Bezugspreis 80 Pfg. monatlich vierteljährlich 2,40Mk., vorauszahlbar, frei ins Harr-tz. A b g e h o l t in unserer Expedition oder in den Zweig- ausgabestelleu vierteljährlich IM Mk. - .Erscheint E x P S d ? t ? O K : SÜdaNlage LI. Dienstag, Donnerstag u. Samstag, — Rcdaktionsschkuß früh 8 Uhr. — 'Für Aufbewahrung oder Rücksen- dung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „Gicßcucr Zeitung", Gießen. Knzetgenprers 24 pfg. die 44 mm breite Petitzeile, für Auswärts 36 Pfg. Die 90 mm breite Reklame-Zeile 100 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegsall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagödruckcrei, Albin Klein. Sir. 9V. e l e p h o n Nr. 362. Dienstag, dm 8. Oktober 1918 e l e p h o n Str. 383. 31. Jahrg. Die FrvNt im WestsK standhaft gegen mehrfache Nebsrzahl. Mkiicbe üeulsede Case$btricbft. Berlin, 4. Oft. Im Sperrgebiet um England vensekten unsere U-Boote 23 OVO Brultoregisterlonnen, darunter 2 Tankdampfec. Der Chef des Admiralstabes der Marine. • wib. GroßeSHaupLquartier, 5. Okt. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht. In Flandern wurden erneute Angriffe des Feindes gegen Hoogkcde und Noesclare abgewicsen. Gegen unsere neuen Linien östlich von Armentieres ist dcr Feind übcr Bois Grcnier—Fournes—Wingles und über die Bahn dicht östlich von Lens gefolgt. Bor Cambrai zeitweilig auflebende Artillecictcitigkeit. Heeresgruppe Boehn. Der Engländer setzte beiderseits von Le Catclct seine starken Angriffe, fort. Ec nahm Le Catelet. Die Höhen nördlich und östlich der Stadt wurden gehalten. Der in Beaurevoic eindringcnde Feind wurde im Gegenstoß wieder geworfen. Nördlich von St. Quentin griffen die Franzosen zwischen Scquehart und Morcourt an. In LcSdins und Morcourt faßten sie Fuß. LeSdins nahmen wir wieder An der übrigen Front und südlich von St. Quentin scheiterten die feindlichen Angriffe vor unseren Linien. Heeresgruppen Deutscher Kronprinz- und Gal!Witz. Franzosen und Italien-.r griffen erneut in Teilvorstößen und in einheitlich gejühUem Angriff unsere Stellungen auf dem Rücken und an den Hängen des Chemin- des Dames zwischen Stilette und ArLne an. Schlcswig- holsteiniscbe und württembergische Regimenter brachten die Angriffe zum Scheitern. An dcr Aisne- und Kanalfront sehr rege Eekundungstätigkcit. Oestlich von Reims haben wir in vorletzter Nacht unsere vorderen Stellungen zwischen Prunay und St. Marie ä Py vom Feinde unbemerkt geräumt und rückwärtige Linien bezogen. Der Feind ist gestern über Prunay—Doutrien—St. Souplet gefolgt. — Auf dem Schiochtfclde in der Champagne nahmen wir im Gegenangriff die noch im Besitz des Feindes verbliebenen Teile des Höhenzuges nordwestlich von Comme-Ph w eder. Rach stärkster Feuer- Vorbereitung griff der Feind beiderseits de von Somme-Py nach Norden führenden Straffe in breiter Front an. Unter schweren Verlusten für den Feind sind seine Angriffe gescheitert. Brandenburger und Schleswig-Holsteiner, Gardesüsiliere,pommelsche,badenscke und rheinische Regimenter zeichneten sich bet der Abwehr des FeindeH besonders aus. — Beiderseits der Aisne Artrllertekampf ohne Jnfanterietätigkeit. — Zwischen den Argonnen -und der Maas hat der Amerikaner gestern erfolglos angegriffen. In den Argonnen und am Ostrande des Waides schlug wüxttemberaische Landwehr seinen mehrfachen Ansturm ab. Oestlich der Aire stieß ec bis in Höhe von Exermont vor. Der Ort selbst, der vorübergehend vor- locen war, wurde wieder genommen. Beiderseits von Gesnes wiesen badische, elsaß-lothringische und westfälische Regimenter jeden Ansturm vor ihren Stellungen ab. Besonders schwer waren die amerikanischen Angriffe, die sich beiderseits dec Straße Monrfaucon-Bauthevllle gegen das Waldgelände südlich von Eunel richteten. Wo der Feizid vorübergehend m unsere Linen erndrang, warf ihn sofortiger Gegenstoß wieder zurück. Das Infanterie- Reginlent^ 458 zeichnete sich hierbei besonders aus. Auf dem äußersten linken Flügel des Angriffsfeldes haben bayerische Reserve Regimenter ihre Stellungen voll behauptet. Der Kräfte-Einsatz des Amerikaners bei seinen gestrigen Angriffen an Panzerwagen, Infanterie und Artillerie war außerordentlich stark, seine blutigen Verluste waren außergewöhnlich hoch. — Bei Abwehr feindlicher Panzerwagen zeichneten sich besonders aus: In Flandern Leutnant Becker vom Feldactillerie Regt 16, die 3. Batterie vom sächs. Fußart «Regt. 19 unter Leutnant Postrenecky, Vizefeldw. Witt der 2. Batterie dom Fußart-Batolliön 127, Oberleutnant v. Glas und Leutnant Encker der 9. Batterie Bayer. Feldart. Regt. 8. — In der Champagne und an dec Maas Leutnants Rik- laffer und Stehlin vom 4. Garde-Fcldart.-Regt., Leutnant Schäfer vom Feldart. Regt. 4 Unteroff. Rackowski von dcr Minen Werscr-Korrpagnie 173, Leutnant Grothe vom Feldart.-Regt. 229. Wir schossen in den beiden letzten Tagen 65 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Bäumer erlang seinen 40. und 41. Luftsieg. Der Erste Generalquactiermeister: Ludendorff. » Berlin, 5. Okt., abends. Nördlich von St. Quentin und in dcr Champagne wurden sämtliche feindliche Angriffe abgewiesen. Ebenso ist zwischen den Argonnen und der Maas der mit starken Kräften-fortgesetzte Ansturm der Amerikaner gescheitert. . wtb. Großes Hauptquartier, 6. Okt. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht. In Flandern und vor Cambrai ruhiger Tag. Rege Eckundungstättgkeit an vielen Stellen der Front. Heeresgruppe Boehn. Wir gaben in vorletzter Nacht den zwischen Creve- court und Beaurevoic an dem Kanal in Linie Banteux- 'Le Catelet vorspringenden Stellungsbogcn aus und nahmen die dort stehenden Truppen in rückwärtige Linien zurück. Engländer und Franzosen setzten ihre Angriffe zwischen Le Catelet und nördlich von St. Ouentin fort. Beaurevoic und Montbrehain blieben in ihrer EHand. An dcr übrigen Front sind ihre Angriffe vor unseren Linien gescheitert. In den Kämpfen bei Beaurevoic zeichnete sich das Nejßrvl-Jnfantirie-Regiment 56 unter seinem Kommandeur Major v. Lübbecke besonders aus. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Erneute Angriffe der Franzosen und Italiener am Chemin des Dames wurden abgewiesen. In Fortsetzung der am 3. Oktober begonnenen Bewegungen östlich von Reims und beiderseits dec Suippes haben wir in vorletzter Nacht auch unsere Stellungen am Brimont und Berru geräumt und rückwärtige Linien bezogen. Der Feind folgte im Laufe des Tages. Wir standen am Abend mit ihm an der Suippes beiderseits dec Straße Reim^-Reufchatel bei Lavannes-Epoye-Pont Favergec und an der Arnes in Gefechtsberührung. — Zwischen der von Somme'Py nach Norden führenden Straße und östlich von Liry griffen Franzosen und Amerikaner erneut mit starken Kräften an. Wir haben nach schwerem Kampfe unsere Stellungen restlos behauptet. Das westfälische Jnfantecie-Negiment 55 und das wcstpreußische Infanterie Regiment 149 zeichneten sich hierbei besonders aus. Die 199 Jnfanterie-Division schlug den in 15 Wellen tief gegen die Ltrh Höhe anstürmendcn Feind mehrfach zurück. Leutnant Narkock mit Kompagnien des Infanterie- Regiments 357 hat an der Abwehr des Feindes besonders Anteil. Der Feind erlitt hier schwerste Verluste. Teilangriffe des Gegners am Westrande der Argonnen scheiterten. Heeresgruppe Gallwitz. Zwischen den Argonnen und der Maas setzte der Amerikaner seine starken Angriffe fort. ^ Oestlich von Exermont gelang es ihm, bis aus die Waldhöhe etwa erneu Kilometer nördlich des Ortes vorzustoßen. Hier sind seine in den Nachmirtagsstunden erneut vocbcechenden Angriffe gescheitert. Beiderseits der von Charpentrh auf Romagne führenden Straße brachen die Angriffe wiederum vor den Linien elsaß - lothringischer und westfälischer Regimenter völlig zusammen. Weiter östlich drang der Feind in den Pechs Wald ein. Im übrigen wurde er abgewiesen. Wir schossen gestern 37 feindliche Flugzeuge und 2 Fesselballone ab. Außerdem wurden von einem feind- i lichen im Angciffsflug auf die Pfalz b Kindlichen Ge- schwader 5 Flugzeuge im Luftkampf abgeschoffen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere bisher im Rahmen des bulgarischen Herres kämpfenden Truppen wurden herausgeiöst und sind im Rückmarsch in ihre Versammlungsräume. Sie haben den an sie gestellten hohen Anforderungen voll entsprochen und hervorragendes geleistet. Asiatischer Kriegsschauplatz. Die in Palästina an der Seite unserer treuen bulgarischen Bundesgenossen kämpfenden deutschen Bataillone mußten im Verein mit den schwachen tückischen Kräften erdrückender feindlicher Uebermacht Weichen und sind im Rückmarsch über Damaskus in nördlicher Richtung. Dcr Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. 9 Berlin, 6. Okt, abend?. Teilkämpfe nördlich von Si. Quentin und in der Champagne. Zwischen den Argonnen und der Maas wurden heftige Angriffe der Amerikaner abgewiesen. icht sorgen und quälen, Nicht die Feinde zählen -* Tu entschlossen still, IVaö die Stunde will! Zeichne die STT c u n t e! BcKantttttiacbutig betreffend die Außerkurssetzung der Fünfundzwanzigpsennig- stückc aus Nickel. Vom 1. August 1918. Der Bundesrat hat auf Grund des § 14 Nr. 1 des Münzgesetzes vom 1. Juni 1969 (Rcichs-Gesetzbl. S. 507) und des tz 3 des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen uftv. vom 4. August 1914 (Reichs- Gesetzbl. S. 327) folgende Verordnung erlaffen: § 1. Die Fünfundzwanzigpsennigstücke aus Stickel sind einzu- ziehen. Sie gelten vom 1. Oktober 1918 ab nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel. Von diesem Zeitpunkte ab ist außer den mit der Einlösung beauftragten Kaffen niemand verpflichtet, diese Münzen in Zahlung zu nehmen. § 2. Bis zum 1. Januar 1919 werden Fünfundzwanzigpfennigslücke aus Nickel bei den Reichs- und Landeskaffen zu ihrem gesetzlichen Werte sowohl in Zahlung genommen als auch gegen Neichsbanknoten, Reichskassenscheine oder Darlehnskassenscheine und bei Betrügen unter einer Mark gegen Bargeld umgetauscht. ß 3. Die Verpflichtung zur Annahme und zum Umtausch (§ 2) findet auf durchlöcherte und anders als durch den gewöhnlichen Umlauf im Gewichte verringerte, sowie auf verfälschte Münzstücke keine Anwendung. Berlin, den 1. August 1918. Der Reichskanzler. Im Aufträge: Jahn. An den Oberbürgermeister zu Gießen und die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Obige Bekanntmachung ist ortsüblich zu veröffentlichen. Gießen, den 15. August 1918. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Using er. An die Stadtkassc Gießen, die Gcmcindekasscn die Kassen der Kirchen, Stiftungen und israelitischen RcligionSgcmcinden sowie die Krankenkassen des Kreises. Obige Bekanntmachung teilen wir Ihnen zur Kenntnisnahme und Nachachtung mit. Vom 1. Oktober 1918 ab sind Sie nicht mehr verpflichtet, die Fünfundzwanzigpfennigstücke aus Nickel in Zahlung zu nehmen. Die Eingelösten Stücke sind entweder der Neichsbank oder in gleicher Weise wie nicht mehr umlaufsfähige Nickelmünzen dem Münzmetall-Depot des Reichs bei der König!. Münze zu Berlin mit tunlichster Beschleunigung zuzuführen. Die kurz vor Ablauf der Einlösungssrist bei Ihnen eingehenden Stücke werden von der Reichsbank und vom Münzmetall-Depot des Reiches noch bis zum 31. Januar 1919 angenommen werden. Gießen, den 15. August 1918. GrotzherzogUches Kreisamt Gießen. I)r. Usiyger. ' ..V' V»;- ■ 'S -: .-Uv/ t * p Ein neues Friedensangebot. Die neue Regierung im Reichstage. — Berlin, 6. Oktober 1918. Der neue Kanzler Prinz Max von Baden, in Begleitung einer langen Reihe von Parlamentariern zur Seite, leitete heute eine „neue Epoche in der Geschichte Deutschlands" ein. Der Reichstag war stark besetzt, die Tribünen ausverkauft, viel Publikum harrend vor dem Hause. Der Präsident Fchrcnbach gedachte zunächst der Toten, besprach sodann die Lage, widmete daraus dem scheidenden Kanzler wärmste Worte des Gedenkens und begrüßte dann die neue Negierung. Sogleich folgte dann die für heute erwartete Rede des Kanzlers. Reichskanzler Prinz Max von Baden: Gemäß dem Katserl. Erlaß vom 80. September hat das Deutsche Reich eine grundlegende Umgestaltung seiner politischen Leitung erfahren MS Nachfolger des um sein Vaterland aufs höchste verdienten Grafen v. Hertling bin ich an die Spitze der Regierung berufne worden, und ich will dem Reichstage ohne Verzug die Grundsätze darlegen, nach denen ich , mein verantwortungsvolles Amt zu führen gedenke. Im Einvernehmen mit den verbündeten Negierungen und mit den Führern der Mehrheitsparteien dieses hohen Hauses soll es geschehen. Sie enthalten mithin nicht nur mein eigenes politisches Glaubensbekenntnis, sondern auch das des weit überwiegenden Teiles der deutschen Volksvertretung, als der deutschen Nation, die den Reichstag auf Grulrd des aNgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts nach ihrem Wunsche zusammengesetzt hat. Nur die Tatsache, daß ich die Ueberzeugung und den Willen der Mehrheit des Volkes hinter mir weiß, hat mir die Kraft gegeben, in der schweren und ernsten Zeit, die wir miteinander erleben, die Leitung der Reichsge- schäste auf mich zu nehmen. Die Schultern eines einzelnen wären zu schwach, um allein die ungeheure Verantwortung tragen zu können, die der Regierung in der Gegenwart zu- sällt. Nur wenn das Volk an der Bestimmung seiner Geschicke im weitesten Umfange tätigen Anteil nimmt, die Verantwortlichkeit sich also mit auf die Mehrheit seiner freierwählten politischen Führer erstreckt, kann der leitende Staatsman seinen Anteil an ihr im Dienste des VoUes und Vaterlandes mit Zuversicht übernehmen. Ter Entschluß, das zu tun, ist mir besonders dadurch erleichtert worden, daß in der neuen Regierung auch maßgebende Vertrauensmänner der Arbeiterschaft zu den höchsten Aemtern im Reiche gelangt sind. Ich sehe darin die sichere Bürgschaft dafür, daß die neue Regierung von dem festen Vertrauen der breiten Massen des Volkes getragen ist, ohne dessen Ueberzeugungstreue Gefolgschaft ihr ganzes Handeln von vornherein zum Mißlingen verurteilt wäre. Was ich heute hier ausspreche, sage ich also nicht nur in meinem Namen und in dem meiner amtlichen Mitarbeiter, sondern auch im Namen des deutschen Volkes. Das Programm der Mehrheitsparteien, auf die ich mich stütze, enthält zunächst ein Bekenntnis zu der Antwort der früheren Reichsregierung auf die Note deS Papstes vom 1. August 1917 und die bedingungslose Zustimmung zu der Entschließung des Reichstages vom 19. Juli desselben Jahres. Es bekundet ferner die Bereitwilligkeit, sich einem allgemeinen Bunde der Völker auf Grund der Gleichberechtigung aller, also der Starken und Schwachen, anzuschlietzen. Die Lösung der viel umstrittenen belgischen Frage steht es in der völligen Wiederherstellung Belgiens, insbesondere seiner Unabhängigkeit und seines Gebietsumfanges. Auch eine Verständigung über die Entschädigungssrage soll angestreb werden. Die bisher geschlossenen Friedensverträge wiU daS Programm kein Hindernis für den allgemeinen Friedensschluß werden lassen. Es strebt im besonderen an, daß sich in den baltischen Ländern, in Litauen und Polen alsbald auf breiter Grundlage Volksvertretungen bilden. Das Zustandekommen der dazu nötigen Voraussetzungen wollen wir ohne Verzug durch die Einführung von Zivilverwaltungen fördern. Ihre Verfassung und ihre Beziehungen zu den Nachbarvölkern soUen jene Gebiete selbständig regeln. Fn der inneren Politik habe ich durch die Methode, in der sich die Regierungsbildung vollzog, klare und feste Stellung genommen. Auf meinen Vorschlag sind die Führer der Mehrhettsparteien zu meinen unmittelbaren Ratgebern berufen worden. Meine Herren, ich war der Ueberzeugung, daß die Einheitlichkeit der Reichsleitung nicht nur gewährleistet werden soUte durch die bloß schematische Parteizugehörigkeit der einzcl- neu Regierungsmitglieder, sondern ich hielt für fast noch wichtiger die Einheitlichkeit der Gesinnung. Von diesem Gesichtspunkte bin ich ausgegangen, auch bei der Wahl meiner Mitarbeiter, die nicht dem Parlament angehören. Ich habe das größte Gewicht darauf gelegt, daß die Mitglieder der neuen Reichsleitung auf dem Standpunkt des Rechtsfriedens stehen, unabhängig von der Kriegslage, daß sie sich zu diesem Standpunkt auch öffentlich bekannt haben in einem Zeitpunkt, da wir auf dem Höhepunkt unserer militärischen Erfolge standen. Ich bin überzeugt, daß die Art, in der jetzt die Reichsleitung unter Mitwirkung des Reichstags gebildet worden ist, nicht etwas Vorübergehendes darstellt, und daß im Frieden eine Regierung nicht wieder gebildet werden kann, die sich nicht stützt auf den Reichstag und die nicht aus ihm führende Männer entnimmt. Der Krieg hat uns über das alte, vielfach zerrissene Parteileben hinausgeführt, das es so sehr erschwerte, einen einheitlichen, entschlossenen, polittschen Willen zur Durchführung zu bringen. Mehrheits- bildung heißt politische Willensbildung, und ein unbestreitbares Ergebnis des Krieges ist, daß in Deutschland zum e/stenmale große Parteien sich zu einem festen, einheitlichen Programm zusammengeschlossen haben und damit in die Lage gekommen sind, das Schicksal des Volkes von sich aus mitzubestimmen. Dieser Gedanke wird niemals erlöschen. (Beifall links und im Zenttum.) Diese Entwickelung kann niemals rückgängig gemacht werden. (Erneuter Beifall links und im Zentrum.) Dabei vertraue ich, daß, so lange Deutschland Geschick von Gefahren umbrandet ist, auch die außerhalb der Mehrheit stehenden VolkSkretse und deren Vertreter, die nicht der Reichsleitung angehören, alles Trennende zurückstellen und dem Vaterlande geben, was ihm heute gebührt. Diese Entwickelung macht eine Aenderung unserer verfassungsrechtlichen Vorschriften tm Sinne des kaiserlichen Erlasses vorn 30. September erforderlich, die es ermöglicht, daß diejenigen Mitglieder des Reichstags, die in die Reichs- leitung eintreten, ihren Sitz im Reichstag behalten. (Bravo! links und im Zenttum.) Eine entsprechende Vorlage ist dem Bundesrat zugegangen und wird Ihrer Beschlußfassung unverzüglich unterbreitet werden. (Erneuter Beifall.) Bleiben wir eingedenk der Worte, die der Kaiser am 4. August 1914 gesprochen hat und die ich tm Dezember vorigen Jahres in Karlsruhe in die Worte fassen durfte: wohl gibt es Parteien, aber es sind alles Deutsche. (Beifall.) Unter dem Zeichen dieses Kaiserwortes muß sich auch die politische Entwickelung in Preußen vollziehen (lebh. Zust. UnkS) und die Botschaften des Königs von Perußen, die das demokratische Wahlrecht versprechen, schnell und restlos erfüllt werden. (Ledh. Beifall linls.) Die preußische Wahlrechtssrage ist bei der überragenden Stellung Preußens eine deutsche Frage (Zust. links u. t Ztt.), und ich -zweifle nicht, daß auch die Bundesstaaten, die Zrn der Entwickelung ihrer oersasfungSniäßigen Zustände noch zurücksleheu, dein preußischen Beispiel entschlossen folgen werden. (Beist linls.) Dabel halte ich unerschütterlich fest an den föderativen Grundlagen des Reiches als eines Bundesstaates, dessen einzelne Glieder ihr inneres Ber- fassungSlebet. in voller Selbständigkeit bestimmen, ein Recht, aus das auch Elsaß-Lothringen vollen ßnspruch hat. (Beifall linls u. t. Ztt.) Durch die ganze Kriegszeit haben sich die Klagen hindurchgezogen über die Handhabung des Belagerungszustandes. Sie haben trennend und verbitternd gewirkt. (Sehr richtig!) Bis auf weiteres können die außerordentlichen Machtbefugnisse nicht entbehr! werden, die der Bclagungszusland verleiht. Aber es mutz ein enges Verhältnis zwischen dem Militär- und den Zivttbehörden hergestellt werden. Das Friedensangebot. Dank dem unvergleichen Heldenmut unserer Ar-- mee ist die Front im Westen ungebrochen. Dieses stolze Bewußtsein läßt uns mit Zuversicht tn die Zu- kunsl sehen. Gerade deshalb ist es aber auch unsere Pflicht, Gewißheit darüber herbetzuführen, ob das opservolle blutrge Ringen nicht euren einzigen Tag über oen Zellpnnkt hinausgeführt wird, wo uns ein Abschluß des Krieges möglich erscheint, der unsere Ehre nicht berührt. Gestützt aus das Einverständnis alter oazu oerusenen Stellen im Reich uno aus me Zustimmung der gemeinsam mit uns handelnden Bun- desgenosfen habe ich tn oer Rächt zum 5. Oktober durch Vermittlung der Schweiz an ocn Präsroentcn der Vereinigten Staaten von Amerika eine Rote gerichtet, in der ich ihn bitte, die Herbeiführung des Friedens in die Hand zu nehmen und oazu mit allen kriegführenden Staaten in Verbindung zu treten. Die Rote trifft schon heute oder morgen tn Washing- l0n ein. wie richtet ,lch au oen Pra,identen der Vereinigten Staaten, well dieser in seiner Botschaft vom 8. Januar und in späteren Kulidgebungen, besonders auch in seiner Rede vom 27. September, ern Programm für den allgemeinen Frieden aufgestellt hat, das wir als Grundlage für Verhandlungen annehmen können. Ich wünsche einen ehrlichen, dauernden Frieden für die gesamte Menschheit. Und wie das Ergebnis dieses meines ersten Friedensschrittes auch aussallen möge, ich weiß, daß Deutschland tm Ablehnungsfälle fest entschlossen ist, zum Endkampf auf Leben und Tod, zu dem unser Volk ohne eigenes Verschulden gezwungen wird. Kein Zagen befällt mich, denn ich weiß, daß das die Kraft unserer Station verdoppeln würde. (Lebhafter anhaltender Beifall. Zwischenrufe bei den Unavh. Soz.) * Das Haus vertagte sich dann abwartend auf einen unbestimmten Termin. * Wilson „nicht abgeneigt". Der Washingtoner Korrespondent der Londoner „Times" schreibt, Wilson habe, so sei sein Eindruck, mit seiner kurzen Antwort auf die österreichische Friedensnote durchaus nicht die Absicht gehabt, jede weitere Erklärung über die Kriegsziele überflüssig zu machen, ganz tm Gegenteil, der Präsident habe in seiner Rede in der letzten Woche die Absicht verbrnwcn, die Alliierten einzuladen, eine ausführliche Erklärung abzugeben. Das Mehrheitsprogramm. Tic Grundlagen der künftigen Sicichspolitit. Das neue Mehrheitsprogramm, aus Grund dessen die neue Regierung eine neue Epoche der deutschen Politik, die demokratische, etnieiten will, lautet: „1. Festhalten an der Antwort der Reichsregierung auf die Papstnote vom 1. August 1917 und uneingeschränktes Bekenntnis zu der Entschließung des Reichstages vom 19. Juli 1917. 2. Erklärung der Bereitschaft, einem B ölkerbund gemäß den folgenden Grundsätzen beitreten zu wollen: Der Völkerbund umfaßt alle Staaten und beruht aus dem Gedanken der Gleichberechtigung aller Völker. Sein Zweck ist die Sicherung eines dauernden Friedens, eines unabhängigen Daseins und freier wirtschaftlicher Entfaltung der Völker. Der Völkerbund schützt mit seinen gesamten Machtmitteln die ihm beitretenden Staaten unter Anerkennung ihres Besitzstandes in den ihnen vom Bunde gewährleisteten Rechten und schließt alle selnem Zwecke widersprechenden Sonderverträge aus. Grundlagen des Völkerbundes sind: Umfassende Ausgestaltung des Völkerrechts; gegenseitige Verpflichtung der Staaten, jeden Streitfall, der nicht durch diplomatische Mittel lösbar ist, s r i e d l i ch e r B e h a n d - lung zu übergeben. Durchführung des Grundsatzes der Freiheit der Meere. Verständigung über allseitige und gleichzeitige Abrüstung zu Lande und zu Wasser; Verbürgung der offenen Tür für den wirtschaftlichen und privattechtlichen Völkerverkehr; internationaler Ausbau der Sozialgesetzgebung und des Arbeiterschutzes. 3. Einwandfreie Erklärung über Wiederherstellung Belgie ns und Verständigung über Entschädigung. 4. Bisher geschloffene Friedensverträge dürfen kein Hindernis für den allgemeinen Friedensschluß bilden; im Balttkum, tn Litauen und in Polen sind als- bald Volksvertretungen auf breiter Grundlage zu schaffen. Diese Staaten, in denen alsbald Zivilverwaltungen einzu- führen sind, haben ihre Verfassung und ihre Beziehungen zu den Nachbarvölkern zu regeln. ö. Schaffung eines selbständigen Bundesstaates Elsaß- Lothringen unter Gewährung votier SHuiononue eutsprecheuv Deut Verlangen Der etsatz-lvthringtichen Volts- Vertretung. 6. Unverzügliche Durchführung der Wahlrechtsreform in Preußen. Gleiches Anstrebung solcher Reform in denjenigen Bundesstaaten, die sie nvch entbehren. 7.. Einheitlichkeit Der Retchsleitung; Berufung von Re- gierungsvertretern aus dem Parlament zur Durchführung einer einheitlicheit Reichspolitii; strenge Einhaltung aller verfassungsmäßigen Verantwvrtlichteiten; Be>eitigung aller militärischen Einrichtungen, die Der politischen Beeinflussung Dienen. L. Zum Schutze der persönlichen Freiheit, des Versammlungsrechts und der Preßfreiheit sofortige Aenderung der Bestimmungen über den Belagerungszustand. Beschränkung der Zensur auf Fragen der Beziehungen zu auswärtigen Sicgtcrungen, Der Kriegssttategie und -taktik, Truppenbewegungert, Herstellung oort Kriegsmaterial. Einrichtung einer politischen Kontrollstelle für alle Maßnahmen, welche auf Grund Des Belagerungszustandes verhängt werden. Rußland gegen die Mittelmächte Tie Svwjctregicrung stellt die Erfüllung des Brcst- Litowsttr Friedens ein. Tie russische bolschewistische Regierung verlangt von Teulschranb Ausheouug des Friebens von Brest- ^llvwsr ln einer recht seltsamen, in Der Weltgeschichte einzig dastehenden „Rote an Teutschland": Radel, der den unsere Auslandspolitik leitenden Kreisen nahesteht, legt in seinen Aussätzen die grundlegenden Anschauungen dieser Kreise nieder. Dieses bezieht sich jedvch nicht au, die innere Politik; deshalb hatte sein Artikel über den „Roten Terror" setnerzeit keine politische Bedeutung, sondern war nur Ausdruck seiner Privatmeinung. Gaicz anders verhält es sich mit seinen Aussätzen üver die Außenpolitik. In seinem am 1. Oktober in „JSwestija" veröffentlichten Artikel „Der Schatten Rußlands" muß man folgende seiner Worte besonders unterstreichen: „Schweigend zeigt Rußland dem deutschen Volke seine Wunden. Jetzt, wo das deutsche Volk schwere Prüfungen erlebt, gibt es auch im Herzen des russischen Volkes keine Freude. Das russische arbeitende Volk ersehnt keinen Sieg der amerikanischen und Londoner Börse, es spürt jetzt an seinem eigenen Leibe, was „die Befretungsziele" des anglo-franzüsischen Imperialismus bedeuten. Das russische Voll hat mit dem deutschen Imperialismus keinen VerständtgungSfrieden schließen können, dieser hat ihm rielmehr einen harten Machtsrieden ausgezwungen. Im Augenblick der schicksalsschweren Krise des deutschen Imperialismus sagen die russischen BvlkSmassen zu ihm nicht: „Gib wieder, waS du genommen hast"; sie wissen, daß der deutsche Imperialismus ihnen schwerlich daS freiwillig wtedergeben wird, was er ihnen in dieser Weise genomnten hat. Die Politik deS Wahnsinns, die alle imperialistischen Staaten kennzeichnet, wird kaum diesen vernünftigen Schritt zuiafsen, einen Schritt, der die Lage Rußlands erleichtern könnte, und eS ihm ermöglichte, feine eigenen Interessen gegen die Verbündeten ohne ein Bündnis mit dem deutschen Imperialismus zu verteidigen und die Bestrebungen des anglo-amerikanischen Kapitals zur Wiederschaffung einer Ostfront gegen Deutschland zu durchkreuzen." Dieses spiegelt im gegenwärtigen Moment buchstäblich unsere Empfindungen wider; wir zeigen schweigend unsere Wunden und nehmen an, daß der Schritt, der für Deutschland selbst vorteilhaft wäre, von ihm selbst auch unternommen werden wird. * Gewalt gegen die Türkei. Während die Sowjetleute der Lenin und Trotzki gegenüber dem doch noch immer mächtigen Deutschland sich einer sehr zahmen Tonart befleißigen, treten sle gegenüber der Türkei schroff-drohend aus. Sie erklären mit langer Einleitung kalten Blutes: „Die ottomanische Negierung hat sechs Monate lang unausgesetzt den Vertrag von Brest-Litowsk trotz aller Proteste der Sowjetregierung verletzt. Und jetzt endlich hat sie ihre Taten gekrönt, indem sie eine der wichtigsten Städte der russischen Republik eingenommen und in eine schreckliche Ruine verwandelt hat. Dadurch hat die otto- manische Regierung gezeigt, daß der Vertrag von Brest- Litowsk, der zwischen der Türkei und Rußland geschlossen wurde, nicht mehr in Kraft ist. Tie Regierung der russischen sozialistischen Föderativ- Republik ist gezwungen, festzustellen, daß infolge der Handlungen der ottomanischen Regierung der Vertrag von Brest- Litowsk, der zwischen Rußland und der Türkei friedlich? Beziehungen Herstellen sollte, null und nichtig ist." Die Berufung auf die Störung von Baku anr Kaspischen Meere (die bekannte Petroleum-Zentrale) liegt recht sehr daneben. Dort hatten sich Die Eng- länger, wohl nicht ganz gegen den Willen der Mos- kauer Revvlutionsregierung, von Persien her niedergelassen, um von dort aus die „Wiedereroberung" der russischen Dampfwalze zu betreiben. Darauf Lind die Türken dort eiixgebrochen und haben das Engländernest ausgeräuchert. Daß es dabei nicht gerade sehr harmlos herging, scheint allerdings aus der Sowjet-Rote hervorzugehen. Allgemeine KriegsnachriÄtSN. Bunans gleichzeitiger Schritt. Auch eine Jriedensnote des Grafen Burian soll heute veröffentlicht werden. Es wird in ihr ausgesprochen werden, daß sämtliche Bedingungen Wilsons zur Annahme gelangen. Stalle« begrüßt den Prinzen Max. Der römische Vertreter des Mailänder „Corriere della Sera", der bekanntlich mit amtlichen Stellen die engsten Beziehungen unterhält, drahtet seinem Blatte, daß die Ernennung des Prinzen Max von Baden zum deutschen Reichskanzler eine Tat vow ganz außerordentlicher Wichtigkeit sei. Prinz Mar sei anerkanntermaßen in Deutschland der geeignetste und vielleicht auch der einzige Mann, der die dedeu- Lenden Funktionen eines Friedemsbotschaf te rs bei der Entente übernehmen könnte. Ta Prinz Max in beiden Lagern der Kämpfenden daö gleiche Ansehen genießt, könnte man immerhin mit allen Möglichkeiten rechnen. Die „Epoca", daS Blatt des Ministers des Aeußern, widmet dem Prinzen Max eine lange Betrachtung, in der der Prinz von dem halbamtlichen italienischen Organ gerade verherrlicht wird. Es wird an seine Tätigkeit beim Gefangenenaustausch in der Schweiz und in Konstanz erinnert und dabei hervorgehoben, daß er es war, an den sich die französischen, englischen und belgischen Mütter wandten, deren Söhne in deutschen Spitälern und Gefangenen lagern untergebracht waren. Sie haben bei dem Prinzen immer Gehör gesunden. Wenn zwischen den deutschen Vertretern und denen der Entente Zwischenfälle entstanden, so appellierten die Ententeverlreter stets mit Erfolg an den badischen Prinzen, der es in taktvoller Weise verstand, die Differenzen auszugleichen. Wilson der Gemäßigte. Der Washingtoner Korrespondent der „Newyork Evening Post", der manchmal über die Auffassung der Negierung genau unterrichtet ist, weist darauf hin, daß der Präsident Wilson nicht nur in seiner letzten Rede, sondern auch in seiner kurzen Antwort auf die Friedensnote Burians sorgfältig vermieden hat, etwas zu sagen, was das deutsche Volt zu der Auffassung verleiten könnte, daß er einen Ausrottungskrieg beabsichtige oder einen Frieden erstrebe, der dre berechtigten wirtschaftlichen Wünsche des deutschen Volkes vereiteln würde. Das holländische Blatt „Nederlander" urteilt: Balfouc halte einen Völkerbund erst nach gesichertem Frieden für möglich, Wilson dagegen halte ihn für das Zustandekommen eines sicheren Friedens für notwendig. Wilson habe der Entente eine verdiente Lektion erteilt, bemerkenswert objektiv sowohl gegen die Zentralmüchte wie imperialistischen Ententeziele gesprochen. Thronbesteigung -es Zaren Boris. Sofia, 4. Okt. Heute fand die feierliche Thronbesteigung des Zaren Boris statt. Dem Festgottesdienst ili der Kathedrale, wohnten bei: Sämtliche Minister, die früheren Minister Radoslawow, Tontschew und Geschow, die Generalität, der deutsche und der öster- relchtsch-ungartsche Gesandte, der deutsche Militärbe- vollmächtigre Oberst v. Masjow. Nach der Eidesleistung des neuen Königs erfolgten Huldigungen der Volksmenge im Schlotzhof, wobei der Zar eine Ansprache hielt, in der ec die Hoffnung ausdrückre, daß Bulgarien seine Einigung erreichen werde. Die Stimmung in Sofia ist augenblicklich wieder gehoben. Die Häuser haben geflaggt. Ein in der Stadt angeschlagenes Manljest zeigt die Abdankung König Ferdinands an, der sich nach Ungarn begeben habe. Rumänien kann nicht. Die Quertreiber möchten natürlich die Gelegenheit wahrnehmen, wieder in den Krieg einzutreren. Aber es geht nicht. Die „Neue Freie Presse" erführt von gut unterrichteter Seite über die Lage Rumäniens: Der für Sonnabend einberufene Kronrat dürfte in Jassh genau unterrichtet. Ueberraschungen können daher nicht eintreten. Eine für uns ungünstige Wen- abermals vertagt werden. Man ist über die Vorgänge düng ist schon deshalb nicht mehr zu erwarten, weil der größte Teil der rumänischen Armee bereits demobilisiert und die Waffen auch größtenteils abge- liesert sind. Zudem besteht gegenwärtig keine Verbindung zwischen Rumänien und der Entente, wodurch also die Möglichkeit der Beschaffung von Munition ausgeschlossen ist. Kleine Kricgsuachrichten. " In Wiener amtlichen Kreisen wird gegenüber anderen Gerüchten betont, das Verhalten der türkis ch e u Regierung zu ihrer BündnispslichL sei musterhaft. " Tie Bulgaren sind aus der österreichischen Hauptstadt abgereist. • " Die feierliche Thronbesteigung des neuen bulgarischen Königs Boris, der anstelle seines abdan- kenden Vaters den Thron bestieg, erfolgt am Freitag. Ereignisse zur See. 23 000 Tonnen versenkt. Berlin, 5. Okt. (Amtlich.) Im Sperrgebiet um England versenkten unsere U-Boote 23 000 Brutto- regislertonnen, darunter zwei Tankdampfer. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Politische Rundschau. — Der Chef der Reichskanzlei, Unterstaatssekretär b. Radowitz, hat die Absicht, aus seinem Amte auszuscheiden. Auf Wunsch des Reichskanzlers führt er indes seine Dienstgeschäfte weiter, bis sein Nachfolger bestimmt ist. * :: Ter Reichstag wird nicht vor Mittwoch oder Donnerstag nächster Woche zusammenberufen werden. Eine Aussprache wird voraussichtlich nicht stattfinden. :: Tie Ernennung der neuen Staatssekretäre. Amtlich wird mitgeteilt: Die Neichstagsabgeordneten Gröber, Scheide mann und Erzberger sind zu Staatssekretären ohne Portefeuille ernannt worden. Auch die angekündigte Ernennung des Reichstagsabgeordneten Bauer zum Staatssekretär des neuzuerrichtenden Reichs-Arbeitsamts ist erfolgt. Zum Staatssekretär des Auswärtigen Amtes ist der Staatssekretär'des Reichs-Kolonialamtes Dr. Sols berufen worden. Er wird sich aber, wie wir hören, auch in dieser neuen Stellung während der Dauer des Krieges von seinem bisherigen Ressort nicht trennen, dessen Geschäfte von dem UnterstaatS- jettetär Dr. Gleim geführt werden sollen. Als sicher betrachtet wird die Berufung Trim- borns ins Reichsamt des Innern. Ungelöst ist noch die Frage der Ernennung narionalliberaler Staatssekretäre. Die „Nordd. Allgem. Ztg." übernimmt die Mitteilung der „Nationalzeitung", daß gelegentlich der Einigung irgendwelche personelle Forderungen seitens der nationalliberalen Partei nicht erhoben worden seien. Selbstverständlich werde gemäß einem Wunsche, der von allen Seiten ausgesprochen wurde, die nationalliberale Partei auch im engeren Kriegsrat vertreten sein müssen. Die Fraktion hat die Entsendung des Vizepräsidenten des preußischen Kabinetts Dr. Friedberg in Aussicht gestellt, so daß damit zu rechnen ist, daß Dr. Friedberg entweder seine Ernennung zum Staatssekretär erhält oder auf dem Wege besonderer Bestellung zum Mitglied des engeren Kriegsrates gemacht wird. :: Taö Reichsarbeitsamt. Folgender kaiserlicher Erlaß an den Reichskanzler wird veröffentlicht: Auf Ihren Vortrag bestimme ich, daß die sozialpoli- ti s ch e n A n g e l e g e n h e i t e n des Reiches, die bisher zum Geschäftskreis des Reichswirtschaftsamtes gehört haben, fortan von einer besonderen, dem Reichskanzler unmittelbar unterstellten Zentralbehörde unter dem Namen Neichsarbeitsamt bearbeitet werden. :: Wahlreform in Lippe. Durch eine Verordnung des Fürsten Leopold zu Schau mburg-Lippe wird bekanntgegeben, daß auf den Vortrag des Staats- ministers der Fürst bestimmt habe, dem Landtage alsbald einen Gesetzentwurf zur Abänderung des Wahlrechtes für den Landtag zur verfassungsmäßigen Beschlußfassung vorzulegen. Dem Gesetzentwurf soll das allgemeine gleiche Wahlrecht mit einer Zusatz st im me für Alter zugrunde gelegt werden. Fürst Leopold erklärt: „In Liebe und Vertrauen zu meinem in dieser schweren Zeit so treu bewährten Volke habe ich den Wunsch und Willen, das Band, das Krone, Regierung und Volk in dem Streben für die Sicherheit und Wohlfahrt der teuren lippischen Heimat vereint, fest und unauflöslich zu verknüpfen. In dem welterschütternden Ringen des Krieges müsse»» alle Kräfte der Volksseele zusammen- g.faßl werden, wie sür den Kampf um Sein und Nichtsein des Reiches, so auch für den Aufschwung des inneren politischen Lebens unserer engeren Heimat.^ Oesterreich: Staatliche Förderung der Volksvcrmchrung ; In Wien haben ärztliche Beratungen stattgefunden, die aus eine Förderung der frühzeitigen Eheschließung hinauslausen. Man hat folgende Leitsätze ausgestellt: 1. Sollen nur gesunde Leute heiraten, die Gesundheitszeugnisse beibnngen; 2. Begünstigungen des Kindersegens durch Eheerleichterungen, Kinderbeihilfen. Auszeichnungen und Belohnungen kinderreicher Frauen: 3. Förderung des Kindersegens körperlich, geistig und moralisch tüchtiger Eltern; 4. Förderung frühzeitiger Ehen, um der Ausbreitung Oer Geschlechtskrankheiten zu steuern. Es handelt sich also um die Herbeiführung von Verhältnissen, die es gestatten, daß viele gesunde und tüchtige Menschen möglichst frühzeitig heiraten können. Aus aller Welt. ** Ausdehnung der Grippe in der Schweiz. In der Ostschweiz tritt die Grippe in beunruhigender Weise aus. In St. Gallen wurden in voriger Woche über 1000 Neuerkrankungen gemeldet. Es zeigt sich die merkwürdige Erscheinung, daß in den Gegenden, die bereits das zlveite Rial von der Grippe heimgesucht werden, sie nunmehr bedeutend stärker auftritt als das erste Rial. In mehreren Ortschaften wurden die Schulen geschlossen und die Vorsichtsmaßregeln wieder eingeführt. Wie aus der spanischen Hauptstadt Madrid gemeldet wird ,hat sich die Grippe des Königs gebessert. Die Grippe-Epidemie in Spanien soll einen weniger bedrohlichen Verlauf genommen haben. Es werden wohl zahlreichere, aber harmlosere Fälle gemeldet. A Tie neue Reichsmarmelade. Wie die Reichsstelle sür Marmelade und Obst den Kommunalbehörden Mitteilen läßt, wird am 1. November die Verteilung von Marmelade als Brotaufstrichmittel wieder einsetzen. Die mit diesem Monat adlausende Pause entspricht auch dem im Vorjahre befolgten Grundsatz der Rerchsstelle, nur während 9 Monate im Jahre Brotaufstrichmittel zur Ausgabe zu bringen. A Verwertung von Heeres- und Marinegut. Die Verwertung des sür Kriegszwecke entbehrlichen Heeres- und Marineguts wird durch eine besondere staatliche Stelle, einen Reichskommissar erfolgen, der im Laufe Oer nächsten Wochen seine Tätigkeit aufnehmen wird. Seine Aufgabe wird es sein, die zur Veräußerung kommenden Güter zu angemessenen Preisen unmittc bar an die Verbraucher gelangen zu lassen. Wo sich eine unmittelbare Abgabe nicht durchführen läßt, »vtrd die Verteilung unter behördlicher Kontrolle erfolgen. A Tie Beförderung von Expreßgüter»». Wegen der erneuten Beschränkung des Stückgutverkehrs wird von der Eisenbahnverwaltung mit einer Steigerung des Expreßgutverkehrs gerechnet. Daher werden jetzt die Gepäckabfertigungen erneut daraus hingewiesen, dafür zu sorgen, daß der Expreßguwerkehr auch unter den erschwerenden Verhältnissen ordnungsgeinätz ab- gewickelt wird. Tie getroffenen Anordnungen sollen genau beachtet werden. Das Gewicht jeder Sendung ist aus 50 Kilogramm beschränkt, kleinere Stücke unter 5 Kilogramm Gewicht sollen, da sie mit der Post befördert werden können, zurückgewiesen werden. Die Dienststellen sind ermächtigt worden, die Annahme von Expreßgut bei übergroßem Andrange, und zwar sofort einzustellen. ** Eine verweste Männerleiche wurde in der Gre- nabierstraße 14 in Berlin aufgefunden. Es handelt sich um den 49 Jahre alten Arbeiter Joseph Müller aus Schechowitz bei Gleiwitz. Es handelt sich um einen Raubmord. Die Polizei hat für die Ermittelung des Täters eine Belohnung von 3000 Mark ausgesetzt. Vom Zuge übersahen wurde da§ Gespann des Büdners Wulff aus Glienicke in der Nähe der Windmühle bei Glrenicke. W. überhörte das Läuten des von Beeskow kommenden Zuges. Dem Zugführer war es nicht mehr möglich, rechtzeitig zu bremsen. Das inrt Kartoffeln beladene Fuhrwerk geriet unter den Zug. Beide Pferde sind tot, der Wagen völlig zertrümmert. Der Besitzer des Gefährts kam mit dem Schrecken davon. ** 5000 Mark Belohnung für ein gestohlenes Wertpaket. Beim Hofpostamt in Berlin ist ein Sack mrt Wertsendungen von bedeutendem Wert abhanden gekommen. Auf die Ergreifung des Diebes ist eine Belohnung von 5000 Mark festgesetzt. ** Tödlicher Unfall im Zirkus Busch. Freitag abend, kurz vor Schluß der Vorstellung, Kürzte im Zrrkus Busch in Berlin ein Bühnenarbetter Schmidt vom Rollboden aus beträchtlicher Höhe auf die Bühne und blieb dort schreiend liegen. Samariter der Feuerwehr trugen den Schwerverletzten fort. Ein Arzt bemühte sich vergeblich um den Sterbenden. ** Um gestürzt ist die Lokomotive eines nach Hildesheim fahrenden Zuges. In der Nähe des Dorfes Hönnessum legte sich die Maschine brennend auf die eine Seite des Bahngleises, während sich von den hinter ihr laufenden Güterwagen zwei aus die andere Seite des Bahngleises legten, sodaß jeder Verkehr vollkommen gesperrt ist. Die zahlreichen Fahrgäste kamen mit dem Schrecken davon. ** Eine Kindcsentführerin ist unschädlich gemacht worden. Die 24 Jahre alte, aus Potsdam gebürtige Klara Schilling, die in Neukölln wohnte, nahm einen vierjährigen Knaben seiner Mutter in Sorau weg und benutzte ihn, in der Regel unter Beistand von Soldaten, in der Provinz zu allen möglichen Schwindeleien. Ihre Spur »vies zuletzt nach Berlin. Wahrscheinlich ist sie auch mit dem Kleinen in Berttn gewesen, hat jich dann aber wieder der Provinz zugewandt. Dort wurde sie jetzt ergriffen und in Untersuchungshaft nach Sorau gebracht. .** Weit über 100 Betrügereien verübte ein Stärke- schwindler, der von der Berliner Kriminalpolizei unschädlich gemacht wurde. In vielen .Provinzzeitungen erschien im Junr d. I. eine Anzeige, daß echte Rers- stärke in größerer Menge an Privatleute abzugeben fei. Das Angebot war so verlockend, daß die Leser den weitestgehenden Gebrauch davon machten. Die Leute, die sich meldeten, erhielten eine gedruckte Postkarte von einem „Stärke-Versand H. Kallbaum, Berlin SW. 68", der ihnen mitteilte, daß der Versand gegen Voreinsendung des Betrages von einer Stärkeverteilungsstelle erfolgen werde. Der Versand Kallbaum steckte »vahrscheinlich viele Tausende ein, lieferte aber nicht die geringste Menge Stärke, weil er selbst keine besaß. Dann ließ er nichts mehr von sich hören und war und blieb verschwunden. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben, daß hinter der Firma ein Expedient Dollar steckte. Der unternehmende Mann, der nach dem großen Beutezug über viel Geld verfügte und gut leben konnte, hielt sich eine ganze Zeitlang verborgen. Als er es jetzt unter dem Namen Klein wieder mit einem ähnlichen Schwindel versuchte, kam ihm die Kriminalpolizei auf die Spur und nahm ihn fest. Kleine Neuigkeiten. * Von einer Lokomotive geköpft wurde auf de. Streck« Waldshut—Singen der 35 jährige Lokomotivheizer Strobel von Konstanz, als er sich aus der Maschine neigte. * In einen Schacht gestürzt ist der auf dem Vertrauensschachte in Schedewitz in Arbeit stehende 59 Jahre alte Bergzimmerling Schädlich. Er war sofort tot. * Zigarettenrauchende Jungens verursachten in Weischwitz bet Saalfeld ein Feuer, dem eine Scheune zum Opfer fiel. Ter Landwirt George verlor alle seine Futtervorräte, Getreide und Maschinen. * Eine Kriegshandwerks-Ausstellung wurde in Zittau eröffnet. J / , Volkswirts chaftliches. 4 Berlin, 5. Oktober. (Börse.) Die gestrige, teilweise ungestüme Preissteigerung für eine Anzahl tonangebender Spelulationswerte verschiedener Gattungen trug in ihrer gegen den Vortag so scharf kontrastierenden Form schon zu Bedenken Anlaß, die sich denn auch — wie der heutige Börsenverlaus dartat — als berechtigt erwiesen. Es zeigte sich, daß sür eine optimistische Beurteilung der Verhältnisse keine Berechtigung vorhanden gewesen, daß die entscheidenden Anlässe sich im Flusse befinden, und ein vorsichtiges Zuwarten für die Geschäfts- und Privatkreise sicher? lich mehr am Platze gewesen wäre als voraussetzungsloses Draufgehen, wie es gestern an der Tagesordnung war. Die bei der heutigen Geschäftseroffnung eingetrctenen neuen Rückschläge setzten sich im Verlause der ersten Stunde dann nicht mehr fort. Man diskutierte die auf nachmittag verschobene Reichstagserösfnung. Auf dem Montanmarkt ermatteten Lothringer Hütte, Oberbedorf, BiSmarckhütte und Caroaktten empfindlicher. 3 ) Berlin, 5. Oktober. (Warenmarkt. Nichtamtlich.) Rotklee, Wundklee, Weitzklee, Schwedenklee 2 365, 1 400, Inkarnatklee 2 170, 1 196, Gelbklee enth. 2 180, 1 200, in Kappen 2 105, 1 118, Timoty 2 156, 1 176, Schafschwingel 2 100, 1 115, Knaulgras, ReygraS, Wiesenschwingel 2 176, 1 196, Serradella 2 92, 1 100 für 50 Kilogr. ad Lager, Spörgel bis 135, Heidekraut bis 3,70 für 50 Kilogr. ad Station. Flegelstroh 4,75—5.25, Preß- stroh 4,75. Maschinenstroh 4.00—4,25. Städtische Verkaufs- preise: Hafer: 25,50, Mischfutter 26,90, Heu 18—20,75, Häcksel 12,50 für 60 Kilogr. frei Haus. Scherz und Ernst. tt Wie schnell kan»» man sprechen? Ein stenographischer Verein hatte in seinen Werbeschriften behauptet, man könne 517 Silben in der Minute stenographieren. Darauf hin haben sich „einige Freunde der stenographischen Sache" in Remscheid hingesetzt und Untersuchungen angestellt, über die sie folgendes mitteilen: 1. Verschiedentlich haben wir versucht, 450 Silben zu sprechen, was uns aber nur schwer gelingen wollte. Bei 400 Silben in der Minute war es fast unmöglich, den Sinn der Worte genau zu erfassen. Wir konnten dein Sprecher dann nur noch halb folg«». Slir gewinnen eine Schlackt. Die Stimmung on der F ont, io hat in als G?up- ptnfnhcer im F ld berichtet, ist ganz a wy Zr. he.- n Maße wohnt unseren Soldaten r S-lbstbewußiskin das Gefühl der Sicherf ^ An ^iffsW: ’.p.nc; sie verlcssen sich unbedingt Ms d.. ickenslärkung, die ihnen die fiste SiegfriedSbcllung e.cw . :r. Die Zurück«r e b r Front wird allgemnn für gut und richtig befand' , und das Vertrauen auf Hind bürg und Lüdcudo s ist größer als je vorher. d Angaben, die aus den verschiedensten Landesteilen vorliegen, erscheint es fraglich, ob der Gesamtausfall der Kartoffi'lernte diesmal so günstig sein wird wie im Vor- jähe. Alle: r inas, ist noch Angabe der Neichskartoffil- stelle dKer Loffelarib.au fläche um etw^ 7 Pcoz gegenüber im Vorjahre vergrößert. D e zur Verfügung suh'N' den ArbeiLSfi.äfte sind aber wesentlich verringert worden. t''s wird daher noch außerordentlichen Kraftaustcenoungen bedürfen, um die Kartoffelernte rechtzeitig zu bergen, inbeson'aere werden sämtliche zur Verfügung stehenden Ard'dL^krafte aus den Städten he^angezo^en werden müssen. Denn je früher wir unsere Kartoffeln herein- bcingler, um so geringer wird die Fropgefahr! Solche Nachrichten von der Front sind gut und heilsam; sie dienen dazu, die durch Unverantwortliche Schwätzer, BangemachM und Keffenverursachcc ganz ohne Not herabgedrückte 'Stimmung im Lbnde wieder zu heben. Land uru> Front, Volk und'Volksheer steh n }n so engen Wechselbeziehungen z s einander, daß si / rast glerchzeitig jede Ecschütte ung verspüren, sich gegenseitig stutzen und schwächen. Geht es draußen gut. so wirkt dies naturgemäß sofort auf das ushk nn.zkvermö^.en, die Widerstandst aft daheint ck'nstia; erfährt die Armee, daß man zu Hause f-ohnr Mutes und zum'Durchhalten . entschloßen ist, so verdoppelt sie ganz von selber ihre Anstrengungen. Der finstere G< t aber, der in diesen letzten Wochen bei uns umging mh bet zum T-il auf die militärischen Ereignisse zurück'.-sichren, zum Teil indes auch der',Verzagtheit unö Müdi-.l-nt kleiner Seelen enlsp, ungen ist, dieser Geist mußte hinwiederum die Verteidmüntzs und Angriffs kraft des H.-ercs h abmindern. Wir wissen wohl, unsere Soldaten fürchten Tod und Teufel nicht und tun, unbekümert um das Toben einer feindlichen Welt ihre beschworene Pflicht. Und doch ist-.es unverzeihliche Sünde gegen das Vaterland, ihnen durch trübseliges Gerede, durch unaufhörliche Aus' bruche der Patteiverranntheit und der Parteiselbstsucht das Herz schwer zu machen. Winn die im Felde nicht den von der Heimat herüberwehenden Gluthauch Verspüren, wenn sie wissen, daß man ihren Taten gleichgültig und tctlm ms los folgt, was kann ihnen dann über Leiden und'^Entbehrungen, über die täglichen unerhörten Opfer hinweghelfen? Innerhalb der schwarz-weiß-roten Grenzen merkt man wohl am Walten der Kriegswirtschaft, an den beschnittenen Nation-» und allerlei'anderen kleinen Unbequemlichkeiten, daß z hn Millionen deutscher Männer den Feind von diesen Grenzen fernhalten müssen. Eng" lands Aushung'erungs versuche drücken auf uns. -Aber was will dsss bedeuten gegenüber der wunderbar!n Tatsache, da; kaum ein Funke des höllischen Feuers, weiches Belgien und Nord — Frankreich dur. lodert, deutsche Dörfer, deutsche Städte getroffen hat? D zerschmetternde Jammer des Krieges, den belgische und französische Menschen in ungehemnlter Furchtbarkeit zu kosten bekommen haben, uns -.st er fast ganz erspart geblieben. Dies Glück, diese Güte der Vorsehung hat uns verwöhnt. Unsere Tapfir-en und Treuen schützten die Heimat o unbedingt, daß wir uns daran wie on etwas Selbstverständliches gewöhnten und es ihnen kaum »och dankten. Aber man vcrgegenwä tige sich, welche Empfindungen uns beherrschen, welches Elend sich über Deutschland ergießen würde, wenn Senegalesen und GurkhaS, der Vortrupp französisch — »gelsSchstscher Kul- Lurbringer, am Rhein ständ n. In diesem Augenblick besänne sich unser Volk wahrscheinlich und Zeigte größer S VerMidnis für die jcit der Feldgrau u. Heute hält 's mancher nicht für g, sich mit Sinnen und Ge bünken, mit Hab unö ut om J:\icge zu bdal e-. Mc Wacht in Flandern und Frankreich-, meint er, steht doch fest und tun. Auf ihn und seine Hisse komme es dabc« nicht an. Wir wollen hoff.«, daß es fick alle, die so denken, ein s Tages kein ööseS E< wachen albe! Wi. wollkn hoffen, daß diese Unbewegten, deren teilnahmsloses -LchwAg.n den Schwätzern und Verzagheils apofteln das-t-au'A.te Handwerk so sehr erleichtert, ih-e träge Gleichgültigkeit nicht einmal brauen müssen. An der Verlängerung des Krieges haben sie dadurch«, daß ft* nufct bpn vornherein aus allen Kräften zum Siege mittvwkten, bei getragen. An einem Frieden bet Schmach ui 'o des vö fischen Todes, vor dem uns die Schüefi des deutschen Schwaches und die Einsicht der deutsch/:; Bolks- mehrheit bewahren wird, trügen diese Lauen und Stum- psen.die Hauptschuld. Wieder biet-t sich den anderen, den Ei-:sichtsvollen und Unverzagten, die ihre Pflicht kennen, Gelegenheit, neue und entscheid nde deutsche Waffensiege PorbecMAi ' n M l '-n, d - Vn Hindun. Zwischen H und N.Kwn er .s und. Wärme: zu gestalten. W-. sich an der neun :«n Kriegsanleihe bit ilcht, der bcw ! ' n . - nl^at 0 , ^u.ß sich das bürgerliche Deutschland eins Mit ihm fühlt JL n! '' eno sie \\)i Kirck ymgrv »t, zu-n mind> -!>, n sein --ut nicht ängstlich prst. ckt, sonderst rs dem Var» -lande tt-lht. Wir gewinn,» - Schlacht, wenn wir unseren feldgrauen, don.b aber ach i m < hb? f Ho«machen boj dfi Gebefreudigkeit' und Die Geb kraft der H-amat Unerschöpflich ist. Auf unser, n buchten Geiz, der uns se-bst verdirbt, rechnet der raubgi. Gegner, auf unsere sicht und Bereitschaft der Brudrc an -er -Front. T--' 1 bei noch zögert, möchte da zurückbleiben? Wr rq-i ** Durch Postttachuahme eittgezogene Kcträge können für Postscheckkuuden mit Dnhlünrten auf deren Postkonto übetwicsm werden. Man sollte glauben, daß von diesem außerordentlich billigen und einfachern Vor- fobr n jeder Geschäftsman zu seinem und seiner Kunden Nutzen möglichst weiten Gebrauch machen, müßt--. Das. ist ober, wie wir erfahren, selbst bei großen Gesll ästen nicht immer der Fall. Von zuständiger Seite wird uns nämlich mitgeteilt, daß sogar große Geschäfte mit b.dcm tendem Vcrsandvecki.hr und Warenhäuser sich die einge- zöge neu Nachnahmebeträge noch mit Postanweisung senden lassen und dafür die teure PostanweisungSgc-bühr zahlen. Wir empfehlen dringend, mit solcher ' geschäst- ttchkn Nückständigk it doch jetzt unbedingt nach dem 1. Oktober aufzsrüumen, da von diesen Zeitpunkt ab die Gebühr für die Postanweisungen erhöht ist. Die Vordrucke zu den Nachuahmezahlkarten, in die auf Wunsch' auch die Kontobezeichnung eingedruckt wird, sind bei den Poftscheckämtecp'erhältlich, lieber das Verfahren geben alle Posttämter Auskunft. » * Abgabe der Ktenererblarmrgen für das Stsrrerfahr 19 z 9. Die Finanzämter erinnern wiederholt an die Abgabe der Steucr?E:klärungen. Zur Staats- iteuer-Veranlagung hat jeder Steuerpflichtige, der ein ftcun&anä Jahreseidkommen von 2600 Mk. oder mehr besitzt, über den Jahccsbctcag seines Einkommens und der Awa zum Abzug geeignäen Lasten eine schriftliche Erklärung abzügebest- wenn der Steuerpflichtige nicht u)on "iSyer so hoch üesteuect war und wenn sein Ein- '' m.n «gestiegen ist. Ebenso muß die Steigerung des Ver.mögend, soweit dieses jetzt 3000 Mk. beträgt und lvweit dieses bisher schon 3000 Mk. betrug und gestiegen ist, angegeben werden. Dieselben Vorschriften gelten be° Zügltch der Gemeindesteuern, hier auch dann, wenn das Betriebskapital dm Wert von 3000 Mk. erreicht hat. VZ§ 5sNmern Ser BucbecHern. Wenn die Bucheckern reif sind, lockern sie sich in ihrer Schale, die stachligen Fruchtbecher springen auf und d^e Kerne fallen Zu Boden. Das geschieht nicht gleichmäßig, weil der Standort, Sonnenseite oder Schattenseite für dm Zeitpunkt d.s Außstoßcns der Kerne maß gebend ist. Regelmäßig zuerst fallen aber die tauben Kerne .und die von Jstsckten beschädigten, die beide für die Oclbercitung wertlos sind. Ein Nachtsrost lockert auch die noch sestsitzenden Kerne in ihrm Bechern und vus diesem Grund wird die Sammlung nach einem Nachtfrost ergiebiger. Das Aufsammeln "der Eckern im alten Bodenlaub ist mühsam. Um die Arbeit lohnend zu gestalten, fegt man das alte Bodenlaub bevor die Frucht abfüllt sorgfältig unter d»in'Baum fort, das hat dann die Müglichteit aus dem kahbn Boden die Eckern schnell zu finden. Hat man Plane oder Leintücher zur $cifü< : un.i, so breitet man sie wohl auch über das alte VodLnlaub und sängt damit die abfallenden Früchte auf. nimmt man ewe lange Hakenstonge und schüttelt ü n:-t die Acslc bis alle Eckern am Boden sind. Auf 'diese Weise läßt sich die Stundenleistung ganz erheblich steiqkin und da für das Kilogramm gesunder, gereinigter, waidfrischer, trockener Eck rn l^1 1,65 bezahlt wird, wozu noch das Recht auf den Bezug von 60 g Oe! kommt, UI es von erheblichem Wen, möglichst große MenAtn zu sammeln. . ' * DavmstadL. D m Postamt zu Darmstadt ist ein wertvolles Pferd aus dem Stalle gestohlen worden. Der Dieb hat das Pferd nachts weggcholt, nachdem er ihm zuvor mit Säcken die Hufe umwickelt hat. Das Pferd hat einen Wert von 10000 Mk. * Mainz. Die Wohnungsnot hat bier eine bedenkliche Höhe erreicht. Zum 1. Oktober konnten bereits 30 Familien keine Wohnung mehr finden; sie werden ru Gastwirtschaften untergebkacht. Zahlreiche Familien, Me von auswärts l- .rh«r zi Heu wollen, rctnmi davon aAfe^en, weil sie k.ine geeignete Wohnung erlangen konnten. * Moems Eigentümliche Vergiftung. Bei der Traubenlese hatte ein Schulmädchen ausgeholfen. Nach Hause zurückeckehrt, fühlte es heftige Magenschmerzen, wenige Stunden später starb es. Anscheinend war eine Vergiftung durch irgend etwas, was an Trauben (je* fissen hatte, eingetreten. ^ ^ TUstt. Das Gericht mußte einen 15jährigen Schüler wegen Rauchens mit 4 Wochen Gefängnis be- firßfcr , A4 J I öl und Caßö. Die Ciiil't-ingnng der Kartoffrlerute. Die ng--ec.>.ch-e WittelUi! - r v- ;aogeacn ni bat -:i< ni ruv -i ,i,jU U ! ' üh- ^ ^ Stoffel rnle wesentlich erschwert weed» B.eschjedcn- .< ;ddicn in t*c mtv-r deuteten i , t, . . . . ,, Mit einem s.- l hcn ^ »ncr ' be H; l) Weibücber Rilfsaienff. Solare der Feind dni ehrlichen Fxiedcnkwlllcn ^ nckschlandS nickt anerkeunen will, sondern sein ganzes Rui.-.Gug an Menschen und Material dem Zwecke unserer -rn! rang bter: bar macht, gilt cs auch bet uns in 0 Hcimar alle Kräfte anzuspan-en. Noch immer vec- 1 'U- r^.y.'c Land über; zahlreiche Arbeitskräfte, die der I l Kriegswirtschaft zugeführt werden können. Wehrpflicht und Hllfsdienstpflrckt unterwerfen die männliche Bevöl- k"una d« m Ziaana. der ErK'gsnotwmdigkeiten, für die weibliche Bevölkerung gilt kein Zwang, weh! aber ein sittliches Gebot, freiwillig ihre vaterländische Pflicht zu e füllen. Biele Frauen und Mädchen haben schon dazu bugetragen durch rastlose Arbeit Heer und Nüstungstn- duftrie zu stärken. Ihnen, die in Stadt und Land unbewohnte MänncracSeit verrichten, gebührt ein großer Anteil an dem Dank, den Heranwachsende und kommende Geschlechter einst den Kämpfern des Weltkrieges wollen werden? Noch tobt der Kamps in großer Heftigkeit und drängt immer stärker der Entscheidung zu. Desto notwendiger bedarf die Heeresleitung tapferer Männer an der Front in großer Zahl, unausgesetzten Nachschubs an Munition und Kriegsgerät. Für unsere Feinde arbeitet die Kriegsindustrie der ganzen Welt! Wir sind nur auf uns rmd unsere Verbündeten angewiesen. Erneut und verstärkt ergeht daher der Nus an die noch nicht kciegs- tätige weibliche Bevölkerung, kriegswichtige Arbeit zu suchen und dadurch on dem großen Ziele, uns allen !ind unseren Nachkommen einen ehrenvollen und segensreichen Frieden zu m .gen, mitzuarbeiten. Auch solche Frauen, deren Z it du.ch Haushalt, Pflege u^d Erziehung ih'er Kinder in Anspruch genommen ist, finden in den Betrieben der Rüstungsindustrie Gelegenheit, in Halbtagsschichten dem Vaterland nützliche Arbeit zu leisten und dadurch zum Lebensunterhalt beizutragen. Wer nicht an die HeiRat gebunden ist, dem bietet sich Gelegenheit, in der Etappe Hausarbeit oder Bürodienst zu übernehmen.- Dort erhalten die Frauen, die als „Helferinnen" der Heeresverwaltung ihre Dienste zur Verfügung stellen, nicht nur gute Bezahlung, sonder auch eine gute auskömmliche Verpflegung; d^e durch die Rationie- cung un Heimatsgebiet bedingten Schwierigkeiten der Beschaffung fallen weg. Gut eingerichtete Heime, wohl- ellendc Fürsorge in geistiger und leiblicher Hinsicht dienen dazu, diesen Heiserrnnen die Heimat zu ersetzten. Möge jede, noch nicht im Dienst des Vaterlandes stehende Frau sich prüfen, ob sie sich nicht auch zur Erreichung des gemeinsamen großen Zieles und zum Gelingen des großen Ganzen beitragen Verpflichtet suhlt. Meldungen süc die Etappe werden von der Frauenarbeitsmeldestelle des Stadt. Arbeitsnachweis Gießen Westanlage 31 entgegengenommen, liebet Meldungen süc die Industrie wird in den Zeitungen der örtlichen. Bedarssstellen weiteres bekannt gegeben. MrsseabteLlttttg d. stellv. Gett.-K-s. XVIII. A.-K. Frankfurt a. M-, Reuterwcg 10. Verantwortlich: Albin Klein, Gießen. BekaNKtMachNng. Arachtstückgüter werden am 10., 11. und 12. Oktober 1918 von Stationen des Direktionsbezirks Frankfurt (Main) zur Beförderung nicht an- genommen. Die außerhalb dieser Sperrtage gültige Freiliste für den Stückgutversand ist eingeschränkt worden. Nähere Auskunft erteilen die Auskunftsstelle für Güterverkehr, Frankfurt (Main), Hohenzollernplatz 35, sonne die Güterabfertigungen. Frankfurt (M), den 8. Oktober 1918. Hö^igücbe Qfen&aftndireltiso r« frattltftm (Main). Ipllslseriiüq m 3 lliiiss M! Gutfundiertes, in hoher Entwicklung befindliches, auch für die Friedenszeit versorgtes, sehr gut. verzinsliches Industrieunternehmen (Millionenkapital), dessen Auffichterate erste Persönlichkeiten angehören, erlöli! iflioipe erhebiiclier Betriebserweiterung das Bruudkapiiai w 3 Millionen Hart Da Wert darauf gelegt wird, nicht allzuhohe Beträge in eine einzelne Hand zu geben, ist den bisherigen"Gesellschaftern nur die Hälfte des neuen Kapitals zur Verfügung gestellt worden. Der Restbetrag • von \% Millionen Mark ist für neue Gesellschafter reserviert. Seitens des Emissionshauses wird hierdurch dieser Betrag zur Zeichnung aufgelegt. Es handelt sich im Ganzen um 750 Anteile zum Emissionspreise von M. 2000.— das Stück; unter 5 Stück werden nicht abgegeben. Kriegsanleihe wird in Zahlung genommen. Die Beteiligung kann als grundsolide, höchverzinslich und sehr aussichtsreich ausgesprochen werden. . Die die Kapitalserhöhung beschiiessende Generalversammlung findet Ende Oktober statt. Offerten nur ernsthafter Reflektanten an die Expedition d. Zeitung unter 6774. Große Quantitäten PLatz-Vertreter gesucht garant. wasserfreie Oelware in Blech- und Pappdosen laufend abzugeben — Muster . gegen Einsendung von 60 Pfg. . 5 *i Diensten. Süddeutsche HarrdeLsnirdrrLrrlfuirg Cannstatt a. N. Vriefkassetten mit eingedruckten Namen billigst bei Albirr Klein. H. Philipp Put». Treibriemenfabrik, Berlin C. 2. will schreibe an den Grund ftücks-Ossciten-Verlag Frankfurt a.M., Schillerhof.