vierteljährlich 2,40Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Ab geholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,80 Mk. — Erscheint Dienstag, Donnerstag u. SamStag. — Redaktionsschluß früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „Gicßcuer Zeitung", Gießen. Nr. 88 . Telephon Nr. 362. Expedition: Südanlage 21 Donnerstag, den 31. Oktober 1918. die 44 mm breite Petitzeile, für Auswärts 36 Pfg. Die 90 mm breite Reklame-Zeile 100 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe' berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung desZahlungs- zieles (30 Daae), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gietzencr Verlagsdruckerei, Albin Klei«. Telephon Rr. 363. 31. Jühtg. Große Opfer unter Ser belgischem ZivWevöiEcrrmc durch Entente-Ar rtterir. Heftige Angriffe Ser Franzosen gesch-iiert. I» Flauveru erfolgreiche Abwehr. Jlimucbe dentfche Qgezvericdlr. wtd. Großes Hauptquartier, 29. Okt. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In der Lys' Niederung wiesen wir Teilangriffe des Gegners be: Olene ab. Stärkere feindliche Abteilungen, die nordwestlich von Conde das östliche Schelde- Ufer zu gewinnen suchten, wurden im Gegenstoß zurück' geworfen. Südlich der Schelde drangen starke englische Angriffe bet Famars vorübergehend in unsere Linien ein. Das Infanterie'Regiment Nr. 176 unter Hauptmann Preußcr warf den Feind völlig zurück. Die 7. Batterie Feldartillerie - Regiments Nr. 71 und die Infanteriegeschütz - Batterie Nr. 38 trug in vorderster Llnie wesentlich zum Erfolge bei. Oestlich von Actres wurden Teilangriffe des Gegners abgewiesen. Der Feind setzt die Zerstörung der Ortschaften in und östlich der Schelde Niederung fort. Auch Balenctcuncs lag unter starkem feindlichen Feuer. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Angriffe der Franzosen gegen den Oisekanal zwischen Etreux und Lesquiellcs scheiterten in unserem Zusammen- gefaßten Altilleciefeuei. Schwache Teile, die-über den Kana! vorftießen, wurden im Gegenstoß zurückgewocfen. Westlich von Guise kamen feindliche Angriffe in unserem Feuer nicht voll zur Entwicklung. Am Souche - Abschnitt beiderseits der Straße Laon-Mario wiesen posensche und weflpreußische Regimenter am frühen Morgen starke Angriffe des Gegners ab Heeresgruppe G a l l w i tz Zwischen Arre und Maas zeitweilig auflebende Artillerietätigkeit. Wir schossen in den beiden letzten Tagen 49 feindliche Flugzeuge und drei Fesselballone ab. Der Eh f des Gene^alstabcs des Feldheeres. -v Berlin, 29. Okt. abends. Teilkämpfe südlich der Lys und südirch Le QueLnoy. Zwischen Nuizyckc-Comte und der Aisne scheiterten in den Nachmittagsstunden sehr heftige Angriffe der Franzosen. * der Schelde-Niederung forderte wiederum erhebliche Opfer unter der Zivilbevölkerung. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Am Oise-Kanal scheiterten am frühen Morgen heftige feindliche Angriffe. Nach starkem Artilleciekampf nahm der Franzose zwischen Nizy-le-Comte und der Aisne unter Einsatz zahlreicher Panzerwagen seine Angriffe wieder auf. Die in den schweren Kämpfen der letzten Tage bewährten Truppen der Armeen der Generale v. Eberhardt und v. Below haben auch gestern wieder einen vollen Erfolg in der Abwehr errungen. Sie schlugen den Feind auf der 18 Kilometer breiten Angriffsfront völlig zurück. In den Kämpfen am Nocd- rande von Klein - Quentin zeichneten sich das branden- bucgische Leib-Grenadier-Regiment Nr. 8, östlich von Benogne das westfältsche Infanterie-Regiment Nr. 53 und auf den AtSnehöhen das mecklenburgische Füsilier- Regiment Nr. 90 besonders aus. Teile der Stellung nordwestlich von Herpy die vorübergehend verloren gingen, wurden im Gegenangriff wieder genommen. In den Abendstunden stieß der Feind wiederholt zu heftigen Teiiangnffen vor, die überall vor unseren Linien scheiterten.' Der Franzos, hat gestern schwere Verluste erlitten ; zahlreiche Panzerwagen wurden zerstört. Beiderseits von Bouziers und östlich der Aisne zeitweilig Artilleriekampf. Wir schossen gestern 27 feindliche Flugzeuge und sechs Fesselballone ab. Leutnant Doecr errang in den letzten Tagen seinen 31. bis 34., Leutnant Fxommherz fernen 30. Luftsieg. Der Chef des Generalstabes des Feldheeres. Berlin, 30. Okt. abends. An der Oise find heftige Angriffe der Franzosen gescheitert. An der übrigen Westfront keine größeren Kämpfe. * Im September 440600 Kr.-Ueg T vernichtet Im Monat September haben die Mittelmächte rund 440,000 Biuttorcgistertonnen dks für unsere Feinde nutzbaren Handelsschiffsraums vernichtet. Nach neuen Nachricht!n find außerdem weitere 36,000 Brutto- registertonnen Schiffsraüm durch unsere kriegerischen Maßnahmen schwer beschädigt in feindliche Häfen einkleinen Verwaltungsbezirke und der Gemeinden unerläßlich. Es sind für diesen Zweck bereits am 1. Dezember 1916 und am 5. Dezember 1917 allgemeine Volks- Zahlungen vorgenommen worden. Die im Lause eines Jahres eintretenden Verschiebungen und Veränderungen im Bevölkerungsstand der einzelnen Gebietsteile find aber so erheblich, daß die im Dezember 1917 ermittelten Zahlen nicht mehr als zuverlässige Unterlagen für die Verteilungsmaßnahmen des nächsten Jahres angesehen werden können. Daher ist auch in diesem Jahre die Vornahme einer Volkszählung wieder notwendig. Der Bundesrat hat dementsprechend angeordnet, daß am Mittwoch, den 4. Dez mbec 1918, eine solche Zählung vorgenommen werden soll. Die Zählung soll in gleicher Weise wie im vorigen Jahre durchgeführt werden. Sie dient nur statistischen und wirtschaftlichen Zwecken. Für die Durchführung der Zählung wird wieder auf die freiwillige Beteiligung geeigneter Personen als Zähler zurückgegriffen werden müssen. Bei der hohen Bedeutung der Zählung liegt cs im Interesse jedes einzelnen, daß die Zählung ein möglichst zuverlässiges Ergebnis liefert, so daß wohl erwartet werden darf, daß alle Bevölke-. rungskceise bemühtZ'ein werden, die Durchführung der Zählung nach Kräften zu unterstützen und zu erleichtern. Anfrage zu den bessiscften Reformen. Die Abgeordneten Reh und Henrich haben für die Revission der Bersassungsurkunde und des Wahlgesetzes eine Reihe von Anträgen eingereicht, die u. a. verlangen: Beschränkung des Rechtes der Krone auf eine, rein repräsentative Betätigung; Beseitigung der Borrechte des Adels und der Standesherren, die sich auf Geburt und Besitz stützen; Aushebung der Familien-.Fideikommisse sowie des Familieneigentums des großherzoglichen Hauses; Beseitung der bisherigen Ersten Kammer; Schaffung eines Stimmrechtes für die Frauen; Beseitigung aller Beschränkungen des passiven Wahlrechts; gleich, mäßige Erneuerung des gesamten Landtags alle drei Jahre. _ Mm Stadl und £a»d. wtb. GroßesHauptquartter, 30. Okt. 1918 Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In der Lys - Niederung zwischen der Lys und Schelde, bei Famars und Engle Fontaine wurden heftige Teilangriffe des Feindes abgewicsen. Das englische Feuer gegen die Vorstädte von Tournai und die Ortschaften gebracht. Anordnung einer allgemeinen UoikszäMnng für den 4. Dezember l-is. Für bic praktische ^ urchführung der Vcrsorgurrgs- regelung ist eine regelmäßige einwandfreie Feststellung der Bcvölkcrungszahl des Reichs, der Bundesstaaten, der Alle nicht unbedingt notwendigen Reifen mit dev Giferibrchri sind zu rrrrterlassrrr, diese wiederholte Ermahnung der Eisenbahnverwaltung muß ein jeder nun endlich beachten. Wie aus dem Anzeigenteil der heutigen Nummer ersichtlich, ist es abermals notwendig geworden, auf den verschiedenen Eisenbahnstrecken unserer Gegend noch mehr Züge ausfallen zu lassen. ! wer Banknoten hamstert und varlehenskassenscheine. handelt töricht. Sie sind zinslos, bei Drandfäilen und viehstählen tritt völliger Verlust ein. Ael Kriegsanleihe zeichnet, handelt Ring. ' Sein Geld ist ebenso sicher angelegt mir Banknoten, und noch nützlicher, denn er erhält halbjährlich totsicher seinen Zins. * ♦ Frieden, keine Kapitulation. Die Kriegsgenossen des Präsidenten Wilson sollen sich leb. Haft danüt besoffen, die Bedingungen des Waffenstillstands zu erörtern; es verlautet, daß demnächst uns diese Bedingungen mitgeteilt werden sollen. Zuvor war es wohl notwendig, daß Deutschland dem Präsidenten Wilson nochnrals antwor- tete und ihm zugleich mitteilte, daß es bereit sei, die Waffen. siillstvndSbodingungen entgegenzunehmen. Zugleich war eine Frage des Präsidenten zu beantworten. Der Präsident wollte wissen, ob die neue deutsche Negierung auch von Dauer sein würde und ob er wirtlich in allen Stadien der Verhandlungen es nur mit der deutschen Demokratie zu tun haben würde. Wir haben daraufhin, ohne in Einzelheiten uns einzulassen, den Präsidenten auf die bedeutsamen Verfassungsänderungen, die wir während der letzten Wochen vorgenommen haben, hin- gewiesen. Der Präsident wird selbst einzuschätzen wissen, was bicfe Verfassungsänderungen bedeuten, und wie sie in der Tat ein unbedingtes Mittel sind, um die junge deutsche Demokratie für immer zu verankern. Nunmehr aber, da hüben wie drü- ben eine Volksregien'.ng steht, wird der Präsident, so möchten wir wenigstens meinen, die Gelegenheit wahrnehmen und gleich von vornherein sein Ideal der Völkerverständigung zu verwirklichen suchen. Er wird dabei auch berücksichtigen müffen, daß ein Volk, bas sich seine innere Verfassung von Grund auf neu geschaffen Hot, unmöglich mit gefalteten Hän- den sich äußern Mächten crgebn kann. Gerade die deutsche Demokratie kann und wird nicht blindlings sich in den Ab- grund der Vernichtung stoßen lasten. Und so wundert es uns denn auch gar nicht, daß gerade während der letzten Wochen der Widerstand unserer Front so gewaltig zugenommen hat, daß sogar die Gegner ibn anerkennen. Die englischen und französischen Zeitungen oringen täglich Berichte über die verblüffende Tapferkeit und den ja nicht zu verkennenden An- griffsgeift der deutschen Truppen. So schrieben die „Times": „Die Kanadier haben noch niemals so heftigen Widerstand gefunden." Und die „Pall Mall": „Es steckt noch viel Kampfesmut in den Deutschen .... Es wäre Wahnsinn, zu glauben, der Sieg sei schon erfochten". So ist es: Das deutsche Heer ist noch immer eine beachtenswerte Macht. Es kann noch auf lange hinaus den Kampf führen. Dennoch will es den Frieden. . Doch darf dieser Frieden, der zugleich allen Völkern die langersehnte Ruhe bringen wird, dem deutschen Volke nicht um den Preis einer schimpflichen Kapitulation zugemu- iiet werden. Was die Feinde fordern. WTB. London, 29. Okt. (Reuter.) Daily Mafl hofft, daß die Alliierten die Bedingungen des Waffenstillstandes nicht sofort bekanntgeben werden. Die deutsche Antwort erwidert die Fragen Wilsons nicht. Die deutschen Militärbehören mö- gen zu politischen Konzeffionen bereit sein, aber es ist noch kein Anzeichen vorhanden, daß die Soldaten bereit sind, ein Opfer von irgend welchem militärischem Wert zu brinaen. Bis die Deutschen Bereitschaft zeigen, indem sie die Bedingungen Fochs annehmen, sind wir der Ansicht, daß der König von Preußen noch immer die Macht in Deutschland in Händen bat. — Die Times schreibt: Die deutsche Rote versucht den Alliier- .ton die Initiative ihrer Vorschläge vom Waffenstillstand auf- zueclrgen und zeigt damit eine falsche Auffassung der Sach- läge. Die Korrespondenz ist geschlossen. Jetzt'müssen die .Deutschen an die Führer der Heere und Flotten, insbesondere on Fach v.nb Beaty, mit einem formellen Ersuchen um einen Waffenstillstand herantreten. Die Bedingungen des Waffen- stillftandes und des Friedens müffen von uns selbst unabän- derlich geregelt werden, ehe wir mit dem Feinde verhandeln. TU. Die „Morningpost" berichtet: Die voraussichtlichen Schadenersatzforderungen der Alliierten an den Feind wer- den zwisck>en vierzig und fünfzig Milliarden betragen, einschließlich Belgiens. Auch hierüber müssen Garantien vor dem Friedensschluß gegeben werden. — Die „Times" meldet aus Paris: Der alliierte Kriegsrat von Derfailles hat feine Derq. langen beendet. Die Beschlüsse gingen bereits den alliierten Regierungen zu. Für Dienstag darf jedenfalls auf die Der- öffentlichung der Waffenstillstandsbedingungen gerechnet werden. TU. In ben französischen Handelskammern mackst sich eine Bewegung für die Besetzung des Ruhrbeckens bemerkbar, wel- ches die Kohlenbedürfniffe Frankreichs solange decken soll, bis die Bergwerke des Pas de Calais und des Nordens wieder xroduktionsfählg sind. Die elsaß-lothringische Frage. TU. Straßburg, 29. Okt. Die Straßburger „Reue Zeitung veröffentlicht eine Unterredung mit dem Reichstagsab^eordne- ten H-mß, dem neuen Staatssekretär für Elsaß-Lothringen, über die elsaß.lothringische Fraae, in der es heißt: Bei der letzten Besprechung sämtlicknr elsaß-lothringischer Abgeordne- len im Rekchstage.an der ich teilnahm, wurde eine Erklärung vereinbart und festgelegt .welche für das elsaß-lothrinaische Volk auf Grund der Selbstbestimmung auch das Dolksre- ferendnm verlanat. Ich bin der Überzeugung, daß das elsaß- lothringische Volk dieses Recht der Sekbstbcstimmun" unbedingt für sich beansprucht und die Entscheidung über sein Schicksal nicht, wie Herr Dr. Nicklin behauptet, der Friedenskonferenz oder Wilson überlassen will, sondern erwartet, daß die Friedenskonferenz die von ihm selbst getroffene Enffcheidung rati. fixieren wird. Das ist die Grundlage meines Programms über die Zukunft des Landes. Ich bin gewiß, daß der elfaß-lothrin- 'gische Landtag, welcknr ja allein in authentischer Weise den Polkswillen zur Geltung bringen kann ,diefern Programm zu> ,stimmen wird. Lloyd George und Balfour ln Frankreich. WTB. Lloyd George und Balfour sind in Begleitung von See- uni> Landoffizieren nach Frankreich abgereist. Japan zur letzten Wttson-Rote. DTB. Reuter meldet aus Tokio vom 26. Oktober: In etlichen Kreisen wird Wilsons Antwort an Deutschland un» .eingeschränkte Bewunderung gezollt. Kardinal Sarlmann an den Papst. Nach der „Köln. Volkeztg." verlautet, daß Cr-blschof Kardinal von Hartmann im Namen der Bischöfe der Fuldaer Bi- schosstenfcrenz den Heiligen Vater um feine Vermittlung gebeten hat, damit unsere Feinde, die allem Anschein nach die deutsche Nation in ihrem Vesta-,d bedrohen, von ihrem Plane, Deutschlene zu vernichten, abstestrn. Der Papst wurde gebeten, seine Antorltät einzusetzeu, barnkt ?ln Friede zustande komme, .der der Gerechtigkeit und Billigkeit entspricht, und der eine Versöhnung der eatzwcitev Nationen anzubahnen qe lgnet ist. ö!terreich5 Antwort a» Wllon. WTB. Der Minister des Äußeren Graf Andraffy beauftragte gestern den Ssterrclchisch.ungarlschc't Gesandten in Stockholnr. die Kgi. schwedische Regierung zu ersuchen, der Re- gierurrg der IWrrinlgMn Staaten Amerikas nachstehende Aut. jpogt au l Engt $ut4 Mn LH. Oktober zu Übermitteln: „In Beantwortung der an die österreichisch- ungarische Regierung gerichtete Note des Herrn Präsidenten Wilson vom 18. ds. Mts. und infolge des Beschlusses des Herrn Präsidenten, mit Österreich-Ungarn gesondert über die Frage des Waffenstillstandes und die Frage des Friedens zu sprechen, beehrt sich die österrelchisch-ungarische Regierung zu erklären, daß sie ebenso wie mit den früheren Kundgebungen des Herrn Präsidenten auch feiner ln der letzten Note enthaltenen Auffassung über die Rechte der Völker Östrreich-Un- garns, speziell über die der Tschecho-Slowaken uud Jugoslawen zustimmt. Da somit Lst'rreich sämtliche Bedingungen angenommen hat, von welchen der Präsident die BerkHandlungen über den Waffenstillstand und den Frieden abhängig gemacht bat, steht nach Ansicht der österreichisch-ungarischen Regierung dem Beginn von Verhandlungen nichts mehr im Wege. Dir österreichisch.ungarische Regierung erklärt sich dalrer bereit, über einen Frieden zwischen Lsterrrich-Ungarn und den gegnerischen Staaten und über einen sofortigen Waffenstillstand an allen Fronten Österreich-Ungarns einzutreten und bittet den Herrn Präsidenten, die diesbezüglichen Einleitungen treffen zu wollen. Ohne Zweifel gehen wir schicksalsschweren Ta^en enrae- oen, denn wir müssen damit rechnen, daß Öfterreich-Ungarn Eonderverhandlungen mit den feindlichen Mächten führen wird, nachdem es mit der vorstehenden Rote sich fast bedingungslos der Entente überläßt. Ob Österreich bei diesem Bor. gehen besser fährt, ist zu bezweifeln, doch durfte die Regierung den Einflüssen der einzelnen Nationalitäten machtlos gegen- über gestanden haben und zu diesem Schritt gezwi'-ngen worden sein. Jedenfalls wäre ein geschlossenes Auftreten der Bundesgenossen auf der Friedenskonferenz sowohl den In- teressen Österreichs wie auch Deutschlands dienlich oeweien, und wir sind überzeugt, daß große Teile unseres Volkes den Schritt der Donauregierung verurteilen, aanz besonders auch deshalb, weil auch Deutschland in Verhandlungen mit der En- tente sich befindet. Immerhin werden wir nun auch von manchen Rücksichten entbunden, und die Interessen der Stammes- genossen in Österreich treten für unsere weiteren politischen Überlegungen in den Vordergrund. Das erste jedoch ist, daß wir die gefahrvolle Lage, in der wir uns heute befinden, mit aller Schärfe vor Augen halten. Auf sich allein oestellt. muß Deutschland aus die feste Haltung aller Dolksschicblen rechnen. Die Mahnung zur Vermeidung jeden inneren Zwistes und zur entschlossenen Unterstützung der Volksregierung in ihrer schweren Aufgabe ist das Gebot der Stunde. Österreich-Ungarn wird dir Waffen nlederleaen und Frieden schließen, ganz gleich, ob Deutschland die Waffenstillstands- bedingungen annehmen wird oder nicht. Österreich-Ungarn meint, in seiner Notlage zn.r selbständigen Handlung gezwungen zu sein. Der Traum vom Föderativ-Staate ist ausgeträumt. — Die Germania stellt nicht ohne Bedauern fest, daß Österreich-Ungarn denselben Weg beschritt, den Bulgarien gegangen ist. Die Zersetzung des Reichs und besonders die Vorgänge in Ungarn dürften zu dem Entschluß geführt haben. Unsere Lage wird durch den Abfall Österreich-Ungarns noch schwerer als bisher. — Die Kreuzzeitung ist völlig unzufrieden mit der nervenschwachen Negieru.ng. Sie schreibt u. a.: Gewiß wollen wir nicht verkennen ,daß ein Ausscheiden Österreich. Ungarns aus dem Bunde für uns ein schwerer Schlag sein würde. Aber das rechtfertigt noch nicht, daß der Vorwärts dem ganzen Ton nach diese Verschlechterung unserer Lage mit einer Art von Genugtuung begrüßt. Es sei doch von einem von der Regierung inspirierten Platt nicht geradezu klugTdie neue Lage möolichst schwarz zu malen. Es werde immer klarer, daß die Sozialdemokratie ihren des öfteren betonten Standpunkt, daß sie eine Kapitulation nicht mitmachen würde, immer mehr aufgibt. - Was sagen die bürgerlichen Mitalieder der neuen Negierung dazu, insbesondere die Nationalliberalen? Die Freisinnige Zeiti'.ng meint: Es erscheint uns sehr fraglich, ob Österreich-Ungarn wirklich dabei besser fährt, als wenn es gemeinsam mit Deutschland in Friedensverhandlun- gen einaetreten wäre. — Der Lokalanzeiger sagt: Wir sind der altmodischen Meinung, daß ein geschlossenes und darum festes Auftreten der Bundesgenossen auf der Friedenskonferenz den beiderseitigen Interessen dienend gewesen sein würde. Da es nicht sein sott, hoffen wir von unserer Negierung, daß sie nun die Rücksichten, von denen Österreich-Un- gorn uns selbst entbindet, mich in unserem Interesse weniger betont und daß sie darüber hinaus die Interessen unserer Stammesgenossen gegenüber den Ansprüchen der ihnen feindlichen Nationalitäten mehr in den Vordergrund stellt. — Im Börscnknrier heißt es: Die deutsche Eiche wurzelt fest und tief im Voden ,eine Königin des Kontinents, wie Thomas Earlyle sie einst nannte, und spottet den ohn mächtigen Arthieben. Ein paar schmerzvolle Toge stehen bevor, aber aus der Verstrickung von Schuld und Schicksal wird uns ein neues Leben erblühen. — Die Heimat sorge dafür, sagt die Tägliche Rund- schau, daß das Ausland jetzt zum Ende des Krieges die Tapfer, keil des Heeres nicht veraesse. — In der Rordd. Allgem. Ztg. liest man über die Pflicht der Stunde: Weiche Resignation und rückwärts gewandte Trauer sind nicht am Platze. Wer dem nachgoben wollte, schaltete sich aus und wirft sich felftst zum alten Eisen. Deutschland aber braucht jetzt Kraft und jeden Arm. Darum vorwärts zu neuen Zielen. Die angeblichen Bedingungen für Österreich. TU. Unter den Österreich-Ungarn aufznerlegenden Waf- fenftillstandsbedingungen vermnten Pariser parlamentarische Kreise die Verteilung der Geschütze der Handwaffen und anderen Materials an dle von dem Ranbverbande aberkannten bezw. anzu er kennenden Staatsorganismen. Diese Ans- teilung soll unter einer Kontrolle erfolgen, deren Ginzelbei- ten noch festznlegen waren. Ein gleiches gilt von den Was- fenstlllstandsbürgschaften bezüglich der Adriahäseu. Die Deutschen ln Österreich. TU. Ans Wien wffd mitoeteilt: Mährend dis Rote des Grafen Andrassy, in der dem Präsidenten ein Sonderfrieden mit Wilson ana^boten wird, für die nickstdentsckren Nationen eine gewisse Klärung der Lage brachte, die in Prag zu einer Beflaqgunq der Stadt führte, hat uns das Sonderangebot der Deutsch-Österreicber in dle größte Verwi"rnng verseht. Welche Beschlüsse der Vollzugsausschuß der deutschen Nationalver- sammiung fassen wird, steht noch n.lcht fest. Es ist aber damit zu rechnen, daß in kürzester Zeit eil. Kundgebung .rssolgt unh daß di- Note, die der Bollzugsausfchnß im Namen der deutschen Nationalversammlung an Wilson schicken will und die bereits feit Montag fertig ist, sofort oe^össeutli^t werden wird. TU. Der Haager Nieuwe-Eouront schreibt, daß die öster- reichisch-ungarisck.e Regierung außer Stande sei, einen anderen Weg al? den der Kapitulation zu betreten. Die Donaumo- narchie könne nicht warten ,bis Deutschlands Enffchluß ae- ,'aßt sei. Tatsächlich könne die österreichisch-ungarisck)e Regierung nur formell im Namen der Monarchie sprechen, als eine Instanzregicrung, welche, sobald der Waffenstillstand geschlossen sein wird, die Friedensverhandlnug selbst der» Räten der Botlona.itüten wird überlassen müssen. VerhsudruApen der Xßttef Mit der mmm WTB. Der Konstantinopeler „Akscham" meldete gestern' von berufener Seite, daß offizielle Verhandlungen der Türkei mit der Eutrute begonnen hätten. Delegierte seien mit de« General Towsend abgereist. Das nm DmtWimd. j’ v " Gedanken eines Parlamentariers. Dle friedliche Revolution im deutschen Reiche kann im Grunde als vollzogen gelten. Es ist ein Beweis für die Reife des Volkes, daß die Umwälzung in Ruhe erfolgte. Wohl blei- ben Reformen auszubauen, zu verankern und Unklarheiten zu sichten, sie können dem ganzen Gefüge aber keinerlei Rück- fchläge mehr zufügen. Am Scheidewege deutscher Geschichte zeiat der Wegweiser der Zukunft auf eine Demokratie, die in Wirklichkeit ober auch eine A'tokratie ist: die Autokratie der Gesamtheit des deutschen Volkes. Es lohnt sich, an diesem Scheidewege, vor diesem Wegwes. ser Aalt zu machen und von den Höhen, auf welche die Re. gierung der Hohenzollern das deutsche Volk aeführt hat. einen Blick über das Gelände streifen zu lassen. Da ist zunächst der gute Dille, der gute Glauben nicht zu bestreiten, der unsere Führer veranlaßte, das aanze Schwergewicht für Deutschlands Zukunft auf die Kraft feiner Waffen zu legen und rwar. well Deutschland. das Herz Europas, zufolge seiner Lage nur die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten bat: entweder in Europa eine vorherrschende Stellung zu haben, oder sich unter den Stiefeln fremder Scharen, die sein Land als Durchgangs, straßen und Markt benutzen, zertreten zu lassen. Die'e Sucht der Nachbarvölker, namentlich der Oststaaten. Deutschland zu zerstampfen, ist unausrottbar; sie steht in unzertrennlichem Zusammenhänge mit dem Kindekreichtum jener Völker, d'e pro Familie 6 bis 10 Kinder haben gegenüber 2 bis 4 Rach- kommen in deutschen Familien. Diese Gefahr der Nberwr- ch-'rung der deutschen Bnrggemäuer von frenldem Evheu. das sich in das Gefüge der Oua dern ein frißt, es lockert, das die Fenster der Burg verdunkelt, den Einwohnern Licht und L>>fr beeinträchtigt, wäre auch dann bestehen geblieben, wenn unser Herrscher mit Hülfe seiner Diplomaten mit allen Nachbarn die vorzüglichsten wirtlich freundschaftlichen Drziehurzgen aufrecht hielt. Roch ist Deutschland groß und stark. Wenn man nun ein gleiches von Österreich nach Abfall 'aller Nichtdeutschen nicht behaupten kann, so besteht hoffentlich die Möglichkeit, daß die deutsch.österreichischen Landesteile mit ihrem König zum deut« schon Reiche übergehen. Sollte Kaiser Karl durch den Abfall Ungarns die Kaiserkrone verlieren, so bleibt er als König von Deutsch Österreich ein Faktor, der seitens des Deutschen Reiches mit offenen Armen empfanden würde. Wenngleich Deutsch-Österreich nur mit einem kleinen Streifen an das adriatische Meer grenzt, so ergebe die Vereiniaung ein Reich von der Nord- und Ostsee bis zur Adria. „Mittel-Europa^ war ein Traum. „Deutsch" heißt die Parole. Der Dundesrat für dle Verfassungsänderungen. WTB. Der Bundesrat stimmte dem Entwurf eines Go, festes zur Abändening der Reichsoerfassuns in der vom Reichstag beschlossenen Fassung zu. Ltübere Staarsmanner vor dem ßtants« gerichlsdoj? bb. Der interfraktionelle Ausschuß des Reichstages hat sich, der „V'ri. Lokal.-Anz." bört, bereits mit der Frage de« schäftigt, ob dle früheren leitenden Staatsmänner, denen man eine Schuld an dem Scheitern der angeblichen Friedensver« mittlungsverfnche Ende 1916 und Anfang 1917 zuschreibt, zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Bestimmte Anträge in dieser Frage liegen nicht vor. Beschlüsse konnten aiso auch noch nicht gefaßt werden. Jedenfalls dürste die Angeleoenheit weiter verfolgt werden. Der deyWe Wendbericht. DTB. B e r l i n , 28. Okt., abends. Amtlich.) Keine größeren Kämpfe. Südlich der Schelde, am Oife-Kanal vnd am Souche-Atsschnltt scheiterten heftige Teilangrifse de» Gegners. lSrstze Schlacht zwischen Brerrta und Piave. WTB. Wien, 28. Okt. (Amtlich.) Italienischer Kriegs, schauplatz: In den Sieben Gemeinden blieb die Kampftätig« keit des Gegners auch gestern auf einzelne Vorstöße beschränkt, die abgewesen wurden. Östlich der Brenta tobt auf 60 Klio» Meter Frontbreite eine große Schlacht. Im Gebirge zwilchen Brenta und Piave scheiterten wieder alle Anstürme des Feindes. mochten sie mit noch so starken Kräften geführt sein. Die südlich des Fontona Secca an die Italienier verlorene Stern- kuppe wurde im Gegenangriff wieder .zurückerobert, wobei ein großer Teil der Besatzung in die Hand unserer Braven blieb. Unter unseren tapferen Truppen zeichneten sich de- sonders ovs die Infant.-Regimenter Rr. 7 (Kla^enfurt), Nr. 39 (Debreczin), dir. 47 (Marbu.rg), Nr. 49 (St. Poelten). Rr. 13 (Jäger), Rr. 120 (Westgalizicmer), Rr. 189 (neues ungarisches Regiment), das ungarische Sturmbataillon Rr. 17, das kroatische Rr. 42. das Wiener Schützenreaiment Rr. 1 und das lroatische Landwchrreaiment Nr. 28. Neuerliche Anerkennung verdienen wieder die Artillerie- und unsere Infanterie, und Schlachtflieger. An det Piave setzte nach heftigster Artillerievorbereitung in der Nacht zum 27. Oktober ein Ententean- griff ein. Bei Valdobbiadane vermochten schwächere feindliche Abteilungen das linke Ufer zu gewinnen. Sie wurden z«m größten Teile znrückge-drückt. Bei Bigolino und Vidvr wurden Übergangsversuche durch unser Abwehrfeuer zum Scheitern gebracht. Abwärts von Didor gelang es dem Feinde, mit stärkeren Kräften den Uberg-ang zu erzwingen. Unsere Truppen warfen sich ihm im Gegenangriff entgegen. ^Abends wurde bei den Dörfern Moriago und Sernoglia gekämpft. Gegenüber dem Nordostufer des Montello blieben Übergangsversuche der Italienier ohne Erfolg. Von Papadopoli aus stießen die Engländer bis Tezze und San Polo di Piave vor. Die bis drei Kilometer tiefe Eiubruchsstelle wurde durch unsere um jeden Fuß breit Boden tapfer fechtenden Truppen in den Flanken abgeriegelt. Rene Kämpfe sind seit heute früh an der Piave im Gange. — Baltan-Kriegsscl>auv!atz: Bei Alesffv an der albaniscl-en Küste Nochhntkämpfe. An der mittleren Drlna kam es zu Zusammenstößen zwischen unseren Siche- rungstruppcn und starken Banden. Das ^Znrücknehmen unserer Truppen in Serbien erfolgte ohne Störung durch den Gegner. Gefechtssühlung bestand gestern nur nördlich ten Kraaiffemie. Zurücknahme der österreichischen Truppen aus Palen. TU. Wien. 28. Okt. Die östcrreichisch.-ungarlschcn Truppen sind aus der» polnischen besetzten Gebieten zurückgezogen worden. Die polnischen Abgeordneten. db. Drut Berliner Loknlan^eiger «ranken dH» paftckschen Reichsm^-.mt>,eori'neren den wei t e r « » Reich^LHg»oerhtuU>ü«' ge» nrchr dEtjruvohcnr». * Bßss&e'M S£öm-g, nirgends Aufbau und positive Arbeit. Die deutsche Arbeiter- bewegung hat aber immer in Theorie und Praxis auf dem Boden der organischen Entwicklung gestanden, auf dem Boden praktischer Arbeit, auf dem Boden bec Reformen und Orra» nifation. Es hat natürlich orcf) in ihr immer wieder einzelne Heißsporne gegeben, dir in scharfer Opposition zu dem alten Programm der deutschen Sozialdemokratie und der deutschen Gewerkschaften gestanden haben . Diele Opposition hat in den 70er Jahren, in den 80er und den 90er. Jahren des vorigen Jahrhunderts aleichmäßig Erregung und Zwietracht unter den deutschen Arbeitern hervorgerufen. aber sie ist niemals zur Herrschaft gekommen. Der deutsche Arbeiter ist durch bas allgemeine Wahlrecht ebenso wie durch die allgemeine Wehrpflicht und durch die ollnemeine Volksschule in seinem Denken und Arbeiten, besonders ober in seiner politischen A'E- faffung erzogen worden . Es gibt nichts törichteres, als fo!rf>c ge>'chich1!ick>e Entwicklung zu übersehen; dis Erscheinungen des einen Landes mit ganz bestimmter geschichtlicher Entwicklung kaffen sich nicht auf jedes beliebige andere Land übertragen. Das in Rußland mit seiner ganz anderen Poraeschichte eine Art Notwendigkeit wurde, ist in Deutschland mit fernem ganz anderen politischen, kulturellen und sozialen Leben eine absolute Unmöglichkeit. Diele absolute Unmöglichkeit eines Bolschewismus bleibt umso sicherer bestehen, je mehr der neue deutsche Dolksstaat sich avsknit und je mehr die neue deutsche Negierung Hand in Hand mit den Organisationen der Arbeiter oller Richtungen zusammenarbeitet. Die berechtigten Wünsche der Arbeiterklasse werden auf diese Art genau so chnell und so steter erfüllt werden ,wie die berechtlaterr Wün- d)€ anderer Klaffen, und Brot Freiheit und Frieden werden »ie Fundamente eines gemeinsamen neuen Deutschlands werten, in dem für Bolschewismus und Revolution noch weniger Platz sein wird als bisher. VölktrSuM wrgsWmer Zeiten. Im Plätterwalde des In. und Auslandes rar'.scht es gewaltig von dem großen Völkerbunde, der gleichsam als ge- waltiaes Finale das furchtbare Dölterrinven beschließen und der Welt den ewigen Frieden bringen soll. Ob er zustande kommen wird, ob er Lber!)aupt unter den Verhältnissen des '20. Jahrhunderts möglich ist, soll und kann im Nahmen dieser .wenigen Zeilen nicht erörtert werden. Bedenkt man, wie 'verschieden dos ist, was sich die einzelnen Völker darunter denken und vor allem, was jeder der einzelnen, gerade an der Macht befindtichen Staatsmänner damit bezweckt, so dürften große Zweifel an der Verwirklichung dieses unstreitio großen Gedankens erlaubt sein. Zum mindesten siebt heute schon ziemlich f*ft .daß die uns feindliä)en Staatenlenker >m Völkerbünde nichts anderes erblicken und erblicken wollen, als ein bequemes und wundervoll in den Mantel der Nächstenliebe einhüttbares Instrument, um dem deutschen Volke die Dan. menschwnbcn handelspolitischer Erpressung anzulegen und chm die Schlinge wirtschaftlicher Erdrosselung um den Nacken zu werden. \ Wie dem auch sei, es mag in diesem Augenbsick nicht ohne Interesse sein, sich Art und Ziel und Erfolge früherer Döl- kerbuttbc zu vergegenwärtigen. Man bezerchnete |ie meist als Allianzen und fugte zur näheren Erklärung die Zahl der darin vereinigten Völker hinzu. Eine der bekanntesten ist d.e im Jahre iw* zwilchen England, Schweden und Holl.nrd dura, William Ten-plo. Witt und den Grafen Dohna im fcoe* ab. geschloffen Tripelallianz. Ihr Zweck war, gegen die userlv^n Ero^x runqvptLue des vierzehnten Ludwig einen selten Daunn schien Ihr dicfiiUat war der z wette Zru'den von der am U Mui pro gbeich^r Jahres z/jtuude nd den genannten Revokuttonskrteg des Franzofenkönias gegen Spanien beendigte, der sich mit einem Teil Flanderns, in der Hauptsache mit den Plätzen Ehaleroi, Ach. Oudenarde, Do'.mi, Tournay und Lille begnügen nmßte, wogegen Spanien die Franchc^Comtä zurückerhrelt. Gegen denselben französischen Herrscher war die erste der Quadrnpel-Allianzen gsrlchtLt, deren dis Geschichte eine ganze Anzahl kennt. Sie wurde ebenfalls im Haag und zwar im Jahre 1006 zwischen den Generalstoaten, dem König von Dänemark, dem Kuvstirsten Friedrich Wilsum von Branden- o-vg und dein Herzog ron Braunschwelg.Lünvburg a-Ejchlos. sen. Sie sollte der Raubpolrtik Ludwigs 16. ein Paroli bieten und die Unabhängigkeit Bremens gegen Schweden sichern Die Quadrupel-Allianz, dis 1718 zwischen England, Frankreich, dem deutschen Reich und den erst später beigetre- tonen Niederlanden zustande kam, war gegen Svaniens Cr- oberungsgier gerichtet, während das Vierstaatembündnis zwischen England, Österreich, Sachsen und den Niederlanden, das 1745 zu Warschau geschloffen wurde, den Zweck verfolate, Schlesien wieder z". erobern und einige bra. denburgische De- ptzungen zu rauben. Schließlich gehört hierher noch der Vertrag zwischen den vier Großmacyten Rußland, Preußen, Österreich und Groß- britannien, §nr Wiedecherstellung und Aufrechterhaltung t-s von der Erooernnaswut Napoleons in seinen Grundfesten erschütterten europäischen Friedens. Beschränktere Ziele verfolgten die Quodrllpel-Manzen zwischen Frankreich. England. Spanien unb Portugal (Lon- don im Jahre 1834), und zwischen Österreich, Preußen, Eng- land und Rußland (1840), von denen die erste zur Aufrecht» Erhaltung des konstitutionellen Prinzips auk der Pyrenäen» Halbinsel, die zweite zur Stützung der türkischen Herrschaft in Asien qe^en Ägypten a^e'chlossen wurde. Die bekannte -Heilige Allianz" vom Jahre 1815 zwischen den 5taisern von Österreich und Rußland und dem König von Preußen, d?e ohne die amtliche Mktwirk".no ihrer Minister abgeschlossen wurde .gebärt nicht in den Rahmen dieser kurzen Betrachtung, da sie keinen Völkerbund, sondern die Gründung eines großen Fürstenbundes im Auge hatte. D^e Geschichte lehrt, daß alle diese und ähnliche Bündnisse sich nur wirksam in der Erreichung und räumlich ziemlich eng bcarenzter Ziele erwiesen, daß sie aber sofort au«einander- flelen, wenn das gesteckte Ziel erreicht war, oder aber sich als nicht schnell nenug erreichbar zeigte. Der Gedanke eine; Welt, bund-es der Volker ist so groß hehr, das voreeschützte Ziel aber noch so u?ikkar imd verschleiert und die vorgesehenen Mittel zu dessen Erreichung vorlä'.'fta noch so sehr auf die brj- tale Gewalt gestellt, daß sich die Ansichten und Wünsche unserer Feinde recht beträchtlich ändern müssen. Cs sM Lss BttrNa::S. Auf lknd tretet in die Reihe Alle, die ihr deutsche seid. Gelt mit frohem Dtut arrfs neue Helft ohn zu ermüden; weiht Unverdrossen, ohne Zagen Euer Geld dem Vaterland! Segen bringt es, Zinsen tragen Wird es reichlich. — Haltet stand! Denkt, daß ihr das Höchste, Beste Stützen helft, das euch beschert; Denn nach Gott oift's nichts, was höher Ein ruschätzen, heilger war Als tzas Vaterland, das teure. Opfert ihm mit Herz und Hand Was ihr lönnt; es bringt ja Segen Euch —, nicht nur dem Baierland! Denkt, es geht jetzt um has Ganze. Mutig, mutig vorwärts sehn Und mit GoLtvertraun, ohn' Wanken Fest wie eine Mauer stehn. Nie ward Deutschland überwunden. Wenn es voller Eintracht war; Drum seid einig! Nicket die Heimat Nur, ihr selbst seid in Gefahr. Deutsche! sollen wir nicht Knechte Werden, wie der Feind es will. Darf an feine Rechte keiner Denken jetzt, weil nur ein Ziel, Eine Pflicht es u,r für jeden Gilt, der sich ein Deursck)er nennt; Diese Pflicht, sie heißt: „Auf's neue Opfern, was ihr opfern lönnt." Margarete Seibt, Lyzeallehrerin in Waldenburg (Schles.) Aus We!MMWn2. Köln, 29. Okt. Dos städissche ueichenfuhrwesen ist in der Zeit vom 1.-24. Oktober in 858 Fällen iu Anloruch ge- ncmmen morden, das sind durcbschnittftck' 36 Fakrt^u 'n Tag. Infolge der ungewöhnlich vermehrten Inanspruchnahme des Le uhrwesens ist es dis auf weiteres im linksrheinischen Stadtgedlete nickst mehr möglich, die Beerdiguna der Leichen vom ^terbehcnste in der bi^er oewobnten Weise oorzunehmen. Daher können dis auf weiteres im linksrbei- niswen Stadtgebiete die städtischen Leichenwagen die Leiwer'. nur noch vom Eterbebause obholen und ^u den Le?^enb^llen verbrinaen. von wo aus da^n ru den seit- gesetzten Beerdigunaszeiten erfolgt. Es bedeutet dies jeooch nur eine vorübergehende Maßnahme. Ettorf, 29. Okt. Am ^n «SW-»* erkrankt ist Syndikus Dr. jur. Otto Koenpchen nach 2 Wochen infoloe !)inzi'^"tt-e^pnpr ^ gr-- ci.r^ n GkchweNer. 29. Okt. Der Eschweiler Bergwerksverein in Kohlscheiü beschloß in seiner Generalversammluna. im Interesse der Bergmertsonlagen den Vau von Arueikerwoh- nungen ins Auge zu taffen und dewlMate hierfür die Aust nähme einer Anleihe vvn 10 Millionen Mark« Kiersteiu, 2v. Skr. ^-ine erure.^.^se tro vom Felde hier ein. Der linteroftiner ^iokob Völkner und der Gekreite Frie^-i^b f'O* '^"-en i'^n ^lmchem Alt" r zusar men in der Säusle, rückten am aleicben Taae znm Militär ein. kämpften 40 Monate hlndurch Seite an Cci^e und sielen Seile an Seit» im A!»er von 24 Jahren. L.-re sie ein gemeinsames Grob aefunden. so künden jetzt auch Ne Hin terbliebeisen in einer gemeinlameir Todesanzeige ihren He>- dentod als treue Komeroden an. Aus der Wcsipfalz, 29. Okt. Mehrere Bauern voröffent. lichen in Zweibrücker Zeitungen folaendes Ini?rat. das die I Ubcvfd)vift ^Einladung" trägt: Auf Grund der neuesten Beiordnung über die Korlosfelaersornrng der Pfälzer Städte sollen bis 31. Oktober d»c Jitartcffein vom Erzerrger abge- iein. Rtuitdem die uxtf nieils auf bem Felde stehen und Arbeiter nicht zu bekommen sind, fs laden wir im Interesse der Volksernäyrung diejenigen Herren mit ihren Damen ein. welche die Verordungen erlassen oder begutachtet haben, uns bei dem herrlichen Wetter bet dem Ausmach-n behilflich zu sein. Ortsüblicher Tagelohn und derbe Bauernkost wird zugesichert. Angebote an die Ge- lchäjtsstelle. Düsseldorf, 29. Okt. Die Interssenvertretung der Kriegs- befchädigtenverbände im Stadt- und Landkreis Dc>sseldorf ver- an,l«ltete hier eine Bersamnäung, die den Zweck verfolgte, eine Ern'hestsorg-antsvtion der vielen bestehenden Kriegsbeschädia- t werixinte herbeizuführen. In der Erörterung der Möglich-^ keilen ein^o einheitlichen Zusammengehens wurde die Rotwen- drpkeit gemeinsamer Schritte, besonders durch E '.gaben an die Behörden betont. Notwen' z fei auch ein enaer Anschluß der 5lr:Lvsbe;chädigtenvcrbände an die Gewerkschaften uird die An. gestellten -Organ tsa tionen. Lelbert, 29. Okt. Eine Flucht durch das Schaufenster un- ternahm ein Einbrecher, der mit einem Genossen in das Ge- schaft L. cn'.f der Friedrichstraße eingedrungen war. Als zwei Polizeibea-mte erschienen, zertrümmerte der Einbrecher die Schaufensterscheibe und gelangte so ins Freie. Sein Genosse, der einen geladenen Revolver und Einbrecherwerkzeuge bei sich führte, wurde feftgenommen. vüefclb, 29. Otr. Der oteugen Polizei gelang es, 6 Personen festzunehmen, die sich mit Diehdiebstählen befaßt ha- den. Cie hoben bereits den Diebstahl von 5 Kühen und einem Schwein in der Umgebung unserer Stadt einaestanden. Das Fleisch der Tiere wurde von einem Militärinvoliden vertrieben, der auch verhaftet wurde. Nach den weiteren Feststellungen gibt es noch eine zweite Bande hier die in Viehdiebstählsn „arbeitet.-' — In einem hiesigen Schubae- schuft wurden für rund 1500 „K Echuhwaren gestohlen. Neuß, 29. Okt. Oberhalb der Stadt wurde zwischen den Eisenbahnschienen die Leiche eines vom Eisenbahnzuge über, whrencn Mannes im Alter von 35-40 Jahren gefunden. Anscheinend liegt Selbstmord vor. Papiere wurden bei der Leiche nicht voraefunden. M.-Gladbach, 29. Oft. Die Grippe hat in der setzt ab- gelaufenen Woche noch mehr Opfer hier gefordert wie in der letzten Woche. Es starben 96 Personen gegen 76 in der Vorwoche und 55 davor be^w 18—24 in normaler Zeit. Esse». 29. Okt. Ein falscher Kriminalbeamter hielt ein Mädchen, das auf dem Hauptpostamt 3800 M abgehoben hatte auf ber Straße an und forderte es auf, mit ihm zur Polizeiwache zu gehen. Vorher „beschlagnahmte^ er das Geld und ergrchf mit seiner Beute die Flucht. ^ Schwerte, 29. Okt. Der vom hiesigen Arbeitgeberbund erngerrchtete Zwangsarbeitsnochweig ist wieder aufqehobev worden, nachdem die gesamte Arbeiterschaft in einer großen P^testversammlung entschieden Einspruch gegen die Ein- Achtung erhoben l>atts, die auch in der Bürgerschaft mkk- bllliat worden war. Hagen, 29. Okt. Einen übermschenden Ausgang nahm Stadtverordnetenwahl der 3. Abteilung im Wahlbezirk Altstadt. Die büraerlichsn Parteien und Sozialdemokraten stimmten für den Christlich-sozialen, welcher bisher das Man. dat in ne hatte. Die Unabhängigen Sozialdemokraten traten mft einem Sonderkandidaten Wirt Georg Heinrich hervor. DlLjer siegte mit 27 Stimmen Mehrheit. J Wck?v nnest, 29. Ott. Die Kupfererzgrube K-ntei> wecke, weuho ,r. den 59er Jahren zum Erlieaen kam.i st kn den Beptz der Bleiwerke Adolf Hinaens, Mülheim, vberge^-oen. Die Grube soll noch den neuesten technischen Grundsätzen betrieben werden, u. a. ist ein Grundstollen in der Talsohle an der Ruhr-Eieobahn zwischen Welschenennest-Benolpe ae- piant Eg ist zu bearüßen, daß die unaeheuren Werte in d >;er kuvfernrnren Zeit dem Markte zuaeführt werden. Auch für die hftüven Bergleute, welche auf ouswärftge Gruben' ^wiesen sind, ist die Inbetriebsetzung von nicht zu unte> schätzender Bedeutung. 0 2 ? u 0Jt *v Einer Kundgebung an die Ge. meindegikeder seitens der Pastoren der Synode Sieaen heißt, . s . W r wollen uns beugen nvr Gatt und unsere und uns-es! Schuld b-kennen. Wir bellten und verurteilen auf M ^ dke Berachftma des aöftftchen Wortes, die rW lofr Unmtndbtet «„ Heer und das Schlemmen und Prassen in gewiffen dasteim und draußen, den Wu' cheraeist. der sich bereichert, wo der Bruder blutet, die leicht- terftaen und unftichtiaen fn qf no un ^ Schg^. bubne Dir rufen auf zu neuer Liebe zu dem bedrobt-n Vaterland. Die waffenlähiaen Pfarrer unter uns sind fest entschlossen, sobald die Not "ns.r.s R-fteg einen neuen letz-^ ten Ruf m den Waffen erfordert, diesem Rufe freudig zu sollen. .Wir vertrauen zu d-ß er einem bußfertigen Volk mit seiner bei^obk»^ wird. c>r , ?Et«old. 29 Okt. Fürst Leopold zur Lippe hat aus Anlaß des Geburtstages der Fürstin das Ctaatsministerium mi! der Ausführung eines Amnestieerlasses beauftragt durch den alle Personen, die wegen Vergebens gegen die'sogen, ^rtegsgeletze, besonders wegen verbotswidriger Besckmffuna vc.i Nahrungsmitteln, sowie wegen Feld- und Forstdieb- stcu.ils verurteilt worden sind, die Strafe nach besonderer Rloßaabe in Gnade zu erlassen ist. ^ 1 sH?Urgenskadi (Eichsfeld), 29. Okt. Welch außeraewöhno liche Preise letzt für Ländereien gezahlt werden davon zeugt wieocr der Verkauf des Rittergutes Siemerode, der Familie v. Haustein gehörend. Ties Gut wurde kürzlich an einen Knevsgewmnler namens Schmitz zum Preise von 540 000 Jt Erkauft, obgleich es nur rund 380 Morgen umfaßt Bor d^m 5.r:ege wurde das Gut wohl kaum mit 150 000 JC bewertet worden cm. 1 tzumorikrisches. Vorsehung. „©111005 hat denn heute Deine Frau vor? Die kramt tn allen Mode)vurnalen herum und ist so eufgereat?" ^Id), das find bioß Ohnniüchts-Siiniptomel^ Teurer Entschluß. «w 1 n ^ ® cröe ich Dir zur Deckung Deiner Schulden dreihundert Mark geben; Du mußt mir aber versprechen, ein anderer Mensch zu werden!^ .Onkel, das lostet aber fünfhunder Mark." Das erste Wort auf dem Lande. »Na, Schwägerin, Euer Bub fängt schon an zu spre- chcu? 7 - Ja, — er sagt schon: Wir Ham selber ui*/ Notwendig. „es war ja geradezu schrecklich, wie der Notar gestsn,, mit bi flirtete. Ick; glaubte, er sei Frauenl-asscr.^ — das ist er, aber zuweilen muß er seinem Hasse Nahrung zu sichren." Die überfüllten Züge. ^Ek'.e sii-eußliche Fahrt a»<,r dm., sage ich Ihnen: Sine, Fahrkarte ft r p.'»Re l^we ich degahlt uU Drucksac^ »*% K desv^c.t. a. Neuregelung dtr fortscbreibung der Ävlibevöllrerung rum ZwecRRe der Lebenzmlttelversorgung. Die Gesamtlage unserer Lebensmittelversorgung macht eiKC genaue Feststellung bcc Zahl der verso,gungs berechtigten Bevölkerung unerläßlich, um mit Sicherheit jeden unzulässigen Mehrverbrauch ausschalten zu können. Aus diesem Grunde waren die Kommunatvecbände durch Rundschreiben drs Präsidenten des Kriegsernährungs amts vom 9. Mai 1917 schon bisher angewiesen, unter Zugrundelegung der Ergebnisse der Volkszählungen ge naue Verzeichnisse der Versorgungsberechttgten aufzuflel len und durch Fortschreibung der Veränderungen auf dem laufenden zu halten. Es hat sich jedoch hcrausge stellt, daß durch die Fortschrcibung nach dem bisherigen Verfahren nicht völlig zuverlässige Unterlagen für die Bevölkerungszahl der Kommunalverbände gewonnen wer den konnten. Zn jedem Fortschreibungstermin überstieg die Zahl der Zuzüge die der" Wegzüge sehr erheblich, während bet richtiger Fortschreibnng die Gesamtzahl der Zuzüge und die Gesamtzahl der Wegzüge innerhalb des Reichsgebiets einander annähernd gleich sein mußten Die Bundcscatsverocdnung vom 24. Oktober 1918 (RGBl. Nr. 143) stellt die Fortschreibung auf neue Grundlagen. Als Zuzüge sollen foetan nur Personen gezählt werden dürfen, welche einen von der zuständigen Behörde ihres bisherigen Aufenthaltsorts ausgestellten Abmeldeschein aus vorgeschricbeuem Vordruck abgeben. Eine Ausnahme gilt nur für Personen, die aus dem Ausland zuzie. hen; für sie hat der Kommunalverband des Zuzugsorts eine besondere Zählkarte auszufertigen. Als Wegzüge werden alle Personen gezählt, denen ein Abmeldeschein aus- gestellt worden ist. Durch die vom Reichskanzler erlassenen AusfühVUngs- bestimmungen werden die für die Fortschreibung zu benutzenden Vordrucke einheitlich festgesetzt, auch wird für dle Abmeldescheine ein Blocksystem eingeführt, welches eine genaue Kontrolle ermöglicht. Da die Vordrucke wesentlich vereinfacht und deren Kosten auf die Reichskasse übernommen werden, bedeutet die Neuregelung für die Kommunalverbände eine erheb- liche Entlastung in geschäftlicher und finanzieller Hinsicht. Polilllch«. Darmstadt Der Landesnusschuß der Fortschritts. Volksparlet für das Großherzogtum Hessen hielt am Sonnlag in Mainz eine aus allen Teilen des Landes stark besuchte Versammlung ab. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Landtagsabgeordnete Rkh-A!sfeld hielt zunächst der Reichstagsabgcordnete Kopsch Berlin einen Vortrag über die äußere und innere Politik des deutschen Reiches, der den Zuhöc.rn eine Reihe von wertvollen Aufschlüssen über die Ereignisse der letzten Wochen brachte. Sodann sprach der Landtagsabgeord- ncte Henrich Dacmstadt über Reform der hessischen Ver- sassung. An die Vorträge schloß sich eine rege Aus spräche. Z» dem Vortrag des ersten Referenten über dre Rcichspolitik wurde sodann folgende Resolution an genommen: „Der Landesausschuß der Fortschr. Volkspartei für das Großh. Hessen stimmt der von der jetzigen parlamentarischen Regierung des Reichs geleisteten Rcformarbeit rückhaltlos zu. Ec verwirft entschieden die vaterlandsschädigende Wühlarbeit volksgegnerischer, die Einheit ves Reichs untergrabender Kreise, die die entgültig be seitigte Gewaltpolitik und Klassenpolitik wieder aufzuciL» icn suchen. Der Landesausschuß hat das feste Vertrauen zur neuen Volksregterung, daß sie dem deutschen Volke einen Frieden schaffen wird, der ihm selbst wie allen Völkern das Recht der Selbstbestimmung und einer gesicherten Zukunft tm Rahmen des Völkerbundes gewährleistet. Einem VcrnichtungSwillen unserer Feinde gegenüber wird das deutsche Volk geschlossen alle Kiäfte zum äußersten Widerstand aufbieten." Zum Vortrag des zweiten Referenten wurden folgende Richtlinien zum Beschluß eehoben: „Der LandcsauSschuß der Fortschr. Volkspartei fordert die unverzügliche Demokcalisterung der Verwaltung des Großherzogtum Hessen, die Umwandlung des Obrig- kettsstaatS tn einen Volksstaat. Der Ausschuß erwartet demzufolge, daß die Abgeordneten der Partei in der Zweiten Kammer eintreten für: 1. Aufhebung aller auf Geburt oder auf Besitz gestützten Vorrechte in, Staat, im Kreise und in den Gemeinden. 2. Einführung des Einkammersystems, 3. Feauenwahlrecht, 4. Beseitigung aller das allgemeine und gleiche Wahlrecht sowie die Wählbarkeit beschränkenden Bestimmungen, 5. Gleichmäßige und gerechte Wahlkrciscinteilung, 6. Ein. führung der Verhältniswahl, 7. Einfühlung oes Lcmd- tagSwahlccchts auch für die Wahlen in den Provinzen, Kreisen und Gemeinden, sowie Erweiterung dcö Sclbst- bestimmungsrechtes der Gemeinden." Aus Stadl md Land. * Darmstadt Der Emqualtierungsausschuß gibt folgendes bekannt: Es muß damit gerechnet werden, daß in der nächsten Zeit sämtliche Straßen der Stadt mit Einguartierung (ohne Verpflegung) belegt werden. Um für alle Fälle gerüstet zu sein, empfiehlt es sich, die Quartiere bereit zu halten Umguarttcrungen können von uns nicht mehr vorgenommcn werden. Ein Teil der brfferen Wohnungen sind soweit als nötig, als Ossizlcrsquartwre in Aussicht genommen. Weiter werden sämtllche Ställen innerhalb des Stadtgebietes, (auch in Privolhäusecn) zur Einstellung von Pfcrdrn benötigt und sind diese sür den Zweck frei zu machen. Bekannimachmrg. Wegen der zahlreichen Erkrankungen unter den Beamten des Fahrdienstes und zur Bewälti- gnng des durch die Anforderungen der Heeresverwaltung nnd die ^ahrnngsmittelversorgnng der Bevölkerung zur Zeit stark angwachsenrn Militär- usb Güterverkehrs fallen folgende Züge vor- rübergehend aus: Pz 723 Frankfurt ab 4,13 R., Cassel an 8,29 R. — Pz. 722 Cassel ab 8,57 V. Frankfurt an 1,38 R. Um eine Ueberlastung der noch verbleibenden Züge zu vermeiden, wird wiederholt und auf das dringcnste ersucht, alle nicht unbedingt nötigen Reisen zu unterlassen, da andernfalls noch einschneidendere Maßnahmen zur Einschränkung des Personenverkehrs nicht zu vermeiden sind. Ir mehr sich das Publikum in seinen Reisen be- schränkt und dadurch mithilft, das durch die Einschränkung erstrebte Ziel zu erreichen, je eher wird es mög' lich sein, die Beschränkungen zu mildern oder ganz auf- zuheben. Ebenso hängt es von der Sekbstbeschränkung des Publikums ab, ob die Zahl der zu den einzelnen. Zügen zu verausgabenden Fahrkarten von vornherein ein für alle mal festgesetzt wird. Jedenfalls wird aber schon jetzt der Verkauf sofort eingestellt und die Bahnsteigsperre geschlossen, sobald eine betciebsgefährliche Ueberbesetzung zu befürchten ist. Gleichzeitig wird unter Hinweis auf die allgem. Ausführungsbestimmung 5 (2) zu § 16 der Etsenbahn- Verkehrsordnung angeordnet, daß die Fahrt am ersten Tage der Geltungsdauer der Fahrkarten angetreten werden muß. Hinsichtlich der bereits vor Veröffentlichung dieser Bekanntmachung gelösten Fahrkarten gelteu noch die bisherigen Bestimmungen. Frankfurt (Main), 28. Oktober 1918. M kisenbabndirelrtion franlrtnrt Ml.) BekamttMachrmg. Wegen der zahlreichen Erkrankungen unter den Keamte« des Fahrdienstes und zur Bewältigung des durch die Anforderungen der Heeresverwaltung nnd die NKhr'Ungsmittelversorgnng der Bevölkerung zur 3ttt stark angewachfenen Militär- und Güterverkehrs fallen nachstehende Zuge vorübergehend aus: I. Vom 30.Okt. ab: Pz 637 (W) Eitorf ab 2.04 R., Troisdorf an 2.46 R. — Pz. 644 (W) Troisdorf ab 12.32 N., Ettorf an 1.14 N. II. Vom 1. Okt. ab: Pz. 83 Betzdorf ab 6 45 V., Cöln an 8.31 B. — Pz. 84 Cöln ab 8.46 N, Betzdorf an 10 40 N. III. Vom 2. Okt. ab: Nachzg. 643 (Sonnabends) Herborn ab 8.59 R. Betzdorf an 10.39 N. — Vorzg. 638 (Sonnabends) Cöln ab 2.50 N., E.korf an 4.10 N. Die schon früher ausgefallenen Pz. 651 Gießen ab 5.45 N., Cöln an 9.47 N. und Pz. 652 Cöln ab 8.00V., Gießen an 12.00 Mittags werden auch weiterhin nicht befördert. Um eine Uebeclastung der noch verbleibenden Züge zu vermeiden, wird wiederholt und auf das dringendste ersucht, alle nicht unbedingt nötigen Reisen zu unterlassen, da andernfalls noch einschneidendere Maßnahmen zur Einschränkung ^)es Personenverkehrs nicht zu vermeiden sind. I- mehr sich das Publikum in seinen Reisen beschränkt und dadurch mit hilft, das durch die Einschränkung erstrebte Ziel zu erreichen, je eher wird es möglich sein, die Beschränkungen zu mildern oder ganz aufzuheben. Ebenso hängt es von der Selbstbeschränkung des Publikums ab. ob die Zahl der zu den einzelnen Zügen zu verausgabenden Fahrkarten von vornherein ein für .alle mal festgesetzt wird. Jedenfalls wird aber schon jetzt der Verkauf sofort eingestellt und die Bahnsteigsperre geschlossen, sobald eine betrirbsgcfäh:liche Ueberbesctzung zu befürchten ist. Gleichzeitig wird unter Hinweis aus die allg. Ausfühcungsbestimmungen 5 (2) zu § 16 d.r Eiser.bahnvcrkchrsordnung angeordnet, daß die Fahrt am ersten Tage der Geltungsdauer d r Fahrkarten angetreten werden muß. Frankfurt (Main), den 29. Okt. 1918. königliche eifenbabndircktion Trankfurt (Main). BektmntmachKttg. Frachtstück guter werden am 30. und 31. (Oktober sowie am 1 November znr Beförderung nicht angenommen. Frankfurt (Main), den 28. Oktober 1918. Kgl. eifenbabndirektlon Trankfurt (M) Verantwortlich: Altzin Klein, Gießen. Wer seinen Winterbedarf in Schuhfett jetzt beschafft, kauft billiger als während der Saison. Dr. Gentners Schuhfet l Tlauolin erhält das Leder weich, macht es wasserdicht und dauerhaft, u. kann jetzt noch prompt geliefert werden. Hübsche Plakate und Postkarten. Hersteller auch des beliebten Oel° wachs Lederputzes Nigrin: Carl Gentner, Göppingen. Körbe rund, aus grünen Weiden, für Obst und Kartoffeln, in Preislagen von Mk. 6.— Mk. 5.— Mk. 4.— Mk. 3.25 anbieten mit nnd ohne Deckel (0.75 das Stück extra). F. Steldinger sen. & Co., Berlin W. 30, Bercktesgadenerstr. 35. Telegramm-Adresse: Digste ll Berlin. ___ AltQs P«pier für Rüstungszweckc kauft, unter Garantie des Einstampfens, zu den höchsten Preisen Laulerbach i. H. C Th. Helserrbem Telefon 28 . N.B. Säcke zum Füllen können geliefert werden. 20-30 Mädchen (nicht unter 16 Jahr.en) sür leicht? 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