Nummer 13 Ulittmoch, den 16. Innnar 1618 11. Jahrgang f •'***“* Ta.,-S!-it«ng" --scheint jeSen SCetHaj. Reg-Imiitzigs Beilagen ..Ser Kauer aus Sesse..''. ..Di, Spi»n»»be". H.Mg«pr-i»: «ei Sen P-ftankalt-n v,-«eliäl,rlich Mk 21» hin u tritt noch das Bestellgeld,' bei den Aaenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. An?ergen: Grund,eile 25 Pfg., lokale 20 Anzeigen von auswärts werden durch Poänachnadm erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Schriftlcitung und Verlag Friedberg (Hessen), 'oanauerüraße 12. Ferniprecher 48. Post) beck-Lonto Nr. 485g. Amt Fcaiitiurt a. Ui. Starke Italienerangriste gescheitrrt Lebhafte Artilleriekämpfe Wischen Krenta und Piave. — Derhaftnng CaUiane. Der rumänische Gesandte in Anhand verhaftet. Der deutsche Generalstad —. meldet: W. T. K. Großes Hartptqrrartier» den 18. Jamtav. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. An verschiedenen Stellen der Front Artilleriekampf. Oestlichcr Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Mazedonische Front. Die Sage ist unverändert. Italienische Front. Clarke Angriffe, die der Italiener gegen die österreichisch- ungarischen Stellungen am Monte Asolone und Monte Pertica führte, find unter schweren Verlusten gescheitert. Tagsüber in den Angriffsabschnitten anhaltende Feuerkämpfe dehnten sich zeitweilig nach Westen über die Brenta, nach Osten bis zur Piave aus. Auch längs der unteren Piave und in Verbindungen mit italienischen Vorstößen im Piavedelta war die Artillerietätigkeit vielfach gesteigert. ^Der Erste Generalqnartiermeister: Ludendorff. Abendberickt. Derlin» 15. Jan., abends. (WTV. Amtlich.) Zwischen Brenta und Piave vielfach heftiger Feuerkamps. Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der österreichische Generalstab [1 fe rs— - : meldet: =^T— ~—!l Wien, 15. Jan. (WTV. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: Zwischen der Brenta und dem Monte Pertica ging der Italiener nach starker, zeitweise zum Trommelfeuer gesteigerter Artillerievorbereitung zum Infanterieangriff über. Nach sehr heftigem Nahkampf gelang es dem Feinde cm einzelnen Stellen in unsere Graben etnzudringen. Im Gegenstoß wurde er jedoch aus diesen geworfen. Im ganzen Angriffsraume ist die vorderste Kampflinie voll in Unserem Besitz. Der Gegner erlitt schwere Verluste An der unteren Piave wurde ein feindlicher Vorstoß bei Bressanin rasch zum Stehen gebracht. Der Chef des Generalstabcs. | Der bulgarische Gcueralstab jl it==: meldet: = —- Sofia, 14. Jan. (WTV. Nichtamtlich.) Eencralstabsbericht. Mazedonische Front: Im oberen Skumbitrl zerstreuten wir durch Feuer eine starke feindliche Erkundungsabteilung: zu beiden Seiten des Ochridasees in der Gegend der Mogleua und südwestlich rc-n Doiran Artillerietätigkeit Etwas lebhafter war sie zwischen Wardar und Doiransee. dlnscre Posten vertrieben eine englische Jnfanterieabteilung, die sich unseren Schützengräben zu nähern versuchte. In der Gegend von Bitolia und längs des Wardar und der Struma lebhafte Artillerietätigkeit. Dobrudscha-Front: Waffenstillstand. Haag, 15. Jan. Aus London wird gemeldet: Die „Süip- ping Gazette" schreibt: In der letzten Zeit haben wir eine Woche gehabt, wo unsere Schisfsverluste durchschnittlich täglich 20 000 Tonnen übersteigen. Wir können wohl sagen, daß die Höhe der Verluste an Handelsschiffen ein Drittel unserer gesamten Krl«"-^u5gaLen erreicht. , in, 14. Jan. (WTV.) Sir Eric Geddes, der erste Lord der eagtifchen Admiralität, gab bei der letzten Versammlung, die zwischen Vertretern der englischen Negierung und Vertretern der Cewerkschastsvcrcine zur Beratung der Frage des Hceresersatzes stattfar.d, nach dem ..Daily Telegraph" vom 4. Januar 1918 eine Erklärung ab, daß sich die Lage in den letzten sechs Monaten durch die Vorgänge in Rußland völlig geäirdect habe. Letzten Endes werde der Ausfall durch die amerikanischen Heere wieder mehx als ausgeglichen. Die Schnelligkeit, mit der diese Heer der Front zugefühlt werden könnten, hänge aber so gut wie ganz von der Frachtraumfrage ab. Infolgedessen müßten in der nächsten Zeit die ^Hilfsquellen des Landes (Englands) erheblich in Anspruch genommen werden. Zur Erlangung des Sieges feien notwendig die Steigerung des Schiffsbaues, die Ersparnis von Frachtraum, die Aufrechterhaltung der Heere im Felde. Nach sorgfältigster Bearbeitung durch die Regierung sei man zu der Ueberzeugung gelangt, daß man die Heere im Felde nur auf der Höhe erhalten könne, wenn man eine große Zahl von Leuten aus den Munitionsfabriken aushebe. Die Ausführungen zeigen, wie die Frachtraumnot, die die Heranfchaffung der anierikanifchen Truppenverbände in grrßem Maßstabe unmöglich macht, entweder die englische Front oder die englische Munitionserzeugung schwächt. Dies wird umsomehr der Fall sein müssen, als es England nach den neuesten Nachrichten vorgeht, im Hinblick auf die immer größer werdende Nahrungsmittelnot Brotgetreide, Fleisch und Futtermittel statt der Truppenhilfe der Vereinigen Staaten von Amerika zu erhalten. Kaisers Geburtstag. Berlin, 14 Jan. (MTV.) Der Kaiser hat den Wunsch geäußert, daß auch in diesem Jahre sein Geburtstag nur durch ernste Feiern und Zusammenkünfte in den Schulen und beim sonntäglichen Gottesdienste in den Kirchen begangen und von lauten feierlichen Veranstalten tunlichst Abstand genommen werden müsse. Auch veranlaßt dcr Kaiser mit Rücksicht auf den stark belasteten postalischen Verkehr im Felde zu der Bitte, von der Uebermittlung von Glückwünschen abzufchen und sich auf ein freundliches Gedenken und auf treue Fürbitte zu beschränken. 21000 Tonnen verdenkt Bcrrin, 14. Jan. (WTV. Amtlich.) Eines unserer Unterste, boote hat unter schneidiger Führung des Oberleutnants zur See Lohs letzthin im Aermelkanal fünf Dampfer und drei Fischer fahrzcuge mit rund 21000 Bruitoregistertonnen versenkt: eine Leistung, die um so anerkennenswerter ist, als die Erfolge von e:ncm kleinen U-Boot und in einem Seegebiet erzielt wurden, in dem die feindliche Gegenwirkung besonders stark ist. Alle Dampfer, mit Ausnahme eines, waren bewaffnet und tief geladen. Es konnten namentlich feltgestellt werden der englische bewaffnete Dampfer „Iolanthe" (3081 Tonnen), sowie der bewaffnete englische Tankdampfer „Arca" (4823 Tonnen), der in geschickt durchgefvhrtem Angriff aus einem stark gesicherten Tankdampfergeleitzuge herausgefchofstn wurde. Die versenkten Fischerdampfer waren englischer Nationalität und führten die Namen „Eratitnee" (B. M. 25), „Varna" <33. M. 43) uit(> „23. A. 201". Der Chef des Admiralstavs der Marine. ^ Der Ausgleich in Berlin. Ueber das Ergebnis der Beratungen in Berlin ist man nur auf Blnttermeldungen und Vermutungen angewiesen. Doch scheint cs sicher zu sein, daß es ohne einen Wechsel der führenden Männer abaehen soll. Die „Germania", die ja heute äls das Organ dcs Reichskanzlers anzusthen ist, schreibt: Die Grundlagen unserer Friedenspolitik bleiben die alten. Rach dem O st e n gelten die Erklärungen des Reichskanzlers vom 29. November weiter mit ihrer Bekenntnis zum Selbstbestimmungs- recht der Völker, im übrigen ist eine Bindung unserer Kriegs- politik nach anderer Seite nickt erfolgt. 2luch in dcr Absicht, das Selbstbestimmungsrccht der östlichen Grenzvölker loyal durchzuführen, wird in bekannter Weife festgehalten. 2lus diesen Grundlagen folgert, daß dem Staatssekretär von Kiihlmamr für die Verhandlungen in Brest-Litowsk keine neuen Weisungen ge° geben zu werden brauchten. Es sind auch tatsächlich keine ergangen. Berlin, 15. Ia^ Die Berliner Besprechungen zwischen dem Reichskanzler und der obersten Heeresleitung über die Kriegs- ziclsragen können '-ack dem „Berliner Lokal-Anzeiger" als erledigt betrachtet werden. Ein Ausgleich ist gefunden worden, bei dem die oberste Heeresleitung, wie sie beabsichtigt hatte, lediglich die militärischen Erfordernisse vertrat. Der 2lusgleich schafft für die Verhandlungen im Osten klare Richtlinien und nach der Wesffront freie Bahn, die wiederum ihre Grenzen in den staatlichen Notwendigkeiten des Deutschen Reickes findet. Die „Deutsche Tageszeitung" betont, daß für die Berliner Besprechungen dcr Westen, nicht aber der Osten wohl die eigentliche große Hauptsache gebildet haben müsse. Die „Dossische Zeitung" hat den Ausgleich als einen politischen Waffenstillstand bezeichnet und auch bezüglich des Westens fei eine volle Einigung zwischen der politischen und militärischen Leitung erzielt worden. Das „Berliner Tageblatt" schreibt: Wie wir erfahren, sand gestern nicht nur eine Sitzung des preußischen Ministeriums, sondern auch eine Besprechung im Reichskanzlerpalaste . statt, an der außer dem Grasen Hertling und einigen anderen Vertretern der Reichsregierung auch die Heerführer Hindenburg und Ludendorff teilnahmen. Dagegen hat der Kanzler die Parteiführer entgegen seiner ursprünglichen 2lbsicht nicht empfangen, wohl aber hat Unterstaatssekretär von dem Bussche im Verlaufe des Nachmittags den Parteiführern einige Aufklärun, gen über den Gang der Verhandlungen in Brest-Litowsk gegeben. Danach sind dort die Verhandlungen gestern nachmittag wieder ausgenommen worden und auch heute vormittag soll eins Sitzung der Abordnungen stattfinden. Es wird versichert, datz der Reichskanzler an den Erklärungen, die er im Hanptaus- schusse über die Ostfragen abgegeben hat, festhalte. Einig scheinen die Oberste Heersleirung und die Reichsleitung dartiber zu sein, daß in Brest-Litowsk die Verschleppungsversuche dec Russen mit Entschiedenheit zurückgewiesen werden müssen. Die Reichsleitung will den Grundsatz des Selbstbestimmungsrechtes für die russischen Randvölker nach wie vor aufrechterhalten. Die 2lusführung des Selbstbestimmungsrechtes halte man aber erst dann für möglich, wenn der Friede geschlossen und die Ordnung wiederhergestellt sein wird. Vis dahin erachten auch die maßgebenden Stellen die militärische Räumung der besetzten Gebiet für undenkbar. Die Parteiführer bei Staatssekretär Roedern. Gestern mittag fanden der „Nationalztg." zufolge Be-« sprechungen der Fraktionsführer des Reichstages mit dem Staatssekretär und stellvertretenden Vizekanzler Grafen Rödern statt, denen auch der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, Freiherr von dem Busfche, beiwohnte. Es wurde Beschluß darüber gefaßt, ob in der heutigen Sitzung des Hauptausschusses die politische Aussprache fortgesetzt oder vertagt werden soll. Die Parteien der Mehrheit traten für eine Vertagung ein. Aivch die Nationalliberalen schlossen sich dieser Auffassung an, wenngleich die Gründe der Nationalliberalen für eine Vertagung sich von denen der Mehrheit unterscheiden. Bei der gestern nachmittag stattsindenden Sitzung des Hauptausschusses nahm der Vertreter der Negierung Herr von dem Bussche aus Anlaß der Geschäftsordnungsdebatte Gelegenheit, .eine kurze Erklärung über die Verhandlungen von Brest-Litowsk zu geben und über die Richtlinien, die den deutschen Vertretern dort erteilt worden sind. Er teilt ferner mit, daß diese Richtlinien die gleichen geblieben sind wie bisher. Fm weiteren Verlauf der Ge- schäftsordnungsdebatte beantragte der sozialdemokratische Redner Aufnahme der politischen Aussprache, was jedoch ab- gelehnt wurde. Krest-Litomsk. Die „Voss. Ztg." meldet als die große Nachricht des Tages: Um den bundesstaatlichen Charakter des Deutschen Reiches nach außen zum Ausdruck zu bringen, wird Bayern fortan einen besonderen Vertreter zu den Friedensverhand- lungen mit Rußland nach Brest-Litowsk entsenden. Der frühere bayerische Ministerpräsident Podewils wird sich zunächst nach Berlin zu Besprechungen mit dem Auswärtigen Amt und dann nach Brest-Litowsk begeben. * Ueüer die Verhandlungen von Brest-Litowsk, die gestern wieder ausgenommen worden sein sollen, ist in Berlin noch nichts näheres bekannt geworden. Rußland. Petersburg» 13. Jan. (MTV.)' Der zweite Kongreß der Bauern hat eine besondere Verordnung über die unverzügliche Ungültigkeitserklärung der Mandate aller Mitglieder der verfassunggebenden Versammlung festgesetzt, die gegen die Regierung der Arbeiter- und Soldatenräte oorgehen. Die den Ab- geordneten vom ausgehändigte Verfügung enthält unter anderem den folgenden Paragraphen: In allen Gouvernements, wo die gewählte^ Abgeordneten vom rechten Flügel der Partei der sozialen Revolutionäre oder einer anderen rechtsstehenden Partei angehören, die gegen die Regierung der Arbeiter- und Soldatenräte handeln, müssten diese unverzüglich zurückgerufen werden und im Falle einer Wü gerung sich zu unterwerfen, sollten gemäß dem Erlaß über dir Neuwahlen solche angcordnet worden. Der Kongreß der zweiten Armee hat schon beschlossen, Atjeu- tien. Gotz, Lichatschem und Kolerosf, sämtlich rechtsstehende Sozialrevolutionäre, die von dieser Armee gewählt morden find, zurttckzurufen. Aehnliche Vorschläge wurden in vielen Gouvernements gefaßt. Das Bureau des Houptvollzugsausschussc* schlägt allen Kongressen der ivouvcrncments allen örtlichen Konferenzen, allen Armeekongressen vor, diese Fragen auf die Tage», crdnung zu setzen und einen Antrag anzunehmen, der dt« Zu- rückberufung oder Neuwahlen der Abgeordneten der Rechten festsetzt. Das Bureau hält diese Maßnahme für das geeignetst« Mittel, um die politischen Parteien zu bekämpfen, die sich der verfassunggebenden Versammlung als Waffe gegen die Negierung der Nöte der Bauern, Arbeiter und Soldaten bedienen möchten. Alle darüber angenommenen Anträge und Entschlie. ßungen müssen dem Bureau des Hauptvollzugsausschusses des Sowjets, d?r Arbeiter, Bauern und Soldaten übermittelt werden. Radikale Maßnahmen. Einer Petersburger Prioalmclduug zufolge, die in Kopenhagen eingetroffen ist wird die russische Regierung beim Zusammentritt der gesetzgebenden Versammlung dieser ein Ultimatum stellen, wonach Rußland als sozialistische Republik er. klärt und aller Grund und Boden bcsü'lagnahmt werden soll. Das Kopeubagencr Blatt „Sozialdemokrat! !>." meldet ferner aus Stockholm: Der mit mehreren russischen R.-oierungsmitgliedern verhandelnde Redakteur Liudhagen teilt i: * daß in Rußland eine Gesetzesvorlag? vorbercltet werde, wonach'auch alles Pri- vatvernwgen beschlagnahmt wird. Die neue Republik Archangelsk. Die „Kölnische Zeitung" meldet: Nach einer Meldung des ,.Matin" wurde in Archangelsk ein selbststüirdigcr Staat aus- aerufen, der sieben Gouvernements umfaßt. Der neue Staat fünfzehn Millionen Einwohner. Der russische Bürgerkrieg. „Nationallidende ^ meldet aus Haparanda: „Petersburger Blätter berichten, daß Petersburg ohne Postvcrbindung mit Kiew, Odessa, Rostow und ganz Kaukasien ist. Die telegraphischen Verbindungen mit Kiew, Archangelsk. Saratow, Kasan, Odessa und Tiflis sind unterbrochen. Die Ursache ist angeblich der Bürgerkrieg." „Nowaja Schisn" meldet, die Regierung habe beschlossen, die Rot- Garde zu vermehren. 15 v. fj. der Fabrikarbeiter sollen Dienst in der Roten Garde tun und die Bewachung der Fabriken wie der betrefferrden Städte oder Stadtteile übernehmen. Zwei Stunden täglich sollen ste exerzieren. Jede Abteilung der Roten Garde soll ihren Kommandanten erhalten und mit Ma schtnengewehren ausgerüstet werden. vor nmm KimM in Pklttsbiirg. ^ Mailand. 15. Jan. In Petersburg werden, einem Draht- bericht des „Corriere della Sera" zufolge neue heftige Kämpfe unter den Parteien als unmittelbar bevorstehend betrachtet. Zn leninistischen Kreisen wird kein Hehl daraus gemacht, daß die Möglichkeit neuer blutiger Straßenkämpfe vorltegt. Alle Parteien umwerben die Arbeiter und die Truppen der Hauptstadt, um sich einen Anhang zu sichern. Da die Konstitrrante am 18. Januar Zusammentritt, hat die Regierung Lenins zwecks Stellungnahme gegen etwaige Regierungsbeschlüsse der gesetzgebenden Versammlung den Kongreß aller Arbeiterräte Rußlands auf den 21. Januar zufammenberufen. Der für Lenin eintretende linke Flügel des Bauernrates wird am 28. Januar eine neue Kundgebung gegen die gesetzgebende Versammlung ins Werk setzen. Der zuerst genannte Arbetterrat und der rechte Flügel des Bauernausschusses werden ihrerseits in Petersburg eine Vertrelerversammlung einberufen, um die Konstituante zu unterstützen. Ztzrhaftim dcr münilfiifn Gklan-ten und Ikincs sicrlorials. Stockholm, 16. Jan. (WB.) Nach einer Meldung der Ngence Havas aus Petersburg wurde der rumänische Gesandte Diamandi und das Personal der Gesandtschaft gestern abend auf Befehl der Volksbeauftragten verhaftet und in der Peter-Pauls.Festung interniert. Die Ursache sei un- bekannt. Die Verhaftung habe großes Auftehen hervorgerufen. Da aus Anlaß des Jahreswechsels keine Zeitung erschien, sei sie nicht allgemein bekannt geworden. Das diplomatische Korps, ,auch das neutrale, sei von dem Doyen, dem amerikanischen Botschafter Francis, dringend zusam- menberufen worden, um Einspruch zu erheben. Paris, 14. Jan. (WB.) „Oeuvre stellt aus Zuschriften von der Front fest, das fortschrittliche Blätter, wie „Oeuvre", „Pays", „Bataille", ferner auch „Homme enchaine", bevor er umgetauft wurde, auf vielen Frontabschnitten verboten sind und keine Abonnements auf diese Blätter angenommen werden dürfen, daß dagegen Blätter, wie „Journal", „Matin", „Pettt Parisien" und „Action francaise" in Unmengen verbreitet werden. „Oeuvre" werde als verdächtig aufgeführt, wogegen das Blatt energisch protestiert und gleiches Recht für alle Zeitungen verlangt. (Offene Uegierunoskrile in Ungar» Budapest, 15. Jan. Die Organe der die Regierung unterstützenden Parteien geben bereits ganz offen das Borhanden- fein einer Krise zu. Ministerpräsident Dr. Wekerle wird Mittwoch dem König die Demission des Gcsamtkabinetts überreichen Ob die Wiederbetrauung Wekerles und sodann eine Ausschiffung einiger Minister und damit in Verbindung eine Rekonstruktion des Kabinetts erfolgt, oder ob der König durch Berufung anderer Politiker eine Klärung der jetzt arg verworrenen politischen und parlamentarischen Lage herbeizuführen versuchen wird, dürfte schon in den nächsten Tagen in die Erscheinung treten. Das Organ di-r Karolyi-Partei überhäuft Wekerle mit Vorwürfen, roeil er ganz überflüssiger Welse jetzt die Militärftage auf die Tagesordnung gefetzt habe, u,id betont, die Partei werde unbedingt auf die Durchführung der Wahl- rechtvvorlage in erste, Reihe bestehen. Erbauliches aus 'Oesterreich. Gs ist tm Deutsch« Reiche, wenn auch mn i« Bruchstückes, bekannt geworden, datz dt« Tscheche« während des Krieges ein« Aushungerungspolitik gegen die deutsche Bevölkerung in Böhmen getrieben haben und noch tteiben und daß auf Grund dieser Aushungerungspolitik die Sterbefälle in dem deutschen Gebiet sich um etwa 4 v. H. denen !m tschechischen Gebiet gegenüber vermehrt haben. Es ist schon mancher Notschrei der deutschen Bevölkerung Böhmens nach Wien gelangt, und auch in Deutsch, land hat man sich mit der ^Haltung des tschechischen Volkssplitters beschäftigt. Zu einer entsprechenden Maßnahme aber ist es nicht gekommen, und man muß wohl ttotz aller Zusagen von Wiener Seite aus die Hoffnung aufgeben, daß es je dazu kom. men wird. Wir haben schon manche Liebenswürdigkeit aus dem Reiche der schwarz-gelben Grenzpfähle erfahren, die nicht gerade bundesfreundlich anniutet, und die zeigt, daß einzelne Völkerschaften innerhalb der Donaumonarchie überhaupt noch nicht wissen, was die Bündnispolitik des Deutschen Reiches für ihre Existenz bedeutet. Jetzt kommt wieder als hübsches Gegen- stück zu der tschechischen Aushungerung eine ähnliche Kunde aus dem durch deutsche Hilfe befreiten Galizien, einem Gebiet asso, in dem ohne das zähe Festhalten gerade der von dem Grafen Vothmer befehligten deutschen Truppen heute ein selbständiges wirtschaftliches Leben wahrscheinlich überhaupt nicht mehr vorhanden wäre. Die „Ealizische Korrespondenz", die in Lemberg erscheint und von Julius Seidner herausgegebcn wird, weiß zu melden, daß der parlamentarische Block der Abgeordneten der polnischen Volkspariei zu Anfang dieses Jahres in Krakau eine Plenarsitzung abgehalten hat. die sich „mit laufenden politischen und wirtschaftlichen Angelegnheiten beschäftigte". Uns interessiert hier weniger die polnisch-politische Seile, als vielmehr die gegen das Deutsche Reich gerichteten wirtschaftspolitischen Auslassungen des genannten Blocks. Zu der Zeit, da Herr Kuchar- zewski an den Höfen in Berlin und Wien zum Frühstück zuge. zogen wird, da man hier Polenlage arrangiert und uns etwas erzählt von dem überwältigenden Eindruck, den die Mitglieder des polnischen Regentschaflsrates empfangen hoben, wird in Lemberg, wie das Organ der polnischen Volksportei „Kurjer Lwowski" berichtet, von österreichisch-polnischen Abgeordneten hervorgehoben, daß „deutsche Regimenter nach Galizien gesendet würden, einzig zum Zwecke ihrer Ernährung auf Kosten der einheimischen Bevölkerung". „Diese Regimenter." heißt es wörtlich in dem angezogenen Bericht „hoben bereits eine ganze Reihe von Bezirken vollständig aller Lebensmittel beraubt, welche sie nicht nur allein konsumieren, sondern auch noch aus Galizien massenhaft nach Deutschland ausführen. Demgegenüber hat dann der Polenklub folgende Resolutton gefaßt: „Der Klub der Abgeordneten der polnischen Bolkspartei verlangt an. g^sichts des Waffeirsttllstandes an der Ostfront die sofortige Ab- beruftnrg aus Galizien der sich daselbst aufhaltenden deutschen Truppen, besonders der Rekruten, die auf unser Land geworfen wurden, damit ste sich hier ihre Ernährung sicherstellen können, ferner die sofortige Entfernung der deutschen Lazarette in Ga- lizien, welche ebenfalls ungeheuer viel Lebensmittel verbrau- chen." Daß die deutsche Waffenhilfe gerade gegen Österreich-Ungarn - und dazu gehört unseres Wissens Galizien — außerordentlich uneigennützig gewesen ist. läßt sich wohl nicht bestrei- ten. Es gehört aber eine gute Dosis Undankbarkeit, gepaatt mit Unverfrorenheit dazu. Beides Eigenschaften, die uns ja bet den edlen Polen und gewissen Kreisen Oesterreichs nicht fremd sind. Die tschechisch-slowakische Armee. Ueber diese famose Armee von Verrätern wird aus Wien noch gemeldet: Die Bemühuirgen zur Schaffung dieser Armee gehen schon längere Zeit zurück. So fand schon am 16. September in New dort — damals bestand bekanntlich noch kein Kriegszustand zwischen Amerika und Oesterreich-Ungarn — eine vom tschechischen Nationalbund veranstaltete Versammlung statt, der der ehemalige Bürgermeister von New Pork Mitchell (er ist inzwischen von den New Porkern hinausgewählt worden), präsidierte und in der verschiedene Redner, namentlich der französische Deputierte Franklin-Bouillon der Obmann des interparlamentarischen Komitees der Entente, zum Eintritt in die neue Armee anssorderte. In der französischen Zeitung L'Oeuvre vom 2. Dezember machte Rone Pichon bereits nähere Angaben. Sie wird nach ihm ungefähr 120 000 Mann stark fein und an verschiedenen Fronten verwendet werden. Der Großteil der höheren Offiziere ist französisch, weil tschechische Offiziere höhe, ren Ranges fehlen. Herr Pichon gibt hierfür die lügenhafte Begrünung, daß in der österreichisch-ungarischen Armee den Slawen die höheren Stellen größtenteils verschlossen gewesen seien. In die Armee wurden eingereiht sowohl die in den verschiedenen Ententeländern wohnhaften Tschechen und Slowaken sowie Kriegsgefangene Der Etnttitt ist angeblich vollständig freiwillig und ohne jeden Zwang erfolgt. In Rußland sollen sich beim ersten Aufruf sofort 20 000 tschechische Kriegsgefangene gemeldet haben. Für die Rekrutierung waren eigene Delegierte des tschechischen Nationalrates tätig, hauptsächlich Professor Ma- saryk in Rußland, Stefanik in Rußland und Amerika und Be- nesch in Parts, London und Rom. Herr Pichon verspricht sich große Dinge von der tschechischslowakischen Armee und verweist auf einen Tagesbefehl des russischen Generals Brussilow. in dem es heißt: „Die Tschecho-Slo- waken, von unserer (der russischen) Infanterie bet Tarnopol per- fiö im Stich gelassen, haben in einer Weise gekämpft, daß die Wett vor ihnen aufs Knie fallen sollte." Herrn Pichon zufolge ist zwischen den Tschecho-Slowaken und den Ententemächten keine Abmachung poetischer Natur getroffen. Ste haben keinerlei Versprechen verlangt, das die En. tonte tu Verlegenheit setzen könnte ste beanspruchen nur das Recht, ihr Blut für die „gemeinsame gerechte Sache" vergießen zu dürfen. « Auch aus Italien kommt die Nachricht, daß dort tschechitzhq Neberläufer in der ilqlienischen Armee gegen Oesterreich kämpfen. Hingegen wird aus Rußland gemeldet, daß die dortige Regierung die polnischen Armeekorps aufgelöst hat. Caillaur verhaftet. Paris, 14. Jan. (MTB.) Die Agentur Havas meldet: Tail» laux ist heute morgen verhaftet und unverzüglich in das Gefängnis für Kranke gebracht worden. Die Verhaftung Eaillaux' wurde alsbald bekannt und machte Eindruck. Die Leute rissen sich förmlich um die Abendblätter und besprachen eifrig die Nachricht. Alle Abendblätter erscheinen mit großen Ueber- schriften und stellen die Verhaftung seines Freundes Dolo in Aussicht Ohne die Ursache der Verhaftung zu nennen, berich-! en ie Blätter, daß ein Schließfach Eaillaux' in Florenz unter dem Namen Renomard in dem Finanzinstitut der Vanca Jta- liana di sconto aufgefundcn. worden sei. Nach dem „Jntranfi- geant" hätte dieses Schließfach Wertpapiere in 'beträchtlicher Höhe und Papiere enthalten, deren Bedeutung unbestreitbar sei. Das Blatt fügt hinzu: Es ist ein Schriftstück in die Hände der Militärgerichtsbrakeit gelangt, dessen Bedeutung und Wichtigkeit nichi gestattete, Eaillaux länger auf freiem Fuße zu belassen. Genf, 16. Jan. lieber die Verhaftung Eaillaux' liegen in den Pariser Abendblättern von gestern und in den Lyoner Zeitungen von heute Nacht fowende Einzelheiten vor: Die Verhaftung erfolgte auf AnoiMing der Militcirjirsttz, d. h. mit Ermächtigung des Kriegsininisters Elemenceau. auf Anweisung des Militärgouverneurs General Dubail. Eaillaux befand sich gestern früh mit seiner Frau in seiner Wohnung, als seine Verhaftung erfolgte, die übrigens nicht unerwartet kam. Denn man hat bereits seit mehreren Tagen in der „Humanit6" und anderen Zeitungen gerüchtweise von ihr gesprochen. Die reaktionäre Presse erzählt bereits allerhand Anekdoten, die offenbar erfunden sind, irm das Publikum gegen Eaillaux einzunehmen. So soll Eaillaux zu dem mit seiner Verhaftung betrauten Polizeikommissar gesagt haben: „Die Verhaftung überrascht mich nichts denn diese Leute sind zu . allem fäbig." Es ist möglich, daß Eaillanr einen derartigen Gedanken gehabt hat, es ist aber nicht wahrscheinlich, daß er ihn dem Polizisten anvertraut hat. Einige Zeitungen versichern, daß Eaillaux gedroht baben solle, er werde gegen dcn Pylizeikommissar mit dem Revolver kämpfen. Doch sei die Derbaftimg so unverhofft erfolgt, daß er keine Zeit gehabt ba-be, sich zur Webr zu setzen. Siebt man von diesen Eissindnngen ab. so bleibt nur als Tattache besteben, daß Eaillanr sich aestern früb. als der Kommissar bei ihm erschien, schnell ankleidete, seine Frau umarmte und im Automobil nach der Polizeiabteilnng im Jirstizgebände aebracht wirrde, wo die übliche Feststellung seiner Persönlichkeit erfolgte. Auf Befebl des Militär- gonverneurs wurde Eaillaux sodann nach dem GefängnkS En Sant6 gebracht, wo ibm eine geräumige, aber rm übriaen gewöhnlich ans gestattete Zelle zugewiesen wurde. Er erbält als llntersnchnnasaefanaener das Recht, die ihm auS seiner Wohnung zugeschickten Kleider &u benutzen. Anttlitrnq firSfWdiiit im ffriril dg Ze mehr Wunderdinge man sich bei den Völkern der Entente von dem amerikanischen Riesenheere verspricht, das im Laufe des Jahres das Sternenbanner über den blutigen Gefilden Frankreichs wehen lassen wird, desto skeptischer sind die Ansichten. die man in der neutralen Presse darüber lieft. Die Hol- länder haben ebenfalls, wie ein Aussatz im „Maasbodc" beweist, von der amerikanischen Kriegsmacht keine allzu Hobe Meinung. Die amerikanische Armee, so heißt es da. kann ihre Kriegs- crinnerungen allein in dem tierischen Vernichtiktzaskriege gegen die Rothäute, in dem spanischen Krieg und schließlich in den noch jungen mexikanischen Angelegenheiten suchen. In dem letztgenannten Abenteuer hat die amerikanische Kriegsmacht eine recht traurige Rolle gespielt. Das amerikanische Heer erlitt Schlappen, die ein einigermaßen kräftiges Heer mit gutem militärischem Geist niemals so gleichgültig ertragen hätte, wie er die amerikanischen Trupepn getan haben. Die großartige Kriegsmacht, die jetzt das EefchickEuropas bestimmen soll, mußt« sich zweimal einer Handvoll mexikanischer Sttauchdiebe ergeben. Die amerikanischen Offiziere haben sehr mit technischen Schwierigkeiten, vor allem mit mangelhafter Munition zu kämpfen. Es klingt beinahe unglaublich, aber es scheint doch wahr zu sein, daß Amerika als es sich an diesem Krieg beteiligte, kaum genug Pulver besaß, um von Zett zu Zeit einen Salutschuß abgeben zu löypen. Wahr ist jedenfalls, daß der amerikanische Marincminister, während sich das Land auf dem Höhepunki seiner Munitionssabrttation befand, mit einer englischen Firma einen Kontrakt über Pulver- und Geschoßlieferungen abschloß. Die Gründe hierfür sind jedenfalls in der Beschaffenheit der amerikanischen Munition zu suchen. Letztere erwies sich bet Untcrsuchmrg als derartig unbrauchbar, daß sie nicht weiter auf der Flotte verwendet werden konnte. Während eines Aufenthalts in Amerika hörten wir eine traurige Geschichte über amerikanische Kanonenkugeln, die an der englischen Front verwendet worden waren. Große Mengen dieser Munition, die die angreifende Infanterie unterstützen sollte, explodierten zu früh uitö überschütteten die eigenen Truppen mit ihrem tödlichen Inhalt. Die weiter entfernt liegenden Schützengräben des Feindes blieben unversehrt. Außerdem hat General Pershing bet seinem Eintreffen in Europa ein Drittel aller mitgebrachte» Munitickn als unbrauchbar erklärt. Was von dcr amerikanischen Disziplin bekannt ist, gibt auch ein eigenartiges Bild. So wurden beispielsweise während der mexikanischen Expedition die nationale Garde zur Front gesandt. Als sich in dem Transportzug keine Schlafwagen für die Offiziere vorfandcn, verließen diese am Abend den Zng und er^ klärten, nicht eher weiterzufahren, als bis dem Mangel abgehol- fen wüve. Ein anderer Truppenteil fand die Verpflegung im Zuge während des Transports unzureichend. Auf irgend einer Station verließen alle Mannschaften den Zug. plünderten samt- gliche Lüden des Ortes und kamen einige Stunden spater wie«'' der zum Zug zurück, bereit, die Reise fortzusetzen. Selbst auf dem mexikanischen Kriegsschauplatz hörten diese Disziplinlofig- (ketten nicht auf. Als einmal Offiziere das Lagerleben zu langweilig fanden, nahmen sie alle Militärautos aus dem Wagen» park und machten damit Fahrten in die Umgebung. —- ■ -BW' Mlirnds Ke-ttiltti! gegen den Generalijßmns. Genf, 14. (WB.) „Genevois" veröffentlicht eine Zu- Schrift des Bureaus der „Times", in dem die Gründe angegeben werden, warum England gegen einen gemeinsamen Generalissimus ist. In der englischen Darstellung heißt es n. a.: . Der Erfolg einer solchen Einrichtung hängt völlig von den Vorteilen ab, die die Heere davontragen, die der Generalissimus. befehligt. Tatsache ist, daß ein Heer eine Niederlage und alle ihre Folgen ertragen kann, wenn es von Miien eigenen Führern befehligt wird, daß es eine Niederlage aber nicht dulden kann, wenn ein Führer anderer Nationalität es befehligt. Wder der Schnmch und des Stotzes In der „Jahresbilanz"-Sondernummer des „Simpliziffi- ; ttuis“ stellt Ludwig Thoma zwei Bilder der Schmach und des j Stolzes also gegenüber: Es hat in diesem Jahre 1917 ein paar Tage gegeben, deren ^ ganze Jämmerlichkeit erst eine spätere Zeit vollauf würdigen wird. Ein Mann, dem Horchen und Jnformiertwerden schlecht bekommen war, der sich im verbündeten und neutralen Ausland mit Hoffnungslosigkeit und Banglichkeit hatte impfen lasten, warf im hysterischen Schreikrampfe allen Glauben und alle Zuversicht der Reichstagskommisnou vor die Füße — und wurde nicht herausgetragen, um mit Kölnischem Master oder Riechsalz zum. Bewußtsein gebracht ZU werden. Die Bätet und Brüder der Helden, die derweil in Flandern das Aergste ertrugen, hielten dem Biberacher Trommelfeuer nicht stand. Es gab ein Schwätzen, Raunen, Tuscheln und dazwischen ein Aufschreien und Kreischen, daß man im ganzen Lande aufhorchte und zornig sich des Schlimmsten — nicht an der Front — hinter dem Rücken der kämpfenden Soldaten versah. Das gehört auch in die Bilanz des Jahres 1917. Dem unschönen Bilde hallen wir ein anderes gegenüber. Aus Stegemanns Kriegsgeschichte erfahren wir heute erst, was wir erlebt und doch nicht gesehen haben: wie nahe und wie riesengroß mehr wie einmal im Herbste und Winter 1914 die Gefahr des Unterganges vor uns gestanden ist. Zwei Männer, denen die Verantwortung für das Leben des deutschen Belkes anvertraut ist, stehen ruhig über den Kartentisch gebückt und verlieren in dem unendlichen Gewirre von Gefahren und Schrecken, bei dem Heranlosen der Sturmflut von feindlichen Millicnenheeren nicht einen Augenblick ihre besonnene Klarheit. Hoffnungen und Berechnungen schlagen fehl, meisterhaften Plänen stellen sich Widrigkeiten entgegen, was schon gewisser Sieg schien, wird zum Fehlschlag, die beiden Männer rechnen, begegnen Zug mit Eegenzug» setzen auf kühne Pläne noch kühnere, der brutalen Macht der Zahlen setzen sie ihre Genialität und das Vertrauen auf die unüberwindliche Tapferkeit ihrer Heere entgegen, und aus Gefahren, deren Schilderung uns den Herzschlag stocken läßt, aus Not und Leiden führen sie die Deutschen zu strahlenden Siegen. Wer das heute wieder und doch zum ersten Male recht erlebt, der weiß, daß nichts und niemand uns den Sieg entreißen kann, der weiß, daß unser- Volk unter seinen Führern Hinden- bürg und Ludendorff das Höchste errungen hat. das ihm keine Macht der Erde mehr entreißen wird. Auch nicht die Ohnmacht der Erschrockenen vom Juli 1917. Und der weiß auch, daß Glück und Gedeihen des Vaterlandes bloß auf den Männern beruhen, denen es feine Rettung zehnmal und hundertmal verdankt." Freiheit die ich meine. Wir lesen in der „Frankfurter Volksstimme": Aus Mannheim schreibt man uns: In dem großen „Nibe. lungenfaal" des Rosengarten, wo im Jahre 1916 der Sozialdemokratische Part^tag abgehalten wyrde, hatte auf den gestrigen Sonntag die Vaterlandsprtei zu einer öffentlichen Versammlung eingeladen. Herr Pfarrer T r a u b, der frühere fortschrittliche Lendtagsabgeordnete, sollte über „Deutschlands Schicksalsstunde" sprechen. Der große Saal war überfüllt, gut 5000 Personen waren anwesend; darunter aber mindestens 80 Prozent Arbeiter. Zum Sprechen kam Herr Traub nicht, denn die Mehrheit setzte sofort bei Beginn der Rede mit dem Gesang der Arbeiter-Marseillaise ein; die ungefähr neunhundert bis tausend Vaterlandsparteiler versuchten es mit dem Gesang: „Deutschland, Deutschland über alles", aber machtvoll übertönte das Arbeiterlied den patriotischen Gesang. Volkslieder folgten dem alten Kampflied; besonders stimmungsvoll klang das immersthöne „Sah ein Kn ab ein ^oslein stehn". Wirklich angebracht war auch die Stelle „Hier findest du deine Ruh'". Auf dem Podium stand einsam das „Rös- lein": Herr Pfarrer Traub schrie hie und da in den Saal: „Schämen Cie sich" und rauchte zur Beruhigung seiner Nerven eine Zigarre. Nach fünfviertel Stunden löste Herr Polizei- direktol Gräser die Versammlung auf und die Schutzmannschaft räumte den Saal. — Eine Unverfrorenheit war es jedenfalls von der Leitung der hiesigen Vaterlandspartei, in dem großen Industriezentrum wie Mannheim in solch provozierender Weise eine öffentliche Versammlung für einen MachtAeden zu veranstalten. Der Denkzettel blieb denn euch nicht aus. Die Berliner „Vorgänge" haben sicher ihr gut'Teil dazu beigetragen. Die Leute von der Vaterlandspartei mögen daraus ersehen, daß auch den Arbeitern schließlich einmal der Geduldsfaden reißt? Und die ..Volksstimme" bringt es fertig, dieses Machwerk ohne Erröten akzudrucken. Lehrreich ist das Eingeständnis, daß es eine Unverfrcrenhett genannt wird, wenn es eine Minderheit wagt, in einer von einer Mehrheit beherrschten (Gemeinde ihre Gedanken nur zum Ausdruck zu bringen. Sa was nennt sich im Znkunftsstaat „Freiheit". Schr erhebend sind auch die geizigen Waffen dtß' unter y ta* behaglichen Schmunzeln der „Volksstimme" dok de« „Marmemer' Blopfeifern" zur Anordnung gebracht worden sind. > v ':-V —--■' ‘.(t# v; Die gkjprttigie Tnilib-UkrlaliiinliW. Ueber den Verlauf der Frankfurter Versammlung lesen wir im „General-Anzeiger": Die Vaterlandspartei hatte, wie wir schon kurz berichteten, für Montag abend in den Zoologischen Garten eine Versammlung einberufen, in der Pfarrer a. D. Traub über das Thema „Mas unserem Vaterland nottut'b sprechen sollte. Schon lange vor Oeffnung des Saales hatten sich Tausende von Menschen vor dem Zoologischen Garten — offenbar in der Absicht, Opposition zu treiben — airgesammelt. Als um 7 Uhr die Türen geöffnet wurden, war der Saal im Nu überfüllt. Schon vor der festgesetzten Stunde wurden Rufe laut wir „Anfängen! Vorwärts?" Zwischendurch wurde auch gejohlt und gepfiffen. Als um 8 Uhr der Vorsitzende, Pfarrer Kübel, die Versammlung eröffnen wollte und seine Rede mit den Worten begann: „Die Vaterlandspartei . . . wurde er von der Versammlung nieder- geschrien. Es wurde unter Zuhilfenahme von Pfeifen und anderen Instrumenten gepfiffen, gejohlt, ferner wurden Schmährufe auf die Vaterlandspartei laut, so daß der Redner sich nicht verständlich machen konnte. Auch als er ein zweites Mal wieder begann, wurde er niedergefchrien. Von der Galerie wurden sogar Stinkbomben in den Saal geworfen. Das Durcheinander wurde immer wilder, fodaß sich schließlich der anwesende Poli- zeilommissar veranlaßt sah, die Versammlung für geschlossen zu erklären. Darauf wurde von den Anwesenden die^Arbeitermar- seitlaise angcstimmt. (Das zeigt, welcher Richtung diese „Eei- steshetden" angehören. D. Scbriftl.) Es wurden noch fortgesetzt Rufe wie „In den Schützengraben mit der Vaterlandspartei? Schießt sie tot! Raus mit ihnen!" ufw. laut. Schließlich mußte ein starkes Polizeiaufgebot den Saal und die Galerien raumen. Auch noch auf der Straße fetzten sich die Rufe fort. Schließlich verlief sich aber die Menge unter erneutem Absingen der Arbeitermarfeillaife. Usm Felde der Ctzre. Fricdbrrg. Der Bureauvorsteher des Herrn Dr von Helmolt, Unteroffizier H u s e m a n n, z. Zt. in einem Dragoner-Regiment, wurde zum Sergeanten befördert. Wir gratulieren! Ans der Heimat. FC. Butzbach, 14. Jan. Die Johanniter-Kirche im nahen Niederweisel, eine der wenigen, noch erhaltenen Doppclkirchen in Deutschlands wurde vor nun 50 Jahren, man schrieb 1868, vom Großherzoglich Hessischen Staat als Eigentum erworben und der hessischen Abteilung des Johanniter-Ordens zur Erhaltung durch Schenkung überwiesen. Dieser hat die Kirche in stilgerechter Weise wieder Herstellen lassen, so daß 1896 durch den Herrcnmeister des JohanniterOrdens ihre Einweihung erfolgte und sie vor dem Untergang geschützt wurde. Die Kirche ging nämlich nach Aufhebung des Johanniter-Ordens 1803 im Jahre 1811 mit dem zugehörigen Gute an den Herrn von Wiesenhütten in Frankfurt am Main über. Sie wurde zu einem Kuhstall hergerichtet und auf das scheußlichste demoliert. So wurden die Pfeiler ohne Rücksichtnahme angehauen, wie es die Einstellung des Viehes erforderte und das gesamte Innere unnachsichtlich dem neuen landwirtschaftlichen Zwecke geopfert. Im Jahre 1864 war die Verwüstung soweit gediehen, da in die Chormauern eine Türöffnung gebrochen, infolge deren das, Gemäuer nachgab und die gesamten Gewölbe einen großen Riß erhielten, daß ihr Abbruch beschlossen wurde. Da schritt der hessische Staat ein, der dies Kleinod schließlich jetzt vor 50 Jahren erwarb und vor dem völligen Untergang bewahrte. Aus Starkcnburg. Darmstadt. Wegen Verfehlung gegen die Verordnung betr. die Ablieferung von Speck standen jetzt etwa 20 Landwirte aus der Umgebung vor der Strafkammer. Sie waren wie viele andere wegen de: Nichtablieferung von Speck bei den Hausschlachtungen in Strafen von meist 50 Mark genommen worden. Die Vorerwähnten hatten mit Erfolg Berufung gegen die Strafbefehle eingelegt, denn die Schöffengerichte setzten die Strafen bei Einzelnen bis zu 3 Mark herab. Hiergegen hatte nun die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt und wurden die Strafen nunmehr wieder auf entsprechend höhere Bettäge festgesetzt. Sie haben nunmehr auch die Berufungskosten zu tragen. Wie wir erfahren, sind noch eine ganz bedeutende Menge derartiger Strafbefehle ergangen. Aus Rheinhessen. FC. Erbenheim, 9. Jan. Vor einigen Nächten fand man einen 15jähngen Burschen versteckt in einer Scheuer, als er beim Stehlen im Keller überrascht worden war. Bei einer Haussuchung in der Wohnung seiner Eltern wurden Kleie und Säcke an das Tageslicht befördert, die aus den Beständen der Kreisfnttermittelverteilungsstelle hernihrten. Vor etwa acht Tagen war plötzlich der Hund eines hiesigen Land- und Gastwirts verschwunden. Jetzt stellte sich auch Geraus, daß dieser von den: Burschen niedergeknallt, abgezogen und das Fleisch nach Wiesbaden verkauft worden war. FC. Flomersheim, 10. Jan. In der hiesigen Gegend, wo bekanntlich schr viele Zwiebeln angepflanzt, werden, werden dieselben zurückgehalten. Bei einer Untersuchung im nahen Eppstein wurden 110 Zentner zutage gefördert. FC. Aus Rheinhesie«, 13. Jan. Am 22. Januar begeht Bürgermeister Elaß tn Lonsheim seinen 80. Geburtstag. Er steht bereits 52 Jahre im Gemelndedienst und hat seit 1887 den hiesigen Bürgermeisterposten inne. Heute noch ist er außerdem Direktor der Spar- und Darlehnskasse und schon eine lange Reihe von Jahren Mitglied der Dekanatssynode und stellvertre- tendes Mitglied der Landessynode. Als eifriger Förderer der Landwirtschaft hat sich der Jubilar einen Namen gemacht . > AuS Ätirhesfen. >> ' -H > wegen der Einbrüche kn Schloß Wilhelmshöhe, der mit der Verurteilung des^ Schülers Wilke zu 9 Monaten Gefängnis und des An- nqmtatenhändlers Nadel zu 1 V z Jahren Zuchthaus endete,' hat Einblicke in ein Milieu gestattet, das man schon immer- öremlich mißtrauisch ansah und das schon manchem jungen Menschen verhängnisvoll geworden ist. Der Angeklagte' Wilke, der Sohn eines achtbaren Beamten hatte zunächst dis! Oberrealschule besucht und war dann zu einer sogenannten „Presse" übergegangen. Hier hatte er, der aus einfachen Verhältnissen stammte, die Söhne wohlhabender Familien zu Kameraden, die über ziemliche Mittel verfügten und in ihren Lebensgewohnheiten sich als Erwachsene fühlten. So wurden die Geburtstage regelmäßig und ziemlich alkohol- reich gefeiert. Als der Geburtstag des jungen Wilke heran- nahte, lud er die Kameraden, weil er sich doch revanchieren mußte, nach einem Kaffee ein, wo mit Hilfe eines gefälligen Kellners, der dort „anschrieb" eine Zechschuld von 190 Mark, und zwar von zusammen fünf jungen Leuten, gemacht wurde Kurze Zeit darauf wurde Wilke zum Hilfsdienst einge- zogen und der Kellner verlangte nunmehr sein Geld, unter der Drohung, er werde sonst dem Vater mitteilen, was er für ein Söhnchen habe. Unter dem Druck dieser Drohung und ' aus Angst vor dem strengen Vater gewann schließlich bei dem jungen Mcnchen die Idee Oberhand, sich auf jeden Fall Geld zu verschaffen, und der Gedanke verdichtete sich dann schließlich zu den Einbrüchen auf dem kaiserlichen Schloß. FC. Gelnhausen, 11. Jan. Im nahen Kasiel wurde vor mehreren Wochen am Hellen To.g^ die Gemeindckasse gestohlen. Der Täter ist jctzt in einem zehnjährigen Jungen ermittelt werden. FC. Aus Kurhessen, 11. Jan. Auf dem Geleise der Kleinbahn Cassel-Naumburg fand man bei Hoof die Leiche eines Urlaubers, der vom Zuge überfahren wurde. Die Leiche war vom Zuge vollständig durchschnitten. FC. Aus Knrhesien, 13. Jan. Der 17jährige Schmiedelehr- lisg August Schröder aus Königswald im Kreise Rotenburg an der Fulda hotte mit der 30jährrgen Elisabeth H. von da ein Liebesverhältnis unterhalten, das nicht ohne Folge blieb. In-, folgedesfen wollte er das Mädchen umbringen und dann Selbstmord begehen. Einen Strick hatte er bereits dem Mädchen um den Hals gelegt und wenn nicht Hilfe gekommen wäre auf die Rufe, so wäre die Elisabeth ein Opfer des Anschlags geworden. Wegen dieses Mordversuchs wurde der Siebzehnjährige von der Strafkammer Cassel zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Ans Hessen-Nassau. FC. Wiesbaden, 13. Jan. Der Magisttat hat dem Antrag der Mehl- und Brotkommission wegen der Wiederanfhebung der Zusammenlegung der Bäckereibetriebe zugesttmmt. Demgemäß dürfen vom 21. Januar ab die mit anderen zusammengelegten Bäckereien dahier wieder ihr Brot selbst backen. FC. Wiesbaden, 13 Jan. Ein Feldgrauer, der mit dem Urlauberzuge am Vormittag auf dem hiesigen Hauptbahnhof eintraf, hatte für feine Familie aus dem Felde 30 Pfund Schweineschmalz, zwei Schinken, zwei Gänse, mehrere Kilo Speck und Wurst mitgebracht und in einem Rucksack verpackt. Als er hier aussteigen wollte, war der Rucksack mit dem Inhalt spurlos verschwunden. In einem unbewachten Augenblick hatte er einen anderen Liebhaber gefunden. FC. Bvrnmersbeim, 13. Jan. Die Gemeindevertretung beschloß, nachdem Beschwerde über den Zwang der Abnahme des Kaffee-Ersatzes, die sogenannte Kola-Mischung, geführt wurde, den Verkauf dieses miserablen Getränkes bis auf weiteres ein- FC. Camp, 13. Jan. Die Ehefrau eines hiesigen Bürgers fand vor einiger Zeit im Hühnerstall einen Hundert-Markschein. Diesen Schein hat die Frau nunmehr einer wohltätigen Stif. tung überwiesen. FC. Wejlburg, 8 Jan. Die hiesige Königliche Verginspek- ticn blickt in diesen Tagen auf ein 50jähriges Bestehen zurück. FC. Dillenburg. 9, Jan. In einer gemeinsamen Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten wurde der Senator Dr. Hans Rosenow in Wismar zum Bürgermeister der hiesigen Stadt gewählt. Er wird im Mai d. I. nach der Amtsniederlegung des Bürgermeisters Gierlich das Amt übernehmen.' FC. Niederlahustcin, 9. Jan. Bei der hiesigen elektrischen Straßenbahn ist eine Erhöhung der Fahrpreise eingetreten nnd kostet jetzt jede Fahrstrecke fünf Pfennig zustellen. FC. Mörfelden, 9. Jan. In der hiesigen Bahnhofsgüterhalle wurden bedeutende Diebstähle ausgeführt und bettächtliche Mengen an Feldzwieback und Zucker gestohlen. FC. Herborn. 11. Jan. Wegen Unzuverlässigkeit wurde der Frau Caspari im nahen Oberndorf die Gemeindesammelstelle für Butter, Eier und Speck entzogen. FC. Aus Nassau, 11 . Jan. In diesem Jahre begehen in der Diözese Limburg ihr goldenes Priesterjubiläum: Domdeka« Prälat Dr. Hilpisch in Limburg. Geistlicher Rat Franz in Hadamar und Pfarrer Dr. Benz in Camp. — In der Diözese Mainz begeht das 50jährige Priesterjubiläum Geistlicher Rat Dr. Velte dortselbst am 6. Juni. FC. Hahnstätten, 8. Jan. Dem Pfarrer Wilhelm Hanh von hier wurde für seine Tättgkeit als Lazarettpfarrer tn Saar- brücken, Völklingen und Sulzbach das Eiserne Kreuz 2. Klasse am weiß-schwarzen Bande verliehen. FC. Aus dem Freigericht, 14. Jan. Der Gutsbesitzer nnd Rittmeister Peill auf Hofgut Matfenhaufen stieß auf einer Jagd im Gemeindewald zu Albstadt mit einem Wilderer zusammen- Beiderseits wurden Schüße gewechselt, wobei Peill verwundet wurde. Der Wilderer entkam unerkannt. ':•*% ?Vr- -- Verantwortlich für den politischen und lokalen Tett: Ottll Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. H e y n e Juedberg. Druck und Verlag der + v m ' und Verlag der „NeuenLagesseifirng' A- G., Friedberg l H r • Grane Gefahren. No man aus der Gegenwart von M. Gontard - Schuck. 17 , Nachdruck verboten. Seit einem Vierteljahr war Helen Donglas Baronin von Werkheim. Juli hatte die Hochzeit stattgesunden. Die Trauung in der St. Pauls Kathedrale und das glänzende Früh-, strick im Douglaspalast am Grosvenor Square, dann war Luis junge Paar abgereist. Ein bitterer Tropfen war in den Freudenbecher Alfreds gefallen. Sein Vater hatte nicht an der Hochzeitsfeier teil- . genommen, so sehr er ihn auch darum gebeten. Seine Gesundheit erlaube eine so weite Reise nicht, hatte der alte Herr- geschrieben und dabei war es geblieben, trotz aller Bitten. Regina aber war gekommen. Gräfin Gilgenheimb, eine Stistsdame und' entfernte Verwandte der Werkheims, hatte sie begleitet. Alfreds Freude war sehr groß, wirklich groß! Die beiden Damen hatten einen guten Eindruck hinterlassen. Und zumal Regina trug ihren braunen Scheitel nstt einem Stofz und einer Anmut, wie eine junge Fürstin. " Aber sonst? Was war das nur mit Regina?' Er wurde nicht klug aus dem Kinde. So ganz anders war sic als früher. So gar nicht mehr lustig, lind der Ton ihm gegenüber! Nein, der war ihm ganz neu. Wie einen Fremden hatte sie ihn behairdelt. — Und nun waren sie wieder in London. Lady Douglas hatte für das junge Paar eine entzückende Wohnung nicht weit vom Douglashause herge- richtet, so daß er sich wie eine Märchenprinz vorkam. Wirklich, man verstand zu leben in England. Seine schone Frau war nicht nur eine vollendete Weltdame, sie sorgte auch für das häusliche Behagen mit einem Verständnis, das ihn an dem jungen Geschöpf überraschte. Oktober und November gingen ohne nennenswerte Ereignisse vorüber. Am politischen Horizont blieb alles ruhig, es zeigte sich nicht das gerinste Wölkchen. — Weihnachten wollte Alfred seine junge Frau endlich nach Deutschland bringen. Er sehnte sich danach, dem Vater zu zeigen, daß seine Wahl eine gute war. Er hoffte viel von Helens Liebenswürdigkeit, ihr konnte der Vater ganz gewiß nicht widerstehen. — Helen selbst war nicht sehr erfreut von der Ansstcht, das Weih nachts fest in Deutschland zu verleben. Diel lieber wäre sie in dem alten, bekannten Kreise geblieben. Am 20. Dezember war das Ehepaar in Berlin, da Werk- heim erst einige Tage in der Wilhelmstraße zu tun hatte. Sie wohnten für die paar Tage im Kaiserhof, weil es ihm nicht der Mühe wert schien, für die kurze Zeit das Werk- heimsche Palais in Ordnung bringen zu lassen. Der Aufenthalt im Gasthof war bequemer.- „Was hast Du denn nur immer zu tun im Amt?- fragte Helen am zweiten Berliner Tage. „Du bist fast immer unterwegs, seit wir hier sind." „Hast Du nicht einen besonderen Auftrag vom Botschafter mitbekommen? Ich meine doch, so etwas gehört zu haben." „Was hast Du gehört, Helen?" „Fahr doch nicht gleich auf i Kann ich denn nicht ma) nach Deinen Sachen fragen? Und es ist doch wahr, ich habe doch etwas gehört!" „Bitte, Helen, laß das! Du Iveißt, wie unangenehm es mir ist, wenn Du Dich um meine beruflichen Angelegenheiten kümmerst. Und gerade in letzter Zeit ist es mir öfters ausgefallen, daß Du merkwiirdig viel nach der auswärtigen Politik fragst." Helen errötete. „Das sollte Dir doch nur lieb sein," sagte sie verlegen. „Sonst wünscht ihr Männer doch immer, daß die Frau an eurem Wirken teilnehmen soll." „Nicht in der Diplomatte, liebste Helen. Das ist ein Gebiet, wo wir unsere Frauen nicht gern dabei haben. Aber ich weiß schon, Du langweilst Dich. Ich habe Dich vernachlässigt. Aber das soll anders werden. Heute abend gehen wir ^ in die Oper und morgen ist dann der letzte Tag in Berlin. Uebermorgen schon sind wir in Tannenberg. Freust Du Dich auch ein klein wenig? Ich freue mich sehr, meine schöne Helen dem Vater zu bringen." „Ich weiß nicht —" sagte Helen zögernd. „Freuen! Eigentlich habe ich ein wenig Angst — nein, das ist es auch nicht. Angst ist nicht das rechte Wort. Wovor sollte ich denn auch Angst haben? Unsere Familie ist so gut wie die eure, also kann Dein Vater in dieser Hinsicht nichts gegen mich haben. Und doch! Ich Hab' so ein Gefühl, als wäre ich ihm nicht willkommen." Sie schwieg und sah gedankenvoll auf den blinkenden Goldreif an ihrer Hand. „Sag mal, Dein Vater hätte es wohl lieber gesehen, wenn Du die Gräfin Wangenheim geheiratet hättest?" „Regina! Wie kommst Du darauf, Helen? Regina ist noch ein Kind." Die junge Frau lächelte mitleidig. „Ein Kind- Mein lieber Fred, Gräfin Reginas Augen sind nicht die Augen HchyttstchttW. Freitag, den I». Januar 1918, vormittags 19 Uhr. werden im Gräflichen Revier Wickckadt. in den Distrikten Hasenzahl, Dörnberg, Dachbaum, Hirschweg, Küh- loch, Ziegenbcrg und Hardt versteigert 1 Fichten-Stamm 43 cm Durchmesser, 4.8 m lang — 0,70 fm 17 Fichten-Derbstangen. 20 Schichten Fichten-Stangen zu Leiterbäumen, Baumpsäblen, Einfriedigungen, Eerüftstan- gen geeignet. Scheit: 27 rm Eiche. 6 rm Buche. Knüvpel: 31 rm Eiche, 4 rm Buche, 7 rm Fichte. Astreier: 324 rm Eiche und Buche. Wellen: 7250 Eichen, Buchen und Fichten. Zusammenkunft im Distrikt Dorrberg, zunächst Bönstadt. Assenheim. d. 13. 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Wie kein Geschäft seinen Vertreter oder Reisenden in schäbigem Gewände zum Besuche seiner Kundschaft hinausgehen lägt, so sollte es auch darauf bedacht fein, daß die von ihm verbrauchten Drucksachen die es ja doch auch bei dem Empfänger derselben vertreten sollen, ein einwandfreies Aussehen haben. Auch familiäre Mitteilungen jeder Art lassen in ihrer äußeren Aufmachung einen Schluß aus die Persönlichkeit des Absenders zu. Wir empfehlen uns zur Anfertigung von Drucksachen jeder Art in sauberer und geschmackvoller Ausführung und sichern schnellste Lieferung und billigste Berechnung zu. Bei eintretendem Bedarf bitten wir Muster und Preisberechnung von uns einzusordern. Neue Tageszeitung Druckerei und Verlag A.-G. Friedberg i.. 4 hb« .. m eines Kindes, in diesen Augen lag schon etwas anderes als kindliche Träume. Auf ihrem Grunde lagen ungeweinte Tränen." Werkhelm lachte. „Du meine liebe, süße PhantasLin." „Lacke nur! Ich weiß, was ich weiß. Und überhaupt, wieviel ist denn die Gräfin jünger als ich? Ich glaube, noch nicht mal ein Jahr." „Ich staune über Deinen Scharfsinn. Was Du nicht alles gesehen hast in den paar Stunden damals. Hast Du nicht aiich bemerkt, daß Regina mich liebt?" „Spotte Du nur, ich weiß deshalb doch, was ich weiß —* Er verschloß ihr den Mund mit einem Kusse. „Mach mich nicht eitel, Helen! Sonst bilde ich mir noch ein, ich bin der reine Adonis und alle Frauen sind in mich verliebt." Sie schmiegte sich an ihn wie ein schmeichelndes Kätzchen. „Und ist es nicht so? Würde ich wohl sonst einen deutschen Bären geheiratet haben, wenn er nicht der schönste Mann wäre, den ich bis jetzt gesehen?" Er errötete wie ein junges Mädchen. „Sind wir denn wirklich solche ungeschlachte Bären in Deutschland? Sag mir mal offen, sind nicht unsere jungen Herren besser erzogen, als sie es drüben bei euch sind?" Helen schwieg einige Augenblicke. Wer wußte das besser als sie? Hatte nicht gerade Alfreds ganzes Wesen, sein ritterliches Auftreten, sie vom ersten Augenblick an bestochen? Aber man durfte daß doch nicht so ohne weiteres zugeben, dafür war man doch zu sehr Britin, und der Herr Gemahl wurde womöglich noch zu stolz. „Besser erzogen —" sagte sie schließlich zögernd, „das kann man doch nicht so bedingungslos behaupten. Die jungen Herren aus den guten Familien genießen doch auch bei uns eine sorgfältige Erziehung." „So meine ich das nicht. Helen, Du weißt das auch ganz genau. Von der Schulbildung spreche ich nicht. Es ist ein gewisses Etwas, was ihnen drüben fehlt. Um nur eins herauszugreifen. Besinnst Du Dich auf den Abend vor unserer Hochzeit? Dein Bruder Archibald war Brautführer rmd hatte Miß Laycok als Brautjungfer. Na, wir standen gerade in der Nähe, als die junge Dame auf Archibald zutrat. um ihm etwas zu sagen. Er saß in einem Sessel. Und was' tat er? Er bttob ruhig sitzen, wandte kaum den Kopf zur Seite und seine einzige Aeußerung bestand darin, daß er rief: Hallo, M'ß Laycok, was gibt es? Was meinst Du wohl, was ein deutscher Herr in diesem Falle getan hätte?" Fortsetzung folat. Bekanntmachung. Am 15. Januar 1918 ist eine Bekanntmachung Nr. A. 15330 B. P. S., betreffend „Beschlagnahme und Bestandserhebung von gebrannten und anderen künstlichen Mauersteinen, Dachziegeln aller Art und Drainageröhren aus Ton", erlassen worden. Der Wortlaut der Bekanntmachung ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden. . __6fcffu. teertilfoiniiiiitttio 18. AriiikckO. (jr’U'tfGS Linoleum-Wachs frisch eingetroffen. Tapeten- und Tjinolenmfaaus Jean KS^er, Friesls^. Kaiserstr. 27. MatalldrahtglQhlampen in allen Kerzenstärken, preiswert abzugeben £d. Lehmann, lug. V Bad-Nauheim. Vertreter gesucht. - r «mW Landwirte i. MArl ij.ii in je«! ad. e. 6. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Kronprinzenstrage 41. 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