444444 4444444444444444444444 444 444 ♦♦♦ 444444444444444444444 ♦ ♦ 4 4 4 Aufwärts! Gemeinscbaftsblatt für dessen. ♦ ♦ ♦ ♦ 4 4 4 4444444444444444444444444444444444444444444444444444 Erscheint wöchentlich einmal. Einzelne Exemplare bestelle man bei der Post vierteljährlich, Verlag der Buchhandlung der Pllgermissicn Kiesten, Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen, Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig u, d. Predigerd. Pilgermission, Druck v, I. G. Oncken Rachf,, G, m, b, H,, Cassel. Nr. 1. Sonntag, den 24. Januar 1915. 8. Jahrg. 17 = ssD Alnser Kauptmann. sss „Er war wie ein Vater uns allen gesinnt, Und jedem von uns war er teuer; Gerecht war er stets, und jeder wohl ging Für unfern Hauptmann durchs Feuer, Und draußen im Felde, da ist er uns dann Noch größer und lieber geworden, Und diesen vortrefflichen, gütigen Mann Mußt' eine Kugel uns morden. Kein ehrlicher Gegner hat sie gesandt, Ein Franktireur hat geschossen; Da haben wir alle im feindlichen Land Die erste Träne vergossen. Und als wir ein sicheres Plätzchen gesucht, Darin er zur Ruhe könnt' kommen, Da haben wir alle der Kugel geflucht, Die uns diesen Helden genommen." So ward mir's erzählt, und es ging mir durchs Herz, Ich dacht' an den Feind unsrer Seelen, Der heimlich uns zufügt manch bitteren Schmerz, Unsagbar uns oft weiß zu quälen. Da heißt es zu beten und wachsam zu sein Und nie in der Sünde zu schlafen, Das Blut Jesu Christi jedoch macht uns rein, Wenn je Satans Kugeln uns trafen, Ch. F. Verwundet. Ein bei Lille verwundeter Hauptmann diktierte folgenden Brief von der Schlacht am 27. August v. Js.: „Ein Schrapnell der französischen Artillerie ex- plädierte neben mir und traf mich in beide Oberschenkel. Der linke Schuß ging durch den Oberschenkel hindurch, in die linke Leiste und blieb in der Bauchwand stecken. Unter entsetzlichen Schmerzen stürzte ich zusammen. Unter lautem Gebet empfahl ich die Meinigen der Fürsorge meines Gottes und Vaters; dann bat ich den HErrn, mich in die Wohnungen seines Gottes und Vaters heimzuholen. Dann rief ich einem Unteroffizier zu, meiner geliebten Frau einen letzten Gruß zu sagen, daß ich im vollen Frieden mit Gott in die geöffnete Ewigkeit schritte. Zum Schluß rief ich meinen Leuten noch zu, gut zu zielen und tapfer sich jetzt vorwärtszuarbeiten. Dann schwand mir das Be- wußtsein. In Händen und Füßen überkam mich ein eigenartiges eiskaltes Kribbeln. Plötzlich erwachte ich aus meinem Zustande durch ein Artilleriegeschoß, welches mit unheimlichem Pfeifen in den Boden einschlug. Bei wiedererlangter Besinnung pfiff dann noch ein Hagel von Geschossen um mich herum. Ich lag regungslos da und bat nur den HErrn, den Todeskampf ab- zukürzen. Rings um mich lagen Tote und stöhnten Verwundete. Mit einemmal vernahm ich aus der Ferne ein dumpfes Geschützfeuer, von dem ich wußte, daß es die lang erwartete Hilfe unserer eigenen Verstärkung war. Unter sehr heftigen Schmerzen schob ich mich auf den Armen nach einem Wege zu, um nicht in der hereinbrechenden Nacht zu verbluten. Vorher hörte ich noch, wie den Bataillonen die Meldung zugerusen wurde: »Der Hauptmann von der Zehnten ist gefallen!« Nach einiger Zeit erkannte ich etwa fünfzig Schritte von mir den Major. Mit letzter Kraft rief ich ihm zu, daß ich verblute. Er kam sofort auf mich zu, beugte sich über mich, schüttelte mir die Hand und sagte: »Sie leben ja noch. Sie haben tapfer gefochten.« Dann ließ er mich durch zwei Leute in einen Chaussee- graben setzen, kam dann wieder und sagte: »Ich habe einen leeren Patronenwagen hier, der kann Sie mitnehmen.« Dankend nahm ich es an und wurde auf den Wagen gesetzt. Aber das Blut rann in die Stiefel, während ich am Körper noch immer eisig kalt war und zitterte. Ich ließ mich von dem Wagenführer, an dem ich mich während der Fahrt festhielt, notdürftig verbinden, um nicht zu verbluten. Endlich kam ich aus der mörderischen Schlacht heraus in ein kleines Bauernhaus, in dem es schon von Verwundeten wimmelte. Unser sehr netter Regimentsarzt bemühte sich rührend um mich und ließ mich in Decken einwickeln. Nach einiger Zeit kehrte wieder die Körperwärme in mich zurück, und ich sank in einen erquickenden Schlaf. Erst am nächsten Morgen erwachte ich gestärkt, obgleich ich noch große Schmerzen hatte. Ich konnte kaum fassen, noch am Leben zu sein, und pries den HErrn für dies unfaßbare Wunder seiner Gnade. Gegen Abend dieses Tages brachte man mich dann auf einer Bahre in das Feldlazarett 23, das im Dorfe eingerichtet war. Ich wurde untersucht und endgültig verbunden. In dem Lazarett häuften sich die Verwundeten bald auf vierhundert an, darunter sehr viele schwer verwundete Soldaten und grauenhafte Verwundungen durch die Dumdumgeschosse der englischen Divisionen. Das Gestöhn und Gejammer war herzzerreißend, obwohl sich unsere braven Soldaten auch hier ebenso mutig zeigten als vor dem Feinde." Dieser Hauptmann war vor Tausenden anderer Verwundeter bevorzugt, denn er kannte Jesum. Er konnte zu Gott als zu seinem Vater beten, als er im Augenblick seiner schweren Verwundung zu sterben glaubte. Er konnte seiner Frau die Botschaft senden, daß er im vollen Frieden mit Gott in das Tor der Ewigkeit schreite. Welch ein Vorrecht! Da war nichts zu ordnen, nichts zu bekennen. Die Frage der Schuld war geordnet, für alle Ewigkeit waren alle Flecken der Sünde gewaschen durch das Blut des Lammes Gottes. Darum war Frieden! Welch unaussprechliche Gabe, wenn ein Strom von Frieden in solchen Stunden, inmitten von Kampf, Tod und Gefahr durch das Herz geht! Die Zahl unserer Verwundeten ist schmerzlich groß, und jeder einzelne von ihnen erinnert uns, die Daheimgebliebenen, an die treue Hingabe, mit welchen die Millionen deutscher Streiter ihr Leben eingesetzt haben für ihr Vaterland, für uns! Wahrlich, der Fortbestand unseres deutschen Vaterlandes, die irdische Zukunft unserer Kinder, das Blühen und Gedeihen unseres Volkes, die Ehre unseres deutschen Namens, das alles wird mit einem hohen Preise bezahlt, mit Leiden und Schmerzen ohne Zahl. Die, welche sich für uns geopfert haben, sind der Liebe und des Dankes, ja, der Tränen wert. Aber hoch über dem allen steht Einer, von welchem geschrieben steht: „Fürwahr, Er hat unsere Leiden getragen, und unsere Schmerzen hat Er auf sich geladen. Und wir, wir hielten Ihn für bestraft, von Gott geschlagen und nieder- gebeugt. Doch um unserer Übertretungen willen war Er verwundet, um unserer Missetaten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf Ihm, und in Seinen Striemen ist uns Heilung geworden." (Jes.53,4. 5.) Es ist Jesus, der HErr der Herrlichkeit, der Sohn Gottes, der Schöpfer aller Dinge. Er kam aus der Herrlichkeit des Vaters; die Liebe, das Erbarmen trieb Ihn hernieder. Er sah uns alle auf dem Wege des Verderbens, der Gewalt eines erbarmungs- losen Feindes verfallen und mit Sündenwunden bedeckt, die uns den ewigen Tod bringen mußten. Niemand konnte sich befreien. Da kam der Retter aus den Himmeln, die Liebe Gottes in Person! Er kam, um den Fluch unserer Schuld, die Lasten unseres Gewissens auf sein schuldloses Haupt zu nehmen und als unser Bürge in das Gericht Gottes zu gehen an unserer Statt. In Seinen Todeswunden ist Heil und Versöhnung für jeden Glaubenden. v. V. Muße. Von der großen Weltstadt Ninive steht ge- schrieben, daß ihre Bosheit hinaufgestiegen war vor Gott. Gott sandte einen Boten, den Propheten Jona, nach Ninive und ließ der Stadt ansagen, daß sie in vierzig Tagen untergehen sollte. Eine wunderbare Wirkung trat ein. Die Leute glaubten Gott und taten Buße vom König bis zum Bettler, Reiche und Arme. Und was tat Gott, als Er diese aufrichtige Buße sah? Das Wort Gottes berichtet: „Und Gott sah ihre Werke, daß sie von ihrem bösen Wege umgekehrt waren; und Gott ließ sich des Übels gereuen, das Er geredet hatte, ihnen zu tun, und tat es nicht." Die Predigt des Propheten war nicht vergeblich gewesen. Es war nicht vergeblich gewesen, daß Mann und Weib, alt und jung Herzen und Knie vor Gott beugten, ihre Sünden bekannten, von ihrem bösen Wege und von ihren Sünden umkehrten. Gott erbarmte sich über dies Volk, Gott wendete das wohlverdiente Strafgericht ab, Gott ließ Seine Gnadensonne von neuem scheinen. Es war in unserem Volke vielerorts, vor allem in den Großstädten, ein schlimmer Zustand geworden durch Gewissenlosigkeit und Gottesleugnung. Da hat Gott uns einen mächtigen Prediger gesandt: den großen Krieg. Nicht Gott, aber viele Menschen, Kaiser, Könige, Minister, Generale hatten beschlossen und verkündigt, Deutschland soll nun untergehen I Aber Gott hat Gedanken der Gnade, Er ruft unser Volk zur Buße. Können wir, die Einzelnen, etwas dazu tun, daß dieser Krieg gewendet werde zu Sieg und Segen für unser Vaterland? Sicherlich! Jeder einzelne sollte auf zweifache Weise dazu Mitwirken. Erstens durch ein tägliches heißes Flehen des Glaubens, daß der allmächtige Gott unseren Heeren und unserer Flotte den Sieg gebe; daß Er von oben her unserem Kaiser und seinen Feldherren die rechten Entschlüsse gebe; daß Er unseren Truppen einen unbeugsamen Mut, ein zähes Durchhalten, eine siegreiche Entschlossenheit gebe; daß Er unsere Feinde entmutige, in die Flucht jage. Wir dürfen dies kindlich mit allem Ernst und aller Zuversicht bitten. Aber zugleich sollen wir alle, jeder einzelne es machen wie die Leute von Ninive. Wir sollen uns mit dem Bekenntnis unserer Schuld vor Gott in den Staub beugen, von allen bösen Wegen und Werken umkehren, mit allem brechen, was wir als Sünde erkannt haben. Dies ist eine Entschließung der Einzelnen. Unseres Volkes Sünden sind unsere Sünden; jeder einzelne von uns hat sich darüber vor Gott zu beugen. Keiner darf sagen: „Der traurige Zustand unseres Volkes geht mich nichts an." Aber natürlich liegen meine Sünden in ganz besonderer Weise auf meinem Gewissen, es sind eben meine Sünden, und deine Sünden sind deine Sünden; sie stehen auf deinem Schuldkonto in den Büchern Gottes. Dein Gewissen bezeugt dir: Es gibt eine persönliche Abrechnung zwischen dem heiligen Gott und dir, dem schuldigen Sünder. Denke nicht, daß deine Sünde so ein unbestimmtes Ding wären, daß man nicht näher beschreiben könnte. Nein, deine Sünden sind sehr bestimmte Dinge. Prüfe einmal ernstlich dein Leben an folgenden sieben Sünden: Gleichgültigkeit und Undank gegen Gott; Lüge; Zorn; Unredlichkeit; Unkeuschheit; Fluchen und Mißbrauch des Namens Gottes; Selbstsucht, Härte und Unbarmherzigkeit gegen andere Menschen. Man könnte schnell noch zehn andere solche große Sündenkapitel nennen. Stelle dein Leben ins Licht der Ewigkeit. Wenn du dann überführt bist von deiner riesengroßen Schuld, dann blicke auf zum Kreuz und fasse die wunderbare Botschaft, daß der Sohn Gottes alle deine Schuld auf Sein dornengekröntes heiliges Haupt nahm, um deine Schuld und deinen Fluch zu tragen im Gericht Gottes. Rufe glaubend Seinen heiligen Namen an und ergreife dann die große Gnadenbotschaft: „Deine Sünden sind vergeben, dein Glaube hat dich errettet, gehe hin in Frieden." (Luk. 7, 49. 50.) Wenn du dieses erlebt hast, bist du ein neuer Mensch geworden, ein Kind Gottes. Dann hast du das Recht, zu dem ewigen Gott zu sagen: „Abba, Vater!" Dann darfst du von Ihm Sieg und Segen für unser Vaterland glaubend erflehen. Dann bist du aber auch — o vergiß es nicht! — ein Zeuge Jesu Christi, der zum Segen in unser deutsches Volk hineingestellt ist, um deinen HErrn und Erretter Jesus zu bezeugen, in welchem allein das Heil ist. Willst du das? Wicht Untergang — Krweckung. Als einst Jona in Ninive das Gericht ver- kündigte und sagte: „Es sind noch vierzig Tage, dann wird Ninive untergehen," da beugte sich der König von Ninive und tat Buße mit seinem ganzen Volk. Und Gott erbarmte sich über Ninive. Es gab keinen Untergang, es gab eine Erweckung. So will Gott auch nicht unseres Volkes Untergang, Er will Erweckung! Das sagt uns sein Wort: „Aber mit dir will Ich es nicht ein Ende machen; züchtigen aber will Ich dich mit Maßen, daß.du dich nicht unschuldig haltest." Noch halten viele sich für unschuldig. Noch suchen viele die Schuld an diesem Kriege in Rußland oder in Frankreich oder in London. Nein, wir haben diesen Krieg verschuldet, wir mit unserer Sünde! O, wenn wir das erkennen und uns in Demut beugen vor dem lebendigen Gott, dem Vater unseres HErrn Jesu, dann werden wir es auch erfahren, wie es Ninive einst erfuhr: Nicht Untergang, sondern Erweckung! Laßt uns nicht müde werden, Gott anzuflehen, daß Er den Geist der Buße durch unser Volk hindurchwehen lassen möchte, daß unser Volk sich nicht mehr für unschuldig halte, sondern erkenne, daß dieser Krieg eine Züchtigung ist, eine wohlverdiente Züchtigung, aber eine Züchtigung zu unserem Heil, nicht zum Untergang und zur Vernichtung, sondern zur Erweckung und zum neuen Leben! E. M. Der Krieg. Da ist ein reicher Bauer im Dorfe. Zu wohl ging's ihm. Alles glückte ihm, und so entstand in ihm die Überzeugung: „Ich kann alles, mit meiner Macht ist alles getan!" Und diese Überzeugung trug er immer auf der Zunge. „Ja, und Gott, der alte, graue Mann, wo ist Er denn?" so hat er einst dem Lehrer geantwortet, als er ihn darauf hinwies bei einer Ernte, wie reichlich Gott seine Arbeit gesegnet habe. Mit dem Nachbar lag er im Prozeß, und mit seinem einzigen Bruder war er bitter feind. So zog er stolz und sich selbst genug seine Straße. Da kommt die Mobilmachung. Auch der Bauer muß sich am fünften Tage stellen. Wie sie auf ihn gewirkt hat in der Stille, das wissen wir nicht. Aber als am Bettage, den der Kaiser dem Lande verordnet hatte, die Glocken läuteten, da stand plötzlich der Bauer bei seiner Frau, nahm sie bei der Hand und sprach zu ihr: „Frau, komm, wir gehen auch beten." Und mit lauter Stimme sang er in der gefüllten Kirche zum Himmel empor: „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir." Still war er auf dem Heimwege und hielt seine Frau an der Hand. Und am letzten Tage, spät am Abend, da stand er vor seinem Bruder. Was er zu ihm gesagt hat, hat niemand gehört; aber als er von ihm ging, ries er noch einmal von weitem zurück: „Lieber Bruder, bete auch für mich!" Am frühen Morgen des Gestellungstages, da er seine weinende Frau im Hofe zurückgelassen hatte, da trat er zum Nachbar und sprach: „Sei nicht mehr feind. Steh meiner Frau bei und sei ihr ein guter Nachbar. Bete auch für mich." So sind viele gegangen. Ja, in guten Tagen vernehmen sie das Rufen und Grüßen unseres Gottes nicht. Erst die Not, der Krieg hat ihre Herzen geöffnet. Versammlungs-Anzeigen. (Versammlungen innerhalb Bezirk Gietzen. Stadtmisfion Gießen, Löberstr. 14. Jeden Sonntag Vh Uhr: Sonntagsschule; 4 Uhr: Jungfrauenverein; 8*/* Uhr: Versammlung. der Landeskirche.) 4'/, Uhr: Christlicher Verein junger Männer. Jeden Mittwoch 8*/» Uhr: Bibelstunde. Jeden Freitag 8'/, Uhr: Gebetsstunde. Sonntag, den 24. Januar: Nordeck und Wißmar.