N ummer 17 _ Montag, de» 21. Januar 191k 11. Iahrgana Die Tagrsreitung" erscheint irden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Äer Kauer aus Hessen' . ' ~ ' r,< ’ ° . u '°’ <3" ••*•*'* ** 4 5* JltHlt (JUt*# » tJ2?CU5 T '-ÖC1 Öen -V3UlI,Uil!J(.ILI£n DI’ 11 U f V 411 fjm u tritt noch das Bestellgeld: bei den Aeenten monatlich 85 Big. einschließlich Trägerlohn. Ameigen: Grund ^eiie 25 Psg^ totale 20 o,g^ Anteigen von auswärts werden durch Po rnachnar me Criullungsorr Friedberg. SchEleitnna und Verlag vrieöben f^ciieu). mnauerckraße 12. Fem-vrecher 48. Po'iji^ck-Toars SU. 43 * 9 , ünt ^-caiiiiurt a. I r oben. fricbfn lif kr ifftrainc in baldiger AnflSsung LZU rnlftfchen gesetzgebenden Jersamminng. — 5.'! 000 Tonnen versenkt. —Kloyd George redet. ft U. i Der deutsche Generalkad weidet: W. T. K. Großes Karrptquirrtier» derr 19 . Januar. Amtlich. Wörtlicher Kriegsschauplatz. Lebhafte Artiller iekämpfe im Siellungsbogen nordöstlich von Pporn. auf dem Südufer der Ecarpe und in der Gegend von . Moeuvres. Auch an vielen Stellen der übrigen Front, namentlich zu beiden Seiten der Maas, war die Feuertätigkeit gesteigert. Nördlich Bezonvaux holten Stoßtrupps Gefangene aus < den kranzosischen Linien. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. ' Mazedonische Front. Im Cernabogen lag unsere Höhenstellung nordöstlich von Paralovo tagsüber unter Artillerie- und Minenfeuer. Italienische Front. v Die Lage ist unverändert. Der Erste Gsueralqnartiermei'ster; Ludendorff. Abend»ericht. Berlin, 19. Jan., abends. (WTB. Amtlich.) Lebhafte Artitteiictäiigkeit rm Pperer Bogen. Von den anderen Fronte» nichts Neues. * W. T. K. Großes Hartplqnovriev, den 29. Janrrav. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Ostende wurde von See her beschössest. Heftige Artillerie- kämpfe dauerten im Stellungsbogen nordöstlich von Ppern bis spät in die Nacht hinein mi Zu beiden Selten der Lys, am La Vasteetanal sowie zwischen Lens und St. Quentin hat die Eefechtstätigkeit zugenommen. Mit besonderer Stärke lag englisches Feuer tagsüber auf unseren Stellungen südlich von der Scarpe. Die französische Artillerie war nur in "wenigem Abschnitten lebhaft. Feuersteigernng trat zeitweilig im Maasgebiet soun: rüZrdlich und südlich vom Rhein-Marne-Kanal ein. Oestlicher Kriegsschauplatz ' . Nichts Neues. An dec Maz^omschen und Italienischen Front ist die Lage unverändert. Der Erste Eeneralgnartiermeister: Ludendorff. A5ettd!»errcht. Berlin, 20. Jan., abends. (WTB. Amtlich.) Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. , objekte, sie befanden -sich fast alle auf dem Wege nach dem Orient und fuhren sämtlich unter starker Bedeckung. Unter ihnen konnte der bewaffnete tief beladene englische Transport- dempfer „Splräa" (3620 Vruttoregistertonnen) festgestellt werden, der durch gut durchgeführten Angriff aus einem stark gesicherten Geleitzug herausgesckiossen wurde. Von den beiden anderen Dampfern war einer englischer Nationalität, bewaffnet und nach den Holzausbauten, zahlreichen Booten und Rettungsflößen zu urteilen, e'n Truppentransporter, der andere, ein großer Dampfer, anscheinend der P. and O. oder White Star-Linie, mit Sprengstoffladung. Der Thef des Admiralstabs der Marine. Berlin, 19. Jan. (WTB Amtlich.), Eines unserer Unterseeboote, Kommandant Kgpitänleutnant Dieckmann, hat kürzlich sechs durchweg bewaffnete Dampfer mit rund 32 000 Bruttoregistertonncn vernichtet. Die Mehrzahl der Schiffe wurde in der Irischen See. teils einzeln, teils in Eeleitzügen unter starker Sicherung fahrend, abgeschosien, unter ihnen ein etwa 12 000 Tonnen großer Dampfer, ähnlich dem Aftic-Typ der White Star Line. Der Ches des Admiralstabs der Marine. Der ernsteste Faktor der gegenwärtigen Lage. In der „Nation" vom 5. 1. heißt es: Die,18 großen Dampfer, die in der Admiralilätsstatistik der ersten Januarwoche als versenkt gemeldet wurden, sind der ernsteste Faktor der gegenwärtigen Lage. Der Schiffsverkehr in unseren Häfen während der vergangenen Woche wies die seit geraumer Frist niedrigsten Ziffern auf. Allerdings gibt es Gründe, warum dies zu erwarten war. doch ist es nicht ratsam, diese hier darzulegen. Aber die Versenkungen großer Schiffe halten sich auf dem hohen Durchschnitt, der neuerdings zu bemerken ist und pasisn schlecht zu den britischen und französischen Versicherungen, nach denen der nnbeschränkte U-Voot-Krieg ein Fehlschlag sein soll. Die jüngere Schule der Admiralität hofft, den U-Vootkrieg auf viel bescheidenere Maße zurückführen zu können, und es wird interessant sein, zu beobachten, wie sie das anfängt,' — noch viel beruhigender aber wäre es, wenn man auch die Regierung diese Frage erfassen sähe. Zurzeit scheint ihr der U-Boot-Krieg nur einer der „bestimmenden" Faktors zu sein, wir sind demgegenüber nach wie vor der Ansicht daß er der Faktor der ganzen militärischen Lago überhaupt sei. * Im Golf von Mexiko versenkt. Genf, 18. Jan. Ergänzend wird gemeldet: Der 6778 Tonnen große amerikanische Dampfer „Texas", der Salpeter führte, ist in der Bucht von Galrestone versenkt worden. 48 Mann der Besatzung sind nach einer Meldung des ..Temps" geborgen worden. (Solange keine amtliche deutsche Bestätigung vorliegt, wird man dieser Nachricht imr mit Vorbehalt begegnen können. Die Schriftl.) Der öftere'chilche Generalftab Wien, 19. Jan. (WTV. Nichtamtlich.) Amtlich wird ve, leutbatt: , Keine Ereignisse. Der Chef des Generalstabcs. Wien, 20. Jan. (WTB Nichtamtlich.) Amtlich wird ver- lautbart: Keine Ereignisse von Belang. Der Chef des Generolstabcs. 57000 Tonne» versenkt. Ein italienischer Trnppendarnpfec vernichtet. Berlin, 18. Jan. (WTB. Amtlich.) Neue U-Bootserfolge im östlichen Mittelmeer: Vier Dampfer, und ein Segler mit rund 25 000 Bruttoreglstertonnen. Eines unserer Unterseeboote vernichtete in Sicht der tripo- liianischen Küste den voll besetzten bewaffneten italienischen Truppentransporter „Reglna Helena" (7940 Bruttoregistertonnen) Geschützfener von Land vermochte nicht, das Unterseeboot an der planmäßigen Durchführung seines Angriffes zu verhindern. Auch die übrigen vernichteten Dampfer waren weaen ihrer Größe und Ladung besonders wertvolle AngriffsWt VtthMlimrli in Brck-Mswlk drohten sich zunächst abermals um das Selbstbestimmungsrecht Jtnei Bevölkerung in den besetzten Gebieten. Deutscherseits wurde darauf hin gewiesen, daß das von der russischen Delegation hierfür beantragte Referendum dem Entwicklungszustand der Bevölkerung dieser Gebiete nicht entspreche und daß es richtiger wäre, die in den fraglichen Territorien bestehenden Ver- tretungskörper durch Wahlen auf breiter Grundlage derart zu ergänzen und zu erweitern, daß sie tatsächlich als Vertretung der gesinnten Bevölkerung angesehen werden könnten. Demgegenüber bemerkte Trotzki, daß die russische Delegation an ihrem Anträge f5sthalte, daß nur das Referendum über die staatliche Zukunft dieser Länder entscheiden tolle. In Erwiderung hierauf betonte der Staatssekretär, daß unbedingt Ordnung in den besetzten Gebieten gewahrt werden müssen. (Anmerkung der Schriftleitung: Das ist ja gerade, was die Trotzki und Konsorten, ebenso wie ihre Freunde in Deutschland, nicht wollen.) Auf Einladung des Vorsitzenden legte hierauf General H o f f m a n n eine Karte vor, welche die betreffenden Einzeichnungen für das Gebiet zwischen der Ostsee und Brest-Litowsk enthielt. Auf die Bemerkung, daß die südlich von Brest-Litowsk liegenden Territorien in dieser Karte nicht berücksichtigt seien, da hierüber Verhandlungen mit der ukiainisck>en Delegation schwebten, sah sich Herr Trotzki zu einer Erklärung veranlaßt, in der er hervorhob, daß zwar die ukrainische Delegation von Rußland anerkannt werde. Die Grundsätze über die Bestimmungen der Grenzen müsse von dem Willen der Bevölkerung abhänge«. Im Zusammenhänge hiermit brachte der Vorsitzende d4r österreichisch-ungarischen Delegation das Tbema der durch die österreichisch-ungarischen Truppen besetzen Gebiete zur Sprache und ersuchte den Vorsitzenden der russischen Delegation um Aufklärung darüber, ob die hierauf bezüglichen Verhandlungen mit der Petersburger Regierung oder, wie dies die ukrainische Delegation wünsche, nur mit dieser allein zu führe« seien Auch hierauf erwiderte Herr Trotzki, daß der ukrainischen Delegation eine einseitige und selbständige Behandlung dieser Frage nicht zugestanden werden könne, worauf Graf Cz^nin sich die weitere Besprechung dieser Frage bis nach der binnen kurzer Zeit zu erwartenden Klärung der Kompetenzfrage zwischen der .russischen und der ukrainischen Delegation Vorbehalt. Auf eine dahingehende Anfrage Kühlmanns erklärte Trotzki, daß die Kaukasus-Armee zu der Bolschewiki-Reqierung stehe. Hierauf wurde die Frage der Aalands-Inseln angeschnitten. Trotzki erklärte, daß die Proklamierung der staatlichen Unabhängigkeit Finnlands bisher keinerlei Veränderung in der Frage der Aalandsinseln hervorgerufen habe. Staatssekretär von Kühlmann wies darauf hin. daß aus dem Aalands- vertrage, dessen Unterschriften aus einer rein historischen Konstellation. nämlich der des Krimkrieges zu erklären seien, für Deutschland individuelle Rechte erwüchsen deren Anerkennung in dem Friedensvertrage eine deutsche Forderung darstellen würde. Rußland würde durch eine solche Anerkennung nichts crufgeöen. was es vor vem Krieg besessen hätte, wenn man nicht etwa behaupten wolle, daß die vertragswidrige Befestigung der Aalandsinseln während des Krieges und der durch-die heutige Regierung aufgedeckte Versuch des zaristischen Regimes, die vertragswidrige Vefestiarn« zu einem dauernden Recht zu erheben, irgend ein neues Recht in dieser Frage geschaffen hätten. Im übrigen sei es im Interesie der Anfrechterhaltung der Harmonie unter den die Ostsee amvohnenden Völkern ein deutscher Wunsch, daß bei der Erneuerung der betreffenden Vertragsbestimmungen die Anwohner der Ostsee, insbesondere das durch seine geographische Lage an der Sache in hervorragendem Maße interessierte Schweden zur Mitberaiung und Mitunterzeichnung herangezogen werden. Schweden sei zwar bei den gegenwärtigen Beratungen nicht vertreten, er habe aber Grund zu der Annahme, daß die Wünsche des schwedischen Volkes, wenn es auch bei den gegenwärtigen Beratungen nicht vertreten sei, sich in dieser Richtung bewegen. Herr Trotzki behielt sich eine Antwort auf kmse Anregungen für später vor. Am Schlüsse der Nachmittagssitzung erklärte Herr Trotzki, ^ aus innerpolitischen Gründen sich für die Dauer 'einer Woche nach Petersburg begeben zu müsien. weshalb er die Vertagung der Beratungen der politischen Kommission bis zum 29. Januar verschlage/ Mit seiner Abreise gehe die Führung der russischen Delegation auf Herrn Joffe über Auf seiten der Mittelmächte wurde diese Erklärung zur Kenntnis genommen und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß nach der Rückkehr des Herrn Trotzki eine volle Einigung zu erzielen wäre. Die Wirtschaftskommission, die heute unverbindliche vor- trauliche Besprechungen hatte, setzte'ihre erste offizielle Citzu'i.z auf Samstag vormittag 11 Uhr fest. Oesterreich nnd der Frieden. Czernin gegen Annexionen. Brest-Litowsk. 18. Jan (WTB.) Ein Vertreter des Wiener k. k. Telegraphen-Korrefpcndenz-Vureaus hatte am 17. Januar eine Unterredung mit dem Grafen Ezernin über den Stand der Fricdensverhandlungen. Graf Czernin äußerte sich hierbei folgendermaßen: Die Verhandlungen mit den Vertretern von Petersburg und Kiew sind in vollem Gange. Deren Verlauf ist allerdings schwierig und langwierig. Ich hafte und bürge jedoch dafür, daß der Friede unsererseits nicht an Eroberungsabsichten scheitern wird Ich nehme kein Wort von dem zurück, was ich als Fricdensprogramm der Monarchie aufze- stellt und vertreten habe. Wir wollen nichts von Rußland» weker Gebietsabtretungen noch Kriegsentschädigungen. Wir wollen nur ein srenndnachbarliches. auf sicheren Grundlagen beruhendes Verhältnis, das von Dauer ist und auf sicheren Grundlagen beruht. Kriemmnlltt v. Strin und dkl (fiOfifij. In dem Interview, das der Kriegsminisier von Stein mik einem Journalisten hatte äußerte sich der Kriegsmlnister über die Tanks: In der Schlacht an der Somme, die ich noch geführt habe, kamen die Tanks zum ersten Mal in Sicht. Im ersten »Augenblick wußte man natürlich nicht, wie sie vernichtet werden könnten. Meine Soldaten kletterten sogar auf die plumpen Riesenwerke oder versuchten, sie von außen mit Handgranaten ^ufzubrechen. Dieses mißlang. Die tapferen Soldaten fUXen. Aber wir haben schnell gelernt, daß es gegen die Tank» «mch eine Waffe gibt: unsere Kanonen. Auf die Frage des Journalisten, was der Kriegsmintfter von der Friedensfrage und den Friedensmöglichkeiten halte, antwortete der Minister: Die Menschheit mochte den Frieden * und natürlich ich auch. Als Soldat sehe ich aber nur eine Mög. lichkeit. den Krieg zu beendigen: den Sieg. Jeder Verzicht ist ein Zeichen der Schwäche, eine Anerkennung der Niederlage. Wer auf die Früchte seiner Waffenerfolge verzichtet, setzt den Feind in die Lage, sich als Sieger zu betrachten uird hilft ihm feil» Vernichtungspläne der Verwirklichung näher zu rücken. Man spricht weiter von einer Verständigung. Ich kann mir schon eine Verständigung zweier Kriegführenden denken; z. B. wenn sie, um einer gröberen Gefahr auszuweichen, Frieden machen und sich gegen einen dritten verbünden, sagen wir z. B. wenn sich jetzt die Kontinentalmächte gegen England und Amerika vereinigen. Darauf ist nun nicht zu rechnen. Man weiß ja, daß Frankreich stets den Haß gegen Deutschland geschürt hat und in Zukunft wirh das kaum anders werden. Ich glaube sagen zu müssen, daß inmitten der jetzigen Ereignisse den Wik- len zum endgültigen Endsieg und die Zuversicht, auf diesen Sieg niemand bei uns oder bei unseren Verbündeten aus den Augen lasten darf. Dieser Wille und diese Zuversicht ist uns eine Kraft, durchzuhalten bis zum Endsieg, der nicht ausbleiben wird. Ein anderer weg ist, wie die Verhandlungen der Entente zeigen, nicht gegeben. Zur Kriegslage. An der Westfront hat die Artillerietätigkett an vielen Stellen erheblich gegen die Vortage gesteigert. Am 19. Januar nahm sie in Sonderheit an der englischen Westfront zu. wo sie mit starken Feuerüberfällen schwerer Kaliber bis in die späten Nachtstunden gndauerte und teilweise bis tief in das Hintergelände schlug. Mit besonderer Planmäßigkeit lag das Feuer auf unseren Stellungen im Ppernbogen, beiderseits der Lys, am La Bastee-Kanal sowie zwischen Lens und St. Quentin. Reger Flugbettieb hielt bis zum Abend an diesen Fronten an. Dünkirchen wurde von uns mit beobachtetem gutem Erfolg mit Bomben belegt Feindliche Patrouillen, die durch das verschlammte Gelände und das wastergefüllte Trichterfeld sich Mühsam unserer Stellung zu nähern versuchten, wurden durch unser Feuer zurückgetrieben. Nordöstlich von Eoistons brach nach kurzem Feuer eine starke feindliche Abteilung gegen unsere Posten vor und mußte auch hier mit blutigen Köpfen in die Augangsstellung zurück- flüchten. Auch beiderseits der Maas nahm bei guter Sicht das Feuer zu, besonders in der Gegend nördlich von Samog- Konderfriede mit der Ukraine. Brest-Litowsk, 20. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die bisherigen Verhandlungen, die zwischen den Delegationen der Mittelmächte einerseits und der ukrainischen Volksrepublik andererseits geführt worden find, haben das Ergebnis gezeitigt, daß über die Grundlage» eines abzvschlretzenden Friedens-Der, träges Einigung erzielt worden ist. Mit Feststellung der we- sentlichen Grundzüge des Friedensvertrages find die Verhandlungen an einem Punkte angrlangt, der es den D-legationen zur Pflicht macht, mit den heimischen verantnro ttiche» Stellen in Fühlung zn treten. Die Delegationen sind darüber einig, daß die hiermit not. wcndiq werdende Aussetzung der Verhandlung so kurz als mög. lich bemessen sein soll. Sie haben sich daher zngefagt. sofort nach Brest-Litowsk zurückzukehren und find entschlossen, sodann im Nahmen der ihnen erteilten Ermächtigungen einen Friedens, vertrag vbzuschließen und zu unterzeichnen. Hiermit ist- es zum ersten Male in diesem welterschütternden Kriege gelungen, die Grundlagen zur Herbeiführung des Friedenszustandes zu finden. befriedigender Verlauf. BrcsiSttowsk. 19. Jan (WTB.) Die deutsch-österreichisch, ungarischen Wirtschaftsausschüsse hielten heute mit dem rufst- scheu und dem ukrainischen Wirtschaftsausschüsse Bespreck en ab. die befriedigend verliefen. Die vertraulichen politischen Beratungen mit der ukrainischen Abordnung wurden fortgesetzt. Dik «'MgkheM Ukllaltiininng aifflrlüi Petersburg. 20. Jan. (WTB.) Meldung der Petersburger Telegr-apl-euagentur: Nachdem die verfassunggebende Versammlung nach Itzstündiger Beratung gegen die Erklärung des ausführenden Zentralausschusscs abgefttmmt hatte, entfernten sich die Doffchewicki. Die verfastunggebende Versammln^ wollte nicht die Art und Weise billigen, in der die Friedens- rxA.andlungen von den Sowjetsmitgliedern, die den Saal verlosten hatten, geführt wurden, klm 4 Uhr morgens wurde die Versammlung von Matrosen aufgelöst. Heute wird ein Erlaß erscheinen über die Auflösung der verfassunggebenden Der- sammlung. Die Wirren in llrrittaud. Die Eröffnung der Sobranje. Petersburg, 18. Jan. (WB.) Meldung der Peftrs- burger Tel.°Agentur. Um 4 Uhr nachmittags ist im Touri schon Palast die verfassunggebende Versammlung von dem Vorsitzenden des Hauptausschusses der Arbeiter», Sol» daten- und Bauernräte eröffnet worden, der eine Erklärung des Hauptausschusses verlas. Petersburg, 18. Jan. (WB.) Die Petersburger Tel.» Agentur meldet: Die verfassunggebende Versammlung hat Tschernott» mit 244 gegen 151 Stimmen, die auf Frau Vprridowna fielen, zum vorläufigen Vorsitzenden gewählt. Petersburg, 18. Jan. (WV.) Meldung des Reuterschen fMureauk. Vier Stunden vor der Eröffnung der Konstituante griff eh* maxtmattfttsche Truppe eh* Pr^esfioa des Bundes zur Verteidigung der gesetzgebenden Versamn». lung an und ritz die Fahne herunter. Dem ersten Befehl zum Feuern wurde durch Maschinengewehrfeuer Folge geleistet. Mehrere Personen wurden getötet, darunter ei» Mitglied des ausführenden Ausschusses der Bauern- deputierten Boganow. Diele Personen, darunter mchrere Frauen, wurden verwundet. Das Ultimatum an Rumänien. — König Ferdinand nicht verhaftet. Basel 19. Jan. Die „Neue Korrespondenz- meldet aus Petersburg: Das Smolny-Jnstitut dementtert die Nachricht das Befehl zur Verhaftung des Königs von Rumänien gegeben worden sei. Es wird jedoch beigefügt, daß das Smolny-Jnstftut sehr ernste Maßnahmen ergreifen würde, wenn sich Rumänien dem Ultimatum nicht unterwerfe. Annullierung der Ausländsanleihen. Petersburg, 17. Jan. (WB.) Meldung des Reuterschen Vnreaus. (Verspätet eingetroffen.) Die Volkskommissare unterbreiteten dem Zentralausschuß der Sowjets einen Er- laß zur Bestätigung, durch den alle Anleihen imAuslande als verfassungswidrig und für ungültig erklärt werden. Russische Zustände. Berlin, 19. Jan (WB.) Folgender für die Arrflösung in Rußland typische Spruch wurde hier anfgefangen: An alle Stationen mit allen Mitteln und aus jedem Wege. An alle Eisenbahner. Kameradenk In schwerer Stunde wenden wir uns an Euch namens der hungernden Armee. Nur noch eine gennge Anstrengung und nur ein wenig Geduld in diesen furchtbaren Minuten! An der Front ist keine Verpflegung vor- banden. Es gibt keine Zufuhren. Die Regimenter leiden buchstäblich Hunger. Die Zukunft des Landes und der Revolution ist in Euren Händen. Eure (Geduld ist durch die lleberfälle marodierender Banden erschöpft. Aber beißt die "Zähne zusammen! Und namens des Volkswohles und namens der in Qualen darniederliegenden sozialistischen Staatsordnung alle auf zur Hilft in dieser Sttmdek Mit den Räubern werden die Soldaten der sozialistischen Armee Rußlands der Arbeiter und Bauern unbarmherzige Abrechnung halten. Sie werden nicht zulasten, daß die Nichts- würdigen den Namen des Volkes beschimpfen und das Glück ihrer Mitbürger vernichten. In den nächsten Tagen werden wir mit der Wafte in der Hand Eure Arbeit beschirmen. Gebet uns aber Zeit! Berücksichtigt den Ernst der Stunde und strengt in dieser entscheidenden Minute noch einmal alle Kräfte an! Gebet der Front Brot und Fourage. rettet ste vor weiterem Hunger! Nur Eure bis zum äußersten angestrengte Arbeit kann die Revolution erretten. Jeder einzelne möge durchhalten! Alle mögen im Namen der Zukunft zu ^isft eilen, jeder aus seinem Posten, jeder an seiner Stelle ,n Namen der Revolution! Das Zentralkomitee für das Versorgungs- und Verpflegungs-Wesen der Armee. Das allrussische Ver- pflegnnaskomitee. Der Rat der Volkskommissare für Militärangelegenheiten. Der Kommistar für Verkehrswesen. Zahlnngseiristellinifl Unfflands. Petersburg. 19. Jan. (WTB. Meldung der Petersburger Telegraphen-Ager. 1 ur: Der Rat der Volksbeauflragten hat am 14. Januar den Entwurf des Erlasies über die Nichtigkeitserklärung aller äußeren und inneren russischen Staatsanleihen vom 14. Dezember angenommen. Der Dezember-Zinsschein der genannten Anleihen wird nicht bezahlt werden. Ebenso werden die Staatsbürgschnften für Unternebmungen und Einrichtun. gen aller Art. die von der alten Regierung gewährt worden sind, für nichtig erklärt. Die Verbindlichkeiten mit kurzer Um» laufzeit und andere Schatzschetne bleiben in Kraft, doch werden die Zinsen dieser Werte unterdrückt. Die Papiere können wie Banknoten umlaufen. Die Inhaber innerer Anleihen in kleine« ren Beträgen d h. von weniger als 10 000 Rubel, werden eine lebenslängliche Rente in Höhe der bisher bezogenen Zinsen zu halten. Die Sparkasien werden von dem Erlasie nicht berührt. Der Erlaß wird dem geschäftsführenden Ausschuß zur Genehmigung vorgelegt werden. Wieder e ne Rede K?oyd Georgs. Lloyd Georges hat zu den Vertretern der Trades- Union (Arbeiter-Vereinigung) gesprochen. Wieder betonte er, daß es das Ziel Englands sein müsse, die deutschen Armeen zu besiegen und Neulich habe er gemäßigte Forderungen ausgestellt. In Deutschland sei dies als Beweis der Schwäche aufgesaßt worden und nian denke nicht daran, aus diese Mindestforderungen ern- zugehen. Man sage sich dort: Seht wie England schwach wird! Er schloß seine Ausführungen: Wenn jemand der rannen Platz einnimmt, irgend eine ehrenhafte und gerechte Lösung zu finden weiß, um ans diesem Konflikt ohne den Kampf hervorzugehen, so möge er dies aus Liebe zu Gott sagen. Meine eigene Ueberzeugung ist die, daß eS mir die etne Alternative gibt: weiterzukämpfen oder zu unterliegen. Auf eine Anfrage aus der Versammlung, wie er sich zu Elf aß- Lothringen stelle antwortete Lloyd George: Meiner Anschauung nach muß das englische Volk an der Seite des französischen Volkes stehen, das die Frage selbst entscheiden soll. Sie müssen ftch erinnern, daß es sich für das französische Volk nicht nur um eine territoriale, sondern um eine vitale grundsätzliche Frage handelt. Elsaß-Lothringen war wie eine offene Wunde in der Seite FrankreiäS während fast 50 Jahre. Niemals konnte es während diese- ganzen Zeitraumes in Frieden leben, und es weiß, daß eS ihm unmöglich ist. den Frieden zu haben, bis diese Frage ein für alle Mal gelöst ist. Wenn Sie nicht den Frieden ftir Frankreich erhalttn können, so werden Sie den Frieden in Europa nicht haben. Die Ansicht der englischen Regierung ist, daß das französische Volk, das an dieser Frage ein Interesse erster Ordnung hat, entscheiden soll, was es als gerecht betrachtet. Ein anderer Delegierte fragte: glaubt der Premiec- minfter nicht, daß es gut wäre, Verhandlungen mit den Deuffchen anzuknüpfen? Lloyd George erwiderte: Von dem Augenblick ab. wo die Deuffchen die kleinste Geneigtheit zeigen werden, über einen Frieden auf billiger Grundlage zu verhandeln — die Bedingungen eines solchen Friedens wurden auseinanderge- setzt und sind die Bedingungen, die die Arbeiterpartei selbst im wesentlichen angenommen hat —- so wird auf unserer Seite nicht der geringste Widerspruch gegen die Anbahnung von Friedensverhandlungen vorhanden sein. Dev amerikanische Knmbug. Berlin, 18. Jan. Der militärische Mitarbeiter des „Nieuwe Courant" schreibt unter dem 17. Januar in seiner Abendausgabe über die amerikanischen Truppentransporte nach Europa: Einzelne Berichte lesien bereits vermuten, daß alles lange nicht so gut geht, wie dies von außen scheint. Zuerst heißt es, daß die Ankunft des amerikanischen Heeres die englischen und französischen Soldaten in Frankreich von einer großen Last befreien würde. Später meldete „Daily Telegraph", daß General Erowder, der Letter der amerikanischen Intendantur, erwartete. daß die amerikanischen Truppen in Frankreich durch die Hilfe Englands und Frankreichs mit Geschützen und anderen Kriegsmaterialen versehen werden würden. Das hangt sicher mit der Ersparnis an Schiffsraum zusammen. Das ist die Frage und sicher nicht zu unrecht Es kommen bereits Berichte, daß die großen Truppentransportdampfer frühestens im Herbst 1919 zu erwarten sind. In Frankreich selbst wären für deren Weiterttansport 40 000 Eisenbahnwagen erforderlich. Die Amerikaner müßten vier neue Häfen anlege», da die jetzt bestehenden bereits mit Kriegstransporten überlastet find Um über 500 000 Mann dauernd mit Vorräten zu versorgen, wären 250 Schisse erforderlich. An Arbeitskräften zur Unterbringung der 500 000 Mann müßte ein Arbchterheer von 200 000 Mann zum Varackenbau gebildet werden. Aber wir düffen nicht nur mit 500 000 Mann, sondern müssen mit Millionen rechneu. Außerdem dürfen die Transportschwierigkeiten als Folge des beschränkten Schiffsraumes nickt vergesien werden. Man hat bereits mit Mangel an Schiffsraum zu rechnen. Die noch vorhandenen vier Millionen Schiffsraum sind nicht mehr verfügbar. wett sie bereits nur mit Mühe den augenblicklichen Anforderungen an Transporte genügen können. Der Kolkan und die Entente. Bern, 18. Jan. (WB.) Dft „Staiupa" meldet ans Rom: Bei den Rumänen. Serben und Griechen zeige sich eine starke Unzufriedenheit über die Erklärungen Lloyd Gorges und Wilsons. Man fühle, daß die Entente die Interessen dieser Staaten ungenügend schütze. Die serbische und rumänische Regierung hätten deshalb Italien um die Vertretung ihrer Interessen aut der Pariser Konferenz ersucht. Eine rumänische Wordnung werde dieser Tage in Rom erwartet. (UaüPflnfr an hx itnüfnilrijnt front. Das „Berner Tagbl." meldet aus Mailand-, daß an der Piavefront zwanzig brasilianische Fliegeroffiziere eintrafen, die ersten Brasilianer, dre im Weltkrieg mitkämpfen. Vliioklki in da franMichki, KaMN. Eine Anfrage eines Sozialisten über die monarchistischen Treibereien in Frankreich führte zu großen Skandalen und zu Prügelszenen in der französischen Kammer. Die Monarchisten, namentlich der bonapartistische Abgeordnete Pngliefi - Conti beschimpfte die Sozialisten, sie seien von deutschem Gelde bestochen. Diese stürzten sich auf den Abgeordneten, dem seiner« fette seine Freunde zu Hilfe eilten und es entwickelte sich eine rcglrechte Schlägerei. Als die Kammer wieder zusammentrat, wurde der Antrag gestellt, die Kammer solle die royaltstische» und bonapartistischen Treibereien zu einem Bürgerkrieg verurteilen. Der alte Schuft Clemenceau wünschte, daß vor Trel- bereien die Worte „und andere" eingefügt würden. Er zielt« damit offenbar auf Eaillaix und stellte die Vertrauensfrage. Demenfforechend wurde sodann die Tagesordnung in namentlicher Abstimmung mit 368 gegen 118 Stimmen angenommen. Es haben sich also ungefähr 60 Abgeordnete noch der Absttm- mund enthalten. Eine Abfuhr. Wir sind ja von dem slawischen Anhängsel Oesterreichs fs manches gewohnt, daß man sich dort aber auch ln unsere inneren Verhältnisie mischen will, ging aus einem Artikel de« 'der Regierung nahestehenden .Sremdenblaties" hervor, der sich gegen die Mitwirkung von B ü l o w s an den politischen Beratungen wandte Es ist erfteulich. daß man in Berlin sofort energisch abwinkt: ^ Berlin. 19. Jan. (MTV. Amtlich.) Die ..Norddeutsche Akb> gemeine Zeitung" schreibt redaktionell: Wie wir hören, wird in amtlichen Kreisen der Vorstoß des Wiener „Fremdenblattes" gegen den Fürsten von Bülow durchaus mißbilligt. Von einer Absicht des Fürsten Bülow, dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von Kühlmann Schwierigkeiten zu bereiten od«; an feine Stelle zu treten, ist hier nichts bekannt. Sollten derartige Gerüchte von Leuten verbreitet werden, die er sich zur Aufgabe gestellt gu haben scheinen, unser» Unterhändler in« Vrest-Litowsk in der öffentlichen Meinung herabzusetzen und ihm bei der Erfüllung seiner schweren Aufgabe Schwierigkeiten! zu bereiten, so steht f^i, daß Fürst Bülow diese« Treibe« fer« sveht, es ist bedauerlich, dag von der Presse des verbündete« ^Landes diese Angelegenheit in einer Weise behandelt wurde, die einer Einmischung in deutsche Angelegelcheiten nahekommt. ,Gs ist daher begreiflich, daß die deutsche Presse, unabhängig von -ihter Stellung zu der politischen Persönlichkeit des Fürsten Bü- ^ low, sich hiergegen wendet. v - v-’ ' y y " ' > — - T , ^ _ V ^ ZZatscki mreder Gberpräftdent. Berlin, 20. Jan. Zum Nachfolger des bisherigen Oberpräst. deuten roit Ostpreußen, von Berg, der, wie bekannt, Chef des Zivilkabinetts des Kaisers geworden ist. ist nach der „Dofsischen Zeitung" der frühere Präsident des Kriegserrrährungsamtes von Batocki berufen worden. Herr von Batocki war, bevor er an die Spitze des Kriegserkahrungsamtcs gestellt- wurde, Oberpräsident von Ostpreußen: es hieß schon damals, daß die Rückkehr auf diesen Posten für den Fall fernes Ausscheidens aus < otm Kriegcernahrungsamt in Aussicht genommen worden sei. Der Rncktnü kg fiirktt Ijniinrrg. Der ^Deutschen Tageszeitung" wird geschrieben: ».Der Rücktritt des bisherigen Chefs der deutschen Vermal tun- in Litauen, des Fürsten zu Jsenburg-Birstein. wird von allen, denen eine den deutschen Interessen entsprechende Entwicklung Litauens am Herzen liegt, aufrichtig bedauert und mutz Anlaß zu ernster Sorge um die weitere Behandlung der litauischen Frage geben. Fürst Isenburg hat das ihm anvertraute Gebiet in vorbildlicher Meise verwaltet und dabei verstanden, unsere militärischen Interessen und das Ansehen des deutschen Namens gleich erfolgreich wahrzunehmcn, wie das Wohlergehen der litauischen Bevölkerung. Sein Regiment, Las ruhige Festigkeit mit Gerechtigkeit und Wohlwollen zu vereinigen wußte, schuf unter schwierigsten Verhältnissen eine Ordnung im Lande, bei der die Masse des litauischen Volkes sich zufrieden fühlte. Wenn es auch an Hetzern nicht fehlte, die die Bevölkerung, cn welche ja im Interesse des Deutschen Reiches manche nicht ganz leichten wirtschaftlichen Anforderungen ge stellt werden mußten, gegen die deutsche Verwaltung aufzurei- -en suchten, so blieb ihnen der Erfolg doch lange Zeit um so nrehr versagt, als die Litauer fühlten und erkannten, daß Fürst Isenburg für ihr Volkstum und ihre kulturellen Wünsche ein besonderes Verständnis und ein warmes Interesse betätigte. So war aller Grund zu der Hoffnung gegeben, daß es dem Fürsten Isenburg gelingen werde, sein Programm — die Schaffung «ine» volklich und kulturell selbständigen Litauens, aber in enger «nd dauernder Verbindung mit dem Deutschen Reiche — im Einvernehmen mit der Litauischen Bevölkerung zur Ver- wtrklichung zu bringen. In diesem ruhigen Entwicklungsgänge trat erst eine Wendung zum Schlimmeren ein, als bekannte deutsche Reichstags- abgeordnete aus den Mehrheitsparteien einer gewissen Gruppe von Litauern klarmachtea daß sie vom Deutschen Reich nicht nur Selbständigkeit, sondern volle Unabhängigkeit fordern und erlangen könnten: dieje Agitation deutscher Volksvertreter wurde naturgemäß durch den Sieg der Bolfchewiki in Rußland und das Stichwort vom Selbstbestimmungsrecht der Völker wesentlich gefordert. Im Zusammenhang damit standen die wiederholten An-grisse auf den Fürsten Isenburg im Reichstag, die ja noch genugsam in Erinnerung sind. Die ganze Behandlung der litauisch«« Frage, auch seitens bestimmter amtlicher Stellen, wurde dadurch in ein Fahrwasser gelenkt, in dem die Wahrung der deutschen Intereffen immer schwieriger und zweifelhafter wurde. D» dieje Entwicklung der Dinge der Politik, die Fürst Isenburg in klarer Erkenntnis und mannhafter Vertretung der deutschen EtaatsnoLwendigkeiten trieb, ernstlich zu gefährden drohte, gab der Fürst cls aufrechter Mann und Politiker seine Drmission. Dieser Schritt hatte zunächst andere Folgen, als die ..Germania". die den Rücktritt des Fürsten Isenburg erfreut als vollendete Tatsache meldete, offenbar geglaubt hatte: die Richtigkeit der vom Fürsten getriebenen Politik wurde an den leitenden Stellen von neuem anerkannt und seine Demission nicht angenommen. Kurz nach Reujahr konnte Fürst Isenburg wit dem begründeten Bewußtsein vom Urlaub aus seinen Posten zurücktehren daß cr nach wie vor das volle Vertrauen der maßgebenden Persönlichkeiten, insbesondere auch der Obersten Hceresleil ing. besitze. Um so größer und erklärlicher war die Ueberraschung, als bereit, wenige Tage später tatsächlich der Rücktritt des Fürsten mfolgk. Darüber, daß Fürst Isenburg der geeignetste Mann wäre, die oben angedcutele unerfreulich-- Entwicklung in Li- taben bintarrzuhaltea und das deutsche Interesse wirksam sicher, zustellen, kann ein Zweifel nicht gut bestehen. Daß die maßgebenden Stellen ihre Ausfaffung der Dinge so schnell und überraschend geändert hätten, ist nicht gut anzunehmen: ebensowenig aber werden sie sich der Tatsache verschließen können, daß der Rücktritt des Fürsten Isenburg auf die Derhältniffe in Litauen tu einer Weise einwirken muß', die dem Interesie des Reiches abträglich ist. Aus dieser Sachlage ergibt sich ein dringendes Interesse der dentfchen Oeffentlichkeit an der Frage, was — oder wer? — den fchließlichen Rücktritt des Fürsten Isenburg veranlaßt hat." Wir können diese Darlegungen nur nachdrücklich unterstreichen und auch unsererseits in aller Form und mit allem Nachdruck die Frage stellen, welche Umstände zu der überraschenden Wendung geführt haben, die den reichverdienten Chef der deutschen Verwaltung in Litauen seinem Wirkungskreise in einem Zeitpunkt entrissen hat. wo seine feste und klare Politik dort rwüLe^iger wäre als jemals? Frankfurter Freiheit. f Wir lesen tu der «Deutschen Zeitung": - Nun haben wir es richtig einmal erlebt, was man sich in Frankfurt am Main unter Freiheit vorstellt Warum gerade in Arantfurt am Main? Ja. wer wüßte nicht, daß dort jenes ^veltblatt" beheimatet ist. das täglich dreimal die ob solcher Ausdauer gslangweilte Menschheit über dis wahren Segnun- der aUein seligmachenden Demokratie vom hohen Rosse herab belehrt? Morgens, mittags und abends caufchr es nur so von Phrasen der „Frankfurter Zeitung" über die Freiheit des Einzelnen und über den Aufbau des Staates auf der Grundlage der Macht reichlich sufammengezählter Stimmzettel, und das von ihr beliebte Lied findet feine dumpfe, jedoch ein wenig vorlaute Begleitung durch ihre Gostnnungsfchwestcr „Volksstimme". also daß man, obwohl noch so sehr Gegner der Sache, doch mit Fug annehmen durfte, jedem werde in die Stadt, in der zwei Blätter aller Welt das rolleuchtende Panier der Freiheit voraniragen, offenes Gehör geschenkt. Man durfte das glauben, aber nur bis zum Montag abend, an dem das Lust, schloß der falschen Freiheit unter dem DonnergetLse einer wildgewordenen Mehrheit .— Mehrheit ist den neuen Propheten des demokratischen Heiles dar höchste Gut — krachend zusam- mcnstürzte. D. Traub, übrigens Parteigenosse der Männer von der „Frankfurter Zeitung" aber als deutscher Mann für sie schlimmer als der Teufel in Person, wollte in der Frankfurter Ortsgruppe der Deutschen V.fterlandspartet reden. „Was tut un- serem Vcttertcmde not?" war seine Frage, und wer nur immer in den Zeiten dieses furchtbaren Krieges sich mit deutscher Politik beschäftigte, weiß, daß er aus dem Munde des .auftechten Volksmannes Wertvolles zu hören bekommen mußte. Freundschaft vier Gegnerschaft spielen hier keine Rolle. Traub ist ein ganzer Mann, und ein solcher, der seine Aufgabe im Bewußtsein ihrer Heiligkeit ohne Menschensurcht versieht, hat ein Recht darauf, geachtet und zum mindesten gehört zu werden. In dieser Neberzeugung lud die Vaterlandspartei Frankfurts zu einer Versammlung ein, in dieser Ueberzeugung erschien D. Traub im großen Saal des Zoologischen Gartens zu feinem Vortrage. Lange vor Beginn war der Saal bis auf den letzten Platz und darüber hinaus gefüllt, wie eine Mauer standen die Menschen, aber von der Vaterlandspartei.selber gleanften nur recht Wenige in das Innere, denn die Frankfurter Genossen hatten die Losung aus gegeben, sehr frühzeitig und geschlossen auf der Bild- fläche zu erscheinen, um der Mehrheit von vornherein gewiß zu sein und durch die erdrückende Macht ihrer Lungen und verschie. dener mitgebrachter Nadauinstrumente, als da sind, Kinder- trompeten. Schellen ufw.. die Versammlung zu sprengen, ehe sie überhaupt beginnen konnte Pfarrer Kübel, der Vorsitzende der Frankfurter Ortsgruppe. konnte nur gerade die Werte herausbringen: „Meine Herren, die deutsche Daterlandspartci." In diesem Augenblick war es aber auch schon vollkommen vorbei. Ein ungeahnter Lärm brach los und legte sich nicht, obwohl ein Genosse den verzweifelten Versuch machte, eine Ansprache an seine versammel- tven Gesinnungsgenossen zu beginnen. Der Radau nahm solche Formen an. daß die im Saal erschienene Polizei die Versammlung schließen mußte, was durch die Genossen mit dem Gesang der „echtdeutschen" Arteitermarseillaise gebührend gefeiert wurde. Man sollte es zwar nicht für möglich halten, daß in einer gesitteten Stadt, deren Ruhm als soziales Gemeinwesen die ganze Welt erfüllt, eine solche Vergewaltigung eines poli 9 tisch anders Denkenden, noch dazu in einer von dessen Gesinnungsfreunden einberufcnen Verso,nmluntz möglich wäre, aber noch weniger hätte man daran denken sollen, daß ein deutscher Mann in deutschen Landen durch rohe Mittel davon abgehalten werden könnte, über deutsche Angelegenheiten deutsche Worte ins Volk zu tragen. Doch die Verwunderung hat ja nun heute keinen Zweck mehr, das Schimpfliche ist geschehen, und es ist bezeichnenderweise gerade in der Stadt geschehen, deren „Frankfurter Zeitung" und „Volksstimme" sich nicht genug tun können im Rühmen einer Freiheit, die in einem erträumten Morgen das ganze deutsche Volk beglücken soll. Der Ruhm von Berlin und Mannheim hat eben die Frankfurter Fretheitssreuude nicht schlafen lassen, und sie haben sich, um einen guten studentischen. Ausdruck zu gebrauchen, ein Vein ausgerisscn, um ihre Vorbilder womöglichst noch zu übertrumpfen. Wenn das Freiheit fein soll, dann hat das deutsche Volk allen Grund, für dies Russen- gefchenk zu danken und sich mit Händen und Füßen dagegen zu wehren Die Versammlung war zu Ende, aber nun ging der Rummel erst los. In großen Massen zogen die Schreier durch die Straßen der Stadt und verteilten Lob und Tadel in ihrer lauten Werfe. Dabei erschienen sie vor dem Gebäude der „Frankfurter Zeitung" und begrüßten ihre angeblichen Befreier mit huldigenden Hochrufen. Ob den Herren der „Frankfurter Zeitung" wohl die Ohren gegellt haben, als ihnen dies Zeugnis eigenartiger Volksliebe übermittelt wurde? Andere Massen durchströmten die Straßen mit den Ru en„ Rider mit dem Krieg", „Hoch der allgemeine Friede" und ähnlichen schönen Schlagworten. Die Vorgänge sind von so betrübender Natur, daß eine Wiederholung wohl unter keinen Umständen geduloet werden dürfte. In der Tat hat der stellvertretende kommandierende General des 18. Armeekorps, Riedel, sich gezwungen gesehen, folgenden Erlaß herausgehen zu lasser: „Im Vertrauen auf dis politische Reife unserer Bevölkö- rurlg sind ihr in bezug auf das Vereins- und Versammlungsrecht während des Kriegszustandes Beschränkungen bisher nicht auferlegt worden. Die gesttige Versammlung im Zoologischen Garten war die erste, bei der es zu Unzutrüglichkei- ten gekommen ist, die in dieser engten Zeit doppelt bedauerlich sind. Die Versanrmlung konnte überhaupt nicht abgehalten werden, da der Redner durch Lärmen und Schreien am Sprechen verhindert wurde. Die Lärmfzenen haben sich außerhalb des Versammlungslokales fortgesetzt, wobei sich auch radaulustige Elemente auf der Straße bemerkbar machten. Derartige Ausschreitungen können im Interesse der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit unter Leinen klmstän- den gelduldet werden. Nach dem bisherigen Verhalten der Bevölkerung glaube ich annehmen zu können, daß die gestrigen Vorgänge nur einen Ausnahmefall bilden. Sollte ich mich in dieser Annahme getäuscht sehen, so würde ich gezwungen sein, den Anlaß zu einer solchen Störung der Ordnung, wie sie gestern vorgekommen ist, zu beseitigen, indem ich die Abhaltung öffentlicher Versammlungen allgemein- verbiete." Traurig aber wahr. So geschehen in Frankfurt am Main am 14. Januar rm vierten Kriegsjahre. Tatsächlich, tww» hättz es nicht für möglich hatten sollen, j- '** w \ v ^ Mn Glnckstatrr. Meine Freundin trug schon als Schulmädchen ein Armband; mtt einer daran hängenden Münze. 'Sie nannte die Münze! ihren Elückstaler. Und alles glückte ihr, der ganze Lebensgang war ein Gelingen. Die Freundinnen liebten sie, die Herren verehrten sie. sie ward glückliche Braut, sie führt einen bcglüL ' ten Ehestand. Reichtum und Ehren fließen ihr zu. Sollte der Glückstaler da wohl einen Anteil haben. Ich wünschte mir in- nigst auch einen solchen Talor. Und ich habe ihn. Woher? Ich will cs erzählen. Der Krieg, der so vieles umwirft und auf. baut, schuf eine Goldankaufsstclle. Coldschmuck wird dort an» genommen und gut bezahlt. Was sollte ich mit meinem Gold« schmuck im Kasten. Im Kriege kann man ihn nicht ttagen und' nach dem Krieg gibts schöne neuere Formen: also fort damit! Wie staunte ich über die Summe Geldes, die mir dafür, ein- gehändigt wurde und wie freute mich die schöne Münze ..Gold gab ich für Eisen". Mit meinem Handel sehr zufrieden. kaufte ich für das Geld Kriegsanleihe, die Münze trug ich als Schmuck. Und nun das Seltsame, meine Münze ist eine Glücksmünze, wenn ich sie trage, klappt alles. Freund und Feind kommt mir liebreich entgegen, in den Geschäften finde' ich höflichste Zuvor- ' lommenheit, aber noch viel mehr geschieht, ferne Bekannte schicken mir kostbare Geschenke ganz ohne Anlaß und Gegen, leistung. Schon länger als ein Jahr stehe ich wie in einem Märchen, seit ich die Münze trage, fliest mir Gutes zu. es muß ein Zauber in der Münze liegen. Sje ist mein Glücks, t a l e r. Ans der Helmut. Lich. Di-e diesjährige Aufnahmeprüfung am hiesigen Vor. feminar findet am 21. März, vormittags 7 Uhr, statt. Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß die Anmeldung hierzu vor dem 7. März d. I geschehen muß. Sie ist mit 1.50 Mark Stempel zu bekleben, und die Anmeldepapiere (Gebuits-. grüner Impf-, Vermögensschein und Schulzeugnis) sind beizufügen. Auch ist vorherige kreisärztliche Untersuchung notwendig. Aus Starkenburg. Darmstadt. Das Kupferdach der russischen Kapelle in Dannstadt, dessen Inanspruchnahme zu Kriegszwecken der Gegenstand wiederholter Interpellationen des Landtagsabg. Reh gewesen ist, wird" jetzt, nachdem der Reichstagsabgcord- nete Kcpsch eine Anfrage im Reichstag eingebracht hat. auf Veranlassung der zuständigen Zentralinstanz in Berlin der Be- schlagnahme verfallen. (Also, wenn der hessische Landtag so ein Verlangen stellt, dann gilt's nicht, das Heil muß in Darmstadt von Preußen kommen. FC. Griesheim bei Darmsladt, 17 Jen. Die Einbrecher, die kürzlich bei die Firma Nungesser fünf wertvolle Treibriemen gestohlen haben, wurden ermittelt und festgenommen. Es sind drei hiesige junge Burschen, die bei der hiesigen Trocknungs- industrie in Arbeit standen. FC. Groß-Gerau, 17. Jan. Das hiesige Schöffengericht verurteilte die Frau Wilhelmine Ziegler von Nauheim wegen übermäßiger Preissteigerung zu einer Geldstrafe von 940 Ml. — Der Schüler Georg Roth von Erfelden wurde wegen Sach, beschcidigung der Telegraphenleitung zwischen Erfelden und Leeheim in eine Gefängnisstrafe von einer Woche genommen. FC. Von der Bergstraße, 17. Jan. Bei der letzten Brenn, holzversteigerung in Auerbach aus den fiskalischen Waldungen wurden Preise erzielt wie noch nie. Für vier Raummeter Buchenscheitholz wurden bis zu 200 Mark gelöst, vier Meter Buchenknüppel kosteten 170 Mark. Vor dem Kriege kamen diese Hclzsorten auf 50 bezw. 30 Mark. Aus Hosson-Rassau. FC. Wiesbaden, 17. Jan. Für die mit auswärtigen Vertretungen beauftragten Lehrer Vergünstigungen hinsichtlich der Beschaffung neuen Schuhwerks oder von Schuhflickmaterial zu erlangen, um das sich die hiesige Königliche Regierung be. nrühte, waren bisher ohne Erfolg. Deshalb weist sie darauf hin, es möge zunächst der Versuch gemacht werden, beim Kom- niunalverbande, welchem durch den Landeshauptmann Leder, allerdings für die minderbemittelte Bevölkerung überwiesen worden aus diesen Vorräten zu erwerben unter der Begründung, daß es sich um eine kriegswirtschaftliche Notwendigkeit handele, ansonst die Lehrer die Holzsohle oder eine Sohle aus geleertem Paptergewebe verwenden lassen müßten. FC. Wiesbaden, 17. Jan. Durch einen ftanzösischen Kriegsgefangenen ließ ein hiesiger Gärtner seinen Kunden das Ee. nrüfe ins Haus bringen. Bei dieser Gelegenheit kam auch der Gefangene in ein Haus in der Sonnenbergerstraße dahier zu der dort bediensteten Köchin Genoveva Brunner. Diese fand im Handumdrehen Gefallen an dem Kriegsgefangenen, mit dem sie im Laufe der Zeit sehr inttm wurde. Die Köchin, die in der Auswahl ihrer Liebhaber scheinbar nicht sehr wählerisch ist, stand heute wegen unerlaubten Verkehrs mit Kriegsgefan- gcnen vor den Schöffen. Diese nahmen die Köchin in eine Geldstrafe von 200 Mark. FC. Vom Unterwesterwald, 17. Jan. Auf der Hohe zwischen Höchstenbach und Mündersbach löste sich vor einigen Tagen bei einem Zuge der Kleinbahn von Hachenburg nach Selters auf noch nicht aufgeklärte Weise die Kuppelung zwischen Lokonro- tive und anhängenden Wagen, so daß die Lokomotive allein weiter fuhr, während zwei anl)ängende mit Kohlen beladene Wagen sowie der Personen- und Packwagen iu der steilen Kurve mit rasender Geschwindigkeit rückwärts liefen. Nur dem be. fonnenen Eingreifen eines Mitteisenden und eines Feldgrauen gelang es mtt großer Mühe die Bremse zu drehen, so daß der Zug hinter der Statton Höchstenbach zum Stehen gebracht und ein großes Unglück verhütet werden konnte. Am folgenden Tage entgleiste derselbe Zug bei Hattert. Auch hier kamen die j Mitteisenden mtt dem Schrecken davon. \ i Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto^ Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. H e y n e Friedberg. Druck und Verlag der ^Neuen^LogeSzeitung",^ Grane Gefahren. Stonmn ans Der Gegenwart von M. Gontard - Schuck. 2 j 'JiauSbtud verboten. Merheim bemerkte ihre Entrüstung und raffte sich zn- fammem Er stammelte eine Entschuldigung und verabschiedete sich ctlvps überstürzt von Lord und Lady Erskinc. Diese Entdeckung war dock, zu wichtig, um sic einfack? zu übersehen. Er stürzte an den Fernsprecher und rief Wolf- stein, den Agenten der Botschaft, an. Er hatte Glück, Wolfstein war in erreichbarer Nähe n in knapp zehn Minuten entstieg er einem heransausende „Also hören Sie zu. Wolfstein! sagte Werkheim eilig. „Mein Schwiegervater, Lord Douglas, ist hier ini Carlton mit drei Herren und zivar dort in jenem'Zirnmer. Mir liegt nun viel daran, zu wissen, wer die Herren sind, lvann und wo sie sich verabschieden, wohin ' - d von hier begeben und so weiter.- Möglich auch, daß Sie eai oder das andere Wort aufschnappen, waS uns von Nutzen sein kann. Ick) bleibe hier im Carlton drüben im Wintergarten, bis sie mir Bericht erstatten, einerlei, wie lange es dauert." „Schön,.Herr Baron! Wird alles besorgt!" Nun endlich konnte Werklieim zum Wintergarten gehe,). Er traf Helen mit ihrer Gesellschaft beim Aufbruch. Alle überschütteten ihn mit VoNvürfen über sein langes Fortbleiben. Mit liebenswürdigsten, Lächeln brachte er hundert nichtige Entschuldigungen vor und bat nur immer wieder, sich durch ihn nicht stören zu lassen. Er würde die Herrschaften spater im Theater treffen, erst aber müsse er etwas Ordentliches essen. Er konune sonst um vor Hunger. Helen würdigte ihn kaum eines Blickes. Sie war ernstlich erzürnt. Er war doch wirklich ein rechter Barbar. Kein einziges anerkennendes Wort sagte er ihr, trotz des reizenden Kleides, das sie angelegt hatte. Schmollend ging sie endlich, ohne sich von ihn, zu verabschieden. Mit einem Seufzer der Erleichterung ließ sich Werkheim in einen Sessel fallen und während er dem Kellner Auftrag gab, ihm fein Essen zu bringen, beschäftigten sich leine Gedanken unaufhörlich mit den vier Diplomaten dort vorne in dem kleinen Zimmer. — Was er atz, er wußte eg kaum. England. Rußland und Frankreich da vorne zusammen. Es war nicht schwer zu erraten, was da verhandelt wurde. Da wollte man wohl wieder einmal in aller Freund- lichkeit dem deutschen Michel das Fell über die Ohren ziehen. Ingrimmig warf er Messer und Gabel hin. „Ter Teufel soll sie holen, alle zusaimuen! Daß sie doch auch nie Ruhe geben können!" Kann, eine halbe Stunde mochte vergangen sein, als der Kellner ihm die Ncichricht brachte, daß ein Herr ihn zu sprechen wünsche. »Ich komme sofort!" Er zahlte und ging. „Schon alles erledigt, Herr Baron!" ries Wolfstein und rieb sich befriedigt die Hände. „Nun?" „Also die vier Herren kamen zusammen heraus, nach- deui zwei Autos gerufen worden waren. Der Herr nnt dem Schnurrbart — es war Wisolsky aus Paris — verabschiedete sich zuerst und zlvor mit den Worten: „Also, meine Herren, morgen bin ich auf dem Wege nach Petersburg. Ich komme mit den weitestgehenden Vollmachten zurück, verlassen Sie sich darauf." Dann rief er dem Führer zu: „Viktoriastation!" und fuhr davon. Sir Edward Douglas und die beiden anderen Herren blieben noch einige Minuten stehen. Der * mit dem Spitzbart, das war Voneanip aus Berlin und der andere, das war Prentin, der hiesige russische Botschafter. Der Pförtner rief dann ein Auto für Sir Edward Douglas und als er sich von dem Herrn mit dem Spitzbart, also von Boncainp, verabschiedete, sagte er: „Also auf Wiedersehen am 1. März in Paris." Dann rief er dem Wagenführer Straße und Numnier seines Klubhauses zu." „Schön, Wolfstein, das haben Sic gut geinacht! Ich danke Ihnen." Einen Augenblick noch stand Werkheim sinnend an seinem Platz, dann sprang er in ein in der Nähe haltendes Auto und fuhr nach Portlandsquare. Er mußte mit jemanden über sein Erlebnis sprechen. Jetzt Helen im Theater abzuholen und ihr Geplauder Uber sich ergehen zu lassen, war ihm unmöglich. Und dann — wer konnte wissen, ob nicht Eile geboten war! Was in der Küche heute abend zusammen geh raut worden, das war ganz ' ,\ t - etwas, was Deutschland schwer im Maa< • liegen im, - @3 traf sich gut Doktor .>v -shausim wß 'och bei seinem Abendessen. — Hartha ulen wor w unter all den Herren der Botschaft. -Er hatte sich j- m eug angeschlossen und deshalb galt sein erster Gedanke >,u wenn einer hier den Ariadnefaden fand, so war es • .ch--n. . - „Hallo, Werkheim, welchen, EpeigM von svestgeschichl- l^cher Bedeutung habe ich denn diesen Besuch zu verdanken? Haben Sie Meinungsverschiedenheiten mit der Frau Ge- mahlin gehabt und sind ausg.rifsen? Oder —?" Er hielt inne. Werkheims Züge, in denen sich noch die Erregung der letzten Stunden cchspiegelte, sagten ihm, daß etwas Besonderes vorgefallen fein mußte. „Na, einerlei was Sie zu mir führt. Sie sind^mir unter allen Umstanden willkommen." „Ich muß mit Ihnen sprechen, Harchausen. Sind wir ungestört?" „Einen Augenblick! Ich stehe sofort zu Ihrer Ber- fügung." Er klingelte, und als der Diener erschien, sagte er: „Bringen Sie eine Flasche Nauentaler 4md zwei Gläser ins Rauchzimmer, dann brauche ich Sie heute abend nicht mehr. Stehen Zigarren und Zigaretten bereit?" „Jawohl, Herr Doktor, es ist alles in Ordnung." „Es ist gut, dann können Sie gehen. ' Kommen Sie, lieber Werkheim, ich freue mich mif- rick)tig. Sie wieder einmal zu einem gemütlichen Plauder- stündcken bei mir zu haben. Seit Sie verheiratet sind, kommen Ihre alten Freunde zu kurz. Man kann nicht vorsichtig genug sein," fuhr er leiw fort, als sie sich in den, kleinen, gemütlichen RauckZimmer- ck)en niedergelassen hatten. „Ich glaube zwar, der Kerl ist ganz anständig, aber — besser ist besser.' Geld ist eine große Macht, sogar das Vaterland verkauft n,an dafür." »Ja, .Harthausen, daß Vaterland! Wahrscheinlich dreht sich die Geschichte, rrm deretwillen ich zu Ihnen komme, auch um unser Vaterland." „Einen Augenblick noch —" Fortsetzung folak. Bekanntmachung. In den Geschäften von: Fr. Hilbrecht Wwe.. I. L. Pauln Lind & Ibold M. Rosenseld Fr. Michel H. Eckel H. Webenneyer, Fauerbach, gelangen von Dienstag, den 22. d. Monats ab Mainzer Handkäse zum Verkauf. Gegen Abschnitt „L*“ der Brotkarte wird 1 Käse zum Preise von 22 Pfennig abgegeben. Friedbeeg, den 19. Januar 1918. Stävt. Lebensrntttel-Ausschus;. Langsdorf. Bekanntmachung. Am nächsten D errstag den tags von 2-4 Uhr, findet in der am Vezirkskommando. die Abgabe von Speisefett statt. 22. Januar nachmit- alten Post, Eingang -900 des Vrotkarten- Nachmittag» von 2—3 Uhr für die Nummern 1- bezirks I. von 3—4 Uhr für die Nummern 301—600 des Brotkartenbezirks io Tie abzugebende Menge beträgt für Familien von 1 und2 Personen V 4 Pjd. und kostet 0,05 Mt. -» ^ 5 „ % n n n 1»10 n " 6 u. mehr .. */ 4 „ „ 1,65 „ Die Lebensmittelkarten sind als Ausweis vorzulegen. Riluell lebende israelitische Familien und Haushaltungen. die geschlachtet haben, oder demnächst schlachten wollen, sind vom Bezug ausgeschlossen. Das Geld ist abgezählt bereit zu halten. Friedberg, den 19. Januar 1918. Stä stischer Lebensmittel-Ausschuß. Langsdorf. tlekanntmachnng. Am 20. 1 . 18. ist eine Nachtragsbelanntmachung, betreffend Beschlagnahme und Bestandserhebung von Baumwoll-»Seioen- und Kunstseidentüllen erlassen worden. Ter Morllaut der Nachtragsbekanntmachung ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden. Äkilv. ötiifMifmsuiifltibo 18 . Ülniiftforpi Lar!sMrzieh«!i(!!M;sl!rt ssii Taunus Institut von Pirt&araer — Friedrichscforf 1 1. I nterr. d. (Skiass. höh. Madchßiusiiiile n. d.Plan d. Lyzeums. Christi. Haus- < W- Klass indiv. I»chandlq:. Gute Verpflegung. Vorbercitg. z. tprasblelr.-Ei., fortiildp. in Wissenscb., Sprach- etc. K»ch- und Hebst ailungs- ontcrriehL Unterricht in Barttnliai, Obst- und Gernüseverwertung. Rechnungen in allen Formalen Uesen ichnett uno dillig Ae«k„S'agtü!ei!uog" Zl.-G. ♦♦ S Drucksachen kann der Geschäftsmann auch während der Kriegszeit nicht ganz entbehren, wenn auch der Papiermangel und die Teuerung eine gewisse Einschränkung mit sich gebracht haben. Die Eeschäftsdrucksache ist und bleibt nun einmal für jeden Geschäftsbetrieb unentbehrlich, sei es, dah man sie braucht zur Uebermittlung geschäftlicher Angelegenheiten, oder zwecks Regelung von Ausständen ufw. Wie kein Geschäft seinen Vertreter oder Reisenden in schäbigem Gewände zum Besuche seiner Kundschaft hinausgehen läßt, so sollte es auch darauf bedacht fein, daß die von ihm verbrauchten Drucksachen die es ja doch auch bei dem Empfänger derselben vertreten sollen, ein einwandfreies Aussehen haben. Auch familiäre Mitteilungen jeder Art lassen in ihrer äußeren Aufmachung einen Schluß auf die Persönlichkeit des Absenders zu. Wir empfehlen uns zur Anfertigung von Drucksachen jeder Art in sauberer und geschmackvoller Ausführung und sichern schnellste Lieferung und billigste Berechnung zu. Bei eintretendem Bedarf bitten wir Muster und Preisberechnung von uns einzusordern. Neue Tageszeitung Druckerei und Verlag A.-G. Friedberg i. H. Seit 25 Fahren fertige als Spezialität Schuhe für kranke Füße besonders für Klumpfüße und verkürzte Beine. Wilh. Zernikow, Bad-Nauheim, Burgstrabe 7. / Komme auf Wunsch. Nlickiprache oder schriftliche Auskunft ver pflichtet zu nichts. 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