Dummer 21 Freitag, den 25. Januar 1918 11. Jahrgang. Neue TageszeiLmW DSe Kede des R. -.,— Graf «!.»,. --reichtet auf olles und äebcs! — 18000 Taunru versenk.. - Kt.atze..kSmxfe i.. x,o«. Der deutsche Generalstad == meldet: —-— - 24. K/wS'” f«*««««*, ... Westlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Rege Eikundungstätigkeit unserer Infanterie brachte an vielen Stellen der Front Gefangene ein. An der Bahn Boe- ßttLche-Staden wurden 6 Maschinengewehre erbeutet Nichts Neues. westlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Mazedonische Front. In einzelnen Abschnitten Nrtillerietätigkeit. Südwestlich -om Doiran-See scheiterte ein englischer Vorstotz. Italienische Front. Die Lage ist unverändert. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. Akerrdbericht. a. d»lin, 24. Ion., abends. (WB. AintUL) Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. war, als sie in Gegenwart Eaillaux und seiner Verteidiger ge- oilnet werden sollten. Aus dem Aktenbündel waren wichtige Schriftstücke verschwunden, unter anderem ein Dokument von der Hand des Präsidenten Poincare. Die Verletzung der Siegel und das Verschwinden dieser Schriftstücke wurde zu Protokoll genommen. Was vom Inhalt des angeblichen Staatsstreich- planes Eaillaux' bekannt wird, ist nicht geeignet, den französischen Kriegshetzern viel Freude zu machen. Es stellt sich vor allem heraus, daß die Behauptung, Eaillaux habe sich während des Krieges zum Diktator machen, Poincare. Vriand und an> dere verhaften und Paris durch korsische Regimenter besetzen lasten wollen, nur Phantasien waren. ss «j. Der österreichische Generolstob meldet: --— Wien, 24. Fan. (WB.) Amtlich! wird verlautbart: Die Lage ist unverändert. Der Chef des Generalstaöes. 18000 Tonnen versenkt. Berlin. 23. Jan. (WTB. Amtlich.) 18 000 Bruttoregister- tcnnen. Die Mehrzahl der Schiffe, die tief beladen waren, wurde im Aermelkanal. trotz starker feindlicher Abwehrmaßnah- men jeder Art versenkt Eines der vernichteten Schiffe, das im östlichen Aermelkanal aus einem durch zahlreiche Seestreitkräfte geschützten Geleitzug herausgeschossen wurde, war allem Anscheine nach ein Trcmsportdampfer mit Kriegsmaterial. Der Chef des Admiralstabs der Marine. * Das Seetreffen bei den Dardanellen. Haag, 24 Jan. Reuter meldet aus London: Im Unterhaus teilte Mac Namara mit. daß bei dem letzten feindlichen Vorgehen im östlichen Mittelmeer 484 Mann auf einenr Dampfschiff und 224 aus einem andern ums Leben gekommerr sind. Strastrnkkimpfe irr Südfraukreich. k - (WTB.) Am 16. Januar lind in Lyon und Saint Etienne gleichzeitig revolutionär« Aufstände ansgebrochen. Sie hatten ihren Ursprung in Arbeiterausständen, nahmen aber bald einen politischen Charakter an. Die Streikenden zogen durch die Stra. tzen und verlangten Frieden. In Lyon kam es letzten Donnerstag zu blutigen Zusammenstößen vor dem Rathaus, wo die Bevölkerung die Stadtbehörden belagert hielt. Cie verlangte von ihnen billigere Lebensmittel. ^>n Etieune (Departement de l'Isere) waren die Ausschreitungen noch ernsterer Natur. Die Bevölkerung plünderte die Läden und verschiedene Villen von Großindustriellen. Obwohl nran den Streikenden Lohnaufbesserung versprach, waren sie nicht damit zufrieden und verblieben im Ausstand. Am Freitag kam es zu heftigen Barrikadenkämpfen. -Der Ernst der Lage läßt sich daraus erkennen, daß jeder zweite Posten der Grenzgendarmerie der Schweizer Grenze aufgeboien wurde und nach den Zentren der Aufstände transportiert worden ist. Von der Genfer Grenze sind allein 50 französische Gendarmen nach Lyon gesandt worden.- Ausdehnung des Caillnnr-Jsinndnles Der „Matm" erfährt, im Zusammenhang mit dem Fall Eaillaux stehe in Italien eine Verhaftung bevor, die außergewöhnliches Auffehen machen werde. Die Untersuchung in Paris.bringt der Negierung und ihrem Anhang in der Preste neue Unannehmlichkeiten. Zunächst enthüllt die Zeiftlng „Ve- )ciltv", daß ein Teil der Siegel der von Italien durch Eeheim- beamte nach Paris gebrachten Florenzer Dokumente' .erbrochen Jili! kNs, Fin'A iiar finrtn JM'Wenbrich. Italien steht vor der schwersten Lebensmittelnot, die es fett Kriegsausbruch durchgemacht hat. Die Vorräte sind derart zu- sammengeschmolzen, daß vom Durchhalten bis zur nächsten Ernte nicht geredet werden kann, wenn die Zufuhren nicht fühlbar zunehmen. Der Kohlenmangel droht einen großen Teil der Kriegswerke in absehbarer Zeit stillzulegen. Der „Corriere della Sera" hat mit einer Aufsatzreihe begonnen, in der er den Ernst der Lage schildert und die Verbündeten an ihre Pflicht mahnt, Italien mit denr Notwendigsten zu versehen. Der Zusammenbruch Italiens würde auch den Zusammenbruch Frankreichs und Englands bedeuten. Orlando und Sonnino dürften keinen Augenblick zögern, in Paris und London dringend vorstellig zu werden. Das Blatt verweist auf den U-Bootkrieg im Mittelmeer, der die Versorgung Italiens erschwere, während der Feind von den Alpen bis zum Piave einen neuen Vorstoß vorbereite. Daß es sich nicht bloß um leere Mutmaßungen und schwarzseherische Anwandlungen des Mailänder Blattes handelt, zeigen die vielen Ministerberatungen der letzten Tage, besonders die Besprechungen Orlandos mit dem Minister des Aeußern, dem Marinemintster und dem Leiter des Verpflegungswesens, sowie endlich auch die Pariser Reise Orlandos. Wachsende Erkenntnis in Italien. Genf, 23. Jan. Bezeichnenderweise erlaubt sich die einflußreiche Turiner „Stampa", Wilson und Lloyd George zu Gemüte zu ftihren, daß sie sich in Widerspruch zu ihren früheren Entschlüssen gestellt haben und daß die Drohung mit dem Wirtschaftskrieg nach dem Krieg unsinnig sei. Das Blatt wagt sogar daran zu erinnern, daß Deutschland Italiens bester Kunde gewesen sei. Auf die Engländer sind die Italiener überhaupt jetzt schleckt zu sprechen, während sie lür Frankreich immer noch Zuneigung empfinden. Die ciroße Masse schreit und schimpft mit gleicher Stärke auf die eigene Regierung, aus die Deutschen und die Engländer und schert sich den Teufel um die langatmigen Verhandlungen der Kammer auf Monte Citorio. Vor den Bäckerläden bewegen sich Prozessionen fluchender und weinender Weiber. Man hat viel zu lange aus dem Vollen gewirffchaftet und sckiebt jetzt, wo die Vorräte sparsam eingeteilt werden müssen, die Schuld auf den Ver- pslegungsminifter Canepa, der nicht zu rechnen verstanden habe. Die sozialistischen Stadtverwaltungen haben vollständig versagt. Ein guter Kenner des italienischen Volkscharakters versicherte dieser Tage einem neutralen Gewährsmanne, daß bei der Lebensmittelnot mit geradezu anarchischen Zuständen arif der Apenninen-Halbinsel zu rechnen sei. RnMch-rmnäirikche Schlacht. Nüssen suchen Schutz bei den Deutschen. Berlin, 24. Jan. Ueber die Lage an der rumänischen Front erfahren wir, daß die Kämpfe zwischen Nüssen und Rumänen bei Galatz größeren Umfang angenommen haben. Rach dem für die Russen unglücklichen Ausgang traten 3200 Russen mit 22 Geschützen, 57 Munitionswagen, 53 sonstigen Wagen, 360 anderen Fahrzeugen und 1200 Pferden auf unser Gebiet über. Auch nach Bessarabien wurden runiä- nische Truppen entsandt. Die Regierung der selbständigen bessarabischen Republik hat sich, da sie kein eigenes Heer hat, an die Rumänen um Hilfe gewandt. Die Rumänen wollen nach neutralen Meldungen die Hand auf Bessarabien legen. Schweizer Grenze, 24. Jan. Der „Djen" berichtet ans Odessa, daß der dortige Sovjet die Zurücknahme sämtlicher tm Hafen von Odessa liegenden rumänischen Schiffe an- crdnete. Hierbei handelt es sich um.16 Fahrzeuge, darunter zwei Torpedoboote und Kanonenboote. Zwei rumänischen Fahrzeugen gelang es, rechtzeitig zu entkommen. Die „Reue Zurch. Ztg." meldet von der finnischen Grenze: Die Ver> f'” 11 " 9 ü? ""lbauischen Heere hat ihren Höhepunkt er- "M- d-e bolschewistischen Truppen einen regeb rechten Fewzug gegen die rumänischen Kriegslager eröffnet und lamtlrche Munitionslager planmäßig verwüstet haben. Noch vor wenigen Tagen wurde ein Anschlag gegen das Munrt onslager des rmnanrschen Heeres in Jaffy verübt Eme furchtbare Explosion, wobei Kriegsvorräte unk- Munltion un Werte von 34 Millionen Rubel vernichtet wurden, ereignete sich dabei. M iw RkiDkmzsers. 93etlitr, 24. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) In der heutige« Sitzung des Hauptausschustes des Reichstages führte Reichskanzler Dr. Graf von Hertling folgendes aus: Meine Herren i Als ich zum letzten Male die Ehre hatte, vor Ihrem Aus^ schuß zu sprechen — es war am 3. Januar — standen wir, ss schien es, vor einem in Vrest-Litowsk eingetretenen Zwischenfall. Ich habe damals die Meinung ausgesprochen, daß wir die Erledigung dieses Zwischenfalles in aller Ruhe abwarten kön. nen. Die Tatsachen haben dem Recht gegeben. Die russische Delegation ist wieder in Vrest-Litowsk eingetroffen. Die Ver» Handlungen sind wieder ausgenommen und fortgesetzt worden. Sie gehen langsam weiter, aber sie sind außerordentlich schwie» rig. Auf die näheren Umstände, die diese Schwierigkeiten b?» dingen, habe ich schon das vorige Mal hingewiesen. Manchmal konnte in der Tal ein Zweifel entstehen, ob es der russische« Delegation ernst sei mit den Friedensverhandlungen, und allerhand Funtsprüche. die durch die Welt gehen mit höchst seltsamem Inhalt, Wnnten diese Zweifel bestätigen. Trotzdem halte ich a« der Hoffnnng fest, daß wir mit der russischen Delegation it* Brest-Litowsk demnächst zu einem guten Abschluß gelangen wer* den. Günstig stehen unsere Verhandlungen mit den Vertretern der Ukraine. Auch hier sind noch Schwierigkeiten zu überwin- den, aber die Aussichten sind günstig. Wir hoffen, demnächst mtt der Ukraine zum Abschluß zu kommen, der im beiderseitigen Interesse gelegen und aus der wirtschaftlichen Seite vorteilhaft sein würde. Ein Ergebnis, meine Herren, war bereits am 4. Januar abends 10 Uhr zu verzeichnen. Wie Ihnen allen bekannt ist, hatte die russische Delegation zu Ende Dezember den Vorschlag gemacht, eine Einladung an sämtliche Kriegsteilnehmer ergehen zu lasten sie sollten sich an den Verhandlungen beteiligen. Als Grundlage hatte die russische Delegation gewisse Vorschlags allgemeinen Inhalts unterbreitet. Wir haben uns damals auf den Vorschlag, die Kriegsteilnehmer zu den Verhandlungen ern- zuladen, eingelassen, unter der Bedingung jedoch, daß diese Einladung an eine ganz bestimmte Frist gebunden sei. Am 4. Januar, abends 10 Uhr, war diese Frist verstrichen. Eine Antwort war nicht erfolgt. Das Ergebnis ist. daß wir der Entente gegenüber in keiner Weise mehr gebunden sind, daß wir die Bahn frei haben für die Sonderverhandlungen mit Rußland und daß wir auch selbstverständlich an keine von der russischen Delegation uns vorgelegten allgemeinen Friedensvorschlage der Entente gegenüber in keiner Weise mehr gebunden sind. Lloyd George vnd Wilson. Anstatt der damals erwarteten Antwort, die ausgeblieben ist, sind inzwischen, wie die Herren alle wisten, zwei Kundgebungen feindlicher Staatsmänner erfolgt: Die Rede des englischen Ministers Lloyd George vom 5. Januar und die Botschaft des Präsidenten Wilson am Tage danach. Ich erkenne gern an, daß Lloyd George seinen Ton geändert hat Er schimpft nicht mehr und scheint dadurch seine früher von mir angezweifelte Der- Handlungsfähigkeit jetzt wieder Nachweisen zu wollen. (Heiterkeit.) Immerhin aber gehe ich nicht soweit, wie manche Stim- nren aus dem neutralen Auslande, die ays der Rede Lloyd Georges einen ernsten Friedenswillen, ja sogar eine freundliches Gesinnung heranslesen wollen. Es ist wahr, er erklärte, er wolle Deutschland nicht vernichten vnd habe nie vernichten wollen. Er gewinnt sogar Worte der Achtung über sich für unsere politische, wirtschaftliche und kulturelle Stellung. Aber dazwischen fehlt es doch auch nicht an anderen Aeußernngen. Dazwischen^ drängt sich doch immer wieder die Auffastung durch, daß er über das aller möglichen Verbrechen beschuldigte Deutschland Recht zu sprechen habe, eine Gesinnung, meine Herren, auf die wir un» selbstverständlich nicht einlasten können, in der wir von einem ernsten Willen noch nichts verspüren können. Wir sollen die Schuldigen lein, über die die Entente zu Gericht tztzt. Das nö* iigt mich, einen kurzen Rückblick auf die vor dem Kriege vor- werfen, auf die Gefahr hin, längst Bekanntes noch einmal -n werf.en auf die Gefahr hin, längst Bttanntes noch einmal zv wiederholen. Die Aufrichtung des Deutschen Reiches im Jahre 1&71 hatte der alten Zerrissenheit ein Ende gemacht. Durch den Zusammenschluß jener Stämme hatte das Deutsche Reich in Europa diejenige Stellung erworben, die feinen wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen und den darauf begründeten Ansprüchen entsprechen. (Vrcwoff Fürst Bismarck krönte sein Werk durch das Bündnis mit Oesterreich-Ungarn. Es war ein rein dcfcnsir-es Bündnis, von den hohen Verbündeten vom ersten Tage an so gedacht und so gewollt. Im Laufe der Jahrzehnte ist niemals mich nur der leiseste Gedanke zu aggressiven Zwecken aufgrtaucht. Insbesondere zur Erhaltung des Friedens sollte das Defensivbündnis zwischen Deutschland und der eng verbündeten in alter Tradition durch gemeinsame Interessen mit uns verbündeten Donaumonarchie dienen. Aber schon Fürst Bismarck hatte, wie ihm oftmals vorge- werfen wurde, den Alpdruck der Koalition. Und die Ereignisie der Folgezeit haben gezeigt, daß das keine bloßen schreckhaften Traumbilder waren. Mehrfach trat die Gefahr feindlicher Koalitionen, die den verbündeten Mittelmächten drohten, in die Erscheinung. Durch die Einkreisungspolitik König Eduards ward der Traum der Koalitton Wirklichkeit. Dem englischen Imperialismus stand das aufsttebende und erstarkende Deutsche Reich im Wege In französischer Revanchesucht, im russischen Exvansivftreben fand dieser britische Imperialismus nur allzu werte Hilfe. Und so bereiteten sich für uns gefährliche Zukunftsplane vor Schon innner hatte die geographische Lage Deutsch, lands die Gefahr eines Krieges auf zwei Fronten uns nahe gerückt. Jetzt wurde sie immer sichtbarer. Zwischen Rußland uni) Frankreich wurde ein Bündnis abgeschlosien. desien Teilneh- vier das Deutsche Reich und Oesterreich Ungarn an Eimvohner- zchl um das Doppelte übertrafen. Frankreich, das republika. N'fche Frankreich, lieh dem zaristischen Rußland Milliarden zum Ausbau der sttategischen Bahnen im Königreich Polen, die den Aufmarsch gegen uns erleichtern sollten. Die französische Republik zog den letzten Mann zur dreijährigen Dienstzeit heran. So schuf Frankreich neben Rußland eine bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit gehende Rüstung. Beide verfolgten dabei Zwecke, die unsere Gegner jetzt als imperialisttsch bezeichnen. Es wäre pflichtvergessen gewesen, wenn Deutschland die. sem Spiele ruhig zugesehen hätte, wenn nicht auch wir uns eine Rüstung zu schaffen versucht hätten, die uns- gegen die künftigen Feinde zu schützen hatte. Meine Herren! Ich darf vielleicht daran erinnern, daß ich selbst als Mitglied des Reichstages sehr häufig über diese Dinge gesprochen habe und daß ich bei diesen Rüstungsausaaben stets darauf hingewiesen habe, daß das deutsche Volk wenn es diesen Rüstungen zustimmt. lediglich eine Politik des Friedens treiben wollte, daß diese Rüstung uns nur aufgenötigt fei zur Abwehr gegen die uns vom Feinde drohende Gefahr. Es scheint nicht daß diese Worte irgendwie vom Auslande beachtet worden wären. Und nun Elsaß-Lothringen' Elsaß-Lothringen. von dem auch jetzt wieder Lloyd George redete. Auch jetzt spricht er wieder von dem Unrecht, das Deutschland im Jahre 1871 Frankreich angetan habe. Essaß- Lothringen — ich sage es nicht Ihnen. Sie bedürfen der Belehrung nicht, aber im Auslande scheint man die Dinge immer noch nicht zu kennen — Elsaß-Lochringen umfaßt bekanntlich zum größten Teil rein deutsche Gebiete, die durch Jahrhunderte fertgesttter Vergewaltigung ünd Rechtsbrüche vom Deutschen Reiche losgelöst wurden, bis endlich 1789 die französische Revo- luticn den letzten Rest verschlang. Damals wurden sie ftanzö- sische Provinzen. Als wir nun im Siebziger Krieg die uns freventlich entrissenen Landstriche zurückverlangten, war dies nicht Eroberung fremden Gebietes, sondern recht eigentlich was man jetzt Desannexion nennt, und diese Desannexion ist dann auch von der ftarrzösischen Nationalversammlung, der verfassungs. mäßigen Vertretung des französischen Volkes in damaliger Zeit am 29. März 1871 mit großer Stimmenmehrheit ausdrücklich anerkannt worden. Und auch in England, meine Herren, sprach man damals ganz anders als heute Ich kann mich auf einen klassischen Zeugen berufen. Es ist kein anderer als der berühmte englischer Historiker und Schriftsteller Thomas Earlyle, der in einem Briefe an die..Times" und zwar im Jahre 1870. folgendes schrieb: „Kein Volk hat einen so schlimmen Nachbar, wie ihn Deutschland während der letzten 400 Jahre an Frankreich besaß. Deutschland wäre verrückt, wenn es nicht daran dächte, einen Grenzwall zwischen sich und einem solchen Nachbar zu errichten?" — Ich bemerke, daß ich die sehr hatten Ausbrüche welche Car- lyle in diesem Zusammenhänge gegen Frankreich gebrauchte, meinerseits jetzt nicht wiederholt habe — „einen solchen Grenz- wall sich zu errichten, wo es Gelegenheit dazu hat. Ich weiß von keinem Naturgesetz und keinem Himmelsparlamentsbeschluß kraft dessen Frankreich allein von allen irdischen Wesen nickt verpflichtet wäre, einen Teil der geraubten Gebiete zurückzuerstatten wenn die Eigentümer, denen sie entrissen, eine günstige Gelegenheit haben, sie wieder zu erobern. Und in gleichem Sinne spracken angesehene englischen Preßorgane — ich nenne beispielsweise die „Daily News" — das aus. Wilson. Ich komme nunmehr zu Wilson, meine Herren! Auch hier erkenne ich an. daß er schon ein anderer geworben ist. Es scheint, daß die damalige einmütige Zurückweisung 'des Versuchs Wilsons in der Antwort auf die Papstnote. zwischen der deutschen Regierung und dem deutschen Volke Zwie- tracht zu sttften, ihre Wirkung gttan hat. Diese einmüttge Zurückweisung könnte Wilson schon auf den rechten Weg leiten, und der Anfang dazu ist vielleicht gemacht; denn jetzt ist-wenigstens nicht mehr die Rede von der Unterdrückung des deutschen Volkes durch eine autokratiscke Regierung und die früheren Angriffe auf das Haus Hohenzollern find nicht wiederholt worden. Auf die schiefen Darlegungen der deutschen Politik, die sich auch jetzt noch in Wilsons Botschaft finden, will ich hier nicht eingehen, sondern im einzelnen die Punkte besprechen, die Wilson darlegt. Es sind nicht weniger als 14 Punkte, in denen er fein Friedeasprogramm formuliert, und ich bitte um Ihre Geduld, wenn ich diese 14 Punkte so kurz als möglich hier zum Dortraa brinne Der erste Prmtt «ttangch m solle, t*bm geheime» intet» nationalen Vereinbarungen mehr statt finden. Met« Herr«! Die Geschichte lehrt, daß wir uns am ehesten mit einer wett- gehenden Publizität der diplomattschen Abmachungen einverstanden erklären könnten. Ich ettnnere daran, daß unser De- fensivbündnis mit Oesterreich-Ungarn feit dem Jahre 1888 aller Welt bekannt war. während die Offenfivabmachungen zwischen den feindlichen Staaten erst im Laufe des Krieges und zuletzt durch die Enthüllungen der russischen Eeheimakten das Licht der Oeffentlichkeit erblickten. Auch die Verhandlungen in Vrest-Litowsk vor aller Oeffentlichkeit beweisen, daß wir durchaus bereit sein können, auf diesen Vorschlag einzugehen und die Publizität der Verhandlungen als allgemeinen politischen Grundsatz zu erklären. Im zweiten Puntt fordett Wilson Freiheit der Meere. Die vollkommene Freiheit der Schiffahrt auf dem Meere im Krieg und Frieden wird auch von Deutschland als eine der ersten und wichtigsten Zukunftsforderungen aufgestellt. Hier besteht also keine Meinungsverschiedenheit. Die von Wilson am Schlüsse an gefügte Einschränkung — ich brauche sie nicht wörtlich anzu- führen, — ist nicht leicht verständlich. Im hohen Grade aber wichtig wäre es für die Freiheit der Schiffahrt in Zukunft, wenn auf die statt befesttgten Flottenstützpuntte an wichtigen internationalen Verkehrsstraßen, wie lie England in Gibraltar- Malta, Aden. Hongkong, auf den Falklandsinseln und an manchen anderen Stellen unterhält, verzichtet werden könnte. Drittens: Vefeittgung aller wittschaftlichen Schranken. Auch wir' sind mit der Beseitigung wittschaftlicher Schranken, die den Handel in überflüssiger Weise einengen, durchaus einverstanden. Auch wir verurteilen einen Wirtschaftskrieg, der voraussichtlich die Ursachen künftiger kriegerischer Verwickelungen in sich tragen würde. Viertens: Beschränkung der Rüstungen. Wie schon früher von uns ettlärt wurde, ist der Gedanke einer Rüstungsbeschrän. kung durchaus diskutabel. Die Finanzlage sämtlicher europäischer Staaten nach dem Kriege dürfte einer befriedigenden Lesung den wirksamsten Vorschub leisten. Sehr richtig?)' Man steht also, meine Herren, über die vier ersten Programmpunttc könnte man ohne Schwierigkeiten zu einer Verständigung gelangen. Ich wende mich zum fünften Punkt- Schlichtung aller kolo- malen Ansprüche und Streitigkeiten. Die praktische Durchfüh. rung des von Wilson aufgestellten Grundsatzes in der Welt der Wirklichkeit wird einigen Schmierigkeiten begnen. Jedenfalls glaube ich, daß es zunächst dem großen Kolanalreiche England Überlasten bleiben kann, wie es sich mit dem Vorschlag seines Verbündeten abfinden. Bei der unbedingt auch von uns geforderten Neugestaltung des Welttolonialbesttzes wird von diesem Progrcnnmpunkt seiner Zett die Rede sein. Seck.siens: Räumung des russischen Gebietes. Nachdem die Ententestaaten es abgelehnt haben, innerhalb der von Rußland und den vier verbündeten Mächten vereinbarten Frist sich den Verhandlungen anzu'chlteßen, mutz ich namens der letzten eine nachträgliche Einmischung ablehnen Wir stehen hier vor Fra gen. die allein Rußland und die vier verbündeten Machte an« gehen. Ich halte an der Hoffnung fest, daß es unter Anetten, nung der Selbstbestimmung der westlichen Randvölker des ehemaligen russischen Kaiserreichs gelingen wird, zu einem guten Verhältnis sowohl mit diesen als mit dem übrigen Rußland zu gelangen, dem wir auf das Dringendste die Rückkehr geordneter, die Ruhe und Wohlfahrt des Landes gewährleistender Zustände wünschen. Punkt sieben kommt auf die belgische Frage. Was die bel. gische Frage betrifft, so ist von meinen Amtsvorgangern wiederholt erklärt worden, daß es zu keiner Heit während des Krieges die gewaltsame An.gliederung Belgiens an Deutschland einen Programmpunkt der deutschen Politik gebildet habe. Die bel. gffche Frage gehött Zum Komplex der Fragen, deren Einzelheiten durch die Friedeosverhandlungen zu ordnen fein werden. Solange sich unsere Gegner nicht rückhaltlos auf den Boden stellen/daß die Integrität des Gebietes der Verbündeten die einzig mögliche Grundlage von Friedensbesprechungen bieten kann, muß ich an dem bisher stets eingenommenen Ctandpuntt festhalten und ein Dorwegnehmen der belgischen Angelegenheit aus der Gefamtdrskussion ablehnen. Achtens: Befreiung des französischen Territoriums. Di; okkupierten Telle Frankreichs sind ein wettvolles Faustpfand in unserer Hand Auch hier bildet die gewaltsame Angliederung keinen Teil der amtlichen deutschen Politik. Die Bedingungen und Modalitäten der Räumung, die den vitalsten Interessen Deutschlands Rechnung ttagen müssen, sind zwischen Deutschland und Frankreich zu vereinbaren. Ich kann nur nochmals de» tonen, daß von einer Abtretung von Reichsgebiet nie und nimmer die Rede sein kann. Das Reichsland, das sich seitdem immer mehr forteatwickelt hat. von dem mehr als 87 Prozent die deutsche Muttersprache sprechen, werden wir uns von dem Feinde unter irgend welchen schönen Redensarten nicht wieder abneh-- men lassen. (Bravo?) 9. 10. und 11: Italienische Grenzen, Nationalitätenfragen der Donaumonarchie, Balkanstaaten. Was die von Wilson unter 9. 10 und 11 bchandlten Fragen betrifft, so berühren sie sowchl in den italienischen Grenzfragen als in denen der künftigen Enttvickelnng der österreichisch-ungarischen Monarchie und den Fragen der Zukunft der Balkanstaaten Punkte, bei denen zum größten Teil die politischen Interessen unseres Verbündeten Oesterreich-Ungarn Lbevwiegen. Wo deutsche Interessen im Spiele sind, werden wir sie aufs nachdrücklichste wahren, doch möchte ich die Beantwortung der Wilsonschen Vorschläge in diesen Punkten in erster Linie dem auswärtigen Minister der österreichisch-ungarischen Monarchie überlassen. Die enge Verbindung mit der verbündeten Donaumonarchie ist der Kernpunkt unserer heutigen Polittk und muß die Richtlinie für die Zukunft sein. Die treue Waffenbrüderschaft, die sich im Kriege so glänzend bewähtt hat, muß auch im Frieden nachwitten, und so werden wir auch unsererseits aller daran setzen, daß für , Oesterreich-Ungarn ein Fttede zustarü* kommt, der den berech- " liate« Ansprüchen Rechnung, trägt. , X; Zwölftens: Türkei. Ebenso möchte ich in dem unter Punkt 12 von Wilson berührten Angelegenheiten, die unsere treuen tapferen und mächtigen Bundesgenossen die Türkei betreffen in keiner Werse der Stellungnahme ihrer Staatsmänner 'vorgreifen. Dre.Integrität der Tüttei und die Sicherung ihrer Haupt- iyJr ble 0 m ] t be ? Meerengenfrage eng zusammenhängt, sind wichtige Lebensrntercssen auch des Deutschen Reiches. Un- ser Verbündeter kann hierbei stets auf unseren nachdrücklichsten Beistand rechnen. Punkt 13 behandelt Polen. Nicht dig. Entente, die für Polen nur inhaltlose Worte fand und vor dein Kriege nie der Rußland für Polen eingetreten ist, sondern das Deutsche Reich und Oesterreich-Ungarn waren es, die Polen von dem seine nationale Eigenatt unterdrückenden zaristischen Regiment befreiten. So möge man denn auch Deutschland. Oesterreich-Ungarn und Polen es überlassen, sich über die zukünftige Gestaltung dieses Landes zu einigen. Wie die Verhandlungen und Mitteilungen des letzten Jahres be- weisen, sind wir durchaus auf dem richtien Wege hierzu. Der letzte Punkt behandelt den Verband der Völker. Was diesen Pimkt betrifft, so stehe ich, wie sich aus meiner bisherigen politischen Tätigkeit ergbt, jedem Gedanken sym- pathlsch gegenüber, der für die Zukunft die Möglichkeit und Wahrsck^ein'ichkeit von Kriegen ansschaltet und das friedliche und harmonische Zusammenarbeiten der Völker fördern will. Wenn der vom Präsidenten Wilson stammende Ge- danke des Verbandes der Völker bei näherer Ausführung und Prüfung ergibt, daß er wittlich im Geiste einer voll, kommenen Gerechtigkeit gegen alle und einer vollkommenen Vorurteilslosigkeit gefaßt ist, so ist die kaiserliche Regierung gern bereit, wenn alle anderen schwebenden Fragen geregelt fern werden, einer Prüfung der Grundlagen eines solchen Völkerbundes näher zu treten. Meine Herren? Sie haben die Reden von Lloyd George und die Vorschläge des Präsidenten Wilson kennen gelernt Jch muß wiederholen, was ich zu Anfang sagte: Wir müssen uns nun fragen, ob aus diesen Reden und Vorschlägen uns wirklich ein ernstlicher, ehrlicher Friedenswille entgegenttttt. Sie enthalten gewiß Grundsätze für einen allgemeinen Weltfrieden denen auch wir zustimmen und die die Ausgangs- und Zielpunkte für Verhandlungen bilden könnten Wo aber konkrete Fragen zur Sprache kommen. Punkte, die für uns und unsere Verbündeten von entscheidender Bedeutung sind, da ist ein Friedenswille weniger bemerkbar. Unsere Gegner wollen Deutschland nicht „vernichten", aber sie schielen begehrlich nach Teilen unserer und unserer Verbündeten Länder. Sie sprechen mit Achtung von Deutschlands Stellung, aber dazwischen dringt immer wieder die Auffassung durch, als seien wir die Schuldigen, die Buße tun und Bes- serng geloben müßten. So spricht immer noch der Sieger zu dem Besiegten, so spricht der, der alle unsere früheren Aeußerungen von Friedensbereitwilligkeit als blasse Zeichen der Schwab deutet. Von diesem Standpunkte, von dieser Täuschung sollen sich die Führer der Entente zuerst losmachen. Um ihnen dies zu erleichtern, möchte ich daran erinnern, wie denn die wirkliche Lage ist. Mögen Sie sich gesagt sein lassen: Unsere militärische Lage war niemals so günstig, wie sie jetzt ist. (Bravo!) Unsere genialen Heerführer sehen mit unverminderter Siegeszuversicht in die Zukunft. Durch die ganze Armee, durch Offiziere und Mannschaften geht ungebrochene Kampfesfreude. Ich erinnere an das Wort, das ich am 29. November im Hause sprach: Unsere wiederholt ausge- tprochene Friedensbereitschaft, der Geist der Versöhnlichkeit, der aus unseren Vorschlägen speicht, der darf kein Freibrief für die Entene sein, den Krieg immer wieder zu verlängern. Zwingen uns unsere Feinde hierzu, so haben sie die sich daraus ergebenden Konsequenzen zu tragen. Wenn die Führer der feindlichen Mächte wirklich zinn Frieden geneigt sind, so mögen sie ihr Programm nochmals revidieren oder, wie Lloyd George sagte, eine Rekonsideration eintreten lassen. Wenn sie das tun und mit neuen Vorschlägen kommen, dann werden wir sie auch ernstlich prüfen; denn unser Ziel ist kein anderes als die Wiederherstellung eines dauernden allgemeinen Friedens. Aber dieser dauernde allgemeine Friede ist solange nicht möglich, als die Integrität des Deuffchen Reiches, als die Sicherung unserer Lebensinteressen und die Würde unseres Vaterlandes nicht gewahrt bleibt. Ms dahin heißt es ruhig zusammenslehen und abwatten. Im Ziele, meine Herren, sind wir wobl alle einig (lebhafte Bravos), über die Methoden und Modalitäten kann man verschiedener Meinung sein. Aber lassen wir jetzt olle diese Meinungsverschiedenheiten zurücktreten. Sttefteu wir nicht über Formeln, die bei dem rasenden Lauf der Weltbegebenheiten immer zu kurz kommen und behalten wir über trennende Pattei gegensähe hinaus das eine gemeinsame Ziel im Auge: das Wöh! des Vaterlandes. Stehen wir zusain- men, Regierung und Volk, und der Sieg wird unser sein. Ein guter Fttede wird und muß kommen. Das deutsche Volk erträgt in bewundernswerter Weise die Leiden rmd Lasten des nun in seinem vierten Jahr währenden Krieges. Bei diesen Lastest und Leiden denke ich ganz besonders an die Leiden der kleinen Handwerker und an die der gering besoldeten Beamten, aber alle Männer und Frauen wollen aus- halten und durchhalten. In politischer Reife lassen sie sich nicht von Schlagwotten betören, wissen sie zu untettcheiden zwischen den Realitäten des Lebens und glückverheißenden. Träumen. Ein solches Volk kann nicht untergehen. Gott ist mit uns und wird ferner mit uns sein! (LebbaLte Bravos.) \ - Graf V reruut hat zu gleicher Zeit mit dem deutsche« Reichskanzler ht der österreichischen Delegation eine Rede gehalten, deren wichtig- ster Punkt lautet: Ich ließ die Öffentlichkeit niemals im Zweifel darüber, welchen Weg ich gehe. Ich ließ mich niemals auch nur um eines Haares Breite von diesem Wege abdrängen, weder nach rechts noch nach links. Ich wurde seitdem der unbestrittene Liebling der Alldeutschen und derjenigen in der Monarchie, die die Alldeutschen nachahmen. Ich werde gleichzeitig als Kriegshetzer von denen verschrieen, die den Frieden um jeden Preis wollen, wie zahlreiche Briefe mir beweisen. - Beides genierte mich niemals. Im Gegenteil, diese doppelten Schimpfereien sind meine einzige Erheiterung in dieser ernsten Zeit. Ich erkläre hier nochmals, daß ich keinen Quadratmeter und keinen Kreuzer von Rußland verlange, und daß, wenn Rußland, wie dies scheint, sich auf den gleichen Standpunkt stellt, der Friede zustande- kommen muß. Diejenigen, die den Frieden um jeden Preis wollen, können Zweifel an meinen annexionslosen Absichten hegen, wenn ich ihnen nicht mit der gleicl>en rücksichtslosen Offenheit ins Gesicht sagen würde, daß ich mich niemals dazu hergeben werde, einen Frieden zu schließen, der über den eben skizzierten Rahmen hinausgeht." Die schnoddrigen Redensarten, in denen sich der slawische Graf über die Alldeutschen ergeht, zeigt mehr als irgend etwas anderes wie weit wir gekommen sind. Die Bundestreue Deutschlands zu Ocsterreich-Ungarn, dessen „annexionslüsterne" Politik (Bosnien. Herzegowina) die unmittelbaren Ursachen des Weltkrieges gebracht hat. hat Oesterreich-Ungarn vor dem Untergang gerettet. Heute wagt es ein österreichisch-slawischer Staatsmann sich in deutsche Verhältnisse zu mischen und deutsche Anschauungen seiner unmaßgeblichen Kritik zu unterziehen. Würde das ein deutscher Staatsmann tun? O ehe-Mlmr ZgMtüiekrat in da MwanssMiti. tton SonMrg. den 20. Januar, fand im „Goldenen Löwen" zu B u tz b &-€) eine Versammlung der Vaterlandspartei statt. Nachdem der Vorsitzende, Herr Direktor Dr. Kalbfleisch, die Erschienenen begrüßt hatte erteilte er dem Redner des Tages. Herrn Stadtverordneten Krumm aus Gießen, das Wert zu seinem Vortrage. In klarer, überzeugender Weise führte der Redner die Bestrebungen, die Ziele der Vaterlandspariet vor. Wenn unsere erbitterten Gegner einen schändlichen Raubzug gegen uns unternommen haben, auf dem sie ihr Ziel uns zu rernichten. dank der Tapferkeit unserer herrlichen Heers nicht erreichten, dann sollen und müssen sie Deutschland wieder schadlos halten. Wenn auch ein jeder Friede ein Derständi- gungsfrieden fei. so dürfe er jetzt kein Verzichtfriede sein, der uns verarmen lasse, der unsere Industtie und unseren Handel auf einen tranigen Standpunkt herabdrücke. Eine „Status guo" sei einfach ein Ding der Unmöglichkeit, wenn Deutschland etwa ein Viettel bis ein Drittel seines Nationalvermögens cpfern. wenn es jährlich anstatt 2 Milliarden das Fünffache zur Schuldentilgung aufbringen müsse. Der Einwurf, daß Deutschland vcn der Ausfuhr nach Mitteleuropa bestehen könne, müsse mit dem Hinweise zurückaewiesen werden, daß die Ausfuhr nach den uns befreundeten Staaten nur ein Fünftel unserer Cesamtausfuhr ausgemacht habe. Wenn wir nickt an eine An- nektion Belgiens denken, so sei doch eine Oberherrschaft über militärische und Handelsverträge geboten. Solle Deutschlands Eisenindustrie in der Zukunft bestehen und viele tausende deutsche: Industriearbeiter leben können, so müsse das nordfranzö- fiscke Erwecken unserem Vaterlande angealiedert werden. Das Bekenntnis eines kurlandifchen Vertteters in Berlin, daß Kurland für den Fall, daß es van Dentschland im Stick gelassen «urde. Ansckluß und Schutz an England suchen müsse, dürfte uns einen Fingerzeig gegeben haben, was im Osten zu tun fei. Im Volkerleben habe immer der Grundsatz gegolten: „Wer die Macht hat. batHas Recht" Darum sei das Wort von der „Allgemeinen Verständigung" unter den Völkern eine Phrase, denn hinter den rertraasckließenden Völkern müsse doch eine internationale Instanz stehen, die die Macht besäße, ihren Willen durchzusetzen Schon lange vor dem Kriege haben Frankreich und England es als ihre Aufaabe angesehen, zu verhindern, daß wir zu mächtig werden ilnd immer wieder betont, man müsse gegen Deuklckland vorgehen. — Vor allen Dingen müßten wir an uns selbst, an die starke gesunde Weiterentwicklung unseres gsliebttn deutschen Vaterlandes denken und uns keine Sorgen um das Wrblergehen unserer Gegner machen. Amerika hätte den Krieg bald zu Ende bringen können, wenn dies in seiner Absicht gelegen hätte, aber das anglo-amerikauische Trustwesen, das internationale Bärsentum haben ja nur auf Deutschlands Verderben sinnen lassen. Der Vorsitzende dankte dem geschätzten Redner und auch der Schriftführer Hauptlehrer Storch sprach Herrn Krumm seine warme Anerkennung aus. Der markige Gefgna „Deutschland, Deutschland über Alles" beschloß die Versammlung. Don der „Freiheit". die ste meinen! Die schmachvollen Vorgänge in den demokratischen Hochburgen Mannheim und Frankfurt sowie in Jena finden ihre Fortsetzung. Der aufgehetzte Pöbel will mit Gewalt eine Probe geben von den Zuständ-n. die eintreten. wenn die Massen am Ruder sind. Am 21. Januar ist in Leipzig eine Versammlung der Vaterlandspartei von den roten Genossen, durch wüsten Radau vereitelt worden, trotzdem eine vorgenommene Abstimmung ergaben, daß zwei Drittel der Versammelten Anhänger der Voterlandspcntei waren. Am Sonntag sollte in Stuttgart eine Vaterlandpartei-Versammlung stattfinden. I« der Tat war es ein Vorgeschmack der Pöbelherrschaft, den die Versammlung erhalten hat. Schon nm 10 Uhr, eine Stunde vor Beginn, war ein gutes Drittel des Saales von Leuten be1 setzt, die augenscheinlich nicht zu de» alle» erngeladenen „Mit. gliedern und Freunden" der Vaterlandspartei gehörten. Anfänglich ging es mit leidlicher Ruhe zu und der Redner konnte seine Ausführungen beginnen Bald aber hörte man Rufe wie die: „Wir mußten uns ja vor Mannheim schämen, wenn wir es nicht auch fertig brächten". Der Redner selbst gab mit seinen ruhigen und sachlichen Darlegungen den Ruhestörern kein Stichwort. Als er aber das anmaßende Auftteten des russischen Unterhändlers Trotzki gebührend kennzeichnete und das entschie- dene Eingreifen des Generals Hoffmann rühmend erwähnte, erscholl der Ruf: Hoch Trotzki! Von da an steigerte sich immer mehr die Unterbrechung und unverkennbar absichtliche Störung. Die Mahnungen des Vorsitzenden zur Selbstbeherrschung, feine Hinweise auf das Hausrecht und die Folgen des Hausfriedensbruchs vermochten ni^t mehr durchzudringen. Es blieb nichts anderes übrig, als dre Versammlung zu schließen. Das sind bedauerliche Zustände, so geht es nicht weiter, wir dürfen das siegreiche Deutschland nicht in em russisches Chaos gleiten lassen. Die Unkrautsaat Bethmann—Erzberger—Scheidemann schießt allzu üppig in die Halme und die deutsche Regierung hat die Pflicht, mtt starker Hand zu jäten, wenn sie überhaupt eine Ernte der ungeheuren Volksopfer dieser drei Kriegsjahre in den Scheunen zu bergen hoffen darf. KesteNermin des ANfrmnrds. Von jeher hat man die Besteuerung des Luxus oder richtiger gesagt des übermäßigen Aufwandes als eine — in neuerer Zeit auch aus sozialpolitischen Gründen — sehr erwägenswerte Maßnahme betrachtet. Mehrfach sind Ansätze zur Einführung von Luxrrssteuern gemacht worden, aber man hat sich bisher zumeist nur an Aeußerlichkeit die jeweils als Luxus angesehen nurden. gehaltem und daher Steuern auf alle möglichen Luxus- Erscheinungen empfohlen, von denen keineswegs immer fest- stand, daß es sich in jedem Falle auch immer um wirklichen Luxus bandelte. Neuerdings jedoch ist man von dem Begriff „Luxus" in steuerlicher Hinsicht stark abgekommen und hat dafür den Begriff des „Aufwandes", d. h. also des übermäßigen Aufwandes in die Steuertheorie eingesügt. Nach dem Kriege wird es nach Ansicht aller maßgebenden Kreise, gleichgültig ob wir eine Kriegsentschädigung erhalten oder nicht, zu einer stär- keren steuerlichen Anspannung nicht bloß im Reiche, sondern auch im Staate und möglicherweise auch in manchen Gemeinden kommen. Wenn k-ann also nach reichlicher fließenden Steuerobjekten Ausschau gehalten wird und dabei die Frage der De. steuerung dev Aufwandes von neuem zur Erörterung gelangt, so denkt man wohl nicht wie früher daran, der Verschwendung und dem Luxus Schranken zu setzen, sondern will aus dieser menschlichen Schwäche ebenso wie z. B. aus der Hoffnung auf Lottertegewtnne (Befriedigung der Spielsucht) steuerlichen Nutzen ziehen. In einem Artikel über die Besteuerung des Aufwandes im roten „Tag" beschäftigt sich Richard Nordhausen auch mit der Besteuerung des Aufwandes. Er kommt dabei zu dem Schluß: ..Wer sein gesamtes Jahreseinkommen verbraucht, oft sogar für sich allein verbraucht, muß schon um der Gerech- ttgkeit willen fester angefaßt werden als der Gleichgestellte, der eine Familie ernährt oder einen Teil des Erworbenen spatt." Mit beißendem Spott weist Nordhausen auf die Verteuerung des Kaviars durch den Zoll von 1.50 Mark für das Kilogramm hin. Pelze und Straußenfedern waren beinahe steuerfrei. für echte Vonamahüte wurde ein Zoll von 10 Pfg. das Stück erhoben. So ließe sich das Register noch fottsetze«. In dieser Begebung verweisen wie auf die schon jüngst erwähnte Schrift „Kriegsschulden und volkstümliche Steuerreform" von Regierungsrat A. Konietzko und C. Ioos (Verlag Frankfurter Vereinsdruckeret G. m b. H.). Dott wird einer Veredelung der Verbrauchsabgaben das Wort geredet. Es wird dabei, was namentlich unsere Sozialdemokratie sich merken sollte, darauf hingewiescn. daß unter den „herrlichen" Einrichtungen im demokratischen Auslande die indirekten Steuereinnahmen die Haupt- ' rolle spielen: „Gerade alle Demokratien machen die indirekten ° Steuern zur hauptsächlichsten Quelle ihrer Einnahme." Es ; wird in dieser Beziehung auch ganz besonders Frankreich ange- l führt, was namentlich bei unseren Zöllen auffällt, ist. daß hier der ausgleichende, der soziale Gedanke gar wicht zum Ausdruck kommt. Sowohl bei den Zöllen wie bei den indirekten Steuern ließe sich aber nach Ansicht der Verfasser diesem Gedanken mehr Rechnung tragen, wenn man bestrebt wäre, mit der Belastung den entbehrlichen Lebensgenuß zu treffen. In dieser Beziehung wird dann ausgeführt. In den letzten Jahren hat sich der Verbrauch (Luxus, Prunksucht, raffinierte Lebensweise. Schlemmerei) — nicht gerade zur Ertüchtigung des deutschen Volkes — in einem Maße entwickelt, daß wir hier eine fast neue ergiebige Steuerquelle finden können. „Wer es köstlich haben will, soll es sich auch kosten lassen", sagt ein spanisches Sprichwort. Je-größere Ansprüche jemand an den Lebensgenuß stellt, desto mehr mag er auch im Gefamtinterssse zahlen. Die Preiserhöhungen, die eine Eenußbesteuerung im weitesten Sinne im Gefolge haben würden, werden nicht ins Gewicht fallen. Die reichen Leute kümmern sich, wenn es sich um die Befriedigung ihrer Genußsucht handelt, im allgemeinen wenig um den Preis. Das haben wir erst jetzt im Weltkrieg mit seiner ungeheuerlichen Verteuerung aller Waren beobachten können. Dem Händler werden gewöhnlich alle Preiszuschläge ohne weitere Umstände gezahlt, obwohl diese Zuschläge doch ganz andere Höhen erreichen, als etwaige Steuern darauf, feien sie auch noch so hoch geschraubt. Es braucht nur auf die teuren Flügel, Perserteppiche, Pelze, Schmuck usw. hingewiesen werden. Weiter wird als Beispiel angefühtt, daß man im Hause die Flasche Sekt früher für 5 Mark trank, während man im Weinlokal die gleiche Sorte mit 8 bis 10 Mark befahlen mußte, in einer Var oder in einem ähnlichen nächtlichen Schlemmerlokal sogar mit 15 bis 20 Mark. In allen drei Fällen betragt aber die Schaumweinsteuer nur 1 Mark. Wer jedoch den Wirten 5 bis 15 Mark Zuschläge zahlt, sollte der nicht auch je nach dem Verkaufspreise der Flasch^ einen höheren entsprechenden Zuschlag von 3, 5 oder 10 Mark zahlen könne« und wollen? Diese Abstufung nach dem Verkaufspreise «ssxde wenig die brette Masse treffen, sondern die geuußs^gen Ge.' sellschastcklassen. So manch ein fruchtlos Gepfändeter führt' trotz Leistung des Offenbarungseides das schönste Leben, ohne die geringsten direkten Steuern zu zahlen. Die Steuererklärun. gen so mancher Leute, die eine recht aufwandreiche Lebensfüh-' rung sich leisten, stehen in grellstem Widerspruch zu ihrer Lei. stungsfähigkeit. Man treffe diese also steuerlich kräftig bei ihrem Genuß. Welche Mittel den Kriegsgewinnlern zur Verfügung iteljen,' bcs geht aus einer Anzeige hervor, die wir in der „Frankfurt e r Z e i t u n g" (1917 Nr. 321. 2. Bl.) fanden, sie lautet- Großzügiger, vornehmer israel. Erotzkauf- mann erster Familie. Weltmann, schlanker Figur, 3? Jahre, hohes Einkommen und Vermögen, wünscht Dame. 22—26 Jahre ölt, aus öester israel. Familie, geeignet, einen vornehmen Haushalt zu repräsentieren und leiten, eleganter Erscheinung, fein gebildet, musik.. hervorrag. Aeußere. Mitgift nicht unter 500 000 Mark. — Für den Haushalt werden 10 000 Mk. jetzt jährlich bewilligt usw. Man beachte: 40 000 Mark nur für den Haushalt, ohne allem was sonst drum und dran hängt, Kleidung. Wäsche Scmmeraufenthalt usw. Warum übrigens der Eroßkaufmann feine Anzeige gerade der „Frankfurter Zeitung" zugesandt hat? Er wird wissen warum! Solche Leute können bezahlen. Man belege also nicht die Ecnußgegenstände schlechthin mtt einer gleichmäßigen Steuer, sondern stufe die Steuern nach dem Verkaufspreise ab (wie z. V. bei den Zigaretten.) Vor allem aber lege man auf alle Luxus-Einfuhrartikel einen hohen Finanzoll. Wenn man zum Beispiel liest, daß im Jahre 1912 Straußen- und Reihersedern, die im Wert; von 14.6 Millionen Mark eingettihrt wurden, nur 1,40 000 Mk. Zoll erbrachten, und die Rohfelle zu Pelzwerk bei einem Einfuhrwerte von 70 Millionen gar nur 111 000 Mark, so wird man wohl zugeben müssen, daß hier in der Tat steuer- liche Einnahmequellen vorhanden sind.' die noch recht ergiebig ausgcnutzt werden konnten (wobei wir auch die Wiederausfuhr berücksichtigen). Soll doch der Kleinhandelspreis des eingeführten Pelzwerkes auf wenigstens 150 Millionen Mark, der der Straußen, und Reiherfeder« auf wenigstens 40 Millionen Mark zu schätzen sein. Es zeigt sich hier also, wie außerordentlich geringfügig die Einnahmen des Reiches aus den Luxuswaren sind und wie leicht man höhere erreichen könnte. Bei einem schärferen Zufassen würde der Zollertrag hier reckt erheblich werden. Es ist die denkbar einfachste Erhebung dieser indirekten Belastung der Luxvswaren möglich, sobald sie aus dem Auslande kommen. Soweit es sich um inländische Erzeugnisse handelt, dürsten sich dann wchl jedenfalls Wege finden, sie steuerlich leicht zu erfassen. Wichttg ist jedenfalls, daß diesem Steuer- und Zollgedanken von der Regierung ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird, ganz gleich ob wir Kriegsentschädigung erhalten oder nicht. Werkt man was?! Die Stadtverordneten-Verjammlung in Mannheim hat in namentlicher Abstimmung mit geringer Mehrheit die Einführung einer Lustbarkeilssteuer beschlossen. Dagegen stimmten geschlossen die Sozialdemokraten und ein Teil der „Fortschrittler". Auf dem Lande wäre eine solche Steuer überflüssig. denn da gibt es während des Krieges keine Lustbarkei- ten. In den Industriestädten, wie in „Mannem", dem Schau, platz der gesprengten Vaterlandspatteiversammlung, verweigern die Roten eine kleine Abgabe, wenn die Scharen der Jugendlichen beiden Geschlechts, die eben die bohen Kriegslöhne ein- streichen, ein paar Pfennig Abgabe bezahlen sollen, wenn sie in die Vergnügungsstätten, die dort wie in allen Großstädten in floribus stehen, laufen! Auch ein Zeichen der Zeit. Ans der Heimat. Einbrnchsdiebstahl. Vergangene Nacht gegen 2 Uhr bemerkte eine Schutzmannspatrouille auf ihrem Wege durch die Hanauerstretze Licht in einem Keller des Hauses Ludwigstraße Nr. 33. Die Pattouille, welche sofort Diebstahl vermutete, näherte sich der Kellerfeusterösfnung und fand, da^ diese voll, ständig geöffnet war. Der Polizeihund des Hilfsschutzmanns Reichert suchte die Vorgärten an dem Hause ab und erwischte in der Röhe des geöffneten Kellerlochs den16 Jahre alten Schnei- dcrlehrling Wilhelm G ö b e r t von hier mit einem Paket, in das er 6 Flaschen Wein eingepackt hatte. Die sofortigen Fest, stellungen am Tatott ergaben, daß der Genannte den Wein aus einem Weinschrank im Keller des in demselben Hause wohnenden Prcsessors Rodenhausen gestohlen hatte. Bei dem jugend. lichen Dieb fand man Licht und Einbruchwerkzeuge, die daraus schließen lassen, daß er sich, wenn er nicht überrascht worden wäre, mit dem Diebstahl des Weins nicht allein begnügt hätte. Offene Stellen: 1 Kuechteiamilie, 6 Schreiner, 1 Unterbeamter, 1 Bäcker, 1 Verwalter. (Kriegsbeschädigter) 14 Dienstmägde. 6 Hausmädchen. Für Etappe: U'0 Pferdepfleger, mehrere Fräulein perfekt in Stenographie une Maschinenschreiben. ^ Ctellensuchende: Mehrere Melkerfamilien und ledige Melker, 1 Fräulein für Büro. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirschel. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyn er. Friedberg. Druck und Verlag der „Reuen Tageszeitung", A- G.. Friedberg r. §. Die Abgabe getragener Kleidung erleichtert den Erwerb eines Bezugsscheines. , Graue Gefahren. S^omön aus der Gegenwart von M. Gontard - Schuck. 2*j aiaüibtud verboten. Nach dem Tee fuhren sie zusammen zur Stadt. Unter- weg?, im geschlossenen Auto, sagte Harthausen, warum ec gekommen. — «Ich helfe Ihnen," rief Claire stürmisch. „£), wie gerne helfe ich Ihnen. Habe ich doch schon immer darauf gewartet, Ihnen endlich einmal meine Dankbarkeit beweisen zu können." „Verkennen Sie die SckMsterigkeiten nicht, Claire. Es wird nicht so leicht sein. Denn — Claire — wenn es mir wirklich nützen soll, dann muß ich es schriftlich haben/' Sre schwieg einige Minuten und sann nach. „Ich werde es möglich machen," sagte sie dann fest. „Vorausgesetzt natürlich, daß etwas Schriftliches abgemacht wird." „Das wird es ganz bestimmt! Die Vorbesprechungen sind bereits vor einigen Wochen erledigt. Diese Zusammenkunft hier bedeutet den Abschluß." Wieder sann sie einige Minuten vor sich hin. „Nun, einerlei wie ich es mache," sagte sie endlich aufatmend, „jedenfalls sollen Sie haben, was Sie wünschen." An der Place de la Concorde ließ sie halten und Harthausen stieg aus. „Und wann Höre ich von Ihnen, Claire?" "Kommen Sie nicht wieder zu mir, es könnte arrffallen. Heute trafen Sie es gut, der Diener war gerade nicht da, dem trau ich nicht, der steht in seinem Dienst. Meine Jungfer ist mir ergeben. — Also am Boulevard Hausmann wohnen Sie? Gut, ich weiß! Ich kenne den Gasthof. Also ich komme selbst zu Ihnen, sobald — Sie wissen schon! Und nun Gott befohlen urrd auf Wiedersehen!" Er steckte noch einmal den Kopf in den Wagen. „Und, Claire — machen Sie sich keine Sorgen. Wenn es schief gehen sollte, ich bin da. Ich bin Ihr Freund." ihtkr km Sdjok Ihrer Königlichen Hoheit der GroMrzogm. Mn§ 0pDc für die Äejiern ücr freitoifitp KrankeiMege im Äricuc. Hunderttausend Schwestern. Hilfsschwestern und Helierinn en stehen in aurop emöet Liebesarbsit hinter den lebendigen Mauern unserer unbesiegbaren Heere. Viele dieser Schwestern haben schweren Schaden an ihrer Gesundheit erlitten, vielen bleibt dauernd die Erwerbsfähigkeit genommen. Ei-r stilles Heldentum gilt es zu krönen! Gemeinsam mit unieren Tapferen in Heer und Flotte bitten wir darum Alle denen der Segen der Heimat beschieden ist: Lasset unseren Dank für treue Schwesternhilfe zur Tat werden durch eine Gabe zur Schwe ternspende. Spenden sind einzuzahlcn bei dem Grosih. ttretsamt Friedberg i. & Der ELrenausfchutz und Arbeitsausschuß für das EroßherzogLum Hessen. Der Bezirksausschuß für den Krei s Friedberg. imtsusus Institut von Puttkamsr — Friedrictistot i. I. Unterr. d. 10 klass. höh. Mädchenschule n. d. Plan d. Lyzeums. Christi. Hau s . ordg., kl. Klass., indiv. Behandlg. Gute Verpflegung. Vorbereitg. z Sprach!ehr.-Ei. p Fortüildg. in Wissenscb., Sprach- etc. Koch- und HaoshaltungS unterricht Unterricht in Bartenbau, Obst- und Gemüseverwertung. ' heim, war das die Reise nach Parks wert?" Sie antwortete nicht. Sie drückte ihm nur stumm die Hand.- Am sechsten Mäi^ mittags zwischen 12 und 1 Uhr klopfte es endlich an Harthausens Zimmertür. Seit drei Tagen schon hatte er den Gasthof nicht mehr verlassen. Täglich, stündlich hoffte er, daß Claire bei ihm eintreten sollte. Seine Ettvartung steigerte sich bis ins llnerträgliche. War das Unternehmen gescheitert? Hatte Claire Un- glück gehabt? Er machte sich die bittersten Vorwürfe. Das arme Ding! Dieser Russe war als roher Kerl bekannt. — War es recht von ihm gewesen, die Sicherheit des Mädchens so aufs Spiel zu setzen? Aber ob recht oder nicht, es war fürs Vaterland! Da gab — da durfte es kein Bedenken geben. Claire war klug, er würde sich unnütze Sorgen machen. Aber trotz aller Selbstbeschwichtigungsversirche lag es wie ein Alp auf seiner Seele. Und fast hätte er einen Schrei der Erleichterung ausgestoßen, als er sie endlich heil und gesund vor sich sah. Hastig trat er ans sie zu und ergriff sie bei der Hand. „Gott sei Dank. Claire! Was Hab ich mich gesorgt! Die schwärzesten Gedanken habe ich mir gemacht." Sie lackte. „Es'war nicht so schlimm, wie es für Sie ausgesehen haben mag. Ich kenne die Waffen, die man diesem Feind gegenüber gebrauchen muß." „Erzählen Sie, Claire! Erzählen Sie!" Sie wurde verlegen. „Was ist da viel zu erzählen. Ich Hab ihn sofort nach der ereignisvollen Schlußsitzung im Auto abgeholt, ^ehe er nach Hause oder nach der russischen Botschaft gehen konnte. Ich bin ein bißchen zärtlicher gewesen als gewöhnlich. Ach — erlassen Sie mir die Einzelheiten. Wir haben zusammen gespeist, ich habe Champagner kalt stellen lassen — und dann — aber das können Sie sich ja denken." „Gute Claire! War es sehr gefährlich?" „Aber gar nicht! Er Wie, so fest. Lasiir hatte ich ^'°rgt. — Abschreiber« hätte ich tue Sr' ■ iitftirdfe natürlich nid)! können in so kurzer Zeih Aber mar hat ja so »orziig. Ilche photographische Apparate heuzutage. — Also hier sin» die Schriftstücke alle. Sehr gut zu lesen." „Wie soll ich Ihnen danken/Claire?". „Sie brauchen mir nicht zu danken, Herr von Hark. Zausen. Ich bin ja so sroh, daß ich endlich einen kleinen Lei! meiner Schuld an S>e abtragen konnte. Sie haben mich einst gelehrt, an die reine, vornehme Handlungsweise eines Mannes zu glauben. Dafür bin ich Ihnen mein ganzes Leben lang Dank schuldig." . „Sie haben mir einen unschätzbaren Dienst erwiesen, Clan-e. Einen Dienst, der nicht mit Gold zu bezahlen ist. rette noch heute wieder nach London, aber Sie wissen wo Sie mich finden, wenn Sie nlich brauchen. ffnd für Sie brn ich immer da, Claire. Sollte der jetzige Zustand einmal unerträglich für Sie werden, unternehmen Sie nichts ohne meinen Rat. Ich bin Ihr Freund, was auch kommen mag, Claire." Claire wandte sich ab. In ihren Augen schstnmerte es feucht. „Auf Wiedersehen!" sagte sie 'leise und ging hinaus.- Am andern Tage bat Harthausen Alfred von Werkheim um seinen Besuch für. den Abend. Er hatte seinen Diener fortgeschickt iind empfing selbst den Bestick an der Tür. . „So," sagte er, als sie in das rückwärts gelegene Ranch. Zimmer traten. „Nun wollen wir einmal sehen, -was mir meine Reise nach Paris eingebracht hat." Sie ließen sich an dem kleinen runden Tisch nieder, und Harthausen breitete die Schriftstücke aus, die er seiner Brust- tasche entnahm. Gespannten Blickes studierten sie die vorzüglich gelungenen Ausnahmen. Keiner sprach ein Wort. Als sie einge Zeit gelesen hatten, legte Harthansen leine Hand schwer auf die Schriftstücke. „Was meinen Sie, Werk- ftnitVbunq folat f. ®Z®****Jt*++++00000 00 0000 0 0 0000 000000004 1 - — - - --— ——- 4 Sonntag, den 27. Zanuar 1918 (Kai ers Geburtstag), findet im Saale des Herrn Emil Raab. Rodhcim v. d. Höhe. ein bürgerliches Ltzsmsr statt. Es ladet höflich st ein Max Leischner, Direktor. t == Anfang 8 Uhr. ------ 4 Uhr nachmittags: mße ftirihfiuorftfÜHniu in großer Auswahl empfiehlt 14. iSh*kensh»c54, Fauerba cherstraße 8. ®iüc fast neue Wakchmaschisk, ein tzkbrauchler Tilch sowie ein lileiüer Gsrn umständehalber billig abzugeben. 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