Hummer 15 -...ft- Freitag de« 18.^annar 1918 11* Iahrxarg. Uene Tages^ertu Die ..Mene Taoestettung" erscheint jeden Werktag Regelmäßige Beilagen „Der Kauer aus S-ll-n". ..Sie SuiunHude" ^ . .. - hin U tritt noch das Bestellgeld: dei oen Renten monatlich 85 Psg. einschließlich Trägerlohn Emsigen - Grund^eile *>5 Nw «otale 20 -kJ? % ’ \ ^ * lo!tan,taiten vwrkeljahrluh W. 2.40 r oben. Erfüllunasori Addern 1* 20 l>sg. Anzeigen von auswärts werben durch Po.tnschnainne r obe^Errullungsort Friedberg. Hchriftleitunq und Verlag Friedberq (Hessen). ^anaueritraße 12. Fecniprecher 48. Bot, beck-Lonto Ht. 4859 . ^nt igcnsimligkeit des Herrn Trotzki «in Lrutschrr Flotte,worstnß. — 21 000 Tonne» «rrjcnkt. — Mer 300 Italiener gefanAr». Der deutsche Generaistab — — - Meldet: —^ M. T. K» (Trotzes HariprqnrHrtLev» drss 17. Januav. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Keine größeren Kampfhandlungen. In zahlreichen Frontabschnitten Erkundungsgefechte. Nördlich von Passchendaele, an der Scarpe, bei Bendhnille und St. Quentin wurden einige Engländer gefangen Oestlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Mazedonische Front. . Im Ccrna-Bogun dauert- erhöhte Artillenetäti gleit an. Italienische Front. ' Die Lage ist unverändert. f Bei ihren erfolglosen und verlustreichen Angriffen am 14. trnd 15. Januar haben die Italiener an Gefangenen 12 Offiziers vnd mehr als 800 Mann eingebüßt. Der Erste ßeneralquartiermeister'. L u d e n d o r f f. Aberrdbeeicht. Berlin. 17. Jan^ abends (WTB. Amtlich.) Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der österreichische GeneraUav p . ru dbrt: -—— U Wien, 17. Jan. (WTB.) Amtlich wird verlautbart: ^wischest Brenta und Monte Pertica beschränkte der Gezier seine Gefecktstätigkeit nach den erfolglosen und verlustreichen Angriffen des Vortages auf heftige Feuerüberfälle. In den .Kämpfen am 14. und 15. Januar wurden 12 Offiziere und über 400 Mann Gefangene eingcbracht. Der Chef des Generalstaües. ■ Deutscher Flotieurorstost. F - Berlin, 16. Jan. (WTB. Amtlich.) Anr 14. uird 15. Januar Unternahmen leichte deutsche Streitkräfte einen Streifzug durch die südliche Nordsee. Sie trafen weder feindliche Kriegsschiffe noch Handelsfahrzeuze an, trotzdem sie nördlich der Themse'nün- dung dicht unter die englische Küste vorstießen. Dort nahmen sie wichtige Anlagen auf nächste Entfernilng bei guter Beobach» tung mit über 300 Schuß unter wirksames Artilleriefeuer. Der Chef des Admiralstabs der Marine. 21,000 Tonnen versenkt. Berlin, 16. Jan. (MTV. Amtlich.) Starker, mit allen Mitteln ausgeubter Gegenwirkung zum Trotz fielen auf dem nördlichen Kriegsschauplätze unseren Unterseebooten 21006 Vruttoregiftertonnen Handelsschiffsraum zum Opfer. Hierbei wurde ein englischer Dampfer von mindestens 4000 Tonnen in geschickt durchgeführtem Angriff aus besonders starker Fifch- dampfer.Sicheruag herausgeschossen. Die. Mehrzahl der vcr- senkten Schilfe war bewaffnet und schwer geladen. Der Chef des Admiralstabs der Marine. T' Wirkung:: '^Bsotkrieges. W'.e aus c, .den Sch'.!-a>'/ '.eisen gemeldet wird, steigert sich seit ein chs Wochen « i Boottätigleit rings um England in soll . Maße, daß sciill die Küstenschiffahrt aufs ärgste gefährdet nird. Trotz der umfangreichen Sicherungsmaß- regcln häufen sich die Verluste an kleinen Transportschiffen, die »hauptsächlich für die Versorgung Nordenglands zu sorgen haben. jL-as Ausbleiben der Kohlen wird in den nördlich gelegenen Teilen der Ostküste sehr nachteilig enlpsunden. Das Aus- und Einfahren der Dampfer unterliegt den größten Schwierigkeiten. Es fehlt an einer richtigen Organisierung der Küstenschiffahrt. Von der neuen Admiralität erwarten die Reederkreise einige -ieltreffende Reformen. , Englische Flotten-icrlnste. »Berner Tagblatt" erfährt aus London: Der Zlotten- korrefpondent der „Daily News" beziffert die Berlustc der englischen Kriegsflotte im Jahre 1917 auf 33 Einheiten. Im letzten Vierteljahr war der Verlust sechsmal so groß wie in den ersten Quartalen. Die starke Steigerung wird auf die Geleit- zöge von Handelsschiffen zurückgeführt, die durch Kriegsschiffe geschützt werden müssen, wodurch die letzteren erhöhten Gefahren 'ausgesetzt werden Die FriedeusverhandlunKeu. Deutsche Verständigung mit der Ukraine. Brest-Litowsk. 16. Jan. (WTB. Amtlich.) Im Laufe des heutigen Bormittaas versammelten sich die Delegationen der vier verbündeten Mächte zu einer internen vertraulichen Besprechung. Staatssekretär von Kühlmann gab in längerer Rede Auskunft über den Stand der mit der rusiischen Vertretung in den letzten Tagen geführten Verhandlungen zur Regelung der politischen und territorialen Fragen Die Vorsitzenden der vec- bündeten Vertretungen brachten dem Staatssekretär einmütig ihren Dank und ihre vollste Zustimmung zum Ausdruck. Infolge Unwohlseins des Ministers des Auswärtigen Grafen Ezernin fand eine für heute nachmittag angesetztc vertrauliche Besprechung mit den ukrainischen Delegierten in der Pri- ratwohnung des Ministers statt. Die eineinhalb Stunden lange Unterredung, an der auch die deutsche Delegation teilnahm, ff'hrte zur Herstellung eines prinzipiellen Einvernehmens über die das zukünftige pclitische Verhältnis zwischen den Mittelmächten und der Ukraine betreffenden Fragen. Hiermit dürste ein entschiedener Schritt nach vorwärts getan worden sein. Für morgen ist eine Fortsetzung dieser Besprechungen anberaumt. Cs sollen dann auch Wirtschastsfragen erörtert werden. Nach dem binnen kurzem zu erwartenden Abschluß des vertraulichen, vorbereitenden Gedankenaustausches wird in Detailstagen eingetreten werden. * i Fortgang der Verhandlungen. Brest-Litowsk. 16. Jan (WTB ) Trotzki fuhr in seiner Rede über die von General Hofsmann erwähnten zwei Beispiele kort und sagte bezüglich des weißrussischen Kongresses, den er einen Agrar ierkongreß mit Machtgelüsten nannte, zunächst noch dies: Wenn er auf Widerstand gestoßen ist, so rührt dieser Widerstand von den Soldaten her. unter denen in der gleichen Weise Großrussen, Weißrussen und Kleinrusfen vertreten waren. Ich wies schon in meiner formalen Erklärung darauf hin, daß die Konflikte, die zwischen uns und der Ukraine entstanden waren und die zu meinem Bedauern noch nicht vollständig beseitigt sind, in keiner Weise das Recht des ukrainischen Volkes auf Selbstbestimmung beschränken und uns in keiner Weife gehindert haben, die unabhängige ukrainische Republik anzuerkennen. Trotzki kam hier auf das Schicksal der besetzten Gebiete zu sprechen und meinte, aus den bisherigen Ausführungen der deutschen Vertreter den Schluß ziehen zu können, daß die Entscheidung des Schicksals dieser Gebiete erfolgen solle ohne Rück- sich darauf, ob das eigene Volk bereits im Stande sei, die Entscheidung in die eigene Hand zu nehmen. Er möchte demgegenüber der Meinung Ausdruck geben, daß die geäußerte Ansicht nur die Ansichten der russischen Delegierten bestärken kann über die sehr untergeordnete Rolle, die die Rechtsphilosophie in der Frage der Entscheidung des Schicksals von Völkern spiele. Das beziehe sich genau ebenso auf die Rechtsphilosophie des obersten amerikanischen Gerichtshofes. Wer die Geschichte der Entscheidungen dieses obersten Gerichtshofes genau gelesen habe, der wisse, daß dieser Gerichtshof feine Rechtsphilosophie sehr häufig in diesem oder jenem Sinne geändert habe, je nachdem es nötig gewesen sei, das Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika j erweitern oder nicht. Er glaube, daß es bezüglich dieser Frage ) viel interessanter wäre, nicht eine Parallele zu ziehen mit der Entscheidung des obersteil amerikanischen Gerichtshofes, sondern mit den Allsichten und Aussprüchen derjenige englischen Juristen, die ihr Recht begründeten und davon herleiteten, ihre amerikanische Kolonie in der Hand zu behalten. Was die Form des Verhairdelns anlange, so halte es die russische Delegation für notwendig, gerade diejenigen Punkte in den Vordergrund zu stellen, die den Gegenstand von Meinungsverschiedenheiten bilden, und dies mit aller Entschlossenheit, weil nllr in diesem Falle eine gerechte Lösung gefunden werden könne. Der Vorsitzende der deutschen Delegation habe gefragt, aus welchen Quellen die russische Delegation die Berechtigung herleitc, sich für d-as Schicksal der besetzten Lander zu interessieren, da sie erklärt habe, daß deren frühere Zugehörigkeit an Rußland ihnen keinerlei völkerrechtliche Verpflichtung gegenüber Rußland anferlege. Aber sein Recht, sich für das Schicksal diese Gebiete zu Interessieren, habe der Staatssekretär nicht aus der nackten Tatsache der Besetzung hergeleitet, sondern aus dem Selbstbestimmungsrecht der Völker, welches er allerdings restriktiv interpretiert habe. Dieses Prinzip gelte aber nicht weniger für die russische Delegation und begründe hinreichend ihr Interesse an dem Schicksal derjenigen Völker, deren Ausscheidung aus dem Bestände des früheren russischen Kaiserreiches sie nicht verhindere. Trotzki schloß mit der Bemerkung, daß sich die rus- I sischen Delegierten selbstverständlich das Recht vorbehielien. eine genaue Aeußerung abzugeben über den Charakter der Erklärungen, die heute verlesen worden seien Hierauf ergriff Staatssekretär von Kühlmann das Wort und führte Nachstehendes aus' Was die Rede des Generals Hoffmann betrifft, möchte ich sowohl für mich als für General Hoffmann ausdrücklich das Recht Vorbehalten, auf diese Angelegenheit zuriickzukommen. Die tatsächliche Zuständigkeit des Deuffcl)en Reiches hat der Vorred. ner vollkommen richtig charakterisiert. Der Reichskanzler, der einzige verantwortliche Reichsminister, erteilt auf dem gesamten Gebiets der auswärtigen Politik die für seine Organe maßgebenden Instruktionen. Uebrigens ist es bei der engen politi. scheu Uebereinstimmung. in der ich mich mit dem General Hoffmann befinde, vollkommen selbstverständlich, daß zwischen unserer Auffassung keinerlei Zwiespalt besteht. Der grundlegende Unterschied zwischen unserer Auffaffung und der der russischen Delegation ist, daß wir im Gegensatz zu ihr auf dem Vorhandenen aufbauen und daß wir es ablebnen, aus reiner Liebedienerei gegen die Theorie einem luftleeren Raum Platz zu schaffen. Ueberrascht hat mich die geringschätzige Bewertung des Urteils des amerikanischen Obersten Gerichtshofes durch Herrn Trotzki. Im übrigen nehme ich mit Befriedigung Kenntnis von den Aeußerungen des Herrn Vorredners, daß er und seine Delegation nunmehr gesonnen find, in die wirkliche Diskussion und Klärung der uns trennenden Auffassungen einzutreten. Ich schlage vor, uns an die von der russischen Delegation vorgeschlagene Arbeitsmethode zu halten, über die vier Punkte wie sie in die Antwort ausgenommen worden find, in eine wirkliche Do- tail-Diskusston einzutreten. Ich hoffe, daß wir dann in wenigen Tagen so wnit sind, zu sagen, ob die Schwierigkeiten überwunden werden können, oder ob der hier gemachte Versuch auf- gegeben werden muß. Herr Trotzki erklärte hierbei, seines Erachtens könne jetzt mit der Beratung der beiden Antworten, die vorgetragen worden sind, angefangen werden. Er müsse jedoch nochmals betonen, daß er in der Frage der Zurckziehung der Truppen in keiner Weife der Ansicht der Deutschen beitreten könne, daß angeblich die Ent. fernung der Besatzunostrnppen hinter sich einen leeren Raum zurücklaffen werde Soweit es sich um technische Schwierigkeiten handelt, wie das Fehlen der eigenen Eisenbahnen, Posten usw., könne man in solchen Fragen stets zu einer Einigung gelangen, auch ohne die Kontrolle der Besatzungstrupepn. Demgegenüber wies Herr von Kühlmann darauf hin, daß neben technischen Gründen auch Gründe der Sicherheit der betreffenden Gegend eine sehr gewichtige Rolle spielen. Darauf beantragte Herr von Kühlmann, über die von der russischen Delegation selbst vorgeschlagenen vier Punkte in die geschäftsmäßige Verhandlung einzutreten. Nachdem Trorcki sich diesem Vmschlage angeschloffen hatten wurde die nächste Sitzung für den folgenden Tag, 11 Uhr vor-? mittags, anberaumt. Brest-Litowsk. 16. Jan. Der heutige Tag hat keine Entwirrung der Lage gebracht, im Gegenteil abermals den Eindruck hervorgerufen, als ob Trotzki nur deshalb nach Brest-Litowsk gekommen fei. um durch allerlei Spitzfindigkeiten die Verhand» langen zu verschleppen. Heute wurde abermals die R ä u * m rr n g der besetzten G e b ;i e t e des langen und breite» behandelt. Don deutscher Seite wurde wiederholt und entschieden erklärt, daß diese Räumung im Einklang mit den Militär rischen Sicherungen stehen müsie. Trotzdem dabei bemerkt wurde, daß eine weitere Nachgabe nicht ausgeschlossen sei, falls man iw den anderen Punkten zu einer Uebereinstimmung gelange» werde, versteifte sich Trotzki auf seinen Standpunkt. In der Nachmittagsitzung erklärte Kühlmann. daß er mit Bedauern feststellen muffe, daß auf der Gegenseite keine Geneigtheit herrsche, in der Räumungsfrage auf den Standpunkt de^' Vierbuudes eiirzuaehen. Er schlage deshalb vor. diese Frage,' zunächst offen zu laffen und auf den felgenden Punkt, auf die allgemeinen politischen Voraussetzungen einzugehen. Aber Herr ! Trotzki blieb hartnäckig. Cr kam immer und immer wieder auf die Räumungsfrage zurück, so daß Herr von Kühlmann antwortete, das Minimalprogramm der Verbündeten fei in sorgfältiger Berücksichtigung der militärischen Notwendigkeit?» festgestellt. i Rußland. Gegensätze in Petersburg. Dem Stockholmer Sonderberichterstatter der „Voss. Ztg." wird mitgeteilt, datz der Riß, der sich sckpn feit einiger Zeit innerhalb des Rates der Volksbeauftragten bemerkbar gemacht habe, mmmehr beinahe unüberbrückbar geworden, -er. In eingewe-hten Kreyen wutzte man schon lange, da« Lenin unzufrieden ist sowohl mit dem Einflüsse Trotzkiz al» auch mit den Ansichten desselben, -te sich nicht dem Leninsche» Draufgängertum anpassen. Dem verbissenen Urologen Lenin, der dem wirklichen Leben stets ferngestanden hat, werde Trotzki, der Anhänger des praktisch Möglichen, simner uiuetbndier, und so ist schließlich zwischen diesen beiden eine Spannung eingetreten, die ein weiteres Zusaurmenarbeite» so gut wie unmöglich macht. Außerordentliche ' Sitzung. D-s Blatt der Petersburgs ?iler- und Soldaten, ttiie „Iswestija" nreldet: Der Hau, .isschuß des Sowjets rst aus Anlaß der neuen Stockung der Friedensverhandlungen in Brest°Litowsk zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengettrten. Der Hauptaussckwß erörterte in eingehender Weise die vorliegenden Berichte der russischen Ab- ordnung. Bemerkenswert ist, daß sich ein nicht unerheb- Ucher Teil der Mitglieder des Hauptausschusses gegen den Oang^ rer Verhandlungen ungeduldig zeigte und erklärte, daß die russische Abordnung weniger die rein russischen In-' tereffen wahrnehme als die Verwirklichung der Partei- dokttlnen bei jenen Völkern erstrebe, denen das Selbstbe- fnmmungsrecht zugebilligt werden müsse. Ein Bluff der Bolsckiewiki? Der gut unterrichtete, kadettischen Kreisen nahestehende sT" ^rfretter der finnischen Zetimg „Hufvud- smdsbladet^ erfahrt zu den letzten Unterhandlungen in Brest-^ltowsk, daß die Bolschewiki-Negierung auf die For- derungen d^r Mittelmächte eingeben werde, tzn den letzten Tagen wird in der bolschewistisch Presse sowie im Smolny. .^5nstitut (dem Sitz der Bolsck-ewiki-Negierung in Petersburg) sicherlich viel gefabelt von dem „heiligen Krieg- für das SelbsGesttmmungsrecht der Volker, diese Redensarten wer- den jedoch m unterrichteten Kreisen für Blufi gehalten. Die Bo.schewiki müssen sich in das Unvermeidliche fügen. Plünderung der italienischen Botschaft j» Mailand. 18. Jan. Die italienische Votschast in Petersburg tst nach einem Drahtbericht des ..Corriere della Sera" von einer bewaffneten Bande angegriffen und geplündert worden. Der Pförtner der Votfchast wurde gefangen abgefiihrt. Es gelang dem Botschaftspersonal mit Hilfe einiger die plün» dernden Soldaten herauszuwerfen. von dene 16 entwaffnet und 2 verhaftet wurden. Dieses Attentat auf die italienische Botschaft und die Der. Haftung des rumänischen Gesandten ist nach dem Gewährsmann des „Eorriere della Sera" ein deutliches Zeichen für die Zu. fpitzung der Lage. Der Berichterstatter behauptet weiter, die politische und militärische Mission Deutschland» und Oesterreichs organisiere im Einverständnis mit der Regierung Lenins die Verfolgung der Alliierten, um sie aus der russischen Hauptstadt zu entfernen, und so ihre Kontrolle über ihre eigenen Tätigkeit auszuscholten. Aller Bertteter der alliierten und neuttalen Lander sind in der Botschaft der Vereinigten Staaten zusammengekommen. um über üe Lage zu beraten und um sich über ihr weiteres Verhalten schlüssig zu werden. Es fei nicht ausgeschlossen, daß die diplomatischen Vertreter Petersburg verlassen, um sich an einen ruhigeren und der Politik Lenins weniger aus.' gesetzten Ort zutückzuzichen. Die erste Folge der in der ameri- konischen Botschaft abgehaltenen Beratung war. daß sich sämtliche 18 Dertteter der alliierten und neutralen Staaten am 14. Januar zu Lenin begaben, um gegen die Vorgänge in der rumcü urschen und italienischen Botschaft Protest einzulegen. Der am-rikanis,be Botschafter erklärte, wenn die Mitglieder der rumänischen Botschaft nicht sofort befreit würden, werde das gesamte diplomatische Korps Petersburg verlassen. Lenin erwiderte. daß er die Angelegenheit dem sofort einzub prüfenden Rat der Volkskommiffare vorlepen wolle. Freilassung des rumanischen Gesandten? Basel. 17. Jan. Rach einer Petersburger £>gd - 113 V auf Weisung Lenins der rumänische Gesandte ssi^l auf freien Fuß gesetzt worden. Kerenski entdeckt? Stockholm. 17. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Laut „Rjetsch" soll es bei, Bolschewik! gelungen sein. Kerenski in der Wohnung eines sozialrcvokntronären Stadtrats aufzuspüren. Seine Verhaftung soll bevorstehen. Eine Republik Turkestaa. Stockholm. 16. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Das ukrainische J'.lformaticnsbureau teilt mit: Der Rat der Nation in Kiew erhielt die Nachricht, daß ein außerordentlicher Kongreß der Muselmanen Turkestans in Uebereinstimmung mit der mehrere Millionen zahlenden Bevölkerung Turkestans das Gebiet von Turkestan als selbständige Republik im Bunde mit der föderativen russischen Republik erklärt hat. auu.de dm» russische« Kr ntz es g e »off « Mehr». Sfejcf Kapital wird jetzt mtt Vernichtung bedroht, weu» es zu et»« Auflösung de» russische» Reiche» komme» sollte. Solch ei« fUf tastrophe würde für das französische Kapital derartig gewaltig sein, daß die französische Regierung einer daraus entstehende« Lage überhaupt nicht in die Augen zu sehen wagt. Cie hat de- schlossen, die Januarkupon» auf russische Staatspapiere aus ihrer eigenen Tasche zu bezahlen und de« weitere» Gang dieser Angelegenheit abzuwarten. Die Getteideernte i, Frankreich hat in diesem Jahre nicht einmal die Hälfte des Erttages eines normalen Erntejahres ergeben. Das war die Folge von vnzu- reichender Düngung und mangelnder Arbeitskräfte. Die Kriegskosten der Republik sind bereits bis auf 102 Milliarden gestiegen, wodurch der Bevölkerung eine fast unerttägliche Rentenkast auferlegt werden mutz. Natürlich haben die Der. suche zur Wiedergewinnung der 1871 verlorenen Provinzen unter diesen Umständen auch in wirtschaftlicher Beziehung große Bedeutung Aber die Aussicht auf Erreichung des gesteckten Zieles wird, je länger der Krieg dauert, umso geringer. Außer- dem ist es fraglich, ob die Kosten, mit denen man für die Fortsetzung des Krieges rechnen mutz, nicht bereits lange den Wert übersteigen, der für Frankreich in dem Wiedergewinn der Provinzen liegen würde Noch viel ungünstiger aber als in Frankreich ist die wirk- schaftltche Lage in Italien. Größeren Gewinnen einzelner In- dustriezweige steht eine Lähmung des Betriebes vieler anderer Jndufttien gegenüber die durch Manne! an Steinkohlen still liegen. In Friedenszeiten geschah die Einfuhr von Kohlen nach Italien zi.m Teil auch von Deutschland aus. Die Entente konnte diese Einfuhr, besonders nachdem sich der U-Bootkrieg fühlbar machte, nur in sehr unzureichendem Matze ersetzen. Arbeitslosigkeit und Not haben immer mehr zugenommen und das hat sehr starke llnmftiedsnhett im Lande erwirkt, die sich in den norditalienischen Provinzen in Zusammenstößen der Zivilbevöl- kerung mit dem Militär äußerte. Auch auf die Lage an der Front blieb die Unzufriedenheit im Jnlar.de nicht ohne Einfluß Eine der Folgen war der geringe Widerstand, den das Jsonzoheer den deutschen Angriff-n bot. nachdem die russische Anarchie Deutschland befähigte, seine Kraft auf der ttalienifchen Front zusammenzuziehen. Die Hoffnung auf die Eroberung von Triest, von welcher Stadt die ita. lienische Armee nur noch vier Stunden Wegs entkernt gelegen hatte, und ebenso die Eroberung der Dalmattnischen Küste ift vorüber. Man n ird sich in Italien schon freuen, wenn man W Heere der Mittelmächte, die bereits einen beträchtlichen Teil der fruchtbaren nord-italienischen Ebene besetzt halten, eut einem weiteren Vormarsch hindern kann. Dieser Erfolg wird dann von Italien mit Kriegskosten erkauft worden sein, die bereits jetzt mehr als 30 Milliarden Lire betragen, also mehr als ein Drittel des italienischen Nationalvermögens. Nach dom Krieg aber wird Italien außerdem wahrscheinlich noch durch ein geringeren Fremdenverkehr gesä ödigt werden. Denn dieser machte eine der hauptsächlichsten Einnohmequellcn der itcrlienischea Bevölkerung aus. Montenearos Nittemerfttns. Dir MrWjMe Astlagr in Franttcjch uni) ssualau-. In einer wirtschaftlichen Uebersicht zum Jahresende schreibt -»"llgemeen Handelsblad" folgendes: „In Frankreich werden die großen Banken durch den Krieg in keiner Weise gefordert werden. Frankreich hat durch die Besetzung seiner industriell hcch entwickelten nördlichen Provinzen durch die Verwüstung großer, fruchtbarer Landstriche und durch dre Erschöpft-ng der Bevölkerung zu sehr gelitten, als daß ein rraftcges Wirtschaftsleben wahrend des Krieges noch möglich , n J e ..Das ist auch aus den Stattstiken der Bank von Frankrerch ersichtlich, die noch immer für reichlich eine Milliarde Francs unbezahlte Prä-Moratorrums-Wechfel in ihrem Besitz hat. r ift aUä) bui ^ ben Rückgang des Wertes der aus- lan^chen Ncncen sehr geschädigt. Von 1895 bis 1913 wurden Fmnkrelch ,m ganzen ungefähr für 56,5 Milliarden neue 1ei1 diese Sicherungen territoriale Defensivmaßnahmea unumgänglich machen, wird unserem Der- teidigungsstandpunkt entsprechend davon abhängerr, wie wett unsere Feinde uns zu gehen zwingen. Je größer die Opfer sind, die wir unserer Selbstbehauptung zu bringen gezwungen werden, je stärker plso die gegen uns gerichtete Drohung sich erweist, um so großer und nachdrücklicher werden die Garantten werden müssem die uns vor einer Wiederkehr einer solchen Daseinsgefährdung sicherstcllen Für dieses Ergebnis erwies sich eine grundsätzliche Neuorientterung unserer vom Reichskanzler als verantwortlich zu verttetenden Polttik nicht als gegeben. Deutschland wird die ihm unentbehrlichen militärischen Sicherungen erhalten, ohne den Boden des Rechtes zu verlassen. Alle sonstigen Nachrichten der letzten Tage entbehren somit jeder sachlichen Derechtigung. Die Kanzlerrede wieder verschoben Die Nede des Reichskanzlers nn Hauptausschutz, die für Freitag erwartet wurde, ist, wie neuerlich in parlamentarischen Kreisen verlautet, bereits noch weiter hinausgv- schoben worden. Es gitt für nicht unwahrsckreinlich daß der Kanzler erst in der nächsten Woche sprechen wirch, zumal. Entscheidendes mrs Brest-Litowsk nicht vorlregt. . ■ * «*£. >- tf f * ^ r Die Parteiführer im Auswärtigen Amt. ^ Wie der „Berliner LokalanzeigerE erfährt, find bi» Parteiführer gestern abend wiederum von dem Unterstaats* sekretär von dem Bussche im Auswärügen Amt zu einer Besprechung iiber die Lage empfangen worden. An der Besprechung nachm auch der Referent für di» russischen Angelegenheiten Legationsrat Lrautnunm teil. Mcktritt v. UalenLini s. Der Leiter des kaiserlichen Zivilkabinetts, Herr von Dalentini, ein Höfling vom reinsten Wasser, ist zurückgetreten worden. Sein Nachfolger wird der seitherige Ober- präfident von Ostpreußen, Herr Friedrich v. Berg. MdkMe Kriiiir m Zer.Neichsleiimig. Von der Presse der Linken ist es geflissentlich so hingestellt worden, als fei die Unzufriedenheit mit dem Kurs der Regierung und die daraus erwachsene Krisenstimmung der letzten ' Wochen eine künstlich von den alldeutschen Kreisen hervor- .gerufene Bewegung, darauf berechnet, im kritischsten Augenblick Verwirrung zu stiften. In edler Gemeinschaft mit dem „Vorwärts" hat sich insbesondere die „Frankfurter Zeitung" die erdenklichste Mühe gegeben, durch geflissentliches Verschieben der auf die Oberste Heeresleitung bezüglichen Vorgänge einen ihrer bewährten Verdächtigunasfeldzüge gegen die nationale Presse zur Durchführung zu bringen. Noch ihr Abendblatt vom 8 . d. M. enthält einen dahinzielenden von Verdrehungen und Verdächtigungen strotzenden Artikel. Da ist es denn doppelt interessant, daß von Süddeutschland her sich bemerkenswerte Stimmen vernehmen lassen, die nichts weniger als zufrieden sind mit der Politik des ewigen Halbdunkels, der versäumten Gelegenheiten und der unbestreitbaren Ungeschicklichkeiten, deren mir uns zu erfreuen haben. In der „VoKfck)en Zeitung" veröffentlicht ein „hervorragender süddeutscher Politiker" eine sehr energische Kritik der Reichsregierung, die er in fünf hauptsächlichen Punkten zusammensaßt. Darin wendet er sich gegen die Rolle, die trotz der Ereignisse in der November-Krise immer noch Herr Helfferich spiele. ge.zen die Ueberaehung der Bundesregierungen bei der Information über Vrest-Litowsk durch die Rcichsleitung. gegen Herrn von Kühlmanns Eilfertigkeit, die ihm nicht gestattete, selber im Hauptausschuß Bericht zu erstatten, und gegen die Art dieser Berichterstattung durch den Unterstaatssekrelär vcn dem Bussche bezw. die verkümmerte Uebermiltlung seiner Mitteilungen im Hauptausschusse an die deutsche Oeffentlichkeit. Man sei, meint dieser Politiker, in Siiddeullchland zu begriffsstutzig, um die Gründe für all diese Merkwürdigkeiten zu begreifen, und bei der Wichtigkeit der Tinge, die in Rede stehen, sei es höchste Zeit, offen zu reden. Zu einem noch weit schärferen Vorstoß gegen die Regierung holen die alldeutscher Gesinnung wahrlich nicht verdächtigen „Münchener Neuesten Nachrichten" aus. „Wer weiß denn heute, was die Negierung rotE? Wieviel Kopfe sind? Zehn, fünf zwei oder am Ende feiner? Das ist das Unerträglichste des Unerträglichen. daß der Eindruck entstehen kann, daß die Regierung selber nicht weißt, was sie will, daß sie Einflüssen zugänglich zu fein scheint, die ihren Willen von gestern heute umblasen." Das Blatt beschwört im Hinblick auf diese Verhältnisse den Schatten des Elends unter Bethmann Hollweg und fragt, ob die Aera Herlling-Kühlmann etwa um keine Haar besser sein solle. Im Interesse des Heeres, der Heimat, der Verbündeten, der Reu. traten und der Friedenswilligen unter den Feinden verlangt es mit aller Entschiedenheit endliche Klarheit. Man ersieht aus diesen Auslassungen, daß es mit den Beruhigungsaktionen von j mehr oder minder offiziöser Seite in diesem Augenblick der schwerstwiegenden Entscheidungen nicht mehr getan ist, daß das Gewissen der Oeffentlichkeil angesichts der Erfahrungen der letzten Wochen doch in einer Welle geschärft worden ist. die es als unmöglich erscheinen lassen muß. mit der Parole „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" weiter auszukommen „Tcudeuzprokepore-n* Aus akademischen Kreisen wird der „Süddeutschen Zeitung" in Stuttgart geschrieben- Die demokratischen Elemente im Deutschen Reich sind gegen- ■ wartig mit einem fieberhakten Eifer an der Arbeit, im Sattel ' des Herrfchens sich festzufetzen. in den sie durch die Gunst einer unendlich wirren politischen Lage und durch die Nachgiebigkei einer immer mehr nach links neigenden Regierung herauf . gehoben sind. In welchem Maße sie besttebt sind, sich sattelfest zu machen, und wie weit ihre Zumutungen auf Anerkennung eines Rechts zur Vorherrschaft auch auf solchen Gebieten reichen, die ihrem Einfluß am allerwenigsten zugänglich sein sollten, wird durch die dreisten Einmischungen demokratischer Organe in die Besetzung von volkswirtschaftlichen Lehrstühlen an deutschen Universitäten bezeugt. Die neueste „Affäre" dieser Art wird in der sozialdemokratischen ..Leipziger Volkszeitung" aufgetischt, doch ist sie nicht die einzige jener anmaßenden Gattung von Vergewaltigung der Lehrfreiheit im Interesse einer ebenso öden wie vordringlichen Parteipolitik Das Leipziger Blatt hat erkundet, daß die Großindustriellen und die Agrarier „die akademische Nationalökonomie zu einer Waffe im Klassenkampf gegen die Arbeiterschaft machen wollen" und tragt ihre Entdeckung in einem längeren Artikel unter dem sinnreichen Titel „Ein Streich der Reaktion" vor Den Grund der Entrüstung bildet die Berufung des Professors Dr. Ludwig Pohle von der Universität Frankfurt am Main zum Nachfolger Karl Vüchers auf den Lehrstuhl für Nationalökonomie an der Universität Leipzig. Damit sei. so wird schlankweg erklärt, dieser Lehrstuhl „in die Hände der Agrarier gefallen", sei die Situatton für die kommenden sozialen Kämpfe in Deutschland blitzartig beleuchtet. Großindustrielle und Großagrarier rüsteten sich zum Klassenkampf. zur rücksichtslosen Durchsetzung des brutalen Unterneh- merftandpunktes gegenüber der Masse der Arbeiterschaft, indem sie auf den akademischen Nachwuchs und die staatliche Politik durch ihnen geeignet erscheinende Professoren Sinne ihrer schutzzöllnerischen und sozialpolitischen Ziele emzuwirken oer- . suchen. Zu diesem Zwecke wären an verschiedenen Universitäten Institute gegründet worden, die aus den reichen Geldmitteln der Jnteressenverbände gespeist werden, und zu dem gleichen Zwecke machten bei der Besetzung von Professuren die Mächtegruppen Aren Einfluß geltend. Bezeichnend für den inneren Zusammenhang zwischen der i goldenen und der roten Internationalr ist auch die Tatsache, -aß sich die „Volksstimme" in eivM «ütenden ArtztzL gegen d^e Berufung Pohles gewehrt yak. Die vielgerühmte Freche tt btt Wissenschaft ist bei diesen Herrschaften immer irur so zu verstehen. daß ste in ihrem Geist ausgelegt wird, daher der Vers: Freiheit, die i ch meine! Das Gerede von der Patronage der Schwerindustrie für Prof. Pohle wird lediglich aufgebracht, um den mißliebigen Mann anzuschwärzen, weil er sich erdreistet, ein Kacheder ein- zunehmen, das der Sozialismus für einen der Seintgen bean. sprucht. Die Tendenz schlägt der Tüchtigkeit ins Gesicht — das ist die Freiheit, wie das demokratische Intriganteirtum sie auf- faßt. Gleichzeitig mit dem Angriff auf Herrn Pohle folgt ein weiterer Beleg zum Kapitel der Tendenzprofessoren. Professor P l e n g e von der Universität Münster, ein rühriger Vorkämpfer für die Sozialisierung des Staates, hat nämlich soeben als staatswissenschaftliche Preisaufgabe eine kritische Untersuchung aufgegeben, „wie weit die Förderung des Parlamentarismus den Grundanschauungen des wissenschaftlichen Sozialismus entspricht". Man müßte meinen, daß diese höchst über- flüssige Verquickung von Politik und Wirtschaft ganz nach dem Herzen der Leipziger Genossen vom Flüge! der Unabhängigen wäre. Aber weit gefehlt, auch Plenge muß an den Pranger, weil er an der „Glocke", dem Organ der gegnerischen Richtung um die Clique Parvus, Mitarbeiter ist. Auch er wird in den Bann getan; der richtige Tendenzprofessor muß seine Ueberzeu- gung den Haase. Ledebour usw. verschreiben, sonst gilt er als Zuhälter der Reaktion und ist eines deutschen Lehrstuhles unwert. Abrechnung. Ein Feldgrauer ersucht uns von der Front aus um Aufnahme folgenden Gedichtes; Drei Jahr am Feind, drei Jahr am Tod, Drei Jahr — wir kämpften's aus, Doch bittrer noch als Tod und Not Ward uns die Schmach im Haus. Wir bargen, blutend Tag um Tag, Die Sieyesernte stumm. Da traf im Rücken uns der Schlag: Schwotzvolk ging wieder um! Ihr war't es. ohne Art und Ehr, Ihr raffendes Gezücht' Wir glaubten schon. Ihr wär't nicht mehr Vorn sah man Euch ja nicht. Da standet plötzlich Ihr im Land Und fälschtet Geist und Gut Und mengtet höhnisch Wort und Tand Wir zahlten es mit Blut Kein Hoffnungstraum der ungestutzt Aus Euren Fingern fprana. • Kein Heiligtum, das unbeschmutzl Aus Euren Händen sank. Wenn unser Gleichschritt Sieg gestampft. Habt Ihr's „Verzicht" getauft. Wenn Flanderns Boden wir umkrampft. Habt Ihr ihn längst verkauft. Wenn einmal Eure Stimme fand Mut zur Entrüstungstat. Dann schirmtet Ihr mit frecher Hand Empörung und Verrat. Uns hielt der Stunde hart Gebot Im Elsenring der Schlacht. Da stahlt in Volkes höchster Not — # Erpresser Ihr? — Die Macht. Wir kennen Euch, und Eu'r Gefchlecha, Wir wissen, was Ihr wollt. Ihr sprecht von Freiheit. Menschenrecht Und meint das harte Gold* • Erst schmältet Ihr, wenn ländchrgrotz Die Schwingen wir gespannt. Nun macht Ihr uns noch heimatlos Im eigenen Vaterland. Wir trugens Jahre, Stund um Stund, Die Stirn feindwärts gekehrt, Und bissen uns die Lippen wund Und glaubten an das Schwert. Nun wächst im Glanz aus Not and Nacht Der Sieg uns. stark und reich, Und nun — „Remis wird nicht gemacht!", Auch nicht, bei Gott, mit Euch? Im Felde, Dezember 1917. Fritz Karl Badendieck. Hochwasser. Das Taumetter der letzten Tage hat et» gewaltiges Stet- gen aller Flüsse tn Süd-, West- und Mitteldeutschland zur Folg« gehabt. Gestern früh hatten wir Frost, am Mittag und Nachmittag überaus starken Schneefall, gege» Abend und in der Nacht regnete es wieder, so daß ein weiteres Steige« der Flüge gu befürchten ist. Folgende Nachrichten liegen vor: Aus der Wetteren Die Nidda. Nidder, Wetter und Horloff überschwemmen das wette Gelände so daß weite Strecke» einem See gleichen. Der Mainwasserstand stieg gester» Nachmittag rapid, der Regen, verbunden mit warmem Südwinds brachte den Schnee in den bayerischen Bergen rascher zum Schmelzen al« zu erwarten war. Lehmgelbe Fluten wälzen sich durch dbtz Mettrestr Alten Brücke. Heute werden wohl oie Kai-User überschwemillk werden. Marburg, 16. z,an. Das dem Niedergang gewaltiger Schneemassen seit letzter Nacht folgende Regenwetter hat eine lleberflutung der Niederungen zur Folge gehabt. Südlich und nördlich der Stadt ist die Lahn aus ihren Ufern getreten, ebenso ist auch das Ohmtal von Bürgeln bis in die Kirchhainer Gegend überschwemmt. Hanau. Die Kinzig ist seit gestern an vielen Stellen aus dem Ufer getreten. Von Langenselbold bis in die Gelnhäuser Gegend sind weite Geländestrecken überschwemmt. Langenselbold ist von der Staatsbahmtation abgeschnitten, da die dorthin führende Straße unter Wasser gesetzt ist. Ein weiteres Steigen ist zu erwarten. Station Burghaun bei Hünfeld ist durch Hochwasser dom. gleichnamigen Orte getrennt worden. Desgleichen Station Wirtheim bei Gelnhausen. Nach beiden Stationen werden Fahrkarten bis auf weiteres nicht ausgegeben. Bingen, 17. Jen. Der Rhein ist hier ein den letzten vier- ur.dzwanzig Stunden um mehr als einen Meter gestiegen. Gro- ßen Schaden hat das Wasser in einer Fabrik in Vallendar an- gerichtet, wo 1000 Fässer Marmelade fortgeschwemmt wurden. Kreuznwh. Der Schaden, den die plötzliche Hochflut der Nahe angerichtet hat, ist größer, als ursprünglich angenommen werden konnte. Am Unterlauf sind die Orte Grolsheim Sarmsheim, Maenter, Dietershcim und die Häuser der Neuenmühle bei Büdesheim ganz oder zum Teil unter Wasser gesetzt. Pioniere sind zur Hilfeleistung emgettoften. Köln, 17. Jan. Wie die städtische Verwaltung mitteilt, ist der Rhein von gestern Mittwoch aus beute Donnerstag von 2,55 Meter Kölner Pegel auf 6,85 Meter, also um mehr als vier Meter gestiegen und steigt noch weiter. Essen, 17. Jan. Ruhr. Weser, Ems und Wupper führen schweres Hochwasser und überfluten die User. Jena,17. Jan. Im Saalegebiet ist beute unerwartet starkes Hochwasser eingetreten. Weite Gebiete sind überschwemmt viele Ortsverbindungen unterbrochen. In Jena sind ganze Stadtteile abgeschnitten. Lein Remontennn'ranf. Berlin, 16. Jan. (WB. Amtlich.) Für 1918 wird da? Knegsministerium den Ankauf von jungen dreijährigen Remonten wiederum ausfallen lassen. Uom Felde der Glfrr. Holzhaufen. Dem Forstwart Heinrich Altenbeimer wurde das Kriegerehrenzeichen in Eisen verlieben. — Der Landsturmmann Georg Fritz IN., der über 2 Jabre ununterbrochen an der Front ist, erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Ans der keimst. Melbach. 16. Jan. Morgen Samstag, den 19. Januar, weiden es 25 Jahre, daß Philipp Struth aus Queck bet Schlitz im Kreise Lauterbach in Diensten bei Landwitt Otto Keil dahier siebt. Es ist dies gewiß ein ehrendes Zeugnis so- wchl für Arbeitaeber wie Arbeitnehmer und sprechen wir bei- den hiermit zu ihrem Iubeltage unseren herzlichen Glückwunsch aus. Frankfurt a. M. Die Frankfurter Pferdemärkte wm> den für dieses Jahr wie folgt festgesetzt: 6 Februar, 6. März 10. April. 1. Mai, 5. Juni, 3. Juli, 7. August, 4. September und 16 Oktober. Der Marktplatz beftndet sich gegenüber dem Ostbahnhof. Ans Hessen.Nassau. Eräfenhaufen. In der vergangenen Wocbe wurden bei einer Witwe wieder zwei Schweine in der Nacht heimlich abgeschlachtet und in Säcken weggebracht, ohne daß man die Diebe bisher ermitteln konnte FC. Brvubach, 15. Jan. Eine Wildsau wurde in den Hintcrwälderwohnungen durch den Jagdaufseher Schmidt zur Sttecke gebracht. Im Camper Walde wurde bei einer Jagd eine Bache, die noch sechs Junge bei sich trug. erlegt, ebenso im Weyerer Revier einen Keiler und eine schwere Bache. • FC. Bom Westerwald. 15. Jan. Nach Nutzhölzern und besonders nach Grubenhölzern herrscht hier rege Nachftage. Die Preise sind daher gegen früh-.r enorm gestiegen. Es werden durchschnittlich bezahlt ffir Eichenstamme 42 Mark. Buchen- stamme 15 Mark. Fichtenstämme 32 Mark und Kieferstämme 31 Mark pro Festmeter. Arbeitsmarirtaiirkigkr des Rreisakbeitsnachweile» n. d SttfsdrenssmeldeßrUe Krirdbcrg Offene Stellen: 1 Eutsverwalier auch Kriegsbeschädigter, 1 Knechtefamilie^ 6 Schreiner, 14 landwirtschaftliche Dienstmägde, 2 Melkerinnen, 9 Hausmädchen. Für Etappe: Mehrere Maschinenschreiberinne« und Stenographinnen, 100 Pferdepfleger. E Stollens uchende? Mehrere Melkersamilien und ledige Melker, 2 Fräulein für Stenographie.und Maschinenschreiben. f Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyner, Jriedberg. Druck und Verlag der „Reue« Tage-zeitung" A- G., Friedberg i. H. > Die Abgabe getragener Kleidung erleichtert den Erwerb eines Bezugsscheines. Grane Gefahren. SRoiiuin ans der Gegenwart von M. Gvntard - Schuck. 9) Nachdruck verboten. Konnte er dein Vater sagen, was ihn die letzte Zeit be- drnckis Warum fragte er überhaupt so sonderbar? Oder war es nur Zufall? Hatte er doch wirklich in letzter Zeit oft den Gedanken gehabt, sich an eine andere Botschaft versetzen zu lassen. Es mochte ihn mißtrauisch, das; Helen sich seit einiger Zeit gar so eifrig uni seine Angelegenheiten kümmerte. Er witterte ihren Vater oder doch wenigstens den Bruder dahinter. Helen eignete sich herzlich schlecht znm Aushorchen. Aber gnade ihre Verlegenheit bewies ihm, daß man sie abgerichtet. Schlimmer aber als Helens harmloses Umherschnüffeln war Archibalds übermäßige Freundschaft. Der Mensch fiel ihm seit einiger Zeit einfach auf die Nerven. Er war von einer Liebensll'ürdigkeit, die geradezu verdächtig schien. Zu jeder passenden und unpassenden Zeit überfiel er ihn im Amt. Oft genug i den nichtigsten Vorwänden. Und zuweilen bildete er sich i ckklich schon ein, daß die Herren von der Botschaft ihn selbst mit mißtrauischen Blicken betrachteten. Nur Exzellenz selbst war nach wie vor von bestrickender Liebenswürdigkeit. Er hielt es für ein ganz besonders günstiges Zeichen, daß der zurzeit määstigste A' rnn England? einem Mitgliede der deutschen Botschaft seine Tochter zur Gattin gegeben hatte. — Der Vater unterbrach ihn wieder in feinen Gedanken. „Ich weiß nicht, was das mit Dir ist heut Abend. Du bist gerade kein sehr erheiternder Gesellschafter." ^ „Nein, weiß Gott, das bin ich auch nicht. Ich glaube, es ist schon Weihuachtsstimmung, die mir in den Knochen liegt." Er stand auf und trat an das Fenster. Seine Gestalt leckte sich ftmrf auf. Es schien, als wollte er alles Drückende von süh abschütteln. Der Vater störte ihn nicht mehr in seinem Sinnen, er wußte, was in ihm vorging, wußte genau, was ihn bedrückte. Hatte t e« &cfj lange fäkwfcmt* men sehen. Hoffentlich saß der Junge nicht mehr so tief in dieser unseligen Leidenschaft, daß er alles andere darüber vergaß. iVI. Schwer und undurchdringlich lagerte her Londoner Februarnebel über den Straßen. Seit Mittag schon brannten die Laternen und glühten gleich kleinen matten Dunstkugeln durch die schwere Luft. — Alfred von Werkheim kam von der deuffchen Botschaft. Er hatte sich über einem wich- figen Schriftstück stark verspätet und hatte es nun sehr eilig. Er wollte sich mit Helen im Carlton treffen, und sicher war sie nun empört.über seine angebliche Nachlässigkeit. — Na, sie hatte ja Gesellschaft. Jallands und ihre Freundin, Lady Dobree de Saye, waren bei ihr. Sie wollten von dort zur Oper fahren. Ein leeres Auto filhr gerade über den freien Platz gegenüber der Botschaft, er stieg ein und trat wenig später durch die riesige Eingangstür des vornehmen Gasthauses. Nasch durchquerte er die Eingangshalle, warf im Vorübergehen einem dienstbaren Geist Mantel und Hut zu und eilte den Teppichbelegten Vorsaal entlang znm Wintergarten. Da kam ihm Lord Erskine mit seiner Frau, Lady Maud entgegen und er konnte, trotz aller Eile, nicht umhin, einige Worte mit ihnen zu wechseln. Während er noch mit ihnen sprach, trat ein Kellner aus der> Türe des Einzelzimmers, neben dem sie standen. Unwillkürlich warf Werkheim einen Blick zur Seite. Ta schlug eine Stimme an kein Ohr. Erstaunt horchte er auf. Täirsckste er sich? War das nicht —? Aber das war ja unmöglich! Und doch! Diese harte, kalte Stimme gab es sicher mtr einmal auf der Welt, sie war unverkennbar. Aber was tat Helens Vater hier im Carlton? Und noch dazu im verschwiegenen Einzelzimmer! Das wäre doch wirklich zu spaßig, wenn er den übermoralischen alten Fuchs hier auf Abwegen ertappte. Absichtlich spann er das Gespräch mit den Erskines Wetter aus, und als der Kellner mit einer beladenen Platts w^der erschien und die Türe öffnete, brachte er es fertig, über Lady Mauds Schulter hin einen Blick in das Zimmer zu werfen. Ah, also doch kein galantes Abenteuer! Er hatte Sic Edward Unrecht getan. Aber wer waren denn die drei Herren, mit denen er sich hier so geheimnisvoll traf? Der eine kehrte ihm den Micken zu. er konnte nichts von seinem Gesicht sehen. Aber die andern beiden? Woher kannte er nur das Gesicht mit den unverschämt starrerrden Knopfaugen? Fieberhaft arbeiteten seine Gedanken. Wo hatte er nur den Menschen schon gesehen? Und er hatte ihn schon gesehen. Ganz bestimmt! Da, jetzt drehte sich auch der ihm den Rücken zukehrende Herr mit einer unwilligen Bewegung nach der zu lange geöffneten Türe um. Ah, nun kam Licht! Der Kellner schloß jetzt die Tür, aber Werkheim hatte genug gesehen. Wie gebannt starrte er noch immer an die Tür. Kein Zweifel, das war Boncamp, der französische Gesandte aus Berlin. Und jetzt wußte er mit einem. Male auch, wer der mit den Knopfaugen war. Wisolsky, selbstverständlich! Dies am- ißende Gesicht"vergaß man nicht so leicht. Dann war der dritte unzweifelhaft der hiesige russische Botschafter Prentin. Was hatte das nun wieder zu bedeuten? Lord Douglas mit den verschiedenen Gesandten des Dreiverbands hier in London bei einer vertraulichen Be- spreckmng. Wie anfgescheuchte Vögel wirbelten seine Gedanken durcheinander, er vergaß ganz und-gar seine Umgebung. Ladv Maud sah ihn hocbmütiq erstaunt an. Sie bekam auf ihre schon zweimal gestellte Frage keine Antwort. Was hatte der Baron denn nur? Er war doch sonst immer \ von tadellosen Umgangsformen! »Wtlefenno foTflf. Betr.: Die Flei'choer orgunz und dieVerbrauchsregelungfür die Stadt Friedberg. Bekanntmachung Hierdurch bringe ich zur öffentlichen Kenntnis, dag der Verkauf von Rind- Kal> und Schweine- sieisch, sowie Wurst für diese Woche am Freitag, den 18. Januar l. Is. von nachmiltaos 2—6 Uhr in den sämilichen hiesigen Metzgerläden ftat-sindet. Die vorstehende Verkaufszeit ist genau einzuhalten. Friedbcrg, den 17. Januar 19f8. Der Bürgermeister. _ I. V.: Dam m. Bekanntmachung Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, dag sämtliche bis er zum Bezüge einer SiwerarBeitor-SrslzslitzBgrts berechtigten Per onen, nach Ablauf der laufenden Kartenperiode ihren Anspruch hierauf verlieren, da e.ne Arneucrung der Anträge mir Rücksicht darauf, daß auch hier in unrechtmäßiger Weife Brot bezogen worden ist, unbedingt erforderlich erscheint. Wem daher daran gelegen ist, die ihm bisher gewährte V^tzwatzlarie weiter zu erhalten, wird anyrimzegeosn. sich auf Zimmer Nr. 9 des Stadtharijes in den üblichen Geichätsflunden neu anzumeloen und zwar: Bezirk S am Montag d. 21 Jan. b e .. Dienstag d. 22. Jan. .. SIS „ Mittwoch d. 21. Jan. Personen, die an der Erneuerung ihres Antrags persönlich verhindert sind, können dies durch Familienangehörige unter Vorlage der Lebensmittelkarte besorgen laßen, doch mug daraus gehalten meiden, dag Die Betreffenden zur Auskunftserieilung über Ort, Art der Arbeit u. f. w. in der Lage sind. Fnedberg,den 16. Januar 1918. Der Bürgermeister. I. V.: Damm. in großer Auswahl " empfiehlt M. flirkcaistock Fauerbachsrstr. 8. suche zn Ostern für meinen 16jähr!c.en Sohn, der sich der j Landwirtschaft widmen will, eine paffende Lehrstelle au? einem Gut. Er hat Realichulbckoung und die Eiiljährigen-Berechtigu.rg, ist sehr i/of; und krustig Frau August Waag, Gießen, Selters weg 69. ❖ G & * ♦ ♦ #■ ❖ G ❖ ch <§ ♦ ♦ ch- ♦ ❖ r ch- * ♦ # ♦ # «> ❖ ch- ch> 4- Neue Tageszeitung Druckerei und Verlag A.-G. Friedberg (Hessen) Hauauerstraße Nr. 12 r Fernsprecher 48. * ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ * ♦ ♦ <*► ♦ ♦ ♦ # tr'&H l rttaii ihm Irillksche« jeder Art für Behörden, Handel, Gewerbe, Industrie, Vereine u. Privatbedarf zu zivilen Preisen und in kürzester Lieferzeit. Herstellung von Massenauflagen Damen- u. Kinder- Korsetts, Strümpfe u. Socken, Hemden, Unterhosen u. Strickwesten in herrlichen Qualitäten. Clementine Stern Friedberg i. H., Kaiserstr. 51, gegenüber der Engelapotheke. Klavierstnndrn werden erteilt. 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