Urtmmer 7 Mittwoch, den 9 . Jannar 1918 n. staitriM«-* Die c,r? o n^rorc-inng" erche.nt ,ede. Tertia'. Regelmäßige Beilaoen „Ser L?aner aus Hessen". „Die SpinnOnbe". 0e»ugspre.s: Be, den Voitanitaiten DierieiiäUrlict) 'UCt 240 f)in u rntt noch das Bestellgeld: >-e. oen v ^rter monatlich «5 Big. einschließlich Tragerlobn. Anzeigen: Gründete 2d Big., totale 20 lMq„ Anzelgen oon ausmurts oeröen ourch Bolnachnai.ms ' "l"'n. ^rii'llnnosorr Fttedbero. Schriftteitnnn nnd Vertan vriedderi f^e'ien». lanauer'traße 12. vern vreher 48. Br ti bei- L, Ilo Br. 48 V). Int yramrurt a. > GcjchcrtcrLe Vorstöße der CnSiänder. — 20 000 Tonnen Versenkt. — Die DeMlik Finnland. Der deutsche GeneraMav meldet: =J M. T. K. (k'irotzes KattpLssuartiev» deis 8. Isnrttf.v. Amtlich. ^ Westlicher Kriegsschauplatz. gliedern der Getreidebörse bekennen mußte: „Ich Hobe die Zahl der U-Bootopser gelegen. Ich bin darüber entsetzt gewesen." Jnzwisck)en ordnete die englisckze Negierung an, daß jedes nach England bestimmte Scküff irgendwelcher Art, was auch seine Ladung lein möge, jeden verfügbaren Raum, selbst die unbenutzten Passagierkabinen, mit Lebensmitteln auszufüllen habe. Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht. Einzelne Abschnitte in Flandern und südwestlich von Eam- trai lagen zeitweilig unter heftigem Feuer. In der Abenddämmerung griffen englische Kompagnien östlich von Vullecourt an. sie wurden abgewiesen. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Im Sundgau entwickelte sich am Abend lebhafter Artilleriekampf, der nach ruhiger Nacht heute früh wieder auflebte. Oeftlichrr Kriegsschauplatz Nichts Neues. Mazedonische Front. Zwischen Ochrida- und Prespa-See. im Terna-Bogen, sowie zwischen Wardar- und Doiran-See war die Artillerietäligkeit rege. Deutsche Jäger brachten von einem Erkundungsvorstoß in die feindlichen, bisher von Russen verteidigten Graben westlich vom Prespa-See eine Anzahl Franzosen ein. Italienische Front. Gegen den Monte Asolone nnd den Plave-A-schnitt nördlich von Vidor richtete der Feind tagsüber lebhafte Feuerüber- fälle: während der Nacht blieb das Feuer lebhaft. Der Erste Generalqnartiermei.ster: Ludendorff. Abendlrericht. Berlin. 8. Ian^ abends. (WTB. Amtlich.) An der Bahn Bocsinghe-Staden ist ein englischer Vorstoß gescheitert. In der Gegend von Flirey (zwischen Maas und Mosel) sind örtliche Angriffe der Franzosen im Gange. Im Smftgau flaute die Gefechtstätigkeit nach Abwehr eines französischen Vorstoßes bei Ammerzweiler ab. Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. (FrlilAfr ba tfnlrroitt* | Berlin, 8. Jan. (MTV. Nichtamtlich.) Trotz des schlechten . Wetters war an einzelnes Abschnitten der Westfront, in Flan- ! ll.rn, westlich von Eambrai und im Sundgau das Feuer der beiderseitigen Artillerien zeitweise lebhaft. Westlich von Eambrai holten sich englische Kompagnien am 7. Januar eine blutige Schlappe. Nach kurzer Feuervor- bereitung brachen englische Sturmkolonnen um 5 Uhr 30 nach- wi tags in etna 060 Meter Breite gegen unsere vordersten Sicherungslinien östlich von Bullecourt zum Angriff vor. Im Feuer und Nahkamps wurde der Feind unter schweren Verlusten abgewiesen Zahlreiche tote Engländer liegen vor unseren Gräben und Hindernissen An vielen Steven der Westfront setzte der Feind seine verzweifelten Erkundungsversuche fort. Die worgetriebcnen Patrouillen wurden überall restlos zurück- geschlagen und mußten sich im deutschen Verfolgungsfeuer in ihre Gräben zurückflüchten. EjnskbgrkNfn-AlMnO in rrntijf:=0)f?flfrHta ‘ Von besonderer Seite erfährt das „Berner Tagbl." an London, in englisckzen Finanzkreisen seien vorgestern Nach richten nmgelaufen, daß im Bezirk Tabora in Deutsch Ostafrika immer noch Widerstand geleistet werde und di Eingeborenen sich erhoben hätten. Die Nachricht wurde von Zensor nicht freigegeben. L'oyd George hatte noch am Samstag etwas weg werfend von „der Minderheit der Eingeborenen" gesprochen die in Ostafrika zu Deutschland halten. Ein solcher Anfrnh aber würde ihm wohl zeigen, wie lies dort deutsches Wesei Wurzeln g-ich rgen hat. |J Der österreichische Generalstab ! k== meidet: - 1 Wien, 8. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver- lautbaii: Oestlicher Kriegsschauplatz. Waffenstillstand. Italienischer KriegsschararküH. Zwischen Brenta und Piave war die Artillerietätigkeit zeitweise lebhaft. E Der Chef des Eeneralstabc». 20000 Tonnen versenkt. Jilpun-'- r vriiMiMsill' ffüii'tt! niifi (fürojirt? Das „Berner Tagst!." erfährt von besonderer Seite aus Athen, durch die wiederhergestellt " Verbindungen mit Aegypten sei hier bekannt geworden daß in Tokio tatsächlich japanische Truppenverschiffnngen nach Europa erfolgen. Es handle sich um technische Spezialtrnppeu, die einen Probeiransport darstellen sollen, lieber eine reae reckste Truopenexpedition nach Europa wird in der japanischen Dresse angesichts dieser Probesendung heftig gestritten, aber es sind nur ganz wenige Zeitungen, die für die Entsendung von höchstens 6—8 Divisionen eintieten. Die große Mehrheit der japanischen Presse lehnt überhaupt jede Beteiligung Japans am Landkrieg entschieden ab. Berlin, 7. Jan. (WTB. Amtlich.) Neue U-Booterfolge . im Sperrgebiet um England: 20.000 Brirttoregistertonnen. ^ Von den Schiffen wurde der größte Teil an der Westküste \ Frankreichs, der Rest im Sperrgebiet um England versenkt. Zwei große, fck)wer beladene Dampfer wurden in geschicktem Angriff aus demselben Geleitzug herausgeschossen. Unter den übrigen Sckiffen könnte der englische Dampfer „Nyanza" 6695 Tonnen/ festgestellt werden, der vollbeladcn nach Eng- and bestininlt war. Der Chef des Ad m i ra l st a b s der Marine (WTB. Nichtamtlich.) Es ist den Unterseebooten nach feindlicher Gegenwehr nicht immer möglich, nach erfolgten! ^llst'iff Namen, Bestimmung und Ladung der betroffenen üsfe festzustellen. Diese Unmöglichkeit tritt natürlich 1 'chr pst bei heransgefckMenen Schiffen aus Geleitzügen ein. Darauf kommt es auch gar nicht an. Der Hauptzweck ist zunächst die Versenkung möglichst vielen Schiffsraumes. Lloyd George hat selbst gesagt: „Schiffe bedeuten Kanonen, Schiffe bedeuten Brot, Schiffe sind der Sieg" und in diesem Sinne haben die seit dem 1. Februar bis zum 30. November 1917 durch unsere U-Boote versenkten 8,256.000 Bruttoregistertonnen schon eine hervorragende Wirkung gezeitigt, so daß laut „Daily News" vom 4. Dezember 1917 Englands Hebensmittelkantrolleiir Sir A. Papp in einer Rede vor A>e plmißin ^Wntfn • : 'h ftfli’rr. Berlin, 8. Jan. (WTB. Nichtamtlich) Tie Mitglieder des Neaentschaftsrates des Königreichs Polen, der Ministerpräsident Kucstarzewski und die anderen Herren der pol- nifchen Deputation, sowie die Herren der Begleitung wur- den heute vormittag von Seiner Majestät dem Kaiser b Gegenwart des Reichskanzlers nnd des stellvertretenden Staatssekretärs des Auswärtigen Amts, Frhrn. von dem Bussche-Haddenhausen, empfangen. Bei dem Empfang richtete Fürst Lubomirski namens des Regentschaftsrates folgende Ansprache an. Seine Majestät den Kaiser: Kaiserliche und Königliche Majestät! Wir sind glücklich darüber, daß es uns vergönnt ist. Ew. Kaiserlichen Majestät heute persönlich unsere tiefste' Verehrung aussprechen zu dürfen und unsere tief empfundene Dankbarkeit für dieAkte anszudrücken, die unseremVaterland das staatliche Leben in Gesta't einer unabhängigen polnischen Monarchie wiedergegeben haben. Unverbrüchlich vertrauen wir darauf, daß Ew. Majestät angesichts der großen, ihrer Lösung harrenden Aufgaben, das begonnene Werk geschichtlicher Gerechtigkeit in Gemein* ftfxift mit dein erlauchten Verbündeten glorreich vollenden werden und dem entstehenden Staat durch Schaffung der für seinen dauernden Aufschwung erfordert ickien Lebensbedingungen Allerhöchst Ihre mächtige Hilfe angedeihen lassen werden. Wir sind auch fest davon überzeugt, daß nach Festlegung und Verwirklichung der dem polnischen Staat zustehenden Rechte, wir Po'en gemeinsam mit der deutschen Nation die großen Ziele verfolgen werden, die das Wohl der MenschheiL und den allgemeinen Frieden verbürgen. Wir wissen, daß Ew. Kaiserlick)s Majestät, die großen Aufgaben der Zukunft mit ihrem tiefen und schaffenden Geist überiehend, dem deutschen Volke ein Führer auf dem Wege fein werden, dessen Ziel das friedliche und segensreiche Zusammenwirken ist. In dem wiedererstandenen Vaterland werden wir die Bekenner dieser Grundsätze sein. In der erhabenen Person Ew. Kaiserlichen Majestät erblicken wir aber und begrüßen wir den Vorkämpfer und den Hort derjenigen Grundsätze, welche die We't beherrschen und allen Schichten der menschlichen VolkSgcmeinsckiaften Glück und Segen bringen sollen. Seine Majestät der Kaiser antwortete hierauf: Hechwürdige und erlauchte Herren des Regentschastsrates! Es gereicht Mir zur aufrichtigen Freude, Sie als die berufenen Vertreter des polnischen Staates in Meiner Hanpt- unü Residenzstadt begrüßen zu können. Mit lebhafter Genugtuung entnehme Ich aus Ihren Worten, daß Sie in den von Meinen hohen Verbündeten und Mir vollzogenen Akten die Erfüllung des lang gehegten Wunsches des pol. uifchen Volkes auf Wiedererrichtung eines fe bftändigen Königreichs Polen erblicken und daß Sie glauben. Ihrem Vaterlande am besten zu dienen, wenn Sie in Gemeinschaft mit dem Deutschen Reicks und österreichisch-ungarischen Monarchie die Ziele verfolgen, die das Wobl der Menschheit und das friedliche Zusammenwirken der Völker verbürgen. Gegenüber den Verunglimpfungen der Feinde empfinde Ich es mit Dank, daß Sie meinem unab'ästigen Bemühen, in einer bald 30jährigen Regiernngszeit ein Vorkämpfer und Schirmer dieser 'Grundsätze zu fein, tiefes Verständnis entgegenbringen. Möge es Ihnen, hochvürdige und erlauchte Herren, veraönnt fein, in erfolgreicher Arbeit dem polnischen Staate die Grundlagen zu geben, die feine friedliche Weiterentwicklung als ein Element der Ordnung, des Fortschrittes und der Kultur gewährleisten. Meiner und Meiner Regierung vollen Unterstützung können Sie hierbei versichert sein. • Im Lanke des Vorinittags machte der Regentschaktsrat mit dem Ministerpräsidenten und dem Chef des Zivil- kabinetts, Prälaten Chelmniki, eine Reihe von Besuchen. Gestern nachmittag fand eine Konferenz mit dem Reichs« kanzler statt, über deren Verlauf die polnischen Herren sehr zufrieden sind. Abends fand großer Empfang beim Reü?ss« kanzler statt. Heute früh empfingen die Herren eins Abordnung der polnischen Fraktion des Deutschen Reichstages he WiidttMrg und Meudorff iräfiw«! Die „Magdeburgische Zeitung", ein nationalliberales Blatt, das mit Bethmann durch dick und dünn gegangen war und bis lang nicht dem rechten Flügel seiner Partei zugezählt werden konnte, bringt — auch ein Zeichen der Zeit — unter dem Stichwort „Hie Hindenburg und Ludendorff allewege!" einen kraftvollen Artikel, der also schließt: Es kann daher nicht wundernehmen, wenn die Gerüchte über tiefgehende Meinungsverschiedenheiten zwischen der Obersten Heeresleitung und dem Staatssekretär von Kühlmann sich immer mehr verdichten. Vielleicht wird schon in kürzester Zeit die Frage zur Entscheidung stehen, wer von seinem Posten wei- chen muß. Ohne vertrauensvolles Zusammenarbeiten der Heeresleitung mit dem Auswärtigen Amte ist ja die Herbeiführung eines guten Friedens undenkbar. Sollte wirklich eine Einigung nicht mehr möglich sein — wir glauben nach allem, was geschehen ist, nicht mehr daran — und die obige Frage in ganzer Schärfe gestellt werden, so kann es darauf nur eine Antwort geben: Hindenburg und Ludendorff sind die Männer, zu denen da» ganze deutsche Volk mit einer Zuversicht emporblickt, wie zu kei. nem anderen militärischen oder politischen Führer. Sie sind «n» die Verkörperung des Deutschtums im Weltringen. Ihr Aus scheiden würde im Reiche wie in der Welt als die Kalustrvphe unseres Vaterlandes aufgefaßt werden, als ein Eingeständnis unserer Niederlage. Die Folgen wären unabsehbar. Deshalb kann und wird davon nicht die Rede sein. Andererseits aber muß man hoffen und fordern, daß der j^onftikt sich schnell nnd in Hwer Weise lösen wird, die uns vor inneren Erschütterungen be- tt-djrt. Ob dazu nötig wäre, wie manche meinen, daß die militätische und politische Leitung in eine Hand vereinigt werden, möchten wir im Augenblick dahingestellt sein lassen. Keinesfalls darf an irgendwelchen Schwierigkeiten, die zu beseitigen in menschlicher Macht liegt, das große Werk scheitern: aus Deutschlands siegreichem Schnffelskainpf die Früchte der Zukunft iu ziehen! » , A* - A. _ P \ J f \ r Kiaknlnirg iiiD - -nkrff okr kr Km V. SiillillUßllif. Die . Leipziger N. Nachrichten" bsschäftigen sich mit den Vorgängen der letzten Tage und beleuchten dabei insbesondere die Tätigke-it des Herrn von Kühlmanir. Wir lesen: Wer ist doch dieser Herr von Kühlmann, der — zum andern Male, eine Krise von unübersehbaren Folgen heraufbeschworen hot. Als er das Erbe Zimmermanns antrat, wurde ihm weni • Erfreuliches nachgesagt. Er war pflichteifriger Mitarbeiter und Mentor Lichnowskys bei den Bethmannfchen Verständigungs-- bestrebungen in London und hatte vom Haag aus gegen den uneingeschränkter U-Vootkrieg gearbeitet und in Konstantiuopel nach Kräften dazu beigetragen, das Vertrauen in die deutsche Bundestreue zu erschüttern. Also belastet ging er in die Wilhelmstraße an die Arbeit, der Welt den Frieden zu schaffen, technische Fähigkeiten brachte er mit. Er verstand es glänzend, die Demokraten des Reichstages einzuseifen, und hatte auch in seinen Reden ein annehmbares Kaliber, aber ein starkes Mißtrauen gegen euien Mann von solcher Vergangenheit blieb doch bestehen, und man fühlte, obgleich er sich schwer in die Karten seben ließ, nur zu bald, daß er die Folgen der englischen Krankheit immer noch mcht überwunden hatte. Vorsichtig baute er seine Steine auf. Er übernahm, als er fein Amt antrat, die bindend* Verpflichtung, die von der Obersten Heeresleitung im Osten für unbedingt notwendig gehaltenen Erenzsicherungen den Russen abzuhandeln. Später mußte er sich freilich ziemlich drin, gend daran erinnern lassen Auf seinen Wunsch wurde darauf unser Mindestprogramm noch etwas eingeschränkt, aber das wollte er dann auch ganz bestimmt durchsetzen. Mit dieser Zusage ging er nach Brest als deutscher Vertreter in der stärksten Stellung, die sich ein Unterhändler nur wünschen kann. Durch thre Siege hatte die deutsche Heeresleitung ihm die Wege geebnet. Er wußte, daß die Russen militärisch bis zur Vernichtung geschlagen sind, er wußte, daß sie überhaupt nicht mehr imstande find. Widerstand zu leisten, daß ihre Trupven ihnen einfach da vonzulaufen drohten, während wir noch Truppen genug haben, vm jederzeit die Offensive wieder aufnehmen zu können. Trotz aller schönen Worte Lenins und Trotzkis hätten fie sich unseren Forderungen fügen müssen. Wir hatten ihnen geradezu die Bedingungen diktieren können. Und was hat Herr von Kühlmann daraus gemacht? Erst ließ er sich vom Grafen Czer- nin einwickcln und auf ein unrühmliches Verztchtprogramm feft- nageln Dann ließ er sich von den Russen die Führung der Verhandlungen völlig aus der Hand nehmen und auf den Boden des phrasenhaften Selbstbestimmu nosrechtes der Völker drängen. So kam er zurück, eigentlich mit leeren Händen, jedenfalls ohne die militärischen Sicherungen, die die Oberste Heeresleitung als vnentbohrlich bezeichnet hatte und die aus der Rede Bethmanns vom Dezember 191b als die ..Einfallstore", die nicht in F.in- dcshand bleiben dürfen, bekannt sind. Wgs er mitbrachte, waren Redensarten, die wohl seinen demokratischen Bewunderern im Reichstag- eingingen, die aber trotzdem von den Rust fen nicht einmal zugestanden waren. Mit leeren Händen ist Herr von Kühlmann nach Berlin gekommen. Selbst die geringen militärischen Sicherungen, die von der Obersten Heeresleitung für unerläßlich gehalten wurden. hat er nicht herausfcblagen können. Aber im Rate der Krone ist er Sieger geblieben und beackert uns nun als letztes die Möglichkeit, daß deshalb Hindenburg und Ludendorff von der Leitung des Generalstabs zurücktreten. Der Kaiser ist damit vor eine folgenschwere Entscheidung gestellt, doch kann ihm die Wahl nicht schwer fallen. Was Blücher und Eneisenau den Preußen der Befreiungskriege waren, das sind uns Deutschen von heute Hindenburg und Ludendorff. Feldherrnoenies wie fie werden im Jahrhundert nur einmal geboren, und ein Volk, das um sein Leben ringt, hat ein Recht auf ihre unersetzliche Leitung." Eine neue Knnzkerlnife? Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt unter der Ueberschrif „Fortdauer der Krise" in Sperrdruck folgendes: Die Gefahr de Verlustes der beiden Männer, auf die allein das gesamte deutsch Volk mit unbeschränktem Vertrauen sieht, ist noch nicht beseitigt In politischen Kreisen glaubt man. daß auch der Kanzler sei, Weiterverbleiben im Amt von der Weiterführung des Heere» durch Hindenburg und Ludendorff abhängig gemacht habe. Da mit wäre die Frage Kühlmann lediglich eine Personenfrage ge worden. Hier arbeitet man von gewisser Seite darauf hiw ba] Fürst Vülow die Fuedensverhandlungen an Stelle des Herr, von Küblmann übernehmen solle. Da man aber ein Nebenein anderarbeiten des Fürsten Bülow und des Grafen Hertling rüi unmöglich hält, so bedeutet die Unterstützung einer solchen Lö sung zugleich em Unterminieren der Stellung des Grafen Hert ling. Besonders bemerkenswert ist es. daß man den Gedanker einer solchen Lösung dem Abgeordneten Erzberger zuschreibt Das wirft interessante Streiflichter auf die Stellung des Ab geordneten Erzberger und des von ihm geführten Teils des Zen trums zum Grafen Hertling. Die Uebernahme der Friedens Verhandlungen durch den Fürsten Bülow wäre» abgesehen vor grundsätzlichen Bedenken in diesem Fall um deswillen mit gan l^fonderem Mißtrauen anzusehen, als Fürst Bülow dann ab Kandidat des Abgesrdttten Erzberger ans Ruder gelanget ' w ü rd e , x * y -g ■ v" -sh * ~ \ _i V .l £ I I ^ r --r V 1 ’S«c \ 9L * i» /Die Frirdensverhandlungen. Berlin, 9. Jan. (WB.)' Ein Funkentelegramm aus Petersburg vom 6. Januar 1918, 9 Uhr .15 Minuten vormittags „An Alle" besagt: Lloyd George äußerte sich in dem Sinne, daß Rußland erst seine Grenzen mit Deutschland und Oesterreich-Ungarn festsetzen müsse, ehe von Verhandlungen über einen allgemeinen Frieden die Rede sein kann. Die Publizisten der Ententeländer weisen mit größerer oder geringerer Aufrichtigkeit darauf hin, daß es für die Alliierten vorteilhafter sein werde, Friedensverhandlungen ohne Rußland zu führen da Rußlcnrd jetzt an dem allgemeinen Unternehmen nur mehr mit negativem Kapital beteiligt ist. Wenn in diesen Aeußerrrngen ein Umschwung zu verzeichnen ist so nur nach der Seite größerer Aufricht'igkeit. Die Alliierten halten es für vorteilhafter, den Deutschen die Abrechnung mit Rußland vorläufig allein zu über'assen. Deutschland soll sich aus der Linie des geringsten Widerstandes auf Kosten Rußlands entsLädigen. Je größer eine Entschädigung im Osten ausfällt, um so leichter wird es dann den alliierten Regierungen sein, sich mit den Deutschen im Westen zu einigen. Selbstverständlich könnten die Alliierten die gleichen Resultate auch auf dein Wege eines allgemeinen Friedens erzielen. In diesem Falle wäre es aber allen klar, daß die Alliierten Po'en. Litauen. Kurland und Rumänien bewußt verraten und diese Länder als Münze zur Begleichung ihrer Rechnung mit Deutschland benutzt haben. Für die Alliierten gibt es aber einen viel bequemeren Weg, Rußland zu einem Sonderfrieden zu veranlassen. Sie werden den Deutschen erlauben, die Letten. Litauer und Polen zu ver- gNvaltigen, um nachher nicht nur diese Vergewaltigung enszunntzen, sondern auch die Verantwortung dafür vor ihren eigenen Vö kern abzulehnen. Ties der Plan der Entente. Hoffnungsvolle Auffassung in Petersburg. Die „Prawda", das Organ Trotzkis, berichtet, daß die Aussichten für einen befriedigenden Abschluß der Friedensverhandlungen sich wieder gebessert haben. Trotzki verfüge über sämtliche Vollmachten, um einen Frieden zu schließen. Ter voraussichtlich am 18. Januar zusammentretenden ver- faffnngsgebenden Versammlung würden positive Ergebnisse vorgelegt werden können. Die ukrainische Delegation. Berlin, 7. Jan. (WB.) Wie wir erfahren, werben in Vrest-Lrtowsk aus der Ukraine noch weitere Delegierte und Hilfskräfte erwartet. Als Führer der Delegierten wird der Minister für Handel und Gewerbe Herr Golnbowitsch ein- treffen. Ferner erwartet man noch den Rittmeister Georg Ritter von Gassenko, den persönlichen Adjutanten des Kriegs- Ministers. Als militärische Mitglieder der Delegation trafen ferner die Herren Grigort Lyssenko (Bataillons- kommandenr). Nikita Knrenko und Wladimir Radzijewski (beide Kompaanieführer) ein. Als Beirat in ökonoinischen Angelegenheiten wird Herr Sergei Ostapenko fungieren. Endlich werden auch die Herren Sgnatienko, Fried. Schadarenko, Tschernemocski, Kabarewski und Komalski erwartet. England krkennt Finnland an. Stockholm, 7. Jan. (WTB) Nach einem Telegrcnmn aus Helsi.ngfors hat auch der geschäftsführende Ausschuß des Sowjets von Petersburg die Selbständigkeit Finnlands anerkannt. (Ein Gruß kg istiik'iagsalisjchulfts an stlUllM. Berlin. 8 Jan. sWTB. Nichtamtlich.) Die heutige Sitzung des Hauptausfchusses dcs Neichstages wurde mit einer Ansprache des Vorsitzenden Abg. Fehrenbach eröffnet, in der er ausführte: Mit Befriedigung begrüßen wir es. daß die Bevölkerung Finnlands nach schweren und langen Kämpfen die Selbständigke't errungen und seine Anerkennung durch Rußland. Schweden und das Deutsche Reich gefunden hat. Wir bringen dem Lande unsere besten Glückwünsche entgegen und hoffen und wünschen, daß zwischen Finnland nnd dem Deutschen Reiche gute dauernde Beziehungen. insbesondere auch auf wirtschaftlichem Gebiete, an- geknüpst und gepsleat werden. Nach diesen mit Beifall aufgenommenen Ausführungen wurden die gestern abgebrochenen Beratungen fortgesetzt. Flf Sf’büiinkirk t kr IHrrainr. Bern. 7. Jan. Die Entente hat beschlossen, die Unabhängigkeit der Ukraine anzueckennen. Die Rada wird von einer nach Kiew entsandten gemeinsamen Vertretung von dieser Entscheidung feierlich verständigt werden. Snchanan. Paris, 8. Jan. Der Petersburger Korrespondent der Agentur Radio berichtet unter dem 5. d. M. über eine Unterredung mit Sir Buchanan. Sir Buchanan sagte über einen eventuellen Bruch zwischen Rußland und den Verbündeten: Don einem Bruch zwischen Rußland und den Alliierten ist dringend abzuraten, denn abgesehen davon, daß durch einen solchen Bruch die Lage der Alltiecten sehr erschwert würde, ist unser Verbleiben hier von höchster Wichtigkeit. Wir müssen hier bleiben, und sei es auch nur, um durch unsere einfache Gegenwart unseren Feind daran zu hindern, aus Rußland eine deutsche Kolonie zu machen.^ , 1 v* ' >. ^ Die Tschechen. Prag, 7. Jan. Gestern fand hier die angekündtgte Ver- semmlung aller tschechischen Reichsratsabaeordneten und Land- - tugsmitglreder von Böhmen. Mähren und Schlesien statt, aq der auch die amnestierten Abgeordneten Kramarsch, Raschin un- andere tetlnahmen. Die Versammlung beschloß eine große Kundgebung an die Nation, die vorderhand von der Zensur zw rückgehalten wird. Es wird darin nochmals die Errichtung des selbständigen tschechischen Staates gefordert und gegen die Auf. ' fassung des Eraicn Czernin über das Selbstbestimmungsrecht* der Nationen protestiert. Die Kundgebung wurde unter Absingen der Ifchechlfchen Nationalhymne einstimmig beschlossen. Die teschechischen Kriegsinvaliden hielten hier gestern eine Versammlung ab. in welcher beschlossen wurde, den Ruf nach Beendigung des Krieges zu erheben und gegen den leidenschaftlichen Fanatismus, der zur Fortsetzung des Krieges bis zum vollständigen Sieg aufruft, zu protestieren. Die Versammlung erklärt den Beitritt aller tschechischen Kriegsinvaliden zur Kundgebung der tschechischen Abgeordneten im Reichsrat vom 30. Mai 1917, die den selbständigen tschechischen Staat forderte. Frredcnsströrmtn cn in Amerika. Bern, 8. Jan. (MTB. Nichtamtlich.) Die ..Morning Post" berichtet aus Washington: In Amerika setze überall eine starke Strömung zu Gunsten des Friedensschlusses ein. die von ..Pazifisten. Sozialisten, deutschen Agenten (natürlich. Die Red.) und Verrätern" gefördert werde. Cie argumentieren, daß Deutschland eine aufrichtige Friedensbeceitschaft bewiesen Hobe und daß, wenn Rußland imstande sei, mit Deutschland Frieden zu schließen, es auch den Alliierten unter Führung von Wilson möglich sein sollte, mit Deutschland zu einer für alle Teile gerechten Verständigung zu kommen. Der Berichterstatter fügte hinzu: Der Ernst der durch die russisch-deutschen Friedensverhand« lungen herbeigeführten Lage werde in Washington voll gewürdigt. Zweifellos würden die Alliierten gegen die „hinterlistigen Intrigen" Eegenmaßregeln ergreifen. Die Dede Klnyd Georges. Im „Vorwärts" wird gesagt: Die Rede Lloyd Georges mußte, um den englischen Arbeitern zu gefallen, so gehalten sein, daß sie in einzelnen ihrer Teile den Beifall auch der deutschen Arbeiter finden konnte. Es hieße die Klugheit der englischen Arbeiter unterschätzen, wenn mann ennehme. daß ihnen der Widerspruch entgehen könnte. Wenn George von dem Unrecht von 1871 spricht und „Elsaß-Lothringen" zwei französische Provinzen nennt, so vergißt er hinzuzufügen, daß diese einst französischen Provinzen fast ausschließlich von Deutschen bewohnt sind. Die Bolschewik! haben mit einem Großmut, die Bewunderung verdient, Finnen. Letten, Litauern, Polen und Ukrainern das Recht auf Loslösung vom russischen Reiche zugestanden, daß sie aber das Recht auch Teilen des großrussischen Volkes zugebilligt hätten, wird nicht berichtet. Die Elsaß-Lothringer sind in der Staatlichkeit des deutschen Volkes keine Fremdvölker und es wäre ein schlimmes Unrecht, fie jetzt durch kriegerische Gewalt unter eine nationale Fremdherrschaft bringen zu wollen. Der Eindruck in Wien. Wien, 7. Jan. (WTB.) Die Blätter erklären übereinstimmend. daß Lloyd George in seiner Kriegszieirede wie ein Sieg-r zu Besiegren gesprochen habe, ohne daß hinter den Ueberhebungen des englischen Premierministers irgend welche militärische Kraft zu sehen sei. die seinen Willen und feine Pläne der Zerlegung und Demütigung vollstrecken könnte. Die „Neue Freie Presse" erklärt: „Die Friedensbedingungen Lloyd Georges fink nichts als der in viele Worte gekletdete rücksichtslose Gedanke, daß die Macht entscheiden soll und der Krieg bis zur unzweriel« haften Feststellung des Stärkeren fortgesetzt werden müsse. Lloyd George verbürgt allen Völkern die Fre'heit. mit Ausnahme der Nationen, die sich unter seinem eigenen Joch befinden. Die Großmut, mit der er sich der kleinen Nationen annimmt, ist der Vorwand einer so ungezügelten Selbstsucht, daß niemand getäuscht wird. Diese Rede wird viel Blut kosten, es müßte denn sein, daß die englische Nation den Mann fortsendet, der ihre Würde herunterzieht, gegen keine Partei aufrichtig ist und sich sogar an dem Tage, an dem er den Krieg führt, durch die An- deutung, daß geänderte Verhältnisse auch die Bedingungen ändern nlüßtcn, als Frtedensminister für den Bedarfsfall empfiehlt" Die ..Reichspost" sagt: „Während das Weihnachtsangebot von Vrest-Litowst Grundsätze aufstellt, die Freund und Feind in gleicher Weise chelasten uno genau so von den Mittelmächten selbst Verzichte und positive Opfer verlangen, wie von der Gegenseite, ist das Friedensprogramm Lloyd Georges gegea die Mittelmächte gewendet. Ein Eroberungspian ist kein Friedensvorschlag und die Zumutung, sich berauben zu lassen, keine Einladung zum Frieden. Die Kundgebung Lloyd Georges verdient Interesse als Speisekarte eines Eroberungshungrtgen." London. 7. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Ren- t.rfchen Bureaus. „Daily Mail" schreibt: Wir müssen bis zum Ende gehen, wir haben keine Wahl. Was wir heute sagen können. ist. daß wir niemals von den bisherigen Bedingungen ab- gehen können. „Daily Expreß" schreibt: Lloyd George hat in gemäßigten, aber nicht mißzuverstehenden Worten die absolute Unzulänglichkeit der deutschen Vorschläge aufgedeckt. Die wesentliche Tatsache in der Rede ist, daß Deutschland ernst genommen wird und daß ihm die Tore geöffnet werden. Die Rede ist eine Probe auf seine Aufrichtigkeit. j lliiditritl dkg aiijiralilchrn Kabinells. Haag, 8. Jan. Reuter meldet aus Melbourne: Das' Kabinett Hughes ist wegen der Niederlage, die es bei dem Referendum über die militärische Dienstpflcht erlitten hat, zurückgetreten. Der Arbeiterführer Ludor wurde aujgesor- dert, das neue Ministerium zu bilden. km Kampf Wen leere Alliöhengraden. ; Aus dem Krtegspressequartter wird gemeldet: Die letzten Gefechtstage an der Piave haben auch ein bemerkenswertes Kuriosum gezeitigt: Den fünftägigen Kampf gegen ein unbesetztes" . den Fortgang dieser Aktion und die schließliche „Eroberung" der leeren Stellung. Dem Vorfall, der übrigens für den modernen Schützengrabenkrieg und die Schwierigkeiten der Ueberficht auf dem Vorterrain, aber auch für die Erzeugung italienischer Siegesnachrichtcn charakteristisch ist, liegt folgender Sachverhalt zu Grunde: Am 26. Dezember früh wurde unsere Besatzung aus der Dammstellung bei Zenson unbemerkt und ungehindert vom Gegner ohne jeden Verlust auf das östliche Piaveufer zurück-, genommen. Die Stege würden sodann zerstört. Dessen ungeachtet unterhielt der Gegner die ganzen folgenden Tage Artillerie- und Minenwerferfeuer gegen die geräumten Stellungen und meldet in seinem Heeresbericht vom 28. Dezember, datz er durch ?cin Minenfeuer vier unserer Stege zerstört hätte. Am 28. De'emb-?r ging sogar eine feindliche Patrouille gegen die verwaisten Stellungen vor und bewarf sie mit Handgranaten, ohne bemerkt zu haben, daß sich überhaupt niemand darin befand. Diese Tatsache wurde vom Gegner erst am 31. Dezember, also am sechsten Tage der erfolgreichen Räumung konstatiert, wie aus dem italienischen Heeresbericht vom 1. Januar hervorgeht. Dieser lautete: Bel Zenson hat der Gegner infolae unseres energischen Druckes, welcher am 28. Dezember begann und ohne Unterbrechung bis jetzt fortgesetzt wurde, in der vergangenen Nacht infolge geschickter Aktionen der eigenen Artillerie- und Jnfan- terieabteilungen nach sehr schweren Verlusten den Brückenkopf geräumt und sich auf das linke Ufer zurückgezogen. Der ..energische" Druck der Italiener hat also tatsächlich erst 24 Stunden nach der erfolgten Räumung oegonnen, „die geschickten Aktionen der eigenen Artillerie- und Infantcrieabteilungen gegen das «infame Gebiet haben Nicht weniger als vier Tage angedauert. Spanien. Die Auflösung des Cortes rückgängig gemacht. Basel, 8 . Jan. Nach einer Havasmeldung aus Madrid erklärte Garcia-Prieto, die Regierung betrachte das am 3. Januar dem Könige vorgelegte Dekret über die Auflösung des Cortes als nicht unterzeiä'net. Das Kabinett beabsichtige, dein König ein neues Dekret zu unterbreiten, damit er die Frage aufmerksam prüfen könne. rote Menetekel. Das Rovember-Dezemberheft des „Kampf", der Monatsschrift der deutsch-österreichischen Sozialdemokratie, enthält einen Aufsatz ..Würzburg und Wien" von O. B. (wohl Dr. Otto Bauer, dem kürzlich aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück, gekehrten Parteisekretär), in dem es u. a heißt: Durch eine proletarische Revolution das preußisch-deutsche Kaisertum zu stürzen, auf seinen Trümmern ein Gemeinwesen der deutschen Nation — der ganzen deutschen Nation! aufzu- richten, in ihm dir Diktarur des Proletariats herzustellen und die politische Macht zur Zerstörung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zu gebrauchen —. bas war das Ziel, das Karl Marx und Friedrich Engels der deutschen Arbeiterklasie gewiesen haben. Diesem Ziel strebten die Masten zu. die. von Wilhelm Liebknecht und August Bebel geführt, dcks große Werk der Organisierung der deutschen Arbeiterklaste begonnen haben. .... Es galt, erst die Mehrheit des deutschen Volkes für den revolutionären Sozialismus zu gewinnen, ehe der revolutionäre Kampf um die Macht ausgenommen werden konnte. So mußte sich dte Sozialdemokratie zunächst mit Werbe- und Organisationsarbeit bescheiden. Die Benützung der Wahlkämpfe zur Aufrüttelung des Proletariats, der Kampf um soziale Reformen auf dem Boden des Reichstages, der Landtage und der Gemeindevertretungen . . .. der Aufbau einer gewaltigen .-Partei- organifatron und Parteipreste — all dies galt den Alten nur als etn Mittel, die Mehrheit des deutschen Volkes mit proletarischem Klasienbewußrjein und revolutionärer Kampfbereinchak! zu erfüllen und dadurch die proletarische Revolution vorzubereiten. Aber . . . was ursprünglich nur als Mittel gedacbt war. wurde allmählich zum Selbstzweck . . . Nichts blieb von ihm (dem revolutionären Sozialismus) übrig, als der alte revolu- \ Monere Wortschatz, aus dem die Redner und Schriftsteller der ^ Partei volltönende Schlußphrasen für ihre Reden und Artikel j schöpfen . . . Das Erbe des Sozialismus zu verwalten, das den Reformisten unvermeidlich entgleiten muß, ist die Funktion der Unabhängigen Sozialdemokratie? . . . Vorübergehend kann sich die Scheidemännerei als brauchbares Mittel bewähren, Demokratie und scziale Reform ein Stückchen Weges vorwärtszubrin- gen. aber in wenigen Jahren wird sie . . scheitern. Dann werden sich die Arbeiter. . . zurückwenden zum alten revolutionären Sozialismus. Dann kommen die Tage der Unabhängigen Sozialdemokratie . . . Die Geschichte braucht heute in Deutschland vielleicht zwei Arbeiterparteien, von denen jede ihre besondere Funktion zu erfüllen hat. Dre eine, den Machtverhaltnisten der Gegenwart angepaßt, dient den kleinen Bedürfnisten des Tages, die andere ist die Sendbotin der großen Zukunft. Jene mag ein paar kleine politische und soziale Reformen bescheren, diese bildet die Kadres, die in der Zeit der großen Mobilmachung der proletarischen Kräfte die Maste der Arbeiter stillen wird . . . Wie man sieht, bemerkt dazu der „Bayerische Kurier", macht der Mann aus seinem Herzen wenigstens keine Mördergrube. Ob nach diesen offenherzigen Auslastungen nicht manchem unter uns die Augen aufgehen werden? Wir fürchten: Nein? Blindgeborene bleiben eben in der Regel blind? Witwe Mllmenlarilihe Keaien»- pifiank kam. Wir lesen in der „Franfnrter Zeitung": Stuttgart, 7 .Jan. Auf der Landesversammlung der Fortschritt ichen Volkspartei Württembergs teilte der Abg. Konrad Haußmann den bisher noch nicht veröffentlichten Wortlaut des Schreibens mit, das der interfraktionelle Aus- sckruß vor der Berufung des Reichskanzlers Grafen Hertling an den Kaiser gerichtet hat. Das von Beauftragten der Zenttumspartei, der Fortschrittlichen Volkspartei, der iDo-ialdemokratie und der Nattoualliberalen im kais erlichen Zivilkabinett überreichte und erläuterte Schrftstück, da§ geschichtlichen Wert hat, lautet: „Nach Rücksprache von Vertretern verschiedener Parteien des Reichstages mit dem Herrn Reichskanzler über die gesamte äußere und innere Lage sind wir gemeinschaftlich zu folgender Auffassung gelangt: Sollte Se. Majestät der Kaiser zu dem Entschlüsse kommen, einen Kanzlerwechsel eintreten zu Lassen, so dient es dem höchsten SLaatsinteresse. für ruhige'innerpolitische Entwick ung bis Kriegsende volle Geivahr zu schaffen. Nur hierdurch kann diejenige Geschlossenheit hergestellt werden, deren das Volk in Waffen und in der Heimat dringend bedarf. Der Weg zu diesem Ziel ist eine vertrauensvolle Verständigung über die äußere und innere Politik des Reiches bis zum Kriegsende. Tie innerpositischerr Schwierigkeiten der letzten Monate sind auf den Mangel einer solchen Verständigung zurückzuführen. Se. Majestät den Kaiser bitten wir daher vor der von ihm zu treffenden Entschließung die zur Leitung der Reichsge- ichäfte in Aussicht genommene Persönlichkeit zu beauftragen, sich mit dem Reichstage zu besprechen." Wie man S 1 »mmn«q fallcht. Aus dem Hrmdwsrkskasten der „Frankfurter Zeitung". Einen ungemein lehrreichen Einblick in das Treiben gewisser Flaumacherkreise bietet ein Blatt der „Innsbrucker Nachrichten" vom 10 . November 1917, das uns heute erst zugeht. Dort Heis t es: Die .Frankfurter Zeitung" versetzt in einer ihrer letzten Nummern ihren Lesern folgende Meldung: In Wien trafen aus Tirol Meldungen von außerordentlichen Friedenskundgebungen ein, die man nur versteht. wenn man die leidenschaftliche Hermat liebe dieses Volkes kennt, das zwei Jahre hindurch die Wacht an den eis- bedeckten Höngen seiner Berge gehalten hat und keiner U-eb erweckt gewichen ist. Zu dieser Meldung möchten wir nur bemerken, daß, wenn es in Tirol wirklich zu solchen außerordentlichen Friedenskundgebungen gekommen wäre, wir dach auch davon wissen müßten. Und zwar viel eher als die Herren der..Frankfurter Zeitung"! Weil uns nun aber nichts bekannt wurde, müsten wir d*e rc-llständiq aus der Luft gegriffene Behauptung des in feiner Haltung zur Friedenskrage sattsam genug bekannten Blattes mit aller Entschiedenheit zurückweisen, da sie in ihrer tendenziösen Aufmachung geeignet ist. die gewiß opferfreudige und vaterlandstreue Haltung des Tiroler Volkes bet unseren Verbündeten und im übrigen Auslände in argen Mißkredit zu bringen. Diese Feststellung des Innsbrucker — übrigens gut katholischen — Blattes. Herr Erzberger' spricht für sich selbst. Den in die Arbeitsmethoden unserer Flaumacher Eingeweihten wundert sie nicht sonderlich. Immerhin wird man sich gelegentlich dieser Art. den Siegeswillen zu stärken, gern zu erinnern haben. Gin Ur?aiibrrrng «mnutlfidtf. Landau, 8. Jan. (WB. Amtlich.) Vergangene Nacht um 11^2 llbr ist zwischen Kaiserslautern und Homburg, vor Station Brnchmüh bach, bei starkem Schneegestöber ein Nr- lauberzug auf einen Güterzug aufgefahren. Von den Jn- sasten des Nrlauberzuges sind nach den bisherigen Feststellungen 12 getötet und 87 teilweise schwer verletzt worden. Hilfszüae gingen sofort von Homburg und Kaiserslautern ab. Die Verletzten wurden in Brnchmühlbach. Mieskau und im Reserve'azaretk untergebrgcht. Die Namen der Toten werden baldmöglichst veröffentlicht werden. Witter nmsvrrlarrf im Jahre 1ll17 Von der Witterung ist zum guten Teil die Güte die Fruchtbarkeit eines Jahres abhängig Welche Bedeutung sie für das Wohl und Wehe eines Volkes hat, ist uns in diesen Kriegsiah- ren wiederholt vor Augen gestellt worden. Im allgemeinen kann man sagen, daß das Jahr 1917 günstige Witterung gehabt hat. Einzelne Jahreszeiten hatten einen ganz besonders ausgeprägten Charakter Es traten während des Jahres zwei recht strenge Wtnterperioden auf. im Januar-Februar und im Dezember: anderseits entwickelten mehrere Sommermonate einen bettächtlichen Neberfchuß an Wärme. Die drei ersten Monate des Jahres, besonders aber der Februar, waren recht winterlich und um 2—4 Grad zu kalt. Mit dem April setzte ein kurz-r Frühling von kaum vier Wochen ein, der mit dem 1. Mai plötzlich in den Sommer überging. Mai und Juni, später wieder September waren richtige Sommermonate mit viel Sonnenschein und Wärme: der Juli hatte zwar sehr viele schöne Tage, war aber ziemlich kühl, während der August bet normaler Wärme durch viel Regen ausgezeichnet war. Von den restlichen drei Monaten war der November trocken, dabei recht mild, der Dezember um fast 4 Grad zu kalt. Bet dem auffallenden Her- vcrtreten der Gegensätze 45 Sommertage, 34 Wintertage, hoher Wärmedurchschnitt im Sommer — bedeutender Kälteüberschuß im Wurter. hat man trotzdem den Eindruck, daß der Jahrgang normal gewesen ist. Die ersten sieben Monate des Jahres waren durchweg mehr oder weniger regenarm, am empfindlichsten war das ui den warmen Schönwetterperioden vom Mai und Juni, später nochmals im September spürbar. Wären zu Ende Junt und Jnfang Juli nicht mehrere starke Gewitterregen gefallen, so wäre im Juli eine recht empfindliche Trockenheit eingetreten. Dieser Gefahr wurde jedoch durch die fast täglich erfolgten ausgiebigen Regenfälle im August gründlich abgeholfen. An Ge. wittern war das Jahr sehr reich: an 48 Tagen konnten deren 56 beobachtet werden. Wintergewitter kamen nicht vor. Die viel gefürchteten Grenzlage für Frost (27. April der letzte und 25. Oktober der erste) und für Reif (7. Mai. und 17. Oktober) haben weder im Frühjahr noch im Herbst irgendwelchen Schaden angerichtet. Der Jahrgang 1617 war für unser Land gut. In erster Linie hat sich die alte Wetterregel: „Späte» Frühjahr bringt ei» fruchtbares Jahr" vollauf bewährt. Htrea ger M in- 1 er jchadet Jer Errtfattung -er Pfta-izen nicht, wenn sie im Herbst genügend anszereift sind, tagsgen ist ein warmer Sommer ihrem' Gedeihen außerordentlich forderlich, besonders wenn es nid* 1 an der nötigen Durchfeuchtung fehlt. Möge das Jahr 1918 einen ebenso günstigen Verlauf nehmen wie sein Vorgänger! Ans der Heimat. H Mberttsiher Verband. Es wird besonders darauf auf< merksam gemacht, daß die Zusammenkunft am Donnerstag, den 10 . d. 2JL, um 7 % Uhr stattfindeL. OrtskohLen stelle. Für alle, diejenigen, welche bei der ersten Ausgabe von Bezugscheinen für Preßsteine nid# berücksichtigt werden konnten, erfolgt die Aushändigung der Bezugscheine im Laufe der nächsten Wwhe. Nähere Bekanntmachung erfolgt noch. Ankauf von Hausschchchtuugsschivciucn. In vertu ie- denen Gegenden der Provinz ist die irrige Auffassung verbreitet, als ob die Hautzschlachtting von Schweinen freigegeben sei und ob ohne kreisamt iche Genehmigung geschlachtet werden könne. Das Gwßh. Kreisamt warnt vor der Weiterverbreitung dieser falschen Auffassung und teilt mit, daß die gesetzlichen Bestimmungen in keiner Weise aufgehoben sind und nach wie vor Hausschlachtungen nur mit kreisamtlicher Genehmigung vorgenommen werden dürfen. Ebenso besteht das Ve.^t des Ankaufs von Hausschlach-^ tungsschweinen zu Recht. Ein Ankauf von EmlcgesckMeinen ist jetzt überhaupt nickst mehr möglich, da alle anderen Schweine beschlagnahmt sind. Bad-Narrheim. Kammermusikabend im Kurhaus. Der Solistin dos Abends Frau Baumeister-Jakobs, Darmstadt' stellen vorliegenden Kritiken aus Magdeburg und Darmstadt, ein g'änzendes Zeugnis aus. Man ist begeistert über ihre prachtvolle Altstimme und den durchdachten Vortrag. Am' Donnerstag Abend ist allen Kunstfreunden Gelegenheit geboten die Bekanntschaft dieser hervorragenden Sängerin zu erneuern. Frau Baumeister-Jakobs sang bekanntlich am 7. Juni 1914 im Konzerthaus die Altpartie in Beethovens Neunter. Der Besuch des Konzerts dürfte umsomehr 311 empfehlen sein, da auch der instrumentale Teil einen großen Genuß verspricht. Ober-Erlendach. Am 11. Januar feiert unser Bürgermeister Karl Klimm sein Sbjahrtges Bürgermeisterjubiläunui - Die lange Amtszeit ist an und für sich schon ein Beweis dafür,' wie Bürgermeister Klimm es versteht, die Interessen feinem Wähler zu wahren, hat doch keiner seiner Vorgänger länger als, eine Amtsperiode das Eemeindefchifflein gelentt. Die Gemeinde^ erhielt während der Amtszeit des Jubilars etn neues Schulbau» mit Lehrerwohnung, die Zahl der Schulstellen und Lehrkräfte hat sich verdoppelt, dle Hauptstraße wurde mit besten Quadersteinen gepflastert, andere Sttatzen wurden umgepflastert, elektrische Beleuchtung eingerichtet und andere Errungenschaften der Neuzeit der Gemeinde nutzbar gemacht. Die Einrichtung einer Wasserleitung ließen finanzielle Rücksichten auf die Gemeinde- steuerzahler nicht ernröglichen. Im Kirchen- und Schulvorstand war der Jubilar ein verständnisvoller, treuer Mitarbeiten. Die Gemeinde wünscht ihrem Oberhaupt eine weitere gesegnete Tätigkeit zum Besten des Ganzen wie für jeden Bürger, dem der Jubilar stets mit Wort und Tat zur Seite zu stehen bereit ist. Seine Tätigkeit in der Krieqszett fand verdiente Anerkennung durch Verleihung des Hessischen Kriegsehrenzeichens. Aus Starkenburq. FC Bensheim, 7. Jan. Der 65 Jahre alte Landwirt Phil? j Rettig 3. dahier wurde beim Rübenholen aus der Grube durch Einsturz der Erdinasse verschüttet und getötet. Ans Hessen.Nassau. FC. Wiesbaden, 7. Jan. Unter dem Vorsitz des Geheimen, Konsistorialrats Jäger-Bierstadt fand hier die Generalversammlung des Hilfsvereins für elternlose, nicht mehr pensioncbercch- tigte leoige Töchter evangelischer Geistlicher des Konsistorial- bezirks Wiesbaden statt. Aus dem Bericht, den der Vorsitzende erstattete, sei hervorgehoben, daß die Zahl der ordentlichen Mitglieder 121 betrogt, darunter 12 Pfarrerwitwen. Nicht ganz ein Drittel der Pfarrer des Konfistorialbezirks gehöre demnach nur dem Hilfsverein an. Die Jahrespräbende, zu der 82 Pfarrers- töchter berechtigt find, wurde für 1917 von 60 auf 75 Mark erhöht. Dem Vorstand wurden außerdem 3000 Mark für beson. dere Notstände zur Verfügung gestellt. Sofort hat dieser davon über 2000 Mark verteilt, sodaß sämtliche Unterstützungsgesuche' bedacht werden konnten. Das Lulsenstift in der Kapellensttaße^ dahier, in dem zehn Stiftsdamen leben, ein Werk des verstorbenen Verlagsbuchhändlers Kreidel. verlangte im abgelaufenen Jahre einen Zuschuß von 1560 Mark aus der Vereinskasse infolge der herrschenden Teuerung, da es durch dte eigenen Einnahme» nicht mehr allein bestehen konnte. FC. Erbenhcim, 7. Jan. Kam da eines Tages urplötzlich« der Revisionsbeamte zum Bäckermeister Weiß in Erbenheim und fand 32 der schönsten Kuchen vor. die von dortigen Einwohner« zum Backen dorthin gebracht wurden und beschlagnahmte sie samt und sonders erbarmungslos. Wie etn Lauffeuer verbreitete sich der Vorfall in dem Dorfe. Im Sturm liefen darob die empörten Bewohner in die Bäckerei und acht Erbenheimern gelang es,' ihre Kuchen wieder zu erwischen. Deshalb mußten sie sich aber heute vor dem Schöffengericht verantworten, denn die beschlag- nahmten Kuchen waren dafür bestimmt. Lazaretten überwiesen zu werden. Die angeklagten Kuchenbäcker erhielten einen Verweis, zum Teil je drei Mack Geldstrafe « Frankfurter Wetterbericht. ^ Voraussage: Veränderlich bewölkt, dach vielfach heitkp und trocken, Frost wenig verändert. s iTcttJ et) n et J verantwortlich für den politischen und lokalen Teil pirschet. Friedberg; für den Anzeigenteil: R. H friedberg, Druck und Vertag der „Neue» TageS-eitung^ ^ ^ . A- Ä., Friedberg r Grane Gefahren. A Roman aus der Gegenwart von M. Gontard - Schuck. \2) 'Jiflujbrud ocroo.cn. Herr von Werkheim befand sich nickt zu Hause. Eine kleine Enttäuschung für Helen. Aber schließlich, was schadete es! Sie würde warten. Der Diener sah sie verwundert an. als sie ihm kurz erk arte, hier bleiben zu wollen, bis der Herr Baron zurück- käme. Er ließ sie eintreten und zog sich dann zurück, nicht ohne vorher noch einen mißtrauisch forschenden Blick auf den Ein- driua'ing zu werfen. — Halb scheu, ha'b neugierig sah sich Helen im Zimmer nur. Der Teetisck war bereits gedeckt Wie nett und gemütlich das alles aussah! Gar nickt, wie sie es fick bei einem Junggesellen vorgestellt hatte. Ach, und die sckiöne Kamin- ecke. Gemütlick auch ohne die wärmenden Strahlen. Sie trat einige Sckritte näher und besah neugierig das Bild, das auf dem Kaminsims stand. „Wohl sein Vater." mume'te sie und vertiefte sich einen Augenblick in die Züge des Bildes. Ob Alfred bald kam? Die erste Aufwallung ebbte ab. Ob er sie gar tadeln würde? Sie sah sich um. r Es war wirklich reizend hier. Sie ließ sick in einem der großen Sessel nieder, die vor dem Kamin standen. Ihre zierliche, schlanke Gestalt schien ganz darin zn verschwinden. Sie fing an zn träumen. Wenn sie hier als Hausfrau schalten wiirde. — Ach. Unsinn! Natürlich würden sie dann nicht hier in dieser kleinen Wobnnna bleiben. Sie würden ein großes, vornehmes Hans baben, so wie die Eltern. Aber so hübsch gemütlich wie Alfreds Junggefellenheim sollte es auch sein. — Ans ihrem Sinnen wurde sie geweckt. Stimmen schlugen an ihr Ohr. Ah. A fred kam! ^ie würde sitzen bleiben, dann konnte er sie gar nicht gleich sehen und war sehr überrascht. Sie kuschelte sich noch tiefer in die Polster. — < Und" mm öffnete ffcjj bk Türe rrnö er stand auf der Stelle. , i; , Aber was war das! 1 *. Lähmender Schreck schnürte ihr die Kehle zu. Alfred kam nicht allein. Zwei Herren traten mit ihm ein. In die Erde hätte sie sinken mögen. Sie rührte sich nicht. Nur noch tiefer kroch sie in das schützende Polster. Der Raum war mit dem ungewissen Licht der beginnenden Dämmerung erfüllt, und Werkheim griff nach dem Schalter und knipste das Licht an. — Arme Helenk Wie so ganz anders hatte sie sich dieses Willkommen ausgedacht. Mit einem Ausruf des Entzückens wollte sie sich ihm in die Arme werfen. „Hier bin ich/ nimm mich, ich bin Dein!" wollte sie ihm znrufen. Und nun? Wie eine arme Sünderin verkroch sie sich in die Tiefe des Sessels und wagte kaum die Angen zu heben. Ueber Werkh^ims Gefickt flogen im schnellen Wechsel Verwunderung und starres Entsetzen. He en hier! Was hatte das zu bedeuten? Helen allein hier in seiner Wohnung und neben ihm diese fremden! Mit Blitzesschnelle flogen die Gedanken durch fein Hirn. Im nächsten Augenblick sckVN hatte er sich gefaßt. Als wäre es die alltäglichste Sache von der Welt, daß eine funge Dame der Londoner Adelskreise einen unverheirateten. jungen Militärattache besuchte, trat er auf die ganz verfchtickterte Helen zu. „Helen, Du, Wecke Ueberrasckung! Du hast mir ganz sicher etwas recht Wichtiges zn lagen, das Tu keinem andern Menschen anvertranen wolltest!" Bei seinen harmlosen Worten gewann Helen ihr Fas- MU verlegenem Lächeln trat sie einen Schritt auf ihn zn. Werkheim griff nach ihrer Hand und hielt sie fest in der seinen. 4 „Ja, Liebling, dann bilft alles nichts! Dann müssen wir unser Geheininis preisgeben." snng. Er wandte sich den beiden Herren zu, die verwundert den seltsamen Besuch betrachtet hatten. ..Gestatten Sie. meine Herren, daß ich Ihnen mexm Prant, Miß Helen Douglas, vorstelle. Sie sind die ersten, die von unserer Ber'obnng Kenntnis erhalten. Sir Edward Douglas wünschte die öffentliche Verlobung nicht vor dein Geburtstage meiner Braut bekannt zu geben. Ich hoffe von Ihrer Versckrwiegenheit, daß Sie nicht vor der Zeit von Ihrer Kenntnis Gebrauch machen. Liebe Helen, gestatte: Graf Vrönd'av, dänischer Militärattache. Lord Donald Cardington, den Du vielleicht schon kennst." Die Herren verbeugten sich und murmelten einige unverständliche Worte, die man ebensogut als Versick)erung, wie als G ückwunsch auffassen konnte. „Und nun, meine Herren, entschuldigen Sie mick wohl. Ich werde meine Braut nach Hause bringen, bin aber in kurzer Zeit wieder da." Tie beiden Herren wollten sich empfehlen, doch Werk- beim gab es nicht zn. Ihm lag daran, sie hier zu halten, bis er zurückkam. „Auf keinen Fall lasse ick Sw fort, meine Herren. Ich bin in kürzester Zeit wieder hier und mein Diener wird inzwischen aufs beste für alles sorgen." — ©mge Minuten später saßen sich die beiden im Wagen gegenüber. Mit Mühe hatte Werkheim sein gleichgültiges Gefickt beibehalten. Was mochte da geschehen sein? Unruhig sah er von einer Seite zur anderen. Dos Fenster auf der einen Seite war geöffnet, er schloß es. Dann beugte er sich zu He'en hinüber, die sich in eine Ecke gedrückt hatte und leise vor sich hin weinte. „Helen, Liebling, erkläre mir! Sag mir rmi alles tn der Welt, was vorgefallen ist. Was hot Dich zu diesem um besonnenen Schritt getrieben?" Nun kamen die Träne erst recht. Und nur nach und nach, unter Liebkosungen und Tränen, hörte er einen Teil der Wahrheit. Sie sei gekommen, um bei ibm zn bleiben. Er solle mit ihr nach Schottland fahren und sich dort mit ihr trauen lassen. Inrf^tznng wlat. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen unseren lieben Vater- Bruder, Schwager und Onkel Oie König 1 Nene Tageszeitung Drifisfcerei mi Verlag fiktien-Geseltsctialt Frieden (Hessen) Hanaubfstrasse 12 Fernsprecher 40 nach längerem Leiden im 75. Lebensjahre zu sich zu nehmen. Dorheim, den 8. Januar 1918. Die trauernden Hinterbliebenen 2. d. N.: Heinrich König. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 10. d. 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