(Neuest. Nachrichten) Bezugspreis 80 p?g. monatlich (ÖUcftcticr Tageblatt) Knzeigeuprers vierteljährlich 2,40Mk., vorauszalilbar, frei ins Haus. Ab ge holt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,80 Mk. — Erscheint Dienstag, Donnerstag u. Samstag. — Nedaktionsschlutz früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrmrg oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „Eicftcucr Zeitung.", Gießen. Erpeditisu: Südanlage 21. 24 Psg. die 44 nun breite Petitzeile, für Auswärts 36 Psg. Die 00 mm breite Reklame-Zeile 100 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des ZkblungS- zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorfchriften ohneVerbindlichteit. Druck der Gicstencr Berlagsdrnckerci, Albin Klein. Nr. S3. Telephon Nr. 362. Samstag, dm 19. Oktober 1918 Telephon Nr. 363. 31. Jührg. Mehrere große feindliche Durchbrnchsvcrsttche in Nsedfrankrerch und abgeschlagen. Das deutsche Volk einig und fest zur Regierung. KmMde SMfche csgesdsriedrr. wtb. GcoßesHauptquarLier, 15. Okt. 1918. . Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppen Kronprinz Ruppcecht In Arndern hat der Feind seine Angriffe auf breiter Front zwischen Zaires und der- Lys wieder ausgenommen. Es gelang ihm, über unsere vordere Stellung hinaus vorzudringen. Gegen Mittag kam der Kamps in der Linie Koitemork — östlich von Noesclace, das nach hartem Kampf in Feindeshand fiel, südwestlich von Jsegem und nordöstlich von Menen zum Stehen. Menen und Wervtk wurden gegen starke Angriffe behauptet, Uebergangsversuche des Feindes über d:e Lys bei Kamen vereitelt. Bei erneuten Angriffen am Nachmittage gingen HandZame und Kortemark verloren. Stacke mit Panzerwagen geführte Angriffe beiderseits von Gits scheiterten. Zwischen Jsegem und Menen konnte der Feind am Nachmittage»ur noch wenig Boden gewinnen- Erfolgreiche Borseldkämpfe westlich von Lille und am Hautc- DeuleKanal. Am Selleabschnitt nördlich von Haussy und St. Sorplet scheiterten Teilan^riffe des Gegners. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz In dichtem Morgennebel brach der Feind östlich von St. Quentin über die Oise vor und faßte vorüber« gehend auf den Höhen südlich von Macquigny und nöcd* tich von Origny Fuß. Umfassend angcsetzter Gegenangriff warf ihn von den Höhen aus die Oise wieder zurück. Heftige Teilkämpse vor der neuen Front nördlich von Laon, westlich der Aisne und im Aisnebogen, füo« westlich von Grandpre. Heeresgruppe Gal!Witz. Zwischen der Aire und der Maas griff der Amerikaner mit starken Kräften an. Schwerpunkt der Kämpfe lag östlich der Aire und beiderseits der von Chacpenrry auf Bautheville führenden Straße. Die teilweise bls zu vier Mal wiederholen Angriffe sind bis auf örtlichen Geländcgew'.nn beiderseits von Nomagne gescheitert. Südöstlicher Kriegsschauplatz: Auf dcn Höhen '.nordwestlich und nördlich von Nisch fanden kleinere Kämpfe statt. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. r»i Berlin, 15. Oktober, abends. An dex Kampffront in Flandern setzte der Feind seine Angriffe fort. Ec konnte einige Geländevorteile in beschränktem Umfange erringen. Westlich der Maas entschieden sich Teil- kämpfe zu unseren Gunsten. '» Berlin, 15. Oktober. Im Atlandischen Ozean haben unsere U Boote 41060 Bcutto-R To. Handelsschiffsraum, darunter mehrere Tankdampfer und mit Kriegsmaterial beladene Dampfer, versenkt. Der EheLdes Admiralstabs der Marine. i*i wtb. Großes Hauptquartier, 16. Okt. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronpriuz Nupprecht. In Flandern setzte der Feind seine Angriffe fort. Ihr Hauptstoß richtete sich ans Torhout und gegen die Bahn Jsegen—Kortrik. Auch gegen die übrige Kampffront führte der Feind vielfach durch Panzerwagen un- lerstützte heftige Angriffe. An einzelnen Stellen haben Misere Truppen ih^e Linien behauptet; an anderen Stellen wichen sie kämpfend aus und mehlten den Feind an rückwärtigen Stützpunkten vielfach durch Gegenstöße ab. Auf dem nördlichen Angriffsflügel blieb Torhout in unserer Hand. — Versuche des Feindes, zwischen Werken und Torhout in nördlicher Richtung vorzustoßen, wurden in erster Linie durch Truppen der 38. -- v Land- wehr-Division verhindert. Südlich von Torhout haben wir die Linie Lichtervelde—Jsegem gehalten. Südlich von Jsegem gelang es dem Gegner, über die Bahn Siegern—Kortrik hinaus voczudringen; östlich der Bahn brachten wir ihn zum Stehen. Westlich und südlich von Lille setzten wir unsere Linie etwas vom Feinde ab. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Bohain und der Oise griff der Feind erneut nach starker Artilleriewirkung an. Nördlich der Straße Bohain—Aisonville hielten wir ihn durch unser Feuer wieder, Aisonville wurde nach heftigem Kampfe gegen den beiderseits des Ortes und gegen den Ort selbst mit starken Kräften mehrfach anstürmendcn Gegner gehalten. Auch der nördlich der Oise vorbrechende feindliche Angriff scheiterte vor unseren Linien. Die seit Wochen säst ununterbrochen im Kampfe stehende 6. Bayerische Infanteriedivision zeichnete sich wiederum besonders aus. Kämpfe vor unseren neuen Stellungen nördlich und nordöstlich von Laon und westlich der Aisne, in denen wir dem Gegner vielfach schwere Verluste zusügten. Der Feind steht hier südlich der Serre und etwa in Linie Liesse — Sisonne — Le Thour — St Germainmont. An der Aisncfront Erkundigunsgesechte. Der zwischen Olizy und Gcandpre auf Monccon entlang der Aisne vorspringende kleine Stellungsbogen wurde geräumt. Die dort kämpfende Truppe hat den Feind auch gestern wieder zu mehrfachen für ihn verlustreichen Angriffen veranlaßt und damit den mit dem vorübergehenden Halten des Bogens beabsichtigten Zw:ck voll erreicht. Heeresgruppe Gallwitz. Zwischen den Argonen und der Maas sind erneute heftige Angriffe der Amerikaner in unserem Feuer und an unseren Gegenstößen gescheitert. Der Feind hat auch gestern trotz Einsatz weit überlegener Kräfte, starker Artillerie und trotz Unterstützung durch Panzerwagen nur wenig Gelände gewonnen. Nördlich von Juvin, am Walde von Banthevtlle und nordöstlich von Cunel fanden die Kämpfe bei Einbruch der Dunkelheit ihren Abschluß. Auf dem östlichen Maasufcr zersplitterten sich dre zwischen der Maas und nordwestlich von Beaumont gerichteten Angriffe in dem sehr unübersichtlichen Waldgelände in sehr heftige Teilkämpfe, die zu unseren Gunsten endigten. Der Amerikaner erlitt auch gestern wiederum außerordentlich schwere Verluste. Der Erste Genecalquacttecmeistec: Ludendocff. Abschnitt drang der Gegner bei Haussy in unsere Linien ein. Nadsahrec - Bataillone warfen den Feind im Gegenangriff Zurück und nahmen die alte Stellung wieder. Die Beschießung der Stadt Denain durch englische Artillerie hält an und hat weitere Opfer unter den französischen Einwohnern und Flüchtlingen gefordert. Heeresgruppe Deuts 1; er Kronprinz. An der Aisnefcont zeitwckltg Artilleriekämpfe. Erneute Angriffe der Franzosen nördlich von Ocigny wurden abg.'w^sen. An der Aisne und an der Aire scheiterten starke französische Angriffe vor unseren neuen Lienien westlich von Gcandp:6. Heeresgruppe Gallwitz. Oestlich der Aire wurden amerikanische Angriffe, deren Hauptstoß sich gegen Champlgneullcs und Land- res richtete, vbgcwiesen. Beide Orte wurden gehalten. Die Höhe südöstlich von Landres blieb nach wechsel- vollem Kampfe in Fetndrshand. Auch auf dem Ostufec der Maas scheiterten erneute Angriffe des Feindes. Bei Abwehr des westlich von Flabas mit Panzerwagen vor- dringenden Gegners zeichnete sich die erste Landwehr- division besonders aus. Südöstlicher Kriegsschauplatz: Vor unserer neuen Front Zwischen Jagodina und Nisch hat der Feind die westliche Morava — C.usovac — und Aleksinac erreicht. Teilangriff, die er aus dieser Linie heraus führte, wurden abgewiesen. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. Berlin, 17. Okt., abends. Zwischen Le Catcau und der Oise hat der Feind erneut auf mehr als 35 Kilometer breiter Front angegriffen. Der mit großen Mitteln angesetzte Durchbruchsversuch wurde vereitelt. Seine Anrisse sind teils vor unseren Linien gescheitert, teils fingen wir sie vor unseren Artilleriestellungen auf. In Flandern, an der Aire und Maas nur örtliche Kämpfe. Berlin, 16. Okt., abends. Nordwestlich von Nocsselace, am Stelleabschnitt bei Haussy, zwischen Aire und Maas und auf dem Ostufer der Maas sind feind- ltche Angriffe gescheitert. Die von französischen Flüchtlingen angesüllte Stadt Denain liegt unter dauerndem Feuer schwerer englischer Artillerie. Der Feind beschoß gestern die von uns während des Krieges sorgsam geschonte Wallfahrtsstätte von Lieffe. 1918. wtb. Großes Hauptquartier, 17. Okt. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht. Auf dem Kampffelde nohmen wir unsere Front in die Linie östlich von Torhout — Koolskamp — Inge! Münster, im Anschluß hieran hinter die Lys zurück. Nach stärkstem Feuer auf das geräumte Gelände fühlte der Feind an unsere neuen Stellungen heran. Beiderseits von Koolskamp griff ec sie mit starken Kräften, bet Torhout und Jngclmüstec in Tetlvorstößen an. Auch gegen die Lys-Front bei Kortrik und Menen führte er heftige Angriffe. Der Feind wurde überall abgewtesen. — Gegen unsere neue Front Zwischen Lille und Douai ist der Feind gestern bis in Linie Capinghen — Allo.ics Ieö Marals — Calvin — Olgnies gefolgt. Am Selle- Staatssekretär Scheiüemann über öle Kriegsanleihe: Seid pflichtbewußt! 6# unserem Lanöe! Gedenket der Soldaten und ibrer Familien! Mer Geld hat, der zeichne! Es ist kein Opfer, sein Geld mündelsicher zu fünf Prozent anzulegen. • Jfus Start u-.d Osts. Kriegsanleihe. EZ wird darauf hingewstfen, daß die Zmsschetnc aller Neichsanleihen, also auch d r Kriegsanleihen, vom 21. des dem Fälligkeitstage vorhergehenden Monats ab nicht nur bei allen Postanstaltcn — einschließlich der Postagentuccn — sondern auch von den hessischen Staatskasse», den Kreis, Stadt- und größeren Gemctndekassen in Zahlung genommen werden. Die Einlösung der Zinsscheine ist damit dcn Besitzern der Kriegsanleihe außerordentlich leicht gemacht. Dies wird hoffentlich recht vielen und vor allem auch der Landbevölkerung dcn Entschluß zum Zeichnen der 9. Keiegöan- leihe erleichtern. Gasgefüllfe Lampen bis 2000 Waft ÄcrSmMiwgsverikye. . . Schneller, als erwartet, hat der Präsident der Der-:!- "/§ren Staaten feine Meinung über die deutsche Rate vom IS- Oft ober geäußert. Um es gleich vorweg zu nehmen: der offensichtlichen Betonung, daß die deutliche Ant. v>ort^ der deutschen Regierung auch eine offenherzige und Ltres.e Cruunmg erfordert, muß leider gesagt werden, daß Dan diesen für die rasci>e Weiterführung der Lerl-andlungen To notwendigen Eigenscliaften nicht viel in der Note zu ver- Zpurcn ist. Gleich zu Beginn weicht der Präsident der Der- eul.iten Staaten der Entscheidung über die Räumung des Gebietes und hie Bedingungen des Waffenstillstandes aus. Cv vermeidet es, auf den bündigen Vorschlag der deutschen Regierung oinzügehen und stellt sich plötzlich auf den Stand, punkt, daß diese Frage keine politische, sondern eine mili- ^technische Angelegenheit ist, über die nur die Entente ßn ihrer Gesamtheit entscheiden könne. Abgesehen von allem «itbcni bestände immer noch die Möglichkeit, sich über die Details dieses Vorschlages zu verständigen, wene er nicht durch neue Forderungen verklausuliert wäre. Als Grund- läge für den Abschluß von Abmachungen forder: Wilson be- fieüigende Garantien und Sicherheiten dafür, daß die Heu- lige militärische Ueberlegenheit der Alliierten ausrechck erhal. len bleibt. Worin bestehen nur diese Sicherheiten und Ga. antren?^ Zunächst wird gefordert, daß die bewaffneten Streitkräfte Deutschlands ihre gesetzwidrigen unmenschli« d>cn Handlungen nicht fortzusehen, d. h. also Einstellung des Unterseebootkrieges und Aufgabe des militärischen Wider- standes in Flandern und Frankreich. Ueber die Möglichkeit einer Einstellung der Feindseligkeiten zu verhandeln, war ja der Zweck des deutschen Friedensangebotes. Aber es kann ^ ,Wlich von deutlcher Seite darauf eingegangen werden, die Einstellung der Feindseligkeiten von deutscher Seite zur Voraus^ung für den mögliclnn Abschluß eines Waffenstill, standes zu machen Das deutsche Volk führt den Krieg doch wahrlich nicht zu seinem Vergnügen, und seine Kampfmit- tel sind doch lediglich eine Folge des Vernichtungswillens der Gegner. Der Unterseebootkrieg dient doch nicht dazu vm für nichts und wieder nichts Schiffe zu vernichten, fon- !dcrn eme Hungerblockade der Absperrung Deutschlands von 'dem Meere. Er ist also kein Angriffs- sondern ein Abwehr- mittel. Ähnlich verhält es sich mit der Beschuldigung, die sWilson wegen der Vernichtung Belgiens und Rordfrank- weichs erhebt. Die deutschen Heere befinden sich doch in der Verteidigung gegen einen zahlenmäßig überleaenen mit ollen technischen Hilfsmitteln ausgeft-^tteten Feind, der von dieser, technischen Hilfsmitteln allerausgiebiasten Gebrauch ? Qd? rL ^Slrsche Marinemimster Churchill hat sich erst kürzlich dessen geühmt, wieviel Tonnen Granaten täalich ouf die deutchen Linien geschüttet werden, und die belaischen und nordffanzösischen Städte und Dörfer werden durch das o?uer der eigenen Landsleute und ihrer Verbündeten ver- deutsche Regierung hat ja ausdrücklich ihre Be- reitfchaff zur Beendigung dieser Zustände erklärt, deren grausame Wirkungen sie und das deutsche Volk sick-erlich Milcht weniger berkagt, als die Gegner. Höchst merkwürdig aber ist es, daß Wilson in seiner §uen Rote em ganz neues Moment in die Debatte wirft. Nachdem sich Deutschland rundheraus auf den Boden samt- sicher vom Präsidenten der Vereinigten Staaten nominierten Forderungen gejtellt hat, weist er mit einem Male auf eine ^eue Klausel hm von der bis jetzt niemals die Rede war. «lbgesehen von dieser ungewöhnlichen Methode, läßt sich beim besten Willen aus dieser mystischen Erklärungen schwer eme Deutung herausleien. In dem Zitat dieses Passus lesen wir, daß er die Vernichtung jeder willkürlichen Macht, die den Weltfrieden zu stören versucht, ohne ihre Herabmin- derung bis zur tatsächlichen Ohnmacht anstrebt. Auch die Deutung, daß er jene Macht meint, die bisher das Schicksal der deutschen Nation bestimmt hat, macht die Sache nicht klarer. Das deutsche Volk befindet sich gerade im Augenblick trotz aller Erschütterungen von außen mitten in der größten inneren Reform, die ein Volk im Kriege wohl je durchae- macht hat. Der alte deutsche Obrigkeitsstaat wandelte sich in euren Dolkesstaat, und das ganze deutsche Volk ist bereit fir die Sicherheit dieser Umwälzung Bürgschaft zu leistenj denn es handelt sich doch hier einzig und allein um seine eigene Sache. ' Der Präsident der Vereinigten Staaten tut der Sache des Friedens mit dieser Note keinen guten Dienst. Mit Recht hat er stets Klarheit und Dcutlichtcit in jedem Wort gefordert, das hüben und drüben über die Friedenssack« ae- sagt werden sollte. Die erfreuliche Klarheit, die die Dis- Mstivn bis letzt auszeichnete, ist einer Verdunklung der Sachlage geschwunden, und sie schafft neue Verzvaerunacn und muß auf deutscher Seite Widerstände wecken, die alles Eher als dazu angetan sind, eine Beschleunigung des um Achen Blutvergießens und der Bevwüstung Belgiens und Nordfrankreichs herbcizuführen. Grenzen des Möglichen. Vordergrund aller Fragen steht ohne Zweifel die Möglichkeit der Räumung der von uns besetzten Gebiete Sie ist von folgenschwerer Bedeutung und bedarf daher der ernstlichften Prüfung. Man muß unterscheiden in die Ge. biete, die östlich und dir westlich der Reichsgrenze liegen. Im Olten hat stch der Zustand entwickelt, daß die Gebiete, die dort «wch deutsche Truppen Herbergen, ihre Vertretungen be. ouftragt haben, die deutsche Wehrniacht als Schutz gegen die Zersetzung anzurufen, die dort drohte. Man kann also nicht davon reden, daß dort ein Zustand entstände, der sich den Abfichten Wilsons unterordnet, wenn unsere Truppen das Ge- biet verließen. Der wörtlich Text der Erklärungen des ame- rikanifchen Präsidenten spricht auch garnicht von diesen Ge- bieten. Dort herrscht vielmehr die Auffassung, daß das Verbleiben der deutschen Soldaten die Ruhe und Ordnung for- dert. Dort wird nicht gekämpft, und es kann also oiirf) dort nichts unternommen werden, was an der augenblicklichen militärischen Lage irgendetwas ändern könnte. Wir stehen dort nicht mehr im besetzten Gebiet Rußland. Unsere Trup- pen sind von selbständigen Staaten zur Hilfe gerufen worden. Es steht ihnen auch keine feindlicl)e Armee gegenüber. Anders sind die Dinge im Western In Belgien und Frankreich wird mit den äußersten Mitteln, mit den größten Kraftanstrengungen des Großkampfes gerungen. Auf beiden Seiten der Kriegführenden sind alle verfügbaren Mittel auf. gebracht worden, die überhaupt in den Enffcheidungskampf geworfen werden können. Die Räumung konnte dort, da Die deuffchen Truppen tief in Belgien und tief t nFrankreich stehen, nur auf der Grundlage erfolgen, daß unsere Soldaten zurückgehen. Wie das erfolgen soll, ist fjeute noch ganz un. klar. Man spricht bereits darnn, daß neutrale Truppen, etwa 'die Hollands, sich zwischen den feindlichen Linien aufstellen und Kampfhandlungen verhindern. Weiter ist nicht von der einnebmen. Vor ihnen läge truppenfreres Gebiet, wenn der Feind nicht folgte und seine Grenze besetzte. Es können na- turlich nu» militärische Gesichtspunkte die Frage beantworten, ob wir die Räumung unter fo!d>en Voraussetzimgen einwilli- gen fönucn. Besteht diese Möglichkeit, so muß' heute schon e:n Gedanke besprochen werden, den man zweckmäßiger Weise an den amerikanischen Präsidenten richtete. Ist es nämlich $31110113 Wille, den Frieden herbeizuführen, so hat er min. bestens ein ebensogroßes Interesse daran, daß die Gebiete, die heuter noch nicht durch den Krieg heini-gesucht sind, nach Mög- lichkeit ge,chont werden. Ganz Amerika leidet heute an | einem Mangel an Landesprodutten. Große Acnieen. die un« i * ec ^cn .Waffen stehen, verbrauchen riesige Mengen solcher Lebensmittel, ohne daß dadurch wirtschaftliche Arbeit gelei- siet werden konnte. Zwei Drittel Belgiens und ein Fünftel Frankreichs sind Kriegsgebiet. Besteht irgend ein erkenn barer Grund, auch die geschonten Gebiete noch die Kriegs- greuel sä>auen zu lassen? Ist es nicht ein Vorschlag, der der amerikanisch-deutschen Friedensidee entspricht, wenn die zu räumenden Länder nur von den eigenen Landestruppen besetzt werden sollen? Die eigene Armee schont, so gut es geht, alles, was der Erdboden hecvorgebracht. Das Abziehen der übrigen Kriegführenden käme allerwärts der jeweiligen Volkswirtschaft zugute. Wird gleichzeitig die Demobilisierung durchgefuhrt, so ersteht auf dem geräumten Gebiet sofort neues Leben. Auf beiden Seiten wird durch eine solche Maß. nähme förderlich auf den Frieden gedrängt. Es gibt keinen Staat mehr, der dann die Forffetzung des Waffenganges von sich aus verantworten könnte. Gegen jede rechtswidrige Vor- letzung dieses Gebietes aber wäre jeder Staat in der Zeit gesichert, in der er noch nicht auf einen verbrieften Friedens vertrag stch stützen kann. Beratungen in Berlin. TU. Die Antwort des Präsidenten Wilson ans die 2. deutsche Note bildete wahrend des ganzen gestrigen Tages den Gegenstand von Besprechungen und Beratungen der Re- glerung und auch der Parlamentarier. Gestern vormittag war auch das Kä'gsfabinett zu einer mehrstündigen Sitzung zusammengetreten. Auch der Nachmittag wurde durch Kon- ferenzen der Staatssekretäre ausgefülit. Gestern abend fand sodann noch beim Vizekanzler von Pay*r eine Be^vrrchnng der Staatssekretäre statt, die lange Zeit beanspruchte. Wie das Berliner Tageblatt hört, ist man zu einer endgültigen Beschlußfassung bisher noch nicht gekommen, da namentlich die Verhandlungen mit den in Betracht kommenden militari scheu Stellen noch nicht beudet sind. Ernste Worte Scheidemanns, bb. Im Berliner Lo?.-Anz. wird gffagt: Wenn man die neueste Mitteilung Wilsons gebührend kennzeichnen soll, könnte man auf eine Rede Scheidemanns verweisen, der heute als Staatssekretär bei allen entscheidenden Maßnahmen der deutschen Reichsleitung mltznwirkeu berufen ist. Schade, mann sagte n. a.: Diktiert die Entente den Frieden, dann wehe dem Handel, wehe der deuffchen Industrie, dreimal wehe der deutschen Arbeiterschaft! Es ist so. Eine Brotlosmachung von Millionen deutscher Arbeiter steht aus dem Spiel, wenn wir einen Frieden der Entente annehmen müssen. Elend und Not durch viele Jahrhunderte hindurch würden uns zum Bettelvolk stempeln. Die Köln. Ztg. schreibt: Wilsong neueste Note läßt schon im Ton die Einflüsse der englisck)cn und französischen Heeresleitungen spüren, die offenbar auf Verschärfungen der Bedingungen sich bemühen und sich gleichzeitig darum be- > müht haben, daß eine etwa zustande kommende Vereinbarung über den Waffenstillstand einen möalichst großen militari- 1 sck«n Erfolg für England und Frankreich' darstellt. Was endlich die Frage der Entscheidung über Krieg und Frieden in Deutschland angeht, mit der die Note schließt, so ist sie durch das im Dundesrat angenommene Gesetz erledigt, das d?" Artikel 11 der Neicbsverfaffung aufl)ebt und zur Kriegs- erklärung und Friedensschluß die Zustimmung von Bundes- r t und Reichstag erforderlich macht. Die neue Note wirkt nach Ton und Inhalt als die Widerspiegelung von Kräft.'n, die sich inzmiscl)en mit aller Macht der günstigen Weiter- fiihrung der Unterl-cmdlunacn widersetzt haben, und zeigt der friedenssehnsüchtigen Menschheit. welche Hindernisse noch auf dem Wege dieser Derl-andlunaen liegen. Das größte Hindernis wäre, wenn man fortführe, jr.it uns zu sprechen wie mit einer Nation, die bereits die Waffen abgeli ^.rt hat. Frankreich verlangt völlige KasMatisn. TU. Die Pariser Negierungspresse bemüht sich, Fach als die einzige zuständige Persönlichkeit zu bezeichnen, die die Bedingungen des Waffenstillstandes festsetzcn könne. Echo de Paris meldet, daß sich die Entente oarüber einig fei, als Bedingung des Wasfenstillstandes völlige Kapitulation zu verlangen. Homme Ubre erklärt. Deutschland dürfe sich nicht tauschen, über Elsaß-Lothringen sei ein Kompromiß aus- geschlossen.. TU. Die Pariser Blätter wollen nichts von der in der deutschen Antwort vorgeschlagenen gemischten Kommission wissen, die die Bedingungen des Waffenstillstandes festsetzen soll. Bon einer solchen Kommission, schreibt das Petit Iou.r- nal, kann keine Nede sein. Ein Waffenstillstand ist eine"aus- scbließlich militärische Angelegenheit, und nur die militärischen Chefs haben die Bedingungen zu bestimmen. Der Degen Fochs ist souverän, und es ist Sache dieses Degens, den Knoten zu zerschneiden. „Befreiung" ln Frankreich. TU. Die Antwort Witsons wurde in allen Kreisen der französisck«g Hauptstadt mit einem wahren Gefühl der Be- freiung ausgenommen. Allgemein ist man der Ansicht, daß Marsck-all Foch jetzt dos Wort habe. Es ist jetzt nicht zu be. fürchten, daß der siegreich Führer der verbündeten Armeen den geschlagenen (?) deutschen Armeen zu günstige Bedin. gungen stellt. Deutschland wird kapitulieren, oder sein Schicksal enffchcidct sich durch die Waffen. (Der Kriegs. wal)nsinn hat in Frankreich wieder einmal seinen Höhepunkt erreicht. D. Red.) r Französische Arbekterverbäude für den Frieden. Tll. Der .Pro'rtaire" meldet, daß die französisch« Ar. beiterverbande große Kundgebungen dagegen vorbereiteten, daß Wilsons Friedensabsicht durch die Enteuteregierunaeu vereitelt werden. Hand zu weisen, daß allenfalls die Entwicklung gehen könnte, hm deuffcheq Truppen die Reichsgrenze als Stellung Churchill verlangt »Bürgschaften". TU. Aus London wird gemeldet: Wilsons klare, scharf umrksscne Antwort wird in allen alliierten Ländern Beifall finden. Die erste und wichtigste Maßnahme, die getroffen werden mich. ist. daß wir unseren Feinden die nolwendioen Bürgschaften auferlegen, bevor wir uns dazu bereit finden, den Druck unserer siegreichen Armeen zu vermindern. Die Bürgschaften müssen derart sein, daß die Deuffcl-cn dadurch außer Stande gesetzt werden, den Kampf nochmals wieder auszunehmen. Der erite. dcsien Meinung über die Bürg- schäften gehört werden muß. ist Foch. Dir müssen auch Bürg, [ri^itcu ;«u p gen haben, aufzugeben. WTB. London, 17. Okt. Wie oorlautet. geht die Anüchz der engli,ä>en und alliierten Regierungen dal,in. daß utc Zeit zweckmäßiger Weise nichts zu den sehr klaren und geräken Worten Wilsons hinzugefügt werden kann. Es kann anae» nomn^n werden, daß der Präsident im allgemeinen in Über- cinstimmung mit den Alliierten war, soweit es sich um den Ton und die Sacl-e, in dem sie vertreten wurden, handelt. Die tatsächlichen Bedingungen sprechen für sich selbst. Unter den Alliierten besteht keine Neigung, in dieser Hinsicht Gelegenheit zu Diskussionen zu schassen. Deutschland l)am>iniflifd)cn Eisen Englands und Frankreichs sagen möge, nicht wehr aufzuhalten sei und die Welt bald vor die Lots che eines wirklichen demokratischen Deutschlands stellen werde. Dann aber müsse sich auch die Stimmung und §ialtunq England» gegenüber dem deutschen Volke ändern, dem lein aedemütig- ter und Dernichtunassrieden auszuerlegen fei. sondern ein Frieden, der Haß. Feindschaft und Vergeltung ausschließt und Gewähr für eine dauerlxlfte und gute Verständigung im Schoße des Völkerbundes bietet. (Die Stimme findet leider kein Gehör.) Amerikanisckis Zustimmung für Wilson. TU. Aus Wafi)ington wiit) gemeldet: DemokraListhT und republikanische Senatoren loben die Antwort Wilsons und bezeichnen sie als Einleit'.'.ng zu der Forderung der un- bedingten Unterwerfung der Mittelmächte. Der repnblkka.' nische Führer Lodge erklärte: Die Antwort war eine Erleid terung für das amerikanische Volk, das bedingunasiose Unter- werfung der Deutschen verlangt. Martin, der Demokraten.' führer, erklärte, di.e Rote entspreche in jeder Hinsicht den Erwartungen der Bevölkerung. (Wie sich solche Ansicktcn nnh der Demokratie vereinbaren lasten, ist uns unerfindlich.) Der Eindruck in Österreich. TU. In Wien hat die 2. Antwort Wilsons an Deuffch. land wegen der Härte der Forderunaen und Vorwürfe über» rascht.^ Man will aber doch noch MöglichkeiEn für Deuffch- land sehen, auf die Einzelheiten der Note einzuaehen, zumal die Waffenstillstandsdedingnngen, die Frankreich stellen könnte.^ ouch erst bekannt gegeben werden müßten. Die an- gekündigte Antwort an Österreich-Unoarn erwartet man irz politischen Kreisen mit etwas mehr Optimismus. WTB. Wb.'n. 17. Okt. Die Blätter sprechen übereinstimmend die Überzeugung uas, baß die neue Fordernngj Wilsons Deutschland vor neue schwerwiegende Entsck>eidun» gen stelle und den Friedensweg in eine hindernisreiche Richtung bringe, ol)ne ihn ober vollkommen zu versperren. Di» Mehrzahl der Blätter führt aus, d ß Wilson bezwecke, das deutsche Volk zu demütigen ober in einen Verzweislungs. kämpf hineinzutreiben, weil er dadurch den von ihm gropa- gierten Frieden von Verständigung und Versöhnung sowie einen Dauerfrieden unmöglich machen würde. Die an ö^erreich-Anzarn. TU. Es verlautet in Berlin, daß die Antwortnote Wik. sons an Österreich.Ungarn bereits seit vorgestern abend ta Wien bekannt sei. Warum ihr Inhalt weder von Wien, noch von Washington aus bisher veröffentlicht wurde, ist nicht ersichtlich. Wilson mackit ksterrcich-Ungaru konkrete DmffchlLge. bb. Der ^Herold" meldet aus Rewyork: Wilson wird Österreich-Ungarn konkrete Vorschläge für die Neuordnung der Monorchie und für den Eintritt in Fried^nsbesprechun, gen unterbreiten. Burians Optimismus. TU. Im Ausschuß für Äußeres der österreichischen Delel gwtion hat Graf Burian gestern mit Nachdruck betont, daß die optiwfftjsche Auffassung der Loge in seinem E^pos? durch die Antwort Wilsons nicht berührt wird. Graf Burian glaubt an die baldige Beendigung der Feindseligkeiten und hält die Widersprüche zwischen 'Deutschland uüd Amerik» nicht für unüberbrückbar. Der bayrische Ministerpräsident zur Lage. WTB. In der heutigen Eröftnungsjitzung der außer- ordentticl)en Tagung der payriiä)cn Kammer gab Ministerpräsident von Dandl längere Ertlärunaon über die äußere und innere Lage ab. Er betonte dabei den Eharakter des Kampfes als Verteidigungskrieg, woraus die Waffenchrr des Heeres und des dcutsck-en Volkes unbefleckt hervorgegan» gen sei, sowie das Streben nach Frieden der Völker, nach einer Versöhnung im Geiste der Gerechtigkeit, nach einem dauernden Frieden, der aber nur eintretcn könne, wenn uns keine entehrenden, die nationalen Lcbcnsbedingunge^ verkümmernden Bedingungen zugcmutet würden. Er betonte ferner die Reichstreue Bayerns und das unverrückbare Festl-alten an der bundesstaatlicl-en Verfassung dez Reiches. Cck-ließlich kündigte der Roinisterpräsident eineih Gesetzentwurf über die dleugestaltung der Reichsratskammef an und erklärte die Bereitwilligkeit der b. yrifchen Regierung, n'.it den Kammern zu erörtern, in welcher Weise unter B> rücksichligung der bayrischen Verhäitnisie die Mitglieder der Volksvertretung zu den Rcgierungsgejchäitcn l-erangezogei- werden können. über die Fricdensbedlngungen sagte der Minlsterprasi- dent: Nicht jeden Frieden werden wir annehmeu. Ein Frie- de. der uns als Volk zerstückeln wollte, der unsere Zusammengehörigkeit und unseren wirffcl-aftlichcu Bedingungen da» Leben raubte, wäre nicht zu ertragen. Lr müßte die letzten Kräfte zur Entscheidung wachrufeu. Deutschland hat si tz nunmehr auf den Boden des Programms Wilsons geste.lt, aber in der Erwartung, daß die dort ausgestellten Grunüsätzq nach allen Sciten eine gerechte Anwendung finden werdelr« Unwürdige demütigende Zumutungen wären mit diese!, Grundsätzen nicht vereinbar. Die weitgehenden Zugejtiurd- nisse Deutschlands sind in der Erwartung gemacht, daß de^ Friede ein Friede der Volksvcrföhnnng, getragen vom Geist« der Rechtlkchkelt. und ein dauernder Friede sein wrrde. Würden uns nun Bedingungen zugemutet, die in entehrendes Weife mqcrc mmonalen Lebensbedingungen za verrummer» drohen, dann Würde ein neuer Sturm der Entrüstung sich im ganzen Reiche erheben. Das deutsche $?er und das deutsche Volk seien nicht so zermürbt, daß sie sich gegen eine Vergewaltigung nicht mehr zu wehren vermöchten. Die ganze Nation würde einig sein iu dem Lilien, das Vaterland vor Schande und' Untergang bis zum äußerste« zu verteidige». Mllü'ülL Etkearttnis des leitidiicheü ÄrtegLLitteus. DTB. Amsterdam, 17. Olt. Nieuws van den Dag schreibt Hur Antwort Wilsons: Ni'6)t Wilson gibt die Antwort an perlin, Foch gibt jie ohne Wone, nur durch Fortsetzung des Krieges. Man hat jedoch das Recht zu fragen, warum denn vU das Gerede. Warum hat Wilson, als seine Erklärungen angenommen wurden, nicht sofort gesagt, was er jetzt sagt? Darum stellt er sich der Beschuldigung blos, daß er den Gegner mit Reden hinhält, während Fach daraus losschlägt. Man will nicht unterhandeln, man will nur Friedensbedingungen diktieren, man will Rache und Entschädigungen, wenn es auch, und das ist das Schlimmste, niemals zu einemVölkerbund kommen sollte. Wenn die Welt wieder ganz im Elend sich befindet, dann wird sie vielleicht die Reden Wilsons noch einmal lesen und mit Schmerz bemerken, daß dieser Idealist, als man ^en Frieden nahe wähnte, der von seiner Entscheidung ab- fiangt, keinen anderen Ton anzuschlagen wußte, als den Ton £rc Ententepresse. — Nieuwe Courant schreibt: Die neuen 'Forderungen von Wilson sind keine Antwort auf das letzte Ersuchen, es sind neue Bedingungen, von denen nicht gesagt wird, daß ihnen nicht andere folgen werden. Diese Forderungen gleichen viel mehr dem Perlanaen nach völliger Kapitulation, als die anderen. Aber vielleicht sind sie doch weiter da- Don entfernt, als sich mit den Wünschen von Wüsons Bundesgenossen vereinigen läßt. Luxemburg und der Friede. Wir hören von zuverlässiger Seite, daß die Großherzogin von Luxemburg sich mit der Bitte an den Papst gewandt hat, er wolle dafür sorgen, daß dem Luxemburgischen Staat weitere .Kriegsgreuel erspart bleiben. Wir glauben zu wissen, daß .die Reicheregierung für fctc r ? Bitte vollständiges Verständnis chot. Würde von beiden Seiten der kriegführenden Parteien Ae Souveränität und Selbständigkeit Luxemburgs aner- Eannt werden, so wäre wohl auf beiden Seiten ein Vorteil. Man kann viellecht damit rechnen, daß dieser Friedensschritt der jungen Landesfürstin doch auch unseren Gegnern Gelegen- heit geben dürfte, einmal darüber Betrachtungen anZ'fftellen, ob es zweckmäßig ist, vielleicht das Ansehen der eigenen Staats- ßdee dadurch zu untergraben, daß man einen fremden Staat, ^oenn er auch noch so klein sein maa, zwingt, traurige Kriegs- tzeschehnisse über sich ergehen zu lassen. SondrrLertzWdrunFen der Türkei. TU. In Wien sind Nachrichten eingetrofftn, denen zu- folge in Mqiilene und Smyrna Sonderverhandlnngeu der Türkei statlfinden, dir vor dem Abschluß strhen. Der Wiener Eotschafter HUma Pascha erklärte auf Befragen, daß ihm hiervon nichts belannt fei. bb. Aus Washington wird das Eintreffen der türkischen Friedensnote gemeldet. Eine gleiche Note wurde auch nach London gesandt. Die englische Regierung antwortete mit dem «Verlangen bedingungsloser Unterwerfung. Die türkische Regierung solle mit General Allenby wegen eines Wafferrftill- Kandes in Verbindung treten. Päpstliches Konsistorium. TU. Anaesichts der jüngsten Friedensbesprechungen be- ,ruft der Papst das wiederholt vertagte Konsistorium auf Dezember ein. Möglichst alle Kardinale der ganzen Welt sollen daran teilnehmen. In dem Konsistorium wird der Papst auch eine große Anzahl neuer Purpurträger ernennen. Ter dsEs WmlMWi. DTB. Berlin, 16. Ott. Absuds. Amtlich. Nordöstlich von Roefelaer?, am Selle-Abfchnitt bei Hcrussy zaüsck^n jAlre und Maas und ans dem Ostufer der Maas scheiterten feindliche Angriffe. Dle von frauz8stsch-n Flüchtlingen angr- füllte Stadt Deuain liegt unter dauerndem Jener schwerer englischer Artillerie. Der Feind beschoß gestern die von uns «ährend des Krieges sorgsam geschonte Wallfahrtsstätte von Liefle. Wie Deutschland ?Zr die franzZ^chs ZimlhevSlkeruKZ sorgt. WTB. Die französische Zivilbevölkerung und der Abtransport. Da in der Gegend von Cambrai und Douai sich §on wochenlang schwere Kämpfe abspielten, hat sich die Heeresleitung verpflichtet gesehen, die Zivilbevölkerung in Sicherheit zu bringen. Beide Städte sind bereits anfangs September geräumt worden. Die Abbeförderung war eine schwierige Sache, da die Ortsausgänge der Stadt unter Feuer genommen wurden. Man hatte der Bevölkerung mehrere Tage zuvor durch Anschläge die Aufforderung bekannt gegeben. Darauf erfogte die persönliche Aufforderung an die Familien, Besprechungen mit dem Bürgermeister, Ausgabe von Einteilungskarten an Familien, Einteilung ln Kolonnen junb die Berpflegunasausgabe für mehrere Tage. Außerhalb des Ortes wurden Sanimelplätze angelegt und von den Militärbehörden Waaen, Pferde und Etsenbal-nzüge zur Verfügung gestellt. Man hatte Sorge dafür getragen, daß Fa- -milienanae.'ioriae beisammen blieben und der Bevölkerung erlaubt, da-» nötigste von ihrem Hab und Gut mitzunehmen. Cie machten davon ansgiebiaen Gebinuch und führten auf Karren und Wagen alles mögliche mit sich. Aufnahme belgischer Flüchtlinge in Holland. TU. Aus Rosendaal wird nach dem Haag berichtet: Der ? «olländische Oberbefehlshaber hatte an der Grenze eine Pe- prechung mit einem deutschen Genera! über den Transport etwaiger Flüchtlinge aus Belgien. Rosendaal ist jetzt bereit, Flüchtlinge zu empfangen, obwohl sie noch nicht in die Nähe der Grenze gekommen sind. Die holländische Regierung hat Nahrungsmittel zur Verfügung gestellt, die für 10 000 Per- fönen 1Ö Tage lang reichen. Es werden 14 große Eisenbahn- rüge, die je 1000 Personen befördern können, bereitgehalten. Das Rote Kreuz in Rosendaal sei zu einer dringenden Sitzung zusammengetreten. Der österreich'sch-urrgs-ri'chr Heeresbericht. WTD. Wie», 16. Okt. Amtlich wird verlautbart: Aus dem Sasso Rosso vereitelten unsere Sichern"gvgruppen einen italienischen Borstoß. — Iu Serbien uub Albanien vollziehen sich unsere Bewegungen und Maßnahmen ohne Eiuwir- kuna des Gcaacc& Der Chef de» Generalstabe». tßn&itu'g des LekMkrrrWZelktzes. DTB. Der heutige Reichsanzeiger veröffentlicht nachstehende kaiserliche Verordnung: Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden^ Deutscher Kaiser, König von Preußen etc., vetorö- nen auf Grund des Geseges vom Kriegszuzrand vom 4. 12. 1910 Rnchsgefetzblart S. 1331 im Namen des Reiches was folgt: Die Verordnung zur Ausführung des Gesetzes über den Kriegszujland vom 4. 12. 1910 (R. G. Bl. S. 1332) wird wie folgt geändert: 1. § 1 erhält folgenden Absatz 2: Der Obermilitärt>efehlshaber rann Anordrrungen mit verbindli- cher Kraft für Mittärbefehlshaber erlassen. 2. äs wird ,ol° gender- ^ 3 hinzugefügt: Der Oberirsrlrtürbefehlshaber trifft alle seine Anordnungen und Entscheidungen im Einverständnis mit dem Reichsadler oder dem von diesem bestellten Vertreter. — Urkundlich unter unserer höchsteigenhündigen Unterschrift boigedrncktcm kaiserlichem Insieget. — Gegeben: Großes Hauptquartier, 15. 10. 1013. Flegel.) Wilhelm, Rt .x, Prinz von Baden. -— Der Reichs^mzeiger verosseltt» liä)t ferner eine an den Reichskanzler und den Kriegsminister gerichtete allerhöchste Order, in der bestimmt ist, daß die Militarbefeylshaber ihre Befugnige, die ihnen auf Grund des rn der Verordnung vom 31. 7. 1914 ertlärten Kriegszustandes zusteyen, nur iu, Einverständnis mit dem von den Landesz^irtv^lbehörden bestimmen Vecwaltungsbchörden ausüben dürfen, Loumit ein Einverständnis zmtschen den MUitärbefehlshabern und der Vernxoltungsöehöroe nicht zustande, so ist unverzüglich die Entscheidung des Obermüitär- defchlshc-bers einzuyolen. Mit der kaiserlichen Verordnung dieser allerhöchsten Order ist eine Grundlage geschaffen, dag alle auf Gruird des Belagerungszustandes ergehenden" An- ordnungen der MiliLärbeseylshader nur in Übereinstimmung nnt den zuständigen zivilen Verwaltungsstellen ergehen können, und daß ste letzten Endes unter die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers gestellt werden. MA Retchstsge. TU. Aus Berlin wurde Mittwoch nachmittag berichtet: Im Reichstage herrschte heute schon in den ersten VormittaaH stunden ein reges Leben. Abgeordnete sämtlicher Parteien waren im Hau.e anwesend. Alan besprach lebhaft die Lage, die durch bic 2. Antwort Wilsons eine wesentliche Vcrsck'lcch- terung erfahren hübe. Einige Parteien, so dte .fortschr>'ttler, die Sozialdemokraten, die Konservativen, die Deutsche Frak- kion urrd die Polen sind bereits zu Plenarsitzungen zusam- mengetreten. Zur Diskussion steht selbstverständlich überall die Wilsonnote. Heute nachmittag werden auch das Zentrum und die Nationalliberalen Sitzungen abhalten. Winn die nächste Plenarsitzung des Reichstages ftßiifiu&cn wird, steht noch nicht fest. . Man dürfte abwarten wollen, w»Ich» Entschlüsse die Negierung, nachdem sie mit de- Obersten Heeres- leitultg Fühlung genommen hat, treffen wird. Vorbereitung für die Friedenszeit. TU. Wie die Frankfurter Zeitung aus Berlin hört, ist im Neichswirtsct)aftsamt eine besondere Kommission geschaffen worden, der Mitglieder sämtlicher Reichsressorts, der Militärbehörden und der bundesstaatlichen Behörden angehörcn sowie einige Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Aufgabe dieser somit alle Behörden zusammcnsassenden Kommission ist es, mit dem Staatssekretär des Rcichswirt- schaftsamtes die Fraae der Demobilisierung der Arbeiterschaft vorzuöeraten und alle langwierigen Verhandlungen zwisäjen den verschiedenen Reichs- und Staatsbehörden auszuschließen. Es soll von dieser Kommission auch festgeftellt werden, in welcher Reihenfolge die Entlassung aus dem Heere zu erfolgen hat unter Berücksichtigung der Bevölkerungsverteilung, der Wohnungsgelegenheiten und der Beschaffung von Arbeitsmöglichkeiten. Der neue atmHsStest SßerrriH. TU. Das bereits angekündiZte Manifest des Kaisers Karl über d:e Föderaidfierung Operrrichs wird für heute erwartet. Derr NatioualiLäten Lfterreich»; .f»L das Recht eingeräumt werden, sich in ihres Selöstbestimmnngs- rechts ln ihren StedluLgsgebieten als selbstänbige Staaten zu Lousiituleren. Danach sollen im österreichischeu B-rndrsstrrat, der unter dem Zcptcr der Habsburger stehen soll, gemeintame Angelegenh^Uen gLNeinsam behanvelt werden. RücktriLtsgrffrch Burlans. TU. Graf Durian hat am Dienstag nach dem Exposee, das er vor der ungariichen Delegation gehalten hat, dem Kaiser seinen Rücktritt angeboten. Dle Personal-Union in Ungarn. TU. Unter ungeheurer Spannung der gesamten Öffentlichkeit Ungarns hat Ministerpräsident Dr. Wekerle im un- garischLN Abgeordnctenhause das Bekenntnis der ungarischen Regierung zu dem Grundsatz der Personalunion mit Österreich und der Aufgabe des Dualismus abgegeben. Der Ministerpräsident teilte mit, daß die Demiffwn des Kabinetts nicht angenommen worden sei und begründete eingehend den Entschlich der Regierung, sich zu dem Grundsatz der Personalunion zu bekennen. UuabhSnglgkeitsb.'streüuvgeu Kroatiens. TU. In der vorgestrigen Sitzung des ungarischm Abgeordnetenhauses reichten die Kroaten eine Erklärung ein, um dis Unabhängigkeit Kroatiens und dis Loslösung von Ungarn zu proklamieren. DkNllchlLRÄ ttnä FiNKlSNd. DTB. Derlingske Tidende meldet aus Siockl-olm: Mit dem Finnlanddampfer trafen heute drei finnische Delegierte, die anläßlich der Königswohl nach Deutschland reisen werden, ein. Einer der Delegierten, der Landtagspräsident, dementierte gegenüber dem Vertreter des Svensra Dagblad die Meldung, daß die deutschen Truppen aus Finnland zu- rückgezogen würden. Dies werde kaum früher erfolgen, als bis die Verhältnisse im Lande ruhiger geworden find. Die Republikaner l-al^en sich in der letzten Zeit infolge des deut- fchen Rückzuges wieder mehr gerührt, aber die Mehrheit des finnifck-en Volles wünscht, daß Finnland sich in der Politik auf Deutschland stützcü solle. Mit dem gldd>cn Dampfer kehrt General Mannerheim nach Finnland zurück. Er er, klärte, daß seine Reise vollkommen privaten Charakter habe. Frühere rrrssische Minister erschossem bb. Aus Dioskau wird über Kiew gcmclöct, daß der frühere Finanzmiinster Koto: ,ow und der frühere H.-ndels» minister Sck>achowkvff durch ein Doltsgericht zum Tode verurteilt wiirden und standrechtlich erschossen worden sind. Düsseldorf, 17. Olt. Der Verein zur Wahrung der ge- meinsamen wirtschasclichen Interessen von diheinland uicü Westfalen und die nordwestliche Gruppe des Vecei.rs deutscher Eisen- und StahNndustrktller hieben hier eine genrekr« l -me Sitzung ob. Der Vorsitzende Geheimrat ^ r. Juch. Beu 4 kenberg und Abg. Dr. Ing. Beumer berichtet ul üver diq gege'.swärtige Lage. Noch eingehender Erörterung wurde einstimmig folgende Entschließung angenommen: Die rhein^ wcchsäli che Industrie will, wie die Reichsregierung, einen ehrenvollen Frieden, der dem nnmenscküi.ben' Blutvergießen m der Welt ein baldiges Ende bereitet. Sic welli mit dem deutschen VolTe auch darin einig, daß dieser Friede die Unversehrcheit des deutschen Reiches sichern muß und nur unter Bedingungen geschlossen werden darf, die der deutschen Industrie, ihrer Arbeiterscimft und den übrigen werktätigen Ständen die Grundlagen ihres wirtschaftlichen Daseins er. halten. In erster Linie jedoch tun in diesen schweren Slum ' den unseres Vaterlandes standhafte Rübe und Festigkeit not. im Gegensatz zum Kleinmut, zu dein keinerlei Grund vor. Händen ist und der nur dem Feinde zur Genugtuung ge. reichen würde, der ihn durch bezahlte Agenten in unseren^ Lande zu fördern gesucht hat. Den Kops hoch und die Ner^ ven behalten, ist. wie beim Beginn des Krieges, so heute erst recht die Forderung des Tages. Wir wollen den Friederu Ein Volk aber, das vier Jahre an der Fronr und hinter dev Front ltberrnsnschliches geleistet hat, wird, wenn nötia. auch, sein Letztes daransetzen, den Bestand des von unfern Vaters übernommenen Reiches zu sichern. Viersen, 17. Okt. Aus einem Möbelwagen, der von Köln nach hier mit Waren zur Einrichtung eines Weiß- imi> Kurzwarengeschäftes mit der Eisenbahn befördert wurdc^ l'Nd unterwegs für mehrere tausend Rlark Waren und Haus^ Hottgegenstände gestohlen worden. Krefeld, 17. Okt. Der Schreiber Hans Stühlen hatt^ sich ein Zeugnis angefertigt, wonach er vor der Prüfungs4 Immission zu Düsseldorf das Exanicn für mittlere Beamts mit „sehr gut" bestanden habe. In Wirklichkeit hat er nie^ mals eine Prüfung abgelegt. Stühlen wurde wuf dem Bürgermeisteramt in Lobberich beschäftigt, wo er sich Brot», marken usw. aneignete. Mit dem Bürooorstel)er Broiche» geriet er in Feindschaft. Er richtete einen Brief an dick Etaatsanwaltschast in Krefeld, worin er gegen Broicher und! den Polizeibeamten van Nülken falsche Anschuldigungen hob. Der Brief war fälschlich mit den Namen von Gemeinck devertretern unterschrieben. Von Lobberich aus erhiew Stühlen eine Stelle bei der Landwirtfcl-astskammer in Bonn^ Als bei der Landwirtschaftskammer eine Auskunft über ihn! eingefordert wurde, erteilte er selbst die Antwort. Stühlen' wurde von der Straflammer zu einem Jahr Gefänanis ver. urteilt. M.-Gladöach, 17. Okt. Aus einem Trauerhause ln den» nahegelegenen Großheide wurden in der Nacht vor der Be^ erdigung des Besitzers alle bereit gestellten Lebensmittel ntiÜ dle neu beschaffte Tcauerklei-^ung gestohlen. Als Täter wurde ein Deserteur festgestellt und verhaftet. Kempen.- 17. Okt. Ein hiesiger Londwirt traf gesterrh auf seinem Kartoffelacker 5 fremde Leute an, eifrigst be^ schäftigt mit Ausmachen der begehrenswerten Frucht. Fünf Säcke waren schon gefüllt. Die Diebe wurden der Polizsf übergeben. NöLroLH-Hosfnvngsthal, 17. Okt. Im Ortsteil Hasbach fand Hkin den Händler Peter Haffelborn durch ^ilhiebi, ermordet vor. Da die ganze Wohnung durchwühlt ist und' die Türen err-rvchen sind, liegt die Denuutung sehr nahe, daK es sich um einen Raubmord handelt. BiLtburg (Eifel), 17. Ott. Der der Landtagserfatzwah^ im Wahlkreise Daun-Prüm,Bitburg wurde der Gutsbesitzer Äteyfes (Zentrum) mit allen abgegebenen Stimmen gewählt« Brnsbrrg, 17. Oft. Das Kartoffelernteergebnis im Kreis Armsbcrg ist wohl kaum je so verschiedenartig gewesen, wie in diesem Jahr. Es gibt Kartoffelfelder mit einer Ernt» von 150 Zennrern auf den Morgen und solche mit nur öS bis 60 Zentnern. Dieser Unterschied liegt in der Hauptsache an dem mehr oder weniger guten Eaatwechsel und am Dung; auch die Aal)! der Arbeitskimfte spricht mit. Die Beschaffen^ heit der Knollen ist gut. Besonders die Znduftriekartoffej, ist vorzüglich geraten urrd schmackhaft. Fäulnis tritt nur au besonders nassen Stellen auf. Warendorf, 17. Ott. Am 26. Juni ds. Is. wurde der^ Ackerer Wellerdiek mit durchschnittener Kkchle auf dem Abort, seines Kottens tot ausgefunden. Als Täter kam in Frage.' dessen Sohn Bernhard, welcher zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. SGon längere Zeit ging das Gerücht, daß der Verurteilte auch seine erste Frau, die am 9. Februaö 1915 an auffälligen Krankheitserscheinungen verschieden war, beseitigt habe und zwar durch Gift. Äm Samstag weiltck hier eine Gerichtskommission, welche die ausgegrabene Leiche daraufhin untersuchte. Ob sich der Verdacht bestätigt, dürjtv die weitere Untersuchung ergeben. Osnabrück, 17. Okt. Die Grippe hat hier wieder eine große Verbreitung angenommen. Ganz besonders ist das-, jugendliche Alter beiderlei Geschlechts (bis zu 20 und 25 Jahren) in Mitleidenschaft gezogen. Aus aüer Welt. WTB. Berlin, 17. Okt. Bei der Ersatzwahl für den verstorbenen Reicht tagsBbgeordneten Kaempf im Reichstags-, Wahlkreis Berlin 1 wurden insgesamt 4764 Stimmen abge* geben. Davon erhielten der Geh. Iustizrat Kempner (Fortschr. Dolksp.) 2294, der Stadtverordnete Hugo Heimann (Soz.)' 1720, der Metallarbeiter Richard Müler (u. S.) 513, der Beamte Gellerl (Antisemit) 178 und der Pole Korfanty viev Stimmen. Es wird somit eine Stichwahl zwischen Kempner und Heinmnn notwerrdig. Diese ist auf den 29. Oktobe» Mesetzt. , Dlttmann begnadigt. TU. Nach einer Mitteilung aus Leipzig ist der Reichstags», abgeordnete Wilhelm Dittmann (U.-S.), der zu einer FestungsB strafe von 5 Jahren verurteilt war, jetzt begnadigt worden und aus der Haft entlassen. Aus Holland, 17. Okt. Auf dem Bahnhof Roermond» wurde ein Mädc!)en angehalten, das durch seinen unförmlichen Leibesumfang aufftel. Es ergab sich, daß es 22 Meter Stofs um den Leib gewickelt hatte? Dle Eaillaux-Affäre in Frankreich. TU. Am 29. Oktober wird in Paris der Staatsgerichtshol einberufen werden, um über die Attentate gegen die Sicherheit des Staates zu statuieren. Das ist eine l^nffcheibung in dev Eaillaux-Angclegenheit. die damit endgültig dem Staatsgerichtshof überwiesen wird. In der Sitzung vom 29. Oktober wird dem Senat zunächst nur Kenntnis von dem Dekret gegeben, das chm die Caillaux-Affäre überweist. Ein moderner Dieb. TU. Der Oberkommissar der bolschewistischen Armee, Stojanow, ist nach Entwendung von 2 Millionen Rubel im Flugzeug entflohen. M§ Stadr m Han! Wenn eine Krirgsmendung kommt. Es Hot nicht an wiederholten Warnungen gefehlt, der Verschwendung des schnell und reich verdienten Geldes ein Ziel Zu setzten, Nch vor tollen Spekulationen im Kriegsgewmn zu hüten. 3/tzt ist ubercaschend schnell die Möglichkeit von Waffenstillstand und nach angemessener Zeit von Friedcnsvcr- handlungen nahe gerückt.. Die hochbezahlten Arbeiter der Kciegöbetriebe, der Munitions-Werkstätten stehen also unter Umständen vor einer Neureguliecung bezw. Einschränkung, und für die Kriegsspekulanten kann auf den ungemessenen GewinnZein Abstieg, rin Krach folgen, wenn der gesunde Menschenverstand zu wenig berück stchiigt wird. Die Geldetnheimser, die sich den gewinnbringenden Krieg gefallen ließen, müssen jedenfalls mit anderen Tagen rechnen, denn Deutschland hat die Ein- ffcht gewonnen, daß es sparen muß, daß alle sich wieder nach der Decke strecken müssen. Dabei ist noch nicht beachtet, daß alle die Hunderttausende von Feldgrauem dle noch in der Front stehen, einmal wieder nach Hauff kommen und Arbeit und Verdienst haben wollen. Die Wendung im Kriege bedeutet auch die Wendung im Geldausgeben. Die Berufsaus - und Berufsumbildung der Kriegsbefcbädigren, ©(§on in den letzten Friedensjahrcn wurde mehr und mehr die Erfahrung gemacht, daß auch stark verkrüppelte Menschen tn großem Umfange arbeits — und erwerbsfähig gemacht werden können sofern nur Aus- bildungsstätten hierfür geschaffen werden und bei dem Verkrüppelten selbst der energische Wille vorhanden ist, die bestehenden Schwierigkeiten zu überwinden. Hier- von ausgehend hat man im Kriege vielfach mit größeren Hcimatlazaretten sogenannte Aniernwcrkstätten verbnn den, in denen unseren Kriegsbeschädigten Gelegenheit gegeben ist, sich noch während des Lazarcttaufenthalrcs in ihren alten Beruf wieder einzuüben oder sich für einen neuen Beruf vorzubereiten. Ein solches Werk statten — und Bcrussllbungslazarctt ist von dem Landes- auSschuß für die Kricgsbeschädigtenfüisorge im Verein mit der Militärverwaltung auch im Großh. Hessen in Gestalt des Reservelazarelts Technische Lehranstalten in r,ssenvach geschaffen worden, das unter der ärztlichen Leitung des Herrn Oberstabsarztes Dr. Rebentisch uid unter der technischen Leitung des Herrn Professor Eber- hardt steht. Das Berufsübungslozacett Offenbach bringt auch in geeigneten Fällen unmittelbar bet Offenbacher Bercrebsunternehmer Kriegsbeschädigte - zur Anlernung unter; diese werden Ihrer Arbeitsleistung entsprechend bezahlt und können sich somit in der eigentlichen Beruss- arbeit von ihrer Leistungsfähigkeit überzeugen. Bon der in Offenbach gebotenen Möglichkeit, sich beruflich ein — und umzuschulen, können nicht nur Lazacettin- .asien, sondern auch solche Kriegsvcrletzte Gebrauch machen, die bereits aus dem Heere entlassen sind. Auch können m geeigneten Fällen Kriegsbeschädigte aus anderen Lazaretten zur beruflichen Ausbildung nach Offenbach verlegt werden. Zu den Kosten, die dann entsteh n, Umnn bereits aus dem Heere entlassene Kriegsbeschädigte von den Offlnbacher Einrichtungen Gebrauch machen, .eistet der Landesausschuß für die Kriegsbeschädigten- für,arge in Darmstadt gegebenenfalls angemessene Zu- schusse. Neben den Technischen Lehranstalten in Off'en- bach haben sich auch fast alle übrigen gewerblichen Untecnchtanstalten des Großherzogtums in den Dienst der Berufsaus — und Umbildung unserer Kriegsbeschädigten gestellt und sich um deren berufliche Förderung verdient gemacht Ebenso sind mit Unterstützung des Landesausschusses von den landwirtschaftlichen Schulen in ^roß Umstadt und in Michelstadt Lehrgänge für landwirtschaftliche Kriegsbeschädigte mit gutem Erfolg adgehalten worden. Es wäre nur zu wünschen, daß diese Bestrebungen bei den Kriegsbeschädigten selbst mehr gekannt und gewürdigt würden. Die nöligen Auskünfte, insbesondere auch darüber, in welchen Fällen und in lv.scher Weise die bürgerliche Kriegsbeschädigtenfücsorge gelolrche Unterstützungen zu den Ausbildungskosten gewahrt, können jederzeit bei den örtlichen Ausschüssen für die Kciegsbeschädigtenfülsorge eingeholt werden. » _ ** Die „Deutsche D i ch t e r - G d ä ch t n isst rftung", welche ihren Sitz in Hamburg-Großborstel hat verfolgt seit fast 20 Jahren als Zweck: hervorra- cendcn Dichtern durch Verbreitung ihrer Werk- ein Denkmal im Herzen d.s deutschen Volkes zu setzen, Haupt- jächlich durch Verbreitung des gedruckten Wortes. In letzter Zeit versucht diese Vereinigung diesem edlen Zweck nun auch durch das gesprochene und das gesungene Wort in hierzu veranstalteten Dichter abenderr nachzukommen. Aus dem Inseratenteil der heutigen Num- mer i,t zu entnehmen, daß solche Dichterabende auch hier l» Gießen vorgesehen sind. In der heutigen Kriegs,'.eit ^ p3 viele Menschen geben, die gern etwas anderes hören wollen und darum ist dem Dichterabenden ln Gießen ein volles He us zu wünschen. flmfliebe deutsche Tagesberichte. B3t&. GcotzesHauptquarticr, 18 . Ott. 1918 Westlicher Kriegsschauplatz: In den letzten Tagen haben wir Lei'? von Flandern und Nordfrankreich mit den Städten Ostende, Tonr- coino Roubaix, Lille und Douai geräumt und rückwär- -ae minien bezogen. Zwischen B'ügge und der Lvs lUc f der Feind gestern vielfach mit stärkeren Kräften Vr wurde rbgewtcsen. Englische Kompagnien, nördlich von Korrctk über die Lhs vordrangen, wur den im Gegenangriff wieder. zuräckgOvorfin. Oestlich von Lille und Douai besteht nur !o r c GefecktSfühluna mit dem Gegner. Zwischen Le Cateou und der Oise ist die Schlacht von neuem entbrannt. Engländer, Franzosen und Amerikaner suchten wiederum unter Einsatz gewaltiger Kampfmittel unsere Front zu durchbrechen. Beiderseits von Le Cateau sind Angriffe des Feindes vor unseren Linien gescheitert. O-rtllche Einbruchstellen wurden im Gegenstoß wieder gesäubert Zwischen Le Cakcau und Aisonville drang der Gegner an einzelnen Stellen in unsere Linien ein. Nach wechselvollcm Kampfe brachten wir den Feind vor unserer Artillerie an der von Le Cateau nach Wassigny süßenden Straße, bnLaVallee Mulätre Menuevrot sowie noröstlich von Aisonvillezum Stehen. Wo der Feind darüber hinaus vordrang, Waisen ihn unsere Gegenstöße wieder zurück. Aisonville und die südlich anschließenden Linien wurden gegen mehrfachen Ansturm des Feindes gehalten. Auch am Nachmittag sind vor ihnen erneute Angitffe gescheitert. Eb nso blieben die gegen die Oiscfront nördlich von Orlgny gerichteten feindlichen Angriffe ohne Erfolg. An der Aisne setzte der Gegner seine heftigen An griffe östlich Olizy fort. In hartem Kampf wurde er abgewiesen. Preußische Jäger führten westlich von Gcandpce, Brandenburger und Sachsen auf dem Ostufer dec Maas erfolgreiche Angriffsunternehmungen durch Der Erste Gencralquartiermcistex: L u d e n d o r f f. Berlin, 18. Ott, abends. Zwischen Le Cateau und der Oise sind erneute Durchbruchsvcrsuche des Feindes gescheitert. Auch in Flandern nördlich der Lhs und an der Aisne beiderseits von Bouziers und westlich von Graudpce wurden heftige feindliche Angriffe abgewirsen. An der Maas ruhiger Tag. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 20. Oktobcr, (21. nach Trinitatis.) Erntedankfest. Gottesdienst.! In der Stadtktrche. Vormittags 9 1 /, ltöc: Pfarrer Mahr. Vormittags 11 Uhr: Kindeckirche für die Matlhäusgemetnde. Pfarrer Mahr. Abends 6 Uhr Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirch e. Vormittags 9^/. Uhr Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 Uhr: Kindcr- kirche für die Lukasgemeindc. Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 6 Uhr: Pfarrer Ausfeld. — Mittwoch, den 23 Oktober, abends 8 Uhr:Krtegsbetftunde. Psa.rer Bech- tolsheimcc. Verantwortlich: A l b i n Klein, Gießen. BetsmmMachZmg über den Absatz von Dürrobst. Auf Gcur?d dec Verordnung über die Verarbeitung von Gemüse und Obst vom 23. Januar 1918 (Reichs' Gcsetzbl. S. 46) geben Win hiermit bekannt, daß der Absatz von Dörrobst aus fcühecec Ernte als dec dies- jähcign nur noch bis zum 15. Oktober 1918 gestattet ist. Nach diesem Zeitpunkte dacf Dörrobst aus früheren Ernten durch den Erzeuger ebenso wie durch den Handel nicht mehr abgesetzt werden. Nur wer im Jahre weniger als 20 Doppelzentner Dörrobst nicht gewerbsmäßig herstellt, bleibt von diesem Absatzverbot unberührt. Doch wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß jeder weitere Absatz von Dörrobst, welches von solchen Herstellern erworben wurde, unter das obige Verbot fällt und stcasbär ist, wie jeder Handel mit Dörrobst überhaupt. Wer Dörrobst aus früheren Ernten im Besitz hat und es nicht selbst verbrauchen will, kann es zum Kaufe anbieten. Auf das in unserer Bekanntmachung vom 25. Juli 1918 (Reichsanzeiger 180) veröffentlichte Absatzverbot für Dörrobst aus der Ernte 1918 wird bet dieser Ge- legenheit erneut hingewtesen. Ausgenommen von den vorstehenden Vorschriften ist der Absatz von Dörrobst an die Stellvertretende Intendantur des IX. Armeekorps in Altona und an die Zentrale für. bi* Beschaffung der Verpflegung der Marine in Berlin W. 10, Königin Augustastraße 38/42. 2118 Dörrobst im Sinne dieser Bekanntmachung sind anzusehen getrocknete Achsel, Birnen, Pflaumen und Zwetschen sowie jegliches Dörrobst, das getrocknete Früchte dieser Arten enthält. Berlin, den 30. Schtember 1918. Ylieg§gese!!scftM fiir ölWfconferwn mH Marmeladen m. b f>. Dr. Lehmann. Klein. X ^ Diclter-ASenfle Dantsciien Diciiter- 6 edäcbtnis-Stjftuiig (Sitz Hamburg-Grossborstel) Neue Aula der Universität, pünktlich 8 Uhr (stets Donnerstags). 24 Oktober: Hessischer Abend. Sprecher: Regisseur Karl Vo 1 ck. Giessen und Schauspieler Willy Umminger, Frankfurt a. M. 12. Dezember: Gedächtnisfeier für im Kriege gefallene Dichter. Sprecher: Professor MarxMoeller, Hamburg. 20. Februar: Frauenschicksale. Frauenseligkeit und Frauenleid im Spiegel der deutschen Dichtung. Sprecherin: Helene Fernau, Berlin. 27. März: Gottfried Keller-Abend. Preise : Einzeikarten 0.75 Mk., 1.50 Mk., 2.50 Mk., Gruppenkarten (alle^Abende zusammen) mit 20°/ o Rabatt also 2.40 Mk., 4.80 Mk., 8.— Mk. Für Mitglieder der Stiftung (Jahresbeitrag 2 — Mk.) Erjnässigung. Näheres durch die Stiftung, Hamburg-Grossborstel. Verkauf durch Ernst Challier, Musikalienhandlung. Burnus wä 9 cht WäscMa CD.R.P.) Gen. &.A. 2633 Buns Das ideaIe|Einweiebmittel Gut geweicht “ ist fast gewaschen. Erhältlich in allen einschlägigenf^lurch Plakate kenntlich gemachten Geschäften. Vertretung: August Ja colli, Darmstaclt. Hersteller: Rohm & Haas, Chem. Fabrik, Darmstadt. 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