Nummer 2 Donnerstag, den 3. Jannar II. Jahrgang. Ueue Tageszeitung v" v"°ch«n, l*»en L-.rt.a-. Siepe,mäßige Setloren „Ser f aurr ans firnen". „Sie Spmnftube". -e,«„prei.- «er oen Soitanitaiten merieliäUrlt* Olt 2 KJ dmu mit noch »as Seitengem: fei ».« «-enter mona'lidi 85 Pi», ein'chliehlich Xtagerlobn. A-reige»: «rmw.eUe 25 P,g.. totale 20 5,g„ Än,eigen non auswärts netoen durch So -Nachnahme _ 1 "de". v:ri»Uun«*f-n- ’rieDbeta. Hchriftleitimn nnd Verla, -riedbs'1 sHe'ien». 'anauer'trage 12. ^ern ocetzer 48. Bo t, ,et-L-iro ilr. 4851. Hnt Tca«tfurt a. r. Gin U-ifaot utrffiiltf 45 0110 Tonnen ArtUlcrieKämpse an der itaUrrnschen Front. — Die Friedensverhandinngen. Schwedische Truppen an der Grenze Finnlands. Der deutsche Generaistad ——— meidet: --■ W. T. K. l^ro^es DauLstquartiee. deu 2. Januar. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Don Dixmuide bis zur Deuls war die Artitterielätiakeit von Mittag an in einzelnen Abschnitten gesteigert. Nördl'ch und südlich von Lens lebte sie in Verbindung mit erfolgreichen weise'unserer We^'t-rbeittr'zülänken ist7^°n auchstlese fn U=6ß3f üfi'rüide 45000 courm. Berlin. 1 Jan. (WTB. Amtlich) Eines unserer U-Boote. Kommandant Korvettenkapitän K o p h a m e lder seine letzte Fahrt bis zu den Kap Verdischen Inseln ausdehnte und noch dorr im Hafen von Porto Grande 2 große brasilianische (ehe- mals deutsches Dampfer versenkte, ist unlängst glücklich in die Heimat zurückgekehrt. Personen und Material haben die lange Fahrt bestens überstanden und hierdurch einen neuen Beweis geliefert ebensosehr für die gute Ausbildung der Besatzung wie für die Betriebssicherheit unserer U-Boote, die nächst der Tüchtigkeit unserer Konstrukteure auch der gewissenhaften Arbeits- Erkundungen vorübergehend auf. Auch zwischen Arras und St. Quentin nahm das Feuer zeitweilig an Stärke zu. Die Zahl der in den letzten Tagen südlich von Marcoing gefangenen Engländer hat sich auf 500 erhöht. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Nördlich von Prosnes und beiderseits von Qrnes erhöhte Gefechtstäligkeit. Erkundungsvorstöhe führten an mehreren stellen der Front zur Gefangennahme einer Anzahl Franzosen. Oeftlicher Kriegsschauplatz. <> Nichts Neues. ^ Mazedonische Front. Keine besonderen Ereignisse. Jp" Italienische Front. Die Feuertätigkeit war auf der Hochfläche von Asiago und im Tombagebiet zeitweilig gesteigert. Der Erste Eeneralqnartiermeister: Ludendorff. Aberrdl-erich-. Berlin. 2. Jan., abends. (WTB. Amtlich.) Don den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der österreichische Gcueralstab jj ======= meldet: — Jan (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver- Wien, 2. lautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Waffenstillstand. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf der Hochfläche von Asiago. im Gebiete des Monte Tomba und an der unteren Piave entwickelten sich zeitweise Artilleriekämpfe. Am 26. 12. früh wurde unsere Besatzung aus der Dammstellung bei Zenfon ohne Verluste auf das östliche Piave-Ufer Zurückgenommen. Der Gegner, der diese Räumung erst am 31. 12 bemerkte, hielt bis zu diesem Tage die verlassenen Deckungen fortgesetzt unter Artillerie- und Minenwerser- feuer. Der Chef des Generalstabes. An Berlin, 2. Jan. er Itfcftfrönt. (WTB. Nichtamtlich.) Westlich Eambrai hat sich die Beute der in den letzten Tagen südlich Marcoing gemachten Gefangenen auf 13 Offiziere. 500 Mann und sieben Maschinengewehre erhöht. Auf diesem Schlachtfeld allein haben die Engländer bis zum 6. Dezember 20 Divisionen einsttzen müssen, die unerhört blutige Verluste erlitten. Drei englische Divisionen sollen nach übereinstimmenden Gefangenenaussagen nahezu völlig vernichtet sein Besonders schwer sind vor allem die Verluste der englischen Garde, von der Tagende im Vour. lon-Walde nutzlos ihr Leben lgssen mußten. Wenn England auch in der Heunat über Ersatztruppen verfügen mag. um diese Verluste auszugleichen, so kann sich die englische Oberste Heeresleitung doch eine zweite Niederlage wie die von Eambrai nicht leisten, ohne die Kampfkraft der Armee aufs ernsteste zu beeinträchtigen. Am 1. Januar 1918 erlitt eine südlich Marcoing vorgehende starke englische Patrouille aufs neue schwere Verluste. Ein eng. lischer Flieger warf während des Gottesdienstes auf die Kirche von Leclnse Bomben. Auch die Stadt Quentin wurde wiederum in den Mittagstunden rücksichtslos mit schwerem Kaliber beschaffen. An der französischen Westfront wurden bei erfolgreichen Unternehmungen zahlreiche Franzosen angebracht. ^ , , , L V" v » y ihr Teil zn den Erfolgen des U-Bootkrieges und damit zum endlichen deutschen Siege bei. Die Cesamtbeute dieses U-Bootes besteht in der Versen, kung eines wahrscheinlich amerikanischen Zerstörers von neun Dampfern und 5 Legelschiffen mit rund 45 000 Vruttoregister- tonnen. Unter den Ladungen der meist von Amerika nach Italien oder Frankreich bestimmten Schiffe befanden sich mindestens 10 000 Tonnen Kriegsmaterial, ferner Kaffee. Leder. Weizen. Kupfer. Stahl. Erdnüffe. Gummi in größeren Mengen. 22 Tonnen Kupfer hat das U-Boot außerdem als wertvollen Beitrag für die deutsche Kriegswirtschaft mitgcbracht. C. M. der Kaiser hat dem Kommandanten, der schon auf eine Reihe rühmlicher Kricgsleistungen zurücksieht, den Orden Pour le merite verliehen. Der Chef d.'s Admiralstabs der Marine. * n Das Ziel wird erreicht. Berlin, 30. Dez. (WB.) Der Kriegsausschnß der deutschen Industrie f.’elt h- ule in Berlin im Gasthof Adlon sein Johresessen ab, an dem eine graste Anzahl hervorragender j Persönlichkeiten des deutschen Wirtschaftslebens, Vertreter I l.chgsamtlicher £>flen und zah reiche Abgeordnete teil- nahmen. Beim Mahle begrüßte Landrat a. D. Rotger die Gaste unter Hinweis ans die bisherige kriegswirtschaftliche Arbeit des Kriegsansschnsses der deutschen Industrie. Kapitän z. S. Brüninghaus, Leiter der Hausbaltungsab- teilung des Reichsmarineamtes. führte in einem eiustiindigen Vortrag folgende? aus: Die Frage des Sieges und der Niederlage ist für England eine Frage des Frachtraunies geworden. Zahllose amtliche und private Auslassungen des Feindes selbst erwiesen einwandfrei, dast sich die Fracbtranmnot der Elttente und besonders England, zu einer Katastrophe znspitzt. Die vom Kriegseintritt der Vereinigten Staaten erhoffte Hilfe stellt sich nicht nur in militärischer Beziehung, sondern auch vor allen Dingen bezüglich des Schiffraumes immer mehr für unsere Feinde als eine große unerwartete Enttäuschung heraus. Der mit bezeichnender Großsprecherei bombastisch angekündigte amerikanische Schiffsbaiiplan erweist sich, wie englische nnd amerikanische Fach'eute in Erkenntnis der gefährlichen Lage offen eingestehen müssen, als praktisch nn° durchführbar. lTnfer ll-Bootkrieg nagt rast'os lmd nnanf- haltsam an dem feindlichen Schiffsraum. Die dabei von uns erlittenen Verluste sind gegenüber dem Zuwachs nnd der immer größer werdenden Leistungsfähigkeit der U-Boote gering. Der Vortragende wies im einzelnen nach, daß im Kampfe U-Vool gegenScknftsraum das erstere Sieger bleiben muß. Ich kann mich bei dieser Veweisführnng mit Recht ans entsprechende Auslassungen des ersten Lord der Admiralität Sir Geddes beziehen, der unumwunden zugeben mußte, daß die Delltschen mehr U-Boote bauen, ols die Entente zu versenken imstande sei, und daß umgekehrt die deutschen U-Boote mehr Scßiffsrairm versenken, als die Entente bauen könne. Die kiirzliche groteske Behauptung L oyd Georges, daß an einem Tage des November ollekn fünf deutsche U-Boote versenkt worden wären, ist selbst in engst scheu Kreisen als faustdicke Lüge bezeichnet worden. Im Hinblick auf die auf lange Zeit hinaus gesicherte Mann- schafts- und Schiffsbereitschaft der U-Bootwaffe, itn vollen Vertrauen auf deren bewährte Besatzung sieht die gefaulte Flotte, vom Admiral herunter bis zum jüngsten Matrosen und Heizer mit einer durch nichts-zu erschütternden, in den tatsächlichen Verhältnissen begründeten Zuversicht dein neuen Jahre entgegen. Sie ist sicher, daß sie ihr mit dein Sperr- gebietökrieg gestecktes Ziel erreichen wird. Die außerordentlich bedeutungsvollen Ausführungen des Kapitäns fanden L _wiederholt lebhafteste Zustimmung der Anwesenden. . Nach dem Vertrag des Kapitäns stellte Kommerzienrat Fiiedrlchs .mit Genugtuung fest, daß gegenüber den krampfhaften Bemühungen englischer Staatsmänner, das Bild der durch den U-Bootkrieg geschaffenen Lage zu verzerren, heute von zuständiger Seite der wirkliche Stand der Dinge dar- gelegt worden ist. der uns zu der zuversichtlichen Ei-wartung berechtige, dem militärischen Sieg, den heute auch unsere Finde zugeben, auch den deutschen Sieg im Wirtschaftskampfe folgen zu lassen. Besonders ist zn begrüßen, daß nunmehr auch in Deutschland amtliche Stellen die Gelegen ■ heit dazu benutzen, dem mächtigsten Bundesgenossen unserei* Feinde, der internationalen Lüge, mit Erfolg entgegen- zutreten. ift!MW!Wk!lch! Wichcn dein Scher nnd fiönia Ludwin. München, 1. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die Korre< spondenz Hoffmann meldet: Zwischen König Ludwig nnd dem Deutschen Kaiser hat ans Anlaß des Jahreswechsels folgender Telegrammweckcke! stattgefunden: - Seiner Majestät dem Kaiser! ' " vr?5 Dir imb der Kaiserin bringe ich mit Marie Therese zur, Jahreswende die tief empfundenen Glück- und Segens- Wünsche dar. Wieder gehl ein Jahr härtester Kämpfe für Euer nnd unser liebes Vaterland zu Ende, erfolgreich an heldenmütiger Abwehr überwältigender Uebermacht, an siegreichen Vorstößen gegen unsere Feinde, an zäher Ausdauer nnd Arbeit im Innern. Gleichwohl will der Wahn, Deutschland nnd *eine Bundesgenossen niederringen zu können, bei unseren Hauptteinden noch nicht endgültig schwinden. Ihre Schuld ist es, wenn trotz der von uns schon vor Jahresfrist erklärten Verständigungsbereitschaft nnd trotz des Friedenswillens. der im Osten zutage tritt, das Blut- und Zer- störnngswerk seinen Fortgang nimmt. Deutschlands Fürsten nnd freie Städte, das ganze Volk werden wie bisher in Einigkeit nnd Geschlossenheit zusammensteben. bis uns das gute Recht auf Leben nnd Geltung- auf Meiterentwickstmg in ehrlicher Arbeit erstritten ist. Daß dieses glückliche Ende des großen Kampfes für Deutschland nnd seine treuen Bundesgenossen erreicht wird, ist unsere felsenfeste Zuversicht Gott gebe Dir und Deinem Hause hierzu seinen Schlitz nnd Beistand. gez. Ludwig. Der Deutsche Kaiser antwortete hierauf: Seiner Majestät dem König von Bayern! *- Herzlichen Dank und wärmste Erwiderung Emv freundlichen Neuinhrwünsche von Viktoria und Mir. Wst können mit Dank zu Gott auf das verflossene Jahr zurück blicken, das uns neben he'denhafter Verteidigung unsere! Grenzen im Verein mit unseren treuen Verbündeten glänzende Siege und den Keim eines Friedens gegen Osten gebracht hat. Er wird uns auch im neuen Jahr in unserer gerechten Sache zur Seite stehen und den bösen Willen der Feinde, die noch immer an ihrem frevelhaften Vernichtungs- Vorsatz festbalten. zu brechen wissen. Mit Dir vertraue Ich fest auf unser deutsches Volk, daß es auch diese letzte uns anf- erlegte Prüfung bestehen und die Palme des Sieges in die- sem großen Kainpfe um Freiheit und Recht erringen wird. Gott schütze Dich nnd Dein treues Bayernvolk im neuetz- Jahre! gez. Wilhelm. ? liiübfiibürg iinb fükirtorff in örrün. Berlin, 2. Jan. (WTB. Amtlich) Generalfeldmarlchall v. Hindenburg nnd General Ludendorfs sind am heutigen Vormittag zu Besprechungen in Berlin eingetrofsen. Berlin, 2 Jan. (WTB. Nichtamtlich) Der türkische Finanzminister Dichavid Bei ist heute vornlittag über Wien hiereingetroffen. - ^ > ■ ' WvX Die Friedensverhaiidlnngeir. Laut „Berliner Lokalanzeiger" hatte der Führer der deut» scheu Akarinekommission eine Unterredung mit Trotzki. Am Freitag nlittag haben die ersten Beratungen zwischen den Ber. tretern Deutschlands und des ruffischen Martnestabes über die Einzelheiten des Wasjenstillstandes aus dem Lieere stLttgefllN' hen. -- — ^ " --- Die Wiederaufnahme der Verhandlungen. ‘T'fT K' f Die Wiener Vertreter für dte Frledensverhandlunge« werden am 2. oder 3. Januar wieder nach Vrest-Litowsk abreisen. Nach russischer Berechnung geht die Frist für die Entente am S. Januar abends zu Ende. Am Morgen des 5. Januar werden bie Verhandlungen in Vrest-Litowsk wieder ausgenommen. Die Nusien haben den österreichischen Standpunkt angenommen, daß das Selbstbestimmungsrecht sich nicht auf die innerhalb eines Staates befindlichen Völker beziehen kann, die im Rahmen der verfassungsmäßigen Vereinbarungen ihre Entwicklung finden können. Dieser abgeänderte Standpunkt wurde von den Russen der Entente mitgeteilt. Für den Fall einer ablehnenden Antwort der Entente, die nach den Reden Pichons und Orlandos erwartet werden kann, werden die Verhandlungen in Brest-Li. towsk auf Grund der bisherigen Ergebnisse weitergeführt bis zu einer Sondcrabmachung mit Rußland in Form eines Präliminarfriedens. Berlin. 1. Jan. (MTV. Nichtamtlich.) Nach russischen Nachrichten sind Kontreadmrral Zelemji und d re ^Seeoffiziere zur Waffcnstillstandskommission für die Ostsee und Kapitän 1 . Ran- ges Klykow und zwei Seeoffiziere zur Waffenstillstands-Kom- mission für Las Schwarze Meer kommandiert worden. Diese Kommissionen finden entsprechende deutsche Kommissionen unter der Führung des Kontreadmirals Freiherrn von Dalwigk für die Ostsee und des Vizeadmirals Sopman für das Schwarze Meer vor. Neben diesen Kommissionen ist eine Sonderkommission, an deren Spitze ein Kontreadmiral steht, entsandt wor- ,-den, um die Regelung der im Waffenstilsstandsvertrag offen gebliebenen Fragen des Eismeeres, der Murmanküste und einiger weiteren Einzelheiten vorzunehmen. Diese Kommission hat ihre Arbeit kn Petersburg bereits ausgenommen. Parrs. 2. Jan. Wie der Mitarbeiter des „Temps" in Petersburg telegraphiert, sind die ersten unter der Führung des Admirals von Keiserlingk stehenden Mitglieder der deutschen Abordnung in Petersburg eingelroffen und von Trotzki im Institut Smolny empfangen worden. In der ersten Sitzung des russisch-deutschen Marine-Ausschusses wurde die Lage am Weißen Meer und an der Murmanküste besprochen. Der übrige ^Teil der deutschen Abordnung, der von Graf Mirbach und Prinz --Hohenlohe geführt wird, wird in den nächsten Tagen eintreffen ,und namentlich über den Austausch der Kriegsgefangenen und ^die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen beraten. / Die Haltung der Entente. Berlin. 2. Jan. Wie dem ..Vorwärts" aus Stockholm be- -eichtet wird, ließ die englische Arbetterpartei dem bolschewistischen Auslandsvertreter in Stockholm. Worowski. eine für die ^russische Regierung bestimmte Protestdepesche gegen den Abschluß >lnes Sonderfriedens zugehen. Der Uebermittler des Protestes -fragte zugleich an, ob die russische Regierung bereit wäre, den Friedensschluß so lange zu vertagen, bis eine internationale Friedenskonferenz stattgefunden Hai. Worowski habe geant. 'wortet. die russische Regierung würde bis zur Ensscheidung der Internationalen Cozialistenkonferenz warten, falls die Entente» regierungen zugleich mit der Paßbewilligung dte Eewißhett gäben, daß sie von der Sozialistenkonferenz keine Zerstörung ,der Friedensarbeit erwarteten, sondern zu einem allgemeinen Frieden gemäß den russischen Vorschlägen bereit seien. { London. 1. Jan. (MTB) Das Reutersche Bureau meldet unter dem 1. Januar: Der Parlamentsberichterstatter des ..Daily Ehronicle" meldet: In Rrgierungskreisen wird aner- damit, daß die Vorschläge von Vrest-Litowsk eine schwerwiegende neue Tatsache darstellen. von der Kenntnis genommen werden müsse. Selbst mtt den Einschränkungen des Grafen Czer- 'Nin fei die Annahme der russischen Formeln das Anzeichen einer ^ neuen Lage. Großbritannien. Frankreich und Italien tauschten bereits ihre Absichten aus. ^ Clcmenccnu verweigert die Pässe nach Rußland. Paris. Ll Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Ministerpräsident Elemenceau hat im Beisein des Munsters des Aeußern, Pichon, eine Abordnung der vereinigten Sozialisten der Kammer, bestehend aus Albert Thomas. Hubert, Mager, Renaudel, Eachin, Longuet empfangen, die um Reisepässe für Petersburg baten, wo sie den Abschluß eines Sondersfriedens verhindern oder wenigstens zu bewirken suchen wollten, daß er so unschädlich als möglich ausfiele. Clemen- ceau erwidert- ihnen, bei aller Anerkennung ihrer Vaterlands- i liebe könne er unter den verworrenen Verhältnissen in Peters, bürg keinen Erfolg von ihrem Schritte erhoffen, vielmehr - ^urde die Bewilligung von Pässen zu diesem Zweck ihrer Sen- ^dnng einen solchen Anstrich geben, daß unerwünschte Wirkungen auf die öffentliche Meinung im Lande und an der Front ein- , treten würden, vielfach würde man sagen, daß Frankreich an Len Vorbesprechungen über die Friedenspräliminarien teil- ' nehme, dies sei aber mangels ernstzunehmender Vorschläge der feindlichen Mächte ganz und gar nicht die Absicht. Elemenceau Hob schlief lich hervor, daß er die Entscheidung, die gewünscht verde. nicht treffen könne, solange er keine Verständigung Mirubsr mtt den Alliierten erzielt hätte und daß er keinen «rund zu der Annahme habe, daß sich deren Ansichten seit der -Stockholmer Konferenz geändert hätten. £ Eine ukrainische Deputation. Breft-Litowsk. 2. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) In Vrest- Litowsk rst eine ukrainische Deputation angekommen, um an Ariedensverhandlungcn teilzunehmen. Stockholm als Verhandlungsort. I Schweizer Blätter melden: Der Vertreter der maximalisti- fchen Regierung in Stockholm bestätigt, daß Stockholm zum Der- ^ Handlungkort der russisch-deutschen Verhandlungen gewählt ' wurde. Die Besprechungen werden voraussichtlich Anfang ^Januar ausgenommen. Weckerle bei den Friedensverhandlungen. etaune -»ach da. -trklich« «rh-im-, *cr Kkiüchnviki. „Times" schreibt am 20. Dezember im Leitartikel: Während Herr von Kuhlmann und andere sich auf dem Wege nach Brest- ^itowsk befinden, um dort über Friedensbedingungen zu verhandeln, breitet sich der Bürgerkrieg in Rußland aus. Wir können die Eile der deutschen Unterhändler wohl begreifen: denn sie wollen mit einer „Negierung" unterhandeln, die nicht imstande war, bei den russischen Wahlen die Mehrheit zu erhalten und deren Stellung keineswegs sicher ist. Das gutgläubige russische Volk hatte eine konstituierende Versammlung gewählt die die Friedensfrage erörtern sollte. Aber die Lenin-Trotzki- Bande will die Versammlung nicht beraten lassen. Der „Waffenstillstand soll nun bis zum 14. Januar dauern, aber wir wollen abwarten. wo sich Lenin und Trotzki selbst an diesem Tage befinden werden. Ein &afit$hsUh\ Uetains. Paris, 2. Jan. (WTB. Nicktamtlich.) Mcllmng der Aaence Havas General Petain hat zu Neujahr einen Tages- befehl an die Armee gerichtet, in dem es u, a. heißt- Die Schwache Nrißlawds hat Eueren Glauben mM erschüttert, der durch den täglich knacksenden Beistand der Nnionstaaten bekräftigt wird. Schließlich erklärte er, daß, wenn der El tafle nach Frieden verlange, der Beharrlichere dessen Ve- omgungen festsetzen werde. Mn italienischer Kriegsrat. Rom, 1. Jan. (WB.) Meldiing der Agentur Stefani. Srn Erlaß fetzt einen Kriegsrat zur Bergung der Fragen ein, bei denen dte Zuständigkeit der Zivilbehörden sich mit denen der höheren Militär- und Marinestellen berührt. Der Ausschi iß setzt sich znsanimen aus den Ministern des Aeiißern des Schatzes, der Kriegs-, Marine- und Nüsttmgsangelegen- yelten. Dre Chefs des Generalstabes und AdiniralstabeS nehmen an den Verhandlungen des Ausschusses mit berate^, der Stimme teil. Der Ausschuß vermindert keineswegs die Befugnisse des Ministerimns, das von dem Minister- pra,identen mit den Entscheidungen des Ausschusses bekannt gemacht wird. Klilicn und rin ilfrffänlijiiiuwgVrtftt. Wien, 1- 3an. (WTV. Nichtamtlich.) Morgen wird der un- L X ... ~ ' -..*VU4T VKl UN- Ministerpräsident Dr. Weckerle an den Verhandlungen die mtt den Friedensverhandlungen zusammenhängenden Mlttrtschastsfragen. sowie an den Beratungen wegen der Ange- xtegerchett der Vorbereitung eines Handelsvertrages mit Deutfch- Iimd tettvehme«. Bei diese» Beratungen wird die deutsche Re- ^ er "Köln. Ztg." wird aus Zürich gemeldet: Der römische Mitarbeiter der „Neuen Zürcher ^.eittrng" untersucht die Möglichkeit eines Verständigungs- .rredens Italiens und erklärt von vornherein, es sei falsch anznnebmen. daß Italien sich bei seinen Verbündeten zum Vorka. ,^er eines Verständlgungsfrieden macken werde: der Mitarbeiter erklärt aufgrund genauer Beobachtung der rta.wni.ch-n politischen Vorgänge und der Stimniung der entscheidenden Kreist, es sei gewiss daß wenigstens für längere Zeit die Annahme einer italienischen Vermittlung eines Verständigungsfriedens ausgesckaltet werden müsse: allerdings hätten sich die neutralistischen Sozialisten für ernen Verständigimasfrieden ausgesprochen, aber es fei nicht einmal gewiß, ob eine Negierung Gio'ittis für einen sticken frieden arbeiten würde, denn Giolittts sei zu sebr anvas- ungsfabig, als daß er es wagte, sich derart über die öfsent- licke Meinung hinwegzuseüen. Die öffenttickv Meinung ober sei für einen faulen Frieden, wie sie es nennt, noch lange nicht mürbe genug. Dazu komme, daß die Aussichten wnes politischen Sieges Giolittts noch sehr tief stehen, selbst ur eine Negierung von Vertrauensmännern Giolittts sei Ne Lage noch nicht reif genug. Giolitti verfüge- höchstens über 170 Stimmen. Mit einem Frieden, der den früheren Zustand einfach wieder Herstellen würde, könnte er das Vo'k nickt gewinnen. Schließlich sei noch in Betracht zu ziehen, daß ein Vermittlungsversuch Italiens in Frankreich, Eng- land und den Vereinigten Staaten aussichtslos wäre, und daß Italien auf Entschließungen dieser Negierungen keinen Druck ausüben könnte, denn im Notfall könnte Frankreich mit englisck-er und amerikanischer Hilfe seine südöstlick« Alpengrenze ohne Italien verteidigen, dieses aber nicht auf wirtschaftliche Unterstützung durch seine heutigen Bundesgenossen verzichten. (Bei den Betrachtungen des römischen Berichterstatters der ..Neuen Zürcher Zeitung" ist stets im ^luge zu behalten, daß er seinen Darstellungen immer eine nr das kriegslustige Italien günsttge Färbung zu geben Pflegt vielleicht aus Ueberzeugung. Vielleicht aber auch ge- maß dem alten Wersheitsspruch: „Wenn man unter den Wolfen ist, muß man mit ihnen heulen.) 23cm, 2. Jan. (WTB. Nichtamtlich) Der „Corriere della Sera" erklärt m seinem heuttgen Kommentar zu den Verhandlungen in Brest-Litowsk, die Gegenoffensive der Entente auf den deuttchen Friedensfühler dürfe nicht unter- bleiben. Pichons Rede genügt nicht. Man dürfe es daher auch der Presse nicht weiter überlassen, die feindlichen Ränke aufzudecken. Andererseits sei eine eigentliche diplomatische Antwort ausgeschlossen, da man Verrätern in Petersburg die Machtvollkommenheiten von Vermittlern nicht zuerkennen rörmx.DieEntentedürfe sich nicht zmn Friede» verleite» £??*• Ebtcm unmittelbare Vorschläge an die kämpfenden Nationen erfolgen. Nur den Alliierten könne vermöge der straffen deutschen Organisation die Unterbrechung ?um Nachteil gereick)en. wenn dadurch auch tw em Mitglied der Allianz wankend werde. Die cncllilchcn Arbeitcr mid fot Mt. > . Sern, 2. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Auf der am 28. Dezember in London abgehaltenen Konferenz der britischen Ar- .^"^anisationen. der über 800 Abgeordnete beiwohnten, die 3/L Mlllwnen Arbeiter vertraten, wurde zunächst das vom Reu. terschen Bureau mitgeteilte Schreiben des Premierminister, verlesen. Danach verlas Henderson eine lange Ansprache, in der er der sozialistischen Kundgebung vom 14. 2. gedachte, die e, ablehnt, zuzulassen, daß dieser Verteidigungskrieg zu einem Er- cberungskrieg werde und dann auf die in der zu erörternden Kriegskundgcbung niedergelegte Friedenspolittt der britöchen Arbeiterschaft im einzelnen einging. D»r Krieg müsse setzt' als Kampf zwischen einem alten und einem neuen Negierungssystem angesehen werden. Keine Verständigung könne beirie- digend sein, die nicht der Wett die vollständige Diskreditierung des angriffslGsttgen Militarismus bringe und an seine Stelle eine höhere Auffassung von nationaler und internationaler Verantwortung setze. Die Geheimdiplomatie. die Militärdienstpflicht und die Profitmacherei aus der Herstellung von Jnstru- menten der Zerstörung sollten in der Gesellschaft freier Ratio, nen unnötig sein. Eine unumgängliche Vorbedingung des Planes der Völkerliga sei die Ablehnung jeder Form eines wirtschaftlichen Boykotts gegen Deutschland nach dem Kriege. Man sei berechtigt zu fragen, ob die Regierung alles, was in iFjrei Macht liege, tue. um die Feindseligkeiten abzukürzen. Der Redner wies dann auf die Behauptung Cerfons in seiner Rede in Bordeaux hin. daß Oesterreich-Ungarn, und die Tüttei bereit feien. Frieden zu schließen und fragt, warum die Regierung nicht in Verhandlungen mit ihnen, besonders mit der Türkei, getreten fei. wie jetzt Deutschland mtt Rußland. Statt dessen habe er die Einnahme von Jerusalem betrieben, obwohl nach der Erklärung Earsons die Türkei Frieden zu schließen bereit' war. Damit dehnte England seine Front in diesem Lande aus. Es könne nicht Wunder nehmen, daß man England in den neutralen Ländern, in Rußland und selbst in Amerika imperiali- stischer und annexionistjscher Ziele verdächtige. Wenn die Ar» beiterschaft weiter Opfer bringen solle, müsse sie die besttmmte Zusicherung erhalten, daß solche Opfer zur Herbeiführung eine« ehrenhaften und gerechten Friedens notwendig seien. Die Ar- beiterschaft besteht darauf daß Deutschland anerkenne, daß e« unbedingte Maße gebe die es annehmen müsse. Andererseits dürften die Alliierten keinerlei Zweifel darüber lassen, dätz der Kampf lediglich um Grundsätze und Ideale und nicht um Eroberungen willen fortdauere. Die Arbeiterschaft verlange ein« Gelegenheit, festzustellen, inwieweit Deutschland berett sei, ei» Friedensangebot anzunehmen. Die amerUranssche Hilfe. Bern, 2. Jan. Während die französische Presse unter Hinweis auf die amerikanische Hilfe das Jahr 1318 das entfchei. dende Kriegsjahr nennt, gibt das „Journal de Eeneve" de» Franzosen den Rat. im neuen Jahre noch nicht auf die nieder, schmetternden Erfolge der amerikanischen Armee zu rechnen, die doch in der Kriegskunst noch ein wenig unerfahren sei. Man werde lernen müssen zu warten, und die Geduld sei die hauptsächliche Eigenschaft, die die Alliierten im neuen Jahre nöttg haben würden. Für Frankreich bestehe das Programm für morgen darin. Deusschland zurückzuschlaqen. um die volle An- strengung Amerikas während eines Zeitraumes von vielleicht mehr als zehn Monaten abwarten zu können. „Ist das möglich?" fragt das Genfer Blatt. lrrieg iss bald rn Onde". Dem „Berner Tagbl." wird von besonderer Seite anS London gemeldet: Der „Fmannal Times" ping über den Kob len markt in Wales der Dezemberberickt zu. der eine Reibe von Verbesserunan für die Hanptkohlenbafen in Eng- land fordert, mit dem Beifüger, daß ste jetzt sckon in Angriff genommen werden möchten. Zweifellos bnt der englische Zensor dabei den Satz überseben, den der Koblenfackmann und Landsmann von Lloyd George bingeschrieben bat, der lautet: „Der Krieg kann nicht mehr lange dauern!* Die Gründe dafür, so schreibt das „Berner Tagbl.", wird dieser Mann von Wa'es wohl am besten wissen. Dcr (flnlranfsrat der Alliierten. Paris, 2. Zan. (WTB. Nichtamtlich.) Der Rat der Alliierten für Kciegsankäufe hielt gestern nachmittag eine Sitzung ab, an der für England Donar Law und Ehamberlain. für Italien Nitti und Major des Planches. sowie Professor Attalico, für Frankreich Klotz, Elemeutel und Loicheux. für Amerika Oskar Crosoy und Paul Eravath teilnahmen. Die Finanzabtetluug, der Donar Law. Klotz. Nittt und Erosby angehören, beschäftigte sich in einer besonderen Sitzung mtt den in den Vereinigten Staaten und in verschiedenen neuttalev Ländern geplanten Ankäufen und behandelte damit in Verbindung stehende Finanz- ftagen. Lranzosifche Ritterlichkeit. ~ : 3m November 1917 glückte es wieder mchreren Deutschen, aus französischer Gefangenschaft zu entweichen. Ihre eidlichen Aussagen werfen von neuem Helle Schlaglichter auf die ..Ritterlichkett", mit der die Franzosen den überwundenen Gegner behandeln. Gleich nach der Gefangennahme wurden einige von ihnen betrunkenen weißen Franzosen. Marokkanern und Negern zur Ausplünderung überlassen. Geld. Ringe, Messer, Achsel- klappen, selbst die Schirmmützen der Unteroffiziere und Feldwebel wurden deren Raub. Beim Generalkommando wurde eine eingehende Vernehmung durch eine» Offizier der «»* äu&etft, « A «angelhaft deutsch sprach und verstand, vorgenommen. Er verwehte den Gefangenen, wenn einmal eine Antwort ausblieb. ^ Ohrfeige.,, ließ einzelne bis aufs Hemd sich entkleiden und miß. ^handelte sie durch Faustschlage ins Gesicht. Stockschläge und Fußtritte. bedrohte sie auch mit dem Revolver. Die Vegleitkavallerle | ließ die Leute auf dem Transport neben der Landstraße durch tiefen Schmutz marschieren, ohne jemandem Zeit zum Austreten zu geben. Wer im Schlamm feine Schuhe verlor, mutzte in Strümpfen weiterlaufen. Im Sammellager zwang man sie, (eine volle Woche unter freiem Himmel zu kampieren, ohne Gelegenheit zum Sitzen oder Liegen. Viele brachen zusammen. (einige wurden irrsinnig. Das erste Essen gab es erst am dritten Tage der Gefangenschaft: 300 Gramm Weißbrot und einen hal- ^ben Trinkbecher voll Kaffee! Ein Feldwebel, der sich über die ^mangelhafte Ernährung beschwerte, wurde vom französischen Sergeanten mit Fußtritten und Sockschlägen zurückgewiesen. ! Damit zum Zwecke einer Filmaufnahme der Zug der Gefangenen recht groß erschien, mußten alle Kranken, die noch laufen konnten, sowie alle, die keine Fußbekleidung mehr hatten, mit' marschieren. Hinterher wurden bei einer erneuten Leibesuntersuchung nur Rock, Hose, Hemd und Schuhzeug den Aermsten gelassen; auf vre Bitte des Gefreiten G.. ihm ^die Photographie seiner Fra» zurückzngeben. erhielt einen Fußtritt als Antwort, ttm Mitternacht wurden sie geweckt, bekamen einen Becher voll Kaffee ut& mußten Bohlen, Draht, Gleise und Flechtwerk durch t s deutsche Artilleriefeuer bis in die französischen Reservestel- l ngen vorschaffen, wodurch viele Verluste eintt'icn; die etwa K ) Monn starke Kompagnie hatte 70 Tote und Schwerverwun- t i. Weigerte sich ein Gefangener, so wurde ihm mit Erschie- s. : gedroht; meldete sich jemand krank, so wurde er untersucht, s 5 gesund befunden, und zur Arbeit zurückgcschickt; zur Strafe c.' Mg man ihm zudem noch das Brot. Drei Entwichene wurden z rückgebracht und mußten den ganzen- Nachmittag in der Sonnenhitze sttllstehen. Als einer schlapp wurde, erhielt er Kol- .Lenstöße und Fußtritte und wurde als Simulant bezeichnet. Dann wurden die Drei an eine Kette gelegt und mußten vier Nächte nn Freien liegen; die Kette war an einem Kübel fest, gemacht, in dem die Gefangenen ihre Notdurft verrichteten. Nach vier Tagen erhielten sie je 50 Tage strengen Arrest; nach Ab- (lauf dieser Zeit wurden sie abtransportiert zur Arbeit in einem ^Bergwerk oder auf einem Schiff .... Französische Ritterlichkeit! , Nachschrift der Schriftleitung: Wiederum vernehmen wir ' hier durch die eidliche Aussage deutscher Gefangener, die derHölle ider französischen Gefangenschaft entfliehen konnten, mit welcher vusgeklügelten Brutalität unsere Heute gepeinigt werden. Und wiederum muffen wir ftagen, hat unsere Regierung kein Mittel, tun den Franzosen zu zeigen, daß wir es nicht nöttg haben, unsere nach offenem Kampfe in Gefangenschaft geratenen Helden- j söhne der Willkür französischer „Kultur" auszusetzen. Wir ifragen: Wie lange noch soll das anhallen? Imialkin in ..christlichen" Müden. Y In seiner von uns im Auszug mitgeteilten Rede erklärte der Papst noch, daß „der Jahrhunderte alte Wunsch unserer Ahnen jetzt erfüllt sei; das hei ige und verehrte Land, in dem das Blut vergossen wurde, durch das^wir erlöst sind, sei von neuem dem christlichen Glauben wieder- i gegeben worden. Jerusalem richte an Gott einen Hymnus der Dankbarkeit und der Liebe. Diese Worte mögen von dem Standpunkt des Papstes aus verständlich sein; ob sie aber in dieser Form irgendeine Allgemeingültigkeit beanspruchen dürfen, ist uns sehr fraglich. Das Reich Gottes ist bekanntlich nicht von dieser Welt. Vom katholisch-kirch'ichen Standpunkt aus' mag man es vielleicht begrüßen, daß Jerusalem von den Heeren eines „christlichen" Staates be- ' tzt worden ist. Vom christlichen Standpunkt aus aber muß . .an vor allen Dingen auch der tiirkischen Verwaltung Gerechtigkeit widerfahren lassen. Das türkische Regiment hat s.ch in jeder Weise durch weitgehendste Toleranz ausgezeich- ret; es ist dem christlichen Glauben in jeder Weise ent- negengekommen, unü die christ ichen Missionen erfreuten sich kn Jerusalem unter türkischer Herrschaft einer weitaus größeren Bewegungsfreiheit als etwa die christlichen Missionen in Madagaskar unter der französisch-christlichen Verwaltung Augagneurs oder die christlichen Missionen in Aegypten unter der englisch-christlichen Verwaltung. Bekanntlich hat dort die englische Herrschaft, um der mohammedanischen Vevö kerung entgegenzukommen, die christlichen Schulen einfach ausgeliefert, eine Erscheinung, die doch wohl über dein Jubel in Rom nicht vergessen werden dürfte. Gewiß spielen sehr bedeutsame Gefühlswerte mit, wenn der Papst erklärt, daß nun Jerusalem dem christlichen Glauben wredergegeben sei Aber schließ ich ich auch der ckwistliche Glaltbe nicht allein aus Gesiihl gestellt, sondern hält sich an die gegebene Wirklichkeit; und auch der Christ ist der Obrig. keit untertan, denn „die Obrigkeit ist von Gott". Cs ist nicht angängig, in der Rede des Papstes eine Verbeugung vor der Entente zu sehen, ob sie aber einen freundlichen Akt gegen die Katholiken Oesterreichs und Deutfchlands darstellt, scheint uns zweifelhaft. ES dürfte auch in Rom bekannt sein, daß England eine mohammedanische Vormacht ist und daß schon ans diesem einfachen Grunde — Jerusalem ist auch für die Türken eine he' ige Stadt — eine wirkliche Aenderung der Verhältnisse nickck eintreten kann. Im Gegenteil, es ist einerseits möglich, daß, falls die Stadt in englischein Besitz bleiben sollte, sich dort dieselben Zustande entwickeln wie in Aegypten, nämlich Begünstigung des Islams durch die Engländer. Auf der anderen Seite ist es ebenso denkbar, daß bei dem exklusiven Charakter des „englischen Christentums" man gerade in nicht allzuviel Freude daran haben dürste, daß ^Jerusalem dem christ lickten Glauben wiedcrgegeben" Wochen sei. In London selbst wird man zweifellos diese christ- luhen Gefühle transparentartig aufzumachen versuchen. Im Vordergrund steht aber zweifellos das politische Moment der Herstellung einer Landbrücke zwischen Aegypten und Indien, ^sstu sich damit noch moralische Eroberungen verbindeu, um besser. Wir betrachten deshalb auch die Eroberung Jerusalems durch die Engländer vom rein politischen Stand- Punkt aus. Die Zurückdrängung der Türken an dieser Stelle der Front war vorauszusehen und ist in Deutschland muh mit der nötigen Kühle ausgenommen worden, mit der Kühle, die aus dem Bewußtsein entsteht, daß über Jerusalem noch nicht das letzte Wort gesprochen worden ist und daß die englische Eroberung keine türkische Niederlage, sondern ledig- lich eine englische Truppen- und Materialüberlegenheit darstellt. In Deutschland ist man überzeugt, daß die Türkei ihre Bundespflicht unbedingt erfüllt hat und weiter erfüllt. Gerade angesichts des Verlustes Jerusalems sei daran er- innert, daß die Türkei ihre besten Truppen an die galizische Front abgegeben hat in dem starken Bewußtsein, daß die Entsck'eidungen nicht an der asiatischen Stelle der großen Front liegen. Die leitenden Männer in der Türkei wissen, daß die Fronten eine Einheit darstellen und da.ß,' was auf dem Hauptkriegsschauplatz geschieht, nicht ohne Einwirkung auf den Nebenkriegsschauplatz bleiben kann. Die Stimmung in türkischen Kreisen ist denn auch keineswegs gedrückt, man weiß, daß, über das Schicksals Jerusalems der Ausgang des ganzen Ringens entscheiden wird. Vom christlichen Standpunkt aber sei gesagt, daß wir Jerusalem immer noch lieber in den Händen eines Volkes sehen, das die heilige Stadt, um Zerstörungen zu vermeiden, kampflos räugzt, als in den Händen derer, für die es einen Spott bedeutet, Bomben auf den Oe'berg zu werfen. « Michers |#”f ans dem Grabe. Wann seid ihr Federfuchser Vom Streit müd und lahm? In längst verklungenen Tagen Als ich den Feind geschlagen Habt ihr verpfuscht den Kram. Verfluchte Federfuchser, ' » * Von Satan angeführt! Als ich den Feind bezwungen, Habt ihr, was ich errungen, dem Franzmann offeriert. Hoho, ihr Federfuchser," Ihr sinnt auf dunkle Tat. Roch tobt's an allen Flanken, Und ihr weilt in Gedanken Beim Vaterlandsverrat. Jetzt treibt ihr gleichen Frevel, Jetzt zwischen Not und Tod Mißgönnt ihr uns das Siegen? Dann sollt ihr alle kriegen Die große Schwerenot. Die Denjahrspttro!e in Polen. Warschau, 1. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Am Neujahrstage, vormittags 11 Uhr, fand in Warschau auf dem Sachsen- Platze große Paroleausgabe statt. Generalgouverneur von Bese- ler v:ttas den kaiserlichen Befehl an Armee und Flotte. Anschliefend hieran hielt er eine Ansprache, in der er betonte, da» Ziel des deutschen militärischen Wirkens fei, einen ehrenvollen, dauerhaften und auch für das Land, auf desien Boden wir stehen, gesegneten Frieden zu erreichen. Der Generalgouverneur schloß seine Ansprache mit einem dreimaligen Hurra auf den Deutschen Kaiser, die Verbündeten des Deutschen Reiches und die Regenten des Königreichs Polen. Danach folgte im Stadtschlosse der Neujahrsglückwunsch seitens des Generalgouverneurs und der Spitzen der deutschen Behörden, mit dem Regenten und den Mit. gliedern dar polnischen Regierung. Ans der eimot. FC. S.blvfr Philippseich bei Offenbach a. M. 2. Fan. Im Alter von 85 Jahren verstarb in München Graf Konstantin Zu Asenbu^g und Büdingen-Philippseich k. und k. Rift- meifter a. D., ein Vetter des hiesigen Schloßherrn, des Grafen Ferdinand. Der Verstorbene war seit 1875 mit Anna von Mayer in kinderloser Ehe vermählt. FC. Usingen, 1. Jan. In das Lager der Kreislebensmittelstelle dahier wurde nachts eingebrochen und Waren im Wette von 4700 Mark gestohlen. Von den Dieben fehlt jede Spur. Usingen, 1. Jan. Das Fest der Goldenen Hochzeit begehen am 7. Januar die Eheleute Emil Reinhard dahier. Ans Starkcnburg. FC. DLrmsiadt, 2. Jan. Die Enteignung über das Kupferdach der hiesigen russischen Kapelle ist ausgesprochen und soll die Abnahme demnächst llattsinden. Die Glocken der Kapelle sind vor einigen Tagen abgenommen worden. Ans Hessca.Naiiuu. FC. Wie:baden, 1. Jan. Der berüchtigte Einbrecher Montreal, der vor kurzem aus dem Hofe des Polizeigefängnisies durchging, wurde hier, nachdem er wieder verschiedene Einbrüche ver- übt, wieder dingfest gemacht. FC. Aus dem Regierungsbezirk Wiesbaden. 30. Dez. In der letzten Vorstandssitzung der diesseittgen Landwirtschaftskammer wurde mitgeteilt. daß sich der Vorstand des Viehhan- delsverbandes für den Regierungsbezirk Wiesbaden auf die Eingabe der Kammer wegen einer Beihilfe zur Förderung der Viehzucht bereit erklärt hat, die gleiche Summe, die der Kam- mer als staatliche Beihilfe zur Förderung der Schafzucht überwiesen worden, seinerseits zur Verfügung zu stellen, und zwar tn Höhe von 20 Ü00 Matt. Wegen der von der Kammer mehr geforderten Summe von 10 000 Mark hat sich der Viehhandelsverband mtt dem Landesfleischamt tn Verbindung gesetzt und um die Genehmigung ersucht, auch diesen Betrag zu dem genannten Zwecke der Kammer überweisen zu dürfen, ebenso wegen der für dir Durchführung von Ftttterungsversnchen mit Strohkraft- i p futter geforderten 10 000 Mark. Im weiteren erachtete es bet[ Vorstand des Viehhandelsverbandes für unbedenklich, daß dia Landwittschaftskammer die ihr früher gewährten Beihilfe«' von 5000 Matt für Schweineweiden und 5000 Mark für die Anstellung von Schweinehirten zur Bewilligung von Prämie» für die Durchhaltung von Zuchtsauen verwendet. FC. Wetzlar. 27. Dez. Zum besoldeten Beigeordneten der Stadt Wetzlar wurde Regierungsbaumeister a. D. Dr. Formar, Vorstand des Stadterweiterungsamtes in Königsberg, gewählf. FC. Weilburg, L Jan. Der Weilburger Anzeiger besteht heute 70 Jahre als amtliches Kreisblatt. FC. Aus Rasfan, 30. Dez. Vor 50 Jahren? Am 31. Dezem. bei 1867 erstattete der am 2. März genannten Jahres zum Prä- sidenten der Regierung in Wiesbaden ernannte frühere Land rat des Wetzlarer Kreises. Grkstav von Diest, den ersten sogen. Zeitungsbericht an den König. Aus dem großen Inhalt dieses ersten langen Berichtes vor nu.nmehr 50 Jahren sei folgendes hervorgehoben: Die Aufregungen, welche die Wahlen zum Reichstage des Norddeutschen Bundes und zum Abgeordneten- Haufe hervorgebracht hatten, sind einer ruhigeren Stimmung gewichen. Preußenfeindliche Bestrebungen sind dabei nur in de-- Stadt Frankfurt am Main zu Tage getreten. Dort herrscht eine zähe antipreußische Stimmung und eine traurige Beharr- lichkeit in der Negation den neuen Verhältnisien gegenüber. Sonst schroff geschieden in einzelne Klaffen, ist die große Mehr, zahl der Bewohner der Stadt Frankfurt am Main einig in der Feindseligkeit gegen das preußische Regiment. Der früher sehr bevorzugte Kaufmannstand sieht seinen Einfluß schwinden, die Arbeiter schieben alle Arbeitsstockungen auf die neuen Verhält- niste, und dabei läßt sich nicht in Abrede stellen, daß die ver- zögerte Auseinandersetzung zwischen Staat und Stadl und di« augenblickliche Auflösung der Gemeindebehörden stets neuen Stoff geliefert haben und noch liefern, das herrschende Mitzver- gnügen noch zu nähren. Mtt Ausnahme der Frankfurter zeigt« sich im übrigen die Bevölkerung des Regierungsbezirks Wies- baden nicht nur willig und fügsam der preußischen Regierung, sondern es herrscht auch im allgemeinen eine mehr oder minder freudige Zustimmung zu den Verhältnissen, welche die Ereig- niste des Jahres 1866 geschaffen haben. Es ist dies um so höher anzuschlagen, als der Uebergang in ganz neue Formen der Verwaltung, der Rechtspflege. Gesetzgebung vsw. manche Unbequemlichkeit mit sich führen muß, und als di« demokratisch- fortschrittliche Pattei hier besonders tiefe Wurzeln in den ver. gangenen Jahren hat schlagen können. Aber schon hat sich der Einfluß dieser Partei sehr vermindert. Euer Majestät Ver- weilen in Ems und Wiesbaden hat sichtlich lebhafte und dauernde Sympathien für Euer Majestät Person und Regie- runA wachgerufey^— Ucber Kirchen, und Schulwesen wurd« sodann berichtet, daß innerhalb der evangelischen Kirche Nas- sau's wenig reges kirchliches Leben zu finden fei. da. daß hier und da. besonders auf dem Lande, die Geistlichen dem weit- gehensten Rationalismus huldigten, daß dagegen im nördlichen Teil des Regierungsbezirk» das kirchliche und religiöse Leben ein lebendigeres fei. wenn auch fteilich dott leider in manchen Gemeinden die Sektlererei blühe. Die Schuten feien im allge- meinen in einem guten Stande, aber auch hier mache sich rnam nigfach ein negativer Einfluß geltend, die Religion trete vielfach bei dem Unterricht in den Hintergrund und namentlich in verflacht — eine Folge der gesetzlichen Konfessionslosigkeit der konfessionell gemischten Orten sei der Religionsunterricht sehr hiesigen Schulen. FC. Aus dem Rheingau. Das Weinjahr 1917 brachte im Rheingau stellenweise einen überaus reichen Ertrag, während in manchen Lagen wiederum kaum eine Drittel-Ernte erzielt worden ist. Der Grund zu dieser Erscheinung war schon im Februar 1917 gegeben, wo heftige Kältezug«, die eine Tempe- ratur bis zu —20 Grad Celsius brachten, an den in den östlich im Rheingau gelegenen Weinbergen und in den Niederungen bedeutende Frostschäden verursachten. Die kahlen Stöcke mit unzählich erfrorenen Augenknospen trieben nur spärlich aus und diese Triebe waren zumeist ohne Gescheine. Erst mit der Zeit er- holten sich diese Stöcke, wurden zwar reichlich belaubt, blieben aber ohne Trauben-Ansätze. Außerdem ttaten später die Pere» nospora und der Trabenschimmel in verschiedenen Gemarkungen hinzu und verursachten große Schäden, während in einzelnen Weinbergen der Gemarkung Eltville der Rebstichler in solchen Mengen wie me zuvor, auftral und große Verheerungen am richtete. In den Weinbergen der Gemattung. die von dem Schädling verschont blieben, konnte der Winzer jedoch drei Viertel bis zu einem vollen Herbst einheimsen. Der Verlauf der Witterung des ganzen Sommers war derart, daß die Trauben nicht jenen Grad von Reffe erreichten wie in sonnigen sehr guten Weinjahren. Namentlich hat der Oktober dieses Mal versagt, so daß die erstklassigen Weingüter des Rheingaus Heuer keine Ausleseweine erzielen konnten. Trotzdem ist die Oualität der 17er Weine ein« sehr gute. Die kleinen Winzer, die meist dt« reich tragenden, früh reifenden Traubensorten, besonders Oester- reicher und Kleinberger kultivieren, haben 1917 sich einer reichen Ernte erfteuen können. So haben die Weinberge in der Gemarkung Lorch diß größten Ertrage aufzuweifen. sodann die. die in den Gemarkungen des Kreises St. Goarshausen gelegen sind. (Also: eine sehr gute Ernte und trotzdem Weinnot. Es wird Zeit, daß ein Forscher geboren wird, der den Wucherbazillu, endgültig beseitigt. D. Red.) Aus Kurbesie«. Kastel. 1. Jan. Nach Verübung von 150 (!) Einbrüche» sind hier zwei gemeingefährliche Verbrecher, die gleichzeitig auch Schleichhandel tm großen Stil betrieben, von der Kriminal- Polizei unschädlich gemacht worden. Die Burschen, der Ivjährige Schloster Gustav Sarickter und der 23jährige Kellner Julius Siegelen, waren in einem ersten Hotel als Fahnenjunker ab» gestiegen. Die Deute ihrer raffinierten Raubzüge, bei denen sie Gesichtsmasken und Verkleidungen anlegten. verkauften sie im Schleichhandel zu Wucherpreisen. Beide find geständig. Verantwortlich für den politischen und lokalen Leii: Otts H i r sche l. Jnedberg; für den Anzeigenteil: 9t. $enn erj Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen TQgcS-ertmv^» ^ A- G., Friedberg 1$, * * v ^ Grane Gefahren. Roman ans der Gegenwart von M. Gvntard - Schock. 7) 'J achdruck verloren- Ein ■ Zug von Eigensinn legte sich um den hübschen Mund. „Vapa hat noch immer getan, was ich gerne wollte. Und Dich, Thh will ick gern." Ein leucktender Blick flog zu ihm hinüber. „Helen, Süße! Soll ich Dich herüber boten?* Seine Augen b itzten. Seine Brust hob sich. „Versuch es!" rief sie keck. Gab dem Pferd einen leichten Schlag, schnalzte mit der Zunge und fort flog der Fuchs mit seiner leichten Viirde. „Hallo, hopp!" Der Braune sicß sich nicht lange nötigen. In langen, schönen Sähen folgte er dem Flüchtling. Am kleinen See wandte Helen, ritt auf der andern Seite herunter und rief ihm von drüben ein Scherzwort zu. Gleich darauf wandt» sie sich ihrem Bruder zu. -Ärchie, Tn Faultier, wann wirst Du zum Frühstück kommen, wenn Tu bei dieser Geschwindigkeit bleibst? Komm, wir wollen nach Hause!" „Wenn ich nun ein Deutscher wäre, würde ich jetzt sagen: Ihr Wunsch ist mir Befehl, gnädiges Fräulein. So ^rage ich nur: Ist Dein Hunger so groß, daß Du es so eilig hast?" ,Es könnte Dir auch nichts schaden, wenn Du zuweilen etwas böslicher wärst." „Dann müssen wir wohl unsere Auseinandersetzung auf ein andermal verschieben, Herr von Bieberach." „Sollte mich sehr freuen, Mister Douglas. Vielleicht mal wieder einen kleinen Spazierritt!" Er warf einen Blick auf Wcrkheim und sah, daß er das Rechte getroffen. „Ach ja. Archie, verabrede es bald wieder. Es war wunder schön." Ein heimlicher Blick traf Alfred von Werkheim, der ihm das B ul heiß zum Herzen strömen ließ. Am Ausgang des Parkes, kurz vor Kuightsbridge, trennte man sich. WSrkheim war noch einmal an Helens Seite geritten. »Wann bekonmw ich Nachricht?" flüsterte er leiden- gastlich. ^Sobald als möglich. Vielleicht schon morgen." Am Spätnachmittag desselben Tages saß Lady Douglas mit ihrer Schwester in ihrem Zimmer und wartete auf ihren Gatten. Sir Edwar liebte es, wenn er nach einem an-Auf- regungen und Aerger reichen Tage nach Hause kam, seine Frau seiner wartend zu finden. Mit beinahe aberg äubischer Regelmäßigkeit hielt dieser Mann, bei dem noch nie ein Mensch eine Aeußerung wärmeren Gefühls gesehen hatte, auf diese eine Stunde im Kreise seiner Familie. Heute war Lady Douglas verstimmt und zerstreut. Sie sah den: Kommen ihres Gatten nickst mit derselben Ruhe entgegen wie sonst. ^ „Du hättest den Verkehr nicht io lange gestatten dürfen, Isabel," sagte Miß Hardinge, eine hagere, streng aussehende, alte Jungfer. „Ich bin grundsätzlich gegen eine Heirat außer Landes. Und nun gar diese Deutschen! Ich bin auf Edwards Antwort gespannt. Er wird wütend sein und mit i Recht!" „Aber ich bitte Dich, Augusta. was kann ich denn dafür? Du tust ja gerade, als hätte ich die Sache begünstigt. Und abgesehen davon daß er Ausländer ist, wäre die Heirat doch durchaus wünschenswert! Gegen die Fannlie läßt sich gar nichts sagen. Guter, alter Adel, und dazu sehr begütert." „Na, ja. aber das alles konnte Helen hier im Lande genau gut, wenn nicht noch besser haben. Es ist nun einmal nichts, wenn aus unseren Kreisen jemand ins andere Laaer übergeht. Früher oder später muß Zwiespalt entstehen." „Ach was! Du denkst immer gleich an die leidige Politik, Augusta. Was kümmert uns Frauen diese Männersache. Helen zrpnal will gar nichts davon wissen." Miß Hardinge zog ein überlegen spöttisches Gesicht. „Die Zeiten ändern sich zuweilen rasch. Und-wie sich Helen einmal entwickeln wird, ist jetzt noch gar nicht vorauszusehen. Freilich Du! Wenn sie Deine Gleichmütigkeit geerbt hat, wird sie eine bequeme Frau werden. Du bist viel zu saust und nachgiebig. Gegen Deinen Gotten sowohl, als nicht habe.' r* "^1 mir ^ r °Ö e ' lver von uns beiden die Glück. ' y vc bin sehr froh, daß He'en nicht nach Dir arte♦ fcÄrf!« * *** 2t ’ nfen ""d Wen der ,,vei nll ihrem weib'ichen Tmken und FUh'en weis, Helen aber ganz genau, was sie will. Das hat sie Tir vorhin ziemlich unverblümt gezeigt." ^y Isabel wurde einer Antwort enthoben, ihr Gatt" betrat das Z'mmer. „Ah. nieine Liebe, hier bei Tir ist mit ^^ 3:na frei,e ict >- mich mir diese Stunde. ~ . § Dammerstundchen in Deinem Zimmer is, für mich der llrnhepunkt, nach dein ich mich sehne. Dein Tee söhnt nach Mlt manchem Ungemach ans." _ i a ' Edward, die Politik ist eine undankbare 33c- IcnftfttQimg. Sie zerstört auch die besten Nerven," sagte Miß Hardinge boshaft. ö „£u hast recht wie immer, Verehrtestc. Desba'b wollen wrr sie euch auch so lange als möglich fern halten." „Wenn Du dafür etwa Dank erwartest, so irrst Du Dich. Wir wünschen keine Rücksichtnahme und es wäre gut, wenn auch dre Frauen ihr Wörtlein im Rate der Völker mitzn- sprechen hätten." „Nun seid ihr glücksich wieder bei dem leidigen Gespräch," klagte Lady Tonglas. „Daß ihr dock nie einen Augenbllck zusammen sein könnt, ohne euch zu zanken!" „Zanken? Aber Isabel! Welch hartes Wort! Ich zanke mich nie." Sir Edward sagte es mit kühlem Läche'n. „Du hast recht, Teuerster! Du zankst Dich nie. Du kannst die Leute auch ohnedies mit Deiner ste'neren Ruhe zu Tode ärgern. Ilnd ich glaube fast, das tägliche Scharmützel mit mir ist Dir ebenso Bedürfnis, wie Isabe's Tee. Na, nun kannst Du ja auch mal versuchen, ob diese Art bei Deiner Tochter arttchlägt." Sir Edward Douglas warf einen schnellen Blick auf seine Gattin. An ibrem verlegenen Lächeln sah er, daß etwas nickt in Ordnung tvor. ..Helen? Was ist's mit ihr?" Horttetzuna w!at. Neue Tageszeitung Druckerei n. Verlag A.-T. Friedberg, Hanauersir .12 KekanniMachttttg. Am nächsten Freila«?, den 4. Januar verkeilen wir in der alten Pest. Eingang am Bezirkskommcrndo, CClCt' durchleuchtet vormittags von 97*—IOV4 Uhr für die Nummern 1-350 des Be. zirts 1 , von 10 V 4 —11 Uhr für die Nummern 351 aufwärts des Bezirks I, von 11—12 Uhr für die Nummern des Bezirks Hl. nachmittags von 2—3 Uhr für die Nummern 1—500 des Bezirks II von 3—4 Uhr für die Nummern 501—1000 des Bezirks US von 4—5 Uhr für die Nummern 1001 auswärts des Bezirks SS Es werden abgegeben: Auf Eierlarte gelb/ Marke 13, 1 Ei zu 40 Pfennig. Abge'tempetterole Eierkarten, Marke 14, 2 Eier zu 8J Pfo. Gegen Vorlage der kreisamllichen Bescheinigungen aus abgestempelte rote Eierkarten, Marke 15. 2 eiet zu 80 Pfennig. Die Eierkarten sind mit vorzulegen. Nicht abge- stemielte rote Eierkarten sind ungültig^ Eierkarlen ohne die betreffenden Marken berechtigen nicht zum Bezug,' einzeln abgelrennte Marken sind wertlos. Friedberg, den 2. Januar 19l8. StäDt. LebeuSmittel LlttSfchus;. __ Langsdorf. Sscli Verkaof. Fre lag, den 4. Januar 1918, nur gegen Vezugs- fck'Sl,re. die Freitag Vormittag von 8—10 Uhr in bei alten Post, Zimmer Nr. 2, in Empfang genommen werden können. Lebensmiltertarlen sind vor^u.egen. Es gelangen zum Verkauf: Schollen ' zum Preise ron 70 Pfennig per Pfund bei E. Mörschel, E. Stamm, A. Schmidt. Frledberg, den 2. Januar 1918.. Stadt. Lebcnsmettel-TkrtKichust. Langsdorf. ^.oin 2 . Januar laiö au oert: ; it Zug 4, 9Z S.ockheun ab 4*?. vorn,. Lauterdach an 7-^- aus der ganzen Strecke nur noch Werktags ui d erhält von diesem Taee ab in Fli chborn i on 7 1 «—V 17 Aufenthalt. D.-ge^e 1 fall! der Auscn halt 7-- in Vützenrod weg. An Sonn- und Feiertagen verkehrt Zug 4 ab 1. Januar nur von Gedern bis Lauterbach Nord und erhält solgendm Plan: Gedern ab 7« vorm. Ob?rsee,nen 7« Han mannshain 7" Vermeil shain 7m Erainield Grebenhain-Crainfeld 8<" Nösberts 8- Ilbsshauxn 8-r Hubstcin 8-* Bixielo S« Eisenbach Frischborn La^ler^cch Süd u« Lauterbach Uioib an 9 11 vo m. Königliche EimiblihirSirtttm Frsüksück lMaiii). , ^ jy -- Fernsprecher Rr. 48 Unsere Vuchdruckerei ist hervorragend in der raschesten Anssührung von moöcrncn SriKfdröcücn Ein Versuch wird jeden überzeugen und ein Besuch bei uns diese Ueberzcugung befestigen. Wir sind aus Wunsch jederzeit zur Preisberechnung bereit und stehen mit Mustern zu Diensten Gutes fl s IfcB’säe prn Schlachten (gj„ Mkxxtz kauft zu jedem annehmbaren Preis ^ erlaufen. " * Hermann Blum, Friedberg. Gustav Waas, Fuhrunternehmer, Poftlaue genügt. \ Friedüerg. «issiii-feolis frisch ei«ge(i , «STeii. Tapeten- und Lindcnniliaiiüi Jean KSglcr, “S W,r suchen einen fleißigen und I streb amen Mann als Vurodisner. Der Eintritt mutz sofort erfolgen können. 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Januar l. Is. von nachmittags 1—6 Uhr statt- findet. Die vorstehende Verkaufszeit ist genau ein;uhalten. Friedberg, den 3. Januar 1918. Dcc Viirgermel.ter. _I. V.: D a m m. Kekaurrtmachu»^ Die Ausgabe der neuen, Petroleumkarten erfolgt am Freitag d. 4. Januar 1918 aut Zimmer Nr. 9 des Stwx hau es in den üblichen Ge'chä'iii- nuuden qegcn Vortage der LeLeuE- mittellarte. Es wird ausdrücklich darauf hingewi.'sen, datz an d e ein Ta^e nur d.e ^aushaltun.zen berücksich, ligl werdest, die über sonstige Be- leuchtunzsmi.tel nrcht verfugen. Haushaltungen, welchen Gas» oder elektrische Beleuchtung zur Verfügung lleht. erhalten erst in tun folgenden Tagen die ihnen zuireheude rdrenge. Die für Dezember gültigen Atarlen tre:en mit de n 4. . ouuat an'zer Kraft und dari der Verkauf von diesem Ta^e ab nur nollz eegcn die neuen ro,a Ka.t.n clp folgen. Friedberg. den 2. Januar 1018. Der Bürgermeister. __I . V : D a m m. Zum Schlachten empfeh.e rem aemahlenen spanrscheo Pfeffer (Rosen-Paprica) 50 Gr. 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