Bezugspreis 80 pfg. monatlich vierteljährlich 2,40Mk., vorauszahlbar, frei ins HauS. Ab geholt in unserer Expedition oder in den Zwcig- ausgabestellen vierteljährlich 1,80 Mk. — Erscheint Dienstag, Donnerstag u. Samstag. — Redaktionsschluß früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „Gicßcucr Zeitung", Gießen. Nr. 85. Donnerstag dm 26. September 1918 (GLeftcvcr Tageblatt) Knzkigeupreis 24 pfg. die 44 mw breite Petitzeile, für Auswärts 36 Pfg. Die 00 m m breite Neklame^Zeile 100 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberfchreitung desZa^lungS- zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfaü. Platzvorschriften ohneBerbindlichleit. Druck der Gicßener Verlagsdruckerei, Alb in Klein. Deteo hon Nr. 362. 3 1. £0. Feindliche DarchSrnchsversuche KhgewieseN. Im Monat August 42S0S0 feindliche BrutLoregistertsNttS« vrrmchtsL. Die U-Boot°Beute feit LlriegsbegiNN rund 192208ÄY BrutioNeMertSRnen. Der Krieg geht Sem Er? de zu!? MMde Srulstdr QgeOerkhk. Berlin, 23. Scpt. Auf dem Mittelmeerkricgtzschan- .piatz haben unsere Unterseeboole 2O OOO Bcuttorcatster' Wunen Schiffsraum versenkt, daruntec einen französischen Truppentranspottdampfer nahe der französischen Küste. Der Chef des Admiralstabes der Marine. 9 wtb. Großes Hauptquartier, 24. Scpt. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Nordwestlich von Dixmuide und nordöstlich von Upern machten wir bei e> folgreichen Unternehmungen. 70 Gefangene. Nördlich von Moeuvres wurden Teilan griffe dcS Feindes nbgewiesen. Die Actillecietätigkeit war im Kanalabschuttt südlich von Arteux gesteigert. H eeresgruppe Boehn. In örtlichen Gegenangriffen nahmen wir südlich von Villerö Guislain und östlich von Epehy Teile der in den letzten Kämpfen in Feiudeshand vcrbliebene Grabenstücke wieder und machten hierbei Gefangene. Gegenstöße des Feindes wurden abgewiesen. Zwischen Omlgnonbach und der Somme lebte vec AeLillernkamPf am Ab^ud auf. Leutnant Runny errang seinen 41. Luftsi.-g. Bei den anderen Heeresgruppen keine bi sondert n Kan'pshandlnngen. Lebhafte Erkundungstätigkett in der Champagne. Der Geste Generalquarticrmeister: Ladendorff.' > 9 Berlin, 24. Scpt., abends. Nordwestlich von St. Qu'ntin sind erneute heftige Angriffe des Feindes zwischen dem Ormgnonbich und der Somme gescheite t. 9 Berlin, 24. Scpt. Im Monat August hab.n die Mittelmächte rund 420 000 BcuttoreMertonmn dcS für unsere Feinde nutzbaren Hand.lsschiffsraums vernichtet. Der dem Feinde zur Verfügung stehende Handelsschiffsraum wird somit allein durch kriegerische Maßnahmen der Mittelmächte seit Kciegsbeginn um rund 19 220000 Bcutwregistectonnen vcrxuchert. Hiervon sind etwa 11920000 Lcuttoregistertonnen Verluste der - englischen Handelsflotte. Nach inzwischen gemachten Feststellungensind soweit bisher bekannt, im Monat Juil außer den seiner Zeit schon bekannt gegebenen Verlusten der feindlichen oder im Dienste unserer Gegner fahrenden Handelsschiffe noch weitere Schiffe von zusammen etwa 40000 Bruttoregister- tonnen durch kriegerische Maßnahmen schwer beschädigt in feindliche Häfen eingetroffen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. wtb. Großes^Hauptquartier, 25. Scpt 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Nnppcecht. Rege Eckundungstätigkeit in Flandern Zwischen Moeuvres und dem Walde von Havrincomt lebte der Artillertekampf auf. Bei Moeuvres scheiterten erneute Angriffe des Feindps. Heeresgruppe des Generaloberst v. Boehn. Oestlich von Epehy nahmen wir im örtlichen Gegenangriff die vor den Kämpfen am 22. 0. gehaltenen Limen wieder. Zwischen dem Omignon-Bach und der Somme nahmen Engländer und Franzosen ihre Angriffe gegen St. Quentin wieder auf. Sie waren von starker Artillerie und Panzerwagen begleitet. In Pontruet, Gricourt und Fcancilly-Lelency faßte der Gegner am frühen Morgen Fuß. Versuche des Feindes, in heftigen, sich gegen Mittag fortsetzendrn Ängriffen die EinbruchSstclle zu erweitern, scheiterten. Durch Artillerie und Flieger, wirksam unterstützte Gegenstöße unsere Infanterie und Pioniere brachten gegen Mittag Pontruet und Gricourt wieder in unseren Besitz. Die zwischen beiden Orten gelegene Höhe wurde nach wcchsclvollem Kampfe wieder genommen. Fcancilly- Selercy blieb in Feindes Hand. An der übrigen Front brachen seine Angriffe meist schon vor unseren Linien zusammen. Wo er sie erreichte, wurde er im Gegenstoß wieder zurückgewocsen. Heeresgruppe Deuljchrr Krouprlnz. Zwischen Ver britische Arbeitsminister Roberts hielt in Paris eine Rede, in der er sagte, ein Friede sei. ausgeschlossen, bevor nicht Deutschland die Reichslande bedingungslos an Frankreich zu- rückgegeben hat. Von einer Abstimmung der elsaß- lothringischen Bevölkerung könne keine Rede sein, denn diese wäre nur eine Farce und könne leicht eine Ungerechtigkeit billigen. „Wir wollen über diese Frage nicht verhandeln." Wie man sieht, ist im Siegestaumel über die letzten Erfolge an der Westfront Roberts völlig zum getreuesten Schüler der Lloyd George und Clemenceau geworden. Tie gewaltigen Fortschritte der Alliierten- Am 6. September schrieb Herve in der „Victoire übier eine Meldung des Korrespondenten des „Petit Parisien", daß die Deutschen beabsichtigten, bis an die belgische Grenze zurückzugehen und sich dort sestzu- setzen. „Unsere belgischen Freunde sollen sich nicht beunruhigen. Belgien wird ebenso schnell wie Nord- frankreich geräumt werben. Marjchall Foch wird den Deutschen nicht erlauben, sich an eure Linie längs der belgischen Südsront anzuklammern. Tie deutsche Armee ist seit dem 18. Juli aus dem Wege, nicht nur nach der Maas, sondern nach dem Rhein." Tie Prophezeiung Herdes wird durch folgende amtliche Meldungen wirksam illustriert. Am 5. September meldete der Funkspruch Horsea: „Englische Truppen sind in Moeuvres eingedrungen." Am 20. September meldet Earnarvon: „Tie Deutschen erzielten geringe Änsangsersolge der Moeuvres." Schwere Ententeverluste am Toiransee. Der bulgarische Generalstabsbericht vom 19. September teilt mit: Oestlich der Cerna fanden den ganzen Tag über schwere Kämpfe mtt wechselndem Erfolge statt. Zwischen der Ortschaft Gewgheli und dem Doiransee gelang es dem Feinde nach hartnäckigem Kampfe, zeitweilig rn manche vorgeschobenen Stellungen einzudrrn- gen, aber durch einen schneidigen Gegenangriss wurde er mit bedeutenden Verlusten vertrieben. Vluf diesem Schlachtfeld erlitt der Feind außerordentlich schwere Verluste an Toten. Japaner im Anzüge. Der Eisenbahnverkehr in Sibirien ist wegen Trup- penverschiebungen zehn Tage unterbrochen. Ern Bericht des Stabes der sibirischen Armee meldet, daß aus der Mandschurei vorrückend Japaner im Anzüge feien. Ein Anhänger der roten Regierung rn Sibirien berichtet, die Tschecho-Slowaken schätzten die von Osten her zu erwartende Hilfe aus 30 000 Mann, darunter 5000 Japaner, 10 000 Franzosen, 10 000 Amerttanec und 5000 Engländer. Enteilte miilktttven für den Bolschewikisturz. Die „Prawda", das Petersburger Blatt der Bol- schewikiregterung, bringt weitere Enthüllungen über die Beteiligung der Entente an den Verschwörungen gegen die bolschewistische Regierung. So haben sich die französische und die englische Gesandtschaft durch Zahlung bedeutender Summen an einem Unternehmen der Kadetten beteiligt, desten Haupr* zentrulu sich in Petersburg befand und das sich über das ganze Nordgebiet erstreckte. Aus einem ArchuZ der l sch echo-slowakischen Partei geht weiter hervor. j welche Summen die englischen und französischen diplo- \ manschen Vertreter gezahlt haben, sowie wer die Emp- | langer sind. Im tanzen und von der frauzäjischen ! Negierung l 1 1 8 88000Rubel und außerdem eine hohe Summe von dem englischen Konsul gezahlt wor- den. Auch wurden bei flüchtigen ehemaligen Offizieren und Zivilbeamten, die un Norden auf dem Wege nach Archangelsk als Bauern verkleidet mit falschen To tu- menten gefaßt wurden, viele Bescheinigungen gefunden, wonach sie von den Engländern Geld erhalten haben. Tie Offiziere hatten den Aufstand in Wologda vorbereiten sollen. Ein Hilferuf gegen den russischen Terror. Die Negierung der Ukraine überreichte allen in Kiew vertretenen Diplomaten eine Note mit einem Protest gegen die Verhaftung des Patriarchen Lickons, die Erschießung ukrainischer Staatsangehöriger und die unmenschliche Form der politischen Kanrpfführung durch die Bolschwisten. Der deutsche Botschafter wurde gebeten, daß die deutsche Regierung den Ukrainern in Rußland denselben Schutz wie den Deutschen angedeihen lassen möge, nämlich, daß keinerlei Verhaftung oder Antastung ihrer Person ohne förmliche Erlaubnis der deutschen Negierung gestattet sei. Es unterliegt keinem Zweifel, daß auch in Deutsch- land die Nachrichten über die Greueltaten der Bolschewisten größte Erregung Hervorrusen. Wir haben auch nicht die geringste Sympathie für eine solche Blutherrschast, wie sie jetzt von Moskau aus geführt wird. 2*. Gowraub iu Kasan. Vor dem Einzug der Cowjettrnppen in Kasan haben di? Ententesreunde die dortigen gewaltigen l ciL't'ürräte in Sicherheit gebracht. Der Damit beauflagte Offizier meldet am 22. August über den Verbleib des aus Ka.au cnisernten GoldvorratS: . Zch berichte, daß gegenwärtig der Atransvort Rußland gehörenden Goldvorrats beendet ist. Ich habe aus Kasan abgefertigt: an Gold 657 jDiillionen Rubel nominell (nach jetzigem Werte 6,5 Milliarden Rubel), 1 Uü Millionen Rubel Papiergeld, für ungeheure Summen allerhand andere Werte, Vorräte von Platin und Silber." Die Bolschewisten berichten, daß sie bei der Besetzung von Kasan die Stadt leer aufgefunden haben: rem Geistlicher, kein Mönch, kein Bürger befand sich mehr darin. Die elektrische Station ist heil geblieben, nur die Wasserleitung ist beschädigt. Neue Verschwörung gegen die Bolschewik. lieber Wien wird aus Moskau gemeldet: In dem wichtigen Bahnknotenpunkt Koslow vor Woronesch wurde eine weitverzweigte Verschwörung entdeckt, die vom Vorsitzenden des Sowjets Jawrow und dem Kriegskommtssar Koruchowitfch geleitet wurde. Die sogenannte „eiserne Kompagnie" der Roten Armee trat zu den Verschwörern über. Zwei Regimenter blieben jedoch der Regierung treu. Die Unterdrückung de« Ausstandes geht im ganzen Kreise vor jich. Ereignisse zur See. Versenkung. Im Mrttelnieer wurde das französische Lrup- pentransportfchifs „Admiral Eharner" mit einer La- düng von Pferden uno Material versenkt. An der albanischen Küste wurde von einem österreichischen U-Boor ein großes französisches U-Boot durch Dorpedoschuß vernichtet. Neue Ver- senkungsineldungen kommen auch aus den nordamerika- buchen Gewänern. Drei Dampfer, darunter einer von 7600 und 8Ö00 Tonnen Gehalt, wurden torpediert. Von einer Sendung von 800 Lokomotiven, die Amerika Frankreich leihen wollte, sind in Frankreich nur 100 angekommen, die übrigen liegen auf dem Rl 22 resböden! u- Bootarbeit ! Politische Rundschau. — Ter Oberkomr andierende der bulgarischen Armee. Generalleutnant Sch e low, hat sich in Arien infolge einer Mittelohrenentzündung operieren lassen. Er' ist bereits vollkommen fieberfrei und oermag das Bett schon für Stunden zu verlassen. r :: Tie Lösung Der Wahlrechtsfrage möglich. Gut unterrichtete Kreise versichern, es sei möglich, daß das .Herrenhaus das gleiche Wahlrecht doch noch annehme Es soll nur eine 1. Alterszusatzstimme hinzugefügt werben. Sollte die Regierung aus diesen „Vermittlungs"- Äorschlag nicht eingehen und aus höchstens einer Zu- satzstimme bestehen, dann ist anzunehmen, daß diese eine Zusatzstimme weder dem Herrenhaus noch dem Ao- geordnetenhaus als besonders wichtig erscheint. Xn diesem Falle ist eS denkbar, daß Herrenhaus und Abgeordnetenhaus sogar auf jede Zusatzstimme verzichten und den Artikel 3 in der ursprünglichen Fassung der Regierungsvorlage zum Gesetz erheben werden. :: Adolf Hossmaurr, Der Stratege. Im „Verl. Tbl." veröffentlicht der sozialdemokratische Lanötagsabgeord- uete Adolf Hofsmann eine Erklärung über das Mißlingen seiner Verhaftung, die ein Polizeibeamter am Donnerstag abend im Berliner Lehrerveretnshaus vornehmen wollte, weil er au§ seiner Rede eine Aufforderung zum Landesverrat herausgehört haben wollte. Hosfmann selbst erzählt: „Ich ersuchte, die richtige und treffende Antwort auf diesen neuen Beweis der Versklavung in Preußen- Deutschland bei der kommenden ReichstagZwahl zu geben. In diesem Augenblick löste der überwachende Beamte auf. Als ich durch das Gedränge im Saal von dem Ueberwachenden, der meine Verhaftung ohne jeden Grund vornehmen wollte, abgedrängt war. hatte ich natürlich keine Ursache, der Antastung der Unverletzlichkeit des Abgeordneten Vorschub oder durch mein Verhalten Beihilfe zu leisten, sondern ich „zog mich vom Feinde unbemerkt strategisch klug zurück"." Da ein Abgeordneter, nach der Verfassung, nur aus frischer Tat, innerhalb^ 24 Stunden, ohne Znstim- .mung des Parlaments verhaftet werden darf, bleibt Herr Hosfmann 24 Stunden verschwunden. :: Tic Fortbildung ocr Parlamcntarisierung ist eines der politischen Schlagworte, das jetzt tagtäglich jn. der Messe erfHeint. Nichtig ist, daß im tntersrak- lionellen Ausschuß der MehrheltSparkelen u. a. dle For- derung erhoben worden ist, Artikel 9 der Verfassung, der bestimmt, daß kein Mitglied des Reichstages zugleich dem Bundesrat angehören kann, müsse jetzt endlich über Bord geworfen werden. Dadurch würde der Weg frei für den Eintritt von Sozialdemokraten in die Regierung. Man nimmt nun freilich an, daß Graf Hertling diese Wandlung nicht einfach mitmacht. Daher die Hinweise auf sein Ausscheiden. So bestimmt diese Gerüchte auftreten, darf man doch auch heute noch behaupten, daß bis zu ihrer Verwirklichung noch ein großer Schritt ist. Die am Montag zusammentretende Zentrumsfraktion wird schwerlich bereit sein, mit dem Herrn Erzberger über den Kanzler hinwegzugehen, und auch die Nationalliberalen sollen dazu nicht zu haben sein. * * * Oesterreich: Tie Zweiteilung Böhmens. * Aus unterrichteter Quelle verlautet, daß die Zweiteilung der Laudesverwaltung für Mähren in den letzten Tagen dieses Monats veröffentlicht werden wird. Die Durchführung der Zweiteilung wird in der Weise erfolgen, daß zwei nationale Abteilungen mit einer gleich großen Anzahl von Beisitzern geschaffen werden. An der Spitze jeder nationalen Abteilung wird ein Vizepräsident stehen. Außerdem erhält jeder der Senate einen eigenen Finanzreserenten. An der Spitze der Kommission wird, wie bisher, ein gemeinsamer Präsi- dent stehen. Der gegenwärtige Präsident, Graf Adalbert Schönborn, soll bleiben. Finnland: Prinz Friedrich Karl nur Rcichsverweser? * Dem Prinzen Friedrich Karl von Hessen soll nahegelegt worden sein, er möge zustimmen, daß die finnische Thronfrage in der Schwebe bleibe. Er könne sich ja zunächst auf fünf Jahre als „Reichsverwefer" wählen lassen. Dem finnischen Volke solle die endgültige Entscheidung für später Vorbehalten bleiben. Dieser Notbehelf sölle verhüten, daß endgültig geschaffene Tinge sich später als schwere Hindernisse erweisen. Ter Prinz habe diesem 'Vorschläge noch nicht zugestimmt. Tod:„Dz stc-iins ich such:" Aus aller Welt A Lodavcrteilung. Durch eine neue BundeSrats- evrordnung wird der Reichskanzler ermächtigt, auch den Verbrauch von Soda zu regeln, für den bis dahin eine Regelung noch nicht getroffen war. Ter Zweck der Regelung ist, die ungleichmäßige Versoryun der einzelnen Verbrauchsgediete auszugleichen, indem bis jetzt teilweise für die Volkswirtschaft, insbesondere für die Volksgesundheit wichtige Betriebe Mangel litten, während weniger wichtige ihren Bedarf vollständig decken konnten Weil er sich langweilte. In einem Hause in Flensburg hatte eine Frau ihr Söhnchen in der Wohnung eingeschlossen und war auf längere Zeit weggegangen. Dem Jungen wurde es zu eintönig in der Wohnung, und er sann darauf, wie er die Freiheit erlangen könnte. Lautes Klopfen führte nicht zum Ziel. Schließlich schrie er aus Leibeskräften: „Feuer! Feuer!" Hausnachbarn eilten an die WohnungStür, und als sie diese verschlossen fanden, wurde die Feuerwehr durch den Melder an der Kaserne herbeigerufen. Tie Wehr erschien, man öffnete gewaltsam die Tür und fand den Attentäter verschüchtert im Bett. Von Feuer keine Spur. * Verunglückter Pfarrer. Vor etwa 14 Tagen verreiste der Pfarrer von Süsterseel. KreinS, und wurde seitdem vermißt. Jetzt wurde seine Leiche bei Köln im Rhein gelandet. Ter 72 Jahre alte Pfarrer wird auf irgend eine Weise verunglückt sein. * Heimliche Seifenfabrik. Bei einem Gastwirt in der Nähe von Beuthen wurden durch die Beuthener Polizei für 80 000 Mark frische Toiletienseife beschlagnahmt. Dieselbe muß in Oberschlesien fabriziert worden sein. Anscheinend sollte die Seife im Schleichhandel weiter verkauft werden. * Ein derber Schwindel. Bei einer Gewerbetreibenden in Stolp erschien ein junger Mann, der sich als Sohn eines Fleischermeisters ausaab und angab. sie könne Fleisch erhalten, sie solle sich nur in den Hausflur feines Vaters begeben, dort werde er es ihr aushändigen. Tie Frau glaubte den Angaben, begab sich dorthin und erhielt gegen Zahlung von 240 Mark auch eine schwere Tasche ausgehändigt. Nachdem sie sich entfernt hatte, entdeckte sie, daß die ihr ausgehäu- digte Tasche Sand enthielt. Es gelang einem Polizeibeamten, den Täter zu ergreifen und ihm das Geld wieder abzunehmen; es handelt sich um einen 26- jährigen stellungslosen Malergehilfen aus Stettin. * Nm ganz sicher zu gehen- Aus der kleinen Helme in der Nähe ihrer Einmündung in die Unstrut wurde die Leiche eines bis jetzt unbekannten Mannes gezogen, i welcher einen Mt Ginnen gefüllten liuckfack auf im \ Rücken und einen Strick um den Hals hatte Den Umständen nach liegt Selbstmord vor. ** Spanischer Typhus. Aus Madrid wird das Auftreten einer neuen geheimnisvollen Krankheit gemeldet, die sich in ganz Spanien, besonders aber m der Riadrider Garnison, bemerkbar mache. Madrid verzeichne bisher 4000 Fälle; die ersten Symptome seien die der spanischen Krankheit, die jedoch schnell in Typhus umschlage. ** Tas Geständnis des Mörders. Der Forstläufer und Kastellan des Fürstlichen Jagdschlosses Ratsfeld namens Helke, der nach einem Streit seine Frau un Schlafzimmer mit einem Hirschfänger ins Gesicht stach und dann erschoß und ieU vier Wochen un Amtsgerichtsgefängnis untergebracht war, hat seine Tat ein- gefianden und wurde in das LandgecichtsgefängniS nach Rudolstadt übergeführt. Er wird in der nächsten Schwurgertchtsperiode abgeurteilt werden. ** Ein Berg zu verkaufen. Ter Verkauf des Thierberges wird von der Stadtgemeinde Kufstein geplant, um die durch den Krieg erheblich gestiegene Schuldenlast abzutragen. Der Berg umfaßt einen Flächeninhalt von 145 Hektar und sein Wert wird auf 1,5 Milk. Kronen geschätzt. 1809 kostete er 4000, 40 Jahre später 40 000 Gulden. 1911 erwarb ihn die Stadt um 450 000 Kronen. Die Spazierwege sollen der Oeffent- lichkeit zugänglich bleiben. ** Einer großen Verschiebung ist die Hamburger Polizeibehörde auf die Spur gekommen. Es war bekannt geworden, daß in einem Kaffeehause in Barm- beck häufig Besprechungen zwischen Leuten stattfanden. die große Oelaeschäfte verabredeten. Die Polizei verhaftete daraufhin einen Kaustnann, aus Hamburg, einen Geschäftsmann aus Neumünster und einen Maschinenbauer aus Kiel. Sie haben einem Fabrikbesitzer in Neumünster 160 000 Pfund Oel, das Pfund zu 6,90 Mark, im Gesamtbetrags von 1 104 000 Mark verkauft. Der Betrag sollte in Raten gezahlt und zunächst 40 000 Pfund, die in einem Hamburger Speicher tatsächlich, lagerten, gegen sofortige Bezahlung geliefert werden. Doch ehe das geschehen konnte, war das Oel beschlagnahmt. Gerichtssaal. EB Ein erfolgreicher Hamsterer. Der Privatmann Friedrich Ernst Aßmus in Leipzig-Lindenau hat als Hamster und Schleichhändler eine Tätigkeit entfalte^, deren Erfolge der Vorsitzende des Leipziger Schöffengerichts in der gegen ihn geführten Verhandlung bei der Knappheit der Nahrungsmittel als fast unbegreiflich bezeichnete. Es konnte ihm nachgewiesen werden, daß er in der Zeit von Mitte März bis in den Juni (also in drei Monaten) zusammengebracht hatte 670 Eier, 30 Stück Butter, 28 Pfund Speck, 13 Pfund Schmer, 13 Pfund Rindfleisch, 30 Pfund Brot, 30 Pfund Mehl und für 145 Mark Rippenspeer. In ähnlicher erfolgreicher Weise soll er nach Zeugenaussagen schon vorher gehamstert haben. Was vor Mitte März liegt, stand indessen nicht unter Anklage. Ter Angeklagte suchte sich mit der Behauptung zu entlasten, daß er alle die Vorräte lediglich zum Verzehr für sich und seine Familie gekauft habe. Das Gericht hielt das indessen für durchaus unglaubhaft und erkannte auf vier Wochen Gefängnis und 2000 Mark Geldstrafe. * Schwindel mit Ersatzstärke. Ein charakteristisches Bild, wie man die Hausfrauen mit allen möglichen und unmöglichen Dingen hereinzulegen versucht, ergab eine Gerichtsverhandlung in Bochum. Ein Fräulein Hedrich aus Berlin reiste im Lande umher und hielt Vorträge über das Thema: „Keine Stärkenot mehr. Neu erfundenes Stärkemittel. Ersetzt vollständig Reisstärke." Jede Frau zahlte 50 Pf. Eintritt und Oie meisten erwarben am Schluß der Vorträge eine Broschüre zu 1,50 Mark, die einen Wert von 40—50 Pf. hatte. Frl. Hedrich zeigte eine kleisterartige Masse vor, die angeblich aus Pflanzen leim bestehen und das neue Stärkemittel darstellen sollte. Sie tauchte zwei fertig liegende Herrenkragen kurz in die zubereitete Lösung des neuen Stärkemittels, rieb sie tüchtig ab und bügelte die Kragen vor den Augen der Damen fertig. Die Kragen zeigten einen blendenden Glanz und waren so steif wie ein guter Friedenskragen. Das neue Stärkemittel war jedoch nur ein Kleister aus Kartoffelmehl, der schon seit alter Zeit als minderwertiges Stärkemittel bekannt ist. Die Kragen waren mit guter Friedensstärke und mit Borax kräftig getränkt, so daß sie beim Bügeln einen schönen Glanz und gute Steifheit zeigen mußten. Die Angeklagte wurde zu 5000 Mark Geldstrafe verurteilt. * Landwirte als Fclddiebe. Drei Landwirte und eine Landwirtswitwe standen in Kassel vor Gericht unter der Anklage, sich im Laufe der letzten Monate in bandenmäßiger Weise zusammengetan und während der Nachtzeit die Felder anderer Landwirte in dortiger Gemarkung geplündert zu haben, um das auf diese Weise gestohlene Getreide teilweise selbst zu benutzen oder zu teuren Preisen an andere Familien wieder zu veräußern. Auf Grund der umfangreichen gerichtlichen Feststellungen nahm der Gerichtshof schließlich für erwiesen an, daß die Angeklagten in mehreren Fällen und von den Grundstücken verschiedener Besitzer mindestens neun Zentner Gerste heimlich zur Nachtzeit abgeerntet und gestohlen haben. Der Hauptangeklagte, welcher bereits in ähnlicher Weise vorbestraft ist, erhielt eine Gesamtstrafe von neun Monaten Gefängnis. Die übrigen kamen mit geringeren Strafen davon. Volkswirtschaftlich es. A Tie Ta batst r iuikt beschlagnahmt. Ter Bundes- rat hat verordnet, daß bei der herrschenden Tabak- rnappheit auch auf die Tabakstrünke, das sind die nach dem Abblatten noch übriggebliebenen Bestandteile der Tabakpflanze zur Herstellung von Erzeugnissen, namentlich von Rauchtabak, zurückgegrifsen wer- den kann. Tie Auslegung der bisherigen Fassung der Bekanntmachung konnte über die Zulässigkeit der Beschlagnahme der Tabakstrünke Zweifel bestehen lassen, welche beseitigt werden müssen, um für die diesjährige Ernte eine restlose Erfassung auch dieser brauchbaren Bestandteile durch die Deutsche Ta-akyandelSgesellfchafr j in Mannheim gesetzlich einwandfrei zu gewährleisten. Die MsWMfWMMslM für erwerbstätige Trauen and MArdr». -— Wrsraniage r', ; =£== bietet Frauen und Mädchen unentgeltlich Auskunft und Beistand in häuslichen und persönlichen Angelegenheiten, sowie Beratung bei der Wahl der Beschäftigung. MMer- snü ZZÄgjmgLsthutr. KMirförforae. Sprecftltutide«: iirrä B0ilii2rS*£ä> * vO»* § 7 ill)?* Ladsir um ueiei 1'. 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