(Neueste Nachrichten) vezugspreis 80 pfg. monatlich vierteljährlich 2,40Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Ab geholt in unserer Expedition oder in den Ziveig auSgabesiellen vierteljährlich 1,80 Mk. — Erscheint Dienstag, Donnerstag u. Samstag. — NrdatliorSschluh früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung n ich t verlangterManusLriplc wird nicht garantiert. Truck der GLcßeuer BerlagSdruckercl, Alb::« LUciu. 118, Telephon Nr. 862. Samstag- den 28. Dezember 1918. (Gießeiree TageLlart) Anzeigenpreis 24 psa. üle 4-1 .0 in breite P e t i 1 z e l l e, für Auswärts 86 Pfg. Die l--'. mm brelu- Ä e L! a m e - Z e i le ICO Pfennig. Extrabeilage n iverden nach Gewicht und Grüfte berechnet. Rabatt kon.'nn bei Ueberschreilung desZahlungL^ 'teles (80 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei .ifrukurv in ÄZrgsall. Platzvorschriften ohneBerbindtichkeit. »Verlag brr „Gießeuer Zeitung^, Gießen. 31. Jührg Der Achtstunden ubeitslag. Man schreibt uns aus Handwerkerkreisen: Die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit am Tag wird, wenn nicht rechtzeitig gesetzliche Maßnahmen geschaffen werden, vielen selbständigen Handwerkern die Gefohr bringen, daß Fabrikarbeiter nach Beendigung der achtstündigen Normalarbeit privatim Facharbeiten als Schlosser, Schreiner, Weißbinder, Schneider und dergl. mehr ausführen, die Preise unterbieten und so dem Handwerker empfindlich ins Zeug pfuschen. Dom Standpunkt des Arbeiters kann dagegen nichts gesagt werden. Er hat ein Recht darauf, seine Kenntnisse vorteilhaft zu verwerten. Hat er Rechte, hat er aber auch Pflichten. Arbeitet er selbständig, so muß er Steuern zahlen und muß, da er doch doppelt verdient, gegenüber den Handwerkern um ein vielfaches befteucrt werden. Hierauf sollten alle Handwerker achten. Die Fabriken werden in Zukunft wohl noch mehr Spezialartikel anjertigen als früher, sie werden das Bestreben haben, möglichst menschliche Arbeitskraft zu sparen, werden deshalb Spezialarbeiten an Handwerker vergeben. Hierdurch bietet sich dem Handwerker eine lohnende Beschäftigung. Es wäre daher eine Aufgabe der Gewerbe- und Fabrikantenvereine dieser Frage näherzutreten. Oie Erteil der Nationalversammlung. 11 bcc einige Fragen, die die Naiionaivrcsammlung ang-l) n, lu'stehtN in de- Otff-.ntlichk-.lt noch Zweifel. Die Redoktion bet ncugegiündtcken Wochen schuft. „Dos demokratische Deutschland" wcndtt sich an den Geheimen Ober-Regierungsrat Schulze im Ne-chsomt des Innern um Auskunft, der folgende Interessante Mitteilungen mochte: Lvraussichttich w rb die Narionalve-sammluag nichtnur 4 Wochen, wie vitlfach angcommen wird, sondern mindestens 8 Wochen zusammcnbl-iben müssen. Di. Frage, wo die Uarionaivcesammlttttg znsam- merrtreterr wird, ist im poUrsichen Kabinet noch nicht erörtert worden. EL ist durchaus nicht sicher, daß Berlin als Tagungsort bestimmt wird. ES haben sich mehrere Otte geweidet, so Frankfurt a. M, Leipzig, Bayreuth, Bamberg, Kassel, Erfruct, Weimar, Nürnberg, und Würzburg. Es ist auch möglich dcrß^die Nationalversammlung in einer Kirche oder einem Schlosse ftattfünbel. Man rcdjrnt mit einer Beteiligung von etwa 2—3000 Personen. Die Festste! lung des Wahlwgebn'sseL wird na-ürUch diesmal schwieriger sein. Die amtliche Feststellung kann erst nach 6 Tagen erfolgen. Es wird aber möglich sein, ein vorläufiges Ergebnis schon am Mittwoch nach den Wahlen zu veröffentlichen. Was die Wahlen in Elsaß-Lothringen angeht, so sicht fest, daß Elsaß Lothringen zunächst noch zum Reiche gehüit und daß es nicht ohne weiteres pceisge- geben wird. Ob cs technisch möglich sein wird, in Elsaß-Lothringen Wahlen abzuhalten, scheint allerdings zweifelhast, da sine Verbindung nicht vorhanden ist. Es ist also tatsächlich anzunehmen, daß in Elsaß- Lothringcn nicht gewählt werden kann, ebenso unmöglich ist es in den Kolonien. In den besetzten Gebieten und der neutralen Zone werden die Wahlen ohne weiteres borgenommen werden können. Auch 1870 — 71 wurde in den von den Deutschen be schien LandesteUen Frankreichs Zur Nationalversammlung ; gewählt. Republik 0ro$$fteffen — Freistaat Hellen. Die Kurhessen wollen vom preußischen Staat los. Sie können 1866 nicht vergessen, wollen einen besonderen Freistaat Hessen bilden und dafür tritt in einer Flugschrift ein Herr Fritz Schuck in drastischer Weise ein. Sie ist vor Voreingenommenheit vom Haß gegen Preußen erfüllt, das an allem Unheil schuld sein soll. Sachlicher hat ein Universitätsprofessor zu Gießen die Frage einer Republik Hessen erörtert. Beiden aber sei Folgendes entgegen gehalten. Wenn ganz Deutschland eine einzige Republik ist, bringt es nur Schaden, außerdem noch einzelne Republiken zu schaffen mit besonderer Regierung. Man kommt daniit nur aus dem Regen in die Traufe, 1 der großen Republik müssen alle seitherigen Staaten aufgehen, die Bezeichnungen Preußen, Bayern, Hessen lm alten Sinne der Worte fallen weg, die Namen als Provinzen der Republik, die man nach örtlichen und stammverwandten Grenzen festsetzen kann, mögen aber bestehen bleiben. Allen, die sich aber mit diesen Fragen beschäftigen, sei gesagt, daß uns nicht niehr und nicht weniger droht als die soziale Republik, die soziale Demokratie. Welche Folgen damit für Deutschland verbunden sind, diese zu schildern, muß jetzt jeden Bater- landfrcundes erste Aufgabe sein. Separatistische Bestrebungen irr Gberschlesreu. Breslau, 21. Dez. Die oberfchlefische Ientrums- preffe enthält in ihrer Auflage vom 18. Dezember eine übereinstimmend lautende Erklärung, die zur Bildung einer unabhängigen Republik Oberschlesien unter der Garantie Deutschlands, Polens und des Tschechenstaates auffordert. Hierzu teilt das polnische Kattowitzer Blatt „Gazeta Ludowa" vom 20. Dezember mit, daß die Anhänger dieser Idee bereits drei Abgesandte nach Prag geschickt hätten, um dort mit Masaryk zu verhandeln. Dieser hat erklärt, daß die Tschechen Anspruch auf Teile von Oberschlesien machten, aber einer Republik Oberschlesien sympathisch gegenüber ständen. Alles hänge von der Entente ab. Er sandte einen Kurier nach Paris, um über diese Frage Bescheid zu erhalten K!as gekl im Rheinland vor? Seit einigen Tagen ist das linksrheinische Gebiet vom übrigen Deutschland abgeschlossen. Was geht vor? Von unterrichteter Seite hören wir, daß die Entente sich im Rheinland das Aufmarschgebiet für den Ein- marsch ins Deutsche Reich schaffe. Die Notschreie der linksrheinischen Presse nach baldigster Einberufung der Nationalversammlung sprechen eine deutliche Sprache. Die Zensur der Feinde verhindern nähere Mitteilungen. Berlin, 21. Dez. In einer Zuschrift, die der „Vorwärts" aus Köln erhalten hat, findet sich folgende bemerkenswerte Fassung: Sehr gut unterrichtete Männer verbreiten unter Nennung ihrer ernst zu nehmenden Gewährsmänner die Behauptung, daß zwischen England und Frankreich ein Abkommen über die Augliederung des linksrheinischen Ufers an Frankreich getroffen oder doch so gut wie getätigt sei. Aachen und Malmedy sollen an Frankreich fallen. 8Ie deuiKhnaiionale UolKspami In Berlin fand am Montag die erste Kundgebung der neugegründtlcn Deutschnatwnall n Bolkspcuckei statt. Aus den Auösühn-ngcn dcs Haupt:tferentev, des früheren Abgcordret.n v Kardorff, seien folgende Sätze erwähnt: Wir werden mit jeder Regierung arbeiten, die uns Ruhe bei uns versäofft. Damit verleugnen wir aber durchaus n cht unser Bckcrivtiiis zum monarchischen Prinzip. Wir haben Elschülterndcs erlebt,aber wir stellen das Pnuzip über die Person. Wir vergessen auch in diesen dunklen Tagen niät, was die Hohenzollern für unser Land und Volk gelest.t haben. Wie werden den Frieden dcs Landes nicht stören; oblr wir geben die Hoffnung nicht aus daß die Mehrheit des deutschen Volkes j sich zum monarchischen Pr'nzip erklärt. Die Revolution bez.ichnete dann Herr v. Kardorff als das größte Verbrechen, das am deutschen Volke begangen werden konnte. Hm dem Web * Braunschweig, 23. Dez. (W. B.) Nach den bis zum Mittag vorliegenden Zahlen entfallen bei den Wahlen zur braunschweigischen Landesversammlung 39 600 Stiinmen auf die demokratische Bolkspartei, 48 000 auf die Mehrheitsfoziatisten, 46 000 auf den Landeswahlverband (Kons. und Zentrum), 43 600 auf die unabhängigen Sozialdemokraten. Das Ergebnis von über hundert Orten steht noch aus. 65 Milliarden Tranes. Bern, 20. Dez. Im Namen des Budgetausschusses der französsichen Kammer erklärte gestern Dubois, daß sich die Kriegsschäden in Frankreich an Gebäuden Grund und Boden, Mobilar, Maschinen und Straßen insgesamt auf 65 Milliarden Fr. belaufen, ungerechnet die Schäden an historischen Bauten und die dem Handel durch Stillegung der Betriebe zugefügt wurden. vemscbes CoKonioüvperfonai für die kmenie! Die Bedingung dcs Waffenfttllstandsycrttagcs, daß die abzugebendcn Lokomvuvr-n mit Personal besetzt sein müssen, stellt die deutschen Lokomotivführer und Heizer vor die große Aufgabe, entscheidend bei der Durchsuh uuiß der Bedingungen und damit bet der Vorbereitung dcs Friedens für aas deutsche Volk mitzuwicken. Tausende von Beamten werden Mitwirken muffen. Die Entente verlangte, daß das deutsche Personal nicht nur im früheren besetzten Gebiet, sondern auch darüber hmausDienft tun soll, mit der Beschränkung, daß die Linie Dijon- Paris — Le Havre im allgemeinen nicht überschritten werden soll. Die Interessen der Bediensteten werden durch die deutschen Vertreter bi den in Frage kommenden stanzösischen Bahrrgcsellschafttn gewahrt. Sicherheit sür Leib und Leben ist bestimmt zugesagt; die belgische und französische Bevölkerung ist durch Tageszeitungen und durch Hausauschläge auf die U.aritastbarkeit der deutschen Eisenbahner htngrwiescu. Der Bickel- und Po kct verkehr ist gestattet. Die Bcdiei.stcttn erhalten glliche Armbinden wie die französischen Angestellten und die nötigen Ausweise. Tie Gebühren sind vom 23. Dczenibcr ab über die Sätze hinaus erhöht, die kürzlich zum Teil unrichtig angegeben wurden. Die Bediensteten crhaittn ihren Heimatglhalt weiter bezahlt, fern r ein- heitlich für Führer und Heizer ein MobllmachungSgcld von 300 Maik soweit sie nicht schon früher ein solches erhalten hab-n, 30 Mark Vcipflcgungsgcld oder freie Verpflegung und Tagcszulage, 15 Mark Verpflegungs- geld oder freie Verpflegung und freie Unterkunft. Der Dienst wird sich auf mehrere Wochen erstrecken. Mz $m\ mä lmü Militär Renten und Acer esbezüge für Hinter- Midsritc. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Militärrenten und die Heeresbezüge für Hinterbliebene sowie Zuschläge für den Monat Januar 1919 bereits am 28. und 30. Dezember beim Postamt gezahlt werden. Es ist unbedingt erforderlich, die beiden Tage zur Abhebung der Renten einzuhalten. * Znrnckgefchjckte Franzosen. Mit schmetternder Musik und unter stürmischen Freudenkundgebungen passierten am letzten Freitag Kriegsgefangene Franzosen in einem endlos langen Sonderzug den Südbahnhof in Frankfurt a. M., um nach 4 Jahren Gefangenschaft in Ostdeutschland in die Heimat zurückzukehren. Unter jämmerlichem Fluchen, niedergedrückt und teilnahmslos gegen die Umgebung kamen dieselben Franzmänner am Samstag abermals durch den Südbahnhof. Die Reife ging wieder zurück ins Innere Deutschlands. An dem Ueber- gangsbahnhof in das besetzte Gebiet hatten die französischen Truppen ihren Landsleuten die Rückkehr bezw. Weiterreise in die Heimat auf höhere Anweisung verwehrt. - Auch nach dem Nachbarort Nied sind zahlreiche Franzosen, die als Kriegsgefangene dort gearbeitet hatten, zurückgekehrt, weil sie an der Grenze zurückgewiesen wurden. Stadt • theater. Sonntag, ten 29. Dezember 1918, nachmittags 3V 2 Uh?.: als Kin der-Borstel lung „Der kleine Gernegroß Weihnachtsmä ch n in drei BUdein und cincm Rahmenspiel von Franziska Becker. Musik von Bruno Hartl. — Abens 7 1 / 2 Uhr: Die Rase von Stnm Mtl." Operette in 3 Akten von Julius Brannner und Alfred Gtünwald. Musik von Lev Fall. Montag, den 30. Dezember I9i8, abends l l U Uhr: als Bocks-Vorstellung „Die Ränder" Trauerspiel in 5 Akten (eingerichtet in 11 Bildern) von Friedrich Schiller. Kirchliche Anzeigen. Sonntag nach Weihnachten, 29. Dezember: Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 9 1 / 2 Uhr: Pfarrer Mahr. — Nachm. 5 Uhr: Pfarrasststent Schäfer. In der Jvhan n es kirche fällt der Gottesdienst aus. Silvester, 31. Dezember: In der Stadtkirche. Abends 6 Uhr: Professor D. Schtan. In der Johanueskirch'. Abcnds 8 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Neujahr 1919, 1. Januar: In der Stadtkirche. Vormittags 9 2 / 2 Uhc: Pfarrcr Mahr — Nachmittags 5 Uhc: Pfarrassistent Schäler. In der Johannesktrche. Vormittags 9 1 /* Uhr: Pfarrer Bcchtolsheimer. — Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Verantwortlich: Alb in Klein, Gießen. Dss WeißimWfest. Das fünfte Weihnachtsfest seit Beginn des Weltkrieges. Noch ist es Lein volles Friedens-Christfest, aber es sind doch Feiertage vor dem Frieden. Die Waffen schweigen und werden nach menschlichem Ermessen in diesem Kampfe nicht wieder sprechen. Freilich, weihevoller Friede auf Eidc-r st nimmer zu diesem Fest gekommen, kaum daß der dröhnende Schritt der Weltereignisse sich für Dieje tt;rze Frist verlangsamt. Damit müssen wir für jetzt zufrieden sein. Wie anders haben wir in unseren Wünschen und Hoffnungen dies erste Chistsest nach der lung der Feindseligkeiten uns ausgemalt, wir haben nur den Himmel offen gesehen in dem Empstaden frohen Wiedersehens und herzlicher Freude! setß Gott! Von überfchwenglichen Triumpsgejüh ,wie sie in den ersten Kriegsmonaten erklärlich waren, haben wir uns längst frei gefühlt, und gönnten allen Völkern den Rechts- und Bersöhnungsfrieden, den wir selbst uns wünschten. Wir waren nicht nn'ide zum ITn faden, aber die fünfzig Kriegsmonate hatten uns die Bedeulung des neuen Friedens neben den Drangsalen des Krieges erkennen lassen. So sollte dieses Weihnachtsseft ein rechtes fröhliches und seliges Fest sein, in dessen Errungenschaften auch die einen Trost fanden, die harte Opfer unter ihren Lieden für das Vaterland dahingegeben hatten. So harrten und hofften wir, aber der Mensch denkt, und das Schicksal, das mächtiger ist, als aller menschlicher Wille, lenkt. Es ist anders geworden so sehr viel anders gekommen, daß wir noch immer fragen, und in diesem Forschen auch in den Feiertagen nicht verstummen werden, mußte sich alles, so gestalten, konnte es nicht doch noch zum Bessern sich wenden? Es ist undeutsch, nach einzelnen Männern als Schuldigen für das deutsche Unglück zu suchen, denn in dem Sinne, wie dies unsere Feinde schreien, sind es sie nicht. Wir alle wissen, daß wir Jahre lang schon vor dem Weltkriege gestanden haben, bevor er begann, daß Jahre lang die Kriegslähmung auf der deutschen Arbeit lag. Als wir angegriffen wurden, haben wir uns in nationaler Einmütigkeit verteidigt und nach großen Erfolgen auf den Endsieg gehofft. Blieb der aus, so wurden wir doch nicht überwunden. Halten wir uns das gegenwärtig, so können wir auch über Jrrtümer, die jedem Menschenwerk anhasten, hinweggehen, denn es ist wohl keiner, der sagen kann, daß er in jeder Stunde des Krieges derselbe war. Dieser Gedanke an deutsche Lotten und Größe ist es, der die Bitternisse von der Weihnachtsfeier fernhalten und uns einen Trank von ihrem Lebensquell darbringen soll, der uns Kraft und Festigkeit in ben Adern erhält. Denn ehrlich, wir sind nicht die zusammen- gedrochene Ration, als die wir vor die Welt hingestellt werden; ein Volk, das Deutschlands Erfahrungen erträgt, hat Mut in den Knochen und kommt auch' wieder zu anderen Tagen. Was heute unser Land erfüllt, ist ein Streit der Meinungen. Der kann nicht unser Dasein ausfüllen, denn davon können wir nicht leben. Existieren können wir nur durch den Wiederaufbau des einigen Deutschlands, das allein uns zu ernähren vermag, und dem darum unsere Liebe gehören muß. Und kein Volk ist mehr als das deutsche imstande, an das Vaterland sich anzuschließen, denn nirgendwo ist der Familiensinn so entwickelt, als bei uns. Im Rahmen des Vaterlandes bilden wir alle eine große Familie, freilich in Gemeinschaft mit verschiedenen Neigungen uno Charakteren. Die Worte Familienhader und Parteihader klingen ähnlich, sie werden, da wir Menschen sind, auch nie verschwinden, aber wir haben die Gewähr, daß die Hadernden in der Minderheit bleiben, dagegen die, welche in den wichtigen Dingen einig sind, die große Mehrheit bilden. Und das ist weder eine Unmöglichkeit, noch ein Wunder, wenn die Liebe zum Vaterlande nur stark genug ist und stark genug bleibt. Das Weihnachtsfest ist uns ein Feiertag des Körpers und der Seele. Wir wissen, daß ihm Sturm- und Drangtage, vielleicht sogar Not folgen werden. Das Volk, das sich jetzt selbst ein Führer sein soll, ist auch allein berufen, diese Aussichten zu bessern. Noch steyen w:c so da, daß wir Großes leisten können, und diese Fähigkeit wollen wir uns nicht nehmen lassen. Dre Frontsoldaten sind zum größten Teil wieder zu Haufe, aus ihrem Munde hört das Volk in den Festtageil in aller Ruhe, was im Schützengraben und im Sturmangriff möglich gemacht worden ist. Das zeigt allen, daß Härteres uns nicht anferlegt werden kann, Schwereres nicht zu überwunden zu werden braucht, wenn twr bekunden, was jene beseelt, die Liebe zum Vaterlande. Und diese Liebe sei unser Weihnachtsstern! Wm. D elhnMeü u. LevjÄl n Mm»» Von A. Kutsch bach. Am Tage des heiligen Barsilrus ,Vasile. Sylvester- obenv) zündet der Rumäne, insbesondere der aus dem Lande eine Kerze aus jungfräulichem Bienenwachs vor den Heilrgenbildern in seinem Haufe an. um die bösen Geister die sich im Lause des Jahres eingeschlichen haben, zu verjagen Das Licht darf während der Nacht nicht verlöschen Zur Erhöhung der beabsichltgren Wirkung bestreicht man wohl auch die Türpfosten mit Knoblauch, auch hält man trotz oft grimmiger Kälte die Türen offen, damit, wenn das Glück in dieser Nacht vorüberschreitet, es offene Hauser findet. Au Christabend und oft noch -inige Tage nachher durchziehen Gruppen von jungen Burschen die Straßen und Gedoste um die herkömmlichen Weihnachtslieder zu singen Sie führen einen großen mit einer Kerze erleuchteten buntbemalten Stern sowie ein Puopentbeater (Krippe) mit sich in welchem das Geheimnis von Vicleini (Bethlehem) enthüllt wird. Es nno in der Rege! ihrer acht welche zu einer solchen Gruppe gehören. Nachdem sie in das Gehöft oder das Haus getreten sind führen sie zunächst selbst eine TheaterszenL ju), die kurz folgenden Inhalt hat: Drei Welse aus dem Morgenlauve begeben sich, zu König Herodes. um ihm mttzutell-n. daß ein grö- f ßner Mann geboren worden sei als er, und daß dieser von nun an die Welt regieren werde. König HerodeS will d'es nicht glauben iinö fordert die Werfen auf. das Gesagte zu beweisen. Sie tragen nun vor. wie Christus geboren wurde und wie sie ausgezogen seien den Knaben zu suchen Sie bringen Christus Herde! der dem Herodes wiiieilt raß er der Sohn Gottes sei rast er sterben, aber j wieder aüserstehen werde. Es erscheint nun der Höllen- j fücst gegen den die Anhänger Christi rümpfen. Sic siegen j über ihn Mid ihre Begleiter, wobei Heredes erstochen wird der dann aber wieder von dem Tod? oufersteht ! und nunmehr bekehrt ist. In dem Puppentheater werden alsdann allerlei Szenen vorgeführt. Z B. erhält -in Jäger, oer in der ! Christnacht au; den Anstand geht, statt zu Hause zu blei* \ ben. von dem ihm begegnenden Chnstmann eine tüchtige j T rächt Prügel. Oder es tritt e:n Milchmann auf. der ! Milch ausrufl. Eine Bäuerin kommt und will bevor sie j lauft, die Mrlch kosten, was der Milchmann nicht erlaubt, da sie ai-e den; Munde rieche. Es entsteht darüber ern Streit, wodurch der Christmann knrbeigerusen wird, der beide verprügelt. Oder ein Trövelsunge scheut sich nicht, auch wah:rnd der Ehnstnacht seinen Haute« ;u betreiben, o-eshalb ti von dem Christmann ebenfalls eine Tracht Prügel n träft. Oder eine Amme, welche in der Nacht ein- geschlafen war und ihr Kino vergehen hatte das infolge dieser Vergeßlichkeit 11 tdjt nur ung.säugt geblieben, sondern auch aus dem Bett gefallen mar und Arme und Beine gebrochen hatte, kommt zum Popen und bittet ihn. das Kind wieder gesund werden zu lassen Ter Pope liest eine Meste und spricht die Amme von ihrer Sünde frei, da sie ihm aber nichts bezahlte, so jigt er sie um Teufel. Ueberhaupi werden in diesen Tachtellungen die Popen oft gar arg mitgenommen. Am Ende einer jeden Vorstellung erscheint ein altes Weib und ein junges Mädchen. Die Alle klagt dem Mädchen ihr Leid, daß sie so arm sei unv bittet um ein Almosen. Dasselbe soll aber nicht eine Bezahlung für die Vorstellung. sondern nur für das alte Mütterchen bestimmt sein Tamil wird das Decorum für die Geldspende die die Gruppe erwartet, gewahrt. Vor Beginn dieser Vorführungen wird gefragt, ob dieselben mit )der ohne Vorhang stattfinden sollen. Wünscht man ohne Vorhang, so werden die Vorführungen mit Obszönitäten verbunden, die man kaum für möglich halten sollte, namentlich seitens jugendlicher Darsteller. Wenn sich zwei solcher Gruppen begegnen, so muß diejenige welche weniger schön ausgestattet ist, sich vor der anderen dreimal verbeugen. Geschieht dies nicht, so fordert der Offizier der Leibgarde des Herodes den anderen zum Kampfe auf und das ist dann das Signal zu einer allgemeinen Prügelei. Rudere herumziehende Gruppen, die nur einen Stern tragen und Weihnachlslieder (coliuba) singen müssen den ihnen begegnenden „Vicleims" ebenfalls Ehrenbezeugungen erweisen, andernfalls sie auch verhauen werden. Am Neujahrslage ziehen Bauern .:tt nnem von Ochsen gezogenen, bunt geschmückten Pflug von Haus zu Haus um gegen eine Spende ein gesegnetes Jahr zu wünschen. Andere gehen mit einem bekränzten Schweins- köpf umher und heischen einen Bakschisch Auch wird man zu Hause oder auf der Straße mit einer Handvoll Weizen oder Rets beworfen und man empfängt dabei, natürlich ebenfalls gegen ein Trinlgelo den Wunsch: „Xu sollst leben und blühen wie der Apfelbaum, wie der Birnbaum Tu sollst gedeihen wie der reiche Herbst der uns nichts versagt!" Andere Banden von Kindern und Erwachienen ziehen mit der Sorkova herum. Tos ist ein mit papierenen möglich buntfarbigen Blumen umwundener Stab, mit dem man auf dre Schulter aeklopft wird, uno dabei das Sprüchlein gesagt erhält: „Sorkova. Merrübr. du sollst leben, du sollst blühen wie der Apfelbaum. wie der Birnbaum, wie die Rose, stark wie das Eisen, scharf wie der Stahl, la multi ani (aus viele Jahre).- Jn der Osternacht aber ertönen nach langem Gottesdienst. Schlag 12 Uhr allüberall dte Glccken rn Bukarest, dem Sitze des Metropoliten, werden sogar Geschütze abgefeuert und vor den Kirchen vielfach Feuerwerk abgebrannt Aus aller Mund erschallt das „Christas a invrat" ..Christus ist auserstanden-), man umarmt und küßt sich und nach vielwöchentlicher Fastenzeit ttlt man zu dem reichen Mahle, das zu Hause die Kirchengänger bereits erwartet und bei dem, und auch noch die folgenden Tage, die schön und kunstvoll gefärbten Ostereier eine wichtige Rolle spielen. Are Vi-ziehLklßLN zum Volichew-smO. Auf dem Rätekongreß ist von unabhängiger Seite ein Antrag eingebracht worden, sofort die diplomatischen Beziehungen zur SowejL-Negierung wieder aufzunehmen. Bezeichnenderweise ist dieser Antrag nicht mit Entrüstung abgelehnt, sondern der Negierung zur weiteren Behandlung überwiesen worden. So geschehen, wo die Sowejt-Regierung durch die Bolschewisten-Ban- den deutsche Soldaten bedroht und ihre Heilnkehr zu verhindern sucht, wo sie, noch nicht gesättigt von dem Blute der viereinhalb Kriegsjahre, ohne jeglichen Grund, aus reiner tierischer Mordlust, weiter Witwen, Waisen, trauernde Mütter schafft. Der Gedarrte daran hätte selbst Unabhängige verhindern sollen, in solchem Augenblick die Wiederaufnahme des Völkerver- kehrs mit Leuten zu fordern, die jeden Tag die Gebote des Völkerrechts und der einfachsten Menschlichkeit mit Füßen treten. Aber der Antrag gewinnt noch eine andere, ernstere Bedeutung durch eine Tatsache, die die „Tägliche Rundschau" mitteilt. Danach ist £>err Radek alias Sobelsohn in Berlin und mit ihm der größte Teil des ehemaligen russischen Botschafterpersonals. Herr Radek ist, woran oer „Vorwärts' erinnert, oer ^ctter Sparlüttrs- vundes nno L :cf des boljchc. .tt.ßen Propaganda- oicnjics tu Rußland. Es scheint aljO ein sehr glücklicher ^:u,ü)istenaustausch zwischen uns und Rußland in die Wege gelerlet zu sein, Cohn nach Moskau, Radek nach Berlin. So kommt die Sache in Schwung. Herr Räder ist aus einem Parteitag der Sozial- oemokraten von dem verstorbenen Bebel so abgemalt worden, daß dieser Mann auch für die Spartakus- Leute erledigt sein sollte. Gin WeihnachisMnsch AndenßmgS. Weiten Widerhall im deutschen Volle wird ein Aufruj Htndendurgs finden, der ans dem Großen Hauptquartier Wilhelmshöhe, Weihnachten 1918, datiert ist und u. a. besagt: Das deutsche Heer ist dahin, zersetzt und aufgelöst, obwohl bis zuletzt gefürchtet und geachtet von den Feinden. Den Offizieren, hoch und niedrig, komme als Erziehern und Führern des Voltsheeres ein unbcst: ttt- bar hoher Anteil an dem Ruhme zu, und e fei kleinliche R. che, ihnen Abzeichen und Wasch,! azu- sprechen, sie als unfähig der Besehlsgewalt zu erklären. Die Zerstörung der nationalen Kraft des deutschen Volkes von Grund auf sei die Absicht jener verneinenden und zersetzenden Geister, die am 'Werte seien, um die Neugestaltung des Reiches auf gesunder, püliti ...er und wirtschaftlicher Grundlage zu hemmen. Trotz der mancherlei Krankheitserfcheinungen, vereinzelter Fälle von Er dstsucht, Eitelkeit und Unwahrhafligkeit kehre das deutsche Ofsizterkorps gesund und stark ans dem Kriege zurück. Das deutsche Ofsizierkorps sei kerngesund, seine Lebensaufgabe das Wohl der Gesamtheit, die Ehre des deutschen Namens und darum habe es sich auch in den Dienst der neuen Regierung gestellt, um den Zusamrnen- bruch unseres nationalen und wirtschaftlichen Daseins zu verhindern. Dabei muß es aber erbittern, wenn in kleinlicher Rache die Autorität im Heere untergraben wird. Alle jene aber, die sich als Schmarotzer im deutschen Ofsizierkorps gezeigt, sollten und müßten abgeschüttelt werden. Der Ausruf schließt: Wenn ich als Oberl-esehlshaber des deutschen Feldheeres am Ende meiner wilittlristtt t Laufbahn d e Stimme erhebe für weine Kameraden und Untergebenen, meine treuesten Stützen in Kamps urrd Rot, so möge man darin auch ein heiliges Vermächtnis aus der Vergangenheit entnehmen für eine neue Zeit, für eine glückliche Zukunft unseres Volkes, für die Einheit der deutschen Stämme mit der alten Mahnung: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen." Am im. Deutsche Eisenbahner für Frankreich. Die Entente hat in dem Waffenstillstandsvertrage verlangt, daß das deutsche Personal nicht nur im früheren besetzten Gebiet, sondern auch darüber hinaus, Dienst tun soll, mit der Beschränkung, daß die Linie Dijon-Paris—Le Havre im allgemeinen nicht überschritten wird. Hierzu wird amtlich erklärt, daß den deutschen Eisenbahnern die Sicherheit für Leib und Leben be- stimnrt zugesagt ist, die belgische und französische Bevölkerung rjt durch die Tageszeitungen und durch Maueranschläge ans die Unantastbarkeit der deutschen Eisenbahner hingewiesen. Der Brief- und Paketverkehr ist gestattet. Die Bediensteten erhalten gleiche Armbinden wle die französischen Angestellten und die nötigen Ausweise. Die Gebühren sind vom 23. Dezember 1918 ab über die Sätze hinaus erhöht. Die Bediensteten erhalten ihr Heimatgehalt weiterbezahlt, ferner einheitlich für Führer und Heizer ein Mobilmachungsgeld von 300 Mark, soweit sie nicht früher ein solches schon erhielten. Ein Notschrei der rechtsrheinischen Industrie. Die nordwestliche Kruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrie beschloß, folgendes Telegramm an die Waffenstillstandskommission in Spaa zu senden: Das Verbot jeglichen Güterverkehrs von dem lin s- rheinischen besetzten Gebiet in die neutrale Zone und das übrige Deutschland gefährden die rechtsrheinische Eisenindustrie und den Kohlenbergbau auss äußerste. Wenn nicht die Zufuhr der lothringischen Erze möglichst bald erfolgt, ist ein Erliegen der Hochosenindustrie und damit der Eisenindustrie überhaupt unausbleiblich, da die Vorräte für höchstens einen Monat reichen. Weiter stockt seit der Besetzung die-Zufuhr an Erzeugnissen der linksrheinisch gelegenen Eisen- und Kohlengruben, auf die große rechtsrheinische Werke dringend angewic.cn sind. Diese stehen deshalb unmittelbar vordem Erliegen. Desgleichen ist die Zufuhr von linksrheinischen Braunkohlen zum rechtsrheinischen Gebiet, rnsvesondere dem Siegerland, unterbrochen, so daß die Siegerländer Stahlwerke seit Wochen stilliegen. Ebenso stößt die Kohlenförderung der rechtsrheinischen Gruben aus oie größten Schwierigkeiten, wenn die für sie linksrheinisch lagernden Materialien nicht unverzüglich abgefahren werden. Da Arbeitslosigkeit von HnndertLausenden von Arbeitern droht, bitten wir, bei den Gegnern vorstellig zu werden, daß die Sperre zwischen dem besetzten Gebiet und der neutralen Zone ausgehoben oder ber Besetzung der neutralen Zone vom Brückenkopf Köln ab nach Norden zwischen dem besetzten Gebiet und dem übrigen Deutschland keine Berkehrsunterbre- chungen angeordnet werden. Versenkung der deutschen Kriegsschiffe. Die „Associated Preß" berichtet aus Paris: Die amerikanische Friedensdelegation werde die Forderung stellen, die ausgelieserten deutschen Kriegsschiffe zu ver- * senken, damit bei der Verteilung kein Streit unter den Alliierten entstehen. Protest der deutschen Flüchtlinge. Die nach Freiburg i. Br. geflüchteten Altdeutschen und Elsässer hielten eine sehr zahlreich besuchte Volksversammlung ab. Es wurde die Absendung eines telegraphischen Protestes an den Bolksoeanftragten Ebert beschlossen, in dem um Schutz gegen die unerhörten Vergewaltigungen, blutigen Mißhandlungen und öffentlichen Beschimpfungen wie sie bis jetzt bei den Abtransporten in Mülhausen, Colmar, Schletlstadt, Straßburg und Zabern stattgesunden haben, Einspruch erhoben wird. Die Versammlung protestierte auch gegen die gewaltsame Zurückhaltung ihres Eigentums und gesamten Vermögens. Sofortige Schritte bei der Wassenstillstandskommission seien aufs dringendste erboten, wenn weitere Schmach verhütet werden soll. An den Bundespräsidenten der Schweiz und den Präsidenten des Schweizer Roten Kreuzes wurden ähnliche Telegramme gerichtet Tie polnischen Wahlen — Hochverrat. LaS preußische Ministerium des Innern pal ooeläufig t ^ Behörden nnflcrotcjeu, Die oon der poim|vl)en Reqlcrung i; ajaridiau audgefchr'.evencn U^aljlen aus v 1 v-*. em Bo- d.n, die den Bedingungen des Waste.! 4 !.,? e trage« 'r.t sprechen. nicht zu gestatt.n. Gle ch e -'i t at daS Ju.ttzwintsterittm daraus hin 'c.^ic f tu f das; die Beteiligung an diesen Wahlen eventuell unter den HochvcrralSparagra- phe.l fällt und die Annahme der Wahl als Amtsanmaßung zu beirrest- ist. Auch in der Presse erhebt sich in wachsender Stärke Widerspruch gegen die polnische Anmaßung, die unter lxuchlerischen Beschönigungen schon vor dem Borfrieden artlendete Tatsachen zu schassen sucht. Tie ReichSlci'ung g«Drn Abtrennungsgelüste Bon den Bestrebungen zur Bildung einer Republik n in der Oeifenllichkeit inehrsach die Rede gewesen. Die o Glichen Arbeiter- und Soldatenräte haben bei ihrer Vlftion auch die Einbeziehung des zu Preußen gehörenden Reale- oerngemätz die Arbeiter- und Soidatenräle in Ostfries- la,d zur Beteiligung an einer Kongreßsitzung in Olden- barg aufgefordert. Die Reichsleitung erachtet dieses Borgehen für unzulässig. Sie weist darauf hin, daß die territoriale Glieds ung Deutschlands durch die Umwälzung zunächst nicht berührt werden. UeberaU sei das Bolk, vertreten durch die Arbeiter- und Soldatenräte an die Stelle der bis- Hürtgen Inhaber der höchsten Gewalt getreten. Der GedietS- umfang dieser höchsten Gewalt habe sich hierbei aber nicht geändert. Eine Aendcrung der Grenzen der einzelnen ehemaligen . undeSstaaien bedürfe der Zustimmung der ReichSregte- ruiifl, da sie eine Abweichung von den in Deutschland geltenden Gesetzen enthält und die ge^epgebende Gewalt von den Trägern der Souveränität auf den Rat der Bolkö- beanftragten übertragen sei. Die NeichSleitung beabsichtigt nicht, au den Gebiets- reinen der einzelnen deutschen Freistaaten Acnderungen r>i.rrchmen zu laswn. ehe die verfassunggebende Rational- vec Sammlung darüber Beschluß gefaßt hat. 10 Ä' VE m M» 51 3 0 Rene Bestiminnngen Vcr Wahlordnung. Amt- Uch wird eine Abänderung der Wahlordnung zur Na- onalversammlung bekanntgegeben. Die wichtigste ist bie # Bestimmung, daß Vorschläge (Listen) nicht, wie zierst bestimmt, spätestens am 20. Tage vor dem Wahltag beim Wahttommifsar einzureichen sind, sondern i cestens am 4. Januar 1919. Die Aufforderung zur Erreichung dieser Vorschläge fiitb sofort zu erlassen. Die Wählerlisten sind am 30. Dezember (nicht , -,'hr, wie es hieß, „spätestens vier Wochen vor dem -Zahltag") zu jederlnanils Einsicht auszulegen. Aber die für die Wählerschaft wichtige Dauer der Auslegung bleibt mit dem Zeitraum von acht Tagen bestehen. Einsprüche gegen die Wählerlisten sind durch die Behörden binnen einer Woche zu erledigen. Bisher war bestimint: innerhalb der nächsten vierzehn Tage. 0 Aufhebuug des Wvhnzwangcs der Beamten. In den meisten Kommunen besteht für die Beamten die Verpflichtung, innerhalb der Kommune auch zu woh- ucn. Die Verpflichtung ist ergangen aus steuerlichen Gründen und um den einheimischen Kaufleuten und Handwerkern die Kaufkraft der Beamten zu sichern. Dieser Wohnzwang ist jetzt aufgehoben worden. An die Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten ist folgender Erlaß des Ministeriums des Innern ergangen: „In einzelnen Städten wird den städtischen Beamten und Lehrern das Wohnen außerhalb der An- stettungsgemeinde erschwert oder versagt. Mit Rücksicht aus die gegenwärtigen Schwierigkeiten der Woh- imngsbeschaffung wird das von den Betroffenen jetzt besonders schwer empfunden. Die Kommunalaufsichtsbehörden wollen in geeigneter Weise auf die in Betracht kommenden Städte einwirekn, um die Aufhebung oder Milderung einer derartigen Uebung zu erzielen." 0 Wie die Franzosen im besetzten Gebiete verfahren geht daraus hervor, daß sie in einer Reihe von Fabriken i ' uu’ijr. Wer sich der zehnstündigen Arbeitszeit nicht * aerzreyr, und wer mit dem Tagelohn von 4,50 Mk. v..:,: zufrieden ist, wird ohne weiteres nach Nordsrankreich adgeführt. Ermäßigungen für die Höchstpreise der .. ärungsuurtel sind nicht eingeführt worden, wenn- ttch die Franzosen bei den Bauern z. B. Hühner 5-. 1 Frcs. und Eier zu 10 Pfg. das Stück requirieren. ' den Läden müssen alle ausgelegten Waren mit v : iijeu in Mark und Francwährung ausgezeichnet sein. m ÄMnde ■+■ England baut weiter Schiffe. Wie England der Idee der Abrüstung gegenübersteht, geht aus folgender Londoner Meldung hervor: „Aus London wird gemeldet: Auf eine Anfrage l.'?r Handelskammer in Portsmouth, ob es nicht möglich die Marinewerft in Portsmouth für den Bau und >. .e ^von Hanoeivtchlsjen zu oenutzen, antwortete dce ^idmirali.ät, daß sie m ab eqb.irer Zeit o.e Arbelten für die Kriegsmarine nicht einschränken oune. Es fet ein neuer Marinebauplan culivorjcn orden, und es ser unöglich. an Die Freigabe der Werften ui Portsmouth für den Bau von Handelsschiffen zu denken." ■+■ Tcr Erzherzog als Zwischenhändler. Der Wiener „Abend" macht Mitteilungen, wonach Erzherzog Leopold Salvator durch die Lieferung von Trockengemüse an das Militär, und zwar zu Preisen, die über den Großhandelspreis über ein Drittel oder das Doppelte hinausgtngen, einen Gelvinn von 20 Mill. Kronen erzielt hat. Ter Erzherzog war bei die en Lieferungen lediglich Zwischenhändler. Französische Phantasie-Schäden Der von der französischen Kammer mit Mehrheit gutgeheißene Bericht des Staatshaushaltsansschusses über die in Frankreich verursachten Kriegsschäden enthält durchaus unkontrollierte Angaben, deren starte Anfechtbarkett namentlich die Ziffer 20 Milliarden für 20 000 zc .äörte Privatbanlichkeiten beweist. Die Schäden an öfjcntltchen Bauten lverden überdies mit 10 AttUiardell beziffert, die französischen Hauseinrichtungsschäden mit 5 Milliarden. Tank solchen Bewertungen gelangte der Ar>-schuß zur Gesamtzisfer 65 Milliarden. Tie Opposition gegen Elemeneeau wächst. Die . Lyoner Presse meldet aus Paris, die Opposition gegen , Clemeneeau betrage nach den letzten Abstimmungen j 255 Stinimen. Darunter befanden sich 80 weiße Zettel. Aber unter der Regiernngsmajorrtät seien mindestens 10 Prozent bereit, die Opposition bei nächster Gelegenheit zu verstärken. Man propagiere für ein Kabinett Briand, Leon Bourgeois, Thomas. Hält Wilson am Völkerbünde fest'? WilsonS Pariser Sekretariat protestiert öffentlich gegen die Intrigen eines Teiles der amerikanischen Presse, die den { Plan eines Völkerbundes Umstürzen und durch eine Art Rückoersicherungsgesellschaft der Entente ersetzen wolle. ? Wilson halte an seinem Plan unbedingt fest. --- Weihnachtsgruß. Das Christfest grüßt uns, ver. eint sind wir in Millionen deutscher Familien zur schönen Feier. Freilich ist es noch kein fröhliches und se- - liges Fest, wie wir es aus der Friedenszeit kannten, der Ruf: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Acenschen ein Wohlgefallen", kann s noch nicht wieder tu voller Klarheit erschallen und mit ' ganzer Kraft wirken. Auch der Weihnachtsbaum wird nicht so festlich erstrahlen, »nancher Wunsch lvird nicht \ erfüllt werden können, wie der größte deutsche Wunsch nach einen! Rechts- und Versöhnungsfrieden ein Traum geblieben ist. Aber was heute nicht ist, noch nicht ist, das wird in Zukunft wieder lverden, denn wir sehen in nuferer Mitte alle die Taufende, die heiinkehren durften aus den Schrecken des Krieges in den Schoß der ! deutschen Familie, in den Frieden des deutschen Hauses, dessen Schutz und Schirm sie so lange gewesen waren. Und diese Männer, die nie verzagten, werden auch nicht verzagen, wenn es gilt, nun des Vaterlandes Wiederaufbau zu erringen. Jung-Deutschland, dem die Weihnachtsfeier gilt, schaut in die Äugen der Krieger, es empfindet, daß jetzt andere Tage kommen, als es die der verflossenen 53 Monate waren. Jetzt heißt es ausharren und Gehorsam zeigen, denn die treue Pflichterfüllung löst manche Ungebundenheit ab, die nicht dauern konnte. Mit Paketen und Packen war alle Tage ein Wandern in den Straßen, der gute Wille und die Freude über das Wiedersehen ersetzten viel von dem, was außerhalb der Grenzen der Möglichkeit in Schranken lag. Verschiedene Berkaufserleichterungen bei den Bezugsscheinen und einige Preisermäßigungen waren gerade recht gekommen zum Fest. Der Festvesuch ist durch die Eisendahnverhältnisse beschränkt, aber doch nicht ganz ausgeblieben, viele auch nicht entlassene Feldgraue haben Urlaub. Und täuscht nicht alles, wird auch die Weihnachtsfeier wieder eine größere BerlobungS- feier fein. Kurz find die Festtage, aber sie sind rechte Feier- tage, und wir können sie alle gebrauchen. Nach ihnen kommt wieder eine Zeit, die alle unsere Kräfte erfordert. Daß Weihnachten uns diese Sammlung bescheren wird, ist unser Wunsch. = Tie Feiertage sind eine gute Zeit, um im Kreise der Familie die Zukunft unserer jungen Leute reiflich zu überlegen. Viele junge Burschen und Mädchen haben bei hohem Gelegenheitsverdienst, der nicht dauernd an- halten kann, wenig an kommende Tage gedacht und werden sich jetzt über einen Lebenslauf klar werden müssen. Auch für die Kinder, die zu Ostern die Schule verlassen sollen, müssen Bestinnnungen getroffen werden. Wir hoffen alle, daß wir bald wieder normale Verhältnisse und dann auch reichliche Arbeitsgelegenheit haben werden. Darüber aber kann kein Zweifel sein, daß jeder tüchtig etwas lernen muß. Die Arbeitstechnik hat in der ganzen Welt während des Krieges gewaltige Fortschritte gemacht, so daß niemand an ihnen Vorbeigehen kann. Nur mit tüchtigen Leistungen ist Brot zu verdienen. --- Tcr Mangel an Maschinen aller Art ist groß, und die Preise sind dementsprechend. Auch die Reparaturen stehen schon hoch im Preise. Es ist selbstverständlich, daß dadurch die Warenherstellung verteuert wird. Am größten ist der Bedarf an Lokomotiven aus der Eisenbahn, die durch die oft übermäßigen Anstrengungen sehr strapaziert worden sind und heute schon vielfach geschont werden müssen, so daß ihnen für den Fahrdienst nicht die gewöhnlichen Leistungen zu- gemutet werden können. Noch größer wird der Mangel durch die im Wafsenstillstandsvertrag vorgeschriebene Abgabe von 5000 Lokomotiven und 15 000 Eisenbahnwagen an die Entente. Wir ersehen daraus, daß auch nach der Beendigung des 5^eimtransportes unserer Feldgrauen wir im Eisenbahnverkehr noch keine großen Sprünge machen können, sondern uns gedulden müssen. Alle Schwierigkeiten ins Auge gefaßt, ist es noch viel, was geschafft worden ist. -- Ziusabschnittc, Koupons, sind bei den Kriegsanleihen bekanntlich als gesetzliches Zahlungsmittel in der Weise erklärt, daß die am 1. Januar fälligen Abschnitte schon seit Dezember überall gelten. Diese Bestimmung gilt aber nicht für alle Koupons schlechthin. Solche, die später fällig werden, oder von anderen Wertpapieren herrühren, brauchen noch nicht im Geschäftsverkehr angenommen werden. Prinzipiell waren die Koupons kein gesetzliches Zahlungsmittel und sind erst jetzt für diejenigen vom 1. Januar 1919 dazu erklärt worden. * Tie Bewegungen der Truppen gehen weiter planmäßig vor sich. Nach dem Stande vom 18. Dezeinber abends befinden sich an der Westfront noch 123 Divisionen, von denen 57 im Abtransport 50 aus dem Aiarsche in die Demobilisattonsorte sich befinden und 16 geschlossene Divisionen sind. Osten: Der Feind (die Sowjettruppen) hat Walk besetzt und ist wenige Kilometer darüber hinaus gefolgt. Die noch in Gegend von Dorpat verbliebenen Truppenteile sind auf dem Marsche nach Reval, von wo sie zu Schiff abbesördert werden. In 9tiga ist ein englischer TorPedobootSzerstörer etngelaufen. Die Vcäumung des Brückenkopfes bei Molodetschno ist beendet. Die Stadt Molodetschno ist geräumt. Tie Zahl der Arbeitslosen in Groß-Berlin beträgt für Berlin 65 000, Eharlottenburg 2500, Neu- rsrrn 18 500, Schöneverg 1500, Wilmersdorf 1400, Lichtenberg 5800. Neben diesem Arbeiterüberflutz herrscht in anderen Gegenden, besonders auf dem Lande, großer Mangel an Arbeitskräften. Dabei stammt die große Mehrzahl der in der Großstadt Beschäftigten vom Lande und könnte dort ohne Schwierigkeit untergebracht werden, aber die Regierung will keinen Zwang anwenden. Halbheit überall! ** Ter Solvatenrat verleiht einen Ehrcndegeu. Der Soldatenrat in Quedlinburg beschloß, dem dortigen Garnisonältesten General Wittje als Ersatz für den ihm bei Ausbruch der Revolution von fremden Soldaten genommenen Degen einen stets zu tragenden Ehrendegen zum Dank für die der Oefsentlichkeit in dieser schweren Zeit geleisteten Diensts zu überreichen. Verbrechen oder dummer Witz? Seit dem 4. Dezember wird der 22 Jahre alte Luftschisfer Georg Krenkel von der Lustschiskerersatzabteilung 1 in Reinickendorf vermißt. Krenke, der kurz vorher aus dem Felde gekommen war, verließ an dem genannten Tage seine Dienststelle. Einige Tage nach seinem Verschwinden lies in dieser Dienststelle ein ln Briefform gefaltetes, unfrankiertes Blatt Papier ein, auf dessen Rückseite ein Vermerk angebracht war, in dem der Finder gebeten wird, den Brief durch die Post weiter zu befördern. In dem Briefe teilt Krenkel mit, er werde im dritten Stock eines Hauses in der Motzstraße in Berlin — die Hausnummer sei ihm unbekannt — von einem seiner ehemaligen Vorgesetzten, dem Unteroffizier B., gefangen gehalten. Seine Hilferufe seien bisher erfolglos geblieben. Der Brisf ist am 4. 12. nachmittags zwischen 5 und 6 Uhr auf dem Postamt Südwest 11 ausgegeben worden. Unteroffizier B. bestreitet, mit der Sache etwas zu tmr zu haben und über den Verbleib des Krenkel etwas zu wissen. * Ter Soldatenrat auf der Kirchcnkontrolle. In einem Pfarrdorf R. bei Hechingen in Hohenzollern erschienen nach der Sonntagspredigt zwei Mitglieder des Soldatenrates bei dem Pfarrer, um ihn zur Rede zu stellen. Er sollte ein Schriftstück unterzeichnen, in dem es hieß: „Ich will ein liebevoller Seelsorger, sein und meine Untergebenen nicht bevormunden. Ich will nicht an die Kleidung der Jungfrauen hinschwätzen. Ich will die Bildung einer anderen politischen Partei nicht verhindern. Ich will praktische Kulturarbeit leisten." Noch einiges andere sollte der besagte Pfarr- herr dem Soldatenrat geloben. Ein Erfolg war ihnen nicht beschieden, dafür aber eine nachdrückliche Belehrung, daß der Pfarrer sich solche Bevormundung entschieden verbitte. * Tcr „knnstliebcude" A.° und S.-Rat. Aus dem Eisenacher Schloß hat der Arbeiter- und Soldatenrat eine Reihe von Möbeln, aus der Rokkoko-Epoche um 1720 stammend, die früher einen Hauptanziehungspunkt für künstlerisch oder historisch Interessierte ausmachten, zu täglichem Gebrauch an sich genommen. * Revolutionskosten. In der Düsseldorfer Stadt- verordneten-Versammlung wurde mitgeteilt, daß die Nebenregierung des Arbeiterrates des Stadt bis jetzt 250 000 Mark gekostet hat. Eingeschlossen sind die Kosten für ein Freiwilligen-Regiment. BreSlau. Verbrannt ist ein geistesschwaches Mädchen, das mit den Kleidern dem heißen Ofen zu nahe gekommen war. Iauer. Tödliche Verletzungen zog fick beim Aufhängen von Wäsche eine Frau zu, die versehentlich durch ein aiS Lichtschachi dienenoes Bodenfenster stürzte. Waldenburg. Als der Bahnbeamtc Mattee nach WüstewalterSdorf fuhr, wurde das Pferd wild. Schließlich ging der Wagen in Trümmer. Der am Boden liegend« M. wurde von dem wütenden Pferde totgetreten. SerichLicheS. (D Ter mit Erschießen bedrohte Chef. Eine terroristische Ausschreitung gegen einen unbescholtenen Kaufmann hatte ein Nachspiel vor dem Berliner Kaufmannsgericht. Der Lagerist Eppstein war mit seinem Prinzipal, dem Kaufmann Jacob Rothstein, wegen des Gehaltes in Differenzen geraten. Die Frau des Klägers lief nun zum Polizeipräsidium, schilderte dort den Prinzipal als einen Ausbund von Schlechtigkeit und erreichte auch, daß ihr ein Soldat der Sicherheitswehr „zur Durchführung der Exekutive" mitgegeben wurde. Das Ehepaar drang dann mit dem Soldaten in die Privatwohnung des Ehess ein, in welche dieser eben erst eingezogen war. Nachdem auf die Kolbenstöße des Soldaten R. geöffnet hatte, mußte er sich, durch die Waffe ständig in Schach gehalten, einem um so peinlicheren Verhör unterwerfen, als die neuen Hausnachbarn, durch den Lärm angelockt, auf der Trepve den Hergang verfolgten. „Warum zahlen Sie den Mann nicht?" herrschte der Soldat den Prinzipal an, und als dieser etwas einwenden ioollte und eine ganz harinlose Bewegung zur Tasche machte, rte» der Soldat: „Was machen Sie da für eure Bewegung? Sofort stehen Sie 1 ÜU, oder ich schieße!" Dann kommandierte der Stcherheitsrnann „Vorwärts marsch", und unter dem Hohngelächter der angesammelten Alenge mußte R., hinter ihm der Soldat mit dem Seitengewehr und die E.'scheu Eheleute, den Weg zum Polizeipräsidium antreteu. Wie der solchermaßen Üdelbehandelte Kaufmann weiter schilderte, fand sich eine ganze Weile niemand im Polizeipräsidium der sich für diesen „Fall" für zuständig erklärte, erst nach einer ganzen Zeit nahm sich ein Über die gesetzlichen Bestimmungen informierter Beamter seiner Sache an. Er erkannte nach Anhören der Sache sofort, daß es sich um einen bürgerlichen Rechtsstreit handelte, und daß durch den Mißgriff einer unverantwortlich handelnden Person dem Kaufmann übel mitgespielt lvorden war R. wurde sofort sreigelassen. Außerhalb des Polizeipräsidiums zahlte er dann der Frau des Lageristen das Rovemdergehalt in Höhe von 300 Mark, ivorauf diese die schriftliche Erklärung abgab, daß R. ein „Ehrenmann" sei, und sie nichts gegen ihn zu unternehmen gedächten. Angesichts dieses Sachverhalts wagte es der Lagerist noch, eine gerichtliche Entscheidung über die Frage der Berechtigung der sofortigen Entlassung herbei zuführen. Seine Klage wurde, wie nicht anders zu erwarten war, angewiesen. Bekazmtmachrmg. Das nmerriraruschc Oberirsmmanvo verlangt für die Genehmigung der Inreiserrlaubnis der Zivilstknöllrerung in das üesrhte Gebiet die Uor- läge eines gestempelten Passes der Heimat-Ortsbehörde brzw. des derzeitigen AufcnthattSorteS des Antragstellers (Bürgermeister, Amtsvorsteher, nicht von Arbeiter- und Soldatenräten, die von der Entente nicht anerkannt werden). Tcr Passierschein, der genaue Personalbeschreibung, Ortsbezeichnung mit Kreisangabe des Zu bei eisenden Bezirks, Dauer des Aufenthalts, Reisezweck usw ent galten muß, ist dem „Kommandeur der neutralen Zone Ubnitt III", (Paßabteilung), Zur Genehmigung der Zu- rcijeerlaubnis einzusendcn. Die Ortsbehordcn sind dasür verantwortlich, daß die Vorlage von Pässen nur in den dringlichsten,'unabwendbar notwendigen Fällen erfolgt. Bei Verstößen der Reisenden und wird die Reise Zu anbctm Zweck n uno nach anderen Orten, als angcgcbln, ausgcnutzt, muß damit gerechnet werden, daß völlige Sperre der Zureise der Zivilbevölkerung in das besetzte Gebiet cr< folgt. Für das gesamte Gebiet des Abschnitts Hl südlich der Lahn einschl. Diez und Freiendiez ist von s• it•:n c)f§ Oberkommandos der französischen 10 . Armee eine derartige Ec-laubnis Zur Zureise der Zivilbevölkerung in das von dm Französin btsitzlc Glbsit nickt erteilt worden. Für derartige Gesuche muß die Zuceise crlaubnis von Fall zu Fall durch bisondcrm Antrag be.m Kommandeur der neutralen Zone Abschnitts Hl erbeten werden, der sie an das französische Ober Fommanbo wntergebcn wird. Cs muß damit gerechnet werden, dav nur in dringendsten Ausnahmefällen und nach diu» gewiss.n Reihe von Tagen etwaige Erlaubnis erteilt wird. In die nentrak Zone nach ihren Helmatsort beurlaubte Mi I \ 1Q rp er fönen melden sich beim zuständigen LandratL.amt zur Genehmigung ihres Aufenthalts. Sie dü fen keine toasten tragen. Eine Zuccisfgcn.chmigung aktiver Militä:p^rsonrn ln das besetzte Gebiet kann nicht erteilt werden. Für die Rückreise der aus den Heeresdienst ordnungsmäßig entlassenen M i l i t ä r p e i so n c v. in U)icn Heimatsort des von Amerikanern besetzten Gebietes wild ein b-sondcrer Passtersch-in nicht geordert, jedoch von dm Franzosen für das von ihnen ürsitzte Gebiet südlich der Lahn. In Koblenz, Moltkestr. l, ist vom Kommandeur neutr. Zone Abschnitt III eine Paß. Nebenstelle cin^e- nchtet, die über Paß-Fragen der reisenden Ziviibcvösi kerung Auskunft erteilt und mit den Oberkommandos der 3. amerikanischen und 10 . französischem Armee in Verbindung steht und vermittelt. (Leiter Hauptmann Schulz-Bachufen, Koblenz, Fecnsprech Nr. 770). Der Kommandeur der neutralen Zone Abschnitt III. Schütze. Generalmajor. Bekam Wegen Mangel an Betriebsmittel und zur Beschaffung der für die Heimbeförderung der Truppen erforderlichen Lokomotiven sind folgende Züge bis auf Weiteres ausgefallen: 713 (W.) Friedberg ab 5.20 B., Bietzen an 6,19D. 773 (W.) Frankfurt ab 10,10 D., Marburg an 1,32 N. 799 Friedberg ab 8,15 N., Bietzen an 9,22 N. 718 (W.) Bietzen ab 5,05 B., Friedberg an 6,09 B. 776 (W.) Marburg ab 1,28 N,, Frankfurt an 4,48 N. 720 Marburg ab 6,00 N., Friedberg an 8,04 N.' 555 ,W.) Bietzen ab 12,32 N., Fulda an 3,33 N. 554 Fulda ab 8,58 B., Bietzen an 11,57 D. fahrt nur Sonn- und Feiertags. 508 Gelnhausen ab 7,28 B., Bietzen an 9,48 B. fährt nur Sonn- und Feiertags. 506 Bietzen ab 8,20 B., Gelnhausen an 10,31 B. fährt bis Nidda nur Sonn- und Feiertags und fällt von Nidda bis Gelnhausen aus. Zug 1652 Erbftadt-Kaichen ab 4,46 B., Hanau-Ost an 5,26 D. fährt schon von Friedberg ab (Abf. 4,26 V.). Frankfurt (Main), 22 . Dezember 1918. _ Frankfurt (Main). Wegen Mangel an Betriebsmitteln und Lokomotiven, die in erster Linie für die Heimbeförderung der Truppen benötigt werden, fallen noch folgende Züge bis auf weiteres aus: 636 Köln ab 12.00 Mittag, Bietzen an 5.23 N. 638 Köln ab 3.00 N., Bietzen an 8.23 N. 1674 Eitorf ab 6.43 B., Betzdorf an 7.58 V. 639 Bietzen ab 12.40 N., Köln an 6.29 N. 643 Bietzen ab 6.57 N., Köln an 12.09 N. 654 Treisdorf ab 6.54 N., Betzdorf an 8.54 N. Frankfurt (Main), 22 . Dez. 1918. Eiscnbahndircklion Frankfurt (Main). '^Cß-MIaiisii-Schreibttiasehlne ® r ‘; ™ !, “ rk * it 1 ! ««»<• »;merl,«f« s ke»! ^Sofort hoferl-ar: Vrtu, k«m„I. Mk . 230.-. langen Sie Prospekt! ‘ ^€^-jchre5biB3schincn g. m. b. y... Zerlin W. Manersirasse 83 — 84 . arg*- o^ritiitsii v s E? ^ V lla § « g 11 kbrksrige Trauen mü == WeMriiäge z? bietet Frauen und Mädchen unentgeltlich Auskunft und Beistand in häuslichen und persönlichen Angelegenheiten, sowie Beratung bei der Wahl der Beschäftigung. Ulfifier* ösid SäugilngffcNiz. Ktadcrfiirrorgt. Sprecbfnsnae«: liloiifag und Dernier sfag, abends oon 5 M 1 iMr , ^ . -- ^.enschcn \)t der dienet seines Charatckrs Mancher bleibt von bitteren Ei iahrnngen verschont oder übt Si lbsterzichung durch Einholung eines ^ genauen Charakterbildes nach Einsendung von unbewußten Tnr-tenschriften, die zurückgehen Berechnung 3—5 Mk. Nachnahme. Juksirs Tilly, stectrhekm (Dessen). MUekraat Liefe Pr. 2.7' 1 d. E prompte und spätere Lieferung in Waggonladungen. Ztr. 2.70 M. Wie das Donnerweiter wirkt FA gj zur Vertilgung von Ratten u Mäusen sowie Schv aben. Von der Regierung 11. allen Bihorden glänzend begutachtet. Pro Paket Mk. 4,— für Schwabeu Mk. 2,— ,» Wanzen „ 2,75 zu haben in 2 l n ein- scMägigen Geschäften Generalvertreter für Süd- West-Deutschland Gustav Riehl, Frankfurt a M. Unterlindau 47 Telefon: Taunus 855. 'tc beliebte iiiiiiüfeniiii|l£ mit 7 cm Durchmesser Mahlwerk liefert geg. Nachnahme zu 32 Mk. Aug. Falilbuscli, Uohen- Ikinbuvg (Westfalen), Schillerstraße 10. Händler Vorzugspreise! ■’SPuj chrnljta'che B eks n *i i m <3 ch une. Wegen Mangel an Betriebsmitteln und Lokomotiven, dis in erster Linie für Heimbsförderung der Truppen benötigt werden, fallen noch folgende Züge bis auf weiteres GUS 401 (W.) Toblenz ab 12.27 N., Bietzen an 4.28 N. 410 (W.) Bietzen ab 12.32 N., Toblenz an 4.19 N. Frankfurt (Main), 22 . Dez. 1918. Eifenbahndirctiio» Frankfnrt (Main). aus Le her Inhalt: Militär-Notizbuch und Quittungen, am 19. 12. d. IS. verloren aus dem Wege von Gießen nach Großen-Linden. Abzn- gcbcn gegen Belohnung iin Gasthaus zum Löwen zu Grohen- Linden oder in der Verlagsdruckerei Albin Klein 511 Gießen Südanlage 21. machen Sie selbst die zerrissensten Strümpfe, wenn Sic sich meinen Schnittmusterbogen z. Ausbesse nt der Strümpfe und Socken koinmen lassen. Preis Alk. 1.— gegen Nachnahme. ,E nr b a", Bensh im (Hessen) Hauptstraße 55. Wicderverkäufer gesucht. Der beste Ersatz für 14 a ii t a b a k sind meine Kanröllchcn 1000 Rollen 350 Mk., Probepost- kolli 100 Rollen 40 Mark. Ii 11 n s t a n g e 11 Im Geschmack vorzüglich. 1 1000 Stangen 3 0 Mk., Probepost- kolli 90 Mark Nachnahme. Sar an Wie {Serverkäufer. Hugo Hchrooder, Sicttio 60 Gesucht für baldigst eins. Stühe, die gut kochen, nähen u bügeln kann. Hausmädchert vorhanden. Frau Ing. Jmhof Bad-Nanhcim Noonstr. 0 Suche zum 1. Januar eine tüchtige zuverlässige Köchin die etwas Hausarbeit mit übernimmt. Frau S. Carl Stroh, Herrnstraße 84 — Littienberg 2. Qffcubach a. M. Oesullbt tüchtige rührige Darlehnsvermittler. fä. IS In me, Hamburg 5. Stndsnt sucht zum 1. Jan. 1919 Zimmer. Angebote unter A. M. 6888 an die Expedition d. Bl. erbeten. Junger Mann. BsNtbssMtsr, sucht per Mitte Dezember möbliertes Zimmer. Offerten unter H. Z. 50 an die Exp. d. Bl. Stempel milfiär u. SieRipeifarben Petscbaftea Gsiiüil- u. für BeSöracn Primate StempeiKiffen ScUabionen mcfaH«cbil«er fertigt 6ie$$entr Stempel- ti farbenfabrik JMph KxsAtLk, Celeron 2067 6 le$sen. Decken Sie Ihren Bedarf vor Eintritt des Winters in Dr. Genlners OclwachSlcdcrpuh v ; , ' -p Scliutsmarko denn im Winter steigt der Verbrauch, weil jedermann wasserdichte Schuhe will, die auch bei Negert und Schnee ihren Glanz behalten. & eine verseifte Waffcrwarc. — Garantiert frostsicher. — Hersteller, auch des beliebten ParketbodenwachseS „R obevin": Carl Gentner, Göppingen. 1000 St. ff. soll. Postkarten (Landsch., Tiere, Blumen, Geb.-. Wilzk.) Mk. 7.-. Abgabe dieser Karten uur in Verbindung mit einer der nachstehenden Sorten: 100 St. Mk. 11.—, 1000 St. Mk. 100. 13. - , 10 j(> 3.50, 1000 4.50, 1000 7.—, 1000 3.50, 1000 Echt Bromsilber, Schwarz Echt Bromsilber, handkol. ....... Bromsilber-Ersatz, schwarz .... Bromsilber-Ersatz, handkol. ! Glimmerkarten, gut sort. Liebesserien für Zivi! . Vievfarbendruck-Künstlerkarten, soitiort in Landschaften, Tiere, Blumen usw. Spruchkarten .... Kunslkarlen. Akt und Gemälde . ^ . per 1000 Oslcrn-, Pnugstfn- und Geburtstagskartell .... 100 Witzkarten, jede Karte ein Schlager ..... 100 Liefere nur reg. Ware. Lin Versuch und Sie kaufen wieder hei mir oder Voreinsendung auf Postscheck Leipzig 31416. Albert Lux, Papierwaren eugros, Zwickau Sa. 55 . 100 100 100 100 100 100 10 .) 100 120 — 33— 43— 65. - 33— 5/0, 100) „ „ 53— 5.60, 1000 „ „ 53— 9-, 12.-, 15— 85.--, 11.5.-, 140— 5.50, 1000 St. Mk. 53— 4.50. 1000 „ „ 43.— Vers. p. Nachnahme beste Sorte Eßlöffel per Dtzd.MK.9 56 Eßstabeln „ „ 9.56 Kaffeelöffel ,, „ 5.50 F. Wehpsss, _Heggen C. Finnentrop. la. Feir-RäsitrseTfe in Dosen zu 185 Gr. Nettoinhalt, p. St. 2.75 Mk. Versand per Oiachnahme nicht unter 2 Dosen. HandelSkontor: Dresden/)!., BischosSweg38. Vertreter gesucht.