Hummn* 23 Millmoch, den 30. Januar 1018 11. Jahrgang. Ueue Tttge s kr Franröstfche.nnd itaiieni,che Angriffe unter HZMgen DerOrsten ahgpWiesen. — Erfalgrci^e Lenche Fliegerangriffe; 13 feindliche Flugzeuge adgefchoffeu. — 18 000 Tonnen verjenlrt. ' . Der deutsche Genera Mab ^ meidet: = W. T. K. < istzes KarrptHnarLier, dsrr 29. Jarruar. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. An verschiedenen Stellen der Front Artillerie-Tätigkeit. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. In der Champagne entwickelten sich lebhafte örtliche Kampfe. Beiderseits der Strotze Hilcvirs bis St. Couplet scheiterten am Morgen kleinere französische Angrisfsunternehmun- gen. Unsere Stellungen zwischen den von Somme-Py und Ri- pont nach Südosten führenden Stratzen lagen am frühen Nachmittag unter heftigstem feindlichen Feuer. Unter seinem Schutze stietz französische Infanterie mit Flammenwerfern zu starken Erkundungen gegen mehrere Stellen der Front vor. Mit schweren Verlusten wurde sie, zum Teil vor unseren Hindernissen, zum Teil im Nahkampf, zurückaeworsen. Einige Gefangene blieben i» unserer Hand; mehrere Flammenwerfer wurde?» erbeutet. * Nege Fliegertötigkeit führte zu zahlreichen Luftkampfen. Wir schaffen gestern dreizehn feindliche Flugzeuge und einen Fesselballon ab. London und Sheerneß wurden erfolgreich mit Bomben bewerfen. Französische Flieger setzten ihre Angriffe gegen unsere Lazarette fort. Mährend im Monat Dezember die Lazarettanlagen von Nethel mehrfach das Ziel ihrer Bombenabwürfe waren, griffen sie in den letzten Tagen die Anlagen von Labry (östlich von Eonflans) an. Italienische Front. Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden ist von neuem heftiger Kampf entbrannt. DieVItaliener griffen gestern in Abschnitten östlich von Asiago bis^zur Brenta mit starken Kräften an. Am Monte Sifemol und westlich brachen ihre Angriffe vor den österreichisch-ungarischen Stellungen meist schon im Feuer zusammen. Der Monte di Val Bella, auf dem lie vorübergehend Futz fassen konnten, wurde ihnen im Gegenstoß wieder entrissen. Ebenso warfen unsere Verbündeten in dem Gebiet des Col del Roffo sowie zwischen der Frenzelasch'.ucht und der Brenta anstürmenden Feind nach schweren Kämpfen zurück. Wiederholte Versuche des Feindes, örtliche Einbruch.'- stcllen durch Einsatz seiner Reserven zu erweitern, scheiterten unter blutigen Verlusten. Zehn Offiziere und 350 Mann wurden gefangen Eines unserer BombengeschwadP: warf in der Nacht vom 26. zum 27. Januar mit guter Wirkung 21 009 Kilogramm Bomben auf Eastelfranco. Treviso und Mestre ab. Große Brände waren weithin sichtbar. Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Eeneralqrmrtiermsistrr'. Ludendorff. AikerrÄberrcht. Berlin, 29. Jan., abends. (WTV. Amtlich.) Von bcn Kriegsschauplätzen nichts Neues. ^^HHerr-eichische GrneraMak jj meidet: . — Ü Wien, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver- lautbart: ^ Auf der Hochfläche von Alsiago ging der Italiener gestern nach dreitägiger Artillerievorbereitung zum Infanterieangriff über, der zu schweren Kämpfen um den Col del Roffo und den Monte dl Va! Bella führte. Dan? der zähen Ausdauer der tapferen Verteidiger blieben beide Höhen nach wechselvollem Gingen mit dom an Zahl stark überlegenen Gegner in unserem Bclltz. Oertlichc Einbruchsstellen vermochte der Feind nicht zv errveitein. Im Westteile der Hochfläche brachen die italkni- !chen Angriffe bcreir- in unserem Abwehrfeuer zusammen. Bisher wurden zehn Offiziere und 35« Mann gefangen eingebracht Zur Kriegslage. reich waren und verschiedentlich Gefangene und Maschinengewehre zuruckbro.chten, setzten die Franzosen in der Champaane zu gewaltsamen Erkundungen größeren Stils stärkere Kralle ein. Am Morgen des 28. Januar erfolgte nach kurzer Artillerie- und Mlnenfenervorbereitung bsiderseit der Straße St. Scuplet-St. Hilaire der Vorstotz eines starken französischen Sturmtrupps gegen unsere dortigen Stellungen. Wirksam von unserem Soerr- und Maschinengewchrfeuer erfaßt, entzog sich der Gegner unter schweren Verlusten durch eilige Flucht unserem Gegenstoß. 1 Ubr 15 Minuten nachmittags setzte schlagkräftig erneut Fcuervorbereitung zu einem großzügigen feindlichen Patrouillenunternehmen ein. Unsere Stellungen südlich der Linie Sgmmepy-Rouvrois lagen unter starkem Trommelfeuer. Bereits um 2 Uhr nachmittags traten starke französische Sturmabteilungen gegen unsere Stellungen bei Butte de Ta» hure und Butte de Mesni! und westlich dieses Ortes zum Sturm an. Zum großen Teil brach der Angriff bereits vor unseren Drahthindernissen in wirksamem Sperrfeuer zusammen. An anderen Stellen wurden die Franzosen in blutigem Nahkampf unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. Hierbei wurden ihnen mehrere Gefangene und Flammenwerfer, die in großer Anzahl den Angriff unterstützen sollten, abgenommen. Zwischen Asiago und der Brenta haben sich die Italiener, die mit starken Kräften wiederbolt die österreichisch-ungarische Stellungen anariffen. eine schwere blutige Niederlage geholt. Außer den zehn Offizieren und 350 Mann, die sie während des mißlungenen Angriffes als Gefangene einbllßten, erlitten sie infolge des rücksichtslosen Einsatzes ihrer Reserven außerordentlich hohe blutige 'Verluste. Paris, §8 Jan. (WTB.) Der Materialtronsportdampfer „Drcme" und d?r Fischdampfer „Kerbhan" sind angesichts von Marserlle auf Minen gelaufen und gesunken. 40 Manu werden vermißt. Gine Antwort der Gntenl'. C-nf, 29. Jan. Der ..Matin" meldet: Der Ententerat ros kommenden Mittwoch wird eine gemeinsame Antwort auf die Berliner und Wiener Reden sestlegen. Die „Humanste" meldet, die Linkssozialisten haben eins Anfrage an die Regierung in der Kammer über ihre Stellungnahme zu. den Berliner und Wiener Erklärungen eingebracht. Clemenceau wird die Anfrage in-der nächsten Woche, voraus- l sichtlich am Donnerstag, beantworten. Verliu. 29. Jan. (WTV. Nichtamtlich.) An der Westfront lebte am 28. Januar bei aufklärender Sicht die Gefechtstätigkeit wieder auf. Während wir in Flandern und an verschiedenen Collen der Westfront in kleineren Unternehmungen erfolg18000 Tonnen versenkt. Berlin. 28. Jan. (ZvTB. Amtlich.) Unsere U-Boote fügten dem Feinde wiederum einen Verlust von 18 000 Brutto- registertcnnen Handelsschiffsraum zu. Drei große Dampfer wurden unter der irischen Küste versenkt. Zwei von ihnen fuhren in einem durch Zerstörer stark gesicherten Eeleitzuge. Einer der Dampfer war der bewaffnete englische Dampfer „Maxton" (3810 Bruttoregistertonnen). Der Chef des Admiral st abs oer Marine. 4 ÖtUiit, 28. Jan (WTB) Unter den U-Vootersolgen dieses Monats befinden sich Versenkungen, die für die Engländer besonders schmerzlich sind. Der „Daily Chronicle" berichtet am 9. Iastuar über den Verlust eines Lebensmittelschiffes. das einige Tage zuvor einen englischen Hafen, erreicht, jedoch, ohne gelöscht zu haben den Befehl erhalten hatte, nach einem andern Hafen zu fahren. Auf dem Wege dorthin wurde es versenkt. So ging das wertvolle Schiff mit der Ladung verloren, obwohl die ganze Ladung hätte gelöscht und mit der Eisenbahn zu ihrem endgültigen Bestimmungsorte geschafft werden können. Tie Sache t^irb das Unterhaus beschäftigen. Am 4. Dezember berichten die „Times" über zwei ähnliche Fälle. Von den versenkten Dampfern hatte einer Tee, der andere viertausend Tonnen Fleisch geladen. Beide hatten im ersten Hafen mangels Entladecinrichtungen nicht loschen können. Die Erregung unter der englischen Bevölkerung war groß, denn man rechnet nach, daß mit der versenkten Fleischmenge nach deutschen Verhältnissen 16 Millionen Menschen, die über ein Drittel der englischen Bevölkerung darstellen, eine Woche lang mit Fleisch hätten versorgt werden können m . Vom Seekriege. Stockholm, 28. Ja»». (WTV.) Wie das ..Stockholms Dag- blad" aus Gotenburg erfährt, ist der schwedische Lloyddampser „Sylyia" (2550 Tonnen) am 24. Januar vor der schottischen Küste versenkt worden. Bern, 28. Jan. (WTB.) Lyoner Blätter melden aus Madrid: Der.Marineminister bestätigt die Torpedierung des spanischen Dampfers „Giralda" (2194 Tonnen) durch ein deutsches Unterseeboot. Das Schis gehörte der Gompania Sevilliana de Navigazone. 26 Ueberlebende sind in Vigo eingetroffen. In Bilbao trafen 20 Ueberlebende von dem versenkten spanischen Dampfer „Victor de Chavarri" (2954 Tonnen) ein. Das Schiff hatte New Castle am 17. Januar mit einer Koblenladung ver- lassen und wurde am 21. Januar morgens 4 Uhr torpediert. Es sank innerhalb vier Minuten. Genf, 28. Jan. (WTB.) Nach „Petit Parisien" ist der englische Danrpfer ..Warsong" am IS. Januar aus der Höhe der Bretagne untergegangen. Sieben Mann der Besatzung sind infolge Kenterns eines Rettungsbootes ertrunken. 13 sind gerettet. Wiedcrbeginn da stlldkntzvtthlillWilgeri. In Breft-Litowsk. Wien, 23. Jan. (WTB.) Aus dem Kriegspreffecpiartier wird gemeldet' Feldmarichalleutnant von Cficeries ist in De» gleitung des Oberstleutnants Pskorny, des Korvettenkapitäns Wulff und des Majors von Horstenan heute nachmittag wieder in Brest-Litcwsk eingetroffen. Brcst-Lftowsk, 29. Fan. (WTB.) Im Laufe des ge- singen Tages sind in Vrest-Litowsk eingetroffen am Nachmittag: Der österreichisch-ungarische Minister des Aeußern Graf Czernin mit den übrigen Mitgliedern der österreichisch, ungarischen Delegation, abends: Staatssekretär v. Kühl- mann, der bayerische Staatsminister und ehemalige Ministerpräsident Graf Podewils mit Begleitung, ferner Groß- Wesir Talaat Pascha, der Minister des Aeußern Nessim Bey, der Botschafter Hakki Pascha mit einigen anderen türkischen Herren, endlich Teile der bulgarischen Delegation mit Oberst Gantichow an der Spitze. Heute vormittag gegen 1 / 2 12 Uhr ist auch Volkskommissar Trotzki in Brest-Litowsk angelangt. -Die auf russisches Ersuchen auf heute anberaumts Sitzung der politischen Kommission ist auf morgen vertagt worden. Trotzki gegen einen Sonderfrieden. Stockholm, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung der Petersburger Tel.-Agentur hat Trotzki auf dem dritten allrussischen Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte am Schlüsse einer längeren Rede folgendes erklärt: Tie russische Delegation wird ihre Forderungen nicht preisgeben. Sie wird keinen Separatfrieden schließen. Die Bewegung greift auf Polen und England über. Die Macht der imperialistischen und bürgerlichen Regierungen ist unterminiert. Das europäische Proletariat wird uns unterstützen. Wir kämpfen für eine gemeinsame Sache und wir werden siegen. M MMe in F'nrMd. Stockholm, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung von Svenska Telegrambyran. Aus Helsingfors wird vom 28. Januar nachmitttags gemeldet: Der Eisenbahnverkehr ist allgemein eingestellt. Mehrere öffentliche Gebäude, darunter das Senatsgebäude, sind von Roten Gardisten besetzt. Die Universität ist geschlossen. Zeitungen erscheinen nicht. Der Straßenverkehr ist sehr lebhaft. Rote Garde patrouilliert überall. Die Fernverbindung im Innern des Landes ist unterbrochen. Die Sitzungen des Landtages sind eingestellt. Die Eisenbahnbrücken bei Kuria Haapanäki sind gesprengt. Die Senatsmitglieder befinden sich in Sicherheit Die letzten Meldungen. Aus Stockholm wird gemeldet: Gerade als gestern abend in Stockholm eine finnische Galavorstellung zur Feier -der Selbständigkeitserklärung Finnlands stattfand, der unter anderem auch die- königliche Familie, der finnische Gesandte und ^ie Gesandten der Mittelmächte beiwohnten, traf über Hapartmda die Nachricht ein, daß die finnische Rote'Garde einen Staatsstreich ausgeführt habe, indem sie den Senat stiirzte und daß der schwedische Gesandte in Firmlcuad, Aalström, mit einem Sonderzug nach Stockholm abgereist sei. Demgegeniiber wird aus Haparanda gemeldet: An- koniniende Reisende bestätigen, daß ganz Südfinnland in den Händen der Roten Garde ist. Ueber das Schicksal des Senats ist vorläufig nichts bekannt. Dersckffvedische Gesandte verbleibt in HetjingsorS; nur seine Frau ist abgereist. Statthalter von Waia Herckel ist in besonderer Seiwmrg seiner- finnischen Regierung abgereist, um von Schweden vrlfe Zu erbitten. In Finnland ist der Bürgerkrieg in vollem Gang Dre Rote Garde marschiert gegen Helsmgfors. Die ^olschetvrkl unterstützen offen die finnischen Maximalisten. Der finnische Senat richtete an die schwedische, norwegische, französische, englische, deutsche, österreichisch-ungarische und grwckusche Regierung, die Finnland anerkannt haben, ein Lchrerben, worin er gegen die russische Verletzung der Selbständigkeit Finnlands Einspruch erhebt. Stockholm, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich) Heute nachj er-hielt bei finnische Gesandte in Stockholm, Staatsrat Grrpenberg, eine Telegramm, nach der die gesetzliche Regie- rung in Helfingsors noch immer im Amte ist. Die Rote Garde in Finnland. Stockholm. 28 Jan. (WTV.) Der Bahn!- -, von Helfingsors befindet sich in den Händen der Roten Garde. Der Eisenbahnvorsteher und mehrere Beamte sind getötet worden. Der MraerKrieg in Russland. Die Ukraine völlig unabhängig. Schweizer Grenze. 28. Jan. Havas meidet' Die ukrainische Zentralrada verkündete mit 308 gegen 4 Stimmen die absolute Unabhängigkeit der ukrainischen Republik und drückt den Wunsch aus, mit Rumänien, der Türkei und den angrenzenden Ländern in guten und freundschaftlichen Beziehungen zu leben. Bis zur Eröffnung der ukrainischen Konstituante wird die Zentralrada im Namen des ukrainischen Volkes die Geschäfte führen unter dem Namen: Zentralrada der Volkc ünister. In der Verkündigung wirst die Rada den Petersba er Volkskommissaren vor. den Friedensschluß zu v:rzögern und sagt darin: „Wir sind von der Arbeiterklasse gewählt. Lie Bauern und Soldaten der Ukraine wollen keinen Krieg führen Wir verlangen den Frieden für das ukrainische Volk in kürzester Frist. Wir ver. kündigen unsere Unabhängigkeit, damit weder die russische noch andere Regierungen dem Frieden Hindernisse bereiten können." Havas meldet, daß der Bürgerkrieg in der Provinz um sich greift. Es wird gemeldet, daß ukrainische Truppen durch ein Ueberraschungsmanöver die ganze örtliche rote Garde van Kiew entwoffneten. Zwischen Kiew und Poltawa seien die Eisen- bahngeleise zerstört, ebenso die Brücken. Zwischen Briomsk und Gomer hatten die Ukrainer Erfolge davongetragen, zirei maxi, malistische Regimenter waren entwaffnet worden. Dagegen hotten sich die Maximalisten der Stadt Krementschug am Dnjestr bemächtigt und wollen von dort nach Kiew vorrücken. Krylenko gegen die Polen. Petersburg, 26. Jan. (MTB.) Die „Rjetsch" meldet: Kry. lenko brachte ein Radiotelegramm zur Kenntnis der Volks- beauftragten, das schleunigst Maßnahmen zur Vertreibung der polnischen Truppen im Gouvernement Orscha van den Punkten, die sie besetzt halten, und die allgemeine Entwaffnung der polnischen Legion anordnet. Das Vorgehen der Polen soll die Antwort auf die Verhaftung des polnischen Hauptausschusses durch die Maximalisten sein, die unter den Polen lebhafte Auf. reaung hervergerusen habe. Stockholm. 29. Jan. Ein Radiotelegranlm aus dem Haupt- gnartier zu Oreha teilt mit, daß die Polen sich jetzt längs der Eisenbahn nordwärts und südwärts ausbreiten. Eine große Zahl von Bahnhöfen ist bereits von den Polen besetzt. Die Ver- bindung zwischen Petersburg und Mohilew geschehe auf Umwegen. Die Politik Kryleukos. Schweizer Grenze, 28. Jan. Der „Basler Rational-Zeittmg" zufolge meldet Havas aus Petersburg: Bei einer Versammlung der russischen Garde in Petersburg sandte Krylenko folgendes Telegramm: Freiheit ist eine gute Sache, aber während des Kampfes mit der Bourgeoisie müssen alle Freiheiten unterdrückt werden Wir besitzen die Macht der Sowjets und schrecken vor nichts zurück Wir werde« selbst Schrecken verbreiten. Wehe denen, die versuchen, gegen uns aufzutreten. Wir dürfen unsere Feinde nicht schönen, sonst werden wir verloren sein. Sofia, ti. Za». (WTV.) Verspätet otngetroffen. Met- düng der Bulgarischen Telegraphen-Agentnr: Gestern ist hier eine Abordnung au, Ptrct eingetroffen, die nachmittags einen Kranz an der Gnift der Königin Eleonore niedergelegt hat. Heute wurde die Abordnung vom Ministerpräsidenten Rados- lawow und vom Kriegsminister General Najdenow empfangen. Dre Abordnung gab der Ergebenheit der Bevölkerung des Bezirkes Pirot Ausdruck und übermittelte deren Wunsch, mit Bulgarien flir immer und unzertrennlich vereinigt zu bleiben. Radoslawow sagte in seiner Antwort. Pttot und Risch, sowie die übrigen Städte der Morawa seien bulgarische Städte und Bulgarien könne sich nicht von ihnen trennen. Najdenow bemerkte, der Friede sei unmöglich, ohne daß Bulgarien in seinem Schcße seine zerstteuten Stammesangehärigen vereinige. . Der Abordnung wird überall in Sofia der wärmste Empfang zuteil. der Dcbrudscha ist hier eine Abordnung eingetroffen, um der Regierung und dem Könige den auf dem jüngst in Ba- badag abgehaltenen Rattonalkongresse gefaßten Beschluß dieses Landes zu unterbreiten, sich mit dem Mutterland« Bulgarien zu vereinigen Die Abordnung wird in der nächsten Zeit von Konrg Ferdinand und hier von dem^Minlsterprästdenten Rados- lawow empfangen werden. Spaltung der Kolschemisten? London, 28. Jan (WTB.) Reutermeldung. Die „Daily News" erfahren aus Petersburg' Unter den Bolschewisten ist eine Spaltung eingetrelen. Die Minderheit ist der Ansicht, daß die Schwächung und Absonderung Rußlands zu einem Sonderfrieden zwinge. Die Mehrheit einschließlich des linken Flügels der So.: ialreooluttonäre bereit, in eine Zeit der revolutionären Verteidigung einzutreten Die letzte Entscheidung liegt bei Trotzki Der Drnch. Genf. 29. Jan. Das „Petit Journal" meldet aus Petersburg: Der Petersburger Sowjet fordert kn einem Funksprüch zur Festnahme der in Rußland sich aufhaltenden Rumänen uno zur Beschlagnahme der rumänischen Bankguthaben auf. Die in Petersburg hinterlegten Vermögenswerte des rumänischen Soldaten- und Arbeiterraks beschlagnahmt. D vmmk GkltiMchass verläßt Rußland. Petersburg, 29. Ion. (WTV.) Die rumänische Gesandtschaft erhielt um 2 Uhr nachmittags den Befehl, Rußland binnen 10 Stunden 3 »i verlassen. Die Abreise erfolgt um Mitternacht noch Stockholm. Dnlgarirus Krietzsstele. ^ Budapest, 29. Jan. Der Berichterstatter des „Az Est" in Lofia meldet: Radoslawow erklärte einer Abordnung aus der Morawagegend: Bulgarien werde unbedingt und unter allen Umstände« die Gebiete behalten, auf denen jetzt bulgarische Soldaten stehen. Mir habe« nur befreite und nicht gewaltsam cngeelgnet- Gebiete besetzt. RadgMmw jj?m d'e im. Budapest. 28. Jan. (WTB. Nichtamtlich) Der bulgarische Ministerpräsident Radoslawow äußerte fick» über die jetzige ilckernattonale Lage dem Mitarbeiter des „Az Est" aeqenüber wie folgt: „Wenn auch die jetzigen russischen Machthaber stürzen, so würde das den Frieden nicht verhindern können. Was besonders die Haltung Bulgariens betrifft, so haben wir Rußland nichts weggenommen und wollen ihm auch nichts wegnehmen. In der gleichen Lage ist Rußland uns gegenüber. Die Do- brudscha haben wir von rumänischer, die Morawa von serbi- scher Herrschaft befrett. Von Griechenland, mit dem wir seit einem Jahre uns in Kriegszustand befinden, besetzten wir Drama. Serres und dt« Geaend von Kavalla. die bekanntlich im ersten Balkankrttg an Bulgarien gefallen war. Unsere Nachbarn und Gegner können sich bezüglich dieser Gebiete nicht auf den Rechtsstandpunkt stellen, da diese Gegenden seil Urzeiten zu Bulgarien gehören Die Kraft unserer Gegner ist gebrochen, die unsere dagegen verdoppelt. Sowohl da. Recht wie die Macht ist auf unserer Seite. Der Ministerpräsident äußerte ferner, er beabsichtige be- züglich der Friedensverhandlungen keine Trklärnngen abzu. grben, bis mit Rußland eine vollkommene Uebereinstimmung erzielt worden sei. Dann würde das vollständige Ergebnis der Cobranze verkündet werden. Er hoffe, daß er bis dahin nicht mehr lange zu warten haben würde Der Ministerpräsident schloß: Schon lange wird die Frage erörtert, ob die Entente- armee in Mazedonien bleiben oder ob sie im Bewußtsein der Zwecklollgkett des weiteren Kampfes abzkeben sollen. Die Frag, interessiert uns sehr. Das Ergebnis unserer großen Sache hangt ober nicht davon ab Wir selbst b.aben fein* oftensinen Absichten und sind andererseits sicher gegen jede Offensive der Ententeländer. Mn „kolossaler Deinfall«. Berlin. 25. Jan. (MTB,, Wie man im britischen Deere die letzte Nicderiage bet Cnmbrni und die negenwärti«« Krie«s- l°ff- beurteilt, ersieht man aus der Vernehmun« ein«, hinter unseren Linien vor kurzer Zeit infolae V-rsltegen, gelandeten und gefangenen englischen Flieger-Offiziers, der folgendes angab: Die Niederlage bei Eambrai wird von der britischen Ar- m«e als „kolossaler Reinfall" aufgekaßt. Das Aergerlichste da. bei sei das überschwengliche Triumphgeschrei und die darauf sott gende tiefste Niedergeschlagenheit in der Heimat gewesen. Kein vernünftiger Mann in der Armee glaubt, daß Deutschland besiegt werden kann. Es muß zu einem Vergleich zwischen Deuttchland und England kommen. Der ganze Krieg wird au- genbticklich mir um Elsaß Lothringen geführt. Sobald Eng. laad von diesem Kriegsziel, das ihm im Grunde ganz gleichgültig ist. abgeht, werde man einen französischen Bankerott er. leben, der dem jetzigen russischen in nichts nachstehen würde. Die Explosion in Newport. Wafhingtou. 26. Jan. (WTB .1 Meldung des Reuterfchen Bureaus. Das Schiftsdepartemenl gibt bekannt, daß bei dar Explosion in der Flciten- und Torpedostatton Rewport (Rhode Island) sechs Menichen getötet und einiger Schaden angerichtet wurde Es seien keine verdächtigen Anzeichen vorhanden. Die berliner ^nossande. Berlin, 28. Jan. (WB.) Bis zum Abend war aus ganz Berlin und semer Umgebung nicht ein einziger Zwischenfall gemeldet worden, der mit dem Ausstande im Zusammenbanq stände. Dre Gesamtzahl der heute nicht zur Arbeit er- m»tenenen Leute beträgt höchstens 90 000, darunter meistens rugendllckxe Arbeiter und Arbeiterinnen. An den meisten großen Betrieben ist die ganze Bewegung überhaupt spurlos vorubergegangen. Im Straßcnleben Berlins war den ^N^hrndurch keinerlei auffällige Erscheinung wahrzu- Der Staatssektetär und die Streikführer. Berlin, 29. Jan. (WTB. Nichtanttlich.) Der Staats- fekretar des Innern Walraf wurde heute von Vertretern der beiden sozialdemokratischen Fraktionen um eine Unter- redlmg ersucht, an der aüch Abgesandte der streikenden Ar- belter teilue^rucn sollten. Der Staatssekretär erklärte, daß er bereft sei, die sozialistischen Abgeordneten zu empfangen, mit den nicht der Volksvertretung angehörigen Arbeitern könne er sich indessen über Fragen der allgemeinen Politik nicht unterhalten, da Besprechungen dieser Art vor das Forum des Reichstags gehörten. Die geplante Unterredung rst daraufhin unterblieben. Weitere Ausstände. s Der Streik ist allgemeiner geworden, wenngleich von ernem Generalstreik noch nicht die Rede sein kann. In Spandau haben in den Fabriken gleichfalls eine Anzahl Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Als Grund wird angegeben, daß die Lebensmittel rhnen zu knapp zugemessen seien. Die Arbeiter haben mehrfach erklärt, daß sie keine höheren Löhne haben wollen. Hervorgehoben sei. daß zwar in der Mehr- zahl der Fabriken die Zahl der Ausständigen zugenommen hat daß es aber auch einzelne Fabriken gibt, in denen di- Zahl der Arbeitenden gestiegen ist. Die Meldungen aus dem Reich. Die Ausstandsbewegung im Reich schreitet nur langsam vorwärts. Rur aus Hamburg und Kiel liegen Mel-' Dungen über Arbeitseinstellungen zum Teil in größerem Umfang vor. Die Bergarbeiter verhalten sich noch ablehnend 'vsn Sachsen herrscht Ruhe. Das Betriebspersonal des „Vorwärts" hat den Streikenden seine Sytnpathie ausgesprochen. Es erklärte jedoch, weiter zu arbeiten, um der Arbeiterschaft eine Stelle zu erhalten, von der aus sie gegen die Angriffe rhrer Gegner verteidigt werden kann. Der Druck der Strasse. Rur krampfhafter Opttmimus kann die Häufung von Roh- heitserscheinung«n im politischen Meinungsstteit der jüngsten Zeit als minder bedeutsame Einzelfälle ansehen, denen weder symptomatische Bedeutung zukomme noch Planmäßigkeit zu- gründe liege. Zufälligkeiten ereigrren sich nicht gleichzeitig in Berlin und Baden, in Thüringen und Frankfurt am Main. Die Vernichtung der Freiheit zur Meinungsäußerung durch die Sta. bilisierung der Herrschaft roher Gewalt ist die erste Frucht plair. mäßiger Bestellung und Aussaat auf dem für Exzesse stets ec- ttagreichen Boden der breiten Masse. An der Beackerung die- fes Bodens ist gearbeitet worden, seit Herr von Bethmann Hollweg die Galvanisierung der durch den Krieg zunächst in Er- starrungszustand versetzten Sozialdemokratie gelungen war. Unmcrklich zunächst und mit kleinen Mitteln, aber planmäßig allgemach weitergreifend, die Mittel wechselnd und vermehrend. Ernährungsschwierigkeiten, Teuerung, jede Schwerins des Krieges skruppellos benutzend, die materiellen und die politischen Begehrlichkeiten zu wecken, die niedrigen Instinkte zu kitzeln. Während nebenher die Regierung das Ihre tat. das Machtgefühl der Massen zu stärken durch den neuartigen Verzicht auf Staatsautorität. Die ersten Anzeichen schwieriger Stimmung beantwortete sie mit den Zugeständnissen im Hilfsdienstgesetz, der teilweisen Depossedierung der Arbeitgeber, die Kartoffel- krawalle mit der Osterbotschaft, die späteren Streiks mit de« Pässen für Stockholm und dem Juli-Erlaß Und auch damit war noch kein halten. Rach der Parlamentarisierung im Reiche und in Preußen und der die kühnsten Erwartungen überttejfen- dcn Wahlrechtsvorlage kann Ne mit Gretchen feststellen: „Ich habe schon so viel für dich getan, daß mir zu tun fast nichts mehr übrig bleibt" Fast nichts mehr. Eines nämlich noch: Fürderhin statt mit Autorität. Gesetz und Ordnung, mit der Sttaße zu regieren, sich unter deren bestimmenden Druck zu stellen. Diesem Augenblick treibt in langsamer Fahrt das Regierungsfloß zu. und die Genossen mühen sich, es in schnellere Störmung zu bugsieren. Nur Ungerechtigkeit. kann im Grunde der Sozialdemokratie daraus den alleinigen Vorwurf machen. Objektivität sieht ein: Gerubsame Sattheit sieht ihr nicht und bekommt ihr nicht. An dem Tage, wo ihr nichs mehr zu fordern bleibt, wird auch die Jakobinermütze zum Hut des Bourgeois. Man vergegenwärtige sich die Situation: Einst hieß es: Haben wir Preußen, so haben wir alles! Nun kommt die Regierung mit der Wahlreform und spricht: „Bitte, hier ist Preußen zur gefälligen Bedienung." Da bleibt keine Wahl man muß sich weitere Ziele stecken, etwa die der innerpolittschen Russiftzierung. Man muß in einen Paroxismus des Tobens verfallen, wenn sich noch Widerstände gegen die radikalste Lösung der Wahlreiorm geltend machen. Parallelerscheinungen auf außenpolitischem Gebiet: Man hat das äußere Glück und innere Unglück, daß die Negierung das sozialdemokratische Programm akzeptiert. Selbstbestim. mungsrecht der Völker, keine Annexionen und Entschädigungen. Da soll nicht gegen jeden Widerspruch, der sich noch regt, die maßloseste, mit allen Mitteln bettiebene Hetze losbrechen? Jede Duldsamkeit, jedes Anerkenntnis, daß man über diese Dinge überhaupt noch debattieren könne, bedeutete ja bei der Haltung der Regierung für die Sozialdemokratie eine Selbstdesavouierung. Jede Regierung hat die Sozialdemokratie, die sie verdient. Die deutsche Sozialdemokratie ist aus dem Gleichgewicht geraten, weil das regierungsseitige Gegengewicht bis zum Ver- schuttnden vermindert worden ist Sie kommt nicht eher wieder hinein, bis eine starke Hand energisch zufaßt. Die Entwicklung ist doch deutlich. Mit Kartoffelkrawallen fing's att; die Krawalle gegen die Vaterlandspartei bilden eine Zwischenstatton; mit Wahlrechts- und Derzichtsfriedeirskrawallen wird's sich fcrtsctzen. Und enden wird's — mit der Herrschaft der Straße oder mit einem festen Auftreten der zur Wahrung von Autorität und Ordnung Berufenen Im Ausland rechnet man kaum noch mit der zweiten Möglichkeit. Es braucht zum Beweise nur an Herrn Trotzkis Auftreten erinnert zu werden. Die Ironie des Schicksals will es, daß uns der Vorgeschmack von der Herrschaft der Sttaße just in den Zeiten geboten wird, da wir unter dem Schlagwert von der „Reife des Volkes" einherwandeln. Das Stadium der Vorbereitungen zur Beherrschung des Staatslebens dmch die Masse hat fein Lehrreiches. Wir haben in den politischen Roheitsdelikten der letzten Wochen augenfällige Beweise, was es mit der politischen Reise breiler Massen auf sich hat; Beweise, wie sie sich völlig ohne eigenes Urteil in Bewegung setzen lassen, dann aber mit der Gewalt eines blindwütigen Elements, mir dem Trägheitsgesetze gehorsam. in derBahn sich forttvälzen, ar,f die sie gesetzt sind, ohnmächtiger EtnwirkungS'versuchr der Führer spottend. Gut und gern ist zu glauben, datz Len Führern' Vorgänge wie in Maimhetm, nicht nützlich erscheinen, daß ihnen der Frankfurter Ruf: ^Rieder mit Hindenburg!" unangenehm verfrüht in die Ohren klingt. Aber so ist nun einmal das „reife Volk". Zhm imponiert alle Vernunft und Intclllgeirz und Mäßigung nicht mehr, wenn es sich im Besitz der gröberen Faust und kräftigeren Lunge weiß. In der Wahlrechtekommission ist von sozialdemokratischer Seite die Versicherung gegeben worden, um den Schutz der Minderheiten brauche man sich beim gleichen Wahlrecht keine Sor. acn zu machen, fiir sie werde gesorgt sein. Es wäre richtiger und ehrlicher gewesen, zu sagen: Die Miirderheiten werden ausgesorgt haben. Der Terror der Mehrheit wird ihnen die Muhe ersparen, überhaupt in die Erscheinung zu treten. Wozu hätte die Messe die derberen Fauste, die kräftigere Lunge und die größere Mrmdrveite Wie weit die Dinge in der agitatorischen Vorbereitung der Mrssenstimmung gediehen sind, ist aus den Proben der letzten Wochen zu erkennen. Die gleichzeitig keinen Zweifel darüber lasten, daß mit vollem Bewußtsein die Straße als Prefsions- mitiel für politisch*« Aspirationen benutzt werden soll. Der Boden dafür.ff u gohrern mit Unterstützung drr Verhältnisse bereitet, und letzteren werden ihnen. \u. . 'adere in nächster Zeit, weiterhin zu Hilfe kommen. Für di.' Regierung aber, die, sofern sie nicht gor Schrittnlacherin dieser Vorbereitung gewesen ist. ihr mit verschränkten Armen Zugefehen hat, erhebt sich nun die Frage ob das so bleiben wird, oder ob sie sich entschließt, endlich die feste Hand zu Zeigen, die im Grunde auch denen, die ihren Drink zumeist zu verspüren bekämen, nicht fo ' ganz unsympathisch ist Wie,bisher geht es nicht weiter. Das Gefälle der schiefen Ebene nimmt, zu in geometrischer Progression. Es ist kein Gipfel der Staatsklugheit mehr, die Decke über die Ohren zu ziehen, um die Gespenster nicht zu sehen. Entweder man regiert jetzt, und regiert auch die Straße, oder aber die Straße wird durch ihren Druck bestimmend mitregieren. Dieser Druck macht sich schon hinreichend bemerkbar. Der Zeiger am Manometer steigt- Es gibt kein Ventil mehr, dem Steigen Einhalt zu tun' nur Festigkeit und zielklares Wollen kann -elfen. -u* frankfurter Zeitung. Mir lesen in den „Alldeutschen Blättern": Geleg ! tltch seiner Besprechung des Eigenbrodtfchen vortrefflichen Buches „Frankfurter Zeitung und Berliner Tageblatt" hat Herr Prof. Gebhard die Meinung ausgesprochen, die Ausdehnung der Untersuchung auf die Haltung des „süddeutschen" Blattes in der Zeit vor und um 1870/71 sei gewiß ge* winnbringend. Run geht uns von sehr geschätzter Seite ein kleiner Beitrag zu. der diese Ansicht voll bestätigt. Man leie folgende Auslastung aus der Zeit, als die Frage des deutsch- französischen Krieges drobcnd und gewaltiger Zuftandsmo gliche frit voll am Gesichtskreis Europas emporstieg: „Frankfurter Zeitung". 7. Jul; 187«. Leitartikel vom 6.. Nr. 186, 1. Blatt. . . . Ob die Hohenrollern wirklich die Absicht hegen, rrtcht nur auf dem Deutschen Kaiserthrone, sondern auch in der sogen. Universalmonarchie Nachfolger der Habsburger zu werden, lassen wir billig dahingestellt. Sicher ist. daß man in den leitenden Kreisen Berlins mit Bezug auf die bevorstehenden Landtags- und Reichstagswahlen eine kleine auswärtige Verwickelung gar nicht übel empfinden wird. Der Apell an das Na- tlonalgefühl ist ein fo vorzügliches Mittel, offizielle Kandidaten durchzudrücken und Landräte zn Volksvertretern umzustempeln! Sollte das. was in Spanien vorgeht, möglicherweise ein preußisches Wahlmanover fein? Ist das nicht ein prächtiger Belag für die Blickweite, die staatsmännische Voraussicht und die Vornehmheit der Gesinnung des heutigen Regierungsblattes? Freilich damals an leitender Stelle Bismarck, der Schmied der deutschen Einheit und^rer „Eroberer" alten deutschen Landes — heute am Werk des „demokratischen Berschnuugsfciedeus" „der geborene Staatsmann", der drauf und dran ist, das Er stgeburts reckt deutscher überlegener Kraft für das Linsengericht des „geregelten Wirtschaftsverkehrs" und „der Anbahnung und des Ausbaues freundschaftlicher Beziehungen zwischen den derzeit kriegsühreirden Mächten" zu verschachern. Wirtschaft, Horatto!! ürr 1’t'jtrrefiHiün mit JMünWimVk! (Aus meinem Tagebuch: Als hessischer Garde-Dragoner tm Osten Mai- 1915—April 1916.) Etwa 900 Meter vor unserem Schützengraben ist eine Feldwache eingerichtet, ein kleines sicheres Bollwerk, hufeisenförmig, mir starkem Drahtverhau, Laufgraben und dergl. und mitten drin steht jetzt ein Blockhaus, .in dem sich . die Mannschaft in Srärke eines Zuges aufhält, da die Unterstände wegen des eingedrungenen Masters unbrauchbar geworden waren. Indesten stehen unsere Horchposten am Rande eines breiten Waldes, der unmittelbar vor der Feldwache beginnt und die russische Stellung vcllrommen verdeckt. Auch die Russen haben Feldwache und Postierungen in dem Walde vorgeschoben, letztere nicht allzuweit von unseren Horchposten entfernt Diese verhalten sich ziemlich ruhig, während es drüben immer wieder mal knallt! (Scheinbar zur Selbstkontrolle.) Am 7. 12. 15 war ich auf Feldwache. Am Morgen, der ganz ruhig verlief, stehe ich mit meinem wackeren Freunde B. auf dem linken Seitenposten! die Ablösung kommt! Wir sitzen wieder im warmen Blockhaus! Da, gegen 3 Uhr nachmittags kracht plötzlich eine starke Salve durch den Wald. Sofort springen wir alle ans der Hütte heraus in den Graben an die Schießscharten. Es kracht noch einmal. Unsere Horchposten kommen zurückgesprungen. Alles geht in Stellung! Schon arbeitet der Draht und ruft im rückwärtigen Schützengraben die Maschinengewehre m Bereitschaft Tie sind ja auf den Waldrand links und rechts von der Feldwache gut eingeschosten. Wider Erwarten erfolgte aber weiter nichts. Im Walde herrscht tiefe Stille,' ,iur der kalke Nord streicht pfeifend durch die Aeste und über die glänzende Schneedecke hinweg. Voll Erwartung lauschen wir über eine Weile hinüber nach dem Wakd' »der »jchtr Verdächtiges war M yoren. Da regt« sich m uns dar Verlangen, der Schtetzerei auf den Grund zu gehe». Der Führer unserer Feldwache war damit einverstanden und sofort fanden sich zu einer freiwilligen Er- kundungspatrouiüe auch 6 Leute bereit. Wir schlüpften durch den Drahtverhau, einer nach dem andern, pflanzten unterwegs das Seitengewehr auf und stoßen vom rechten Posten aus senkrecht in den Wald hinein. Der Schnee knirscht unter der Sohle. Langsam, unter großer Vorsicht gehen wir vorwärts, treffen Fußspuren und verlassene Postenlöcher. Wir überqueren eine Lichtung und treffen eine neugetretene breite Spur, die wir, nach jeder Seite vorsichtig beobachtend, verfolgen und die jetzt über eine zweite Lichtung fuhrt. Auch diese überschreiten wir noch. Die Schneespnr scheint nach der russischen Feldwache zu führen. In der Annahme, die Rüsten seien auf diesem Wege zurückgecilt. machen wir halt: wir können etwa 800 Meter von unserer Feldwache entfernt sein. Mit den nahen russischen Posten anzubinden widerspricht dem eigentlichen Zwecke unserer Patrouille Also kehren wir um und lasten auf dem Rück- weoe die gleiche Vorsicht walten, wie eben. Aber nichts erregte unseren Verdacht. Nur zwei dumpfe Schüste aus der Nähe unserer Feldwache krachten durch den Wald. Unserer Fußspur nackaehend, gelangen wir wieder an die erstgenannte Lichtung zurück und treffen hier die beiden Leute unserer Patrouille, dir als Rückenlchutz zurückgeblieben waren. Sie hatten die frag, lichen Scküste abgegeben und behaupteten, weiter links im Walde Rüsten „gesehen" zu haben; sie seienwieder zurückgegangen. Wir glaubten nicht so recht daran und eilten der Feldwache zu Noch keine 30 Schritte sind wir gegangen, als einer unserer Leute ruft' „Ei. da sind sie ja, die Rüsten!" Und wirklich bewegten sich 50 Meter rechts von uns etwa 20—725 Gesellen mit grauen Pelzmützen auf unsere Feldwache zu, in gleicher Höhe und gleicher Richtung wie wir; beide Teile von der Feldwache nahezu 150 Meter entfernt. Sofort springen, wir hinter die Bäume in Deckung. Schon krachts hinüber und herüber. Aber die „Hunde" — ihrer starken Ueberzahl bewußt — stürzen hervor. Unter lautem „Uri"-..llri"-Rrffen. ..sioj pania" „stoj germans" wollen sie uns umzingeln. Wir Leide — unsere Kameraden suchten sofort die Feldwacke zu erreichen — sckießen rubra und sicher weiter. Keine 15 Meter vor unseren Augen schleudert so ein frecker Dachs plötzlich eine Handgranate: unter lautem Krach erplodiert sie gegen einen Baum — ein Glück für uns! Die zweite sollte der nicht mehr werfen: B's-Kara- biner sorgte dafür Sckon waren die anderen Rüsten in bedenkliche Nähe heranqekonrmen. Allen voran ein Sergeant Don meiner Kugel getroffen sinkt er nieder — dem scheint die Sonne nicht mebr? Jetzt stutzen die übrigen ftnsteren Gesellen und bergen sich hinter Bäume und liegende Stämme. Wir schießen mit sichtlicher Wirkung! Das gibt uns Ruhe und Hoffnung: doch das Kreischen und.Rufen läßt nicht nach! Auch wir schreien ans Leibeskräften; aber weder mein „rukif dwerch" (Hände hockff), noch B's „Ergebt Euch?" bat einen Erfolg. Patsch k schlägt da eine Kvael durch meinen Deckbaum, sodatz mir einige Splitter ins Gesicht fliegen — ich fühle eine kleine Hautabschürfung unter dem rechten Auge: nicht schlimm! Kaum 15 Minuten liegen wir im Feuer — sie dünken uns eine Stunde lang — da klingt wiederum das verfluchte „Uri" . Uri" zu unseren Ohren, aber diesmal hinter den uns gegenüberliegenden Rosten. Zum Teufel Da scheint ja noch mehr zu stecken! B ruft mir zu: „Du jetzt muffen wir abbauen?" ..Wir." antworte ich», sind nur zwei!" Affv los* Von Baum zu Baum springend und immerfort schießend gelangen wir schließlich ins Freie Die Ruffen folgen nicht nach, um so lebhafter ftitzen aber ihre Kugeln um unsere Ohren Wir eilen durch die Drahthindrr- niffe hindurch in den schützenden Graben der Feldwache, die jetzt ein lebhaftes Feuer gegen den Wald eröffnet. Nach kurzer Zeit wieder völlige Ruhe Inzwischen hatten wir unserem Führer Meldung gemacht und erfahren, daß ein Manst unserer Patrouille nicht zurückaekehrt war. Sollte der wohl verwundet im Walde'liegen? Lautes Rufen und Stöhnen zwang uns zu dieser Annahme. Um ihn zu holen gehen drei Leute — darun, ter wir beide — wieder freiwillig in den Wald hinein, an die Stelle, wo der Schwerverwundete jammert. Aber wir finden nicht unseren Kameraden, sondern einen Ruffen. jenen Grana. tenwerfer. den wir sofort mit großer Mühe zurückschaffem In seinen Manteltaschen fanden sich noch zwei Handgranaten mit Zündern, am Leibe trug er eine Drahtschere und ein Bell. Der arme Kerl starb an seinem Lnngenschuß. Es fing an zu dämmern: die Waldstelle konnte nicht näher abgesuckt werden. Am nächsten Morgen wurde der tote Sergeant aufgefunden und mit ihm noch vier Schwerverwundete, die alle an den Folgen ihrer Wunden starben. In frostiger Nacht mußten die Bedauernswerten tm tiefen Schnee liegen bleiben. Wie Bluifpupcn zeigten. hat der Feind eine Anzahl Leichtverwundeter bei seinem raschen Rückzuge mitgenommen. Unser vermißter Kamerad stellte sich später wieder ein. Von russischer Sette war nach Aussagen der Verwundeten, die alle Beil und Drahtzange tnr- gen. bei einbrechender Dämmerung ein Angriff auf unsere Feld- wache geplant, der aber durch unser Vorgehen glänzend vereitelt wurde. Mir beide empfanden eine stolze Genugtuung Über unsere Tat. die auch ihren äußerlich doppelten Lohn finden sollte. Es folgte eine lobende Anerkennung im Regimentsbefehl und einige Tage später das Kreuz von Eisen. - : H. Tost. Asm Felde der Ehre. Wrckeohei,». Dem Landsturmmann Otto Strebert wurde wegen tapferen Verhaltens vor dem Feinde im ÄVesten das hessische Verdienstkreuz und das Eiserne Kreuz 2. Klaffe verliehen. Unseren herzlichsten Glückwunsch zu dieser wohlverdienten Auszeichnung. Schluß der Hausfchlachtungetl. Das Großh. Kreisamt Fviedberg fordert alle Selbstversorger auf, ihre HausschlachtungsantrSge bi» spätestens zum 1. Februar 1918 durch Vermittlung ihrer Bürgermeisterei des Wohnort» hei dem Krelsarnt einzureiche». Rach dem %, Februar einlaufende Anträge muffen abgelehnt und vte fragliches Schweine beschlagnahmt werden. Aus dev Heimat. Dolksbildungsverein. „Palästina und die heiligen Stätten'* so lautet das Thema des ersten Vortrages im Volksbildungs» verein in diesem Jahre den am 31. Januar abends 8 Uhr, Herr cand. theol. Fr. Wilh Petri in der Festhalle der Augustinerschule halten wird. Der Redner hat schon wiederholt bewiesen, .daß er anziehend und belehrend zu sprechen versteht und wird seine Darlegungen durch Lichtbilder veranschaulichen, die er selbst an Ort und Stelle ausgenommen hat. Der (Eintritt ist frei für jedermann, doch für Schüler und Schülerinnen nur in Begleitung' eines Erwachsenen gestattet. Die Papierknappheit hat dazu geführt, an Stelle des bisherigen Frachtbriefmusters ein neues einzuführen. Es ist um die Hälfte in der Weife verkleinert, daß die Rückseite mit der rechten Hälfte des jetzigen Musters bedruckt wird. Die vorhandenen Vordrucke des bisherigen Musters dürfen aufgebraucht werden: es empfiehlt sich, sie in erster Linie in den Fällen zu verwenden, in denen der Frachtbrief sonstige Begleitpapiere (z. B. Zoll- und Steuerpapiere, Deckenftachtbriefe usw.) beizugeben sind. Soweit der neue Frachtbrief verwendet wird und Begleitpapiere als Anlage beigegeben sind, muffen die Frachtbriefe der Breite nach gefalzt werden. Die Beilagen sind fs dauerhaft wie möglich mit dem Frachtbrief zu verbinden Echzell. Wo ein Wille ist, da ist auch eine Tat und ws ein kleiner Kreis in Einheit und .Zusammenhang arbeitet» ist ihm der Erfolg eines Unternehmens im Voraus sicher. So war es auch mit der Abendunterhaltung des Turnvereins am Geburtstage S. M. des Kaisers. Ter große Saal der I. Jung Wwe. konnte kaum die Menge der Ve« suchen fassen Aus der ganzen Umgegend hatte sich die Jugend ein Stelldichein gegeben. Nachdem der Vorsitzende die Gäste begrüßt und das Kaiserboch ausgebracht und daS l „Heil dir im Siegerkranz" verklungen war, nahm die Vor- j stellnng ihren Anfang. Auf der Bühne wurde flott und sicher gespielt und kamen die Anwesenden aus dem Lachen nickst heraus. Allen Mitwirkenden, den Herren Hermann ! Sckreih. Heinrich Rühl, Hermann Bocher, Hermann Reitz. j Willi Werner. Wilhelm Cbrfft. Wilhelm Schäfer. Hugo ! Stoll und speziell Georg Beckmann, gebührt der Dank de§ Vereins, ein paar heitere Stunden verlebt zu haben. Die notwendige Klavierbegleitung hatte der junge .Erwin Sckmndt übernommen. Mit dem gemeinschaftlichen Gesang „Deutschland, Deutschland über Alles" konnte nach 11 Uhr die in voller Harmonie verlaufene Veranstaltung zu Ende geführt werden. Bei der Jugend herrschte nur ein lebhaftes Gefühl des Bedauerns, daß nicht ein wenig getanzt Werder ; durfte. Aus Rhcinbeffen. FC. Worms. 28. Jan. Am Tage vor seinem 50. Geburtstage verstarb dahier Bankier Friedrich Ntichmann plötzlich infolge eines Htrzfckleges Der Verstorbene hat viele Iabre hindurch hier das Bankhaus F. u. C Rischmann geleitet, das vor drei Jahren an die Süddeutsche Diskonro-Gesellschaft überging. FC. Gimbsheim. 28. Jan. Von 50 Mark auf 14—22 Matt ist der Preis der Gurkenkerne gesunken. FC. Alzey. 27. Jan. Seit Beginn dieses Jahres hat h hiesiger Stadt ein solch starker Immobilienwechse! eingesetzt der noch nie in diesem Umfange zu verzeichnen war. Wirr- den doch bis jetzt für eine halbe Million Mark Immobilien umgesetzt. Ans Hessen-Nassau. FC. Wiesbaden, 28. Jan. Sie gingen zusammen in die Lehre, die 20jäh,ige Näherin Minna Birlenbach aus Sonnen, berg und die Tochter des Oberkontrolleurs Eberhardt aus Biebrich. Die Birlenbach erfuhr eines Tages, daß die Eberhardt gestorben. Diese Gelegenheit benutzte sie. der Familie ihr Beileid auszusprechen und gab sich als die reiche Tochter eines Gutsbesitzers in der Nähe von Düsteldorf aus. Während der Urtterhaltutrg erzählte sie von den großen Lebensmittelvorräten ihres Vaters, erbot sich auch, für die Familie Eberbardt solche schicken zu lasten und rechnete den Betrag auf 21 Mark aus, der ihr bereitwilligst eingehändigt wurde. Auf ihren Wunsch gewährte man ihr auch Quartier. Am nächsten Morgen erbat sie. um pünktlich zu Tisch erscheinen zu können, die Uhr der Frau Eberhardt und verschwand damit auf Nimmerwiedersehen Nach ihrem Weggang vermißte die Familie in einer verschlosse- nen Schublade 20 Mark. Wegen dieses raffinierten Vergehens erhielt die Birlenbach heute vom Schöffengericht fünf Monate Gefängnis. FC. Wiesbaden, 28. Jan. Die Firma August Engel dahier hatte Sardinen zum Preise von 2 Mark die Dose eingekauft und mit 50 Pfg. Aufschlag wieder verkauft Das Wucheramt ersah hierin eine übermäßige Preissteigerung für Gegenstände des täglichen Bedarfs. Wegen Höchstpreisüberschreitung hatte sich der Geschäftsführer der Firma heute vor den Schöffen zu verantworten. Die Preispcüfungsstelle erachtete einen Preisaufschlag von 25—30 Prozent für überaus genügend, der erschienene Sache erstand! ge, der Leiter des hiesigen Komum. Vereins stand jedoch auf einem ganz anderen Standpunkt und hielt den von der Pretsprüfungsftelle vorgeschriebenen Gewinn für unbedingt zu niedrig. Auch den Schöffen war die Ansicht des Wucheramtes nicht maßgebend und sprachen den Geschäfts,' führer glanzend frei. AuS Kurheffeu. FC. Ziegenham, 27. Jan. Die Deutsche Vaterlands- Partei zählt im hiesigen Kreise 18 Ortsgrupppen. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Lttch Hi rschel. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyn er«' Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", ». G., Friebberg t, H Graue Gefahren. Roman on5 der Gegenwart von M. Gonlard - Schuck. 27 f Nachdruck verboten. Abende. alZ die beiden Herren bei einem Glase Wein und einer Zigarre in des Vaters Zimmer saßen, da sagte Alfred, daß er wieder zur See gehen wolle. Die Freude des Vaters kannte keine Grenzen. Trotzdem fragte er auch jetzt nicht nach dem Warum. „Der Junge wird wissen, was er zu tun hat. Und mir ist es die HauHtsäche, daß er zur rechten Zeit Schluß macht." „Und was sagt Deine Frau zu Deinem Entschluß?" fragte er nach einer Weile. „Vorläufig kann sie noch nichts sagen, denn sie weiß k§ noch nicht." Er sah dem Vater gerade in die Augen. „Aber was sie auch dazu sagen mag, es wird an meinem Entschluß nichts ändern." „Recht so. mein Sohn! Wenn Du zu des Erkenntnis gekommen bist, daß Dein Platz jetzt in der Flotte ist, so darfst Du Dich auch durch ein paar Frauentr'änen nicht beirren lassen." „Es^ hat keine Gefahr. Ich habe bereits alle Brücken hinter mir abgebrochen. Auch wenn ich weich würde, es wäre zu spät. ^ Und dann. Vater — ich will und kann nichts sagen, aber ich glaube, wir brauchen die Offiziere bald nötiger als die Diplomaten." „Hm! Herr von Werkheim sah dem Sohne scharf in die Augen. „Und für d!e Unterjeebootsslotte hast Tu Dich gemeldet?" „Ja. Vaters Du weißt, wie ich über diese neueste Waffe der Marine denke und wie sie mir schon innner am Herzen lag." „Ich weiß, tcfr weiß! Du bist also der Ueberzeugung daß wir gerade diese Waffe bald gebrauchen werden?" „Wer kann etz wissen? Wer so mitten drin sitzt zwischen liebenden Nachbarn, wie wir Deutsche, der muß immer am der Hut sein." -- Osterfest verlebte Alfred auf Tannenberg mit dem Vater und Regina. Wie in früheren Zeiten war es, als noch niemand weiter zu ihnen gehört hatte. Auch Regina war wieder ganz die Alte. Sie schien vergessen zu haben, daß es jemanden gab, der größeres Anrecht an den Pflegebruder besaß als sie selbst. Am zweiten Tage nach Ostern fuhr Alfred wieder nach England. „Nicht auf lange, Vater!" sagte er, als er dem alten Herrn zum Abschied die Hand gab. „Ich hoffe, daß schon in allernächster Zeit meine Abberufung kommt."- Als nach den Osterferien der Reichstag wieder zusam- mentrat, brachte die Negierung einen Antrag ein. der eine sofortige dringende Verstärkung des Heeres und der Flotte verlangte. Zwar erließ man gleichzeitig eine amtliche Erklärung,- in der es hieß, daß gerade jetzt die allgemeine Lage die denkbar beste sei. daß aber ein Land wie Deutschland, das im Kriegsfall seine Grenzen nach mehreren Seiten hin verteidigen müsse, nie genügend auf der Hut sein könne. Der ewige Weltsriede sei eben noch immer nicht gewährleistet Es sei deshalb stets Möglichkeit vorhanden, daß uns Deutschen ein Krieg ausgezwungen werde. Und für diesen Fall sollte die neue Wehrvorlage Vorsorge treffen.- Man war also in der Wilhelmstraße auf dem Posten. Man war entschlossen, den Frieden zu wahren! Man zeigte aber auch dem ränkelüsternen Gegner, daß man im Notfall mit gewappneter Faust dreinzuschlagen gewillt und fähig sei.- VIII. Helen und Alfred Werkheim saßen sich beim Gabel- frühstück gegenüber. Es schien Gewitterstimnmng zu herrschen, denn Alfreds Mienen waren ernst und' kühl und Helen sah angelegentlich auf-ihren Teller. Endlich f)ieit sie das drückende Schweigen nicht mehr aus „Bist Du endlich vernünftig geworden, Fred?" „Deimünftia? Ha°st Du mich schon anders gesehen?" „Ist Tein dummer Gedanke mit der Marine etwa ver- nünftig?" „Von meinen: Standpunkt aus ist das gar kein dummer Gedanke, im Gegenteil. Aber Du solltest nicht wieder davon ansangen. Kind. Es verdirbt Dir nur die Stlmmuna uv* bas Frühstück. Außerdem weißt Du, daß mc : n Enttcklus- * Ift h ’ h1t ^ Qu Den Gedanken ge- t ri s ' ie - 6efti0 -' Habe doch keinen Mannelentnant, sondern einen Diplomaten geheiratet." Werkheim kniff die Lippen zusammen, als wolle er ver- ylnoern, daß ihnen ein heftiges Wort entschlüpfte. , „Ich glaubte, Du habest den Menschen Merkheim oc- tratet, einerlei, was er war," sagte er dann rnhitz. Beschämt schlug Helen die Augen nieder. „Das habe ich 0 !!f', r la.gte lie dann trotzig. „Aber daß es-mir nicht gleich- gultig sein kann, was für einen Beruf Du hast, das ist doch selbsiverständlich> Und dann habe ich auä^nie daran gedacht ^8 Du schon so bald von- hier fort wolltest. Wo wir hier doch so schon leben." „Gewiß, Helen, ich kann es mir denken, daß es Dir erst ein wenig schwer fallen wird, aber Tu Nnrst Dich bald daran gewöhnen. In Deutschland läßt sich's auch leben. Und dann. Helen, sieh, die Gattin eines deutschen Offiziers zu lein, ist doch etwas sehr Schönes!" „Ach. geh doch! Ich weiß, wie es ist. Denk ich nur an Ermina Morton, dann Hab ich genug von den Freuden einer deutschen Osfiziersfrau. Einfach schrecklich ist es. Trug sie bei einer Gesellschaft ein besseres Klekd als die Frau des Vorgesetzten, so bekam der Mann am andern Tage sicher einen Rüffel. Ich bedanke mich dafür!" Er lächelte belustigt. Ein. echt weiblicher Einwurf. „Das ist natürlich fürchterlich." sagte er ernsthaft. „Aber nun sag mal ernstlich, ist das nicht ganz in Ordnung so? Wozu der unnötige Aufwand? Wir haben sehr viel arme Offiziere, die würden darunter nur leiden." „Was geht das mich an? Wenn ich das Ge'd dazn habe, will ich mich daran freuen, soviel ich kann. Daß andere es nicht haben, ist nicht meine Schuld, ltnb kein Mensch kann verlangen. >aß ich mir anderer Leute wegen Entbehrungen auferlegen soll!" Fortsttzuna sylak. Einladung kts LMbiAniAkreins zu dem Donnerstag den 31. Januar, abends 8 IIhr, in der Festhalle drr Augusrinerschule stattfindenden Lichtbildervortrage des Herrn cano. theol. Fr. Wilh. Petri /iber: „Narästiria u. die heilige« ZlatttkiD Eintritt stci für jedermann, der für Schüler und Schülerinnen nur in Begleitung eines Erwachsenen. Ziehung 7. o. 8 Fatum Eisenacher Thüringer Museums in Bisenaeii. 3333 Gewinne zusammen Mark & INI© 8 « OOO 5 OGG Soeben erschieneni Herzerquickend für unsere Feldgrauen! Mir dehcmm. Gedichte aus der Kriegszeit in Hessischer Mundart von Allils-MttsgW „JMfnm“ Für 1918 ist von der Zuckerindustrie eine Erhöhung des Rübenpreises angestrebt. Regierungsseitig hat man sich aber noch nicht zur Festlegung eines Preises entschließen können. Mil einer Erhöhung gegen 1917 dürste aber zu rechnen sein. Wir ersuchen die Herren Landwirte, ihre Rüben trotzdem jetzt schon anzumelden zu dem von der Reichsregierung noch festzusetzenden Preis, da die Fabrik sich mit Samenbezug usw. einrichten muß. Die Freigabe des Zuckers für die rübenbauenden Landwirte ist nunmehr erfolgt und wild die Ausgabe an die Berechtigten in der Zeit vom 1—26. Februar vorgenommen. Säcke dazu sind mitzubringen. _ Wilhelm Philipps. © «-> 5 Q. O C3 > Bar ohne Abzug; zahlbar Il 038 zslMl!.!RV,K durch Lolteriebank G. m. b. H. ICfsenaeia. Ferner in den durch Plakate keunt- g liehen Verhau sstel en. |in Friedberg zu haben bei NS »ns»»,. Biürq zu verkaufen 2m Selbstverlag des Herausgebers MetalldrahtgSüfiEampen in allen Kerzenstärken, preiswert abzugeben LU. Ing. Bad-Nauheim. können gedeckt Werden. Deckgeld 25 Mark. M(ifd)(t|of «L. deiv 'nfvwm werden durch meine Vagina!- and Bullenstabe schnell, billig, bequem and sicher gefceii«. 2 ' BezegdurchTlerärzle. Prospekte gratis durch j Preis Mark L— Erhältlich in sämtlichen Buchhandlungen in der Ge'chästs- slelle der „Neuen Tageszeitung" und vom Herausgeber: Oberlehrer Philipps, Friedberg in Hessen, Burgberg Nr. 2, V.. 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