Dummer 16 Samstag, den IN. Januar 1918 11. Iahrgar-g. eue Tageszeitim v» .'r ^ Der rumänische König verhafket? Einigung mit der Ukraine. — Deute eines 11-§ooles. — Zwei englische Zerstörer vernichtet. —.. Der deutsche Generaljtab meidet: - " W. T. D» Gro-tzes Kaupr^nartier, derr 18. Januar. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Auf dem größten Teil der Front war die GesechlsläLigkcit gering, lebhafter in der Gegend südwestlich von Cambrai. Bei kleineren Unternehmungen nördlich und nordöstlich von Prosnes wurden Gefangene eingebracht. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. An der Makedonischen nnd Italienischen Front ist die Lage unverändert. Der Erste Eeneralquartiermeister: Ludendorsf. De Haftung König Ferdinands? Abendlerickt. Berlin, 18. Jan., abends. (WTB. Amtlich.) Bon den Kriegsschauplätzen nichts Neues. i Der österreichische Generalstab jj — meldet: 5 Wien, 18. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird veilautbart: Keine besonderen Ereignisse. Der Chef des Generalstabes. - Der bulgarische Grneralstab -——- meldet: —-- Sofia, 16. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Auf beiden War- dar-Ufern Tätigkeit von Erkundungsabreilungen, welche günstig für uns verlief und in deren Verlauf unsere Einheiten östlich des Flusses Franzosen gefangen nahmen. Westlich Serres wurde eine englische Erkundsabteilung, welche sich unseren Pcsten näherte, durch Feuer vertrieben. Erfolgreiches II-Dsot. Berlin, 17. Jan. (WTB Amtlich.) Eines unserer Unterseeboote hat kürzlich an der Westküste Englands vier Dampfer, ein französisches Vewachungsfahrzeug, einen Segler und einen Fischdampfer versenkt. Die Mehrzahl der Schiffe wurde unter erheblicher feindlicher Gegenwirkung in den für starke U-Bootabwehr besonders geeigneten Gewässern der Irischen See und des Bristol- Kanals in geschickten Angriffen versenkt. Hier fiel auch das französische Vewachungsfahrzeug dem U-Boot zum Opfer. Sämtliche Dampfer waren bewaffnet. Unter ihnen konnten die englischen Segler „Elmelcaf" tlnd „Boston City" festgestellt werden. Von den beiden anderen Dampfern hatte der eine Kohlen, der andere, von Ansehen und Größe des englischen Dampfers „Egremont Castle", 5281 Tonnen, Leinöl geladen. Der Fischdampfer führte die Bezeichnung ,,B. F. 696". Der Chef des Admrrrrlftabs der Marine. ilttffvßait^ mm füd’iirfifr frfjf'iüjjjjfr. £aag, 18. Jan. Zwei britische Torpedofi'ger sind, als sie während eines heftigen Schneesturmes zurückkehrcn wollten, in der Nacht vom 12. Januar an der Küste von Schottland gestrandet und total vernichtet. Die Besatzungen beider Boote kamen bis auf einen Matrosen ums Leben. Erfolge in Afrika. - Sern, 18.. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Lyoner Blätter melden aus Lissabon: Eine offiziöse Note über die Lage in Portugiesisch-Ostafrika gibt bekannt, daß deutsche Kompagnien das Gebiet von Mataricka besetzten und sehr starke Stellungen mit Maschinengewehren anlegten. Man erwartet hier einen Kampf mit den Alliierten in den nächsten Tagen. Die portugiesischen Truppen, die in Ousulo eine Schlappe erlitten haben, befinden sich init englisch-portugiesischen Abteilungen in Umango. Der Posten von Surio wurde von den Deutschen angegriffen, die bei Foz Upuhna lagern. Eingeborene deutsche Truppen errichteten Mauripo ein Lager und schlugen eine Brücke über den llrio. Der Gouverneur von Quclimano meldet, daß die Deutschen verschiedene Punkte dieser Provinz besetzt haben. Zürich. 18. Jan. Laut einer Londoner Nachricht meldet die Agentur Reuter aus Petersburg, daß die Volksbeauftragten am Samstag abend laut den Blättern die Verhaftung des Königs von Rumänien verfügt haben. Der König wird nach Petersburg gebracht werden. Die Friedensverhandlungen. Verständigung mit der Ukraine. Brest-Litowsk, 17. Jan. (WTB. Amtlich.) Bei der heute zwischen der deutschen und der österreichisch-ungarischen Delegation einerseits uud der ukrainischen Delegation andererseits abgehaltenen Besprechung wurde einleitend das bisherige Ergebnis der über die politischen Fragen vertraulich gepflogenen Besprechungen zusammengefaßt. Graf Czernin hob hierbei den für die Viest-Litowsker Verhandlungen überhaupt geltenden und auch von der ukrainischen Delegation anerkannten allgemeinen Grundsatz hervor, daß die Einmischung eines Teiles in die inneren staatlichen Angelegenheiten des anderen ausgeschlosien sei. Andererseits bestehe ein Einverständnis darüber, daß beim Zustandekommen eines die Entwicklung eines dauernden Freundschaftsverhältnisses sicherstellenden Friedens die beiden Teile bereit seien, sich unter der Voraussetzung voller Gegenseitigkeit über verschiedene sie interessierende politische und kulturelle Fragen auszusprechen. Hierbei wies Graf Ezernin beispielsweise auf die Besprechung der Sicherstellung des Schicksals der polnischen Minderheiten hin. welche künftig dem ukrainischen Staatswesen engehören v erbe... Diese Erklärungen wurden von der ukrainischen Delegation zustrmmend mit dem Bemerken zur Kenntnis genommen, daß sie aufgrund derselben in die weitere Verhandlung eintreten werden. Bei der weiteren Besprechung über die Regelung des beiderseitigen Wirtschaftsverkehrs wnrdeg keine solchen Differenzen in den grundlegenden Auffassungen festgestellt, daß sie das Zustandekommen einer Vereinbarung zu hindern vermöchten. Die Beratungen wurden so weit gefördert, daß sie sich bereits auf konkrete Fragen des Warenaustauschverkehrs erstrecken. Der Gang der Verhandlungen und ihr bisheriges Ergebnis lassen die Erwartung eines befriedigenden Abschlusses berechtigt erscheinen. Die Weiterberatung ist einer Spezialkommission übertragen worden, die ihre Arbeiten sofort aufnehmen und mit tunlichster Beschleunigung durchführen wird. Eine ukrainische Prcß'ezentrale. Bern, 17. Jan. Aus Brest ist hier das Mitglied der ukrainischen Delegation, der Rittmeister von Cassenko, eingetroffen. Er ist Attaches des Ctaasfekretärs der ukrainische!) Volksrepublik. Casfenko, der die Teilnahme an den Verhandlungen in Brest-Litowsk aus Gesundheitsrücksichten aufgeben mußte, ist von der ukrainischen Volksrepublik beauftragt, eine ukrainische ofsi- zröse Pressezentrale für die ganze Welt zu gründen, deren Sitz in der Schweiz eingerichtet werden soll. Günstiger Fortgang der Petersburger Verhandlungen. Wien, 17. Jan. (MTB. Nichtamtlich.) Das Wiener k. u. k. Korrespondenz-Bureau meldet ans Brest-Litowsk vom 17.: Laut einer vorn Generalkonsul von Hempel aus Petersburg eingegangenen Meldung' nimmt der bisher schleppende Verlauf der Petersburger Kommission in den letzten Tagen einen günstigen Fortgang. Es gelang bei der Erörterung über die Eröffnung des Privat-, Post- und des Zeitnngsverkehrs mit Rußland die bisher auf russischer Seite vorhandenen Schwierigkeiten zu überwältigen. Es kann bereits zur Formulierung der getroffenen Vereinbarungen geschritten werden. Zur Verhandlung über den gegenseitigen Anstausch von Arzueiwaren wurde ein Unterausschuß eingesetzt, der seine Beratungen am 16. Jan. begonnen hat/ Die Petersburger Verhandlungen gehen unabhängig von den in Brest-Litowsk und beziehen sich nur auf wirtschaftliche Fragen. AWiilj der FMkiiMchnAillM!!? Aus der Tatsache, daß der Reichskanzler seine große politische Rede im Hanptausschuß des Reichstages über Brest-Litowsk auf Ende nächster Woche verschoben hat, folgert man in gut unterrichteten parlamentarischen Kreisen, daß bereits für den Ausgang kommender Wocke der Abschluß der Friedensverhandlungen mi^ Rußland zu erwarten ist. A Friedensvorkchlii-ie? Schweizer Blätter melden aus Washington: Präsident Wilson beabsichtigt, demnächst eine Konferenz der Alliierten zu. sammenzuberufen, in der gemeinsam feste und endgültige Friedensbedingungen ausgestellt werden sollen, die dann durch einen neutralen Staat, wahrscheinlich Spanien, dem Vierbund über-' reicht werden sollen. Diese Nachricht, für deren Richtigkeit wir den Schweizer Blättern die Verantwortung überlassen müssen, kommt ein wenig' überraschend, da man annehmen mußte, daß Wilson in seiner letzten Rede die Kriegsziele der Vereinigten Staaten bereits genau umschrieben hat. Sollte er keine anderen Vorschläge zu machen haben, so könnte er sich die Mühe und Kosten der großen Ententekonferenz sparen. __ ^ v Auch Sari all? Bern, 17. Jan. Die Verhaftung Loustelots erfolg'.c ohne Angabe bestimmter Ben ^gründe. Loustelots soll, so wird nach den aufgefundenen Dokumenten behauptet, in Caillaux' Staats- wefen mit einem großen Posten bedacht gewesen sein. Man sucht nach anderen Beamten, Offizieren und Parlamentariern, die von dem Emporkommen Caillaux hätten profitieren können. Darauf beziehen sich die Mitteilungen der ministeriellen Organe, die dis Liste der Verhafteten noch für unvollständig erklären. Der Advokat Caccaldi, einer der beiden Anwälte des Caillaux, erklärte einem Ausfrager, sein Klient habe nichts von seiner Zuversicht eingebüßt, welche völlig begründet sei, weil die sogenannten neuen Tatsachen absolut gegenstandslos vom Standpunkt des Schuldbeweisfrage seien. Höchstens innerpoliiisches Interesse könnten sie haben. In den Wandelgängen des Senats verlautet, daß die Verhaftung des Generals Sarrail wegen seiner Beziehungen zu Caillaux bevorstehe. Keine itulicuiiche» Deserveu. Bern, 16. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die Agentur Stefan!.' legt Wert darauf, in der italienischen Presse die Meldung des' Pariser „Temps" zu dementieren, daß Orlando in einer Unterredung mit Franklin Bouillon gesagt habe, daß Italien noch übergroße Mengen Mannschaftsrcscrven verfüge. Die Agentur Stefan! betont mit Nachdruck, Orlando habe im Gegenteil angedeutet, daß der Umstand, daß ungefähr 12 vom Hundert der ganzen Bevölkerung unter den Waffen stehen, das italienische Wirtschaftsleben schwer schädige. Diese Berichtigung ist nur zu verständlich: Italien fürchtet,- daß ihm die Hilfstruppen der Engländer und Franzosen nicht gelassen werden, wenn es nicht über Maimfchaftsnot Nagt. Uorträge beim Kaiser. Berlin, 18. Jan. (WTB. Amtlich.) S. M. der Kaiser hörtU gestern den Vortrag des Chefs des Marinekabinetts und den Generalstabsvortrag. — “. . " — 1 ' ' ,, Aus dem Wuklrechlsousjchich. Berlin, 17. Jan. iMTB. Nichtamtlich.) Im Verfassung»^ oüsschuß des Abgeordnetenhauses führte ein nationalliberaler, Redner aus, die Wahlrechtsvorlage sei nur durch das Königs-, wort schwierig geworden, sonst wäre an das gleiche Wahlrecht gar nicht zu denken. Das Königswort sei aber von der früheren Staatsregiernng extrahiert worden, die zwar von einem' reifgewordenen Volke gesprochen, aber seine Volksvertreter mundtot gemacht babe. Ein Freikonservativer wandte sich gegen die großpolnische Bewegung in Posen und Oberschlesien: nicht das gleiche Wahlrecht, sondern das Pluralwahlrccht fördere das Streben nach vorwärts. Ein konservativer Abgeordneter be- dauerte die Radikalisierung der polnischen Fraktion. Das, Weiche WahrrechL unterminiere den Einfluß 6er Krone mtS schalte die Krone in der Folge ganz aus. Ein Zentrumsabge. ordneter meinte, eine brauchbare und volksvümltche Wahlrechts« Vorlage müsse zustande kommen, ob mit oder ohne das gleiche Wahlrecht lasse er dahingestellt sein. Gegenüber der Radikalisierung der Zweiten Kammer müsse der Radikalisierung der Ersten Kammer vorgebeugt werden. Der Vertreter der Polen schwächte seine früheren Ausführungen erheblich ab und erkannte an, daß die Möglichkeit einer Verständigung vorhanden sei. Preußen muffe sich nach dem Kriege damit abfinden, dstz die Polen in Preußen ihr eigenes nationales Leben führen neiden. Zuerst die st rren' ->»» nwrlaae. Berlin, 18. Jan. (WB.) Nachdem sich in der fortgesetzten Beratung des Wahlrechtsansschusses des Abgeordnetenhauses noch einige Vertreter der Parteien zu der Frage des gleichen Wahlrechts geäußert hatten, wies der Vizepräsident des Staatsministeriimrs darauf hin, daß er die Vorlage nicht unterschrieben habe. Er habe sie bei seinem Eintritt in das Staatsministeriüm bereits fertig borge- ftmden. Er wies den Vorwurf zurück, daß die Regierung mcht mitgearbeitet habe. Die Notwendigkeit der Ein- bringung der Vorlage folge aus der politischen Situation. Zwischen dem gleichen Wahlrecht unter gewissen Kautelen und dem Pluralwahlrecht sei überhaupt kein wesentlicher Unterschied. Die Polenpolitik der Regierung verschanze sich nicht hinter die Botschaft vom 11. Juli. In der auf die Debatte folgenden Abstimmung enU' sich die Kommission, die Herrenhausvorlage zunächst zur Be- ! ratung zu stellen. Das nmtt dm ssrMyer iihnW fcSien! Wir lesen in der Erzberger'schen „Franks. Ztg.": Dresden, 18. Jan. Während die sächsische Zentrrnns- partei die Stichwahlparole für den konservativen Kandidat ausgab. beabsichtigt, nach den „Dresdner Nachrichten" die Reichsleitung des Zentrums die Parole ftir den Sozial- demo traten auszugeben. Angeblich ist Erzberger nach Bautzen beordert. Die Nationalliberalen werden voraussichtlich zur Wahl des konservativen Kandidaten auffordern, während die zuständigen fortschrittlichen Organisationen die 'Parole für den Sozialdemokraten ausgegeben haben. Generalstreik in England. - Bern. 18. Jan. Die sozialistische ..Berner Tagwacht" meldet aus London auf privatem und direktem Wege: Der Metallarbeiterverband von England und Schottland hat an die englische Regierung ein Ultimatum gestellt, in welchem er mit dem revolutionären Generalstreik droht, falls die Behörden vor Ende dieses Monats verfehlten, eme allgemeine Friedenskonferenz einzuberufen. Die bürgerliche Preffe ist natürlich über diese Drohung entrüstet. denn dadurch komme die ganze Kriegs« Maschine zum Stillstand und würde die Fabrikation von Schis, fen. Munition. Flugmaschinen usw. lahmgelegt werden. Im Parlament bedrohte der Minister Sir Ausland Geddes die ..un- patriotischen Verräter" der Metallindustrie schon mit dem Flüch- der ganzen Nation und den noch wirkungsvolleren Mitrailleusen. (Fitilüdlfr WlMl dEer lmdstoffrkWfk. 5 Berlin. 16. Jan. (MTV.) Das Reuterschr Bureau bringt die sensationell aufgeüauschte Nachricht, wonach eine der englischen Tuchindustrie angehörige Kommission 257 geheime deutsche Bestimmungen über die Bereitt'.ng von Farbstoffen aus der Schweiz nach England mitgebracht habe. Mil Hilfe des englischen Auswärtigen Amtes seien die geheimen Vorschriften sicher nach England geschaffen worden. Die Kommission will nicht ein Monopol gründen, sondern nur ihr Material der englischen Negierung andieten zwecks Verwendung in englischen industrielle Betrieben. Das Reutersche Bureau will damit glauben machen, es wäre nun endgültig vorbei mit der Ueberleqenheit der deutschen Füibstofsinduftrie. Es gibt damit zu. daß die ln den vorangegangenen drei Kriegsjahren mit vielen finanziellen Opfern in England unternommenen Versuche der Begründung einer leistungsfähigen englischen Farbstoffinduftrie bisher keinen Erfolg Die englische Negierung scheute sich darum nicht, mit I*1eresse?cken einen gemeinschaftlichen Diebstahl in Szene zu setzen und sich dessen nach Verübung noch öffentlich zu rühmen. Aber auch diese Desperadopolitik wird kaum zum Erfolg führen. denn die deutsche Ueberlegenheit in der Farbenherstellung hangt nicht von bestimmten geheimen Rezepten ab. die man nur zu stehlen braucht, um dann ebenso gut Farben herzustellen. Wer die Entwicklung der deutschen Farbentndustrie kennt, weiß, daß sie ihre gegenwärtige Bedeutung nur erlangt hat ouf Grund jahrzehntelanger mühevoller Arbeit, die in den verschiedensten Anlagen im Zusammenwirken zwischen der Wissenschaft und der Industrie stattgefunden haben. Vic Sollchewikr in Drrlin. Mit echt bajuvarischer Deutlichkeit wendet sich eine Zuschrift ». Saarbrücken, 16. Jan. (Amtlich.) Am 16. ds. Mts. 7.12 Uhr vormittags, entgleiste zwischen den Bahnhöfen Kirn und Hochstetten der Urlauberzug 243 infolge Dammunter- spüffmg durch Hochwasser der Nahe. Die Lokomotive, der Packwagen und drei Personenwagen stürzten in den Fluß. Bis jetzt konnten 12 Tote geborgen werden. Es wird befürchtet daß sich noch etwa 25 Tote in den im Hockiwasser liegenden Wagen befinden. Außerdem sind 15 Personen schwer, 10 leicht verletzt. Durchgehender Zugverkehr auf der Nahebahn wegen Unterspülung der Geleise durch Hochwasser vorerst gesperrt. Das stockmasser. Der Main ist auf feiner ganzen Länge weiter rm Steigen. Die niedrig gelegenen Uferteile sind überflutet. Auch Teile der Bau- grirbe fiir die neue Schleuse bei Fechenheim sind voll Wasser gelaufen. In Frankfurt ist der Main noch nicht aus den Ufern getreten. Nur die sog. Muschel ist bereits mit Master gefüllt. Im Laufe der Nacht ober des morgigen Tages wird das Wasser auch hier die Ufer überfluten. Der Rhein steigt infolge der reichlichen Wasserzufuhr ebenfalls fortgesetzt. Gestern nackMittag um 5 Uhr zeigte der Rheinpegel m Mainz bereits 2 Meter Wafferhöhe. Da mvch vom Obersts des Stromes noch fortgesetzt steigendes Wasser gemeldet wrrd, so steht ein weiteres starkes Anschvellen des Stromes für die näckLte Zeit in sicherer Aussicht. In Walüshut stieg der Rhein in den letzten 24 Stunden von 2.70 auf 3,74 Meter m Mannheim von 3,08 ans 4,39 Meter. Wäbrend es vor wenigen Tagen noch recht still auf dem Strome war und nur selten ein Schleppzug mit flachgehenden Schiffen von knapp halber Ladung stromaufwärts ging, zeigte sich heute der Strom so belebt wie selten seit vielen Monaten. Gewaltige Schleppzuge mft 6—7 tiefbeladenen Großschiffen im Anhang meistens Kohlen führend, rauschten bergwärts an dem Zuschauer vorüber. — Die neuesten Wasserstandsnachrichter, vom Rhein lauten: Maxau 5,79, steigt; Mannheim 5,60 steigt; Kehl 3,70, steigt stark. Lahn, Fulda, Werra. Die Schneeschmelze und die reichlichen Regenfälle der rlH. ^ ö0e ^en auch die Flüsse in Kurhessen beträchtlich anschwellen lassen. Die Lahn hat mehrere Dörfer durch Ueberschwemmung vom Verkehr völlig abgesperrt. Auch die Werra führt Hochwasser. Besonders gefahrdrohend steigt die Fulda, die zudem aus der Eder starke Zuflüsse Erhält. Heute nacht wurden bereits mehrere Straßen der Kasseler Altstadt überschwemmt, so daß der Fußgängerverkehr völlig stockte. Stellenweise schlägt man Brücken. Die Keller jener Gegend stehen unter Wasser. Ein Soldat wird vermißt, ma- glaubt, daß er erttunken ist. Müpiuntoitf m Mbrniwiq der 5'Kmnik. Darmstadt. 14. Januar 1916. Die Fraktton des Hessischen Bauernbundes hat an das Großherzcgliche Ministerium des Innern folgende Eingabs gerichtet: „Die heute hier im Ständehaus versammelten Mitglis. der des Bauernbunde sehen sich angesichts der Erfolglosigkeit der von der hessischen Regierung in Berlin gegen die radikale Abschlochtung der Schweine unternommenen Schritte gezwungen, gegen die Durchführung dieser Maßnahmen schärfsten Widerspruch zu erheben Ist es an den maßgebenden Stellen nicht bekannt, daß es vielen Landwirten möglich ist. mit Haushaltungsabfallen einige Ferkel bis zur Erünffitternng durchzuhalten? Furch« ten die verantwortlichen Ratgeber für den Erlaß derartiger Verordnungen nicht, daß durch solche gewaltmäßigen Ein. griffe in den Organismus des landwirtschaftlichen Betriebes nicht nur die einzelne Wirtschaft sondern die Allgemeinheit durch das fast gänzliche Fehlen von Schweinefleisch und Fett im nächsten Herbst schwer geschädrgt wird? Ganz besonders schwer getroffen werden kleine Land, wirte und Arbeiter, welche ihre für geradezu fabelhafte Preise erworbenen Ferkel mit großem geldlichen Verluste abgebea müssen. Der Unwille und die Erbitterung in ländlichen Kreise» — erzeugt durch derartige verfehlte wirtschaftliche Verfügungen — drohen nicht mit das schon stark gesunkene Vertraue« in behördliche Maßnahmen ganz zu erschüttern, sondern auch der Landwirtschaft die ihr gestellte Aufgabe der Dolksernäh- rung ganz außerordentlich zu erschweren. Die Fraktion des Hessischen Dauerubuu-esi I. A.: Brauer. Herabsetzung der Gelreidepreise. In der letzten Zeit finden sich in der Presse hin und wieder Notizen über He für den 1. März 1918 vorgesehene Herabsetzung der Getreidepreise um 100 Mark für die Tone, nach denen in den beteiligten Kreisen die Meinung zu herrschen scheint^ daß diele Preisherabsetzung nur als Drohung ins Auge gefaßt worden sein, möglicherweise aber nur in gemilderter Form oder gar nicht eintreten werde. Diese Ansicht ist durchaus unzutreffend. Vielmehr ist die am 1. März 1918 einttetende Herabsetzung der für Getreide, Buchweizen. Hirse und Hülsenfrüchte zurzeit geltenden Höchstpreise um je 100 Mark für die Tonne gesetzlich bereits festgelegt worden, und zwar durch § 2 der Verordnung über den Ausdrusch und die Inanspruchnahme von Getreide- und Hülsen- fruchten vom 24. November 1917 (RGBl. S. 1082): eine Wieder- aüfhcbung oder auch nur Milderung dieser gesetzlichen Bestimmung kommt nicht in Frage. Die Landwirte haben sich also unbedingt darauf einzurichten, daß der Preisabschlag mit dem 1 März eintritt; es liegt daher in ihrem eigenen Interesse, jo viel wie möglich bis zu diesem Zeitpunkt abgeliefert zu haben. Wie's gemacht wird! Was aus einem tüchttgen Menschen, der die Fleischt'spfe Bayerns der mageren Kost in Berlin vorzieht, im Kriege alles werden kann, zeigt sich an einer Geschichte, die der „Konfektionär" in aller Harmlosigkeit zum Besten gibt. Danach hat Herr Louis Rosenthal, früher Mitinhaber der Firma Gebr. Singer, der nach Aufgabe seines Geschäftes in der Kriegszeit als Vetteter für die Schweiz und Belgien tätig gcwesen ist, an seinem Sommeraufenthalt in Bad Tölz soviel Gefallen gefunden, daß er beschlossen hat, auch den ganzen Winter dort wohnen zu bleiben. Bekanntlich hat man nun in Bayern seit einiger Zeit seine eigene Auffassungen über die Hebung des Fremdenverkehrs, und es wäre auch wohl Herrn Rosenthal nichts anderes übrig geblieben, als eines Tages etwas eilig seine Koffer zu packen. Aber Rosenthal als alter Reiseonkel ließ sich so leicht nicht verblüffen. Wie viele seinesgleichen wählte er den hinteren Eingang zum erneuten Besuche, nachdem er ans dem vorderen hinausgeworfen worden war. Und in der Tat gelang es ihm bei seinen Talenten, einen Dreh zu finden, den> zufolge es ihm niöglich wurde, auch während dieses neuen Kriegswinters in Tolz zu wohnen und sich zu mästen. Herr Rosenthal meldete sich nämlich in Berlin ab und wurde Tölzer Bürger. Das war so leicht nicht, aber doch gelang es ihm. Er erbot sich nämlich, der Jugend von Tolz kostenlos französischen, englischen und spanischen Unterricht zu erteilen. Einen so billigen Sprachlehrer für die Jugend hatte man sich in Tölz schon lange gewünscht. Und so kam es. daß Herr Rosenthal denn auch wirklich Tölzer Bürger, werden konnte urrd daß er als solcher natürlich auch ferner in dem schonen Orte weiter wohnen' darf. Soweit wäreöie Geschichte nur ein Beweis für die Wandlungsfähigkeit eines -l „Kapitäns" der Großkonfektion, wenn es sich um die siebe Magenfrage handelt. Die Sache hat aber auch eine andere Seite: dieser Herr Nosenthal ist nämlich kein anderer als der einstige Sozius des sozialistischen Führers Paul Singer. Wer nun die Geschichte dieses Herrn etwas näher kennt, wird doch darüber inMweifel sein nn'jssen ob er als Jugend- bltdner gerade am rechten Platze steht. Wer für solche Sachen nämlich ein Gedächtnis hat, wird sich eines Aus- sprikcbs des Herrn Nosenthal erinnern müssen, der in den Mer Fahren gefallen ist und der, als er in die Oeffentsichkeit gelangte, ungeheures Aufsehen erregt und die sozialen ' Tugenden dieser BoWführer-Firma grell beleuchtet hat. Als nämlich der Schneidenneifter Maas auf die Bemerkung '' Nofenthaks, daß er mit ferner Arbeitsstube viel zu teuer arbeite, erwiderte, er könne nickt billiger arbeiten, da er auf ein anständiges weibliches Personal halte, gab' ihm b> . sagter Herr Nosenthal, So,'.ins des Sozia liste nführers Baul Singer, die im Texte der UrteilWegrüdung beglaubigte Antwort: „Ach tuas! laßt die Mädel auf den Strich gehen und liefert die Mäntel billiger!" Dieser edle Menschenfreund ist identisch mit dem jetzigen Lehrer der Tölzer Fugend! Man wird sich ja wohl saaeu können, was dabei herans- kommen kann. Der „Konfektionär" gibt seiner Freude, über die Wandlungsfähigkeit des Serrn Nasentha? Ausdruck und erzählt die Geschichte seines Tölzer Bürgerbriefes den Ge- stnnungsverwandten anc Hausvoigteiplatz halb Bs Ulk, halb aber ar?ch ans Stolz über die Smartneß dieses tüchtigen Mannes, der es verstanden hat. die Abneigung gegen die Fremden in Bayern durch ein geschicktes Manöver zu überwinden und der seine Ortsangehörigkeit mit einer Gelassenheit wechselte, nur um sich an den Fleischtöpfen Bayerns zu mästen, wie s»m Hemd. Daß dieser Mann der ehemalige Sozius Paul Singers ist. ennähnt er mit keiner Silbe. Noch vrel weniger natürlich erinnert er an den klassischen Aussprnch, den dieser Herr, als er noch mitten im Geschäftslehen stand, einmal ge^an hat. - Das paßte ja wolll mich nickt in den Nahmen dieser baumlosen Geschickte und kannte auch nickt die Aufgabe eines 'Konfektionsblattes fern, das die Interessen der Unternehmerschaft. nickt aber die Interessen der arbeitenden Bevölkerung vertritt. Immerhin rst dies Beispiel nickt obne IiUereffe. Es zeigt nicht nur, daß die Mitwelt ach fo vergeßlich ist. sondern auch, daß es erne gewisse Breffe verstellt, wenn es sich um die Beleuchtung der Tüchtigkeit illrer Stgmmesgenoffen bandelt, die Vergangenheit ihrer Gesalbten vergeffen zu mackem Darum ist es die Bflickt der völkischen Preffe. umso aufmerksamer die wetllodckcke Arbeit zu verfolgen und sie nach.Kräften auf. Zudecken, was hiermit geschehen sei. ^ — 1 Ne^fchiedenos. - 9*iff5»iWRrt an einem Sozialisteu-GraK. , tzu den begeisterndsten und feurigsten Liedern, die die Drckter der Befrenmgskriege geschaffen baben. gehört unstreitig dos beute noch vielaefttncrene „Der Gott der Eisen wacklen ließ" von Ernst Moritz Arndt. Neben allgemein freilleitstchen Tstnen schlägt uns aus diesem Liede der heiße Atem des -^affes gegen die Franzosen entgegen, wie er in der Strophe zimi Ausdruck kommt: Laßt klingen, was nur klinoeu kurn, Die Trommeln und die Flot' Wn- wollen beut? Mann für ' -in Mit Blut das Eisen roten. Mit Henkerlllirt — Franzosenblut, O stiller Tag der Nucke! r Das klinget allen Deutschen gut. Das ist die große Sache. Dieses Strm'tkred der DerEcken erklang dieser Tage an dem Grabe eines sozialdemokratischen Führers. Der verstorbene Engelbert Pernentorter batte vor seinem Tode bestimmt. ball man ihm uni dem letzten Gange das Lied vom Gott, der Eisen wachsen ließ, ßngen solle, und der Wiener Arbeiterin n gerb und hat diesen Wunsch erfüllt. — Ob stch wohl viele bewußt geworden find, daß dieser Wunsch auch ein Ausdruck dafür war. daß zwei Seelen in der Brust des Toten wcbn^n, ne^en dem Politiker der deutsche Nomantiker. der mit Vorliebe deutsche Literaturgeschichte trieb. Inmitten der verschiedenen und vielsprachigen Sozialdemokraten des osterrerchilchen Abgeordnetenhauses hatte er sich ein deutsches Herz bewahrt und brachte dies vielfach zun, Ausdruck. So !leß er seinem derstichen Idealismus freien Lauf in einer Nede auf Sckiller. die er in Berlin hielt. — Interessant ist, aT ^ i ltr? S er Student stch der großdeutfchen Nlchtuna anmo% und einer deutschen Verbind,mg angehörte Später unterhielt er Freundschaft mit Georg Schönerer und terlte besten antisemitische Anschauungen, bis er dann zur Sozmldensokratre ab schwenkte. Dsm Felde der Lyre. Frttdberg. Rechtsanwalt Hauptmann Schröder von hier wurde zum „Vcrkchrsoffizier vom Platz" der Festung Mainz ersannt mit Wirkung vom 1. Februar. Außerdem wurde ihm das Eiserne Kreuz verliehen. Leidhecken. Der Lehrer Otto Rheinfurth, bei einer Fuhrpark-Kolonne, wurde zum Gefreiten befördert. Ans der Heimat. > * Die Frankfurter Pferdemärkte werden in diesem Fahre auf Gelände gegenüber dem Empfangsgebäude des Ostbahnhofs . Kbgehalten; der Platz wird begrenzt von der^Bischofsheimer« strage. Ostbahnhof-Platz und Philippsruherstraße und ist etwa 5000 Quadratmeter groß. Auf dem Marktplatze stehen vorläufig keine Stallungen zur Verfügung, der Verein ist aber auf Wunsch bereit, leerstehende, in der Nähe des Marktplatzes befind, liche Ställe den Pferde-Züchtern und -Händlern nachzuweisen. Der Marktplatz wird an den Markttagen früh 6 Uhr geöffnet und nach Beendigung des Marktes spätestens abends 6 Uhr geschloffen. Für die Einlassung von Pferden auf den Marktplatz wird für jeden Markttag 1 Mark Standgeld an der Einfahrt gegen Scheine erhoben,^ welche zur Vermeidung nochmaliger Zahlung während des Aufenthaltes auf dem Markte auszubewahren und auf Verlangen dem Aufsichtspersonal vorzuzeigen sind. * Versorgung mit Cemüsesamen. Die Reichsstelle für Ee- müst uicd Obst teilt mit, daß sie mit Rücksicht darauf, daß die inländische Eriue an bemüftsamen nicht ausreicht, um den namentlich durch den Krieg erheblrch gesteigerten Bedarf befriedigen zu können, rechtzeitig größere Samenmengen im neutralen Auslande erwarten hat. Diese Mengen sollen zum Teil an die Gemüsebauer, die keine Aussicht haben, ibren Bedarf bei den deutschen Samenzüchtern einzudeckeu, zur Verteilung gelangen. Die Kcmmunalverbände fordern daher die Anbauer auf. ihre Bedarfsanmeldungen unverzüglich einzureichen. Die Anmeldungen muffen die Angabe der zu bestellenden Fläche enthalten, damit eine Nachprüfung der angeforderten Bedarfsmengen möglich ist. Zugleich ist eine Bescheinigung des zuständigen Polizeiverwal- ters beizufügen. aus der ersichtlich ist in welchem Umfange und mit welchem Erfolge der Anbauer an den Vorjahren schön Gemüsebau betrieben hat. Ferner ist anzugeben, ob der Anbauer bereit ist auf die Samenzuweisung hin Anbau- bezw. Liefe- rungsverträge für das kommende Jahr abzuschließen. Die Verteilung soll im Aufträge der Kommunalverbände durch Samenhandlungen erfolgen. FC. Vom Main, 16. Jan. Beschlagnahmt wurden aus dem Bahnhof Afchaffenburg aus einem Waggon, der aus der Gegend vcn Schweinfurlb ankam. eine große Anzahl Schinken. 40 Zentner Dörrobst Gerste und dergleichen. Die Lebensmittel sollen von einem Aufkäufer unter den.für einen Kommunalverband bestimmten Waren verborgen worden sein. sr. Hanau, 14. Jan. Durch die Abwesenheit der Väter. Belastung der Mütter durch Erwerbsarbeit u. a. m. vermehren sich die Ausschreitungen Jugendlicher in der gegenwärtigen schweren Kriegszeit in beängstigender Weise. Fast keine Sitzung unserer Gerichte vergeht in der nicht eine strafbare Handlung Jugendlicher zur Aburteilung steht. Auch heute mußten wieder drei solcher Tunichtgute vor den Schranken der hiesigen Strafkammer erscheinen, um sich wegen eines versuchten schweren Raubes an einem Mädchen und wegen mehrerer Einbruchsdiebstöhle zu verantworten. Von den drei, im Alter von 16—17 Jahren stehenden Bmlchen find zwei, der Spenglerlehrling Johannes Bügelmeyer und der Arbeiter Otto Stamm in Fechenheim beheimatet, während der dritte, der Taglöhner Heinrich Adam, in Bürgel wohnt. Das Kleeblatt hatte sich im vergangenen Jahre zur Ausführung von Diebstählen und sonstigen Ausschreitungen zu- jammengeWloffen. und wie gründlich sie ihr dunkles Handwerk auefübrten. geht aus zahlreichen Hafendiebstahlen hervor, die sie bald hier bald dort, besonders aber in Offenbach, innerhalb kurzer Zelt allsführten. Daß sie auch vor erheblich schwereren Delikten nicht zurückschreckten, zeigten sich am 11. April v. I.. an welchem sie sich im Walde zwischen Enkheim und Frankfurt herumtrieben und einen räuberischen Ueberfall auf die 23 Jahre alte Arbeitet in Erna Sturm von Enkheim unternahmen, wobei sie dem Mädchen eine Flasche auf den Kopf schlugen. Unter Einbeziehung der im Oktober v. I. von der Strafkammer in Darm- stodt gegen sie wegen der Diebstäble in Offenbach erkannten Freiheitsstrafen erhielt Bügelmeyer weilen versuchten schweren Raubes und wegen des Hasendiebstahles 1 Jahr 6 Monate, Stamm wegen derselben Verbreche« 1 Jahr 3 Monate Gefängnis; gegen Adam lautete das Urteil wegen versuchten schweren Raubes auf eine Gesamtstrafe von 1 Jahr 2 Monate Gefängnis. Gedern. 16. Jan. Der Revisionsoffizier A. L. Hartmann aus Sandbach i O. versuchte auf den schon aus der Station fahrenden Frühzvg der Vogelsbergbahn aufzufprinaen. Er kam dabei zu Fall, wurde von dem letzten Wagen überfahren und auf der Stelle getötet. Aus HessenNassau. FC. Wiesbaden, 16. Jan. Zum Heldentode des Flieger- loutnants Heß. Am Tage vor Weihnachten fiel nach 17 Siegen im Luftkampfe einer unserer erfolgreichsten Kampfflieger, der Leutnant d. R. Ernst Heß aus Wiesbaden. Ritter des Hausordens voü Hohrrzollern mit Krone und Schwertern, des Würt- tembergischen Friedrichs-Ordens mit Schwertern, des Eisernen Kreuzers erster und zweiter Klaffe. Fliegerleutnant Heß war der einzige Sohn der in Wiesbaden wohnenden Witwe des Kgl. Domäneurats Hetz. Geboren rm Jahre 1893 in Wiesbaden besuchte er zunächst das humanistische Gymnasium. In der Absicht, sich dem Berufe eines Maschinen-Jngenieurs zu widmen, betätigte er sich darauf zwei Jahre praktisch. Während dieser Zeit erlangte er auch seine ersten Kenntniffe im Flugwesen, und zwar in der Fliegerschule Gödecker in Mainz. Zur Absolvierung seines Studiums besuchte er die technische Hochschule in Chemnitz. Der Drang, möglichst schnell das Feldpiloten-E?amen abzulegen, ließen ihn diese Studien unterbrechen und im Oktober 1913 in Köln als Einjährig-Freiwilliger bei der Feldflieger-Abteilung 3 etn- treten. wo er schon nach den ersten Monaten das Fliegereramen ablegte. Alsdann ging Heß nach einer kurzen Abkommandierung zur Leitung eines Kursus in Darmstadt am 1. Januar 1915 als Flugzeugführer * n die Westfront. Mit Boelrke und Jmmelmann war er einer der erstem Kampfflieger, unter dorren er als Vorkämpfer in der Luft bald eine hervorragende Stellung eumahm. die ihm den Ersten unter ihnen würdig zur Seite stellt. Zuletzt war er Führer einer Jagdstaffel und Gruppenführer der Jagdstaffeln der Ersten Armee. Die Leiche ist von der Front nach Wiesbaden überführt worden, wo sie auf dem Südfriedhof in einem Ehrengrabe, das die Kameraden dem beliebten Führer bereitet, beigesetzt wurde. Leider hat das offizielle Wiesbaden nicht neben dem Sarge dieses Helden gestanden und ihm das letzte Geleit gegeben, wie e» in Dessau und Leipzig bei der Beisetzung der Leichen von Boelcke und Jmmelmann geschehen. Doch der kampferprobte junge Held wird nicht nur weiterleben im dachtnis derjenigen, die ihn in seiner durch Bescheidenheit veredelten Größe kannten ihm ist auch für alle Zeiten ein Platz in der Geschichte dieses Krieges und ganz besonders in der Geschichte der deutschen Flugwaffen sichergestellt. Die Stadt Wtesbaden darf stolz sein auf ihren wackeren Sohn, und das Königliche Gymnasium darf mit Genugtuung auf das Ergebnis seiner Erziehung blicken, das diesen einstigen Zögling zum leuchtenden Vorbild« der Jugend macht, sowohl was den Ernst der Lebensauffassung, die Freude an der Arbeit und die restlose Hingabe an die Erfüllung übernommener Pflichten anbetrifft. Se jung er sein Leben hingeben mußte, es war doch erfüllt von größten Mannestaten, und er ist dahingegangen als einer, der den Zweck des Daseins ausschöpfen konnte im Sinne des Wortes: „Süß und ehrenvoll ist es. für das Vaterland zu sterben!" Das Vater- - land dankt dem jungen Helden und wird feiner in Treue gedenken. FC. Aus dem Rheingau, 16. Jan. Die Wallfahrtskirche in Marrenthal steht feit heute früh infolge eines in der Nacht nie- deraegangeren Wolkenbruchs und infolge der raschen Schneeschmelze über einen Meter unter Wasser. Das Wasser ist im Steigen begriffen und stehts bereits über dem Wassersiand von 1878. Das Klostergebäude blieb von den Wassermosssn verschont. Zum ersten Mal seit 1878 konnte heute die Heilige Messe nicht gefeiert werden. FC. Aus dem Ländchen, 16. Jan. Bei dem Landwirt Franz Stein in Vreckenheim wurden bei einer Besichtigung der Ge- treidebestände in einem Weinkeller drei Sack Mehl, darunter ein Sack feinstes Ausfchnßmehl und zwei Sock Brotgetreide aufgefunden. die Stein verheimlicht hatte. Bet dem Landwirt Heinrich Kleber ebendort machte man eine ähnliche Entdeckung. Man fand versteckt in einer Aepfelmühle und Kelter zwei Sack Roggen und zwei Sack Weizen. Alles verfiel der Beschlagnahme. Krrchliche Anreraev. 2. Sonntag nach Epiph^ 20. Januar 1918. Gottesdienst in der Sladtk,rche. Vormittags Uhr' Herr Pfarrer Diehl. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienft. Herr Pfarrer Ritter. Nachmittags 5 Uhr: Herr Kandidat Rheinfurth. Abends 8% Ufa: Herr Pfarrer R itter. Gottesdienst im Stodtleil Fauerbach. 2. Sonntag nach Epiph., 20. Januar 1918. 10 Uhr: Gottesdienst. 11 % Uhr Jugendgottesdienst. 5 Uhr: Kriegsandacht. m Katholische Gemeinde. Sonntag, 20. Jan. 1918: 2. Sonntag nack Erl^einnng des S^err«. Velchtpelegenbeit am Samstag von 4 Uhr an und Sonntag früh von 6 Uhr. 547 Uhr Frühmesse. 8 Uhr Militärgottesdlenst (Singmesse mlt Predigt). 5410 Uhr: Hochamt mit Segen und Predigt. Rcchmittags 254 Uhr: Sakramentalrfche Bruderschafts-An- dacht mit Segen. Um 4 Uhr: Versammlung der Junaftauen-Kongregation. Während der Woche: %7 und 754 Uhr hl. Messe. Rach dem Hochamt Ausgabe von Büchern au» ver Borrs- Mäur-Bücherei. Verantwortlich für den politischen und lokalen JeH C tto Hirichel. Friedberg: für den Anzeigenteil N Kenner Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen TageszeitungE A G.. Friedbera r