! I i üemeinscvsirsbiatt für dessen. Erscheint wöchentlich einmal. Einzelne Exemplare bestelle man bei der Post vierteljährlich. Verlag Oer buebbaiutlung »er Pilgermisslon Kietzen. Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Eießen. Mitarbeiter: Pfarrer SperbevCassel, Pfarrer StraustLeipzig u. d. Prediger d. Pilgermission. Druck ». I ©. Oncken Nachf., G. m. b. H., Castei. Nr. 28. Sonntag, den 11. Juli 1915. 8. Jahrg. In Todesgefahr. Schiffbrüchige, dem Tode nahe — wer wird sie retten? Von allen Seiten die Wellen und Fluten, von allen Seiten die Trümmer des Schiffes, und das kleine Rettungsboot schon bis zum Sinken überfüllt, aber noch immer strecken sich Hände Er- trinkender aus, und Hilferufe gellen durch das Sturmgebraus. Wer wird sie retten? Wohl jedem, der „Rettungsarbeit" tun darf, nicht bloß an Schiffbrüchigen, nein, auch an anderen, die ohne Rettung verloren wären! Und diese „Rettungsarbeit" an anderen, die gibt es überall, die kannst auch du tun und auch ich. Sie rufen nicht immer, sie strecken nicht immer ihre Hände hilfesuchend aus — aber „hilfsbedürftig" sind sie doch und vielleicht gerade am allermeisten dann, wenn sie selbst sich ihrer Gefahr nicht bewußt sind. Sie leben im Strudel der Genüsse und fragen nicht nach Gott. Die Wogen der Arbeitslast schlagen über ihrem Kopfe zusammen, und sie lassen ihre Seele darben. Die Halbheit und Unklarheit des gewohnten Christentums ggspal läßt sie in den Wellen der anererbten Frömmigkeiten hintreiben — und sie alle wissen es nicht, in wie großer Gefahr sie schweben. Kannst du, willst du sie retien? Aknr vorher die Fragei „Hast du selbst dich schon retten lassen?" Gerettet sein Gibt Nettersinn. Hat Gottes starke Hand, aus Gnaden, dich schon herausgerettet aus dem Strudel der Gottesferne, dann ivill und wird Er dich brauchen, um auch andere aus derselben Gefahr herauszuretten. Entziehe dich diesem Vorrecht nicht. Achte nur den Tag ober darauf: wann, io o und wie du, liebreich, die Retterhand einem Hilfsbedürftigen entgegenstrecken kannst. Halte ihm dann nicht lange Reden, sondern fasse zu, — beweise ihm deine Rettccliebe: hebe ihn enipor, stütze ihn, — und du wirst's erleben: es gibt nichts Herrlicheres auf der Welt, als „Retterdienste" zu tun. I. v. Hin de n bürg. Wertraue auf Gott. Auf Israels Zuge in das Land der Verheißung war ihm Amalek in den Weg getreten; es galt einen harten Kampf, denn an Streitkräften war ihm der Feind überlegen. Menschlich gerechnet, hätte es unterliegen müssen, aber vor Mosis Blick stand der -Lieg, denn Moses hatte den Stab Gottes. Den Stab hatte ihm Gott gegeben, als Er ihn an die Spitze Israels stellte und ihn sandte, das auser- wählte Volk aus dem Lande der Knechtschaft zu führen. Diesen Stab hielt er als das Zeichen, daß er nicht auf eigenem Wege ging, sondern in des lebendigen Gottes Dienst stand, und daß er sich an Ihn, ben allmächtigen Helfer, halten durfte. Mit dem Ltab ging Moses hinauf auf den Berg, wäh- rend Israel im Tale gegen Amalek stritt, und solange Moses seine Hände mit dem Stab emporhielt und Gott für das kämpfende Heer anrief, siegte Israel. Unten im Gewühl der Schlacht wird es den einzelnen bei ihrer furchtbaren, blutigen Arbeit kaum bewußt geworden sein, wo im letzten die Antriebe herkamen, wenn es in der Schlacht mit überwältigen- den Kräften voranging, aber oben auf dem Berge, wo der Mann Gottes seine Arme zu Gott ausbreitete, da war es klar zu sehen, woher Israel die Siegeskraft empfing: „Der HErr ist nahe allen, die Ihn au rufen, alle», die Ihn mit Ernst anrufen. Er tut, was die Gottesfürchtige» begehren, und hört ihr Schreien und hilft ihnen." Dürfen >vir in dieser Zeit nicht wie einst Moses vor unseren Gott hintreten und Ihn anrufen : HErr, es ist nicht unser eigenes Wollen, das uns in den Krieg geführt hat, Du hast es nach Deinem heiligen Ratschluß zugelassen, daß alle Völker der Welt sich erheben zu grauenvollem Ringen, Du führst auch uns in dieses Toben hinein, führe uns hindurch!? Gewiß, wir dürfen es! Wie schwer kommen viele Menschen zum Glauben an den lebendigen Gott, an den Gott, der nicht nur ein Raine ist, sondern an den Gott, der in der ( Höhe thront, dem alles untertan ist und der sich aus der Höhe herabläßt zu den Niedrigen, um jebem nahe zu sein, jedem zu helfen, jedem Anteil zu geben an seinem ewigen Reich der Gnade. Großen Scharen ist die Weltentwickelung nur die Entwickelung starrer Gesetze, und dieser starren Entwickelung stehen sie mehr oder weniger unfrei ohne innere Mitarbeit gegenüber. Wieviel wird von Glück geredet da, ivo Gott einen guten Ausgang schenkte, ivieviel von Unglück da, wo Gott dunkle Wege führen mußte! Wer trägt in seinem Herzen die Gewißheit, daß die Wege eines einzelnen Menschen w e die der ganzen Völker wirklich bis ins kleinste hinein von Gott gelenkt werden? L Jie rettende Gnade. Die rettende Gnade Gottes sandte nicht einen der hohen Engelfürsten auf die Erde hiuab, nicht Gabriel, nicht Michael, nein, Gott sandte den eingeborenen Sohn, den HErrn der Herrlichkeit. Der erschien auf Erden, welcher des ewigen Vaters eivige Wonne ivar, Der, durch welchen Gott Himmel und Erde erschuf, dessen gewaltiges Schöpser- ivort Sonnen und Sterne aus dem Nichts ins Dasein rief. Den, welchen alle Heere der Himmel anbeten, sandte des Vaters Liebe in das Tal der Sünde, des Todes und der Tränen, um Schuldige zu begnadigen und mit Gott zu versöhnen. Gott iandte Jejum nicht in dem Glanze göttlicher Maje- stät, um diese Botschaft zu bringen, sondern Gott sandte Ihn, um auf dem Kreuze von Golgatha das Urteil des Schuldigen auf Sein schuld- loses Haupt zu nehmen, u m z u l ei d e n und zu st erbe n als der Bürge derer, welche Gott begnadigen wollte. Gott vollstreckte in heiliger Gerechtigkeit an Seinem geliebten Sohne das gerechte Urteil, ivelches der sündige Mensch verdient hatte. Das ist Gnade, daß Gott selbst auf Erden erschien in Christo, „der Sich selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm. In Seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden, erniedrigte Er Sich selbst, indem Er gehorsam war bis zum Tode, ja, zum Tode am Kreuze." (Phil. 2, 7. 8.) Was hat es Gott gekostet, um den Weg der Gnade zu finden für eine Welt von schuldigen Sündern? Es hat Ihn Seinen eingeborenen Sohn gekostet. Aber ivie groß, wie allumfassend ist diese Gnade! Der Schuldigste, der verkommenste, der bösartigste Sünder darf die Botschaft einer vollkommenen Gnade glaubend ins Herz fassen und dem ewigen Gott persönlich begegnen. Er darf Dem, der auf dem Thron der Himmel thront, nahen, um mit Ihm zu reden und Ihm alles ins Herz zu sagen, was sein Herz bewegt: alle Schuld. Schmach, Bestellung — nichts ist zu schlecht, nichts ist zu schwarz — die Gnade reicht aus für alle! Wenn der zuvor Schuldbeladene, dessen Herz gebeugt ist unter dem Fluche seiner Sünde, diesem gnadenreichen Gott-Heiland naht, was findet er? Nicht nur eine völlige und ewig gültige Vergebung, nein, das Kleid einer göttlich vollkommenen Gerechtigkeit, den Kuß der Liebe, die Umarmungen des Vaters, den goldenen Ring nie endender Gnade, den Platz am Herzen Gottes, Kindcs- recht und Kindeserbteil, Lebensgemeinschaft mit Gott, ewiges Leben und das Siegel des Heiligen Geistes, daß er ein Begnadigter Gottes geivorden ist. So begnadigt Gott den schuldigen Sünder, der glaubend aufblickt zu dem Kreuz von Golgatha, der, dem Worte Gottes vertrauend, diese große Gnadenbotschaft faßt: „Wer an Mich glaubt, hat eiviges Leben." (Joh. 6, 47.) Wenn dies nur menschliche Worte wären, so müßte man sagen: Es ist zu groß und zu herrlich, um es glauben zu können. Aber es sind göttliche Worte, erlebt rind bestätigt in der Wirklichkeit des irdischen Lebens. Rings um uns her sehen wir befleckte, friedlose, schuldbeladene Menschen. Sie vernehmen die himmlische Botschaft des Evangeliums, da-? Wort vom Kreuz, und: „Jeder, der irgend den Namen des HErrn anrufen wird, wird errettet werden." (Röm. 10, 13.) Wir erleben die Wirklich- keit dieses Wortes. Friedlose Sünder rufen den Namen Jesu an, in welchem allein Heil und Friede ist; sie erleben die Begegnung mit dem lebendigen Gott, und die Gnade verwandelt sie aus Verlorenen und Schuldigen in geliebte und gesegnete Kinder Gottes. Das Wort Gottes gibt uns einen Begriff von der Fülle der göttlichen Gnade in dem Worte: „Wo aber die Sunde überströmend geworden, ist die Gnade noch überschwenglicher geworden " (Röm. 5, 20.) v. V. ZL Geschichte eines Traktats. Vor etlichen Jahrzehnten hatte sich eine Anzahl Christen verbunden, vielen Leuten Traktate durch die Post zu senden. Eines derselben, betitelt: „Bereite dich, um vor Gott zu erscheinen!" wurde in einen Umschlag getan und durch die Post einem Herrn gesandt, der durch seine Gottlosigkeit und sein wüstes Leben bekannt war. Als er sich gerade in seinem Arbeitszimmer befand, wurde ihm das Schriftchen mit anderen Sachen zugestellt. „Was soll das?" rief er aus, „bereite dich, um vor Gott zu erscheinen! — Wer ist so unverschämt, mir solch unverständliches Zeug zu schicken?" Er stand auf, fluchte und ivollte das Büchlein ins Feuer werfen. Doch plötzlich hielt er inne und sagte bei sich selbst: „Nein, ich will den Wisch nicht verbrennen, sondern meinem Freunde B. schicken; das wird Anlaß zu einem tüchtigen Spaß geben." Wie gesagt, so getan. Er tat das Büchlein in einen anderen Umschlag und schrieb mit verstellter Handschrift die Adresse seines Gesinnungsgenossen ! darauf. Herr B. erhielt das Schriftchen, setzte sich nieder und las es. Die ernsten Worte des Titels fesselten : ihn plötzlich und gingen ihn. zu Herzen; die Wahrheit ! der kleinen Schrift erleuchtete ihn, brachte ihn von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott. Nun dachte er an diejenigen, mit welchen er solange geschwelgt und in allerlei Sünden gelebt hatte, und sagte: „Ich habe soviel Licht und Segen durch dieses Schriftchen erhalten; sollte ich mich nicht bemühen, daß dasselbe auch anderen zuteil werde?" Derselbe Traktat wurde jetzt einem früheren Ge- sinnungsgenossen zugesandt. Der HErr legt nochmals seinen Segen auf dies Büchlein; es ward ein Pfeil in Gottes Hand, der das Herz des Feindes traf und verwundete, um zu heilen. Der Empfänger las mit großem Segen das Büchlein und wandelte seitdem mit dem, der es ihm zugesandt, als ein Erlöster des HErrn auf dem Wege des Lebens. K Li» Kcrichl Kattcs. Eine Zeitung berichtet über Salome, die Tochter der Herodias, jener Ehebrecherin, durch deren Haß Johannes der Täufer sein Haupt verlor Matth. 141: „Herr Theodor Reinach, ein Gelehrter, hat der Pariser Akademie eine Studie über die Münzen von Nikopolis aus der Zeit ihres letzten Königs Aristobulos vorgelegt. Das scheint ein gar fernes und trockenes Thema zu sein, das nur den Spezialforscher fesseln kann. Aber aus diesen Münzen hat der Gelehrte neue Kunde über jene Salome gewonnen. Salome ist nämlich nach dem Tode ihres ersten Mannes die Gattin des Königs Aristobulos, ihres Vetters, geworden. Ihr Ende war tragisch. Sie war auf der Höhe ihrer Jahre und ihrer Schönheit, als sie auf einer Reise einen gefrorenen Fluß zu überschreiten hatte. War das Eis zu dünn, waren die Schritte der schönen Fürstin vielleicht nicht leicht genug — kurz, das Eis gab nach, Salome brach ein, und während sie einen verzweifelten Kampf gegen die Flut und gegen die Eisschollen kämpfte, geschah es, daß diese ihr schönes Haupt glatt vom Rumpfe abtrennten, gleich als hätte ein Henker es ihr kunstgerecht abgehauen. So war der Täufer schon auf Erden durch Gottes unsichtbare Hand gerächt." So trifft manchen Menschen schon auf Erden ein zeitliches Gericht, aber das ewige Gericht kommt für alle, die in ihren Sünden sterben, jedenfalls jenseits des Grabes. So steht geschrieben: [ „Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht." (Ebr. 9, 27 ) Wohl dem daher, der in der Zeit der Gnade, am Tage des Heils, mit seinen Sünden in Buße und Glauben j in Jesu Christi offene Retterarme eilt: Sein Blut ! macht rein von aller Sünde l So sagt das Wort - Gottes