Umnmer 18 _ Dienstag, den 22. Januar 1918 11 . Jahrgang. Ble N.'y,».eit«-.g" eiidjeint !«»«.. W«Na,. R°g-Im°bige B-ilayen «S« Ha»r» aus Krisen". ..Dir SpinnSubr«. K.»»„p„j.. B-, den P-ftanftaU-n °.-r.°l,ützrN» M 24k l>m u -ritt noch das B-!t°llg«ld: de- den Lunten monallich «5 P,g. einlchtteßlich Trägerwdn. Au.eigc»: Grund,eile 2d P,g.. lolale 20 «ig, An,eigen von auswüns ,»erden durch Po-tnachnadm« riedberg (Hessen), ^anaueritraße 12 . Fem-precher 48 . Po tj deck-Conto Hz. 4359, 4 mt Frantjuct q. Ol ' ' r oben. iiruiQun\c deutsche Regierung richte. Das Ultimatum an Uumänien. Pkt^sSm-q. 19. Seit. sWTB Nichtamtlich.) Reuter«!- düng. Erne Zeitung meldet, daß der Befehl der Volksbeauf. tränten, den König von Rumänien zu verhaften, sich bestätige. Der revolutionäre Ausschuß der neunten ruffischen Armee sandte den rumänischen Militärbehörden ein Ultimatum mit zwei Stunden Frist, in dem er freien Durchzug der russischen Truppen durch Josse verlangt. ^ Ans Angst vor dev Wahrheit. V-rn. 20. Jan. (MTB. Das „V-rner Tagebl." vom 18. Januar bringt aus einem Privakbriefe folgendes zur Angelegenheit Caillaux: „Prioatnachrichten. die ich erhalten habe, laffen den tieferen Grund der Treibereien gegen Caillaux ziemlich scharf erkennen. Die Haupturfache der Angriffe auf den" ehe- mattgen Minister bildet die Furcht vor finanziellen Enthüllungen. die der Mann machen könnte Das ftanzösifche Finanz- gebäude stehe auf sehr schwachen ~ n. Es habe, wie übrigens im Verkehrswesen überhaupt eine heillose Verwirrung mit einer riesigen Verheimlichung der wirklichen Finanzlage Platz gegriffen. Die politischen Vertreter im In- und Auslände halten sich zum Teil einer haarsträubenden Geschäfts- gcbarung schuldig gemacht. Eine engere Partei Beteiligter nun durch Mittel der Berheimljckmng die Verwirrung und den Zusammenckurz zrr verzögern. In dieses ganze System fei »sä ©te ein Blitzstrahl schon die bloße ' cht auf einen Staatsbankerott gefahren. Caillaux sei ctU der Lage die Hauptschuldigen zu nennen. In griHter H uche nun ' die Borsenwell zweffelhaste Papiere aller Art in den dummen neu- tralen Staaten aLzuscheu und sich rasch noch große Kredite zu verswaffen. Dazu bemerkt die Schriftleitung des Blattes: Schon junast haben wir unser Mißtrauen gegen die Frankreich und Italien W gemafyxenben Kredite ausgesprochen. Die Politiker und VaMeute die uns diese üblen Geschenke bringen, mögen zu- p:ye». wie sie uns vor Schaden bewahren. Sie tragen die Verantwortung dafür, daß immer mehr schweizerisches Kapitol ststaelegt wird. Daß wir von den Franzosen keine russischen Pap^re nehmen werden, ist ja sicher, aber niemand rveiß. wie rer Krieg ausgehen wird, und dann? ImisMt ütchhrMöpjurchrWku. »es Sttbwnres" Kt. 520 bringt ein* «*{„* aus den Reujohrstz-trachtungen französischer Poli- tdn d,e \m 191S für jedes J-chi der Entente den sicheren End- fic« w-trs-xen. Ein Vergleich dieser erhebenden Worte mit ten niederdrnckenden Tatsachen dürfte kann, geeignet sein, dar Vetiaoen seiner Lenker und Tröster za stärker!. So schreibt Po.yb- (Re,nach) im „Fip.ro" 19,9: „Wir kämpfen bis zum tu ■(«tmneiwa Sieg. Schon zeigt er sich am Horizont des Iah- res. aar. m»raen bepinnt." Znm Neujahr !9l7 verheisit der- selde Praphei, nnbelehrti „Nur die Gewalt kam, das Naubtie- ”'! b 8^^“ dem Jahre, da- heute estimt Charles Humbert, der inpoischea durch die Skandal- »ssare sein Ansehen eingebüßt hat, verkündet am L Jannar 19!« In seinem „Journal": ,Da, Jahr 191S wird da- prah- L-nde Jahr fern, da» otn Albdruck bannt, da» Jahr der Er- twitttunö, der Tat, der Befreiung! Es wird so sein, well wir es wollen, weil wir entschlossen sind, es unbedingt dahin zu bringen ... Ja, 1916 wird uns das glückliche Ende des Krieges bringen, aber ein rasches und sieghaftes!" Auch Humbett ist durch diese Blamage nicht vorsichtiger geworden. Das Jahr 1917 begrüßt er unentwegt: „Heil 1917, das unsere Hoffnungen verwirklicht!"?" Gustave Herve nimmt das deutsche Friedensangebot vom Dezember 1916 zum Anlaß, um für das Jahr 1917 in seiner „Victofte" den endgültigen Zusammenbruch Deutschlands zu prophezeienf „Ich sage voraus, das Jahr 1917 wird nicht vorübergehen, ohne daß die Deutschen sich ergeben haben." Aber nicht nur unverantwortliche Journalisten ergehen sich in solchem Vorwitz, sondern das verantwortliche Oberhaupt der Republik, der Präsident Poincare, richtete Neujahr 1916 einen Offenen Brief an alle Offiziere und Soldaten Frankreichs mit der Botschaft: „Dos kommende Jahr wird euch den Triumph bringen, die Niederlage des Feindes zu vollenden, die Freude, an euren Herd heimzukehren, und das Glück, den Sieg bei euren Lieben zu feiern." Von solchen Propheten wird das franzö- sische Volk seit drei Jahren mit Zuversicht und Wahn versorgt. Solche leichtfertige Voraussagen wird man vergebens in ernsten deutschen Kundgebungen suchen, weil man hier bei allem berechtigten Selbstverttauen lieber die Wirklichkeit reden läßt. Die Stimmung m der etlichen fronf. Die Leiden der englischen Mannschaften, die nach ihren blutigen Niederlagen nun schon jahrelang im flandrischen Sunipft liegen, sind unbeschreiblich. Die Gräben selbst befinden sich in änfeerft schlechtem Zustand. Der Vau von Unterständen ist wegen des suinpfigen Grundes nicht möglich Nur kleine Unterschlüpfe konnten angelegt werden, deren Erdwände immer wieder einstürzen. Derbindungs- und Unterstützungsgräben befinden sich völlig unter Wasser. Ablösungen und Essenträger müssen über freies Feld, durch den schlammigen Boden ihre Wege machen; wobei sie im feindlichen Feuer täglich erhebliche Verluste erleiden. Die schlech- ten Stellungsverhältnisse sind Grund für den ungeheuer großen Abgang an Kranken. Vor allem grassiert die Erkrankung an „Grabenfüßen". Auch die Verpflegung hat sich m den letzten Monaten wesentlich verschlechtert. Zucker. Fleisch und Gemüse, Tee und Biskuit sind seltene Genüsse geworden. Da die Wasserversorgung in den vordersten Gräben schlecht organisiert ist. trinken die englischen Soldaten trotz strengsten Verbotes das Wasser aus den Granat- trichtern und waschen sich damit, was wiederum säsivere Erkrankungen zur Folge hat. Infolge dieser Zustände und der .clrweren ^rluste der letzten Monate ist die Kriegsmüdigkeit rm englrschon Heere rmmer starker geworden. Ebenso hat sich das Verhältnis zu den Franzosen dauernd verschlechtert. Niemand hat Lust, sich für Elsaß Lothringen tots'chießen zu lasten. Z»rr Hebrmg der Kriegsstimmung ist das Singen auf den Marschen emgeführt. über das man sich bei den Deutschen stets lustig machte. Zwischen Kanadiern und Australiern entstehen viele Reibrrngen, die oft in Handgranatenkämpfen zu Ende geführt werden. EkwMgten der Wgrmnl'sien in ssßland. Der nachstehende Brief eines estländischen Erotzgrund. besitzers. der feit dreißig Jahren mtt feinen Leute» tm denkbar besten Einvernehmen lebt und noch im Sommer 1917 feine Wirtschaft ungestört fortftihren konnte, gibt ein sehr anschauliches Bild von dem Vorgehen der Maximaliften in Estland vnd den Formen, in denen die fttitten Weisungen der derzei. ttgen Regierung in Petersburg in den baltischen Provinzen Lusgcfährt werden: „Gestern sind wir drei mit Pferden hier angekommen, da es ausgeschlossen war, weiter zu Hause zu bleiben, weil wir die entsetzlichsten Dinge erlebten. Montag abend ver sammelten sich alle Leute und Arbeiter des Gutes im Korridor und der Küche der Arbeiter und setzten ein Protokoll auf über die Wegnahme meines Gutes zum Nutzen des Reiches, wobei mir gestattet fein soll, auf dem Gute zu verbleiben. Sie wählten darauf ein Kemktee von fünf Gliedern, welches das Gut in Verwaltung nehmen sollte. Dieses wurde mir im Kontor vergeiestn. Am anderen Tage bereuten sie schon ihr Vorgehen und wollten mich um Verzeihung bitten. Alands , erschienen die Hauptagitatoren bei mir und verkündeten, daß alles beim Alten bleiben solle, sie wollten nur von seiten des Komitees ein Protokoll auffetzen, um es den Räubern bei ihrem Erscheinen vorzuweisen. Mittwoch früh war alles wieder ruhig und die Leitte gingen an die Arbeit. Da plötzlich gegen Mittag erschienen die Hauptagitatore des Kirchspiels sowie das Gemeindekomitee, der Schmied und der Mezor, von Soldaten begleitet, riefen alle Gutsleute zusammen und «öffneten tm Speisezimmer eine Sitzung, auf dsr beschlossen wurde, mir das Gift wegzunehmeu und mir bis zum 23. August 1918 drei Zimmer im Hause zu überlassen. Die Soldaten zwangen mich in der gröbsten Weise, dirsses Protokoll zu unterschreiben, sowie sämtliche Einnahmen des Gutes, von Anfang November bis heute, dem Komitee zu übergeben, und am Donnerstag erzwange» sie Herausgabe von 2200 Rubeln, sowie meine Unterschrift, die mich verpflichtest im März den Nest von 2100 Rubeln zu bezahlen. Alles dieses rmchte ich erfüllen, da sie mich sonst nicht htmmsgelassen hättet. Die Soldaten wollten Wachen aufstellen, um ein heimliches ^«.fahren zu verhindern. Sie teilten mit, daß sie sämtliche Güter in der Umgegend übernehmen würden. Hier in der Umgegend ziehen Plünderer umher, die bereits ein- V? 5 dringen wollten. Gestern gelang es den Milizionären und Soldaten, drei von der Bande eiuzufangen. Einer war hier und ist derjenige, der vor zwei Wochen in W. den Baron S. beraubt hast — Wie st»ll das alles enden? Können wir noch auf Rettung hoffen? .. .« Aus der obigen Darstellung geht hervor, das das un- glückliche Land weniger durch die in Raub, Brandstiftung. Plünderung und Mord bestehenden, nur ftr gewisse« Teilen der Pioviuz verübten Greueltaten der zügellosen russischen Soldch«' teska, als vielmehr durch das methodische Vorgehen der maxs^ malistischen Zentralregierung in Petersburg zugrunde gerichtet^ wird. Es handelt sich dabei nicht um eine eigentliche Exprr>i^ priation, sondern um der: gewalsamen Raub jeglichen private»^ und kommunalen Eigentums, so daß die Früchte einer jahv-, hundertelangen Kulturarbeit im Handumdrehen vernichtet^ werden. Im übrigen ist auch die landlose estnische Bevölkerung sich anscheinend ganz klar darüber, daß das Vorgehen der Regierung ein verbrecherisches ist Das geschilderte Verhalten des' aus 5 Gliedern bestehenden estnischen Komitees stimmt mit der Nachricht des russischen Blattes „Nasch Wjek" vom 19. Dezember, überein, wonach die Regierung im Dezember genötigt war, die estnischen Agrarkomitees wegen „undemokratischer Gesinnung und Untätigkeit bei der Regelung der Enteign»ng" aufzulöseir,^ Oesterreich-Ungarn. Eine Regiersugserklärunz an die Arbeiter. ' ; 2Bie«, 21. Jan. (WTB.) Bei einer Beratung einer Abordnung der Arbeiterschaft mit der Regierung im Abgeordnetenhause erklärte Ministerpräsident von Ceidler: Es sei der sehnlichste Wunsch des Kaisers, sobald als möglich den Krieg durch einen ehrenvollen Frieden zri beenden. Sei zurzeit nur ein Sonderfrieden mit Rußland möglich, so falle die Verant- wcrtung dafür auf die Ententemächte, die alle die wiederholten Friedensangebote der Mittelmächte ausgeschlagen hätten. Dessen ungeachtet halte die Regierung an den Zielen eines möglichst baldigen allgemeinen Friedens fefst Internationale Vereinbarungen über Abrüstung und über Schiedsgerichte böten dazu nach ihrer Ueberzeugung die geeignetste Grundlage. Da keine territorialen Erwerbungen auf Rußlands Kosten von der k. u k. Negierung angestrebt würden, würden daran auch die Friedensverhandlungen nicht scheitern. Der Bevölkerung Polens werde es überlassen bleiben, durch Volksabstimmung auf breiter Grundlage ihre staatliche Ordnung zu regeln, am besten durch eine auf breiter Grundlage gewählte konstituierende Versammlung, deren Entscheidung in voller Freiheit und ohne Beeinträchtigung durch die Okkupationsbehörden erfolgen solle. Die Forderung der russischen Regierung nach Räumung der besetzten Gebiete müsse die k. u k. Regierung freilich ablehnen, weil bei der Fortdauer des Ktteges an den anderen Fronten und angesichts der noch nicht gefestigten Verhältnisse Rußlands, diese Gebiete nick.t ohne Gefährdung der militärischen Interessen geräumt werden könnten, doch werde bei gutem Willen auf beiden Seilen sicherlich ein Kompromiß mit der russischen Re- gierung gesunden werden können. Da die Monarchie bei Lösung aller dieser Fragen sich von keinen eigennützkgen Absichten leiten ließe und bereit sei, den russischen Wünschen so weit entgegen zu kommen als die österreichischen Interessen es gestatte-, ten, hege der Ministerpräsident das vollständige Vertrauen, daß bei ebenso gutem Willen auf der anderen Seite die Verhandlungen an dieser Frage nicht scheitern würden. Die Negierung sei jederzeit berett. die gewählten Vertreter des Vol. kes Über ihre Absichten und über den Gang der Verhandlungen freimütig zu unterrichten und dadurch das notwendige Vertrauen der Bevölkerung zur ouswättigen Politik zu festigen. Zum Schluß wies der MinisterprSsident auf die am Sonnabend veröffentlichte Erklärung des Ministers des Aeußern Grafen Ezernin hin. In längeren Ausführungen legte sodann der Minister Höfer die Meßreaeln dar. die die Regierung zur Verbesserung der Ernnhrungsverhaltnisse getroffen Hatz und teilte mit. die Negierung sei fortgesetzt mit allem Nachdruck und hoffentlich nicht ohne Erfolg am Werke, durch Verhandlungen mtt der ungarischen Regierung und dem Verbündeten die Ernäh- runasverhältnlsse im einverständlichen Zusammenwirken zu verbessern Hierauf machte der Minister des Innern Graf Toggen- bura Mitteilung über die geplante Reform des Gemeindewahlrechts. krr -reiihilHe 5gni>Mtti!?!l!ftgNin!ßer iilirr l) f (fiMhlUMfllM. In der gestrigen Tagung des preußischen Landtags kcun auch die Polenfrage zur Sprache, wobei der Minister des Innern ganz entschieden hervorhebt, datz von einer Selbstständigkeit der b erden Provinzen Posen und West- Preußen nie und ninrmer die Rede -sein könne. Preußen bleibe ein e i n heit li che r Staat. Als der kons. Abg. Hoesch Fragen der Landwirtschaft besprach und insbesondere die Regelung der handelspolitifch7n Beziehungen nrit Rußland in den Vordergrund stellt, antwortete der LandwirtschaftSminister v. Eisenhart-Rothe: Den bisherigen Leistungen der Landwirtsck)aft kann ich nur Dank und Anerkennung zollen. Im Jahre 1918 wird der Mangel an Nahrungsmitteln wachsen, wenn nicht mit der nötigen Vorsicht vorgegangen wird. Deshalb müssen wir zu außerordentlichen Maßnahmen ^greifen. Es ist meine stete Sorge, die landwirtschaftliclre Produktion zu fördern. Mit dem Antrag auf Vergrößenrng der Kartoffelanbaufläche bin ich einverstanden. Was den Antrag auf Versorgung der Landwirtschaft mit Düngemitteln betrifft, so wird mit allen Mitteln auf Vergrößerung der Produktion von Stickstoff und Phosphor hingearbeitet. Es kann aber nn.r ein Teil davon der Lrmdwirtschast zur Verfügung gestellt werden. Unsere landwirtschaftliche Produktion läßt noch manches zu wünschen iibrig, aber rm garczen werden wir auskommen. Die Aushungerungspläne der Feinde werden ebenso scheitern, wie sie bisher gescheitert sind. Die Landwirte werden alles daran' setzen, um das Volk ausreichend mit Nahrungsmitteln zu' versorgen. Ebenso wie militärisch können wir wirtschasttich die Lage mit Ruhe betrachten. (Beifall.) , ' fr --— \ % * l. 4 t Schieber und Geschobene. ' ^ Daß die russische Telegraphen-Agentur, also daß liAe Organ der derzeitigen Mallsthaber Rußlands, über diel deirtßh-russischen Friedensverhandlungen falsche Nachrichte». IN die Welt setzt, ist gewiß eine Angelegenheit, die die russische Regierung in erster Line angcht und für deren Folgen sie verantwortlich ift. Scheitern daran die Friedensverhand- ^ langen, so ist das eine Sache, die die Bolschewisten mit der Telegraphen-Agentur auszumachen haben. Da aber das Oberhaupt der Bolschewisten, Herr Bornstein, gen. Trotzki, allen Anzeichen nach gar keinen großen Wert aus den sachlichen, ungestörten Verlauf der Verhandlungen legt, ist es wohl nur eine Gradsrage, in welchem Maße das Verhalten der Telegraphen-Agentur im Gegensatz zu der offiziellen russischen Regierung steht. Im Lager der Unabhängigen Sozialdemokraten ist man aber offenbar anderer Meinung. Die „Leipziger Volkszeitung" ist sehr besorgt, daß das Ver- halten der russischen Telegraphen-Agentur die russische Revolution, wie sich der „Vorwärts" in brüderlicher Liebe ausdrückt, kompromittiere. Man erfährt bei dieser deutsch- russischen Auseinandersetzung, daß der Leiter der Tele- graphen-Agentnr ein gewisser Karl Radek ist, der in der deutschen sozialdemokratischen Presse und Partei bereits vordem Kriege eine Rolle gespielt hat. Die „Leipziger Volkszeitung" schreibt u. a.: „Es läßt sich doch bis auf weiteres unmöglich an- nehmen, daß dort jeder Beliebige telegraphieren kann, was er will, oder baß Radek, der zum Leiter der Agentur bestellt ist. internationale Politik auf eigene Faust, losgelöst von Lenin und Trotzki, treibt. Das würde das vollendetste Tohuwabohu sein, und niemand — weder im Lager der Mittelmächte noch in dem der Alliierten — könnte in Zukunft Politik treiben, bei der in irgend einer Form das wirkliche oder mutmaßliche Verhalten der Bol- schewiki sn Rechnung gestellt würde." Das sind also die Sorgen der Unabhängigen Sozialdemokraten. Db ihnen das Ansehen der Bolschewisten so am Herzen liegt, oder ob sie meinten, daß Herr Radek sich aus Furcht vor der Ungnade der Ledebour und Haase eines Verhaltens befleißigen konnte, das'den Unabhängigen aus lerckt begreiflichen Gründen genehmer ist, soll hier nicht untersucht werden. Es sei aber aus die feinen Fäden hin- gewiesen, die die Revolutionäre in den beiden Lagern verbinden. Die Unabhängigen erwarten von Herrn Radek eine Politik der Internationale. Wie aber, wenn Herr Karl Radek, der eigentlich auf den Namen Sobelsohn hört, nicht die der roten, sondern der goldenen Internationale verträte? Das wäre so unmöglich nicht, denn die eigentlichen Kriegstreiber sind in der internatioiralen Plutokratie zu suchen, und daß diese alles tut, um einen deutsch-russischen Frieden zu hintertreiben, hat bereits in Stockholm der „Amerikaner" osteuropäischer Herkunft, Herr Reinstein, bewiesen, der Herrn Sobelsohn-Radek ebenso nahesteht wie Herrn Trotzki- Bornftein. Reinstem verfocht in Stockholm bekanntlich die Interessen der amerikanischen Börsenleute, die durch die russische Friedensneigung gefährdet erschienen. Das hat das neutrale Blatt „Nya Dagligt Allehanda" klar e'5 Es schrieb Ende Juli 1917: „Die Vereinigten Staaten strecken ihre Hand a russischen Gruben. Petcoleumquellen und den Schätzen des Urals. Das ist keine völkische Politik idealer Strebungen, sondern selbstsüchtige Kapitalistenpolitik in Reinzucht, die Europa materiell aufs möglichste auszunutzen sucht. Wenn England dem scheinbar ruhig zusieht, so geschieht das, weil ihm einmal für den Sieg jeder Preis recht ist und zum anderen, weil die englische und amerikanische Hochfinanz im wesentlichen Zusammenarbeiten: der Gewinn landet im gemeinsamen Beutel." Ter durchaus im Dienste der internationalen Plnto- kratie stehenden Börsenpreise ist es vorzüglich gelungen, durch einen demokratischen Phrasenhebel den Völkern das Erkennen der Wahrheit zu erschweren. Sie nährt geflissentlich den Machtkitzel der Massen, so daß diese im blinden Draufgängertum nicht merken, baß alle gewaltsamen Umwälzungen, seien es Kriege oder Revolutionen, nur den Zwecken einiger weniger Reichtümer anhäufendcn Gruppen bient. An der Entwicklung der Dinge in Rußland wie an der. Kapitalanhäufung der englisch-amerikanischen Pluto- kratie ist ja zu ergehen, welche Leute durch Revolutionen und Krieg Weizen in ihre Scheunen sammeln. Das Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie begrüßte aber am 17. Juli 1917 die russische Revolution als ein „geschichtlick>eZ Ereignis von ungeheurem Wert" und entnahm ihr den Au- sporn, mit vermehrter Willensstärke auch für die deutsche De- mokratte einzutreten, mit besonderer Betonung des B«vußt- seins, daß jedes Land eine „besonders Taktik" erfordere. Unverhüllt bekannte sich am 14. Oktober 1917 der „Vorwärts" zur Unveränderlichkert der sozialdemokratischen Ziele, wie sie sich aus dem Kurs 1913 ergäben. Das Blatt lobte die Beweglichkeit der sozialdemokratischen Taktik gegenüber der unbeweglichen der U.-Sozialisten. Beide sind also letzten Endes in bezug aus das revolutionäre Ziel einig, und wenn die eine Gruppe den russischen Revolutionären rät, sich nicht zu kompromittieren, die andere aber zu belehren sucht, so geschiel t das nur aus Sorge um die Gefährdung der Antriebe. die sie aus der revolutionären Gestaltung Rußlands für Deutschland erhoffen. — Sie glauben zu Weben und sind die Geschobenen. Einc MchlvoNe SimdgkhWg in- Ansdal. Dresden, 20. Jan. Eitlen großartigen Verlauf nahm eine Versammlung der Deutschen Vaterlandspartei, Ortsgruppe Dresden, im Zirkus Sarasani. der über 1000 Zuhörer aus allen Ständen der Bevölkerung beiwohnten. Reichstagsabgeordnetec Majer^ll- r ä f e sprach, oft von stürmischem Verfall unterbrochen, .i ber ,/r.tsche Pflichten und Sorgen in Deutschlands Schich'als- !stunde". Zum Schluffe wurde einstimmig eine Entschließung 1«rgenc»ittinen, die in Form von Drahtungen an den Kaiser, den lKövtgvon Sachsen, den Reichskanzler und an Hindenburg das > begründete Vertrauen des gesMrten deutschen Volkes zu seinen herrlichen Heerführern Hindenburg und Ladendorff zum Ausdruck bringt und es als eine Versündigung an der Zukunft Deutschlands bezeichnet, wenn ein Frieden geschloffen wird, der nicht auf die bewährte Einsicht und den Rat dieser beiden Volksbelden gegründet wäre. Mit einem dreifachen Hoch auf Hindenburg und Ludendorff und dein begeisterten Gesang „Deutschland, Deutschland über alles" schloß die mächtige Versammlung, der sozialdemokratische Störenfrieds nicht nahe zu kommen gewagt hatten. -i' 1847-1917'. ..Ich geriet mit der Opposition in Konflikt, als ich das erste Mal zu längerer Ausführung das Wort' nahm, am 11. Mai 1847, indem ich die Legende bekämpfte, daß die Preußen 1813 in den Krieg gegangen mären, um eine Verfassung zu erlangen, und meiner naturwüchsigen Entrüstuug darüber Ausdruck gab, daß die Fremdherrschaft an sich kein genügender Grund zum Kampfe gewesen sein solle. Mir schien es unwürdig, daß die Ration dafür, daß sie sich selbst befreit habe, dem König eine in Brrfaffungspsragraphen zahlbare Rechnung überreichen wolle." So wurde gesprochen nicht im Jahre 1917. sondern 1847 von Bismarck. (Gedanken und Erinnerungen^ Vand I, Seite 17.) äihlltz für die Rckc- M Der?aMlsNsfrkihkit. Die Preffe und die Abgeordneten der radikalen Parteien haben sich gerade in letzter Zeit wieder lebhaft über die durch den Kriegszustand herbeigeführten Einschränkungen der Rede und Versammlungsfreiheit beklagt. .Nun wird an. diesen Einschränkungen wohl niemand in Deutschland Freude haben, und auch wir sind der Ansicht, daß auch jetzt noch in dieser V.zie- hung des Unerwünschten zuviel getan wird: insbesondere ist es schlechthin unverständlich, daß man vielfach den Versammlungen von Vereinigungen Schwierigkeiten in den Weg legt, an deren vaterländischem und ordnungsliebendem Sinne nicht der geringste Zweifel bestehen kann. Mit aller Deutlichkeit aber muß dazu betont werden, daß die Sozialdemokratie die Schuld daran trifft, wenn die Rede, und Versammlungsfreiheit noch nicht in dem Maße wieder.hergestellt worden ist, wie es im all- ! gemeinen erwünscht wäre. Mir haben ja kürzlich an dem allgemeinen Verbot politischer Versammlungen in Schlesien gesehen. daß die bedauerlichen Ausschreitungen, die mit sozialdemokratischen Versammlungen verbunden waren, zu einem allgemeinen Verbot führten: weil man die Verantwortung für die weitere Genehmigung sozialdemokratischer Versammlungen tatsächlich nicht tragen konnte und ans falsch verstandenem Ge. rechtigkeitsgefühl heraus deshalb auch den anderen politischen Parteien die Genehmigung zu Versammlungen versagen zu sollen glaubte? Die ordnungsliebenden Parteien büßen also mit für die sozialdemokratischen Sünden Inzwischen haben wir jedoch noch mehr erleben müssen. Unter anderem haben die Sozialdemokraten in Jena, in Mannheim, in Frankfurt am Main und auch in Berlin Versammlungen der Vaterlandspartei oder^doch ihre ordnungsmäßige Durchführung durch Veranstaltung wüster Radauszenen verhindert und mit Mitteln skandalösester Art die Rede- und Versammlungsfreiheit vergewaltigt. Die Redner wurden niedergeschrien. die Versammlungen am ordentlichen Verhandeln gehindert. Nicht die Behörden also, sondern dieselben Sozialdemokraten, deren Vertreter in Preffe und Parlament die erwähnten Be. schwerden führen, unterdrücken hier die w 'e- "nd Versammlungsfreiheit. Je hoher auch in Deutschland die radikalen Bäume wachsen, um so deutlicher wird, wie unsere Sozialdemokraten die Freiheit, die sie verlangen, verstehen: nämlich als Freiheit, alle Andersdenkenden zu vergewaltigen, alle a^wei- - derben Meinungen niederzuschreien und niederzuknutteln ^as ; ist ein Strahl von der Morgenröte der neuen Zeit, die die c- zialdemokratie über Deutschland heraufführen will. , Gegen dieses unwürdige Gebühren sollten sich alle anständigen Elemente im deutschen Volk zusammenschließen und mit aller Energie zur Wehr setzen. In erster Linie ift es natürlich Pflicht der Behörden, die Rede- und Versammlungsfreiheit nachdrücklich zu schützen: aber auch die bürgerlichen Parteien, chne jeden Unterschied, sollten ein dringendes Interesse daran erkennen und betätigen, daß derartige Avsschrettungen empörendster Unduldsamkeit künftig verhindert werdem Die Rede- und Versammlungsfreiheit muß geschützt worden, soweit die Verhältnisse der Kriegszeit es irgend gestatten: in erster Linie erscheint zurzeit aber ihr Schutz nötig gegen die Elenrente, die die Freiheit zu standalösester Unterdrückung abweichender Meinungen und Meinungsäußerltirgen mißbrankhon und so selber die Rede- und Versammlungsfreiheit mtt Füßen treten- Das zebraartigo Eesprenkel wollen wir vermeiden. Sie beginnen schon rorrder. Der Staatssekretär a. D. Dr. Dernburg hat sich am Sonntag. den 12. Januar, bemüßigt gesehen, ln öffentlicher Versammlung gegen die „verhetzende Agitation der Vaterlands- Partei" zu sprechen. Da er das ausgerechnet in Frankfurt am Main unter dom Titel „Unser Frieden" tat. ist es selbstverständlich... daß der Vortrag dem Prrblikum von Frankfurt am Main auf den Leib zugeschnitten war. Mit Behagen weiß das „Berliner Tageblatt" ar« Dernburgs Vortrag zu berichten. „Abgernstct müsse unter allen Umständen werden, wenn man bedächte, daß jetzt allein die Fliegerwaffe so viel Geld verschlinge. als früher der ganze Heeresetat betragen hätte." Mit denselben geldlichen Gründen hat das „Berliner Tageblatt", das la dieser Beziehung ja eng mit dem Namen' Dernburg verknüpft ist, seit 20 Jahren gegen jede Heeres- und Flottenvorlage gekämpft, und am 26. Jamrar 1900, also vor fast genau 18 Jahren, aus seiner prinzipiellen Gegnerschaft jeder Flotten-Er- weiterung kein Hehl gemacht. Diese Gegnerschaft übertragen jetzt „unsere" Friedensmacher auf dio Luftflotte. Und doch sollte sie dieser Krieg, der kurz nach ihrer erklärten Absage zur Mehrvorlage van 1913 ausbrach^ einer besseren belehrt haben. Trotz des offeickuirdigen Nachteiles, in den Deutschland durch die Beschnetdung seiner Militäroorlagen geraten roar, scheut man sich^ mchst m>ch imnitten des^ Kampfes dev Abriistung^^— ru «de» mit einem SEis auf die Waffe/au^Sif großmogllch^r Ausgestaltung gerade auch Frcmkfurt am Main' cm starkes Interesse haben müßte. Belgien, nach dem Wunsch«^ unserer Berzichtpulitiler wieder auf sich gestellt, b. h. englisch be- hütet, würde eine vorzügliche Basis für Luktklotten bieten die den Frankfurter Hörern des Herrn Dernburg giündlich in eine* 1 STCaölt lehren konnten, welche Folgen „unser Frieden" nach sich zog«. — Die Aeußerung des Herrn Dernburg beweist nur wie wenig gewisse Kreise aus dem Kriege gelernt haben, und da» es schon allein, um einer Luftflottengefahr vorzubeugen, nichts nur notig rst. die Fliegerwasfe auszubauen, sondern Belgien auch als Basis für englische Luftgeschwader unmöglich zu macheist- Aber Herr Crcherger! > 3: einem deutschen Blatte finoe.r wir recht beherzigend werte Worte gegen deutsche Sentimentalität und Dummheit bs^ der Kriegführung wie leim Friedensschluß: allerdings sind btJ Worte teilweise reichlich kräftig:' „Wenn man in der Lage ist, durch ein Mittel ganz London zu vernichten, st. ist das humaner, als wenn man noch einen einzigen deutschen Volksgenossen auf dem Kampffelde bluten läßt . . . Zögern und Zaudern, Weichlichkeit und Rücksicht ist Unvcrzeihllchkeit, Schwache . . . Ueber 400 Handels- schiffe hat England uns weggeftohlen. Die Antwort sollte da. hin gehen, daß für jedes deutsche Handelsschiff mindestens ein« englische Stadt oder ein englisches Dorf durch unsere Flu^ zeuge vernichtet werde. ... Es iit für unser Volk besser. Eng. land, Frankreich und Rußland mit allen ihren Hrlfstruppen bezeichnen uns als Barbaren, als daß sie uns als Unterlegene bemitleiden würden . . . Weichlichkeit und Sentimentalität im Kriege wäre unverzeihlich? und polizeiwidrige Dummheit. Mag der F.inb alles non uns sagen, so soll er beim Friedensschluß nur nicht das eine konstatieren können, daß die Deutschen die Dummen gewesen seien." Der diese kräftigen, aber treffenden Worte geschrieben hat, ist niemand anders als der Reichstagsabgeordnete Matthias Erzberger.' sie finden sich im roten „Tag" vom 5. 2. 1915. Seither hat allerdings Herr Erzberger sich einem Treiben, das er 1915 als „polizeiwidrige Dummheit" bezeich- nete, mit immer größerer Begeisterung hingegeben: er scheint wenigstens seit dem Juli 1917 kein höheres Ziel mehr zu kennen. als daß beim Friedensschlnß konstatiert werde, daß „die Deutschen die Dummen gewesen" sind. Die geistige Elastizität, die ihm einen solchen Wechsel der Anschauungen ermöglicht hast ist natürlich durchaus seine eigene Sache: nur kann er von anderen nicht gut verlangen, daß sie ihm auf Pfaden folgen sollen, die er selbst so schön und treffend als ..polizeiwidrige Dummheit" gekennzeichnet hast Usm Felde der Ehre. Kaichen. Dem Gefreiten Friedricb Will). Senzek Inhaber des Eisernen Kreuzes, wurde die Hessische Tapfer- keitsmedaille verliehen. Herzlichen Glückwunsch! Ans der fseimuf. FC. Büdingen, 20. Jan. Die Großh Kreisschi,lkommissio«, gibt solgendes^bekannt: Nach Vereinbarung mit Großh. Kreis, gesundheitsamt crdnen wir hiermit an. daß in allen Schub klaffen durch die Klassenlehrer zahlenmäßige Feststellungen über des Körpergewicht der Schulkinder gemacht werden. Ans Hrsscn.Ranau. FC. Wiesbaden, 20. Jan. In verschiedenen hiesigen Schuhgeschäften wurden bei einer Haussuchung hunderte von Schubivaren anfgkfundcn. die zurückgehalten und in besonderen Räumen versteckt waren. Es handelte sich meist um Friedeus- ware. Die Schuhwaren mußten sofort znm Verkauf gestellt werdeir. Die Folge war, daß sich bald große Mengen von Käufern '^scn 20 Pfg.. kl. Abgabe 1 Post.ToNt Nach» SimonS senior, Aüchen 7«. lRhld.), Femspr. 36 Otzenrach.