltet. Möge das deutsche Kaisertum alle Zeit behütet sein ror dem Schicksal heilloser Schwäche, wie jte dem urwerbesser- Dilettanten und Romantiker auf dem Hohenzollernthrone, Kör-ig Friedrich Wilhelm IV., eignete, der vor den gefallenen Barrlkad-nkämpsern, den Vorgängern dvo Roten I»rter,mlio- nute. de« Hut ziehe» «chte; dessr»rr«Mck '«» ««, dah er — im Gegensatz zu seine» Bruder. Kaiser Wilhelm I. — nicht große Männer neben sich als Mitarbeit« stelle^ sie ertrage», sie frei schalte« und walten lassen konnte! Der bekannte Ableger der »Frankfurter Zeitung" bemerkt dazu: Fürwahr ein seltsames Elückwanschsprüchleink Wtt müssen gestehen, es mutet uns mehr an wie das Sprüchlein, das die „Frankfurter Zeitung" hersagte. Wir lesen da: In gewissen Zeitpunkten vor dem Kriege hatten Kreise, die tm Gerüche einer Eemäßigtheit des Monarchismus (Ein guter Ausdruck?) standen, Abweichungen von kaiserlichen Ansichten bekundet. Diese Kreise haben eben die Gewohnheit. offen zu reden, statt wie andere, denen das die Po- littk verdürbe, nur zu raunen. (Anmerkung der Cchriftleitung: Das Organ der goldenen Internationale denkt dabei offenbar an ihren Busenfreund Prof. Qutdde. - Der Mann hatte anfangs Wr 90er Jahre ein Büchlein geschrieben. „Ealigula" benamst. Für jeden Kenner war es nur zu deutlich, auf wen der Vergleich mit jenem römischen Cäsaren gezielt hat. Zur Rede gestellt, hat aber Prof. Quidde feierlichst eine jede dahingehende Absicht verleugnet. Das nennen die Demokraten: „offen reden!") Es heißt dann weiter: So ergab es sich wie von selber, daß das Diesseits und das Jenseits ziemlich klar geschieden waren. Aber nun kam der Krieg, der große Lehrer und Prüfer. Nichts Edleres kann man mm einem reifen Menschen sagen, als daß er immer noch lerne, auch nichts Erfreulicheres für ihn. denn es beweist, daß er jung ist, und trüge er hundert Jahre. . . . Man kann auf verschiedenes Hinweisen, gerade auch aus dem letzten Jahre: die Osterbotschaft und ihre Ergänzung, die Zustimmung zur Parlamentarisierung des Reichstages und anderes. Aber das allein ist es nicht. Das könnte immerhin Aenßerliches fein, hervorgegan. gen aus einer gewissen Nötigung des Augenblicks. Aber man hat gute Kunde, daß der Kaiser die Erfordernisse einer neuen Zeit mit innerlichem Sinn begleitet. Wenn man sich in diesem Phrasen.Ivrgarten zurechtgefun- den hat, so findet man. daß gewisse Kreise einem zielbewußten Fürsten gege-niiber nur einer „Gemäßigtheit des Monarchismushuldigen. unmäßiger wird ihre Anschauung aber, wenn sie guten Grund haben, daß der Monarch sich für ihre Zanke „mit innerlichem Sinn" gebrauchen läßt. In diesem Fall kann man auch — in früheren Jahren tst das nicht geschehen? — den Kaiser zu seinem Geburtstag als Olerhaupt und Symbol der Deutschen Reiches „in unserer Weise" begrüßen. Krmdesfiirste« nnd Kteichsiei-nng. Unter Himl'eis auf die Meldung der „Deutschen Zeitung", daß der König von Bayern versucht habe, seinen Einfluß beim Kaiser im Sinne eines die Zukunft des deutschen Volkes und den Bestand des Reiches sichernden Friedens geltend zu machen, schreiben die „Leipziger Neuesten Nachrichten": Jedenfalls haben auch wir Grund zu der Annahme. daß die Meldung der „Deutschen Zeitung" richtig ist. Wir möchten sogar noch einen Schritt weitergehen und hii^ufügen. daß der Appell, den die „Deutsche Zeitung" an die anderen deutschen Bundessürsten richtete, sie möchten dem Beispiel des Königs von Bayern folgen, bereits überholt ist. Der König von Bayern tst nach unsrer Kenntnis nicht der Einzige gewesen, der mit ernster Sorge den Gang der Verhandlungen in Brest-Litowek verfolgt hat. und man darf vielleicht annehmen, daß die Entsendung des Herrn von Podewils nicht lediglich erfolgte, nur um ein längst vergessenes Reservatrecht auszuüben oder dem Herren von Kühlmann ein bloßes Vertrauensvotum auszusprechen. Die Streikbewegung. Berlin. 30. Jan. Ein großer Teil der heutigen Morgen. Zeitungen, darunter das „Berliner Tageblatt" und di- „Berliner Morgenpost", sind wegen des Ausstandes in Großbeilin nicht erschienen Die Zahl der Ausständigen soll, wie eine sozialdemokratische Korrespondenz meldet, im Laufe des gestrigen Nachmittags erheblich, zugenommen haben. Spandau. 30. Jan. (WTB.) Die Lage hat sich gegen gestern $ nicht wesentlich geändert. In den meisten Staatswerken wird fast vollständig gearbeitet. In der Artilleriewerkstätte hat sich die Zahl der Streikenden, die gestern 3500 bis 4000 betrug, erheblich verringert, ebenso in der Orenstein und Koppel-A-G.. wo gestern etwa 600 Arbeiter streikten. Im ganzen dürsten heute noch nicht ganz 4000 Arbeiter von den hier beschäftigten 70- 80 000 Mann im Streik stehen. In der Siemens-Stadt wird in den Siemenswerken ebenfalls durchgängig gearbeitet.^ Die Belegschaften der einzelnen Werke haben sich gegenüber der Streikaufforderung meist völlig ablehnend verhalten und sich aus den Standpunkt des vom Kartelloerband deutscher Werk- vereine (der sogen. Gelben) verbreiteten Aufruf gestellt, der vor der Beteiligung am Streik warnt. Kassel, 30. Jan. Eine Arbeiter-Versammlung beschloß, morgen den Streit auf sämtliche Rnstungsbetriebe übergehen zu lassen Ast dann würden mehr als 20 000 Arbeiter und Ar- beiterinnen streiken. Heute abend wurden 3200 Streikende gezahlt. Die hauptsächlichsten Betriebe, in denen gestreikt wird, sind die LoLomotivsabrik von Hentschel und Sohn, die Aktiengesellschaft Hahn für Optik und Mechanik und einige Betriebe der Textilindustrie. Essen, 30. Jan. Die Streitbeioegung im Rheinisch-Westfälischen Jnd:ssiriebezirt hot keinerlei Fortschritte geinacht. Bei der Firma Krupp-Essen feierte ,i heute bei einer Belegschaft von 120 000 Mann nur 300 Mann, die beschlossen haben, morgen früh mit der Arbeit wieder zu beginnen. Im Kohlenbergbau sind nach den neuesten Meldungen von einer Geso.mtbelegschast von 420 600 Mann etwa zrvei Prozent der Arbeiter ausständig in 14 Betrieben, hauptsächlich im Dortmunder Bezirke. Bei der Rheinischen Metallwarenfabrik wird «icht gestreikt. Im übrigen ist alles ruhig. Hamburg, 30. Jan. Aus Anlaß deB Streiks der Hamburger Werftarbeiter wurde vom stellvertretendeit Genera lkom- man*» des 9. Armeetorps der verwarne Kr..gszujtand über Hamburg. Altona und Wandsbek verfügt. Die Zahl der Streikenden beträgt etwa 25 000. Ein heute erfolgter Anschlag des stellvertretenden Generalkommandos besagt, daß die Kriegs- betriebe unter militärische Leitung gestellt werden, und daß die Arbeiter, die am 31. Januar früh nicht zur Arbeit erscheinen, zum Heeresdienst eingezogen werden. Ja Schlesien wird gearbeitet. Breslau, 30. Jan. Die Ausstandsbewegung hat in Schlesien keinerlei Anhang gefunden. Sowohl in der Breslauer Rli, sinngsindufttie als auch im oberschlesischen und Waldenburger Grubenbezirk ist die Arbeit in vollem Gange. Arbeitsnied.'c- legungen haben nicht stattgefunden und sind auch nicht zu befürchten. Wie der Kauer den Krieg erle' t. Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht Johannes Weisser m der „Süddeutschen Zeitung" eine Reihe von 'Aufsätzen, die ganz vortrefflich geschrieben sind. Wir greifen nur einiges heraus: Und wieder ein anderes Bild Es. ist Heuernte. Der Pfarrer geht früh morgens zur Bahn. Dort warten schon 30 Stadtkinder auf ihn. Sie sollen alle in unserem Dorf (von 1800 Seelen) untergebracht werden Ich wundere mich ja, daß so viele Familien bereit sind. Aber der Geistliche hat die Not der Mütter in der Stadt so warm geschildert. Im Konfirmandensaal werden die Kinder verteilt. Sie dürfen 1-2 Monate bleiben, wenn sie artig sind. Es wird eine harte Arbeit sein, bis alles klappt: fiir einige Kinder muß bald ein neues Haus gesucht werden. In 12 Familien muß einmal der Geistliche für ein einziges Kind anklopfen, und er hat's doch nicht unter- gebracht. Neben manchen häßlichen. egoistischen Abweisungen finden sich viele cffene Türen Dabei kann man wieder einen Blick in die ungeheure Arbeitslast tun. die während der Sommermonate auf den Schultern unserer Bauern liegt. Die eigenen Kinder finden kaum noch genügend Pflege, die Lebensmtt. tel, vor allem Brot, wurden den Bauern für diese Zeit viel zu knapp zug-emessen. — da soll er auch noch den Städtern ihre Kinder mtt durchfüttern? Er hat's getan: nicht gern, aber wenn er beim Herzzipfel gefaßt wird, und er sieht die Not. so teilt er doch wieder gern auch das letzte Stücklein Brot mit dem Bruder. Wie sind die blassen, mageren Stadtkinder gebräunt, mit festeren Backen und strahlenden Augen wieder in die Großstadt zu- rkickgekehrt. 4, 8, 12 Pfund haben manche zugenommen. Habt ihr nicht Grund, den Bauet« zu danken, ihr Städter? * Noch ein Bild: In den letzten Iuliwochen kamen von Mannheim, Schwetzingen. Heidelberg. Neustadt, Saarbrücken, und wer weiß woher, täglich Frauen und Kinder, um Kartoffeln zu taufen, zu betteln. (Dasselbe Bild hatten wir in nicht minderem Maße in der Wetteran und überhaupt in allen ländlichen E meinden des unteren Maingebiets Aus Frankfurt, Offenbach, Hanau Fechenheim, ja aus dem Siegerland sind sie in Scharen gekommen.) Von Haus zu Haus gingen sie — ein ergreifender Beweis der aufs Höchste gestiegenen Not. und zugleich ein Bild der Unseßhaftigkeit, Heimat- und Vodenlsswkeit vieler Volksgenossen. An manchen Türen wurden sie hart ab- gcwiesen gewiß! Aber wenn's Abend war. trugen sie doch alle ihr Säcklein voll Kartossel,; zum Dorf hinaus. Nicht mehr pfundn^eise, nur noch stückweise konnten die Bauern hergeben, aber gegeben haben sie doch? „Der Bauer hat immer noch mehr als der Städter'" Ist das wahr? — Ja natürlich! Me der Händler mehr hat als der Kunde, wie das ..Schokoladefraulein" im Geschäft immer noch etwas mehr in ihren Schubladen hat. als die feinste Dame, die in den Laden tritt, so auch der Bauer. Er gleicht einem Sack, der immer noch stäubt, wenn man draufschlägt. Und webe dem Volk, wenn's nicht so wäre! Jetzt können wir's offen sagen: Es wäre für unser Volk ein Unglück, vielleicht eine Katastrophe gewesen, wenn nicht all die Zelt über Tausende von kleinen Lebensmittelbächlein heimlich vom Land in die Stadt geflossen wären. Sie haben auch das Durch- haltcn ermöglichen helfen. Ueberhaupt, was bat der Bauer im Stillen und Verborgenen Gutes getan. Wohltat erwiesen. Darüber kann aber vermutlich niemand so offen reden, wie der Geistliche. Was wunder, wenn er auch der beste und sachkundigste Verteidiger des Bauern ist. Etwas anderes und sehr Wichtiges zeigen die letzten Bilder noch' Den ungeheuren volkswirtschaftlichen und moralischen Segen des eigenen Grund und Bodens. W'lche Urlauber gehen kn diesem Sommer gern nach Hause? Die Bauern oder die Städter? Die Städter haben wohl nichts zu arbeiten, aber auch nichts zu essen. Der Bauer aber, der auf Urlaub kommt, kriegt Zwar alle Hände voll Arbeit — wett mehr als an der Front an ruhigen Tagen, aber er braucht sich nicht zu sorgen, ob den Kindern die Freude des Wiedersehens mit größerem Mangel verdorben wird. Die Urlauber vom Lande, die mit Päckchen reich beladen zur Front zurückkehren. sollten nicht nur den Neid der Kameraden aus der Stadt, sondern ihren Wunsch wecken' Wenn sie im Frieden heimwärts ziehen, möchten ihnen auch solche Heimstätten winken. Kriegerheimstätten, wo sie ihr Familienolück schöner und besser als vcrher wieder aufbauen und wo sie für die zwei wichtigsten sozialen Voltsfragen: Was sollen wir essen, wo sollen wir wohnen? die für einen deutschen Krieger glücklichste Lösung finden können: Eigenes Heim und Land. Der Bauer hat im Krieg sein Wesen so wenig geändert, wie irgend ein anderer Stand. Er ist noch heute der zurückhaltende? bedächtige, beharrliche ruhige Mensch. Die Zukunst wird Männer aus solchem Holz nötig brauchen. Und noch etwa» ist beim Bauern im Krieg gleichgeblieben! Die starken sittlichen Kcäste, die tiefen, seelischen Schätze des Gemüts und der Frömmigkeit, die unter der rauhen, zähen Außenseite verborgen und geschützt noch ruhen. — Reserven der inneren Kraft für die ganze Na. tton. Das Land bleibt der Nibelungenhort des sittlich-religiösen Lebens eines Volkes, und die Vauernfamilie die Trägerin und Pflegerin der chri sil ich- i dea listi scheu Weltanschauuga in unserem Deck. Wer sein Vaterland lieb hat, wird mir zustimmen, wen« ich sage-. Hut ab vor dem Bauernstand! Nun das letzte Bildl Der Sonntag auf dom Land. Wie feierlich uird stille beginnt er. Auf den taufrischen Miesen ums Dorf und auf den sauber gekehrten Straßen liegt Sonntagsfriede. Du schreitest von draußen ins Dorf herein. Siehst du den stillen Gruß der Blumen an. den vielen kleinen Fenstern rechts und links? Frisch gewaschene Kinder »in den Sonntagskleidchen haben sich bei der Hand^ gefaßt und spazieren gemächlich vors Dorf. Keine Spur von Unruhe Wie das wohl tut? Um 10 Uhr läuten die Glocken: ach nein, nur eine, die beiden anderen find kürzlich auch eingerückt. Das Kirchlein füllt sich aber doch. Sie kommen alle und femmen gern Sie empfinden den gemeinsamen Gottesdienst cl- eine Wohltat, sin Bedürfnis. Einmal in der Woche feine Gedanken erheben zu dürfen über das Irdische zum Himmlischen, von der Arbeit zur ewigen Ruhe. Da wird das gemeinsame Lied zum Bekenntnis zum Gebet, und die Predigt aus Gottes Wort wird zum Licht, das alles Irdische beleuchtet und verklärt. Groll und Trotz, Unmut und Unwille schwinden, vielen wird das Herz leichter, das Auge wieder frei und froh. Und wenn der Andächtige aus dem Frieden seines Gotteshauses heraus- trrtt erquickt, gestärkt, erbaut, so nimmt er die Lasten und die Sorgen des Krieges wieder lieber auf die Achseln. Und er wird sie willig tragen, bis der Friede erkämpft ist, ja noch tief in die Friedensjahre hinein. Sein Glaube, fein Heim, fein Brot hilft ihm siegen. Wenn einstens der Weltkrieg der Vergangenheit angehört. wenn die Taten unseres herrlichen Heeres im strahlenden Glanze der Geschichte wetterleben. wenn dre Leistungen unserer Munitionsarbeiter und -arbetterinnen in ihren feuerspeienden Essen und lärmenden Eisenhämmern ein besonderes Ruhmesblatt des Heimatheeres sind, — dann soll sich doch auch ein stilles Leuchten lec-en auf das, was auf dem Land geschehen ist und „Wie der Bauer den Krieg erlebte". ssMiMOm fiir die Wichen KnkWtfarlSklit«. Die fetzt mit Rußland gepflogenen Friedensverhandlungen rücken für die Landwirtschaft auch die Frage des Ans° tausches der Kriegsgefangenen in den Mittelpunkt des Interesses, und die zweckmäßige Löiung derselben wird für die Landwirtschaft tote für die gesamte deutsche Volkswirtsckaft von hervorragender Bedeutung sein. Tie russischen Kriegsgefangenen stellen einen sehr wesentlichen Teil der in der Landwirtschaft überhaupt tätigen Arbeitskräfte dar. und idre plötzliche d Rückführung wurde die landwirtschaftliche Er- Zeugung in einem Umfange lahmleqen, welcher dem ganzen Wirtschaftsleben die schwersten Schäden bnngen mußte. Es darf daher wohl erwartet werden, daß die deutschen Unterhändler solche Bedingungen mit Rußland vereinbaren durch welche bei der Wegnahme der russischen Kriegsgefangenen kein Rückgang in der Nahruugsmittelpreduktion zu befürchten ist. Eine solche Gefahr ließe sich am sichersten vermeiden, wenn die Rückleitung der Kriegsgefangenen seitens der maß. gebenden Behörden tnt engsten Einvernehmen mit den ein- Aelnen Landwlrttchaftskammern und ihren Arbeitsnach- weisen erfolgte, und wenn für jede Zurückziehung der Gefangenen - aus landwirtschaftlichen Betrieben ausreichender Ersatz beschafft würde. Den besonderen Verhältnissen der einzelnen landwirttchaftlick^n Betriebe wäre nach Möglichkeit Rechnung zu tragen, insbesondere müßten die Gefangenen im Rahmen des Gesnmtrücktransportes den kleinsten Betrieben, sofern ein Ersatz nicht vorhanden ist. am längsten belassen werden. Bei der gesamten Rücklcitungsmaßnabme müßten die Kriegsgefangenen aus der Landwirtschaft erst in letzter Linie entnommen werden, da hier erfahrungsgemäß eine . Ersatzbeschaffung viel schwieriger ist als in der Industrie und in städtischen Berufskreisen, zu denen ohnehin schon trotz des Bestehens des Hrlfsdienstgesetzes eine Ab- wanderurrg landwirtschaft!iä>er ' Arbeitskräfte stattgefundur hat. Als Ersatz fiir die in der Landwirtschaft tätigen Kriegsgefangenen kämen in erster Linie die im Heere stehenden älteren Jahrgänge in Betracht, deren Entlassung, soweit es die mtiitärischen Interessen gestatten, nach ihren'alten ländlichen Arbeitsstellen erfolgen müßte. Daß die weitere Sicherstellung der Anwerbung von Arbeitern in Polen und Rußlllnd m den Friedensverträgen gegeben sein muß, ist selbstverständlich. Unter den russischen Kriegsgefangenen wird sich auch eine nicht geringe Anzahl solcher Leute befinden, die infolge der inneren russjsckM Ereignisse und chrer Erfahrungen während der Gefangenschaft kerne Relgung verspüren, nach Rußland zurückzukehren, und die freiwillig in der deutschen Landwirtschaft verbleiben wollen So'chen Bestrebungen der Gefangenen (wohl utetft Deuttch Russen) müßte man unsererseits nach jeder Richtung hin entgegenkommen; ebenso aber auch denjenigen Gefangenen, die znrar erst einmal nach ihrer alten Heimat reisen wollen, später ater zu der ihnen liebgewordenen deutschen Landarbeit zurückzukehren beabsichtigen. Eine weitere Vermehrung unserer Landarbeit^ mste ließe sich fermer durch erhöhte Zuweisung italienischer Kriegsgefangenen erreichen, .sowie durch die an Rußland zu stellende Forderung, die aus den Ostprovinzen wrtgeführte Zivilbevölkerung vorweg ohne Gegenierstung auszustefern. Von diesen säst ausschließlich vom Lande stammenden Leuten dürfte zweifellos ein großer Prozen! fast bereit sein, in der deutschen Landnnrtschäft zu arbeiten. Endlich müßte die Heeresverwaltung, wo es nach notwendig sein sollte, sachkundige Arbeitskommandos bi! den und diese den Gemeinde und Gutsbezirken nach Bedarf überweisen. Auch die Bereitstellung von Fuhrkommando?, die Rückleitung landwirtschaftlicher Maschinen usw. wäre Mrtec maßgebender Mitwirkung der Landwirtschaftskam- «ern in die Wege zu leiten. Da m der Uebergang». und ersten FriedenSzeit bei dem allgeminen Mangel an Arbeitskräften zu besorgen ist. daß durch die höheren Geldlöhne der Industrie und das ab- wechstungsrelchere Stadtleben ein weiteres Abströmen vom Lande eintreten kann, muß von den für die Aufrechterhol. tung der landwirtschaftlichen Produktion verantwortlichen Behörden erwartet werden, daß sie so lange für die zurück- geleiteten Kriegsgefangenen Ersatz schaffen, bis die Land- Wirtschaft selbst in der Lage ist, auf dem Wege des freien Arbeitsvertrages sich die erforderliche Anzahl der Landar- belter heranzuziehen. Von den berufenen landwirtfchaft. lichen Körperschaften sind, wie wir hören. Anträge im Sinne der obigen Ausführungen bei den maßgebenden Stellen bereits gestellt. Unter Kcileid! Die Frankfurter ..Volksstimme", auch ein Mitglied der glorreichen Erzbergor-Payer-Scheidemann-Mehrheit des Reichstages brachte vorgestern folgendes blutrünstige Gedicht: Der arme Konrad. (Einsendung aus dem Felde.) Ich trag mein Elend durch das Land, Der arme Konrad bin ich genannt. Den Ritter und den Pfaffenknecht, Den trifft mein Stecken, schlägt mein Recht, Drauf Trommel und schlag Stürmen an, Der arme Konrad rückt heran. And ob mein Leib in Lumpen staht. Ich weiß, daß meine Sonne naht. Der Tag. der kommt und macht «ns frei, Zum Teufel. Daterlandspartei? Ob unsrer Herten Tritte Zug Schwebt andrer Vögel schwerer Flug. Herr, segne unsre Waffen. Tod Rittern und Tod Pfaffen? Martin Straßer. Wir können nicht umhin dem Zentrum unser innigstgefühl- tes Verleid auszusprechen, zu der freundlichen Gesellschaft, in die es durch den Erzberger geführt worden ist. Dom Felde der Ehre. Friedberg. Dem Anteroffizier Ferdinand E i ch l e r. im Landsturm-Insanterie-Vntaillon Friedberg wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen und zum Sergeanten befördert. — Dem Landsturmmann Arno L ö ch n e r wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. Herzlichen Glückwunsch. Rodheim. Dem Gefreiten Rullmann, beim Feldartl.- Regiment 87 (Reg.-Stab). wurde die Hessische Tapferkeits- medoille verliehen. Echzell. Musketier Lldolf Stall, Sohn des Landwirts Philipp Stell I erhielt das Eiserne Kreuz 2. Kl. — Oberjäger Wilhelm Spengler, Sobn des Landwirts Wilhelm Spengler II. wurde mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Wir gratulieren. Ans der Heimat. )( Das städtische Schwimmbad ist am Freitag den 1.. Samstag den 2. und Sonntag, den 3. Februaren den festgesetzten Stunden geöffnet siir Brause- und Wannenbäder. Am? Erleilbterun-g bei der Awangsnmlage resp. das Nb- fchlachteu der Schweine hat die Gr. Regierung die Viehhandels, verbände angewiesen: 1 Alle Ferkel unter acht Wochen sind von der Umlaae frei: 2 Die sein gen Personen, die Ferkel für ihre Havsschlachtunaen ab 1 Oktober 1918 bereits erworben haben, oder aus ctgencr Zucht besitzen, dürfen diese Ferkel behalten, sofern sie sich über den Besitz von Futtermitteln answeisen. die zur menschlichen Ernährung nicht geeignet sind. 3. Diejenigen größeren Betriebe die im Sommer hauszuschlachten pflegen oder die mit R-'^llcht auf ihre Versorgung in diesem Sommer hcmssckle/'eu r' “en, dürfen die dafür bestimmten Schweine znriw ^ie Erleichterungen wurden im E'nverständ- nts mit dem Kr• gseruöhrungsamt getroffeu. Echzell. (Berichtigung.) Durch ein Versehen im fcTtriocn Bericht über den Verlaus der Abendnnterhaltung des Turnvereins der Gebrüder Ewald nicht gedacht. Es war in erster Linie Otto Ewald, der in 3 Nummern des Programms sich durch ein tadelloses Spiel auszeichnete. Der aus der Veranstaltung erzielte Gewinn wird an dos Rote Kreuz abgeliö- fert werden. Büd*shemu Samstag, den 26 Januar, abends 8 Uhr, fand in der Wirtschaft von Linneberger die vom Kr legerverein, dem sich noch andere Ortseinwohner anschlossen, veranstaltete Feier von Kaiser Geburtstas statt. Vorsitzender Philipp begrüßte mit herzlichen Worten die Anwesenden, worauf Lehrer Will in begeisterten Worten das Kaiserhoch ausbrachte. Lehrer Flach Großkarben hielt dann einen mit Beifall aufgenom- nrenen Vortrag über „England und der Weltkrieg". Der Vor- sitzende sprach dem Redner den wohlverdienten Dank aus. Die ganze Feier verlief in der schönsten Weise. Sonntag abend 7 Uhr fand Festgottesdienst statt. l< Aus dem Kreise Büdingen, 29. Jan. Nachdem wegen Weigerung dcr Speckabgabe bereits über 100 Landwirte Geldstrafen erhalten haben, wurden wogen desselben Vergehens neuerdings weitere 210 Landwirte aus dem Kreise mit Geldstrafen von 3 bis IW Mark belegt, darunter sind aus Wenings 46 Spe üveigerer. von Bingenheim und Echzell je 19, von Nie. dermonstadt 16 und von Düdelsheirn. 14 usw. l'O. Schottxn. 29. Jan. Für die Kreise Schotten und Büdingen soll eine Wvgn-er-Jpnung in Kürze errichtet werden. sr. Hang«, 29. Jan. Die städtische Notstandskommisfion hat beschlossen, die Streckung der Wurst mit Kohlrüben vornehmen zu lassen . sr. Bergen (Kr. Hanau). 29. Jan. Unter der Beschuldigung, den Tod ihres Erckelkindes fahrlässigerweise verschuldet zu haben, mußte sich die Ehefrau des Gärtners Jakob Weil von Bergen vor der Hanauer Strafkammer verantworten. Aiq 18. Oktober v. I war die Angeklagte in ihrer Küche mit dem Zurechtmachen der Wäsche beschäftigt. Während sie einen Tops mit kochendem Wasser von dem Herd auf den Boden stellte, um für einen anderen Topf Platz zu gewinnen, stieg hinter ihrem Rücken der ihrer Obhut anvertraute drei Jahre alte Junge ihrer verheirateten Tochter von seinem Stühlchen, fiel hinterrücks in das Wasser und verbrühte sich am Gefäß und den Oberschenkeln so schwer, daß er noch in derselben Nacht kurz nach seiner Einlieferung in ein Frankfurter Krankenhaus, verstarb. Der Gerichtshof sprach die Frau unter Uebernahme der durch das Verfahren entstandenen Kosten auf die Staatskasse aber mit der Begründung frei, daß nicht zu erkennen fei. in welcher Weif« sie die übernommenen Pflichten außer Acht gelasien haben sollte. Daß sie daran denken konnte, daß so etwas passieren würde, das liege so fern daß ihr hieraus kein Verschulden nachzuweisen sei. Es hebe sich bloß um Augenblicke gehandelt, und wenn sie den Topf statt auf den Boden auf einen Stuhl gestellt und das Kind an ihn geraten wäre, hätte möglicherweise noch Schlimmeres passieren könneri. l'O Oberbessivgen, 29. Jan Im Alter von 73 Jahren vet* starb hier plötzlich Bürgermeister Kühn. FC. Bom Taunus, 29. Jan. Fabrikant Wilhelm Ochs, der sich große Verdienste um das Emporblühen des Kurlebens i» Schmitten erworben, ist dort im 63. Lebensjahre nach langem Leiden gestorben Aus Starkenburg. Hahn bei Pfungstadt. Dieser Tage stürzte hier der 16 Jahre alte Schornsteinfegerlehrling I. Ztssel aus Pfungstadt bei der Arbeit vom Dache des Schulhaufes ab und trug schwer? innere Verletzungen davon. FC Goddelau, 29. Jan. In der Nahe des Ortes wird is Kürze ein großes Barackenlager als Sammelstation für heim- kehrende Truppen errichtet. FC. Dieburg, 29. Jan. Im nahen Münster wird ein« bäuerliche Bezugs- und Absatz-Genossenschaft G m. b. H. ge- gründet. Eine Anzahl Landwirte haben ihren Beitritt zu dieser Genossenschaft bereits erklärt. Aus Rheinhessen. FC. Mainz, 29. Jan. Im hiesigen Eüterbahnhof wurde« mehrere Schaffnerinnen festgenommen, die sich an Frachtgüter« in den Eilgüterzügen Köln— Eeblenz—Mainz vergriffen hatten. FC. Aus Rheinhessen, 29. Jan. Weinbergsparzellen werden in den letzten 14 Tagen in Bechtheim zu hohen Pressen i« größerer Arizahl umgcfetzt. Pro Klafter wurden 12—20 Mark gezahlt. Der Umsatz betrug im ganzen 82 000 Mark. Aus Hessen.Nassau. FC. Wiesbaden, 29. Jan. Frau von Ludeudorff, die Gattin des Generalyuartiermeisters, ist hier zum Kurgebrauch ei»» getroffen und im Hotel Rose abgestiegen. FC. Wiesbaden, 28. Jan. Nach heiß umstrittener Wahl während der Hauptversammlung des Alldeutschen Verbandes (Ortsgruppe Wiesbaden) wurden gestern gewählt zum ersten Vorsitzenden Iustizrat Dr. Fleischer (Fortschrittliche Volkspar- tei), zum zweiten Vorsitzenden Generalsekretär Auding (Natl.), zum Schriftführer Kaufmann Hofmann (Natl.). und zum Schatzmeister Major a. D. von Krosigk (konservativ). FC. Wiesbaden, 28. Jan. Einen bösen Herelnfall erlebte hier eine Frau, die einen größeren Vorrat Mehl hamstern wollte War da zu ihr dieser Tage ein etwa 18jähriger junger Mann gekommen mit einer Probe von gutem Weizenmehl, das er ihr zum Preise von 3.50 Mark das Pfund anbot. Die Fra, ging glatt auf den Handel ein und bestellte. Daraufhin lieferte ihr der jugendliche „Händler" ein Paket im Gewicht von 40 Pfund, erhielt fein Geld und verschwand. Als die Frau das Mehl in Gebrauch nehmen wollte, stellte es sich heraus, daß sie statt Mehl Gips gehamstert hatte. FC. Wiesbaden. 28. Jan. Der Magistrat beschloß, das ausgegebene Notgeld. 50- und 10-Pfennig-Scheine einzuziehen, da die Scheine sich zu schnell infolge des unpraktischen Papiers abgegriffen haben. Die 50-Pfennig Scheine werden auf besserem Papier hergestellt, während für die 10-Pfennia Scheine achteckige Münzen geprägt werden, und zwar im Betrage von 200 000 Lezw. 300 000 Mark. FC. Aus dein Kreise Biedenkopf, Der Händler Karl Grebe und der Ziegeimeister Halt aus Wallau im Kreise Biedenkopf hatten in den Jahren 1916—1917 gemeinschaftlich größere und kleinere Mengen Fleisch, Del, Getreide. Mehl usw. ans dem Kreise Biedenkopf nach dem west- fälischeu JndustriebeZirk unbefugt ausgeführt und ru höheren Preisen verkauft. Für Roggenmehl nahmen sie 90 Pfennig, für Gerste ISO pro Pfund, für Rüböl ließen sie sich 22 Mark für den Liter bezahlen. Die Strafkammer Marburg verurteilte Grebe wegen fortgesetzten Vergehens gegen die Kriegsgesetze zu drei Monaten und eine Woche Gefängnis. sowie zu 3000 Mark Geldstrafe. Halt kam mit 800 Mark Geldstrafe davon. FC. Nastätten, 29 Jan Der Landwirt Philipp Wilhelm aus Buch wurde vom Schöffengericht zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er nicht dazu zu bringen war. die vorgeschriebene Butlermenge cm die Sammelstelle abzutiefern. FC. Esserseld, 29. Jan. Auf der Grube Eiseuhardter Tiefbau wurde der Bergmann Rudolf Hees verschüttet und getötet. FC Aus Kurhessen, 29. Jan. In der Rahe von Oberdünzebach wurde ruf einem morastigen Acker eine 78jahrtge Frau vvu hier tot aufgefunden. Die Frau hatte ihre Tochter lu einem Nachbarort besucht und hat sich auf dem Heimweg auf einen durch die Schneeschmelze aufgrateichten Acker verirrt, sank ein und kam so um. Vecantworttich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg', für den Anzeigenteil: R. H e y n e r. Fciedberg. Druck und Verlag der „Neuen TageS-ettrlNg^. U. CK Arredkum » G\ Grane Gefahren. Roman aus der Gegenwart von M. Gvntard. Schuck. 2 ; -achdruck verboten. "Du übertreibst, Helen! Wer spricht denn von Entbehrungen? Zwischen übermäßigem Aufwand und Ent° lehnlngen ist ein großer Zwischenraum. Ist der nach } mer Ansicht teer? Aber wozu streiten wir uns denn? I'ch habe Dir gesagt, daß mein Entschluß, wieder Offizier zu werden. wohl überlegt ist, und ebenso habe üb Dir gesagt, daß er unwiderruflich ist. Meine Nückberufuna ist bereits bestimmt." "Aber ich will nicht, Alfred! Hörst Du denn nickt? Es -st der reine Eigensinn von Dir. Tu mit Deinen Kenntnissen. Deinen Aussichten, ich nüt meinem Vermögen. Laß deck arme Offiziere Dienst tun! Uns stehen andere Bahnen osten!" „Ja, ja, ich weiß schon! Der Sfecg nach Nom, den Dein Vater uns ebnet!" rief er heftig. „Und warum auch nicht? Du solltest Dich freuen, daß Papas Macht fo weit reicht." „Ich danke! Ich lehue es-ab, meine Stellung Sir Edward Douglas zu verdanken und von ihm abhängig zu fern. Ich kann mir den Weg, den ich aehen will, allein suchen!" Seine Augen blitzten. Die lange zurückgehaltene Er- regung hatte ihn nun doch übermannt. In Helens Angen glomm etwas wie Mißtrauen empor. ..Von Papa abhängig? Wie meinst Du das? Du bist im höchsten Grade undankbar. - Papa hat es sicher gut nüt Dir nn Sinn gehabt. Ich weiß es von Archibald. Eine Zlänzende Laufbahn hättest Du haben können!" Er lackte spöttisch. „Sehr liebenswürdig von Deinem ^ater! Sehr liebenswürdig. Leider muß ich danken. Ich sorge nbon selbst für mich. Aber lassen wir das nun. Mit ein klein wenig Entgegenkommen wirst Du Dich drau gewöhnen, künftig in Deutschland zu leben." Er stand auf r^ssswsr-ci-s» imö trat hinter ihren Stuhl. „Nun komm, Helen, sei lieb Du wirst sehen, wie nettes ist. .Kiel ist eine wunderMne Stadt. Die Damen sind alle reizend. Und ein fo nettes kameradschaftliches Verhältnis herrscht dort, das Dir gewiß gefallen wird. Sei nur erst mal dazwischen." Sie hielt ihr Taschentuch vor die Augen. „Kleinlich ist alles! Und Du hast Dienst und Dienst und wieder Dienst. Ick weiß es sä)on, ihr Deutschen seid ja schrecklich mit eurem Soldatenspielen. Heute naüxmittag gehen wir zu den Eitern zum Tee. Wenn Du Mut hast, kannst Du es dann ja gleich sagen." „Aber gerne," sagte er gelassen. „Es ist die beste Gelegenheit. Und ich hoffe, die Mama wird Dir zureden. Dich hinein zu finden."- 2 in Leezimrner von Helens Mutter brannte trotz des warmen Wetters das Kaminfeuer. Die Wände in dem alten Palast waren dick und feucht und die Sommerwärme fand erst spät Eingang. ^ Wie immer saß Miß Hardinge mit ihrer Schwester am Teeusch, und wie immer wartete die streitbare Dame darauf mt ihreni Schwager die Klingen zu kreuzen. Zn ihreni lebhaften Verdruß sollte es heute nicht dazu kommen. Eben barte Sir Edward Douglas aus den Händen seiner Gattin den Tee in Empfang genommen, als Helen und Alfred ins Zimmer traten. „Na, Helen!" sagte Sir Edward nach der Begrüßung und musterte die Tochter mit scharfen Blicken. „Was ift *rnlt 2)ir? Bös Wetter? War der Fred nicht folgsam heute?" Ec sagte es lächelnd, * lim Helens Fassung aber war es nach den ersten W- geschehen. Sie drückte ihr Taschentuch vor die Augen. Papa!" schluchzte. sie, „denke Dir, Fred will wieder Deutschland. Er will wieder bei der Marine elntreten." Sir Edlvard setzte langsam feine Tasse nieder. Ausdruck grenzenlosen Staunens trat in seine kühlen, beweglichen Augen. „Hm! Das ist allerdings eine lleberraschnng," sagte er dann langsan!, jedes Wort überlegend. rrten „O, nach Ein un- ?{ ä “ ttc 5, TU'kn-at >v:n,u- er x rt. daß hier «ti äußerster Vorsicht 311 Werke g.--)auzen leerten mußte. ..Sie waren uor kurzem in Berlin. lieber Werktzckm?» fragte er freundlich. , ..Nick>t eigentlich in Berlin. Ich war ans Tann?:,b>ra bei nieineni Vater." Sir Edward war das kurze Zögern nicht entgangen. ..Lo. 10." sagte er leichthin. „Dann bat sich Litton wohl eeirrt. Er glaubte, Sie nämlich in der Wilhetinstraf,» ae- sehen zu haben." Alfred richtete sich ans. „Doch nicht, Papa! Ihr (*>. wahrsmann hat ganz recht gesehen. Wenn ich anch nicht ^wnstjick in Deutschland war, so schien es mir doch selbst- verständlich, daß ich vor meiner Abreise im Amt anfragte, ob man irgendwelche Aufträge für mich hätte." „Gewiß, gewiß! Ganz selbstverständlich!" dl ach einigen Minuten des lleberlegens «sagte er' ,/Sie waren kurz vor Ostern drüben, nicht wahr? Hörten Sie damals schon etwas von diesem Antrag, von dem vorgestern die Blätter berichteten?" Alfred von Werkbeim sah seinem Schwiegervater q?* vabc in die Augen. „Wie sollte rch? Sie wissen so gut wie ich, daß es nicht Sitte ist, einen einfachen Marineattachö mit zu den Beratungen über weitgehende Negierungspläne heranzuziehen." „Hm, natürlich! Aber Ihr sonderbarer Entschluß, von dem Helen eben sprach, hängt er nicht damit zusammen?" „Ja und nein, wie man's nehmen will. Ausschlaggebend für mich aber ist — das Diplonratenleben gefällt mir nicht. Diese Schleichwege — dieses Um-denBroi-herum- gehen liegt mir nicht. Ich bin Soldat, das fühle ich von Tag zu Tag mehr. Ich liebe den geraden Weg. Bei der Vermehrung unserer Flotte brauchen wir Offiziere. Ich gehe also dahin, wo mein Platz ist. Ich werde auch dort meinen Weg machen, so daß Helen sich nicht zu beschweren braucht." Rmttetzung folnt Ach. es ist ja kaum zu 'assen, Tast Da nicht mehr kehrst ruruck' Eo jung mutzt Du Dein Lelen lassen. Zerstört ift unser ganzes Glück. TodeZ-Anzeige. ß Unerwartet erhielten wir die traurige Nachricht, daß mein lieber, treuer Gatte, mein herzensguter Barer, unser lieber Sohn, Schwiegersohn, Vruoer, Schwager und Onkel Wehrmann ÜSItl Gastwirt und Metzgermerster na ch^ lang er. treuer Pflichterfüllung für sein Vaterland im Reservelazarett zu Schwerin am 23. Januar im 41. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Södel, den 31. Januar 1918. M Im Namen der trauernden HinierdlieÄenen: Ottilie Ulrich geb. Ulrich und Sohn Albert. Tie Beerdigung findet Sonntag, den 3. Februar d. I., nachmittags 7 2 3 Uhr stakt. löktt.. Die ,ftei choer orgung der Etadt Friedberg.' Bekanntmachung £ieiöuva) bcknge ich zur äffen:- lichen Kenntnis. datz der Verlaus von : ind- und Kalbfleisch liir diese Woche cm Freira?, den i. Februar L Is. narck rittags von 2—L Uhr. >owre de ^cni'c von Lchweineflesich unb Wr-r. am Su - oiaq, den 2 . Februar l. Is. nachmittags von 1—5 Uhr ftatl- sindcr. i' vorstehende Verkaufszeit ist genau ein;uhaUen. een00. Januar Uck8. Der Bürgermetster. V.: Da in m. Eamsiag. den 2. Februar 1918 Brotkarten- u. Seifenkartsnausgabe Bezirk S. Altes Posigebäude l. Stock. Ar. 1—150 von „ 151—300 „ .. 301—450 „ ., 451—U00 „ „ 601 u. höher „ 8— 9 Uhr. 9- 10 .. 10-11 „ gii* :: HIHIHI ff in Paketen ä W Pfg. Paprika E in Pake um ü 20 Pfg. empfiehlt Kticdrlch Michel Orient,erg. Bezirk SSff. Schule in Fauerbach. Ar. 1—150 von 8—0 Uhr „ 151 u.höher.. 9—10 .. . „ __ Die vorstehende Zeckeinteilung ist genau eiuzuhalteu. Dir Lebensmittelkarte ist vorzulegen. Friedbsrg, den 30. Januar 1918. Ter Bürgermeister. 2. V.: Dam m. Bezirk Iff. MustumsgL^Mide, Haagstr. 16. 'Ar. 1-150 von 8—9 Uhr „ 151-300 „ 9—10 „ . .. 301-450 „ 10-11 ” I „ 451-645 „ 11-12 „ Bezirk 81 a. Altes Po 'gebäude I. Stock. Nr. 646—800 von 8—9 Uhr .. 801-950 .. 9-10 J .. 951-1100 „ 10-11 _ „ 1101—1250 .. 11-12 l 1251 u. höher.. 12—1 Rechmmgen Ein gut erhaltenes in allen Formaten tiefe« chnelt n.> billig lleue.Fa-zesfkitullg- A >G. dllehrere Holländer i äffiKlmiirr Ijisiiiilen iFirm. Rich. ßipp)i füt: 250 Watt I für die Zucht, 10 Monale alt, zu zu »e,kaufen. >Ech! Nutzbaum). verlaufen. Frau Lehrer Schäfer Ww«.. \ Mb. Schäfer. Gärtner. Walleruhaujeu b. v.idda. Walleruhau,«« b. Atdda. Betr.: Die Abfuhr des Ke richts und der Hansabsäiie innerhalb der Stadl friedberg. Kelranntmachrrng Wir bringen hiermit wiederholt uir äffen lichen Kenntnis, datz als Abladestelle für Hauste,richt, Asche und HausabfäUe usw. nur die von der Siadt gepachtete, zwischen der Main-Weser-Bahn und der Obeihe si chen Bahn nördlich des Viaoukls gelegene Kiehgrube benutzt werden darf. Die Ablagerung von Hausab- fällen aller Art an anderen Plätzen innerhalb des Stadlgebiels und der Feldgemarkung insbesondere aber auch an neu herzustellenden Stratzen. Feldweaen. Einlagen und Anlagewegen ist verbo.en und werden Uebertretungen vieler Art unnachstchUich zur Bestrafung angezeigt. Friedberg.den 30. Januar 1918. Der Bürgermeister. I. V.: D a m m. Soeben erschienen! Herzerquickend für unsere Feldgrauen! Mir dehaam. Gedichte aus der Kriegszeit in Hessischer Mundart von Wilhelm Philipps. 2m Selbstverlag des Herausgebers Preis Mark 1.— Erhältlich in sämtlichen Buchhandlungen in der Eeschäfts- ftelle der „vieuen Tageszeitung" und vom Herausgeber- Oberlehrer Philipps, Friedberg in Hesje^ Burgberg Nr. 2. U !!MUr Irulkslulie» filier Art in sauberster Aussührung liefert schnell und billig üi(M £t!|ti|(itnj|,M(Ri n. Strluf A.-6. Auf 1. April zuverlässiges Mädchen zu alleinstehender Dame ge ucht. Frau Direktor Basier, _Leonharditr. 22. Fast neuer Schmiede-Ambotz zu verlaufen. Wilh. Eckhardt, Okarben. Extra grotze Thüringer Neiferbessn alle Sorten Bürsten, Besen, Striegel, Toilette-Artikel, prima Rasier- u. Toilette- seise, prima Linoleum- und Parkettwachs alles in großer Auswahl. Theobald Steine! Bürftenfabrik Friedberg, Kaiierstrahe 117. Wres Nilillhen nach Darmstadt zur Führung des Haushaltes bei älterem Ehepaar auf jofort ge ucht. 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